Martin Compart


THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: Thomas Giffords „THE WIND CHILL FACTOR“ by Martin Compart
2. Mai 2017, 5:49 pm
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I am not I;
he is not he;
they are not they.

„Everything I believe in has been proven a lie, everything I had ever looked to as an anchor in my life. Nothing is what it seemed. There’s just nothing left.“

Thomas Gifford (1937-2000) ist ein völlig zu Unrecht vergessener Thriller-Autor, der jahrzehntelang Bestseller und hochkarätige Potboiler ablieferte. Thematisch war dieser Kenner des Genres weit gefächert (von Noir-, wie KISS ME ONCE oder KOMPLOTT, bis hin zu Vatikan-Thrillern, wie ASSASINI, und natürlich Conspiracy-Romanen, wie AQUILA). Es ist eine Schande: in den meisten Nachschlagewerken des Genres sucht man seinen Namen vergebens. Dabei sind seine Thriller meist höchst originell, gut geplottet, mit sprachlichen Feingefühl geschrieben und voller glaubwürdiger Charaktere. Ein neu zu entdeckender Meister des Thrillers, der es auf die Bestsellerlisten schaffte, aber selten ins Feuilleton.

Sein vielleicht bester Thriller (und das unabhängige Sequal) wurde bei uns nicht veröffentlicht. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hatte der Bastei-Lübbe-Verlag Probleme mit den Themen: Nazis und das vierte Reich (im Sequal die wahren Hintergründe der Wiedervereinigung). Ansonsten verkauften sich seine Thriller bis in die Nullerjahre auch bei uns Auflage für Auflage. Gifford war lange ein Aushängeschild des Verlages im Spannungsfeld. Um so ärgerlicher, dass der Verlag sein Meisterwerk ausgelassen hat. Aber vielleicht ist das hier ein Tipp für einen Kleinverlag.

Spätestens seit Forsyths AKTE ODESSA sind die Nazis und ihre weiteren Bestrebungen nach Ende des 3.Reichs ein beliebter Thriller-Topos. Besonders in den 1970ern kam kaum ein namhafter Autor an ihnen vorbei. Etwa Ira Levin mit dem wunderbaren BOYS FROM BRAZIL, 1976.

Einer der besten – vielleicht sogar der beste – ist Giffords THE WIND CHILL FACTOR, 1974.

Der angehende Schriftsteller John Cooper erholt sich von einer Scheidung , als ihn ein kryptisches Telegramm seines Bruders erreicht: „URGENT YOU MEET ME COOPER’S FALLS 20 JANUARY. DROP EVERYTHING. FAMILY TREE NEEDS ATTENTION. CHEERS OLD BOY. CYRIL.“ Sofort macht er sich auf in seine Heimatstadt in Minnesota. Er findet seinen Bruder tot und einen Familienstammbaum mit Nazi-Sympathisanten. Mysteriöse Bekannte der Familie sind da, um ihn zu unterstützen, aber Cooper fühlt sich eher belagert. Er will wissen, was sein Bruder über die Vergangenheit seiner Familie herausgefunden hat und beschließt, dessen Spuren zu folgen. Eine Recherche rund um die Welt beginnt: von Buenos Aires über Glasgow und London bis München. Und dabei wird es immer wilder und heftiger!

Das klingt alles nach einer Klischeegeschichte. Aber tiefer möchte ich nicht gehen, um das Lesevergnügen nicht zu beeinträchtigen. Tatsächlich ist es auch nicht die übliche Geschichte um untergetauchte Nazis, die auf eine zweite Chance warten. Gifford legte alles viel perfider an und es ist erstaunlich, auf welch hohem Niveau er seinen Erstling verfasst hat.
Für Giffords Nazis ist der Untergang des 3.Reiches lediglich ein Boxenstop, nicht weiter tragisch. Problematischer ist die Rivalität zwischen Alt- und Jungnazis. Aber insgesamt sind weltweite Allianzen geschlossen und Regierungs- und Konzernzentralen mit Interessenvertretern besetzt. Allianzen zwischen Wirtschaft und Nazis oder Faschisten sind eher Tradition als Ausnahme, Letztere immer für ein investitionsfreundliches Klima sorgen. Das Buch hat irgendwie an Aktualität gewonnen und liest sich noch immer äußerst spannend. Wer mit der Lektüre beginnt, sollte eine schlaflose Nacht einplanen.

Gifford war ein antiklerikaler amerikanischer Nestbeschmutzer, dessen Romane mir große Freude bereitet haben. Mal mehr, mal weniger (was ja auch höufig von der eigenen Stimmungslage abhängig ist). Sicherlich sind einige etwas redundant und man könnte einige Szenen wegkürzen. Aber den Test der Zeit bestehen sie erstaunlich gut. Sein literarisches Talent ist eben zeitloser als manches Sujet. Ein großer unbeachteter Autor, der auch in den USA noch auf seine Anerkennung wartet. Dabei steht er ungleich anerkannteren Zeitgenossen aus dem Thriller-Genre, wie etwa Robert Ludlum, in nichts nach, ist ihnen an Vielseitigkeit und literarischen Fähigkeiten meist überlegen.

