Martin Compart


ÜBLER FALL VON ANTI-AMERIKANISMUS by Martin Compart
30. August 2014, 1:43 pm
Filed under: ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, Paranoid, Stammtischgegröle

Wer kennt diesen Mann? Verfassungsschutz bittet alle Bürger um Mithilfe. Stoppt die Volksverhetzung.

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FLASHMAN macht Haute Couture by Martin Compart
28. August 2014, 10:52 am
Filed under: Allgemein

Nicht, dass mir nachher einer kommt und sagt, er hätte davon nichts gewusst.

 

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FLASHMAN-Fans sind nicht nur die intelligentesten, sie sind auch die am besten gekleideten Alphabeten. Hier sehen wir Jean-Dieter in einem Traum von Chardonnay im hellen bleu. Die neue Kollektion wird beim nächsten FLASHMAN- Treffen sicherlich entzücken.

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WEISE WORTE by Martin Compart
26. August 2014, 6:45 pm
Filed under: Ekelige Politiker, Parasiten, Weise Worte | Schlagwörter: ,

Politiker, die unser gemeinsam geschaffenes Volkseigentum und Bundesvermögen privatisieren und  in die Privatwirtschaft wechseln, sind Landesverräter.



CALEB CARR – NEW YORKER MISANTHROP by Martin Compart

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Ein Serienkiller, der es auf sich prostituierende Knaben abgesehen hat, treibt in New York sein Unwesen. Nichts ungewöhnliches, wenn man die Unterhaltungsindustrie der letzten 30 Jahre betrachtet. Aber THE ALIENIST (DIE EINKREISUNG; Heyne 1994) holte etwas neues aus diesem  nervigen Subgenre.

Ungewöhnlich an diesem Roman sind aber Personen, Schauplatz und die literarische Umsetzung. Die Personen sind zum Teil fiktional, zum Teil reale Figuren der Geschichte. 3453158830_l[1]Der Schauplatz ist New York 1896 und ein Beleg dafür, dass die Vergangenheit die Gegenwart nicht bestimmt, sondern verflucht. Die literarische Umsetzung geschieht mit leichter Hand, fie Brillanz von Caleb Carrs stil ist erst auf dem zweiten Blick sichtbar, denn er findet für seinen Ich-Erzähler einen Ton, der sowohl modern ist, wie auch vergangene Eigenheiten berücksichtigt und beides zu einer Synthese führt.

Polizeichef Theodore Roosevelt, der spätere Präsident der USA, setzt eine Sonderkommission ein um den Killer zu finden. Wegen der ungeheuren Korruption in der Polizei(lange vor SERPICO), müssen die Ermittler unabhängig vom Apparat agieren. Die Sonderkommission wird von dem Psychologen Dr. Laszlo Kreisler geleitet und ihm assistiert ein Team interessanter Figuren, die höchst amüsant und informativ die zeitgenössischen Entwicklungen der Kriminalistik nutzen. „An der Person Roosevelt hat mich fasziniert, dass er sein ganzes Leben an seinen Kindheitsidealen festgehalten hat. Solche Personen inspirieren mich. Als Historiker versuche ich die realen Figuren mit ihren eigenen Worten sprechen zu lassen und sie so authentisch wie möglich zu zeichnen. Ich missbrauche sie nicht, um einen Standpunkt von mir zu verdeutlichen, der vielleicht ins Romankonzept passt.“Carr+Die-Einkreisung[1]

Neben der spannenden Handlung ist es das facettenreiche Bild New Yorks, eigentlich Manhattans, das den Roman zum modernen Klassiker macht. Die Atmosphäre der Stadt, deren Zeitgeist überzeugend eingefangen erscheint, ist nicht nur grimmig und gemein, sie ist bedrohlich böse. Ich kenne keine überzeugendere, alle Schichten und Interessen durchleuchtende, Darstellung des historischen Manhattan. New York als Zentrum des Verbrechens: „In New York sind Korruption und Sittenverfall kein vorübergehendes Unglück, sondern ein Dauerzustand.“ Carr beschäftigt sich besonders eindringlich mit homosexueller Kinderprostitution: „New York war vielleicht die Hauptstadt des Verbrechens in den USA, vor allem bei Gewalt gegen Kinder, aber auch der Rest der Staaten bemühte sich um eine ausgeglichene Statistik… Man hielt Kinder damals für kleine Erwachsene. Wenn sie ihr Leben dem Laster widmmen wollten, dann war das nach den Gesetzen des Jahres 1896 ihre Sache, und niemand konnte sie daran hindern.“ Mir fällt lediglich Herbert Asburys Sachbuch THE GANGS OF NEW YORK von 1927 ein, das ein ähnlich beeindruckendes Sittenbild der Metropole zeichnet. Und das ist, wie gesagt ein Sachbuch, noch dazu in geringerer zeitlicher Distanz entstanden.

