Martin Compart


MiCs Tagebuch: BLACK SAILS – Staffel 3 by Martin Compart
16. März 2017, 8:57 am
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Nach zwei Staffeln hat Black Sails in der 3. seinen Rhythmus gefunden. Wendungen ohne Ende, stringent und temporeich erzählt, entsteht richtig Sog. Herrlich, wie die Macher mit immer gleichen dramaturgischen Techniken, die Geschichte vorantreiben. Als Zuschauer muss ich langsam auf die Bremse treten. Nur noch drei Folgen der 3. vor mir und die 4. braucht noch vier bis zum Ende. >Am 01. April läuft das Serienfinale, dann ist Finito. Und für mich geht‘s mit Staffel 4 weiter. „The villain makes the story”, lautet die Ansage der Schreiber, der Bösewicht macht die Geschichte aus, woraufhin jede Folge sich bemüht, diesem Diktum Rechnung zu tragen. Black Sails ist spannend und transparent zugleich. Die Autoren lassen sich ständig beim Handwerk zuschauen.

Zur politischen Dimension:
Nassau als Zentrum einer freien Gemeinschaft, die sich gegen die Knechtschaft Englands stellt, Frauen, Ex-Sklaven und freie Piraten, auf der Suche nach einer gleichberechtigten Form des Zusammenlebens, Basisdemokratie – alles schön und gut – die treibende Kraft ist jedoch immer der Schatz, der ständig wieder in den eigenen Besitz gebracht werden muss, weil Geld allein die Freiheit und Unabhängigkeit ermöglicht. So gesehen, geht es um einen gesellschaftlichen Gegenentwurf zum Feudalkapitalismus: um die persönliche Freiheit und die Verteilungsfrage. Diese stellt sich im Wesentlichen nur für die Piraten – sie haben genaue Regeln für das gleichberechtigte Miteinander freier Männer. Die Entertainment- und Zulieferbranche Nassaus ist nach dem Eigentümer-Prinzip von Anfang an viel “bürgerlicher” organisiert. Trotzdem sind in der Serie alle Kapitalisten, sie leben vom freien Unternehmertum, die meisten allerdings in der selbstausbeuterischen Form einer Ich-AG. Einzig der Körper ist ihr Kapital, ob als Pirat, als Arbeiter oder als Nutte. (Obwohl Letztere eine strenge Madame und klare Vorgaben haben.)
Die Dekadenz der neuen freien Gesellschaftsordnung zeigt sich bereits, als Jack Rackham das Fort zur Verteidigung Nassaus wieder aufbauen will und die „freien Leute” für viel Geld so wenig arbeiten, dass befreite – besser erbeutete – Sklaven sie ablösen müssen, damit es voran geht. Ein veritables Spiegelbild unserer Zeit: Die Drecksjobs machen immer die Immigranten. (Seit „Onkel Tom” Ben Carson wissen wir, auch Sklaven waren lediglich Immigranten, die von einer besseren Zukunft in Amerika geträumt haben.)

Das gesellschaftliche Experiment wird auch in dieser Serie nicht den “Tag danach”, was nach dem Sieg geschieht, erzählen. Denn es wird keinen Sieg geben. Die Geschichte geht immer gleich aus. Am Ende werden die Bemühungen scheitern und Nassau den Engländern anheim fallen, selbst wenn Black Sails das nicht klar zeigen sollten. (Der jetzige neue Gouverneur ist ja eine historische Figur und war wirklich der 1. Gouverneur der Bahamas. Das „Voyage-Buch“ hat er auch tatsächlich geschrieben. Schön wie Stevensons Fiktion mit realer Historie verbunden, ich möchte beinahe sagen, verankert wird.) Damit erzählt Black Sail, wie Spartakus ebenfalls von Starz, am Ende immer gescheiterte Kämpfe gegen eine bestehende Ordnung. Wir lieben Helden, die Scheitern, ob ihres Mutes und ihres unermüdlichen Anstemmens gegen die Mächte des Bösen. Am Schluss unterliegen sie natürlich, wie auch wir tagtäglich unterliegen. Im Gegensatz zu ihnen sind wir aber nicht einmal zum Kampf angetreten. Unser einziger Kampf ist das Ringen mit der Fernbedienung und dem Verlangen, die nächste Folge nur nicht zu schnell zu schauen, weil dann immer weniger Folgen übrig bleiben.

Serien wie Black Sails, erleichtern uns um den eventuell noch vorhandenen Restwiderstandswillen. Der Kapitalismus unterhält und amüsiert uns Zuschauer, in dem er uns die eigene Passivität unter die Nase reibt und dabei zugleich ein „Wohlfühlgefühl” vermittelt, weil wir die kleinen Schimmer der Wirklichkeit in der Serie als Erkenntnis ausmachen und uns in unseren Ansichten bestätigt sehen. Diejenigen Zuschauer, die von Bildung völlig unbeschlagen, Black Sails ohne historischen Ballast anschauen, werden durch touristische Exotik, Sex, Gewalt, große Gefühle und schöne Menschen mit makellosen Kauleisten (wie dumpfe deutsche Kritiker mit Kopfschütteln monierten) bei Laune gehalten. Ein Serien-Produkt für Jedermann: Black Sails bereitet auch ohne Reflektion Freude. Tiefere Überlegungen können, müssen aber nicht angestrengt werden.

MiC, 15.03.17



TRUE DETECTIVE 2 „Niemand wird von seinem eigenen Geld reich.“ by Martin Compart
9. Januar 2017, 4:45 pm
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Ich schaue mir gerade zum vierten Mal TD2 an. Es wird mit jedem Mal besser!

