Martin Compart


DER NOIR-FRAGEBOGEN MIT STEFAN HEIDSIEK by Martin Compart
25. Oktober 2018, 10:09 am
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Gerade hat Stefan Heidsieks Blog CRIMEALLEY sein dreijähriges Bestehen gefeiert. Die dortigen Rezensionen sind manchmal kontrovers, immer fundiert und gut geschrieben. Stefan ist nicht nur ein exzellenter Kenner des Genres, er stellt die besprochenen Bücher und Autoren auch in den ästhetischen, politischen und historischen Kontext. Er hat eine eigene, unverwechselbare Stimme in der Krimi-Szene.

Über mich selbst:

Geboren in Bielefeld und aufgewachsen im ländlichen Jöllenbeck. Über Grundschule, Realschule und Gymnasium den Weg zur Universität angetreten. Vier Semester Bachelor-Studium in Literaturwissenschaften und Geschichte Richtung Fachdidaktik, dann Abbruch des Studiums und Beginn einer Ausbildung zum Buchhändler bei Thalia in Bielefeld sowie an den Schulen des Deutschen Buchhandels in Seckbach, Frankfurt. Aufgrund privater Gründe Umzug in den hessischen Spessart, Beendigung der Ausbildung bei Thalia in Kassel und anschließend Wechsel zur Filiale in Darmstadt. Dort knapp drei Jahre verantwortlich für den Bereich Belletristik und Spannungsliteratur. Nach Geburt der Tochter berufliche Umorientierung und inzwischen Plant-Coordinator für RFID im Bereich Industrie 4.0.

Nebenbei zwischen 2009 und 2014 als Online-Redakteur auf dem Internetportal Krimi-Couch tätig (https://www.krimi-couch.de/). Seit Oktober 2015 schreibe ich Rezensionen auf meinem eigenen Blog Crimealley (https://crimealleyblog.wordpress.com/), vorwiegend zu Spannungsliteratur, aber auch ausgewählten Titeln anderer Genres. Ab Juli 2017 Erweiterung des Teams um Jochen König und Dieter Paul Rudolph, welcher zu unserer großen Trauer leider bereits kurze Zeit später überraschend starb.

Hier der Bünnagelsche Fragebogen mit Stefan Heidsiek:

Name?

Stefan Heidsiek. Über Umwege verwandt, aber nicht profitierend von der französischen Champagner-Dynastie. Auf dem Fußballplatz für alle nur „Heidsiek“.

Berufungen neben dem Schreiben:

Natürlich in erster Linie die Lektüre, vorzugsweise auf dem heimeligen Sofa mit entsprechendem Soundtrack in Hintergrund und einem kleinen Notizbuch zur Hand. Überhaupt ist die Musik ein ganz wichtiger Bestandteil des Lebens, hier vor allem Hard-Rock und Heavy Metal, aber auch Britpop (z.B. Blur, Oasis, Stereophonics oder Snow Patrol). Seit zwei Jahren zudem leidenschaftlicher Gärtner und mit Frau und Kindern gern in der Natur. Dazu die seit 1992 und ewig währende Passion Borussia Dortmund. Lieblingsreiseland ist die britische Insel, allein voran das raue Schottland.

Film in Deinem Geburtsjahr?

„Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Die klassische Star Wars Trilogie begleitet mich bis heute.
„James Bond – Octopussy“. Unvergessen aufgrund der klischeehaften Darstellung der Deutschen und tatsächlich mein erster Bond.
„Scarface“. Brian De Palmas grandiose Visualisierung von Armitage Trails Roman. Einer der wenigen Verfilmungen, die mir besser gefällt als die literarische Vorlage.
„Im Wendekreis des Kreuzes“. Gregory Peck in seiner für mich besten Rolle.
„Der Sinn des Lebens“. Anarcho-Humor von Monty-Python. Klassiker!

Ansonsten ein mehr als maues Filmjahr.

Was steht im Bücherschrank?

Es sind ehrlich gesagt mehrere Bücherschränke und diese sind nach Genres und darunter nochmal alphabetisch nach Autoren geordnet. Allein im Bereich Krimi sind es inzwischen weit über 3.000 Titel.

Wichtige Schriftsteller wären im Bereich Krimi u.a.: Alter, Ambler, Ball, Block, Bruen, Burke, Campbell, Carr, Chandler, Charyn, Christie, Collins (Max Allan), Connelly, Connolly, Crais, Crumley, Dexter, Disher, Doyle, Ellroy, Estleman, Giovinazzo, Hall, Hamilton, Hammett, Hart, Highsmith, Hill, Higgins, Hunter, Juretzka, Lansdale, Le Carré, Lehane, Leonard, MacDonald (Ross und John D.), McBain, McKinty, Manchette, Manotti, Meyer, Mosley, Murphy, Nunn, Parker (Robert B.), Peace, Pelecanos, Rankin, Raymond, Sallis, Spillane, Stark, Starr, Thomas, Thompson, Vachss, Wambaugh, Westlake, Willeford, Woodrell und Woolrich.

Außerhalb des Krimis: Auster, Ballard, Blackwood, Boyd, Boyle, Bradbury, Bukowski, Burgess, Carver, Celine, Cornwell, Dick, Dijan, Dostojewski, Dubus, Eco, Fallada, Faulkner, Fitzgerald, Ford, Gablé, Gay, Greene, Hemingway, Herbert, Irving, Kerouac, King, Lovecraft, Maugham, McCarthy, McCullers, Miéville, Niven, O’Brien, (Flannery) O’Connor, Pancake, Perutz, Poe, Pynchon, Selby, Simmons, Sinclair, Stackpole, Steinbeck, Stevenson, Tolkien, Verne, Wells, Welsh, West, Yates und Zahn.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?

Es ging ganz klassisch mit Raymond Chandler und Dashiell Hammett los, im Anschluss daran folgten gleich mehrere Autoren aus Bastei Lübbes „Schwarze Serie“ sowie vor allem der grandiose Cornell Woolrich.

Aufgrund meines Jahrgangs erst mit dem Neo-Noir in Kontakt gekommen. „L.A. Confidential“ und vor allem „Chinatown“ begeistert mit den Eltern auf dem Sofa geguckt. Dann später über Woolrich Entdeckung des klassischen Film Noir mit „Die Nacht hat tausend Augen“ und „Das unheimliche Fenster“ sowie die Hammett-Verfilmung „Der Malteser Falke“. Anschließend Fixierung auf Robert Mitchum, Hauptdarsteller in zwei meiner Lieblingsfilme, „Goldenes Gift“ und „Die Nacht des Jägers“ (Ich sage nur: „Ruhe, Ruhe …“).


Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?

Wie man meinem Blog ansieht natürlich die gängigen: Schwarz-Weiß, nasses Kopfsteinpflaster, Straßenlaternen im Nebel, Mann mit Fedora-Hut und Trenchcoat, Zigarettenrauch in der Dunkelheit, ein Schatten in einem Fenster, ein Schrei, ein Mord – und die Femme Fatale am Tatort.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Neben den bereits erwähnten u.a. „Ein Satansweib“, „Tote schlafen fest“, „Die Narbenhand“, „Im Zeichen des Bösen“ (Welles‘ Meisterstück!).

