Martin Compart


FRITZ DUSQUESNE 5: KILLING KITCHENER by Martin Compart
28. Februar 2018, 3:15 pm
Filed under: Afrika, Conspiracy, Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , ,

Auf Geheiß des deutschen Geheimdienstes setzte sich Dusquesne im Juni 1916 aus den USA ab. Als russischer Herzog Boris Zakrevsky tauchte er in Holland auf. Von da aus reiste er nach Schottland um an Bord der HMS Hampshire als Berater von Lord Kitchener, damals britischer Kriegsminister, mit diesem nach Russland auf eine „diplomatische“ Mission zu reisen. Damit kam Dusquene seinem Erzfeind so nahe wie nie. Jetzt konnte er sich persönlich und die Buren rächen. Kitchener musste für seine Grausamkeit und seine Kriegsverbrechen büßen.

Der Held von Omdurman, Sieger über den Mahdi und Rächer Gordons, war bei den Politikern in Whitehall alles andere als beliebt. Um ihn loszuwerden, schickte man ihn in vorgeschoben heikler Mission nach Russland, um zu verhindern, dass der Zar eventuell einen Separatfrieden mit den Mittelmächten schließen würde.

Laut Dusquesne ging er nach Holland, um sich dort mit einem revolutionärem Buren-Komitee zu treffen, das mit dem deutschen Geheimdienst zusammen arbeitete. Diese hatten erfahren, dass ein Herzog Zakrevsky Kitchener auf seiner Reise begleiten sollte und ihn kurzerhand entführt. Das Komitee ernannte Dusquesne zum Colonel und die Deutschen statteten ihn mit den nötigen Papieren aus, die ihn als russischen Herzog auswiesen. Sein Biograph Wood behauptete, Dusquesne hätte fließend Russisch gesprochen, was aber kaum den Tatsachen entsprochen haben könnte. Da Zakrevsky wegen seiner guten Englischkenntnisse als Begleiter ausgewählt worden war, spielte dies keine Rolle.

Am 5.Juni 1916 gingen beide an Bord der HMS Hampshire, die „den Hauptstützpunkt der britischen Flotte Scapa Flow durch den Hoy Sound in Richtung Archangelsk. Wenig später lief sie jedoch westlich der Orkney auf eine Mine, die vermutlich am 23. Mai vom deutschen U-Boot U 75 unter Kurt Beitzen gelegt worden war, und sank binnen 15 Minuten. Von der 655 Mann starken Besatzung überlebten lediglich 12 den Untergang des Schiffes. Unter den Getöteten befand sich neben dem 65-jährigen Kitchener auch ein großer Teil seines militärischen Stabs“ – so laut WIKIPEDIA.

Dusquesnes Version ist eine andere: Er will einem deutschen U-Boot Signale gegeben haben, dass dann das Schiff torpedierte und versenkte. Zuvor war Dusquesne mit einer Schwimmweste von Bord gegangen und später vom U-Boot aufgenommen worden. Für diese Tat wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, dass er auf Fotos von sich mit stolzer Brust trägt.

Über Kitchners Tod existieren eine Reihe von Verschwörungstheorien. Eine besagt, er wäre der Bombe eines irischen Freiheitskämpfers zum Opfer gefallen. Lord Alfred Douglas (ja, der von Oscar Wilde) behauptete, er sei ein Opfer des britischen Geheimdienstes auf Geheiß von Churchill und anderen Kabinettsmitgliedern geworden, da diese Kitchners arrogante Dominanz nicht mehr hinnehmen wollten. Churchill verklagte Lord Douglas erfolgreich deswegen.

Ausführlich berichtet die Seite https://www.deutsche-schutzgebiete.de/kitchener.htm über Theorien, Ablauf und Erkenntnisse dieses Vorfalls. Hier ein Auszug:

„Der Tod Lord Kitcheners löste in Großbritannien eine Schockwelle aus, das Gefühl einer nationaler Katastrophe, nur vergleichbar mit dem Tod Prinzessin Dianas und wie auch nach ihrem Tod gab es bald danach die wildesten Spekulationen über die Ursachen und den Hergang. Sie reichten von einen Anschlag irischer Nationalisten, über die Tat eines deutschen Meisterspions bis zu der deutschen Theorie der britische Geheimdienst habe Lord Kitchener geopfert, damit er nicht die vollkommen desorganisierte russische Armee reorganisieren konnte. Die britische Regierung hätte damals vielfältigere Ziele als die englische Heeresleitung besessen und Großbritanniens Absicht war nicht nur die Niederlage Deutschlands, sondern zugleich die Schwächung Frankreichs und eine möglichst dauerhafte Ausschaltung Russlands als Großmacht. Tatsächlich wurde nach Kitcheners Tod kein Versuch unternommen, eine auch nur annähernd gleichwerte Persönlichkeit seitens der Westmächte mit der Reorganisation des russischen Heeres zu betrauen. Das Ergebnis ist bekannt.



