Martin Compart


AYAYAY, AYAYAY, AYAYAY: DIE GEGENWART DER ZUKUNFT DES JÖRG FAUSER von Rolf Giesen by Martin Compart
13. August 2021, 9:42 am
Filed under: JÖRG FAUSER, Rolf Giesen | Schlagwörter: , , ,

Rolf Giesen, bekannt als Dr. Horror, ist der wohl bedeutendste deutsche Experte für den phantastischen Film und Tricktechnik. Er schrieb zahlreiche Bücher zu diesen und anderen Themen, die auch in den USA veröffentlicht wurden. Seine Lehraufträge brachten ihn bis in die Chinesische Volksrepublik, wo er mehrere Jahre unterrichtete.
In der ersten Hälfte der 1980er Jahre war er Filmkritiker beim Berliner TIP-Magazin, für das auch Jörg Fauser arbeitete. Außerdem waren beide Stammautoren für die von mir herausgegebene Reihe „Populäre Kultur“ bei Ullstein.
Wir zogen häufig gemeinsam um die Häuser und bezweifelten gerne bei geistigen Getränken die allgemein anerkannten Interpretationen des kulturellen Lebens in Europa.

MC

AYAYAY, AYAYAY, AYAYAY:

DIE GEGENWART DER ZUKUNFT DES JÖRG FAUSER

von Rolf Giesen

I.

Vor allem hatte Jörg Fauser ein unvergessenes Gesicht, eine Mischung aus Trübsinn, aus Schwermut, einer gesunden Portion Skepsis und jeder Menge Boshaftigkeit, allerdings keiner bösen Boshaftigkeit, sondern einer kindlichen, die sich der Konsequenzen nicht immer bewusst ist und selbst erstaunt über die Folgen. Die Mordswut, die zu haben er behauptete, stand ihm nicht ins Gesicht geschrieben. Sein Lächeln wirkte gequält und verschmitzt zugleich. Schüchtern und angriffslustig: ständig the chip on the shoulders, wie die Amerikaner sagen, nicht direkt the Wild One, wie der Held seiner Brando-Biografie, sondern ein Angstbeißer. Aber genau wie Brando wirkte er verletzlich. Das konnte man in seinen Augen lesen, die ihre Umgebung mit Interesse beobachteten und musterten, ständig auf der Suche nach journalistischem, nach literarischem Futter, das er zu Munition verarbeitete.

Im Gegensatz zu uns, die wir ihn vielleicht noch vor uns haben (was anderes sollte die Menschheit tun angesichts einer bedrohlich in Mitleidenschaft gezogenen Umwelt?), hatte er einen Krieg erlebt, wenn auch nicht bewusst. Er war 1944 geboren, da hat man noch wenig Bewusstsein. Damit gehörte er nicht direkt zur Generation der Nachgeborenen wie wir, aber wir vereinnahmten ihn gern als unseren Pied Piper. Zwei Politiker kamen im selben Jahr zur Welt wie er: Proll-Gerd und Uwe Barschel. Barschels freien Fall hat er nicht mehr erlebt. Und Schröders Aufstieg, den ersten deutschen Kriegseinsatz nach dem Zweiten Weltkrieg und eine mit Adolfs, nein: mit Peters Volkswagen ausgeheckte Agenda, die die SPD, seit jeher das „kleinere Übel“, endgültig unmöglich machte, auch nicht. Peter das war Peter Hartz, das war Schröders Niedersachsen-Mafia, in der sich Gestalten wie Carsten Maschmeyer tummelten. Kann, fragte eine Zeitung, kann diese Männerfreundschaft korrupt sein?

1944 war auch das Geburtsjahr von George Lucas, der nach einem Autounfall entschied, nicht Rennfahrer zu werden, sondern Filmemacher, ein milliardenschwer-saturierter, der den Krieg nach Vietnam wieder salonfähig machte: als Cyberkrieg im Weltall, was selbst Ronnie Reagan auf eine Idee brachte, wie man das Reich des Bösen aushebeln konnte. Auch Fauser hatte einen Unfall. Anders als Lucas überlebte er ihn nicht. – und so konnte er die Konsequenzen von Reagans propagandistischer Weltraum-Politik, das Ende der Sowjetunion, nicht mehr miterleben. Der LKW, der ihn am 17. Juli 1987 in München erfasste, in der Nacht, die seinem 43. Geburtstag folgte, war zweifellos stärker als er. Die Vorsicht schwindet, wenn man wütend oder betrunken ist oder beides zusammen.

Fauser ging uns, den missratenen Jungs von Karl Marx, G-Man Jerry Cotton, Mirácoli, Coca-Cola, Rolling Stones, Rattles, Raketenheften, Donald Duck und Hansrudi Wäscher (Zeichner der anatomisch bedenklichen Comic-Hefte Marke Akim aus dem Walter Lehning Verlag), den bedauernswerten Opfern der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften voran in den Tod: unsere Ikone des Schreibens, unser messiah of malice. Zu einem zünftigen Messias gehört notwendigerweise ein gewaltsamer Tod mit nachfolgender Wiederauferstehung.

Wir, seine Jünger, hatten derweil Probleme ganz anderer Natur.

EINSCHUB: Frage in einem Internet-Forum: Wie bekommt man aus alten Comic-Heften den „Müffel“geruch heraus? Für ein Archiv wurden sehr viele Softcover Ausgaben aufgekauft, die fast alle stark müffeln und die anderen „anstecken“. Was ratet Ihr mir?
Wegwerfen!

Aber bitte!

Bei Schimmelgeruch, mit kleinen farbigen Pickeln, so ein Rat, ist schon Vorsicht geboten! Da besteht bei einigen Sorten schon akute Gesundheitsgefährdung beim Einatmen der Sporen.
Im Wetterbericht hoffen sie, dass die durch den Klimawandel mitverursachten Unwetter mal eine Pause einlegen.
Unwillkürlich muss ich an Atlantis denken, den versunkenen Kontinent.
Angesichts des Klimawandels hätten Comic-Hefte sowieso keine Chance. Entweder sie verbrennen, oder das Wasser weicht sie auf und spült sie weg,
Bis dahin, erfahre ich sodann, ist gegen muffigen Geruch folgende Hilfe angezeigt:
Comic in einen verschließbaren Behälter (Plastikbox etc.) geben, dazu reichlich Kaffeepulver. Nach ca. 14 Tagen ist der Geruch verschwunden.
Im Comic-Fandom ist übrigens ein Akim-Messer aufgetaucht, das Anfang der 1950er-Jahre in limitierter Stückzahl von Lehning auf Jahrmärkten unters Volk gebracht worden sein soll. Bevor es für 3000 Euro an einen Dummen versteigert werden konnte, entlarvte es ein beherzter Comic-Kenner übrigens als Fälschung.
Im Medienzeitalter ist es unmöglich, sich auf einen Gegenstand zu konzentrieren. Es fließt eben noch jede Menge Scheiße durchs menschliche Gehirn. Na gut, besser sie verdreckt das Gehirn als die Comic-Sammlung.
Wir hatten es nicht leicht. Ständig fürchteten wir.

