Martin Compart


WIE DIE PRIVATISIERUNG DER TERRORBEKÄMPFUNG FÜR TOTE BÜRGER VERANTWORTLICH IST by Martin Compart
12. September 2017, 8:10 pm
Filed under: CIA, Politik & Geschichte | Schlagwörter: , , , ,

Aus Angst und sinnloser Datengier haben sich die westlichen Regierungen dazu entschlossen, nicht das vorhandene System zur effektiven Terrorerkennung zu übernehmen. Stattdessen haben sie für ein vielfaches an Milliarden dieses zu 70% privaten Konzernen zur Profitgenerierung übergeben. Diese fatale Entscheidung, die mit Steuergeldern finanziert wird, führte bisher zu 14 Anschläge, 32 Attentäter, 429 Tote und 2472 Verletzte: Die Bilanz der Terroranschläge von 2005 bis 2017 in der westlichen Welt. Darunter Würzburg, Ansbach und Berlin. Wie die Politiker uns für den Profit der Konzerne an den IS als Schlachtvieh verkaufen, zeigt die Dokumentation von ARTE.

https://www.arte.tv/de/videos/072654-000-A/terrorjagd-im-netz/

Kein Autor kann ab jetzt noch einen ernstzunehmenden Polit-Thriller schreiben, ohne diese Fakten zu kennen. Und jeder Bürger sollte sie vor seiner Wahlentscheidung einholen.

Dieser ARTE-Themenabend war schlichtweg das TV-Ereignis des Jahres. Subversiver geht es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wohl kaum noch.

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NOIR-ROMANE, DIE MAN LESEN SOLLTE: DOG SOLDIERS VON ROBERT STONE by Martin Compart

“This is a basic hunger for most people; they want their suffering to mean something. You go through all these things and the idea it’s utterly of no consequence is very difficult to work with.“
Robert Stone, 1992

Auf der Suche nach einem Romanstoff geht der Journalist Converse nach Vietnam. Statt dessen überrollen ihn die Schrecken des sinnlosen Krieges, wird er zum Zeugen der Zerstörung einer Kultur, von der nur noch ein Zerrbild übrig geblieben scheint. Umgeben von Säufern, Drogenhändlern, Huren und korrupten Militärs, wird Converse in den Sog des Bösen hineingezogen. Er überredet seinen Kumpel Hicks, drei Kilo Heroin von Saigon in die USA zu schmuggeln. Als Hicks bei Marge, der Tabletten süchtigen Frau von Converse, in San Francisco ankommt, erwarten ihn schon ein paar Soziopathen, die sich als Dealer und Doppelagenten für einen korrupten FBI-Agenten ausgeben mit Waffen in den Händen. Hicks und Marge können entkommen und eine wilde Hetzjagd beginnt.

Die Atmosphäre des Romans ist paranoid und apokalyptisch wie die Zeit, in der er spielt. DOG SOLDIERS gehört zu den Depressions-Romanen, die aus dem Ende des amerikanischen Traumes (besser: Lüge) in den 1970er Jahren entstanden sind, bitter geprägt durch Charles Manson und dem Ende der open society der Gegenkultur, Richard Nixon und natürlich Vietnam – vor allem: Vietnam.

Mit Stilmitteln des Noir-Romans entblößte Stone (und Autoren wie Joe Gores, George V.Higgins, James Crumley, Newton Thornburg u.a.) die amerikanische Seele in dieser Phase des zertrümmerten Optimismus. Traumatisierte Autoren schrieben/schreiben traumatisierende Romane für eine traumatisierte Leserschaft. Eigentlich kaum Unterschiede zu Dashiell Hammett & Co. Der entscheidende ist wohl die vorangegangene Erfahrung der hedonistischen 1960er Jahre, in denen man glauben konnte, eine bessere Welt sei zum Greifen nahe. Umso bitterer durchlebte man die rücksichtslose Restauration der reaktionären kapitalistischen Kräfte, die bis zum heutigen Tag durchmarschieren.

Anfang der 1970er erkannten viele, dass Hass, Drogen, Kommerz und Gewalt den einstigen Idealismus ersetzen. Falls es jemals eine Zeit gab, die das Ende aller Utopien verkündete, dann diese, in der alle Versprechen der 1960er gebrochen wurden.
Ein Kritiker nannte DOG SOLDIERS die „Wikinger-Beerdigung der Sixties“.