Eine der plausibelsten Verschwörungstheorien britischer Autoren besagt, dass Kitcheners Widersacher im britischen Kabinett ihn einfach loswerden wollten:
Als Kitchener 1914 zum Kriegsminister ernannt wurde, schrieb der britische Premierminister Lloyd George: „Das ganze Kabinett wurde von Kitcheners Gegenwart, wegen seines Rufs und seines enormen Prestiges, eingeschüchtert. Ein Wort von ihm war entscheidend und niemand wagte es, ihn in einer Kabinettsbesprechung herauszufordern“. Über die Jahre bis 1916 waren Lloyd George und Kitchener erbitterte Feinde geworden. Kitcheners Position im Kabinett war inzwischen sehr schwach geworden und nun wollten man sich auch von ihm befreiten. Dies war jedoch aufgrund seiner Beliebtheit als britischer Nationalheld nicht möglich. Der Premierminister versuchte, eine Lösung zu finden. Lloyd George schlug vor, die Bitte der Russen um eine britisch-russische Kooperation zu erörtern und wollte selbst nach Russland reisen, dabei sollte ihn Kitchener ursprünglich nur begleiten. Alles wurde arrangiert, da brach Lloyd George seine geplante Reise ab und fuhr plötzlich nach Irland, Kitchener musste die Reise nach Russland allein antreten.
Die Admiralität organisierte die Reise für den 5. Juni 1916.Die übliche Strecke für Schiffe nach Archangel (Russland) war über den minefreie Kanal ostwärts der Orkey-Inseln und so wurde es auch für dieses Mal geplant.
Jedoch erreichte Kapitän Saville von HMS „Hampshire“, etwa 15 Minuten vor Abreise eine Befehl von Admiral Jellicoe, dass er sein Schiff durch den westlichen Kanal umleitet solle, was dieser auch tat. Dies ist eine sehr bemerkenswerter Punkt, da der westliche Kanal nicht von Minen gesäubert war und diese Tatsache der britischen Admiralität, die Anwesenheit von „U 75“ und seine verrichtete Arbeit, bekannt waren. Die britische Admiralität war seit Ende 1914 in der Lage den deutschen Funkverkehr zu entschlüsseln und wusste so relativ genau über Position und Auftrag der deutschen Schiffe Bescheid. (siehe auch „Was geschah nach dem Verlust von SMS Magdeburg?“). Die anschließende Rettungsaktionen scheinen auf Grund von Kommunikationsschwierigkeit zwischen Admiralität und lokalen Seenotrettungsdiensten behindert worden zu sein. Auch wusste die britische Admiralität vom bevorstehenden Sturmtief und hatte es angeblich falsch interpretiert. Obwohl die beiden Begleitschiffe „Unity“ und „Victor“ hochseefähig waren, wurden sie zurückbeordert.

Das deutsche U-Boot „U 75″ lief am 13. oder 14.12.1917 auf eine englische Mine und versank.“

Dusquesne kehrte in die USA zurück. Er kontaktierte Senator Robert Broussard, mit dem er schon in seinem Vorhaben zusammen gearbeitet hatte, Flusspferde nach Louisiana einzuführen. Broussard führte ihn bei General George Washington Goethals ein, dem Quartiermeister der U.S.Army. Was Dusquesne von ihm wollte, ist unbekannt. Zur selben Zeit arbeitete er an einer elektromagnetischen Unterwassermine, die er patentieren lassen und an die U.S.-Navy verkaufen wollte. Auch daraus wurde nichts. Kurz nachdem die USA Deutschland den Krieg erklärt hatte, verließ er Washington im Juli.