Fauser hatte andere Probleme. Er trank sich geradezu in die Unsterblichkeit, bevor ihn die wiedervereinigte Kulturindustrie hätte vereinnahmen und bürokratisieren können, bevor er ein Fettwanst hätte werden können wie Marlon Brando zum Schluss. Fauser glaubte an den jungen Brando, den Unangepassten, und er glaubte auch an Brandos geflügelte Worte: Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden. Tatsächlich hatte ihn der LKW nicht überholt, als er seinen eigenen Weg über die Fahrbahn ging, sondern mitgeschleift.

Womöglich hätte man ihn, wäre er noch am Leben, als Juror zum Bachmannpreis eingeladen, besser noch als Wortführer der Jury, als Nachfolger von Reich-Ranicki, der ihm, als er 1984 in Klagenfurt las, vorgehalten hatte, dass einer wie er nicht dazu gehöre: „Er passt nicht in diesen Wettbewerb. Man sollte einmal deutlich sagen, warum. Nicht deshalb, weil der Text gut oder weniger gut oder schlecht ist. Das ist nicht der Grund. Hier gibt es auch schlechte Texte, die gelesen wurden und wahrscheinlich noch gelesen werden, die sehr wohl in diesen Wettbewerb passen. Er passt nicht in diesen Wettbewerb, weil er geschrieben ist, Herr Fauser, das wird Sie vielleicht überraschen, es ist meine tiefste Überzeugung, ohne den geringsten literarischen Ehrgeiz. Hier haben Sie nichts riskiert, nichts versucht. Sie arbeiten mit Klischees, mit Versatzstücken in der Sprache, in den Motiven, im Schauplatz. Das ist – und da hat Wolfgang Kraus vollkommen recht – eine Literatur einer ganz anderen Ebene.

Mit Kunst hat das nichts zu tun!

Das hat zu tun mit einer Unterhaltungsware, die sehr anständig oder schlecht sein kann, gut gearbeitet, ordentliches Handwerk, weniger ordentliches Handwerk, aber dies zu entscheiden oder zu beurteilen ist unsere Sache nicht. Wir sind für andere Literatur zuständig als diese Geschichte. Deshalb sage ich nur, sie ist gar nicht mal schlecht, sie gehört nur nicht hierher.“

Schwacher Applaus.

Ein anderer Juror lässt sich kurz über die „zynische Dimension von Trivialliteratur“ aus.
Peter Härtling zeigt sich verdrossen.

Walter Jens gibt vor, nichts gegen Unterhaltungsliteratur auf höchster Ebene zu haben, aber hier habe man es mit aneinandergereihten Versatzstücken zu tun und mit einer – wörtlich! – Computerliteratur, die auf Unterhaltung spezialisierte Verlage nicht annehmen würden.

Computerliteratur! Die Schreibmaschine war doch, wie Fauser sagte, sein Maschinengewehr. An der Schreibmaschine wurde er zum Werwolf, verwandelte sich Fausers Jekyll in Hydes Jörg. Maschinengewehre und Schreibmaschinen hämmern. Dieses Gefühl, dieser Takt geht bei der Arbeit am Word processor, wie es damals hieß, verloren: tack-tack, tack-tack.
Eine Schweizer Quotenfrau in der Jury, die älter aussieht als sie ist und außerdem Obermüller heißt, beklagt sich bitter, dass sie als Frau und so weiter und so fort: „Ich hab‘ den Text als Frau gelesen [als was sonst?] und hab mich gefragt, ob mir hier der Autor eine Moral verpassen will, nämlich die, dass ich mich nie von der Seite meines Beschützers entfernen soll, weil ich sonst vergewaltigt werde…“

Frau Klara Obermüller schaut befriedigt in die Runde, aber niemand will sie vergewaltigen. Es tritt auch kein Beschützer auf.
Peter Härtling und Reich-Ranicki kriegen sich vor Lachen nicht ein.

Fauser sitzt die ganze Zeit vor dem Gericht der in Klagenfurt versammelten Literaten der Hochkultur, macht ein bedröppeltes Gesicht und lässt die barschen Worte an sich vorbeirauschen.
Der Angeklagte sollte das letzte Wort haben. Er zog es vor, wortlos abzuziehen.

„Wogegen wir hier sind oder was ich meinte, ist die Unterhaltungsliteratur, die nicht mehr ist als bare Konfektion“, rief ihm Reich-Ranicki nach.

Fauser hatte sie alle satt, die Konfektionäre ebenso wie die Nonkonformisten, wie er in Rohstoff, seinem für mich besten Buch, schrieb – „die Nietenjacken wie die Rollkragenpullover, das Gesabber der einen wie die Standpunkte der andern, Sodom und Gomorrha oder Marxismus-Leninismus, Jacke wie Hose, aber wenn mich schon alle anstarrten, wo ich mich hinsetzen würde, dann nahm ich doch lieber bei denen Platz, die keinen Bausparvertrag, kein Parteitagsmandat und keine politische Illusion mehr zu verlieren hatten, nur noch ihre Backenzähne.“

Endlich, fand ich, gehörte ich dazu. Ich fühlte mich verstanden. Auch mir wurde der Eintritt zur Vordertür verwehrt. Auch ich wurde, unterhaltungsbeflissen mit Comics, Gruselfilmen und Pommes frites rot weiß gefüttert, zur Hintertür verwiesen.

Mir fehlten sogar zwei Backenzähne.

Rohstoff war der Sprengstoff, auf den wir Zukurzgekommenen des Wirtschaftswunders gewartet hatten, um uns den Weg zur Vordertür freizukämpfen.

Fauser war, so seltsam das klingen mag, der Katalysator zum Verständnis auch unseres eigenen Lebens, der Nachkriegsgeneration, ihrer Unterhaltungsmusik, ihrer Unterhaltungsfilme, ihrer Unterhaltungscomics, ihrer Unterhaltungsdrogen und ihrer eher weniger geistigen Getränke, ja, des deutschen Nationalcharakters überhaupt, der reichlich grenzwertig ist.

Für uns Jungen war, ehrlich gesagt, nicht Letztes Jahr in Marienbad das Größte, sondern Peblum: Herkules, Samson & Odysseus, das Nonplusultra des Sandalenfilms, 1963 von Pietro Francisci gedreht. Pietro Francisci, der Regisseur, hatte die Muskelmann-Serie mit Steve Reeves als Herkules aus der Taufe gehoben. Er war ein kleiner, dicker Mann (mit Jura-Examen), für den die kommerzielle Seite der Filmkunst keine Schande bedeutete. Nicht einmal die einsfünfzig, die wir jeden Sonntag unseren Alten für die Jugendvorstellung abgeluchst hatten, verachtete er. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Er war eben ein echter Lateiner, der, anders als seine Kollegen von der Novelle vague oder vom Jungen Film, wusste: Non olet!
Und die Alten waren froh, uns für zwei, drei Stunden loszuwerden und ihr schlechtes Gewissen dazu, an das wir sie bei Bedarf erinnerten, also mindestens zweimal in der Woche. Jaja, Krieg und Drittes Reich. Den Leichengeruch hatten sie wahrgenommen, aber gewusst… nein… und bitte nicht daran erinnert. Dann lieber einsfünfzig Schweigegeld.

Die Mädchen hatten derweil ihr eigenes Reich: Tausend Takte Übermut, Vinylschallplatten, Roy Black, Eisdielen, wo sie uns auflauerten, ganz früher in Petticoats. Damals waren sie noch schlank dank Hula-Hoop-Reifen. Jede zweite hieß Manuela. Geradezu hysterisch wurden einige von ihnen, als die Beatlemania aufkam.