Bei den Neo-Noirs: „Die letzten beißen die Hunde“, „Point Blank“, „Vertigo“, „Dirty Harry“, „Millers Crossing“, „Pulp Fiction“, „Heat“, „Fargo“, „Collateral“, „Sin City“, „Drive“ und beide Blade-Runner-Filme

Und abgesehen von Noirs?

Puh, von den bisher nicht genannten, sind auf jeden Fall folgende ewige Favoriten: „Star Wars – Episode 4-6“, „Agenten sterben einsam“, „Die Brücke über den River Kwai“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „The Good, The Bad & The Ugly“, „Herr-der-Ringe“-Trilogie, „Der Geist und die Dunkelheit“, „Gesprengte Ketten“, „Die Verurteilten“, „Batman – The Dark Knight“, „Prestige – Die Meister der Magie“, „Total Recall“, „Terminator“ und „Prisoners“. Und ich habe bestimmt noch einige vergessen.

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?

William Hamleigh aus „Die Säulen der Erde“ ist mir aus Jugendtagen eindringlich in Erinnerung geblieben. Im Noir-Bereich gibt es viele hassenswerte Gestalten – die haben allerdings eher meine Sympathie, denn ohne sie wäre es ja kein richtiger Noir.

Noir-Fragen – Dein Leben als Film Noir

1. Im fiktiven Film Noir Deines Leben – welche Rolle wäre es für Dich?

Ein Private-Eye, mit nem Deckel in jeder Bar, tagsüber schlafend, nachts die Gassen der Stadt unsicher machend.

2. Und der Spitzname dazu?

The Axe

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Ian Rankin

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?

„Rien ne va plus, Arschloch.“

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?

Farbfilm. Der Ton aber vornehmlich dunkel, die Farbe kommt allein von Laternen oder Leuchtreklame. „Blade Runner“ lässt grüßen.

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Kavinsky

7. Welche Femme Fatale dürfte Dich in den Untergang führen?

Im Film Noir: Claudia Cardinale
Im Neo Noir: Jennifer Lawrence

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Ford Mustang 428CJ Fastback, Baujahr 1968, V8 mit 360 PS, in „Bullitt“-Green

9. Und mit welcher Bewaffnung?

Smith and Wesson Model 29

10. Buch für den Knast?

James Joyce „Ulysses“ – Da habe ich keine Ausreden mehr

11. Und am Ende. Welche Inschrift würde auf Deinem Grabstein stehen?

„Dead men are heavier than broken hearts.“

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Der Noir-Fragebogen mit Hanspeter Eggenberger by Martin Compart

Den Bünnagelschen Fragebogen füllt heute einer der profiliertesten Krimi-Kritiker aus. Seit Jahrzehnten im Geschäft, zeichnen sich seine zahlreichen Rezensionen und Portraits durch großes Fachwissen, mitreissenden Stil und Liebe zum Genre aus. Er gehört zu den wenigen deutschsprachigen Rezensenten, die das Niveau der Kriminalliteratur-Rezeption auf eine höhere Ebene geführt haben.

Ein paar Worte zu Deinem bisherigen Leben

Schreibe derzeit mit der Kolumne „Krimi der Woche“ im Zürcher „Tages-Anzeiger“ wieder mal für ein grösseres Publikum über Kriminalliteratur (krimi.tagesanzeiger.ch). Mein tägliches Brot, und gerne auch ein Steak dazu, verdiene ich mit Text- und Redaktionsarbeiten für Verlage und andere Unternehmen.
Mit 20 erste Anstellung auf einer Redaktion. Neben dem Journalismus im Kulturbereich aktiv, alternatives Kino u.a. In den 1980ern Kulturchef und Filmkritiker bei der „Berner Zeitung“. Höhepunkt: „BZ Krimi-Sommer“ – einen ganzen Sommer lang täglich Beiträge zur Kriminalliteratur, beworben mit sechs Weltformat-Plakatsujets: von kurzen Buchtipps bis zu grossen Autorenporträts, darunter auch Beiträge von Jörg Fauser. Erstmals Kontakt mit Martin Compart (damals bei Ullstein).
Dann bei diversen Zeitungen und Magazinen in Zürich vor allem, aber nicht nur, im Kulturbereich. Seit 2001 selbständig. Zwei etwas unregelmässig bewirtschaftete Blogs: seit 2005 http://americana-usw.blogspot.de/ („Über handgemachte Musik: Roots Rock, Country, Rock ’n’ roll, Folk, Blues, Rockabilly, Singer/Songwriter, Cajun, Zydeco, TexMex und so weiter“); seit 2011 http://krimikritik.blogspot.de/

Literarische Aktivitäten (nenne einige Übersetzungen, Lektorate, Nachworte usw).

Keine im Noir- bzw. Krimi-Bereich. Nur Texte zu Kriminalliteratur in Zeitungen und Magazinen, in neuerer Zeit auch Online.

Berufungen neben dem Schreiben?

Ich würde es eher Passionen nennen als Berufungen: Americana (Musik, passiv), gutes Essen (auch selbst gekocht) und Wein, zeitgenössische Kunst, Südfrankreich.

Film in Deinem Geburtsjahr?

„Touchez pas au grisbi“ („Wenn es Nacht wird in Paris“) von Jacques Becker. Kinodebüt von Lino Ventura, in der Hauptrolle Jean Gabin.
Es gab in diesem Jahr andere nette Streifen wie „Johnny Guitar“, „On the Waterfront“ („Die Faust im Nacken“), „Rear Window“ usw.

Was steht im Bücherschrank?

Zwischen Adcock und Zeltserman – ja die Bücher stehen alphabetisch geordnet im Regal –unter vielen anderen von Lieblinge wie Algren, Ambler, Bruen, Bukowski, Burke, Campbell, Chandler, Crumley, Disher, Ellroy, Estleman, Fante, Gores, Grady, Guthrie, Hammett, Hunter, Izzi, Lowry, Montecino, Newman, Pelecanos, Sallis, Spillane, Stark, Thomas, Thompson, Westlake, Willeford, Woodrell.
Auf den wenigen Regalbrettern, die nicht von englischsprachigen Autoren belegt sind, stehen etwa Fauser, Glauser und Schmidt, Manchette und Vian, Sciascia, Rönkä.
Dazu viele Bände über Musik, Film, Kriminalliteratur, Kunst, Architektur, Design, Typographie, Autos. Und Kochbücher.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?

1979 war ich für einen Monat in Paris, um mein Französisch aufzupolieren. Ich hatte mich zuvor schon mit dem Film noir auseinandergesetzt, in der Literatur war ich zu dieser Zeit bei den Nachfolgern von Hammett und Chandler. Ich war täglich mehrmals im Kino in diesen Wochen, holte vor allem alte amerikanische Noirs nach, die in zwei Kinos als Retrospektiven liefen.