„America killed a million Vietnamese but were we serious about it? After all, we didn’t even slaughter them with the dignity accorded food. Instead we exterminated them like they were noxious weeds. “                                                            Charles Hansen

Den ganzen Wahnsinn der Zeit, für den Vietnam zum Synonym wurde, zeigt Stone in der noch immer erschreckenden Ausführung der Elefanten-Jagd:

“The last moral objection that Converse experienced in the traditional manner had been his reaction to the great Elephant Zap of the previous year. That winter, the Military Advisory Command, Vietnam, had decided that elephants were enemy agents because the NVA used them to carry things, and there had ensued a scene worthy of the Ramayana. Many-armed, hundred-headed MACV had sent forth steel-bodied flying insects to destroy his enemies, the elephants. All over the country, whooping sweating gunners descended from the cloud cover to stampede the herds and mow them down with 7.62-millimeter machine guns…The Great Elephant Zap had been too much and had disgusted everyone. Even the chopper crews who remember the day as one of insane exhilaration had been somewhat appalled. There was a feeling that there were limits…And as for dope, Converse thought, and addicts—if the world is going to contain elephants pursued by flying men, people are just naturally going to want to get high.”

Heute weiß jedes Kind, wie tief US-Dienste, wie CIA, mit dem internationalen Drogenhandel verbandelt sind. Als 1974 DOG SOLDIERS erschien, war es gerade mal zwei Jahre her, das Alfred McCoy die erste Fassung des Standardwerks The Politics of Heroin in Southeast Asia. CIA Complicity in the Global Drug Trade (deutsch: Die CIA und das Heroin, Verlag Zweitausendeins, 2003) veröffentlicht hatte und damit die CIA weltweit skandalisierte. Stone, der sich mit Drogen bestens auskannte, traf während seiner kurzen Zeit als Kriegskorrespondent in Vietnam auf ähnliche Leute wie McCoy bei seiner wissenschaftlichen Recherche. Witzigerweise war Stone bereits (damals natürlich völlig unbewusst) mit der Drogenpolitik der CIA (MK Ultra) während seiner Zeit mit Ken Kesey in Berührung gekommen. In DOG SOLDIERS steht das geschmuggelte Heroin für den Krieg, der die Heimat der Aggressoren erreicht und sein tödliches Gift verteilt. Seitdem ist die US-Politik und US-Gesellschaft von harten Drogen verseucht und bestimmt – von Reagens Contras bis zu den heutigen Bankern, die Geldwäsche als Wirtschaftsleistung betreiben. Fast prophetisch führt der Weg des Heroins aus Laos zur mexikanischen Grenze.

Die Charaktere sind erschreckend und großartig gezeichnet. Ein Kaleidoskop amerikanischer Soziopathen. Der Ex-Marine Ray Hicks ist die Hauptfigur, obwohl uns Stone anfangs erzählerisch in die Falle lockt, diese Position Converse zuzuschreiben. Hicks ist Stones idealisierte Version von Neal Cassady, dem Helden aus Jack Kerouacs Roman ON THE ROAD. Stone hatte Cassady bei Ken Kesey kennen gelernt, als er sich bei den Merry Prankster herumtrieb. Und der einstige Gegenkultur-Guru Dieter Bechstein, zu dem Hicks und Marge fliehen, basiert auf Kesey. Hicks ist als ehemaliger Angehöriger der Marines ein Laufbursche der Gier in Form des Drogenhandels, neben Umweltzerstörung und Waffenhandel die reinste Form kapitalistischen Wirtschaftens, dass wie kein anderes Produkt den Konsumenten an den Krämer bindet.
Converses Frau Marge, die als Kassiererin für ein Pornokino arbeitet, zeigt geradezu symbolisch die Wandlung von Love&Peace oder Make Love, No War – den Mantras der Hippies – in kommerzielle Pornographie. Der Schurke Danskin ist eine der wahnwitzigsten und realistischsten Figuren der Noir-Literatur. „Particularly as it concerns Danskin, one of American fiction’s greatest psychopaths, Dog Soldiers comes as near as the National Book Award’s ever gotten to the domain of someone like Jim Thomson or Charles Willeford.” (Jonathan Lethem)

„Es gibt einen Satz in der Glasmenagerie von Tennessee Williams, der frei zitiert lautet: Die Dinge finden immer einen Weg, zu keinem guten Ende zu gelangen. Damit kann ich mich als Autor identifizieren.“ ( Robert Stone bei einem Wien-Besuch in DER STANDARD, 28.04.2005).
Besser lässt sich die Struktur von DOG SOLDIERS nicht zusammen fassen.

