Martin Compart


STONES BUCH by Martin Compart
9. September 2017, 11:48 am
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Wenn die Stones schon auf Tour gehen um mein Buch zu promoten, will ich sie dabei auch unterstützen. Hier also ein Auszug aus dem ersten Kapitel der m.W. bisher einzigen buchlangen Betrachtung der Greatest Band ever. Das Cover ist von Helmut Wenske.

„Rock’n’Roll erwischte England wie die Bombe von Hiroshima“, sagte Keith. Dann kamen die Beatles und Europas Teenager begannen durchzudrehen; 1963. 1964 kehrte der Rock in die USA zurück mit der großen British Invasion: Alle englischen Bands wurden von Bomber Harris in ein Flugzeug in die Staaten gesetzt und zerbombten die US-Hitparaden. Mit Gitarren wie Kalaschnikovs schossen die Brit-Bands den Frankies & Rickys die Eier weg. Die Kulturrevolution trat in die entscheidende Phase.

 

Es muss so ’64 gewesen sein, als mir erstmals die Basslinien von Bill Wyman die Magengedärme aufwühlten und Technicolour in mein Leben brachte. Es war Sommer, und während ich auf repressiven Druck meiner Eltern zum Schlafengehen verurteilt wurde und mich fürs Bettchen fertig machte, trug eine leichte Brise exotische Klänge über die Mauer des Gemeindehauses direkt in mein Kinderzimmer. Dort war nämlich samstags regelmäßiges Abhotten bis 22.00 Uhr erlaubt – für die Methusalems über 14 Jahre. Ich war zehn und hatte bisher Freddy (FÄHRT EIN WEISSES SCHIFF NACH HONGKONG; B-Seite: DAS IST LANG VORBEI!!!), deutsche Schlagerheinis und andere Könige der flotten Musik hochgeschätzt. Auch das, was man später Highschool nannte, gefiel mir:

Manchmal klang es wie das nächtliche Gejaule geiler Coyoten, die sich bis an den Rand der Vorstädte herangewagt hatten. War ganz schön. Was aber nun wie Kreissägen die stille Unschuld meines Zimmers zersägte, faszinierte mich ungeheuer viel mehr; der Krach ging mir nicht mehr aus dem präpubertären Schädel. Das war etwas anderes als die Beatles, deren melodische Töne mir in den Ferien am Comer See ununterbrochen ums Hirn gespült worden waren. Hier gab es eine Welt jenseits der humorlosen Konventionen der bürgerlichen Welt. Wenige Tage später sollte ich erfahren, was mich so angemacht hatte: Wir waren auf einem dieser unerträglichen Verwandtschaftssonntagsbesuche bei einem Onkel, und mein älterer Cousin besaß dank seiner noch älteren Schwester einige dieser neuen Lärmplatten mit langhaarigen Affen auf der Hülle, die bei Erwachsenen nicht allzu gut anzukommen schienen. Die sagten einem auch klipp und klar, was das war: Es war Negermusik aus dem Dschungel, gespielt von ungewaschenen Langhaarigen, die nur Vergewaltigung, Totschlag, die Abschaffung der Zivilisation und die Vorbereitung der kommunistischen Weltherrschaft im Sinn hatten. Diese Kerle waren gegen geregelte Arbeit, ordentliches Familienleben, Zebrastreifen, den Goldenen Schuss (Lou van Burg – nicht das Frankfurter Bahnhofsklo), den Blauen Bock, Turmfrisuren, VW-Käfer, Wirtschaftswunder und saubere Gesinnung, erklärten die Alten rot angelaufen mit Geifer vor dem Maul. Die wollten alles kaputt machen. Sie waren das Schlimmste, was es gab. Genauso schlimm wie Fidel Castro und Mao und schlimmer als Hitler oder der 2.Weltkrieg, den man leider verloren hatte. Im Grunde verkörperten sie das, wogegen die Alten heroisch gekämpft hatten: die Dominanz des Untermenschentum. Nur Untermenschen konnten derartigen Krach machen. Verjudete Negermusik.

Später bewiesen unsere Wirtschaftswunderkapitäne und deren toupierte Frauen bemerkenswertes Differenzierungsvermögen, indem sie die Beatles zähneknirschend akzeptierten oder gar zu YESTERDAY an den fetten Wanst drückten – Haare zwar lang, aber gewaschen und anständig in Uniformen angezogen, na ja, halt englische Künstler. Sogar die HÖR ZU hatte positives über das erste Beatles-Album zu berichten: „Die zentrale Tanzschaffe.“
.All der Hass auf die Welt und ihren Nachwuchs ergoss sich nun über die Rolling Stones, die noch schmutziger als ein Stripklub waren. EVENING STANDARD vom 21.3.64: „Sie haben in der Musikszene Schreckliches angerichtet; sie haben sie an die acht Jahre zurückgeworfen. Als wir unsere Popsänger gerade soweit hatten, dass sie alle sauber, ordentlich und nett aussahen, da kamen die Stones daher und sahen aus wie Beatniks. Sie haben das Image der Popsänger der sechziger Jahre ruiniert.“ Und zur ersten Australien-Tournee stellte der SYDNEY MORNING HERALD fest: „Ein unverhohlen sexueller Akt, auf den die keuschen Beatles unsere zarten Teenager nicht vorbereitet hatten.“

Die fett gewordenen Weltkriegsveteranen und Wirtschaftswunderspießer wussten genau, wie man mit solchen Burschen verfahren musste: Erst mit dem Schlauch abspritzen und dann erschießen. Liberalere Geister erwogen noch Arbeitsdienst oder ein paar Monate in einem gut geführten KZ. Sie hatten es aber auch verdammt schwer. Erst mal kam diese verdammte Anti-Babypille, die Frauen angstfreien Sex garantierte. „Die Pille verautomatisiert die Liebe und versaut die Moral.“ Unterstützt wurde diese Schweinerei noch durch die Mode. „Die Mini-Mode ist so aufreizend, dadurch kommen so viele Sexualverbrechen.“ Gut erzogene Frauen waren ebenfalls nicht begeistert und verstanden die Qualen ihrer rotgesichtigen Ehemänner: „Manche haben nur ein paar Fetzen dran, da kann man den ganzen Hintern sehen. Und da sollen die Männer nicht verrückt werden?“

Die Stones waren fast so schlimm wie Pille und Minirock („Denen verdanken wir das doch! Das ging los mit langen Haaren und Affenmusike.“).

Außerdem hörte, sah und las man, was bei den Konzerten dieser Beknackten („Die nennen das Konzert!“) so abging:
„Die spastischen Bewegungen des Bruders, Märtyrers und Gottes auf der Bühne pflanzen sich wie eine Welle durch die Bankreihen des Saales fort. Immer zwingender wird der Rhythmus, immer hektischer werden die Bewegungen im Saal. Hier und da springen die Burschen auf, reißen sich die Hemden vom Körper; ihre stumpfen Augen lassen nicht erkennen, ob sie die Umwelt noch wahrnehmen, nur der Über-Rhythmus scheint sie noch voranzutreiben. Man hat das Gefühl, als ob man den Riten irgendeines obskuren Stammes von Wilden beiwohnt, dessen Kommunikationsmittel einem unbegreiflich bleiben. Ein erwachsener Mensch kann sich regelrecht fürchten. Zu recht forderten Würdenträger der römisch-katholischen Kirche den Boykott der `beleidigenden Musik‘. In den Straßen geht der Veitstanz weiter. Erst kurz vor Mitternacht sind die letzten grölenden Gruppen verstreut.“

