Martin Compart


MiCs Tagebuch Juni 2018: RUDELBILDUNG VOR DEM KASSENHÄUSCHEN by Martin Compart

Das schöne am Deutschen ist seine Verrücktheit, mit der in diesem Land niemand alleine bleibt, weil sich immer einer findet, der einen versteht, wie Heinrich Heine einst sinngemäß schrieb. Echt tröstlich. Hierzulande werden die Klimaziele ebenso wenig erreicht, wie die Elektrifizierung des Automobilverkehrs, am „Dieselbetrug“ (der ein terroristischer Giftanschlag mittels Stickoxyden ist) sind – was Wunder – sämtliche deutschen Hersteller beteiligt, hierzulande finden Insekten vernichtende Pflanzengifte weiterhin ungehindert Verwendung, haben nur 8% der Gewässer unbelastetes Wasser, und was ereifert das Volk? Die Migranten. Zumindest wenn man den Hetzern wie Gauland, Söder und Co. Glauben schenken will. Verrückt was?


Der Seehofer Horst hat sogar einen „Masterplan Migration“ entworfen (den keiner zu kennen scheint). Klingt dem Heimatminister vielleicht „Meisterplan Flucht und Vertreibung“ zu albern?

Die Kleinhirne der Nation stehen unter Druck, es muss gehandelt werden, die Zeit drängt.

In Bayern wird schließlich um die Existenz der CSU gerungen, hierzu ist dem verfetteten Ministerpräsidenten-Strizzi jedes Mittel recht. Bemerkenswert, dass die Heuchler von rechts immer ihre vermeintliche Frömmigkeit vorschieben, wenn sie stramm das christliche Gebot der Barmherzigkeit verweigern. Im Buhlen um des Volkes Gunst schleudert die Fascho-Front den „Migranten-Horden“ (welche neuerdings wieder den Landweg über Albanien dem Absaufen im Mittelmeer vorziehen) lautstark „vade retro, satana“ entgegen. Denn das Pack tummelt sich unablässig vor dem Kassenhäuschen und will hinein, in unser „christlich-jüdisches“ Werte-Paradies. Selbst das neue kreuzfröhliche Abschreckungssymbol unserer Willkommenskultur in jedem bayrischen Ankerzentrum, stoppt sie nicht. Das haben wir nun von unserem hart ergaunerten Handelsüberschuss.

„Auf Deutscheland isse Superland“, stehen halt nur jene, die Dank Globalisierung, Kriege mit westlichen Waffen, konsumbedingte Klimakatastrophe und Wohlstandsgefälle unbedingt hierher müssen. Nur diese begeisterten Massen wollen wir nicht. Darin sind sich die Demokraten aller Coleur einig. Die sabbernde Hyäne der AfD lässt sich „von denen nicht unseren Wohlstand wegnehmen“, und die Sprechkröte der SPD findet: „Zu einer Willkommenskultur gehört auch eine schnelle Abschiebung im Ablehnungsfall.“ Beeindruckend, wie viel Blödsinn sich in einem einzigen Satz schachteln lässt. Die Aufschiebe-Kanzlerin hofft auf eine Einigung in Europa und insgeheim auf ordentliche Fangzäune in Afrika, in denen sich möglichst viele Wanderlustige auf ihrem Weg nach Norden verheddern. Der Rest wird mit Waffengewalt gestoppt. Wozu haben wir schließlich die Bundeswehr? Der deutsche Wohlstand wird in Afrika verteidigt.

Das Pumuckel der deutschen Intellelllen.

In Wahrheit geht es gar nicht um Migranten, sondern um Identität, konstatiert Großdenker Ulrich Wickert. Es geht um deutsche Kultur und deutsche, ja europäische Werte, die andersdenkende Einwanderer bedrohen, legt der verlogene Privatnuschler Rüdiger Safranski nach. Ein intellektueller Tiefflieger, der eigenen Worten zufolge, „geistig im 19. Jahrhundert verankert ist“. Doch diese ewig gestrigen Herrschaften täuschen sich. In unserer Konsumgesellschaft geht es einzig um einen Wert: um freiverfügbares Einkommen. Und das will niemand teilen. Mit Fremden schon gar nicht. Dabei freut sich die deutsche Wirtschaft über jeden Billiglöhner und Berufsgruppen mit „Nachwuchsproblemen“ begrüßen jeden kostengünstigen Arbeitswilligen. Denn für den Profit der Eigentümerklasse darf sich jeder abmühen. Der Rest möge bitte schön fern bleiben.

Unsere „klassenlose“ Gesellschaft steckt tief im Klassenkampf. Zum Erhalt unseres auf Ausbeutung und Zerstörung beruhenden Wirtschaftssystems braucht es Opfer. Da kommt den verblödeten, verängstigten, abstiegsbedrohten oder schon abgestiegenen Schichten die Bodensatzklasse genau richtig. Solange es jemanden gibt, den man hassen und verachten, ausgrenzen und vertreiben kann, besteht schließlich noch Hoffnung. So sind wir alle in Niedertracht vereint. Habe die Ehre.

MiC, 21.06.18

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KATANGA by Martin Compart
18. Mai 2018, 12:22 pm
Filed under: Afrika, CIA, Conspiracy, Politik & Geschichte, Rezensionen, Söldner | Schlagwörter: , , , , ,

„Ist eine Nonne unter ihnen, die vergewaltigt wurde und Englisch spricht?“

…fragte TIME-Journalist Edward Behr nach der Befreiung von Stanleyville und brachte so einen Großteil der aktuellen Kongo-Berichterstattung auf den Punkt.

Die Unabhängigkeit des Kongo war eine Frühgeburt, bzw. eine Fehlgeburt ohne Schwangerschaft (denn die Kolonialmacht Belgien, die Anspruch auf den Titel dümmste und brutalste Kolonialmacht gewesen zu sein, hat, „entließ“ das Land völlig unvorbereitet mit gerade mal 14 universitär ausgebildeten Einheimischen formal aus seiner Knechtschaft).

Der „Wind of Change“, den Premierminister Harold Macmillan 1960 für Afrika verkündete, meinte wohl im übertragenen Sinne, dass die Europäer von Sklavenarbeit in die günstigere Tageslohnarbeit wechseln würden. Ein millionenschwer finanzierter und kontrollierbarer Despot, der mit eigenen Mitteln sein Volk ausbeutet, ist für die milliardenschweren Wirtschaftsinteressen der Europäer und Amerikaner (inzwischen auch der Chinesen) weitaus kostengünstiger als der Unterhalt von Kolonien.

