Martin Compart


DAURISCHE GOTIK – ÜBER ZENTRALASIATISCHE HORROR-KULTUR 2/ by Martin Compart

ENTWICKLINUGSGESCHICHTE DES GENRES

DIE 1920er

Zwei belletristische Werke, beide über Ungern-Sternberg, legten den Grundstein für die daurische Gotik.
Das erste war Ferdinand Ossendowskis romanhafter „Reisebericht“ TIERE, MENSCHEN UND GÖTTER („… diese slawistischste aller Reisebeschreibungen“, James Webb, S.242.). In dem Buch von 1922, dass in den USA im Erscheinungsjahr 300 000Exemplare in 28 Auflagen verkaufte, popularisierte der Autor im Westen den ein Jahr zuvor füsilierten „blutigen Baron“.

Die Poetik der daurischen Gotik spiegelt sich in den Kapitelüberschriften: „In die Wälder hinein“, „Drei Tage unter Feinden“, „Die Schlacht am Seybi“, „Mysterien“, „Das Herz Asiens in Zuckungen“, „Vor dem Antlitz Buddhas“, „Die Prophezeiung des Königs der Welt“ etc.
Das Buch behandelte als erstes die beiden wichtigsten Figuren des Genres: den „wahnsinnigen Baron“ und den „Rächer-Lama“.

Ossendowski berichtete auch von den eurasischen Träumen des Barons. Seine Motivation zur Schaffung eines zentralasiatischen Reichs, das sich auch auf Europa ausdehnen sollte, war zuerst Kampf gegen- und Vernichtung des Bolschewismus, dann aber auch die Führung eines dekadenten Europas hin zum tibetanischen Mystizismus.

Da der extreme Antikommunist Ossendowski polnischer Herkunft war, erklärten die chauvinistischen russischen Theoretiker aber ein späteres Werk zur Grundlage des Genres.
Für sie entstand die daurische Gotikd in den 1920er Jahren in Harbin unter russischen Emigranten. Auch der russische Faschismus entwickelte sich in diesem Umfeld.

Als erstes Werk des russischen Kanons gilt DIE BALLADE DES DAURISCHEN BARONS aus 1928, das ebenfalls Ungern-Sternberg heroisiert und mystifiziert.
In der Ballade werden gotische Motive in extremem Maße ausgeführt: Wie ein apokalyptischer Reiter erscheint der verrückte Baron aus dem Nichts. reitet auf einem schwarzen Pferd, steigt herab und „geht auf Leichen zu“ und durchbohrt einige mit seinem Dolch, seine Augen leuchten dämonisch in der Dunkelheit, begleitet von einem Raben und dem Heulen der Steppenwölfe. In der Ballade schwingt auch der Okkultismus von Helena Blavatsky mit, die seit dem 19. Jahrhundert großen Einfluss bei russischen Esoterikern ausübte.

Geschrieben von Arseny Mitropolsky (1889—1945) unter dem Pseudonym „Nesmelov“. Mitropolsky, alias “Nesmelov” war ein weißrussischer Offizier, der im Weltkrieg und im Bürgerkrieg gekämpft hatte. Er war Mitglied der faschistischen Partei in Harbin und machte Propaganda für die Japaner. Aber er gilt bis heute auch als talentiertester Lyriker der weißrussischen Diaspora in der Manschurei, respektive China. Unter dem Pseudonym „Nikolay Dozorov” war er der führende Propagandist für die japanische Kwantung-Armee.

Weißrussische Emigranten machten in häufig fragwürdigen Memoiren aus dem blutigen Baron einen romantischen Helden des Faschismus. Es wurden alle Arten von Memoiren, neben offenen Mystifikationen, von ehemaligen Offizieren der asiatischen Kavalleriedivision geschrieben. Idiotische Verklärungen und Rechtfertigungen, vollgestopft mit antisemitischen Phrasen, wie sie der Baron so leidenschaftlich verkündet hatte.
So weitete sich unter den Emigranten der Mythos aus.
Der Antisemitismus hatte Tradition in der weißrussischen Armee – und nicht nur, weil zu den führenden Bolschewisten Juden wie Trotzki zählten.
Als organisierte Propaganda wurden DIE PROTOKOLLE DER WEISEN VON ZION nachgedruckt und in der Armee verteilt. Admiral Koltschak ließ sie in Sibirien in großer Zahl produzieren und in seiner Administration ausgeben. Mit dümmlicher Perfidie versuchten sie die Revolution durch antisemitische Propaganda zu diskreditieren. Auch in der aktuellen daurischen Gotik findet sich Antisemitismus und Antirationalismus als Sinnangebot.

Die Beziehung zwischen dem Genre und Faschismus drückte sich unbewusst schon früh aus: Einer von Ossendowskis größten Fans war Heinrich Himmler, fasziniert von zentralasiatischer Mystik richtete er mehrere Tibet-Expeditionen aus, die wohl inoffiziell auch nach Agarthi oder Shambala suchen sollten. Auch ein Artikel von Julius Evola von 1973 beschreibt den faschistischen Kult um Ungern, basierend auf dem Buch von Ossendowski.

1930er UND SOWJETUNION

In der Sowjetzeit wurde der Baron als abschreckendes Beispiel für einen blutrünstigen Konterrevolutionär gelegentlich in Buch und Film behandelt. Er ist der Antagonist in einer Reihe von Spielfilmen über revolutionäre Ereignisse im Fernen Osten: SEIN NAME IST SUKHE-BATOR (1942), EXODUS (1968), DIE WANDERNDE FRONT (1971) und einige andere.

Das erste Sachbuch war wohl die Monographie von B. Tsibikov von 1947; zuvor war 1931 in der Zeitschrift „Krieg und Revolution“ der längere Aufsatz „Die Niederlage von Ungern“ von A.N. Kislov erschienen. 1937 befasste sich Valentin Tikhonov in einem frühen Roman mit ihm.

Die Propagandamaschine des Dritten Reiches erzeugte schließlich das Bild von Ungern als dem ersten Führer eines neuen Typs, dem ersten Faschisten. Ein Höhepunkt war Bernd Krauthoffs Roman ICH BEFEHLE (1938). Wenn man so will: der (bisher) einzige deutsche Beitrag zur daurischen Gotik.

Reichsleiter Alfred Rosenberg, wie Ungern-Sternberg Este und Antisemit und wichtiger Nazi-Ideologe, beschrieb den Baron als „den idealen Arier„, bemerkt Professor Mikhalev (in . https://iq.hse.ru/en/news/296270159) und stellte Ungern als „den ersten Führer eines neuen Typs, den ersten Nazi“ dar. Angeblich widmete Rosenberg Ungern ein Theaterstück, das in den 1930er Jahren in deutschen Theatern lief. „Nach unserer Hypothese liegt der Grund darin, dass Ungerns Kult – im Gegensatz zu denen um Koltschak oder Krasnow – in den 1930er Jahren in Nazi-Deutschland entstand. Die heutigen Imperialisten und die extreme Rechte reproduzieren alte ideologische Muster und Mythen in neuen Kontexten. Der Mythos Ungern wird genutzt, um verschiedene politische Kräfte zu konsolidieren.“

1990 BIS HEUTE

Die Renaissance der daurischen Gotik in den 1990er bis 2000er Jahren war im rechten politischen Kontext eingegliedert, genauso wie in den 1920er Jahren. Die Hauptkonsumenten dieses Produkts waren und sind Vertreter verschiedener radikaler eurasischer Kreise und ihre Anhänger.

1993 veröffentlichte Leonid Yuzefovich das Buch HERRSCHER DER STEPPE über Ungern-Sternberg. Nach Mikhalev ist dieses Buch auch Teil des daurisch-gotischen Kanons, vielleicht das Schlüsselwerk für die Neubelebung.

Auch in westlicher Literatur fand und findet der Baron Eingang, insbesondere in die romanische.
In Frankreich wurde durch Hugo Pratts Graphic Novel CORTO MALTESE IN SIBIRIEN (1973) Interesse entfacht; zwei weitere Umsetzungen als Comic folgten.
Die französische Punk Band Paris Violence widmete ihm 2005 einen Song:

In den Thrillern DARK STAR von Alan Furst, THE FULLER MEMORANDUM von Charles Stross, CLUB DUMAS von Arturo Pérez-Reverte und THE NINTH BUDDHA von Daniel Easterman wird Ungern erwähnt oder spielt sogar eine Rolle

PROTAGONISTEN

Neben Dja Lama und einigen konterrevolutionären Schlächtern ist der blutige Baron zweifellos die populärste und meistgenutzte Figur der daurischen Gotik und in der Verbreitung einer rechten eurasischen Ideologie.

Ungern war laut Augenzeugen, die ihn persönlich kannten, der perfekte Genre-Held: „Die Figur des Barons erinnerte an das Mittelalter, und etwas atavistisch war auch, dass er von seinen Vorfahren, den Deutschen Ordensrittern, denselben Durst nach dem Kriegerleben geerbt hatte, und vielleicht den gleichen Glauben an das Übernatürliche, Jenseitige. Er war abergläubisch; er wurde immer, auch im Feldzug, von Lamas, Astrologen, Wahrsagern begleitet… Er war überzeugt davon, dass er den Menschen bei ihrer Inkarnation half, wenn er sie umbrachte.“ (Pershin).

Seine Aussage „Denken ist Feigheit“ bringt jede rechte Ideologie trefflich auf den Punkt. Der faschistischen Doktrin gemäß: „Immer im Irrtum, nie im Zweifel.“

Hier nur ein kurzer Überblick: Die Offensive und die Guerillaaktionen der Roten Armee in Transbaikalien führten zur Niederlage der Weißen Armee. Der Baron zog sich aus Dauria zurück, marschierte in die Mongolei ein (1920), vertrieb chinesische Truppen aus der Hauptstadt Urga und stellte dann die buddhistische theokratische Monarchie in der Mongolei wieder her. Am Ende der Geschichte verschwörten sich seine eigenen Offiziere gegen ihn und überließen ihn den Bolschewiki, die ihn vor Gericht stellten, verurteilten und hinrichteten.

JÜNGERE MEDIALE VERMARTUNG

Wie schon erwähnt: In der Sowjetzeit wurden fünf oder sechs Filme über Ungern gedreht. In ihnen wurde er als verrückter reaktionärer Diktator dargestellt.
In den 2000er Jahren wurde er auch vom russischen Fernsehen entdeckt. In der erfolgreichen Serie BRIGADA (8 Folgen, je 37 Min.) wurde er als Hauptfigur dargestellt.
In VEPR (das Wildschwein) erscheint Ungern als mystischer Antiheld, der eine gewisse Sympathie weckt.

Ungern taucht verstärkt in der Musik auf. Die Musikgruppe Kalinov Most widmete ihm ein ganzes Album, in dem es im Hauptlied um den Orden Nr. 15 ging, den berüchtigten Vernichtungsbefehl. Die ukrainische Black-Metal-Band „Ungern“ benannte sich nach ihm und schwelgte in Texten zur Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Vor allem die osteuropäische Fantasy soll eine Vielzahl von Verweisen auf Ungern enthalten.

Im Jahr 2014 unterstützte das russische Kulturministerium die Finanzierung eines Dokumentarfilms über die Spuren der Wilden/Asiatischen Division.

Ungerns Konterfei ziert heute T-Shirts und gefälschte buddhistische Ikonen.

In den letzten Jahren wurden in Russland Anfragen zur Errichtung eines Denkmals für Roman Ungern gestellt. Die initiierende Gruppe bezog sich auf die Erfahrung der mongolischen Nazi-Gruppierung Tsagaan Haas, die nach unbestätigten Daten die Erlaubnis erhalten hat, ein Denkmal für Ungern in Ulaanbaator zu errichten. Aber bisher ist es noch nicht errichtet worden, und Tsagaan Haas ist eine kleine Gruppierung ohne großen politischen Einfluss.
Während einer Abstimmung in Transbaikalien über die Frage nach einer „Symbolfigur“ für die Region erzielten Ungern und Ataman Semenov die meisten Stimmen. Infolgedessen änderten die regionalen Behörden das Format der Abstimmung und entfernten einige der problematischen historischen Figuren.