Und dann lief da der neue Film „Série noire“ von Alain Corneau mit dem unvergessenen Patrick Dewaere in der Hauptrolle, eine Adaption von Jim Thompsons „A Hell of a Woman“.

In einer Buchhandlung stieß ich auf die zweite Ausgabe des neuen Krimi-Magazins «Polar» von François Guérif, die aus Anlass dieses Films Thompson gewidmet war. Ich verschlang das Magazin und ging in den Buchhandlungen auf die Suche nach diesem Stoff. So kam es, dass ich meinen ersten Thompson auf Französisch las: „1275 âmes» (bis heute weiß ich nicht, warum die Franzosen aus „Pop. 1280“ statt 1280 „1275 Seelen“ machten …).
Jim Thompson veränderte meinen Blick auf die Kriminalliteratur nachhaltig.

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?

Die Femme fatale.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Der absolute Favorit: „White Heat“ von Raoul Walsh (1949). Der Film beginnt damit, dass das Auto einer Gangsterbande unter der Führung von James Cagney, der unter der Knute seiner Mutter steht, unterwegs zu einem Coup auf einem Bahnübergang stehenbleibt, während ein Zug naht. Dann steigert sich das geniale Drehbuch bis am Ende James Cagney, umstellt von den Cops, mit einem irren Lachen auf einem Gastank steht („Made it, Ma! Top of the world!“) und – wumm!

Weitere Noir-Favoriten – neben all den US-Filmen aus den 1940ern und 1950ern:
„A bout de souffle“ von Jean-Luc Godard (1960): Nouvelle-vague-Noir mit dem jungen Belmondo und der bezaubernden Jean Seberg.

„Fat City“ von John Huston (1972): Neo-noir, grossartig gemachtes Boxer-Drama nach dem Roman von Leonard Gardner.

„Le samouraï“ von Jean-Pierre Melville (1967): Gangsterfilm mit Alain Delon. Stilbildend.

„Série noire“ von Alain Corneau (1979): Thompson-Verfilmung, siehe oben

„Stormy Monday“ von Mike Figgis (1988): Newcastle Neo-noir.

„Trouble in Mind“ von Alan Rudolph (1985): Endzeit in Rain City. Kris Kristofferson, Keith Carradine, Lori Singer, Geneviève Bujold!

Und abgesehen von Noirs?

Nach einem Dutzend Jahren als Filmkritiker und einigen tausend Filmen litt ich unter einer Überdosis an Scheissfilmen und hörte darum in 1990ern auf, ins Kino zu gehen. Darum sind meine Lieblingsfilme etwas älter.
„The Big Easy“ von Jim McBride (1987): Nur schon wegen dem Soundtrack (Cajun, Zydeco, Blues) lohnender New-Orleans-Krimi. Und wegen dem schiefen Lächeln von Ellen Barkin.

„The Last Picture Show“ von Peter Bogdanovich (1971): Verfilmung des Romans von Larry McMurtry – ein sehr lesenswerter texanischer Autor, ich mag auch die Fortsetzung „Texasville“, als Film wie als Roman.

„The Long Riders“ von Walter Hill (1980): Grossartiger Neo-Western um die James-Younger-Gang. Soundtrack – wie fast immer bei Hill – von Ry Cooder.

„Rembetiko“ von Kostas Ferris (1983): Musikdrama mit betörendem Soundtrack – Rembetiko ist so was wie der griechischen Blues.

„Streets of Fire“ von Walter Hill (1984): Alle fanden diesen Film blöd und voller Klischees, ich liebe ihn. Neon-Spiegelungen auf nassen Straßen, böse Buben auf Motorrädern, eine schöne Sängerin und tolle Musik. Soundtrack: Ry Cooder. Und The Blasters, eine meiner Lieblingsbands der 1980er, spielen im Club der Motorradgang.

„Two-Lane Blacktop“ von Monte Hellman (1971): Existentialistisches Road Movie der Extraklasse, mit Waren Oates und James Taylor (ja, der Musiker).

„Vanishing Point“ von Richard C. Sarafian (1971): Furioses Road Movie – und einer der Gründe, weshalb ich einen Dodge Challenger fahre.

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?

All die unglaubwürdigen Krimihelden. Oder besser deren Erfinder.

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir

1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?

Der schwarz gekleidete Typ, der etwas im Hintergrund an der Bar sitzt, alles sieht, aber nicht viel sagt.
Oder der Fahrer des Fluchtwagens.

2. Und der Spitzname dazu?

Man in black.

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Fauser. Oder Sallis.

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?

„Alles wird gut.“

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?

Farbe. Aber düster.

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Ry Cooder, who else?

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?

Die betörende Lauren Bacall. Gerne auch Veronica Lake. Oder …

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Dodge Charger 1966/1967, 440er-Motor (V8, 7,2 Liter – nein, nicht Verbrauch, Hubraum).

9. Und mit welcher Bewaffnung?

Sarkasmus.

10. Buch für den Knast?

Etwas, das richtig viel zu tun gibt, wofür man sonst nie Zeit hat: „Finnegans Wehg“ von Joyce zum Beispiel. Oder doch lieber ein dicker Femmes-fatales-Bildband.

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?

Kein Grabstein. Die Femme fatale stellt die Urne mit meiner Asche in ihr Bücherregal.



NOIR-FRAGEBOGEN MIT JOCHEN KÖNIG by Martin Compart
23. April 2016, 2:11 pm
Filed under: Fragebogen, Krimis, Noir | Schlagwörter: , ,

Jochen König gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschen Krimi-Szene in den letzten Jahrzehnten. Zusammen mit ebenso verwegenen Mitstreitern machte er die Krimi-Couch zu der Institution, die sie heute ist.

Jochen-Koenig-Portrait--Martin-Compart

Jochen über sich selbst:

„Stationen: Geboren in Daaden, aufgewachsen in Siegen, Germanistik-Studium (plus Soziologie und Philosophie) in Münster und Berlin, dann wieder zurück ins idyllische Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse S51YpXjnrN0L._SX316_BO1,204,203,200_[1]achbücher mit Beiträgen von mir) von 1991 gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft.

Ansonsten arbeite ich als Sachbearbeiter, war in meiner Berliner Zeit beim Radio, danach Teilzeit-Buchhändler und sieben Jahre für die, 2009 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig. http://www.krimi-couch.de/ Mittlerweile schreibe ich Rezensionen von Jazz bis zu hartem und experimentellem Rock für Musikreviews.de und habe die heftigere Art der Musik auch schon für Nocturnal Hall( http://www.nocturnalhall.com/) besprochen.
Buch- und Filmkritiken erscheinen in stetem Fluss beim sehr gut aufgestellten und hochkarätig besetzten Blog booknerds.de.(http://www.booknerds.de)Untertitel: „alle medien. alle genres. keine grenzen“. Stimmt.
Zudem habe ich fünfzehn Jahre lang Jugend- und Erwachsenenmannschaften trainiert. Seit 2003 hauptsächlich Mädchen- bzw. Damenfußball. War eine Herausforderung. “

Hier der Bünnagelsche Fragebogen mit Jochen König:

Name?

