Martin Compart


Manchettes Schlüsselwerk by Martin Compart
14. März 2019, 9:24 pm
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MiC über KILLER STELLEN SICH NICHT VOR, einem Schlüsselwerk von Manchette, auf: http://zerberus-book.de/2019/03/14/killer-stellen-sich-nicht-vor-roman-als-aufklaerung/



KLASSIKER DES NOIR-ROMANS: LEO MALETS SCHWARZE TRILOGIE by Martin Compart
19. Januar 2019, 1:55 pm
Filed under: LEO MALET, Noir, NOIR-KLASSIKER, Politik & Geschichte, Rezensionen | Schlagwörter: , , ,


Jean Fraiger, der Ich-Erzähler des ersten Bandes, ist alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse. Absolut asozial und voller Hass auf eine Gesellschaft, die ihn offensichtlich von den vollen Futterkrippen fernhält, hat er ihr den Kampf angesagt. Im Grunde hat er kleinbürgerliche Bedürfnisse und auch ein bourgeoises Normensystem verinnerlicht. Aber als ideologische Rechtfertigung für seine kurzfristige Bedürfnisbefriedigung hat er sich den Anarchisten angeschlossen, um dort als radikaler Anhänger der „illegalen Aktionen“ gewalttätige Umverteilung durch blindwütigen Aktionismus vorzunehmen.

Die blutrünstigen Aktionen reißen ihm bald sein Mäntelchen runter und schließlich verlässt er den mehr schlecht als recht gezimmerten ideologischen Überbau, um sich ganz seinen kriminellen Neigungen hinzugeben. Dabei natürlich immer auf der Suche nach dem bürgerlichen Paradies. Die jahrelang angebetete Frau, deren Bezugspersonen er mehr fahrlässig als geplant vernichtet, ist für ihn ebenfalls nichts anderes als Besitz.

Geradezu höhnisch führt Malet uns in seinem wahrscheinlich besten Buch vor, wie die anarchistische Bewegung der 20er und 30er Jahre am bürgerlichen Bewusstsein ihrer Anhänger scheiterte, was wohl vor allem Schuld des Flügels der „illegalen Aktion“ war. Parallelen zum Auseinanderbrechen der bundesrepublikanischen Linken in den frühen 70er Jahren drängen sich auf. Auch wenn bei der RAF, anders als bei Malets Helden, Mord und Zerstörung aus einem – wie auch immer gearteten – sozialen Engagement entstanden.

Die französische Kriminalliteratur, wurde schon sehr früh durch extreme Rebellion und anarchistische Elemente geprägt. Die Popularität des äußerst unbefriedigend sozialisierten Meisterdiebs Arsène Lupin Anfang des Jahrhunderts oder die anhaltende Verehrung für FANTOMAS, den nihilistischen Anarchisten schlechthin, haben ihre Spuren hinterlassen. Anders als die frühen angelsächsischen Verbrecherhelden, wie etwa Raffles, die gesellschaftlichen Normen akzeptierten, zeigten die französischen Anarchos eine tiefe Verachtung für die herrschenden Systeme.

In den 5oer Jahren, als Malet durch seine Burma-Romane als eine Art französischer Peter Cheyney galt, ging die französische Kriminalliteratur konservative Wege: auf der einen Seite wurde der Gangster als bürgerlicher Held romantisiert, auf der anderen Seite wandte man sich mit  Psycho-Thrillern der Innenwelt zu. Bei uns fast völlig unbeachtet, hatte sich seit den 7oer Jahren in Frankreich eine neue Garde von Autoren etabliert, die den französischen Kriminalroman mit schwarzer Weltsicht und literarischen Experimenten zu einer neuen Blüte gebracht haben. Der Dynamo dieser „neuen Welle“ war Jean-Patrick Manchette, der einige der bösartigsten Bücher der gesamten Kriminalliteratur geschrieben hat.

Aber der Großvater des französischen Noir-Romans ist, wenn man FANTOMAS als Urahn akzeptiert, Leo Malet – und zwar nicht mit seinen ungleichmäßig und oft, was man ihnen anmerkt, zu schnell geschriebenen Nestor Burma-Romanen, sondern mit seiner Schwarzen Trilogie, die er Mitte der 40er Jahre schrieb und nicht von ungefähr im Verlag „Scorpion“, in dem auch Boris Vian erschien, veröffentlichte.

Diese absolut schwarzen Bücher, voller Wut, Hass und einer seltsam berührenden Zärtlichkeit, gaben für die späteren Autoren den Ton vor und etablierten das Politische System endgültig und unwiderruflich als das Böse schlechthin. Das Böse, das auch kein Protagonist des Kriminalromans besiegen konnte.