In den großen Lexika zum Genre findet man nichts über ihn – mit der Ausnahme des ST.JAMES GUIDE TO CRIME & MYSTERY WRITERS. Und für Morrell & Wagners THRILLERS: 100 MUST READS ist es ein Armutszeugnis, das kein Titel von Gifford verzeichnet ist. Aber dort fehlt auch u.a. John F.Case.
Immerhin schrieb der ARMCHAIR DETECTIVE 1974:

„You may think you are tired of books that discover left-over Nazis behind every hedge, but this i a very superior specimen of the breed: uncomfortably plausible, with credible characterization, a good sense of atmosühere and timing, and solid plotting.“



DR.HORROR HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN! by Martin Compart
10. April 2017, 1:02 pm
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ZWERG GINSENG UND DIE ROTE-BEETE-VERSCHWÖRUNG by Martin Compart
4. April 2016, 8:58 am
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rolf-21[1]von Dr.Horror

Es gibt mehrere Arten von Trickfilmen. Die teuren, die jetzt in den Kinos laufen, kommen aus den USA: Disneys Zoomania und DreamWorks‘ Kung Fu Panda 3 sind auch in China die erfolgreichsten Animationsfilme überhaupt. Ein dritter, eine 3D-Mischfilm-Version von Disneys Dschungelbuch, kann zwar dramaturgisch nicht mit dem 2D-Original mithalten, aber technisch hat es Besseres auf der Leinwand noch nicht gegeben.

Künstlerisch gibt es unter den japanischen Animes einige herausragende Spitzenprodukte.

Der europäische Animationsspielfilm präsentierte sich Anfang März 2016 ein weiteres Mal auf dem seit acht Jahren in Lyon stattfindenden Produzenten-Branchentreff Cartoon Movie: prätentiös, immer noch genug, aber deutlich weniger Family Entertainment, viel erwachsener als früher. Die Veranstalter berufen sich auf die europäische Vielfalt, d. h. anders als bei Disney, DreamWorks oder in Japan gibt es keine wirklich europäische Handschrift, dafür ein Buntes Allerlei, stilistisch gelegentlich interessant, in der Animation trotz digitaler Tools teilweise hinter dem Standard von Winsor McCay – und der entwarf seine kurzen Trickfilme vor einhundert Jahren.

Ja, und dann gibt es noch deutsche Animation.

Spätestens nach dem überraschenden Kinoerfolg des „Kleinen Eisbären“ war der deutsche Animationsspielfilm auf ein Zielpublikum von Minderjährigen abonniert. Findet eine Pressevorführung eines deutschen Animationsfilms statt, schicken die Blätter in der Regel die zweite oder dritte Garnitur von Filmkritikern, denen nichts Besseres einfällt, als noch den blühendsten Blödsinn als „kindgerecht“ zu apostrophieren.

Den künstlerischen Tiefpunkt erreichte die deutsche Filmanimation in der in TV und auf der Kinoleinwand ausgewerteten „Mondbär“-Serie, die offenbar in deutschem Auftrag und mit deutschen Geldern in China oder sonst wo hergestellt wurde und die Tierfiguren zu digital aufgeblasenen Luftballons macht.

Stationen auf Deutschlands Weg nach unten wenigstens in der Trickfilm-Branche waren „Der kleine Rabe Socke“, „Ritter Rost“, „Keinohrhase und Zweiohrküken“ und „Kleiner Drache Kokosnuss“. Die Legitimität und Förderungswürdigkeit des Genres zu erhalten, waren offensichtlich keine frischen Ideen und kein neuer Stil gefragt.

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: "Verwitterte Melodie" (1943) Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: „Verwitterte Melodie“ (1943)
Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Sehen „Wickie und die starken Männer“, geschaffen für 2D, nicht scheußlich aus in durchschnittlicher 3D-Animation? Neben „Wickie“ rangiert auch die „Biene Maja“ ganz oben in der Gunst deutscher TV-Redakteure. 1912 erschien Waldemar Bonsels‘ „Die Biene Maja und ihre Abenteuer. Ein Roman für Kinder“ zum ersten Mal. Bonsels hatte das Kunstmärchen, eine Initiationsgeschichte unter Insekten, ursprünglich für seine Söhne geschrieben. Er und sein Verleger rechneten mit keinem großen Erfolg, aber dann lieferte der Feldbuchhandel überzählige Exemplare an die Soldaten im Weltkrieg aus, und bald war die „Biene Maja“ an der Front ebenso wie bei den Lieben daheim so bekannt wie Hindenburg, Ludendorff oder Kaiser Wilhelm. Geschildert wurde schließlich, zeitnah, der Kampf des edlen Bienenvolkes gegen schurkische Hornissen. Die kleine Biene, seitdem auf Bestseller-Kurs, wurde eine echte Kriegsgewinnlerin.

Nach einem stummen Maja-Kulturfilm aus dem Jahr 1926 schien es, dass allein der Trickfilm dem märchenhaften Rahmen und der angestrebten Vermenschlichung der Figuren gerecht werden könnte. 1941 erwarben die frisch gegründete Deutsche Zeichenfilm GmbH und die Ufa eine Option und planten die Realisierung eines animierten „Biene Maja“-Kinofilms in Farbe, in dem der Kampf Bienen gegen Hornissen eine dem aktuellen Kriegsgeschehen geschuldete größere Rolle spielte als vordem. Doch der Mann, den der erklärte Trickfilm-Fan Goebbels mit der Leitung der Zeichenfilm GmbH betraut hatte, Oberregierungsrat Karl Neumann, der von einer leitenden Stelle in einer Wurstfabrik ins Propagandaministerium gewechselt war, war nicht in der Lage, die Produktion durchzuziehen. Millionen Reichsmark wurden versenkt, ohne dass viel dabei herauskam, allenfalls ein farbiger Kurzfilm „Armer Hansi“ und ein Überläufer, der dann bei der Defa erschien: „Purzelbaum ins Leben“. Das Ziel, Disney auf seinem eigenen Terrain Paroli zu bieten, blieb unerreicht.

Im Vorwort zu seinem Roman „Dositos“, den er 1942 als Privatdruck in einer Auflage von 100 Exemplaren an Freunde und NS-Granden verteilte, würdigte Bonsels übrigens den „gewaltigen und gewaltsamen Anstoß“, der durch Adolf Hitler in die Welt getragen worden sei und der nicht nur das Judentum erschüttert habe, „sondern naturgemäß zugleich alles, was in der christlichen Kirche am Judentum krankt“.

 Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin Cover des Buches "Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945"

Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin
Cover des Buches „Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945“

So ein Mann gehört in der Bundesrepublik natürlich neu verfilmt. Obwohl Motive aus dem Buch entnommen wurden, haben die Produzenten der neuen „Biene Maja“ als Referenzobjekt die bekannte, harmlose und scheinbar über jeden Verdacht erhabene Zeichenfilmserie gewählt, die der damalige Leiter des Kinder- und Jugendprogramms des ZDF, Josef Göhlen, sein zeitweiliger Arbeitgeber Leo Kirch und Apollo-Film Wien Mitte der 1970er-Jahre in zwei Staffeln à 52 Folgen bei Zuiyo Enterprises (heute Nippon Animation) in Auftrag gegeben hatten: „In einem unbekannten Land vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt, von der sprach alles weit und breit. Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Maja, kleine, freche [sic!], schlaue Biene Maja…“ Karel Gott, nicht wahr.

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Als der Autor dieser Zeilen in einem Rundfunkbeitrag auf braune Flecken in der Mediengeschichte der Biene Maja hinwies, gab es im Internet einen Sturm der Entrüstung im Wasserglas. Ich zitiere:

 

Franjo Delic Hitler hat seine Suppe mit einem Löffel gegessen, der Löffel sollte als nationalistisches Symbol einer braunen Vergangenheit verboten werden!!

 

Jens Poerschke Weil Herr Goebbels „Heile-Welt-Filme“ für seine Kinder drehen lassen wollte, dürfen wir heute derartiges nicht mehr sehen? Warum? Was passiert dann?

Christian Weisweiler Da sind sie wieder, unsere pseudodevoten Betroffenheitsvirtuosen, die mit der moralischen Selbstgerechtigkeit einer Priesterkaste sogar in der Biene Maja den Antichristen sehen.

Thomas Visockis Der liebe Herr Giesen schafft es bestimmt auch aus dem Stegreif, die Anzahl der Sommersprossen von Pippi Langstrumpf auf „23“ zu bestimmen und gleichzeitig auf „666“ hoch zu rechnen…

Ralf Galleisky Es wird so vieles für die eigenen Zwecke missbraucht – die Nazis und viele andere Greuelregime haben so vieles für sich missbraucht – dafür kann Maja nichts – ich bin mit der süßen Biene und dem schwulen Willi aufgewachsen und hatte viel Spaß.

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http://www.amazon.de/Hitlerjunge-Kolberg-Propagandafilme-Dritten-Reiches/dp/389602471X?ie=UTF8&keywords=rolf%20giesen&qid=1459762424&ref_=sr_1_12&sr=8-12

Die überhaupt nicht mehr braune Biene repräsentiert geradezu exemplarisch den Niedergang des deutschen Animationsspielfilms. Das Resultat ist das Werk eines Komitees (Filmförderer, Fernsehen, Verleih usw.), dem es darum ging, nirgendwo anzuecken: Immer schön politisch korrekt, bitte.

Was hat diese banale Wald&Wiesen-Romantik mit der Wirklichkeit von Kindern im 21. Jahrhundert zu tun? Warum hat man solche Angst, deutschen Kindern grausame, aber heilsame Märchen-Dramaturgie so vorzusetzen, wie sie die Brüder Grimm verfasst haben? Fürchtet man etwa um die Seele des deutschen Kindes? Fürchtet man, dass das deutsche Kind rückfällig werden könnte? Gibt es – natürlich nur zum Besten des Kindes – eine Rote-Beete-Verschwörung der zwergenhaften Apologeten von Tai Ginseng. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen an der Kinokasse nach.

 

Rolf Giesen

 



IM PESTHAUCH DER NAZIS – PHILIP KERR und seine BERNHARD GUNTHER-SERIE by Martin Compart

“ Several elements account for the excellence of the Gunther books. First, Kerr is a fine novelist; in terms of narrative, dialogue, plot, pace and characterizations, he’s in a league with John le Carré and Alan Furst.“

THE WASHINGTON POST

Wenn man von den Großmeistern des zeitgenössischen Thrillers (Autoren, die in den 1970er. und 1980er Jahren begonnen haben) spricht, darf ein Name nicht fehlen: Philip Kerr. Er gehört neben Robert Harris zu den Thriller-Autoren mit dem breitesten thematischen Spektrum. Am berühmtesten ist wohl seine Serie um den Berliner Ex-Polizisten und Privatdetektiv Bernie Gunther, in der Kerr die unterschiedlichsten Aspekte des 3.Reiches behandelt: Vorkriegszeit, 2.Weltkrieg, Kriegsverbrechen, Zusammenbruch und Nachkrieg, Rattenlinie und die Verpflichtung deutscher Kriegsverbrecher durch die Amerikaner.

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Sein Vater starb mit 46 Jahren – er war damals 22 –, was einen Schock bei dem bis dato gläubigen Baptistensohn auslöste und religiöse Ideologien bis heute erledigte. „Als Kind besuchte ich an manchen Sonntagen dreimal die Kirche.“
Nach seinem Studium in Birmingham arbeitete der 1956 in Edinburgh geborene Philip Kerr in der Werbeagentur Saatchi & Saatchi, „wo jeder an einem Roman arbeitete außer denen, die zum Lunch gingen“. live_let_die_book2[1]Seine Leidenschaft für die Literatur hatte sich früh herausgebildet: „Ich wurde mit sieben, acht Jahren zum leidenschaftlichen Leser. Zwischen 1956 und 1968 konnte man in Edinburgh sowieso nichts anderes tun. Mein Vater hatte ein Regal mit für Kinder verbotenen Büchern. Nachdem ich entdeckt hatte, wo der Schlüssel dazu versteckt war, wurde das meine Lieblingsbibliothek. Darin befanden sich Ian Fleming, Mickey Spillane, Dennis Wheatley, LADY CHATTERLEY´S LOVER usw. Die Bond-Romane gefielen mir am besten. Und von allen Bonds war mir LIVE AND LET DIE der liebste. Ich liebte die alten Pan-Taschenbuchausgaben.“