Carr gelingt es, die komplexesten Themen in die Handlung zu integrieren. Dies funktioniert so gut, weil sein Ich-Erzähler, der Journalist Moore, eine überzeugende Tonlage triff, die den Leser in seine Zeit und Welt hinein saugt.islandofvice[1] Mit der weiblichen Figur Sara, die unbedingt Kriminalistin werden will, schafft er eine ebenso außerordentliche wie überzeugende Heldin (im Sequel arbeitet sie als Privatdetektivin). „Ich wollte ein Buch schreiben, in dem die Frau nicht die übliche Funktion hat, sich zu verlieben oder mit jemanden ins Bett zu gehen.“ Man könnte Dr.Kreisler als einen Holmes-Nachfolger sehen oder ihn in die Tradition der „großen Detektive“ des klassischen Detektivromans einordnen. Aber das stimmt nicht, denn im Gegensatz zu den großen Detektiven des Golden Age antizipiert Kreisler die Kriminalpsychologie des 20.Jahrhunderts, zu der Holmes & Co. noch keinen Zugang hatten. „Kreisler kann Verbrechen aufklären, die Holmes nie hätte lösen können, da sie nicht alleine durch das Analysieren physischer Indizien gelöst werden können; es bedarf forensischer Psychologie.“ Diese Einkreisung des bestialischen Mörders nimmt den Leser auf einen historischen Bildungstrip, der keine Sekunde langweilt. Kreisler und sein Team benutzen alle kriminalistischen (Fingerabdrücke) und psychologischen Möglichkeiten, die ihnen in der Zeit zur Verfügung stehen, um sich über ein Profil dem Mörder zu nähern. „Eine der größten Herausforderungen war das Studium der damaligen psychologischen Wissenschaftsliteratur. Meine Charaktere durften nicht mehr wissen als den aktuellen Stand der Dinge. Damals hatte Freud gerade sein erstes Buch veröffentlicht.“ Der Begriff Psychopath oder psychopathischer Killer existierte noch nicht. Ebenso wenig eine Architektur des Bösen, die von sozio-psychologischen Grundlagen ausging. Dieses Herantasten an neue Erkenntnisse, die im nächsten Jahrhundert eine so wichtige Rolle spielen würden, verleiht dem Roman zusätzlich aufklärerische Spannung. Die Passagen, in denen die Ermittler neue Fakten oder Erkenntnisse analysieren, sind die unterhaltsamsten Pro-Seminare forensischer Medizin, die man sich vorstellen kann. Sie konterkarieren ihre düsteren Expeditionen in den Bauch von Manhattan.   Nicht nur die Morde werden brutal und erbarmungslos gezeigt, die ganze Stadt ist von bösartiger Rücksichtslosigkeit. Alles ist zu kaufen, alles steht im Schaufenster: Sex mit Kindern und allen anderen, Drogen, Politik und Kultur. Das Bild der Stadt verbreitet genau so durchdringenden Horror, wie der Serienkiller. Viktorianische Kriminalität und Geschäftemacherei mit der Barbarei der Neuen Welt. Dem Historiker und dem Romancier ist eine perfekte Synthese aus Geschichtsbetrachtung und Detektivroman gelungen.

„Über die Vergangenheit zu schreiben, wiegt den Leser in Sicherheit und gibt ihm ein wohliges Gefühl. Denn – egal wie schlimm das ist, was man beschreibt – es ist ja bereits passiert. Es ist Vergangenheit.“

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Dank seiner unerfreulichen Kindheit ist der Autor fasziniert von Mördern, die sich mit ihren Taten von erlittenen Qualen befreien wollen. „ Ein Autor hat zwei Jobs: zu lehren und zu unterhalten. Ich bin nicht daran interessiert, als so genannter ernsthafter Schriftsteller anerkannt zu werden, aber ich bin an dem interessiert, was schreiben leisten sollte. In einem Land, in dem die Bildung ständig abnimmt, erscheit es mir wichtig, das man aus Büchern etwas lernt. Natürlich auf unterhaltsame Weise.“

Carr bot das Buch seinem Agenten und dem Verlag als Non-fiction an, da er damals für sie als Sachbuchautor eine erkennbare Größe als Militärhistoriker war und man sich von ihm keinen Roman vorstellen konnte. Random House bot schließlich einen Vorschuss von 60.000 Dollar und die Taschenbuchrechte wurden für 1.001.000 Dollar versteigert.

ALIENIST war 24 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times. Von der Taschenbuchausgabe wurden 1,5 Millionen Exemplare verkauft. Es wurde in 20 Sprachen übersetzt.

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Über seinen zweiten Kreisler-Roman, ANGEL OF DARKNESS, über eine Frau, die ihr Kind und andere umbringt, sagt er: „Serienkiller sind Stars, denen die Öffentlichkeit zu Füßen liegt. Ganz anders ist es mit Müttern, die ihre eigenen Kinder töten. Das verschwindet ganz schnell aus den Medien. Es ist die ultimative Obszönität. Ich wollte herausfinden, was eine Frau und Mutter dazu bringt. Eine gute Mutter zu sein ist ja für Frauen die Konditionierung schlechthin.“

Während ALIENIST von dem trinkfreudigen Journalisten Moore erzählt wurde, ist in DARKNESS Stevie der Ich-Erzähler. Stevie war ein jugendlicher Rabauke und Straftäter in ALIENIST, der von Dr.Kreisler unter seine Fittiche genommen wurde. Das Buch spielt drei Jahre später und Stevie ist inzwischen ein gewitzter Teenager. „Er steht mir näher als Moore. Ursprünglich wollte ich eine Serie schreiben, in der in jedem Roman eine andere Figur die Geschichte erzählt. Für den ersten Roman wählte ich Moore als Erzähler, weil er der modernste Charakter des Romans ist. Mit ihm sollten die Leser die wenigsten Schwierigkeiten haben. Stevie ist auch für mich eine Herausforderung, denn er ist natürlich nicht so wortgewandt. Er hat eine andere Sicht auf New York, da er von ganz unten kommt. Er entspricht meinen eigenen Erfahrungen. Wo ich aufgewachsen bin, kamen die reichen Kinder nur hin um Drogen zu kaufen. Auch in diesem Roman verwendet Carr wieder eine ganze Reihe historischer Personen, u.a. Clarence Darrow. „Ich nutzte Darrow als Charakter und Leser dachten, er sei eine fiktive Figur. Was wird eigentlich in amerikanischen Schulen unterrichtet? Aber wir bewegen uns in eine Epoche, in der alle Fortschritte und Errungenschaften der letzten zweihundert Jahre zurückgedreht werden.“ ANGEL hatte nicht denselben Erfolg. Einige Kritiker und Leser bemängelten, den blumigeren Ich-Erzähler und.den weniger gelungenen Plot. Die renommierte „Kirkus Review“ bemängelte und lobte: „…and disastrously slows down the otherwise absorbing courtroom scenes by including needless detailed summaries of cases of child murder offered as precedents. But these are minor blemishes. Carr has learned to plot since The Alienist, and this novel usually moves at a satisfyingly rapid pace.”