Jochen König. Hieß aber auch schon Robert, Georg, Jürgen, Louis („Ich bin der König im Affenstaat“) und zu Trainerzeiten Jogi (wirklich).

Berufungen neben dem Schreiben?

Musik. When the music is over turn out the light. Kino und Fernsehen. Ich war das typische Kind, das laut Eltern garantiert irgendwann viereckige Augen bekommt. Bücher. Meine Leidenschaft begann mit Larry Brent, Kommissar X, Fritz Wöss und Hans Helmut Kirst.


Großartige Kirst-Verfilmung

Film in Deinem Geburtsjahr?

„Blast Of Silence“. Der dunkle Solitär. „La Dolce Vita“. Fellini, Mastroianni, Barker und vor allem Nico waren und sind stetige Begleiter. „Eins, zwei, drei“, „Yojimbo“, „Ein Toter spielt Klavier“, „Der grüne Bogenschütze“, alle in Schwarzweiß und natürlich Klassiker ihrer Art. Farbig gab es „Frühstück bei Tiffany“, „Der Fluch von Siniestro“, „Die Kinder von Bullerbü“, „Vampire gegen Herakles“ (Mario Bava!), Marlon Brandos „Der Besessene“ und einiges von Roger Corman, u.a. „Das Pendel des Todes“. 1961 war ein gutes Filmjahr.

Was steht im Bücherschrank?

Ganz vorne, als Mahnung, die zu besprechenden Bücher. Besonders aber die Bücher aus dem Liebeskind-Verlag, Polar, Pendragon und Pulp Master. Immer in der Nähe: Derek Raymond, Pete Dexter, James Sallis, Daniel Woodrell, Basteis wunderbare „Schwarze Serie“, Dennis Lehane, Lawrence Block, Max Allan Collins, Warren Murphy (Trace, immer wieder gerne), James Ellroy, James Lee Burke, James Crumley, Jerome Charyn, Willi Voss, Carol O’Connell, Michael Moorcock, James Graham Ballard, H. P. Lovecraft, Algernon Blackwood, Edgar Allan Poe, Wolfgang Koeppen, T.S. Eliot, Robert Anton Wilson, Georg Trakl, Julio Cortazar und noch eine ganze Ecke mehr. Patricia Highsmith (meine wahre, große, erste Krimi-Liebe), Raymond Chandler (die zweite), Ross MacDonald, Jim Thompson und Michael Connelly stehen eine Etage tiefer.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?

Ein Noir in flirrender Hitze: Patricia Highsmiths „Das Zittern des Fälschers“, Jim Thompsons „Der Mörder in mir“. Als Filme „This Gun For Hire“, „Der gläserne Schlüssel“ (die ‘42er Version von Stuart Heisler), „Ministerium der Angst“ und Melvilles „Der eiskalte Engel“. Und heimlich abends geschaut, wann immer sich die Gelegenheit ergab: „Der Mann mit dem Koffer“.

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?

“Die Straßen waren schwarz nicht vom Dunkel der Nacht allein“. Eine regennasse Gasse im Schein einer Straßenlaterne, darunter eine einsame Gestalt im Trenchcoat, rauchend. Gefahr lauert. Überall.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Neben den oben genannten: „Fahr zur Hölle Liebling“ (Mitchum IST Marlowe. Bei Lowry, nicht bei Winner. Mit einem unendlich traurigen Auftritt Jim Thompsons) „Rächer der Unterwelt“, „Frau ohne Gewissen“, „Vier im roten Kreis“, „Der Teufel mit der weißen Weste“, „Engel aus Staub“, „Verfolgt“ von Raoul Walsh, „Der Todeskuss“ (auch das Remake), „Fahrstuhl zum Schafott“, „Außer Atem“ (inklusive Remake), „Das Irrlicht“, „Charley Varrick – Der große Coup“, „Die Letzten beißen die Hunde“, „Heißblütig – Kaltblütig“, „Taxi Driver“, John Woos „A Better Tomorrow“ und „Der Killer“, „The Singing Detective“, „Angel Heart“, „Im Jahr des Drachen“, „Crash“, „Romeo Is Bleeding“, „Heat“, „Killing Zoe“, „Rumblefish“, „Twin Peaks“, „Lost Highway“, „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“, „Drive“ und ganz besonders „Chinatwon“, „Live and Let Die in LA“.

Und abgesehen von Noirs?

„If….“, „Abenteuer in Rio“, „Apocalypse Now“, „Full Metal Jacket“, Monty Python, “Donnie Darko”, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (ganz ohne Dracula, aber mit Barbara Steele), “Deep Red”, “Suspiria”, “Blow Up”, „M.A.S.H.“, “Das Ende – Anschlag bei Nacht” (Das Carpenter-Original), “Die Klapperschlange”, “The Evil Dead” (komplett), „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (stellvertretend für alle Mafia-Filme Damiano Damianis), “Die 13 Söhne des gelben Drachen”, “Peking Opera Blues”, “Die Marx Brothers im Krieg”, „Der schwarze Falke“, „Lone Wolf & Cub“, „Mad Max – Road Warrior“, „The Good, The Bad & The Ugly“ (Sergio Leone überhaupt), „Leichen pflastern seinen Weg“, „Töte Django“, “Vier Fäuste für ein Halleluja”, “Mein Name ist Nobody”, „Ein Fremder ohne Namen“, „Blues Brothers”, „The Wild Bunch“.


Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?

Viele. In letzter Zeit: Dave Buchalter und seine fiese Schwester.

Internet?

Seit seligen 1200 Baud-Zeiten.

Noir-Fragen – Dein Leben als Film Noir

Im fiktiven Film Noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?

Der Detektiv. Am Tresen zu Hause, straßentauglich, immer einen Schritt vom Absturz entfernt.

Und der Spitzname dazu?

Apocalypse Joe.

Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Sara Gran

Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?

„Traurige Geschichten, an die wir uns binnen kurzem kaum noch erinnern würden, hastige Zärtlichkeiten und impulsiver Sex, der nach Verrat schmeckte. That’s all folks.“

Schwarzweiß- oder Farbfilm?

Farbe, mit David Lynch und Richard Kelly als Berater


Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Bohren & der Club Of Gore



Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?

Alexa Davalos

In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Obwohl Kommissar X geprägt, in Jerry Cottons rotem Jaguar E-Type.

Und mit welcher Bewaffnung?

CZ 75 SP-01, Tactical

Buch für den Knast?

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Endlich die passende Gelegenheit.

Und am Ende: Welche Inschrift würde auf deinem Grabstein stehen?

Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.