Robert Stones Mutter war schizophren und zog mit ihrem Sohn im Land herum, immer zwischen fast abgebrannt und pleite. „I am probably the only person who had On the Road recommended to him by his mother.” Er brach sein Studium ab und ging zur Marine, bevor er nach Kalifornien zog und als Journalist arbeitete. Zusammen mit Ken Kesey war er Stegner Fellow-Stipendiat an der Stanford University. Er hing in der Scene von Kesey und den Merry Pranksters herum und knallte sich ordentlich Drogen rein. Das wurde von Tom Wolfe schön dokumentiert in THE ELECTRIC KOOL AID ACID TEST, das Buch, das den New Journalism begründete. Sechs Jahre arbeitete er an seinem ersten Roman A Hall of Mirrors, der eher an Nelson Algren als an Jack Kerouac erinnert (aber wohl beiden etwas verdankt). Stone war ein Autor, der in seinen Polit-Thrillern die Beats mit dem Thriller synchronisierte.

Prophetisch verhöhnt der Roman die Formen indirekter Kommunikation als indifferente Kampfmittel und prognostiziert digitale Impotenz. Im apokalyptischen Finale diskreditiert Stone alle zivilisatorischen Errungenschaften des vermeintlich erreichten Hedonismus der Sixties, die sowohl den Höhepunkt der Aufklärung wie den des fin de siecle  symbolisieren.


In Deutschland wurde DOG SOLDIERS erst 1988(!) unter dem Titel UNTER TEUFELN veröffentlicht. Also lange, nachdem die Verfilmung WHO´LL STOP THE RAIN, 1978 von Karel Reisz in unseren Kinos gelaufen war und schon vom Fernsehen ausgestrahlt wurde. Für einen Hollywood-Film, ein guter Film; als Romanadaption eher mäßig.   Der Titel des Films macht durchaus Sinn. Keine andere Band steht für die Phase der Vietnamisierung so wie CCR. John Forgety hatte APOCALYPSE NOW musikalisch vorweggenommen.

M.E. ist DOG SOLDIERS Stones Meisterwerk, dessen Virtuosität er – bei allen offensichtlichen Qualitäten der späteren Bücher –  nicht mehr erreicht hat. Ein Klassiker, zeitlos wie das Beste von Joseph Conrad, Jim Thompson oder Graham Greene.
Einer der fünf besten Noir-Romane, die ich bisher gelesen habe. Um Reue zu vermeiden, sollte man sich seine Lektüre nicht entgehen lassen.

P.S.: Selbstverständlich ist kein Titel von Stone bei uns aktuell lieferbar. Antiquarisch bekommt man sie alle für wenige Cent. Wer aber Robert Stone bei Amazon.de eingibt, wird ein wahres Wunder algorithmischen Irrsinns erleben und kaum einen Titel des Autors serviert bekommen (aber jede Menge Blödsinn wie Robert Parkers Pulp-Romane über den Langweiler Jesse Stone).

P.P.S.: Wie bei Rowohlt bei entscheidenden Werken üblich, ist auch die Übersetzung von UNTER TEUFELN eine überzeugende Interpretation.



DUSQUESNE: 4. SCHIFFE VERSENKEN by Martin Compart
24. Mai 2017, 9:53 am
Filed under: Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , , , ,

Im Sommer 1913 brach Teddy Roosevelt zu einer neuen Expedition auf – diesmal nach Südamerika, Dusquene wollte unbedingt dabei sein und versuchte dafür Finanzierungsmodelle aufzustellen: Goodyear sollte ihn mit 5000 Dollar finanzieren und er würde im Gegenzug nach Kautschuk suchen. Einer kleinen Filmproduktion bot er an, eine Dokumentation über Roosevelts Dokumentation zu drehen. Alle lehnten ab. Also reiste er mit Alice auf eigene Kosten nach Brasilien; bei sich führten sie eine Filmausrüstung und Material im Wert von 80.000 Dollar.

In Manaus am Amazonas erreichte sie die Nachricht vom Ausbruch des 1.Weltkriegs. Umgehend schickte Fritz seine Frau in die Staaten zurück. Das die Briten ausgerechnet seinen Erzfeind Lord Kitchner zum Kriegsminister ernannt hatten, musste ihn erst recht erbost haben. Schließlich war Kitchners „Strategie der verbrannten Erde“ im Burenkrieg für den Tod von Dusquenes Schwester und Mutter verantwortlich. Deutschland war Britanniens größter Gegner und somit automatisch das Land, das in dieser Auseinandersetzung Dusquesnes größten Sympathien hatte.

Dusquesne wandte sich an das deutsche Konsulat und bot sich als Agent und Saboteur an. Die Deutschen nahmen das Angebot begeistert an.

