Martin Compart


TV-NOSTALGIE by Martin Compart
17. Dezember 2018, 7:33 pm
Filed under: 77 Sunset Strip, Max Allan Collins, ROCKFORD FILES, TV-Serien | Schlagwörter: ,

Für ihr ungemein unterhaltsames Buch THE BEST OF CRIME & DETECTIVE TV (1988) fragten die Autoren Max Allan Collins und John Javna 37 Kriminalschriftsteller, darunter Larry Block, Mary Higgins Clark, Jack Early, Loren Estleman, Joe Gores,Stephen King, Elmore Leonard, Warren Murphy,Ben Schutz, Mickey Spillane, Donald E.Westlake und Sara Paretskyund über 50 Fernsehkritiker nach den ihrer Meinung nach besten Krimifernsehserien aller Zeiten in unterschiedlichen Kategorien.
Da hat sich zum Glück doch vieles verändert! Obwohl: Rockford, Harry O, Car 54 oder Crime Story könnte ich mir gerne mal wieder ansehen…

Und was ich Max und seiner Gang nie verzeihen werde, ist die Abwesenheit von MAN IN A SUITCASE. Und eine Cop-Serienliste ohne MIAMI VICE – da diskreditiert man sich aber gewaltig!

PRIVATDETEKTIVSERIEN:

1. DETEKTIV ROCKFORD-ANRUF GENÜGT (THE ROCKFORD FILES)
2. HARRY O
3. PETER GUNN
4. CITY OF ANGELS
5. DIE SCHNÜFFLER (TENSPEED AND BROWN SHOE)
6. PERRY MASON
7. MAGNUM
8. RICHIE BROCKELMAN, PRIVATE EYE
9. 77 SUNSET STRIP
10.MANNIX

POLIZEISERIEN:

1. POLIZEIREVIER HILL STREET(HILL STREET BLUES)
2. DRAGNET(POLIZEIBERICHT, die frühen Folgen, die bei uns nie gezeigt wurden)
3. NAKED CITY
4. COLUMBO
5. POLICE STORY
6. THE UNTOUCHABLES
7. CRIME STORY
8. EINSATZ IN MANHATTAN(KOJAC)
9. CAGNEY & LACEY
10.BARETTA

SERIEN MIT AMATEURDETEKTIVEN:

1. LORD PETER WIMSEY
2. ELLERY QUEEN
3. KOLCHAK: THE NIGHT STALKER
4. IMMER WENN SIE KRIMIS SCHRIEB(MURDER SHE WROTE)
5. SIMON TEMPLAR(THE SAINT)

KRIMINALKOMÖDIEN:

1. RUMPOLE OF THE BAILEY
2. WIR VOM 12.REVIER(BARNEY MILLER)
3. POLICE SQUAD
4. BATMAN
5. WAGEN 54 BITTE MELDEN(CAR 54, WHERE ARE YOU?)

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NEWS: Neu in CRIME TV by Martin Compart
30. Januar 2018, 10:54 am
Filed under: Jean-Christophe Grangé, TV-Serien | Schlagwörter: , , , ,

Über die herausragenden französischen TV-Produktionen GIER und DIE GEISTER VOM FLUSS in CRIME TV unter:
https://crimetvweb.wordpress.com/2018/01/30/gier-und-geister-vom-fluss-die-franzosen-zeigen-uns-die-schoenheit-des-neo-kolonialismus/

 



AUS MiCs TAGEBUCH – Heute: BOSS… die Serie, nicht der ehemalige Uniformschneider oder der Typ mit der E-Street-Kombo by Martin Compart
26. November 2015, 5:32 pm
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Deutsches Feuilleton, Drehbuch, THE BOSS (TV), TV, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Jetzt sehe ich die dritte Folge der 1. Staffel von BOSS mit Kelsey Grammar und ich bin geplättet. Was ist das denn für eine gigantische Serie? Fraser als Bürgermeister von Chikago. Und was für einer. Natürlich ist der Hook für den Mayor Tom Kane – nice name by the way – von Breaking Bad geklaut, aber wie die auf allen Ebenen die Register ziehen und uns amerikanische Politik vorführen, ist sehr beeindruckend.