<a href=“http://vg08.met.vgwort.de/na/0b7ca8e47d4a49e3a8726d9b9b316141?l=PDF-ADRESSE“>LINK-NAME</a&gt;



NOIR-FRAGEN AN FLUBOW by Martin Compart
5. Februar 2016, 5:52 pm
Filed under: FLUBOW, Fragebogen | Schlagwörter: , , ,

Seit inzwischen sechs Jahren betreibt Alex eine der wichtigsten deutschsprachigen Krimi-Seiten:

http://www.flubow.ch/index.html

Sie hat sich als eine der wichtigsten Informationsquellen zu Krimi-Autoren des 20.Jahrhunderts etabliert und man findet dort zu den obskursten Autoren schwer zugängliche Informationen – von Robert Edmond Alter bis Fred Willard. Und sogar John Barker hat fachkundigen Eingang gefunden! Alex schreibt so genau und auf den Punkt, dass man selbst in den kürzesten Einträgen ein Gefühl für den Autor bekommt und leicht entscheiden kann, ob er einen interessieren könnte oder nicht. Vertieft man sich in sein Lexikon, stößt man zwangsläufig immer wieder auf Gold aus einer zuvor unbekannten Mine. Internet hin, Internet her: Man wünscht sich dieses Lexikon auch als Print-Produkt. Die Artikel zu lesen ist genauso unterhaltsam wie ein hochkarätiger Kriminalroman

Hier der Bünnagelsche Noir-Fragebogen.

 

NAME:

Alex Flückiger alias flubow

Berufungen (Lebensmittelpunkte):

Meine Frau , eine mutige Münchner Anwältin mit grossem Herz für sozial Benachteiligte. Mein Beruf als Hausarzt in einer zerrissenen zweisprachigen Schweizer Stadt.

Filme in meinem Geburtsjahr 1955:

Rififi, Die Faust im Nacken, Die Teuflischen.

Im Bücherschrank:

Dürrenmatt, Ross Thomas, Svevo, Crumley, Hammett, Gernhardt, Kafka, Charyn, Ror Wolf, Tschechow, Henscheid.

Noir-Initiatoren:

Hammetts Continental Op.

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Liebstes Noir-Klischee :

Femme fatale mit Zigarette im Mundwinkel.

Film noir-Favoriten:

Melvilles Delon-Trilogie, Chinatown, Mystic River.

Andere Lieblingsfilme :

Alles von Tardi, Leone-Western, der erste Pate

Welche Roman- und Filmfigur würdest du mit eigenen Händen umbringen?

Umbringen könnte ich eventuell den wehleidigen Massenmörder Szell in Marathon Man.

Internet:

Ständiger Begleiter.

 

Mein Leben als Film noir:

Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich

schweigsamer Kneipier

Und der Spitzname dazu?

Bruno

Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Dennis Lehane

Schwarzweiß- oder Farbfilm?´

schwarz-weiss

Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Mikael Tariverdiev

Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen? (Alternativ: Welcher hartgesottene Noir-Held?)

Lauren Bacall

In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Citroen Traction Avant 11 CV

Und mit welcher Bewaffnung?

Glock im Hosenbund (Isaac Sidel)

Buch für den Knast?

Henscheids Trilogie des laufenden Schwachsinns.

Inschrift Deines Grabsteins?

RIP.

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NOIR-FRAGEN AN OLIVER NÖDING by Martin Compart
4. Dezember 2015, 11:56 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Film, Fragebogen | Schlagwörter: , , , ,

Ich hatte immer gedacht, die beiden Deutschen, die sich in den abseitigsten Regionen der 7.Kunst auskennen, seien Ulrich von Berg und Rolf Giesen, alias Dr.Horror. Dann stieß ich vor einigen Jahren auf den Blog REMEMBER IT FOR LATER https://funkhundd.wordpress.com/- und war völlig baff! Betreiber und Autor Oliver Nöding kannte nicht nur Subgenres, die mir völlig entgangen waren, sondern zeigte – quatsch: zeigt bis heute – ein Fachwissen, das seinesgleichen sucht. Nenne die obskurste Videofirma aus den 80er Jahren, die auf cross-over zwischen italienischen Gialli und Zombies spezialisiert war, Oliver kann dir nicht nur die entscheidenden Leute runterbeten, er beschreibt auch die Unternehmensgeschichte. Egal welches Vehikel er bespricht, er berichtet so spannend und unterhaltsam, dass ich häufig vergesse, dass mich der Film einen Dreck interessiert. Neben Artikeln über Genre-Filme schreibt er auch über Klassiker, denen er oft neue Aspekte und eine originelle Perspektive abgewinnt.

„Ich habe immer schon gern geschrieben, allerdings fehlte mir immer der konkrete Anlass, um am Ball zu bleiben. Ich bin nicht unbedingt ein Geschichtenerfinder und wenn ich mich hinsetzte, um etwas zu schreiben, verlor ich schnell das Interesse und den Glauben, dass das, was ich da zu Papier bringen wollte, wirklich gut war. 2004 stieß ich dann auf das mittlerweile inaktive Forum namens „filmforen.de“, das seinen Usern erlaubte, ein Filmtagebuch zu führen. Jeder User hatte seinen eigenen Forenthread, in dem er Filmtexte nach eigenem Gusto, ohne jegliche stilistische Vorgabe, schreiben konnte. Da habe ich dann, mit Ausnahme einer kurzen Pause Anfang 2005, bis zur Eröffnung meines Blogs 2008 also mein Filmtagebuch geführt. Der damalige Foren-Administrator Stefan Höltgen war gleichzeitig für die (mittlerweile ebenfalls nicht mehr aktive) Filmseite „F.LM – Texte zum Film“ verantwortlich und wurde über meine Forentätigkeit auf mich aufmerksam. Ich schrieb dann für F.LM also „richtige“ Filmrezensionen, besuchte Pressevorführungen, reviewte DVDs und dergleichen. Über Stefan entstand auch der Kontakt zur Splatting Image, einer unter deutschen Cineasten und Freunden des abseitigen Films sehr renommierte Zeitschrift (die vor zwei Jahren leider auch den Dienst einstellte) und über die Mitarbeit an der Splatting Image zu weiteren deutschen „Filmschreibern“. “

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 Das Foto zeigt Oliver anlässlich einer Themenparty verkleidet als City Cobra.

 

Unter Freunden des ungewöhnlichen Films hat sich Oliver mit seinen Texten in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Für mich gehört er zu der Garde jüngerer Kritiker, die das Genre Filmkritik im Windschatten von SPLATTING IMAGE und STEADYCAM in den letzten zehnJahren entstaubt haben und wieder spannend machen. Manchmal sehe ich durchaus Orientierung an Hunter S.Thompsons Gonzo-Journalismus. Aber „Gonzo-Filmkritik“ ginge etwas zu weit.

