Martin Compart


NEUES AUS DER BAKERSTREET by Martin Compart

Bücher über Sherlock Holmes füllen ganze Bibliotheken. Über keinen anderen fiktionalen Charakter (außer Hamlet) wurde mehr Sekundärliteratur produziert als über den koksenden Meisterdetektiv aus der Baker Street. Seine anhaltende Faszination hat mehrere Antriebe. Der ursächlich entscheidende für mich ist, das Conan Doyle mit ihr eine Synthese aus Aufklärung und Romantik geschaffen hat, die bis heute unser Lebensgefühl trifft und deshalb auch immer wieder sensibel und intelligent zu aktualisieren ist.

Kann da ein neues Buch noch irgendwas neues berichten? Mattias Boströms 600-Seiten-Schinken VON MR.HOLMES ZU SHERLOCK kann. Und das aus mehreren Gründen:

– bei der multimedialen Verwertung von Sherlock, die nun über 100 Jahre andauert, ist kein Ende in Sicht;

– der Autor trägt Fakten zusammen, die ansonsten nur in Publikationen zu Einzelaspekten zu finden sind.

Das Negative zuerst: Der Autor berücksichtigt kaum oder gar nicht die apokryphen Schriften des Holmes-Mythos der zahlreichen Autoren nach Conan Doyle Außerdem vermindert sich nach 1970 die vorher so großartige detailgenaue Darstellung (was um so ärgerlicher ist, da die 3. Sherlock-Renaissance in diesem Jahr eingeläutet wurde und bis heute trägt. Der Grund dafür ist wahrscheinlich der Umfang. Hätte Boström beide Aspekte ausführlich behandelt, wäre das Buch gut dreimal so umfangreich geworden.

Trotzdem gehört es zu den besten Büchern über das Phänomen, das ich kenne. Das liegt vor allem an dem sowohl akribischen- wie unterhaltsamen Stil des Autors, der ganz nahe an Protagonisten oder Situationen heran geht und diese lebendig macht wie ein guter Romancier. Ihm gelingt es, die mediale Verwurstung der Figur genauso spannend darzustellen wie eine Sherlock Holmes-Geschichte. Der 1971 geborene schwedische Autor ist Mitglied der Baker Street Irregulars, der ältesten und angesehensten Gesellschaft von Holmesianern. Sie wurde 1934 von Christopher Morley gegründet und zählte zu ihren Mitgliedern prominente Leute wie Isaac Asimov, Anthony Boucher, Neil Gaiman oder Rex Stout.

Für jeden, der einen ersten umfassenden Überblick über eines der größten und langlebigsten kulturellen Monstren aller Zeiten lesen möchte, ist dies das richtige Buch. Und auch ausgewiesene Kenner des Phänomens werden es beglückt lesen, da Boström oft vergessene Details ausgräbt und neu gewichtet oder klassische Momente, wie die Begegnung zwischen Conan Doyle, seinem künftigen US-Verleger und Oscar Wilde, vermittelt, als wäre man persönlich zugegen.

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MiCs Tagebuch.FILME FÜR UNSERE ZEIT: DER FALL SERANO, Frankreich 1977. by Martin Compart
27. März 2017, 7:51 am
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Ich bin völlig begeistert! Was ist das für eine Chimäre von Film. Holprig ohne Ende. Von Männern für Männer mit Männern. Frauen sind nur schicke Schaustücke, die bis auf Mireille Darc alle umgebracht werden. Einzig die Audran hat einen Hauch von tiefem Dialog. Die Muti hingegen fungiert als dramaturgischer Conduit, deren Tod Delon schließlich motiviert aufs Ganze zu gehen.

Der große Mörder stellt sich am Schluss als ein ideologisch verblödeter Bulle heraus und der “gute Bulle” in dem Film weiß nicht, ob er es schaffen wird, die korrupte Elite vors Gericht zu bringen oder Lachse fischen gehen muss. Und dann die politischen Aussagen, allesamt in bedeutungsschweren Monologen: Kinski als der monströse Vertreter des Kapitalismus, der alles mit Geld regelt und es “bedauert”, wenn etwas mit Geld nicht zu regeln ist; der kleine verblödete Bulle, der das die Gesellschaftsordnung gefährdende Geschmeiß ausrotten will (wie Robespierre und Saint Just); und zum Finale dann Delon, der den Sack der Wahrheiten zumacht. Schlaf ruhig, Paris.

Jeder dieser Monologe ist absolut zutreffend und als Beschreibung unserer Gesellschaftsform noch heute vollends gültig. Für den Zuschauer im Jahre 2017, verbreitet der Film bei aller fatalistischen Hinnahme des Systems, beinahe eine Sehnsucht zurück nach jener Zeit, in der das Kapital den Kälbern noch Arbeit, Unterhaltung, Sex und sogar einmal jährlich Urlaub zubilligte. So viel Luxus will heute vom entfremdeten und völlig verdinglichten User-Konsumenten-Datenlieferanten erst einmal verdient sein.

Ich wurde immer wieder zu stehendem Szenenapplaus genötigt. Dass ausgerechnet Alain Delon “Der Fall Serrano” produzierte, ist mir angesichts seiner politisch Haltung ein Rätsel. Solches Stars hat die Kulturdiaspora Deutschland niemals hervorgebracht. Diesen Film muss man UNBEDINGT IMMER WIEDER ANSEHEN. Ich will mehr solcher Filme.

MiC



DR.HORROR: Das ungeheuer vielfältige Europa trotzt einer standardisierten Welt by Martin Compart
23. März 2017, 9:24 am
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Eine kleine Betrachtung aus Anlass von Cartoon Movie, Bordeaux 2017

Das, was wir kulturelle Vielfalt nennen, wird immer wieder besonders hervorgehoben, wenn es um den Reichtum künstlerischer Ausdrucksformen in Europa geht.

Das konnte ich beim Besuch von Cartoon Movie, dem Branchentreff europäischer Animationsfilmproduzenten in Bordeaux, wo reichlich neue Projekte vorgestellt wurden, Anfang März feststellen: Mit amerikanischer Animation verbinden wir in der Regel Disney und Pixar, mit Japan die Anime, und wir wissen in etwa, wenn wir eine Kinokarte erwerben, was uns ästhetisch bevorsteht, aber mit dem europäischen Animationsfilm verbinden wir eigentlich: gar nichts. Allenfalls erleben wir eine kuriose, gegenüber den Amerikanern unterbudgetierte Artenvielfalt, die letztlich in einer digital standardisierten Welt nicht mehr als das Fehlen einer wiedererkennbaren Handschrift signalisiert.

Es gibt keinen europäischen Stil im Film.