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Durch den Verkauf der Filmrechte kam er in Kontakt mit der Filmindustrie. Er schrieb mehrere Drehbücher und musste deshalb natürlich auch nach Los Angeles. Als er die Drehbücher zu EXORCIST: THE BEGINNING und DOMINION: PREQUEL TO THE EXORCIST, das der Autor des Ur-Romans, William Peter Blatty, sehr lobte, schrieb, war er oftdort. Und diese Stadt mag er noch weniger als das heutige New York. „Ich war in Beverly Hills während des Northridge-Erdbebens. Keiner kam aus seinem Haus um nach den Nachbarn zu sehen. Die Kalifornier sind größtenteils gemeine, hässliche Leute, die bereit sind, dir jederzeit ein Messer in den Rücken zu jagen. In New York kümmert sich niemand um dich, wenn alles normal läuft. Aber wenn dir was Schlimmes passiert, versuchen sie zu helfen. Anders herum in Kalifornien: Solange alles gut für dich läuft, und du keine Hilfe brauchst, sind die Leute nett zu dir. In Los Angeles spürst du überall diese Konkurrenzkultur. 99% der Männer sind außerdem kindische sexuelle Neurotiker. Die Hälfte der Frauen, die hierher zieht, wird lesbisch und die andere Hälfte jammert herum. Dass sie keine Männer abkriegen. Südkalifornien ist das Hinterletzte.“

Zum Bücher schreiben musste er zurück nach New York, die entscheidende Inspiration für Carrs Noir-Detektivromane. Selbst als er eine halbe Million Dollar für die Filmrechte erhielt, blieb er in seiner alten Wohnung. Inzwischen hat sich das geändert und Carr hat New York verlassen. „Ich hasse, was aus New York geworden ist. Sie haben den Charakter der Stadt getötet. Die Straßen sind zwar sauberer und sicherer, aber alle sind gleich langweilig.“

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Die inzwischen Jahrzehnte andauernde Geschichte der Verfilmung von THE ALIENIST ist ein Paradebeispiel für den Mist, der seit den 1980ern in Hollywood abläuft: Produzent Scott Rudin kaufte für Paramount die Rechte an dem noch nicht veröffentlichten Roman für eine halbe Million Dollar. Das Drehbuch des Dramatikers David Henry Hwang gefiel dem Regisseur nicht. Dann setzten sich Regisseur Curtis Hanson und Autor Steven Katz hin, um ein neues Drehbuch zu schreiben. Dabei zerstritt sich Hanson mit Rudin. Der neue Regisseur Phillip Kaufman wollte nun ebenfalls sein eigenes Drehbuch und.. und… und… Inzwischen gibt es mindestens neun Drehbücher zu THE ALIENIST. Bis 1997 hatte Paramount bereits zwei Millionen Dollar für unbrauchbare Skripte ausgegeben. Carr gelang es nicht, ins Spiel zu kommen. Er wollte sogar selbst Regie führen. „Das Projekt ist tot. Ich glaube, die wissen nicht mal, warum sie das Buch gekauft haben. Es hat nichts, was diese Typen mögen: Es ist ein Ensemble-Stück ohne Liebesgeschichte. Nichts für Hollywood.“

Mit Rudin hatte Carr bereits Ende der 1980er zu tun. Damals arbeitete er eine Weile im New Yorker Büro der Paramount als Stoffentwickler. 1991 wurde sein Drehbuch BAD ATTITUDE als TV-Movie umgesetzt und „komplett in den Sand gesetzt“. Danach begann er mit der Arbeit an THE ALIENIST. Aber „meine große Liebe ist das Kino. Man findet nicht viele Autoren, die das Kino so sehr lieben wie ich. Filme formen die meisten Bilder in meinen Romanen. Sprache interessiert mich nicht besonders. Ich liebe Filme mehr als Bücher. Ich bin Geschichtenerzähler, kein Schriftsteller.“

Da inzwischen TV-Serien wie RIPPER STREET, COPPERS, BOARDWALK EMPIRE oder PENNY DREADFULS als period pieces Erfolge feiern und Paramount unbedingt in den lukrativen Serienmarkt einsteigen will, holte man die Rechte an THE ALIENIST wieder hervor. 2014 wurde angekündigt, dass man zusammen mit Anonnymous Content (der Produktionsfirma der Erfolgsserie TRUE DETECTIVE) eine Serie entwickelt, die auf THE ALIENIST beruht.

 

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Caleb Carr wurde am 2.August 1955 als zweiter von drei Söhnen von Lucien Carr und Francesca von Hartz in New York geboren. Er wuchs in einet üblen Ecke Manhattans in einer ziemlich bizarren Familie auf. Sein Vater, Lucien Carr, gehörte bereits früh zum Umfeld der Beats. Er war zwar selber kein Schriftsteller, aber er machte Jack Kerouac, Allan Ginsberg und William S. Burroughs miteinander bekannt und war bis zu deren Lebensende mit ihnen eng befreundet. „Diese Beats waren lärmende Säufer. Ich wollte um nichts auf der Welt wie sie Schriftsteller werden.“ 1944 hatte Lucien Carr einen Mann namens David Kammerer erstochen, der ihn wohl sexuell belästigt hatte. Kerouac half ihm dabei, die Tatwaffe zu beseitigen und das Verbrechen zu vertuschen. Vergeblich. Carr kam zwei Jahre wegen Totschlags hinter Gitter.

Carrs Eltern ließen sich früh scheiden. Er war acht Jahre alt und lebte mit seiner Mutter Francesca und seinen beiden Brüdern mit Francescas zweitem Mann, dem Romancier John Speicher, in Lower Manhattan. Sein Stiefvater, ebenfalls Alkoholiker, brachte drei Töchter mit. „Man nannte uns dark Brady Bunch.“ Sie wohnten im Block 14th Street zwischen Second und Third Street, damals eine der übelsten Gegenden in Manhattan. „Ich sah meinen ersten Mord mit elf. Auf der Straße gegenüber wurde ein Mann abgestochen, wegen eines Drogen-Deals.“ Häusliche und urbane Gewalt bestimmten seine Kindheit. „Ich bin das einzige Kind in meiner Familie, das sich nicht umbringen wollte… Wahrscheinlich, weil ich glaubte, irgendjemand wird das schon für mich besorgen.“

Zu seinem Vater hatte er kein enges Verhältnis. Wenn er ihn besuchte, hingen die Beat-Autoren dort rum und soffen oder nahmen Drogen. Als Kind empfand er das, verständlicher Weise, als eher verstörend. Die schönste Zeit seiner Kindheit waren die Sommer auf der Farm der Großmutter, nördlich von New York. Später sollte er ein angrenzendes Grundstück kaufen, auf dem er jetzt lebt.

„Ich war ein ziemlich wütendes Kind. Um diese Wut in den Griff zu bekommen, begann ich mich für Militärgeschichte zu interessieren. Es rührte meine Mutter zu Tränen; für sie war es fast dasselbe wie töten.“

Dank eines kleinen Familienvermögens, das die Großmutter verwaltete, konnten er und seine Brüder eine teure Privatschule besuchen und Carr anschließend am Kenyon College in Ohio und an der New Yorker Universität Geschichte studieren. Seine Bewerbung für Harvard war abgelehnt worden, weil seine Lehrer in die Unterlagen geschrieben hatten, er „sei sozial problematisch“. Nach dem Studium stellte ihn 1977 ausgerechnet das umstrittene Council of Foreign Relations als Redakteur ihres vierteljährlichen Magazins ein. Anschließend arbeitete er in den 1980ern als freier Journalist mit dem Schwerpunkt auf Zentralamerika. 1980 erschien sein erster Roman, CASING THE PROMISED LAND, den er aus seiner Bibliographie getilgt hat und als „blöden Roman“ bezeichnet „voll mit dem Zeugs, das junge Autoren schnell aus dem System kriegen sollten.“  0024582a_medium[1] Erste internationale Aufmerksamkeit als Autor weckte er mit der Biographie von Frederick Townsend Ward, des amerikanischen Söldnerführers im Taiping-Aufstand: THE DEVIL SOLDIER, 1992 (deutsch: DER VERGESSENE HELD; Diana Verlag, 1999). 2002 erschien seine Studie zum Terrorismus, THE LESSONS OF TERROR (TERRORISMUS – DIE SINNLOSE GEWALT; Heyne, 2002), in der er dieser Gewaltstrategie seit dem Römischen Reich nachgeht und nachweist, dass Terrorismus langfristig erfolglos bleibt. Egal, ob von Extremisten oder nationalen Armeen angewandt. Seine Analysen (ausführlich der Mittlere Osten), kamen in Washington nicht besonders gut an und lösten eine Kontroverse aus. Als Historiker und politisch bewusster Zeitgeschichtler faszinierte ihn der Bush-Gore-Wahlkampf. 41nUVqeBecL._SY300_[1]„Der Schlüssel war Florida, der korrupteste Staat der Union mit dem Bush-Bruder Jeb als Gouverneur. In der Wahlnacht, als sich abzeichnete, das Bush verlieren würde, griff man zum Telefon und rief Jeb an. Sie sagten ihm, dass sie hinten lägen, aber nur ein bisschen. Jeb schickte sofort die State Trooper los um 20 000 Stimmen einzukassieren. So etwas passiert dauernd, im ganzen Land.“ Von den Medien erwartete er nichts: „Das sind bezahlte Diener der Konzerne, die ja auch die Politik bestimmen und wer gewählt wird.“ Aber auch von der Militärmacht USA ist der Militärhistoriker nicht besonders überzeugt: „Wie lange hat es gedauert, bis sich die USA von den 58 000 toten Soldaten in Vietnam erholt hat? Wenn man wirklich eine imperiale Macht sein will, muss man auf Dauer schon etwas mehr wegstecken können.“

Zynisch ist auch sein dystopischer SF-Roman KILLING TIME (DIE TÄUSCHUNG; Heyne 2001), veröffentlicht 2000, nachdem er zuvor dem Magazin „Time“ als Fortsetzungsroman erschienen war.511CPVorHGL._SY300_[1] SF ist ein weiteres Genre, das er sehr liebt. „Ich sage gerne, SF sind period pieces, die in der Zukunft spielen. Ob historische Stoffe oder SF – beides spiegelt werde Vergangenheit noch Zukunft, nur die Zeit, in der sie geschrieben werden. Ich liebe Geschichte und Science Fiction, also die Vergangenheit und die Zukunft. An der Gegenwart bin ich nicht besonders interessiert. Ich habe schon als Kind eher in der Vergangenheit gelebt. Sowohl ästhetisch wie ethisch bin ich vergangenheitsorientiert.“ 2012 hat er mit THE LEGEND OF BROKEN einen voluminösen Fantasy-Schinken vorgelegt, den er auch als eine Parabel verstanden haben möchte. Für viele eine Enttäuschung. Carr bedient sich zwar geschickt bei Tolkien Geogre Martin, aber im Vergleich bleiben seine Charaktere zweidimensional, Aber wer braucht eigentlich diesen sich unentwegt wiederholenden Fantasy-Mist?

