Martin Compart


R.I.P. – AND THANKS FOR ALL you’ve done for us, MR. CORNWELL by Martin Compart
15. Dezember 2020, 8:24 am
Filed under: JOHN LE CARRÉ, Politik & Geschichte, Spythriller, thriller | Schlagwörter: , ,




ENDLICH! DEMNÄCHST AUF DEUTSCH: JOHN MAIRs KLASSIKER DES POLIT-THRILLERS by Martin Compart

ELSINOR VERLAG: https://www.elsinor.de/elsinor/

INTERVIEW MIT DEM VERLEGER IN DIESEM BLOG (2016): https://martincompart.wordpress.com/2016/02/24/interview-mit-thomas-pago-verleger-des-elsinor-verlages/

JOHN BUCHANS DER ÜBERMENSCH: https://martincompart.wordpress.com/2015/01/09/thriller-die-man-gelesen-haben-sollte-der-ubermensch-von-john-buchan/

REZENSIONSEXEMPLARE unter: info@elsinor.de



NOIR-THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: TAMBERLAINE MUSS STERBEN VON LOUISE WELSH by Martin Compart

1593 ist London eine aufregende, unruhige Stadt. Ein verzweifelter Ort, bedroht von Krieg und Pest. Fremde sind hier nicht willkommen, aufgespießte Köpfe grinsen von der Tower Bridge. Der Stückeschreiber, Poet und Spion Christopher Marlowe hat noch drei Tage zu leben. Drei Tage, in denen er mit gefährlichen Regierungsvertretern konfrontiert wird, die ihr eigenes Süppchen kochen, mit Doppelagenten, mit Schwarzer Magie, mit Verrat und Rachsucht. Drei Tage, in denen er den mörderischen Tamburlaine sucht, einen Killer, der seinem eigenen, äußerst gewalttätigen Theaterstück entsprungen zu sein scheint. Tamburlaine muss sterben“ ist die abenteuerliche Geschichte eines Mannes, der Kirche und Staat herausfordert und entdeckt, dass es Schlimmeres gibt als die Verdammung.

TUMBURLAINE MUSS STERBEN
Aus dem Englischen von Wolfgang Müller
Verlag Antje Kunstmann, München 2005
144 Seiten

Christopher Marlowe schreibt höchst selbst in der ersten Person diese Epistel über die letzten 72 Stunden (oder vielleicht nicht?) seines fast dreißigjährigen Lebens, aus der dieser angenehm kurze Roman besteht.
Sie beginnt am 29.Mai 1593: „Ich habe vier Kerzen und eine Nacht, um diesen Bericht zu schreiben.“

Alles wird also aus Marlowes Perspektive erzählt. Ohne den Leser mit dem ansonsten so schwer erträglichen Verbal-Historizismus der üblichen historischen Romane zu quälen, gelingt Louise Welsh nicht nur ein ebenso brutales wie betörendes Zeitbild, sondern auch eine überzeugende Innendarstellung des sprachgewaltigen Gotteslästerers:

„Ich setzte die Welt des Theaters in Brand. Mein MASSACRE OF PARIS verließen Männer mit zuckender Fechthand… Und so pendelte ich zwischen zwei Reichen der Nacht und glaubte mich auf der Sonnenseite des Lebens… Ich bekenne, die Gesetze von Gott und Mensch ohne sonderliches Bedauern zu brechen.“

Er schreibt ohne Sentimentalität, „nicht als Beichte, sondern als Selbstvergewisserung und Zeugnis eines unbeugsamen Geistes“, wie Rolf-Bernhard Essig es in https://literaturkritik.de/id/8457 treffend ermittelte. Allein mit ihrer Sprache gelingt es Welsh die Spannung aufzubauen und hoch zu halten.

Er beendet seinen Bericht bei Sonnenaufgang des 30.Mai, dem Tag seines gewaltsamen Todes.

Leichtfüßig führt Louise Welsh den Leser in die grauenhafte Welt eines übermächtigen Staates, der schier willkürlich über Menschenleben verfügt, einem Land unter pandemischem Druck und Fremdenhass. “I do believe historical books should have a resonance now. Tamburlaine is very much about asylum seekers, and our attitude towards newcomers to this country, which I think is disgraceful. That was in the forefront of my mind when I was writing it.”

will-jamie-campbell-bower als Marlowe in der TV-Serie WILL

Angst und Schrecken eines historischen Raumes, der einige Ähnlichkeiten mit unserer Gegenwart aufweist, dringen in den Leser ein. Denn das Buch fesselt durch Sprache und Stil. Welsh gelingt etwas Seltenes: Sie macht Stil zum Spannungsmotor.

Als Thriller funktioniert TAMBERLAINE MUSS STERBEN wie Forsyths DAY OF THE JACKAL: Wir kennen das Schicksal der historischen Figur und den Ausgang der Geschichte. In kriminalliterarischen Kategorien gedacht, hat Welsh eine neue Variante erfunden: Der Roman ist ein „Who-is-he?“. Es sind Marlowes Volten, Gedanken, Beobachtungen, die den Leser durch die Seiten jagen.

Sie beschreibt Marlowe als bisexuellen Atheisten, der diesen Staat herausfordert (Historiker haben bisher keinen Beweis dafür gefunden, dass Marlowe – wie bei Welsh dargestellt – ein sexuelles Verhältnis mit Walsingham hatte).

Die Autorin hat sich zwar von Marlowes Sprache anregen lassen, tappt aber nicht in die Falle peinlicher Nachahmung. Sie schafft eine effektive Kunstsprache, die altertümlich anmutende Formulierungen einbezieht und modern erscheinen lassen. Ihre gewählte Sprache ist von schöner Klarheit. “I read a great deal of 16th-century literature to prepare for Tamburlaine.”

Louise Welshs Roman funktioniert auf mehreren Ebenen: als historischer Noir-Roman, Psycho- und Politthriller. Sie verbindet Fakten und Fiktion mit Conspiracy. Und als stilistisch beeindruckende Novella.

Christopher „Kit“ Marlowe ist eine der ungewöhnlichsten und faszinierendsten Figuren der Literatur; in vielerlei Hinsicht übt er eine ähnliche Attraktion aus wie Caravaggio in der Malerei.

Sein übler Ruf ist noch prachtvoll intakt.

Francis Walsingham

Im elisabethanischen England war er der Superstar des Theaters, diente in Walsinghams Secret Service und war ein berüchtigter Raufbold. Ein frühes Beispiel für einen Sex & Drugs ohne Rock´n Roll-Lifestyle. Noch vor Shakespeare machte er den Bösewicht zum Helden und revolutionierte damit das Theater. Ein  erster „der Hölle schwarzer Kundschafter“, der durch ein London (Shoreditch) streift, dass – ähnlich wie heute – von stolpernd betrunkenen oder sonstwie zugeballerten Zombies bevölkert ist.

Sein Tod gilt weiterhin als mysteriös, und eine Verschwörungstheorie behauptet, er habe ihn inszeniert, um anschließend in Italien Shakespeares Stücke zu schreiben. Eine andere, dass ihn Sir Walter Raleigh umbringen ließ, damit Marlowe nicht gegen ihn aussagen konnte.

Die Theorie, dass Marlowe seinen Tod vorgetäuscht hat ist auf dem zweiten Blick nicht so abstrus: Das Gasthaus, in dem er offiziell in Notwehr erstochen wurde, war ein Safe House von Walsinghams Geheimdienst. Der Tote in Marlowes Grab ist nicht Marlowe, sondern wahrscheinlich ein am Vortag von Marlowes Tod Gehenkter.

Jedenfalls fasziniert Marlowe bis heute – so auch Louise Welsh: „There are contradictions with Marlowe – this amazing ability to write, so passionate, so lyrical, and then the violence, which was present in the work and which we know to an extent was present in the life because we do know that he was involved in a murder charge. That contradiction is part of the attraction.”

Als ungewöhnlicher Charakter inspirierte Marlowe auch spätere Schriftsteller: Anthony Burgess schrieb über ihn in A DEAD MAN IN DEPTFORD (1993), Andreas Höfele in DER SPITZEL (1997), Dieter Kühn in GEHEIMAGENT MARLOWE (2007), Philip Lindsay in ONE DAGGER FOR TWO (1932), Wilbur G. Zeigler in IT WAS MARLOWE (1895), Herbert Lom (ja, der Schauspieler!) in ENTER A SPY (1978) und M.J.Trow schreibt seit 2011 eine ganze Serie mit Kit Marlowe als Detektiv und Geheimagent für Walsingham (bis 2019 sind zehn Romane erschienen).

„Man muss nicht Stil opfern, nur weil man einen Plot hat.“

Louise Welsh trat 2002 mit einem Paukenschlag auf die Bühne der Noir-Literatur. Mit DUNKELKAMMER (THE CUTTING ROOM) legte sie eines der beeindruckendsten Debuts der zeitgenössischen Noir-Literatur vor. In dem verstörenden Snuff-Roman schrieb sie einen schwulen, zynischen Flaneur als Amateurdetektiv, der in den perversesten Höhlen Glasgows wühlt und jede Tarnung der Stadt aufbricht.

Der Erstling wurde mit Preisen überschüttet, in zahlreiche Sprachen übersetzt und für die Bühne adaptiert. Eine Verfilmung (mit Robert Carlyle) war fast sicher.

TAMBERLAINE MUST DIE war ihr zweiter Roman, der alle überraschte, und klar machte, dass sich die Autorin keinen kommerziellen Erwartungen unterwerfen würde. Aber wie schon in DUNKELKAMMER ist auch hier die Reise wichtiger als das Ziel.

In der schottischen Literatur positioniert sie sich zwischen Schriftstellern wie Irvine Welsh und James Kelman auf der einen Seite und Denise Mina oder John Harvey auf der anderen. Also da, wo man auch den großen William McIllvanney verorten könnte.

Namensvetter Irvine Welsh sagte über Louise auf die Frage nach Verwandtschaft: „ No, she’s not, although funnily enough our mothers are very good friends! I think she is a very interesting writer. To my mind she is not really a crime writer. She is a very serious literary writer working in crime. She is a bit like Dostoyevsky in the way that she uses the existential thriller and the crime genre as a way of exploring individuals’ relationships with society.”

Ihre weiteren Romane (bis zur Pandemie-Trilogie) überzeugten durch Originalität. Die „überzeugte Glasgowerin“ („I live a very quiet life up in Glasgow. Though we do have the highest murder rate of any city in Europe.“) gibt ihrer Stadt eine neue, sehr düstere Perspektive, so dass die britische Presse von “gothic noir” spricht.

Und natürlich wurden auch Vergleiche mit Robert Louis Stevenson bemüht. Wie die meisten schottischen Autoren empfindet auch Frau Welsh eine Nähe zu Robert Louis Stevenson. Besonders natürlich zu seinen dunklen Seiten. Sie hat häufig über Stevenson geschrieben. 2016 sogar ein Libretto für die Oper THE DEVIL INSIDE (nach Stevensons Kurzgeschichte THE BOTTLE IMP), komponiert von Stuart MacRae.

DUNKELKAMMER strotzt vor Perversionen und auch TUMBERLAINE beinhaltet drastische Sex-Szenen. Warum so viel Sex in ihren Büchern?
„I do worry about it a lot. In the first book, there was a lot of sex. In Tamburlaine Marlowe has sex twice, but then it is a very short book… I think sex is really important. It reveals a lot about ourselves and is a way of opening up characters. I think books should have humour, and I think it’s a very hard book that doesn’t have a little bit of sex in it.“

Ohne Verklemmtheit nutzt die Autorin für diese Szenen gerne eine pornografische Sprache, was ihr schon zur Nominierung zum Literary Review’s infamous Bad Sex Award verholfen hat. Aber das beunruhigt sie nicht: „They’re just a load of old men having lunch. But, if I got it, I would pick it up for sure“.