Jugendliche brüllten auf Stones-Konzerten wie Bauerntölpel, deren Gehänge sich im Stacheldraht verfangen haben.
Der erste wirklich große deutsche Hit der Stones war natürlich das Zerlegen der Berliner Waldbühne – hinreichend bekannt. Sentimentalität kommt auf, wenn man den Bericht des Axel-Springer-Heloten Matthias Walden darüber liest (in DER MONAT 11/65): „Auf überhohen Laternen der steilen Riesenarena hockten nun Menschen in der Haltung exaltierter Affen und versetzten die ächzenden Masten in Schwingungen, bis die besessenen Jockeys brüllend von den Kandelabern brachen, um zehn Meter tief auf die Köpfe und Rücken ihrer Kumpane zu stürzen… Die Hauptakteure, in ihrem Äußeren und ihren gestischen Äußerungen eine Mischung aus jugendlichen Landstreichern und Harlekinen begannen zu schlagwerken, zu zupfen und zu singen… Einige Träger platzenger Hosen sah ich geschüttelt wie von verschluckten Pressluftbohrern, Schulmädchenkörper zuckten in einer Weise, die den Chronisten ratlos machen und den Pornographen inspirieren musste. Die elektrischen Gitarren teilten Schläge eines rhythmisch-musikalischen Flagellantismus aus, der unmöglich nur die Ohren treffen konnte… Die Rolling Stones, Geröll des verlangten Anstoßes…stelzten und sprangen über den Haufen von Wurfopfergaben, als agierten sie auf einem Altar der Blasphemie. Mick Jagger, stöhnender Chef der Lotter-Idole, sang I can’t get no satisfaction…zuckte von den Zehen bis zu den Spitzen seines weibischen Schopfes und wiederholte mit obszöner Stimmvibration sein glaubhaftes Geständnis: I can’t get no satisfaction… Man hat zwar in der Waldbühne keinen weißen Kittel gesehen, aber die Zuständigkeit der Medizin ist wohl nicht ganz zu leugnen.“ Auch das Fernsehen berichtete entsetzt über den neuen Vandalismus: „21000 Menschen in der Waldbühne, die wie ein Pulverfass explodierte als tausende von jugendlichen Beatfans der Massenpsychose verfielen und aufgepeitscht durch die hämmernden Rhytmen nicht mehr wussten, was sie taten… Während und nach dem Auftritt der Rolling Stones feierte die Zerstörungswut hemmungsloser Jugendlicher wahre Triumphe.“

Das kam mir gerade recht. Ich begann nämlich an der natürlichen Ordnung der Welt zu zweifeln und nahm den Kampf gegen Eltern- und Lehrerautorität auf. Krieg den alten Säcken und Friede der Musikbox. Zunächst ging es darum, länger draußen bleiben zu dürfen („Der wird noch ein richtiger Rumtreiber! Hoffentlich hält er sich wenigstens von den Gassenjungs fern.“), mehr Fußball zu spielen („Erst machst du deine Hausaufgaben. Und mach das Radio aus, dabei kann man nicht lernen.“) und freitags um neun Kimble auf der Flucht zu sehen. Es war eine harte Zeit, und die Stones waren nicht mal im Radio zu hören (ausgenommen Besatzersender).

Keine Negermusik auf deutschen Wellen war das grimmige Prinzip der öffentlich-rechtlichen Sender. Wahrscheinlich wären die Ätherwellen kotzend zusammengebrochen. Lediglich Radio Luxemburg und AFN ermöglichten uns einen Blick in die angelsächsischen Hitparaden. Und wenn man die laut aufdrehte, stand garantiert ein tobender SS-Mann im Zimmer, weil man unerlaubt den Feindsender hörte: „Mach die Urwaldmusik aus. Davon wird man krank.“ Rock-Musik war verboten! Aber natürlich fand die Musik immer einen Weg zu den wahren Glaubensbrüdern.

Um Platten mit entarteter Musik zu kaufen, brauchte man Geld – 4,75 DM die Single – ungefähr. Und das vom mageren Taschengeld („Er muss lernen, mit Geld umzugehen; je früher, je besser.“), das auch noch für TIBOR-SOHN DES DSCHUNGELS, NICK-PIONIER DES WELTALLS oder SIGURD, DER RITTERLICHE HELD und möglichst noch für Sinalco an der Bude ausreichen musste. Außerdem war es ziemlich schwierig, die Neger-Platten zu verheimlichen, wenn man sie dauernd hören wollte. Eine neue Single brachte es locker auf täglich vier Stunden Spielzeit in den ersten Wochen.

Also wurde zu Weihnachten ein Tonbandgerät gewünscht. Diese Kisten waren damals sowieso das Größte – ob Stereo oder nicht. Wer sich noch an die tonnenschweren Container der ersten Tonbandgeneration erinnert, weiß, was ich meine. Uher war der Mercedes unter diesen Kästen. Mit dem Tonbandgerät in Habacht-Stellung lauerte man dann einmal die Woche auf die TOP 20 im Engländer oder Ami. Da war immer reichlich Dschungelmusik dazwischen und die Stones ganz groß: IT’S ALL OVER NOW, LITTLE RED ROOSTER, THE LAST TIME, GET OFF OF MY CLOUD, SATISFACTION, 19 NERVOUS BREAKDOWN, PAINT IT BLACK – die Hämmer! Nicht zu vergessen der schlimmste Krach, der je in Vinyl gepresst wurde: HAVE YOU SEEN YOUR MOTHER, BABY, STANDING IN THE SHADOW? Dagegen klang das Guss-Stahlwerk wie Schubert. Die Stones beballerten die weißen Redneck-Charts mit schwarzen Rhythmen. Der wahre Sound zur Teenage-Angst, dass woanders das wahre Leben stattfindet. Im Mai 1965 hatten die Stones in LA bei den Aufnahmen zu SATISFACTION erstmals Kokain genommen. Welche außerirdische Substanz mag sie zu HAVE YOU SEEN YOUR MOTHER, BABY inspiriert haben? Dieser – ihr vielleicht größter – Song macht das Gehirn kugelsicher. Den Veranstaltern der 65er Deutschlandtour schickte die Regierung von Oberbayern eine Rechnung über die Nachzahlung von 14.158 Mark Vergnügungssteuer, da es sich beim Münchner Stones-Spektakel nicht um eine musikalische Darbietung gehandelt habe, sondern um „schieren Lärm mit artistischen Beigaben“.

PAINT IT BLACK ist natürlich eine meiner Stones-Top 5. Das Stück zum ersten Mal ins Ohr geknallt, ist nur mit dem ersten Joint (der anschlug) zu vergleichen. Es brachte einen auf eine nie zuvor gekannte Bewusstseins- und Gefühlsebene. Nicht so effektiv war dagegen Karel Gotts Coverversion SCHWARZ UND ROT. Teufel noch mal, hatten die Alten denn vor gar nichts Respekt?
Jetzt begann ich, was in der Familie hysterische Weinkrämpfe und Exekutionsdrohungen auslöste („Du wirst von der Schule genommen und gehst zur Müllabfuhr.“), BRAVO zu lesen. Damals ein wirklich obszönes Blatt, das Marie Versini oder Elke Sommer im Bikini zeigte und schamlos über erste Zungenküsse berichtete („Kriege ich jetzt ein Kind?“). Ich konnte mich gerade noch damit rausreden, dass ich den Pierre-Brice-Starschnitt sammelte und wegen Winnetou und Old Shatterhand dieses sittlich desorientierende Magazin in die Hand nähme. Mit einer Erinnerung von Pierre Brice über seine Zeit in Indochina im Kampf gegen die Viets konnte man sogar bei den männlichen Autoritäten milde Hoffnung erwecken („Steht nicht nur Mist drin.“). DER LANDSER hatte eben keinen Winnetou-Starschnitt. Natürlich war die BRAVO längst auf die üblich anscheißerische und abwiegelnde Art auf den Zug aufgesprungen und berichtete – anfangs durchaus verdattert – über Jagger & Co: „Sie haben die längsten Haare und den härtesten Beat.“ Gut waren immer die Prognosen: „Rolling Stones verspielen Weltkarriere. Bald will sie keiner mehr hören.“ Über die KINKS textete BRAVO mal: „Für viele sind sie hinter BEATLES und ROLLING STONES schon die große Nummer Drei!“ Aber der Abschuss war ein Interview mit Brian Jones in LUPO MODERN:

FRAGE: Wer sind die besten Sänger?
JONES: Ganz klar die Italiener. Denen liegt das Singen so im Blut wie uns Engländern das gute Benehmen.

Neben Berichten über Beat-Musik und wie der alte Pierre im Dschungel von Asien aufgeräumt hatte, gab es zum Glück in BRAVO noch genug anderen Mist, auf den man sich rausreden konnte: Jeden Tag übt Hugh O’Brian (Wyatt Earp) vor dem Spiegel das schnelle Ziehen. Da lernte man was fürs Leben.