Aber auch die Tanibalisierung der USA durch fundamentalistische Christen-Sekten wird dieses merkwürdige Genre in der westlichen Welt kaum marktfähig machen.

LITERATURHINWEISE u.ä.:

Aleksey Mikhalyev, ein Politikwissenschaftler an der Buryatischen Staatsuniversität State University, hat die Popularität Ungern-Sternbergs im heutigen Russland und das Genre untersucht; siehe dazu: http://windowoneurasia2.blogspot.com/2019/06/dauria-gothic-why-russians-today-are.html .

James Webb: Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur & Okkultismus im 20. Jahrhundert. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-152-0.


hhttps://www.youtube.com/watch?v=8dkPIjfikKcttps://www.youtube.com/watch?v=2TBsJVecfI0

P.S.:

Nichts Neues aus Estland

Im November 2020 erhielt der Verein Ungern Khaan von der Koalitionsregierung Estlands 45.000 Euro an Zuschüssen. Es löste einige Diskussionen in Estland aus. Einige fanden es bedauerlich, dass die estnische Regierung eine Statue eines antisemitischen Kriegsverbrechers mit Plänen zur Weltherrschaft aktiv unterstützte.

Auch der Historiker Ago Pajur von der Universität Tartu wies darauf hin, dass Ungern-Sternberg keine wichtige Rolle in der Geschichte Estlands gespielt habe:

– Es gibt viele Menschen in der Geschichte Estlands, die ein Denkmal mehr verdienen als Ungern-Sternber. Ich sehe keinen Grund, ihm im heutigen Estland ein Denkmal zu errichten.

Eine verdrehte Interessenvereinigung lehnte das Geld dann ab. Grund seien „die medialen Beschreibungen des Barons als Warlord und Kriegsverbrecher, nicht als Befreier der Mongolei (…) Wir treffen die Entscheidung, weitere Beleidigungen des Barons in den Medien zu vermeiden.“

Ungern Khaan hat die Pläne für ein Denkmal von Baron Ungern-Sternberg jedoch nicht aufgegeben. Doch der Plan wird nun ausschließlich durch Spenden finanziert.

Der Wunsch, dem „Blutigen Baron“ Ungern-Sternberg eine Statue zu errichten, sei ebenso politisch wie historisch motiviert, sagt der Archäologe Torgrim Sneve Guttormsen.

Guttormsen betont, dass das Entfernen oder Einsetzen umstrittener Denkmäler in einen Kontext nicht dasselbe ist wie das Entfernen oder Verändern von Geschichte. Stattdessen kann es konstruktive Möglichkeiten geben, die Geschichte zu diskutieren oder zu korrigieren. Doch das ist wohl kaum die Motivation für den Verein Ungern Khaan, glaubt Guttormsen:

Der Artikel wurde ursprünglich in Vi Menn Nr. 07 2022 veröffentlicht
https://www-klikk-no.translate.goog/historie/den-blodige-baronen-mente-han-var-den-gjenfodte-djengis-khan-7121065?_x_tr_sl=no&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=sc

https://news.err.ee/1192453/coalition-grants-45-000-for-memorial-to-baltic-german-war-crimes-baron



DAURISCHE GOTIK – über zentralasiatische Horror-Kultur 1/ by Martin Compart

Mittelalterlicher Schrecken, Vampire, Zauberer, mongolische Reiter, Yogis, Lamas, Werwölfen, Krähen, blutige Gemetzel und auferstandene Tote neben realen historischen Gestalten, verstrickt in Ereignisse des russischen Bürgerkriegs, eingehüllt in die Aura tibetanischer Shambala-Mystik.
Derartige Romane erscheinen seit den 1990er Jahren zunehmend in Osteuropa und besonders in Russland, haben ein eigenes Genre gebildet unter dem Begriff Daurische Gotik.

Die klassischen Motive des Schauerromans finden sich auch in der daurischen Gotik wie Wahnsinn (Ekstase, Trance usw.), übernatürliche Vorgänge, mysteriöse Schlösser – aber in einem orientalischen Kontext: buddhistische Klöster, Burgen inmitten der Steppe, mysteriöse tibetische Mönche und Lamas und die Suche nach Shambala anstelle des Heiligen Grals.

Daurian Gothic interpretiert diese asiatischen Topoi jedoch aus europäischer Perspektive neu und schmückt sie auch mit westlichen Motiven.
Daurische Gotik ist eng verwandt mit anderen Formen der asiatischen Gotik, von der wiederum die japanische- und koreanische Gotik weltweit erfolgreich sind in den Medien „Mangas“ und „Animes“. Die narrative Umsetzung der daurischen Gotik findet dagegen im Wesentlichen durch Bücher Fanfiction, Gemälde und Rockmusik statt; seit einiger Zeit auch verstärkt in Film und Fernsehen.

Daurische Gotik ist ein neoromantischer Kunsttrend, der durch eine düstere Atmosphäre und mythologische Geschichten von Kriegen und Konflikten in Transbaikalien (Daurien) und den Weiten Zentralasiens gekennzeichnet ist. Häufig verbunden mit dem mythischen Reich Shambala oder Agartha, dass außerhalb unserer sichtbaren Welt existiert, aber Einfluss auf die Personen haben kann.
In diesen Räumen vermischt die daurische Gotik historische Ereignisse mit Mysterien, reale Personen mit fiktiven.

DER RAUM:

Der Raum Innerasien bezieht sich auf eine kulturell isolierte Steppenregion, die Tuva, Burjatien, den Altai sowie die Mongolei und Tibet umfasst.

Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts war Dauria oder Daurien auch eine umfassende Bezeichnung für den transbaikalischen Raum Ostsibiriens. Während des Bürgerkriegs wurde die Ortschaft Dauria, ein wichtiger Knotenpunkt der transsibirischen Eisenbahn, berüchtigt als Hautquartier des weißrussischen deutsch-baltischen Barons Ungern-Sternberg (1886-1921), der als „blutiger Baron“ wegen seiner Terrorherrschaft unter dem Oberbefehl von Ataman Semjonow in die Geschichte einging (sieh Linkverweise am Ende dieses Textes).
Noch entscheidender für seinen Mythos war die Eroberung der Mongolei von den Chinesen durch seine „asiatische Kavallerie“, zusammengesetzt aus Angehörigen der Steppenvölker, Tibeter und Weißrussen, unterstützt vom Militär des japanischen Kaiserreichs.

Die Region Daurien wird in der daurischen Gotik ähnlich fiktionalisiert wie Siebenbürgen bzw. Transsylvanien als Domäne von Dracula.

Beide Faktoren sind für die Namensgebung des Genres entscheidend: Die Gräuel des Bürgerkrieges und Terrorherrschaft der „Atamanscha“ und die eurasische Perspektive des geographischen Raums.

Der Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums eröffnete reaktionären Kräften einen neuen Blick auf einen eurasischen Raum unter russischem Einfluss und mit chinesischer Bündnispolitik. Eine Geostrategie, die auch Putin betreibt.

ZENTRALASIATISCHES MITTELALTER

In der zentralasiatischen Steppe endete das Mittelalter erst Anfang des 20.Jahrhunderts und erst in den 1930er Jahren waren dank der Sowjets die meisten Klöster geschleift und die feudalen Strukturen zerstört. Eine Transformation des Feudalismus in den Staatskapitalismus.

In der daurischen Gotik hat das Mittelalter eine positive Konnotation durch größere Nähe zur Natur und Spiritualität, im Gegensatz zur Neuzeit, die besonders wegen des Bolschewismus als negativ angesehen wird.
Faschistische Verklärung des Mittelalters, wie sie auch im 3.Reich oder Mussolinis Italien zu finden war, ist ein Grundpfeiler des Genres. Es ist eine Revolte gegen die modern Welt, wie man sie auch im idiosynkratisch-faschistischen Traditionalismus von Julius Evola (Revolte gegen die moderne Welt, 1934, 1951) findet.
Deshalb sind fast alle Werke des Genres im frühen 20.Jahrhundert angesiedelt.

IDEOLOGIE

Das Genre steht immer im Zusammenhang mit den Zusammenbrüchen russischer Reiche: Anfang des 20.Jahrhunderts mit dem Ende des Zarenreichs und seit den 1990er Jahren mit dem Ende der Sowjetunion. Zeiten, in denen antirationalistische Orientierungslosigkeit bestimmte Schichten zu Okkultismus und reaktionärer Nostalgie führt.

Die öffentliche Rehabilitierung einer Reihe konterrevolutionärer Figuren der 1920er Jahre gehörte zur intellektuellen Konkursmasse der Sowjetunion.
Der extreme Antisemit Baron Ungern war der erste, der aufgrund der Bemühungen russischer Historiker in den 90ern rehabilitiert wurde. Ernsthafte Historiker bestritten zwar nicht seine Gräueltaten, säuberten ihn aber von der bolschewistischen Geschichtsschreibung.

Eine große Anzahl solcher Bücher erfüllten die unterschiedlichsten Interessen, unterstützten sowohl neue eurasische Vorstellungen wie auch nationalsozialistische und imperialistische Tugenden. Sie wandten sich also an ein rechts-nationales Klientel, dessen intellektuelle Begrenztheit ihre ideologischen Vorstellungen lieber fiktional in Romanen und Musik umgesetzt konsumierte.

Die europäische Gothic Novel oder Schauerromanze spiegelte zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Niedergang des Feudalismus und den Aufstieg des Bürgertums fiktional. Ein Model, das sich für die Übertragung in russische Verhältnisse bewährte.

Purvya Mendyaevs Roman GOTT SEI DANK! SIE SIND ALLE WIEDER TOT (2017) über Ja Lama und „wie die größten Esoteriker des 20. Jahrhunderts um die Kontrolle über den Tempel des Todes kämpften“, bringt neben dem Rächer-Lama so illustre Gestalten wie u.a. Karl Haushofer, John Mackinder und Ungern-Sternberg zusammen. Eine Art okkulte „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ mit real existierten Personen.

Kultur, die im Dienst reaktionärer politischer Ideologien eingesetzt wird, garantiert den Erfolg der daurischen Gotik. Mystizismus, Eurasismus und faschistischer Traditionalismus sind zu wichtigen Elementen in der russischen Politik geworden. Außerdem definiert sie eine Art politischer Weltordnung in Kategorien lamaistischer Eschatologie.

In den 2000er Jahren wurde die daurische Gotik zum wichtigsten Propagandamittel der extremen russischen Rechten für ihren Eurasismus, wie etwa von Alexander Dugin vertreten, eine der einflussreichsten Strömungen im heutigen Russland.

EURASISMUS

„Eurasismus oder Eurasiertum (auch Eurasianismus, russisch евразийство Ewrasijstwo) ist eine in den 1920er Jahren von russischen Emigranten formulierte geopolitische Ideologie. Der Eurasismus behauptet, dass ein von Russland dominierter, zwischen Europa und Asien befindlicher „Kontinent Eurasien“ in einem fundamentalen Gegensatz zur „romano-germanisch“ geprägten westlichen Welt stehe“, erklärt WIKIPEDIA.
Es ist also nicht verwunderlich, dass reaktionäre Kreise in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Gefallen an dieser kruden Geostrategie finden. Radikaler Eurasismus war schon immer (siehe Ungern-Sternberg) eng verbunden mit antikommunistischen weißrussischen Emigranten in Asien.

Russland fühlt sich seit langem – auch dank der hysterischen orthodoxen Kirche – vom Islamismus bedroht, besonders durch die Kaukasus-Regionen und Turkmenistan (Stichwort: Basmatschi) bedroht. Den ideologischen Strategen des Eurasismus kommt deshalb eine Verklärung des tibetanisch-mongolischen Lamaismus gelegen.

