Martin Compart


NOIR-ROMANE, DIE MAN LESEN SOLLTE: DOG SOLDIERS VON ROBERT STONE by Martin Compart

“This is a basic hunger for most people; they want their suffering to mean something. You go through all these things and the idea it’s utterly of no consequence is very difficult to work with.“
Robert Stone, 1992

Auf der Suche nach einem Romanstoff geht der Journalist Converse nach Vietnam. Statt dessen überrollen ihn die Schrecken des sinnlosen Krieges, wird er zum Zeugen der Zerstörung einer Kultur, von der nur noch ein Zerrbild übrig geblieben scheint. Umgeben von Säufern, Drogenhändlern, Huren und korrupten Militärs, wird Converse in den Sog des Bösen hineingezogen. Er überredet seinen Kumpel Hicks, drei Kilo Heroin von Saigon in die USA zu schmuggeln. Als Hicks bei Marge, der Tabletten süchtigen Frau von Converse, in San Francisco ankommt, erwarten ihn schon ein paar Soziopathen, die sich als Dealer und Doppelagenten für einen korrupten FBI-Agenten ausgeben mit Waffen in den Händen. Hicks und Marge können entkommen und eine wilde Hetzjagd beginnt.

Die Atmosphäre des Romans ist paranoid und apokalyptisch wie die Zeit, in der er spielt. DOG SOLDIERS gehört zu den Depressions-Romanen, die aus dem Ende des amerikanischen Traumes (besser: Lüge) in den 1970er Jahren entstanden sind, bitter geprägt durch Charles Manson und dem Ende der open society der Gegenkultur, Richard Nixon und natürlich Vietnam – vor allem: Vietnam.

Mit Stilmitteln des Noir-Romans entblößte Stone (und Autoren wie Joe Gores, George V.Higgins, James Crumley, Newton Thornburg u.a.) die amerikanische Seele in dieser Phase des zertrümmerten Optimismus. Traumatisierte Autoren schrieben/schreiben traumatisierende Romane für eine traumatisierte Leserschaft. Eigentlich kaum Unterschiede zu Dashiell Hammett & Co. Der entscheidende ist wohl die vorangegangene Erfahrung der hedonistischen 1960er Jahre, in denen man glauben konnte, eine bessere Welt sei zum Greifen nahe. Umso bitterer durchlebte man die rücksichtslose Restauration der reaktionären kapitalistischen Kräfte, die bis zum heutigen Tag durchmarschieren.

Anfang der 1970er erkannten viele, dass Hass, Drogen, Kommerz und Gewalt den einstigen Idealismus ersetzen. Falls es jemals eine Zeit gab, die das Ende aller Utopien verkündete, dann diese, in der alle Versprechen der 1960er gebrochen wurden.
Ein Kritiker nannte DOG SOLDIERS die „Wikinger-Beerdigung der Sixties“.

„America killed a million Vietnamese but were we serious about it? After all, we didn’t even slaughter them with the dignity accorded food. Instead we exterminated them like they were noxious weeds. “                                                            Charles Hansen

Den ganzen Wahnsinn der Zeit, für den Vietnam zum Synonym wurde, zeigt Stone in der noch immer erschreckenden Ausführung der Elefanten-Jagd:

“The last moral objection that Converse experienced in the traditional manner had been his reaction to the great Elephant Zap of the previous year. That winter, the Military Advisory Command, Vietnam, had decided that elephants were enemy agents because the NVA used them to carry things, and there had ensued a scene worthy of the Ramayana. Many-armed, hundred-headed MACV had sent forth steel-bodied flying insects to destroy his enemies, the elephants. All over the country, whooping sweating gunners descended from the cloud cover to stampede the herds and mow them down with 7.62-millimeter machine guns…The Great Elephant Zap had been too much and had disgusted everyone. Even the chopper crews who remember the day as one of insane exhilaration had been somewhat appalled. There was a feeling that there were limits…And as for dope, Converse thought, and addicts—if the world is going to contain elephants pursued by flying men, people are just naturally going to want to get high.”