Am 17.November 1917 wurde Dusquesne in New York verhaftet wegen mehrerer Fälle von Versicherungsbetruges. Man fand bei ihm Zeitungsausschnitte über Schiffsexplosionen und einen Brief des deutschen Vizekonsuls von Nicaragua, indem ausgedrückt wurde, dass Captain Dusquesne in deutschen Diensten stand. Sofort signalisierten die Briten Interessen an dem Fang und baten um Überstellung wegen „murder on the high seas, arson, faking Admiralty documents and conspiring against the Crown“,
Die Amerikaner setzten Dusquesne erstmal fest und bereiteten ihre Vorwürfe prozessual vor. Sie sagten den Briten zu, Dusquesne auszuliefern, wenn sie ihn anschließend zurück schicken würden, damit er seine US-Straftaten abbüßen könne. Ein ziemlich durchsichtiges Verfahren: Die Briten hätten Dusquesne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Tode verurteilt, während die USA ihn nur für vergleichsweise geringe Straftaten belangen konnte.

FORTSETZUNG FOLGT

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ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
23. Februar 2018, 3:27 pm
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DER RONIN: BARRY EISLER UND SEIN HERRENLOSER SAMURAI by Martin Compart
15. Februar 2018, 10:58 pm
Filed under: BARRY EISLER, Porträt, Spythriller, thriller | Schlagwörter: , , , , ,

„Harry glitt durch das Menschengewimmel der morgendlichen Rushhour wie eine Haifischflosse durchs Wasser.“
Mit diesem schönen Satz beginnt eine der besten Killer-Serien seit William Wingates Hardacre- und Max Allan Collins Quarry-Büchern.

Killer-Serien als Subgenre der Kriminalliteratur haben ihre eigene Faszination: Mit dem ultimativen Bruch des Sozialvertrags ist der Killer der absolute gesellschaftliche Außenseiter (auch wenn er wie Bond staatlich legitimiert ist, denn der staatliche Bruch des Sozialvertrages beinhaltet ja auch gleichzeitig die Bankrotterklärung einer zivilisierten Gesellschaftsform).

Barry Eislers John Rain-Serie ist international erfolgreich: Die bisherigen Romane sind in zwanzig Sprachen übersetzt worden, und 2009 kam ein erster Film RAIN FALL (mit the one and only Gary Oldman in einer Hauptrolle als Tokioer CIA-Chef und Gegner von Rain; Regie führte Max Mannix) in die Kinos. Der Film war so grottig schlecht, dass er Maßstäbe gesetzt hat – ein echte Rein-Fall – um diesen blöden Witz loszuwerden. Seit 2014 ist eine Mini-TV-Serie mit Keanu Reeves im Gespräch, bzw. Produktion.

„Es ist sicher eine Herausforderung, einen Auftragskiller für den Leser sympathisch zu machen. Aber es gibt Hilfsmittel. John Rain hat einen Moralkodex: Keine Frauen, keine Kinder und keine Unbeteiligten. Killer wie er sprechen etwas in uns an, indem er unsere antisozialen Wünsche verkörpert. Jeder von uns hat doch gedanklich schon jemanden umgebracht. Etwa das Arschloch, das am Nebentisch lautstark in sein Handy quatscht. Ich habe viele weibliche Leser, wie Lee Child. Frauen mögen Rain. Vielleicht, weil er ein guter Zuhörer ist. Und mysteriös, kultiviert und – sehen wir den Tatsachen ins Gesicht -, weil er ein böser Junge ist. Böse Jungs sind sexy. Ich liebe die Romane Trevanians. Seine Killer Nicolai Hell aus SHIBUMI oder Jonathan Hemlock sind teilweise sympathisch, weil sie anderen an Intellekt, Geschmack und Kultiviertheit überlegen sind. Ohne einen Kodex oder seine Philosophie wäre Rain nur ein Nihilist oder ein Soziopath. Niemand, mit dem man mitfühlt. Die Herausforderung ist, einen Mann zu schildern, der böse Dinge anstellt, aber in einer Weise, dass der Leser ihn mag.“

Vergleiche mit Lee Child, die man gelegentlich liest, hinken. Eisler, der inzwischen ein richtiges Panoptikum an Nebenfiguren eingerichtet hat, bedient sich durch diese „Stock Company“ viel stärker bei melodramatischen Strukturen als Lee Child. Aber auch für Rains gilt, was für alle Noir-Helden gilt: Sie können die Welt nicht kontrollieren, bestenfalls entscheiden, wie sie in ihr leben.

