Martin Compart


NEWS: HÖRBÜCHER by Martin Compart
29. April 2016, 5:54 pm
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, NEWS, Rezensionen | Schlagwörter: , ,

Im FLASHMAN-BLOG (https://compartsflashman.wordpress.com/)neu über SHARPE-Hörbücher.
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NOIR-FRAGEBOGEN MIT JOCHEN KÖNIG by Martin Compart
23. April 2016, 2:11 pm
Filed under: Fragebogen, Krimis, Noir | Schlagwörter: , ,

Jochen König gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschen Krimi-Szene in den letzten Jahrzehnten. Zusammen mit ebenso verwegenen Mitstreitern machte er die Krimi-Couch zu der Institution, die sie heute ist.

Jochen-Koenig-Portrait--Martin-Compart

Jochen über sich selbst:

„Stationen: Geboren in Daaden, aufgewachsen in Siegen, Germanistik-Studium (plus Soziologie und Philosophie) in Münster und Berlin, dann wieder zurück ins idyllische Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse S51YpXjnrN0L._SX316_BO1,204,203,200_[1]achbücher mit Beiträgen von mir) von 1991 gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft.

Ansonsten arbeite ich als Sachbearbeiter, war in meiner Berliner Zeit beim Radio, danach Teilzeit-Buchhändler und sieben Jahre für die, 2009 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig. http://www.krimi-couch.de/ Mittlerweile schreibe ich Rezensionen von Jazz bis zu hartem und experimentellem Rock für Musikreviews.de und habe die heftigere Art der Musik auch schon für Nocturnal Hall( http://www.nocturnalhall.com/) besprochen.
Buch- und Filmkritiken erscheinen in stetem Fluss beim sehr gut aufgestellten und hochkarätig besetzten Blog booknerds.de.(http://www.booknerds.de)Untertitel: „alle medien. alle genres. keine grenzen“. Stimmt.
Zudem habe ich fünfzehn Jahre lang Jugend- und Erwachsenenmannschaften trainiert. Seit 2003 hauptsächlich Mädchen- bzw. Damenfußball. War eine Herausforderung. “

Hier der Bünnagelsche Fragebogen mit Jochen König:

Name?

Jochen König. Hieß aber auch schon Robert, Georg, Jürgen, Louis („Ich bin der König im Affenstaat“) und zu Trainerzeiten Jogi (wirklich).

Berufungen neben dem Schreiben?

Musik. When the music is over turn out the light. Kino und Fernsehen. Ich war das typische Kind, das laut Eltern garantiert irgendwann viereckige Augen bekommt. Bücher. Meine Leidenschaft begann mit Larry Brent, Kommissar X, Fritz Wöss und Hans Helmut Kirst.


Großartige Kirst-Verfilmung

Film in Deinem Geburtsjahr?

„Blast Of Silence“. Der dunkle Solitär. „La Dolce Vita“. Fellini, Mastroianni, Barker und vor allem Nico waren und sind stetige Begleiter. „Eins, zwei, drei“, „Yojimbo“, „Ein Toter spielt Klavier“, „Der grüne Bogenschütze“, alle in Schwarzweiß und natürlich Klassiker ihrer Art. Farbig gab es „Frühstück bei Tiffany“, „Der Fluch von Siniestro“, „Die Kinder von Bullerbü“, „Vampire gegen Herakles“ (Mario Bava!), Marlon Brandos „Der Besessene“ und einiges von Roger Corman, u.a. „Das Pendel des Todes“. 1961 war ein gutes Filmjahr.

Was steht im Bücherschrank?

Ganz vorne, als Mahnung, die zu besprechenden Bücher. Besonders aber die Bücher aus dem Liebeskind-Verlag, Polar, Pendragon und Pulp Master. Immer in der Nähe: Derek Raymond, Pete Dexter, James Sallis, Daniel Woodrell, Basteis wunderbare „Schwarze Serie“, Dennis Lehane, Lawrence Block, Max Allan Collins, Warren Murphy (Trace, immer wieder gerne), James Ellroy, James Lee Burke, James Crumley, Jerome Charyn, Willi Voss, Carol O’Connell, Michael Moorcock, James Graham Ballard, H. P. Lovecraft, Algernon Blackwood, Edgar Allan Poe, Wolfgang Koeppen, T.S. Eliot, Robert Anton Wilson, Georg Trakl, Julio Cortazar und noch eine ganze Ecke mehr. Patricia Highsmith (meine wahre, große, erste Krimi-Liebe), Raymond Chandler (die zweite), Ross MacDonald, Jim Thompson und Michael Connelly stehen eine Etage tiefer.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?

