Martin Compart


DON WINSLOW HÖRBUCH by Martin Compart
25. Juli 2017, 10:17 am
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Wer schützt uns vor denen, die uns schützen?
Denny Malone, Detective des NYPD, und seine Elitetruppe tun alles, um in den Straßen von Manhattan für Ordnung zu sorgen, auch wenn das bedeutet, sich über das Gesetz hinwegzusetzen. Beim größten Einsatz gegen den Heroinhandel in der Geschichte New Yorks aber behalten sie mehrere Millionen Dollar und Drogen für sich. Warum auch nicht? Immerhin bestehlen sie damit nur die bösen Jungs. Doch dann gerät Malone zwischen die Fronten und steht vor der quälenden Aufgabe, sich zwischen dem Gesetz, seinen Kollegen, seiner Familie und der Frau, die er liebt, zu entscheiden.

Die Kartell-Bücher von Winslow haben mir nicht zugesagt: Winslow hatte die journalistischen Arbeiten von Charles Bowden und Gary Webb genutzt und daraus Reißbrett-Plots konstruiert, die mit wenig überzeugenden Charakteren garniert waren. Außerdem waren sie elend lang. Und wer Oliver Stones Film SAVAGES gesehen hat, wird verblüfft sein, wenn er anschließend Winslows Romanvorlage liest, die stilistisch ähnlich misslungen ist wie Ellroys WHITE JAZZ.

Nun ist Winslow also wieder in New York, das er wohl besser kennt als die Borderlands. Korrupte Bullen bevölkern die angelsächsische Kriminalliteratur wie Fliegen die Misthaufen. Winslow versucht in diesem Roman dieser dumpfen Subkultur aus hirnlosen und faschistischen Säufern Pathos zu unterstellen. Schreiberisch gelingen ihm gelegentlich nette Szenen und ein paar gelungene Zynismen über den Zustand New Yorks.

Ich hatte mich für das Hörbuch entschieden, da ich die langatmige Lektüre von Winslows Romanen inzwischen meide. Dietmar Wunder hat mal wieder einen glänzenden Job abgeliefert. Ihm gelingt nicht nur den Papp-Charakteren eigene Stimmen zu verleihen, er vermittelt sogar ihren jeweiligen Zustand und ihr Temperament. Damit gibt er den Figuren mehr Leben als der reine Text, Das ist unterhaltsamer und vielschichtiger als der Roman, vermute ich. Mir erscheint die Interpretation dem Originaltext unter diesem Aspekt überlegen.

DON WINSLOW
CORRUPTION
GELESEN VON DIETMAR WUNDER
ÜBERSETZT VON CHRIS HIRTE
Lübbe Audio; 3 MP3-CDs



HÖRBUCH: Jean-Christoph Grangé PURPURNE RACHE by Martin Compart

Grégoire Morvan, graue Eminenz des französischen Innenministeriums, war in den Siebzigerjahren mit lukrativen Geschäften im Kongo erfolgreich. Und er hat dort den berüchtigten Killer Homme-Clou gefasst, der seinerzeit einem bestialischen Ritual folgend neun Menschen ermordet hat. Als an einer bretonischen Militärschule ein Toter gefunden wird, dessen grausame Entstellung dem Modus operandi des Homme-Clou ähnelt, und Morvans Familie akut bedroht wird, muss er sich mit allen Mitteln den Schatten einer Vergangenheit stellen, die niemals aufgehört hat, nach Blut zu dürsten …

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Diesmal habe ich mich beim neuen Grangé nicht auf die voluminöse Print-Ausgabe gestürzt, sondern auf das Hörbuch mit 12 CDs und einer Laufzeit von 765 Minuten! Grund dafür war Reiner Schöne als Sprecher. Seit den Hörbüchern der kurzlebigen deutschen Hard Case-Edition durch den Rotbuch-Verlag, hat sich Schöne bei mir in die erste Garde der Thriller-Sprecher eingefügt. Allerdings ist hier sein Vortrag etwas hektisch, was das Hörvergnügen unwesentlich beeinträchtigt.

Die Übersetzung von Ulrike Werner-Richter ist auch vom Sprachgefühl besonders hervor zu heben, di Übersetzerin (die für die deutsche Interpretation von Grangé am verantwortlichsten ist) wird in der Hörbuchausgabe leider nicht in angemessener Weise gewürdigt: Sie ist in der aufwendigen Umschlaggestaltung nicht mal erwähnt, was ich für skandalös halte.
Ich freue mich jedenfalls schon darauf, den Roman in einigen Monaten in seiner wahrscheinlich deutlicheren Vielfältigkeit zu lesen. Zu oft erlebe ich bei Hörbüchern generell  ungeschickte Streichungen, die auf Kosten der Atmosphäre und des Stils gehen. Denn dann entdeckt man doch zusätzliche Details und Formulierungen, die beim Hörerlebnis nicht haften bleiben oder verloren gehen. Oder unterschlagen wurden? Man kann nur hoffen, dass ein zeitgenössischer Hochkaräter wie Grangé (dessen deutsche Buch-Lektorate einen ebenso schwierigen wie großartigen Job gemacht haben, dem Verlag erhalten bleibt, auch wenn er bei uns nicht mehr so erfolgreich wie in anderen Ländern ist.

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Seit seinem Erstling FLUG DER STÖRCHE bin ich  Fan von Grangé, trotz seiner qualitativ ungleichmäßigen Romane und den fast immer ins Auge fallenden Plot-Schwächen im letzten Drittel. Das gilt auch für PURPURNE RACHE, bei dem Grangé am Ende ein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Auch seine Freude an der Genetik geht mir gelegentlich gegen den Strich, aber das ist Geschmackssache.

Ich bin ein Fan seiner Romane, weil er von allen zeitgenössischen Autoren das intensivste Gespür für das Unheimliche hat. Auch wenn er gelegentlich ins esoterische abgleitet, oder abzugleiten droht, vermitteln seine Thriller immer auch realistische Einblicke in den Horror einer Endzeitzivilisation.

Sein Sadismus steht in der Tradition der Gothic Novel und des Marquis de Sade. Mario Praz hätte an diesem späten schwarzen Romantiker Gefallen gefunden. für ihn gilt, was Paul Valery über J.K. Huysmans geschrieben hat: „Seine seltsamen Nüstern witterten schaudernd, was es an Ekelhaftem in der Welt gibt.“ Nicht umsonst ist dieser Neo-dekadente Autor zu Beginn des 21.Jahrhunderts der erfolgreichste französische Noir-Autor (mit Übersetzungen in über 20 Sprachen). Dabei ist er häufig experimentierfreudig und nutzt auf eigene Art erzählerische Strategien für seine düstere Weltsicht (in DAS SCHWARZE BLUT beispielsweise auf perverse Weise den Briefroman).

51smt2tm5il-_sx346_bo1204203200_1Stilistisch ist LONTANO, so der Originaltitel, sein bisher bester Roman, voller genauer Beobachtungen und schöner Formulierungen, die oft ätzende gesellschaftliche Zustandsbeschreibungen sind. Es ist auch ein Familienroman mit Protagonisten, die von der Ausbeutung der 3.Welt über staatliche Machtvertretung bis hin zur Prostitution und Finanzspekulation den aktuellen Stand gesellschaftlichen Aufstiegs (und Abstiegs) in Frankreich symbolisieren.

Grangé  beleuchtet das seit Jahrzehnte andauernde Inferno Kongo, wo der Neo-Kolonialismus seit Jahrzehnten seine blutigste Spur hinterlässt. Ein Thema, das in unseren Medien so gut wie nicht stattfindet. Und das ist auch beabsichtigt- Denn die Entwicklungsgeschichte des Kongo könnte jedem Europäer vermitteln, wie viel Blut immer neu an seinen Händen klebt, wenn er auf seinem geliebten Smartphone sinnentleert herumdaddelt.

Auch in diesem Roman klingt wieder eines von Grangé s Lieblingsthemen durch: Für die Sünden der Väter, bezahlen die Kinder (war das je deutlicher, als in der heutigen Flüchtlingsdiskussion, die die kolonialen Wurzeln der Konflikte ausklammert?).
Das Buch hat seine Fortsetzung in CONGO REQUIEM, die hoffentlich schnell bei Lübbe auf deutsch vorgelegt wird. Grangé ist ein Autor, der ein ausführliches Portrait in unserem Sprachraum verdienen würde. Der dümmliche deutsche Titel ist wohl der Versuch einer unsensiblen Marketing-Abteilung, diesen Roman mit Grangé s größtem Erfolg, DIE PURPURNEN FLÜSSE, unsinnig zu verknüpfen.

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NEWS: HÖRBÜCHER by Martin Compart
29. April 2016, 5:54 pm
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, NEWS, Rezensionen | Schlagwörter: , ,

Im FLASHMAN-BLOG (https://compartsflashman.wordpress.com/)neu über SHARPE-Hörbücher.
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NEWS: BERND KÜBLER by Martin Compart
29. Januar 2016, 2:53 pm
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, Interview | Schlagwörter: , ,

Der zweite Teil des Bernd Kübler-Interviews jetzt im FLASHMAN-Blog:

https://compartsflashman.wordpress.com/2016/01/29/interview-mit-bernd-kuebler-2/



WER IST SIR HARRY PAGET FLASHMAN? by Martin Compart
28. April 2014, 8:57 am
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, Politik & Geschichte, Porträt, thriller | Schlagwörter: ,

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Er tauchte erstmals literarisch in Thomas Hughes´ biographischem Buch TOM BROWN´S SCHOOLDAYS (1857) auf. Ein offensichtlich liederlicher Charakter, der wegen Trunkenheit der Schule verwiesen wurde. Unerwartet stieg er zum höchst dekorierten Soldaten des Viktorianischen Empires auf. Zu den vielen Orden und Auszeichnungen des Brigadegenerals Flashman zählen das Viktoria Kreuz, Ritter der Ehrenlegion, die US-Ehrenmedaille und der San-Serafino-Orden für Reinheit und Wahrheit 4.Klasse.
Das Familienvermögen der Flashmans erwirtschaftete vor allem Harrys Ur-Großvater Jack Flashman durch Piraterie und Rum- und Sklavenhandel mit der Neuen Welt.

Harry Paget Flashman lebte von 1822 bis 1915. Sein Vater kaufte ihm zu Beginn seiner Karriere ein Offizierspatent beim 11.Regiment der leichten Kavallerie. Er erlebte einige der wichtigsten politischen und militärischen Ereignisse seiner Epoche in der ersten Reihe mit: den 1.britisch-afghanischen Krieg, die Schleswig-Holstein-Frage, den amerikanischen Bürgerkrieg (auf beiden Seiten), den Krim-Krieg (Balaclava!), den indischen Sepoy-Aufstand, den 1.Sikh-Krieg, die Taiping-Rebellion, die Indianer-Kriege, den Feldzug gegen die Zulu (Isandlwhana, Rork´s Drift), Brookes Feldzüge gegen die Dayak-Piraten, den Feldzug Napiers in Abessinien und den mexikanischen Feldzug unter Kaiser Maximilian.

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Sein Frauenverschleiß war erheblich und ist in den Memoiren zum Teil semi-pornographisch dargestellt. Ende der 1850er Jahre bezifferte er bis dahin 478 Frauen als Bettgefährtinnen. Da er aber als Lügner und Aufschneider decouvriert ist, wird man vermutlich zehn bis zwanzig Bettgefährtinnen weniger veranschlagen dürfen.

Seine Memoiren, bekannt als „Flashman-Papers“, sind verblüffend ehrlich und gelegentlich sogar selbstkritisch. Auch wenn man ihretwegen die Geschichte nicht umschreiben muss, geben sie doch einen erstaunlich neuen und frischen Blick auf die geschilderten Ereignisse. Ich schließe mich Kingsley Amis, der New York Times und führenden angelsächsischen Historikern an, indem ich sie als langjähriger Student menschlicher Abgründe ebenfalls zu den bedeutendsten autobiographischen Aufzeichnungen der Epoche zähle. Sie eröffnen zweifelsfrei neue Perspektiven auf zeitgeschichtliche Personen und Ereignisse.
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Entdeckt wurden die „Flashman Papers“ 1965 durch eine Haushaltsversteigerung in Ashbury Leicestshire. Aufgezeichnet wurden sie von Flashman zwischen 1900 und 1905 was vielleicht auch ihre Objektivität erklärt. Der alte Harry Flashman beschönigte nichts, als er gegen Ende seines Lebens Bilanz zog. Sie lagen 50 Jahre unberührt in einer Teekiste (die Bearbeitung des 3.Bandes durch eine spätere Familienangehörige ist eine gesonderte Betrachtung wert).

news-graphics-2008-_437471a[1]Der schottische Journalist George MacDonald Fraser wurde von einem Nachfahren mit der Herausgabe, der um 1915 erstmals geordneten, Memoiren betraut. Nach der Edition des ersten Bandes bemühte er sich zwei Jahre vergeblich um einen Verlag, bevor er ihn 1969 im renommierten englischen Buchverlag Herbert Jenkins unterbringen konnte. Dort erschienen auch die weiteren Bände als Erstveröffentlichung. Wie alle elf Folgebände, wurden die veröffentlichten „Flashman Papers“ von MacDonald Fraser äußerst sorgfältig ediert und mit einem umfassenden Fußnotenapparat („…hier irrt Flashman“) versehen.

Harry Flashman in seiner Blütezeit war groß, gut aussehend (besonders stolz auf seine Koteletten, die Frauen laut seiner Aussagen bezauberten) und arrogant.
Seine herausragendsten Fähigkeiten waren ein ungewöhnliches Talent Sprachen schnell zu erlernen, und seine Reitkünste hoch zu Ross und zu Weibe. Eine devote Haltung Vorgesetzten gegenüber beflügelten seine Karriere ebenfalls.
Charakterlich werfen die Aufzeichnungen ein höchst ungünstiges Licht auf den Verfasser, aber auch auf viele Zeitzeugen.

Er betrog, log und lieferte zu seinem eigenen Vorteil oder um Gefahren von sich abzuwenden auch diejenigen ans Messer, die ihn liebten. Er gab sogar eine Vergewaltigung zu und einen von ihm durchgeführten Verkauf einer jungen Frau als Sklavin an einen Indianerstamm.
Seine Aufzeichnungen weisen ihn als Glückspilz, Lügner, Schwindler, Aufschneider, Weiberhelden, Dieb, Betrüger und Feigling aus. Nur durch Glück, Feigheit und Skrupellosigkeit ging er aus jeder gefährlichen Situation für die Öffentlichkeit als Held hervor. Ein ihn begünstigendes Schicksal sorgte fast regelmäßig dafür, dass Personen, die ihn demaskiert erlebten, ums Leben kamen oder unglaubwürdig erschienen.
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Aus den Memoiren geht hervor, dass er nur aus einem Grund ein solcher Rabauke mit niederer Gesinnung war: Er wollte die Bedingungen der Gesellschaft erfüllen, ihr gefallen und an den Möglichkeiten der Herrschenden partizipieren. Nicht einmal bei Dickens finden sich erschreckendere Darstellungen der Viktorianischen Gesellschaft. Wobei sich Flashman keinen Illusionen hingab und diese zynisch analysierte. Zu seiner Ehre sei gesagt, dass er nicht religiös war und Religionen verachtete, insbesondere das Christentum.

Dank dem Kübler-Verlag sind dem deutschen Leser die „Flashman Papers“ wieder zugänglich gemacht. Obwohl es fraglich ist, ob nach der „geistig-moralischen Verblödungs-Wende“ noch ein paar Zehntausend gebildete Alphabeten in Deutschland vorhanden sind, die dieses Kleinod der Geschichtsschreibung zu würdigen wissen. Aber solche kleingeistigen Überlegungen dürfen bei einem elitären semi Universitätsverlag keine Rolle spielen. Schließlich muss Kübler einen Bildungsauftrag erfüllen, den die „Bundeszentrale für politische Bildung“ offensichtlich nicht erfüllen kann.
flashman[1]
http://www.kueblerverlag.de/index.php/fraser-flashman



THRILLER, DIE MAN GEHÖRT HABEN SOLLTE: FLASHMAN by Martin Compart
9. April 2014, 2:04 pm
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, Politik & Geschichte, thriller | Schlagwörter: , ,

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Seit einigen Jahren spezialisiert sich der Kübler-Verlag auf historische Abenteuer-Romane vom Besten! Und die absolute Krönung des Programms ist die preislich unverschämt günstige und trotzdem wunderschöne Paperback-Ausgabe der FLASHMAN-Serie. Diese Neuausgabe ist sogar attraktiver als die alte Ausgabe aus den 1980ern bei Ullstein, für die ich damals extra die ULLSTEIN ABENTEUER-Reihe kreierte. FLASHMAN ist der nach wie vor unerreichte Höhepunkt des historischen Abenteuer¬Thrillers. Im Grunde muss man die Alphabeten einteilen in Menschen, die FLASHMAN gelesen haben und bedauerliche (oder beneidenswerte) Personen, die ihn (noch) nicht entdeckt haben. Aber zur politisch unkorrekten (und damit historisch umso wahreren) FLASHMAN-Serie demnächst mehr an dieser Stelle.61tdMl77zvL._SL500_AA300_PIaudible,BottomRight,10,70_OU03_AA300_[1]

Neben den bisher veröffentlichten sieben Romanen, hat der Verlag auch die drei ersten, FLASHMAN IN AFGHANISTAN, ROYAL FLASH und FLASHMAN-HELD DER FREIHEIT, als Hörbücher vorgelegt. Und um es gleich vorweg zu sagen: Die setzen Maßstäbe bei Hörbuch-Adaptionen. Alle sind unwesentlich (und geschickt) gekürzt und jedes über zehn Stunden(!) lang! Und was Stefan Wilkening aus dem Vortrag macht, ist schlichtweg hohe Schauspielkunst. Selten haben mich Lesungen so hinein gesogen und in den Bann gezogen! Wobei, zugegeben, das Ausgangsmaterial ja auch nicht gerade demotivierend ist. Die Produktion ist gelungen: Der Sprecherton weder zu dumpf, noch zu schrill. Die Tonlage stimmt (was mir bei Hörbuchproduktionen zunehmend auffällt, ist die die schlecht ausgesteuerte Studioqualität). Wer das im Auto hört, hofft auf eine Strecke mit vielen Staus.