Angesichts dieser einflussreichen politischen Strömung in Russland ist es mehr als lächerlich, wenn der neue Zar im Kreis seiner Neu-Bojaren der Welt verkündet, er wolle die Ukraine von Nazis und Faschisten befreien.

FORTSETZUNG FOLGT

LITIERATURHNWEISE:

Aleksey Mikhalyev, ein Politikwissenschaftler an der Buryatischen Staarsuniversität State University, hat die Popularität Ungern-Sternbergs im heutigen Russland und das Genre untersucht; siehe dazu: http://windowoneurasia2.blogspot.com/2019/06/dauria-gothic-why-russians-today-are.html .

Siehe auch in diesem Blog:

EINE ASIATISCHE ODYSSEE DURCH BLUTIGE STEPPEN – DIE ERINNERUNGEN VON DMITRI ALIOSHIN (https://martincompart.wordpress.com/2021/02/12/eine-asiatische-odyssee-durch-blutige-steppen-die-erinnerungen-von-dmitri-alioshin/ )

DER RÄCHER LAMA (https://martincompart.wordpress.com/2013/02/14/der-racher-lama-1/ )

DER SCHLÄCHTER VOM USSURI ATAMANKALMYKOW (HTTPS://MARTINCOMPART.WORDPRESS.COM/2009/11/29/DER-SCHLACHTER-VOM-USSURI-ATAMAN-KALMYKOW-1/ )

ICH BEFEHLE – EIN UNGERN-STERNBERG-ROMAN (https://martincompart.wordpress.com/2011/06/07/ich-befehle-ein-ungern-sternberg-roman/ )

OSSENDOWSKI – DER MYSTERIÖSE PROFESSOR 1 (HTTPS://MARTINCOMPART.WORDPRESS.COM/2011/02/20/OSSENDOWSKI-DER-MYSTERIOSE-PROFESSOR-1/ )

DER BLUTIGE WEISSE BARON ( HTTPS://MARTINCOMPART.WORDPRESS.COM/2010/12/02/DER-BLUTIGE-WEISSE-BARON/ )

Aufgrund der nomadischen Lebensweise hatten die Mongolen und möglicherweise andere Nomaden nicht die Möglichkeit, Gefangene selbst in der Zindan-Grube zu halten, so dass sie mit einem solchen mobilen Gefängnis auskommen mussten.



GEMEINSAMKEITEN by Martin Compart
6. März 2022, 1:47 pm
Filed under: Nazi, Politik & Geschichte, Sternstunden der Verblödung | Schlagwörter: , ,

Es gibt doch einige Gemeinsamkeiten zwischen der Ideologie Putins und der des Westens: Die Herrschaft der Oligarchie sei unantastbar.

P.S.:
Putins deutsche Schergen, die Neo-Nazis, zerstreiten sich wegen der Ukraine:

https://taz.de/Rechte-Szene-streitet-ueber-Russlandkrieg/!5837676/

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2022-03/rechtsextremismus-neonazis-rekrutierung-russland-ukraine-krieg

P.P.S.: Worin unterscheidet sich Putins Nazi-Lüge von der US-Lüge über die Massenvernichtungswaffen des Irak?



J.ROBERT JANES UND DIE NAZIS IN FRANKREICH by Martin Compart
1. Oktober 2021, 6:01 pm
Filed under: Nazi, Noir, NOIR-KLASSIKER, Porträt | Schlagwörter: , , , , , ,

Einige Krimi-Fans, die ich getroffen habe, sagten mir, sie seien wegen der Vichy-Romane von J.Robert Janes dazu übergegangen, Kriminalliteratur nur noch auf Englisch zu lesen. Denn nachdem die Dumont-Noir-Reihe nicht mehr fortgesetzt wurde, war auch die Publikation dieser Serie in Deutschland beendet. Mir ist auch aufgefallen, dass Janes Dumont-Romane in den Antiquariaten relativ teuer gehandelt werden. Nun ist Janes auch im englischsprachigen Raum kein Bestseller-Autor, aber er hat sich eine Gemeinde erschrieben, in der seine Vichy-Serie Kultstatus genießt (weshalb er sie über die geplanten 10 Bände fortgesetzt hat). Um an ihn zu erinnern und ihn zu würdigen, hier noch mal mein Nachwort zu Dumont-Noir Bd.10 SALAMANDER (mit allen zeitbedingten Überholtheiten).

IM ZWIELICHT VON VICHY

I.
Historische Romane haben seit Jahrzehnten Konjunktur. Wobei besonders historische Kriminalromane sich augenblicklich großer Beliebtheit erfreuen.
Alles begann mit Melville Davidson Posts UNCLE-ABNER-Geschichten, die im wilden Virginia Anfang des 19.Jahrhunderts spielten und ab 1918 veröffentlicht wurden.
In den 40er Jahren entdeckten Autoren wie Agatha Christie, John Dickson Carr und Lillian de la Torre (ihre wunderbaren Geschichten über Dr.Johnson warten noch auf eine deutsche Veröffentlichung) die faszinierenden Möglichkeiten dieses Subgenres, als dessen Höhepunkt gerne THE DAUGHTER OF TIME von Josephine Tey genannt wird.

Einen erneuten Push bekam das Genre Anfang der 70er Jahre mit dem Sherlock-Holmes-Revival (ausgelöst durch Nicholas Mayers THE SEVEN-PER- CENT-SOLUTION, 1974). Anfang der 80er Jahre wurden Ellis Peters Bruder Cadfael-Romane, Ann Perrys Viktorianische Krimis und vor allem Umberto Ecos DER NAME DER ROSE zu Bestsellern und Welterfolgen. Seitdem vergeht keine Woche, in der nicht ein Detektivroman über das alte Rom, die Renaissance, das Mittelalter oder eine sonstige Epoche erscheint.

Der Noir-Roman entdeckte die historische Perspektive relativ spät über den Umweg des Polit-Thrillers, der historische Ereignisse oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt (etwa Frederick Forsyths DAY OF THE JAKAL oder Ken Folletts EYE OF THE NEEDLE).
Drehbuchautor Andrew Bergman schrieb 1974 mit THE BIG KISS-OFF 1944 den ersten von zwei Romanen, die im Hollywood der 4oer Jahre spielen. Stuart M.Kaminsky begann ein Jahr später mit seiner Serie um den Hollywood-Privatdetektiv Toby Peters, der es in jedem Fall mit einem anderen Hollywood-Star aus den 40ern zu tun hat. 1975 veröffentlichte Joe Gores seine Hommage an den Urvater: HAMMETT.
Ed Mazzaro schrieb in dieser Zeit ebenfalls einige Romane, die in den 30er Jahren spielten.
Einen weiten Schritt nach vorne machte das Subgenre 1983 mit Max Allan Collins‘ erstem Nate-Heller-Roman TRUE DETECTIVE. Collins untersucht durch seinen Detektiv in jedem Roman ein wahres Verbrechen und bereitet das bekannte Faktenmaterial so kunstvoll auf, daß man ihn heute als den absoluten Großmeister des Genres bezeichnen muß. An diesem Status kratzt nicht einmal James Ellroy mit seinem durchwachsenen L.A. Quartett oder AMERICAN TABLOID.

Während das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg immer ein sehr beliebter Hintergrund für Spionageromane und Polit-Thriller war, sparte der historische Detektiv- oder Noir-Roman diesen düsteren Zeitabschnitt aus.

Es ist kaum zu glauben, aber ausgerechnet in diesem kriminalliterarischen Segment wurde der Klassiker von einem deutschen Autor geschrieben!

Der unterschätzte und zu Unrecht in Vergessenheit geratene Hans Hellmut Kirst veröffentlichte 1962 den Noir-Roman DIE NACHT DER GENERALE, der zum Teil im besetzten Frankreich spielt und die Spur eines Serienkillers durch den Zweiten Weltkrieg bis in die Nachkriegszeit verfolgt. Der Roman (der einiges aus dem James Hadley Chase-Roman THE WARY TRANSGRESSOR „übernommen“ hatte und dies in den credits der Verfilmung auch zugeben musste) war damals ein großer Erfolg, erschien sogar in den USA und wurde von Anatole Litvak mit Peter O’Toole und Omar Sharif nach einem Drehbuch von Joseph Kessel 1966 als britisch-französische Co-Produktion verfilmt.
Kirst schrieb noch andere bemerkenswerte Kriminalromane, darunter die München-Trilogie über Skandale und Korruption auf höchster Ebene. Bei uns schmählich missachtet – auch von der deutschen Krimi-Szene -, ist er der einzige deutsche Autor, der Eingang in das Standardwerk TWENTIETH CENTURY CRIME WRITERS gefunden hat.


1989 legte der schottische Schriftsteller Philip Kerr mit MARCH VIOLETS seinen ersten Roman vor, der ziemlich noir war: MARCH VIOLETS hatte mit Privatdetektiv Bernie Gunther einen Protagonisten, der im Berlin der Nazis Ende der 30er Jahre ermittelte.

1992 erschien dann endlich mit MAYHAM Robert J.Janes erster St-Cyr und Kohler-Roman, der sich auf einem völlig neuen Niveau mit den Schrecken im besetzten Frankreich auseinandersetzt. Angesichts der gigantischen Verbrechen der Big Player Hitler, Himmler, Goebbels und Co., deren Blutspur sich durch ganz Europa zog, musste jedes noch so perfide individuelle Verbrechen verblassen. Was sind selbst hunderte Opfer eines Brandstifters im Vergleich zu den Massenvernichtungen durch die Nazis? Es ist nicht verwunderlich, dass sich nur sehr wenige Autoren für die „normalen“ Verbrechen im Schatten der Staatsverbrechen interessieren. Denn auch während des 3.Reiches, das individuelle Verbrechen wie jedes totalitäre Regime leugnete, geschahen alltägliche Morde und anderes.

II.
Joseph Robert Janes wurde 1935 in Toronto als mittlerer von drei Söhnen geboren. Als Kind war er ein Einzelgänger, bis er fünf Jahre alt war und den belgischen Knaben Willy aus einer Immigrantenfamilie traf. „Willy war so alt wie ich und sprach kein Wort Englisch. Aber wir verstanden uns trotzdem, gingen gemeinsam ins Kino und spielten Cowboy, Kampfpilot, Pirat usw. Wir lebten unsere kindlichen Phantasien aus, und diese Zeit war wohl wesentlich mitverantwortlich, dass ich Schriftsteller geworden bin.

Nach der Schulzeit studierte er an der Universität von Toronto Geologie und schloss 1958 als graduierter Mineningenieur ab. Er unterrichtete Geologie an der McMasters Universität in Hamilton und an der Brock Universität von St.Catharines, bevor ihn der Ruf der Ölindustrie erreichte.

Einige Jahre arbeitete er als Ölsucher für Mobil Oil of Canada und die Ontario Research Foundation, dann kehrte er zum Lehramt zurück. „Ich sehe mich auch heute noch als Geologe und Mineningenieur. Das verliert man nicht. Die ganze Art und Weise die Dinge zu betrachten, wurde durch meine Ausbildung beeinflußt. Die Fähigkeit, Fakten zu sammeln und auszuwerten, um komplexe Probleme analytisch zu lösen, ist meine wissenschaftliche Grundlage, die mir als Romancier hilft. Ich denke noch immer sehr akademisch.“

Seit 1970 ist er freier Schriftsteller und zu seinem Oevre gehören neben Geologie-Sachbüchern Romane (THE ALICE FACTOR, THE TOY SHOP) und Thriller (THE HIDING PLACE, THE WATCHER), vor allem Detektivgeschichten für Jugendliche (die Rolly-Serie).