Nur Frau Obermüller war nicht dabei.

Schreibend habe ich Fauser natürlich nicht erlebt, redigierend, ja, beim Tip-Magazin in West-Berlin, wo ich ihm meine Artikel über Fantasy- und SF-Filme in die Hand drückte, und trinkend, oft im Duo mit dem trinkfesteren Ullstein-Lektor Martin Compart, mit dem er um die Häuser zog. An der Ecke Pestalozzi-, Krumme Straße (in der Krummen fiel am 2. Juni 1967 der Todesschuss auf Benno Ohnesorg, hier wohnte Fauser eine Zeitlang), frequentierten sie das Martini-Stübchen, das es heute nicht mehr gibt, ebenso wenig wie das merkwürdige West-Berlin der Provinzpolitiker Eberhard Diepgen und Heinrich Lummer, Tag und Nacht geöffnet, das zeitweilig Fausers geliebt/gehasstes Zuhause war.
Wir tranken doch alle. Leben hieß trinken. Die einen vertrugen mehr, die anderen weniger, wieder andere gar nichts. Das gehörte dazu. Hemingway, Dashiell Hammett, Raymond Chandler und der ganze Pöbel – man befand sich in der erstbesten Gesellschaft.
Ich lege gerne jeden Gerass und Walserrr beiseite und nehme mir dann lieber einen Fauser-Text vor und genieße die unterhaltende literarische Konfektion wie einen Roman von Charles Bukowski oder Henry Miller: eine zeitlose Schreibe, wie sie natürlich nicht ins spießbürgerliche Kärnten gehört. Ich fühle mich dann wieder jung, jetzt, da ich alt und selbst auf der Zielgeraden bin, die unweigerlich in irgendeine Versenkung führt, die man Grab nennt.

FORTSETZUNG FOLGT



DR.HORROS CORONA-FILMKRITIK by Martin Compart
20. Januar 2021, 3:58 pm
Filed under: Dr. Horror, Film, Sternstunden der Verblödung | Schlagwörter: , ,

THE BRUTAL, THE STUPID, AND THE NEEDLESS
THE FINAL (PLAGUED) YEARS OF MANKIND

This is the title of a virtually unknown horror movie from the early 1970s (when the Vietnam War) was still going on that seems to be lost. Here are excerpts from a recently found (damning) film review:

Wow, what a silly movie.

I don’t believe it would be possible to make one sillier.
Concerning the future, it gives in one eddying concentration almost every possible foolishness, cliché, platitude, and muddlement about progress of science and society served up with a sauce of self-pity that is all its own.

It’s all about anonymous conspirators of brutal intelligence – may the be hippies, billionaires, or aliens or all of the three – who are going to accomplish the ultimate brain damage among their followers. They link them by a computerized mind, artificial intelligence so to speak that has total access to huge databases but renders those unhappy masses completely stupid and turns them into mindless zombies playing computerized games and in between killing each other: Only the stupidest calves choose their own butcher.

In this case, they elect a comedian from television to lead them. The guy has apparently ditched the hair dye and swapped his notoriously blonde hairdo for his natural silver shade: a hairspray labyrinth instead of mind. This man is a hunter of souls who sells all the souls to aliens or devils or to Deutsche Bank or to the Mafia (after the success of The Godfather, the mindless filmmakers could not leave it out!) and leads the people to destroy the symbols of democracy including the White House when, at the same time, they suffer not only a brain virus but a pandemic spreading – of all places – from Mao’s China! Two viruses for the price of one. What kind of absurdity is this?

A quaint smell of Mephistopheles is perceptible for a while. With a broomstick between their legs, the filmmakers celebrate Walpurgis Night and ride to the Brocken to kiss Satan’s ass. Never for a moment does one believe any of this foolish story; for a moment is there anything amusing or convincing in its dreary series of strained events. It is immensely and strangely dull. It is not even to be laughed at. There is not one good-looking nor sympathetic nor funny personality in the inept, hammy cast; there is, indeed, no scope at all for looking well or acting like a rational creature amid these mindless, imitative absurdities. The film’s air of having something grave to say is transparent pretense.

It’s a tepid horror movie about an unlikely dystopian future that despises mankind and all values of humanity. At the end of the movie, nobody survives as the stupid swarm out to welcome the disease and plague with open arms, without any protection and turning down each vaccine because it would cure them from their mental state. They are like lemmings.

Let’s hope that the brutal will never be joined by the stupid and the needless and that such absurdity, the figment of a screenwriter’s sick mind will never become the object of mindless future cultists who devour any trash.

Er wurde für seine Darstellung des Virus und des Comedian in Doppelrolle für den Goldenen Otto nominiert.



DR.HORRORS WORT ZUM BÖLLERFEST by Martin Compart
30. Dezember 2020, 3:21 pm
Filed under: Dr. Horror, Weise Worte | Schlagwörter: , , ,

Wer die Wahrheit sagt, muss ein schnelles Pferd haben
(Konfuzius)


Wir leben aktuell in eine Zeitenwende, ohne uns dessen richtig bewusst zu sein.

Diese Zeitenwende führt uns in eine globalisierte, digitalisierte, besser noch: durch supranationale Giganten wie Google, YouTube, Facebook, Twitter gesteuerte Zukunft, in der mehr oder minder langfristig unser Gehirn offen als Interface benutzt werden wird: Brain-Computer-Interface, Hirnrinden-Interface, was auch immer, klingt schlimm, tut aber nicht weh.

In Deutschland oder Europa drohen wir auf Entwicklungsländer-Niveau zurückzufallen, da wir weder große digitale Plattformen haben wie in den USA oder China und nicht einmal die ethische Diskussion zu diesem Thema an- bzw. mitführen.

Cixin Liu, ein chinesischer SF-Schriftsteller, sprach in einem Interview davon, dass diese Zukunft nur unter Schmerzen zu erreichen ist. Vor uns liegt womöglich eine höllische Dystopie mit erheblichen Verwerfungen, ökologischen, ökonomischen – und das rettende Land ist in weiter Ferne.

Die gegenwärtige Pandemie ist ein Indikator der schmerzhaften Geburtswehen der Zeitenwende, die unser Verhalten gegenüber der virtuellen Zukunft programmieren wird, die sich in einer übervölkerten Welt leider auch in einer verheerenden Explosion unsinniger Bilderwelten manifestieren wird.

Unglücklicherweise drückte ein deutscher Kultusminister – eine Unsitte, Ministerien wie Gesundheit, Forschung, Umwelt mit Laien zu besetzen! – kürzlich seine Hoffnung aus, nach Corona wieder zum Status quo ante zurückkehren zu dürfen.

Aber wohin zurück, wenn sich die Reihen lichten?

In einer zeitgenössischen Kritik zum Metropolis-Film von Fritz Lang sprach H.G. Wells 1927 kopfschüttelnd von einer deutschen Mentalität, die Hochtechnologie mit dem mittelalterlichen Denken der Walpurgisnacht verbindet, die sehr bald darauf die Judenpogrome und Hexenjagden aus der Zeit des Schwarzen Todes in den Todesfabriken des Zweiten Weltkriegs industrialisiert hat.