Heute weiß jedes Kind, wie tief US-Dienste, wie CIA, mit dem internationalen Drogenhandel verbandelt sind. Als 1974 DOG SOLDIERS erschien, war es gerade mal zwei Jahre her, das Alfred McCoy die erste Fassung des Standardwerks The Politics of Heroin in Southeast Asia. CIA Complicity in the Global Drug Trade (deutsch: Die CIA und das Heroin, Verlag Zweitausendeins, 2003) veröffentlicht hatte und damit die CIA weltweit skandalisierte. Stone, der sich mit Drogen bestens auskannte, traf während seiner kurzen Zeit als Kriegskorrespondent in Vietnam auf ähnliche Leute wie McCoy bei seiner wissenschaftlichen Recherche. Witzigerweise war Stone bereits (damals natürlich völlig unbewusst) mit der Drogenpolitik der CIA (MK Ultra) während seiner Zeit mit Ken Kesey in Berührung gekommen. In DOG SOLDIERS steht das geschmuggelte Heroin für den Krieg, der die Heimat der Aggressoren erreicht und sein tödliches Gift verteilt. Seitdem ist die US-Politik und US-Gesellschaft von harten Drogen verseucht und bestimmt – von Reagens Contras bis zu den heutigen Bankern, die Geldwäsche als Wirtschaftsleistung betreiben. Fast prophetisch führt der Weg des Heroins aus Laos zur mexikanischen Grenze.

Die Charaktere sind erschreckend und großartig gezeichnet. Ein Kaleidoskop amerikanischer Soziopathen. Der Ex-Marine Ray Hicks ist die Hauptfigur, obwohl uns Stone anfangs erzählerisch in die Falle lockt, diese Position Converse zuzuschreiben. Hicks ist Stones idealisierte Version von Neal Cassady, dem Helden aus Jack Kerouacs Roman ON THE ROAD. Stone hatte Cassady bei Ken Kesey kennen gelernt, als er sich bei den Merry Prankster herumtrieb. Und der einstige Gegenkultur-Guru Dieter Bechstein, zu dem Hicks und Marge fliehen, basiert auf Kesey. Hicks ist als ehemaliger Angehöriger der Marines ein Laufbursche der Gier in Form des Drogenhandels, neben Umweltzerstörung und Waffenhandel die reinste Form kapitalistischen Wirtschaftens, dass wie kein anderes Produkt den Konsumenten an den Krämer bindet.
Converses Frau Marge, die als Kassiererin für ein Pornokino arbeitet, zeigt geradezu symbolisch die Wandlung von Love&Peace oder Make Love, No War – den Mantras der Hippies – in kommerzielle Pornographie. Der Schurke Danskin ist eine der wahnwitzigsten und realistischsten Figuren der Noir-Literatur. „Particularly as it concerns Danskin, one of American fiction’s greatest psychopaths, Dog Soldiers comes as near as the National Book Award’s ever gotten to the domain of someone like Jim Thomson or Charles Willeford.” (Jonathan Lethem)

„Es gibt einen Satz in der Glasmenagerie von Tennessee Williams, der frei zitiert lautet: Die Dinge finden immer einen Weg, zu keinem guten Ende zu gelangen. Damit kann ich mich als Autor identifizieren.“ ( Robert Stone bei einem Wien-Besuch in DER STANDARD, 28.04.2005).
Besser lässt sich die Struktur von DOG SOLDIERS nicht zusammen fassen.

Robert Stones Mutter war schizophren und zog mit ihrem Sohn im Land herum, immer zwischen fast abgebrannt und pleite. „I am probably the only person who had On the Road recommended to him by his mother.” Er brach sein Studium ab und ging zur Marine, bevor er nach Kalifornien zog und als Journalist arbeitete. Zusammen mit Ken Kesey war er Stegner Fellow-Stipendiat an der Stanford University. Er hing in der Scene von Kesey und den Merry Pranksters herum und knallte sich ordentlich Drogen rein. Das wurde von Tom Wolfe schön dokumentiert in THE ELECTRIC KOOL AID ACID TEST, das Buch, das den New Journalism begründete. Sechs Jahre arbeitete er an seinem ersten Roman A Hall of Mirrors, der eher an Nelson Algren als an Jack Kerouac erinnert (aber wohl beiden etwas verdankt). Stone war ein Autor, der in seinen Polit-Thrillern die Beats mit dem Thriller synchronisierte.