NOIR-THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: FRANCIS RYCK by Martin Compart

Falls es einen französischen Thriller-Autoren gibt, den man als eine Art Vorläufer von Jean-Patrick Manchette und dessen durch Guy Debords
situationstische Theorie beeinflussten Romane ansehen kann, ist es wohl Francis Ryck.

Ryck wird in Manchettes CHRONIQUES nur kurz (empfehlend) erwähnt. Das wundert mich. Ich kann mich nämlich noch gut daran erinnern, wie wir nachts bei einer Flasche Brandy über Rycks virtuose Romane schwärmten.

Bei allen Unterschieden in ihrer Ästhetik verband die beiden Autoren doch einiges (nicht zuletzt grausame Verfilmungen, die die Substanz der Vorlagen zu zerstören trachteten).
Auch Ryck schrieb in einem behavioristischen Stil, den Manchette so propagierte.

Von seinen um die 50 Romanen sind lediglich 12 auf Deutsch erschienen (immerhin gab es eine deutsche Verfilmung: DER KUSS DES TIGERS von Petra Haffter). Bis auf jeweils einen Roman bei Scherz und bei Ullstein sind alle in der legendären Rowohlt-Thriller-Reihe erschienen.

Aus editorischen Gründen vermied es Rowohlt-Herausgeber Richard K.Flesch in seiner Reihe Spionageromane zu veröffentlichen. Deshalb ließ er einige Ryck-Titel aus.

Aber zumindest eine Ausnahme gab es: EIN SENDER IM GEPÄCK, der als Handlungsmotor den Kalten Krieg nutzt, um dann aber zu einem hochkarätigen Fluchtroman zu werden, der einen Vergleich mit Households Klassiker ROGUE MALE nicht scheuen muss.

Von den eigenwilligen, „reinen“ Spionageromanen, die Ryck in den 1960ern und 1970ern schrieb, ist nur ein weiterer in Deutschland veröffentlicht worden: ÜBERLEBEN SOLL KEINER… (Scherz Schocker 118), ein Agenten-Thriller, der sich höhnisch mit europäischen Freiheitsbewegungen auseinandersetzt und im Französischen PARIS VA MOURIR heißt.

Ryck war einer der unberechenbarsten Autoren der französischen Kriminalliteratur. Er war nie auf ein Subgenre festzulegen und drückte von Noir-Roman über Psychothriller und Gangsterroman bis hin zum Spionagethriller jedem Subgenre seinen unverwechselbaren Stempel auf.

Zu seinen Fans zählte auch Guy Debord, der „Großmeister der Situationisten“.

In seinem Buch CETTE MAUVAISE TÉPUTATION…, 1993, schrieb er, dass er im Werk von Ryck „mehr Wahrheit und Talent“ findet als etwa bei Le Carré.

Insbesondere in dem Roman LE COMPAGNON INDÉSIRABLE (FLIEH NICHT MIT FREMDEN, Rowohlt 1975). Es sei „eines der wenigen Bücher, das Licht in die heutige Welt bringen kann. 25 Jahre später ist es immer noch wahr. „ (die Verfilmung unter dem Titel LE SECRET/DAS NETZ DER TAUSEND AUGEN von Robert Enrico mit Jean-Louis Trintignant, Marlène Jobert und Pillippe Noiret gehört zu den gelungeneren Adaptionen eines Ryck-Romans).

EIN SENDER IM GEPÄCK erzählt die Geschichte des Russischen Top-Spions Yako, der zum Überläufer wird und für Geld und eine neue Identität bei den Briten auspackt.
Aber dadurch wird er auch zu einem Gejagten, dessen Flucht durch Frankreich der Hauptteil des Romans ist. Eine absolute tour-de-force an psychologischer und physischer Hochspannung.

Eines Tages werden sogar die Besten erwischt.
Yako, der russische Spion, hat aufgegeben und sich nun an die Briten verkauft.
Zwar gehörte er nie zu den Top-Leuten des KGB, aber er konnte den Briten genug erzählen, um eine neue Identität und 10000 Pfund rauszuschlagen.
Nun war er frei, konnte ein neues Leben beginnen.
Aber war er wirklich frei, solange ein anderer russischer Agent lebte, um ihn zu jagen?

Natürlich nicht.

Wie lange wird er durchhalten?

Allein gegen die riesige russische Maschinerie?

Nicht lange, das weiß er.
Aber Yako weiß auch, wie das Spiel läuft. Und Yako ist ein cleverer Kerl.
Aber als dann seine Spur aufgenommen wird, läuft alles ganz anders.
Yako flüchtet nicht nur vor und durch die feindliche Umwelt mit den gnadenlosen Verfolgern, sondern auch vor der eigenen Paranoia.

Es sagt viel über Rycks Fähigkeiten aus, dass der Leser diesem nicht besonders sympathischen Charakter folgt und mit ihm um sein erbärmliches Überleben zittert. Wenn Yako, begleitet von einem Hund, der sich ihm anschließt, durch die Wildnis flieht, atmet man geradezu die Landschaft ein und fühlt die Puste der Verfolger im Genick.

Die Aktion findet in den 1960ern statt, es gibt kein Handy oder GPS. Und das braucht es auch nicht.

Der Charakter von Yako, einsam, mit einem begrenzten Leben, ist auch heute noch komplex und faszinierend. Als Gejagter fürchtet er sich vor allen anderen, als erfahrener Spion wendet er alle Tricks an, um durch die schmalsten Risse des Jägernetzes zu schlüpfen. Als Mann muss er Menschen vertrauen, die er zufällig trifft.

Indem er mit dieser Dualität und diesen Widersprüchen spielt, konstruiert Francis Ryck fast ohne Dialoge einen Roman, in dem es darum geht zu erfahren, wer wer ist, wer wen verrät, wer wem hilft. In Form und Substanz war (und ist) dieser scheinbar trockene, schmucklose Roman eine Quelle der Inspiration für viele der neueren Thriller mit seinem entschieden (noch immer) modernen Stil.

Obwohl es ̶ wie gesagt ̶ nur wenige Dialoge gibt, hält Ryck dank seiner stilistischen Brillanz das gnadenlose Tempo hoch.

Der Roman erschien 1969 und wurde mit dem Grand Prix de Littérature Policière ausgezeichnet. Es gab sogar eine amerikanische Ausgabe unter dem schönen Titel LOADED GUN (Stein and Day, 1971). Ryck gehörte zu den wenigen französischen Thriller-Autoren, die in den 1970er Jahren (unregelmäßig) ins Englische übersetzt wurden.

DRÔLE DE PISTOLET, so der Originaltitel, wurde 1973 von Claude Pinoteau filmisch hingerichtet. Nicht mal Lino Ventura konnte diesen kinematographischen Kadaver retten. Zudem machte man aus Yako auch noch einen hochkarätigen Physiker (einer der wenigen Berufe, die man Lino nicht abkauft). Außerdem wirkt Ventura, dieser Inbegriff des „gehetzten Panthers der Großstadt“, in der Wildnis völlig fehl am Platze. Er ist eine Ikone des urbanen Lebens und wäre – im Gegensatz zu seinem Vorbild Jean Gabin – nicht mal als Landwirt glaubhaft.

Ryck selbst bezeichnete diese Verfilmung als eine elende Null-Nummer. Aus dem Filmtitel LE SILENCIEUX machte der deutsche Verleiher, um noch einen drauf zu setzen, den ebenso sinnlosen wie dämlichen Titel ICH – DIE NUMMER EINS.

Rycks Stil ist sehr filmisch, knapp an Adjektiven. Jeder Satz sitzt. Alles klingt wahrhaftig, die Figuren leben und bewegen sich in einer nachfühlbaren Welt – selbst wenn die Plots manchmal am Rande zum Surrealen stehen.
Es ist also verständlich, dass seine Romane das Interesse von Filmemachern erregten. Diese Adaptionen waren und sind von höchst unterschiedlicher Qualität. Häufig veränderten sie das Werk so stark, dass es fast ins Gegenteil kippte.

Die Verfilmung von DRÓLE DE PISTOLET ist dafür ein Beispiel. Einige der besseren Verfilmungen waren in den späten 1980ern und frühen 1990er Jahren Fernsehfilme (u.a. in der grandiosen Anthologie-Reihe SÉRIE NOIRE, 1984-89, von Pierre Grimblat für TF1 und Antenne 2; bei uns wurde sie nur einmal von RTL ausgestrahlt).

Wer war dieser Francis Ryck?

Francis Ryck wurde als Yves Delville am 4. März 1920 in Paris als Sohn einer Russin und eines Franzosen geboren und verbrachte seine ersten Jahre in einer bürgerlichen, aber unkonventionellen Familie.

„Als ich ein Kind war, ließ mich meine Mutter Schopenhauer lesen, danach Celine… Meine Mutter war Pianistin, sie wollte eigentlich Konzertpianistin werden. Ich war ein ungewolltes Kind. Sie haben wegen mir geheiratet. Mein Vater war auch noch spielsüchtig.“

Als junger Mann träumt er davon, am spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Aber der ist bereits beendet, bevor er seine existentialistische Polarisierung als Gesellschaftskonzept beendet hatte.

Nach kurzen Studien in Belgien und Paris – ohne Abschluss – bestritt er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten als Erdarbeiter, Steinbrucharbeiter, Landarbeiter, Schau-Turner, Handelsvertreter. Zusammen mit einem russischen Immigranten lebte er in einem selbstgebauten Ziegelverhau im Pariser Hafen.
Der erregte gesellschaftliche Zustand spiegelte sich in seiner Rastlosigkeit. Die Welt war im Umbruch. Alles schien möglich. Bevor die Nazis für das Kapital einen Frieden metzelten, schien sogar der Sozialismus in Frankreich erreichbar, auch wenn Spanien beim letzten Krieg zwischen Gut und Böse bewiesen hatte, dass das Böse als Sieger vom Platz gegangen war. Der Faschismus hatte den Totengräber zum Arzt erklärt.

1939 trat er in die Marine ein.

Er war Matrose auf dem Zerstörer Maillé-Breze, der am 30. April 1940 vor Greenock nach der zufälligen Explosion eines Torpedos sank. Als Kriegsgefangener simulierte er Wahnsinn, um den Lagern zu entkommen.
Zurück in Paris, 1943, heiratete er und zeugte zwei Töchter, Michèle und Dominique

Um sein Leben als Vagabund und Weltenbummler zu finanzieren, verrichtete er Jobs als Holzfäller, Matrose, Bauarbeiter, Plattenleger, Filmstatist oder Vertreter.

Schließlich ging er nach Lyon. „Ich lebte mit einer Tochter in Lyon. Etwa fünf Jahre als extremer Säufer. Ich fotografierte Babys. Es war eine schöne Zeit. Ich arbeitete zwei Stunden pro Tag, ich verdiente genug, um Hotelzimmer, Mahlzeiten, Kino und Suff zu bezahlen. Und ich war glücklich. Ich lebte einfach von Tag zu Tag!“

Er begann auch ernsthaft zu schreiben: „Damals schrieb ich meinen ersten Roman, AU PIED DU MUR, der 1957 bei Albin Michel veröffentlicht wurde. Zuvor hatte ich zwei oder drei Romane geschrieben, die kein Verlag haben wollte. An ihnen habe ich mich geübt.
Und dann schickte ich das Manuskript an Albin, ohne viel Hoffnung, dass es funktioniert. Endlich hat es funktioniert.“

Er übernahm als Pseudonym den Namen seiner Großmutter und veröffentlichte bei Albin Michel vier weitere Romane als Yves Dierick: LES BARREAUX DE BOIS, 1959, LA PANIQUE, 1962, PROMENADE EN MARGE, 1964 (dafür wurde er mit dem Grand Prix de la Société des gens de lettres ausgezeichnet) und LES IMPORTUNES, 1965.

