Martin Compart


IM HERBST 2022:KENNETH FEARING BEI ELSINOR by Martin Compart




Jürgen Rolands bester Film by Martin Compart
24. Februar 2022, 2:03 pm
Filed under: Film, GÜNTHER UNGEHEUER | Schlagwörter: , , ,



KINO, WIE ES KEINER MAG by Martin Compart
29. Dezember 2021, 10:44 am
Filed under: Film | Schlagwörter: ,

Er wirkt wie ein liberaler Evangelist, aber er sagt treffende und kluge Analysen.



TOM CLANCY GNADENLOS GEGEN DEN STRICH GEBÜRSTET by Martin Compart

Als russische Soldaten seine Familie als Vergeltung für seine Beteiligung an einer streng geheimen Operation der Navy SEALs töten, verfolgt Sr. Chief John Kelly die Mörder. Er tut sich mit seiner Kollegin Karen Greer und dem CIA-Agenten Robert Ritter zusammen. Hierbei kommt er unbeabsichtigt hinter das Geheimnis einer Verschwörung, die versucht, die USA und Russland in einen Krieg zu verwickeln. Kelly ist zwischen dem Pflichtgefühl, seine Familie zu rächen, und der Loyalität gegenüber seinem Land hin und her gerissen.

Der Film GNADENLOS (WITHOUT REMORSE) basiert auf Clancys Roman von 1993 WITHOUT REMORSE, der den Vietnamkrieg als Hintergrund hat und John Clark als spin-off in das Jack Ryan-Universum einführt. Das zehn Jahre alte Drehbuch war von Shawn Ryan (THE SHIELD) geschrieben worden und wurde von Taylor Sheridan (WIND RIVER, YELLOWSTONE) überarbeitet.

Tom Clancy hätte wahrscheinlich einen Infarkt bekommen, hätte er diese düstere Interpretation seines Werkes noch erlebt! Denn vom Superpatriotismus seiner Bücher – Trump wäre sicherlich Clancy-Fan, wären die Romane nicht zu anspruchsvoll für ihn – bleibt in diesem düsteren Film nicht viel übrig.

Ich lasse mich sogar zu der kühnen Bemerkung hinreißen: Clancy goes noir!

Der Film kommentiert die zunehmende Spannungserhitzung der USA/des Westens und Russlands. Um die innerlich gespaltenen US-Staaten wieder zu einen, bedarf es wieder eines großen, mächtigen Feindes, denn „nicht die Militärs haben den 2. Weltkrieg oder den kalten Krieg gewonnen, sondern die Ökonomen. Der beste Feind, den wir je hatten, war die Sowjetunion. Mehr Panzer, mehr Waffen – das hat die Ökonomie stark gemacht und uns wohlhabend“, so Guy Pearce als Secretary Clay.

Dafür müssen dann auch eigene Delta Force-Soldaten, CIA-Agenten und ihre Angehörigen über die Klinge springen. Denn im Film provozieren die Mächtigen der USA nicht mit der Einkreisungspolitik der NATO die Russen, sondern durch getürkte Kommando-Unternehmen, die in beiden Ländern breite Blutspuren hinterlassen.

Atemberaubend glaubwürdig gefilmt durch Regisseur Stefano Sollima (GOMORRAH) sind besonders die unrealistischen Action-Szenen (die den Großteil des Films einnehmen). Seine bösartige Adaption zeigt beeindruckend den aktuellen zivilisatorischen Zustand der kapitalistischen Machteliten.

Gut, das es noch Filme, Romane oder TV-Serien gibt, die nicht behaupten, was Amerika sein könnte, sondern was es ist.



FILMKRITIK BLACKOUT – Sternstunden des Schwachsinngelabers by Martin Compart
25. November 2021, 7:14 pm
Filed under: Film, Rezensionen, Sternstunden der Verblödung | Schlagwörter: , ,

In Hollywood Blackout widmet sich Filmautor Christian Keßler der ebenso hartgesottenen wie vielfältigen Tradition des klassischen Noir-Kinos der USA, die von etwa 1940 bis 1960 währte. An der Seite von Legenden wie Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Burt Lancaster, Ava Gardner und vielen anderen durchstreift er die dunklen Bezirke von Hollywood, wo Gesetze nichts wert sind und Menschenleben noch viel weniger. Über 27.000 Minuten aufregenden Kinos werden besungen. Viele dieser Minuten können Leben verändern. Manche können sie auch beenden. Ein tiefschwarzer Reigen der Gangster, der Gestrauchelten und der Geläuterten, zeitlos und wunderschön.

Christian Keßler
Hollywood Blackout
Sternstunden des amerikanischen
Noir-Kinos 1941–1961
376 S., geb. Hardcover, farb. Abb.
ISBN 978-3-927795-90-7
Euro 35,00

Ich wollte dieses Buch mögen!

Denn beim ersten in-die-Hand-nehmen beeindruckt es sofort durch optische und herstellerische Qualität.

Aber dafür ist es leider zu textlastig und die unfreiwillige Komik des Autors trägt natürlich nicht über lange 370 Seiten.

Bestes zuerst: Das Buch ist gespickt mit Farbillustrationen (farbige Filmplakate zu jedem Artikel) und Schwarzweiß-Abbildungen in bester Druckqualität. Außerdem behandelt es zahlreiche Filme der Epoche, die man nie oder selten zu sehen bekommt. Leider gibt es zu keinem Film eine auch nur rudimentäre Credit-Leiste (aber die Credits könnte man sich im Netz oder aus Standardnachschlagewerken parallel zur eventuellen Lektüre zusammensuchen; doch selbst die ausführlichsten Stabangaben hätten das Buch nicht retten können).