In Deutschland wurde DOG SOLDIERS erst 1988(!) unter dem Titel UNTER TEUFELN veröffentlicht. Also lange, nachdem die Verfilmung WHO´LL STOP THE RAIN, 1978 von Karel Reisz in unseren Kinos gelaufen war und schon vom Fernsehen ausgestrahlt wurde. Für einen Hollywood-Film, ein guter Film; als Romanadaption eher mäßig.   Der Titel des Films macht durchaus Sinn. Keine andere Band steht für die Phase der Vietnamisierung so wie CCR. John Forgety hatte APOCALYPSE NOW musikalisch vorweggenommen.

M.E. ist DOG SOLDIERS Stones Meisterwerk, dessen Virtuosität er – bei allen offensichtlichen Qualitäten der späteren Bücher –  nicht mehr erreicht hat. Ein Klassiker, zeitlos wie das Beste von Joseph Conrad, Jim Thompson oder Graham Greene.
Einer der fünf besten Noir-Romane, die ich bisher gelesen habe. Um Reue zu vermeiden, sollte man sich seine Lektüre nicht entgehen lassen.

P.S.: Selbstverständlich ist kein Titel von Stone bei uns aktuell lieferbar. Antiquarisch bekommt man sie alle für wenige Cent. Wer aber Robert Stone bei Amazon.de eingibt wird ein wahres Wunder algorithmischen Irrsinns erleben und kaum einen Titel des Autors serviert bekommen (aber jede Menge Blödsinn wie Robert Parkers Pulp-Romane über den Langweiler Jesse Stone).



DSCHUNGELFIEBER – GRAHAM GREENE IN AFRIKA by Martin Compart
12. März 2015, 5:49 pm
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Graham Greene gehört zweifellos zu den wichtigsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er war ein Autor mit einer ungeheuren Spannbreite. Neben seinen Romanen, von denen nicht wenige als Polit-Thrillers zu bezeichnen sind, stechen besonders seine Reisebeschreibungen und journalistischen Arbeiten (etwa über die Mau-Mau) hervor. Zeit seines Lebens zog er durch die Welt, die er mit einem kritischen analytischen Blick beobachtete und sezierte. Diese Reisen verwertete er nicht nur journalistisch oder für Reisebücher, sie waren auch immer Auslöser oder Grundlage für Romane.

Ulrich Greiwe nannte ihn in seiner Studie, den „globalsten Autor, der je gelebt hat“ und „ein Genie des Mitgefühls“.

Oder wie es Greene in diesem Buch ausdrückt: „Von allen Menschen unterm Himmelszelt sind die am hoffnungslosesten, die einst am meisten gehofft, und die am elendsten, die am meisten geglaubt.“

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Er war ein politischer Autor, der sich auch gerne direkt einmischte: einmal brachte er den Rebellen auf Kuba um Castro und Che Guevara einen Koffer mit Winterkleidung; bei Papa Doc Duvalier brachte er es auf die Todesliste der Tonton Macoutes. Die spanischsprachigen Tantiemen von MONSIEUR QUIJOTE spendete Greene der Guerilla von Salvador.

Nun ist endlich das Buch über seinen legendären 560-Kilometer-Fußmarsch durch Liberia erschienen. 1935 machte sich Greene zusammen mit seiner Cousine Barbara auf, um die weißen Stellen auf den Landkarten zu erkunden. Es war seine erste Reise außerhalb Europas – und Westafrika sollte ihn nie wieder loslassen (im Zweiten Weltkrieg war er in Sierra Leone chief of station für den britischen Auslandsgeheimdienst . Sein damaliger Vorgesetzter in London war Kim Philby): „…Wir tranken warmes, abgekochtes Wasser mit Whisky, und endlich begannen die Zeitlosigkeit, die Verantwortungslosigkeit und die Freiheit Afrikas auf uns überzugreifen.“
Auch seine Cousine Barbara schrieb ein Buch über diese Expedition, das in vielerlei Hinsicht Greenes nicht nachsteht (Im Hinterland – Barbara und Graham Greene in Liberia; Kirchheim, 2008).