Selbst der französische Film konnte seine Starvehikel davon nicht freihalten (man denke nur an den FALL SERANO oder I WIE IKARUS und…und…und… Ein Millionenpublikum goutierte diese Sicht der Gesellschaft – was einen Autor wie Manchette für viele Jahre das Schreiben aufgeben ließ, weil er seine politische Zielsetzung, die er mit dem Schreiben von Kriminalromanen verfolgte, durch Akzeptanz und Konsumierbarkeit in ihr Gegenteil umkippen sah.

Auf ästhetischer Ebene formulierte Malet einen ähnlichen Widerspruch, wenn er als ehemaliger Surrealist konstatierte, das sich das Romanschreiben nicht mit dem surrealistischen Programm vereinbaren ließe.

Erst nach den 68er Unruhen und der Neuveröffentlichung der Schwarzen Trilogie 1969 im Verlag Losfeld, brachen Manchette und bald darauf auch eine ganze Reihe junger, begabter Autoren strategisch auf, um den Schrecken der bürgerlichen Herrschaft auf allen Ebenen, psychologisch, emotional, politisch, aufzuspüren. Sie entkleideten Paris jeder Gemütlichkeit, ohne aber auf die Faszination dieses Schmelztiegels zu verzichten, stöberten in der Provinz die absolut bösartigen Regionaldespoten und Kinderschänder auf und zeigten mit geballter Faust auf den machtgeilen Kleinbürger. Voller Zorn zeigten sie, wie leicht man den Schritt ins Verbrechen tun kann und wie ehrenwert der Krieg gegen eine korrupte Ordnung sei. Sie brüllten Hass auf die Ungerechtigkeitsordnung in brillant geschriebenen und höllisch konstruierten Kriminalromanen heraus und schreckten auch nicht vor dem scheinbar Absurden zurück.

Eben all das, was sie in der Schwarzen Trilogie schon vorgefunden hatten, die nichts von ihrer Aktualität verloren hatte und so etwas wie ein Manifest des Schwarzen Romans ist. Die Trilogie ist aktuell, indem sie am Anfang einer literarischen Strömung steht, die weiterhin fortwirkt. Sie ist auch in ihrem modernen Sprachgebrauch aktuell und liest sich fast so, als wäre sie heute geschrieben. Die schwarzen Nächte der Außenseiter unterscheiden sich wohl gegenwärtig nicht von den dunklen Obsessionen der Getriebenen der 30er Jahre.

Was die deutsche Edition angeht: sie ist hervorragend. Blendend übersetzt und im ersten Band hat man auch nicht das Nachwort von Francis Lacassin, einem der Großmeister der französischen populärkulturellen Kritik, vergessen.

Das Leben ist zum Kotzen

Die Sonne scheint nicht für uns

Angst im Bauch.

 

Nautilus-Nemo Press. Deutsch von Sarah Baumfelder und Thomas Mittelstädt; Andrea Jossen.



Kleiner Nachtrag zur neuen MANCHETTE-Verfilmung by Martin Compart
27. März 2015, 2:20 pm
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„Egal was die Kritik sagt: Ich halte die Verfilmungen von Chabrol oder Bral nicht für besser als die durch Delon und Deray. Von mir wird man kein schlechtes Wort über Delon hören; er hat mir mein Appartement bezahlt.“

Manchette in einem Gespräch mit MC.

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P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Monsanto vernichtet werden muss.



THE GUNMAN by Martin Compart
20. März 2015, 10:46 am
Filed under: Film, MANCHETTE, Noir | Schlagwörter: , , ,

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Würdigung zum Kinostart

von MiC

Die Poster sind online, ein neuer Trailer auch schon da und jetzt kommt der Film in die Kinos. Die Rede ist von THE GUNMAN, Pierre Morels loser Adaption von „La Position Tireur Couché“, dem letzten noch zu Lebzeiten erschienen Roman von Jean-Patrick Manchette. Allerdings machen Trailer und Pressetexte deutlich, mit der Vorlage hat der Film wenig gemein. (Auch wenn pünktlich zum Start die amerikanische Übersetzung von 2002, damals mit dem Titel THE PRONE GUNMAN veröffentlicht, nunmehr als Tie-in novel unter dem Filmtitel neuaufgelegt wird.)