In der Penne tobte indes das vereinigte Lehrerkollegium gegen Beat-Musik („Macht aggressiv, taub und verblödet.“) und Comics („Machen aggressiv, blind und verblöden.“) – Stichwort Tornisterkontrolle. Samstags dann Bücherverbrennung, wo man einen Schwung edler Wäscher-Comics gegen ein pädagogisch wertvolles Jugendbuch eintauschen konnte. Zum Beispiel H.V.Pahlen: DER PAVIANEXPRESS mit den schönen Zeilen: Wenn der Neger erstmal das Morden anfängt, hört er so schnell nicht auf. Dann konnte man zusehen, wie ein Berg voller Comics (wo bekamen die die Hefte bloß immer her? Ich kannte keinen, der seine AKIMs abgegeben hätte) in Flammen aufging. Jeder Generation ihre Bücherverbrennung. Manchmal versuchte man sogar ein Himmelfahrtskommando, auf das Skorzeny oder Sepp Dietrich stolz gewesen wären: Man robbte sich an den Scheiterhaufen, um ein paar (fehlende) Hefte zu klauen. Erwischten sie einen, wurde man mitverbrannt.

In den großen Pausen trafen sich Stones- und Beatles-Fans, um sich gegenseitig auf die Fresse zu hauen. Da trafen unversöhnliche Weltanschauungen aufeinander – mit Musik hatte das nichts zu tun. Die Stones wollten nicht die Hand von irgendjemand halten. Endgültig erledigt waren die Liverpooler spätestens, als ein Klassenkamerad von seiner Tante ein Beatles-Album zum Geburtstag geschenkt bekam. Nie hätte ein pflichtbewusster älterer Mensch einem gefährdeten Heranwachsenden eine Stones-Scheibe geschenkt. Nein, er hätte sich todesmutig dazwischen werfen müssen. Noch grausamer als die Beatles fand ich die Beach Boys und diese ganze Surf-Scheiße: Hitlers Südkalifornische Herrenrasse; Bikini-Sturmtruppen und Surf-Nazis. Blond, gesund und doof. Die grinsten noch debil, während ihnen ein Hai das Gemächt abbiss. Ja,ja, heute sehe ich vieles anders (aber manches war nun wirklich schlimm!).
Noch verwirrender für viele Erziehungsberechtigte als der Bremer BEAT CLUB (als mein Vater FIRE von Arthur Brown, vorgetragen im BEAT CLUB, sah, legte er die Zeitung zur Seite, stand auf, trat nahe an den Fernseher, betrachte das dortige Treiben, murmelte dabei „Das ist doch nicht normal“, wandte sich dann mir zu und fragte: „Ist das etwa ein Idol?“) war die MONKEES-Fernsehserie, die das ZDF samstagnachmittags über die Nation brachte. Die jokes und das Rumgeblödel machte älteren ähnlich schwer zu schaffen, wie später MTV. Aber zum Glück war alles harmlos. Und die melodiösen Hits der Monkees, geschrieben von Neil Diamond, konnte durchaus gefallen. Inzwischen hatte man sich ja an Schlimmeres gewöhnt. „Wenn Weißbrot singen könnte, dann würde es so klingen wie die Monkees.“

Der Grabenkrieg mit den Eltern ging so bis `67, `68, dann hatten die Alten aufgesteckt. Das Zuhause als offener Strafvollzug. In der Gewissheit, dass ich als Verbrecher enden würde (oder noch schlimmer: bei der Müllabfuhr), aus der deutschen Art geschlagen sei und eh der Weltuntergang unmittelbar bevorstand, mischten sie sich kaum noch ein. Ihre Energiereserven waren verbraucht, und ihnen fehlte das Rolling-Stones-Energie-Aufladegerät. Von nun an durchgeistigtes, resignierendes, stilles Leiden – nur die heilige Kirche und das Wirtschaftwachstum gaben noch die Kraft, um weiterzumachen. Aber wofür? So ein undankbarer Junge. Mit Märtyrerblick wurde ich bedacht: Ich konnte unmöglich ihr Kind sein, eher ein fremdes Wesen aus dem All, nur zur Vernichtung der Rasse in den Mutterleib gepflanzt. Vielleicht sogar von den Russen untergeschoben. Einzig Taschengeldterror war noch dagegen zu setzen.

Eines der besten und stärksten Argumente der Alten in der BRD lautete: GEH DOCH RÜBER, WENN ES DIR HIER NICHT PASST. Gemeint war natürlich die DDR, wo alle am Hungertuch nagten, in Neo-KZs vegetierten und mit der Kalaschnikow zwischen den Zähnen hinter der Mauer lauerten, um die freie westliche Wohlstandsgesellschaft zu überrennen. „Wenn ich das schon höre: Das System ist schuld! Geh doch rüber, wenn es dir hier nicht passt! Ja, ja: Manipulation! Alle sind manipuliert. Dann geh doch rüber. Der Iwan wird dir schon zeigen, was System ist. Dir und deinem Adorno. Die Rolling Stones kannste gleich mitnehmen.“ Im tiefsten Herzen ahnten sie, dass es drüben besser war. Sie wussten nur nicht, wo drüben ist.

Und dann geschah ein weiteres Wunder: AFTERMATH kam raus. Das stellte alles Bisherige in den Schatten. OUT OF TIME, STUPID GIRL, HIGH AND DRY, UNDER MY THUMB! 22 Eier sollte sie kosten! Teuer, teuer, teuer. Sparen, sparen, sparen. Jeden Tag drückte ich mir bei Musik Born die Nase am Fenster platt. Dahinter war sie. So nah und doch so ungerecht fern. Eine ungeheure Anziehungskraft ging von dem schattigen braunen Cover aus. Diese fünf Visagen hatten für mich dieselbe Symbolkraft wie Marilyn über dem U-Bahnschacht oder Bogart mit der Zigarette. Nichts in der Welt wollte ich lieber besitzen als diese Platte mit den entscheidenden Eröffnungsworten: Kids are different today, I hear every mother say. Der Eintritt in eine andere Dimension. Diese Platte hatten meine Jungs für mich gemacht, damit ich diese betonharten Zeiten durchstehen konnte. Die Stones standen mir bei im Elend dieser von Geisteskranken beherrschten Welt.

Sollte ich einen Zigarettenautomaten aufbrechen? Parkuhren absägen? Die Stadtsparkasse überfallen? Am Schultor Schutzgeld erpressen? Ich setzte mit TIBOR, MICKYVISION (mit Michael Voss!) und BRAVO aus (Was wird denn nun aus dem Pierre-Brice-Starschnitt?) und führte ein zurückgezogenes Leben. Freude bereitete nur das tägliche Geldzählen. Ich erpresste ein paar Mark, besuchte Verwandte (die ich nicht ausstehen konnte) und schleimte um jeden Dollar. Dann stand ich morgens zitternd vor Musik Born und wartete, dass der Laden endlich aufmachte. An einem so großen Tag hatte man nichts in der Schule verloren. Den ganzen Vormittag drückte ich mich in der Milchbar über dem Hallenbad herum, nahm nicht an der ewigen Skatrunde der ewigen Schulschwänzer teil, sondern starrte nur verzückt die unendlich kostbare erste Langspielplatte meines Lebens an. Selbst meine erste unglückliche Verliebtheit rührte mich nicht länger. In wenigen Stunden wäre ich im Nirwana. Auf der Beatwolke, von der mich keiner so schnell vertreiben würde.

Punkt zwei nach Hause. Meine Mutter war in einer Ratssitzung, und mein Alter montierte sowieso irgendwo im Orient Maschinen für dumme, faule Bimbos, denen der weiße Mann erstmal das Arbeiten beibringen musste. Der Nachmittag gehörte mir und den Stones. Unendliches Glücksgefühl, als man das Vinyl vorsichtig aus der Hülle schälte, um es dann von Mr.Hit deflorieren zu lassen. Gott schrieb nicht mehr auf Steintafeln, er presste in Vinyl.