Während wir on the road back to the Brocken sind, stellen sich in den dystopischen Verwerfungen der Zeitenwende bereits Fragen des Post- und Transhumanismus. Die widersprüchlichen globalen Finanzmärkte, losgelöst von wirtschaftlicher und ökologischer Verantwortung, sondieren kann ohnehin nur noch künstliche Intelligenz.
Wird der Mensch in seiner Massierung benötigt oder könnte er verschwinden wie ein Gesicht im Sand, wie Slavoj Zizek in leicht gebrochenem Deutsch warnt?
Sind es die Ausläufer eines posthumanen Zeitalters?
Es geht schon auch ums körperliche Überleben, nicht erst in ferner Zukunft, sondern aktuell in nächster Zukunft.

Längst ist das Pendel nach Asien zurückgeschwungen, wo die großen Krisen schneller und dynamischer überwunden werden und wo die Zukunft weit über Legislatur-Perioden hinaus gestaltet wird. Wir dagegen werden Putzerfische der Großen sein: wenn überhaupt, dann immerhin! Werden wir uns mit dieser Rolle begnügen…

Mein aktueller Wunsch: Ich habe es bedauert, zu spät nach Asien gegangen zu sein und die chinesische Sprache nicht gelernt zu haben, außer Ni hao. Ich habe ganz China bereist: sprachlos, auch angesichts der ungeheuerlichen Dynamik.
Eine Aufgabe für deutsche Bildungseinrichtungen: eine europäische Sprache schaffen und lernen, mit Asien zu kommunizieren: eurasisches Denken, nicht nur transatlantisches und europäisches, in ethischer Verantwortung, in der Vermeidung neuer faschistischer Tendenzen. Die Sprache ist es, die China eint. Sprechen wir mit.

Die Vergangenheit ist vorbei, die Gegenwart flüchtig. Für den Physiker gibt es kein Jetzt. Aber die Weichen stellen nicht unbedingt wir. Es sind Notwendigkeiten der Zukunft, die uns in ihrem Strom treiben lassen…



Nur Roboter brauchen keine Schutzmasken! von Dr.Horror by Martin Compart

Was für eine Zeit für Science-Fiction-Autoren!

Man kann die Zukunft mit Händen greifen. Die aktuelle Pandemie beschleunigt letztlich die Zeitenwende.

Aber wo sind diese Autoren in Deutschland?

Wo sind Schriftsteller wie George Orwell, der Neusprech beschrieben hat, wohinter wir heute mit Leichtigkeit die Computersprache der neuen digitalen „Übermenschen“ (frei nach Nietzsche) erkennen: komplett mit USB-Sticks, Android-App, WhatsApp, Clouds, ALGOL, BASIC, Backup, Base Memory, Excel, Scan und Drive, influencing und monitoring (Überwachung, aha!), Slash. Für sie, die diese Sprache sprechen, existiert kein Problem, alles wird zur Challenge und ist sofort online. Wenn die Digitalen die neuen „Übermenschen“ sind, was lässt sich dann über die Analogen sagen?

Stanisław Lem sah Nanotechnologie, künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität voraus, die er Phantomatik nannte: künstlich und medial erzeugte Bewusstseinstäuschung. Während Wernher von Braun (I Aim at the Stars – but sometimes I hit London) in Peenemünde an Hitlers sogenannten Vergeltungswaffen arbeiteten, kämpfte der in Lemberg (Lwów) geborene Lem im besetzten Polen um sein Leben. Der Medizinstudent verschleierte mit gefälschten Papieren seine jüdische Herkunft und überlebte, im Gegensatz zu Familie und Verwandten, den Holocaust. In seinen utopischen Büchern finden sich die Spuren einer traumatischen Vergangenheit als Holocaust-Überlebender.

Daniel Francis Galouye, der in seinem Roman Simulacron-3 (im deutschen Fernsehen bekannt als Fassbinders Welt am Draht) das Höhlengleichnis Platons weiterspann und schon 1964 eine virtuelle Parallelgesellschaft erfand, die nichts von ihrer Scheinhaftigkeit ahnt. Eine schöne neue Welt – wie Aldous Huxley sie nannte.

Philip K. Dick, Paranoiker und Visionär: „Ich habe mal eine Geschichte geschrieben, in der es um einen Mann geht, der einen Unfall hat und ins Krankenhaus gebracht wird. Als er auf dem Operationstisch liegt, zeigt sich, dass er kein Mensch, sondern ein Android ist, was er selbst aber nicht weiß. Man muss ihm die Neuigkeit schonend beibringen.

Der Bedeutendste unter diesen aber ist der vergessene, verdrängte Tscheche Karel Čapek, denn ohne sein 1920 erschienenes Drama R.U.R. (Rossumovi Universálni Roboti) würden wir heute gar nicht von Robotern sprechen. 1937 wurde sein Stück Bílá nemoc von und mit Hugo Haas verfilmt: Die weiße Krankheit.
Čapek musste noch erleben, wie kurz vor seinem Tod Hitler in die Prager Burg marschierte und die Staatsbank um ihr Gold erleichterte. In der Weißen Krankheit beschrieb er einen Autokraten wie Hitler (und – mit diesem nicht zu vergleichen, doch traut man auch ihm mittlerweile einen Staatsstreich zu: Donald T., die Karikatur eines Präsidenten, die Carl Barks nicht besser hätte zeichnen können). Diesem Diktator sind die Jungen wichtiger, denn sie braucht er zum Kriegführen. Menschen im fortgeschrittenen Alter werden derweil von einem Virus hinweggerafft, das sich durchs Händeschütteln verbreitet und, weil zuerst in einem chinesischen Krankenhaus nachgewiesen, das chinesische (!) heißt.

Leider haben wir in Deutschland keinen Čapek, nicht mal ein schnelles Internet (da hinkt es dann auch mit der Intelligenz, zumal der künstlichen): nur noch die traurigen Reste von Perry Rhodan, dem einstigen Star der sogenannten Raketenhefte, wir haben Andreas Eschbach, der immerhin ein Perry-Rhodan-Prequel schrieb, wir haben Wolfgang Hohlbein, der in Goethes Weimar geboren wurde, aber an diesen trotz seiner Auflagenrekorde nicht heranreicht, Andreas Brandhorst mit seinem ersten Roman Die Unterirdischen im Zauberkreis-Verlag, sie alle nicht die „Erben des Universums“, sondern Epigonen von Kurd Laßwitz, Hans Dominik & Co. Es mag Ausnahmen geben: Timo Leibig (vielleicht mit Nanos), aber der setzt inzwischen auch nur auf seine Serienfigur Leonore Goldmann, Tom Hillenbrand, nein, nicht Frank Schätzing, bitte nicht: „Wir haben die Chance, die Welt nach Corona besser zu machen.

Rolf Giesen



LEBEN UND STERBEN LASSEN… meint DR.HORROR by Martin Compart
14. Mai 2020, 10:25 am
Filed under: Conspiracy, Dr. Horror, Philosophische Fragen, Sternstunden der Verblödung | Schlagwörter: , , ,

…war nicht nur der Titel eines Roger Moore-007, es ist auch das Schreckgespenst einer Wirklichkeit, die mit der unheimlichen Medien-Präsenz eines Zombie-Seuchen-Films über uns hereingebrochen ist.