„Mittlerweile bewege ich mich in einem Kreis von ca. 50 bis 100 Leuten, die als freie Journalisten über Filme schreiben, Kinoreihen betreiben, Bücher, DVDs und Blu-rays herausgeben oder selbst Filme drehen und sich so gewissermaßen gegenseitig „befruchten“. Das ist sehr anregend und macht natürlich viel Spaß. Viele dieser Menschen zähle ich heute zu meinen Freunden. Ich darf Booklets verfassen, Essays für Fachbücher schreiben, Audiokommentare einsprechen oder Kurzvorträge vor Kinovorführungen halten. Bald erscheint die Buchausgabe der Blogtexte, die ich damals auf „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde“ zusammen mit Marcos Ewert veröffentlicht habe. Das ist alles sehr toll, auch wenn ich damit keinen Pfennig Geld verdiene. Vielleicht irgendwann mal. Mein Blog habe ich 2008 eröffnet und zunächst parallel zu meinem Filmtagebuch auf Filmforen geführt. Meine privaten Texte wurden also am Anfang für eine Übergangsphase auf zwei Plattformen veröffentlicht. Die Abspaltung von Filmforen war für mich damals ein logischer Schnitt. Zum einen, weil sich das Forum verändert hatte, zum anderen, weil ich wusste, dass ich mittlerweile für mich selbst stehen konnte. Ich kann, was Zugriffszahlen angeht, mit den wirklich großen deutschen Blogs natürlich nicht annähernd mithalten, komme aber mittlerweile pro Tag auf rund 400-500 Zugriffe, was nicht so schlecht ist, dafür dass ich keinen Empfehlungsjournalismus mache oder News veröffentliche.“

 

Und was mich immer wieder umhaut, ist sein irrsinniger Ausstoß. „Die Gesamtzahl meiner Filmtexte: Blog: 2.543 Beiträge Filmforum: 1.486 Beiträge Macht also rund 4.000 Filmtexte seit 17.11.2004.“

Das wäre ein Buch, das ich mir von TASCHEN wünschen würde.

Man fragt sich, wann der Familienvater lebt, isst, trinkt, sozialen Kontakten nachgeht, Themenpartys besucht – und vor allem: Wann sieht er das ganze Zeugs? Dabei erscheint er geistig und körperlich so gesund, dass es kaum für einen Gastauftritt in THE BIG BANG THEORY reicht.

 Hier also der Bünnagelsche Noir-Fragebogen mit Oliver Nöding (dazu ein Soundtrack):

 

Name?

Oliver Nöding

Berufungen neben dem Kritikerdasein?

Familienvater sein und möglichst viele Filme schauen.

Film in deinem Geburtsjahr?

Rocky, Taxi Driver, Carrie, Die Unbestechlichen, Assault – Anschlag bei Nacht, Der Scharfschütze, Keoma, Eiskalte Typen auf heißen Öfen, San Babila ore 20: un delitto inutile, Der Strohmann, Schwarzer Engel und wahrscheinlich noch einige mehr.

Was steht im Bücherschrank?

Der Anteil an Sachbüchern über Film oder (Auto-)Biografien zum Thema wächst gegenüber den Romanen stetig an. Trotzdem: U. a. die Brenner-Reihe von Wolf Haas und außerdem zwei verschiedene Nietzsche-Gesamtausgaben.

Was war deine Noir-Initiation?

An den ersten gesehenen Noir erinnere ich mich nicht mehr. Aber der erste, der mich wirklich beeindruckt hat, war Mark Robsons The Seventh Victim.

Welches Noir-Klischee ist dir das liebste?

Die nicht enden wollende Nacht.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Ich kenne ehrlich gesagt noch viel zu wenige klassische Noirs. Eine Bildungslücke, die ich im kommenden Jahr zu schließen gedenke. Folgende mag ich sehr: Um Haaresbreite, The Seventh Victim, Gefahr in Frisco, Das Rattennest, Im Zeichen des Bösen, Wenn es Nacht wird in Paris, Drei Uhr nachts, Der Chef.

Und abgesehen von Noirs?

Habe ich natürlich eine große Vorliebe für sogenanntes Männerkino, also Western, Kriegsfilme, Polizeifilme und die Actionfilme der Achtzigerjahre. Außerdem Horror, Horror, Horror. Aber auch sonst viel zu viel.

Welche Roman- und Filmfigur würdest du mit eigenen Händen umbringen?

Den Mengele-haften Molloch aus Der Liquidator. Sonst immer gern rassistische Cops.

Internet?

http://funkhundd.wordpress.com

 

Noir-Fragen: Dein Leben als Film Noir

 

Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?

Der Mann, der einem Phantom nachjagt, das sich als er selbst herausstellt.

Und der Spitzname dazu?

Chase

Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Elmore Leonard

Berühmtestes Zitat aus dem Streifen? (Beispiel: Scarface = The World Is Yours, White Heat = Made It Ma, Top Of The World)

„Es gibt Tage, da verliert man, und Tage, da gewinnen die anderen.“

Schwarzweiß- oder Farbfilm?

Für jemanden, der in den Achtzigerjahren aufgewachsen ist, muss es wohl Farbe sei.

Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Jay Chattaway.

Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen? (Alternativ: Welcher hartgesottene Noir-Held?)

Klassisch: Barbara Stanwyck. Modern: Kathleen Turner ca. 1983.

In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Ford Mustang

Und mit welcher Bewaffnung?

Smith & Wesson Modell 29 – die Schusswaffe von Dirty Harry.

Buch für den Knast?

Was dickes. Die Enden der Parabel von Thomas Pynchon?

Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?

„He desperately tried to not give a fuck and failed miserably.“ (Auf Deutsch klingt’s einfach nicht so gut.)

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FRAGEBOGEN: REINHARD JAHN ALIAS H.P.KERR by Martin Compart
22. Oktober 2013, 8:44 am
Filed under: Fragebogen, Porträt | Schlagwörter: , , ,

Wer ist Reinhard Jahn alias H.P. Karr?

karr-bw[1]

Er gehört zum Urgestein der deutschen Krimiszene und ist sicherlich einer der Aktivsten im Genre. Ob als Autor, Kritiker, Veranstalter oder Archäologe, Jahn hat die deutsche Szene maßgeblich mitgestaltet. 1955 geboren, lebt er seit 1960 im Pott. Er überlebte sein Studium der Publizistik und Germanistik in Bochum (zeitweilig die Uni mit der höchsten Selbstmordrate). Er begann früh Kurzkrimis für Illustrierte und Magazine zu schreiben und legte 1979 seinen ersten Jugendkrimi vor. Inzwischen hat er über 1000 Stories (!) geschrieben; damit ist er so etwas wie der deutsche Edward D.Hoch. Aber er hat inzwischen auch mehrere Romane und Anthologien publiziert – alleine und als Co-Autor. Auch jenseits der Primärliteratur ist er seit langem aktiv:
1985 gründete er gemeinsam mit einem Kollegen aus der MARABO-Redaktion das Bochumer Krimi Archiv als Sammelstelle für Infos zur Kriminalliteratur. Im selben Jahr erfolgte die Gründung des Deutschen Krimipreises als bislang einzige deutsche Kritiker-Auszeichnung. Zugleich Veranstaltung der „Gladbecker Krimi-Tage“, dem ersten deutschen Krimifestival.
cover-falck1[1]Im Jahr darauf Gründungsmitglied der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur DAS SYNDIKAT (gemeinsam mit Michael Molsner, Fred Breinersdorfer, Peter Schmidt, Frank Göhre etc). Später mehrere Jahre Redakteur des Syndikats-Internen Newsletters.
Anfang der 90er Jahre entstand in Zusammenarbeit mit Walter Wehner das Autorenteam Karr & Wehner.
Das Bochumer Krimi Archiv besteht inzwischen *nicht* mehr als Bibliothek („Von Bücherspenden bitten wir abzusehen!“) , sondern als „Lexikon der deutschen Krimiautoren“ im Internet http://www.krimilexikon.de
Für den WDR-Hörfunk ist er seit mehreren Jahren als „Krimiberater“ aktiv.