Ich löse kein Kinoticket, um einen europäischen Animationsfilm zu sehen.
Der beste Ausdruck europäischer Animation ist immer noch in der frankobelgischen Comic-Welt zu finden. Ihre Beiträge wenden sich häufig gerade nicht an die Kleinsten, sondern an ein erwachsenes Publikum. Ich weiß also, was ich für mein Geld bekomme.

Auch die spanischen Animationsfilmer haben eine bestimmte Bildsprache entwickelt. Sogar ein achtbares Projekt über Luis Bunuel ist darunter.

Auch einige irische Produzenten liefern etwas in einer eigenen irischen Zeichnung. Das ist es dann aber auch.

Erstaunt hat mich innerhalb der Vielfalt ein portugiesisch-polnisches Projekt, eine moderne Interpretation des „Wunders von Fatima“ (Titel: Fatima and the Secret Treasure), angeblich zu 90 Prozent finanziert und vom Vatikan für gutgeheißen. Diesen computeranimierten, gottgefälligen Film, wenn er fertig ist, sollen sich nach dem Wunsch der Produzenten Katholiken in aller Welt ansehen. Auf diese Weise könnte man ja gut und gerne Star Wars überflügeln.

Die Spezies deutscher Animationsfilm zeichnet sich dagegen in der Regel durch oberflächlich kommerzielle Naivität für Vorschulkinder aus und weicht darin eklatant vom „europäischen Trend“ ab. Zu Ostern gibt es in den deutschen Kinos im Nachmittags- und nicht im Abendprogramm die Häschenschule. Und demnächst auf dieser Leinwand vielleicht Luis & The Aliens der Brüder Lauenstein, der auch nicht europäisch aussieht, eher ein wenig wie Pixar. Aber nur ein wenig.

Rolf Giesen



MiCs Tagebuch 2.17 by Martin Compart
8. Februar 2017, 5:33 pm
Filed under: Film, MiCs Tagebuch, Roland Klick | Schlagwörter: , , , ,

Filme für unsere Zeit: SUPERMARKT (1974)

Auf die Frage, welche Kinofilme für mich ganz persönlich einmal wichtig waren und/oder es heute noch sind, fällt mir kein einziger deutscher Film ein. Nicht einer! Das mag generationsbedingt sein. Theo gegen den Rest der Welt oder Das Boot haben für mich persönlich nun mal keine Bedeutung. Hingegen Lawrence of Arabia, Le Samourai, The Wild Bunch, Junior Bonner, La Grande Bellezza, To be or not to be, Le Cercle Rouge, Sullivan‘s Travels, Hana Bi, ich könnte unzählige Filme anführen, britische, amerikanische, französische, japanische, italienische – nur keine deutschen. Bestimmt kenne ich zu wenige. Diejenigen, die ich kenne, haben mich wenig motiviert, weiteren heimischen Produktionen eine Chance zu geben. (N.B. Mein jüngster Bruder stand mal auf Absolute Giganten, der Film war ganz okay. N.B. N.B. Bei Werner Herzog bewundere ich mehr sein Filmemachen als seine Filme. Ausnahmen: Fitzcarraldo, Cave of Forgotten Dreams, Death Row.)

Einzige echte Ausnahme in diesem Filmödland ist SUPERMARKT von Roland Klick.

Hätte ich den Streifen mit 15 oder 16 gesehen, wäre ich auf meine grüne Kreidler LF gestiegen und hätte der Welt den Kampf angesagt. Supermarkt entsprach voll meinem damaligen Lebensgefühl. Pubertierende Jugendliche vom Lande lassen sich schnell von Großstadtrebellen beeindrucken – auch oder gerade weil sie scheitern. Allerdings habe ich Supermarkt erst in einem Alter gesehen, in dem jugendliche Rebellion den meisten Menschen erschreckend kindisch vorkommt oder von ihnen bereits sehnsüchtig verklärt wird. Gestern schaute ich mir den Film noch einmal an – und stellte mir nur eine Frage: Haben deutsche Filmemacher in 43 Jahren nichts kapiert?

Regisseurin Sandra Prechtel und Regisseur und Protagonist ihres Dokumentarfilms Roland Klick

Regisseurin Sandra Prechtel und Regisseur und Protagonist ihres Dokumentarfilms Roland Klick

Supermarkt ist grandios! Schmutzig und krude, zärtlich und sehnsüchtig, scharfzüngig und böse. Keine Szene zu viel, keine Geste zu viel, kein Satz zu viel. Roland Klick und Kameramann Jost Vocano erzählen in gerade mal 80 Minuten einen „perfekten” Film in „perfekten“ Bildern. Handwerklich absolut ökonomisch gedreht, zum Teil ganze Szenen in einer Einstellung wie der grandiose Moment, in dem Möchtegern-Gangster Theo Angst vor dem eigenen Coup bekommt und sich volllaufen lässt. Unfähig den geplanten Überfall durchzuziehen, kommt es auf einem leeren Grundstück zu einer Konfrontation zwischen Protagonist Willi (Charly Wierczejewski) und Theo (Walter Kohut): Ein Alfa rast heran, Fahrer Theo springt heraus, um Beifahrer Willi zu verprügeln, ist aber zu betrunken, wird darum von Willi gepackt und auf die schlammige Erde befördert, auf den Streit folgt Theos Erkenntnis, sein Versagen, folgt Selbstmitleid, folgt der Zuspruch von Willi, folgt die Wiederaufrichtung von Theo, „ich bin nur gestrauchelt”, „ein bisschen Kaffee und du bist wieder klar“, bestätigt Willi, folgt Theos Vorwurf, „du hättest mich stoppen können, warum hast du mich nicht gestoppt?”, folgt das Einsteigen und die Abfahrt. Alles ohne Schnitt. Perfektes Timing. Perfektes Spiel. Dazu ein Walter Kohut zum Niederknien gut.

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Überhaupt, der viel zu früh verstorbene Walter Kohut. Was für eine Kanaille! So einen Loser-Großkotz-Verzweiflungsgauner hat das Kino selten gesehen. (Selbst James Cagney in White Heat eignet sich nicht wirklich zum Vergleich, der ist in grober Freudscher Analyse doch nur ein Muttersöhnchen.) Banale Psychologisierung spart sich Klick. Er zeigt die Charaktere, die zugleich stellvertretend für gesellschaftliche Positionen und Funktionen stehen, in ihrem Reden und Handeln, und legt so ihre Verlogenheit, Selbsttäuschung, Widersprüchlichkeiten offen. (Die Vorstellung, die wir selbst von uns haben ist zumeist falsch, die Person, die wir nach außen vorgeben zu sein, ist gespielt, eine angenommene Rolle.)