Halb Japaner, halb Amerikaner ist John Rain eine wurzellose Figur. Ein Vietnam-Veteran, den Amerikas Kriege zynisch gemacht haben und der keinen Parolen mehr glaubt. Eisler gelang mit ihm ein äußerst komplexer Charakter, der mit jedem Buch mehr an Tiefe gewinnt.

Gleich zu Beginn der Serie wird Rain emotional ins Geschehen verwickelt: Er verliebt sich in die Tochter eines seiner Opfer. Als er sie auch töten soll, wendet er sich gegen die Auftraggeber und beschützt sie. In HARD RAIN bringt er einen CIA-Agenten um, der ihn verfolgt hat und muss für das japanische FBI einen hohen Yakuza-Boss umlegen. Auch hier lässt der libertäre Eisler keine Gelegenheit aus, um das Wirtschaftssystem und die korrupten Politiker, die sich dessen so unverfroren bedienen, zu geißeln. Am Ende inszeniert Rain seinen eigenen Tod und flieht nach Brasilien, um ein neues Leben zu beginnen.

Aber er hat die Rechnung ohne seine alten Arbeitgeber von den „Christians in Action“(CIA) gemacht. Sie finden ihn in Brasilien und schicken ihn in RAIN STORM nach Macao und Hongkong, wo er einen Waffenhändler umlegen soll, der verschiedene Terror-Gruppen beliefert.

KILLING RAIN führt ihn im Auftrag des Mossad nach Manila. In THE LAST ASSASSIN erfährt er, dass seine einstige Geliebte und ihr Kind noch leben. In New York. Aber sie werden auch von Rains Feinden observiert. Für viele gilt der Roman als Eislers bisher bester. Zum Zeitpunkt des Erscheinens sagte er auch öfters, dass er die Rain-Serie begrenzen wolle. Sie solle mit dem Tod des Protagonisten enden.
In REQUIEM FOR AN ASSASSIN wird Rains Freund Dox entführt. Rain, inzwischen in Paris, soll für die Kidnapper drei Hits ausführen, um Dox´s Leben zu retten. Dahinter steckt mal wieder der Ex-CIA-Agent Hilger, der Rain für terroristische Aktionen instrumentalisieren will. Die Handlung führt nach Bali, Vietnam, New York, Rotterdam und dem Silicon Valley. Genügend Schauplätze für atemberaubende Beschreibungen und jede Menge Action.

Eisler recherchiert akribisch. Er besucht jeden Handlungsort, um ein Gefühl für dessen Essenz zu bekommen, quetscht Experten aus und nutzt exzessiv das Internet. Er ist oft witzig, immer genau und ein exzellenter Kenner der japanischen Kultur, die er ebenso respektvoll beschreibt, wie auch ihre Absurditäten aufdeckt: „Japaner machen nicht Halt, um sich eine Zigarette anzuzünden, denn sonst würden sie im Laufe ihres Erwachsenenlebens ja Wochen verlieren.“ Ihm gelingen großartige Schilderungen von Tokio, Bangkok, Rio oder Barcelona – letztere neben Tokio seine Lieblingsstadt.

Eine weitere Stärke ist seine sorgfältige und vieldimensionale Darstellung von Nebenfiguren (etwa Dox oder Rains Mossad-Geliebte Delilah). Als Ich-Erzähler führt er den Leser in den Kopf von John Rain. Faszinierend, wie es Eisler schafft, den Leser quasi life an allem teilnehmen zu lassen. Eisler gleitet in die Szenen wie ein Regisseur mit subjektiver Kamera. Ob eine Fahrt mit der Tokioer U-Bahn oder eine Kampfszene, er langweilt nie mit seinen präzisen, oft lyrischen Beobachtungen. Keine Frage: Barry Eisler ist ein begnadeter Schriftsteller, einer der besten Autoren, die im Genre arbeiten. Einer der Besten in jedem Genre.