Die Gestaltung von Jürgen Frohnmaier ist atemberaubend schön. Optisch ist das Buch ein Prachtband, der in jede Bibliothek mit Sekundärliteratur zum Noir-Film gehören sollte, wären da nicht diese Texte, die kein Lektor hätte retten können, bedauerlich in ihrer pubertären Ich-Bezogenheit voller ungeschickter bis mehr als peinlicher Formulierungen.

Die subjektivistische Herangehensweise ist – um es im Jargon des Autors zu sagen – meine Sache nicht. Dadurch strotzen die Texte von unfreiwilliger Komik und es wimmeln nur so von nicht belegten subjektiven Behauptungen. Des Weiteren erinnert der ungeschickt flapsige Stil an Schülerzeitungs- oder Fanzine-Besprechungen aus längst vergangen Zeiten:

Das Drehbuch von Sydney Boehn und Melvin Wald (beide Könner!“ (The Undercover Man))

„…niemand hält es für nötig, ihm Geld abzugeben, denn alle gehen davon aus, daß er schwer Dresche bezieht.“ (The Set-Up)

„Eine gewohnt saubere Fox-Verfilmung von Chandlers THE HIGH WINDOW, die sicherlich nicht die umwerfende Qualität der beiden Laird-Cregar-Lattenkracher von Brahm erreicht… Montgomery war ursprünglich ein Boxer gewesen. Sein Gesicht wurde ihm aber scheinbar niemals zerdellt, denn er stellte es eine ganze Zeit lang für die Fox zur Schau, später für Columbia wobei er meistens auf Western und Kriegsfilme spezialisiert war.“ (The Brasher Douboon)

Keine Ahnung, wie man ausgerechnet zur Hohezeit der Kommunistenhatz in Hollywood auf den Gedanken kommt, diesen Film zu drehen, aber er ist wirklich ganz hervorragend.“

Die meisten Schauspieler sagen mir nichts.“ (Cry Venegeance)

„Obwohl die Landschaft frei ist von Hindernissen, die den Blick verstellen könnten, handelt es sich um ein Kammerspiel;“ (Bad Day at Black Rock)

„(=ein atemberaubend aufspielender Richard Conte, der seine Dialogzeilen sanft, aber ungeheuer bedrohlich formuliert, wie Garben aus einem schallgedämpften Maschinengewehr)“
(The Big Combo)

„THE BIG COMBO ist ein beinharter Thriller, der nicht nur eine ungewöhnliche Folterszene per Hörgerät enthält, sondern einige Tabubrüche launig zelebriert.“

„Berühmt wurde eine Szene, in der Conte erst der Wallace mit Gewalt einen Kuß aufzwingt, dann aber – wenn er merkt, daß sie `reagiert´ – vor ihr langsam auf die Knie geht. Warum er das macht, werden wir wohl niemals erfahren, aber auch im Jahr 1955 wird es bereits Oralsex gegeben haben.“ (The Big Combo)

„Der mit Abstand beste Republic-Film, den ich jemals gesehen habe… Mit Sicherheit nicht für jedermann, aber Jedermann kann mir im Mondschein begegnen.“ (Moonrise)

Im Verbund mit dem niedergeschlagenen Grundton der Story wirkt sie merkwürdig traurig, und es sollte auch der letzte Film der Schauspielerin sein… doch der Tiefpunkt ihres Lebens blieb noch zu ergründen. Die Suche wurde begleitet von massivem Alkoholabusus, unzähligen falschen Männern… Mit 39 Jahren fand ihr Martyrium ein Ende am Boden eines Badezimmers.“ (Murder Is My Beat)

„Für sich gesehen ist KISS ME DEADLY ein ziemlicher Kracher und wohl mein Lieblings-Hammer.“ (Kiss Me Deadly)

„In vielen seiner Drehbücher baute Fuller irgendwo eine Figur namens Griff ein, als Held oder Edelstatist. Warum er das tat, entzieht sich meiner Kenntnis.“ (House of Bamboo) 1)

„…doch am Schluß ist auch hier das Heim eine uneinnehmbare Festung, umschmeichelt von David Manafields lieblicher Musik.“ (The Desperate Hours)

„Der in Australien geborene John Farrow muß wohl so eine Art `Renaissance Man´ gewesen sein, der kaum etwas in seinem Leben ausließ. So begleitete er auch schon mal wissenschaftliche Expeditionen in unwirtliches Gebiet. An seiner Seite hatte er die wunderschöne Maureen O´Sullivan, die ihm sieben Kinder gebar. Darunter befand sich Mia (die an Woody Allen geraten sollte), aber auch Tina (die an italienische Zombies geraten sollte).“ (The Big Clock)

So läuft das ununterbrochen über 370 Druckseiten. Man kann das Buch aufschlagen, wo immer man möchte, und findet umgehend solche Stilblüten (um es freundlich zu formulieren). Die Beispiele wurden systemlos herausgegriffen (und vieles noch blöderes wahrscheinlich übersehen). Der Autor kriegt kaum einen geraden Satz hin. Das hat bei allem Amüsement auch etwas erschreckend Hilfloses, in diesem grundlos zelebrierten Selbstvertrauen.
Das er häufig bei den literarischen Vorlagen blufft (anscheinend weiß er nicht, dass der englische Begriff „Novel“ einen Roman und keine Novelle bezeichnet) – geschenkt.