Der jugendliche Ausreißer Willi, wünscht sich nichts als Respekt und Anerkennung. Er sucht nach Sinn in dieser Gesellschaft und kann ihn in der kapitalistischen Ordnung der alten West-Bundesrepublik, mit ihrer bürgerlichen Enge und ihren wirtschaftlichen Zwängen, dem Wirtschaftswunderkater der frühen 1970er Jahre, nicht finden. Genau wie Theo träumt er den Traum vom Abhauen, von der großen „Wegmache“. Sein erster Coup soll zugleich der letzte sein, ein Befreiungsschlag, um mit der Hure Monika (Eva Mattes) und ihrem Kind in den Sonnenuntergang zu reiten. Im Gegensatz zu Willi reduziert sich Theos Traum allein auf Geld. Hat er erst das Geld, wird sich der Rest schon finden. Theo klammert sich an diese kapitalistische Mär. Er besitzt keine Fantasie, keine Perspektive, keinen Mut. Er spielt den harten Typen, diese Mischung aus Großkotzigkeit, Aggression und geistiger Überlegenheit, nur gegenüber Schwächeren, um bei Stärkeren feige zu kuschen. Eine Kanaille eben. Ihm gegenüber steht der Journalist Frank (Michael Degen), ein etablierter Bourgeoise, der nach Sinn im Materialismus sucht. Frank ist angekommen, hat die Ziele bürgerlichen Strebens längst erreicht und hadert nun mit den unübersehbaren Widersprüchen dieser Gesellschaft. Sein Versuch, etwas Sinnvolles zu tun, dem Ausreißer Willi zu helfen, erschöpft sich schnell, weil er zwar Verständnis bekundet, aber dem Jungen zugleich – ganz der gute Vater – auch die bürgerlichen Überlebensregeln vermitteln muss. Ein zum Scheitern verurteilter Spagat. Als der Journalist wahren Charakter beweisen kann, verrät er den Jungen an die Polizei. (Damit nicht noch ein schlimmeres Unglück passiert.) In der Prüfung versagt der progressive Spießbürger und der Außenseiter bleibt somit chancenlos. Der Film beginnt mit Willi allein auf dem Klo und endet mit Willi im alten St.Pauli-Tunnel inmitten zur Arbeit gehender Männer. Was dazwischen geschieht, muss jeder unbedingt selbst entdecken. Die Bedeutung der beiden Einstellungen erschließt sich aus dem Kontext der Story. Die erste Szene von Supermarkt ist der Nukleus des Films, das letzte Bild eines der größten Filmenden aller Zeiten. Bei Klick ist der Zuschauer Teil der Handlung, muss er die Ellipsen verbinden, das Ungesagte und Ungezeigte deuten. Die Aufladung der Bilder durch Juxtaposition ist meisterhaft – im deutschen Film singulär.

Roland Klick war immer „a filmmaker‘s filmmaker”. Das verbindet ihn mit Jean-Pierre Melville und Sam Peckinpah. In den letzten vier Jahren gab es eine wahre Roland-Klick-Renaissance, Filmgalerie 451 hat sein Oeuvre, die wichtigsten Lang- und Kurzfilme mit großartigem Zusatzmaterial auf DVD herausgebracht, die Dokumentation The Heart is a Hungry Hunter, portraitiert ihn liebevoll wie aufschlussreich.image1 Er gilt heute (ebenso wie Renegat Roger Fritz, und in gewisser Weise auch Klaus Lemke) als der große Anti-Autorenfilmer – Anti zu pseudointellektuellen Langweilern wie Fassbinder, Wenders, et al. Roland Klick ist nunmehr en vogue, das Feuilleton hat ihn längst rehabilitiert. Mit 77 Jahren ist er alt genug, um in Milde zurückzuschauen und zugleich alt genug, dass man ihm trotz später Anerkennung kein Geld für einen neuen Film geben müsste. Ein Schicksal, welches Klick mit Orson Welles teilt, dem verlorenen Sohn Hollywoods, dem die Filmindustrie bei seiner Rückkehr 1976 einen roten Teppich ausrollte und mit einem AFI-Lifetime Achievement Award in die Arme schloss. Dazu flüsterte ein Studioboss Welles ins Ohr: „This is as good as it gets, Orson. Don‘t call again.”

Bleibt die Frage, was deutsche Filmemacher nach 43 Jahren kapieren sollten? Denkt drüber nach.

MiC, 05.02.17



MAX ALLAN COLLINS – CRIME-DA VINCI AUS IOWA by Martin Compart

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Kürzlich ist auf Cinemax die Crime-Serie nach Max Allan Collins Killer-Serie QUARRY angelaufen.

QUARRY war die erste Serie über einen Berufskiller und seit langem kult.

Jemand wie Max Allan Collins ist im Genre völlig einmalig-er schreibt nicht nur grandiose Romane, er hatte auch eine Single in der Hit-Parade, drehte, schrieb und produzierte Filme (in einem spielt Spillane eine Hauptrolle), schrieb Comics (sein ROAD TO PERDITION wurde 2002 zu einem erfolgreichen Kinofilm mit Tom Hanks) und Movie-und TV-Tie-Ins, er arbeitete auch theoretisch und drehte u.a. das definitive Mickey Spillane-Portrait.5387105341 Kein anderer mir bekannter Autor ist so produktiv in unterschiedlichen Medien unterwegs! Und dabei hält er ein ungeheures Niveau.  Max ist sein eigenes Multiversum und sein Platz in den verschiedensten Kapiteln der Genres und Medien längst sicher.

Und Max kann sehr witzig und scharfsinnig zugleich sein:

„Some of you know that I’m a Democrat or a liberal or a progressive or something. I think of myself as slightly left of center, but my father thought of himself as slightly right of center, when he was slightly right of Genghis Khan. So who knows? I do know that I veer left when the right is getting out of hand, which they frequently do. I despise Fox News, because it isn’t news, it’s opinion labeled news, and you can always tell when you’re “talking” (i.e, arguing) politics with somebody whose news and info comes from Fox, because it’s always the same bite-size talking Points.“

Im deutschsprachigen Raum wird er zur Zeit nicht veröffentlicht. Das sagt mal wieder so einiges über die Branche aus.

Spillane war und ist er besonders verbunden: Seit 2007 beendet und bearbeitet er die Fragmente von Spillane zu neuen Büchern.