(N.B. BOSS-Creator Farhad Safinia ist Engländer iranischer Abstammung und hat davor nur bei Mel Gibson „hospitiert”, dessen Italowestern-Jesusfilm produktionstechnisch begleitet und das Script Apocalypto co-geschrieben.) Wirklich interessant, wie multiple Storylines, persönliches Schicksal, politische Intrigen, Korruption, etc., so intelligent miteinander verwoben werden und dabei ein Erzählspektrum entsteht, das mehr ist als die Summe seiner Bestandteile. Wie soll man eine solche Serie nur nennen? Der große amerikanische Roman? Oder Gore Vidal erklärt die Politistory einer US-Stadt? Weil außer Frauen und Rentnern kein Schwein mehr liest, findet Literatur heute im TV statt. Überall, nur nicht in dem Land, zu dessen Fernsehen ich nichts mehr sagen wollte.

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(Doch dies noch: Seit Tagen belästigen die „Werbe-Redakteure” von Spiegel-online Leser mit Tiraden, warum man diese eine bestimmte, „jetzt schon für das deutsche Erzählfernsehen Maßstäbe setzende Serie”, absolut sehen muss. – Ne, lasst mal stecken, mir sind Originale einfach lieber. Unter der PR-Artikelflut sticht dann noch die harte Headline einer Fotostrecke hervor: „RTL goes Kapitalismuskritik.” Alle Achtung.)

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BOSS muss übrigens in Chicago spielen, diese Slaughterhouse-cum-Businessmetropole, Hochburg des organisierten Verbrechens zu Zeiten der Prohibition, diese korrupteste aller US-Städte – zumindest in der Fiktion – mit dem größten Flughafen der USA, wenn nicht der Welt, O’Hare, als beispielhafter Handlungsort für die Mechanismen einer kapitalistischen Gesellschaft, nicht allein der US-Gesellschaft. Klar werden gezielt Klischees bedient und benutzt, natürlich ist das Spektrum der Charaktere bewusst gewählt, das Konstrukt für den geübten Zuschauer durchschaubar, aber alles kommt so reif und so souverän daher, wie die neuen, frischen HBO-Serien vor zehn, fünfzehn Jahren. Ich denke hier wegen des Politkontexts an DEADWOOD und THE WIRE.

Interessanterweise ist Ex-HBO-Chef Chris Albrecht, weil er eine Frau nachts auf einem Parkplatz in Las Vegas ohrfeigte, einst von HBO geschasst, der Chef von Starz, der Sender, der BOSS beauftragte. Albrecht hat seinerzeit David Milch, David Simon bei HBO herausgebracht, bzw. gefördert. Ein Entscheider mit Weitblick.

Ein Bekannter von mir hatte 2013 bei RTL die Idee einer Politserie gepitcht und wurde vom obersten Chef mit den Worten abgelehnt, Politik ist ein No-Go, Lokalpolitik erst recht. O-Ton: „Ich war selbst mal Journalist, für Lokalpolitik zuständig. Das interessiert niemanden.” Da kannte hierzulande noch keiner HOUSE of CARDS – und BOSS schon gar nicht. Diesem Entscheider verhilft kein noch so starkes Fernglas zu Weitblick.

Nach nur zwei Staffel war Schluss mit BOSS. Schade. Ich habe noch 15 Folgen vor mir.



KAISERMÜHLEN BLUES IST WIRDER DA! by Martin Compart
24. Februar 2015, 8:12 am
Filed under: Kaisermühlen Blues, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

3SAT zeigt wieder Samstagvormittags die große Kultserie! Pflichttermin für jeden Serien-Junkie und ein weiterer Beweis dafür, dass nur die Österreicher im deutschsprachigen Raum (das lasse ich mal so stehen) TV-Serien auf höchsten internationalem Niveau hinkriegen. KAISERMÜHLEN BLUES muss sich nicht hinter MAD MEN, SHAMELESS, BIG BANG THEORY oder HUSTLE verstecken. Deshalb an dieser Stelle nochmals meine Eloge zum 20.Geburtstag dieses einzigartigen Serien-Kunstwerks.