Diese Bücher sind keine Thriller, sondern psychologische Romane voller Intrigen. Wesentlich ist sein kritischer, saurer Blick auf das Nachkriegsfrankreich, auf seine kleinbürgerlichen Illusionen, dem Geldkult und die moralische Verschmutzung durch wirtschaftliches Elend.

Nach einem Autounfall, der seine Bewegungsfreiheit einige Zeit einschränkte, begann er in der Rekonvaleszenz einen Kriminalroman zu schreiben.
„Ich sagte mir, warum nicht mal einen Thriller ausprobieren. Und dann realisierte ich, dass das Krimi- Ding mir mehr Geld brachte als literarische Bücher.“

Bei Presses De La Cité veröffentlichte er 1963 erstmals als „Francis Ryck“ den Roman LES HEURES OUVRABLES, der im Jahr drauf von Jacques Poitrenaud mit Louis de Funès als Gaunerkomödie verfilmt wurde (bei uns lief die Klamotte unter dem Titel BEI OSCAR IST ´NE SCHRAUBE LOCKER). Ja, das brachte sicherlich mehr Geld.

Er schrieb noch einen weiteren „Krimi“ und ging dann wieder zu Plon zurück um zwei weitere „psychologisch-literarische Romane“ zu veröffentlichen.

Ab 1966 veröffentlichte er in der „Série Noire“ bei Gallimard bis 1978 dann die 18 Thriller, die ihn zum einflussreichen Klassiker des französischen Noir-Romans machten.
Es wurde häufig darüber gerätselt, weshalb er von Gallimard wegging: „Ganz einfach. Ein anderer Verlag bot mir mehr Geld.“

Ryck sah sich als „Reisender auf den Straßen der Welt“ zwischen Spanien und
Indien, Tibet und Ceylon. Eine Zeitlang lebte er gar in einem Ashram in der
Provence. Sein starkes Interesse an asiatischen Kulturen und Religionen brachte ihn zeitweilig den Hippies nahe.

In den 1970er und 80er Jahren führte er zwischen Paris und der Provence ein Leben voller Exzesse, wenn er nicht auf Reisen ging.

Am Rande der literarischen Welt, deren Regeln er verachtete, lebte er häufig als Rucksacktourist oder bescheiden in Paris. Leute, die ihn kannten, nannten ihn „schwierig“.

Nach seiner „Gallimard-Phase“ arbeitete er verstärkt auch für die Filmindustrie. Er schrieb Originalskripte und polierte Dialoge.

In den 1990ern fand er noch Zeit, um neben seinen Romanen für sechs erfolgreiche Psychothriller mit Marina Edo zu kollaborieren. „Ich mochte das Mädchen. Es war immer lustig mit ihr.“

Er starb im Alter von 87 Jahren am 19.August 2007 allein in Paris.

„Er hat den Charakter eines Schweins, bringt dich mit Beleidigungen zur Weißglut und bringt dir dann ein Manuskript, das eine Emotion ausstrahlt, die dir den Atem raubt“,
sagte Patrick Raynal, ebenfalls Autor und von 1991 bis 2004 Herausgeber der „Serie Noire“ über ihn.

Seine Romane markieren einen Bruch mit der in den 1950er Jahren in Frankreich vorherrschenden Kriminalliteratur zwischen Psychothriller, Gangsterroman und Nachahmungen amerikanischer Muster.

In Rycks frühen Romanen spürt man bereits den „Wind des Wechsels“, der politisch dann 1968 über Europa hereinbrach. Ryck hatte ein Gespür für die Veränderungen, die sich im Bewusstsein der jungen Generation vollzog.

Seine Welt der Verbrecher, Außenseiter und der Spione griff Elemente des Neo-Polar vorweg. Er hat sich nicht atemlos an Trends angebiedert, sondern sie mittel- und langfristig gesetzt.

Er ließ Geheimagenten, ausgebrochene Gangster, Außenseiter, Jugendliche gegen die Stereotypen der bürgerlichen Kultur agieren.
Er schrieb über all die marginalisierten Menschen, denen er während seiner Wanderjahre begegnete: diese Gauner, Banditen, Räuber betrachtete er als Freunde, denn er hasste die Welt der engen Kleinbürger.

Und er brachte neues, scheinbar unvereinbares, in den Noir-Roman: in seinem ersten Gallimard-Thriller, OPERATION MILIBAR (1966), kommuniziert eine Frau telepathisch mit ihrem Mann.

Ryck scheute sich nie Tabus zu brechen, indem er gelegentlich mit parapsychischen Themen experimentierte oder die Welt der Geheimdienste auf andere, realistischere Weise behandelte als die den Spionageroman dominierenden Paul Kenny oder Jean Bruce.

Francis Ryck ließ sich auf kein Genre oder Sub-Genre festlegen und war immer für eine Überraschung gut. Er schrieb Spionageromane, Psychothriller, Gangsterromane, Abenteuerromane, Polit-Thriller und natürlich alle als Noir-Literatur, Romane aus dem düsteren Ryck-Kosmos.

Seine Kriminalromane atmen die Kritik an einer Gesellschaft, die an Boden verliert, ähnlich den Filmen der Nouvelle Vague.
„Meine Helden fliehen vor sozialem Erfolg wie vor der Pest. Sie sind die letzten freien Männer.“

Diese Helden sind Ausgegrenzte und Ausgeschlossene. Was nicht heißt, dass sie nicht höchst professionell in ihrem düsteren Gewerbe sind.

Ihr Lieblingsgebiet ist die Stadt, die Menschen entmenschlicht und zerschmettert, und noch mehr die düsteren Vororte, in denen sich die Wohlhabenden konzentrieren. So schön das offene Land ist, aber die Perversionen des urbanen Lebens verfolgen dich auch dort. Verbrechen sind nicht Ursachen, sondern Konsequenzen von Entwicklungen.

Der französische Kritiker Alexander Lous brachte das 2000 so zum Ausdruck:

„Immer wenn ein neues Buch von ihm erscheint (er hat mehr als vierzig seit 1957 veröffentlicht, von denen einige in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit Marina Edo entstanden sind), wissen wir nie genau, wohin er seine Leser führen wird: Rätsel-Roman, Noir-Roman, Abenteuer-Roman, Liebesroman, Psychothriller, Spionage-Roman… Und man weiß nie, in welchem Modus er seine fesselnden Geschichten erzählen wird, ob ernst oder parodistisch, romantisch oder desillusioniert, ikonoklastisch oder lustig, intim oder kochend vor Wut, über harsche Missbräuche und Exzesse der Politik, Industrie und Wissenschaft Auf der anderen Seite wissen wir immer, dass wir als Leser fast nie enttäuscht werden.“

Oder:

„Rycks harte und schnörkellose, ohne jegliche Sentimentalität erzählte Romane kreisen meist um verzweifelte, sich am äußersten Rand der Gesellschaft bewegende Figuren, die im Leben nicht mehr zurechtkommen und deshalb gewalttätig werden – mit fatalen Folgen, auch für sie selbst. Die Mehrzahl der Bücher spielt in „seiner“ Stadt Paris, deren Atmosphäre eindrucksvoll gezeichnet ist.“ (https://krimiautorena-z.blog/2018/11/07/ryck-francis-2/)

Jean-Patrick Manchette, der als Vater des Neo-Polar oder neuen französischen Kriminalromans gilt, meinte, Ryck sei ein „unbestreitbarer Präzedenzfall für ihn und alle Autoren, die beschlossen hatten, ihren Geschichten eine politische Dimension zu geben, die dem Anarchismus nahe kommt.“

Bibliografie:
(nach https://krimiautorena-z.blog/2018/11/07/ryck-francis-2/ )

Les heures ouvrables (1963)
Nature morte aux châtaignes (1963
L’histoire d’une psychose (1964)
L’apprentissage (1965)
Opération Millibar (1966)
Ashram drame (auch unter dem Titel ‚Satan S.A., 1966)
Feu vert pour poisson rouge (1967)

La cimetière des durs – ‚Alle Fäden in ihrer Hand‘ (1968)

Incognito pour ailleurs (1968)
La peau de Torpedo (1968)

Drôle de pistolet – ‚Ein Sender im Gepäck‘ (1968)

Paris va mourir – ‚Überleben soll keiner‘ (1969)

L’incroyant (1970)

Les chasseurs de sable – ‚Wie Sand zwischen den Fingern‘ (1971)

Le compagnon indésirable – ‚Flieh nicht mit Fremden‘ (1972)

Voulez-vous mourir avec moi? – ‚Wollen Sie mit mir sterben?‘ (1973)

Le prix des choses – ‚Der Preis der Dinge‘ (1974)

Le testament d’Amérique – ‚Die Testamentsvollstrecker‘ (1974)

Ettraction – ‚Sterben, das ist nicht so wichtig‘ (1975)

Le fils de l’alligator (1977)
Nos intentions sont pacifiques (1977)

Prière de se pencher au dehors – ‚Ehrlich währt am kürzesten‘ (1978)

Nous n’irons pas à Valparaiso (1980)

Le Piège – ‚Eine Falle für drei Personen‘ (1981)

Le nuage et la foudre (1982)
Le conseil de famille (1983)
Il fera beau à Deauville (1984)
Un cheval mort dans une baignoire (1986)
Autobiographie d’un tueur professionel (1987)
Requiem pour un navire (1989)
L’honeur des rats (1995)
Fissure (1998)
Le point de jonction (2000)
Le chemin des enfants morts (2001)
La discipline du diable (2004)
La casse (2007)
L’enfant du lac (2007).

Gemeinsam mit Marina Edo:

Les genoux cagneux (1990)
Les relations dangereuses (1991)
L’Eté de Mathieu (1992)
La petite fille dans la forêt (1993)
La toile d’araignée dans le rétroviseur (1995)

L’autre versant de la nuit – ‚Rendezvous fatal‘ (1996)

Mauvais sort (1999).




KLASSIKER DES NOIR- UND POLIT-THRILLERS: NELSON DEMILLE by Martin Compart

Kürzlich blieb ich in meiner Bibliothek nach langer Zeit mal wieder bei Nelson DeMille hängen, den ich immer geliebt und verehrt habe. Ich blätterte in einigen Romanen und war auf Anhieb wieder fasziniert von der Vielfalt seiner Themen, seiner schreiberischen Eleganz und überhaupt: seinem schriftstellerischen Können.

Angefangen bei der durchgeknallten Ryker-Serie (zuerst hieß sein Cop „Keller“) bis hin zu den Romanen um den Anti-Terroragenten John Corey, die mich – zugegeben – weniger beeindrucken als seine Non-Series-Thriller. „When I first introduced Corey in Plum Island, he was an NYPD homicide detective on medical leave, recovering from wounds received in the line of duty. At the end of Plum Island he’s medically retired, and that’s the last I expected to see of John Corey. My readers, however, felt otherwise, and thousands of fan letters arrived asking to see Detective Corey again. Reviewers, too, liked the character and wanted to see more of him. So I gave him a second career in The Lion’s Game and made him a contract agent with the Federal Anti-Terrorist Task Force, based on the real Joint Terrorism Task Force. This worked, and I also gave him a new wife, Kate Mayfield, a career FBI special agent whom he met on the job.
Together, John and Kate are hunting down terrorists in New York City, around the country and most recently in Yemen, in The Panther.”

In den 1980er Jahren war Nelson Demille so eine Art „Sidney Sheldon des denkenden Lesers“. Er ist ein Beispiel dafür, dass sich Bestseller und Millionenauflagen durchaus mit Niveau vereinen lassen. Der Autor sagte einmal stolz: „Meine Bücher sollen von einem Professor genauso verschlungen werden, wie von einem Handwerker.“

Heute schafft er es in den USA noch immer auf die Bestsellerlisten, aber in Deutschland ist sein Status in den letzten Jahrzehnten gesunken. Leider.