Epidemien und Pandemien gehören zu den zyklisch auftretenden Damoklesschwertern der Menschheitsgeschichte: Pocken, Masern, Fleckfieber, der Schwarze Tod, Cholera und Spanische Grippe, Kollateralschaden eines globalisierten Krieges. O-Ton Boris Palmer: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“

Wenn das, möchte man mit dem mythologischen Nazarener ausrufen, wenn das schon mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?

Was wird dann nach der zweiten oder dritten Welle von Covid-19 sein? Wird die Welt nachher wieder so sein wie vorher?

Werden die Jecken in Heinsberg wieder Kappenfeste feiern dürfen?

Wird Deutschland je wieder Fußball-Weltmeister werden?

Wird am Ende kommen, was Untergangspropheten schon lange versprechen: eine weltweite Rezession – Finanzcrash – Währungsschnitt – Massenarbeitslosigkeit – und Schlimmeres noch: nein, nicht die Klimakatastrophe, die sowieso, sondern ein Hauen & Stechen um Klopapier und ein Dammbruch der Fäkalien?

Stets war und ist man in solchen Situationen, die angeblich ebenso wenig vorhersehbar war wie Apokalypse und Jüngstes Gericht (O-Ton Jens Spahn, noch im Februar ein Apologet der „aufmerksamen Gelassenheit“: „Im Nachhinein ist man schlauer“) und deren Wahrscheinlichkeit doch jedem Virologen seit einem Jahrzehnt bewusst war, auf der Suche nach möglichen Verursachern: Juden, die die Brunnen von Christen vergiften; Hexen, die schuld waren an Missernten; augenblicklich die Fledermaus-fressenden Chinesen. Schnell waren und sind Antisemiten, Hexenjäger, Trump-Jünger und andere Verschwörungstheoretiker zur Stelle: gar ein Unfall im Wuhan-Labor chinesischer Vampire, die Fledermäuse untersuchten?

Das Coronovirus selbst – Lock Down hin, Lockerungen her – soll uns hier nicht beschäftigen, wohl aber die möglichen gesundheitlichen Langzeitfolgen, die es bei Infizierten auslösen mag, vom temporären Verlust des Geschmackssinns bis hin, man kennt es doch aus diesen Zombiefilmen, zum permanenten Verlust des sogenannten gesunden Menschenverstands.

Was aber kommt nach dem Verlust des gesunden Menschenverstands? Was kommt nach Spahn, Karliczek und Andi Scheuer, der das einzige, was er tun sollte, nicht getan hat: die politische Verantwortung für seine dämlichen Handlungen übernehmen?
Doch wohl nicht der Chef-Stratege des freien Marktes: Christian „Moomax“ Lindner, der schon als junger Mann einen Porsche fuhr, sehr bald Insolvenz anmelden musste, dabei zwei Millionen in den Sand setzte und stattdessen FDP-Chef wurde?

Oder Friedrich Merz: „Ich traue mir zu, die CDU in die Zukunft zu führen“?

Oder der seinem Naturell entsprechend schwammig formulierende Peter Altmaier, der „Ludwig Erhard des 21. Jahrhunderts“? Heile heile Mausespeck. In hunnerd Jahr is alles weg.

Wir können von Glück sagen, dass die extreme deutsche Rechte überwiegend aus größeren Hohlköpfen geschnitzt ist. Während das Virus sich schon zur Pandemie auswuchs, machte B. Höcke in Thüringen noch seine Mätzchen. (Oder wird gerade mangelnder Sachverstand gepaart mit populistischer Ignoranz unsere Zukunft besiegeln, so dass wir wieder zurück in die germanischen Wälder müssen, als Bewohner kränkelnder Bäume womöglich?)

Leider stehen zu viele Science-Fiction-Autoren noch in der Tradition der Raketenhefte (Liest du schon wieder Raketenhefte? fragte die um das Wohl des Sprösslings besorgte Mutter und warf sie in den Ofen: Kindheitstrauma jedes Sammlers).

Jetzt könnte man nach Herzens- und Pessimistenlust Orwellsche Dystopien entwerfen. Tatsächlich beschleunigt die Pandemie nämlich nur, was längst im Busch war: die Geburtswehen einer neuen Zeit.
Was Orwell im Stalinismus vermutete, ist längst Bestandteil der sich wie ein Krebsgeschwür ausbreitenden digitalen Globalisierung geworden: Neusprech – totale Überwachung – Gehirnwäsche. Freiwillig öffnen wir uns den großen Brüdern Google, Facebook & Co. Würde es eines Tages ein „ewiges Leben“ in der Virtualität von Mind Control geben, wer weiß, wie viele ihre Körperlichkeit aufgeben würden für ein Linsengericht oder ein Freibier. Na gut, wir wollen mal nicht kleinlich sein: zwei Freibier.

Nein, ein Zurück in die Sicherheit des Mutterschoßes zwischen Befreiung vom Hitler-Faschismus und Kubakrise wird es nicht geben.

Vielleicht wird es auch der Anfang vom Ende der medialen Blockbuster sein, die vor Marvelscher Kraft kaum laufen konnten. Besonders hart trifft es zurzeit den Disney-Konzern. Aber die Start-ups der Zukunft, die Disney und seinesgleichen ablösen werden, stehen schon in den Startlöchern. Sie setzen auf Cocooning und Home Entertainment.
Aber um richtig effizient zu wirken, brauchen sie etwas mehr als eine Mattscheibe mit Schreibmaschine davor, sprich: mehr als PCs, sie brauchen ein Ding, das den „Volksgenossen“ richtig in die verseuchte Birne geht und jede Menge virtuellen Shit dort ablädt. Die Labors in Wuhan und anderswo in China arbeiten bekanntlich schon daran, das menschliche Gehirn zu infiltrieren, wenn man den amerikanischen Geheimdiensten glauben will.

Wird es irgendwann in Zukunft, so absurd, perfide und ungeheuerlich das klingen mag, virtuelle „Gaskammern“ geben statt Suppenküchen: wo die Armen und bösen Buben nicht wie in Pinocchio in Esel verwandelt werden, sondern in geistlose Energie? Natürlich wird man nicht von „Gaskammern“ sprechen, sondern von Herausforderungen in der Unendlichkeit des digitalen Universums.

Rolf Giesen

PS: Sie können diesen Artikel auch ausdrucken und ihn in Notzeiten als Klopapier-Ersatz verwenden. Der Autor hat nichts dagegen einzuwenden.

Mach mal wieder Home Entertainment – echt gut!



DR.HORRORS WEIHNACHTSBOTSCHAFT by Martin Compart
28. Dezember 2019, 11:43 am
Filed under: Dr. Horror, Ekelige Politiker | Schlagwörter: , , ,

DAS WUNDER DER WEIHNACHTSZEIT

Wie sehr hat doch die katholische Kirche unter dem ihr vom Bösen aufgezwungenen Missbrauchsskandal zu leiden!
Da wurden fromme Ministranten und Jungs sowieso von Geistlichen „z.b.V.“ eingesetzt und in einen sexuellen Abgrund geführt. In dieser kritischen Stunde mutet es wie ein weihnachtliches Wunder an, dass Deutschlands ältester Junior, ein Kind aus dem deutschen Osten, einen mutigen Schritt getan hat und dies auch überall in die Welt hinausposaunt.