Abends war ich ein anderer. Ein weiser, wilder Typ, der das Leben kannte und den man nicht so leicht fertigmachen konnte. Vielleicht nicht direkt ein Gott, aber ziemlich nahe dran. Meine tägliche Dosis AFTERMATH machte mich überlegen. Die Grenzen waren abgesteckt und wurden hart verteidigt. Kleiner Grenzverkehr an Weihnachten und zu Geburtstagen. Ich blieb so lange weg, wie ich wollte, trieb mich rum, mit wem ich wollte und ließ mir die Haare wachsen. Jetzt hätten sie eigentlich sterben müssen: Sie hatten einen Langhaarigen großgezogen. In hilfloser Wut tagte der Familienrat („Man kann ihn ja schlecht ins Gefängnis stecken!“). Aber sie hatten auch Angst. Wenn das eigen Fleisch und Blut lange Haare bekam, dann war schlichtweg alles möglich. Das schöne Mexiko mit seiner langen demokratischen Tradition war da einfach einen Schritt weiter: Wenn in Mazatlán ein Flugzeug landete oder zwischenlandete, wurden den Langhaarigen gleich im Flughafengebäude zu ihrem Besten die Haare geschnitten. „Lasst Bauarbeiter ruhig schaffen, kein Geld für langbehaarte Affen“.

Die Angst war berechtigt. Die ersten Aussteiger tauchten auf. Prosaisch Gammler genannt „Die tun nix, gammeln nur rum. Auf unsere Kosten.“.
„Sie müssen eingesperrt werden und gezwungen, zu arbeiten. Das ist meine Meinung.“
„Die gehören ins Arbeitshaus, beziehungsweise mit Knüppeln hier runter gejagt. Anders sind die gar nicht mehr groß zu kriegen. Bei Adolf hätte es so was nicht gegeben.“
„Richtige Schweine sind das. Die müssen sich erst mal sauber waschen.“

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Steine im Park by Martin Compart
8. September 2017, 9:27 pm
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Am Wochenende spielen die Stones in einem Hamburger Park.
Mit keiner anderen Band ist mein Leben mehr verbunden als mit den Stones.

Ich habe ein Buch über die Stones geschrieben.

Eintrittspreise zwischen 100 und 8000 €.

Könnte mir zum x-ten Mal Jumping Jack, Street Fighting Man, Ruby Tuesday, Sympathy, Start Me Up und die anderen Greatest Hits aus dem Vierfachalbum reintun.

Zusammen mit drei Generationen Halbidioten, für die die Stones nie sein können, was sie für mich waren.

Das letzte Album war das erste, was ich nicht gekauft habe. Nur runtergeladen, zweimal gehört. Was für ein arthritischer Scheiss für Leute, die bei Elvis jung waren. Back to the roots – wenn ich so einen Mist schon höre. Die Stones wurden gut, als sie diese Kirmes-Musik über wunden hatten (Aftermath).

Würde ich vielleicht doch hingehen?

Ja, wenn sie ein neues Album mit Eigenkompositionen durchspielen würden.
Oder das komplette unter schätzte UNDERCOVER (nie live gespielt).
Ich bleibe zu Hause.

Trink und rauch was zu Living End oder Misfits. Oder zu BIGGER BANG. Ist auch nostalgisch.
Bei so einem Gig kriege ich keine Befriedigung. Ist was für die deutsche Springer-Musik-Presse (Rolling Stone, Musik Express), die ja wenigstens noch ineinander existiert.

Mir ist das zu blöde.

P.S.: Das sie immer noch verdammt gut sind, steht außer Frage:



MAX ALLAN COLLINS – CRIME-DA VINCI AUS IOWA by Martin Compart

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Kürzlich ist auf Cinemax die Crime-Serie nach Max Allan Collins Killer-Serie QUARRY angelaufen.

QUARRY war die erste Serie über einen Berufskiller und seit langem kult.

Jemand wie Max Allan Collins ist im Genre völlig einmalig-er schreibt nicht nur grandiose Romane, er hatte auch eine Single in der Hit-Parade, drehte, schrieb und produzierte Filme (in einem spielt Spillane eine Hauptrolle), schrieb Comics (sein ROAD TO PERDITION wurde 2002 zu einem erfolgreichen Kinofilm mit Tom Hanks) und Movie-und TV-Tie-Ins, er arbeitete auch theoretisch und drehte u.a. das definitive Mickey Spillane-Portrait.5387105341 Kein anderer mir bekannter Autor ist so produktiv in unterschiedlichen Medien unterwegs! Und dabei hält er ein ungeheures Niveau.  Max ist sein eigenes Multiversum und sein Platz in den verschiedensten Kapiteln der Genres und Medien längst sicher.

Und Max kann sehr witzig und scharfsinnig zugleich sein:

„Some of you know that I’m a Democrat or a liberal or a progressive or something. I think of myself as slightly left of center, but my father thought of himself as slightly right of center, when he was slightly right of Genghis Khan. So who knows? I do know that I veer left when the right is getting out of hand, which they frequently do. I despise Fox News, because it isn’t news, it’s opinion labeled news, and you can always tell when you’re “talking” (i.e, arguing) politics with somebody whose news and info comes from Fox, because it’s always the same bite-size talking Points.“

Im deutschsprachigen Raum wird er zur Zeit nicht veröffentlicht. Das sagt mal wieder so einiges über die Branche aus.

Spillane war und ist er besonders verbunden: Seit 2007 beendet und bearbeitet er die Fragmente von Spillane zu neuen Büchern.

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Max gehört zu den Giganten der zeitgenössischen Kriminalliteratur und mein Nachwort zu BLUT UND DONNER (Dumont Noir 17; 1999) hier als kleine Würdigung gedacht:

DAS MULTITALENT AUS DEM MITTELWESTEN

Wie die Zeit vergeht… Es kommt mir wie gestern vor, als Max Allan Collins Anfang der 80er Jahre als  der Geheimtip und  Newcomer genannt wurde. Ein Multitalent, das gleichermaßen erfolgreich und anspruchsvoll in unterschiedlichen Medien arbeitete: max-2012-3001Er schrieb Comics (u.a. führte er den langlebigsten Crime-Strip DICK TRACY fort), machte mit seiner Garagenband die fetzigsten Songs in Iowa und schrieb Noir-Romane. Später kamen Film-Novilizations (Collins Bücher zu den jeweiligen Filmen sind mehr als hingeklatschte Drehbucherweiterungen) und Filmarbeit als Produzent, Autor und Regisseur dazu. Ganz nebenbei gibt er Anthologien heraus und schreibt auch noch Texte zu populärkulturellen Themen (sein umfangreicher und großformatiger Prachtband über den Pin-Up-Künstler Gil Elvgren ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine brillante Analyse). Collins ist eine der kreativsten und produktivsten Autoren der zeitgenössischen Pop- und Noir-Kultur.

Collins wurde am 3.März 1948 in Muscatine (die Welthauptstadt der Perlmuttknöpfe!), Iowa geboren. Diese faszinierende Stadt mitten in den großen Getreidefeldern, direkt am Mississippi gelegen, hat etwas – sonst würde Max wohl nicht immer noch dort leben. Er war ein Einzelkind und entdeckte früh Comics und andere fiktionale Welten, die ihn schnell zu kreativen Aktivitäten anregten.

Seine Eltern Max Allan und Patricia Ann unterstützten die künstlerischen Neigungen von Collins jr. „In den Ferien mußte ich keinen Job annehmen. Sie ermutigten mich stattdessen, mein erstes Buch zu schreiben.“ Nach der Schule ging er 1968 auf die Universität in Iowa City, die er 1972 mit einem Bachelor of Arts und einem Master of Arts abschloß. Von 1968 bis 1970 war er Reporter für das Muscatine Journal.Im selben Jahr, als er auf die Universität ging, heiratete er seine Kindergartenliebe Barbara Jane, geborene Mull, mit der er zusammen den Sohn Nate hat.max_barbara-tn1

Von 1971 bis 1977 unterrichtete Collins Englisch am Muscatine Community College. Seitdem ist er freier Schriftsteller.