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Max gehört zu den Giganten der zeitgenössischen Kriminalliteratur und mein Nachwort zu BLUT UND DONNER (Dumont Noir 17; 1999) hier als kleine Würdigung gedacht:

DAS MULTITALENT AUS DEM MITTELWESTEN

Wie die Zeit vergeht… Es kommt mir wie gestern vor, als Max Allan Collins Anfang der 80er Jahre als  der Geheimtip und  Newcomer genannt wurde. Ein Multitalent, das gleichermaßen erfolgreich und anspruchsvoll in unterschiedlichen Medien arbeitete: max-2012-3001Er schrieb Comics (u.a. führte er den langlebigsten Crime-Strip DICK TRACY fort), machte mit seiner Garagenband die fetzigsten Songs in Iowa und schrieb Noir-Romane. Später kamen Film-Novilizations (Collins Bücher zu den jeweiligen Filmen sind mehr als hingeklatschte Drehbucherweiterungen) und Filmarbeit als Produzent, Autor und Regisseur dazu. Ganz nebenbei gibt er Anthologien heraus und schreibt auch noch Texte zu populärkulturellen Themen (sein umfangreicher und großformatiger Prachtband über den Pin-Up-Künstler Gil Elvgren ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine brillante Analyse). Collins ist eine der kreativsten und produktivsten Autoren der zeitgenössischen Pop- und Noir-Kultur.

Collins wurde am 3.März 1948 in Muscatine (die Welthauptstadt der Perlmuttknöpfe!), Iowa geboren. Diese faszinierende Stadt mitten in den großen Getreidefeldern, direkt am Mississippi gelegen, hat etwas – sonst würde Max wohl nicht immer noch dort leben. Er war ein Einzelkind und entdeckte früh Comics und andere fiktionale Welten, die ihn schnell zu kreativen Aktivitäten anregten.

Seine Eltern Max Allan und Patricia Ann unterstützten die künstlerischen Neigungen von Collins jr. „In den Ferien mußte ich keinen Job annehmen. Sie ermutigten mich stattdessen, mein erstes Buch zu schreiben.“ Nach der Schule ging er 1968 auf die Universität in Iowa City, die er 1972 mit einem Bachelor of Arts und einem Master of Arts abschloß. Von 1968 bis 1970 war er Reporter für das Muscatine Journal.Im selben Jahr, als er auf die Universität ging, heiratete er seine Kindergartenliebe Barbara Jane, geborene Mull, mit der er zusammen den Sohn Nate hat.max_barbara-tn1

Von 1971 bis 1977 unterrichtete Collins Englisch am Muscatine Community College. Seitdem ist er freier Schriftsteller.

Max ist ein echtes Kind der 50er- und 60er Subkultur und nach wie vor ein Fan. Sein Interesse an Comics, TV, Film, Good Girl Art und Crime Fiction schlägt sich in einer Reihe von sekundärliterarischen Artikeln und Büchern nieder. Aber auch in seinen Romanen greift er populärkulturelle Themen immer wieder auf: Jon, der Sidekick von Nolan, ist ein Rockmusiker und Comic-Sammler, der sich in jedem Roman mit einem anderen Aspekt oder Genre des Mediums beschäftigt.

maxallancollins1Noch stärker finden sich Bezüge in seinen Mallory-Romanen: In A SHROUD FOR AQUARIUS setzt er sich mit der Gegenkultur der 60er Jahre auseinander und beschreibt melancholisch den Werteverlust der Hippie-Generation.

Mit Joe Lansdales SAVAGE SEASON, Campell Armstrongs CONCERT OF GHOSTS (KONZERT DER SCHATTEN; Bastei 13553, 1994), David Debins NICE GUYS FINISH DEAD (NETTE TYPEN STERBEN SCHNELLER; Goldmann 5816, 1995), Michael Dibdins DARK SPECTRE (INSEL DER UNSTERBLICHKEIT; Goldmann 1996) und George R. Martins ARMAGEDDON RAG (ARMAGEDDON ROCK; Fantasy Prod.1986; Heyne TB) eine der gelungensten Meditationen über diese Zeit – aus gegenkultureller Perspektive.

Die Krimi-Szene mit ihren Fans, Autoren und Cons machte er zum Mittelpunkt des Romans KILL YOUR DARLINGS, und in NICE WEEKEND FOR A MURDER beschäftigt er sich mit Rollenspielen.

MUSIK

Mitte der 60er Jahre grassierte ein Fieber quer durch die Vereinigten Staaten. Das Fieber hieß Garagenbands. Angeregt durch die Musik der britischen Invasoren – wobei für US-Garagenbands Rolling Stones, Animals oder Kinks immer wichtiger waren als die Beatles – gründeten Jugendliche in jeder kleineren und größeren Stadt Beatbands.collins1

Einige dieser Pre-Punk-Bands sind heute Klassiker; etwa die Electric Prunes, We the People, Seeds, 13th Floor Elevators, Brogues, Standells, Bad Seeds usw. Dabei bildeten sich oft erstaunliche regionale Unterschiede heraus. Aber eine Band aus Texas hatte neben den britischen R&B-Invasoren eben noch andere Einflüsse als eine Band aus Florida oder Iowa. Die meist nur regional, bestenfalls im ganzen Staat, veröffentlichten Singles (wenige dieser Bands durften/konnten ein oder gar mehrere Alben machen) sind heute gesuchte Raritäten und ernähren eine ganze Industrie von auf Rereleases spezialisierten CD-Firmen.

Die Plattenindustrie nahm schockiert dieses anarchische Ausleben des Rock’n Roll wahr und betrieb schleunigst die Zerstörung oder den Aufkauf kleiner Labels, mit dem bekannten Erfolg, die Pop-Musik endgültig zu standardisieren und von den großen Companys abhängig zu machen.

Auch Max verfiel 1966 dem Garagenphänomen und gründete seine erste Band, die Daybreakers, für die er auch Songs schrieb, oft lead vocals sang und die Keyboards spielte. Der Singleknaller PSYCHEDELIC SIREN von 1967, damals erschienen auf einem Label von Atlantic Records, genießt unter Garagen-Fans Kultstatus (zu finden auf der Vinyl-LP HISTORY OF EASTERN IOWA ROCK Vol.1). Nach dem Ende der Daybreakers gründete der bekennende Bobby Darin-Fan Cruisin, mit denen er bis 1979 harten Garagenrock und wunderbare Balladen einspielte. Seitdem gab es zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten Reunion-Konzerte und 1986 ein echtes Reunion, das 1991 zu dem grandiosen Album BULLETS! führte.

COMICS

Von Kindheit an war Collins auch ein großer Comic-Fan. seductioncover11954, als Sechsjähriger, fing er sich diesen Virus ein, der ihn bis heute gefangen hält. „Mein Interesse an Comic Strips und fiktionalen Detektiven wurde am selben Tag geweckt. Meine Mutter (sie wußte es nicht besser) legte damals in meine kleinen, heißen Hände ein Heft voller Blut, Gewalt, Verbrechen und Detektion: ein DICK TRACY-Comic Book mit Nachdrucken der Strips.“ Collins versuchte sich selbst als kindlicher Zeichner. Seine Mutter schickte ein paar seiner Dick Tracy-Zeichnungen an Chester Gould und bat den Künstler, ihrem Sohn ein paar Zeilen zum Geburtstag zu schreiben. Gould sandte ihm den Gruß zum achten Geburtstag, und Max fiel aus allen Wolken.