Für gutgeschriebene Thriller mit politischen Bezügen ist DeMille ein Garant. Egal, ob Noir-Romane, wie die Stryker-Serie, oder Polit- und Agententhriller – seine Romane sind von außergewöhnlicher Qualität. Sein Politologie-Studium bewahrt ihn vor allzu platten Fehlanalysen der jeweilig behandelten Gegenwartsproblematiken, die zeitgeschichtliche Bestseller oft so unerträglich dämlich machen.

Sein Talent für Charaktere, gut konstruierte Handlungen und Timing bewahren ihn auf der anderen Seite davor, langatmig und spannungslos durch die Seiten seiner voluminösen Romane zu kutschieren. Der Mann kann einfach keinen langweiligen Satz schreiben.

Als besonders prägende Einflüsse nennt er Hemingway und Graham Greene. Letzterer vor allem bezüglich der Darstellung exotischer Schauplätze. In seinen Büchern bemüht er sich stets darum, einen eigenen Kosmos zu schaffen. „You have to find a new story every time. But it has to fit with the character’s backstory and it has to fit with the job you’ve created for him.”

Gelegentlich treten Hauptfiguren oder Schurken aus früheren Romanen in Nebenrollen in anderen Romanen auf. Beispielsweise taucht Paul Brenner, der Protagonist aus THE GENERALS DAUGHTER auch in UP COUNTRY und THE PANTHER auf. Der Schurke Colonel Petr Burov aus THE CHARM SCHOOL scheint identisch zu sein mit dem Terroristen-Ausbilder Boris aus THE LION´S GAME und THE LION, der Coreys Erzfeind Asad Khalil trainierte.

Im Gegensatz zu den amerikanischen Kollegen bewundert DeMille die britischen Thriller-Autoren: „I like the way the British do. The British are into character. They are into dialog. Very clever phrases, and they’re into the ambience. The foggy London day. The steamy jungles of Burma. American writers – I won’t mention any names – who write the action/adventure stuff are more into the killing and the high-tech stuff. It’s very plot-oriented. My books are not plot-oriented. They’re character-oriented – sort of a slice of life, the way life could really be. Some of the books written now are either cartoonish or they’re missing something.”

Trotz seiner exakt recherchierten Handlungshintergründe, seiner stilistischen Brillanz, seiner runden Charaktere und seiner oft tiefschürfenden Handlungsführung sieht sich DeMille als reiner Unterhaltungsschriftsteller. Und da ist er zweifellos, einer der Besten.

…….Ein Engländer hat einmal gesagt, für ihn sei es leichter, Mitglied eines Clubs als Mitglied der menschlichen Rasse zu sein, denn die Satzungen seien kürzer, und er kenne alle anderen Mitglieder persönlich.
(aus GOLD COAST)

Über seinen Bestseller, IN DER KÄLTE DER NACHT, sagte er: „Ein bisschen so, als würde Jay Gatsby den Paten treffen.“ Wobei er wohl vergisst, dass Gatsbys Vermögen aus denselben Quellen wie das Geld der Mafia stammt. Der Autor zielte mit diesem Buch mehr als zuvor auf den Gesellschaftsroman, wohl durch eigene Erfahrungen an der Goldküste ausgelöst.

Auf den ersten hundert Seiten nimmt er sich viel Zeit, um seine Protagonisten und ihr Milieu zu charakterisieren. Die „Gold Coast“ ¬ so der Originaltitel ¬ im Norden Long Islands ist nach wie vor ein Ort der Reichen und der US-Aristokratie. Seit Jahren im Niedergang, wehren sich die alteingesessenen Familien gegen den Aufkauf ihrer kaum noch zu unterhaltenden Anwesen durch Yuppies und Börsenmakler. John Sutter, angesehener Anwalt, reich verheiratet und Nachkomme einer alten Familie und ein echter WASP, ist DeMilles Ich-Erzähler.
Glänzend zeigt er die Rituale auf, die diese wohlhabende, mumifizierte Klasse zur Existenzberechtigung braucht. Als eines Tages ein Mafia-Boss den Besitz neben Sutter erwirbt und Sutter als Anwalt gewinnt, nimmt die atemberaubende Handlung Tempo auf. In den USA schaffte der Roman – wie die meisten des Autors – den Sprung in die Bestsellerlisten. Das Milieu dürfte DeMille gut bekannt sein, da er seit langem dort lebt. Das Sequel mit demselben Protagonisten ist DAS VERMÄCHTNIS (THE GATE HOUSE), das DeMille erst 2008 nachlegte. „GOLD COAST ist wahrscheinlich mein bestes Buch. Die New York Times verglich es sogar mit Edith Wharton.”

Nelson DeMille wurde 1949 auf Long Island, New York geboren. Er promovierte in Politologie und Geschichte an der Hofstra University, New York. Inzwischen wurden ihm von drei Universitäten ihre Ehrendoktorwürde verliehen.

…..Es war eine beschissene Verantwortung, die man Unteroffizieren aufgeladen wurde, seit man ihren Rang bei den alten Römern geschaffen hatte.
(aus THE CANNIBAL)

1967 ging er als Offizier und Zugführer eines Infantrie-Platoons in den Kampfeinsatz nach Vietnam. Er wurde dreimal verwundet und mehrfach ausgezeichnet. Er erlebte die Tet-Offensive und kämpfte in Khe Sanh und bei der Schlacht um das A Shau-Tal (ein strategisch wichtiger Einstieg der Nord-Vietnamesen in den Ho-Chi-Minh-Pfad). „It was the A Shau Valley, where I saw the heaviest combat, more than the Tet Offensive for my unit anyway. Then at Khe Sanh we saw combat. My heaviest combat was the A Shau Valley. Why? I have no idea. This was a place where we lost about a third of the company, killed or wounded. It was a bad place, an area heavily controlled by the North Vietnamese regulars.
They had tanks – light amphibious tanks. We got attacked by two tanks. They came out of the jungle, from nowhere. We had air-assaulted into the valley by helicopter to set up camp. So, we were like making a beachhead … sort of like a Normandy thing. We got shot at from the beginning. Helicopters were going down around me. I was totally frightened. That was the only time I was frightened in Vietnam, really frightened. In a helicopter, you don’t have your feet on the ground, you know? Helicopters were getting hit by 57mm anti-aircraft (rounds). These things were exploding. I wanted to get on the ground. I don’t care who is shooting at me on the ground. I don’t want to be up in the air. You can’t do anything up there.”

……“Noch ein Buch! Ich möchte wetten, dass du schon
mal eins von diesen Dingern in einem Museum oder im
Fernsehen gesehen hast.Man macht Filme daraus.“

(aus WORD OF HONOR)

In Vietnam entwickelte er eine Leidenschaft, die über sein weiteres Leben bestimmend werden sollte:
„In der Army wurde ich ein leidenschaftlicher Leser. Ich weiß nicht, wo ich die Zeit hernahm, aber ich las all die Klassiker, die man eigentlich auf dem College lesen sollte. Nach der Armeezeit verschlang ich die Bestseller. DER PATE, DER WEISSE HAI, DER EXORCIST und die anderen Hits der frühen 1970er. Ich dachte mir, so etwas könnte ich auch hinkriegen. Ich wollte schreiben. Ich hatte große Schwierigkeiten mit Jobs nach den Erfahrungen in Nam. Nichts schien mir wirklich wichtig genug. Nichts interessierte mich.“
Er bestritt seinen Lebensunterhalt als Versicherungsdetektiv.

…..Falls ich meine Pensionierung erlebe, sagte sich Ryker, werde ich meine Sommer in der Antarktis verbringen, da auf einem isbeutel sitzen und nichts weiter als ein Unterhemd tragen.
(aus THE SMACK MAN)

DeMille schrieb 1974 und 1975 fünf Romane einer ultrabrutalen Cop-Serie um den New Yorker Polizisten Keller, alias Joe Ryker, der es vorzugsweise mit Kannibalen und unappetitlichen Serienkillern zu tun hat.
„Damals explodierte der Taschenbuchmarkt. Brutale Serien als Taschenbuchoriginalausgaben verkauften sich wie verrückt. Mit einer brutalen Serie hatte man sofort die Möglichkeit, publiziert zu werden.“
Auch wenn er sich heute für die Keller-Ryker-Serie ein wenig schämt: Sie gehört zu den besten Paperback-Original-Dirty-Harry-Serien der 1970er. Für mich ist sie die beste. Eine der bösesten Cop-Noir-Serien. Ein Klassiker.

Der große Durchbruch kam gleich mit seinem ersten dickleibigen zeitgeschichtlichen Thriller vor der Kulisse des Nahostkonfliktes: AN DEN WASSERN VON BABYLON (1978).

Mit jedem weiteren Buch versuchte DeMille einen völlig anderen Hintergrund und unterschiedliche Genres. „Einerseits halten dich verschiedene Leute für brillant, weil sich jedes Buch vom vorherigen radikal unterscheidet, andererseits läuft man bei Themenwechsel auch Gefahr seine Leserschaft zu verlieren.“

DIE KATHEDRALE (1981) war eine Art DER SCHAKAL, in dem der Papst ermordet werden soll. WOLFSBRUT (1984) ist ein Spionageroman über einen Maulwurf im Beraterstab des Präsidenten, der es jederzeit mit den Romanen von LeCarré aufnehmen kann, ihnen an Spannung sogar überlegen ist (was nicht viel heißt).

1985 erschien sein für viele Leser bisher bestes Buch: DAS EHRENWORT (WORD OF HONOR), in dem sich ein wohlhabender Vietnamveteran nach Jahren als Kriegsverbrecher vor einem Militärgericht verantworten soll.
„Das Buch war schwierig. Ich musste das Jahr 1968 genau rekonstruieren, was höllisch viele Recherchen verlangte. Aber ich fühlte, ich musste dieses Buch schreiben. Es ist der einzige Roman über einen Vietnam-Kriegsverbrecherprozess.“
DeMille gelingt in dem Buch eine präzise Bestandaufnahme der Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft während des Krieges. Und er bringt die Doppelmoral einer kriegerischen Nation auf den Punkt: „Dieser Tyson wurde nach Vietnam geschickt, um zu töten. Ein Kriegsgericht hätte demnach nicht zu entscheiden, ob er andere Menschen getötet hat oder nicht, sondern ob er die richtigen Menschen auf die richtige Weise umgebracht hat.“

TIME nannte den Roman „Das DIE CAINE WAR IHR SCHICKSAL der 80er Jahre“.
2003 wurde er mit Don Johnson für das Fernsehen (TNT) verfilmt (Dons Sohn Jesse Wayne Johnson spielte Dons Rolle als zwanzig Jahre jüngerer).

1997 kehrte DeMille nach Vietnam zurück. Daraus entstand der Roman UP COUNTRY (2002), in dem sein alter ego Paul Brenner den Mord an einem Amerikaner während der Tet Offensive untersuchen soll. Er unternahm die Reise mit zwei anderen Veteranen. „What happened was a magazine called – an online travel magazine that was owned by Microsoft. They wanted me to do a travel article about Vietnam, all expenses paid. I said, ‘Thank you … but I’ve been there all-expenses-paid before’.”

Politisch inkorrekt wie immer, liefert DeMille ein beeindruckendes Bild von Vietnam dreißig Jahre nach dem Krieg. Die Wunden sind nicht verheilt, egal wie oft Rambo auf die Pirsch geht.