http://www.amazon.de/Im-Hinterland-Barbara-Graham-Liberia/dp/3874101096/ref=sr_1_12?s=books&ie=UTF8&qid=1426180095&sr=1-12&keywords=graham+greene

Greene ist in früher Hochform: witzig, zynisch und mit seinem berühmten Blick für Fremdes, das doch nicht so fremd ist.
„Unsere heutige ist Welt offenbar ganz besonders empfänglich für Brutalität. Es liegt ein Hauch Nostalgie in dem Vergnügen, das uns Gangsterromane und Gestalten bereiten, die alle ihre Gefühle aufs angenehmste vereinfacht haben und sich nun wieder auf einem Niveau unterhalb der Benutzung des Großhirns befinden.“
oder:
„… die gleiche Art von Heldentum bei den ersten Siedlern, nämlich die typisch protestantische Eigentümlichkeit, Märtyrertum mit Absurdität zu kombinieren.“

Seine Reiseliteratur ist genauso eindrucksvoll, spannend und unterhaltsam wie seine Romane – voller witziger Beobachtungen, nie larmoyant, trotz vieler Strapazen, denen sich der Autor immer wieder aussetzte. Durch Liberia reiste er trotz aller Mühen doch relativ komfortabel als weißer Bwana, dessen Träger Whisky-Vorräte und eine Badewanne mitschleppen mussten.

Greene arbeitete zeitweilig als Filmkritiker und gehörte zu den literarischen Pionieren, die die Filmsprache für die Literatur nutzbar machten. So filmisch wie seine Romane – jedenfalls auf einer bestimmten Ebene – sind auch seine Reportagen und Reiseberichte. Er öffnet ein großes eindrucksvolles Panorama von Westafrika in den 1930ern. Er zeigt eine wilde Schönheit, die mehr und mehr schwindet, eine Naivität, die längst dem Zynismus weichen musste. Die physischen Anstrengungen erlebt man wie im Kino. Wenn man sich vorstellt, dass Johnny Weissmüller zur selben Zeit durch die TARZAN-Filme tobte, wird einem klar, wie wichtig Greenes Korrektur des Afrika-Bildes für breite Schichten gewesen sein muss. Denn 1936 war er bereits ein schlecht verfilmter Erfolgsautor.

Barbara und Graham

Barbara und Graham

Greene betrat Afrika in Sierra Leone, heuerte Träger an, fuhr nahe an die Grenze und machte sich auf seinen Marsch durch Leone und Liberia, durch einen Landstrich, dessen Boden in den 1990er Jahren Zentimeter für Zentimeter mit Blut durchtränkt werden sollte. Greene wechselte 1935 von Sierra Leone nach Liberia an derselben Stelle, an der 1991 die RUF in umgekehrter Richtung die Grenze zu überschritt, um Leone zu terrorisieren.

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Aber REISE OHNE LANDKARTEN (Liebeskind Verlag) ist ein Klassiker der Reiseliteratur. Mit Gedanken an diesen unfassbar brutalen Bürgerkrieg (denn die Kriege in Liberia und Sierra Leone waren im Grunde ein einziger Bürgerkrieg), hinterlässt die Lektüre einen melancholischen, aber auch schalen Geschmack. Aus der brutalen Wildnis Schwarzafrikas, die Greene noch erlebte, ist inzwischen eine brutale Jauchegrube geworden.