„Dieser Brief änderte mein Leben. Er gab mir Selbstvertrauen. Heute hängt er gerahmt an einer Wand meines Büros. Chester schrieb mir, daß ich Dick besser zeichne als jeder andere Junge meines Alters.“

Deshalb griff er natürlich zu, als er 1977 die Chance erhielt, den großen Strip-Klassiker DICK TRACY als Texter zu übernehmen. Er schrieb den Zeitungsstrip bis 1993 und verstand es, ihm neues Leben einzuhauchen, indem er an Goulds klassische Perioden anschloss.

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Max säuberte die Serie von dem fantastischen Schrott, der sich in den 6oer Jahren eingeschlichen hatte (Abenteuer auf dem Mond, zuviele unwahrscheinliche Gadgets usw.), indem er alte Figuren neu belebte, den Schwerpunkt auf Krimi- und gelegentlich Soap-Elemente legte, und neben neuen, originellen Gegenspielern neuartige Verbrechen (Computerkriminalität, Stalker usw.) einführte.

„Das Schwierigste war, sich die Verbrechen auszudenken. DICK TRACY gibt es seit 1931, und der Strip läuft Tag für Tag. Kaum ein Verbrechen, daß in dieser Zeit nicht abgehandelt wurde. Zum Glück – oder leider – fallen dem menschlichen Gehirn aber immer neue Abscheulichkeiten ein.“

ms_tree_211Zusammen mit dem Muscatiner Zeichner Terry Beatty (der auch das CD-Cover von BULLETS! gestaltete) entwickelte Collins eine Comic Book-Serie über einen weiblichen Privatdetektiv:

MS.TREE läuft noch heute, und ist somit die langlebigste Crime Comic Book-Serie der amerikanischen Comic-Geschichte.

„Die Ausgangsidee war, was wäre passiert, wenn Velda Mike Hammer geheiratet hätte, und Mike am Hochzeitstag umgelegt worden wäre. Hätte Velda nicht die Geschäfte übernommen und Mikes Mörder gejagt?“

Auch als BATMAN-Texter trat Collins hervor (beginnend mit den Heften BATMAN No.402 und No.403).

FRÜHE SERIEN

Natürlich zählt auch Collins die großen Noir-Autoren von Hammett, Chandler über Cain, Thompson und Goodis zu seinen Einflüssen. Aber den stärksten Eindruck machten Donald Westlake (als Richard Stark) und Mickey Spillane auf ihn:

„Westlake ist der beste zeitgenössische Kriminalliterat. Ich liebe Spillane! Niemand jagt den Leser durch die Seiten wie Mickey. Ich meine die frühen Sachen, die ersten sechs oder sieben Romane, die er als junger Mann geschrieben hat. Es gibt in der gesamten Literatur nichts Vergleichbares.“ 1999 drehte Max ein Feature über seinen Freund Spillane.nolan-hush-money-by-max-allan-collins1

Während der High School schrieb der sechzehnjährige Max sechs Romane, die kein Verleger haben wollte. Aber er gab nicht auf, schrieb weiter.

Kurz vor seinem Abschluß verkaufte er einen Roman, den ersten Nolan-caper: BAIT MONEY (im Manuskript noch FIRST AND LAST TIME getitelt), der, wie Max nicht müde wird zu betonen, „viel, fast alles, Donald Westlakes Parker-Romanen verdankt“.

In der ersten Fassung des Romans stirbt Nolan, der Dieb, der von der Mafia und der Polizei gehetzt wird, am Ende. Collins hatte endlich einen Agenten gefunden: den legendären Knox Burger, der in den 50er- und frühen 60er Jahren bei Dell und Fawcetts Gold Medal Books für die Paperback Originals verantwortlich war. Dort veröffentlichte er u.a. das Werk von David Goodis, Jim Thompson, John D.MacDonald, Kurt Vonnegut und Theodore Sturgeon.ahr0cdovl2jvb2tsb29rzxiuzguvaw1hz2vzl2nvdmvyl2xvy2fsl3n0yw5kyxjklzawl0wxl1lplmpwzw1

„Nach jeder Ablehnung sagte mir Knox, ich solle das Ende ändern und Nolan am Leben lassen. Langsam zeigte das Wirkung. Aber ursprünglich hatte ich die letzte aller tough guy-Stories schreiben wollen. Tough guys last stand. Dann hatte angeblich der Lektor bei Pyramid Books Kaffee über das Manuskript geschüttet. Knox meinte, da ich ein neues Manuskript tippen müsse, könne ich jetzt auch das Ende neu schreiben.“ Collins tat es, und ließ Nolan überleben, um ihn zu einem Seriencharakter auszubauen.

Neun Jahre hatte er versucht, seine Arbeiten zu verkaufen, bevor er 1971 seinen ersten Deal gelandet hatte. Von BAIT MONEY wurden seitdem weltweit über 250 000 Exemplare verkauft. Die weiteren Nolan-Romane waren ein ganz ordentlicher Erfolg, aber bald gab es ein Problem, von dem sich die Serie nicht mehr erholen sollte:

1981 übernahm der Verlag Harlequin Books von Pinnacle, bei dem Nolan jetzt erschien das Imprint Gold Eagle, in dem Don Pendletons Executioner-Serie über den Mafia-Killer Mack Bolan (diese Serie hatte in den 70er Jahren die Vigilantenwelle in den Paperback Original-Serien ausgelöst) erschien. Harlequin drohte Pinnacle einen Prozeß an. Sie behaupteten, Nolan sei eine juristisch nicht zulässige Kopie von Pendletons Executioner, und das die Namensähnlichkeit von Bolan und Nolan nicht zufällig sei. Größeren Schwachsinn kann man sich kaum vorstellen. Bolan war ein Söldner, jung, gutaussehend, ein Frauenheld und eiskalter Killer im Dienste seiner eigenen Gerechtigkeit. Nolan ein fünfzigjähriger Dieb, der einen Comic Fan als sidekick hatte. Wenn irgendjemand gegen die Nolan-Serie hätte klagen können, wäre es Donald Westlake gewesen, der aber dieses rip-off seiner Parker-Serie mochte und dem Autor Erfolg wünschte. Collins hatte ihn nach dem ersten Band sogar gefragt, ob er Nolan als Serie fortsetzen könne, oder Westlake sich plagiiert fühle. Westlake hatte ihm damals geantwortet, daß Nolan anders als Parker sei, und die Beziehung „zwischen Nolan und Jon menschlicher ist als alles, was ich je in den Richard Stark-Büchern geschrieben habe“. quarrymiddle1

Aber das interessierte die Idioten bei Harlequin nicht, die keine Gelegenheit scheuten, ihre ins Schlingern gekommene Mafiakiller-Serie vor gefährlicher Konkurrenz zu schützen.