Eisler sieht fast auf eine yuppieart gut aus, ist freundlich und liebenswürdig. Ein echter Schwiegermüttertraum mit besten Manieren. Sein Äußeres lässt kaum vermuten, dass er knallharte Thriller schreibt und für die CIA gearbeitet hat. Als Marketinggenie in eigener Sache weiß er vorzüglich mit Fans und Buchhändlern umzugehen (seine Tips verrät er im Internet). Lange Lese- und Signierreisen auf eigene Faust durch die USA schrecken ihn nicht. „Deine Bücher sind dein Geschäft, und du musst alles dafür tun, dass sie sich verkaufen. Verlass dich nicht auf deinen Verleger. Wenn dein Buch floppt, ist er noch im Geschäft – du aber vielleicht nicht mehr.“

Er studierte Jura, machte seinen Abschluss in Connell und ging 1989 zur operativen Abteilung der CIA. Damals kam er auch erstmals nach Japan. Als begeisterter Kampfsportler hat er einen schwarzen Gurt in Judo. „Man hat mich in vielen Disziplinen ausgebildet: Handfeuerwaffen, Langfeuerwaffen, waffenloser Kampf, Bomben bauen, Gegenterrorismus usw. Das Insiderwissen nützt mir natürlich. Ich kann zeigen, wie Geheimdienste wirklich funktionieren.“

1993 beendete er seine Mitarbeit bei der CIA und zog nach Tokio um Japan in sich aufzusaugen. Heute lebt er mit Frau und Teenagertochter an der Bucht von San Francisco. „Ich hatte das Glück, immer interessante Jobs zu haben: Als Geheimagent, Anwalt in einer internationalen Kanzlei oder Verantwortlicher in einem Startup-Unternehmen im Silicon Valley. Jetzt bin ich hauptberuflich Schriftsteller. Ich habe seit der Jugend geschrieben und immer davon geträumt, Schriftsteller zu werden.“

Und warum politische Thriller?

„Ich bin schon ewig ein Informations- und Politik-Junkie. Meine Romane kommen alle direkt oder indirekt aus den Schlagzeilen der Presse.“

Und er lässt kaum eine Gelegenheit aus, sein Mantra zu verkünden: „Schaut bloß kein Fernsehen. Das ist der größte Zeitdieb und die sinnloseste aller Beschäftigungen.“ Er selbst nutzt sein TV-Set fast ausschließlich für DVDs, etwa für die SOPRANOS: „Das Beste seit der Miniserie LONESOME DOVE. Schaut nur TV, wenn ihr lernen wollt, wie man Fernsehskripts schreibt.“
Das Handwerk des Schreibens interessiert ihn sehr. Er diskutiert darüber auf seiner Homepage, in seinem Blog und ist freigiebig mit Anregungen und Tipps für angehende Autoren.: http://www.barryeisler.com

Eisler ist Jazz-Fan, was sich auch in den Büchern niederschlägt. „Zu meinen Lieblingsmusikern gehören Sade, Seal, Southern All Stars und kürzlich habe ich eine unglaubliche japanische Jazz-Pianistin entdeckt: Akiko Grace.“ Zu seinen Lieblingsautoren zählt er u.a. Pat Conroy, James Ellroy, Dave Gutterson, John Le Carré, Trevanian und Stephen King. „Ich liebe nicht nur seine Bücher, sondern Stephen King als Menschen. Er ist erstaunlich klug, ehrlich und dabei lustig.“ Und natürlich ist er Bond-Fan (er trat in der Doku über Ian Fleming und 007 von 2008, „Ian Fleming’s Incredible Creation“ , auf, um das große Vorbild zu würdigen.

Politisch ist er nach amerikanischen Maßstäben weit links einzuordnen. Die Heuchelei der USA und der westlichen Welt (und ihrer asiatischen Verbündeten) wird nicht nur in den Romanen immer wieder angesprochen, er beklagt diese auch in seinem Blog: „If instead of American soldiers and Arab detainees, the photos and videos from Abu Ghraib were of American POWs and, say, Iranian guards, what would be the American reaction? Note the linguistic choices in the previous sentence, which would be automatic: Arabs are denied the dignity of being designated Prisoners of War. They’re not even prisoners. They’re merely „detainees“ (I’m half-surprised we haven’t started calling them „guests“). The Americans holding them are „soldiers“; were the shoe on the other foot, the enemy captors would doubtless receive the less exalted term, „guards.“ Would there be any debate about whether the practices revealed in the photos were „outrages upon human dignity,“ as prohibited by the Geneva Conventions and US law? Would we describe the practices as „abuse?“ Or would they obviously, and rightly, be called „torture?“ If Americans were taken against their will and spirited away by Iranian government forces, would we call the practice „rendering,“ or would we recognize it as „kidnapping?“ Would we call the places to which Americans were secreted and where they were held without acknowledgment to their families or even to the Red Cross „detention centers?“ Or would we call such a system a gulag?“