Wer FLASHMAN IN AFGHANISTAN kennt, weiß, warum seit Alexander keine Invasoren dort Erfolg haben konnten (überhaupt sollte Flashy Pflichtlektüre in Militärakademien sein). Wer ROYAL FLASH gehört, gelesen oder gesehen (die einzige bisherige Verfilmung) hat, weiß mehr über die Skrupellosigkeit des jungen Bismarcks. Und FLASHMAN – HELD DER FREIHEIT räumt drastisch mit Klischees über Abraham Lincoln auf und zeigt die ganze Brutalität des Sklavenhandels, von Westafrika bis in „God´s Forgotten Country“. Alleine der Teil über Dahomey und das Amazonen-Heer des Sklaven jagenden Herrschers ist schon unvergesslich. FLASHMAN ist neben SHERLOCK HOLMES und JAMES BOND die größte literarische Serienfigur der britischen Pop-Kultur. George MacDonald Fraser hat mit diesen Romanen Weltliteratur geschrieben. Seine Geschichten um den feigen Frauenhelden Harry Flashman, der trotz seiner Feigherzigkeit aus jeder Situation als dekorierter Held hervor geht, sind besser recherchiert als viele Sachbücher und liefern ein Sittenbild der Epoche ab, wie man es sonst nicht zu bestaunen bekommt. Flashy, der Anti-Held, lässt nichts aus, um fälschlich heroisierte historische Figuren zu demaskieren. Fraser ist ein brillanter Stilist, der gleichzeitig spannend, humorvoll, aufklärerisch und anspruchsvoll schreibt. Ob ein exotisches Land oder ein weltgeschichtlicher Vorgang – Leser oder Hörer sind mitten im Geschehen und glauben manchmal, es mit allen Sinnen wahr zu nehmen.

Aber Vorsicht: Nach FLASHMAN feuert man die meisten historischen Romane persönlich beleidigt in die Ecke.


Vorbereitung für die Hörbuchlesung.

zum KUEBLER VERLAG und die FLASHMAN-Edition:
http://www.kueblerverlag.de/index.php/fraser-flashman/reihe-und-autor

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HÖRBUCH: LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU by Martin Compart
3. Juli 2013, 3:19 pm
Filed under: Hörbücher, Ian Fleming, James Bond, Rezensionen | Schlagwörter: , , , ,

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Ian Fleming und Deutschland – ein übles Kapitel.

Für die Bond-Filme ist Deutschland der zweitwichtigste Markt.61908b58-c65c-45f4-a728-478f4ffe6c35[1]

Der Umgang mit den Romanen, ein Elend. Wenig inspiriert und gekürzt wurden die Erstausgaben durch den Scherz-Verlag veröffentlicht. Der Heyne Verlag versuchte in den 1990ern eine ungekürzte Ausgabe (obwohl er die neuen Bondromane von Raymond Benson nicht fortführte). Und jetzt versucht sich ein Comic—Verlag an den Originalen Flemings. Das hat auch etwas abstruses: von einem Comic Verlag hätte ich eher erwartet, dass er eine längst überfällige Gesamtausgabe der tollen Bond-Comic Strips angeht.

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Nun gibt es jedenfalls auch eine Audio-Book-Ausgabe von Flemings 007-Romanen bei Lübbe Audio. Alle in „bearbeiteter Fassung“ auf 4 CDs gekürzt und im Schnitt mit 290 Minuten. Vorgetragen werden die gekürzten Bücher tadellos von Oliver Siebeck.
2006 gab es bereits Hörbuchausgaben von vier Bond-Romanen bei Random House. Die waren geradezu katastrophal gekürzt (jeder Roman auf eine Lesung von Hannes Jaenicke auf unter zwei Stunden).