Über den Russland-Thriller IN DEN WÄLDERN VON BORODINO (THE CHARM SCHOOL, 1988) schrieb die NEW YORK TIMES „Der beste und überzeugendste Thriller, der seit GORKY PARK über Russland geschrieben wurde.“ Ich persönlich halte diese Spionagegeschichte über Potemkinsche Dörfer für besser als den Megaseller von Cruz-Smith.

Auf einem Höhepunkt des Kalten Krieges war DeMille das Buch sehr wichtig: „Inzwischen ist es nach Ungarn und Polen verkauft. Ich habe meinen Agenten angewiesen, die Rechte in Osteuropa zur Not zu verschenken. Ich glaube, es ist eine gute Investition. Ein Friedensgeschenk.“ , sagte er damals.

Entstanden war der Roman nach einer Russlandreise, die DeMille 1987 mit seiner Frau unternommen hatte. DeMilles erste Frau Ginny arbeitete als Public Relations-Manager und lektoriert die Bücher ihres Mannes. Sie achtete besonders auf die weiblichen Charaktere und deren Glaubwürdigkeit. Sie haben zwei Kinder (mit seinem Sohn Alex schrieb Nelson den Roman THE DESERTER);

Nelson hat mit seiner zweiten Frau Sandy ein weiteres. Der Bestsellerautor lebt in Garden City, New York. “I’m now in my 70s, my wife is 50, and our younger son is 10, so we have to make peace with the three generations.”

Recherche und Reisen waren und sind für DeMille wichtige Voraussetzungen seiner Romane. Aber es ist seine literarische Umsetzung, die das authentische Empfinden vermitteln.

Der Kuba Deal von Nelson DeMille

Seinem bisher vorletzten Roman, THE CUBAN AFFAIR, der auch zurück in die 1960er Jahre führt, gingen mehrere ausführliche Besuche auf Kuba voraus. Die Regionen des mittleren Ostens hat er bisher nicht bereist.

Durchschnittlich braucht er zwei Jahre für ein Buch. Nach den Recherchen schreibt er es handschriftlich mit einem Bleistift nieder. Seine Assistentinnen, Dianne Francis und Patricia Chichester, schreiben die Texte dann in den PC (wenn sie nicht gerade für DeMille im Internet recherchieren).
„The first draft is a skeleton of what it’s going to be. Then I do a second draft, handwritten also. Then I do a third draft. Now it’s readable, at least to my assistants, and they will put it on the computer.”
Inzwischen arbeitet er in einem angemieteten Büro, unterhalb einer größeren Wohnung für Geschäftsbesprechungen und den Arbeitsbereichen der Assistentinnen: „If I’m here, I’m not doing anything else. There’s only one thing to do here and that’s write. Toward the end of a book, the last two months, you know that time is running out, so you work late into the night. I work till about 11 and Saturdays and Sundays. It’s like a term paper. You try to pace it, but you can’t. And you’re never ahead, you’re always behind. And you’re always behind because you don’t know when a book is going to end.”

Die Romane des liberalen Autors sind sarkastisch und meistens in der ersten Person geschrieben. Der Leser begleitet den Protagonisten, der ein „Rätsel“ löst oder einen Auftrag erledigt, ohne dass es für ihn persönlich ein Happy End geben muss. DeMilles Name ist für seine Leser (weltweit verkaufte er bisher um die 50 Millionen Bücher) zum Markenzeichen geworden, wie etwa der von Stephen King.
„My books are all different. People follow the name. You can’t follow the book because – other than the John Corey series, which is a series of stand-alone books – they are all very different… People today have a lot of options. They don’t have to put up with bad novels…. Now, you’re competing for people’s time. You’re competing for their beer money. You’re competing for their attention. You don’t need to make the reader suffer. The reader should be entertained. Also, the reader should learn something. My novels do teach. There’s a lot in there – factual stuff. It’s not non-fiction, but it could be non-fiction… You’re raising the consciousness level on some important subjects, through entertainment, through fiction.”

Für mich war und ist Nelson DeMille einer der größten und anspruchsvollsten Spannungsautoren überhaupt. Und unter den lebenden gehört er mindestens in die TOP 10… Eher in die TOP 5.


Fast alle seine Bücher sind auch auf Deutsch erschienen.

BIBLIOGRAPHIE (nach Wikipedia):

Joe Ryker-Serie (sie wurde später unter dem Pseudonym Jack Cannon wieder veröffentlicht):

The Sniper (1974)
The Hammer of God (1974)
The Agent of Death (1975)
The Smack Man (1975)
The Cannibal (1975)
The Night of the Phoenix (1975)

Einzelwerke:

The Quest (1975)
By the Rivers of Babylon (1978)
Cathedral (1981)
The Talbot Odyssey (1984)
Word of Honor (1985)
The Charm School (1988)
Spencerville (1994)
Mayday (1998)
The Cuban Affair (2017)
The Deserter (2019)

John Sutter-Serie:

The Gold Coast (1990)
The Gate House (2008)

.
Paul Brenner Serie:

The General’s Daughter (1992)
Up Country (2002)
The Panther (2012), Paul Brenner arbeitet zusammen mit John Corey.

John Corey-Serie:

Plum Island (1997)
The Lion’s Game (2000)
Night Fall (2004)
Wild Fire (2006)
The Lion (2010),
The Panther (2012), mit Paul Brenner
Radiant Angel 2015)

Andere Romane:
The Deserter (2019) zusammen mit Alex DeMille
Hitler’s Children: The True Story of Nazi Human Stud Farms (1976) (als Kurt Ladner)
Killer Sharks: The Real Story (1977) (als Brad Mathews)

Non-fiction:
The Five-Million-Dollar Woman: Barbara Walters (1976) (als Ellen Kay)


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Das 15.THRILLER-FEST DER INTERNATIONAL THRILLER WRITERS FINDET VIRTUELL STATT by Martin Compart
2. Juni 2020, 8:33 am
Filed under: thriller | Schlagwörter: ,

https://thrillerwriters.org/virtual-thrillerfest-2020/



DER THRILLER ZUR PANDEMIE – John F.Case: DAS ERSTE DER SIEBEN SIEGEL by Martin Compart

Stellt Euch vor, es gäbe eine Sekte, die die Erde von der Überbevölkerung und allen Sündern befreien möchte – und zwar mit Hilfe eines Influenzavirus‘, das Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts unter dem Namen „Die spanische Dame“ zahlreiche Opfer fand und nun durch Manipulation zur perfekten Vernichtungswaffe gezüchtet wurde.

In John F. Cases „Das erste der sieben Siegel“ wird diese Vision grausige Wirklichkeit.
In New York wird ein Ehepaar ermordet. In Nordkorea wird ein kleines Dorf mit Bomben ausgelöscht. Ein Bewohner, dem die Flucht in die entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea gelingt, berichtet, dass im Dorf vor der Auslöschung die „spanische Dame“ ausgebrochen sei. Das Virus galt bis dahin als ausgestorben und auch in den Forschungslabors als nicht vorrätig.

Dr. Kicklighter und seine Schülerin Annie Adair bekommen daraufhin ihren bereits abgelehnt gewesenen Finanzierungsantrag für ein Forschungsprojekt bewilligt. Sie wollen in Norwegen Leichen von Bergarbeitern ausgraben, die seit ihrem Tod 1918 im Dauerfrost begraben und höchstwahrscheinlich an dem besagten Virus gestorben sind.
Doch als sie dort ankommen, sind die Gräber bereits leer.

Der Journalist Frank Daly – der eigentlich über die Ausgrabung berichten sollte, aber den Eisbrecher verpaßt hatte – wittert durch die Verschwiegenheit der beiden Wissenschaftler nach deren Rückkehr und der Anwesenheit des CIA eine heiße Story und beginnt nachzuforschen, wo die Leichen geblieben sind.

Diese wurden unter amerikanischen Namen eingeführt, und ein Name davon ist Leonard Bergmann, der Sohn des ermordeten Ehepaares und Mitglied beim „Tempel des Lichts“.
Daly nimmt die Sekte genauer unter die Lupe, währenddessen deren Mitglieder eine schwächere Version des Virus in verschiedenen Städten auf die beste Verteilungsmöglichkeit und die Ansteckungsrate testen…

Birgit Andrae in: http://buchwurm.org/case-john-f-erste-der-sieben-siegel-das-10569/

Ich könnte es nicht besser ausdrücken als Frau Andrae: „Das erste der sieben Siegel ist ein brilliant geschriebener Thriller, der es mir unmöglich machte, ihn aus der Hand zu legen… Nichts Vergleichbares gefunden.“

„EERIE SUSPENSE . . . Thrusts readers into the thick of a rapid-fire plot . . . Keep[s] you turning the pages and praying that this is only fiction.“
–www.amazon.com

„[A] SUPERCHILLING TALE . . . MIND-BLOWING . . . DESTROY[S] THE READER’S SLEEP.“
–Kirkus Reviews

Viren sind kein neuen und kein wirklich ungewöhnliches Thema für Thriller (und ich mag es genauso wenig, wie Medizin-Thriller generell seit Robin Cooks COMA).

Aber an einen erinnere ich mich gerne und beklemmt, denn er ist von einem Autoren, von dem ich ALLES bedingungslos verschlungen habe: John F.Case!

Besser von einem Autorenpaar. Hinter dem Pseudonym steht, bzw. stand das Ehepaar Jim und Carolyn Hougan. Gemeinsam schrieben sie sechs brillante Thriller bis zu Carolyns Tod im Februar 2007.

Jim Hougan, geboren 1942, war ein exzellenter investigativer Journalist und Ermittler. Ihm begegnete ich erstmals durch das bahnbrechende Buch SPOOKS – DIE DIENSTBAREN GEISTER DER MACHT (deutsch 1979 bei Rogner & Bernhard), das mir Jörg Fauser schenkte, da es in jede Basisbibliothek zu Geheimdienstaktivitäten gehört.

Hougan half auch Norman Mailer bei den Recherchen zu dessen großen CIA-Epos HARLOT´S GHOST.
Jims Page:
http://www.jimhougan.com/

Hougan zu dem Roman:

„For the most part, though, the research is fun because one writes about the things that interest one. And the people you meet–the „experts“–are often quite terrific.
Occasionally, though, the research is disturbing–as worrisome as it is interesting. Such was the case with The First Horseman, whose plot turns upon the ease with which America might be devastated by a person or group with access to biological weapons–and a deep grudge. When I began the research, I knew the possibility was scary, but I thought it was also quite remote.

As I soon found out, however, the possibility is anything but remote. Biological weapons are dirt-cheap, easy to acquire, and completely destructive–nature’s very own neutron-bomb. With $2000 and two years of science classes, a highly-functioning madman could probably take a big chunk out of the Big Apple. And there isn’t a city in the U.S. that’s prepared to cope with the threat–neither New York nor Washington, Pittsburgh or Peoria. In fact, a chemical or biological attack on a single

high-rise–just one building–would paralyze New York’s hospitals and health care system, and do so almost immediately. A broader attack–by crop duster or pleasure-boat on the Hudson–is….well, that’s why I wrote The First Horseman.“
jim-and-carolyn-hougan[1].
.
Mehr zu John F.Case und Jim Hougan demnächst in diesem Blog.



THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: P.M. HUBBARD by Martin Compart

„Mein absoluter Favorit, auch in literarischer Hinsicht, ist der leider völlig in Vergessenheit geratene P.M.Hubbard. Er schrieb nur sechzehn Thriller. Aber die gehören zum allerbesten. In keinem ein überflüssiges Wort. Wer lernen will, wie man einen erstklassigen Thriller schreibt, sollte Hubbard studieren.“ (Jonathan Gash)

Philip Maitland Hubbard gehört zu den literarischen Schätzen, von denen man nur ganz wenige in einem Leserleben heben wird. Einer dieser Autoren, die trotz ihrer überragenden Qualitäten nie die Bekanntheit erreichen, die ihnen zustehen würde.
Die Glücklichen, die diese Schriftsteller zufällig oder durch einen Hinweis entdecken, werden ihre Bücher – die sich unauslöschlich ins Hirn brennen – hüten, pflegen, und immer wieder zu ihnen greifen. Und sie reihen sich wahrscheinlich in eine Kult-Gemeinde ein, die nicht sehr groß ist, aber beglückt von dieser Lektüre, immer auf der vergeblichen Suche, vergleichbares zu entdecken.