Exzessive Subjektivität liest sich besser ohne inflationären Gebrauch von Personalpronomen. Die durchaus erkennbare Leidenschaft des Autors für sein Sujet überschreitet seine stilistischen Mittel.

Extrem peinlich ist im „Vorspann“ der Teil, in dem sich der Autor selbst (und in der misslungenen Diktion) als einen typischen hard-boiled-Priivate eye beschreibt, der zum Verfassen dieses Buches genötigt wird („Die düsteren Wolken schoben sich ineinander, als würden sie dafür bezahlt“). Sowas klingt zu vorgerückter Stunde bei Konzeptgesprächen in der Paris-Bar oder im Zwiebelfisch erstmal ganz witzig, sollte dann aber keinen Einzug ins Endprodukt halten.

Anschließend stolpert der Autor in einer Art Vorwort durch seine wirren Vorstellungen vom Film noir und was dieses Buch eigentlich soll: „Das Ziel von Hollywood Blackout ist es, ein Gefühl für diese Welt des Noir-Kinos zu vermitteln, in der eine gänzlich neue Sicht auf die Menschen und das Leben verhandelt wurde.“ So die Behauptung dieses Buches.

Der Autor sollte sein erstaunliches Vielwissen lieber auf Tresengespräche konzentrieren. Aber vielleicht hat er sich ja mit diesem Werk als Dozent für die Filmakademie Ludwigsburg qualifiziert.

Nach dieser anstrengenden Lektüre sehnt man sich nach Filmbesprechungen von Hans Gerhold um wieder ins geistige Gleichgewicht zurückzufinden.
Und eine Frage stellt sich: Hat ein Verlag nicht auch die Verpflichtung, einen Autor vor sich selbst zu schützen?

P.S.: Um den einstigen Ullstein-Vertriebschef Meier zu zitieren: „Es gibt keine negativen Kritiken, solange Autor, Titel und Verlag richtig geschrieben sind.“

1) Jochen König kommentierte zu FILMKRITIK BLACKOUT:

Griff“ war ein Soldat, mit dem Samuel Fuller im zweiten Weltkrieg zusammen diente und der darin umkam. Die Namensnennung in Fullers Filmen ist eine Reminiszenz an den Mann. Das zumindest hätte man ganz leicht eruieren können. Sehr schade. Ich mag Kesslers Bücher eigentlich. Aber das klingt, als hätte er sich gewaltig überhoben.



BACKCOUNTRY – SCHÖNES AUS DEN BACKWOODS by Martin Compart
23. August 2021, 7:28 pm
Filed under: Backwood, Film | Schlagwörter: , ,

Es müssen nicht immer Kannibalen, Serienkiller oder durchgeknallte Faschisten sein, die für gute Laune im Backwood-Genre sorgen.

Seitdem wir durch permanente und kompetente Umweltzerstörung immer mehr Naturkatastrophen bewirken, dürften Filme wie BACKCOUTRY uns mit Freude oder Trost darüber erfüllen. Wer den Film gesehen hat, wird nicht mal mehr in den Stadtpark gehen wollen. Der Film thematisiert die tiefe Entfremdung von der Natur, begleitet von einer gleichzeitigen Arroganz urbaner Trottel.

Arrogant trampelt ein junges Paar durch einen wilden kanadischen Naturschutzpark (wahrscheinlich inzwischen abgebrannt). Alle Ratschläge des Rangers, bestimmte Pfade keinesfalls zu verlassen, schlägt das Männchen in den Wind um das Weibchen vermeintlich zu beeindrucken. Zuvor hat es in seiner Hybris auch heimlich dafür gesorgt, dass weder Karte noch Handy im Reisegepäck blieben. Alles läuft erstmal einigermaßen, obwohl sich das Männchen bald den Fuß verletzt.
Aber dann müssen sie auf einmal feststellen, dass sie sich hoffnungslos verirrt haben und auch Vorräte und Wasser knapp werden.
Als dann auch noch ein schlecht gelaunter Bär auf sie aufmerksam wird, geht die Party richtig los.

Backcountry – Gnadenlose Wildnis ist ein kanadischer Backwoodfilm von 2014. Geschrieben und gedreht wurde der Film von Adam MacDonald, der sich auf seine unglaubliche Hauptdarstellerin Missy Peregrym (REAPER, ROOKIE BLUE, FBI etc) und die Wildnis von Ontario verlassen konnte.

Regisseur und Hauptdarstellerin

Robert Abele schrieb in der Los Angeles Times vom 26.März 2015:
„…eine atmosphärische Wildnis-Horrorgeschichte…. Was kann schon schief gehen, wenn sich zwei Menschen in einem Wald aufhalten? Horrorfilme, die in diese Überheblichkeit verliebt sind, haben verrückte Mörder, böswillige Außerirdische, sogar mythische Tiere vorgeschlagen. Drehbuchautor und Regisseur Adam MacDonalds moderat nervenaufreibender Wildnis-Thriller Backcountry erinnert jedoch mit grimmiger, grausiger Entschlossenheit daran, dass menschliches Versagen und pelzige, wilde, kaltblütige Natur alles ist, was man braucht, um … das Publikum ordentlich in Wallung zu bringen… Christian Bielz’ kunstvolle Kameraarbeit ist ein Plus, und MacDonald weiß, wie man ein Spannungsfeuer anfacht. Backcountry bringt unweigerlich einen Blutrausch mit sich, aber der Film findet atmosphärische Wege, um zu zeigen, wie sich die idyllische Ruhe bei einem Ausflug in die Natur in einen Überlebensalptraum für die Unvorbereiteten verwandeln kann.“

Zu sehen ist der Film, der bei uns nie in die Kinos kam, bei Amazon Prime.