In den 1980 ern schrieb Kerr seine ersten Romane: Fünf Bücher im Stil von Martin Amis, die kein Verlag haben wollte. Ende der 1980er schrieb er dann den ersten Berlin-Noir-Roman: MARCH VIOLETS. Er betrat die Bühne des historischen Kriminalromans wie ein Eigentümer sein Grundstück. So wie er hatte zuvor niemand einen der vier deutschen Exportschlager der Pop-Kultur genutzt (die anderen neben den Nazis sind Fußball, Kalter Krieg mit Wiedervereinigung und Kraftwerk).

Die Idee zu Bernie Gunther kam Kerr, als er darüber nachdachte, was Raymond Chandler wohl geschrieben hätte, wenn er statt nach Los Angeles nach Berlin gegangen wäre.
„Berlin symbolisiert wie keine andere Stadt das 20. Jahrhundert für mich.“

Kerr sieht sich als Erzähler, der eher an der Story interessiert ist als an Stil. Aber sein scheinbar leicht dahin fließender, müheloser Stil ist genauso wenig kunstlos wie etwa der von Eric Ambler.
„Ich sehe mich als Autor in der Tradition des politischen europäischen Romans.“
Die Gunther-Romane sind zu 40% Privatdetektivromane und zu 60% politische. Aber schon bei Dashiell Hammett galt, dass das System die größten Verbrechen begeht.
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Nach der erfolgreichen Berlin-Noir-Trilogie stoppte er 1991 überraschend mit Bernie Gunther-Romanen. „Ich suchte neue Risiken als Autor. Verlage wollen, dass man immer das gleiche Buch schreibt, wenn man damit erfolgreich ist. Ich will immer neue Bücher schreiben, neue Themen recherchieren. Außerdem watete ich schon zu lange in diesem Nazi-Dreck. Es war schon so, als würde ich mit denen zusammenleben, und nach jedem Buch hatte ich das Gefühl, ich müsste mir ihren ganzen Schmutz abwaschen.“ Außerdem hatte er wohl keine Lust, als Nischenikone in die Kriminalliteratur einzugehen.

In den 15 Jahren seit der Berlin-Noir-Trilogie hat sich Kerr als Autor weiterentwickelt. Er schrieb eine ganze Reihe von Standalone-Thrillern, darunter Wissenschaftsthriller, die ihm das Etikett als „britischer Michael Crighton“ einbrachten.GW180H295[1] Ein Anspruch, dem Kerr nicht entsprechen konnte und wollte. Kerr hat haufenweise Literaturpreise eingesackt. Darunter auch den „Bad Sex in Fiction Award“ der Literary Review 1993 für die Sex-Szenen in GRIDIRON (GAME OVER). Ein herausragender Thriller aus dieser Zeit ist DEAD MEAT, der im Russland Jelzins während der großen Mafia-Kämpfe spielt. Die BBC produzierte den Roman 1994 als ebenso gelungenen Dreiteiler GRUSHKO mit Brian Cox in der Titelrolle (der Dreiteiler ist, wie auch die Deighton-Serie GAME,SET, MATCH, als Zweiteiler zweimal bei Vox ausgestrahlt worden, um dann für immer in den flachen Hirnhöhlen des Kurzzeitgedächtnises der zuständigen TV-Redakteure zu verfaulen).

„Ich schreibe jeden Tag – selbst Weihnachten. So definiere ich mich – durch das Schreiben. Das Wunderbare daran ist, dass man nie damit aufhören muss. Als Autor muss ich nicht in Rente gehen. Ich will an meinem Schreibtisch sterben – mitten in einem Satz.“ Dabei hilft ihm seine selbstbezeugte Asozialität: „Genau wie Bernie Gunther habe ich keine Freunde. Ich brauche sowas nicht.“
Was er hat und braucht, ist seine Familie: Er ist mit der Schriftstellerin Jane Thynne verheiratet, und das Paar hat drei Kinder. Diese waren Auslöser für eine zweite Karriere als Kinderbuchautor mit der Serie CHILDREN OF THE LAMP, die er als „P.B.Carr“ verfasst.
Inzwischen hat Kerr, der angeblich in 40 Sprachen übersetzt wird, die Filmrechte an 14 Romanen verkauft; keines ist realisiert worden. „Was für eine Geldverschwendung! Der einzige, der was davon hat, bin ich.“

Sogar in Deutschland ist Kerr recht erfolgreich: Die Noir-Trilogie verzeichnete 2013 die 7.Auflage, und die meisten neuen Titel sind in einer 2.Auflage bei Rowohlt lieferbar. Erstaunlich für deutsche Buchkäufer, denn ganz ohne Verabredung haben wir uns alle daran gewöhnt, Qualität zu meiden.

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2006 kehrte er überraschend zu seinem Helden zurück: Mit THE ONE FROM THE OTHER begann er der Figur neue Dimensionen zu geben. Mit den Folgebänden sprengte er Bernies formbedingte Charaktermaske immer weiter auf. Die Verbrechen, an denen Gunther im Krieg beteiligt war, hatten seine Natur verändert. Während des Krieges wurde er suizidgefährdet, was sich auch im Nachkrieg fortsetzt.hagee[1]

Mit seiner Serie um den Polizisten, SD-Mann, Privatdetektiv und Agenten Bernie Gunther schuf Philip Kerr etwas völlig Neues und Originelles innerhalb der Kriminalliteratur. Dank seiner Vorarbeit wagen sich inzwischen auch deutsche Autoren an zeitgeschichtlich eingebettete Romane, die in der Weimarer Republik oder im 3.Reich angesiedelt sind (obwohl es da bereits frühere Werke gab, wie etwa Kirsts NACHT DER GENERÄLE oder Romane von Simmel).