Via BILD am Sonntag, Radio und TV erfahren wir, dass Jesaja 9:6 eine neue Bedeutung in der Person des zweitjüngsten Bundestagsabgeordneten erfahren hat: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter.“
Na gut, die Herrschaft ist noch nicht auf CDU-Amthors Schulter, aber was nicht ist, kann ja noch werden – solange den jungen Vorpommern, der am 13. Dezember in einer Berliner Kirche das heilige Sakrament einer katholischen Taufe empfangen hat, niemand aus der mitunter geilen Geistlichkeit… Aber reden wir nicht davon.
Er stamme, sagt der junge Amthor, aus der katholischen Diaspora: Das habe ihn allerdings nicht davon abgehalten, sich aus voller Überzeugung für die katholische Kirche zu entscheiden, an der er vor allem ihre Regelhaftigkeit schätze.

Regelhaftigkeit? Was ist das?

Ich schlage nach im Internet, welches wir auch in Vorpommern empfangen: Ein Schema wird demzufolge definiert als eine ausdrucksseitige Gestalt, der eine spezifische REGELHAFTIGKEIT in dem Sinne anhaftet, dass sie ein bestimmtes Konzept wiederholt ausdrucksseitig repräsentiert. Mit dem Schema ist in Amthors Fall womöglich ein Denkschema gemeint. Amthor weist jedoch darauf hin, dass wir uns über seinen Glaubensschritt, der kein Schnellschuss gewesen sei, bitte keine weiteren Gedanken machen sollen: Es sei eine sehr private Angelegenheit, die nicht von anderen politisch instrumentalisiert werden solle, sondern – so ergänzen wir mal – nur von ihm selbst.
Lk 18,16: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“

Nach dem Dritten also nun das Reich Gottes: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und wählt das Gotteskind Amthor von der CDU.
Gehen wir auf die Knie und schließen den wundersamen Philipp in unser weihnachtliches Dankgebet ein, auf dass auf deutschem Boden wieder geglaubt werde.

.
.

„Jeder, der verrücktgenug ist, um seines Aberglaubens willen eine Strafe zu riskieren, verdient sie auch.“
Harry Flashman



„WIR UND DAS KLIMA“ von DR.HORROR by Martin Compart
26. September 2019, 8:30 am
Filed under: Dr. Horror, Ekelige Politiker, Parasiten, Politik & Geschichte | Schlagwörter: , ,

Alle reden vom Wetter. Wir nicht…

lautete im Herbst 1966 der Slogan der Deutschen Bundesbahn.

Gegen das Wetter können wir relativ wenig tun, sagt ein halbes Jahrhundert später der Kopfschmerz-Experte der Berliner Charité im Frühstücksfernsehen mit Blick auf Patienten, die über Migräne bei Wetterwechsel klagen.

Da kann man entweder wie die AfD Wetter und Klima ignorieren und, wie Herr Gauland, Allzweck-Unterwäsche tragen: Wie das Wetter auch wird für unser Klima: Medima, Medima. Man kann, laut Beatrix von Storch, ja auch der Sonne nicht verbieten zu scheinen. Und, möchten wir ergänzen: dem Regen nicht zu regnen. Dem Sturm nicht zu stürmen. Und dem Nebel nicht zu vernebeln. Da kann man nichts machen. Das ist sozusagen höhere Gewalt und kann nicht eingeklagt werden. Karsten Hilse, AfD-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, Polizist aus Hoyerswerda (!), wehrt sich gegen, wie er wohl meint: pseudowissenschaftliche Urteile über den Klimawandel: „Bis zu Zeiten von Kopernikus sind 100 Prozent davon ausgegangen, dass die Erde im Mittelpunkt steht. Bis 1930 sind 100 Prozent aller Wissenschaftler davon ausgegangen, dass es keine Kontinentaldrift gibt. Also kann sich auch die Mehrheit [der Wissenschaftler] quasi irren.“ Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. Der Ball ist rund, also ist es auch die Erde. Da ist für jeden etwas drin. Es ist wie der Wetterbericht in den Lokalnachrichten: mal so, mal so, etwas Sonne, etwas Regen, auch Wind dabei, Sturmböen am Abend nicht ausgeschlossen. Schauen Sie am besten aus dem Fenster. Wenn es schön ist, ist es schön, und wenn es schlimm kommt, erwischt es uns arg.

Die Bundesregierung packt in der Zwischenzeit Pakete: Klimapakete. Sie setzt Steuern gegen den Klimawandel ein, da wird das Klima ja wohl ein Einsehen haben müssen. Diese Klimapakete erinnern irgendwie an die Ablassbriefe des 15. Jahrhunderts.

Noch einmal O-Ton Karsten Hilse, der sich wie Pig Brother Trump auf die Fake-News aus den Laboren einschießt: „Und außerdem ist Wissenschaft keine Demokratie, sondern basiert auf wissenschaftlichen Fakten und nicht auf Mehrheitsverhältnissen.“ Am besten, wir stellen beides zur Disposition: Wissenschaft und Demokratie.

Ein Planet wird geplündert, hieß 1975 ein Beststeller des vergessenen CDU-, GAZ- und ÖDP-Politikers Herbert Gruhl. Der konservative Gruhl sah aufgrund von Überbevölkerung eine „Menschenlawine“ auf uns zukommen, und auch Wolfgang Schäuble erwähnte in einer sonst belanglos schwäbelnden Rede am 12. November 2015, der ich beiwohnte, mit einem Mal die Gefahr von Lawinen: „Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt.“ Mit den Lawinen meinte er Menschenlawinen und mit dem unachtsamen Skifahrer die Frau Bundeskanzlerin. Da könnt ihr zehn Meter hohe Mauern bauen in Europa, wenn ihr uns wirtschaftlich hängen lasst: Wir kommen, drohte ein afrikanischer Ökonom in einem Dokumentarfilm über das, was man gewiss nicht essen kann, zumal es schon virtuell ist: das Geld.
Gewiss stellt eine Erhöhung der Weltbevölkerung, wie die Amerikaner zu sagen pflegen, eine echte Herausforderung dar. Irgendwann werden es neun Milliarden und zum Ende des Jahrhunderts über zehn sein, und die müssen ernährt werden. Das ist genug Stoff für zwei Planeten von irdischer Dimension. Trumps Lösung: McDonalds- oder Burger King-Franchise weltweit. Das ist auch nicht besser als Solyent Green. Globalisierung made in USA. In Japan haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, menschliche Fäkalien zu recyceln und in Nahrung rückzuverwandeln. Soylent Brown nannte das mal jemand im Internet.

Wir schaffen das auch ohne Galactus.

Scheiß der Hund drauf! Wenn es nach Politikern wie Trump geht, werden wir alle zu „Klimasündern“. Tanz auf dem Vulkan. Nach uns die Sintflut. Das Klima werden die, die nach uns kommen, schon richten. Puerile Science Fiction hatte in solchen Fällen immer schon eine Wunderwaffe parat. Zum Beispiel könnten wir mit Warpgeschwindigkeit die Menschheit auf andere Planeten umsiedeln. Oder Teile davon. Oder wenigstens einen klitzekleinen Teil in einer Raum-Arche oder so. Oder die Erde selbst zu einer Raumarche machen wie in der Dystopie des Chinesen Cixin Liu. Im Universum können wir uns dann ja grenzenlos vermehren und unseren Schmutz in die Milchstraße kippen. Und wenn es nicht körperlich geht, vielleicht können wir es digital realisieren und uns selbst entkörperlichen, durch Virtualisierung im Netz oder so. Dann wäre schön viel Platz für die Trumps dieser Welt, denen dann die Freeways gehören. Auch die Kriege der Zukunft finden ja nur noch virtuell statt: als CyberWars.