ZUM 20.GEBURTSTAG VON KAISERMÜHLEN BLUES

In den letzten fünf Wochen (März-April 2012) gelang es dem immer mehr in der Bedeutungslosigkeit versinkenden Sender 3SAT sein kaum noch vorhandenes Profil aufzuwerten. Schuld daran waren die Österreicher, die 10 Folgen (Folgen 44-54) der grandiosen TV-Serie KAISERMÜHLEN BLUES des Drehbuchgenies Ernst Hinterberger ausstrahlten. Wenn es eine deutschsprachige (jedenfalls teilweise) Kultserie gibt, die diese Bezeichnung auf hohem Niveau verdient, dann diese. Zuvor wurden die hinreißenden Wiener Milieustudien von Elizabeth T.Spita (etwa: „Am Würstelstand“ mit so herzigen O-Tönen wie „Mir hätt´ der Hitler nichtmal als Maler gefallen.“) ausgestrahlt, die einen vortrefflich auf den audiovisuellen Höhepunkt der Woche (neben SPOOKS auf Fox-Serie) einstimmten.
Satte 2 ¼ Stunden Unterhaltung vom Besten um das Wochenende fröhlich anzugehen, von keinerlei Werbung unterbrochen – ausgenommen, die dämlichen, auf ARTE schielenden, nutzlosen Zwischenspiele, die sich in ihrer ambitionierten Idiotie für einen GRIMME-Preis empfehlen.

http://www.amazon.de/Kaiserm%C3%BChlenblues-Die-komplette-Serie-DVDs/dp/B003ZC2D3W/ref=sr_1_1?s=dvd&ie=UTF8&qid=1424788251&sr=1-1&keywords=kaiserm%C3%BChlenblues

KAISERMÜHLEN BLUES ist nur mit den weltbesten Serien zu vergleichen. In seiner schamlosen Nutzung und Vermischung unterschiedlichster Genres und ihrer Topoi, vom Sozialdrama über Soap bis zum police procedural, gar nur mit den allerbesten britischen Serien, die bekanntlich immer einen Tick besser sind als die besten US-Serien. Der bescheuerte Fachbegriff lautet Dramedy. Etwas schwach für einen kulturellen Höhepunkt einer degenerierenden Zivilisation.

Was bei Dietl und Süßkind (MONACO FRANZE, KIR ROYAL) als fernsehdramaturgisches deutsches Wunder von der Kritik ehrfurchtsvoll beklatscht wird, hat Hinterberger in seiner langen erfolgreichen Karriere zu Hauff besser rausgehaun – vom deutschen Feuilleton weniger wahrgenommen als ein Experimentalfilm aus Bukina Faso. Der noch immer in einer 44qm kleinen Wohnung in Wien lebende Hinterberger verbindet Joseph Roht und Oskar Maria Graf mit Steven Moffat. Inzwischen ist er 81 Jahre alt.

Der Ausgangspunkt der vielschichtigen Geschichten ist eine Gemeindebausiedlung in Kaisermühlen, einem Bezirksteil des 22. Wiener Gemeindebezirks Donaustadt. Hier leben die aberwitzigsten und unterschiedlichsten Charaktere, deren Schicksale, ausgehend vom gewöhnlichem, aufs originellste miteinander verwoben werden. Informieren lassen sich einige von ihnen gerne durch das Magazin „Die bunte Wahrheit“. Dieser Titel alleine schon ist ein Brüller. Hinterberger achtete eben aufs kleinste Detail.