Der historische Privatdetektivroman entstand in den 1970er Jahren in den USA. Am Anfang steht der Film CHINATOWN von Roman Polanski und TV-Serien wie CITY OF ANGELS und BANYON. Literarisch nutzte zuerst Andrew Bergman die Form, gefolgt von Stuart Kaminksky und Joe Gores mit HAMMETT, bis 1984 Max Allan Collins mit seiner Nate Heller-Serie neue Dimensionen eröffnete.

Die Sprache ist angelsächsischer hard-boiled und nimmt den Romanen gelegentlich ihr authentisches Flair. Allerdings erhält man dafür im Gegenzug auch unterhaltsame Wisecracks („Lebensraum für uns hieß, andere sollten erst mal ihr Leben lassen.“, „Die Getränkepreise bissen wie Senfgas in meine Augen.“). Ein deutscher Kritiker verwechselte gar diesen genreimmanenten Wortwitz mit „Berliner Humor“.

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Das Transponieren des typisch amerikanischen Privatdetektivs ins dritte Reich hat etwas Künstliches. Denn immer wieder schlagen die angelsächsischen Genremuster durch und unterordnen das Authentische der genauen Recherche. Manchmal wirkt das, als hätte Kerr einen Film für Fritz Lang geschrieben. Das durch Gunther zu oft behauptete Unverständnis für die Nazis und ihr Regime zeigt einmal mehr den angelsächsischen Standpunkt; jeder deutsche Widerstandskämpfer verstand sehr wohl die Denkweise von Gestapo, SD und SS. Man spürt immer wieder, dass Gunther keine deutsche Privatdetektivfigur ist, sondern angelsächsische Mentalität verkörpert.

Deswegen funktionieren, bei aller Liebe und Verehrung für die Berlin-Noir-Trilogie, die späteren Romane, insbesondere die Nachkriegsromane m.E. besser. Denn in dieser Zeit ist Bernie eher eine Art Geheimagent (bzw. im System integrierter Funktionär) als Privatdetektiv. Besonders die Bücher oder Handlungselemente, in denen Gunther bereits in das Unrechtssystem eingegliedert ist und selber schuldig wurde, wirken erschreckender und weniger artifiziell. Trotzdem schlägt das angelsächsische Element immer wieder mal durch. Diese Kritik schränkt die Qualität der Serie nicht ein. Auch in Privatdetektivromanen, die in der angelsächsischen Welt oder sonstwo spielen, ist der PI – von Race Williams über Tarpon bis Harry Bosch – ein idealisierter Kleinunternehmer oder eine heroisierte Ich-AG, eben eine Kunstfigur, die Prinzipien verkörpert. Sie steht für die schöne Utopie, dass man in komplexen Gesellschaften individuell Gerechtigkeit gegen das System durchsetzen kann. Und sie dient den besseren Autoren dazu, das gesellschaftliche System oder bestimmte Milieus sittenbildlich und politisch zu durchleuchten.

Die paar Probleme, die ich mit Bernie habe, sind dann auch typisch deutsch. Sie beruhen auf dem Gegensatz zwischen den bekannten Realitäten im 3.Reich und der Behauptung, ein Individuum hätte für sich demokratisch-angelsächsische Freiräume behaupten können. Den Briten ist mein kleinliches Gemäkel natürlich fremd. Der „Guardian“ brachte die Qualität von MARCH VIOLETS auf den Punkt; „…an impressive debut that catches the nasty taste of the jackboot era and the wisecracking flavor of the pulps.”
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Michael Drewniok hat in seiner Rezension zu WOLFSHUNGER in der „Krimi-Couch“ auf die Authentizitätsschwäche der Figur hingewiesen: „Ein so frecher und großmäuliger Zeitgenosse wie Gunther dürfte in der realen Zeit keine lange Lebensdauer gehabt haben.“ Es ist eben etwas anderes, ob Marlowe in LA mit Captain Gregorious spricht oder Gunther in Berlin oder Prag mit Heydrich. Insofern suggeriert Kerrs Figur eine Autonomie, die höchst unwahrscheinlich ist und bei einem deutschen Kritiker einfältiges Wunschdenken auslöste: „So hätte man seine eigenen Familienmitglieder gerne in der Nazizeit agieren gehabt“. Derselbe Kritiker versteigt sich in kleinbürgerliche Romantik, wenn er dies und die Figur Gunther als realistisch verteidigt. Als ob dies für einen nicht-naturalistischen Roman ein Qualitätsmerkmal darstellt. Kerr schreibt nun mal Genre-Romane über eine unrealistische Figur, die innerhalb ihrer Parameter aber absolut glaubwürdig ist. Der entscheidende Realismus bezieht sich auf die Zeitgeschichte. Gunthers mean-streets sind die Kreuzungen, wo Geschichte zur Tragödie wird.
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Dieses Zeitkolorit erscheint dafür umso realistischer: Nie wurde mir zum Beispiel deutlicher als in PRAGUE FATALE vermittelt, dass im Berlin nach Stalingrad das katastrophale Ende des Krieges in allen Poren der Stadt bereits spürbar war. Auch da setzt Kerr die richtigen Details, um die Situation atmosphärisch spürbar zu gestalten. Dabei verhärtet sich die Theorie, dass dem Regime nun die Judenvernichtung wichtiger war als der Endsieg. Seine Abbildungen des Argentiniens der Nachkriegszeit oder des Kubas zu Beginn der Revolution bewirkt wahrscheinlich mehr (und tiefere) Erkenntnisse als manches Sachbuch.

Kerrs bevorzugter Recherche-Ort ist die Wiener Bibliothek am Londoner Russell Square. Alfred Wiener baute sie in den 1930er Jahren auf und brachte sie 1939 aus Amsterdam nach London, wo die Zeugnisse aus dem Widerstand vom britischen Geheimdienst während des 2.Weltkriegs studiert und ausgewertet wurden. Laut Kerr ermöglicht das Studium der Bibliothek noch heute täglich neue Erkenntnisse zum dritten Reich.
„Je mehr Details ich habe, um so leichter fällt mir der Method-Acting-Trick mich in die Zeit zu versetzen.“

Und von Recherche versteht der studierte Rechtsphilosoph mindestens soviel wie von Zeitgeschichte.
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Wie Kerr seine Recherchen aufbereitet und zum Bestandteil der Story macht, ist von großer Intensität und Kunst. Da kommt der 1956 geborene Schotte rüber wie ein wortgewaltiger Augenzeuge. Oder wie der Großmeister des historischen Privatdetektivromans, Max Allan Collins, sagt: „Geschichte ist erst dann interessant, wenn sie uns in Form von Geschichten nahe gebracht wird. Man hüte sich davor, den Schwanz der Recherche mit dem Hund der Geschichte wedeln zu lassen.“ Genau darin liegt eine der großen Stärken Philip Kerrs: Er betreibt Aufklärung mit den Mitteln des Romans, Leser, die sich ansonsten nie für Geschichte im Allgemeinen oder die des Nazismus im Besonderen interessieren, erreicht er mit den literarischen Techniken des Polit-Thrillers und des Privatdetektivromans. Der zynische Ton des Privatdetektivromans ist vielleicht zeitgemäße Form, politische Verbrechen zu kommentieren. Wiederum ist es wohl typisch deutsch, dass ich diesen didaktischen Ansatz betone. Aber die Aufarbeitung unserer Geschichte erscheint angesichts der verordneten Bildungslosigkeit heute nötiger denn je. Da leistet der Brite mehr als die meisten deutschen Autoren – egal welchem Genre zugehörig.978-3-499-25702-5.jpg.608651[1]

In den Romanen ab 2006, also nach Afghanistan- und Irak-Überfall, drückt sich Kerrs angenehmer politischer Anti-Amerikanismus immer breiter aus. Besonders in FIELD GREY, wo Bernie für die USA Erich Mielke jagen soll. Ganz bewusst wählt er eine Diktion, die der Leser direkt auf die Gegenwart beziehen kann oder soll:

„Neue Feinde und der Hunger nach neuen Siegen ließen sie in ihren schwimmenden stahlgrauen Städten des Todes hocken, wo sie Coca-Cola tranken, ihre Lucky Strikes rauchten und sich bereitmachten, den Rest der Welt von dem unsinnigen Bedürfnis zu befreien, anders sein zu wollen als die Amerikaner. Denn jetzt waren nicht mehr die Deutschen, sondern die Amerikaner die Herrenrasse, und statt Hitler und Stalin war nun Uncle Sam das Gesicht eines neuen Weltreiches.“

Oder noch härter:

„Gleich nach dem Start bot sich mir ein schöner Blick auf die Freiheitsstatue. Ich hatte den sonderbaren Eindruck, dass die Lady in der Toga den Arm zum Hitlergruß erhoben hatte.“

Nach Landraub, Völkermord an den Indianern und Kolonialkriegen im „Hinterhof“ sieht Kerr einen weiteren Sündenfall: Indem sie Kriegsverbrecher und Massenmörder in die eigenen Reihen eingliedern, setzen die USA den Nazismus als Cola-Light-Version fort (was sich heute symbolisch darin äußert, dass Amerikaner, im Gegensatz zu allen anderen Völkern, der internationalen Gerichtsbarkeit nicht unterworfen sind).

Kerr hält sich in der Veröffentlichungsreihenfolge an keine Chronologie. Er springt mit jedem neuen Roman durch die Nazi-Geschichte, von den Anfängen des Regimes bis zum Einsatz von Kriegsverbrechern durch die Amerikaner in Lateinamerika. Man könnte die Serie etwas gewagt als „Odyssee der Nazis“ benennen, die weit in die Nachkriegszeit reicht und auf deren Strukturen Neo-Nazis noch heute zugreifen können. Kerr gelingt ein komplexes Bild politischer Zusammenhänge, die dank seines literarischen Könnens genauso faszinierend wie unterhaltsam und aufklärerisch sind. Damit hat er – um es nochmals zu betonen – innerhalb der Kriminalliteratur, jeder Form von Literatur, etwas einzigartiges geschaffen.

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DIE BERNIE GUNTHER-SERIE:

March Violets, 1989. Feuer in Berlin, Rowohlt, Reinbek 1995.

The pale criminal, 1991. Im Sog der dunklen Mächte, Rowohlt, Reinbek 1995.

A German Requiem, 1991. Alte Freunde, neue Feinde, Rowohlt, Reinbek 1996.

The One from the Other, 2006). Das Janusprojekt, Rowohlt, Reinbek 2007.

A Quiet Flame, 2009. Das letzte Experiment. Wunderlich, Reinbek 2009.

If The Dead Rise Not, 2010. Die Adlon-Verschwörung. Rowohlt, Reinbek 2011.

Field Grey, 2011. Mission Walhalla. Rowohlt, Reinbek 2013.

Prague fatale, 2011. Böhmisches Blut. Rowohlt, Reinbek 2014.

A Man without Breath, 2013. Wolfshunger. Rowohlt, Reinbek 2014.

The Lady From Zagreb, 2015.

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P.S.: Eines der besten Interviews mit Kerr (aus dem ich mich hier auch verschiedentlich bedient habe) ist das von J.Kingston Pierce für „The Rap Sheet“:

http://therapsheet.blogspot.de/2010/04/intimidating-mr-kerr.html

Die Lektüre sei hiermit wärmstens empfohlen; darin finden sich so herrliche Aussagen wie:

PK:My parents weren’t really bookish. My father joined the Book of the Month Club, but it was me who read the books. Scots people don’t go in for encouraging children so much as warning them against masturbation and reefers. My mother was forever warning me against smoking reefers; and she believed in white slavery. She was always telling my sister about the dangers of that. As a boy I rather liked the idea of white slavery. Still do. The Scots never really liked me. I’m dark, you see, and they thought I was a bit racially suspect. As a result, I don’t really like the Scots very much. It’s hard to feel much warmth for your own race when they’ve rejected you.

JKP: Do you have siblings? And are your parents still living?

PK: I have a sister, still living. And a sister, who’s not still living. [My] parents have moved on to the next world.

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WAS DIE NSA VON DEN NAZIS GELERNT HAT by Martin Compart
7. August 2014, 7:44 am
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Es gab eine Zeit, da lohnte es sich tatsächlich, den „Spiegel“ zu lesen. Sie waren sich nicht mal zu fein, den vielgeschmähten Historiker Irving zu besprechen. Denn – egal wie man zu Irving steht – er war ein ziemlich gutes Trüffelschwein (seine geisteskranke Rechtskehre erfolgte erst nach Demütigungen durch das ebenso arrogante wie unfähige Historiker-Establishment). Hier einige Auszüge aus dem „Spiegel“ Nr.31/1979, die sich fast lesen wie ein Bericht über die NSA:

„…Dabei war das Forschungsamt einmal die einflußreichste jener anonymen Mächte gewesen, die Millionen Deutsche im Griff hielten. Mit seinen 6000 Angestellten, Abhörposten in 15 deutschen Großstädten und Beauftragten in allen Hauptpostämtern, mit seinen Kodespezialisten, Entschlüsselungsmaschinen und Auffangstationen bespitzelte das FA die Nation wirkungsvoller als jede andere Behörde.

1000 fremde Telephonleitungen waren durchschnittlich vom Forschungsamt angezapft, allein in Berlin lasen FA-Zensoren täglich 34 000 Telegramme und Fernschreiben aus dem Inland und etwa 9000 aus dem Ausland. Unerreicht war die Leistungsfähigkeit der FA-Dechiffrierer: Im Zweiten Weltkrieg entschlüsselten sie pro Monat 3000 Telegramme fremder Diplomaten.
300[3]
Das FA hörte die Telephongespräche zwischen den Berliner Missionen Englands, Frankreichs, Italiens, Japans, Belgiens, Bulgariens, Jugoslawiens und Lettlands und deren Außenministerien ab. Da das europäische Kabelsystem in Berlin und Wien durchlief, las das Amt die meisten Telegramme der japanischen Botschaften in Westeuropa, der türkischen Botschaft in Moskau und der bulgarischen Gesandtschaften in London und Paris mit.

Das Forschungsamt bespitzelte freilich nicht nur ausländische Diplomaten, es beschattete auch Volksgenossen und Parteifunktionäre. Den Gauleiter Streicher überwachte es ebenso wie die Goebbels-Geliebte Lida Baarova und den Hitler-Adjutanten Wiedemann, aber auch Widerstandskämpfer wie die Angehörigen des Kreises um den Abwehrchef Canaris.

Die Abhörberichte des FA, auf braunem Papier unter einem Hoheitsadler getippt und daher von Eingeweihten die „braunen Vögel“ genannt, verbreiteten nicht selten Panik und Beklemmung. Manchem NS-Gegner wurden sie zum Verhängnis: mit den braunen Vögeln begannen oft Verfolgungsaktionen,
die in Konzentrationslagern und unter dem Galgen endeten…“

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40349077.html



NAZI-ERICH IST TOT – Ein geschmackloser Nachruf von Rolf Giesen by Martin Compart
29. Juni 2014, 10:49 am
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Wir kannten ihn nur als Nazi-Erich. Erich R. war einer aus der Gruppe (auf-)rechter Berliner Comic- und Hansrudi-Wäscher-Fans und mit einem Comic-Händler verschwägert, aber nicht einmal der Schwager hatte vom Tod des Comic-Nazis erfahren, bis er es aus einer anderen Quelle erfuhr.

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by the way: Weder Knigge noch der hoch geschätzte Wäscher können etwas dafür, wenn unter ihren Fans auch Arschlöcher sind.

Jörg Fauser hat die Comic-Runde zu Lebzeiten noch besucht und fühlte sich wohl auf einem anderen Planeten. Einige Verlagsleute, die mit Fauser, Martin C. und dem Verfasser dieser Zeilen gekommen waren, hatten einen Wein mitgebracht, die die normalerweise Bier trinkenden Freaks reihenweise aus den Latschen kippen ließ. Plötzlich machte es Plumps! und Nazi-Erich war nach ein paar Glas zu hastig genossenen Weins vom Hocker gefallen. Jemand schleifte ihn an einen Kachelofen und ließ ihn dort lallend liegen: Da lagen die Reste von Groß-Deutschland, sturzbesoffen.

Später fühlte sich Erich berufen, dem Verfasser ein Experiment vorzuschlagen. Wie Mephisto wollte er ihn in seiner braunen Vorhölle einführen. Es handelte sich um eine Pferdefleischkneipe im finstersten Neukölln, wo man Psychogramme der ewig Gestrigen sammeln konnte.

Es waren Psychogramme der Zukurzgekommenen. Einer war beim Erbe übergangen worden und der ältere Bruder hatte alles, er selbst nichts bekommen. Jetzt saß er da, soff und heulte in sein Pferdefleisch. Aus seinen Augen blitzten Neid und Hass.

Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie wieder zusammenfinden: THE BRUTAL, THE STUPID, AND THE NEEDLESS.