Hier der Bünnagelsche Fragebogen mit Reinhard Jahn alias H.P. Karr:

Name?

Reinhard Jahn und H.P Karr und früher mal zwei Dutzend Yellow-Press-Aliasse…

Berufungen neben dem Schreiben?

Lesen. Und dann wieder schreiben. Kino. Je größer desto besser. Surfen. (Im Internet) Dabei auf Seiten wie Comparts Blog stoßen und sich tagelag festlesen

Film in Deinem Geburtsjahr?

„Lola Montez“ von Max Ophüls. Ein grandioses, wahnsinniges Projekt, das mit dem Fluch zum Erfolg geboren wurde (Version in drei Sprachen, Cinemascope, Starbesetzung – Oskar Werner, Peter Ustinov, Will Quadflieg, Adolf Wohlbrück) und begründete mit seinem grandiosen ästhetischen und kommerziellen Misserfolg die lange Reihe von Kinoflops von „Heaven’s Gate“ über „Waterworld“ bis zum „Lone Ranger“

Was steht im Bücherschrank?

Früher standen da mal rund 10000 Kriminalromane, davon 2000 von deutschsprachigen Autorne. Das war die Zeit als das Sammler-Gen dominant war. Diese Sammlung und die weitaus gröeßre Sammlung des Kollegen vom Bochumer Krimi-Archiv waren wohl die seienrzeit größetn Anhäufungen von kriminallitetrazur in Privatbebsitz. Inzwischen sind sie verkauft, verstreut, verdealt und verschenkt. Und man hat schmerzhaft gelernt, dass jedes Buch umgehend die Hälfte an Wert verliert, sobald man es aus dem Buchladen trägt und dann nochmal die Hälfte wert ist, wenn man es daheim gelesen in den Bücherschrank stellt. Dann sorgt es nur noch für Probleme mit der Statik uns fängt Staub.
Aber um auf die Frage zurückzukommen: Da stehen derzeit immer die aktuellen Krimis, die der Reihe nach weggelesen und dann abgebeben werden.
Und das Klassiker-Regal: Ambler, Cain, Chandler, Hammett, Fauser, Fleming, Forsyth, LeCarré.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?

Zuerst natürlich Dashiell Hammett und John D. MacDonald. Travis McGee-Romane habe ich gelesen, wie andere Drogen nehmen. Und als billige Variante: Day Keene.
Später dann: Jörg Fauser: KANT und Das Schlangenmaul

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?

Der unrasierte Kerl mit dem offenen Hemdkragen und den hungrigen Augen, auf die die Frauen so fliegen.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Der eiskalte Engel von Jean-Pierre Melville
Der Panther wird gehetzt von Claude Sautet
Der Kommisssar und sein Lockvogel von Jose Giovanni
Umleitung (Detour) von Edgar G. Ulmer

Und abgesehen von Noirs?

„Play Misty for me“ von Clint Eastwood (Deutscher Titel: „Sadistico“)

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?

Norman Bates

Internet?

Immer.

Noir-Fragen – Dein Leben als Film Noir

1.Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?

Der Held. Natürlich, Unrasiert und mit offenem Hemd und hungrigen Augen

2.Und der Spitzname dazu?

Kinky

3.Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Jimmy McGovern (Der Autor von „Cracker“ – „Für alle Fälle Fitz“)

4.Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?

„Später, Baby!“

5.Schwarzweiß- oder Farbfilm?

In Farbe, aber dunkel.

6.Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Hans Zimmer

7.Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?

Die junge Jody Foster

8.In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Keine Ahnung. Irgend was, offenes.

9. Und mit welcher Bewaffnung?

Groß, böse und mit jeder Menge Wumm

10.Buch für den Knast?

„Keine Orchideen für Miss Blandish“von James Hadley Chase

11.Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?

This is the End, my friend
schicht-im-schacht[1]



NOIR-FRAGEN AN WILLI VOSS by Martin Compart

Wer ist Willi Voss?

wvossparde[1]

Im letzten Jahr begann man, Willi wegen seiner Vergangenheit als Abenteurer, Freiheitskämpfer, Terrorist und CIA-Agent durch die Medien zu hypen. Und Willi konnte Faulkners Satz am eigenen Leib erfahren: „Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht mal vergangen“. Dabei versuchten ihn die üblichen Opportunisten in die rechte Ecke zu rämpeln (in ihrer geistigen Bescheidenheit erkennen sie natürlich nicht, dass die Angrenzung zwischen PLO, Schwarzer September und RAF nahe liegender ist/war als kurzfristige Schnittmengen mit Gladio). Willi hat in jungen Jahren so einiges erlebt und angestellt (sicherlich mehr, als die meisten deutschen Autoren zusammen), aber eines ist er dabei nicht gewesen: Antisemit oder Faschist. Das „Syndikat“, eine Vereinigung von Menschen, die gerne schreiben und lesen, wollte gar ein politisches Ausschlussverfahren gegen Willi eröffnen um ihn als Faschisten zu brandmarken und rauszuwerfen. Die verantwortlichen Buben, die nichts erlebt haben und darüber Kriminalromane schreiben, sahen wohl eine Chance, in ihrer selektiven Entrüstung für sich selber als politisch korrektes Gammelfleisch ein wenig mediales Interesse zu erschleichen. Willi kam dem Schrebergarten-Gesinnungsprozess zuvor und bewahrte sich seine Integrität. Inzwischen ist er auf nationaler und internationaler Bühne ein gern eingeladener Gesprächsgast, der spannendes und informatives zu berichten weiß.