Das alles begann mit der „Unabhängigkeit“ des Kongo, oder wie es Christopher Othen so treffend ausdrückt: „The events of 1960 are the ground zero of CIA-sponsored African dictatorships, private military contractors, conflict diamonds and global corporations picking clean the bones of Third World Countries



Christopher Othen

Katanga 1960-63: Mercenaries, Spies and the African Nation that Waged War on the World

The History Press Ltd; 2015. 256 Seiten

Othen nutzt bisher nicht erschlossene Quellen, die er persönlich ermittelt hat (so tauchen häufig seine E-Mail-Wechsel in den Fußnoten auf) um im Detail Aspekte von Kampfhandlungen oder persönliche Umstände herauszuarbeiten, die das Gesamtbild näher an den Leser heranbringen. Das gibt dem Buch über die genaue zeitgeschichtliche Darstellung hinaus eine zusätzliche Dimension.

Des weiteren nutzt er Material, dass viele Historiker vernachlässigen, da sie sich dafür zu fein sind und es nicht mal mit spitzen Fingern anfassen; etwa die Erinnerungen von Söldnern (dabei sind gerade diese subjektiven Wahrnehmungen, im richtigen Kontext gestellt, äußerst erhellend).

Auch da wo es richtig weh tut, ist Othens Buch genauer als vergleichbare: Er blendet die schwer begreifbaren Gräuel nicht mit einem so beliebten „Erwähnungssatz“ aus, sondern lässt Betroffene und Zeugen zu Worte kommen.
Was mir bisher in diesem Ausmaß neu war: Die sonst erst im Zusammenhang mit dem Simba-Krieg beschriebenen Kindersoldaten (Jeunesse) spielen bereits in dieser frühen Phase eine unheilvolle instrumentalisierte Rolle.

Der Autor schildert viele unbekannte Anekdoten. Etwa die über belgische Nazis, die sich trotz der offensichtlichen Wirtschaftsinteressen ihres Landes gegen Tschombe wenden, da sie einen Schwarzen nicht als Oberhaupt eines/ihres Landes ertragen mögen.

Othen bemüht sich natürlich um Objektivität, aber die Fakten verdeutlichen nun mal das schmutzige Geschäft und die schändlichen Eigeninteressen aller Beteiligten. Hier gibt es keine „Guten“, nur böse und hässliche.

Christopher Othen hat als Journalist gearbeitet und lebt zur Zeit als Englischlehrer in Warschau. Er hat ein Händchen für ungewöhnliche Themen und zeithistorische Lücken. In LOST LIONS OF JUDAH berichtet er über die ausländischen Söldner, die Haile Selassie im Krieg der Äthiopier gegen Italien unterstützten (darunter extrem interessante und durchgeknallte Charaktere).

Christophers Blog:

https://christopherothen.wordpress.com/

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Für die Verlogenheit und Dämlichkeit der Katanga-Sezessionsberichterstattung ist diese „Doku“ im Auftrag der John Birch-Society ein erquickendes Beispiel:

siehe auch: https://martincompart.wordpress.com/2015/05/15/washingtons-soldner/



KLASSIKER DES NOIR-ROMANS: DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET von YUKIO MISHIMA by Martin Compart


„Zu meinen unabänderlichen Überzeugungen gehört der Glaube, daß das Alter unendlich häßlich und die Jugend unendlich schön ist. Die Weisheit der Alten ist unendlich trübe, die Taten der Jungen unendlich durchsichtig.“

Yukio Mishima im Nachwort zur Aufstand-Trilogie (Ni Ni Roku)

Diese barbarische Haltung verdeutlicht Mishima u.a. in dem höchst verstörenden Noir-Roman DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET (GOGO NO EIKO, 1963).

Die schöne junge Witwe Fusako aus Yokohama verliebt sich in den Seemann Ryuyi. Ihr dreizehnjähriger Sohn Noburu, der unter dem intensiven Einfluss des Bösen-Buben-Bosses der sechsköpfigen Kinderbande und dessen pubertären Nihilismus steht, bewundert Ryuyi zunächst als Helden des Meeres. Nachdem dieser jedoch der „See abschwört“ und zum neuen Vater zu werden, droht, beschließt die Bande ihn zu töten.


https://www.amazon.de/Seemann-die-See-verriet-Roman/dp/349915823X/ref=sr_1_6?ie=UTF8&qid=1523360115&sr=8-6&keywords=yukio+mishima

Es war einer der Lieblingsromane von David Bowie und Hans Werner Henze vertonte ihn2003 zu seiner Oper DAS VERRATENE MEER. Lewis John Carlino (Autor von THE MECHANIC) verfilmte ihn 1976 mit Sarah Miles und Kris Kristofferson.

In den USA würde man den Roman vielleicht sogar dem Genre der juvenile deliquents- novel zuordnen (das sich in den 1950er Jahren entwickelte und auch noch 1963, als Mishimas Roman erschien, einer gewissen Beliebtheit erfreute.

Andererseits wurde dem Buch unterstellt, es erzähle eine Geschichte, die sich aus kulturellen Traditionen speise, die dem westlichen Leser unzugänglich seien:

„Diese ‚Fallgeschichte‘ Aus Japan thematisiert die Mechanismen der Anpassung, die Triebregungen und Wünsche, das Realitätsprinzip einer mittelständischen Kleinfamilie. Ich begann darüber nachzudenken, ob ihr Drama, die Tat des kleinen Jungen, der seinem Vater den Verrat an den traditionellen, männlich-heroischen Idealen nicht verzeihen kann, auch in unserer Gesellschaft vor stellbar wäre. Ich bin der Überzeugung, daß Mishimas Geschichte sich nach eigenen Gesetzen vollzieht, die außerhalb der für uns geltenden Normen liegen. Sie wurzeln in einer rauschhaften Heldenkultur, wie wir sie so in Europa nicht kennen. Die Geschichte vom ‚Seemann, der die See verriet‘ bleibt gebunden an eine Dimension des Unfaßbaren und bereit eine Skala uns unbekannter, von uns nicht gelebter Gefühlsmuster aus“ (Gisela von Wysocki).