Ein Noir in flirrender Hitze: Patricia Highsmiths „Das Zittern des Fälschers“, Jim Thompsons „Der Mörder in mir“. Als Filme „This Gun For Hire“, „Der gläserne Schlüssel“ (die ‘42er Version von Stuart Heisler), „Ministerium der Angst“ und Melvilles „Der eiskalte Engel“. Und heimlich abends geschaut, wann immer sich die Gelegenheit ergab: „Der Mann mit dem Koffer“.

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?

“Die Straßen waren schwarz nicht vom Dunkel der Nacht allein“. Eine regennasse Gasse im Schein einer Straßenlaterne, darunter eine einsame Gestalt im Trenchcoat, rauchend. Gefahr lauert. Überall.

Ein paar Film noir-Favoriten?

Neben den oben genannten: „Fahr zur Hölle Liebling“ (Mitchum IST Marlowe. Bei Lowry, nicht bei Winner. Mit einem unendlich traurigen Auftritt Jim Thompsons) „Rächer der Unterwelt“, „Frau ohne Gewissen“, „Vier im roten Kreis“, „Der Teufel mit der weißen Weste“, „Engel aus Staub“, „Verfolgt“ von Raoul Walsh, „Der Todeskuss“ (auch das Remake), „Fahrstuhl zum Schafott“, „Außer Atem“ (inklusive Remake), „Das Irrlicht“, „Charley Varrick – Der große Coup“, „Die Letzten beißen die Hunde“, „Heißblütig – Kaltblütig“, „Taxi Driver“, John Woos „A Better Tomorrow“ und „Der Killer“, „The Singing Detective“, „Angel Heart“, „Im Jahr des Drachen“, „Crash“, „Romeo Is Bleeding“, „Heat“, „Killing Zoe“, „Rumblefish“, „Twin Peaks“, „Lost Highway“, „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“, „Drive“ und ganz besonders „Chinatwon“, „Live and Let Die in LA“.

Und abgesehen von Noirs?

„If….“, „Abenteuer in Rio“, „Apocalypse Now“, „Full Metal Jacket“, Monty Python, “Donnie Darko”, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ (ganz ohne Dracula, aber mit Barbara Steele), “Deep Red”, “Suspiria”, “Blow Up”, „M.A.S.H.“, “Das Ende – Anschlag bei Nacht” (Das Carpenter-Original), “Die Klapperschlange”, “The Evil Dead” (komplett), „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (stellvertretend für alle Mafia-Filme Damiano Damianis), “Die 13 Söhne des gelben Drachen”, “Peking Opera Blues”, “Die Marx Brothers im Krieg”, „Der schwarze Falke“, „Lone Wolf & Cub“, „Mad Max – Road Warrior“, „The Good, The Bad & The Ugly“ (Sergio Leone überhaupt), „Leichen pflastern seinen Weg“, „Töte Django“, “Vier Fäuste für ein Halleluja”, “Mein Name ist Nobody”, „Ein Fremder ohne Namen“, „Blues Brothers”, „The Wild Bunch“.


Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?

Viele. In letzter Zeit: Dave Buchalter und seine fiese Schwester.

Internet?

Seit seligen 1200 Baud-Zeiten.

Noir-Fragen – Dein Leben als Film Noir

Im fiktiven Film Noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?

Der Detektiv. Am Tresen zu Hause, straßentauglich, immer einen Schritt vom Absturz entfernt.

Und der Spitzname dazu?

Apocalypse Joe.

Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?

Sara Gran

Berühmtestes Zitat aus dem Streifen?

„Traurige Geschichten, an die wir uns binnen kurzem kaum noch erinnern würden, hastige Zärtlichkeiten und impulsiver Sex, der nach Verrat schmeckte. That’s all folks.“

Schwarzweiß- oder Farbfilm?

Farbe, mit David Lynch und Richard Kelly als Berater


Wer liefert den Soundtrack zum Film?

Bohren & der Club Of Gore



Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?

Alexa Davalos

In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?

Obwohl Kommissar X geprägt, in Jerry Cottons rotem Jaguar E-Type.

Und mit welcher Bewaffnung?

CZ 75 SP-01, Tactical

Buch für den Knast?

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Endlich die passende Gelegenheit.

Und am Ende: Welche Inschrift würde auf deinem Grabstein stehen?

Es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.