Neben dem realistisch-zynischen Blick auf die Gesellschaft, zeichnen die Figuren auch die sprachliche Kreativität der Wiener aus. Das führt zu Dialogen, die man an Wortwitz und Tiefgang mit MONTY PYTHON, TWO AND A HALF MEN oder COUPLING vergleichen kann – aber eben wienerisch. Neben Politikern; Beamten und anderen kleinbürgerlichen Abscheulichkeiten kriegen auch die Popen ihr Fett weg („Der Monsignore ist ein geweihter Herr!“) und vermitteln etwas Distanz zum christlichen Irrglauben, dass Schmerzen der Preis für alles Gute sei.

Ein paar Dialogbeispiele, die geistreicher sind als die kompletten RTL- und SAT1/PRO7-Ketten zusammen:

„Ein Zombie wird doch mal eine Mittagspause machen können“, sagt der immer berückende Herbert Fux als angestellter Maskenträger der Geisterbahn, und zu seinem geschassten Vorgänger:“Ich bin eben universeller einsetzbarer als du.“

„Je älter du wirst, umso ähnlicher wirst du deinem Vater, der so jung hat sterben müssen.“

„Herr Polizist, helfen Sie mir!“
„Und wer hilft mir?“

„Was feiern´s denn?“
„Dass´deppert´s san, das feiern´s.“

„Das alles Schlechte zu uns kommen muss. Nachts schaust du dir <pornofilme an und tagsüber tus´t deine abwegigen Phantasien in die Tat umsetzen.“

„Lass es. Sonst bist du noch an einer Schicksalstragödie schuld.“
“Aber gerade die Schicksalstragödien hab´ ich doch so gern.“

„Amtshandeln muss man können!“

Die dargestellten menschlichen Schwächen, interpretiert durch Wiener Kreatürlichkeit, sind so beeindruckend und tiefsinnig und mit leichter Hand dargestellt, dass ihnen eine geradezu charmante Unbefangenheit anhaftet. Jeder deutsche Durchschnittsregisseur kann u.a. an der Serie lernen wie man Schauspieler inszeniert und timing macht. KAISERMÜHLEN BLUES ist noch lustiger als der andere 3SAT-Knaller: Wettlesen für Ingeborg Bachmann in Klagenfurth; nur optisch, stilistisch und inhaltlich auf weit höherem Niveau. Naja, die Produktionsfirma MR-Film hatte natürlich auch mehr Geld vom ORF bekommen.Unnötig noch zu sagen, dass Regiie (Harald Sicheritz, Erhard Riedlsperger, Reinhard Schwabenitzky), Produktion und die göttlichen Schauspieler zum Besten gehören, was das Medium hergibt.

„Als Hinterberger 1999 den Kaisermühlen-Blues beenden wollte, fragte der ORF nach einem Drehbuch für eine Spin-Off-Serie. Hinterberger und Regisseur Harald Sicheritz entschieden sich für die Figur des Trautmann und produzierten im Jahr 2000 einen 90-minütigen Krimi mit dem Titel Wer heikel ist bleibt übrig. Eigentlich hätte dies ein österreichischer Beitrag zur Krimi-Reihe Tatort werden sollen, aufgrund des in Deutschland angeblich unverständlichen Dialekts wurde dies aber kurz vor der Erstausstrahlung aus dem Programm gestrichen.“(Wikipedia), Typisch für die ARD-Trottel. Als ob man das Genuschel der Micky Maus-Synchronstimme Til Schweiger verstehen könnte, der uns als nächster TATORT-Kommissar angedroht wird. Der kann vielleicht eine Million Prekariats-Trottel in nach Gammelfleisch stinkende Cinedome locken, aber nicht einen zivilisierten Menschen vor den Bildschirm.


Die Serie lief von 1992 bis 1999, brachte es in 7 Staffeln auf 64+7 Sonderfolgen, die es in einer 17 DVDs umfassenden Box gibt, auf diekein wahrer TV-Serien-Afficionado verzichten kann. Ich habe sie gerade bestellt, da ich mich nicht auf das schwankende Niveau des 3SAT-Samstags verlassen mag.