Max ist ein echtes Kind der 50er- und 60er Subkultur und nach wie vor ein Fan. Sein Interesse an Comics, TV, Film, Good Girl Art und Crime Fiction schlägt sich in einer Reihe von sekundärliterarischen Artikeln und Büchern nieder. Aber auch in seinen Romanen greift er populärkulturelle Themen immer wieder auf: Jon, der Sidekick von Nolan, ist ein Rockmusiker und Comic-Sammler, der sich in jedem Roman mit einem anderen Aspekt oder Genre des Mediums beschäftigt.

maxallancollins1Noch stärker finden sich Bezüge in seinen Mallory-Romanen: In A SHROUD FOR AQUARIUS setzt er sich mit der Gegenkultur der 60er Jahre auseinander und beschreibt melancholisch den Werteverlust der Hippie-Generation.

Mit Joe Lansdales SAVAGE SEASON, Campell Armstrongs CONCERT OF GHOSTS (KONZERT DER SCHATTEN; Bastei 13553, 1994), David Debins NICE GUYS FINISH DEAD (NETTE TYPEN STERBEN SCHNELLER; Goldmann 5816, 1995), Michael Dibdins DARK SPECTRE (INSEL DER UNSTERBLICHKEIT; Goldmann 1996) und George R. Martins ARMAGEDDON RAG (ARMAGEDDON ROCK; Fantasy Prod.1986; Heyne TB) eine der gelungensten Meditationen über diese Zeit – aus gegenkultureller Perspektive.

Die Krimi-Szene mit ihren Fans, Autoren und Cons machte er zum Mittelpunkt des Romans KILL YOUR DARLINGS, und in NICE WEEKEND FOR A MURDER beschäftigt er sich mit Rollenspielen.

MUSIK

Mitte der 60er Jahre grassierte ein Fieber quer durch die Vereinigten Staaten. Das Fieber hieß Garagenbands. Angeregt durch die Musik der britischen Invasoren – wobei für US-Garagenbands Rolling Stones, Animals oder Kinks immer wichtiger waren als die Beatles – gründeten Jugendliche in jeder kleineren und größeren Stadt Beatbands.collins1

Einige dieser Pre-Punk-Bands sind heute Klassiker; etwa die Electric Prunes, We the People, Seeds, 13th Floor Elevators, Brogues, Standells, Bad Seeds usw. Dabei bildeten sich oft erstaunliche regionale Unterschiede heraus. Aber eine Band aus Texas hatte neben den britischen R&B-Invasoren eben noch andere Einflüsse als eine Band aus Florida oder Iowa. Die meist nur regional, bestenfalls im ganzen Staat, veröffentlichten Singles (wenige dieser Bands durften/konnten ein oder gar mehrere Alben machen) sind heute gesuchte Raritäten und ernähren eine ganze Industrie von auf Rereleases spezialisierten CD-Firmen.

Die Plattenindustrie nahm schockiert dieses anarchische Ausleben des Rock’n Roll wahr und betrieb schleunigst die Zerstörung oder den Aufkauf kleiner Labels, mit dem bekannten Erfolg, die Pop-Musik endgültig zu standardisieren und von den großen Companys abhängig zu machen.

Auch Max verfiel 1966 dem Garagenphänomen und gründete seine erste Band, die Daybreakers, für die er auch Songs schrieb, oft lead vocals sang und die Keyboards spielte. Der Singleknaller PSYCHEDELIC SIREN von 1967, damals erschienen auf einem Label von Atlantic Records, genießt unter Garagen-Fans Kultstatus (zu finden auf der Vinyl-LP HISTORY OF EASTERN IOWA ROCK Vol.1). Nach dem Ende der Daybreakers gründete der bekennende Bobby Darin-Fan Cruisin, mit denen er bis 1979 harten Garagenrock und wunderbare Balladen einspielte. Seitdem gab es zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten Reunion-Konzerte und 1986 ein echtes Reunion, das 1991 zu dem grandiosen Album BULLETS! führte.

COMICS

Von Kindheit an war Collins auch ein großer Comic-Fan. seductioncover11954, als Sechsjähriger, fing er sich diesen Virus ein, der ihn bis heute gefangen hält. „Mein Interesse an Comic Strips und fiktionalen Detektiven wurde am selben Tag geweckt. Meine Mutter (sie wußte es nicht besser) legte damals in meine kleinen, heißen Hände ein Heft voller Blut, Gewalt, Verbrechen und Detektion: ein DICK TRACY-Comic Book mit Nachdrucken der Strips.“ Collins versuchte sich selbst als kindlicher Zeichner. Seine Mutter schickte ein paar seiner Dick Tracy-Zeichnungen an Chester Gould und bat den Künstler, ihrem Sohn ein paar Zeilen zum Geburtstag zu schreiben. Gould sandte ihm den Gruß zum achten Geburtstag, und Max fiel aus allen Wolken.

„Dieser Brief änderte mein Leben. Er gab mir Selbstvertrauen. Heute hängt er gerahmt an einer Wand meines Büros. Chester schrieb mir, daß ich Dick besser zeichne als jeder andere Junge meines Alters.“

Deshalb griff er natürlich zu, als er 1977 die Chance erhielt, den großen Strip-Klassiker DICK TRACY als Texter zu übernehmen. Er schrieb den Zeitungsstrip bis 1993 und verstand es, ihm neues Leben einzuhauchen, indem er an Goulds klassische Perioden anschloss.

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Max säuberte die Serie von dem fantastischen Schrott, der sich in den 6oer Jahren eingeschlichen hatte (Abenteuer auf dem Mond, zuviele unwahrscheinliche Gadgets usw.), indem er alte Figuren neu belebte, den Schwerpunkt auf Krimi- und gelegentlich Soap-Elemente legte, und neben neuen, originellen Gegenspielern neuartige Verbrechen (Computerkriminalität, Stalker usw.) einführte.

„Das Schwierigste war, sich die Verbrechen auszudenken. DICK TRACY gibt es seit 1931, und der Strip läuft Tag für Tag. Kaum ein Verbrechen, daß in dieser Zeit nicht abgehandelt wurde. Zum Glück – oder leider – fallen dem menschlichen Gehirn aber immer neue Abscheulichkeiten ein.“

ms_tree_211Zusammen mit dem Muscatiner Zeichner Terry Beatty (der auch das CD-Cover von BULLETS! gestaltete) entwickelte Collins eine Comic Book-Serie über einen weiblichen Privatdetektiv:

MS.TREE läuft noch heute, und ist somit die langlebigste Crime Comic Book-Serie der amerikanischen Comic-Geschichte.

„Die Ausgangsidee war, was wäre passiert, wenn Velda Mike Hammer geheiratet hätte, und Mike am Hochzeitstag umgelegt worden wäre. Hätte Velda nicht die Geschäfte übernommen und Mikes Mörder gejagt?“

Auch als BATMAN-Texter trat Collins hervor (beginnend mit den Heften BATMAN No.402 und No.403).

FRÜHE SERIEN

Natürlich zählt auch Collins die großen Noir-Autoren von Hammett, Chandler über Cain, Thompson und Goodis zu seinen Einflüssen. Aber den stärksten Eindruck machten Donald Westlake (als Richard Stark) und Mickey Spillane auf ihn:

„Westlake ist der beste zeitgenössische Kriminalliterat. Ich liebe Spillane! Niemand jagt den Leser durch die Seiten wie Mickey. Ich meine die frühen Sachen, die ersten sechs oder sieben Romane, die er als junger Mann geschrieben hat. Es gibt in der gesamten Literatur nichts Vergleichbares.“ 1999 drehte Max ein Feature über seinen Freund Spillane.nolan-hush-money-by-max-allan-collins1

Während der High School schrieb der sechzehnjährige Max sechs Romane, die kein Verleger haben wollte. Aber er gab nicht auf, schrieb weiter.

Kurz vor seinem Abschluß verkaufte er einen Roman, den ersten Nolan-caper: BAIT MONEY (im Manuskript noch FIRST AND LAST TIME getitelt), der, wie Max nicht müde wird zu betonen, „viel, fast alles, Donald Westlakes Parker-Romanen verdankt“.