Sein Sherlock Holmes-Roman, THE ITALIAN SECETARY (DAS BLUT DER SCHANDE; Heyne 2006), 2005 erschienen, ist seiner Katze Suki gewidmet, seiner konstantesten Gefährtin, mit der er jetzt alleine auf einem Berg in einem eine Million Dollar teuren Haus auf einer riesigen Farm lebt, 180 Meilen nördlich von New York.1404031804_1202953_n[1] Der nächste Ort, Cherry Plain, hat ein Postamt und eine Kirche und nicht viel mehr. Für ihn hängt die erneute Sherlock Holmes-Renaissance nach 9/11 mit einem steigenden Bedürfnis nach Rationalität zusammen. „Wir sind in eine Epoche eingetreten, in der alle Fortschritte und Errungenschaften der letzten zweihundert Jahre zurückgedreht werden.“ Inzwischen gibt es etwa 4000 Holmes-Romane, Geschichten und Film- und TV-Serien, die nicht von Conan Doyle sind. „Publishers Weekly“ stellte zum Erscheinen von Carrs kurzem Holmes-Buch fest: „Eine Sherlock Holmes-Geschichte zu schreiben, scheint für viele Autoren dasselbe zu sein, wie für männliche Schauspieler einmal den Hamlet zu geben; eine Herausforderung, der wenige widerstehen und viele bereuen… Nicht Carr… Er hat ein tiefes Verständnis für die Figur und macht nichts falsch.“ Ein weiteres Holmes-Pastiche ist nicht geplant.

 

Carr arbeitet nachts und monomanisch. „Wenn ich arbeite, gibt es für mich nichts anderes als das Buch, an dem ich gerade schreibe. Sonst nichts. Ich schreibe nachts. Es fällt mir leicht, mich in eine vergangene Epoche zu versetzen. Aber natürlich mache ich auch spezielle Recherchen. Für die Kreisler-Romane hieß das: Fünf Monate Recherche und fünf Monate schreiben.“ Im Gegensatz zu seinen Sachbüchern, bestimmen historische Begebenheiten nicht seine Vorgehensweise bei der Fiktion: „Ich habe immer zuerst die Story, die historischen Details kommen an zweiter Stelle. Eine gute Geschichte funktioniert fast in jeder Epoche.“ Carr ist nicht auf ein Genre festgelegt, wie sein Oeuvre zeigt.

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„Ich habe es jahrelang versucht zu verdrängen, aber ich bin ein Misanthrop. Ich lebe nicht umsonst alleine auf diesem Berg namens Misery Mountain.“ Er liebt die Einsamkeit hier, gelegentlich unterbrochen durch Frauenbesuche, obwohl er doch so mit New York verwurzelt ist. „Es heißt: Hollywood zerstört dich und dein Talent. Aber die Literatenszene in New York macht dasselbe.“ Er bevorzugt jüngere Frauen, ist aber zu ungeduldig um eine längere Beziehung aufzubauen. „Mein Lieblingsregisseur ist, was viele wundert, Preston Sturges, denn mein Liebesleben ist eine screwball comedy.“ Seine Beziehungsprobleme begründet er mit seinen Kindheitserfahrungen: „Wer häuslicher Gewalt durch betrunkene Väter ausgesetzt war, tut sich schwer damit, anderen Menschen zu vertrauen.“

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HOMEPAGE: http://17thstreet.net/

Zu den Schauplätzen gibt es eine schöne Page unter: http://theboweryboys.blogspot.de/2014/03/the-alienist-by-caleb-carr-released-20.html

<img src=“http://vg08.met.vgwort.de/na/b5a87a59d1b14c6fa7223f148691dcf0&#8243; width=“1″ height=“1″ alt=““>

 

 

 



Ein Drehbuchautor besucht RTL-Redakteure by Martin Compart
19. August 2014, 4:44 pm
Filed under: Drehbuch, NEWS, Stammtischgegröle, TV, Waffenhandel | Schlagwörter:



DEUTSCHER TV-KRIMI-SCHROTT – WIE KANN ICH MITMACHEN by Martin Compart

2005 forderte mich der deutsche Drehbuchautorenverband auf, einen bösen Artikel aus Sicht der Autoren zu schreiben, Da der Verband ein Haufen von zeternden Opportunisten ist, die es sich ja nicht mit verantwortlichen Redakteuren verderben wollten, sollte ich aussprechen, was sie selbst nur bei bewusstseinserweiternden Rotweingelagen dem Nachbarn ins Ohr flüsterten.

Tat ich gerne. Und es wurde voller Freude und gegen das Honorar von ein paar Flaschen Wein (wohl eine durchaus übliche Währung unter Drehbuchautoren, die Plündrerei als affirmatives Einkaufen begreifen) in ihrer Hauspostille gedruckt, Dieser Verband schafft es bis heute nicht, Buy-outs vor Gericht als sittenwidrig einzuklagen. Erzählt mal britischen oder amerikanischen Autoren was von buy-outs; die würden das genau so wenig verstehen, wie durch Redakteursmühlen gejagte Drehbücher. Hier also, leicht bearbeitet, mein Elaborat (viel hat sich seitdem nicht geändert – eher zum schlechteren):

Das deutsche Fernsehen ist was Wunderbares: Jedes mal, wenn ich Hoffnung für den evolutionären Fortschritt der Menschheit empfinde, muss ich nur den Apparat anschalten und werde umgehend wieder zum Misanthropen, der Thomas Bernhard nachtrauert. Diese widerwärtige BRITT mit ihrer letzten übrig gebliebenen Nachmittagstalkshow (die unter Denkmalschutz gehört) führt täglich vor, was wir Kohl und Proll-Gert mit ihrer Parole MACHT KINDER IN DEUTSCHLAND zu verdanken haben. Gehirnamputiertes Lumpenproletariat, das sich in Talk-Shows setzt und beklagt, dass soziale Ämter ihre Videothekenrechnungen nicht übernehmen. Aber die Wirtschafts- Hämorrhoiden Birne+Gert wussten sehr wohl was sie taten, als sie bei zunehmender Arbeitslosigkeit zur Vermehrung aufriefen. Bei technologiebedingten Rückgang der Erwerbsarbeit kann zunehmende Bevölkerung nur zum Systemumbau führen. Ich überlasse Gore Vidal das Wort: „Obwohl junge Männer ermutigt werden, früh zu heiraten und viele Kinder in die Welt zu setzen, damit mehr Menschen leiden müssen, wenn sie wegen Ungehorsams gefeuert würden…“ Die Einführung des kommerziellen Fernsehens war ein wichtiger Schritt für die Verblödung und die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Aber das ist ein anderes Thema, das man ausführlicher behandeln muss. Hier geht es jetzt mal um Inhalte. Wachstum bedeutet bekanntlich die ständig steigende Produktion unnützer Dinge. Und da war (dank der Krise ist nicht mehr soviel Geld da)und ist die deutsche Fernsehserie (ein eigenes Genre) ein tolles Produkt. Von LINDENSTRASSE bis SOKO – hat man je größere Scheiße gesehen? Es muss einen Grund dafür geben, das deutsche TV-Serien so erbärmlich sind.