Er nannte sich nun Ferderick Fredericks und seine Legende war die wissenschaftliche Erkundung von Kautschuk in ganz Lateinamerika, was ihm Mobilität erlaubte und seine Reisen durch den Kontinent plausibel machte. Seine Arbeit als Agent der „Naval Intelligence“ bestand vornehmlich darin, Fracht für die Feinde der Mittelmächte zu sabotieren. Er stand im regen Informationsaustausch mit den deutschen Konsulaten und der Botschaft in Brasilien und richtete seine Basis in Bahia ein. Von dort aus sandte er auf englischen Schiffen Kisten mit Mineralienproben an angebliche Auftraggeber. Die Kisten enthielten statt Mineralien Zeitbomben. Angeblich versenkte er auf diese Weise 22 britische Schiffe, darunter Riesenfrachter wie die „Salvador“ und die „Pembrokeshire“.

Gelegentlich wechselte er die Identitäten: aus Fredericks wurde der holländische Botaniker Fordham oder der Bure Piet Niacoud (phonetisch Dusquene rückwärts). Diese Burschen trieben sich in Brasilien, Guyana, Venezuela, Guatemala oder Nicaragua herum und ließen Kisten mit Mineralien oder Pflanzen auf britische Schiffe verladen. „Piet Niacoud“ war zudem ein beliebter Gast in britischen Klubs in Brasilien, da er dort feurige Reden gegen die Deutschen hielt oder aus literarischen Werken las. Als man später erfuhr, dass Piet ein deutscher Agent sei, reagierten die britischen Diplomaten und Geschäftsleute geschockt und wollten es erst gar nicht glauben. Dusquesne schauspielerischen Qualitäten müssen wohl Oscar reif gewesen sein.

Dusquesne war – wie so oft in seinem Leben – zu sorglos und draufgängerisch. Bereist im Juni 1915 kam ihm ein britischer Konsul in Panama auf die Schliche. Er stellte Fritz eine Falle in einem brasilianischen Hafen. Von britischen Agenten umzingelt, gelang ihm einmal mehr eine halsbrecherische Flucht über die Dächer der Hafengebäude.

Seine letzten Bomben platzierte er im Februar 1916 in Brasilien an Bord der britischen „Tennyson“. Sie waren in 16 Kisten versteckt mit angeblichen Mineralien und einer Kiste mit Filmmaterial, die nach New York gehen sollte. Die Explosionen erfolgten auf dem halben Weg nach Trinidad, aber dem Kapitän gelang es noch das marode Schiff auf Land zu setzen. Drei Seeleute wurden durch die Explosion getötet und eine weitere Bombenladung setzte die „Vauban“ in Brand.
Jetzt waren die Briten wirklich ärgerlich. Bedroht mit der Todesstrafe, wurde auf Dusquesne eine Hetzjagd eröffnet.
Dem britischen Geheimdienst gelang es einen Komplizen von Dusquesne zu fangen, einen Herrn Bauer. Der packte richtig aus und nannte Dusquesne als Chef des gesamten Sabotagerings. Außerdem identifizierte er zwei von Fritz´ Pseudonymen.

Nun aufgeflogen, setzte er sich nach Buenos Aires ab. Ein paar Wochen später gelang ihm ein weiterer Coup: In der „New York Times“ ließ er am 27.April 1916 verkünden, das Fritz Dusquene als Leiter einer Expedition in Bolivien von wilden Indianern umgebracht worden War. Die Zeitung brachte einen schönen, langen Nachruf. Zwei Wochen später kabelte er nach New York, dass er nach einem heldenhaften Kampf gegen die Indios schwer verwundet von bolivianischen Soldaten gerettet worden war. Da er einen amerikanische Pass hatte, konnte er unbehindert und zum Missfallen der Briten nach New York zurück reisen, wo er im Mai 1916 eintraf. Dort konnte er die Versicherungssummen für all seine „verloren gegangenen“ Mineralienverschiffungen einkassieren. Die USA waren bekanntlich noch neutral und die Briten hatten keine Chancen, ihn zu belangen. Allerdings verzögerten die Versicherungsfirmen die Auszahlungen und unternahmen ihre eigenen Untersuchungen, die zu Dusquesnes Verhaftung wegen Versicherungsbetruges führten.

FORTSETZUNG FOLGT



DUSQUESNE: 3.ZWISCHEN DEN KRIEGEN by Martin Compart
28. April 2017, 6:00 pm
Filed under: Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , ,

Nach seiner Ankunft in den USA schickte das Buren-Netzwerk Fritz Dusquene nach New York. Er arbeitete zuerst als U-Bahnkontrolleur, dann ergatterte er einen Job in der Buchhaltung des „New York Herald“. In den Pausen und bei einigen Gläsern nach der Arbeit unterhielt er die Kollegen mit abenteuerlichen Geschichten aus seinem Leben und bekam schließlich das Angebot, einige für die Zeitung zu Papier zu bringen. Daraus ergab sich 1904 ein Job als Journalist für die „New York Sun“. Zwei Jahre später wurde er Redakteur der Sonntagsausgabe. Bis 1909 arbeitete er für drei große New Yorker Zeitungen.

In diesen Jahren strickte er an seinem Mythos: Angeblich war er vor seiner Ankunft in New York als Kriegskorrespondent in Russland, Mazedonien und Marokko; in Paris angesiedelt als Mitarbeiter von „Le Petit Bleu“. Außerdem wollte er auf Wunsch von König Leopold II. den Kongo bereist haben und von 1904 bis 1906 in Australien an einer Expedition von Sir Arthur Jones teilgenommen haben. Und schließlich wollte er für den Vater seiner späteren Frau, S.S.Wortley, in Britisch Westindien eine Reihe von Theatern errichtet haben. Sein Biograph Art Ronnie fand für keine der Behauptungen einen Beleg. Aber er war sicherlich in der New Yorker Publizistikszene kein Unbekannter.
Er schrieb Abenteuergeschichten für verschiedene Magazine und veröffentlichte drei Romane: einen in der französischen Zeitschrift „Le Perit Bleu“ und zwei in südafrikanischen Verlagen. Er publizierte „True Adventure Stories“ in Pulp-Magazinen, neben Autoren wie Rider-Haggard, John Buchan oder Rafael Sabatini. Außerdem war er Mitbegründer des „Adventurers Club“, der aus etwa vierzig Mitgliedern bestand, alles “adventurers, explorers, soldiers, travelers, filibusters, soldiers of fortune and other kindred spirits”.

Wegen seiner Kriegsverbrechen und der zu erwartenden Strafe, betrat er nie wieder südafrikanischen Boden.

Er wurde zu einer bekannten publizistischen Größe mit abenteuerlichem Flair. Im Januar 1908 lud man ihn sogar ins Weiße Haus ein: Am Ende seiner zweiten Amtszeit angelangt, plante Roosevelt eine zweijährige Jagdsafari in Afrika und er ließ sich zwei Stunden von Dusquene beraten.

1910 wurde er der persönliche Waffenexperte von Theodore Roosevelt, den er auf mehreren Safaris und Expeditionen begleitete.

Als Captain Claude Stoughton tauchte er dann in Australien auf und hielt Vorträge über „seine“ Kriege und Erlebnisse. Er hatte etwas verruchtes und geheimnisvolles, das viele Menschen in seinen Bann zog. Besonders die Damenwelt schien sich seiner Attraktivität nicht entziehen zu können,

Im Juni 1910 heiratete er die Amerikanerin Alice Wortley. Nachdem sie später ihrer Familie erzählte, das Dusquene von ihr mehrere Abtreibungen verlangt hatte, riet ihr diese zur Scheidung. Die Ehe wurde nach acht Jahren geschieden. In dieser Zeit war Dusquene mehr unterwegs, als bei seiner Frau

Während des Burenkrieges hatte Dusquesne den Auftrag, den legendären Amerikaner Frederick Russell Burnham zu töten – was nicht gelang. Burnham kämpfte auf britischer Seite als Kommandeur der Scouts und war für die Buren-Guerilleros ein Hauptfeind. Er war auch später noch für die britische Spionageabwehr tätig und wohl auch auf Dusquene angesetzt.
1910 gab es in den USA eine Fleischknappheit, die zur Gründung der „New Food Supply Society“ durch Burnham und dem Kongressabgeordneten Robert Broussard führte. Sie engagierten Dusquene als Experten. Die Idee war, afrikanische Nilpferde in den Bayous von Louisiane anzusiedeln. Broussard schlug die so genannte „Hippo Bill“ vor, die auch von dem immer noch sehr populären Ex-Präsidenten Roosevelt unterstützt wurde. Der Kongress sollte dafür 250.000 Dollar bewilligen und Dusquene sagte als Experte vor dem Landwirtschaftsministerium aus. Das Unternehmen scheiterte knapp. Mit Burnham sollte sich eine respektvolle Beziehung entwickeln. 1933 schrieb Dusquene in einem Brief:

„To my friendly enemy, Major Frederick Russell Burnham, the greatest scout of the world, whose eyes were that of an Empire. I once craved the honour of killing him, but failing that, I extend my heartiest admiration.
One warior to another“

Der Respekt war gegenseitig. Burnham hatte über ihn geschrieben: „He was one of the craftiest men I ever met. He had something of a genius of the Apache for avoiding a combat except in his own terms; yet he would be the last man I should choose to meet in a dark room for a finish fight armed only with knives. Next to Theron I believe Duquesne the greatest scout the Boers produced.“

Dusquene ging mit Roosevelt häufig auf Jagdausflüge und schrieb darüber schmeichelhafte Artikel, die den Ex-Präsidenten in ein heroisches Licht stellten. 1912 machte er vergeblich Wahlkampf für Roosevelt, der eine dritte Präsidentschaft anstrebte.
Das war sicherlich auch hilfreich für den Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft, die Dusquene 1913 erhielt.

1914 wurde Dusquene Spion für die Deutschen.

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DUSQUENE: 2.BURENKRIEG by Martin Compart
18. April 2017, 5:29 pm
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Die Buren führten zwei Verteidigungskriege gegen die Briten. Davon war der zweite ungleich brutaler. Die britische Gier nach den Bodenschätzen in den Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat war der Hauptgrund für den 2.Burenkrieg, der von 1899 bis 1902 ausgetragen wurde. Es war der teuerste und umstrittenste Kolonialkrieg des Empires. Einige Kontinentalmächte erwogen zeitweilig, auf burischer Seite zu intervenieren. Es scheiterte am „Desinteresse“ Deutschlands. Die Kontinentalmächte belieferten allerdings die Buren mit Waffen – gegen südafrikanisches Gold.

Nachdem Lord Kitchner, einer der brutalsten Heerführer des Empires, im November 1900 das Kommando übernahm, wurde es richtig übel. Er betrieb eine Strategie der verbrannten Erde und setzte Konzentrationslager ein, in die er burische Frauen und Kinder einliefern ließ. Geschätzt 28 000 Frauen und Kinder verhungerten in diesen Lagern. Zum ersten Mal wurden derartige Lager als „Konzentrationscamps“ bezeichnet. Auch wenn sie keineswegs mit den systematischen Vernichtungslagern der Nazis verglichen werden können, sind sie ein weiterer Schandfleck in der Geschichte des britischen Imperialismus. In England wurde der Krieg von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Nur nicht von den linken Bewegungen und der Liberal Party. Einer der prominentesten Gegner des Krieges war Sir Arthur Conan Doyle, der auch ein böses Buch darüber schrieb.


Als der Krieg 1899 ausbrach, kehrte Dusquesne nach Südafrika zurück um für sein Land zu kämpfen. Er wurde in Pretoria als Leutnant im Stab seines Onkels, des Generalkommandanten Piet Joubert eingegliedert. Als Guerilla-Kämpfer war der „schwarze Panther“ in seinem Element und bald bildeten sich Legenden um ihn. So soll er dann auch den legendären Goldschatz der Buren – Oom Krugers Gold – im Juni 1900 versteckt haben, als die Briten ihre Offensive gegen Pretoria eröffneten.
In der für die Buren erfolgreichen Schlacht von Ladysmith im Oktober 1899 erhielt er eine Schussverletzung in der rechten Schulter. Er wurde zum Captain der Artillerie befördert.
Während der ebenfalls für die Buren siegreiche Schlacht von Colenso, die dazu führte, dass die Briten ein weiteres Armeekorps nach Südafrika entsandten, wurde Fritz von den Briten gefangen genommen.

Er wurde als Gefangener nach Durban gebracht, wo er entfliehen konnte. Die erste von mehreren gelungenen Fluchten, für die er berühmt werden sollte. Bei der Schlacht von Bergendal kämpfte er bereits wieder, Aber seine Truppe musste sich vor den zunehmend überlegenen Briten zurückziehen. Sie mussten sogar die Grenze nach portugiesisch Ostafrika überschreiten. Dort wurden sie von den Portugiesen festgesetzt und in das Internierungslager Caldas de Reinha in der nähe von Lissabon verfrachtet. Sein Biograph Ronnie sieht das als den entscheidenden Punkt in Dusquesnes Leben:“ life would never again be the same for him … In a few months he would be launched on a forty-year career as a professional spy and counterfeit hero – a man who would constantly reinvent himself to suit the needs of the moment.“

Im portugiesischen Lager becircte er die die Tochter eines Wächters so intensiv, dass sie ihm half zu fliehen (was mag aus dem armen Kind geworden sein?). Über Paris ging er nach Aldershot, England. Er schaffte es, in die britische Armee zu kommen (wohl da der Krieg Fachkräfte aufzehrte) und wurde als Offizier nach Südafrika versetzt.

Mit seiner britischen Truppe kam er auch nach Nylstroom. Dort sah er die völlig zerstörte heimatliche Farm. Auch sie war Kitchners und Roberts Strategie der verbrannten Erde zum Opfer gefallen. Aber er erfuhr noch schlimmeres: Seine Schwester war während des Überfalls vergewaltigt und ermordet worden. Seine Mutter starb in einem Konzentrationslager. Das veränderte sein Leben verständlicherweise. Bis zum Rest seiner Existenz brannte in ihm ein unbändiger Hass auf die Briten. Oder wie es sein erster Biograph Clement Wood ausdrückte: Dusquene wurde „a walking living breathing searing killing destroying torch of hate“.

Trotzdem schaffte er es, sich zusammen zu reißen und seine Maskerade als britischer Offizier aufrecht zu halten. Er kehrte mit seiner Truppe nach Kapstadt zurück. Heimlich rekrutierte er eine Gruppe von 20 Buren mit dem Ziel, Kitchner zu töten und die wichtigsten strategischen Anlagen der Briten hinter den Linien zu sabotieren. Der Plan sollte am 11. Oktober 1901 mit der Ermordung Kitchners anlässlich eines Dinners zu Ehren des Gouverneurs der Kapkolonie, Sir Walter Hely- Hutchinson, anlaufen. Zu Dusquesnes Unglück wurde alles von der Ehefrau eines Mitverschwörers verraten. Er wurde in seiner dem Anlass entsprechenden Galauniform verhaftet und umgehend wegen „Verschwörung gegen die Krone und Spionage“ verhaftet. Er wurde als Angehöriger der britischen Streitkräfte (und nicht als Spion der Buren) vor Gericht gestellt. Seine zwanzig Mitverschwörer wurden zum Tode verurteilt und einen Tag später erschossen. Auch Dusquene erhielt das Todesurteil. Aber man bot ihm einen Deal an: Lebenslänglich wenn er die Geheimcodes der burischen Kommunikationsnetze übersetzte und entschlüsselte. Er ging darauf ein. Bis zum Ende seines Lebens behauptete er, die Buren nicht verraten zu haben und stattdessen die Briten mit Fehlinformationen und erdachten Codes in die Irre geleitet zu haben. Er wurde in der Festung „Castle of Good Hope“ in Kapstadt eingekerkert. Die Wände dieser 1666 von den Holländern erbauten Feste waren besonders dick. Mit einer Gabel kratzte Dusquene Nacht für Nacht die Zwischenräume der mächtigen Steine frei, bis er einen Fluchttunnel  fertig gestellt hatte. Die Flucht wäre fast gelungen, als ein großer Stein verrutschte und ihn einklemmte. Am Morgen fanden ihn die Wärter besinnungslos aber unverletzt.

Daraufhin verfrachtete man Fritz auf die nordatlantischen Bermudas in ein Gefangenenlager, in dem schon über 4000 Buren untergebracht waren; der Jüngste war sechs Jahre alt, der Älteste achtundsiebzig. Fünf der Inselkette dienten als Gefängnisinseln. Die von Haifischen umschwommenen Inseln bargen die Hochsicherheitsgefängnisse ihrer Zeit und waren so genannte „Casemates Prison“, in denen die Gefangenen in Zelten oder primitiven Hütten hausten, die mit Stacheldraht eingezäunt waren. Dusquesne kam auf Burt´s Island, etwa 2,5 Kilometer von der Hauptinsel mit der Hauptstadt Hamilton entfernt.

Er gab sich als Amerikaner aus und nahm Kontakt mit dem Befreiungs-Komitee der Buren auf. In der Nacht des 25.Juni 1902 schlich er aus seinem Zelt, überwand den Stacheldraht zum Strand und schwamm, unbemerkt von Wachbooten, zur Hauptinsel. Ein Leuchtturm diente ihm als Orientierung. Er versteckte sich bei Anna Maria Outerbridge, einer Leiterin des Komitees. Sie schleuste ihn zum Hafen von St.George´s, wo er von Captain W.E.Meyer übernommen wurde. Der nahm Kontakt mit einem deutschen Schiff auf und eine Woche später dampfte Fritz in Richtung USA nach Baltimore.


Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend

Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

FORTSETZUNG FOLGT



MiCs Tagebuch: BLACK SAILS – Staffel 3 by Martin Compart
16. März 2017, 8:57 am
Filed under: Black Sails, Politik & Geschichte, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Nach zwei Staffeln hat Black Sails in der 3. seinen Rhythmus gefunden. Wendungen ohne Ende, stringent und temporeich erzählt, entsteht richtig Sog. Herrlich, wie die Macher mit immer gleichen dramaturgischen Techniken, die Geschichte vorantreiben. Als Zuschauer muss ich langsam auf die Bremse treten. Nur noch drei Folgen der 3. vor mir und die 4. braucht noch vier bis zum Ende. >Am 01. April läuft das Serienfinale, dann ist Finito. Und für mich geht‘s mit Staffel 4 weiter. „The villain makes the story”, lautet die Ansage der Schreiber, der Bösewicht macht die Geschichte aus, woraufhin jede Folge sich bemüht, diesem Diktum Rechnung zu tragen. Black Sails ist spannend und transparent zugleich. Die Autoren lassen sich ständig beim Handwerk zuschauen.

Zur politischen Dimension:
Nassau als Zentrum einer freien Gemeinschaft, die sich gegen die Knechtschaft Englands stellt, Frauen, Ex-Sklaven und freie Piraten, auf der Suche nach einer gleichberechtigten Form des Zusammenlebens, Basisdemokratie – alles schön und gut – die treibende Kraft ist jedoch immer der Schatz, der ständig wieder in den eigenen Besitz gebracht werden muss, weil Geld allein die Freiheit und Unabhängigkeit ermöglicht. So gesehen, geht es um einen gesellschaftlichen Gegenentwurf zum Feudalkapitalismus: um die persönliche Freiheit und die Verteilungsfrage. Diese stellt sich im Wesentlichen nur für die Piraten – sie haben genaue Regeln für das gleichberechtigte Miteinander freier Männer. Die Entertainment- und Zulieferbranche Nassaus ist nach dem Eigentümer-Prinzip von Anfang an viel “bürgerlicher” organisiert. Trotzdem sind in der Serie alle Kapitalisten, sie leben vom freien Unternehmertum, die meisten allerdings in der selbstausbeuterischen Form einer Ich-AG. Einzig der Körper ist ihr Kapital, ob als Pirat, als Arbeiter oder als Nutte. (Obwohl Letztere eine strenge Madame und klare Vorgaben haben.)
Die Dekadenz der neuen freien Gesellschaftsordnung zeigt sich bereits, als Jack Rackham das Fort zur Verteidigung Nassaus wieder aufbauen will und die „freien Leute” für viel Geld so wenig arbeiten, dass befreite – besser erbeutete – Sklaven sie ablösen müssen, damit es voran geht. Ein veritables Spiegelbild unserer Zeit: Die Drecksjobs machen immer die Immigranten. (Seit „Onkel Tom” Ben Carson wissen wir, auch Sklaven waren lediglich Immigranten, die von einer besseren Zukunft in Amerika geträumt haben.)

Das gesellschaftliche Experiment wird auch in dieser Serie nicht den “Tag danach”, was nach dem Sieg geschieht, erzählen. Denn es wird keinen Sieg geben. Die Geschichte geht immer gleich aus. Am Ende werden die Bemühungen scheitern und Nassau den Engländern anheim fallen, selbst wenn Black Sails das nicht klar zeigen sollten. (Der jetzige neue Gouverneur ist ja eine historische Figur und war wirklich der 1. Gouverneur der Bahamas. Das „Voyage-Buch“ hat er auch tatsächlich geschrieben. Schön wie Stevensons Fiktion mit realer Historie verbunden, ich möchte beinahe sagen, verankert wird.) Damit erzählt Black Sail, wie Spartakus ebenfalls von Starz, am Ende immer gescheiterte Kämpfe gegen eine bestehende Ordnung. Wir lieben Helden, die Scheitern, ob ihres Mutes und ihres unermüdlichen Anstemmens gegen die Mächte des Bösen. Am Schluss unterliegen sie natürlich, wie auch wir tagtäglich unterliegen. Im Gegensatz zu ihnen sind wir aber nicht einmal zum Kampf angetreten. Unser einziger Kampf ist das Ringen mit der Fernbedienung und dem Verlangen, die nächste Folge nur nicht zu schnell zu schauen, weil dann immer weniger Folgen übrig bleiben.

Serien wie Black Sails, erleichtern uns um den eventuell noch vorhandenen Restwiderstandswillen. Der Kapitalismus unterhält und amüsiert uns Zuschauer, in dem er uns die eigene Passivität unter die Nase reibt und dabei zugleich ein „Wohlfühlgefühl” vermittelt, weil wir die kleinen Schimmer der Wirklichkeit in der Serie als Erkenntnis ausmachen und uns in unseren Ansichten bestätigt sehen. Diejenigen Zuschauer, die von Bildung völlig unbeschlagen, Black Sails ohne historischen Ballast anschauen, werden durch touristische Exotik, Sex, Gewalt, große Gefühle und schöne Menschen mit makellosen Kauleisten (wie dumpfe deutsche Kritiker mit Kopfschütteln monierten) bei Laune gehalten. Ein Serien-Produkt für Jedermann: Black Sails bereitet auch ohne Reflektion Freude. Tiefere Überlegungen können, müssen aber nicht angestrengt werden.

MiC, 15.03.17



Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend by Martin Compart
10. März 2017, 2:23 pm
Filed under: Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , , ,

Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

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