1958 heiratete er seine Frau Grace, mit der er bis heute vier Kinder und sechs Enkel hat, für die er „aus dem Stand Geschichten erfindet und erzählt. Das sind die besten Geschichten.“

Wie alle professionellen Autoren ist auch Janes ein harter Arbeiter: „Ich arbeite jeden Tag außer sonntags. Ich beginne morgens um sieben Uhr mit einer Tasse schwarzen Kaffees und Papier und Bleistift. Von meinem Arbeitszimmer sehe ich auf unseren verwilderten altenglischen Garten und denke nach. Etwa um acht Uhr weiß ich, was ich schreiben werde. Mit einer zwanzigminütigen Mittagsunterbrechung arbeite ich bis etwa um fünf Uhr durch; Samstags nur bis vierzehn Uhr. Mein Arbeitszimmer unter dem Dach ist zwar so breit und lang wie das halbe Haus, aber mit Büchern und Papier vollgestopft. Zum Schreiben bleibt mir gerade mal ein Quadratmeter. Die erste Fassung schreibe ich immer mit der Hand. Die Tagesarbeit übertrage ich dann mit meiner IBM-Schreibmaschine. Kein PC! Ich mag diese technischen Erleichterungen nicht, weil sie das eigentliche Schreiben beeinflussen und den Text mit unnötigen Worten aufschwemmen.“

Tatsächlich lässt sich bei einigen Autoren beobachten, wie ihre Bücher plötzlich immer umfangreicher wurden – extrem war das bei Desmond Bagley der Fall – , nachdem sie auf ein PC umgestiegen waren. Janes Bücher sind dagegen nicht sehr umfangreich und stilistisch äußerst effektiv. „Ich sage allen jungen Autoren: Vergesst die Word Processor, PCs usw. Die machen alles zu einfach. Umschreiben und nochmals umschreiben ist das wichtigste bei der Schriftstellerei. Man muß sich quälen.“ Der selige Jörg Fauser, der einen bestimmten Uralttypus Schreibmaschine auch schon mal von einem Schrottplatz geholt hatte, hätte ihm sicherlich zugestimmt.

„Wenn ich den Titel eines Romans habe, beginne ich mit dem Schreiben. Der Titel muss für mich alles enthalten, er ist die Quintessenz des Romans und sollte die Substanz des Buches einfangen. Die Charaktere kommen aus der Story. Es sind Figuren, die für bestimmte Szenen nötig sind, damit ich sie so entwickeln kann, wie es mir nötig erscheint. Aber sie müssen natürlich stimmen und wahrhaftig sein, sonst funktionieren sie nicht. Aber bei mir kommt die Geschichte zuerst, die die Charaktere bedingt. Andere Autoren arbeiten erfolgreich genau umgekehrt.“

Janes Vorbilder und eventuelle Einflüsse sind Autoren, die beim besten Willen nicht der Kriminalliteratur zuzuordnen sind: „Seitdem ich selbst schreibe, lese ich kaum noch fiktionales. Denn ich möchte stilistisch nicht beeinflusst werden, was unweigerlich passieren würde. Zu meinen Lieblingsautoren gehörten John Steinbeck, Scott Fitzgerald, D.H.Lawrence (ein absolutes MUSS!), Edna O’Brien, Sean O’Faolain, John Fowles, Graham Greene und andere.“

III.
Den ersten St.-Cyr und Kohler-Roman, MAYHAM, schrieb Janes in nur drei Monaten. „In der Rohfassung meines Diamanten-Thrillers THE ALICE FACTOR gab es eine lange Passage über das okkupierte Frankreich. Der Verlag meinte, der Roman sei zu lang, und ich warf diesen Teil heraus. Danach schrieb ich einen bis heute nicht veröffentlichten Roman über einen Protagonisten, der sich an seine Zeit im besetzten Frankreich erinnert. In diesem Buch taucht ein unehrlicher Sureté-Detektiv auf. Mein Unterbewusstsein begann sich bereits mit St.-Cyr zu beschäftigen, als ich dieses Buch schrieb. Aber St.-Cyr sollte natürlich in gewisser Hinsicht ein Ehrenmann sein. Damals, durch die Situation bedingt, war so ziemlich jeder mehr oder weniger unehrlich oder ein Gauner. Ich wußte jedenfalls sofort, dass St.-Cyr einen starken Gegenpart braucht. Also kam mir Kohler in den Sinn. Aber ich war während des Krieges aufgewachsen und hatte die Deutschen zu hassen gelernt. Ich fragte mich, ob ich wirklich über einen sympathischen Deutschen schreiben konnte. Wie sollte ich das Einfühlungsvermögen entwickeln, das nötig ist für so eine wichtige und zentrale Figur? Irgendwie gelang es mir. Aber Kohler hatte immer die Tendenz, mir auf dem Papier wegzurennen. Noch heute, neun Bücher später, droht mir Kohler immer wieder zu entgleiten. Ich muß mich sehr intensiv auf ihn konzentrieren.“

Ohne das Tempo der Handlung zu verzögern – jeder St.-Cyr und Kohler-Roman spielt in einem kurzen Zeitraum von einigen Tagen, nie länger als eine Woche – gelingt es Janes das tägliche Leben in dem besetzten Land in die Handlung zu integrieren. Fernab allen dümmlichen Betroffenheitsgelalles zeigt er eindrücklich den alltäglichen Terror der Besatzer und den dauernden Überlebenskampf der einfachen Menschen. Er vermeidet simple Schwarzweißmalerei und zerstört abgedroschene Klischees. Er verdeutlicht geradezu erschreckend, wie wenig wir wirklich darüber wissen. Dabei vermeidet er Sentimentalität, was die Authentizität seiner Bücher erhöht.

Sein souveräner Umgang mit zeitgeschichtlichen Fakten und ihre künstlerische Vernetzung mit der Fiktion ziehen den Leser so intensiv in die Geschichte, das dieser die zeitliche Distanz aufgibt. Er macht die Vergangenheit auch emotional erfahrbar.
Neben seinen gelungenen Charakteren und den sauber konstruierten Plots macht diese atmosphärische Verzahnung von vergangener Realität und Fiktion die Faszination seiner einzigartigen Bücher aus. „Das besetzte Frankreich ist ein faszinierender Hintergrund, und ich entdecke immer wieder etwas neues.“

Gerade die genau recherchierten Details, die Janes unaufdringlich einfließen lässt, verblüffen den aufmerksamen Leser immer wieder. Wie Max Allan Collins gilt auch er als exzellenter Rechercheur, dem es gelingt, genau die richtigen Facts zu finden und zu nutzen. „Wir sprechen über Romane! Man kann auch etwas zu Tode recherchieren, bis mir oder dem Leser die Lust vergeht. Der Trick ist, nur das auszuwählen, was die Story lebendig werden lässt. Schriftsteller sind Jäger und Sammler und registrieren alles was sie lesen, hören oder sehen, um es mal irgendwann zu verwerten. Ich recherchiere dauernd. Die Jagd nach Material geht nie zu Ende. Seitdem ich 1970 mit dem Schreiben begann, habe ich keinen Urlaub gemacht. Nur Recherche-Reisen. Jeder Roman ist anders. Aber inzwischen weiß ich intuitiv, welches Material ich für ihn brauchen könnte. Ich mache eine Menge Notizen, schreibe Seiten nur mit Fakten und Details voll. Jedes Buch muss alleine für sich bestehen können, ohne vom Leser Vorkenntnisse zu verlangen.“

Oft gewinnt man den Eindruck, dass Janes der Atmosphäre seiner Romane alle anderen Elemente unterordnet. Und es sind die verschiedenen, meist düsteren, Stimmungen, die im Leser unauslöschlich haften bleiben. Dabei verlangt er bei der Lektüre einige Konzentration: Sein eigenwilliger Umgang mit dem inneren Monolog, dessen Perspektive abrupt gewechselt werden kann, ist nur effektiv, wenn man sich intensiv auf Stil und Autor einlässt. Janes verlangt den mitdenkenden Leser und macht keine Abstriche an sein literarisches Konzept. Paradoxerweise ist es gerade diese extrem subjektive Erzählerhaltung, die ein objektiv-realistisches Bild der Zeit heraufbeschwört.

Die „Globe and Mail“ verglich einen seiner Romane mit der „glanzvollen Handlung von H.H.Kirsts Klassiker DIE NACHT DER GENERALE“ und SANDMANN wurde sowohl von Publishers Weekly wie der New York Times unter die besten Thriller des Jahres 1997 gewählt. Seitdem seine Romane auch in den USA veröffentlicht werden, ist Janes kein Geheimtipp mehr. Sieben Romane wurden von der Stornoway Productions unter Option genommen. Das Drehbuch zum ersten Roman MAYHEM ist von Ron Base fertiggestellt worden und seitdem sind immer wieder ein Kinofilm wie auch eine Fernsehserie für die BBC im Gespräch.

1. Mayhem (1992)

2. Carousel (1992)

3. Kaleidoscope (1993)

4. Salamander (1994

5. Mannequin (1994)

6. Sandman (1994)

7. Stonekiller (1995)

8. Dollmaker (1995)

9. Gypsy (1997)

10. Madrigal (1999)

11. Beekeeper (2001)

12. Flykiller (2002)

13. Bellringer (2012)

14. Tapestry (2013)

15. Carnival (2014)




IM ZWIELICHT VON VICHY – Die (zeit)geschichtlichen Kriminalromane von J.Robert Janes by Martin Compart

I.
Historische Romane haben seit Jahrzehnten Konjunktur. Wobei sich besonders historische- und zeitgeschichtliche Kriminalromane großer Beliebtheit erfreuen.

Alles begann mit Melville Davidson Posts UNCLE-ABNER-Geschichten, die im wilden Virginia Anfang des 19.Jahrhunderts spielten und ab 1918 veröffentlicht wurden. Dies waren wohl die ersten Detektivgeschichten, die bewusst in einer vergangenen Epoche angesiedelt wurden.
In den 40er Jahren entdeckten Autoren wie Agatha Christie, John Dickson Carr und Lillian de la Torre (ihre wunderbaren Geschichten über Dr.Johnson warten noch auf eine deutsche Veröffentlichung) die faszinierenden Möglichkeiten dieses Subgenres. Als einen Höhepunkt darf man THE DAUGHTER OF TIME, 1951, von Josephine Tey nennen, in dem erstmals ein reales historisches Verbrechen der kriminalliterarischen Analyse unterworfen wurde.

Einen erneuten Push bekam das Genre Anfang der 70er Jahre mit dem Sherlock-Holmes-Revival (ausgelöst durch Nicholas Mayers THE SEVEN-PER- CENT-SOLUTION, 1974). Anfang der 80er Jahre wurden Ellis Peters Bruder Cadfael-Romane, Ann Perrys Viktorianische Krimis und vor allem Umberto Ecos DER NAME DER ROSE zu Bestsellern und Welterfolgen. Seitdem vergeht keine Woche, in der nicht ein Detektivroman über das alte Rom, die Renaissance, das Mittelalter oder eine sonstige Epoche erscheint.

Der Noir-Roman entdeckte die historische Perspektive relativ spät über den Umweg des Polit-Thrillers, der historische Ereignisse oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt (etwa Frederick Forsyths DAY OF THE JAKAL oder Ken Folletts EYE OF THE NEEDLE). Drehbuchautor Andrew Bergman schrieb 1974 mit THE BIG KISS-OFF OF 1944 den ersten von zwei Romanen, die im Hollywood der 40er Jahre spielen. Stuart M.Kaminsky begann ein Jahr später mit seiner Serie um den Hollywood-Privatdetektiv Toby Peters, der es in jedem Fall mit einem anderen Hollywood-Star aus den 40ern zu tun hat.

1975 veröffentlichte Joe Gores seine Hommage an den Urvater: HAMMETT.

Ed Mazzaro schrieb in dieser Zeit ebenfalls einige Romane, die in den 30er Jahren spielten.