Demgegenüber lässt sich einwenden, dass die widerwärtigen Kinder (die in der furchtbarsten Szene des Buches eine kleine Katze töten und sezieren um ihr eigenes Mitleid auszurotten) generell (und nicht nur in japanischer Tradition) kulturelle Entwicklungen symbolisieren, die Empathie und Solidarität bewusst auslöschen (auch darin ist dieser Roman wieder hochaktuell).

Oder wie es DER SPIEGEL bei dem Erscheinen der deutschen Erstausgabe formulierte: „Der Japaner Mishima, 44, wiederholt als ein Anwärter auf den Nobelpreis genannt, hat schon manches Sujet der europäischen Literatur in japanische Hintergründe verarbeitet. In seinem für Deutschland neuen Roman, einem ästhetizistisch arrangierten Thriller von Liebe und Tod, behandelt er ein Thema, von dem traditionsbewußte Japaner sagen, es sei ebenfalls aus dem Westen importiert: den Generationskonflikt.“

Ein Thema ist auch die Aufgabe pubertärer Allmachtphantasien in Form von Heldenträumen um ein kleinbürgerliches Leben zu führen. Dies ist die See, die der Seemann verrät. Deshalb verurteilen die Kinder ihn zum Tode, denn er hat die Ideale der Kindheit verraten, deren Nihilismus erschreckende Ähnlichkeiten mit der Ideologie des fanatisierten Jungvolks im 3.Reich aufweist.

Durch den Text schwingt auch Mishimas Zorn auf die Väter-Generation, die den Krieg verloren hatte und sich statt „ehrenvoll“ zu opfern, sich einer ehrlosen Kapitulation hingab, die das japanische Reich für den barbarischen Coca Cola-Kapitalismus unterwarf.

„…Einen gerechten Vater kann es gar nicht geben, weil schon die Rolle des Vaters eine Form des Bösen ist. Strenge Väter, nachsichtige Väter, nette, gemäßigte Väter – einer ist so schlecht wie der andere. Sie stehen uns im Weg und versuchen, uns mit ihren Komplexen zu belasten, mit ihren unerfüllten Wünschen, ihrem Groll, ihren Idealen, ihren Minderwertigkeitskomplexen, die sie nie jemanden anvertrauen konnten, mit ihren Sünden, ihren kitschigen Träumen, ihren Geboten, an die sie sich niemals gehalten haben, weil ihnen der Mut dazu fehlte…. Die Väter sind die Schmeißfliegen dieser Welt. Sie liegen auf der Lauer, bis sie an uns etwas Faules entdecken, auf das sie sich stürzen können. Dreckige Fliegen sind sie, die überall ausposaunen, dass sie mit unseren Müttern geschlafen haben. Wenn es darum geht, unsere absolute Freiheit und unser Können zunichte zu machen, schrecken die Kerle vor nichts zurück. Sie denken nur daran, die schmutzige Stadt zu beschützen, die sie sich erbaut haben.“

Mishima veröffentlichte den Roman zu einer Zeit, als er von westlichen Lesern zögernd entdeckt wurde (die ihn aber schnell zum Kandidaten für den Literaturnobelpreis erkoren), in Japan aber sehr viele Leser verlor. Damals wurde er nicht als das atemberaubende Meisterwerk bewertet, als das es heute gilt:

„Mishima’s greatest novel, and one of the greatest of the past century“ (The Times)

„Explores the viciousness that lies beneath what we imagine to be innocence“ (Independent)

„Told with Mishima’s fierce attention to naturalistic detail, the grisly tale becomes painfully convincing and yields a richness of psychological and mythic truth“ (Sunday Times)

„Coolly exact with his characters and their honourable motives. His aim is to make the destruction of the sailor by his love seem as inevitable as the ocean“ (Guardian)

„Mishima’s imagery is as artful as a Japanese flower arrangement“ (New York Times)

Erstaunlich und verblüffend, dass weder Marguerite Yourcenar noch Hans Eppendorfer oder Henry Scott Stokes in ihren Büchern über Mishima auf diesen Roman eingehen, der in seinem komplexen Gesamtwerk eine besondere Stelle einnimmt. In seiner dystopischen Seelenbeschreibung geht er weit über Noir-Autoren wie Jim Thompson oder Tim Willocks hinaus. Gesehen als Noir-Roman, ist er verstörender und erschreckender als jeder andere Noir-Roman, den ich kenne. Literarisch kann ihm sowieso kaum einer das Wasser reichen.

Es gibt Passagen und Momente, da könnte man glauben, sie seien von Patricia Highsmith im Sake-Rausch geschrieben sein.

Yukio Mishima (1925-70), der wie kein anderer für die Traditionen des Kaiserreichs und der Samurai-Kultur steht, galt auch als der westlichste unter den japanischen Schriftstellern. Sicherlich, weil er durch die leicht wahnsinnige Großmutter isoliert von Gleichaltrigen aufwuchs und seine Zeit vor allem mit der Lektüre westlicher Autoren verbrachte (Rilke. D´Annunzio, Radiguet, Gide, Oscar Wilde und Thomas Mann). Aus dem weichlichen Knaben formte Mishima bewusst einen homosexuellen Samurai mit dem Körper und den Fähigkeiten eines Kriegers. 1970 beging er öffentlich Seppuku, nachdem er mit Getreuen seiner Schildgemeinschaft vor Soldaten eine Rede zur Rettung der japanischen Seele gehalten und zum Putsch gegen die Verfassung, die eine offizielle Armee verbot, aufgerufen hatte.

Nach Arnold Toynbee hatte Asien im 19. Jahrhundert nur zwei Möglichkeiten: durch Verwestlichung zu überleben oder im Widerstand dagegen unterzugehen. In der Meiji-Ära (1868 bis 1912) wählte Japan den ersten Weg, industrialisierte das Land, wechselte vom Feudalsystem zu einer zentralistisch organisierten Regierung und schuf eine nationale Armee. Leidtragende dieser Entwicklung waren die Samurai. Etwa 40 000 von ihnen rebellierten 1877 gegen die Regierung. Erst nach achtmonatigem Kampf wurden sie von der Armee besiegt.