DER TASMANISCHE TEUFEL ERZÄHLT by Martin Compart
9. April 2021, 2:16 pm
Filed under: ERROL FLYNN, Film, Porträt, Rezensionen | Schlagwörter: , , , ,

Errol Leslie Thomson Flynn (1909-58) hatte viel von einem Anti-Helden aus einem Roman von Ernest Hemingway.

Flynns Leben war aufregender als die meisten seiner Filme (von denen er keine sehr hohe Meinung hatte).

Bücher über Flynn sind schon sowas wie ein eigenes Genre. In den letzten zwanzig Jahren hat das Interesse an dem einst größten Film-Star der Welt wieder zugenommen.
Es gibt sogar einen interessanten Blog über ihn, in dem die irrwitzigsten Details und alle Aspekte seines Lebens beleuchtet werden: https://www.theerrolflynnblog.com .
Manche dieser Flynn-Bücher sind so begehrt, dass sie inzwischen für Summen zwischen 100 und 400 Dollar gehandelt werden.

Das schönste Errol Flynn-Buch ist von Errol Flynn – seine Autobiographie MY WICKED WICKED WAYS.
Angeblich hat es Flynn dem Ghost Writer Earl Conrad auf Jamaica von August bis Oktober 1958 diktiert. Vertrauenswürdigen Quellen nach war Conrad allerdings dauernd betrunken oder jagte Frauen nach.
Als Vorschuss erhielt Flynn vom Verlag Putnam 9000 Dollar. Von dem Buch sind schon bis in die 1970er Jahre über eine Million Exemplare verkauft worden.

2005 legte Aurum Press das Buch mit einer Einführung des Filmhistorikers Jeffrey Meyers neu auf. Veröffentlicht ist der unzensierte Originaltext, denn der wurde in früheren Ausgaben um einiges gekürzt, da die Verlage meinten, einiges sei zu „hart“, um es dem zeitgenössischen Publikum zuzumuten.
Überraschend ist die Qualität des Textes, die Errol Flynn als überraschend brillanten Schriftsteller zeigt. Inzwischen gilt MY WICKED WICKED WAYS neben dem Werk von David Niven als die beste Autobiographie, die je von einem Schauspieler verfasst wurde.

Kein Wunder, dass die Kritik zur Neuauflage euphorisch reagierte:
„Flynn set the record straight and is brutally honest in his posthumously published self-portrait. This restored version of the 1959 original contains numerous passages deleted from earlier editions for fear of lawsuits—he was equally brutal in his portrayal of many Hollywood big shots—plus eight pages of photos and a new introduction by biographer Jeffrey Meyers.“ – Library Journal

„Incredibly absorbing… Just as in life, Flynn spares himself nothing—and from his book emerges the same roguish charm that endeared his celluloid incarnation to millions.“ – Saturday Review

Die Geschmackvollste erschien in The Guardian:

„This is a major autobiography in the tradition of Cellini, Casanova, and Frank Harris. Perhaps it is not the book to leave alone in the house with your daughter, but Flynn was not the man to leave in the house with your daughter.”

Dem kann ich nur zustimmen: eines der besten und aufregendsten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. Unbegreiflich, dass es das Buch nicht auf deutsch gibt. Denn auch bei uns ist Errol Flynn inzwischen kult (bei uns hat sich sogar eine Punk-Band nach ihm benannt; siehe den Link weiter unten).

Flynn soff, prügelte sich, kiffte, strich Kokain auf seinen Schwanz und vögelte sich um den Planeten. „I have been in rebellion against God and government ever since I can remember,”

Schon über den kleinen Errol hatte seine Mutter gesagt: ”A devil in boy’s clothing,”

Er war Mitglied einer Jugendgang in Sidney, Abenteurer in Neu-Guinea, Seefahrer, Manager einer Plantage, und… und… und.

Nicht immer stimmt das so alles, wie er es erzählt, sagt der Filmhistoriker Jeffrey Myers in seinem Vorwort. Manches ließ er aus, ungeklärt, ob er es vergessen oder verdrängt hatte (etwa der öffentliche Faustkampf mit John Huston). Bei diesem ungewöhnlichen Leben voller Drogenkonsum verschwamm wohl während der Aufzeichnung ein Jahr vor dem Tod einiges zwischen Realität, gestörten Erinnerungen und Phantasie. Wer sich so intensiv zwischen Natur, wilden Tieren (die er von klein auf liebte), Kriegen (er war als Reporter im chinesisch-japanischen Krieg und im Spanischen Bürgerkrieg) und dem Luxus der Glamour-Industrie herumtreibt, der kann an den Widersprüchen kaputt gehen.
Außerdem lebte der Autor lange, lange Zeit in der Hauptstadt der Lügen (wo man nicht mal davor zurück schreckt, Adam Sandler als Schauspieler zu bezeichnen).