Einen weiten Schritt nach vorne machte das Subgenre 1983 mit Max Allan Collins‘ erstem Nate-Heller-Roman TRUE DETECTIVE. Collins untersucht durch seinen Detektiv in jedem Roman ein wahres Verbrechen und bereitet das bekannte Faktenmaterial so kunstvoll auf, daß man ihn heute als den absoluten Großmeister des Genres bezeichnen muß. An diesem Status kratzt nicht einmal James Ellroy mit seinem durchwachsenen Quartetten.

Während das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg immer ein sehr beliebter Hintergrund für Spionageromane und Polit-Thriller war, sparte der historische Detektiv- oder Noir-Roman diesen düsteren Zeitabschnitt aus.

Es ist kaum vorstellbar, aber ausgerechnet in diesem kriminalliterarischen Segment wurde ein Klassiker von einem deutschen Autor geschrieben! Der unterschätzte und zu Unrecht in Vergessenheit geratene Hans Hellmut Kirst veröffentlichte 1962 den Noir-Roman DIE NACHT DER GENERALE, der zum Teil im besetzten Frankreich spielt und die Spur eines Serienkillers durch den Zweiten Weltkrieg bis in die Nachkriegszeit verfolgt. Der Roman war damals ein großer Erfolg, erschien sogar in den USA und wurde von Anatole Litvak mit Peter O’Toole und Omar Sharif nach einem Drehbuch von Joseph Kessel 1966 als britisch-französische Co-Produktion verfilmt. O´Toole spielt den Killer General Tanz. Die beängstigendere Darstellung eines Psychopathen hat man im Kino selten oder nie gesehen.
Kirst schrieb noch andere bemerkenswerte Kriminalromane, darunter die München-Triologie über Skandale und Korruption auf höchster Ebene. Bei uns schmälich mißachtet – auch von der deutschen Krimi-Szene -, ist er der erste deutsche Autor, der Eingang in das Standardwerk TWENTIETH CENTURY CRIME WRITERS gefunden hat.

1989 legte der schottische Schriftsteller Philip Kerr mit MARCH VIOLETS seinen ersten Roman vor, der wahrlich noir war: MARCH VIOLETS hatte mit Privatdetektiv Bernie Gunther einen Protagonisten, der im Berlin der Nazis Ende der 30er Jahre ermittelte. Kerrs Serie dürfte bis heute die erfolgreichste sein, die in der Zeit des 3.Reichs angesiedelt ist. Angesichts ihrer Qualität hat sie das auch verdient.

1992 erschien dann mit MAYHAM Robert J.Janes erster St-Cyr und Kohler-Roman, der sich auf einem völlig neuen Niveau mit den Schrecken im besetzten Frankreich auseinandersetzt. Angesichts der gigantischen Verbrechen der Big Player Hitler, Himmler, Goebbels und Co., deren Blutspur sich durch ganz Europa zog, mußte jedes noch so perfide individuelle Verbrechen verblassen. Was sind selbst hunderte Opfer eines Brandstifters im Vergleich zu den Massenvernichtungen durch die Nazis? Es ist nicht verwunderlich, daß sich nur sehr wenige Autoren für die „normalen“ Verbrechen im Schatten der Staatsverbrechen interessieren. Denn auch während des 3.Reiches, das individuelle Verbrechen wie jedes totalitäre Regime leugnete, geschahen alltägliche Morde und andere Schwerverbrechen.

II.
Joseph Robert Janes wurde 1935 in Toronto als mittlerer von drei Söhnen geboren. Als Kind war er ein Einzelgänger, bis er fünf Jahre alt war und den belgischen Knaben Willy aus einer Immigrantenfamilie traf. „Willy war so alt wie ich und sprach kein Wort Englisch. Aber wir verstanden uns trotzdem, gingen gemeinsam ins Kino und spielten Cowboy, Kampfpilot, Pirat usw. Wir lebten unsere kindlichen Phantasien aus, und diese Zeit war wohl wesentlich mitverantwortlich, dass ich Schriftsteller geworden bin.“

Nach der Schulzeit studierte er an der Universität von Toronto Geologie und schloss 1958 als graduierter Mineningenieur ab. Er unterrichtete Geologie an der McMasters Universität in Hamilton und an der Brock Universität von St.Catharines, bevor ihn der Ruf der Ölindustrie erreichte. Einige Jahre arbeitete er als Ölsucher für Mobil Oil of Canada und die Ontario Research Foundation, dann kehrte er zum Lehramt zurück. „Ich sehe mich auch heute noch als Geologe und Mineningenieur. Das verliert man nicht. Die ganze Art und Weise die Dinge zu betrachten, wurde durch meine Ausbildung beeinflusst. Die Fähigkeit, Fakten zu sammeln und auszuwerten, um komplexe Probleme analytisch zu lösen, ist meine wissenschaftliche Grundlage, die mir als Romancier hilft. Ich denke noch immer sehr akademisch.

1958 heiratete er seine Frau Grace, mit der er bis heute vier Kinder und sechs Enkel hat, für die er „aus dem Stand Geschichten erfindet und erzählt. Das sind die besten Geschichten.“

Seit 1970 ist er freier Schriftsteller und zu seinem Oeuvre gehören neben Geologie-Sachbüchern, Romane (THE ALICE FACTOR, THE TOY SHOP) und Thriller (THE HIDING PLACE, THE WATCHER), vor allem Detektivgeschichten für Jugendliche (die Rolly-Serie).

Wie alle professionellen Autoren ist auch Janes ein harter Arbeiter: „Ich arbeite jeden Tag außer sonntags. Ich beginne morgens um sieben Uhr mit einer Tasse schwarzen Kaffees und Papier und Bleistift. Von meinem Arbeitszimmer sehe ich auf unseren verwilderten altenglischen Garten und denke nach. Etwa um acht Uhr weiß ich, was ich schreiben werde. Mit einer zwanzigminütigen Mittagsunterbrechung arbeite ich bis etwa um fünf Uhr durch; Samstags nur bis vierzehn Uhr. Mein Arbeitszimmer unter dem Dach ist zwar so breit und lang wie das halbe Haus, aber mit Büchern und Papier vollgestopft. Zum Schreiben bleibt mir gerade mal ein Quadratmeter. Die erste Fassung schreibe ich immer mit der Hand. Die Tagesarbeit übertrage ich dann mit meiner IBM-Schreibmaschine. Kein PC! Ich mag diese technischen Erleichterungen nicht, weil sie das eigentliche Schreiben beeinflussen und den Text mit unnötigen Worten aufschwemmen.“

Tatsächlich lässt sich bei einigen Autoren beobachten, wie ihre Bücher immer umfangreicher wurden – extrem war das bei Desmond Bagley der Fall – , nachdem sie auf PC umgestiegen waren. Janes Bücher sind dagegen nicht sehr umfangreich und stilistisch äußerst effektiv. „Ich sage allen jungen Autoren: Vergesst die Word Processor, PCs usw. Die machen alles zu einfach. Umschreiben und nochmals umschreiben ist das wichtigste bei der Schriftstellerei. Man muß sich quälen.“

Der selige Jörg Fauser, der einen bestimmten Uralttypus Schreibmaschine auch schon mal von einem Schrottplatz geholt hatte, würde ihm sicherlich zustimmen. „Wenn ich den Titel eines Romans habe, beginne ich mit dem Schreiben. Der Titel muss für mich alles enthalten, er ist die Quintessenz des Romans und sollte die Substanz des Buches einfangen. Die Charaktere kommen aus der Story. Es sind Figuren, die für bestimmte Szenen nötig sind, damit ich sie so entwickeln kann, wie es mir nötig erscheint. Aber sie müssen natürlich stimmen und wahrhaftig sein, sonst funktionieren sie nicht. Aber bei mir kommt die Geschichte zuerst, die die Charaktere bedingt. Andere Autoren arbeiten erfolgreich genau umgekehrt.“

Janes Vorbilder und eventuelle Einflüsse sind Autoren, die beim besten Willen nicht der Kriminalliteratur zuzuordnen sind: „Seitdem ich selbst schreibe, lese ich kaum noch fiktionales. Denn ich möchte stilistisch nicht beeinflusst werden, was unweigerlich passieren würde. Zu meinen Lieblingsautoren gehörten John Steinbeck, Scott Fitzgerald, D.H.Lawrence (ein absolutes MUSS!), Edna O’Brien, Sean O’Faolain, John Fowles, Graham Greene und andere.“

III.
Den ersten St.-Cyr und Kohler-Roman, MAYHAM, schrieb Janes in nur drei Monaten. „In der Rohfassung meines Diamanten-Thrillers THE ALICE FACTOR gab es eine lange Passage über das okkupierte Frankreich. Der Verlag meinte, der Roman sei zu lang, und ich warf diesen Teil heraus. Danach schrieb ich einen bis heute nicht veröffentlichten Roman über einen Protagonisten, der sich an seine Zeit im besetzten Frankreich erinnert. In diesem Buch taucht ein unehrlicher Sureté-Detektiv auf. Mein Unterbewusstsein begann sich bereits mit St.-Cyr zu beschäftigen, als ich dieses Buch schrieb. Aber St.-Cyr sollte natürlich in gewisser Hinsicht ein Ehrenmann sein. Damals, durch die Situation bedingt, war so ziemlich jeder mehr oder weniger unehrlich oder ein Gauner. Ich wusste jedenfalls sofort, dass St.-Cyr einen starken Gegenpart braucht. Also kam mir Kohler in den Sinn. Aber ich war während des Krieges aufgewachsen und hatte die Deutschen zu hassen gelernt. Ich fragte mich, ob ich wirklich über einen sympathischen Deutschen schreiben konnte. Wie sollte ich das Einfühlungsvermögen entwickeln, das nötig ist für so eine wichtige und zentrale Figur? Irgendwie gelang es mir. Aber Kohler hatte immer die Tendenz, mir auf dem Papier wegzurennen. Noch heute, neun Bücher später, droht mir Kohler immer wieder zu entgleiten. Ich muß mich sehr intensiv auf ihn konzentrieren.“

Ohne das Tempo der Handlung zu verzögern – jeder St.-Cyr und Kohler-Roman spielt in einem kurzen Zeitraum von einigen Tagen, nie länger als eine Woche – gelingt es Janes das tägliche Leben in einem besetzten Land in die Handlung zu integrieren. Fernab allen dümmlichen Betroffenheitsgelalles zeigt er den alltäglichen Terror der Besatzer und den dauernden Überlebenskampf der einfachen Menschen. Er vermeidet simple Schwarzweißmalerei und zerstört abgedroschene Klischees.

Er verdeutlicht geradezu erschreckend, wie wenig wir wirklich wissen – trotz aller bemühten Fernsehdokumentationen. Dabei vermeidet er Sentimentalität, was die Authentizität seiner Bücher erhöht. Sein souveräner Umgang mit zeitgeschichtlichen Fakten und ihre künstlerische Vernetzung mit der Fiktion ziehen den Leser so intensiv in die Geschichte, das dieser die zeitliche Distanz aufgibt. Wie kaum ein anderer Autor erweckt Janes die Vergangenheit zum Leben und macht sie auch emotional erfahrbar. Eine fiebrige Realität wird heraufbeschworen.

Neben seinen gelungenen Charakteren und den sauber konstruierten Plots macht diese atmosphärische Verzahnung von vergangener Realität und Fiktion die Faszination seiner einzigartigen Bücher aus.
„Das besetzte Frankreich ist ein faszinierender Hintergrund, und ich entdecke immer wieder etwas neues.“
Gerade die genau recherchierten Details, die Janes unaufdringlich einfließen lässt, verblüffen den aufmerksamen Leser immer wieder. Wie Max Allan Collins gilt auch er als exzellenter Rechercheur, dem es gelingt, genau die richtigen Facts zu finden und zu nutzen.

„Wir sprechen über Romane! Man kann auch etwas zu Tode recherchieren, bis mir oder dem Leser die Lust vergeht. Der Trick ist, nur das auszuwählen, was die Story lebendig werden läßt. Schriftsteller sind Jäger und Sammler und registrieren alles was sie lesen, hören oder sehen, um es mal irgendwann zu verwerten. Ich recherchiere dauernd. Die Jagd nach Material geht nie zu Ende. Seitdem ich 1970 mit dem Schreiben begann, habe ich keinen Urlaub gemacht. Nur Recherche-Reisen. Jeder Roman ist anders. Aber inzwischen weiß ich intuitiv, welches Material ich für ihn brauchen könnte. Ich mache eine Menge Notizen, schreibe Seiten nur mit Fakten und Details voll. Jedes Buch muss alleine für sich bestehen können, ohne vom Leser Vorkenntnisse zu verlangen.“

Oft gewinnt man den Eindruck, dass Janes der Atmosphäre seiner Romane alle anderen Elemente unterordnet. Und es sind die verschiedenen, meist düsteren, Stimmungen, die im Leser unauslöschlich haften bleiben. Dabei verlangt er bei der Lektüre einige Konzentration: Sein eigenwilliger Umgang mit dem inneren Monolog, dessen Perspektive abrupt gewechselt werden kann, ist nur effektiv, wenn man sich intensiv auf Stil und Autor einlässt. Janes verlangt den mitdenkenden Leser und macht keine Abstriche an sein literarisches Konzept. Paradoxerweise ist es gerade diese extrem subjektive Erzählerhaltung, die ein objektiv-realistisches Bild der Zeit heraufbeschwört.

Angesichts dieser Voraussetzungen ist es unwahrscheinlich, dass ein deutscher Verlag die Serie noch einmal aufgreifen und übersetzen wird. Die Hardcore-Fans lesen ihn längst im Original. Janes war und ist – ähnlich wie Anthony Price, dem Großmeister des historischen Spionageromans – „a thinking man´s writer“.

Die Globe and Mail verglich einen seiner Romane mit der „glanzvollen Handlung von H.H.Kirsts Klassiker DIE NACHT DER GENERALE“ und SANDMANN wurde sowohl von Publishers Weekly wie der New York Times unter die besten Thriller des Jahres 1997 gewählt. Seitdem seine Romane auch in den USA veröffentlicht werden, ist Janes kein wirklicher Geheimtipp mehr. Sieben Romane wurden von der Stornoway Productions unter Option genommen. Das Drehbuch zum ersten Roman MAYHEM ist von Ron Base fertiggestellt worden, und seit 20 Jahren sind sowohl ein Kinofilm wie auch eine Fernsehserie für die BBC im Gespräch. Aber man kennt das Spiel: Häufig werden Optionen nur deshalb erneuert, damit kein Konkurrent die Möglichkeit bekommt, das Projekt tatsächlich zu realisieren.

Weltweit hat das Interesse an Janes Vichy-Serie stark zugenommen. Ursprünglich wollte er die Serie auf zehn Romane beschränken…

ST.CYR-und KOHLER-Serie:

1. Mayhem (1992)
2. Carousel (1992)
3. Kaleidoscope (1993)
4. Salamander (1994
5. Mannequin (1994)
6. Sandman (1994)
7. Stonekiller (1995)
8. Dollmaker (1995)
9. Gypsy (1997)
10. Madrigal (1999)
11. Beekeeper (2001)
12. Flykiller (2002)
13. Bellringer (2012)
14. Tapestry (2013)
15. Carnival (2014)
16. Clandestine (2015)

LINKS:

http://archives.mcmaster.ca/index.php/j-robert-janes-fonds

https://jsydneyjones.wordpress.com/2014/02/23/st-cyr-and-kohler-the-historical-thrillers-of-j-robert-janes/

http://therapsheet.blogspot.com/2012/05/solving-crimes-in-shadow-of-war.html


http://zerberus-book.de/



für Halle by Martin Compart
12. Oktober 2019, 5:11 pm
Filed under: MUSIK, Nazi | Schlagwörter: ,



FRITZ DUSQUESNE 7: DAS ENDE by Martin Compart
10. Oktober 2019, 6:26 pm
Filed under: Dusquene, Nazi, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , , , , , ,

Fritz konnte es einfach nicht lassen: die dunkle Welt geheimer Abenteuer, gepaart mit Geltungsdrang und Hass auf die Briten, ließen ihn nicht los. Leider konnte er nicht immer Situationen und Bedeutungen richtig einschätzen.

Im Frühjahr 1934 trat er – natürlich äußerst diskret – als „Nachrichtenoffizier“ der amerikanischen Nazi-Organisation ORDER OF 76 bei. Diese „Aryan Society“ war 1932 organisiert worden. Sie verhandelten damals einen Zusammenschluss mit der 15 000 Mitglieder umfassenden faschistischen Organisation der SILVER SHIRTS, die von dem ehemaligen Journalisten und Drehbuchautor William Dudley Pelley gegründet und geleitet wurde.
Es ist unbekannt, was Fritz für diese Idiotenbande ausspionierte.

Sein späterer Biograph Art Ronnie fand nicht die geringsten Anzeichen von Antisemitismus bei Dusquesne. Aber in seiner üblichen Naivität sah er jede pro-deutsche Organisation als anti-britisch. “Despite its ramifications, it was quite simply just a job to the amoral and opportunistic Fritz Duquesne.”

Mit der Geheimhaltung war es bereits im Oktober vorbei: Da beschäftigte sich John Spivak in der aktuellen Ausgabe von NEW MASSES mit diesen Organisationen und benannte Fritz´ damalige Freundin, eine Jüdin, als Informantin.

william-dudley-pelley

1935 wurde Admiral Wilhelm Canaris Chef der deutschen Abwehr.

Canaris

Eines seiner Ziele, das er mit großer Energie betrieb, waren Spionagenetze auf dem amerikanischen Kontinent. Die USA waren natürlich komplizierter zu „bearbeiten“ als die lateinamerikanischen Staaten (in denen sich in den nächsten zehn Jahren deutsche Agenten und das FBI gegeneinander ausspielten).

Für diese Aufgabe erschien ihm Major Nikolaus Ritter (1899-1974) höchst geeignet. Ritter kehrte 1935 mit seiner amerikanischen Frau aus den USA zurück, in denen er sich dreizehn Jahre mit miesen Jobs mehr schlecht als recht über Wasser gehalten hatte. Im Jahr darauf trat er in die Abwehr ein und erregte auf Grund seiner USA-Erfahrungen umgehend das Interesse von Canaris.

Canaris schickte Ritter im Oktober 1937 zurück in die USA. Er sollte Kontakt mit Dusquesne aufnehmen, den er durch die Zusammenarbeit im 1.Weltkrieg noch in guter Erinnerung hatte.

Ritter reiste unter seinem Namen, tauchte dann aber als „Alfred Landing“ in den Untergrund.
Er traf sich mit anderen potenziellen Agenten, bevor er mit Dusquesne Kontakt aufnahm.

Nikolaus Ritter

Ritters größter Erfolg war die Lieferung der Pläne des Norden Bombenzielgeräts an Canaris, der sie an Göring weiterleitete. Das von Norden entwickelte Zielgerät galt als das genaueste und beste der Zeit. Er bekam sie von dem deutschen Norden-Mitarbeiter Hermann Lang, der mit den Nazis 1923 in München am Putschversuch teilgenommen hatte. Die Sicherheitsbestimmungen bei der Carl L. Norden-Company und die Überprüfungen für kriegswichtige Firmen durch die Armee müssen wahrlich beachtlich gewesen sein!

Ritter versteckte die Pläne in einer hölzernen Regenschirmverkleidung, die er am 9.Januar 1938 persönlich einem Kurier übergab. Der Kurier war Steward auf dem Schiff RELIANCE, die nach Bremen fuhr.

Die Bezeichnung „Dusquesne Spy Ring“ nach der Verhaftung der Mitglieder ist weitgehend unzutreffend. Es war ganz klar Ritter, der die Organisation leitete. Aber da Dusquesne ja bereits früher auffällig geworden war, benannte das FBI den Spionagering in den Medien nach seiner Person.

Ritter kannte Dusquesne angeblich seit 1931. Am 3. Dezember 1937 trafen sie sich in New York. Fritz erhielt 100 $ für die ersten Ausgaben und legte los.

Ritter rekrutierte weitere Agenten. Darunter nicht nur Hermann Lang, sondern den Ingenieur Everett Roeder, der verschiedene Bombertechnik-Pläne und anderes aus Sperry Gyroscope Company entwendete.

Und er rekrutierte auch William Sebold, was fatale Folgen haben sollte.

Sebold war ein naturalisierter US-Bürger, der 1921 eingewandert war. Er arbeitete für Flugzeugfirmen und andere Industriebetriebe in den USA und Südamerika.

Während eines Besuchs in der alten Heimat, wurde er 1939 von der Gestapo für die Abwehr „rekrutiert“. Man erpresste ihn mit einem alten Polizeibericht, der vielleicht für seine Ausbürgerung sorgen könnte. Außerdem drohten sie mit Repressalien gegen seine in Deutschland verbliebene Familie, falls er die Mitarbeit verweigerte.
Er machte eine Schnellausbildung zum Spion in der Hamburger Spionageschule „Pension Klopstock“ (dort wurde ihm auch der Umgang mit Kurzwellenfunk beigebracht).

Bevor die Deutschen ihn in die USA zurückschickten, um für Ritter zu arbeiten, gelang es Sebold in Köln heimlich das US-Konsulat aufzusuchen. Dort informierte er die zuständigen Stellen über seine Anwerbung als Spion für die Deutschen gegen die USA.
Kaum in den USA eingetroffen, wurde er vom FBI kontaktiert, und man stellte ihm mehrere Agenten als Hilfe zur Verfügung.

Unter dem Tarnnamen „Harry Sawyer“ schickte Ritter William Sebold am 8.Februar 1940 nach New York. Er sollte einen Kurzwellensender etablieren, der für die Kommunikation mit Deutschland sorgte. Sebold bekam den Codenamen „Tramp“; in New York sollte er mit Dusquesne Kontakt aufnehmen, der unter dem Codenamen „Dunn“ geführt wurde.
Mit Unterstützung des FBI mietete der Doppelagent Räumlichkeiten am Times Square an. Sie wurden verwanzt, und ein Raum hatte einen Venezianischen Spiegel, hinter dem das FBI eine Kamera aufstellte.

In Long Island richtete er eine Funkstation ein. Von dort sandten deutschsprachige FBI-Agenten unter der Vorgabe, sie seien Sebold, sechzehn Monate lang dreihundert genehme Meldungen an die deutsche Abwehr; zweihundert Meldungen der deutschen Abwehr erhielten sie direkt. Alles unter der Identität von Sebold. Natürlich schickte man nur harmlose und uneffektive Informationen, während man von deutscher Seite höchst Interessantes erhielt.

Sebold war der wichtigste Agent für das FBI. Nach dem Krieg erhielt er eine neue Identität und betrieb angeblich in Kalifornien eine Hühnerfarm.

Sebold mit Gattin

Die Abwehr schickte Dusquesne über Ritter einen Mikrofilm mit achtzehn Zielobjekten. Darunter waren geradezu fantastische Vorstellungen. So sollte er herausfinden, ob AT&T einen Röntgenstrahl entwickelt habe, der Bomben ins Ziel führt (heute sind sogenannte „Marker“ eine Selbstverständlichkeit, damals klang das wie Science Fiction). Außerdem sollte er herausfinden, ob die Army Uniformen entwickelt habe, die gegen Senfgas immun seien (tatsächlich hatte die Firma DuPont in den 1930ern damit erfolglos experimentiert).
Berlin wollte auch wissen, ob die Air Force an biologischer Kriegsführung aus der Luft arbeite. Sie gaben ihm eine Liste von 23 Firmen, die für die militärische Luftfahrt arbeiteten und wollten alles wissen, was diese entwickelten.

Als das FBI von Seibold erfuhr, dass Dusqusne wieder in New York war und für die Deutschen arbeitete, ging J.Edgar Hoover prompt ins Weiße Haus, um Präsident Roosevelt mit einem Hintergrundsbericht zu informieren. Ein höchst bescheidener Bericht, in dem stand:
„no information, whatsoever, concerning the whereabouts and activities of Duquesne since June 6, 1932, is possessed by the Federal Bureau of Investigation.“

FBI-Agent Newkirk, unter dem Tarnnamen Ray McManus,wurde nun auf DUNN, alias Dusquesne angesetzt. Er mietete sich über Dusquesnes Domizil in der Nähe des Central Parks ein und installierte Mikrofone, um ihn abzuhören.
Dusquesnes´ Aktivitären zu verfolgen, war schwierig.

Wie Newkirk in seinen Berichten darlegte: „The Duke had been a spy all of his life and automatically used all of the tricks in the book to avoid anyone following him … He would take a local train, change to an express, change back to a local, go through a revolving door and keep going on right around, take an elevator up a floor, get off, walk back to the ground, and take off in a different entrance of the building.“

Dusquesne bemerkte die Observation und sprach einen FBI-Mann direkt auf der Straße an und bat ihn, er möge das unterlassen. Er informierte auch umgehend Sebold.

In Sebolds verwanzten Büro legte Dusquesne Pläne dar, wie man am besten Rüstungs firmen abfackeln könnte und er zeigte ihm Fotos und gestohlene Pläne aus einer Firma in Delaware, die einen neuen Bombentyp entwickelt hatte. Daraufhin bastelte ein anderer Spion des Netzwerkes eine Bombe, besorgte Dynamit und gab alles Sebold zu „treuen Händen“.

Dusquesne lieferte weiter. Er gab Informationen über das Trainingsprogramm der Kampfpiloten und Abfahrtszeiten der Schiffe für England weiter. Das hatte nur einen Haken, den auch die Abwehr bemerkte. Eine Nachricht an Sebold lautete: „Sagen Sie Dusquesne, wir sind nicht an Informationen interessiert, die schon vor Wochen in New York Times und der Herald Tribune gedruckt wurden.“

Von Wert war allerdings die Nachricht, dass Washington plane, den Briten das Bombenzielgerät von Norden zukommen zu lassen.
Bevor Fritz das verwanzte Büro von Sebold betreten hatte, waren die etwa zwanzig vorherigen Treffen immer außerhalb gewesen

Nach seinem Besuch am 25.Juni 1941 hatte das FBI ihn auf Film und schlug vier Tage später zu. Es verhaftete 19 deutsche Spione in New York und vier in New Jersey. Fritz wurde von drei Agenten verhaftet, darunter G-man Newkirk, der über ihm wohnte und sich zum Schein mit ihm angefreundet hatte. Insgesamt waren 93 Agenten im Einsatz.
Bevor das Gerichtsverfahren eröffnet wurde, hatte das FBI insgesamt 33 Personen dingfest gemacht. Hoover bezeichnete Fritz als den „wichtigsten dieser Spione“.

Vor Gericht kamen 24 der Spionage Angeklagte. Zehn bekannten sich schuldig. Gegen die übrigen vierzehn wurde ab September sechs Wochen lang verhandelt.
Zuerst war Fritz dran. Das war wieder die Gelegenheit für einen großen Auftritt, und Dusquesne, ganz in seinem Element, faszinierte mit einer besonders gelungenen Darstellung seiner abenteuerlichen Lebensgeschichte. Er wiederholte seine Geschichten, wie er Kitchner erledigt hatte und wie sehr er mit Teddy Roosevelt befreundet gewesen war. Aber er bestritt, je einen anderen Spion aus dem Netzwerk getroffen zu haben, ausgenommen Sebold. Er sagte auch, Sebold müsse geisteskrank sein, denn er habe gutes Geld für Blödsinn bezahlt, den er aus Zeitungen ausgeschnitten habe. Und: “I sold him a code used by Benedict Arnold in the war between England and the United States in 1776.”

Trotz der überwältigen Beweislage bestritt Fritz, dass er ein Spion sei. Zu allem Überfluss musste die Verteidigung mit ihren Plädoyers am 8.Dezember 1941 beginnen – einen Tag nach Pearl Harbour. Die Stimmungslage lässt sich leicht vorstellen.

Die Jury brauchte nur acht Stunden, um ihre Urteile für die 24 Angeklagten zu finden. Die meisten bekamen Gefängnisstrafen zwischen fünf und zehn Jahren. Hermann Lang und Fritz wurden zu 18 Jahren verurteilt.
Noch heute gilt der „Dusquesne Spy Ring“ als das größte Spionagenetz, dass je in den USA agierte. Naja, jedenfalls das größte, dass sie je erwischt haben.

Der 64jährige Dusquesne trat seine Strafe im Leavenworth Federal Penitentiary in Kansas zusammen mit Hermann Lang an. Dort wurde er sofort von anderen Gefangenen misshandelt und geschlagen.

In einem Memo an seine Vorgesetzten hob Admiral Canaris 1942 die große Bedeutung von Dusquesne hervor, was diesem in seiner Situation herzlich wenig nutzte.
Fritz erkrankte physisch und psychisch. 1945 wurde er deshalb ins Medical Center for Federal Prisoners in Springfield, Missouri, überstellt.

Von allen verurteilten Mitgliedern des Netzwerkes war er am längsten inhaftiert. Hermann Lang wurde im September 1950 in die Bundesrepublik deportiert. Alle anderen waren 1950 wieder auf freiem Fuß.

Nach 12 Jahren (darunter fünf Jahre in Einzelhaft), sieben Monaten und 16 Tagen wurde Fritz am 19.September 1954 aus dem Gefängnis entlassen.
In den letzten Monaten hatte er eine Beschwerde eingereicht, dass die FBI-Agenten bei seiner Verhaftung ungeschliffene Diamanten im Wert von drei Millionen Dollar und seine Karte mit dem Versteck des Kruger-Goldes an sich genommen hätten.

Er war nun 77 Jahre alt und gesundheitlich in erbärmlichem Zustand: Fast taub, eine kaputte Schulter, die nie richtig behandelt worden war, stürzte häufig, durch einen Schlaganfall teils
gelähmt, beginnende Demenz.

Er kehrte zurück nach New York und traf wenige alte Freunde. Das Wohlfahrtsamt der Stadt (ja, sowas gab es mal!) brachte ihn in einem Pflegeheim unter.

Am 21. Dezember 1955 hatte er noch einen großen Auftritt im Adventurers Club bei einem Dinner zu seinen Ehren im Hotel Delmonico. Viele Mitglieder betrachteten ihn nicht als einen Verräter. Obwohl seine berühmte Stimme kaum noch zu hören war, unterhielt er die Anwesenden mit Geschichten aus seinem abenteuerlichen Leben – erfundene und wahre.

Er starb an einem weiteren Schlaganfall am 24 Mai 1956.

Bereits 1942 wurde ein Film über seine Tätigkeit als Spion gezeigt: UNSEEN ENEMY, basierend auf einem Skript von Arthur D. Howden, dass dieser bereits 1939 verfasst hatte

Für das Drehbuch von THE HOUSE ON 92nd STREET erhielt Charles G.Booth 1945 den Oscar. Es geht sehr frei mit den Tatsachen um, aber Dusquesne war deutlich die Inspiration für Leo G.Carroll als Colonel Hammershon.

Was für ein Leben!

In Südafrika oder den USA – von Deutschland ganz zu schweigen – kennt ihn heute kein Mensch mehr. Auch nicht die Leute, die immer noch nach Oom Krugers Gold suchen.

Aber Fritz Dusqusne hat aus seinem Leben eine Menge Meilen herausgeholt.

Britain made him.




FRITZ DUSQUESNE 6: FRITZ IM GLÜCK by Martin Compart

„Col. Fritz du Quesne, a fugitive from justice, is wanted by His Majesty’s government for trial on the following charges: Murder on the high seas; the sinking and burning of British ships; the burning of military stores, warehouses, coaling stations, conspiracy, and the falsification of Admiralty documents.“ He carried on hostile operations against the British government in various parts of the world under the following names: Fred, Fredericks, Capt. Claude Staughton, Col. Bezan, von Richthofen, Piet Niacud, etc. His correct and full name is Fritz Joubert Marquis du Quesne. Prior to the war he was known as Capt. Fritz du Quesne, a big game hunter, author, explorer and lecturer.“

-London Daily Mail, May 27, 1919

Fritz lehnte natürlich für sich auch eine vergleichsweise milde Haftstrafe ab und ließ sich etwas einfallen: Er begann den Geisteskranken zu spielen, fing an wirres Zeugs vor sich hin zu plappern und ließ sich die Haare lang wachsen. Wieder bewies sich sein schauspielerisches Talent.

Im Mai 1918 kam es zu einer Anhörung über seine geistige Gesundheit. Anwesend waren zwei bekannte Psychiater, der Gefängnisarzt, ein Anwalt und andere Vertreter des Systems. Fritz riss sich von seinen Wachen los und raste schreiend durch den Raum: “Bring up the guns! Bring up the guns! I want you men to watch the enemy!”
Die drei Mediziner waren sich einig, dass Dusquesne unter medizinische Aufsicht gehörte und wiesen ihn ins Matteawan State Hospital ein. Dort sollte er die nächsten fünf Monate bleiben.

Alice ließ sich daraufhin scheiden.

Irgendwann hielt es Fritz nicht mehr aus; er ertrug die anderen Kranken, mit denen er nun zusammengesperrt war, nicht länger und war über Nacht geheilt. Er verlangte eine neue Anhörung und bekannte sich schuldig bezüglich des Betruges an der Stuyvesant Insurance Company. Die Vorwürfe, britische Schiffe in die Luft gejagt zu haben, bestritt er aus guten Gründen.

Dann wurde diese Anhörung unterbrochen, um am 23. Dezember über Dusquesnes Deportation zu verhandeln. Mitten in der Verhandlung brach er zusammen und behauptete, von der Hüfte an abwärts gelähmt zu sein. Er wurde auf einer Bahre ins Gefängnis getragen.

“I don’t see why I should stay here long. There’s nothing can keep me here.”

Mehrere Ärzte untersuchten ihn. Sie steckten ihm Nadeln in Füße und Zehen, ohne dass Fritz auch nur die geringste Regung zeigte. Absolute Reglosigkeit und Konzentration hatte er schon bei der Jagd auf vier- und zweibeiniges Wild im Veld gelernt. Schließlich waren die Ärzte davon überzeugt, dass er wirklich gelähmt war. Er wurde in den geschlossenen Trakt des Bellevue Hospitals überwiesen.

Dort schob ihm jemand ein paar Sägeblätter zu. Er verbrachte die nächsten Monate in einem Rollstuhl und tat, als würde er durch die vergitterten Fenster die Vögel beobachten, während er unbeobachtet an den Gitterstäben sägte.

Am 19.Mai 1919 bestätigte ein Gericht, dass Dusquene an England auszuliefern sei.
Eine Woche später durchsägte er den Rest von zwei Stäben, sprang aus dem zweiten Stock und verschwand in der Nacht. Am nächsten Morgen sollte er für seine Überstellung aus dem Hospital geholt werden. Einer Fassung zufolge beging er die Flucht als Frau verkleidet.

Police Commissioner Richard E. Enright sandte einen Fahndungsaufruf an alle Polizeistationen: „This man is partly paralysed in the right leg and always carries a cane. May apply for treatment at a hospital or private physician. He also has a skin disease which is a form of eczema. If located, arrest, hold and wire, Detective Division, Police Headquarters, New York City, and an officer will be sent for him with necessary papers.“

Diesmal blieb Fritz dreizehn Jahre in Freiheit!