Ich habe nie erschreckendere Bilder gesehen oder Dialoge gehört. Wahrlich ein End – oder Höhepunkt der Noir-Ästhetik  – und deshalb natürlich von den üblichen Dummschwätzern nicht begriffen. TW2 schließt Horizonte und ist nur für Nervenstarke überhaupt erträglich. Auszusteigen ist Selbstschutz. Das Werk nieder zu machen, erbärmlicher Schutz für oder vor sich selbst.

Es ängstigt zutiefst, da es unseren zivilisatorischen Zustand spiegelt, der wohl ein zivilisatorischer Endpunkt ist vor dem Rückfall in die Barbarei.

Und was für grandiose Lines und Dialoge!

„Tu mir das nicht an. Er ist das einzige Glück in meinem scheiß Leben.“

„Findest du nicht, er hat etwas besseres verdient?“

„Ich habe den schweren Verdacht, wir bekommen die Welt, die wir verdienen.“

„Die Gründe für mich… Die Gründe dafür, weiter zu machen. Die Gründe dafür gibt es vielleicht bald nicht mehr.“

 



Der NOIR-HÖHEPUNKT DES JAHRES by Martin Compart
26. Dezember 2016, 12:51 pm
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TRUE DETECTIVE 1 war ein TV-Höhepunkt der letzten Jahre – trotz gewisser Schwächen in der Handlungsführung und die manchmal gequälten Bezüge zu Thomas Ligotti und Robert W. Chambers (Obwohl diese in einem Noir-Kontext frisch und originell erschienen) und dem unbefriedigenden Finale. Dann legte der ungekrönte König des Noir-Dialogs, Nic Pizzolatto, eine Schaufel drauf, um aus einer Systembestandsaufnahme ein in dieser Qualität nie gesehenes Noir-Melodram als griechische Tragödie zu entwickeln, die nebenbei unaufdringlich Zitate aus der Noir-Kultur einfließen lässt (zum Beispiel ist die weibliche Protagonistin nach der Noir-Ikone Bezzerides, The Long Haul, Thieves’ Market, benannt oder das Showdown in/aus HIGH SIERRA. Pizzolatto bestritt, irgendwelche Zitate bewusst eingebaut zu haben). Die Show verdankt viel den klassischen kalifornischen Noir-Romanen. Am deutlichsten wird das, wenn man TD2 mit James Ellroy vergleicht, dessen Cops wiederum stark von Joseph Wambaugh beeinflusst sind. Ellroy mit Hirn.

Apropos Zitate: Ohne den ATLANTIC hätte ich nicht bemerkt, dass Pizzolatto die Figur des Dr.Pitlor mit der 80s-Ikone Rick Springfield besetzt hat! Wahrscheinlich die größte Leistung des ATLANTICS in der Reflektion über des sie überfordernden Kunstwerkes.

In ihren ästhetischen Bemerkungen voller erschreckender Belanglosigkeiten, haben die meisten deutschen „Kritiker“ auch bei TRUE DETECTIVE 2 einmal mehr nicht verstanden, was vor ihren angefaulten Hirnzellen die strapazierten Sehnerven belästigte. Das verbliebene Erkenntnispotential wird gebraucht, um allwöchentlich eine Lobpreisung auf die Stuben-Krimis des TATORT heraus zu krakeelen. Da wurde beklagt, dass „man den Überblick verliere“ oder die Handlung so komplex sei, das Pizzolatto „Den eigentlichen Fall“ aus den Augen verlieren würde. Ja, erstaunlich, wie komplex das Leben sein kann und – wohl noch erstaunlicher – wie ein Korruptionsmord alle politischen Ebenen berühren kann. Manche kamen gar zu der kühnen Erkenntnis, Genre-Regeln als Klischees zu bezeichnen. Das ließe sich wohl auch dem Schachspiel oder der Tragödie vorwerfen. In Genre-Fiction geht es weniger um das „was“. sondern um das „wie“ und „warum“.

Wahrscheinlich war TRUE DETECTIVE 2 dem gepflegten Noir-Fan einfach zu hoffnungslos. Da brannte kein Lichtlein am Ende des Tunnels (nicht mal die Grubenlampe des Vietcong).

„With so many principal characters and interlinking plotlines, viewers will have to take notes as they watch and hope they add up to something more significant than they did last season.“

THE ATLANTIC

„Schmerz ist unerschöpflich, nur die Menschen sind irgendwann erschöpft.“

„Ich habe nicht um diese Welt gebeten. Ich habe mich ihr nur gestellt. Ich bin auf der falschen Seite des Klassenkampfes geboren“, sagt der Gangsterboss Vince Vaughn, der als einziger der „vier Musketiere“ ein materielles Interesse an der Lösung des Falles hat. Er will das System nicht herausfordern oder gar stürzen, er will Teil von ihm werden, wie die großen Verbrecherfamilien des 19. Jahrhunderts, die ihr ergaunertes Vermögen im Laufe zweier Generationen in Respektabilität umgewandelt haben. „Dafür muss man Land kaufen.“ Leider ist auch in den USA die Zeit für Aufsteiger vorbei. Deshalb betrogen die Jungs vom Establishment Vaughn um seine mühsam erplünderten Millionen, mit denen er sich in ein Grundstücksgeschäft einkaufen wollte (man vergiftet gutes Land, um es dann billig zu kaufen, da eine staatlich subventionierte Eisenbahntrasse darüber führen wird). Es ist bezeichnend, dass der Gangster als Einziger der Protagonisten über politisches Bewusstsein verfügt und das System durchschaut. Die anderen sind lediglich enttäuschte Trump-Wähler.

