Martin Compart


ZUM STONES-BUCH by Martin Compart
23. August 2020, 6:28 pm
Filed under: Politik & Geschichte, Rezensionen, Rolling Stones | Schlagwörter: ,

Den fähigen und guten Leuten von ECLIPSED ist im letzten Heft ein Fehler unterlaufen (manchmal passieren Sachen, die man sich kaum erklären kann; ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen). Sie haben die Größe, ihn im aktuellen Heft zu korrigieren:

 



2000 LIGHTYEARS FROM HOME-ein Audio-Ausschnitt by Martin Compart
24. Juli 2020, 12:00 pm
Filed under: eBook, Rolling Stones | Schlagwörter: ,

 

https://www.amazon.de/s?k=martin+compart&__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&ref=nb_sb_noss_1



NEWS: STONES DROHEN BUNKER-BOY MIT KLAGE by Martin Compart
28. Juni 2020, 9:01 am
Filed under: Allgemein | Schlagwörter: , ,

https://www.bbc.com/news/world-us-canada-53208593

 

 

 

.



dazu schweigt der weise mensch und bewundert beeindruckt by Martin Compart
5. Juni 2020, 6:32 pm
Filed under: Rolling Stones | Schlagwörter:



STONES! by Martin Compart
23. Mai 2020, 7:27 pm
Filed under: ACHIM REICHEL, JÖRG FAUSER, MUSIK, Rolling Stones, Sekundärliteratur | Schlagwörter: ,

Näheres bei Zerberus.

Mit Erinnerungen an Jörg Fauser als Bonustrack.

 

 

EPSON MFP image

Keith Richards by Helmut Wenske, 2011.

 

https://www.amazon.de/s?k=martin+compart&i=stripbooks&__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=3IOZ0Z0M06E0C&sprefix=martin+com%2Cstripbooks%2C219&ref=nb_sb_ss_i_1_10

Zerberus_Banner_04.10.19



Guten Rutsch und Happy New Year by Martin Compart
31. Dezember 2019, 1:10 pm
Filed under: Rolling Stones | Schlagwörter:



ZUM 75. VON JÖRG FAUSER by Martin Compart

Zur Erinnerung nochmal….

 

Lieber Alexander Wewerka,

wir sind wahrlich nicht freundlich auseinander gegangen (und diesen angenehmen Zustand ändere ich auch nicht mit diesen Zeilen), aber angesichts der neuen Peinlichkeit des Diogenes Verlages, muss ich Ihnen meinen Respekt aussprechen.
Diese Light Version einer Gesamtausgabe einer angeblichen Gesamtausgabe wird Ihre Kernertätigkeit nicht ersetzen.

Für Interessierte an Jörg Fauser bleibt Ihre geradezu von ihm besessene Edition drs Lesens- und Studierens wertere.

Mit wenig freundlichen Grüßen,

Martin Compart

Wewerka zu seiner Edition in: https://www.alexander-verlag.com/component/content/article/2-allgemein/aktuell/78-zu-joerg-fauser.html?Itemid=17

 

Der Tequila kommt heute gut
Mit Jörg auf der Piste

Heute gehe ich nicht trinken.
„Ich auch nicht.“
Mann, das war gestern zu hart.
„Ich brauch mal ’ne Pause.“
Mir wird schlecht, wenn ich nur an Bier denke.
„Das war vielleicht auch eine Dreckspisse in dem Laden da.“
Am Savignyplatz?
„Nee. Davor. Wo wir davor waren.“
Engelhardt oder so ähnlich.
„Pisswarm.“
Ekelhaft.
„Dabei lief es. Können in Berlin einfach kein Bier kühlen.“
Und brauen erst recht nicht. Kindl …
„Da muß man dann bis zum Stutti latschen, um ein vernünftiges Warsteiner zu kriegen.“
Weltstadt. Ist doch peinlich. Stell Dir vor, du kriegst Besuch von wichtigen
Biertrinkern.
„Weißt du nicht, wo du mit denen hingehen sollst.“
In München habe ich fast nur Dunkles oder Wein getrunken. Das normale Helle war auch nicht mein Fall.
„Außer in der Blauen Nacht.“
Ha, ha, ha.
„Ha, ha, ha.“
Die Blaue Nacht. Du meine Güte! Wo du dich rumgetrieben hast …
„Kennst du doch selber. Jetzt sag mir nicht, nur vom Vorbeigehen.“
Da war ich höchstens dreimal drin. Ich hatte ganz andere Bummskneipen drauf.“
Weissbierkeller?
„Härte zehn. Mein bißchen Geld hatte ich in den Socken, damit es mir keiner klaut.“
Die Kellner sollen K.O.-Tropfen reingeschüttet haben.
„Wie im Donisl.“
Bei mir nich.
„Nee.“
Bin immer vorher k.o. gegangen.
„Ha, ha, ha.“
Hi, hi, hi.

„Scheiß Sauferei.“
Immer saufen.
„Mir reicht’s erstmal.“
Aber wirklich.
„Ich geh heute mal früh ins Bett. Mal richtig auspennen. Dann ist man wieder richtig fit.“
Caesar hat gesagt, mit dreißig soll man den Wein verlassen.
„Ich fand Caesar nie so toll.“
Was die Erzählerperspektive angeht, ist er ein direkter Vorläufer von Ellery Queen.
„Hi, hi, hi.“
Wo hast du eigentlich diesen scharfen Anzug her?
„Welchen?“
Den du auf der Vertreterkonferenz anhattest. So silbern-blau …
„Aus England.“
Dachte ich mir, daß du sowas hier nicht kriegst. Scharfes Teil.
„Zieh ich gerne an bei Vertragsverhandlungen.“
Glücksbringer?
„Quatsch. Wenn du dich als Autor verkaufst, mußt du wie ein erfolgreicher Geschäftsmann aussehen.“
Verstehe.
„Ich glaub, ich geh nach Hause.“
Die Bleibtreu runter?
„Aber ich geh nich in diesen Scheißladen.“
Bist du verrückt? Im Leben nicht.
Savignyplatz. In diesem Rondell sind wir schon ganz schön rumgeturselt.
Kenne jeden Milimeter Kneipenboden.
„Im Zwiebelfisch ist noch nichts los.“
Um diese Uhrzeit nie.
„Laß uns mal kurz in die Dicke Wirtin gucken.“
Aber nur kurz.
„Ein Wasser. Oder ’ne Cola.“
Um Wasser zu trinken, muß ich nicht in ’ne Kneipe gehen.
„Nehmen wir ein Bier. Aber nur eins.“
Höchstens.
„Die haben auch Guiness.“
Nee. Heute nicht.
„Irgendwie zu muffig. Lieber was Frisches. Was Leichtes.“
Guiness haut immer so rein.
„Aber das Bier bei denen ist auch nicht gerade das Wahre.“
Eines werde ich schon runterkriegen.
„Eben.“
Genau.

„Zwei Guiness.“
Was macht Achim?
„Der spinnt.“
Hat er deine neuen Texte schon …
„Rumgemäkelt. Der eine … du weißt schon …“
Der mit …
„Ja. Ist ihm zu düster. Am Ende des Tunnels muß immer ein Lichtlein brennen.“
Ein was?
„Hoffnung. Ein Hoffnungsschimmer soll glühen.“
Damit er wieder in die ZDF-Hitparade kommt.
„So ungefähr.“
Nicht ganz dicht. Am Ende des Tunnels muß ein Lichtlein brennen.
„Wenn ihn da mal nicht der entgegenkommende D-Zug erwischt.“
Ha, ha, ha.
„Hi, hi, hi.“
Hast du schon die neue Stones gehört?
„Ja! Mehrfach! Wo Jagger das immer herholt …“
Ziemlich harte Texte auf „Undercover“. Böse und metallisch.
„Was mich an Jagger immer wieder fasziniert, ist die Souveränität mit der er sein Material beherrscht.“
Na, die Musik ist auch nicht von Pappe. Das härteste Stones-Album seit langem.
„So schlecht ist Guiness gar nicht.“
Gehaltvoller als das Bier. Ich hab heute auch noch nichts richtiges gegessen.
„Im Guiness ist alles drin, was der Körper so braucht.“
Gehaltvoll.
„Wir können ja gleich noch gegenüber ’ne Wurst essen.“
Mal sehen.
„Eins nehme ich noch. Ist ja noch früh.“
Noch nicht mal dunkel.
„Für mich ist „Undercover“ eine ihrer besten Platten.“
Deswegen verkauft sie sich auch schlechter.
„Wirklich?“
Erfüllt nicht die Erwartungen nach „Tattoo You“. Aber schließlich können sie es sich leisten, auch mal ne Scheibe für Leute wie uns zu machen. Leute die erkennen, wie souverän Jagger mit seinem Material umgeht.
„Souveränität ist die Voraussetzung für Professionalität.“
Eins geht noch. Ganz in Ruhe. Kein Drucktanken.
„Ein gepflegtes Guiness und ein zivilisiertes Gespräch.“
So muß das laufen. Nicht immer dieses reinballern und bis in den Morgen rumziehen und quatschen.
„Die Gespräche waren gut.“
Sind sie immer. Egal wie voll wir sind. Kommt immer was bei raus. Du kannst dir das wenigstens alles merken. Ich vergesse ja das Meiste.
„Gehört zum Job.“
Genau. Ein Schriftsteller muß sich was merken können und einprägen. Alles wird gut.
„Die schlimmsten Sachen habe ich weggelassen.“
Denk ich mir.
„Das war eine wirklich harte Zeit. München ist viel härter als Berlin, wenn du kein Geld hast.“
Das wollen die nur nicht glauben.
„…in ihrer ummauerten Sozial-WG. In München kämen die ganz schön unter die Räder.“
Kannste laut sagen. Da kommen nur die ganz harten Vögel durch.
„Eins geht noch.“
Klar. Ich nehme auch einen Tequilla dazu.
„—“
Mir ist irgendwie komisch im Magen. Aber auf zwei Guiness geht ein Tequilla. Da haut der nicht so rein.
„Das ist richtig. Ich nehme auch einen. Ist das beste für den Magen.“
Ätzt alles weg.
„Medizin. Wie eine Kalaschnikov.“
Noch zwei. Und zwei Tequilla. Den weißen.
„Die haben auch den braunen.“
Ich weiß. Aber mir ist der weiße lieber.
„Härter. Ehrlicher.“
Prost.
„Cheers.“
Der kommt jetzt aber gut.
„Baut auf.“
Mach nochmal zwei.
„Ist ja noch früh.“
Als ob wir nicht mal zwei Tequilla trinken können! Ist doch albern.
„Wir knallen uns ja nicht zu.“
Nee. Heute nicht.
„Cheers.“
Weg damit.
„Der Tequilla kam jetzt aber wirklich gut.“
Aber da brauche ich noch ein Guiness, um den richtig aus dem Rachen zu spülen.
„Ich nehm auch noch eins.“
Noch zwei Guiness und zwei Tequilla. Doppelte.
„Dann gehen wir mal woanders hin.“
Aber nicht in den Zwiebelfisch.
„Unter keinen Umständen.“
Da ist jetzt sowieso noch nichts los.
„Vor Mitternacht braucht man da gar nicht erst hinzugehen.“
Was hälst du vom Olivaer Platz?
„Ein Weinchen im Musikcafé?“
Waren wir ewig nicht. Letzte Woche irgendwann kurz …
„War zu voll. Wenn da zuviel los ist, gehe ich nicht gerne rein.“
Stimmt. Aber jetzt müßte es noch gehen. Oder in den Laden gegenüber …
„Ins Schalander?“
Da finde ich es auch immer ganz gut.
„Dann laß uns erst mal ins Musikcafé gucken auf ein Weinchen und dann rüber.“
Und wenn zuviel los ist, gehen wir gleich ins Schalander.
„Genau.“
Dann noch in diese eine Eckkneipe und über den Stutti nach Hause.
„Der liegt sowieso auf dem Weg.“
Da sind wir dann auch rechtzeitig zu Hause.
„Ist auch noch früh.“
Jetzt gehe ich sowieso noch nicht nach Hause. Ist mir viel zu früh.
„So machen wir es. Ist auch ein schöner Spaziergang.“Aber zum Olivaer nehmen wir ein Taxi.“
„Logisch. Ich hab jetzt keine Lust zwanzig Minuten zu laufen, bis ich was zu trinken kriege.“
Oder wir fegen quer durch und nehmen in jeder Kneipe auf dem Weg einen Drink.
„Hmm.“
Da kommen nicht soviele, was?
„Nichts gescheites.“
Die eine Weinstube …
„Die ist gut. Die haben ein paar schöne Tropfen.“
Aber dann kriege ich das Sauzeug im Musikcafé nicht mehr runter. Obwohl der Wein für so einen Laden geht.
„Lass uns lieber gleich zum Oliver fahren.“
Genau. Sonst wird das auch wieder zu lang. Man muß ja nicht jeden Abend um die Häuser ziehen.
„Ich zahl mal.“
Laß uns aber noch einen Tequilla auf den Weg nehmen. Diesmal braune. Ist mal was anderes.
„Der Tequilla kommt heute gut.“

„Die beiden Damen neben dir sahen aber verdammt gut aus. Schade, daß sie schon weg sind. Hast du mitgekriegt, worüber sie geredet haben?“
Leider. Sahen gut aus, aber die Dialoge waren schauderhaft.
„Keine Souveränität im Umgang mit dem Material.“
Doch, das schon. Aber kein souveränes Material.
„Ha, ha, ha!“
Hi, hi, hi.

„Ach nee! Hallo Herr Fauser. Na, mal wieder beim Saufen?“
Nicht daß ich wüßte.
„Wir saufen nicht, wir sind ernsthafte Trinker.“

Ho, ho! Und wo ist da der Unterschied?
„Den begreift man nicht unter einem gewissen IQ.“
Oder unter einer gewissen Promille.

„Und Ullsteins Krimi-Herausgeber auch wieder dabei …“
Springers einsamster Mann. Der Zerberus vor den Toren zur wahren Literatur des 20. Jahrhunderts.

„Kommen Sie am Samstag auch zur Lesung von …“
Leider nicht. Da bin ich nicht in Berlin.

„Schade. Da verpassen Sie etwas. Er liest so wunderbar …“
Mag sein. Aber leider laut.
„Und lange.“
Hi, hi, hi.
„Ha, ha, ha.“

„Na, dann… Noch einen schönen feuchten Abend die Herren.“
„Hoffnung ist das, was uns am Leben erhält.“
„—“
Was für ein Arschloch.
„Unglaublich.“
Wer hier alles verkehrt. Wo der Pöbel trinkt, sind alle Brunnen vergiftet.
„Ich nehm noch ’n Tequilla.“
Ich nicht.
„Was?“
Ich nehm lieber einen Doppelten.
„Hi, hi, hi.“
Den brauche ich jetzt. Muß mich erstmal von dem Arschloch erholen. Aber sowas passiert, wenn man mit Prominenten säuft.
„Dann sei froh, daß du mit mir trinkst und nicht mit Keith Richards.“
Den würden sie nicht blöde anquatschen. Was ist jetzt eigentlich mit unserem Annual Dinner? Gruppe Oberbaumbrücke.
„Ich weiß ein nettes Lokal.“
Gavin Lyall kommt am Donnerstag. Für den Ehrengast ist also gesorgt. Den anderen sage ich noch Bescheid“
Und Ross?
„Kann wohl nicht kommen.“

Du hattest den letzten Kontakt mit Ross.
„Habe ich dir erzählt, was er mir geschrieben hat, als ich ihm die Präsidentschaft der Gruppe Oberbaumbrücke angeboten hatte?“
Ja. Aber erzähle es nochmal. Ich höre es immer wieder gerne. Aber erst einen Drink auf Ross.
„Hundertprozentig.“
Gib uns nochmal zwei doppelte Tequilla. Weiß.
„—“
Auf Ross Thomas!
„The one and only.“
Den Meister. Erzähl schon.
„Ich habe ihm mitgeteilt, dass wir fünf Mitglieder in der Gruppe Oberbaumbrücke sind und er unser Präsident sein soll …“
Fünf?
„Ungefähr. Proll, Behrens, Miehe, du und ich. Ross antwortete, dass es ihm eine Ehre sei und er die Präsidentschaft einer so einflussreichen Organisation gerne annehme.“
Ha, ha, ha.
„Und er meinte auch, wir sollte ein paar Leute rausschmeißen, um ein wirklich exklusiver Klub zu werden.“
Mann, ist der gut! Seit Chandler schreibt niemand bessere Dialoge.
„Niemand. Irgendwann schreibe ich mal einen Essay über die Krawatten der Charaktere bei Ross Thomas.“
… die Krawatten?
„Noch nicht aufgefallen? Du musst mal darauf achten. Ross beschreibt fast immer die Krawatten seiner Figuren. Und jede ist anders.“
Verdammt! Sollen wir hier noch einen nehmen?
„Laß uns lieber woanders hingehen. Irgendwie öde hier.“
Als das Arschloch kam, ist mein Bier geronnen.
„Hier müssen wir so schnell nicht mehr hin.“
Nee.
„Der Tequilla ist zu warm.“
Aber er kommt gut, heute.

Ich hasse es im Hellen aus der Kneipe zu kommen.
„Da muß man eben durch.“
Nach Hause schleichen, wenn die Graden zur Arbeit marschieren.
Frühstück wäre gut.
„Ins Schwarze Cafe?“
Ich brauch‘ jetzt ein Weißbier.
„Und eine Leberknödelsuppe. Das bringt einen wieder auf Vordermann.“
Ein frisches Weißbier.
„Mir kommt’s Bier zu den Ohren raus. Ich vertrag einfach nichts mehr.“
So ist das eben, wenn man alt wird.“
Ich muß im Verlag anrufen und Frau Schäfer sagen, daß ich heute nicht komme.
„Auf Recherche mit ’nem Autor.“
Wie selbstlos von mir. Und dann sagt Schäfer garantiert: Schönen Gruß an Herrn Fauser.
„Eine tolle Frau.“
Die beste Sekretärin, die man sich vorstellen kann. Absolut loyal. Das Weißbier ist ganz schön fade.
„Ich nehm noch eins.“
Was ist mit dem Vietnamesischen Stehausschank? Hat der schon auf?
„Keine Ahnung. Müßte eigentlich.“
Reiswein. Warmer Reiswein. Der wirkt Wunder. Ich habe mich regelrecht nüchtern gesoffen. Das ist vielleicht eine Scheiße.
„Dagegen kann man ja was unternehmen.“
„Ha, ha, ha.
„Hi, hi, hi.“
Oder dieser Latinoladen. Der hat auch durchgehend auf.
„Margaritas?“
Nicht so früh am Morgen! Was fruchtiges. Vitamine. Die brauchen wir nach der ganzen verdammten Qualmerei und Sauferei.
„Sehr gut.“
Auf dem Weg dahin kommen wir an der Bude mit den besten Hot Dogs vorbei.“
„Du bist ein wirklich eleganter Gourmet.“
Die Hot Dogs sind spitzenmäßig.

Pah, ekelhaft süß, dieser Tequilla Sunrise.
„Das sind die Vitamine.“
Ich scheiß auf Vitamine.
„Sind wichtig.“
Na gut.
„Mach nochmal zwei Tequilla Sunrise.“
Und zwei Tequilla dazu.
„Hi, hi, hi.“
Warum glotzt der so blöd?
„Weil er beschissene fruchtsaftlastige Sunrise mixt, der Penner.“
Die krieg ich nur mit ’nem Tequilla runter.
„Langsam geht’s wieder.“
Sollen die Arschlöcher doch knechten gehen. Für die Kinder und die liebe Hausfrau.
„Die es mit dem Briefträger treibt.“
Ha, ha, ha. Werde ich nie vergessen. In einem Puff von Karibik Horst haben sie dauernd diesen Porno in der Kontaktbar gezeigt.
„Ein Porno mit Niveau, hoffe ich.“
Ganz klar. Ein Porno mit ausgefeiltem Handlungsgerüst, der höchsten Ansprüchen genügte.
„Wie fing der noch an?“
Guten Morgen, ich bin der neue Briefträger. Würden Sie mir wohl einen blasen?
„Hi, hi, hi.“
Die Damen haben nie kapiert, warum ich mich gewälzt habe vor Vergnügen.
„Oder vor Lust. Die dachten, du bist ein ganz Perverser.“
Also, ich pack’s jetzt. Ich kann nicht mehr.
„Ich geh‘ auch nach Hause.“
Aber wirklich.
„Noch ’n Joint und ein bißchen Melville gucken.“
Ich hau mich hin. Ich bin fertig.
„Also … Dann …“
Ruf mich diese Woche ja nicht mehr an.
„Du mich auch nicht. Wann kommt Gavin?“
Donnerstag … Verdammt. Das ist ja morgen. Schöner Mist.
„Bis dahin müssen wir fit sein.“
Mannomannnomann. Man kriegt im Leben nichts geschenkt.
„Aber der Tequilla kam gut.“

(Der Text erschien in einem Band der Fauser-Gesamtausgabe im Alexander Verlag und in Gerd Haffmans empfehlenswerter Anthologie DIE KOMISCHEN DEUTSCHEN ERZÄHLER)

 



ZUR ERFOLGREICHEN OP von MICK JAGGER by Martin Compart

Diese OP als Erinnerung an die vermeintliche Unsterblichkeit der ROLLING STONES war Anlass, mal wieder in den Anfängen dieser Beat-Burschen herum zu stochern.

Dabei stieß ich auf den allerersten Artikel des SPIEGELS, der sich ausführlich mit der Krawallkapelle beschäftigte (wegen der ersten Deutschland-Tour 1965). Ein absolutes Glanzstück des Pop-Journalismus und jedem Fan zu empfehlen!

Singer Mick Jagger of The Rolling Stones, London, 1963. (Photo by Terry O’Neill/Getty Images)

Hier ein paar Auszüge:

Zwischen agilen Fan-Gruppen, die teils durch konvulsivisches Nicken oder rhythmisches Schwenken des Apostel-Haarwuchses, teils pantomimisch durch beidhändiges Melken einer Elefantenkuh ihre emotionale Aufgeschlossenheit bekunden, sehe ich kahlköpfige Dreifach-Twens, reglos neben nicht minder reglosen Teenager-Töchtern; erstere die schiere Fassungslosigkeit, letztere Verdruß über den empfindungshemmenden Begleiter im Blick.
Als die „Rolling Stones“ hereinkollern…

Da ich ein Zwiegespräch erstrebe, fahnde ich nach dem Gitarristen Brian Jones, 22, der mir von fachkundiger Seite als blond und „am intelligentesten“ beschrieben worden ist.
„Sind Sie Mr. Jones?“ frage ich aufs Geratewohl eine der beiden im „Bavarian liver-cheese“ stochernden Blondinen. Nein, höre ich, sie sei Mrs. Shirley Watts, die Gattin des Schlagzeugers Charlie Watts. Der echte Mr. Jones reagiert auf die Verwechslung mit einem höhnischen Kiekser.
„Haben Sie“, frage ich ihn, „auch gekreischt, als Sie zum erstenmal Beat-Musik hörten?“
Brian Jones ignoriert mich, sagt über den Tisch hinweg etwas dem Klange nach sehr Abfälliges zu seinem Kollegen Keith Richard. Schließlich merke ich, daß er, allem Anschein zuwider, mit mir gesprochen hat. „Nein, ich hatte den Stimmbruch schon hinter mir“, wiederholt er, neuerlich kieksend. So kommt eine Art Unterhaltung zustande, wobei ich unter anderem erfahre, daß der Beat der „Rolling Stones“ sich von anderem Show -Geräusch vornehmlich durch seine „Strenge“ unterscheide.

Was werden Sie tun, wenn die Beat-Welle vorüber ist?“
„Die geht nicht vorüber.“
„Setzen wir“, beharre ich, „einmal diesen mißlichen Fall. Würden Sie sich die Haare schneiden lassen und ein normales bürgerliches Leben führen?“
Zum erstenmal wendet mir Brian Jones sein frühgereiftes Twen -Antlitz zu und scherzt mit heller Stimme, gleichwohl düster: Nein, ich werde wieder kriminell (I’ll go back to crime) – oder wollten Sie was anderes hören?“

Von Martin Morlock
DER SPIEGEL 39/1965

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46274268.html

 



DIE SONNE, DER MOND & DIE ROLLING STONES von RICH COHEN by Martin Compart
15. Juni 2018, 3:41 pm
Filed under: Bücher, MUSIK, Rezensionen, Rolling Stones | Schlagwörter: , , ,

Über die Rolling Stones gibt es inzwischen wohl genau so viele Bücher wie über Sherlock Holmes und James Bond. Man schätzt die Zahl auf über tausend. Ich selbst habe mit einem Titel dazu beigetragen (https://www.amazon.de/2000-LIGHTYEARS-HOME-Zeitreise-Rolling-ebook/dp/B006UJFVUO/ref=sr_1_15?ie=UTF8&qid=1529060810&sr=8-15&keywords=martin+compart). Kaum ein Aspekt der Stones, der nicht in Büchern abgehandelt wurde und wird.

Wenn jemand aus autobiographischer Perspektive ein Buch über die Stones verfasst, muss er über originelle Verknüpfungen berichten und überhaupt verdammt gut schreiben können. Sonst ist es peinlich oder, noch schlimmer, langweilig.

Rich Cohen ist ein verdammt guter Schreiber und ihm ist eines der besseren Bücher über die Stones gelungen. Seine Qualitäten hat der „Rolling Stone“- und „New Yorker“-Autor bereits 1998 unter Beweis gestellt mit dem Buch MURDER INC., die Geschichte der jüdischen Mafia in Brooklyn (ein tolles Buch!).

1968 geboren, hat er einen anderen Zugang zu den Stones als die meist früher geborenen Autoren, deren Bücher sich vor allem unproportional mit den 1960er Jahren befassen. Dies tut Cohen hier auch, aber eben aus dem Blickwinkel des „Nachgeborenen“, was oft zu witzigen Formulierungen und Einordnungen führt. „Es war der Faktor Zeit, der mich von diesen Jungs, dieser ganzen Generation, trennte. Ich hatte alles verpasst; 1964, 1969, 1972 – all die entscheidenden Jahre. Ich war zu spät gekommen. Alles Entscheidende war längst passiert… Vor uns kamen die Babyboomer, die alle nur erdenklichen Ressourcen verpulverten und jede Menge Spaß hatten. Nach uns kamen die Millenials, die aus der Welt einen virtuellen und unwirtlichen Ort machten. Die Boomer hauten nicht nur ihre eigene Jugend auf den Kopf, sondern unsere gleich mit.“

Er lernte die Stones persönlich 1994 kennen, begleitete sie für den „Rolling Stone“ und war Co-Autor der TV-Serie VINYL von Mick Jagger und Martin Scorsese. Diese Serie war eine der besten überhaupt. Leider wurde sie wegen der Ignoranz des amerikanischen Publikums und der hohen Produktionskosten nach nur einer Season abgesetzt, was sogar schlimmer ist, als das vorzeitige Ende von DEADWOOD.

Cohens Erweckungserlebnis geschah 1976 als er zum ersten Mal HONKY TONK WOMEN hörte: „Die Kuhglocke, die den Song einleitete, klang für mich wie der Ruf eines Muezzins, der mir das Tor in ein neues Leben öffnete.

Es gelingt Cohen aus allbekannten historischen Momenten neue Funken zu schlagen, wie etwa das legendäre Aufeinandertreffen von Jagger und Richards 1961 am Bahnhof von Dartford.

Das Buch gibt auch unbekannte Einblicke in die Welt der Stones in den letzten zwanzig Jahren. Aber es ist vor allem Cohens Nostalgie, an der man sich erfreuen kann:

„Je rarer ein Fundstück (Bootlegs), desto größer die Befriedigung. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, das die heutigen User von Napster, YouTube usw. schon gar nicht mehr kennen. Heute ist jede Rarität nur einen Mausklick entfernt. Was sind die Millenials doch bloß für arme Schweine! Sie werden nie das Glücksgefühl erleben, auf den Mitschnitt eines Konzertes zu stoßen, das die Stones 1964 auf Eel Pie Island gaben, nie verstehen, warum man endlose Stunden damit verbrachte, Lieblingssongs in die richtige Reihenfolge zu bringen.“

Kurzum: Endlich mal wieder ein gutes Buch über die Stones, das nicht durch Aufmachung und Abbildungen von Devotionalien, David Baily-Fotos und dem üblichen Kram daherkommt.

Stattdessen gibt es originelle Gedanken, eine grandiose Schreibe und viel neues zu erfahren. Ein intelligentes, kritisches, selbstironisches Fan-Buch. Absolut lesenswert.

I mean – really!



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
12. Januar 2018, 3:42 pm
Filed under: Rolling Stones, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,