Wie viel von der Tragik Afrikas, die wir heute nicht mehr übersehen können, wurde schon im Kolonialismus angelegt. Szenen wie diese hätten auch aus dem Bürgerkrieg stammen können:

„Die Soldaten schlichen sich durch die Bananenpflanzungen an, die alle Eingeborenen Dörfer umgeben, und feuerten Salven auf die Hütten. Eine Frau, die am selben Tag von Zwillingen entbunden worden war, wurde in ihrem Bett erschossen, und die Neugeborenen kamen in den Flammen um, als das Dorf von den Truppen beschossen wurde… Ein Mann, der politischer Gefangener gewesen war, sagte aus, er habe Soldaten damit prahlen hören, sie hätten Kinder mit Macheten getötet und die Leichen dann in die brennenden Hütten geworfen…“

grahamg-2[1]Immer wieder gelingen Greene Momentaufnahmen, die vielleicht nicht von historischer Bedeutung sind, aber wenig bekanntes oder gar unbekanntes aus dem Nebel der Zeitgeschichte zerren: „Dr.D.s kläglicher und würdiger Tod, in den er offensichtlich bewusst gegangen war, brachte die Welt Hitlers, Dachaus, der Konzentrationslager und der Selbstgerechtigkeit der Nazis in diese entlegene Ecke Afrikas… Es gibt keine Beweise für die Absichten von Dr.D., aber es scheint offensichtlich, dass er nicht wünschte, nach Europa zurückzukehren, und lieber in Afrika sterben wollte…“

Die arrogante britische Kolonialmacht bekommt, wie bei Greene üblich, auch ihr Fett weg:

„Waren Sie schon einmal in Liberia?“ fragte ich.
„Nein, nein“, sagte der korpulente Mann, „wir lassen die hierher kommen.“

http://www.amazon.de/Auf-F%C3%A4hrte-Teufels-Sierra-Liberia/dp/3492405150/ref=asap_bc?ie=UTF8

Tim Butchers AUF DER FÄHRTE DES TEUFELS (Malik Verlag, 2014) ist die perfekte Ergänzung zu den beiden genannten Büchern. Butcher war Kriegskorrespondent in Sierra Leone und Liberia während des Bürgerkriegs gewesen. Seitdem lässt ihn die dunkle Seite Schwarzafrikas nicht mehr los. In seinem Buch folgte er 2008 den Spuren von Graham Greene. Die Schrecken, die die beiden Länder in den letzten Jahrzehnten durchlebt haben, sind in seinem Buch noch gegenwärtig. Durch ein ausführliches Archivstudium hatte er vor Antritt seiner Expedition herausbekommen, dass Greene damals auch im Auftrag der Anti-Sklaverei-Gesellschaft seine Reise durch das noch weit gehend unerforschte Hinterland Liberias unternommen hatte. Auch das Außenministerium war informiert, Hintergründe, die Greene in seinem Buch nie erwähnt. Ein interessantes Detail: „Land im Dunkeln (so der Titel der Erstausgabe) enthält viele hilfreiche Einzelheiten der Reise, besonders in der Erstausgabe, ein Buch, das heute schwer aufzutreiben ist, da es kurz nach der Veröffentlichung 1936 aufgrund einer Verleumdungsklage eingestampft wurde. Die meisten Ausgaben heute enthalten Änderungen, die Graham Greene zehn Jahre später vornahm…“ Diese spätere Ausgabe ist identisch mit der vorliegenden von REISE OHNE LANDKARTEN. In Vergleich zu Butchers Horror-Trip war Greenes Reise, bei allen Widrigkeiten, ein spätviktorianisches boy-adventure, ein bisschen auch auf den Spuren Rider Haggards, der ein Lieblingsautor des jugendlichen Greene war.

Dieses Buch machte mir eines nochmals deutlich: Greene ist als Autor immer noch aktuell. Als literarischer Gigant steht sein Oeuvre wie ein Monolith in der Literaturgeschichte.
Dieser meistgereiste Schriftsteller aller Zeiten hat der Welt immer noch eine Menge mitzuteilen. Die Mechanismen der Ausbeutung haben sich geändert, eher verschärft, aber ihre Gründe sind dieselben geblieben und ihre Drahtzieher sind nach wie vor die üblichen Verdächtigen.

P.S.: Vielleicht ist das der Unterschied zwischen dem großen Stilisten Greene und dem größten Stilisten Fitzgerald: Bei Greene gibt es Lösungsmöglichkeiten, bei Fitzgerald nicht.

P.P.S.: Ich bitte zu würdigen, dass in diesem Sujet nicht einmal der Begriff „Herz der Finsternis“ verwendet wurde.