Eine Hundertschaft nationalistischer Samurai griff während dieser Rebellion eine Militärkaserne nur mit Schwertern und Speeren bewaffnet an. Die Soldaten schossen sie mit vom Westen importierten Gewehren nieder, die Überlebenden begingen Harakiri. Diese Tragödie spielte in Mishimas geschichtspolitischem Verständnis eine zentrale Rolle. Der rasend schnelle Umbruch vom Mittelalter ins Industriealter war wohl auch mitverantwortlich für die hohe Selbstmordquote unter japanischen Schriftstellern des 20.Jahrhunderts.

P.S.: Mishima war ein großer Katzen-Fan, der seinen Katzen auf Reisen Postkarten schickte und im Postskriptum seinen Vater eindringlich ermahnte, freundlich zu ihnen zu sein. Der Vater berichtete später: „Manchmal arbeitete er stundenlang mit einer Katze auf den Knien. Mich hätte das verrückt gemacht.“ Mishima: „Du musst einen Hundeverstand haben, Vater. Du hast eben keine Ahnung von der zarten Psyche einer Katze.“





DER FRANZÖSISCHE SCHRIFTSTELLER JEAN LARTÉGUY UND DAS ENDE DER KONVENTIONELLEN KRIEGSFÜHRUNG by Martin Compart

In der angelsächsischen Welt wird Jean Lartéguy mit THE CENTURIONS und mehreren Penguin-Ausgaben gerade wiederentdeckt. Bei uns war er nie annähernd so populär wie in England, den USA oder in den romanischen Ländern. Lediglich acht Bücher von über 50 wurden ins Deutsche übersetzt. Seine Wiederentdeckung, die einiges dem US General David Petreaus verdankt, hat vor allem politische und militärische Gründe und weniger literarische.

Afghanistan oder Irak haben einmal mehr bewiesen, dass eine Supermacht wie die USA dazu in der Lage ist, einen Krieg dank überlegener Tötungstechnologie zu gewinnen, aber die besiegten Gebiete oder Völker nicht dauerhaft zu unterdrücken.
Eine Erfahrung, die sich durch die Kriege nach dem 2.Weltkrieg fast durchgehend bestätigt hat. Westliche versuchte Lösungen sind beständige militärische Präsenz, Drohnenkriege, Kommandounternehmen, eigene Guerilla-Kombattanten in Form der Special Forces – und Folter.

Der erste Schriftsteller der sich damit auseinandergesetzt hat, war der Franzose Jean Lartéguy, beginnend mit seinem Bestseller LES CENTURIONS, 1960. Darin thematisierte er erstmals das „ticking-bomb-scenario“, das Folter rechtfertigt, um ein größeres Unheil für die Besatzer abzuwenden.

Dazu Niels Werber über eine Strategie, die von Lartéguy bis zur TV-Serie „24“ führt um Folter zu legitimieren:

Es ist die Unmittelbarkeit der Gefährdung, die Normbrüche rechtfertigt, und dieser Ausnahmezustand wird medienrhetorisch über das „ticking bomb“ Szenario hergestellt. Wir alle wüssten doch, dass die Bombe bereits tickt und großangelegte Attacken unmittelbar bevorstünden. Obwohl aus allen Operationen des War against Terror seit sechs Jahren kein einziges Beispiel für dieses Szenario benannt werden kann, liefern die tickenden Bomben jene certain exceptional circumstances in which there is a strong case for overriding the norm.´ Tatsächlich handelt es sich um eine literarisch-cineastische Fiktion, die weltweit etablierte kulturelle Errungenschaften einreißt und Unterschiede zwischen Politik und Recht, Krieg und Frieden, Kombattanten und Zivilisten, Front und Etappe, Militär und Polizei, Norm und Ausnahme aufhebt. Denn das „Ticking Bomb“-Szenario ist eine literarische Erfindung, die inzwischen eine großartige massenmediale Karriere gemacht hat.
1960 veröffentlicht ein ehemaliger Kämpfer der französischen Resistance, der nach dem Weltkrieg die französischen Kolonialkriege in Indochina und Algerien mitgemacht hat, den Roman „Les Centurions“.8 Das Buch wird zum internationalen Bestseller mit Millionenauflage. 1966 wird es von Hollywood mit Starbesetzung (Anthony Quinn, Alain Delon, George Segal, Claudia Cardinale…) verfilmt.


Die Protagonisten sind Fallschirmjäger, die in Vietnam die asymmetrische Kriegsführung der Guerilla kennengelernt haben und nun in Algerien, damals noch ein integraler Teil Frankreichs und damit Inland, die Konsequenzen ziehen. Die Lage Algeriens in den 1950er Jahren erinnert an die Situation der Koalitionstruppen im Irak oder der ISAF/OEF in Afghanistan: Die Franzosen befinden sich auf feindlichem Boden und kämpfen gegen einen entschlossen wie unsichtbaren Feind, der keine Uniformen trägt und der mit allen Mitteln versucht, die französische Besatzung und Besiedelung ihres Landes zu beenden: Zivilisten und Polizisten werden überfallen, zivile wie staatliche Einrichtungen attackiert, Grausamkeiten wie Enthauptungen, Verstümmelungen und Vergewaltigungen werden verübt. Die Front de Libération Nationale lässt sich auf einen regulären Krieg nicht ein, sondern führt einen Partisanenkrieg gegen alles Französische. In dieser Lage greift die 10. Fallschirmjäger Division in den Kampf ein. Die Paras in Lartéguys Roman hissen den schwarzen Wimpel der Piraten (S. 350, 368), sagen sich von allen rechtlichen, politischen, moralischen Bedenken los (S. 507), führen eine neue netzwerkartige Organisation mir flachen Hierarchien und größter operativer Selbstständigkeit der einzelnen Einheiten ein und beginnen selbst einen irregulären Krieg gegen die Nationale Befreiungsfront. Vom „Gegner“ lernen, heißt die Devise (S. 365). Die Truppen üben nach Attentaten Vergeltung an Zivilisten, sie nehmen Massenverhaftungen und Verhöre ohne Rechtsgrundlage vor, exekutieren Verdächtige und verwandeln Algerien in ein zweites Vietnam. Dieser terroristische Anti-Terror-Kampf zeitige, wie Jerome Slater betont, außergewöhnlichen Erfolg:

`There is little doubt, for example, that in the 1950s, the French torture of Algerian captives temporarily succeeded in destroying the underground movement.´

Ohne jeden Beleg, ohne Quellen zu nennen, behauptet Slater, es sei die Folter gewesen, mit der die Fallschirmjäger die Initiative zurückgewonnen hätten, denn nur durch die durch Folter gewonnenen Informationen sei es möglich gewesen, eine Geheimorganisation zu zerschlagen, deren Mitglieder französische Staatsbürger in bürgerlichen Berufen sind, die tagsüber die Lage erkunden und nachts Bomben legen oder Überfälle vornehmen.

Der Höhepunkt des Romans von Larteguy, der inzwischen selbst in der Ticking-Bomb-Debatte zum Topos geworden ist, stellt die extralegale Verhaftung eines wichtigen Mitglieds der FLN dar. „Wir sind nicht hier, um Verfahrensfragen zu regeln, sondern um zu kämpfen“, erläutert der Kommandeur der Truppen. „Wir müssen außerhalb jeder Legalität und jeder konventionellen Methode dieses Unternehmen wagen.“ Alles muss in völliger Geheimhaltung ablaufen, um zu verhindern, dass das „Problem internationalisiert“ wird und die UNO oder das ICRC „Beobachter“ schickt. Es dürfe kein Krieg sein, der die FLN zu einer Armee aufwerten und ihre Kämpfer mit Rechten ausstatten würde, sondern ein „Kampf“, der „um jeden Preis gewonnen“ werden müsse (S. 519). What ever it takes, die Devise Jack Bauers…
(Niels Werber: Tickende Bomben. Unser Weg in den Nicht-Krieg. https://www.boell.de/sites/default/files/assets/boell.de/images/download_de/bildungkultur/SS05_Niels_Werber_Tickende_Bomben.pdf )

Jean Lartéguy wurde als Jean Pierre Lucien Osty 1920 in Maisons-Alfort geboren; er starb 2011 im Hôtel des Invalides in Paris.

Er war ein vom Militär geprägter Journalist und Schriftsteller, der vor allem von den (De-)Kolonialkriegen Frankreichs geprägt war und diese in seinem Werk thematisierte. Seine berühmtesten Romane, DIE ZENTURIONEN, DIE PRÄTORIANER und DIE GRAUSAMEN TRÄUME gelten in Frankreich auch als Schlüsselromane, da mehrere Protagonisten und Handlungsträger auf realen Personen erkennbar basieren.
Er war der erste Autor, der sich sowohl journalistisch wie auch fiktional mit dem asymmetrischen Krieg auseinandersetzte, damals noch revolutionärer- oder Guerilla-Krieg genannt.

Ich wurde in eine dieser armen Bergbauerfamilien hineingeboren, deren Namen man auf Kriegsdenkmälern findet, aber nie in Geschichtsbüchern.“ Vater und Onkel kämpften im 1.Weltkrieg. Er studierte in Toulouse Geschichte, als er sich 1939 nach Ausbruch des 2.Weltkriegs zu den Waffen meldete. 1942 floh er nach Spanien, wurde dort für neun Monate interniert bevor er sich der Armee des freien Frankreichs anschließen konnte. Er diente in der 1er groupe de commandos bei Kommando-Unternehmen in Nordfafrika und Italien und kämpfte während der Befreiung in Frankreich und rückte mit nach Deutschland vor. 1946 schied er im Rang eines Hauptmannes der Reserve aus der Armee aus, schloss sich aber während des Korea-Krieges dem französischen Bataillon an und kämpfte in der Schlacht von Heartbreak-Ridge, in der er durch eine feindliche Handgranate verwundet wurde (später verarbeitet in seinem Roman LES MERCINAIRES). Als Soldat, Journalist und Schriftsteller erhielt er viele Auszeichnungen. Vorher und nachher arbeitete er als Journalist und Kriegsberichterstatter hauptsächlich für Paris Match und Paris-Presse. Neben Romanen und Sachbüchern arbeitete er auch als Drehbuchautor.

Bis in die 1970er Jahre war berichtete er von den meisten Krisenherden der Welt: Palästina, Indochina, Korea, Algerien, Kongo; seit den 1960ere Jahren verstärkt auch aus Lateinamerika über die Guerilla-Kriege der Freiheitsbewegungen (daraus ging sein in Deutschland bekanntestes Sachbuch hervor, GUERILLA ODER DER VIERTE TOD DES CHE GUEVARA, das 1968 in Der Spiegel vorabgedruckt wurde. In dem Buch bringt er seinen großen Respekt für Guevara zum Ausdruck und analysiert den Zustand der damaligen lateinamerikanischen Freiheitsbewegungen: „Die lateinamerikanischen Guerillas bemühten sich, ihre Sache ebensogut zu machen wie die Vietcong. Aber ihr Mangel an Disziplin, ihr sehr hispanischer Dünkel, ihre Ablehnung jeglicher Autorität machten sie oft zu einer leichten Beute für die Spezialisten aus Panama. In Lateinamerika mußten die Amerikaner die Zeitungen bestechen und ihren ganzen Einfluß aufbieten, damit man nicht nur von ihren Niederlagen in Vietnam berichtete.

Eine Zeitlang waren für ihn die Israelis die Soldaten, die seinen Idealen und seiner Vorstellung von Effektivität am nächsten kamen („sogar den Vietnamesen überlegen“). „The Israeli army was born of … that mad old genius Orde Wingate and his „midnight battalions“ of Jewish warriors that included the young Moshe Dayan and Yigael Allon. Kaplan: “Wingate was a Christian evangelical before the term was coined. The son of a minister in colonial India, he frequently quoted Scripture and read Hebrew. In 1936, Captain Wingate was dispatched to Palestine from Sudan. For religious reasons he developed an emotional sympathy for the Israelis, establishing himself as `the Lawrence of the Jews.´ He taught them „to fight in the dark with knives and grenades, to specialize in ambushes and hand-to-hand fighting. Wingate headed to Ethiopia in 1941, leading Ethiopian irregulars in the struggle to defeat the Italians and put the Negus Negast (King of Kings, Haile Selassie) back on the throne. From there it was on to Burma, where he consolidated his principles of irregular warfare with his famed `chindits´ long-penetration jungle warriors, dropped by parachute behind Japanese lines.”

Die Sympathie war gegenseitig: israelische Fallschirmjäger übersetzten DIE ZENTURIONEN und DIE PRÄTORIANER ins Hebräische, um sie in ihren Ausbildungslagern zu lesen. Mitte der 1970er Jahre änderte sich seine Bewunderung, da er den Israelis vorwarf, dass sie sich zu sehr von amerikanischer Waffentechnologie abhängig gemacht hätten und dadurch ihre frühere Qualität verloren gingen.