Ich lernte Willi kennen, als ich 1986 von Ullstein zu Lübbe wechselte. Voss hatte sich bereits einen Namen als Profi gemacht, Heftromane und Taschenbuchkrimis geschrieben. Als mir sein Buch GEGNER (unter dem PseudonymWilli Voss E.W.Pless geschrieben) in die Hände fiel, erfreute es mich so sehr, dass ich es Jörg Fauser schickte. Fauser war von dem Libanon-Roman begeistert. Umso mehr, da das Buch von einem deutschen Autor stammte, dessen literarische Sozialisation nicht auf Toscana-Besuchen, Weißwein beim Italiener und Stadtschreiberstipendiaten bestand. Kurz darauf schrieb Willi mit SIGNUM F einen der ersten modernen deutschen Conspiracy-Thriller. 28662646[1] Inzwischen hatte ich Willi persönlich kennen gelernt (und ihn an meinen Ullstein-Nachfolger Georg Schmidt vermittelt, der seine Potenz natürlich sofort erkannte). Also kam es, wie es kommen musste: Fauser reiste von München an, Willi aus Spanien und zu dritt verlebten wir ein denkwürdiges Wochenende zwischen Bergisch-Gladbach und Witten-Ruhr (aber das ist eine ganz eigene Geschichte). Genug der Panegyriken.

Hier erstmal der Bünnagelsche Fragebogen mit WILLI VOSS:

Name?

Willi Voss, und andere je nach Gelegen- und Notwendigkeit

Berufungen neben dem Schreiben?

Nach gutem Lesestoff fahnden. Bogen um Fastfood machen. Am Herd Essbares komponieren. Im Halbsuff Weltbewegendes quatschen. Originaltexte wie diesen von einem gewissen X (Ich lasse den Namen hier weg um seinen werlosen Arsch zu schützen. M.C.) gelassen ertragen:

„DAS (siehe unten) sehe ich ganz anders. Vielleicht bin ich auch als Vater eines noch jungen Polizistensohnes sensibler geworden. Aber auch als Krimiautor sage ich: Wer in irgendeiner Weise kriminelle Taten begangen hat, gehört nicht ins SYNDIKAT. Als Krimiautoren jonglieren wir eh bei jedem Buch, bei jeder Lesung mit dem moralischen Aspekt. MEIN Publikum erwartet von mir, bei allem Gruseln, Horror, Gänsehaut-Feeling etc, einen Menschen, der ihnen das Kriminelle, das Grauen, manchmal auch heiter verpackt, präsentiert, aber nicht repräsentiert. In diesem Zusammenhang (ich weiß, dass interessiert im SYNDIAKT keinen Menschen): geht es irgendwo auch noch um Literatur? Oder wollen wir allen Ex-Knackis, Ex-Terroristen, Ex-Sympathisanten etc. einen Logenplatz (und sei es in dieser Mailingliste) reservieren, bloß weil SPIEGEL und Co (und das gesamte Unterschicht-TV von RTL bis sonstwo) solche Typen brauchen
Lieber Willy Voss, oder wie immer du heißen magst: Ich habe nie eine Knarre besessen und rühme nicht, irgendwelche Idioten gekannt zu haben, die am Massaker von 1974 beteiligt waren.
Daher fordere ich mal ganz plakativ: Krimanal-Autoren ja! Kriminelle Autoren = nein!“

Film in Deinem Geburtsjahr?

La Paloma mit Hans Albers und kreisenden Papmachétauben in den Hauptrollen, sozusagen als Ankündigung der Kontinuität deutschen Filmschaffens.

Was steht im Bücherschrank?

Ein Sammelsurium von Brecht, Heine, Storm, Wolfe, Hammet, Fauser, Caputo, meine Sachen, aber wegen abrupter Zeitläufte unvollständig; Perez-Reverte und Trevanian als Mahnung, niemals nachzulassen. Kenneth Spencer, der in meiner Erinnerung gnadenloseste Leihbuchschreiber aller Zeiten. Schreibe von den Kulturwächtern wg. Erfolg, Sex & Brutalität unter den Ladentisch verdammt oder gar verboten.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?

Nix Buch, nix Film. Will Platten, Redakteur der Deutschen Reihe im Bastei Verlag, den ein Autor auf´n Topf gesetzt hat, und der mich fragte, ob ich mir zutraue, einen Ersatz zu schreiben. Weil ich nicht nur anderen, sondern auch mir fast alles zutraue, habe ich den Job angenommen und innerhalb von vier Tagen mit „Tränen schützen nicht vor Mord“ geliefert. Ahnungslos, weil vom Kriminalroman vollkommen unbeleckt, außerdem bewiesen, dass auch Henne nach dem Ei möglich ist.

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?

Wenn im heftigsten Geballere die Liebe zuschlägt und der Regisseur den bösen Gangstern für die Knutscherei ( und das Abkühlen der 268-schüssigen Sechskammer-Revolver ) zwei Minuten Waffenstillstand genehmigt.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Fahrstuhl zum Schafott. Guns for hire. Psycho. Richtig umgehauen hat mich lediglich „Der eiskalte Engel“. (Damals)

Und abgesehen von Noirs?

Brücke am Kwai. Seitdem war mir klar, dass Krieg mit schmissiger Marschmusik beschallt wird und eine wahrhaftig heroische Veranstaltung ist. Jenseits von Eden. Ein Streifen der ´ne Weile mein Auftreten und besonders meine Kleidung veränderte.

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?

Ich gehörte exekutiert, wenn ich für einen der saudepperten Eliminierenswerten Knast riskierte.

Internet?

Geht Leben ohne Wasser?

9783865321541[1]

Noir-Fragen – Dein Leben als Film Noir

1.Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?

Die des rauchenden Kerls an der ihn stützenden Laterne, der verdammt genau weiß, dass er einige Leichen zu wenig hinterlassen hat.

2.Und der Spitzname dazu?

Dirty Trench

3.Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Theodor J. Reisdorf

4.Berühmtestes Zitat aus dem Streifen? (Beispiel: Scarface = The World
Is Yours, White Heat = Made It Ma, Top Of The World)

„Baby, die Harpune darfst du zur Gangsterjagd laut § 0341B nur unter Wasser benutzen.“

5.Schwarzweiß- oder Farbfilm?

Die Bösen schwarzweiß, die Guten in Farbe.

6.Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Die ich gefragt habe, bestanden darauf, anonym zu bleiben

7.Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?

Keine, es sei, Ikea ( oder welcher Hersteller auch immer ) hätte mir das Bettmodell „Untergang“ ins Schlafzimmer gestellt.

8.In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Im Bentley vom Erzbischoff, dessen Chauffeuse und die reichhaltig ausgestattete Bar stresshemmend sein dürften.

9. Und mit welcher Bewaffnung?

Die Dame am Steuer und schussicherem Jäckchen trägt unverschämt H&K MP 7A1, 4,6 MM, verfügt in der Hutablage seiner Heiligkeit über ein halbes Dutzend Handgranaten, zwei Stinger-Raketen und gilt laut Waffenjournal selbst als die schärftse Waffe seit Erfindung des Schießpulvers.

10.Buch für den Knast?

Memoiren von „El Lute“. „Camina o revienta“, in der Hoffnung, darin ein brauchbares Rezept für den schnellstmöglichen Ausbruch zu finden.

11.Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?

Würd´ich gerne drüber schreiben, alter Junge