Diese Autoren sind leider nicht für die Mehrheit der Leser bestimmt (wie ihr begrenzter Erfolg und ihre Vergessenheit belegen); sie gehören einer eifrigen Minderheit.

P.M. Hubbard gehört genau in diese Kategorie.

Wie Kafka ist er kein Schriftsteller, der einen überfällt. Er nimmt subtil von einem Besitz, indem er erst ganz zart an die Kehle greift und immer stärker zudrückt.

Philip Maitland Hubbard wurde am 9 November 1910 in Reading in Berkshire geboren. Aus gesundheitlichen Gründen zog sein Vater mit der Familie auf die Kanalinsel Guernsey. Hier entwickelte Hubbard wohl seine tiefe Liebe zum Meer und zur Natur. Sein Großvater, Henry Dickenson Hubbard (1824–1913), war ein Kirchenmann der Church of England und hinterließ ein beachtliches Vermögen.

Er besuchte das Elizabeth College, Guernsey, studierte dann am Jesus College in Oxford. Dort gewann er 1933 den Newdigate Prize for Poetry für das Gedicht „Ovid among the Goths“.

1934 trat er in den Dienst des Indian Civil Service. Er beendete seine Karriere als letzter District Commissioner des Punjab, bevor Indien 1947 unabhängig wurde.
Anschließend kehrte er nach England zurück und arbeitete in der Verwaltung des British Council, wurde dann stellvertretender Verwaltungsdirektor der Handelsgewerkschaft.

Ab 1960 arbeitete er hauptberuflich als freier Publizist und Schriftsteller. Er schrieb Artikel und Sketche für den „Punch“ und Gedichte. „Most of my `serious´ poetry has remained unpublishable in my period, because it rhymes and scans. I write a good deal of verse for Punch between 1950 & 1962. Of course a lot of comic, satirical, topical & occasional stuff, but occasionally, when the editor wasn’t looking too closely, lapses into poetry (as I see it.).”
Seit den frühen 1950ern schrieb er Science Fiction-Kurzgeschichten, u.a. für so renommierte Magazine wie „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“.

1963 erschien sein erster Roman:FLUSH AS MAY. Ihm folgten fünfzehn weitere Thriller (nur sieben davon wurden für die Rowohlt-Thriller-Reihe ins Deutsche übersetzt) und zwei Kinderbücher. HIGH TIDE wurde 1980 fürs Fernsehen in der ITV-Reihe „Armchair Thriller“ mit Ian McShane verfilmt.

Er ließ sich im Horsehill Cottage, Stoke in Dorset nieder, wo er mit seiner Frau und den drei Kindern Jane, Caroline und Peter, bis zur Scheidung lebte. 1973 zog er in den Südwesten von Schottland, der sich von da an stark in seinen Büchern niederschlug.

Er starb am 17, März 1980 in Newton Stewart, Galloway. In seinem Testament bestimmte er eine Pension für seine Exfrau, ihr „unbehelligtes Leben“ im Horsehill Cottage und für seine Kinder einen Trust.


Sein letzter Roman war sein einziger Agenten-Thriller: KILL CLAUDIO, 1979 (der Titel ist ein Shakespeare-Zitat aus VIEL LÄRM UM NICHTS). In ihm findet der Geheimagent Ben Selby heraus, dass sein Freund statt seiner ermordet wurde. Die Witwe bittet ihn, den Mörder zu finden und zu töten. Der politische Hintergrund spielt keine wirkliche Rolle.

Das Thema ähnelt einigen von Hubbards vorherigen Thrillern und erlaubt ihm eine atemberaubende Menschenjagd in der Tradition von Buchan und Household.
Wie sein erster Thriller, FLUSH AS MAY (eher ein klassischer Detektivroman), beginnt er mit einem Leichenfund während eines Spazierganges. Mike Ripley und H.R.F. Keating nahmen KILL CLAUDIO 2000 in ihre 101 CRIME THRILLERS OF THE 20.CENTURY auf (Keating tat dies bereits 1987 in CRIME & MYSTERY – THE 100 BEST BOOKS).

Hubbard erfand nie einen Serienhelden (dabei dürfte sein Protagonist aus A HIVE OF GLASS, der fanatische Antiquitätenjäger Johnnie Slade, einen gewissen Einfluss auf Jonathan Gashs Helden Lovejoy ausgeübt haben) und Polizisten tauchen kaum in seinen Thrillern auf. In Hubbards atavistischen Welt haben Ordnungskräfte wenig bis keine Bedeutung.

Seine Protagonisten verfügen über einen scharfen Verstand und sie sind deduktionsfähig, aber mit klassischen Detektivromanhelden haben sie nichts zu tun. Sie leben in einer Welt voller Gier, Neid und Leidenschaft, die auf Mord und Totschlag zuläuft. In einer Atmosphäre wie in modernisierten gotischen Schauerromanen.

Seine “Helden” (weibliche Protagonisten gibt es nur in zwei Romanen, FLUSH AS MAY und THE QUIET RIVER) sind meistens gebildete Männer (etwa Schriftsteller), die sich gut ausdrücken können und über einen starkem Willen verfügen. Sie teilen häufig die Interessen ihres Schöpfers: Jagdsport, Segeln, Volksglaube oder Shakespeare.
Sie geben wenig Auskunft über ihr Vorleben, haben anscheinend nichts mit Institutionen zu tun und so gut wie kein gesellschaftliches Leben. Falls doch, leben sie zum Beginn der Handlung in ihren urbanen Professionen wie getarnte Psychopathen:

„Ich ließ nur das schmallippige Lächeln sehen, das ich mir in der Schule einem bestimmten Direktor gegenüber angewöhnt hatte. Soviel Hass wie auf den Direx hätte ich für Mr. Hastings gar nicht aufgebracht. Hauptsächlich wünschte ich mich weg. Weg aus London.“

Sie sind so isoliert wie die Welt, in die sie ihr Autor versetzt. Der konzentriert sie ganz auf das ablaufende Geschehen und ihre emotionalen Effekte.
Sie kommen oft aus einem scheinbar vorenthaltenen Leben mit kargen Freuden scheuen weder Risiken noch Chancen. Besonders dann nicht, wenn sie eine verbotene Fruchtpflücken wollen (vor allem in Form von Liebe zu einer verbotenen Frau).
Und sie kommen fast immer von außen in eine schwer durchschaubare Welt, die sie zu umklammern beginnt.

Jochen Schmidt schrieb über Hubbards amoralische Protagonisten:
„Hubbard selbst lässt mit keinem Wort erkennen, dass er das Tun und Lassen seines Helden missbilligt… Die Inhumanität – also auch die Schuld des Erzählers – ergibt sich nur aus dem Sprachduktus dieser unsentimentalen Rollenprosa… Vielleicht ist es diese Gefühlskälte vieler Hubbardscher Figuren, die den ständig ins kalte Wasser geschickten Leser dieser vorzüglichen Romane gelegentlich frösteln lässt“ (GANGSTER, OPFER, DETEKTIVE; Ullstein, 1988, S.321f.).

“The place is generally in fact the principal character in the book, because, again, places mean more to me than people.”

Hubbards Bücher sind “rurale Thriller” oder “Country Noir”. Keiner von ihnen spielt in einer Metropole oder in einer urbanen Umgebung. Handlungsorte sind Küstenstriche, Highlands, Inseln oder unheimliche Wälder mit noch unheimlicheren Häusern (sein Können, die Natur beklemmend erfahrbar zu machen, wird gelegentlich mit dem nicht minder großartigen Arthur Machen verglichen), gelegentlich von Überresten paganer Kultur durchdrungen. Grenzgebiete einer atavistischen Welt, die auch das Bewusstsein der Figuren widerspiegelt. Immer wieder betonen Theoretiker eine gewisse Nähe zur Gothic Novel bei Hubbard, dort, wo „erhabene Natur die Komplizin des Bösen“ (Hans Richard Brittnacher) ist.

In diesem Sinne könnte man Hubbards Romane gar als Backwood-Thriller einordnen.

Mentale und physische Isolation gehört zu den wiederkehrenden Motiven.
Hubbard ist ein Konservativer, der das moderne großstädtische Leben kaum kannte.
So behauptete er ernsthaft 1969 in COLD WATERS:
„In London gab es nur ein oder zwei Räumlichkeiten, wo man für so viele Leute (Jahresparty eines Unternehmens) ein Essen arrangieren konnte.“

Er hatte auf Guernsey gelebt, über ein Jahrzehnt in Nordindien und nach seiner Rückkehr wohl einige Zeit in London, bevor er sich in einem ländlichen Cottage niederließ, wo er einsam seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachging. Bis auf gelegentliche Besuche beim „Punch“ oder bei Verlagen, dürfte er wenig großstädtisches Leben erfahren haben. Die schockierenden Swinging Sixties sind wohl einigermaßen spurlos an ihm vorbei gegangen.

Er kommt mir vor wie von der Nachkriegszeit enttäuschter Brite, den der Verlust des Empires desillusioniert in die Wälder und aufs Wasser getrieben hat. Von Britannien war für ihn nur noch der rurale Kern (bis in die schottischen Highlands) akzeptabel und lebenswert. Aber da er kein Reaktionär war, sah er auch den dort möglichen Horror. Seine Verbrechen entspringen weniger gesellschaftlichen Umständen, sondern der menschlichen Natur im Hobbesschen Sinne oder der Psychopathie.

Jochen Schmidt hat darauf hingewiesen, dass merkwürdiger Weise Hubbards langjähriger Aufenthalt in Indien keinen oder kaum einen Niederschlag in seinem Werk gefunden hat. Lediglich THE COUNTRY OF AGAIN spielt hauptsächlich in Pakistan (Punjab).

Die Geschichten entwickeln sich langsam aber treibend, bauen eine Atmosphäre zunehmender Paranoia auf, getragen von der bedrückenden Umgebung, bis sie schließlich in Morden explodieren. Vor dem Ende gibt es nur wenige physische Konfrontationen, aber eine immer gegenwärtige, sich steigernde Atmosphäre der Gewalt. Ein großer Reiz dieser Thriller ist diese drohende Stimmung einer unmittelbar bevorstehenden Zerstörung.

Die Gewalt baut sich unterschwellig auf und wird dann immer bedrohlicher. Das Gewaltpotential wird zurückgehalten, steigert sich latent bis zum Ausbruch. Hubbard lässt es den Leser spüren, benutzt seine Phantasie antizipatorisch. Der innere Dialog entwickelt die Spannung von Seite zu Seite.
Wenn diese Gewalt dann explodiert, trifft sie den Leser wie ein Faustschlag in den Bauch. Schockierender als Splatter-Punk.

“I have too little sympathy with other people to be a good novelist (a general male failing, which is why most of the great novels are written by women), but my English rests on a severely traditional classical education, which I have no doubt is the only sound basis for using English properly…. . By this I mean that I am in myself a egotist, and tend to see people mainly as factors in my own situation, whereas I should have thought that a novelist must (or at least on occasion be able to) take a God’s-eye view of them. Of course all fiction writers are egotists, and a certain degree of egotism is necessary to impose a unity on their imagined world and people. But they ought to be able to envisage other people’s feeling more clearly than probably I can.” (Briefe an Tom Jenkins in 1973)

Hubbards intensive Ich-Erzähler monologisieren sehr filmisch. Deshalb sind seine Thriller ein Geheimtipp für intelligente Regisseure. Bisher wurde lediglich ein Buch von ihm für das Fernsehen adaptiert.