Er lässt kaum ein gutes Haar am Filmgeschäft, versucht sich aber in keinster Weise als strahlender Held darzustellen. Eher im Gegenteil. Dabei zeigt er sich – ob nun im Diktat oder in seinem schriftlichen Lektorat – als glänzender Schriftsteller, dessen Ironie und Zynismus entwaffnend ist.

Er ist sich selbst gegenüber von brutaler Ehrlichkeit. Flynn wollte Schriftsteller werden: Bereits 1937 legte er mit BEAM ENDS einen Roman vor, der auf seinen Erlebnissen in Neu-Guinea beruhte; der Abenteuerroman SHOWDOWN folgte 1946. Darüber sagte er einmal: „Schreiben ist viel härter als Filme drehen. Wenn ich lese, was ich am Vortag geschrieben habe, könnte ich manchmal kotzen.“

Auch als Journalist hat er gearbeitet und zum Beispiel über die republikanische Seite im Spanischen Bürgerkrieg berichtet.

Es wimmelt nur von unglaublichen Anekdoten: Welcher Mann hat je seine zweite Frau bei seinem ersten Vergewaltigungs-Prozess kennengelernt (Verführung Minderjähriger – also unter 18 Jahren – wurde damals generell als Vergewaltigung geahndet)?

Gleich im ersten Kapitel berichtet er, wie er Anfang der 1950er Jahre pleite war (die acht Millionen Dollar, die er seit 1934 bei Warner Brothers verdient hatte, waren nicht nur verprasst, sondern von seinem Finanzverwalter veruntreut worden). Schweren Herzens verkauft er seinen Gaugin und kommentiert: „Paintings seem to be just loaned to you. The longest you can have a painting is your own lifetime. You stop, but the painting goes on – if it is one that is worth going on.”

Manchmal liest es sich, als würde ein betrunkener James Crumley Abenteuer- und Hollywood-Geschichten erzählen. Selbstzerstörerisch und lebensgeil zugleich ging er seinen Weg, der jeden Moralapostel zurück in die Kirchen treiben würde Immer auf der Suche nach dem nächsten Kick oder inneren Frieden endete er finanziell und gesundheitlich ruiniert, geplagt von Selbstmordgedanken. Aber da er sich nicht wirklich ernst nahm, rang er allem etwas ab – voller Ironie und Sarkasmus für seine Art zu leben.
„Jeder, der einen Dollar zurücklässt, ist ein Versager.“

In den 1950ern verwelkte der tasmanische Teufel dramatisch.

Er drehte keine Hollywood-Blockbuster mehr mit ihm als Star, sondern internationale B-Picture, die seine schwindende Prominenz ausnutzten.
Aber er tauchte auch als Neben- oder Hauptdarsteller in einigen großartigen Filmen auf: THE ROOTS OF HEAVEN (1958) von John Huston nach Romain Gary oder THE SUN ALSO RISES (1957) von Henry King nach Hemingway.
Als seine beste Leistung gilt die Darstellung eines Alkoholikers in TO MUCH, TOO SOON (1958). „Das war leicht. Ich musste nur ich selber sein.“

In all den späten Filmen kann man sehen, was für ein bemerkenswerter Schauspieler Flynn war, der sich zu Recht beklagt hatte, dass Jack Warner ihn „immer nur in Strumpfhosen gesteckt hatte“.

Nicht seine Affären (oder seine Freundschaft mit dem Nazi Herrmann Erben, den er als Reporter mit in den Spanischen Bürgerkrieg mitnahm und von dessen Parteizugehörigkeit Flynn nichtd wusste) brachen Flynn in Hollywood endgültig das Genick, sondern seine Sympathien für Fidel Castro. In Wikipedia wird das zusammengefasst:

Beispielhaft war rückblickend auch der vom Fernsehsender Arte im April 2007 als deutsch-französische Erstausstrahlung gesendete Film Die Wahrheit über Fidel Castros Revolution, der bis zu diesem Zeitpunkt unbeachtet in den „Giftschränken“ Hollywoods ruhte. Flynn befand sich auf Kuba, als Fidel Castro seine Revolution in dem Inselstaat begann. Statt Kuba fluchtartig zu verlassen, beschloss Flynn, die gesellschaftliche Umwälzung auf der Insel gemeinsam mit seinem Freund, dem Regisseur Victor Pahlen, filmisch zu dokumentieren. Offensichtlich tief beeindruckt vom Idealismus und der Energie des Revolutionsführers Fidel Castro, erzählt Flynn auf sehr persönliche Weise seine Sicht auf die kubanische Geschichte. Auch in seiner Autobiografie und im kanadischen Fernsehen gab er seiner Bewunderung für Castro Ausdruck, den er als seinen Freund bezeichnete.“

In dem Film sagt Flynn, er hoffe, die Kubanische Revolution sei der Beginn der Vernichtung aller lateinamerikanischer Diktaturen, und er wünsche allen jungen Revolutionären viel Kraft.

Der Mann wusste, wie man sich im State Department oder bei der United Fruit Company Freunde macht.

Bis zum Schluss war er der Hellraiser, der selbst Hollywood überforderte.

Und nach der Lektüre der Autobiographie steht fest:
„There will never be another one like you.”


https://www.errolflynn.de


Flynns Sohn Sean war u.a.Kriegsfotograf und ist einer der Vermissten des Vietnamkrieges.



DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET – DER FILM by Martin Compart

Der Film-& Hörspielverlag PIDAX ist bekanntlich immer für Überraschungen und Neuentdeckungen gut! Diesmal überrascht er mich mit der DVD der Yukio Mishima Verfilmung DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET (https://martincompart.wordpress.com/2018/04/10/klassiker-des-noir-romans-der-seemann-der-die-see-verriet-von-yukio-mishima/) von 1976. Leider gibt es kein nennenswertes Zusatzmaterial, aber Ton- und /Bildqualität sind exzellent!

Bei uns kam der Film unter dem hirnrissigen Melodram-Titel DER WEG ALLEN FLEISCHES kurz in die Kinos. Regie führte Lewis John Carlino (1932-2020); der dürfte den Noir-Fans vor allem durch sein Drehbuch zu THE MECHANIC (KALTER HAUCH) bekannt sein. Er adaptierte dieses auch zu einem lesenswerten Roman.

Carlino, der auch das Drehbuch schrieb, überführte Mishimas komplexen Roman aus Japan nach England (Darthmouth in Devon ist beeindruckend abgefilmt) und versuchte die vielschichtige Mentalität der Jugendlichen, die in der Vorlage untrennbar in den Auswüchsen der Samurai-Kultur verwurzelt ist, in vulgär-nietzscheanische Vorstellungen zu übertragen. Heraus kam eine Art Psychogramm einer Jugendgang. Im Vergleich dazu wirken die Kinder aus HERR DER FLIEGEN wie brave Pfadfinder.

Herausragend, neben den jugendlichen Darstellern, ist Sarah Miles, die sich souverän auf Sex-Szenen einließ, die für damalige Kino-Normen mutig und ungewöhnlich waren (obwohl die billige Soft-Porno-Welle durch die Filmtheater tobte und harcore porn, zumindest in den USA, den Schmuddelkinos entkommen war).

MEDIENNERD hat sehr schön zusammengefasst, wie der Film auf jemanden wirken kann, der ihn unbelastet von der Lektüre der Romanvorlage sieht:

„Bei diesem Film dachte ich mir, dass ich den unbedingt sehen muss, weil die Zusammenfassung schon so spannend klang und ich wurde nicht enttäuscht. Der Film war richtig spannend und auch stellenweise sehr verstörend in Szenen wenn der Junge seiner Mutter zuschaut wie sie sich selbst befriedigt. Aber am krassesten war die Szene wo die Jugendlichen zusammen die Katze… ich will es hier nicht weit vorweggreifen oder euch zu sehr spoilern, aber ich will so viel sagen: Ich schaue selten bei Filmen weg, weil mich etwas entsetzt. Hier habe ich das getan und das zeigt mir, dass der Film richtig gut umgesetzt war, wenn die Schranke zwischen Film und wirklicher Wahrnehmung schwindet. Ich kann euch also sehr empfehlen hier einmal reinzuschauen, ein einfach nur krasser Film.“ (https://mediennerd.de/der-weg-allen-fleisches/)



JACK LONDONS „DAS MORDBÜRO“ – SOZIALSCHMAROTZER TÖTEN ALS GESCHÄFTSMODELL by Martin Compart

Winter Hall ist Sozialist und Millionär. Also verfügt er über genügend Ressourcen, als er den angeblichen Selbstmord eines Freundes untersucht. Er entdeckt, dass hinter dem vermeintlichen Freitod eine Organisation steht, die für eine ganze Reihe von Morden in den USA verantwortlich ist: das Mordbüro. Ihm gelingt es, Kontakt mit dem Chef aufzunehmen, mit Iwan Dragomiloff ( der Roman spielt 1911, und die Hysterie über bombende russische Anarchisten ist seit längerem Bestandteil der Populärkultur) und erfährt mehr über die Organisation.

Das Mordbüro ist eine in New York ansässige Institution, die gegen Bezahlung Mordaufträge übernimmt. Eine Geld-zurück-Garantie gibt es auch, falls der Auftrag nicht binnen eines Jahres erfüllt wird. Natürlich abzüglich zehn Prozent für die Recherchekosten.

Allerdings sind Bedingungen an die Annahme geknüpft: Das Opfer muss eine für die Gesellschaft schädliche Person sein, etwa skrupellose Geschäftemacher, Verräter oder korrupte Politiker.
Das Ziel der Institution, deren Mitglieder fast alle ehemalige Wissenschaftler sind, die zu perfekten Mördern wurden, ist eine bessere Gesellschaft.

Winter Hall erteilt den Auftrag, Dragomiloff zu töten – und dieser nimmt ihn an. Denn er kann sich der Argumentation nicht verschließen, die später auch gegen die Rote Armee Fraktion massentauglich verbreitet wurde:

„Es war der Kampf zweier Gelehrter, zudem noch pragmatischer Gelehrter. Dass sein Leben verwirkt war, hatte keinen Einfluss auf Dragomiloffs Argumentation. Zur Debatte stand einzig die Frage, ob seine Attentatsagentur eine rechtmäßige Einrichtung war. Ja, sie dachten so pragmatisch, dass sie beide die gesellschaftliche Zweckdienlichkeit als entscheidendes Kriterium akzeptierten und darin übereinstimmten, dass diese in höchstem Maße ethisch war. Und anhand dieses Kriteriums trug am Ende Winter Hall den Sieg davon. »Ich erkenne jetzt«, sagte Dragomiloff, »dass ich nicht genügend Betonung auf die gesellschaftlichen Faktoren gelegt habe. Die Attentate sind weniger für sich genommen als vielmehr gesellschaftlich falsch. Ich würde das sogar noch relativieren. Von Individuum zu Individuum betrachtet waren sie keineswegs falsch. Aber Individuen sind nicht einfach nur Individuen. Sie sind Teile einer Gesamtheit von Individuen. Ich war nicht im Recht.“

Und nun beginnt eine irrwitzige Hetzjagd, ebenso spannend wie mit humorigen Szenen und philosophischen Diskursen durchsetzt.