Stellen wir uns folgende, fantastische Szenen vor: Joel Surnow bietet die Konzepte von 24 oder LA FEMME NIKITA deutschen Sendern an, oder: Brian Clemens das Konzept zu MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE, oder: RoyHuggins das Konzept zu AUF DER FLUCHT, oder: Jimmy McGovern das Drehbuch zu CRACKER (FÜR ALLE FÄLLE FITZ), oder: Stephen J.Cannell das Konzept zu WISEGUY. ( Heute müsste man Serien nennen wie SPOOKS, MAD MEN, DEADWOOD, RIPPER STREET, BREAKING BAD(die soll gerade für das ZDF vom haarprächtigen Nico H., dem Verweser deutschen Halbwissens, kopiert werden – mit einem GELDFÄLSCHER statt eines Amphetamin-Kochs!), SHIELD, THE WIRE, AMERICANS , HOMELAND, JUSTIFIED, TRUE DETECTIVE, PENNY DREADFUL usw.).

Man könnte das endlos weiter deklinieren. Was würde passieren? Wenn Sie nicht den Hauptwohnsitz im Darm des Programmchefs haben, würde dies passieren:

NICHTS.


Was für Tempo! Was für Dialoge! Welch ein suspense!

Mit etwas Glück bekämen oben genannte Herren Monate später eine Absage. Meist in schlichten Worten, die ausdrücken, dass der Zeichnende nichts begriffen hat und für den Rest seines Lebens in diesem problemlosen Zustand verharren wird. „Natürlich suchen wir immer gute Stoffe, aber momentan will der Zuschauer das von Ihnen Vorgeschlagene nicht akzeptieren.“

Großartige Logik!

Bevor es oben genannte Serien gab, wusste der Zuschauer bekanntlich nicht, dass er sie sehen will. Und: Wenn diese Quotenbüttel so genau wüssten, wonach der Zuschauer lechzt, warum reden sie sich dann die erbärmlichen Einschaltquoten schön?
Es ist kaum zu fassen, dass das großdeutsche Fernsehreich so gut wie nichts innovatives im Krimiserienbereich auf die Beine gestellt hat. Immer wurden nur die Konzepte aus anderen Ländern übernommen und teutonisch trivialisiert.

Angefangen beim legendären STAHLNETZ, das bis zur Titelmusik adaptiert wurde. Das trifft sich natürlich mit den literarischen Leistungen: Die deutsche Populärliteratur hat bekanntlich im Crime-Bereich ihre Hochleistung erbracht, als sie in den 1950-ern einen amerikanischen Helden zum Synonym für Krimi-Unterhaltung machte: Jerry Cotton (geschrieben von Autoren, die New York nur vom Globus her kannten).

Originär war die deutsche Pop-Kultur nur in der Erfindung eines Genres, nämlich des Heimatromans (abgesehen vom schwulen Abenteuerroman durch Karl May). In diesem Genre waren dann auch die TV-Leistungen befriedigend.
Die Familienserie, letztlich ein Subgenre des Heimatromans, hat bis heute unerreichte Maßstäbe gesetzt in den UNVERBESSERLICHEN. Strombergers Serie konnte durchaus mit britischen Kitchensink-Produktionen mithalten.
Dieter Wedel war großartig in diesem Genre (SEMMELINGS). Aber versuchte er es im CRIME-Genre (V-MANN, DER KÖNIG VON ST.PAULI), scheiterte er kläglich.

http://www.amazon.de/Crime-Lexikon-Krimi-Serien-Martin-Compart/dp/3929470179/ref=sr_1_14?s=books&ie=UTF8&qid=1411487444&sr=1-14&keywords=martin+compart

Großes Unheil richtete natürlich Herbert Reinecker an, der nach unausgegorener Simenon-Lektüre mit dem KOMMISSAR das Fernsehbild der deutschen Krimi-Serie für lange Zeit prägte. Alle heutigen Kommissarinnen oder Schimanskis sind krampfhafte Versuche einen Gegen-Reinecker zu produzieren. Originalität ist nur zulässig, wenn sie der Charakterisierung der Detektivfigur dient: „Er könnte ein
lustiges Hütchen tragen“, oder: „Machen wir ihn doch zum allein erziehenden Vater“. Dass die Konzepte immer dieselben sind, liegt an einer simplen Tatsache, die von der Pisa-Studie unterstrichen wird: Redakteure und Produzenten kennen das Crime-Genre mit seinen zahlreichen Facetten nicht. Das ist so, als würde man einen Analphabeten auf einen Lehrstuhl für Literaturwissenschaft berufen.

Halt! Der Gerechtigkeit halber darf eine echte deutsche Innovation nicht verschwiegen werden: der TATORT. Innovativ war ein Reihenkonzept, in dem Serien mit regionaler Identität gezeigt werden. Das war besonders zu Beginn faszinierend (als man etwa mit Zollfahnder Kressin einen hedonistischen Helden zuließ).
Heute ist die meist miese Qualität der einzelnen Folgen kaum noch auszuhalten. Wahrscheinlich liegt es nicht mal an den Autoren. Einige mir bekannte Redakteure sind so dämlich, dass sie jeden stringenten Plot zerstören oder aufweichen bis nur noch Schwachsinn übrig ist.