Die Romane sind relativ kurz und lesen sich schnell. Das entspricht Hubbards Suspense-Konzept und erfüllt es maximal. Im Gegensatz zu den meisten Page-Turnern bleiben die Bücher im Gedächtnis. Spannung, Charaktere und Atmosphäre sind so originell, so ungewöhnlich, dass man sich noch Jahrzehnte später rudimentär erinnert.

Jedes Buch enthält lediglich vier Hauptpersonen mit der Konzentration auf den Protagonisten, der fast immer der Ich-Erzähler ist. Der erzählt in klaren, kurzen Sätzen, vermeidet Adjektive und Wortschwall. Die Geschichten erzählen sich von selbst durch die Augen des Protagonisten. Kontrafaktisches ist für den Leser kaum erkennbar.
Unter der Meisterschaft von Hubbard baut sich alles zu einem literarischen Universum zusammen, dass in der Thriller-Literatur nichts Vergleichbares kennt. Obwohl ihm Jonathan Gash manchmal nahekommt (besonders in den Action-Szenen der frühen Lovejoys).

In kurzen Sätzen voller Eleganz beschreibt er brutale, geradezu mythische Konflikte in einer einsamen Natur. Bei ihm gibt es keine sinnlosen Sätze, keine Redundanz (durch die fast alle heutigen Thriller ihren voluminösen Umfang erreichen). In der Regel geht es um einen amoralischen Protagonisten, der durch Umstände zu einer Aktion gezwungen wird, die weitere Handlungen nach sich zieht – bis zu einem entweder desaströsen oder „befriedigendem“ Ende.

Die düstere Psychologie in Hubbards Romanen rief bei einigen Kritikern Vergleiche mit Patricia Highsmith hervor. Seine Faszination für Wasser und Segeln ließen andere Kritiker an Andrew Garve denken, der aber ein viel optimistischeres Weltbild hat und weniger getrieben ist.

Dem literaturgeschichtlichen Sortierzwang entzieht er sich weitgehend.

Und so hat Philip Maitland Hubbard gearbeitet:

„I start with the one or two characters necessary to carry the theme, and then I just start writing and see what happens. Fresh characters introduce themselves, existing characters do unexpected things and the thing just goes on growing. At some point, obviously, I have to stop and say, in effect, “Well, what is this about? What really is going to happen?” But I may be two-thirds of the way through the book by then. Even then I don’t conceive the solution in more than general terms, but of course the further I go, the more precisely I can see ahead. I do very occasionally have to go back and change a few details at the start of the book which no longer fit its outcome, but it is odd how seldom this happens. This is because the thing is conceived and built up as an organic growth. the later parts fit the earlier parts simply because they have developed naturally out of them. Even the final solution is not something imposed from the outside, but is precisely the explanation of all that has gone before. In detail, I write very much as it falls out, writing in my own minuscule hand (700+ words to a quarto page), and changing very little, and that only for purely verbal reasons, so that you may get several consecutive pages of ms. with no corrections at all. When I have finished, I copy it out laboriously on my typewriter, and the result is the text as printed. I cannot consider such a thing as a re-draft, because once the book is down on paper, it is dead so far as I am concerned, and a postmortem may be possible, but not surgery.“

BIBLIOGRAPHIE:

Flush as May (1963)
Picture of Millie (1964)
A Hive of Glass (1966)
The Holm Oaks (1966)
The Tower (1968)
The Custom of the Country (as The Country of Again in US) (1969)
Cold Waters (1969)
High Tide (1971)
The Dancing Man (1971)
A Whisper in the Glen (1972)
A Rooted Sorrow (1973)
A Thirsty Evil (1974)
The Graveyard(1975)
The Causeway (1976)
The Quiet River (1978)
Kill Claudio (1979)

JUGENDBÜCHER:
Anna Highbury (1963)
Rat Trap Island (1964)

Eine Bibliographie der deutschen Übersetzungen für Rowohlt findet sich unter:

Hubbard, P.M.



http://zerberus-book.de/



FREDERICK FORSYTHS LETZTES AUFGEBOT? by Martin Compart

Ein junger Hacker manipuliert die Waffensysteme der Supermächte, er bringt die Welt aus dem Gleichgewicht – er darf nicht in falsche Hände geraten

Die meisten Waffen tun, was man ihnen befiehlt. Die meisten Waffen hat man unter Kontrolle. Aber was ist, wenn die gefährlichste Waffe der Welt keine intelligente Rakete oder ein Tarnkappen-U-Boot oder gar ein Computerprogramm ist? Was ist, wenn es ein Siebzehnjähriger ist, der die Sicherheitssysteme von Staaten knackt, der Verteidigungssysteme manipulieren kann, so dass sie sich gegen die Supermächte selbst richten? Und was würde man unternehmen, um seiner habhaft zu werden? Eines ist klar: Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn er darf nicht in die falschen Hände gelangen.

Als Forsyth-Fan der ersten Stunde habe ich den Niedergang seines Werkes seit DER AFGHANE immer tief bedauert. Als würde ein Freund an Alzheimer erkranken. Um so mehr erfreut es, dass der 80jährige Klassiker zu Lebzeiten noch einmal aufdreht und auf der Höhe der Zeit die aktuelle Welt der „Sicherheitskräfte“ transparent macht.

Sicher, immer noch konservativ und so reaktionär wie in den letzten Romanen. Der amerikanische Präsident (ein verschlüsselter Trump) ist eitel und naiv (bis zur Blödheit) und der verschlüsselte Putin ein Killer. Die Regimes in Russland, Nordkorea und Iran sind böse, die Amerikaner dämlich. Gott schütze Britannien! Denn die Welt ist trotz allem wieder schwarz und weiß. Forsyth neigte immer dazu, die Welt in gut und böse einzuteilen.

Im „Wettstreit der Ideologien“ bezog er knallhart Position zu Gunsten konservativer Werte. Insofern reiht er sich in die Tradition der konservativ bis reaktionären britischen Thriller-Autoren ein – angefangen bei LeQueux, Oppenheim und Buchan.

Eine große Stärke von Forsyths 14. Roman (sein Werk besteht aus einer Autobiographie +einer Novelle, zwei Novellensammlungen und einem Kurzgeschichtenband) sind mal wieder die genauen Fakten, die in die Story eingearbeitet sind und für Spannung sorgen. Keine Frage: Freddie weiß auch heute, wie die Dienste arbeiten und ihre geostrategischen Interessen verfolgen.

„In den acht Präsidentschaftsjahren George W.Bushs und den ersten vier Jahren Barack Obamas verwandten die USA eine Billion Dollar für den Aufbau der größten, schwerfälligsten, der redundantesten und möglicherweise ineffizientesten staatlichen Sicherheitsstruktur, die die Welt je gesehen hat… Die staatlichen Ausgaben für das eine pandemische Wort „Sicherheit“ explodierten wie eine Atombombe über dem Bikini-Atoll, klaglos bezahlt durch den stets vertrauensvollen, immer hoffnungsvollen und allezeit leichtgläubigen amerikanischen Steuerzahler.“

Was Spannungsaufbau angeht, war Forsyth immer einer der besten Thriller-Autoren aller Zeiten. Nach einigen Ausfällen erreicht er mit DER FUCHS wieder sein altes Niveau. Die Eröffnungsszene, in der Special Forces in ein englisches Haus eindringen, um terroristische Hacker festzusetzen, ist für ihn eine atemberaubende Möglichkeit, die gesamte (missratene) Sicherheitsarchitektur der USA unbarmherzig zu zerlegen.

Sein faktisch orientierter journalistischer Stil mit wenigen Dialogen wurde von vielen Autoren kopiert, ohne ihn zu erreichen. Das klingt kunstlos, ist es aber nicht. Viele Kritiker neigen dazu, Forsyths literarische Qualitäten zu unterschätzen. Wie breit sein Spektrum ist, kann man sehr schön mit der Kurzgeschichtensammlung IN IRLAND GIBT ES KEINE SCHLANGEN erfahren. Oder in dem AFGHANEN, besonders in der Sequenz, in der Kampfflugzeuge einen ganzen Berg zerstören. Da zeigt sich seine literarische Sensibilität.

“Everything I’ve ever written about has depended upon two half-answered questions: ‘What would happen if…?’ and ‘Would it be possible to…?’ I wondered what it would be like to take this young man with a strange talent, put him on the payroll, and have him peek into our enemies’ secret archives.”

Der autistische Knabe Luke, der nur seine Mutter an sich heranlässt und ein Hackergenie ist, wird seit Jahren als Klischee durch die Populärkultur geschoben. Forsyth bedient dieses Klischee.

Oder?

“I’d read that somewhere in Britain, a young man [activist Lauri Love] had been charged by the American government with breaking into one of their most secret databases. But he also had a fragile mind – he had Asperger Syndrome, which makes it hard to get along with other people, but was at home in cyberspace. I didn’t know such a brain existed.”

Luke ist eine Art “McGuffin” im hitchcockschen Sinne, denn seine Fähigkeiten als Hacker werden nie erklärt. Hier lässt Freddie mal die Fakten weg. Aber das stört nicht, denn keiner möchte wohl eine langatmige Einführung in die Welt des Programmierens lesen. Die Action geht um den Schutz des Hackers, denn die Mächte des Bösen haben ihre Killerkommandos auf ihn angesetzt.

Trotzdem ist es einer der wenigen überzeugenden Thriller über Cyberwar. Und Forsyth veranschaulicht die nebulösen Vorstellungen, die herumgeistern.

Mit etwas über 300 Seiten ist DER FUCHS ein dünner Roman in seinem Oeuvre. Das kommt dem Tempo bei diesem etwas sperrigen Thema zu Gute. Routiniert, wie es kaum ein anderer Thriller-Autor kann, mischt er die Actionszenen mit interessanten Details und den nicht weiter ausgeführten Darstellungen des Cyberkrieges und dessen Auswirkungen auf die „reale Welt“.
Natürlich verarbeitet Forsyth die geopolitischen Minenfelder der letzten Jahre. DER FUCHS ist ein hochaktueller Thriller, der großes Vergnügen bereitet und den Leser durch die Seiten peitscht, wenn er sich auf ihn einlässt.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dies Forsyths letzter Roman sein wird. Damit verabschiedet sich ein Autor, der wie wenige die Entwicklung des Thrillers mitgeprägt hat. Er gehört zu den Klassikern des Genres, die auch von künftigen Generationen gelesen werden. Und er ist nie langweilig.

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BOSTON TERANS HEIMATSCHUTZ by Martin Compart

If you want to join the modern world,
you will have to enjoin the violence that exists with it.

The Country I Lived in, 2014

The time is 1955—the birth of rock and roll, the Beat Generation, and social rebellion. It is also the era of covert operations and clandestine governmental actions. War hero John Rawbone Lourdes, grandson of an infamous American outlaw and assassin, and son of a renowned agent for the Bureau of Investigation sets off on an odyssey through Texas and into Mexico, to uncover one of the most foreboding true conspiracies of the time. It is a profound novel of social protest and the violence and treachery committed to crushing it. The Country I Lived In is also a moving personal story about love and loyalty—loyalty to a woman, to one’s friends, to one’s nation, and ultimately to the truth—and how all three may well be in conflict with each other.

Dieser Roman ist, nach THE CREED OF VIOLENCE und GARDENS OF GRIEF, der dritte Band von Bostan Terans Lourdes Serie.
Hauptperson ist der WWII- und Korea-Veteran John Loudres (seinen Großvater wird Daniel Craig in der Verfilmung von CREED spielen). „Familiäre Figuren“ aus den beiden vorherigen Bänden tauchen in prominenter Rolle auf, etwa William Van oder der unvermeidbare Wodsworth Burr.