In der ersten Fassung des Romans stirbt Nolan, der Dieb, der von der Mafia und der Polizei gehetzt wird, am Ende. Collins hatte endlich einen Agenten gefunden: den legendären Knox Burger, der in den 50er- und frühen 60er Jahren bei Dell und Fawcetts Gold Medal Books für die Paperback Originals verantwortlich war. Dort veröffentlichte er u.a. das Werk von David Goodis, Jim Thompson, John D.MacDonald, Kurt Vonnegut und Theodore Sturgeon.ahr0cdovl2jvb2tsb29rzxiuzguvaw1hz2vzl2nvdmvyl2xvy2fsl3n0yw5kyxjklzawl0wxl1lplmpwzw1

„Nach jeder Ablehnung sagte mir Knox, ich solle das Ende ändern und Nolan am Leben lassen. Langsam zeigte das Wirkung. Aber ursprünglich hatte ich die letzte aller tough guy-Stories schreiben wollen. Tough guys last stand. Dann hatte angeblich der Lektor bei Pyramid Books Kaffee über das Manuskript geschüttet. Knox meinte, da ich ein neues Manuskript tippen müsse, könne ich jetzt auch das Ende neu schreiben.“ Collins tat es, und ließ Nolan überleben, um ihn zu einem Seriencharakter auszubauen.

Neun Jahre hatte er versucht, seine Arbeiten zu verkaufen, bevor er 1971 seinen ersten Deal gelandet hatte. Von BAIT MONEY wurden seitdem weltweit über 250 000 Exemplare verkauft. Die weiteren Nolan-Romane waren ein ganz ordentlicher Erfolg, aber bald gab es ein Problem, von dem sich die Serie nicht mehr erholen sollte:

1981 übernahm der Verlag Harlequin Books von Pinnacle, bei dem Nolan jetzt erschien das Imprint Gold Eagle, in dem Don Pendletons Executioner-Serie über den Mafia-Killer Mack Bolan (diese Serie hatte in den 70er Jahren die Vigilantenwelle in den Paperback Original-Serien ausgelöst) erschien. Harlequin drohte Pinnacle einen Prozeß an. Sie behaupteten, Nolan sei eine juristisch nicht zulässige Kopie von Pendletons Executioner, und das die Namensähnlichkeit von Bolan und Nolan nicht zufällig sei. Größeren Schwachsinn kann man sich kaum vorstellen. Bolan war ein Söldner, jung, gutaussehend, ein Frauenheld und eiskalter Killer im Dienste seiner eigenen Gerechtigkeit. Nolan ein fünfzigjähriger Dieb, der einen Comic Fan als sidekick hatte. Wenn irgendjemand gegen die Nolan-Serie hätte klagen können, wäre es Donald Westlake gewesen, der aber dieses rip-off seiner Parker-Serie mochte und dem Autor Erfolg wünschte. Collins hatte ihn nach dem ersten Band sogar gefragt, ob er Nolan als Serie fortsetzen könne, oder Westlake sich plagiiert fühle. Westlake hatte ihm damals geantwortet, daß Nolan anders als Parker sei, und die Beziehung „zwischen Nolan und Jon menschlicher ist als alles, was ich je in den Richard Stark-Büchern geschrieben habe“. quarrymiddle1

Aber das interessierte die Idioten bei Harlequin nicht, die keine Gelegenheit scheuten, ihre ins Schlingern gekommene Mafiakiller-Serie vor gefährlicher Konkurrenz zu schützen.

Dabei wandten sich beide Serien an verschiedene Lesergruppen: Pendleton mit seinen primitiven Pulps, die von einer Legion von Autoren geghostet wurden, war eher Fernfahrerlektüre und für Leute, die beim Lesen die Lippen bewegen. Collins war schon damals ein sorgfältiger Autor, der jedem Buch eine individuelle Note verlieh. Jedenfalls knickte Pinnacle ein, obwohl es nicht zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kam, die Pinnacle und Collins leicht gewonnen hätten. Der Verlag nahm Nolans Namen bei den Bänden fünf und sechs vom Cover, was zu dramatischen Einbrüchen bei den Verkaufszahlen führte. Es kam zwar nicht zum Prozeß, aber die Serie war erledigt und wurde eingestellt. Erst 1987 veröffentlichte Max einen weiteren Nolan. Seine zweite Noir-Serie hatte den Vietnamveteranen und Kontraktkiller Quarry als Protagonisten. Über die beiden frühen Serien sagte Max: „Ihre Amoralität spiegelt die Zeit wieder, in der sie geschrieben wurden.“

9783404131044-de-3001NATE HELLER

1975 trat Rick Marshall, der Comic-Redakteur des Field Enterprise Syndicate, an Collins heran. Collins war ihm als Autor und Comic-Kenner aufgefallen und sollte nun einen neuen Strip für Field entwickeln. Ein neuer Crime-Strip, der in den 30er Jahren spielen sollte, um so den Anschluß an die klassischen Abenteuerstrips dieser Epoche (Terry & Pirates, Prinz Eisenherz, Dick Tracy, Tarzan, Secret Agent X-9 usw.) zu suggerieren.

Collins erfand den Detektiv Nate Heller und siedelte ihn im Chicago der 30er Jahre an; Titel der Serie sollte HEAVEN AN HELLER sein. Aber bevor das Projekt realisiert werden konnte, verließ Marshall das Syndikat. Obwohl er mehrfach versuchte, den Strip unterzubringen, fand er kein Vertriebssyndikat. Ähnliches war Spillane passiert: MIKE HAMMER war ursprünglich auch als Comic geplant gewesen.

Es war die Zeit des großen Sterbens der Adventure-Strips. Selbst Klassiker wie TARZAN oder STEVE CANYON verloren immer mehr Zeitungen, in denen sie veröffentlicht wurden, und TERRY AND THE PIRATES und andere wundervolle Serien aus dem Golden Age wurden völlig eingestellt. Fast nur noch Funnys, also komische Strips mit abgeschlossenen Gags, bevölkerten die Comic Strip-Seiten der Tageszeitungen. Max kehrte zurück zum Romanschreiben (zwei Jahre später sollte er dann als Texter DICK TRACY übernehmen und diesen Dinosaurier revitalisieren).

„Ich habe Privatdetektiv-Romane immer geliebt. Aber alle Versuche, solche Geschichten zu schreiben, scheiterten. Für mich war der Privatdetektiv ein Anachronismus, aktuell nur erträglich in einer so wundervollen TV-Serie wie DETEKTIV ROCKFORD. Dann kam ich drauf: Der Privatdetektiv war vielleicht Geschichte, aber er existierte auch in der Geschichte. Hammett hatte den Archetypen Sam Spade 1929 erfunden, als Zeitgenosse von Al Capone. Der Privatdetektiv als literarische Figur ist offenbar alt genug, diese historische Variante zu rechtfertigen. Das war mein Ausgangspunkt. Außerdem wollte ich ein genaues Zeitbild beschreiben, nicht einfach eine weitere nostalgische Privatdetektivserie absondern. Um all das unterzubringen, braucht man schon etwas mehr Platz. Deshalb sind meine Nate Heller-Romane auch doppelt- oder dreifach so lang wie meine sonstigen Romane.“

TRUE DETECTIVE hielt lange Zeit den Rekord als längster Privatdetektivroman, der je in der ersten Person geschrieben worden war. Collins stellte diesen Rekord selbst ein mit STOLEN AWAY über die Entführung des Lindbergh-Babys.

Der Noir-Roman entdeckte die historische Perspektive relativ spät über den Umweg des Polit-Thrillers, der historische Ereignisse oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt (etwa Frederick Forsyths DAY OF THE JAKAL oder Ken Folletts EYE OF THE NEEDLE).

Drehbuchautor Andrew Bergman schrieb 1974 mit THE BIG KISS-OFF 1944 den ersten von zwei Romanen, die im Hollywood der 4oer Jahre spielen. Stuart M.Kaminsky begann ein Jahr später mit seiner Serie um den Hollywood-Privatdetektiv Toby Peters, der es in jedem Fall mit einem anderen Hollywood-Star aus den 40ern zu tun hat. 1975 veröffentlichte Joe Gores seine Hommage an den Urvater: HAMMETT. Ed Mazzaro schrieb in dieser Zeit ebenfalls einige Romane, die in den 30er Jahren spielten.

Der erste Heller-Roman, TRUE DETECTIVE, wurde 1984 mit dem Shamus-Award der Private Eye Writers of America ausgezeichnet.