Die Vorlage:  LA POSITION TIREUR COUCHÉ

73646_0[1]In einem Brief an Pierre Siniac sprach Manchette 1977 von einem Projekt über einen professionellen Killer. „Ich arbeite an einer Figur, die an und für sich völlig uninteressant ist, weshalb es sich im Wesentlichen um eine Stilübung handelt.“ Und was dies für Manchette bedeutete, hatte er in den Chroniken dargelegt,  „einen Roman noir heute zu schreiben heißt, ich mache es wie die Amerikaner, nämlich völlig anders, einer veralteten Form treu zu bleiben, heißt sie genau zu befolgen, ja sie zu achten bedeutetet sie ins Äußerste zu verdrehen. Genau das versuche ich in meinem neuen Projekt.”

Um Manchettes Ansatz zu verstehen, muss man sich seine Haltung zum Schreiben, zur Kunst, zur sozialen Wirklichkeit seiner Zeit, vor Augen führen. In Schlagworten: „Schreiben bedeutet für mich Broterwerb; der Roman noir ist die moralische Literatur unserer Zeit; er ist ein Produkt für den Markt, ein Nahrungsmittel, er entstand in den 1920-ziger Jahren, als Reaktion auf die Hochphase der Konterrevolution, die mit dem Zweiten Weltkrieg die Revolution endgültig besiegte.” Für Manchette hat der Roman noir seine wesentliche Formsprache in nur zehn Jahren, zwischen dem Erscheinen von RED HARVEST, Dashiell Hammett 1929, und THE BIG SLEEP, Raymond Chandler 1939, gefunden. Vierzig Jahre nach Hammett, Anfang der Siebziger des 20. Jahrhunderts zu schreiben, bedeutete für ihn, der sich politisch als ein marxistischer Anarcho bezeichnete, der neuen sozialen Wirklichkeit nach 1968 gerecht zu werden. Dazu gehörte für ihn auch die Hoffnung auf eine tiefgreifende, gesellschaftliche Veränderung, die letztlich enttäuscht wurde. Seine zweiten und dritten in der Serie noir bei Gallimard veröffentlichten Polars, L‘AFFAIRE N’GUSTRO (1971) und NADA (1972), waren hochpolitisch, mit Erscheinen von LE PETIT BLEU DE COTE OUEST (1976), seinem siebten Polar, begann Manchette bereits nicht mehr an die gesellschaftliche Veränderung, an einen Sieg der revolutionären Kräfte über den Kapitalismus zu glauben. Hoffnungslosigkeit machte sich breit.248681[1]

(Das Scheitern verzweifelter Aktionen Einzelner prägte seine letzten drei Polars. In „Le Petit Bleu“ irrt ein von den Produktionsverhältnissen entfremdeter George Gerfaut nach überstandenem Abenteuer und der Tötung von zwei Menschen und einem Hund, weiterhin im Kreis durch sein Leben. Die gefährlichen Erlebnisse haben keine charakterliche Wandlung bewirkt, höchstens eine geschmackliche Veränderung: er trinkt lieber Bourbon statt Whiskey. (Auch wenn die Werbung dem Konsumenten glauben machen will, es verhielte sich umgekehrt, die Wahl des Alkohols sei nichts weniger als eben das, eine Charakterfrage.) Im Jahr darauf erschien „Fatale „(1977) , hier metzelt die freiberufliche Killerin Aimee, nachdem sie den größten Coup ihrer Karriere an Land gezogen hat, die korrupten Bürger Blévilles, ihre Auftraggeber, dahin, um am Ende von einer Kugel wahrscheinlich tödlich getroffen ohne ihr Salär mit dem Fluchtauto zu verunglücken. N.B. Ein plötzlicher Ekel vor den Machenschaften der Bourgeoisie löste Aimees mörderischen Sinneswandel aus.)

Manchette mit seinem deutschen Übersetzer und Herausgeber 1988 in Gijon.

Manchette mit seinem deutschen Übersetzer und Herausgeber 1988 in Gijon.

Die neue soziale Wirklichkeit gebot Manchette, „ich bin ein unverbesserlicher Intellektueller und schäme mich dessen nicht”, eine neue Herangehensweise an den Polar. Seine literarische Inspiration fand er bei Hammett und Flaubert, sowie bei Guy Debord und der Situationistischen Internationale. „Situationistisch” an einen Roman noir heranzugehen, bedeutete für Manchette referenziell zu arbeiten. Das hieß einerseits, Genrekonventionen- und Stereotypen genau zu befolgen – wie der Basisplot in Tireur Couché „ein Killer will aussteigen, was seine Bosse verhindern wollen” oder die gewählte behavioristische Erzählweise, getreu dem Vorbild Hammetts in „Maltese Falcon“ und „Glass Key“ –  andererseits entlehnte er seine stilistischen Ausflüge bei Flaubert und ließ in der völligen Verdrehung die Detournement-Idee von Debord erkennen.