Wie bei Boston Teran üblich, wird nicht lange rumgemacht und erwartbares aus tausend bekannten Thrillern erzählt, sondern ein Kickstart hingelegt. In seiner poetischen hard-boiled-Sprache sind die eindringlichen Figuren sofort präsent und unverwechselbar. Die Erzählerstimme ist mitreißend, die Dialoge originell und witzig. Beängstigende Intensität.

Die Handlung wird in einem aberwitzigen Tempo voran geschossen, das selbst für Teran extrem ist. Unglaublich, man hat kaum Zeit, um Luft zu holen. Oder wie Jean Heller in der St.Petersburg Times über GOD IS A BULLET schrieb:
„I was putting it down after every chapter to hunt for Valium. But a little farther and I started having to force myself to put it down to go to work.”

Die Story ist (scheinbar) auf Seite 20 etabliert, und kaum hat John Lourdes die Spur aufgenommen, geht es zur Sache. Erstmal ein kleineres Massaker in Saltillo, Mexiko, damit man auch mal Zeit hat, sich ein Bier zu holen.

Es ist die Zeit des hysterischen Antikommunismus, seit langem geschürt von John Foster Dulles nach außen und im Inneren beängstigend ausgelebt durch die Schauprozesse seines Heloten McCarthy. Die USA haben kaum den fast verlorenen Korea-Krieg verdaut, aber im Iran und in Guatemala die Interessen ihrer Oligarchie mit Hilfe der CIA durchgeputscht. Edgar Hoover bestreitet nach wie vor die Existenz der Mafia. Nachdem Johns Bruder Allen Dulles 1953 Chef der CIA geworden war, verstärkte er den politischen Einfluss des Dienstes und begann umgehend mit schmutzigen Jobs im Interesse der Wirtschaft. Sein Credo: Alles wird wahr, wenn man nur lange genug lügt.

Antikommunismus war der Begriff, bei dem die ganze westliche Welt auf Kommando zu sabbern begann. Wie heute bei der Heilsbotschaft Antiterrorismus.

Und der Rock´n Roll droht bereits in den Jukeboxen, um schweren Schaden unter Jugendlichen anzurichten.

Während aus den Fernsehern die Propaganda-Verblödung dröhnt, entwickeln sich im Süden der Staaten erste Bürgerrechtsbewegungen, und die Beat-Literaten sind on the road, um zusammen mit dem Rock’n Roll die Grundlagen für die Gegenkultur der 1960er Jahre zu legen.

Ganz klar eine Bedrohung für das faschistoide Amerika, das hinter jedem Kerouac-Buch und jeder Elvis-Scheibe eine kommunistische Verschwörung erkennt. Um die „Sicherheit“ des Landes und der Ölindustrie zu garantieren, ist Geheimdiensten und Militär jedes Mittel recht: das Stürzen demokratischer Regierungen im Ausland und das Ausschalten von Dissidenten in der Heimat.

Wer den Mächtigen in die Quere kam, dem erging es ähnlich wie wir es seit 9/11 kennen.
Wieder zeigt Boston Teran, dass Vergangenheit nie zu Ende ist.

THE COUNTRY I LIVED IN funktioniert wie ein Mike Hammer-Roman:
Ein Army-Buddy wurde umgelegt, und Mike sucht die Killer und Strippenzieher, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuhenkern.

Nur ist Boston Teran eben nicht Mickey Spillane!

Bei ihm läuft das anders ab.

Der Veteran Lourdes ist unsicher geworden und will – wie ein früher Easy Rider – Amerika suchen, denn „something was missing from his life, something of purpose and destiny, to take away the quiet sadness that kept to itself inside him.“
Er kauft einen Packard und fährt los, um “hit out on the road…[like] Huck on the river, Parkman on the Oregon Trail, Brando burning up miles of asphalt in The Wild Ones.“. Trotz seiner illusionslosen Einstellung gegenüber der Welt und sich selbst, hat John nach wie vor verdeckte Ideale.

Da erreicht ihn der Hilferuf eines alten Kriegskameraden. Also fährt er zu ihm nach Laredo („A town of limited excitement, to say the least.”).

Er kommt zu spät. Sein Freund wurde gefoltert und ermordet und alles als kompromittierender Selbstmord inszeniert.

Damit wird sich John nicht abfinden.

Und deshalb gerät er sofort mit CIA-Agenten aneinander:

„Where do you stand on our going into Iran and Guatemala?” said Bushnell.

“As for Iran, I don´t believe in hiring mobsters to overthrow a democratically elected government to do the bidding of the oil companies… And as for Guatemala. I can´t envision Abraham Lincoln making a case to fight to the death for the United Fruit Company (heute Chiquita). We didn´t serve ourselves well in Guatemala.”

“That´s a little red, isn´t it?” said Bushnell…

“I know guys like you… Brown versus the Board of Education is fine as long as they keep it in Biloxi and not in Boston.No Jews either in the state department. Or anyone who coted for Stevenson. You talk war, but will never do a day on the front line. You drape yourself in the flag, but you prefer to let the poverty row boys get buried in one.”

“You could toss your military record at me. But Mueller had one too…Would loyalty to your country supercede loyalty to a friend?”

“I could be loyal to both. But one might in the wrong. I´d deal with that as the situation presents itself.”

“Would loyalty to a friend supercede loyalty to the truth?”

“I´ll let you know when I get a glimpse of the truth.”

“Would loyalty to a friend supercede loyalty to the security of your country?”

“You´ve left out loyalty to one´s faith and family in all this. We are finished.”

“Besides the charge of possession of narcotics-“

“Suspicion or possession.” John corrected him. “Possession of marijuana turned Robert Mitchum into a bona fide movie star. You wouldn´t want that happen to me,”

“We could open a truckload of investigations into your life-“

Dann bohrt sich das Geschehen tief ins Innere von Mexiko, wo die Amerikaner Strukturen etablieren, die noch heute funktionieren.

„Oh, don´t do that!“

Als Lourdes auf einem Güterzug nach Mexiko City trampt, trifft er Guatemalteken auf ihrem Weg in den Norden: „…who told the story of how outside intervention on behalf of the United Fruit Company had subdued or run off all political opposition to their control of the government. Now these men were undertaking the journey to El Norte. An American company had driven them out of their homeland and ultimately to the shores of the United States.”

Mit jedem Roman bemüht sich Teran, ein Loch in die Mauer der Verblödung zu treten.

Teran brilliert mit seiner Kenntnis und dem tiefen Verständnis für das Land. Wo erfährt man sonst ganz nebenbei etwas über die Kultur des Panos?

Dieses Bild von Mexiko in den 1950ern ist manchmal hochaktuell und selten nostalgisch (wie etwa die Beschreibung der Bounty-Bar, in der sich die Beats so gerne vollaufen ließen. Die Protagonisten besuchen sogar die Wohnung, in der William S.Burroughs betrunken seine Frau erschossen hat. „He got off by the way, as will happen in Mexico. He bribed his way out of any legal consequences.“).

Teran inszeniert ein Katz- und Maus-Spiel mit überraschenden Wendungen durch die Verschwörung bis hin zum zwingend tödlichen Showdown.

Nur jemand, der sein Land wirklich liebt, kann es so hassen. Diese Liebe funktioniert für Boston Teran vor allem als Verpflichtung der Zeit gegenüber der Literatur. Er wird nicht müde, zu zeigen, wie sich jeder Sadistenlümmel auf Patriotismus berufen kann.

In diesem Roman gibt es wieder zwei starke Frauen, wie man sie in der zeitgenössischen Literatur so nur bei Boston Teran findet.

Woher kommen all diese starken Frauen, die sein Werk durchziehen?

„The men I grew up around where thieves, liars and con men. They wasted their lives, mostly. It was an immigrant Italian world where men dominated, but the women were really the strength of the family… They soldiered on while the men were destroying their lives all around them. The women were the carriers of character, They were the ones I looked up to. And my grandmother knew how to use a pistol. She had to.”
Ein Großteil seines Verstandes und seiner Gefühle kommen von dort.

Aber auch eine aktenkundige Ratte wie E.Howard Hunt hat einen cameo-Auftritt. Dessen Verkommenheit hätte Caligula aus dem Fenster kotzen lassen.

Einige Kritiker warfen Teran „stilistische Exzesse“ vor (ähnliches war schon Cormac McCarthy passiert). Und ähnlich wie McCarthy pflegt er sein eigenes linguistisches Konzept. Das stützte sich auf seine Besonderheit, Substantive und Adjektive als Verben zu gebrauchen, was den kraftvollen linearen realistischen Stil unterstützt. Niemand adjektivierte Substantive wie Teran. Dieses wunderbare Stilmittel wird in diesem Roman weniger bis kaum gebraucht. Die ungewöhnliche Anwendung von Verben und Adjektiven poetisiert weiterhin seine Prosa:

…young men all shaved and cologne in their best slacks…

This was another part of the man she was experiencing…

He swung the wheel sweeping lanes when a bus framed up on the passenger side…

“you have an informed but wicked mind, Jordon.”

Teran hat natürlich noch mehr Originalität zu bieten, um THE COUNTRY I LIVED IN nicht zu einem glatten Pageturner verkommen zu lassen, der eine primitive voyeuristische Ästhetik sensationalistisch ausplündert.
Er unterscheidet sich wesentlich von Autoren, die nichts zu sagen haben und daraus ein ästhetisches Konzept machen.

Trotzdem ist es stilistisch einer seiner konventionellsten Romane.

Falls so etwas konventionell genannt werden darf:

John und Mia werden vom Anführer einer (chancenlosen) Straßengang bedroht:

Please, thought John, don´t become some swaggering baby-faced warrior. Whatever you´re thinking it won´t settle any argument you have with the world, it won´t even any score. The flaw you guys never get until it´s too late… You can never outsmart your own desperation.

Und dann diese Dialoge! Die besten diesseits von Chandler und McCarthy. Da kann kaum einer der besten TV-Serien-Autoren Hollywoods auch nur im Ansatz mithalten.

Die „Quest“ (Reise, Suche, Odyssee) ist Terans zentrale und wiederkehrende Plotstruktur. Sie ist nicht nur eine simple Abenteuerreise. Diese Suche nach Personen, Erkenntnissen oder Objekten ist tief im Mythologischen verwurzelt. In der griechischen Mythologie wird die eigentliche Quest häufig überlagert durch heroische Taten während der Reise, die den Protagonisten Einsicht zur Veränderung gewinnen lassen. Das hat sich schon früh in der Literatur niedergeschlagen, die die Quest als Reise zur Selbsterkenntnis beschreibt. ODYSSEE oder PARZIFAL als Vorläufer des (bürgerlichen) Bildungsroman. Ein Topos, der in den Werten des Bildungsbürgertums versteinerte und mit Boston Teran seine ursprüngliche Wucht revitalisiert.

Mit seinen historischen Ausflügen gelingt es Boston Teran, die Gegenwart zu erfassen und zu artikulieren. Gerade in Zeiten, in denen die Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Zukunft zusammenbricht.

Auf die Brutalität in seinen Büchern (hier auf GOD IS A BULLET) angesprochen, antwortete der Autor:
The level of violence is acutely accurate for the world these characters inhabit, and it fits with the themes and content of the book. Violence is how some of the characters strive to make the world their own through whatever means necessary.

Weiteres zu Boston Teran unter:
https://martincompart.wordpress.com/2011/06/26/die-dunkle-welt-des-boston-teran-1/
https://martincompart.wordpress.com/2019/08/09/boston-terans-gaerten-des-schmerzes/

zu Cormac McCarthy:
https://martincompart.wordpress.com/2010/12/22/cormac-mccarthys-blood-meridian-des-schweigers-reise-durch-die-holle/