Einem Bekannten schickte er folgende Nachricht, der diese dann an die Behörden weiterleitete: „Ich wurde aus dem Bellevue Krankenhaus von meinem Cousin, dem Grafen Francois de Rancogne, befreit, der mich dann nach Mexiko brachte.“

In Wirklichkeit tauchte er in Boston unter.

Die New Yorker Polizei suchte weiterhin landesweit mit Fahndungsplakaten nach ihm.
Angeblich landete er jetzt einen weiteren Coup: Während eines Streiks ließ er sich als Polizist anstellen. Das gab ihm die Möglichkeit, alle Fahndungsbulletins und Plakate im Bostoner Polizeihauptquartier zu vernichten. Außerdem wies er Freunde und Bekannte an, in den nächsten Jahren aus allen Teilen der Welt Postkarten an die New Yorker Polizei zu schicken mit den Worten: „Come an get me, Fritz“.

Unter dem Namen Frank de Trafford Craven eröffnete er in Boston eine Werbeagentur.

1926 begann Fritz, alias Frank de Trafford Craven, für Joseph P. Kennedy, Vater von John F., Robert und Edward, zu arbeiten.

Kennedy war mit seiner Firma Film Booking Offices of America ins Stummfilmgeschäft eingestiegen. Wegen des Jobs als PR-Agent für Kennedy, musste Dusquesne Boston verlassen und wieder ins für das Filmgeschäft wichtigere Manhattan ziehen! Fritz hatte wahrlich Nerven, ins Zentrum der Fahndung nach ihm zu wechseln.

1928 gründete Kennedy dann zusammen mit David Sarnoff RKO und Fritz blieb in der PR- Abteilung.
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1930 wechselte er zur Quigley Publishing Company, die eine Reihe mit Filmmagazinen herausgab. Hier nannte er sich Major Craven. Er lebte gut und luxuriös und unterhielt sein mögliches Publikum mit seinen Geschichten über seine Abenteuer in Südamerika während des Großen Krieges.

Wenig ist über diese zwölf Jahre bekannt. Aber damals hatte er wohl seinen ersten „Biographen“, den Schriftsteller Clement Wood (1888-1950) kennengelernt und häufiger Geschichten über sich und sein Leben erzählt. Angeblich hatten sie sich erstmals 1927 auf Haiti in Woods Hotel in Port-au-Prince bei einer kleinen Gesellschaft getroffen.

Dusquesne war als britischer Offizier Major Reginald Anson aufgetreten und habe die Gesellschaft mit seinen Kriegsgeschichten unterhalten. Wood habe ihn 1931 nochmals auf Martinique getroffen und da habe ihm Major Anson eine große Anzahl an Dokumenten und Photographien überlassen, die „ein Freund“ gesammelt habe, um ein Buch über Dusquesne zu schreiben. Über diese Dokumente gibt es keinerlei Beschreibungen.

Wood war ein höchst produktiver Schriftsteller, der vor allem Gedichte schrieb. Daneben aber auch Romane (u.a. das Sequel TOM SAWYER GROWS UP), Sachbücher und Geschichten für Pulp-Magazine. Wood war Sozialist und eine Zeitlang Sekretär von Upton Sinclair. Als scharfer Gegner des britischen Imperialismus hatte er natürlich vollste Sympathien für Dusqusnes Taten.

Dusquesne wird wohl auch seinem ausschweifenden Liebesleben nachgegangen sein; dafür bot ihm die Filmbranche ein breites Spektrum.

Das war auch mit Risiken verbunden:

1932 rächte sich eine Frau an ihm, in dem sie seine wahre Identität an das FBI verriet.
Am 23 Mai 1932 tauchten FBI und Ausländerpolizei im Quigley Building in New York auf und verhafteten ihn mit vorgehaltener Waffe.
Er wurde abgeführt und beim Verhör zusammengeschlagen. Dann wurde er mit dem Anklagepunkt „Mord auf hoher See“ konfrontiert. Fritz beharrte darauf, dass es sich um ein Missverständnis und eine Verwechslung handeln müsse, denn er sei niemand anderer als Major Craven.

Kurz zuvor war Woods Buch THE MAN WHO KILLED KITCHENER erschienen. Also ließ die Polizei Clement Wood kommen, um die Identität des Verhafteten zu klären. Sie zeigten ihm Fritz und Wood sagte, dies sei nicht Dusquesne, den er 1927 und 1931 persönlich getroffen habe. Nein, dies sei selbstverständlich Major Craven, den er seit 1927 kenne. Die Polizei glaubte Wood nicht und rief nun den Agenten Thomas J.Tunney, der Dusquesne 1917 verhaftet hat. Dieser bestätigte seine Identität zweifelsfrei.

Fritz wurde wegen Mordes und Gefängnisausbruchs angeklagt.

Dusquesnes Verteidiger war der Bürgerrechtler Arthur Garfield Hays, der später auch Sacco und Vanzetti vertrat; 1933 ging er nach Deutschland um angebliche Reichstagsbrandstifter wie den Bulgaren Georgi Dimitriov zu verteidigen.

Just in dieser Zeit wollte die britische Krone nichts mehr mit Kriegsverbrechern zu tun haben. Zunehmende innere Unruhen sollten nicht durch dieses extrem unpopuläre und so gut wie vergessene Thema angeheizt werden; also wurden alle Auslieferungsanträge und Anklagepunkte zurückgezogen. Die Staatsanwaltschaft wollte Fritz dann wenigstens wegen des Gefängnisausbruchs und der Flucht verurteilen. Das lehnte der Richter ab.

Fritz verließ das Gericht als freier Mann.

Wieviel Dusel kann ein Mann haben. Schaut man sich seine Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt an, dann muss man Fritz Frederick Dusquesne trotz aller tragischen Umstände gerade in jungen Jahren als einen Glückspilz ansehen, der es mit Gustav Gans aufnehmen konnte.

Nach seiner Entlassung blieb er weiterhin der Quigley-Familie verbunden. Er hielt Vorträge über seine Taten und Quigley brachte ihn mit Experten zusammen, die seine Geschichten und seine Kenntnisse restlos bestätigten.

FORTSETZUNG FOLGT



THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: Thomas Giffords „THE WIND CHILL FACTOR“ by Martin Compart
2. Mai 2017, 5:49 pm
Filed under: Krimis,die man gelesen haben sollte, Nazi, Thomas Gifford, thriller | Schlagwörter: , ,

I am not I;
he is not he;
they are not they.

„Everything I believe in has been proven a lie, everything I had ever looked to as an anchor in my life. Nothing is what it seemed. There’s just nothing left.“

Thomas Gifford (1937-2000) ist ein völlig zu Unrecht vergessener Thriller-Autor, der jahrzehntelang Bestseller und hochkarätige Potboiler ablieferte. Thematisch war dieser Kenner des Genres weit gefächert (von Noir-, wie KISS ME ONCE oder KOMPLOTT, bis hin zu Vatikan-Thrillern, wie ASSASINI, und natürlich Conspiracy-Romanen, wie AQUILA). Es ist eine Schande: in den meisten Nachschlagewerken des Genres sucht man seinen Namen vergebens. Dabei sind seine Thriller meist höchst originell, gut geplottet, mit sprachlichen Feingefühl geschrieben und voller glaubwürdiger Charaktere. Ein neu zu entdeckender Meister des Thrillers, der es auf die Bestsellerlisten schaffte, aber selten ins Feuilleton.

Sein vielleicht bester Thriller (und das unabhängige Sequal) wurde bei uns nicht veröffentlicht. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hatte der Bastei-Lübbe-Verlag Probleme mit den Themen: Nazis und das vierte Reich (im Sequal die wahren Hintergründe der Wiedervereinigung). Ansonsten verkauften sich seine Thriller bis in die Nullerjahre auch bei uns Auflage für Auflage. Gifford war lange ein Aushängeschild des Verlages im Spannungsfeld. Um so ärgerlicher, dass der Verlag sein Meisterwerk ausgelassen hat. Aber vielleicht ist das hier ein Tipp für einen Kleinverlag.

Spätestens seit Forsyths AKTE ODESSA sind die Nazis und ihre weiteren Bestrebungen nach Ende des 3.Reichs ein beliebter Thriller-Topos. Besonders in den 1970ern kam kaum ein namhafter Autor an ihnen vorbei. Etwa Ira Levin mit dem wunderbaren BOYS FROM BRAZIL, 1976.

Einer der besten – vielleicht sogar der beste – ist Giffords THE WIND CHILL FACTOR, 1974.

Der angehende Schriftsteller John Cooper erholt sich von einer Scheidung , als ihn ein kryptisches Telegramm seines Bruders erreicht: „URGENT YOU MEET ME COOPER’S FALLS 20 JANUARY. DROP EVERYTHING. FAMILY TREE NEEDS ATTENTION. CHEERS OLD BOY. CYRIL.“ Sofort macht er sich auf in seine Heimatstadt in Minnesota. Er findet seinen Bruder tot und einen Familienstammbaum mit Nazi-Sympathisanten. Mysteriöse Bekannte der Familie sind da, um ihn zu unterstützen, aber Cooper fühlt sich eher belagert. Er will wissen, was sein Bruder über die Vergangenheit seiner Familie herausgefunden hat und beschließt, dessen Spuren zu folgen. Eine Recherche rund um die Welt beginnt: von Buenos Aires über Glasgow und London bis München. Und dabei wird es immer wilder und heftiger!

Das klingt alles nach einer Klischeegeschichte. Aber tiefer möchte ich nicht gehen, um das Lesevergnügen nicht zu beeinträchtigen. Tatsächlich ist es auch nicht die übliche Geschichte um untergetauchte Nazis, die auf eine zweite Chance warten. Gifford legte alles viel perfider an und es ist erstaunlich, auf welch hohem Niveau er seinen Erstling verfasst hat.
Für Giffords Nazis ist der Untergang des 3.Reiches lediglich ein Boxenstop, nicht weiter tragisch. Problematischer ist die Rivalität zwischen Alt- und Jungnazis. Aber insgesamt sind weltweite Allianzen geschlossen und Regierungs- und Konzernzentralen mit Interessenvertretern besetzt. Allianzen zwischen Wirtschaft und Nazis oder Faschisten sind eher Tradition als Ausnahme, Letztere immer für ein investitionsfreundliches Klima sorgen. Das Buch hat irgendwie an Aktualität gewonnen und liest sich noch immer äußerst spannend. Wer mit der Lektüre beginnt, sollte eine schlaflose Nacht einplanen.

Gifford war ein antiklerikaler amerikanischer Nestbeschmutzer, dessen Romane mir große Freude bereitet haben. Mal mehr, mal weniger (was ja auch höufig von der eigenen Stimmungslage abhängig ist). Sicherlich sind einige etwas redundant und man könnte einige Szenen wegkürzen. Aber den Test der Zeit bestehen sie erstaunlich gut. Sein literarisches Talent ist eben zeitloser als manches Sujet. Ein großer unbeachteter Autor, der auch in den USA noch auf seine Anerkennung wartet. Dabei steht er ungleich anerkannteren Zeitgenossen aus dem Thriller-Genre, wie etwa Robert Ludlum, in nichts nach, ist ihnen an Vielseitigkeit und literarischen Fähigkeiten meist überlegen.

In den großen Lexika zum Genre findet man nichts über ihn – mit der Ausnahme des ST.JAMES GUIDE TO CRIME & MYSTERY WRITERS. Und für Morrell & Wagners THRILLERS: 100 MUST READS ist es ein Armutszeugnis, das kein Titel von Gifford verzeichnet ist. Aber dort fehlt auch u.a. John F.Case.
Immerhin schrieb der ARMCHAIR DETECTIVE 1974:

„You may think you are tired of books that discover left-over Nazis behind every hedge, but this i a very superior specimen of the breed: uncomfortably plausible, with credible characterization, a good sense of atmosühere and timing, and solid plotting.“



DR.HORROR HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN! by Martin Compart
10. April 2017, 1:02 pm
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