Die Vorlage von „The Gunman“ ist daher nur scheinbar ein klassischer Roman noir, der Begriff Stilübung, der letztlich die Wiederholung, die Kopie bezeichnet, ist eine Untertreibung des Verfassers. Dieser Roman gehört ebenso in die Genreliteratur wie in die modernistische, experimentelle Literatur von Robbe-Grillet oder Perac. (Was für Manchette übrigens überhaupt kein Qualitätssiegel war. So schrieb er in einem Brief an Siniac, „literarische Ambitionen sind mir zuwider.”)

Im Gewand einer ausgelutschten Auftragskiller-Story, erzählt Manchette die kleinbürgerliche Sehnsucht von Martin Terrier, eines Außenseiters, der es allen die ihn einst schassten zeigen wird, wenn er nach zehn Jahren in den Heimatort zurückkehrt, um als gemachter Mann seine Liebste – die ihm auch noch für zehn Jahre die Treue verspricht – zu heiraten.43899_0-188x260[1] Ein schöner Wunschtraum. Natürlich ist die Liebste inzwischen verheiratet und lebt desillusioniert neben ihrem Ehemann daher. Sie trinkt zu viel, langweilt sich und vögelt herum. Mit dem Ausstieg aus seinem Killer-Job (den Terrier für eine mit dem französischen Geheimdienst assoziierte Gruppe ausübt, in deren Auftrag er Kommunisten, Anarchisten, sowie ehemalige Militärs aus dem damals noch existierenden Ostblock tötet), verliert er schrittweise die Kontrolle über sein Leben. Anhand der Figur des Martin Terrier, zieht Manchette nun den klassischen Noir-Plot auf links und übersteigert ihn bis ins Absurde. Dabei legt er nicht nur die Naivität und Borniertheit seines Protagonisten offen, sondern entlarvt zugleich unser kapitalistisches System. Kleinste Details summieren sich zu einer komplexen Geschichte, einer Situationsbeschreibung unserer Gesellschaft, die ein genaues Hinsehen erfordert. Der Autor macht es dem Leser nicht leicht. Auf das Innenleben der Figuren und ihre Motivation muss man anhand ihres Verhaltens und ihrer Aussagen schon selber schließen. Niederlage und Ausweglosigkeit bestimmen den Roman. Am Schluss steht ein großartiges und sehr böses Ende für den vollends gescheiterten Martin Terrier.

Der Film: THE GUNMAN

Aus Martin wird nun Jim, aus einem Ich-fixierten Aufsteiger mit einem klaren Ziel, wird ein Auftragskiller, der glaubt dem Guten zu dienen, der sozusagen aus Idealismus tötet, um das Böse zu bekämpfen – und der alle seine Einsätze filmt, damit er sich absichert – denn man weiß ja nie. Jim Terrier ist Mann mit Idealen und Gewissen, einer der tut, was getan werden muss, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Einer der mit sich hadert – ist Töten gut oder nicht doch böse? – und der doch nur ein bisschen Glück mit seiner Liebsten (er)leben will. Natürlich sind da seine Vorgesetzten vor. Die Schlimmen. Jetzt schlägt der Jim zurück und Regisseur Morel kann es krachen lassen. Hochkarätige Gesichtsverleiher garantieren bestes Entertainment: Javier Bardem, Idris Elba, Ray Winstone, und in der Hauptrolle der politisch sehr engagierte Hollywood-Linke Sean Penn, der als Star und Finanzierungsmagnet seine Weltsicht gleich schnell mit ins Drehbuch schrieb. – Danke, Sean, wir wissen es jetzt, setzen.

Der Film braucht die Vorlage nicht, die Vorlage braucht den Film nicht.