Die drei weiteren Player haben noch pubertäre Vorstellungen von Gerechtigkeit in ihren kaputten Hirnen: die auf Autarkie fixierte Polizistin, deren Vater eine Art Hippie-Guru war (der nicht mal den Unterschied zwischen Athene und Aphrodite kennt), der schwule Motorrad-Cop, der seine Verbrechen als folternder Special Force im Seelengepäck mit sich herum schleppt, und der etwas tumbe und korrupte Bulle aus Vinci, den nur die Liebe zu seinem Sohn vor der vollständigen Selbstzerstörung bewahrt und dessen Kopf voller Erinnerungen ist, von denen er nichts mehr wissen will. Anfangs ist nicht klar, ob er vom korrupten Establishment noch absorbiert wird, oder bereits reduziert. Naivlinge, die einfach nicht begreifen wollen, dass sehr wohl sein kann, was nicht sein darf. Alle am Rande der inneren Emigration. Keiner von ihnen (außer Vince Vaughn) kennt das Kleingedruckte auf der Rückseite des Gesellschaftsvertrages.

Die fiktive Stadt Vinci (sie basiert auf dem realen Vernon), ein eigenständiger Vorort von Los Angeles, ist als Korruptions- und Gangstersumpf ein gelungenes Update von Hammetts Poisonville oder Chandlers Bay City. Eine schwer überbietbare zivilisatorische Müllhalde, deren Bürgermeister ein Haus in Bel Air hat. Er ist eine schöne Metapher für die Superreichen, die ganze Länder verpesten, während sie sich in Neuseeland und ähnlichen Idyllen Wohnanlagen mit Flugzeuglandeplätzen bauen, um sich rechtzeitig absetzen zu können, wenn „die Mistgabeln kommen um sie abzustechen“. Die folgerichtige Entwicklung der USA, seit in der Prärie der Stacheldraht eingeführt wurde.

Wie der katholische Glaube das Mittelalter beherrscht hat, basiert der westliche Kanon seit 1990 auf Korruption. Wie es bereits in der ersten Folge ausgedrückt wird: „everyone gets touched“. Die Evolutionsforscher haben nachgewiesen, das Moral die Anpassung an komplexes Sozialleben bedeutet. TW2, wie das Noir-Genre generell, zeigt die Zerstörung unserer Gesellschaftsstrukturen durch amoralische Eliten und ist somit Bach wie vor die Gattung, die unsere Realität am genauesten widerspiegelt.

Ab der 6.Folge ändert sich der Rhythmus der Serie. Das Spiel der ungleichen Vier ist bereits so gut wie verloren und nun geht es darum, wie man persönlich noch aus der Nummer rauskommt. Die Dialoge werden spärlicher, die Verzweiflung wächst. Kaputte klammern sich kurz an Kaputte, um dem unausweichlichen Schicksal ein paar Momente des Vergessens abzuringen. In einer Noir-Ästhetik in Szene gesetzt, gegen die klassische Filme der Schwarzen Serie wie ein Pirelli-Kalender wirken. Die Totalen auf Südkalifornien zeigen ein ausgelaugtes „Düsterland“, durch das sich der Highway wie eine giftige Schlange windet.

Wenn am Ende einem Pressemenschen die Beweise für die Korruption und andere Verbrechen übergeben werden, weiß der aufgeklärte Zuschauer, dass dies nichts nützt. Die US-Presse hat sich seit ihrer Hofberichterstattung während des Rumsfeld-Regimes zur Bedeutungslosigkeit herunter gewirtschaftet. Und falls sie diesen (Einzel-)Fall aufgreifen würde, wäre er nur eine weitere „Verschwörungstheorie“.

Das Genre zeigt sich selten desaströser; Pizzolatto entkleidet es, wie schon Manchette und Derek Raymond ihm den falschen Pathos wegrissen. Durch ihr hoffähiges Streben nach Gerechtigkeit haben sie sich vollständig isoliert, haben sich zu viele Feinde gemacht: „Wenn man sie alle umbringen würde, müsste man in der Hölle anbauen“ (Cormac McCarthy). Als echte Noir-Charaktere bestehen sie auf die Unterschiede und nicht auf Gemeinsamkeiten. Aus positiver Resignation im Sinne von Marcuse wird in den letzten Folgen überdrüssige Resignation. Der hilflose Zorn der Protagonisten überträgt sich auf die Zuschauer. Oder wie es die oft großartige Nina Rehfeld treffend ausgedrückt hat: „Pizzolattos Wut auf die Welt tut „True Detective“ gut.“ Wie seine Helden, kämpft auch Pizzolatto gegen das (TV-) System – nicht von Ungefähr ist David Milch eines seiner Vorbilder. Nach dem Kritiker-bashing (die Quoten waren ordentlich), ist sein „Wonder-Boy-Status“ natürlich angekratzt. Da versucht man wohl mit ästhetischen Pseudo-Argumenten den schärfsten Kapitalismuskritiker im TV weg zu mobben.

Wie in TD1, gibt es auch in TD2 eine große Action-Szene, eine Scießerei vor einer explodierenden Drogenküche, die dem Anfang von WILD BUNCH in nichts nachsteht.

Für den Soundtrack ist wieder T Bone Burnett zuständig. Als Titelmusik wählte er einen großartigen (neueren) Song von Leonard Cohen aus: Nevermind. Der fieberige Rhythmus dieser düsteren Noir-Ballade wird musikalisch perfekt umgesetzt und schafft eine weitere Dimension. Ich hatte nie viel übrig für Ein-Mann/Frau-und-seine-Gitarre-Musik (selbst Dylan beginnt für mich erst mit dem 5.Album), aber Lera Lynn mit ihren Noir-Songs in der düsteren Kaschemme, die Vince Vaughn und Collin Farrell als Treffpunkt für nihilistische Dialoge dient, hat mich umgehauen!