Dabei wandten sich beide Serien an verschiedene Lesergruppen: Pendleton mit seinen primitiven Pulps, die von einer Legion von Autoren geghostet wurden, war eher Fernfahrerlektüre und für Leute, die beim Lesen die Lippen bewegen. Collins war schon damals ein sorgfältiger Autor, der jedem Buch eine individuelle Note verlieh. Jedenfalls knickte Pinnacle ein, obwohl es nicht zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kam, die Pinnacle und Collins leicht gewonnen hätten. Der Verlag nahm Nolans Namen bei den Bänden fünf und sechs vom Cover, was zu dramatischen Einbrüchen bei den Verkaufszahlen führte. Es kam zwar nicht zum Prozeß, aber die Serie war erledigt und wurde eingestellt. Erst 1987 veröffentlichte Max einen weiteren Nolan. Seine zweite Noir-Serie hatte den Vietnamveteranen und Kontraktkiller Quarry als Protagonisten. Über die beiden frühen Serien sagte Max: „Ihre Amoralität spiegelt die Zeit wieder, in der sie geschrieben wurden.“

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1975 trat Rick Marshall, der Comic-Redakteur des Field Enterprise Syndicate, an Collins heran. Collins war ihm als Autor und Comic-Kenner aufgefallen und sollte nun einen neuen Strip für Field entwickeln. Ein neuer Crime-Strip, der in den 30er Jahren spielen sollte, um so den Anschluß an die klassischen Abenteuerstrips dieser Epoche (Terry & Pirates, Prinz Eisenherz, Dick Tracy, Tarzan, Secret Agent X-9 usw.) zu suggerieren.

Collins erfand den Detektiv Nate Heller und siedelte ihn im Chicago der 30er Jahre an; Titel der Serie sollte HEAVEN AN HELLER sein. Aber bevor das Projekt realisiert werden konnte, verließ Marshall das Syndikat. Obwohl er mehrfach versuchte, den Strip unterzubringen, fand er kein Vertriebssyndikat. Ähnliches war Spillane passiert: MIKE HAMMER war ursprünglich auch als Comic geplant gewesen.

Es war die Zeit des großen Sterbens der Adventure-Strips. Selbst Klassiker wie TARZAN oder STEVE CANYON verloren immer mehr Zeitungen, in denen sie veröffentlicht wurden, und TERRY AND THE PIRATES und andere wundervolle Serien aus dem Golden Age wurden völlig eingestellt. Fast nur noch Funnys, also komische Strips mit abgeschlossenen Gags, bevölkerten die Comic Strip-Seiten der Tageszeitungen. Max kehrte zurück zum Romanschreiben (zwei Jahre später sollte er dann als Texter DICK TRACY übernehmen und diesen Dinosaurier revitalisieren).

„Ich habe Privatdetektiv-Romane immer geliebt. Aber alle Versuche, solche Geschichten zu schreiben, scheiterten. Für mich war der Privatdetektiv ein Anachronismus, aktuell nur erträglich in einer so wundervollen TV-Serie wie DETEKTIV ROCKFORD. Dann kam ich drauf: Der Privatdetektiv war vielleicht Geschichte, aber er existierte auch in der Geschichte. Hammett hatte den Archetypen Sam Spade 1929 erfunden, als Zeitgenosse von Al Capone. Der Privatdetektiv als literarische Figur ist offenbar alt genug, diese historische Variante zu rechtfertigen. Das war mein Ausgangspunkt. Außerdem wollte ich ein genaues Zeitbild beschreiben, nicht einfach eine weitere nostalgische Privatdetektivserie absondern. Um all das unterzubringen, braucht man schon etwas mehr Platz. Deshalb sind meine Nate Heller-Romane auch doppelt- oder dreifach so lang wie meine sonstigen Romane.“

TRUE DETECTIVE hielt lange Zeit den Rekord als längster Privatdetektivroman, der je in der ersten Person geschrieben worden war. Collins stellte diesen Rekord selbst ein mit STOLEN AWAY über die Entführung des Lindbergh-Babys.

Der Noir-Roman entdeckte die historische Perspektive relativ spät über den Umweg des Polit-Thrillers, der historische Ereignisse oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt (etwa Frederick Forsyths DAY OF THE JAKAL oder Ken Folletts EYE OF THE NEEDLE).

Drehbuchautor Andrew Bergman schrieb 1974 mit THE BIG KISS-OFF 1944 den ersten von zwei Romanen, die im Hollywood der 4oer Jahre spielen. Stuart M.Kaminsky begann ein Jahr später mit seiner Serie um den Hollywood-Privatdetektiv Toby Peters, der es in jedem Fall mit einem anderen Hollywood-Star aus den 40ern zu tun hat. 1975 veröffentlichte Joe Gores seine Hommage an den Urvater: HAMMETT. Ed Mazzaro schrieb in dieser Zeit ebenfalls einige Romane, die in den 30er Jahren spielten.

Der erste Heller-Roman, TRUE DETECTIVE, wurde 1984 mit dem Shamus-Award der Private Eye Writers of America ausgezeichnet.

Die Heller-Romane sind mehr als unterhaltsame period pieces à la Andrew Bergman oder Stuart Kaminsky; sie sind Rekonstruktionen einer Epoche. Die auftretenden historischen Personen sind keine Staffage, sondern integraler Bestandteil der Plots. „Bergman und Kaminsky schrieben im Grunde Romane, die ich als Epochenschilderungen bezeichnen würde; sie bedienen sich zwar geschickt realer Personen und Schauplätze, doch sie gehen nicht von realen Ereignissen jener Zeit aus.“

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DEUTSCHE AUSWAHL-BIBLIOGRAPHIE (stand 1998; da Max so produktiv ist, dass man als Bibliograph kaum hinterher kommt, empfehle ich die immer aktualisierte Homepage: http://www.maxallancollins.com/books/).

Nicht aufgeführt sind Comics und nur wenige Tie-ins, die bei uns veröffentlicht wurden (z.Bsp.: Der Soldat Ryan, CSI usw.).