Wer intelligente, gutgeschriebene Noir-Poilitthriller liebt, wird Eisler mögen. Er bestätigt Tolstois Satz: „Kunst ist eine Lüge, die uns befähigt, die Wahrheit zu sehen.“



JOCHEN KÖNIGS KRIMINALROMAN DES JAHRES 2017 by Martin Compart

Das Jahr ist noch jung, deshalb kann man noch einen Rückblick auf 2017 wagen. Und ein guter Tipp ist sowieso immer willkommen. Jetzt also Jochens Wahl:

Mein Kriminalroman des Jahres 2017 ist, knapp vor Lawrence Osborns hervorragendem Marokko-Roman „Denen man vergibt“ (Wagenbach Verlag), „Eileen“ von Ottessa Moshfegh (erschienen bei Liebeskind). Beide Romane verweisen interessanterweise partiell und völlig zu Recht auf die hochgeschätzte Patricia Highsmith.

„Eileen“ ist ein unkonventioneller Coming-Of-Age Roman. Denn die Hauptfigur ist zur Zeit der Handlung bereits fünfundzwanzig Jahre alt, ein scheinbares Mauerblümchen, das sein spätes Erblühen fünfzig Jahre später nacherzählt. Eine Woche voller dunkler Wunder und einschneidender Veränderungen.

Eileen geht mit sich und ihrer Umgebung schonungslos ins Gericht. Eindrücklich beschreibt sie ihr trostloses Leben in einem noch trostloseren Umfeld, in das Liebe, Gewalt und Tod mit Macht Einzug halten. Ottessa Moshfegh beherrscht ihr Handwerk meisterlich, weshalb der Stoff nie zu einer Etüde selbstgefälligen Jammerns verkommt.

Eileen Dunlop ist keine sympathische Figur, aber eine der ambivalentesten und faszinierendsten der letzten Jahre. Ein kraftvolles Buch, schmutzig, spröde, voller scharfem Witz und starken Szenen. Sprachlich ein Genuss, fein übersetzt.
Oder wie John Banville als Laudator schreibt: „„Hätte Jim Thompson sich mit Patricia Highsmith zusammengetan, wäre dabei „Eileen“ herausgekommen. Nachtschwarz, eiskalt und großartig erzählt.“ Es gibt unzutreffendere Klappentexte.



BLÖDER GEHTS NIMMER – oder doch? by Martin Compart
11. Februar 2018, 9:40 pm
Filed under: Ekelige Politiker, SPD | Schlagwörter: , ,

Geht da noch was drunter? Die SPD wird es möglich machen… Vielleicht revitalisieren sie noch Mr.Ed (ein Pferd namens Müntefering)… Unfassbar!

Können diese tückischen Augen lügen?

…und Wölfe sind zum Abschuss frei gegeben.

Wenn die SPD an der Börse gehandelt würde, wären Sie dazu bereit, Ihre immens gewinnsichere Riester-Rente zu investieren?

„Jederzeit“, sagt Herr Sittich. „Keine Partei hat in den letzten zwanzig Jahren die Menschen besser verarscht. Das ist doch ein immaterieller Wert, auf den man aufbauen kann.“
Und es ist die erste Partei, die seit Adolf Deutschland mit einer neuen Gleiwitz-Lüge (Rudolf Scharping) und Hilfe der Grünen in einen Angriffskrieg manipuliert hat.
Ja, eine Partei mit eindrucksvollen Traditionen (Spaltung der Arbeiterbewegung; Zusammenkatätschen der Bayrischen Räterepublik; Einsatz von Freikorps im inneren).



DER MARKT REGELT DAS by Martin Compart
10. Februar 2018, 12:35 pm
Filed under: Politik & Geschichte | Schlagwörter: ,

Der Reichste der reichen Deutschen: Dieter Schwarz (77). Ihm gehören Kaufland und Lidl (Quelle: Bild-Zeitung)

… es hat noch sieben Minuten zu leben (Quelle: Günstige Urlaubsziele).

„Wir haben ja von nichts gewusst.“ (Quelle: Rechenschaftsberichte der Deutschen Bank bis 2025)



WEISE WORTE by Martin Compart
10. Februar 2018, 10:34 am
Filed under: SPD, Weise Worte | Schlagwörter: ,

„Ich fühle mich persönlich beleidigt, wenn man die SPD als links bezeichnet.“

MC