In gewisser Hinsicht war auch ALARM FÜR COBRA 11 innovativ, da die Serie deutsche Stunt- Arbeit auf internationales Niveau katapultierte. Frei nach dem Motto amerikanischer Action-Serien: 15 Stuntmen und kein Drehbuchautor in Sicht.
Das ist vielleicht ungerecht: Im Rahmen ihres Konzepts lässt das COBRA-Team gelegentlich nette Geschichten zu, so lange sie dem Verschrotten von Fahrzeugen nicht im Wege stehen. Wie die Produktion  es schafft diese dann an den Hirnentkerten von RTL vorbei zu schmuggeln, ist eines der großen ungelösten Rätseln des Universums (ein Fall für GALILEO).

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ZWISCHENSPIEL: WER IST DIESER MANN?
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Er nennt sich Klaus Bassiner und ist Programmchef beim Quality-Sender SERVUS TV, einem virtuellen Ableger von Red Bull – und nur anzusehen, wenn man ganz viel Vodka mit ganz wenig Red Bull getrunken hat. Zuvor trieb er Jahrzehnte sein Unwesen als Serien-Redakteur und Serien-Chef beim ZDF als eine der Speerspitzen der Inkompetenz. Er versuchte dies geschickt zu tarnen, indem er ein damals in Deutschland noch unausgereiftes Produktionsmodell kultivierte, das von den schrecklichen Eigenproduktionen, die er zu verantworten hatte, ablenken sollte: Er nahm Gebührengelder des ZDF und beteiligte sich an internationalen Produktionen, bei denen er nicht mitreden durfte. Zum Glück!
Dadurch hat dieser Geistesriese auf seiner schmierigen Tanzkarte heute Credits als Co-Producer von:
JACK TAYLOR, DIE BRÜCKE, WALLANDER, KOMMISSAR BECK, DAS VERBRECHEN, TITANIC, DIE BRÜCKE, JAN FALK, FRANK RIVA, COLLECTION FRED VARGAS, AURELIO ZEN usw.
An international Player! Donnerwetter!
Das nennt man wohl Scheckbuch-Produktion. Interessant wäre es zu wissen, ob er für diese credits, die er sich als Festangestellter des ZDF verschafft hat, Royalties erhält (als Prozente bei Wiederholungen oder Verkäufen).

Während seiner ZDF-Zeit hat er in Interviews Erkenntnisse von sich gegeben, die ihn heute noch als Guru der Serientheorie aufleuchten lassen:

„Man muss zwischen Serien im Format 45 Minuten und 90 Minuten unterscheiden.

Bei den 45-minütigen Serien sind wir allerdings sicherlich etwas genreorientierter und etwas typisierter.

Ich hab gerade eine Ko-Produktion mit der BBC gemacht, „Aurelio Zen“, da sind wir relativ spät eingestiegen, aber wir haben natürlich trotzdem unseren kreativen Input eingebracht. Man merkt auch, wie der Respekt in der Zusammenarbeit wächst, weil die merken: Die Leute reden keinen Unsinn. Die können ihr Handwerk.

Serie ist ein Kontinuitätsgeschäft.

Der Sendeplatz am Mittwoch ist schwierig, wegen der vielen Sportausfälle.“
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Okay also, mit innovativen Crime-Serien-Konzepten hat man bei deutschen Sendern keine Chance. Was sollte man berücksichtigen, wenn man ihnen trotzdem ein Serienkonzept aufs Auge drücken will? Nach meinen Erfahrungen folgendes:

1. Man sollte Verwandter eines Produzenten sein, der bereits viele erfolgreiche Serien für die Sender realisiert hat.

2. Man sollte bereit sein, möglichst alle Rechte an der eigenen Kreation abzutreten – bis hin zur Sittenwidrigkeit.

3. Man sollte darauf achten, dass sich das eigene Konzept nicht zu sehr von anderen Krimi-Serien des Senders unterscheidet. Statt einer 40-jährigen Kommissarin mit Menstruationsproblemen als Hauptfigur zu nehmen, sollte man andererseits mutig genug sein, eine 45-jährige Kommissarin mit Menstruationsprobleme ins Zentrum der atemberaubenden Handlung zu stellen.
Die dreidimensionale Charakterisierung sollte folgende Tiefen nicht unterlaufen: In seiner Freizeit geht unser Held gerne zum Fußball. Oder: Ihre Arbeit als Kriminalistin belastet schon mal den Ehealltag.

4. Man sollte einen Namen haben als viel beschäftigter Drehbuchautor, der pflegeleicht jeden noch so idiotischen Änderungsvorschlag eines Redakteurs begeistert aufgreift. Überhaupt ist eine Grundvoraussetzung – um einen mir bekannten Drehbuchautor zu zitieren – „so geschmeidig zu sein wie ein in Olivenöl eingelegtes Zäpfchen“.

5. Man sollte Geburtstage, Namenstage (auch des Hundes), Hochzeitstage, Jubiläen aller Entscheidungsträger kennen und über Jahre hin materiell pflegen (manchmal tut es schon ein 40 Jahre alter Malt).

6. Nie nachfragen. Auch nicht nach 20 Jahren. So erhält man sich die Option mit seinen unaufgeforderten Werken in Vergessenheit zu geraten und mal was Neues hinterher zu schieben.

7. Nicht wundern oder ärgern, wenn sich Elemente des eigenen Konzepts in einer anderen nagelneuen Serie 1:1 wieder finden. Auf Nachfrage erfährt man höchstens, dass sich das realisierte Konzept lange vor dem eigenen in der Entwicklung befand – schon zu einer Zeit, als Deutschland noch Kolonialmacht war.

8. Die Plots sollten nicht logisch sein. Das würde nur verwirren. Die intelligenteren Zuschauer sind ja eh längst zur DVD abgewandert.

9. Bei momentan angesagten Gerichtsmediziner- Serien sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Autopsieraum an einen Schrebergartenschuppen erinnert, der mit CSI-Ästhetik abfotografiert wird.