TD2 ist schlichtweg das Noir-TV-Meisterwerk, das auf allen Ebenen den aktuellen Stand der amerikanischen Abteilung der Gattung in Vollendung vorführt. Die Serie wälzt sich nicht in absurden Szenen, die Absurdität des Systems ist ihre Basis. Sie ist ein Trauma menschlicher Dummheit, eine unglaubliche Demonstration zivilisatorischen Versagens, in der die Tage vergehen wie verwesende Leichen. Die Serie zeigt, wohin ein System abdriftet, in dem Menschen Millionen Dollar im Jahr verdienen, nur weil sie telefonisch erreichbar sind und in den richtigen Adressbüchern stehen, immer auf der Suche nach noch finsteren Tiefpunkten menschlichen Verhaltens. Wo diese Figuren schlüpfen, könnte auch Charles Darwin nicht erklären.

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NEWS: TRUE DETECTIVE 2 by Martin Compart
12. Dezember 2016, 5:28 pm
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Rechtzeitig zu den besinnlichen Tagen, wird die DVD-Box von TRUE DETECTIVE 2 geramscht. Ein guter Moment, um einen Blick auf dieses gigantisches Noir-Meisterwerk z7u werfen (ich weiß: die meisten Kritiker waren anderer Meinung. Aber für sie gilt bekanntlich: Immer im Irrtum, nie im Zweifel). Näheres jetzt im CRIME TV-Blog. https://crimetvweb.wordpress.com/2016/12/12/der-bisherige-noir-hoehrpunkt-der-tv-geschichte-true-detective-2/

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MAX ALLAN COLLINS – CRIME-DA VINCI AUS IOWA by Martin Compart

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Kürzlich ist auf Cinemax die Crime-Serie nach Max Allan Collins Killer-Serie QUARRY angelaufen.

QUARRY war die erste Serie über einen Berufskiller und seit langem kult.

Jemand wie Max Allan Collins ist im Genre völlig einmalig-er schreibt nicht nur grandiose Romane, er hatte auch eine Single in der Hit-Parade, drehte, schrieb und produzierte Filme (in einem spielt Spillane eine Hauptrolle), schrieb Comics (sein ROAD TO PERDITION wurde 2002 zu einem erfolgreichen Kinofilm mit Tom Hanks) und Movie-und TV-Tie-Ins, er arbeitete auch theoretisch und drehte u.a. das definitive Mickey Spillane-Portrait.5387105341 Kein anderer mir bekannter Autor ist so produktiv in unterschiedlichen Medien unterwegs! Und dabei hält er ein ungeheures Niveau.  Max ist sein eigenes Multiversum und sein Platz in den verschiedensten Kapiteln der Genres und Medien längst sicher.

Und Max kann sehr witzig und scharfsinnig zugleich sein:

„Some of you know that I’m a Democrat or a liberal or a progressive or something. I think of myself as slightly left of center, but my father thought of himself as slightly right of center, when he was slightly right of Genghis Khan. So who knows? I do know that I veer left when the right is getting out of hand, which they frequently do. I despise Fox News, because it isn’t news, it’s opinion labeled news, and you can always tell when you’re “talking” (i.e, arguing) politics with somebody whose news and info comes from Fox, because it’s always the same bite-size talking Points.“

Im deutschsprachigen Raum wird er zur Zeit nicht veröffentlicht. Das sagt mal wieder so einiges über die Branche aus.

Spillane war und ist er besonders verbunden: Seit 2007 beendet und bearbeitet er die Fragmente von Spillane zu neuen Büchern.

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Max gehört zu den Giganten der zeitgenössischen Kriminalliteratur und mein Nachwort zu BLUT UND DONNER (Dumont Noir 17; 1999) hier als kleine Würdigung gedacht:

DAS MULTITALENT AUS DEM MITTELWESTEN

Wie die Zeit vergeht… Es kommt mir wie gestern vor, als Max Allan Collins Anfang der 80er Jahre als  der Geheimtip und  Newcomer genannt wurde. Ein Multitalent, das gleichermaßen erfolgreich und anspruchsvoll in unterschiedlichen Medien arbeitete: max-2012-3001Er schrieb Comics (u.a. führte er den langlebigsten Crime-Strip DICK TRACY fort), machte mit seiner Garagenband die fetzigsten Songs in Iowa und schrieb Noir-Romane. Später kamen Film-Novilizations (Collins Bücher zu den jeweiligen Filmen sind mehr als hingeklatschte Drehbucherweiterungen) und Filmarbeit als Produzent, Autor und Regisseur dazu. Ganz nebenbei gibt er Anthologien heraus und schreibt auch noch Texte zu populärkulturellen Themen (sein umfangreicher und großformatiger Prachtband über den Pin-Up-Künstler Gil Elvgren ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine brillante Analyse). Collins ist eine der kreativsten und produktivsten Autoren der zeitgenössischen Pop- und Noir-Kultur.

Collins wurde am 3.März 1948 in Muscatine (die Welthauptstadt der Perlmuttknöpfe!), Iowa geboren. Diese faszinierende Stadt mitten in den großen Getreidefeldern, direkt am Mississippi gelegen, hat etwas – sonst würde Max wohl nicht immer noch dort leben. Er war ein Einzelkind und entdeckte früh Comics und andere fiktionale Welten, die ihn schnell zu kreativen Aktivitäten anregten.