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Nach LE CHOC (1982) ist THE GUNMAN die zweite „Verfilmung der Vorlage“. Autorensohn Tristan-Jean, der unter dem Pseudonym Doug Headline selbst den Kreativen gibt, haut derzeit scheinbar die Verfilmungsrechte des väterlichen Oeuvres heraus: „Le Petit Bleu“ ist in Development, Christopher McQuarrie soll Regie führen, Colin Firth möglicherweise George Gerfaut spielen; dazu wird LAISSEZ LES CORPS BRONZES (1971), der Serie noir Erstling von Manchette, in Zusammenarbeit mit Jean-Pierre Bastid entstanden, von einem belgischen Filmemacherpaar in diesem Jahr in die Kinos gebracht. 9782070781492[1]Nach dem frühen Tod Manchettes, hat sich der Sohn um das Erbe des Vaters sehr verdient gemacht, in dem er die Chroniken, die gesammelten Filmkritiken, und sogar die Tagebücher der Jahre 1966-74 veröffentlichte, dazu Sonderausgaben und Monografien über Jean-Patrick Manchette anschob, und zusammen mit  Max Cabanes auch gleich zwei Comicadaptionen produzierte. (N.B. Offenbar in alter Verbundenheit aus Griffu-Tagen, hat Jacques Tardi mittlerweile drei Manchette-Romane als Comic adaptiert.) Irgendwie kann ich mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass die finanzielle Auswertung des Erbes vollends ins Zentrum von Juniors Streben gerückt ist. Auch wenn ein Film immer eine Interpretation der Vorlage ist und sicherlich von ihr abweicht, wenn nicht zwangsläufig abweichen muss, so stellt sich die Frage, warum diesen Film überhaupt so machen? Ein Killer der aussteigen will und mit seinem bisherigen Auftraggeber in Konflikt gerät, ist mittlerweile ein eigenes Genre. Dazu braucht man die Romanrechte nicht. Zudem ist die Anzahl der Manchette-Fans weltweit  überschaubar, der Vorverkauffaktor eher gering, selbst wenn durch Neuveröffentlichungen im letzten Jahrzehnt in Deutschland, den USA und in England, ein größeres Publikum, und damit eine neue Lesergeneration, gewonnen werden konnte. jpm[1]

Wäre gerade für Manchette-Fans nicht eine gewisse Werktreue reizvoll? Ist die Kritik an unserer kapitalistischen Gesellschaft heute nicht wichtiger denn je? (Die große Aktualität von Manchettes Polars überrascht den kritischen Leser nicht. Sie beziehen sich zwar auf Frankreich vor vierzig Jahren, nur hat sich wenig bis gar nichts geändert. Die herrschende gesellschaftliche Ordnung sorgt dafür. Halt! Etwas hat sich doch geändert: der Kapitalismus hat inzwischen die gesamte Welt vollends im Chokehold, eine gesellschaftliche Alternative ist völlig unvorstellbar. Die negativen Auswirkungen, wie Umweltverschmutzung, globale Erwärmung, drastische soziale Ungleichheit, Kriege um Ressourcen, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit, nehmen rasant zu. Proteste werden von Robo-Cops niedergeknüppelt. Schöne neue Welt. Danke Markt.)

Manchette-Junior pflegt das Erbe seines Vaters, indem er die Rechteverwertung managt und schön die Hand aufhält. Das sei ihm gegönnt. Vielleicht tue ich ihm aber auch Unrecht, und die französischen Produzenten von „Le Choc“ hielten die noch Rechte an dem Buch, oder der Verlag hatte seine Finger im Spiel, und sie haben diese meistbietend verkauft. Irgendeiner im Kollektiv der Niederträchtigen wird’s schon gewesen sein. Natürlich könnte man auch sagen, dass gerade diese Form der Verfilmung die totale situationistische Verdrehung ist – die völlige Antithese und zugleich auch Synthese, weil der Stärkere am Ende immer siegt – unabhängig seiner ideologischen Gesinnung.

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(Bei dieser Kritik folge ich dem Beispiel Hegels und Manchettes selbst – natürlich habe ich den Film nicht gesehen. Warum? Ich weiß auch so, wo von ich rede.)

What’s left when the dust has settled? –  Manchette liebte Parenthesen.

MiC, 19.03.2015

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P.S. Hier kriegt der Film nochmal richtig was auf die Nase: http://www.theatlantic.com/entertainment/archive/2015/03/the-gunman/388218/



Komickatapion von Noahr-Autor Joan Marie Mahnnkett in der ZDF-Kulturzeit by Martin Compart
20. Januar 2015, 7:19 pm
Filed under: Deutsches Feuilleton, MANCHETTE, TV | Schlagwörter: ,

Wer bisher geglaubt hat, die Deppen vom Lerchenberg sitzen vornehmlich in den Unterhaltungs- und Serien-Redaktionen, wurde eines Besseren belehrt:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=48828
1:45, die man gesehen haben muss, um es zu glauben.



MANCHETTE by Martin Compart
1. Februar 2012, 10:11 am
Filed under: Fotos, MANCHETTE | Schlagwörter: , ,

Wiedergefunden: Die Fotos mit Jean-Patrick Manchette und Walter Popp in Gijon 1988: