Martin Compart


MEIN BESTER ROMAN 2019: HOW BEAUTIFUL THEY WERE von BOSTON TERAN by Martin Compart

Obwohl es das Copyright von 2018 im Impressum zeigt, ist das Buch weitgehend erst seit November 2019 zugänglich und für mich deshalb das mit Abstand beste Buch des Jahres 2019.

A novel about the American theatre of the 1850s.

The New York theatre of that era was the Hollywood of its day, with all its trademark insanities. It was everything that was America. Its beauty and excitement, its rise and fall of personalities, its joys and desperations, selfish corruptions and violence. Even its hatred and racism.

Enter Colonel Tearwood’s American Theatre Company. Helmed by actor Nathanial Luck and playwright Robert Harrison, it revolutionizes the theatre of the times by bringing daily life to the stage: Love affairs, social corruption, political intrigue, violence and death grip the audience as backstage the players‘ fortunes rise and fall and rise again in an all too human play. There’s dashing Nathaniel Luck, hunted for the Pickwick Paper murders; beautiful Genevieve Wells, a con artist and swindler; Rosina Swain, aspiring actress in search of a father; and Robert Harrison, scion of a wealthy family, who was burned and disfigured in the infamous Wall Street fire, and turns the ruins of his body into art. How beautiful they were…

„This taut chronicle of despair and hope poses a powerful lens over a transformative period of our past. Unrelenting and haunting, yet at times poetic, How Beautiful They Were is deeply inventive and an irresistible read.“ – Eliot Pattison, Edgar Award winning author of the Inspector Shan Series and the Bone Rattler series

Dies ist der letzte Roman von Boston Terans DEFIANT AMERICAN-Trilogie, zu der THE CLOUD IN THE FIRE und A CHILD WENT FORTH gehören. Alle spielen im 19.Jahrhundert und sind ungewöhnliche Mischungen aus historischem Roman, Gesellschaftsroman und Thriller. Alle zeigen die USA im Gestalt annehmen, auf welchen Verbrechen sie begründet sind und welche Ereignisse dazu beitrugen, dass sie zu dem wurden, was sie heute sind.

Boston Teran überrascht immer wieder durch ungewöhnliche Sujets und natürlich seine literarische Qualität.

Ich hätte nie geglaubt, dass ich mich einmal für Theatergeschichte interessieren würde (schon gar nicht für die des amerikanischen vor dem Bürgerkrieg im New York der 1840er Jahre).

Die Theaterwelt ist der zentrale Ort, von dem die unterschiedlichsten Hoffnungen ausgehen und der die heftigsten Verwerfungen kreuzt. „Theatre is ideas, and ideas change the flow of power, and the flow of power affects who has the money, and everyone has a dog in that fight… To live where art and life are impossible to separate.”

Der Roman ist strukturiert wie ein Theaterstück in vier Akten.
Er ist aus zwei Perspektiven erzählt: der gegenwärtigen von Nathaniel Luck und der Rückblenden von Jeremiah Fields. Ähnlich wie in E.L.Doctorows RAGTIME wird ein der Geist eines Geschichtsabschnitts der USA durch die persönlichen Verstrickungen der Charaktere definiert. Dabei führt dieses gewaltige Epos durch alle relevanten Schichten, durch Rassen und ökonomische Strukturen.

Aufklärung als historischer Thriller – inzwischen eines von Boston Terans Markenzeichen. Genau wie die Lüge des „American Dream“, wenn man ihn mit der Realität konfrontiert. Auf der Metaebene schwingt immer mit, wie es um die „Moral“ der Vereinigten Staaten seit jeher bestellt ist.

Für Künstler wie Boston Teran kann man den Amerikanern einiges verzeihen (wenn auch nicht ihren Politikern von Reagan bis Dump und ihrer White-Trash-Wählerschaft).

Der Leser spürt den kranken Geist des Rassismus, der das Blut vor Zorn in Wallungen bringt, wird aber mitgerissen vom Suspense und der brillanten Action. Die Auswirkungen von Gewalt und Sklaverei auf die Charaktere dürften keinen Leser unberührt lassen.

Außer Cormac McCarthy in ähnlichen Werken, findet man wohl nichts Vergleichbares. Dass Boston Teran bisher keinen deutschen Verlag hat, sagt viel über den Zustand der Branche aus. Als hätte sich die Musikindustrie dazu entschlossen, die Rolling Stones nicht unter Vertrag zu nehmen.

Obwohl der Roman – wie bei Teran üblich – auf genau recherchierten Fakten und Mentalitäten beruht, erscheint er dem heutigen Leser manchmal wie Fantasy. Entsprechend der Maxime des britischen Schriftstellers Leslie Poles Hartley: “The past is a different country, they do things differently there.”

Die Charaktere sind unvergesslich, die Brutalität schwer erträglich, die Erkenntnis zwingend, die Spannung vorantreibend und die Sprache wunderschön.

Kein anderer lebender Autor hat mich in diesem Jahrhundert bisher tiefer beeindruckt als Boston Teran, der wie ein Chamäleon die Farben wechseln kann, dabei aber immer dieselbe Meisterschaft behauptet. Unterschiedliche Genres, unterschiedliche Stile – immer gleichzeitig aktuell und zeitlos.

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UND HIER NOCH MEHR VON MEINEN BESTEN VON 2019:

Bester Roman: HOW BEAUTIFUL THEY WERE von Boston Teran
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Beste deutsche Erstausgabe: DEAD LIONS von Mick Herron
https://martincompart.wordpress.com/2018/09/21/mick-herron-der-abdecker-des-secret-service-1/

Bestes Debut: TOD EINES GENTLEMAN von Christopher Huang

Bester deutscher Thriller: FANAL von Michael Contre
https://martincompart.wordpress.com/2019/11/07/fanal-interview-mit-michael-contre/

Beste Sekundärliteratur: EINIGE MEINER BESTEN FREUNDE UND FEINDE von Klaus Bittermann und DAS IMPERIUM-GESCHÄFT von Berthold Seliger
https://martincompart.wordpress.com/2019/11/21/40-jahre-bittermann/
https://martincompart.wordpress.com/2019/06/19/ticketing-gangster-berthold-seligers-analyse-der-konzertindustrie/

Beste TV-Serie: MINDHUNTER
https://crimetvweb.wordpress.com/category/mindhunter/

Bestes Album: DAS BESTE von Achim Reichel
https://martincompart.wordpress.com/2019/12/06/rattle-rekrut-reichel/

Beste Wiederentdeckung: VILLAIN -sowohl Roman wie auch Film
https://martincompart.wordpress.com/category/villain/




„RATTLE REKRUT REICHEL“ by Martin Compart
6. Dezember 2019, 10:45 am
Filed under: ACHIM REICHEL, JÖRG FAUSER, MUSIK, Porträt | Schlagwörter: , , , ,

Dies ist ein Auszug aus meinem Buch 2000 LIGHTYEARS FROM HOME – EINE ZEITREISE MIT DEN ROLLING STONES, stark überarbeitete Neuausgabe demnächst bei ZERBERUS).

.http://zerberus-book.de/
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Aus dem Kapitel über die 1960er.

Von nun an ging es Schlag auf Schlag!

Jede Woche war was Neues zu entdecken: Kinks, Troggs, Hollies, Manfred Mann, Procol Harum, Animals… Finanziell nicht zu bewältigen. Also sprach man sich ab: Du kaufst die, ich kauf die. Dann tauschen, wenn man die Single hundert Mal in der Woche gehört hatte.
Meine Popularität im Elternhaus erreichte einen Tiefstand. Aber sie kriegten es nicht hin, diese sittlich-ethisch desorientierenden Musik-Kapellen unter Strafe zu stellen. Für uns war die Rock-Musik ein goldener Fluss, und wir standen mit Eimern am Ufer. So erklommen wir die Gipfel der Ruchlosigkeit und Schande.

Noch heute muss man für die frühe Geburt dankbar sein, dass man nicht von kastrierten Prä-Rentnern wie Wincent Vice, Pietro Lombardi oder Glasperlenspiel sozialisiert wurde. Gegen die hätte sogar Willy Hagara gepunktet.

Eine neue jugendgefährdende Tradition entwickelte sich: der Party-Keller!
Manche hatten das Glück, in ihren Häusern Keller zu haben, die nicht als Kohlelager dienten, die recht adrett herzurichten waren. Etwa mit alten Sofas und selbst gezimmerter Bar. Prototypen dieser Hedonismusstellplätze waren bereits in den 50ern von der 5.Kolonne Moskaus eingeschmuggelt worden.

Am wichtigsten war natürlich der Plattenspieler.

Dicht gefolgt von Bildern der Stars, rausgerissen aus der „Bravo“ und an die Wände geklatscht. Ganz weit vorne war man mit einem „Bravo-Starschnitt“, der etwa Robert Fuller (AM FUSS DER BLAUEN BERGE) oder James Dean in Lebensgröße wiedergab. Da konnte schon mal ein Knie fehlen („Da waren wir in Italien und da kriegst du keine Bravo.“).
Ein gutbestückter Party-Keller verfügte natürlich nicht nur über die neuesten Platten, er hatte auch die verbotene Frucht für 10- bis 12jährige im Ausschank: Cola! Wer Cola trank war mindestens schon halbstark. Schmeckte gar nicht so doll, brachte aber Reputation.
An diesem Ort hatte pubertäre Verzweiflung Pause. Mit einem leeren Glas dazusitzen, grenzte an Hausfriedensbruch.

Nein, am wichtigsten für den Party-Keller waren Eltern, die nicht zu Hause waren.

Denn ALTE waren der Horror! Sie lebten ein Leben nach Regeln, die sich andere für sie ausgedacht hatten, die sie nicht einmal kannten.

Und dann kamen die Rattles!
Welches Ambiente war für sie geeigneter als ein Party-Keller? „Come On and Sing“, „Las Las Las Vegas“… Was für ein Krach! Lärm für Frühpubertierende, die mit hochrotem Pickelgesicht unbekannte Wesen fragten, „ob sie mit einem gehen wollen“.

Als man mich aufklärte, dass die Rattles aus Hamburg kamen, wollte ich es nicht glauben. Was für eine Enttäuschung! Als Beat-Band deutsch zu sein, fühlte sich nicht richtig an. Nein, das war schon direkt FALSCH.
Deutsch zu sein war sowieso scheiße. Ami – ja (schließlich plante man eine Karriere als Jess Harper bei den Cowboys), Engländer war auch okay.
Aber Deutscher?
An den Alten konnte man doch sehen, wie hinterletzt es war Deutscher zu sein. Spießer oder Altnazi. Viel mehr war da nicht drin. Und deutsche Musik… I mean really – da war man schon lange drüber weg.
In der Jugend darf man solange hochmütig sein, wie es dem Kenntnisstand nicht widerspricht.

Aber dann fand ich die Rattles doch verdammt gut. Besonders Achim Reichel war ein echter Kerl. Denn bei den Auftritten in heißen Studios hatte er eine Fellweste an, die man ihm aboperierte, als er zur Bundeswehr musste. Zum Start als Panzergrenadier brachte er unterm Stahlhelm 1967 das Video zu „Trag es wie ein Mann“ – noch immer ein Brüller.

Die „ernsthafte“ Journaille war damals stilistisch immer ganz weit vorne, wenn sie über Beat schrieb.

„Die Zeit“ aus Hamburg hatte tatsächlich mitgekriegt, dass es in Hamburg den Star Club und eine Beat-Szene gab. Und dass die Obermacker der Szene Hamburger Jungs waren, die sich „The Rattles“ nannten und nicht – wie man leicht hätte annehmen können – etwas waren, was sich quer durch die Erde aus der Mongolei dorthin durchgebuddelt hatte.

Deswegen war der „Zeit“ Achims Bundeswehreinsatz auch am 29. Juli 1966 einen Wahnsinnsartikel wert, unter der Überschrift RATTLE-REKRUT REICHEL. Ein paar Auszüge:

„Panzergrenadier Achim Reichel, 22 Jahre alt, Ehemann und Vater von zwei Kindern, ist im Privatleben ein Rattle. Ein Rattle ist die deutsche Ausgabe der berühmten englischen, von der Königin dekorierten Beatles. Was John Lennon für die Beatles ist, ist Achim Reichel für die Rattles. Er ist ihr Bandleader, fabriziert für sie Texte, setzt Töne und schlägt die Gitarre. Der Hamburger Star Club ist ihr Domizil. Von hier aus gehen sie auf ertragreiche Tourneen… Doch da flatterte dem Ober-Rattle unerwartet der Einberufungsbefehl ins Haus: Das Kreiswehrersatzamt bat den Beatkomponisten zu einem 18monatigen Gastspiel auf den Kasernenhof. Die Bundeswehr zeigte jedoch Verständnis. Für ein halbes Jahr stellte sie den Rattle zurück, zwecks seiner und seiner Band Geschäfte abzuwickeln. Achim Reichel aber dachte an die Millionen seiner britischen Kollegen und klagte, als nach einem halben Jahr der endgültige Befehl kam, vor dem Verwaltungsgericht. Er trug den Richtern vor: Die Musik, die er mache, sei mehr oder weniger Modesache. In den 18 Monaten seines Wehrdienstes könne sie passé sein. Seine Karriere, die sich so hoffnungsvoll anließ, könne er dann nie wieder nachholen. Der Anschluß sei dann verpaßt.
Die hanseatischen Verwaltungsrichter waren anderer Meinung: `Es liegen bisher keine Anzeichen dafür vor, daß die Beatmusik in naher Zukunft aus der Mode geraten wird´…“

Diese Weitsicht bestätigt mein Vertrauen in die deutsche Justiz.

Eine ältere Kusine, die längst vertraut war mit der Welt des Rock´n´Roll sagte: „Wenn Achim vom Bund zurück ist, ist er genauso erledigt wie Elvis.“

Im Gegensatz zu Elvis ist er stärker zurückgekommen (auch weil er weniger Filme gedreht hat).

Mit Wonderland ließ er es nach dem Bund sofort krachen. An „Moscow“ kam ´68 keiner vorbei.
„Die grüne Reise“ kam für mich zu früh. Diese Begleitmusik für psychedelische Freizeitpharmazeutika entdeckte ich erst nach meiner bescheuerten (aber kurzen) Amon Düül-Phase. Achim schloss nie eine Vollkaskoversicherung für kommerziellen Erfolg ab.

Während Udo Lindenberg zu nerven begann und sich deutsche Liedermacher auf verstaubten Ritterburgen was vorsangen, schuf Reichel die elektronische Musik, die erstmal kaum einer wirklich verstand. Spätestens da war jedem klar, dass er sich nicht einordnen ließ oder wollte. Sturköpfig zog er nur das durch, was er wollte. Seitdem weiß man nicht, womit er beim nächsten Album um die Ecke kommt.

Warum halten ihm die Fans bei allen unerwarteten Volten die Treue?
Das sieht man bei Live-Konzerten, die er immer reichlich gibt:
Auch wenn er auf ´ner Bühne sitzt, hat jeder im Raum das Gefühl, er spielt nicht für uns, sondern mit uns. Dadurch entsteht ein merkwürdig intensives Gemeinschaftsgefühl. Und Achim Reichel wird als „einer von uns“ wahrgenommen. Ähnliches konnte man in den späten 60ern erleben, als die Bands ein Teil des Movement waren und nicht als Wirtschaftsunternehmen gesehen wurden.
Reichel hat diese tief empfundene demokratisch-sozialistische Utopie der 60er nie aufgegeben. Wie sehr ihn die politisch-ökonomischen Fehlentwicklungen bewegen, hört man in seinen wütenden Texten, etwa in „Exxon Valdez“ oder „Neandertaler in Nadelstreifen“.
Aber was nützt der beste Text, wenn die Musik keine Substanz hat?

Mitte der 1970er überraschte er mich mit „Dat Shanty Alb´m“. Das war unter den hanseatischen Emigranten in München stark angesagt.
Und in den 1980ern lernte ich ihn persönlich kennen, dank Jörg Fauser, mit dem Achim damals intensiv zusammenarbeitete. Aber das ist eine andere Geschichte… Siehe https://martincompart.wordpress.com/2019/01/25/herzlichen-glueckwunsch-achim-reichel/

Achim war immer so hanseatisch deutsch, wie Ray Davies britisch oder Bob Dylan nordamerikanisch war, beziehungsweise ist. So wie Davies Music Hall-Einflüsse verarbeitete und aktualisierte, gräbt Achim immer wieder tief im deutschen Kulturgut, um Shantys oder Volkslieder zu entstauben und aktuell zu revitalisieren. In „Kuddel daddel du“ kann man den Schlager der Weimarer Republik raushören.

Wer sich so intensiv mit Volkskultur (im progressiven Sinne) beschäftigt, schafft dann selber welche.

Anders als der Egomane Davies nutzt Achim auch die Werke deutscher Klassiker oder neuer Dichter (am prominentesten wohl Fauser), um sie originell zu vertonen. Er riss zu vergessen drohendes oder zu Schulstoff verkommenes („Erlkönig“, „Zauberlehrling“ etc) zurück in die Popularität.
Das hat so manchem gelangweilten Schüler klar gemacht, wieviel Spaß man an dem alten Mist haben kann.

Mit Davies scheint er auch die Liebe zu seiner Heimatstadt zu teilen. Ohne London ist Ray kaum vorstellbar, er schrieb einige der schönsten Songs über die Stadt („Sunny Afternoon“, „Waterloo Sunset“ u.a.). Bei Reichel schwingt der Hanseat immer mit – im Tonfall und auch in der coolen Ereignisbeschreibung („Dolles Ding“), die man erst braucht, wenn sie da ist.

Am verblüffendsten ist für mich sein laid-back-Sound!
Diese uramerikanische Gitarrenmusik, die man mit Leuten wie Tony Joe White oder J.J.Cale verbindet, geht Reichel in Kombination mit deutschen Themen und Texten so leicht aus der Klampfe, als hätte er sein Leben lang in Oklahoma auf der Veranda Maispfeife geraucht.

Diese Unangestrengtheit kommt auch seinen Hits zu Gute: „Der Spieler“, „Aloha Heja He“, „Fliegende Pferde“, „Exxon Valdez“, „Amazonen“, „Boxer Kutte“, „Kuddel Daddel Du“ – wenn er will, kann er eben mal so Hits raushaun (auch wenn der Markt das manchmal nicht mitkriegt oder Radio-Idioten sie sabotieren, wie bei „Amazonen“ von 1993, von Radiosendern nicht gespielt, weil er das Wort „Männerarsch“ enthielt und als „frauenfeindlich-diskriminierend“ interpretiert wurde).

Ganz nebenbei schrieb er auch noch den definitiven Song, der die „Neue Deutsche Welle“ voll auf den Punkt bringt: „Robert der Roboter“.

Das Lied über maritime Geschlechtskrankheiten „Aloah Heja He“ ist einer der ganz wenigen Schichten übergreifenden Monsterhits: Er funktioniert grölend im Bierzelt und auf Schützenfesten genauso wie unter kichernden, kiffenden Intellektuellen. Vielleicht sowas wie sein „Satisfaction“. Im Mörserfeuer dieses Songs verbrennt er jeden Saal, der dann in bester Laune nach Hause geht, ohne von Gonokokken beunruhigt zu sein. „Die Single klemmte zuerst und die Plattenfirma war schon drauf und dran, den Mut zu verlieren. Und dann kam von denen der wunderschöne Spruch, den ich nie vergessen werde: ‚Achim, wir glauben, der Song ist zu sehr ‚Out of normality‘.“

Das Reichels Platten international lässig mithalten, liegt auch an der Qualität ihrer Produktion. Immer auf der Höhe technischer Möglichkeiten, aber nie überproduziert und mit exzellenten Arrangements (da macht ihm niemand was vor). Und er hat ein Händchen für Musiker! Die Bands, mit denen er tourt, sind immer erstklassig und laufen auf allen 12 Zylindern.

Und während die meisten zeitgenössischen Pop-Musikanten – Bands wie Silbermond und andere mit durchnummerierten Christa Stürmer-Zombie-Sängerinnen – in ihren Hirnen Geisterstädte unterhalten, ist Reichel neugierig und rege wie immer.

Achim gehört zu den wenigen Großen aus den Sixties, die nicht nur nostalgisch Säle füllen, sondern weiterhin relevant sind, weil sie keinen Trends hinterher laufen. Viele Sixties-Ikonen sind inzwischen so leer wie Abbruchhäuser.

Nun ist Achim Reichel selbst Kulturgut. Zum Glück weiß er das nicht und macht einfach weiter, um mit den Stones, Ray Davies und einigen anderen dahin vorzustoßen, wo noch keiner war. Denn er ist immer noch topfit mit seinem wartungsfreien Gute-Gene-Körper.

Einer der schönsten Songs mit Fauser:

Bei dem Arrangement kann ich ausflippen. Einer meiner absoluten Lieblingssongs aller Zeiten!

Einer der schönsten Songs über eine Seite von Fauser – und damals kannten sie sich noch nicht.