Eine andere Idee der Science Fiction waren die kleinen grünen Männchen.
Sie konnten nach Meinung der Autoren nur vom Mars oder sonst woher kommen. Wenn sich nun aber irgendwann, in ferner, naher Zukunft, die Grünen mit den Braunen paaren…? Ist die Zeit wieder reif für drastische Maßnahmen? Wenn schon eine Diktatur, sagt ein im Fernsehen Befragter, dann bitte: hart, aber herzlich. Also nicht ganz so wie bei Adolf, aber man wird ja wohl mal drüber reden dürfen. Wie diese ehemalige Tagesschau-Sprecherin: „Es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat“, aber: „Was gut war, das sind die Werte, Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt.“ Und hat nicht auch die Diskussion um erneuerbare Energie, wenn man genau hinsieht, eine Geschichte, die in die Abgründe der Nazizeit hineinreicht?

Braucht es nicht – Zitat: eine „Mobilisierung wie in Kriegszeiten“, um dem Klimawandel die Stirn zu bieten?
LET’S WIN THE WAR ON WARMING, überschreibt Bill McKibben einen Artikel im US-Magazin “New Republic” und spricht von der Herausforderung wie vom Dritten Weltkrieg…

The question is not, are we in a world war? The question is, will we fight back? And if we do, can we actually defeat an enemy as powerful and inexorable as the laws of physics?



DR,HORROR – der letzte Aufklärer – erklärt die Welt by Martin Compart
7. Juli 2019, 11:18 am
Filed under: Dr. Horror, Politik & Geschichte, Sternstunden der Verblödung | Schlagwörter:

DAS LETZTE AUFGEBOT DER DEMOKRATIE

Irgendwie, habe ich den Eindruck, schafft sich die Demokratie selbst ab.

Es klinge wie ein schlechter Scherz. In einem Land, in dem ein Mensch im Schnitt 300 Euro im Monat verdiene und Rentner 80 Euro bekämen, in dem seit fünf Jahren Krieg herrsche und zweieinhalb Millionen Menschen ihre Heimat verloren hätten – in so einem Land, lästerte ZEIT-Autorin Alice Bota, setzten viele Wähler auf einen unerfahrenen Komiker.

Aber nicht nur in der Ukraine ist die Politik verrückter als jedes Drehbuch. In den USA greift ein ehemaliger Reality-Star (You’re fired!) nach Mond und Sternen, die er in einer zweiten Amtszeit besetzen will. Wenn es nach Donald Trump geht, dann bleiben die Amis 2024 auf dem Mond oder besser: hinter dem Mond.

Auch in der Bundesrepublik sieht man Andy Scheuer ein Star-Wars-Laserschwert zücken, um den Gordischen Maut-Knoten zu zerschneiden, während seine Kollegin Dorothee Bär weiter auf Flugtaxis wartet, die im Breitband-Entwicklungsland Deutschland so selten sind wie bald die Bienen. Tierwohl-Advokatin Klöckner, Weinkönigin, Mitglied der Mainzer Ranzengarde und Zucker-Queen, kooperiert mit Nestlé. Jens Spahn profiliert sich über unsere Organe.

Die in Brüssel geborene Ursula von der Leyen macht sich vom Acker einer Bundeswehr, die – um einen SPIEGEL-Artikel aus dem Jahr 1962 zu zitieren – wirklich nur noch bedingt abwehrbereit ist – und damit plaudern wir nicht mal ein militärisches Geheimnis aus. „Heute ist der Tag der Trauer“, sagt Frau von der Leyen vor ihrem Abgang. Dr. Franziska Giffey lässt freiwillig ihre Doktorarbeit prüfen. Und die ehemalige Hotelfachfrau Anja Karliczek übt das Wort Bildung zu buchstabieren: B-i-e–l-d-u-n-k.

Inzwischen formiert sich (Ludwig Erhards „formierte Gesellschaft“) das letzte Aufgebot der Demokratie. Die wenigen Jungen in der SPD setzen ihre letzte Hoffnung auf Kevin Kühnert. Laut Wikipedia klagte er sich 2009 an der FU Berlin in ein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ein, um es dann abzubrechen und in einem Callcenter zu arbeiten. (Aber immer noch besser als die 20 Semester Germanistik-Studium einer ehemaligen Messdienerin aus der Vulkaneifel, Abschlussarbeit: Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman!)

„Ich war schon Klassensprecher, da warst Du noch nicht mal in der CDU.“

Den Vogel aber schießt Jungjurist Philipp Amthor, die „Planierraupe“ aus Ueckermünde, ab, ein unvergessliches Gesicht, „nicht getauft und kein Christ“, aber Talkshow-Pfeiler der CDU, mit dem wahrscheinlich auf dem Pausenhof niemand spielen wollte. So wurde der ewige 26-Jährige, der aussieht wie ein Filialleiter bei Lidl oder ein Anlageberater der Deutschen Bank, schon 2008 Mitglied der Jungen Union und der Christdemokraten und heftete sich an die Fersen von Frau Merkel. Auf Twitter lese ich einen kleinen satirischen Kommentar: Philipp Amthor soll Verteidigungsminister werden. Stelle es mir toll vor, wenn er bei einer Schiffstaufe die Flasche Sekt mit den Worten „Na, du alter Zerstörer“ gegen den Bug schmeißt. Mit dem „Zerstörer“ ist natürlich der YouTuber Rezo gemeint, dem Amthor in einem im Adenauer-Haus von seiner Mentorin Angela Merkel aufgenommenen Antwort-Video gepflegt die Fresse polieren wollte. Aber die Aufnahme hat sich vorsorglich selbst vernichtet, hört man. Selbstbewusstsein und Schneid hat er aber schon, der Jungmann. Die WELT zitiert den Showdown zwischen ihm und Rezo: Das war ein bisschen wie in „Rocky 4“, die Kampfszene, Rocky Balboa gegen Ivan Drago. Sicher sei sich Amthor auch über den Ausgang gewesen: Ich glaube, ich hätte gewonnen.

Der schwarzen Null soll auf Sizilien bereits ein Denkmal errichtet werden.

Bei der AfD will Klimaexpertin Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, die Sonne verklagen, dass sie so heiß auf unsere Sahara scheint. Wahrscheinlich haben irgendwelche Migranten die Sahara-Hitze eingeschleppt wie ein Virus. Und überhaupt: Umweltschutz nur dort, wo es der Heimat dient! Der US-Präsident macht es schließlich vor. Und wenn der Klimawandel doch anthropogen sein sollte so wie der Plastikmüll in den Meeren, findet er, dann seien die Schlitzaugen schuld: Ozeane sind sehr klein. Und es bläst herüber und segelt herüber. Ich meine, wir holen ständig Tausende von Tonnen an Müll von unseren Stränden, der aus Asien kommt Er fließt einfach direkt den Pazifik hinunter.
Er fließt und wir sagen: „Woher kommt das?“

So müssen wir uns um die Demokratie keine Sorgen machen wie damals in der Weimarer Republik. Bei Leuten wie diesen ist sie in besten Händen. Nazis an der Macht, eine braune Diktatur, nein, doch nicht mehr im 21. Jahrhundert. Und wenn schon, dann – bitteschön – grüne Nazis: kackbraun & giftgrün. So was in der Art des seligen Öko-Bauern Baldur Springmann, der Naturverbundenheit, Heimatliebe und Volkstumsbewusstsein postulierte, also ein ganz klein wenig Blut & Boden, aber um den Boden ist es ja eingedenk des Klimawandels und Extrem-Wetters schlecht bestellt.