Der Polit-Thriller THE ASSASSINATION BUREAU LTD basiert auf einem langen Fragment von Jack London, dass von dem heute leider vergessenen Kriminalschriftsteller Robert L.Fish vollendet und 1963 erstmals veröffentlicht wurde.

Mit „Agenten-Thrillern“ hat der Roman so gar nichts gemein.


Von den 161 Seiten der amerikanischen Erstausgabe stammen die ersten 110 Seiten von Jack aus dem Jahre 1910. Die restlichen Seiten verfasste Fish nach Notizen des Autors. Nach diesen Vermerken sollte die Jagd auch noch nach Mittel- und Südamerika und nach Australien führen.

London verlegte die Handlung in die nahe Zukunft, 1911. Darin gibt es bereits Elektroautos und man spricht über die Russische Revolution!

Als „philosophischer Thriller“ ist DAS MORDBÜRO wohl nur mit einem zeitnahen Roman vergleichbar: G.K.Chestertons DER MANN, DER DONNERSTAG (1908) war.

Noch eine dritte Person war am Entstehen des Romans beteiligt:

Der spätere Literaturpreisträger Sinclair Lewis (1885-1951) – er war der erste amerikanische Schriftsteller, der den Preis erhielt – arbeitete jahrelang als Plot-Lieferant für Jack London, dem die Ideen für seine Massenproduktion ausgingen.
Aus dem Briefwechsel zwischen London und Sinclair:

„Lieber Jack London“, schrieb Sinclair Lewis, „ich war sehr erfreut, von Ihnen die Nachricht zu bekommen, daß Sie sich noch einige andere Kurzgeschichten-short story plots ansehen wollen. Ich lege ein dickes Bündel bei … Ich hoffe sehr, daß Sie eine beträchtliche Anzahl davon verwenden können …“

„Lieber Sinclair Lewis, Ihre Plots trafen gestern abend ein, und ich habe sofort neun (9) übernommen, für die ich Ihnen hiermit, entsprechend Ihrer Rechnung, per Scheck 52,50 Dollar überweise …Einige entsprechen nicht meinem Temperament, andere kommen nicht in Frage, weil ich leider zu faul bin, die dazu noch nötigen Fakten und atmosphärischen Details zu recherchieren.“ Wieder andere verwarf er, weil sie „richtige O’Henry-plots sind, für O’Henry wären sie großartig“.

Insgesamt kaufte London 27 Plot-Ideen von Siclair Lewis. Fünf von ihnen hat er verwertet: Drei verarbeitete er zu Kurzgeschichten („Winged Blackmail„, „When the World was Young„, „The Prodigal Father„), zwei zu Romanen („The Abysmal Brute“, „The Assassination Bureau„).


Die Filmrechte wurden im Mai 1966 von United Artists für ein Burt Lancaster-Vehikel verkauft.

Als dieser sich von dem Projekt zurückzog, wurden sie an Paramount weitergereicht. Dort machten Basil Dearden (Regie) und Michael Relph (Drehbuch) aus der Vorlage „a very british comedy“ mit absoluter Starbesetzung: Oliver Reed spielte Dragomiloff und Dianna Rigg die angehende Investigativjournalistin Sonya Winter, zu der Winter Hall im Drehbuch mutiert war.

Die Schauplätze des Romans wurden aus den USA nach Europa und die Zeit von 1911 in 1914 verlegt. Telly Savalas, Curd Jürgens und Phillippe Noiret gehörten zu den Co-Stars. Die Musik komponierte kein Geringerer als Ron Grainer (The Prisoner, Man in a Suitcase etc.).

Der Film konzentriert sich auf die komödiantischen Momente, ist voller anarchischer Komponenten (gedreht wurde im April 1968) und amüsiert noch immer. Er atmet den Geist der Swinging Sixties,

In Zeiten von Corona wird das Sozialschmarotzertum wieder besonders deutlich: Die Reichen verdoppeln ihre Gewinne, die Börsenkurse gehen durch die Decke, der Mittelschicht droht der endgültige Kollaps, die lange behauptete Chancengleichheit ist durch ein seit Kohl und Schröder immer maroderes Bildungssystem endgültig ausgehebelt, und auf der Straße verenden die Obdachlosen.

Für die Neo-Cons oder Neo-Liberalen wird ihr Paradies wahr.

Was die meisten Investmentbanker und Nutznießer nicht erwirtschafteten Kapitals oder Internet-Mogule nicht wahrhaben wollen, ist, dass der Systemabsturz sie mitreißen wird. Um einen Satz von Henry Ford abzuwandeln: Computer kaufen keine Computer (bei Amazon).