Nazi-Erich war nicht brutal. Vielleicht wäre er es geworden, wenn man ihm eine Chance gegeben hätte. Außerdem fehlte ihm der Grips, was er natürlich nicht wahrhaben wollte. So blieb für ihn nur die Kategorie der Nutzlosen. Er war wohl mal Vorsitzender von dem Comic-Verein, aber die alt gewordenen Mitglieder zeigten, wie zu hören war, kaum Betroffenheit, sondern bedauerten nur, dass sie nun schon wieder einen Kranz kaufen müssten…

Rolf 2



DROHNEN-PILOTEN – DIE FEIGSTEN SOLDATEN DER WELT by Martin Compart
6. Mai 2014, 8:52 am
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Kann man diese dumpfen Joy-Stick-Virtuosen überhaupt noch Soldaten nennen?

Sie sitzen tausende von Kilometern entfernt vom Einsatzort, starren auf Bildschirme und lotsen ihre Bomben über unbemannte Flugobjekte vorzugsweise auf Kollateralschäden. Während sie sich gegenseitig am Arsch rumspielen, verbreiten sie Angst und Schrecken in Ländern und auf Kontinenten, von denen sie dank ihrer mangelhaften Schulbildung noch nie gehört haben. Hätten sie auch noch Ton, würden sie sich begeistert an dem Winseln gequälter Menschen erfreuen. Ihre größten Erfolge bestehen darin, Anti-amerikanischen Kämpfernachwuchs zu erzeugen und die immer weiter verbreitete Verachtung für die USA voran zu treiben. Wenn sie ein Dorf, Kinder oder sonstige Zivilisten getötet haben (militärische Ziele treffen sie selten), springen sie begeistert auf und klatschen sich ab. Missgeburten, die nicht mal ein Zombie belästigen würde. Selbst die Nazi-Schergen, die als Einsatzgruppen hinter den feindlichen Linien Juden und Partisanen erschossen haben, mussten auf Sichtweite an ihre Opfer heran treten um sie zu töten. Ein Schreibtischtäter wie Himmler hätte diese Technologie geliebt. Drohnen-Piloten sind der absolute Höhepunkt an Feigheit in der menschlichen Kunst des Gemetzels.

UZBEKISTAN-PAKISTAN-GERMANY-DEFENCE
Zu blöde, um kampftüchtige Drohnen für die Bundeswehr zu kaufen. In der Rangliste Deutschlands unfähigster Politiker, nimmt de Maizière seit Jahren einen Spitzenplatz ein. Seine Staatsautorität ist durch nichts anderes gerechtfertigt, als durch seine Unfähigkeit.

Der ausgestiegene Drohnen-Pilot Brandon Bryant berichtete u.a. im GQ-Magazine (deutsch in der ZEIT aufbereitet unter http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-10/usa-drohnen-pilot) über seine Tätigkeiten:
„Fast sechs Jahre lang arbeitete Brandon Bryant für das US-Militär als Drohnen-Pilot. Dann konnte er nicht mehr. Sein Arbeitgeber bot ihm einen Bonus von 109.000 Dollar an, damit er weitermachte. Doch er kündigte. Zum Abschied bekam er ein Zertifikat, in dem seine Erfolge aufgelistet sind: 6.000 Flugstunden, Hunderte geflogene Einsätze.Und dann die entscheidende Zahl: 1.626 im Kampf getötete Feinde.“

Eine Menge „Terroristen“, die da nur ein einziger Drohnen-Pilot abgeschossen hat! Aber zur Not könnte man es ja auch als robuste Maßnahme gegen die Bevölkerungsexplosion in der 3.Welt verkaufen. Der Onkel Tom im weißen Haus liebt diese Art des Tötens. Nicht umsonst hat er zugunsten der Drohnen-Kriegsführung das Militärbudget für konventionelle Kriegsführung gekürzt. Nichts an dieser Art „Kriegsführung“ (welch ein Euphemismus für feiges Morden) ist völkerrechtlich gerechtfertigt.

Drohnen werden vorzugsweise von den USA in Ländern eingesetzt, denen sie nicht mal den Krieg erklärt haben. Die Ziele werden von der zivilen Behörde CIA ausgesucht, verurteilt und ausgemacht und anschließend führt die Air Force die Mordbefehle durch. Nach Guantanamo, Abu Graib, dem Halliburton-Krieg im Irak usw. eine konsequente Weiterentwicklung der Genozid-Fans aus der Wallstreet. Denn dort wird das Geld verdient, dass man mit dem Elend der Welt verdienen kann. Und einfallsreich waren die Amis ja immer: Schon bei der Ausrottung der Urbevölkerung setzten sie feige auf Bio-Waffen, indem sie den Indianern mit Pockenerregern verseuchte Decken schenkten.

Und diese moralischen Krüppel wollen mir was über die Ukraine erzählen?

Und mit dem transatlantischen Handelsabkommen, das nur den Bank-Hyänen nutzt, wollen sie wohl endgültig der Alten Welt ihr Ablaufdatum mitteilen (was Handelsabkommen mit den USA anrichten, kann man sich in Mexiko ansehen).

Wer genaue Details über den amerikanischen Drohnenkrieg wissen will, dem seien zwei Bücher empfohlen:

scahill-schmutzige-kriege-41[1]

9783827011749[1]

Kabul-Obama-4-HA-Politik-Kabul[1]

Onkel Tom vor dem Spielzeug der Bwanas. Leute, die für die wirklich großen Verbrechen verantwortlich sind, müssen nie einen Knast von innen sehen.

„Irgendwann wird jede Kriegstechnologie vom Feind übernommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine erste Drohne über New York City fliegt und auf Manhattan herab sieht – und sie ist nicht von uns.“
sagt Lawrence Wilkerson, ehemaliger Stabschef von Colin Powell