Seine Eltern Max Allan und Patricia Ann unterstützten die künstlerischen Neigungen von Collins jr. „In den Ferien mußte ich keinen Job annehmen. Sie ermutigten mich stattdessen, mein erstes Buch zu schreiben.“ Nach der Schule ging er 1968 auf die Universität in Iowa City, die er 1972 mit einem Bachelor of Arts und einem Master of Arts abschloß. Von 1968 bis 1970 war er Reporter für das Muscatine Journal.Im selben Jahr, als er auf die Universität ging, heiratete er seine Kindergartenliebe Barbara Jane, geborene Mull, mit der er zusammen den Sohn Nate hat.max_barbara-tn1

Von 1971 bis 1977 unterrichtete Collins Englisch am Muscatine Community College. Seitdem ist er freier Schriftsteller.

Max ist ein echtes Kind der 50er- und 60er Subkultur und nach wie vor ein Fan. Sein Interesse an Comics, TV, Film, Good Girl Art und Crime Fiction schlägt sich in einer Reihe von sekundärliterarischen Artikeln und Büchern nieder. Aber auch in seinen Romanen greift er populärkulturelle Themen immer wieder auf: Jon, der Sidekick von Nolan, ist ein Rockmusiker und Comic-Sammler, der sich in jedem Roman mit einem anderen Aspekt oder Genre des Mediums beschäftigt.

maxallancollins1Noch stärker finden sich Bezüge in seinen Mallory-Romanen: In A SHROUD FOR AQUARIUS setzt er sich mit der Gegenkultur der 60er Jahre auseinander und beschreibt melancholisch den Werteverlust der Hippie-Generation.

Mit Joe Lansdales SAVAGE SEASON, Campell Armstrongs CONCERT OF GHOSTS (KONZERT DER SCHATTEN; Bastei 13553, 1994), David Debins NICE GUYS FINISH DEAD (NETTE TYPEN STERBEN SCHNELLER; Goldmann 5816, 1995), Michael Dibdins DARK SPECTRE (INSEL DER UNSTERBLICHKEIT; Goldmann 1996) und George R. Martins ARMAGEDDON RAG (ARMAGEDDON ROCK; Fantasy Prod.1986; Heyne TB) eine der gelungensten Meditationen über diese Zeit – aus gegenkultureller Perspektive.

Die Krimi-Szene mit ihren Fans, Autoren und Cons machte er zum Mittelpunkt des Romans KILL YOUR DARLINGS, und in NICE WEEKEND FOR A MURDER beschäftigt er sich mit Rollenspielen.

MUSIK

Mitte der 60er Jahre grassierte ein Fieber quer durch die Vereinigten Staaten. Das Fieber hieß Garagenbands. Angeregt durch die Musik der britischen Invasoren – wobei für US-Garagenbands Rolling Stones, Animals oder Kinks immer wichtiger waren als die Beatles – gründeten Jugendliche in jeder kleineren und größeren Stadt Beatbands.collins1

Einige dieser Pre-Punk-Bands sind heute Klassiker; etwa die Electric Prunes, We the People, Seeds, 13th Floor Elevators, Brogues, Standells, Bad Seeds usw. Dabei bildeten sich oft erstaunliche regionale Unterschiede heraus. Aber eine Band aus Texas hatte neben den britischen R&B-Invasoren eben noch andere Einflüsse als eine Band aus Florida oder Iowa. Die meist nur regional, bestenfalls im ganzen Staat, veröffentlichten Singles (wenige dieser Bands durften/konnten ein oder gar mehrere Alben machen) sind heute gesuchte Raritäten und ernähren eine ganze Industrie von auf Rereleases spezialisierten CD-Firmen.

Die Plattenindustrie nahm schockiert dieses anarchische Ausleben des Rock’n Roll wahr und betrieb schleunigst die Zerstörung oder den Aufkauf kleiner Labels, mit dem bekannten Erfolg, die Pop-Musik endgültig zu standardisieren und von den großen Companys abhängig zu machen.

Auch Max verfiel 1966 dem Garagenphänomen und gründete seine erste Band, die Daybreakers, für die er auch Songs schrieb, oft lead vocals sang und die Keyboards spielte. Der Singleknaller PSYCHEDELIC SIREN von 1967, damals erschienen auf einem Label von Atlantic Records, genießt unter Garagen-Fans Kultstatus (zu finden auf der Vinyl-LP HISTORY OF EASTERN IOWA ROCK Vol.1). Nach dem Ende der Daybreakers gründete der bekennende Bobby Darin-Fan Cruisin, mit denen er bis 1979 harten Garagenrock und wunderbare Balladen einspielte. Seitdem gab es zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten Reunion-Konzerte und 1986 ein echtes Reunion, das 1991 zu dem grandiosen Album BULLETS! führte.

COMICS

Von Kindheit an war Collins auch ein großer Comic-Fan. seductioncover11954, als Sechsjähriger, fing er sich diesen Virus ein, der ihn bis heute gefangen hält. „Mein Interesse an Comic Strips und fiktionalen Detektiven wurde am selben Tag geweckt. Meine Mutter (sie wußte es nicht besser) legte damals in meine kleinen, heißen Hände ein Heft voller Blut, Gewalt, Verbrechen und Detektion: ein DICK TRACY-Comic Book mit Nachdrucken der Strips.“ Collins versuchte sich selbst als kindlicher Zeichner. Seine Mutter schickte ein paar seiner Dick Tracy-Zeichnungen an Chester Gould und bat den Künstler, ihrem Sohn ein paar Zeilen zum Geburtstag zu schreiben. Gould sandte ihm den Gruß zum achten Geburtstag, und Max fiel aus allen Wolken.