Eine Reform der Bundeswehr ist unumgänglich!



DR.HORROR ERKLÄRT DIE APOKALYPSE Teil 325 by Martin Compart

Seit Jahrzehnten wissen wir, wer der schlimmste Mann Deutschlands ist: Dr.Horror (beim BKA als Rolf Giesen geführt). Während wir freudig beim Kükenschreddern zusehen, legt sich Dr.Horror mit der heiligen Ex-Weinkönigin an. Erbärmlich!



DR.HORROR ERKLÄRT DIE 7.KUNST by Martin Compart
3. August 2018, 1:16 pm
Filed under: Dr. Horror, Film | Schlagwörter: , , , , ,

Die 7.Kunst birgt noch viele Geheimnisse und Mysterien, die von waghalsigen Filmhistorikern entdeckt und aufgeklärt werden müssen. Kaum einer sieht die Röhren, Stollen und Querverbindungen, die unterhalb der Oberfläche verlaufen, so wie DR.HORROR. Mit seinem privilegierten Zugang zur Wahrheit gibt er uns Erkenntnisse, die uns aus dem Zustand tiefster Betrübung befreien.

Auch heute geht er wieder dahin, wo es weh tut. Wer denkt, er habe schon alle schlechten Filme gesehen, wird von Dr.Horror immer wieder erleuchtet.
Achja, nochwas: Für die Lektüre und Filmbetrachtung bekommt man diesmal keine Payback-Punkte.



Sie haben einmal die Behauptung aufgestellt, dass der Film HERKULES, SAMSON UND ODYSSEUS der beste Film sei, den es gibt. Das wird manchen Cineasten verdrossen haben.

Ich sehe diesen 1963 in Italien entstandenen Film, mehr noch als die Nouvelle Vague, als einen Vorläufer der 68er-Bewegung. Die jungen Radikalen Herkules (Dutschke & Co. in Westberlin) und Samson (Cohn-Bendit) lassen sich vom Heiligen Geist des listenreichen Odysseus (Ernst Bloch, Adorno, Marcuse) erleuchten und bilden über die Grenzen der Geschichte hinweg eine eindrucksvolle Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus.

Wie kommen Sie darauf, dass dies ein antifaschistischer Film ist?
Sind Sie noch bei Sinnen?

Es wird Ihnen entgangen sein, dass nach dem Kampf gegen ein Seeungeheuer (ein Walross in Vergrößerung), dem Erlegen eines Stiers und eines Löwen die Philister in Mannschaftsstärke gegen das Trio Infernal antreten und damit die Vorfahren terrorgeschulter Palästinenser. Und diese Typen tragen Wehrmachtshelme, echt. Ich habe es noch einmal gecheckt. Wahrscheinlich ein Geschenk des gut zehn Jahre später in Beirut verstorbenen Hitler-Bewunderers Mohammed Amin al-Husseini, eines erklärten Antisemiten, der Muslime für die Waffen-SS mobilisiert hat. Der Terror im Nahen Osten hat ja eine lange Geschichte, und wir Deutsche spielen da eine gewisse Rolle, die das Filmwerk pointiert thematisiert.

Leidet der Film unter der Abwesenheit von Mark Forest?

Das Fehlen von Maciste ist sehr bedauerlich, wie auch die Abwesenheit eines Goliath auf Seiten der Philister. Der Amerikaner Mark Forest singt heute ja Wagner-Opern. Er hat Gesang studiert. Aber der italienische Herkules Kirk Morris hat ja auch Maciste gespielt und in dieser Rolle die Feuerteufel besiegt (heute würden wir sagen: Andreas Baader und seine Kaufhaus-Brandstifter). Und Odysseus Enzo Cerusico hat schon als Achtjähriger vor der Kamera gestanden und unter der Regie von Vittorio de Sica und anderer Neorealisten gespielt. Übrigens war der unter den Decknamen Richard Lloyd oder Rod Flash geführte Samson ein gebürtiger Iraner: Iloosh Khoshabe verstarb 2012 in Teheran. Palästina und Iran, Syrien noch dazu – da kommt einiges in diesem monumentalen Filmwerk zusammen! Und der Eintritt kostete damals in der Jugendvorstellung nur eine Mark fünfzig.

In Witten kostete der nur einszwanzig!

Da sehen Sie mal: ein Film, der Rücksicht nahm auf die Geldbörse. Heute zahlt man für die Disney-Marvel Avengers doch mindestens zehn Euro, aber was sind Spider-Man, Captain America oder Dr. Strange gegen Herkules, Samson und Odysseus?

Würden Sie sagen, dass er als Regisseur anständig gehandelt hat? Da gibt es ja wohl international den einen oder anderen Zweifel.

Der Autorenfilmer Pietro Francisci hatte ein Jura-Examen in der Tasche und hob dann erst mit Steve Reeves als Herkules die Muskelmann-Filmmythen aus der Taufe. Ein großartiger, kleiner, dicker Mann, für den die geschäftliche Seite der Filmkunst keine Schande bedeutete.
Er war Lateiner und wusste, was viele junge Kollegen in Deutschland nicht begreifen: non olet! Steve Reeves, so sagt man, habe seine Partner beim Dreh nicht verletzen wollen, aber Francisci sagte ihm: „Wenn du ihnen nicht weh tust, werden sie nicht bezahlt!“ Das ist noch echte kommerzielle Filmregie und keine amphibische Film/Fernsehscheiße. 1966 drehte er übrigens ein Pendant zu unserer faschistischen Raumpatrouille: Raumkreuzer Hydra – Duell im All. Er ist zu früh von uns gegangen: 1977.

Postskriptum:

Je mehr ich über HERKULES, SAMSON & ODYSSEUS nachdenke, umso eindringlicher wird die Botschaft: Unter dem Pflaster liegt der Strand. Louis Malles VIVA MARIA gab der Protestbewegung die Bomben, HERKULES, SAMSON & ODYSSEUS schon vorher die preiswerteren Steine, die überall herumliegen. Herkules und Samson begruben die Philister unter schweren Felsbrocken. In Wahrheit waren es natürlich Special Effects und die Felsbrocken aus Pappmaché. (Wieder eine Illusion von damals weniger.) Und da auf Berliner und Frankfurter Straßen damals keine Felsbrocken herumlagen und Joschka und Genossen auch zu schwach gewesen wären, nahmen sie Pflastersteine. Die Idee kam von Herkules, Samson und dem listenreichen Odysseus. Heute laufen solch inspirierend mythologischen Filme nicht mehr, sondern nur noch Raketenfilme. Deshalb werfen sie keine Pflastersteine, sondern vertiefen sich in Computerspiele und bewerben sich bei Frau von der Leyen für das Cyberkrieg-Department.