Und hier erzählt Herr Reichel was:



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
29. November 2019, 8:51 pm
Filed under: ACHIM REICHEL, MUSIK, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,

Wer kriegt in Deutschland so ein laid-back hin? Da muss sich Oklahoma schon anstrengen…



HERR REICHEL HAT ERSTMAL SEINE TOUR BEENDET by Martin Compart
24. November 2019, 2:06 pm
Filed under: ACHIM REICHEL, MUSIK | Schlagwörter:



ACHIM REICHEL ÜBER JÖRG FAUSER by Martin Compart
15. November 2019, 1:49 pm
Filed under: ACHIM REICHEL, JÖRG FAUSER, MUSIK | Schlagwörter: , ,

Leider war EINE EWIGKEIT UNTERWEGS aber auch die letzte Platte, auf der ich mit Jörg Fauser zusammen gearbeitet habe. Mit Jörg ist mir nicht nur ein guter Freund verloren gegangen, sondern auch eine Art Lehrmeister. Von ihm lernte ich unglaublich viel über das Kreieren von Texten.

Jörg war einfach extrem inspiriert. Der sagte gern mal nach einem Gespräch: „Gib mir mal ein paar Minuten.“, und brachte in dieser Zeit den Inhalt unseres Gedankenaustausches in eine Versform, bei der jedes Wort am richtigen Platz erschien – das fand ich beeindruckend. Fauser war als Schreiber in vielen Disziplinen zu Hause, ein wahrer Meister des Wortes.

Was man aber auch über ihn wissen muss, ist, dass er einen riskanten Lebensstil pflegte. Der lebte seine eigenen Geschichten bis zum Exzess. Und die damit verbundenen Milieu-Studien waren für ihn ein Teil seiner Suche nach dem Echten, dem Wahren.
Mein Lieblings-Titel auf dem Album „In Bali“ vermittelt das in seinem Text ganz deutlich. Fauser kannte sich im Milieu aus. Über Figuren, wie sie In Bali auftauchen, kannst Du nur schreiben, wenn Du sie selber kennen gelernt hast.

Das ist denn auch eine gute Überleitung zu meiner Ost-Asien-Tour, auf der Jörg eben auch dabei war und die er für den Stern dokumentierte. Anschließend ging es dann auf Deutschland-Tour, die ich auf Grund einer Salmonellen-Vergiftung abbrechen musste. Und just, als ich aus dem Krankenhaus kam, ist Jörg betrunken vor einen LKW gelaufen und das auch noch an seinem Geburtstag. Irgendein Tod wäre für ihn wohl zu wenig gewesen – auch wenn das jetzt zynisch klingt. Ein großer Verlust.

https://www.achimreichel.de/



DER COUNTDOWN LÄUFT… by Martin Compart
11. November 2019, 4:55 pm
Filed under: ACHIM REICHEL, MUSIK, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,

Momentan mein Lieblingssong. Das Arrangement ist Weltklasse!



HEUTE GEHT ES LOS! ACHIM REICHEL ON TOUR! by Martin Compart
23. Oktober 2019, 8:21 am
Filed under: ACHIM REICHEL | Schlagwörter: , ,

23.10.2019 Flensburg Deutsches Haus
24.10.2019 Lübeck Muk
26.10.2019 Berlin Admiralspalast
28.10.2019 Hannover Theater Am Aegi
29.10.2019 Hamburg Laeiszhalle
30.10.2019 Hamburg Laeiszhalle
01.11.2019 Husum Kongresszentrum
02.11.2019 Oldenburg Kulturetage
04.11.2019 Bremen Glocke
05.11.2019 Braunschweig Stadthalle
06.11.2019 Osnabrück Rosenhof
08.11.2019 Mannheim Musensaal
09.11.2019 Mainz Frankfurter Hof
11.11.2019 Essen Lichtburg
12.11.2019 Köln Gloria
13.11.2019 Nürnberg Hirsch
15.11.2019 Leipzig Haus Auensee
16.11.2019 Düsseldorf Savoy
17.11.2019 Bielefeld Ringlokschuppen
19.11.2019 Dresden Alter Schlachthof

ZUSATZKONZERT : HAMBURG – LAEISZHALLE AM 30.10.2019
VERLEGT : DRESDEN – ALTER SCHLACHTHOF AM 19.11.2019

Für Karten wird es eng! Fast die Hälfte der Gigs ist bereits ausverkauft.

https://www.achimreichel.de/