„Dieser Brief änderte mein Leben. Er gab mir Selbstvertrauen. Heute hängt er gerahmt an einer Wand meines Büros. Chester schrieb mir, daß ich Dick besser zeichne als jeder andere Junge meines Alters.“

Deshalb griff er natürlich zu, als er 1977 die Chance erhielt, den großen Strip-Klassiker DICK TRACY als Texter zu übernehmen. Er schrieb den Zeitungsstrip bis 1993 und verstand es, ihm neues Leben einzuhauchen, indem er an Goulds klassische Perioden anschloss.

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Max säuberte die Serie von dem fantastischen Schrott, der sich in den 6oer Jahren eingeschlichen hatte (Abenteuer auf dem Mond, zuviele unwahrscheinliche Gadgets usw.), indem er alte Figuren neu belebte, den Schwerpunkt auf Krimi- und gelegentlich Soap-Elemente legte, und neben neuen, originellen Gegenspielern neuartige Verbrechen (Computerkriminalität, Stalker usw.) einführte.

„Das Schwierigste war, sich die Verbrechen auszudenken. DICK TRACY gibt es seit 1931, und der Strip läuft Tag für Tag. Kaum ein Verbrechen, daß in dieser Zeit nicht abgehandelt wurde. Zum Glück – oder leider – fallen dem menschlichen Gehirn aber immer neue Abscheulichkeiten ein.“

ms_tree_211Zusammen mit dem Muscatiner Zeichner Terry Beatty (der auch das CD-Cover von BULLETS! gestaltete) entwickelte Collins eine Comic Book-Serie über einen weiblichen Privatdetektiv:

MS.TREE läuft noch heute, und ist somit die langlebigste Crime Comic Book-Serie der amerikanischen Comic-Geschichte.

„Die Ausgangsidee war, was wäre passiert, wenn Velda Mike Hammer geheiratet hätte, und Mike am Hochzeitstag umgelegt worden wäre. Hätte Velda nicht die Geschäfte übernommen und Mikes Mörder gejagt?“

Auch als BATMAN-Texter trat Collins hervor (beginnend mit den Heften BATMAN No.402 und No.403).

FRÜHE SERIEN

Natürlich zählt auch Collins die großen Noir-Autoren von Hammett, Chandler über Cain, Thompson und Goodis zu seinen Einflüssen. Aber den stärksten Eindruck machten Donald Westlake (als Richard Stark) und Mickey Spillane auf ihn:

„Westlake ist der beste zeitgenössische Kriminalliterat. Ich liebe Spillane! Niemand jagt den Leser durch die Seiten wie Mickey. Ich meine die frühen Sachen, die ersten sechs oder sieben Romane, die er als junger Mann geschrieben hat. Es gibt in der gesamten Literatur nichts Vergleichbares.“ 1999 drehte Max ein Feature über seinen Freund Spillane.nolan-hush-money-by-max-allan-collins1

Während der High School schrieb der sechzehnjährige Max sechs Romane, die kein Verleger haben wollte. Aber er gab nicht auf, schrieb weiter.

Kurz vor seinem Abschluß verkaufte er einen Roman, den ersten Nolan-caper: BAIT MONEY (im Manuskript noch FIRST AND LAST TIME getitelt), der, wie Max nicht müde wird zu betonen, „viel, fast alles, Donald Westlakes Parker-Romanen verdankt“.

In der ersten Fassung des Romans stirbt Nolan, der Dieb, der von der Mafia und der Polizei gehetzt wird, am Ende. Collins hatte endlich einen Agenten gefunden: den legendären Knox Burger, der in den 50er- und frühen 60er Jahren bei Dell und Fawcetts Gold Medal Books für die Paperback Originals verantwortlich war. Dort veröffentlichte er u.a. das Werk von David Goodis, Jim Thompson, John D.MacDonald, Kurt Vonnegut und Theodore Sturgeon.ahr0cdovl2jvb2tsb29rzxiuzguvaw1hz2vzl2nvdmvyl2xvy2fsl3n0yw5kyxjklzawl0wxl1lplmpwzw1

„Nach jeder Ablehnung sagte mir Knox, ich solle das Ende ändern und Nolan am Leben lassen. Langsam zeigte das Wirkung. Aber ursprünglich hatte ich die letzte aller tough guy-Stories schreiben wollen. Tough guys last stand. Dann hatte angeblich der Lektor bei Pyramid Books Kaffee über das Manuskript geschüttet. Knox meinte, da ich ein neues Manuskript tippen müsse, könne ich jetzt auch das Ende neu schreiben.“ Collins tat es, und ließ Nolan überleben, um ihn zu einem Seriencharakter auszubauen.

Neun Jahre hatte er versucht, seine Arbeiten zu verkaufen, bevor er 1971 seinen ersten Deal gelandet hatte. Von BAIT MONEY wurden seitdem weltweit über 250 000 Exemplare verkauft. Die weiteren Nolan-Romane waren ein ganz ordentlicher Erfolg, aber bald gab es ein Problem, von dem sich die Serie nicht mehr erholen sollte:

1981 übernahm der Verlag Harlequin Books von Pinnacle, bei dem Nolan jetzt erschien das Imprint Gold Eagle, in dem Don Pendletons Executioner-Serie über den Mafia-Killer Mack Bolan (diese Serie hatte in den 70er Jahren die Vigilantenwelle in den Paperback Original-Serien ausgelöst) erschien. Harlequin drohte Pinnacle einen Prozeß an. Sie behaupteten, Nolan sei eine juristisch nicht zulässige Kopie von Pendletons Executioner, und das die Namensähnlichkeit von Bolan und Nolan nicht zufällig sei. Größeren Schwachsinn kann man sich kaum vorstellen. Bolan war ein Söldner, jung, gutaussehend, ein Frauenheld und eiskalter Killer im Dienste seiner eigenen Gerechtigkeit. Nolan ein fünfzigjähriger Dieb, der einen Comic Fan als sidekick hatte. Wenn irgendjemand gegen die Nolan-Serie hätte klagen können, wäre es Donald Westlake gewesen, der aber dieses rip-off seiner Parker-Serie mochte und dem Autor Erfolg wünschte. Collins hatte ihn nach dem ersten Band sogar gefragt, ob er Nolan als Serie fortsetzen könne, oder Westlake sich plagiiert fühle. Westlake hatte ihm damals geantwortet, daß Nolan anders als Parker sei, und die Beziehung „zwischen Nolan und Jon menschlicher ist als alles, was ich je in den Richard Stark-Büchern geschrieben habe“. quarrymiddle1

Aber das interessierte die Idioten bei Harlequin nicht, die keine Gelegenheit scheuten, ihre ins Schlingern gekommene Mafiakiller-Serie vor gefährlicher Konkurrenz zu schützen.

Dabei wandten sich beide Serien an verschiedene Lesergruppen: Pendleton mit seinen primitiven Pulps, die von einer Legion von Autoren geghostet wurden, war eher Fernfahrerlektüre und für Leute, die beim Lesen die Lippen bewegen. Collins war schon damals ein sorgfältiger Autor, der jedem Buch eine individuelle Note verlieh. Jedenfalls knickte Pinnacle ein, obwohl es nicht zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kam, die Pinnacle und Collins leicht gewonnen hätten. Der Verlag nahm Nolans Namen bei den Bänden fünf und sechs vom Cover, was zu dramatischen Einbrüchen bei den Verkaufszahlen führte. Es kam zwar nicht zum Prozeß, aber die Serie war erledigt und wurde eingestellt. Erst 1987 veröffentlichte Max einen weiteren Nolan. Seine zweite Noir-Serie hatte den Vietnamveteranen und Kontraktkiller Quarry als Protagonisten. Über die beiden frühen Serien sagte Max: „Ihre Amoralität spiegelt die Zeit wieder, in der sie geschrieben wurden.“

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1975 trat Rick Marshall, der Comic-Redakteur des Field Enterprise Syndicate, an Collins heran. Collins war ihm als Autor und Comic-Kenner aufgefallen und sollte nun einen neuen Strip für Field entwickeln. Ein neuer Crime-Strip, der in den 30er Jahren spielen sollte, um so den Anschluß an die klassischen Abenteuerstrips dieser Epoche (Terry & Pirates, Prinz Eisenherz, Dick Tracy, Tarzan, Secret Agent X-9 usw.) zu suggerieren.

Collins erfand den Detektiv Nate Heller und siedelte ihn im Chicago der 30er Jahre an; Titel der Serie sollte HEAVEN AN HELLER sein. Aber bevor das Projekt realisiert werden konnte, verließ Marshall das Syndikat. Obwohl er mehrfach versuchte, den Strip unterzubringen, fand er kein Vertriebssyndikat. Ähnliches war Spillane passiert: MIKE HAMMER war ursprünglich auch als Comic geplant gewesen.

Es war die Zeit des großen Sterbens der Adventure-Strips. Selbst Klassiker wie TARZAN oder STEVE CANYON verloren immer mehr Zeitungen, in denen sie veröffentlicht wurden, und TERRY AND THE PIRATES und andere wundervolle Serien aus dem Golden Age wurden völlig eingestellt. Fast nur noch Funnys, also komische Strips mit abgeschlossenen Gags, bevölkerten die Comic Strip-Seiten der Tageszeitungen. Max kehrte zurück zum Romanschreiben (zwei Jahre später sollte er dann als Texter DICK TRACY übernehmen und diesen Dinosaurier revitalisieren).

„Ich habe Privatdetektiv-Romane immer geliebt. Aber alle Versuche, solche Geschichten zu schreiben, scheiterten. Für mich war der Privatdetektiv ein Anachronismus, aktuell nur erträglich in einer so wundervollen TV-Serie wie DETEKTIV ROCKFORD. Dann kam ich drauf: Der Privatdetektiv war vielleicht Geschichte, aber er existierte auch in der Geschichte. Hammett hatte den Archetypen Sam Spade 1929 erfunden, als Zeitgenosse von Al Capone. Der Privatdetektiv als literarische Figur ist offenbar alt genug, diese historische Variante zu rechtfertigen. Das war mein Ausgangspunkt. Außerdem wollte ich ein genaues Zeitbild beschreiben, nicht einfach eine weitere nostalgische Privatdetektivserie absondern. Um all das unterzubringen, braucht man schon etwas mehr Platz. Deshalb sind meine Nate Heller-Romane auch doppelt- oder dreifach so lang wie meine sonstigen Romane.“

TRUE DETECTIVE hielt lange Zeit den Rekord als längster Privatdetektivroman, der je in der ersten Person geschrieben worden war. Collins stellte diesen Rekord selbst ein mit STOLEN AWAY über die Entführung des Lindbergh-Babys.

Der Noir-Roman entdeckte die historische Perspektive relativ spät über den Umweg des Polit-Thrillers, der historische Ereignisse oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt (etwa Frederick Forsyths DAY OF THE JAKAL oder Ken Folletts EYE OF THE NEEDLE).