2013 erschien seine Biographie: JEAN LARTÉGUY von Hubert Le Roux.

Er hatte in den 1950ern als Buchautor begonnen (was auch zu einigen Drehbuchaufträgen geführt hatte). Der große Durchbruch kam 1960 mit LES CENTURIONS, einem der großen und vergessenen Kriegsromanen des 20.Jahrhunderts, der bis heute häufig unterschätzt oder aus kurzsichtiger ideologischer Perspektive abgelehnt wird. Lartéguy gelang damit nicht nur ein Weltbestseller, er wurde auch zu einem der meistgelesenen Autoren in Frankreich. Mit dem Roman veränderte er sogar das Leseverhalten der Franzosen, wie Le Figaro Littéraire feststellte: vor dem gigantischen Erfolg hatten 38% der Erwachsenen noch nie ein Buch gelesen, was sich mit den CENTURIONS als Tagesgespräch schlagartig änderte. Es folgte ein weiterer Algerien-Roman, LES PRÉTORIENS, der Hintergründe zur OAS verarbeitete und ihn endgültig als Bestsellerautor etablierte.

In den ZENTURIONEN wird die Entfremdung zwischen Militärs, Politikern und heimische Bevölkerung angesprochen; Jahre vor den Vietnam-Protesten. Ebenso zeigt Larteguy hier erstmals die Unterschiede und Frustrationen zwischen konventionellen Waffengattungen und den „neuen“ Special Forces, die mit neuen Methoden versuchen, den asymmetrischen Krieg zu gewinnen.

Robert Kaplan erzählt in seinem Artikel für The Atlantic, wie häufig ihn Generäle oder ehemalige Special Forces auf DIE ZENTURIONEN verwiesen haben. Der Roman wurde zum Kultbuch der Special Forces in Vietnam.

In Artikeln und Anmerkungen wird gerne hervorgehoben, dass Lartéguy ein konservativer Militarist und strammer Anti-Kommunist gewesen sei. Ganz klar gehörte er in den 1960er Jahren zu den Feindbildern der Pariser Linksintellektuellen. Dabei werde und wurden einige Dinge unterschlagen: Nach dem Weltkrieg spielte Lartéguy mit dem Gedanken, für die Sozialisten in die Politik zu gehen. Durch seinen militärischen Hintergrund (und weil er als Journalist dahin ging, wo es gefährlich war – ganz ähnlich wie Scholl-Latour, der in Deutschland auch häufig Anfeindungen ausgesetzt war) bekam er intimen Zugang zu Soldaten und Informationen. Seine Empathie für diese Leute brachte er in den Romanen und Reportagen zum Ausdruck – selbst die Folterer der Spezialkräfte versuchte er zu begreifen, was nach der Schlacht um Algier sicherlich nicht gut aufgenommen wurde.

Was aber meistens nicht erwähnt wird, ist sein Bruch mit den Fallschirmjägern, da er in ihren politischen Bestrebungen ganz klar faschistische Haltungen und Ziele erkannte. Die dreckigen Methoden der Special Forces waren für ihn ein erkennbares Dilemma. So schrieb er auch in den ZENTURIONEN: „Sie gewinnen Schlachten, aber verlieren ihre Seele.“

Zynisch drückte er erstmals den Widerspruch zwischen Special Forces und bürokratischer Kriegsmaschine aus, die bis heute die Ineffektivität in der asymmetrischen Kriegsführung in Afghanistan, Irak oder Afrika mitträgt: Seine Soldaten haben mehr Respekt vor dem Feind als vor den Karrieristen in der eigenen Armee, „Leute die früh aufstehen, um nichts zu tun“. Soldaten, die ihr Leben riskieren „um nach Hause zu kommen, von den Bürgern beschimpft zu werden, deren Zivilgesellschaft sie vermeintlich verteidigt haben und um festzustellen, wie korrupt und verkommen diese Gesellschaft ist“. Die Entfremdung zwischen Soldaten, insbesondere der Spezialkräfte, und ihrer Gesellschaft trat in dieser Deutlichkeit erst nach dem 2.Weltkrieg in den Kolonial- und Befreiungskriegen auf und wird angesichts des Zynismus aktueller und künftiger Gier-Kriege nach Ressourcen (zu Gunsten weniger Profiteure) an Problematik und gesellschaftlicher Sprengkraft noch zunehmen, auch wenn das heute noch von wenigen erkannt ist.

Man muss Larteguy – auch wenn man im vielen nicht mit ihm übereinstimmt – zugestehen, dass er dies als erster Schriftsteller thematisiert und zum Teil erschreckend ausgelotet hat.
„Und welchen Unterschied machen Sie denn zwischen einem Flieger, der hoch oben in seinem Flugzeug sitzt und Behälter mit Napalm über eine Mechta (algerische Bauernsiedlung) abwirft, und einem Terroristen, der seine Bombe im Coq Hardi (Bar in Algier) ablegt? Der Terrorist braucht nur unendlich mehr Mut.“ (Die Zenturionen, 4. Aufl. Bonn 1961, S. 481.)

In seinem dritten großen Kriegsroman, DIE GRAUSAMEN TRÄUME (Les chimères noires,engl.: Hounds of Hell), 1963, beschreibt er die Katanga-Krise von 1960–1963 aus der Perspektive dreier Söldner (darunter auch ein deutscher). Die Hauptfigur des Obersten La Roncière ist an Roger Trinquier angelehnt. Er ist Führer einer Gruppe von französischen Söldnern, die dem separatistischen Katangapräsidenten als Elitetruppe dienen und auch gegen UNO-Truppen eingesetzt werden, die die Abspaltung Katangas von der Demokratischen Republik Kongo verhindern sollen:
„La Roncière entdeckte voller Erstaunen, dass er sich zum ersten Mal ohne Schwierigkeit in die Rolle des Gegners versetzen konnte. In Indochina konnte man sich nicht an die Stelle der Viets setzen, in Algerien nicht an die der Fellaghas. Jetzt aber war er nur noch ein Söldner, Techniker einer bestimmten Art der Kriegführung, den man ebenso einstellte wie andere, die eine Brücke bauen sollten.“ (Die grausamen Träume, S. 69)

Diese drei Romane werden auch gerne als Trilogie behauptet. Darüber lässt sich streiten. Für mich unbestreitbar ist, dass sie drei sträflich unterschätzte Kriegsromane des 20.Jahrhunderts sind und auch literarisch wiederentdeckt werden sollten. Hat sich der Leser erst mal auf Lartéguy eingelassen, kommt er den dargestellten Ereignissen und Personen so nahe wie durch kein vergleichbares Buch.