Die Heller-Romane sind mehr als unterhaltsame period pieces à la Andrew Bergman oder Stuart Kaminsky; sie sind Rekonstruktionen einer Epoche. Die auftretenden historischen Personen sind keine Staffage, sondern integraler Bestandteil der Plots. „Bergman und Kaminsky schrieben im Grunde Romane, die ich als Epochenschilderungen bezeichnen würde; sie bedienen sich zwar geschickt realer Personen und Schauplätze, doch sie gehen nicht von realen Ereignissen jener Zeit aus.“

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DEUTSCHE AUSWAHL-BIBLIOGRAPHIE (stand 1998; da Max so produktiv ist, dass man als Bibliograph kaum hinterher kommt, empfehle ich die immer aktualisierte Homepage: http://www.maxallancollins.com/books/).

Nicht aufgeführt sind Comics und nur wenige Tie-ins, die bei uns veröffentlicht wurden (z.Bsp.: Der Soldat Ryan, CSI usw.).

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Nate Heller-Serie:

True Detective (Chicago 1933; Bastei 13015, 1985); St.Martin’s Press, 1983.

collins-heller01-chicago-1933-cover-klein1True Crime (Gangsterbräute 1934; Bastei 13036, 1986); St.Martin’s Press, 1985.

The Million-Dollar Wound (Gangsterkrie 1942; Bastei 13104, 1987); St.Martin’s Press, 1986.

Neon Mirage (Las Vegas 1946; Bastei 13261, 1990); St.Martin’s Press, 1988.

Stolen Away (Kidnapping; Bastei 13460, 1993); Bantam, 1991

Blood and Thunder (Blut und Donner; DuMont Noir 17, 1999); Dutton, 1995.

 

Nolan-Serie:

Bait Money (Köder für Nolan; Bastei 19087, 1990); Curtis, 1973.

Blood Money (Bußgeld für Nolan; Bastei 19093, ?); Curtis

Quarry-Serie:

The Broker (auch: Quarry. Quarry u.d.Makler d.Todes; Bastei 19061, 1988); Berkley, 1976.

The Broker’s Wife (auch: Quarry’s List. Quarry u.d.Liste d.Todes; Bastei 19064, 1988); Berkley, 1976.

The Dealer (auch: Quarry’s Deal. Quarry u.d. Killer; Bastei 19066. 1988); Berkley, 1976.

The Slasher (auch: Quarry’s Cut. Quarry gibt nicht auf; Bastei 19079, 1990); Berkley, 1977.

Primary Target (Quarry u.d.Millionenkontrakt; Bastei 19071, 1989); Countryman, 1987.

Mallory-Serie:

The Baby Blue Ripp-Off (Ein Veteran kehrt heim; Bastei 19103, 1987); Walker, 1983.

No Cure for Death (Der Einäugige; Bastei 19105, 1987); Walker, 1983.

Kill Your Darlings (Mordkongress; Bastei 19106, 1987); Walker, 1984.

A Shroud For Aquarius (Auch Blumenkinder sterben; Bastei 19115, 1987); Walker, 1985.

A Nice Weekend for a Murder (Wochenendmorde; Bastei 19123, 1988); Walker, 1986.

 

Eliot Ness-Serie:

The Dark City (Die dunkle Stadt; Bastei 19129, 1989); Bantam, 1987.

Butcher’s Dozen (Killer in der dunklen Stadt; Bastei 19139, 1990); Bantam, 1988.

 Non-Series:

Dick Tracy (Filmbuch. Dick Tracy; Bastei 13311, 1990)); Bantam, 1990.

NYPD-Blue: Blue Beginning (TV-Buch. Ein Bourbon zuviel; VGS, 1996); Signet, 1995.

Waterworld (Filmbuch); Arrow, 1995.

Private Ryan (Filmbuch. Der Soldat James Ryan; Knaur 61263, 1998); Signet, 1998.

 

Sekundärliteratur:

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Jim Thompson: The Killers Inside Him (mit Ed Gorman); Fedora Press, 1983.

 

One Lonely Knight: Mickey Spillane’s Mike Hammer (mit James L.Traylor);Bowling Green State University Popular Press, 1984.

 

The Best of Crime and Detective Television (mit John Javna); Crown, 1988.

 

The Mystery Scene Movie Guide: A Personal Filmography of Modern Crime Pictures; Borgo Press, 1995.

 

Elvgren: His Life & Art (mit Drake Elvgren); Collectors Press, 1998.

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DEUTSCHER SPITZEN-JOURNALISMUS by Martin Compart
15. April 2016, 11:39 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Rolling Stones | Schlagwörter:

Immer wieder schön!

„Mick Jagger kramt in seinen Erfahrungen mit jungen Mädchen – es fallen die ersten Hemmungen…“

 



WÜRDIGUNG DES RED ROOSTER by Martin Compart
10. März 2016, 1:50 pm
Filed under: MUSIK, NEWS | Schlagwörter: , , , ,

Lesung am Freitag, den 18. März 2016, 20 Uhr
Remisengalerie

Buchpräsentation über Leben und Tod des Hanauer Rockmusikers Manny Herrmann

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Einlass: 19 Uhr
Eintritt: 10 €, Vorverkauf 8 €
Vorverkauf: Bücher bei Dausien, Salzstraße und Buchladen am Freiheitsplatz

Anlässlich des 5. Todestages des Hanauer Rockmusikers Manny Herrmann präsentiert der Hanauer Kulturverein die Neuerscheinung des Buches von Helmut Wenske Red Rooster, Leben und Tod des Hanauer Rockmusikers und die Story von The Tumbling Dice aus dem Hanauer Robert-Richter-Verlag.

Der charismatische Hanauer Ausnahmemusiker Manny Herrmann hat mit seiner Gruppe The Tumbling Dice Musikgeschichte geschrieben. In einem Ranking der wichtigsten deutschen Bands der 70er Jahre des Musikmagazins Good Times belegten sie unter den Top 10 den 5. Platz vor Orange Peel und Jeronimo. Für den Hanauer Maler und Autor des Scenesellers Rock’n Roll Tripper, der Autobiographie Scheiss Drauf!, des Bildbandes Rock’n Roll Junkie – Psychedelic Maler – Undergroundautor und des Story-Readers Sackratten Blues Helmut Wenske war Manny Herrmann einfach der beste Rock-Musiker, den diese Stadt hervorgebracht hat

Für die musikalische Unterhaltung sorgen die Sänger Thorsten Büsser von Capitano, Fibs von der Stones-Coverband Glitter Twins und Tim Cammerzell von Cliffsight sowie Nina Vabic & Nicole Epiphani, die bereits zu Mannys Zeiten als Background- und Solosängerinnen bei The Tumbling Dice aufgetreten sind. Begleitet werden sie von den Musikern der letzten Band von Manny Herrmann, Werner Fromm, Dieter Stanzel und Helmut Stichel sowie von Thomas Gomille und Martin Kurz.

Nach dem Musikprogramm werden Promotion- und Dokumentarfilme über Manny’s Musikprojekte gezeigt.

 P.S.: Näheres zu diesem Buch, Manny und Wenske demnächst in diesem Blog.


HAPPY BIRTHDAY, MICK JAGGER… by Martin Compart
21. Juli 2013, 11:47 am
Filed under: MUSIK, Porträt, Rolling Stones | Schlagwörter: ,

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…AND THANKS FOR THE MUSIC.

http://jungle-world.com/artikel/2013/29/48120.html

Compart  477

http://www.amazon.de/2000-LIGHTYEARS-HOME-Zeitreise-ebook/dp/B006UJFVUO/ref=sr_1_6?s=books&ie=UTF8&qid=1374407045&sr=1-6



NEWS – Programmhinweis by Martin Compart
14. Juni 2012, 3:00 pm
Filed under: NEWS, Rolling Stones | Schlagwörter: ,

Programmhinweis
Radio
WDR 5, 12.07.2012, 10.05 – 11.00 Uhr
Neugier genügt – Literarische Auslese
Themenspecial 50 Jahre Rolling Stones: In der Pause prügelten wir uns regelmäßig mit den Beatles-Fans Eine Jugend mit den Rolling Stones
Von Martin Compart

„Diese fünf Visagen hatten für mich dieselbe Symbolkraft wie Marilyn über dem U-Bahnschacht oder Bogart mit der Zigarette. Nichts in der Welt wollte ich lieber besitzen als die Platte mit den entscheidenden Eröffnungsworten: „Kids are different today, I hear every mother say“. Der Eintritt in eine andere Dimension. Diese Platte hatten meine Jungs für mich gemacht, damit ich diese betonharten Zeiten durchstehen konnte. Die Stones standen mir bei im Elend dieser von Geisteskranken beherrschten Welt“, so beschreibt Martin Compart, Autor, Lektor, Kritiker, geboren 1954 in Witten an der Ruhr sein Verhältnis als Jugendlicher zu den Rolling Stones. Die große Zeit der Stones fiel in seine Pubertät, die Auflehnung gegen das Elternhaus, die Aufarbeitung der Nazizeit und die 68er Bewegung. Und die Band traf den richtigen Ton, allerdings nicht aller. „In den großen Pausen trafen sich Stones- und Beatles-Fans, um sich gegenseitig auf die Fresse zu hauen. Da trafen unversöhnliche Weltanschauungen aufeinander – mit Musik hatte das nichts zu tun: Die Stones wollten nicht die Hand von irgendjemand halten.“ Die Rolling Stones als radikales Lebensgefühl, Erinnerungen an eine versunkene Zeit.

Sprecher: Hans Peter Hallwachs

Redaktion: Thomas Hauschild

PS: WOW! Der grosse Hans Peter Hallwachs liest Texte aus meinem Buch über die Stones! Seit er Steve Gardiner gesprochen hat, bin ich besenharter Fan von ihm und sehe mir seinetwegen sogar schon mal eine ZDF-Vorabendkrimiserienfolge an. Und zumindest einen Stones-Bezug gibt es auch: Er gab sein Filmdebut in Volker Schlöndorffs MORD UND TOTSCHLAG an der Seite von Anita Pallenberg; die Filmmusik war von Brian Jones.
PPS: Wir sehen uns am 12.7. im Marquee-Club, denn da spielen die Stones auf den Tag genau ihr 50jähriges Jubiläum.

PPS: Und deshalb hier ein paar Auszüge aus dem Buch:

„Rock’n’Roll erwischte England wie die Bombe von Hiroshima“, sagte Keith. Dann kamen die Beatles und Europas Teenager begannen durchzudrehen; 1963. 1964 kehrte der Rock in die USA zurück mit der großen British Invasion: Alle englischen Bands wurden von Bomber Harris in ein Flugzeug in die Staaten gesetzt und zerbombten die US-Hitparaden. Mit Gitarren wie Kalaschnikovs schossen die Brit-Bands den Frankies & Rickys die Eier weg. Die Kulturrevolution trat in die entscheidende Phase.
Es muss so ’64 gewesen sein, als mir erstmals die Basslinien von Bill Wyman die Magengedärme aufwühlten und Technicolour in mein Leben brachte… Wenige Tage später sollte ich erfahren, was mich so angemacht hatte: Wir waren auf einem dieser unerträglichen Verwandtschaftssonntagsbesuche bei einem Onkel, und mein älterer Cousin besaß dank seiner noch älteren Schwester einige dieser neuen Lärmplatten mit langhaarigen Affen auf der Hülle, die bei Erwachsenen nicht allzu gut anzukommen schienen. Die sagten einem auch klipp und klar, was das war: Es war Negermusik aus dem Dschungel, gespielt von ungewaschenen Langhaarigen, die nur Vergewaltigung, Totschlag, die Abschaffung der Zivilisation und die Vorbereitung der kommunistischen Weltherrschaft im Sinn hatten. Diese Kerle waren gegen geregelte Arbeit, ordentliches Familienleben, Zebrastreifen, den Goldenen Schuss (Lou van Burg – nicht das Frankfurter Bahnhofsklo), den Blauen Bock, Turmfrisuren, VW-Käfer, Wirtschaftswunder und saubere Gesinnung, erklärten die Alten rot angelaufen mit Geifer vor dem Maul. Die wollten alles kaputt machen. Sie waren das Schlimmste, was es gab. Genauso schlimm wie Fidel Castro und Mao und schlimmer als Hitler oder der 2.Weltkrieg, den man leider verloren hatte. Im Grunde verkörperten sie das, wogegen die Alten heroisch gekämpft hatten: die Dominanz des Untermenschentum. Nur Untermenschen konnten derartigen Krach machen. Verjudete Negermusik.

All der Hass auf die Welt und ihren Nachwuchs ergoss sich nun über die Rolling Stones, die noch schmutziger als ein Stripklub waren. EVENING STANDARD vom 21.3.64: „Sie haben in der Musikszene Schreckliches angerichtet; sie haben sie an die acht Jahre zurückgeworfen. Als wir unsere Popsänger gerade soweit hatten, dass sie alle sauber, ordentlich und nett aussahen, da kamen die Stones daher und sahen aus wie Beatniks. Sie haben das Image der Popsänger der sechziger Jahre ruiniert.“ Und zur ersten Australien-Tournee stellte der SYDNEY MORNING HERALD fest: „Ein unverhohlen sexueller Akt, auf den die keuschen Beatles unsere zarten Teenager nicht vorbereitet hatten.“
Die fett gewordenen Weltkriegsveteranen und Wirtschaftswunderspießer wussten genau, wie man mit solchen Burschen verfahren musste: Erst mit dem Schlauch abspritzen und dann erschießen. Liberalere Geister erwogen noch Arbeitsdienst oder ein paar Monate in einem gut geführten KZ. Sie hatten es aber auch verdammt schwer. Erst mal kam diese verdammte Anti-Babypille, die Frauen angstfreien Sex garantierte. „Die Pille verautomatisiert die Liebe und versaut die Moral.“ …
Der erste wirklich große deutsche Hit der Stones war natürlich das Zerlegen der Berliner Waldbühne – hinreichend bekannt. Sentimentalität kommt auf, wenn man den Bericht des Axel-Springer-Heloten Matthias Walden darüber liest (in DER MONAT 11/65)…

Keine Negermusik auf deutschen Wellen war das grimmige Prinzip der öffentlich-rechtlichen Sender. Wahrscheinlich wären die Ätherwellen kotzend zusammengebrochen. Lediglich Radio Luxemburg und AFN ermöglichten uns einen Blick in die angelsächsischen Hitparaden. Und wenn man die laut aufdrehte, stand garantiert ein tobender SS-Mann im Zimmer, weil man unerlaubt den Feindsender hörte: „Mach die Urwaldmusik aus. Davon wird man krank.“ Rock-Musik war verboten! Aber natürlich fand die Musik immer einen Weg zu den wahren Glaubensbrüdern.

Aber der Abschuss war ein Interview mit Brian Jones in LUPO MODERN:
FRAGE: Wer sind die besten Sänger?
JONES: Ganz klar die Italiener. Denen liegt das Singen so im Blut wie uns Engländern das gute Benehmen.
Neben Berichten über Beat-Musik und wie der alte Pierre im Dschungel von Asien aufgeräumt hatte, gab es zum Glück in BRAVO noch genug anderen Mist, auf den man sich rausreden konnte: Jeden Tag übt Hugh O’Brian (Wyatt Earp) vor dem Spiegel das schnelle Ziehen. Da lernte man was fürs Leben.

Eines der besten und stärksten Argumente der Alten in der BRD lautete: GEH DOCH RÜBER, WENN ES DIR HIER NICHT PASST. Gemeint war natürlich die DDR, wo alle am Hungertuch nagten, in Neo-KZs vegetierten und mit der Kalaschnikow zwischen den Zähnen hinter der Mauer lauerten, um die freie westliche Wohlstandsgesellschaft zu überrennen. „Wenn ich das schon höre: Das System ist schuld! Geh doch rüber, wenn es dir hier nicht passt! Ja, ja: Manipulation! Alle sind manipuliert. Dann geh doch rüber. Der Iwan wird dir schon zeigen, was System ist. Dir und deinem Adorno. Die Rolling Stones kannste gleich mitnehmen.“ Im tiefsten Herzen ahnten sie, dass es drüben besser war. Sie wussten nur nicht, wo drüben ist.
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