10. Angelsächsische Vorbilder nehmen und auf rechts drehen. Man nimmt das Konzept von BREAKING BAD und verharmlost einen Drogenkoch zum Geldfälscher. Aber zuvor muss man den Subtext entfernen! Der war bei BREAKING BAD: Das amerikanische Krankensystem erzeugt zwangsläufig Kriminelle. Bitte NIE Subtext. Daran scheitert jeder Redakteur. Denn der hält die farbenfrohe Kleidung von Thomas Gottschalck für dessen Subtext. Und der ist viel zu grell.

Mit diesen Tipps könnte es klappen. Aber eine
Garantie übernehme ich dafür nicht.
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3-Tatort-Kopfgeld[1]

Micky Maus Schweiger, der momentan lustigste TATORT-Ermittler. Wunderbar die Schusshände, wie bei NAVY CIS. Dahinter der liebevoll schützende Kommissar, den Arm um den Lustknaben. Schlecht zu erkennen, da wiedermal Kontrast fehlt. Eine Szene, die Action und Homoerotik gleichzeitig erfüllt. Geh nach Hause, Jack Bauer! Bei uns wird der Zuschauer gefoltert, nicht der Verdächtige. Weshalb Redakteure auch Zuschauer-Folterer genannt werden.
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Nachtrag:

Hinzu kommen grottenschlechte Regisseure ohne Inspiration, die immer dasselbe Licht setzen lassen und die oft unglaublich schlechten Schauspieler nicht führen können. Die Schere zwischen angelsächsischen, französischen (BRAQUO), dänischen und sogar belgischen (VERMIST) TV-Produktionen klafft nicht mehr weit auseinander, deutsche Produktionen existieren kaum am internationalen Markt. Man könnte sie höchstens für ein Bündel Bananen nach Sierra Leone exportieren. Und diese unfähigen Redakteure stehlen oder stahlen sich aus ihrer Inkompetenz, indem sie Dänen, Franzosen, Schweden oder Engländern Gebührengelder in den Rachen werfen um einen nicht verdienten credit als Mitproduzent einzuheimsen.

Schlimm ist auch, das z.Bsp. der heutige TATORT viel schlechter ist als die Reihe  in den 1970ern war. Damals war TATORT international auf ähnlichem Niveau wie die meisten angelsächsischen Serien, da (bis auf Serien wie SWEENY oder PROFESSIONALS) die Erzählweise langsamer war, ohne betulich zu sein. Außerdem waren die Drehbücher kohärent, da damalige Redakteure noch logisch denken konnten. Die angelsächsische Qualitätsrevolution, die bereits Anfang der 1980er mit Serien wie HILL STREET BLUES oder MIAMI VICE eingeläutet wurde, nahm man bei uns gar nicht zur Kenntnis.

Die Privaten kann man inzwischen vergessen, denn die müssen sich kaputt sparen und kriegen eh nichts mehr auf die Reihe (sie beschäftigen aus Kostengründen Freigänger von Irrenanstalten als Redakteure, die das entsprechende Publikum bedienen). Aber ARD und ZDF haben mehr Geld zur Verfügung als das Bruttosozialprodukt manches afrikanischen Staates (alleine die ARD-Anstalt WDR beschäftigt mehr Festangestellte als die gesamte BBC!). Was die abliefern ist trotzdem so was von grottig. Das oft beklagte geringere Budget gegenüber Amerikanern und Briten ist eine ihrer üblichen Lügen (die Abteilungen für das Formularwesen können doch nicht den ganzen Serien-Etat auffressen – oder etwa doch?).

Aber vielleicht helfen die Erklärungen des ehemaligen LINDENSTRASSEN-Redakteurs (da kann keiner unbeschadet rauskommen) und jetzigen TATORT-Koordinators („..der mächtigste Mann im „Tatort“-Reich…“, SPIEGEL ONLINE)Gebhard Henke, warum die öffentlich-rechtlichen Crime-Serien so unglaublich schlecht sind.
henkeGebhard102_v-TeaserAufmacher[1]

Aus einem SPIEGEL ONLINE-Interwiew:
Henke:„Als „Tatort“-Verantwortlicher treibt man quasi die ganze Zeit im Säurebad der politischen Korrektheit.“

„…Was Sie als Eintönigkeit kritisieren, nenne ich Sti.“ Bemängelt wurden die ewig selben Regisseure und dämlichen Plots.

„Sie unterschätzen, wie schwierig es ist, einen „Tatort“ mit Brisanz anzufüllen, ohne ständig das Publikum zu überfordern.“ Mein Gott! Hätte David Simon so gedacht, hätte es THE WIRE nie gegeben. Und keine der anderen oben aufgeführten internationalen Serien. Wie sagte schon David Chase, Erfinder der SOPRANOS: „Nicht jeder Zuschauer muss alles verstehen.“

„Ich sehe mich eher als Markenschützer. Und ohne die gewissen Erneuerungen würde die Marke „Tatort“ an Relevanz verlieren.“ Genau darum geht es: Das waschmittel muss im Regal verfügbar bleiben, auch wenn es verfault.

Für das deutsche Crime-TV gilt Rolf Giesens unsterblicher Satz über den deutschen Film:

„Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht.“

http://www.amazon.de/Von-Alf-U-N-C-L-E-Anglo-amerikanisches-Kult-/dp/3884745107/ref=sr_1_12?s=books&ie=UTF8&qid=1411397919&sr=1-12&keywords=martin+compart

 

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FLASHMAN FOR FREE – Noch eine Woche by Martin Compart
9. August 2014, 4:27 pm
Filed under: FLASHMAN | Schlagwörter:

Nicht, dass mir nachher einer kommt und sagt, er hätte davon nichts gewusst.

http://www.kueblerverlagshop.de/Aktion-Flashman/

flashman[1]

Foto 5
Verfassungsschutz bittet um Mithilfe: Wer kennt diesen Geschmacks-Terroristen (vermutlich ein Leser angelsächsischer Bekenntnisliteratur)?