Unbedingt zu erwähnen ist auch Lartéguys großer Laos-Roman DIE TROMMELN AUS BRONZE, 1967, der die Geschichte Laos und das geheimdienstliche Geschachere um Indochina zu einem höchst ungewöhnlichen Polit-Thriller verschmilzt. Ebenfalls zu empfehlen ist DAS GELBE FIEBER, seinen großen „Abschiedsroman“ von Indochina, in dem er den Amerikanern ein ähnlich verehrendes Disaster wünscht wie es die Franzosen erlitten haben (und mit Oberst Terryman zeichnet er ein Portrait des berüchtigten Colonel Lansdale). Das „gelbe Fieber“ ist das „indochinesische Fieber“; die romantische, sehnsuchtsvolle Wehmut nach dieser Region, die man nie wieder los wird und ein Leben lang verfolgt (auch das teilte Lartéguy mit Scholl-Latour und vielen Europäern).

P.S.: Wer den Roman DIE ZENTURIONEN kennt, wird für die Verfilmung höchstens ein müdes Lächeln erübrigen. Der Film lief unter dem Titel THE LAST COMMAND, da die cleveren Produzenten befürchteten, das blöde Publikum würde beim Titel CENTURIONS vermuten, es handele sich um einen weiteren Sandalen-Film.



DER NEUE SEEßLEN by Martin Compart

Georg Seeßlen ist seit den 1970er Jahren der prägendste Theoretiker der populären Kultur in Deutschland. Punkt. Kein anderer hat so viele Anstöße gegeben, um sich mit Genres und ihren medialen Ausformungen zu beschäftigen, ist so in die Tiefe gegangen wie Seeßlen. Zu seinen Vorläufern kann man Walter Benjamin, Siegfried Krakauer und Teile der Frankfurter Schule zählen, die sein scharfes analytisches Denken geschliffen haben. Wie die beiden erstgenannten, hat er auch etwas genialisches und wird voraussichtlich nach seinem Ableben vom Feuilleton als Klassiker verharmlost werden.

Sein Ansatz:

„Zeit meines Lebens habe ich Pop geliebt und gehasst. Pop war hier Befreiung und da Unterdrückung,
hier Explosion der Wahrhaftigkeit und dort Implosion der Verlogenheit. Pop bewahrte das innere Kind und förderte die Vergreisung, Pop rebelliert und korrumpiert. Pop konstruiert die kleinen Unterschiede der Klassen und setzt sich über die gesetzten Grenzen hinweg. Pop ist universal, regional und national; Pop macht einfach alles mit, denn es ist der Ausdruck des Kapitalismus in der Demokratie, wie es der Ausdruck der Demokratie im Kapitalismus ist. Ohne Pop würde es diese prekäre Einheit gar nicht geben, und ohne Pop wären die Spannungen zwischen beiden nicht auszuhalten. Zugleich aber reagiert Pop auf die Brüche und Widersprüche, wie es keine »Hochkultur« und keine Wissenschaft kann. Jede Erkenntnis und vor allem Selbsterkenntnis einer Gesellschaft ist in ihrem popkulturellen Sektor »irgendwie« schon da. Pop ist das Klügste und gleichzeitig das Dümmste, was wir haben und was wir kennen.“


Critica Diabolis 251
Broschur
224 Seiten
16.- Euro
ISBN 978-3-89320-228-7

https://www.amazon.de/This-End-zwischen-Befreiung-Unterdrückung/dp/3893202285/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1521206042&sr=8-1&keywords=georg+see%C3%9Flen+pop

Ich kenne Georg Seeßlen seit 1973. Obwohl ich ihn nie persönlich getroffen habe, begleitet sein Werk mich bis heute. Sein damals erschienenes Werk ROMANTIK UND GEWALT (zusammen mit Bernt Kling), ein zweibändiges Lexikon der Unterhaltungsindustrie, erweiterte den Blick auf Genres in allen Medien. Später habe ich zeitgleich mit ihm für die Science Fiction Times geschrieben, die damals vor allem ideologische Enttarnung betrieb. Wer sich seit den 1970ern mit populärer Kultur beschäftigte, stieß immer wieder auf Aufsätze und Bücher von Seeßlen (legendär die zehnbändige Serie über Film-Genres, erst bei Roloff & Seeßlen, dann bei Rowohlt).

Manche Thesen überzeugten mich nicht, andere eröffneten neue Perspektiven. Aber nie waren seine Äußerungen uninteressant, meistens brachten sie einen weiter. In seinen zahlreichen Büchern bewies er zudem, dass populäre Kultur in der Theorie oft spannender ist, als in ihrer „Praxis“. Seine dialektischen Volten, die gerne überraschend in den Satzbau einfließen, sind zumeist erhellend, oft verblüffend und regen unterhaltsam den Gebrauch der Hirnzellen an. Und er war auch immer so clever, sich für bestimmte Themen und Genres die Mitarbeit von Spezialisten zu sichern, die ein ungeheures Detailwissen miteinfließen ließen.

Da wir wohl in der letzten Phase der Kapital dominierten westlichen Demokratien leben, ist ein Rückblick und Abgesang auf Popkultur fast zwingend. Die Transformation unserer Gesellschaft in zunehmende Unfreiheit und Ressourcenvernichtung, wird von der Popkultur inzwischen nicht mehr nur begleitet, sondern auch durch reaktionäre Strategien gefördert (dieser reaktionäre Pop nimmt in diesem Buch auch entsprechenden Raum ein).

Pop als Experimentierfeld für Utopien oder Dystopien funktioniert nur in einer funktionstüchtigen Demokratie. „Wenn es dem Pop schlecht geht, geht es auch der Demokratie schlecht und umgekehrt.“ Eine der Kernthesen des Buches.