Drehbuchautor Andrew Bergman schrieb 1974 mit THE BIG KISS-OFF 1944 den ersten von zwei Romanen, die im Hollywood der 4oer Jahre spielen. Stuart M.Kaminsky begann ein Jahr später mit seiner Serie um den Hollywood-Privatdetektiv Toby Peters, der es in jedem Fall mit einem anderen Hollywood-Star aus den 40ern zu tun hat. 1975 veröffentlichte Joe Gores seine Hommage an den Urvater: HAMMETT. Ed Mazzaro schrieb in dieser Zeit ebenfalls einige Romane, die in den 30er Jahren spielten.

Der erste Heller-Roman, TRUE DETECTIVE, wurde 1984 mit dem Shamus-Award der Private Eye Writers of America ausgezeichnet.

Die Heller-Romane sind mehr als unterhaltsame period pieces à la Andrew Bergman oder Stuart Kaminsky; sie sind Rekonstruktionen einer Epoche. Die auftretenden historischen Personen sind keine Staffage, sondern integraler Bestandteil der Plots. „Bergman und Kaminsky schrieben im Grunde Romane, die ich als Epochenschilderungen bezeichnen würde; sie bedienen sich zwar geschickt realer Personen und Schauplätze, doch sie gehen nicht von realen Ereignissen jener Zeit aus.“

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DEUTSCHE AUSWAHL-BIBLIOGRAPHIE (stand 1998; da Max so produktiv ist, dass man als Bibliograph kaum hinterher kommt, empfehle ich die immer aktualisierte Homepage: http://www.maxallancollins.com/books/).

Nicht aufgeführt sind Comics und nur wenige Tie-ins, die bei uns veröffentlicht wurden (z.Bsp.: Der Soldat Ryan, CSI usw.).

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Nate Heller-Serie:

True Detective (Chicago 1933; Bastei 13015, 1985); St.Martin’s Press, 1983.

collins-heller01-chicago-1933-cover-klein1True Crime (Gangsterbräute 1934; Bastei 13036, 1986); St.Martin’s Press, 1985.

The Million-Dollar Wound (Gangsterkrie 1942; Bastei 13104, 1987); St.Martin’s Press, 1986.

Neon Mirage (Las Vegas 1946; Bastei 13261, 1990); St.Martin’s Press, 1988.

Stolen Away (Kidnapping; Bastei 13460, 1993); Bantam, 1991

Blood and Thunder (Blut und Donner; DuMont Noir 17, 1999); Dutton, 1995.

 

Nolan-Serie:

Bait Money (Köder für Nolan; Bastei 19087, 1990); Curtis, 1973.

Blood Money (Bußgeld für Nolan; Bastei 19093, ?); Curtis

Quarry-Serie:

The Broker (auch: Quarry. Quarry u.d.Makler d.Todes; Bastei 19061, 1988); Berkley, 1976.

The Broker’s Wife (auch: Quarry’s List. Quarry u.d.Liste d.Todes; Bastei 19064, 1988); Berkley, 1976.

The Dealer (auch: Quarry’s Deal. Quarry u.d. Killer; Bastei 19066. 1988); Berkley, 1976.

The Slasher (auch: Quarry’s Cut. Quarry gibt nicht auf; Bastei 19079, 1990); Berkley, 1977.

Primary Target (Quarry u.d.Millionenkontrakt; Bastei 19071, 1989); Countryman, 1987.

Mallory-Serie:

The Baby Blue Ripp-Off (Ein Veteran kehrt heim; Bastei 19103, 1987); Walker, 1983.

No Cure for Death (Der Einäugige; Bastei 19105, 1987); Walker, 1983.

Kill Your Darlings (Mordkongress; Bastei 19106, 1987); Walker, 1984.

A Shroud For Aquarius (Auch Blumenkinder sterben; Bastei 19115, 1987); Walker, 1985.

A Nice Weekend for a Murder (Wochenendmorde; Bastei 19123, 1988); Walker, 1986.

 

Eliot Ness-Serie:

The Dark City (Die dunkle Stadt; Bastei 19129, 1989); Bantam, 1987.

Butcher’s Dozen (Killer in der dunklen Stadt; Bastei 19139, 1990); Bantam, 1988.

 Non-Series:

Dick Tracy (Filmbuch. Dick Tracy; Bastei 13311, 1990)); Bantam, 1990.

NYPD-Blue: Blue Beginning (TV-Buch. Ein Bourbon zuviel; VGS, 1996); Signet, 1995.

Waterworld (Filmbuch); Arrow, 1995.

Private Ryan (Filmbuch. Der Soldat James Ryan; Knaur 61263, 1998); Signet, 1998.

 

Sekundärliteratur:

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Jim Thompson: The Killers Inside Him (mit Ed Gorman); Fedora Press, 1983.

 

One Lonely Knight: Mickey Spillane’s Mike Hammer (mit James L.Traylor);Bowling Green State University Popular Press, 1984.

 

The Best of Crime and Detective Television (mit John Javna); Crown, 1988.

 

The Mystery Scene Movie Guide: A Personal Filmography of Modern Crime Pictures; Borgo Press, 1995.

 

Elvgren: His Life & Art (mit Drake Elvgren); Collectors Press, 1998.

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NEWS: DIE SOPRANOS by Martin Compart
28. September 2016, 1:38 pm
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NEWS: HARRY O by Martin Compart
23. September 2016, 2:27 pm
Filed under: NEWS, Noir, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

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Der vergessenen PI-Klassiker im CRIME TV-Blog:

https://crimetvweb.wordpress.com/2016/09/23/harry-o-der-vergessene-pi-klassiker/

und 51oargwg3ll1

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