Martin Compart


ICH BEFEHLE – EIN UNGERN-STERNBERG-ROMAN by Martin Compart
7. Juni 2011, 10:12 am
Filed under: Bücher, Film, Nazi, Politik & Geschichte, Ungern-Sternberg | Schlagwörter: ,

Im rechts esoterisch ausgerichteten Regin Verlag wurde der 1938 erschiene Trivialschmöker ICH BEFEHLE von einem Berndt Krauthoff neu aufgelegt. Es behandelt auf sehr freie Art das Leben des blutigen Barons Ungern-Sternberg (u.a.wird ihm eine tragische Liebesgeschichte angedichtet). Da dieser Roman heute teuer in Antiquariaten gehandelt wird, ist es erstmal erfreulich ihn für Interessierte wieder zugänglich zu machen.
Ergänzt wird die Neuausgabe durch ein Theaterstück KREUZZUG 1921 von Michael Haupt) und einem Nachwort von einem russischen „Ungern-Sternberg-Experten“, der auf Teufel-komm-raus die faschistische Ideologie zu leugnen versucht.

Kusmin behauptet allen ernstes, der Roman sei weder „deckungsgleich mit den ideologischen Standpunkten des 3.Reiches noch vertrete er „unmittelbare politische Propaganda“. Das begründet er mit Ungerns monarchistischen Haltungen und dem Respekt „den Nationen Asiens gegenüber“. Im 3.Reich wurde aber geradezu ein Kult um feudalistische Fürsten in Romanen und Filmen verbreitet. Und sowohl Tibeter wie Japaner (immerhin ein Verbündeter) waren hoch angesehen und ihre verquaste Kriegeresoterik und autoritärer Lamaismus von Himmler und seiner Ahnenerbe-Gang mystifiziert. Propagandistisch werden Japans Interessen im Fernen Osten und besonders der Mongolei durch ein behauptetes Pan-Asiatentum fälschlich dargestellt (es ging den Japanern, wie den Deutschen, um ihre Idiotenideologie vom Übermenschentum, um Raub von Bodenschätzen und Landnahme). Die Japaner strebten auf dem asiatischen Festland nie etwas anderes an als eine imperiale Vormachtstellung. Der irre Baron (genau wie seine Kumpane Semjonow und Kalmykow) waren nichts anderes als nützliche Idioten für die Interessen des Kaiserreichs – auch wenn jemand wie der Baron gelegentlich aus dem Ruder zu laufen drohte. Was degenerierten russischen (oder baltischen) Adel mit Japan und Deutschland verbindet, ist der Irrglaube an die Überlegenheit der eigenen Rasse oder Klasse.

Im weiteren Verlauf seines Aufsatzes weist Kusmin auf die zahlreichen historischen Fehler in Krauthoffs Roman hin.
Der interessanteste Teil ist Kusmins kurzer Abriss des Lebens von Ungern, da er sich auf russische und mongolische Dokumente stützt, die im Westen schwer zugänglich sind. Aber alles in allem ist dieses mangelhaft edierte Werk eher eine nette Zusatzlektüre zu Palmers Biographie.

Letztlich ist diese Edition kein Ruhmesblatt für den Verlag. Wenn dieser schon den 125.Geburtstag seines „Helden“ mit einer Neuedition von Krauthoffs Machwerk abfeiert, hätten die Lektoren zumindest einen Aufsatz zu diesem unbekannten Autor und der Rezeptionsgeschichte des Buches beisteuern müssen. Denn über den Autor erfährt man weder etwas im Netz, noch in den einschlägigen Lexika. Wer war er? Wie kam es zu diesem Buch? Warum gibt es kein weiteres Buch von ihm? Die Antworten auf diese Fragen wären bestimmt spannender als Krauthoffs Primärtext (der es immerhin zu einer amerikanischen Übersetzung in kleiner Auflage gebracht hat). So wie es ist, erinnert die Ausgabe eher an eine unkritische Fan-Edition. Man findet auch keinen – längst überfälligen – Artikel zu Ungern-Sternberg in der Populärkultur: Schließlich wurde er in Comics (Corto Maltese), zahlreichen Romanen, Thrillern (Daniel Easterman), Filmen (Sie nannten ihn Sukhe Bataar) und Fernsehserien verewigt. Der französische Filmproduzent Bober versuchte in seiner Berliner Zeit in den 1990er Jahren ebenfalls einen Film über Ungern-Sternberg auf die Beine zu stellen. Regie sollte Lars van Trier führen und die Hauptrolle Willem Defoe spielen (der aber in Berlin absagte, nachdem er van Trier-Filme angesehen hatte – was man unschwer verstehen kann). Das (mir vorliegende) Drehbuch stammte von dem in Berlin lebenden Exilschriftsteller Friedrich Gorenstein (der bei uns vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Tarkowski bekannt ist). Durch den Autor, Journalisten und Filmkritiker Ulrich von Berg war ich persönlich damals kurzfristig an dieses Filmprojekt heran geführt worden.

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Bei Ungern-Sternberg sollte man unbedingt auch auf das Buch Dimitri Alioshin: Asian Odyssey (New York 1940) verweisen. Ein persönlicher Bericht aus allernächster Nähe. Ist leider nur über Fernleihe in Bibliotheken zu beziehen.

Kommentar von Frank Westenfelder




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