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CASH FROM CHAOS – 70s RELOADED by Martin Compart
19. April 2016, 9:32 am
Filed under: MUSIK, Rezensionen | Schlagwörter: , , , , ,

Nichts interessiert mich weniger als die Sex Pistols – habe ich gedacht. Dann bekam ich die deutsche Ausgabe des Buches von Jon Savage über die Pistols in die Hand (natürlich aus der Edition Tiamat). Savage gehört zu den großen Analytikern der Pop-Kultur und kann gar nichts schreiben, was mich nicht interessiert.
ENGLAND DREAMING liegt nun sogar bei uns in einer dritten Auflage vor. Die Originalausgabe erschien 1991 und Edition Tiamat verlegt die erste deutsche Ausgabe 2001. Bisher hatte ich mich um die Lektüre gedrückt (weil ich ein bisschen blöde bin). Inzwischen gilt das Buch zu Recht als ein Klassiker, der Punk historisch einordnet und Strukturen und Wurzeln vermittelt („1968 wurde aus einer ästhetischen Haltung eine politische Geste.“). Mit diesem Buch hatte sich Savage als Pop-Historiker etabliert – durchaus auf einem Level mit Schwergewichten wie Greil Marcus oder Nick Tosches. Zu seinen Stärken zählt die Überschneidungen und Verwischungen zwischen Pop-Kultur und vermeintlicher Hoch-Kultur deutlich zu machen. Damit demontiert er den betonierten bürgerlichen Kanon. In einem Interview sagte er , dass sich Goethes LEIDEN DES JUNGEN WERTHER teilweise wie Texte von Morrissey lese. Wenn Savage als eine der Wurzeln des Punk den Situationismus bloßlegt, macht er einmal mehr klar, dass Punk kein isoliertes musikalisches Phänomen war, sondern in der Aufklärung ankert.

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http://www.amazon.de/Englands-Dreaming-Anarchie-Pistols-Diabolis/dp/3893202064/ref=asap_bc?ie=UTF8

Sein Buch TEENAGE – THE CREATION OF YOURH 1875-1945 (deutsch bei Campus,, 2008) ist ebenfalls eine kulturhistorische Betrachtung, die neue Perspektiven eröffnet.
ENGLAND DREAMING beschreibt auch das letzte Aufgebot, bevor die Neo-Cons den Sozialstaat demontierten. Ohne sentimental oder nostalgisch zu sein, berichtet Savage eine Epo9che in der trotz aller Verwerfungen eine Freiheit möglich war, die heute unvorstellbar ist. Eine Rehabilitierung der 1970er, gespickt mit klugen Beobachtungen und voller wahnwitziger Anekdoten. Die große kommentierte Discographie des voluminösen Buches ist ebenfalls voller verblüffender Einsichten.
1978 war die Nachkriegszeit endgültig vorbei. Punk hat die Musikindustrie nicht zerstört und ihr weniger zugesetzt als das Internet. Aber Punk hat neuen Formen und Bands Tore aufgebrochen.

P.S.: Es ist mir unverständlich, dass noch kein deutscher Verlag die beiden Autobiographien von Andrew Loog Oldham (STONED und 2STONED) veröffentlicht hat); die gehören zu den  brutalsten, ehrlichsten und witzigsten Büchern über den Rock und die 60er überhaupt. Absolute Knaller!



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS: STRYCHNINE von THE SONICS by Martin Compart
18. April 2016, 4:00 pm
Filed under: MUSIK, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: , ,



DEUTSCHER SPITZEN-JOURNALISMUS by Martin Compart
15. April 2016, 11:39 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Rolling Stones | Schlagwörter:

Immer wieder schön!

„Mick Jagger kramt in seinen Erfahrungen mit jungen Mädchen – es fallen die ersten Hemmungen…“

 



KRIMINELLE ROLLSTUHLFAHRER by Martin Compart
9. April 2016, 12:26 pm
Filed under: Ekelige Politiker, ORGANISIERTE KRIMINALITÄT | Schlagwörter: , ,

Wolfgang-Schauble[1]Immer im Irrtum, nie im Zweifel.

 

 

 

 

 

 



ZWERG GINSENG UND DIE ROTE-BEETE-VERSCHWÖRUNG by Martin Compart
4. April 2016, 8:58 am
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Dr. Horror, Film, Nazi, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , , , ,

rolf-21[1]von Dr.Horror

Es gibt mehrere Arten von Trickfilmen. Die teuren, die jetzt in den Kinos laufen, kommen aus den USA: Disneys Zoomania und DreamWorks‘ Kung Fu Panda 3 sind auch in China die erfolgreichsten Animationsfilme überhaupt. Ein dritter, eine 3D-Mischfilm-Version von Disneys Dschungelbuch, kann zwar dramaturgisch nicht mit dem 2D-Original mithalten, aber technisch hat es Besseres auf der Leinwand noch nicht gegeben.

Künstlerisch gibt es unter den japanischen Animes einige herausragende Spitzenprodukte.

Der europäische Animationsspielfilm präsentierte sich Anfang März 2016 ein weiteres Mal auf dem seit acht Jahren in Lyon stattfindenden Produzenten-Branchentreff Cartoon Movie: prätentiös, immer noch genug, aber deutlich weniger Family Entertainment, viel erwachsener als früher. Die Veranstalter berufen sich auf die europäische Vielfalt, d. h. anders als bei Disney, DreamWorks oder in Japan gibt es keine wirklich europäische Handschrift, dafür ein Buntes Allerlei, stilistisch gelegentlich interessant, in der Animation trotz digitaler Tools teilweise hinter dem Standard von Winsor McCay – und der entwarf seine kurzen Trickfilme vor einhundert Jahren.

Ja, und dann gibt es noch deutsche Animation.

Spätestens nach dem überraschenden Kinoerfolg des „Kleinen Eisbären“ war der deutsche Animationsspielfilm auf ein Zielpublikum von Minderjährigen abonniert. Findet eine Pressevorführung eines deutschen Animationsfilms statt, schicken die Blätter in der Regel die zweite oder dritte Garnitur von Filmkritikern, denen nichts Besseres einfällt, als noch den blühendsten Blödsinn als „kindgerecht“ zu apostrophieren.

Den künstlerischen Tiefpunkt erreichte die deutsche Filmanimation in der in TV und auf der Kinoleinwand ausgewerteten „Mondbär“-Serie, die offenbar in deutschem Auftrag und mit deutschen Geldern in China oder sonst wo hergestellt wurde und die Tierfiguren zu digital aufgeblasenen Luftballons macht.

Stationen auf Deutschlands Weg nach unten wenigstens in der Trickfilm-Branche waren „Der kleine Rabe Socke“, „Ritter Rost“, „Keinohrhase und Zweiohrküken“ und „Kleiner Drache Kokosnuss“. Die Legitimität und Förderungswürdigkeit des Genres zu erhalten, waren offensichtlich keine frischen Ideen und kein neuer Stil gefragt.

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: "Verwitterte Melodie" (1943) Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: „Verwitterte Melodie“ (1943)
Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Sehen „Wickie und die starken Männer“, geschaffen für 2D, nicht scheußlich aus in durchschnittlicher 3D-Animation? Neben „Wickie“ rangiert auch die „Biene Maja“ ganz oben in der Gunst deutscher TV-Redakteure. 1912 erschien Waldemar Bonsels‘ „Die Biene Maja und ihre Abenteuer. Ein Roman für Kinder“ zum ersten Mal. Bonsels hatte das Kunstmärchen, eine Initiationsgeschichte unter Insekten, ursprünglich für seine Söhne geschrieben. Er und sein Verleger rechneten mit keinem großen Erfolg, aber dann lieferte der Feldbuchhandel überzählige Exemplare an die Soldaten im Weltkrieg aus, und bald war die „Biene Maja“ an der Front ebenso wie bei den Lieben daheim so bekannt wie Hindenburg, Ludendorff oder Kaiser Wilhelm. Geschildert wurde schließlich, zeitnah, der Kampf des edlen Bienenvolkes gegen schurkische Hornissen. Die kleine Biene, seitdem auf Bestseller-Kurs, wurde eine echte Kriegsgewinnlerin.

Nach einem stummen Maja-Kulturfilm aus dem Jahr 1926 schien es, dass allein der Trickfilm dem märchenhaften Rahmen und der angestrebten Vermenschlichung der Figuren gerecht werden könnte. 1941 erwarben die frisch gegründete Deutsche Zeichenfilm GmbH und die Ufa eine Option und planten die Realisierung eines animierten „Biene Maja“-Kinofilms in Farbe, in dem der Kampf Bienen gegen Hornissen eine dem aktuellen Kriegsgeschehen geschuldete größere Rolle spielte als vordem. Doch der Mann, den der erklärte Trickfilm-Fan Goebbels mit der Leitung der Zeichenfilm GmbH betraut hatte, Oberregierungsrat Karl Neumann, der von einer leitenden Stelle in einer Wurstfabrik ins Propagandaministerium gewechselt war, war nicht in der Lage, die Produktion durchzuziehen. Millionen Reichsmark wurden versenkt, ohne dass viel dabei herauskam, allenfalls ein farbiger Kurzfilm „Armer Hansi“ und ein Überläufer, der dann bei der Defa erschien: „Purzelbaum ins Leben“. Das Ziel, Disney auf seinem eigenen Terrain Paroli zu bieten, blieb unerreicht.