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Nate Heller-Serie:

True Detective (Chicago 1933; Bastei 13015, 1985); St.Martin’s Press, 1983.

collins-heller01-chicago-1933-cover-klein1True Crime (Gangsterbräute 1934; Bastei 13036, 1986); St.Martin’s Press, 1985.

The Million-Dollar Wound (Gangsterkrie 1942; Bastei 13104, 1987); St.Martin’s Press, 1986.

Neon Mirage (Las Vegas 1946; Bastei 13261, 1990); St.Martin’s Press, 1988.

Stolen Away (Kidnapping; Bastei 13460, 1993); Bantam, 1991

Blood and Thunder (Blut und Donner; DuMont Noir 17, 1999); Dutton, 1995.

 

Nolan-Serie:

Bait Money (Köder für Nolan; Bastei 19087, 1990); Curtis, 1973.

Blood Money (Bußgeld für Nolan; Bastei 19093, ?); Curtis

Quarry-Serie:

The Broker (auch: Quarry. Quarry u.d.Makler d.Todes; Bastei 19061, 1988); Berkley, 1976.

The Broker’s Wife (auch: Quarry’s List. Quarry u.d.Liste d.Todes; Bastei 19064, 1988); Berkley, 1976.

The Dealer (auch: Quarry’s Deal. Quarry u.d. Killer; Bastei 19066. 1988); Berkley, 1976.

The Slasher (auch: Quarry’s Cut. Quarry gibt nicht auf; Bastei 19079, 1990); Berkley, 1977.

Primary Target (Quarry u.d.Millionenkontrakt; Bastei 19071, 1989); Countryman, 1987.

Mallory-Serie:

The Baby Blue Ripp-Off (Ein Veteran kehrt heim; Bastei 19103, 1987); Walker, 1983.

No Cure for Death (Der Einäugige; Bastei 19105, 1987); Walker, 1983.

Kill Your Darlings (Mordkongress; Bastei 19106, 1987); Walker, 1984.

A Shroud For Aquarius (Auch Blumenkinder sterben; Bastei 19115, 1987); Walker, 1985.

A Nice Weekend for a Murder (Wochenendmorde; Bastei 19123, 1988); Walker, 1986.

 

Eliot Ness-Serie:

The Dark City (Die dunkle Stadt; Bastei 19129, 1989); Bantam, 1987.

Butcher’s Dozen (Killer in der dunklen Stadt; Bastei 19139, 1990); Bantam, 1988.

 Non-Series:

Dick Tracy (Filmbuch. Dick Tracy; Bastei 13311, 1990)); Bantam, 1990.

NYPD-Blue: Blue Beginning (TV-Buch. Ein Bourbon zuviel; VGS, 1996); Signet, 1995.

Waterworld (Filmbuch); Arrow, 1995.

Private Ryan (Filmbuch. Der Soldat James Ryan; Knaur 61263, 1998); Signet, 1998.

 

Sekundärliteratur:

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Jim Thompson: The Killers Inside Him (mit Ed Gorman); Fedora Press, 1983.

 

One Lonely Knight: Mickey Spillane’s Mike Hammer (mit James L.Traylor);Bowling Green State University Popular Press, 1984.

 

The Best of Crime and Detective Television (mit John Javna); Crown, 1988.

 

The Mystery Scene Movie Guide: A Personal Filmography of Modern Crime Pictures; Borgo Press, 1995.

 

Elvgren: His Life & Art (mit Drake Elvgren); Collectors Press, 1998.

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FREEZE – MIAMI VICE by Martin Compart
15. Juli 2016, 8:43 am
Filed under: Film, Miami Vice, Porträt, TV-Serien | Schlagwörter: , , , , , ,

Momentan wird MIAMI VICE auf irgendeinem Kabelkanalsender wiederholt. Das ist gut so. Zum Glück wird die Serie ja häufiger wiederholt und ist auch als DVD-Box erhältlich.  Beim reinzappen bin ich wieder hängen geblieben und habe mir dann die Boxen rausgesucht um gezielt einige Episoden anzusehen. Der Tag war gelaufen. Der alte Serien-Klassiker, der mit HILL STREET BLUES zu Beginn der 1980er ein neues TV-Serien-Bewusstseins einläutete, funktioniert für mich noch immer. Grund genug, ihn hier mal zu würdigen. Von MIAMI VICE führt eine direkte Entwicklung zu THE WIRE,  SOPRANOS, GOMORRHA oder THE AMERICANS usw., ja sogar zu GAME OF THRONES. Diese Serie wurde 1984 gestartet – fast zeitgleich mit LINDENSTRASSE; von der LINDENSTRASSE führt eine direkte Entwicklung über den immer schlechteren TATORT zu MORD MIT AUSSICHT. Angesichts der Bildungskrüppel in den deutschen Sendern wird ein MIAMI VICE nie möglich sein. Oh, Gott! Wenn mal irgendein intelligenter Mensch für Werbeetats zuständig sein wird, können die deutschen Privatsender einpacken. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sich keine Sorgen machen, solange die Korruption des Parteiensystems  aufrecht erhalten bleiben. Aber auch da bröckelt es an Zustimmung.

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Keine andere TV-Serie prägte und reflektierte die 80er Jahre stärker als MIAMI VICE, die eine Hysterie auslöste, wie man ihn seit SOLO FÜR ONCEL nicht mehr gesehen hatte. Ästhetisch war sie ebenfalls die einflußreichste Serie des Jahrzehnts.

Sonny Crockett ist ein Undercover-Cop, der auf einem Segelboot namens St.Vitus Dance mit dem Alligator Elvis lebt. Zusammen mit den Mitgliedern der Vice-Squad geht er Verbrechen nach, die nicht immer mit Rauschgift zu tun haben. Anstoß zur Serie gab der damalige NBC-Programmdirektor Brandon Tartikoff, der nach einer Serie mit „MTV-Cops“ verlangte. Michael Mann bearbeitete das Skript GOLD COAST von Anthony Yerkovich und formte daraus die Serie MIAMI VICE. Neonfarben und der ungewöhnliche Einsatz von Musik und aktuellen Hits (einen Großteil des Millionenbudgets pro Folge verbrauchte Jan Hemmer als Verantwortlicher für den Soundtrack für Lizenzgebühren). Die ohnehin nicht gerade optimistische Serie wurde ab der dritten Staffel auch farbästhetisch düsterer. Der weltweite Erfolg ließ in der Serie mehr prominente Gaststars (darunter auffallend viele Musiker) auftreten, als man dies zuvor bei einer TV-Serie erlebt hatte. Darunter: Ed O’Neill, Burt Young, Glenn Frey, Martin Balsam, Miles Davis, Ted Nugent, Leonard Cohen, G.Gordon Liddy, Willie Nelson, Wesley Snipes, Liam Neeson, Meg Foster, Brian Dennehy, Issac Hayes, Sheena Easton, Frank Zappa, Iman, James Brown, Lisa Marie Presley, Julia Roberts, Bruce Willis, John Turturro, Little Richard, Eartha Kitt, Don King, Robert Duran, Lee Iacocca, Phil Collins, John Heard, Lisa Eichhorn, Bianca Jagger, Helena Bonham Carter, Melanie Griffith u.v.m.