Wie pervers dieses ohnehin schon perverse System inzwischen ist, kann man an zwei Faktoren ablesen: Kriege werden nicht mehr geführt um gewonnen zu werden, da das Führen von Kriegen profitabler als ein Sieg ist (mit der Ausnahme von „befreiten“ Rohstoff-Oasen), und Klimawandel gilt als Marktvariable.

Der lange Krieg gegen den Feudal-Kapitalismus (im „reinen“ Kapitalismus würde jeder Mensch bei und mit Null starten, und es gäbe kein feudalistisches Erbrecht) war auch eines der wiederkehrenden Themen des Schriftstellers Jack London (seine Dystopie DIE EISERNE FERSE befasste sich bereits 1908 mit dem Faschismus als Form kapitalistischer Herrschaft).

In seinem Polit-Thriller-Fragment THE ASSASSINATION BUREAU LTD ging er aus philosophischer Perspektive der berauschenden Frage nach: Wie wäre es, wenn es eine marktwirtschaftlich orientierte Firma gäbe, deren Geschäftsmodell das Töten von Sozialschmarotzern wäre?
Natürlich für einen schönen Profit:

»Ist die Bezahlung der vollen Summe erforderlich – Sie wissen doch selbst, dass wir Anarchisten arme Leute sind.«
»Deshalb mache ich Ihnen auch so einen günstigen Preis. Zehntausend Dollar für die Tötung des Polizeichefs einer Großstadt ist nicht überzogen. Wären Sie Millionär und keine bettelarme Vereinigung, die am Hungertuch nagt, dann würde ich Ihnen für McDuffy fünfzigtausend Minimum berechnen.«

DAS MORDBÜRO könnte man als Allegorie auf den Kapitalismus lesen: Eine Maschine, einmal in Bewegung gesetzt, zerstört alles und jeden, auch die Erfinder und Profiteure.

In seinem Aufsatz ENGINE OF DESTRUCTION schrieb Alberto Manguel 2008 in “The Guardian” über dieses Buch:

“At the risk of stretching the comparison too far, I believe that the Assassination Bureau has enjoyed a modern reincarnation: we too have allowed for the construction of many such formidable social machineries whose purpose is – in their case – to attain for a handful of individuals the greatest possible financial profit, regardless of the cost to society and protected by a screen of countless anonymous shareholders. Unconcerned with the consequences, these machineries invade every area of human activity and look everywhere for financial gain, even at the cost of human life: of everyone’s life, since, in the end, even the richest and the most powerful will not survive the plunder.“

„Als ich noch in dieser Kanzlei fürs Rotlichrtviertel war, hatten wir auch mal sowas. Hells Angels oder so ein Fernfahrerklub. Pfiffige Idee. Aber man muss sowas marktwirtschaftlich angehen. Sonst wird das nix.“




DR.HORROS CORONA-FILMKRITIK by Martin Compart
20. Januar 2021, 3:58 pm
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THE BRUTAL, THE STUPID, AND THE NEEDLESS
THE FINAL (PLAGUED) YEARS OF MANKIND

This is the title of a virtually unknown horror movie from the early 1970s (when the Vietnam War) was still going on that seems to be lost. Here are excerpts from a recently found (damning) film review:

Wow, what a silly movie.

I don’t believe it would be possible to make one sillier.
Concerning the future, it gives in one eddying concentration almost every possible foolishness, cliché, platitude, and muddlement about progress of science and society served up with a sauce of self-pity that is all its own.

It’s all about anonymous conspirators of brutal intelligence – may the be hippies, billionaires, or aliens or all of the three – who are going to accomplish the ultimate brain damage among their followers. They link them by a computerized mind, artificial intelligence so to speak that has total access to huge databases but renders those unhappy masses completely stupid and turns them into mindless zombies playing computerized games and in between killing each other: Only the stupidest calves choose their own butcher.

In this case, they elect a comedian from television to lead them. The guy has apparently ditched the hair dye and swapped his notoriously blonde hairdo for his natural silver shade: a hairspray labyrinth instead of mind. This man is a hunter of souls who sells all the souls to aliens or devils or to Deutsche Bank or to the Mafia (after the success of The Godfather, the mindless filmmakers could not leave it out!) and leads the people to destroy the symbols of democracy including the White House when, at the same time, they suffer not only a brain virus but a pandemic spreading – of all places – from Mao’s China! Two viruses for the price of one. What kind of absurdity is this?

A quaint smell of Mephistopheles is perceptible for a while. With a broomstick between their legs, the filmmakers celebrate Walpurgis Night and ride to the Brocken to kiss Satan’s ass. Never for a moment does one believe any of this foolish story; for a moment is there anything amusing or convincing in its dreary series of strained events. It is immensely and strangely dull. It is not even to be laughed at. There is not one good-looking nor sympathetic nor funny personality in the inept, hammy cast; there is, indeed, no scope at all for looking well or acting like a rational creature amid these mindless, imitative absurdities. The film’s air of having something grave to say is transparent pretense.

It’s a tepid horror movie about an unlikely dystopian future that despises mankind and all values of humanity. At the end of the movie, nobody survives as the stupid swarm out to welcome the disease and plague with open arms, without any protection and turning down each vaccine because it would cure them from their mental state. They are like lemmings.

Let’s hope that the brutal will never be joined by the stupid and the needless and that such absurdity, the figment of a screenwriter’s sick mind will never become the object of mindless future cultists who devour any trash.

Er wurde für seine Darstellung des Virus und des Comedian in Doppelrolle für den Goldenen Otto nominiert.