6a00e3981f1e398833014e8b34c60b970d-320wi[1]Man fragt sich, warum Lübbe Audio auf die ungekürzten deutschen Fassungen zugreift, wenn dann doch gerafft wird. Der für die Kürzungen verantwortliche Lektor streicht häufig weg, was den spezifischen Reiz und den Zeitgeist von Fleming ausmacht. So hat man wichtige Dialoge kleiner gemacht und natürlich die „politisch unkorrekten“ Passagen gestrichen. Etwa, wenn Bond am Anfang von LIEBESGRÜSSE über Homosexuelle und Intellektuelle herzieht (bis hin zu „Nicht alle Intellektuelle sind homosexuell.“). Dazu passt die kleine Anekdote über die einzige Kritik an LIEBESGRÜSSE. Der meinte damals, „Ian´s Russians appeared dull and two-dimensional“. Was nicht stimmt. Fleming erwiederte: “This is because Russians are dull people.”
Wenn man Dialoge auf die reine Handlungsinformation runterkürzt, nimmt man ihnen die Möglichkeit, die Personen, Situation oder Atmosphäre zu charakterisieren oder zu reflektieren. Gerade darin besteht aber auch ein Teil von Flemings Kunst. Dieses wegzulassen, reduziert ihn.
Zum Glück ist LIEBESGRÜSSE nicht so unglaublich dämlich zusammengefasst wie Dan Browns INFERNO. Aber Verständnisprobleme sind auch hier: Etwa der aus dem Kontext nicht mehr verständliche „Vorfall“ im Zigeunercamp. Dabei gibt es gerade bei den frühen Flemings einiges an peinlichen Romantizismen zu streichen, die keinerlei Auswirkungen auf Ideologie, Stil, Atmosphäre oder Handlung haben.

Mehr als ärgerlich, geradezu unverschämt und urheberrechtlich bedenklich, ist die Nichtnennung der literarischen Quelle (Cross Kult) und der Übersetzer. Diese übernehmen weitgehend und wörtlich bei LIEBESGRÜSSE Formulierungen der alten, gekürzten Scherz-Übersetzung von Mechthild Sandberg – die nicht schlecht ist. Bei einer „ergänzenden Übersetzung“ muss man sie aber auch angeben. Es ist geradezu sittenwidrig wie manche Audio-Verlage diese gesetzlichen Vorgaben negieren, bzw. den Grauraum neuer Medien ausnutzen. Denn diese Nichtnennung hat für die Übersetzer klare Nachteile (wenn sie diese nicht selber etwa der VG WORT mitteilen). Die Lübbe-Audio-Ausgaben der Bondromane übernehmen die Cover von Cross Kult, was aber ebenfalls nicht aus dem Impressum hervorgeht.

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Ich habe mir mal den 5.Bond, LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU, angehört, zu Lebzeiten von Fleming sein erfolgreichster Roman. Vielen Fans gilt er als bester Bond-Roman, vielleicht, weil er weniger phantastische Momente enthält. Fleming ist hier ganz klar auf dem Höhepunkt seiner bemerkenswerten literarischen Kunst (und bleibt es auch bis MANN MIT DEM GOLDENEN COLT; wobei ich persönlich auch die ersten vier Bonds außerordentlich schätze). Aber jeder seiner Bond-Romane ist, trotz aller von Kingsley Amis heraus gearbeiteten Formellastigkeit, anders und originell. Absolut souverän beherrscht er sein Material und setzt es stilistisch beeindruckender um als 90% seiner Epigonen. Besonders für die Atmosphäre seiner Handlungsorte – hier besonders eindrucksvoll die geschilderte Zugfahrt mit dem Orientexpress – besaß Fleming eine Sensibilität wie die besten Schriftsteller. Nicht von Ungefähr gehörte der überaus kritische Raymond Chandler zu seinen größten Fans. Das Ende des Romans spiegelt übrigens Sherlock Holmes und die Reichenbachfälle wieder und löste damals bei den Bond-Fans ähnliche Besorgnis aus wie zuvor bei den Fans von Sherlock Holmes.

Der Bond-Fan kann mit diesen Audio-Ausgaben leben, aber glücklich machen sie nicht. Um die Originale (und verschiedenste englische Hörspiel- oder Hörbuchfassungen) kommt man eb en nicht herum.

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Leider hat es Cross Cult versäumt, auf die Penguin-Ausgaben mit den stärkeren Covers und den interessanten Vor-und Nachworten zuzugreifen (u.a.von Charlieg Higson, Michael Dibdin, Jeffrey Deaver).

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