Zu den Regisseuren gehörten: Abel Ferrara, Rob Iscove, Michelle Manning,Paul Krasny, Don Johnson, John Nicolella, Leon Ichaso, Rob Cohen, David Anspaugh, Richard Colla.

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Als 1986 bei uns die ersten Folgen MIAMI VICE ausgestrahlt wurden, jaulte die bundesdeutsche Kulturschickeria vor Wut auf. „Video-Clip-Ästhetik“, „Unrealistisch“ und „Machogehabe“ waren einige der zahlreichen Vorwürfe gegen die Serie, die wie wenige andere neue Maßstäbe setzte. Die Verantwortlichen der ARD taten noch ein übriges, um ihren potentiellen Hit kaputt zu machen: sie schnippelten in den aggressiven Kamerafahrten herum, hielten sich nicht an die Chronologie und verbannten die Serie auf dem Höhepunkt ihrer Popularität erst mal ein paar Jahre aus dem Programm. Man fragte sich, was wohl in den Köpfen der ARD-Programmplaner vor sich ging: nicht viel, wahrscheinlich.

MIAMI VICE revolutionierte mit seinen filmischen Qualitäten, seiner ausgefuchsten Farbdramaturgie und dem raffinierten Einsatz von Rock-Musik das Medium Fernsehserie formal und bisher unübertroffen. Inhaltlich war die Serie ebenfalls radikal: als direkte Opposition der Reagan-Ära ging sie von der Prämisse aus, daß das Verbrechen längst gewonnen hat und das die Grenzen zwischen illegalem und legalem Kapital, zwischen Wall Street und Medellin-Kartell fließend sind – soweit sie überhaupt existieren. In einer Welt, die dank des völlig befreiten Raubtierkapitalismus am Abgrund wandelt, konnten selbst die moralisch gefestigten Vice-Heroen nur noch Symptome bekämpfen. Sonny Crockett, der Kleinstädter mit den down-to-earth-Tugenden und der intellektuelle Ostküstengroßstädter Ricardo Tubbs erlebten immer aufs neue ihre Frustrationen mit staatlichen Organisationen, von FBI bis CIA, die aus paranoider Machtgier ganz im Sinne der politischen Führung Drogenhändler deckten oder demokratische Strukturen demontierten.

1989 war in den USA die letzte Klappe gefallen. Das Ende kam auf dem künstlerischen Höhepunkt der Serie, die wie keine andere zeigte, wie erbärmlich doch der American Way of Life sein kann. Michael Mann, der ständig Ärger wegen der Budgetüberziehungen hatte, beschloß, daß die 5.Staffel die letzte sein sollte.

Die Metamorphosen der Serie lassen sich besonders gut an den beiden Hauptrollen festmachen: 1984, am Anfang der Serie, war Sonny Crockett noch gut drauf. Er war glücklich verheiratet und liebte seinen Sohn – auch wenn es wegen seines Jobs erheblich in der Ehe kriselte. Aber das Verbrechen schien nicht unüberwindbar, und Crockett und Tubbs strahlten Optimismus aus. Dann wurde ihr Chef erschossen und Sonny geschieden. Die Welt erschien nicht mehr ganz so rosig, aber man schaffte es, einem Supergangster wie Calderone das Handwerk zu legen. Aber statt einzelner Supergangster, tauchten immer mehr unkontrollierbare Kleingangster in Miami auf, die proportional zum Anstieg des Drogenkonsums das Geschäft brutalisierten. Einen ernsthaften Schlag gegen ihren Optimismus erhielten die Beiden zu Beginn der 2.Season in der Doppelfolge PRODIGAL SON: Eine blutige Drogenspur führte von Bolivien bis in die Wall Street, wo sich ein anerkannter Banker als unangreifbarer Drahtzieher entpuppte. Drogengeschäfte waren in Ordnung, wenn sie auf höchster Ebene im großen Stil abgezogen wurden; die Quintessenz der Reagenomics. Von nun an wurde es immer düsterer in der Serie und auch im Team der Vice Squad, das so etwas wie eine moralische Insel innerhalb einer tobsüchtigen, gierigen Welt darstellte. Erst scheiterte Sonnys Beziehung mit Kollegin Gina, dann wurde Polizist Zito von Gangstern umgelegt. In der 4.Season schien für Crockett das Glück zu lachen: Er verliebte sich in den Pop-Star Katelin (Sheenah Easton) und heiratete. Der Versuch, Sonnys schmutzige Welt der Straße und den Glamour des Showbizz harmonisch zu vereinbaren, mußte scheitern. Man sah es Sonny manchmal an, daß er ahnte, daß das nicht gutgehen würde. Das Glück konnte nur von kurzer Dauer sein. Es gab die erwarteten Spannungen, wenn Sonny von einem Einsatz kam und den Schmutz der Straße in die wohlige Glamourhöhle seiner Frau schleppte. Aber bevor sie sich endgültig trennen konnten, ermordeten Gangster Mrs.Crockett – um damit Sonny zu treffen. Davon erholte sich der Junge nie mehr. Zu allem Überfluß verlor er bei einer Explosion auch noch das Gedächtnis. Nun brach der ganze Wahnsinn seiner Doppelexistenz als Polizist und Undercoveragent durch: Crockett hielt sich für Burnett, sein Alter Ego als Drogenhändler. Mit Blitzgeschwindigkeit stieg er in der Hierachie der Drogenhändler auf. Er ging über Leichen und sah sich selbst als harter Geschäftsmann, der in einem harten Business genau das lieferte, was große Teile der Gesellschaft verlangten. Ironie des Schicksals: Als Gangboß schien Sonny viel effektiver in der konkurrierenden Unterwelt aufzuräumen. Einmal versuchte er sogar Tubbs zu töten; das  sollte ihre Freundschaft für immer belasten.

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NEWS: WESTERN-SPECIAL by Martin Compart
1. Juli 2016, 8:04 am
Filed under: Film, FLASHMAN, NEWS, Politik & Geschichte, TV, TV-Serien, Western | Schlagwörter: ,

Im FLASHMAN-BLOG steht jetzt der neue Beitrag von COWBOYS & INDIANER – Zur Entwicklungsgeschichte eines Genres: Die 1950er Jahre.gunsmoke-fc679[1]

 

 

 

 

 

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