Im Vorwort zu seinem Roman „Dositos“, den er 1942 als Privatdruck in einer Auflage von 100 Exemplaren an Freunde und NS-Granden verteilte, würdigte Bonsels übrigens den „gewaltigen und gewaltsamen Anstoß“, der durch Adolf Hitler in die Welt getragen worden sei und der nicht nur das Judentum erschüttert habe, „sondern naturgemäß zugleich alles, was in der christlichen Kirche am Judentum krankt“.

 Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin Cover des Buches "Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945"

Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin
Cover des Buches „Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945“

So ein Mann gehört in der Bundesrepublik natürlich neu verfilmt. Obwohl Motive aus dem Buch entnommen wurden, haben die Produzenten der neuen „Biene Maja“ als Referenzobjekt die bekannte, harmlose und scheinbar über jeden Verdacht erhabene Zeichenfilmserie gewählt, die der damalige Leiter des Kinder- und Jugendprogramms des ZDF, Josef Göhlen, sein zeitweiliger Arbeitgeber Leo Kirch und Apollo-Film Wien Mitte der 1970er-Jahre in zwei Staffeln à 52 Folgen bei Zuiyo Enterprises (heute Nippon Animation) in Auftrag gegeben hatten: „In einem unbekannten Land vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt, von der sprach alles weit und breit. Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Maja, kleine, freche [sic!], schlaue Biene Maja…“ Karel Gott, nicht wahr.

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Als der Autor dieser Zeilen in einem Rundfunkbeitrag auf braune Flecken in der Mediengeschichte der Biene Maja hinwies, gab es im Internet einen Sturm der Entrüstung im Wasserglas. Ich zitiere:

 

Franjo Delic Hitler hat seine Suppe mit einem Löffel gegessen, der Löffel sollte als nationalistisches Symbol einer braunen Vergangenheit verboten werden!!

 

Jens Poerschke Weil Herr Goebbels „Heile-Welt-Filme“ für seine Kinder drehen lassen wollte, dürfen wir heute derartiges nicht mehr sehen? Warum? Was passiert dann?

Christian Weisweiler Da sind sie wieder, unsere pseudodevoten Betroffenheitsvirtuosen, die mit der moralischen Selbstgerechtigkeit einer Priesterkaste sogar in der Biene Maja den Antichristen sehen.

Thomas Visockis Der liebe Herr Giesen schafft es bestimmt auch aus dem Stegreif, die Anzahl der Sommersprossen von Pippi Langstrumpf auf „23“ zu bestimmen und gleichzeitig auf „666“ hoch zu rechnen…

Ralf Galleisky Es wird so vieles für die eigenen Zwecke missbraucht – die Nazis und viele andere Greuelregime haben so vieles für sich missbraucht – dafür kann Maja nichts – ich bin mit der süßen Biene und dem schwulen Willi aufgewachsen und hatte viel Spaß.

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http://www.amazon.de/Hitlerjunge-Kolberg-Propagandafilme-Dritten-Reiches/dp/389602471X?ie=UTF8&keywords=rolf%20giesen&qid=1459762424&ref_=sr_1_12&sr=8-12

Die überhaupt nicht mehr braune Biene repräsentiert geradezu exemplarisch den Niedergang des deutschen Animationsspielfilms. Das Resultat ist das Werk eines Komitees (Filmförderer, Fernsehen, Verleih usw.), dem es darum ging, nirgendwo anzuecken: Immer schön politisch korrekt, bitte.

Was hat diese banale Wald&Wiesen-Romantik mit der Wirklichkeit von Kindern im 21. Jahrhundert zu tun? Warum hat man solche Angst, deutschen Kindern grausame, aber heilsame Märchen-Dramaturgie so vorzusetzen, wie sie die Brüder Grimm verfasst haben? Fürchtet man etwa um die Seele des deutschen Kindes? Fürchtet man, dass das deutsche Kind rückfällig werden könnte? Gibt es – natürlich nur zum Besten des Kindes – eine Rote-Beete-Verschwörung der zwergenhaften Apologeten von Tai Ginseng. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen an der Kinokasse nach.

 

Rolf Giesen