Pop hat längst seine rebellische Form verloren und ist im Mainstream aufgegangen, wo er nur noch als dumpfes Konsuminstrument funktioniert. Pop hatte immer wieder Zukunft in Aussicht gestellt (vom Überwinden der Pubertät bis hin zu einer gerechten Gesellschaft). „Die Gesellschaft hat irgendwann akzeptiert, zukunftslos zu leben.“
Seeßlen zeigt auch, wie der Niedergang des Pop begann, als der Kapitalismus in seine „stalinistische Phase“ (also nach 1989; that´s Pop, ihr vertrottelten Akademie-Lemuren) eintrat.

Synthese und Dialog mit der bürgerlichen Kultur, da folgt er Antonio Gramsci, ist nicht nur heute ein emanzipatorischer Ansatz, sondern bereits historisch bewährt: „Im Pop der sechziger und siebziger Jahre schien sich eine solche Möglichkeit durchaus anzubahnen. Es war möglich, Rolling Stones zu hören und zugleich Rilke und Marx zu lesen. Bei Bob Dylan kam das alles ohnehin wieder zusammen, und bei Frank Zappa auch, ebenso aber auch bei Andy Warhol, der den Künstler als Pop-Star gab und die Techniken von Hoch- und Massenkultur bewusst miteinander kurzschloss.“ Denn „es ist gewiss kein Zufall, dass in den rebellischen Zeiten“ linke Kultur und Hochkultur im Pop Gemeinsamkeiten fanden, „während in den Zeiten der rechten Hegemonie taktisch und strategisch die volkstümliche gegen die elitäre Kultur ins Feld geführt werden“.

Das Pop von rechts vereinnahmt wird, erscheint mir weniger bedrohlich (Tendenzen von Freddy bis zu dämlichen Country-Sängern und John Wayne-Filmen gab es immer), das Faschismus letztlich nur für Sado-Masochisten erotisch ist. Aber man sollte wohl den Anteil von Sadomasochisten in der Bevölkerung nicht unterschätzen, denn sonst wären die Zustände nicht wie sie sind. Um nicht gar ausdehnend von Wilhelm Reichs autoritären Charakteren zu reden…

Aber es ist auch klar, „dass neoliberale Konzerne neoliberale Produkte eher auf den Markt bringen als kritisch subversive“. Vorbei die „Adornistische Rigorosität“ (Seeßlen), in der das Produkt alleine durch den Warencharakter diskreditiert gehört.

Seeßlen löst gar die alten Fronten zwischen Pop und bürgerlicher „Hochkultur“ auf, indem er in letzterem aktuell emanzipatorisches ausmacht und immer wieder auf Synthesen von Hoch- und Pop-Kultur verweist oder diese verlangt: „…diese Hochkultur enthält unter vielem anderen auch das Archiv der Befreiungskämpfe… Wenn das Volk auf eine Kultur hereinfiele, die behauptet, man brauche nicht mehr als Traumschiff, Bild-Zeitung, Oktoberfest und Internet-Pornos…, dann hätte dieses Volk alles für seine Selbstentmachtung getan.“ Tatsächlich war der erklärte Gegensatz zwischen Hoch- und Pop-Kultur immer nur Ideologie.

Derartige Synthesen sind dem Neoliberalismus zutiefst zuwider, denn in ihm „wird die Klassengesellschaft von ehedem in der bürgerlichen Gesellschaft nicht aufgehoben, sondern transformiert.“ Er sieht einen Pakt zwischen Rechten und Neoliberalen: „Um das gemeinsame Ziel von Rechtspopulismus und Neoliberalismus zu erreichen, nämlich die Abschaffung der Gesellschaft zugunsten von Markt und völkischer Gemeinschaft, muss auch Pop entgesellschaftet werden.“ Entgesellschaftung ist auf allen Ebenen erkennbar, da sich die Klassenlage weitgehend nicht mehr ökonomisch, sondern kulturell definiert: „…reiche Prolls und arme Bildungsbürger, Milliardäre, die mit Hilfe des `Volkes´ das Establishment stürzen wollen…“

Was soll Pop-Kritik noch leisten?

„Die Herstellung des Alltagsverstandes durch Popkultur und Warenwelt ist der Gegenstand meiner Idee von Popkritik, die weder von außen noch von oben kommt, sondern aus der Mitte von Empathie und Erschrecken, aus Nähe und intellektueller Distanz… Popkritik ist immer auch die Kritik des Alltagslebens und dessen, was in sie hineinregiert, die Interessen von Staaten und Ökonomien… Der Alltag ist nicht nur Widerschein des Politischen, der Alltag ist das Politische schlechthin.“

Pop befindet sich also im selben desolaten Endzustand wie die Demokratien. Softwareverfall in einem „neu“ figurierten Betriebssystem.
In letzteren beugen sich sogar so genannte Volksvertreter servil vor „einflussreichen“ (Arbeitsplätze!!!) Betrügerbanden wie VW & Co., und vertreten deren verbrecherische Machenschaften gegen die Betrogenen.
Bei Merkel, Spahn, Scheuer, Heiko Maas, Olaf Scholz – und wie sie alle heißen, diese Taliban des Neoliberalismus – nützt ebenfalls kein Update ihrer untüchtigen Software.

Und gerade in solchen Zeiten braucht man doch die Wunschmaschine des Pop zur eigenen Interessenlage. Stattdessen hat sich Pop zu einem kybernetischen System der Neoliberalen entwickelt… Oder vielleicht doch nicht?…

P.S.: Eines ist mir bei der Lektüre von Seeßlen wieder aufgefallen:
Es existiert ja kein wirklicher Kapitalismus. Im lupenreinen Kapitalismus gibt es kein feudalistisches Erbrecht. Was NeoCons und NeoLibs anstreben, ist ein Sowjetsystem, in dem alles von unten nach oben verteilt wird; genauso lemminghaft wie die Klimapolitik. Folgerichtig wird das Wirbeltier auf diesem Planeten an unfassbarerer Blödheit krepieren, dessen Maßstab die Intelligenz der Autoindustrie und ihrer politischen Idioten ist.

Oder wie Frank Zappa mal gesagt hat: The torture never stops.

 



FRITZ DUSQUESNE 5: KILLING KITCHENER by Martin Compart
28. Februar 2018, 3:15 pm
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Auf Geheiß des deutschen Geheimdienstes setzte sich Dusquesne im Juni 1916 aus den USA ab. Als russischer Herzog Boris Zakrevsky tauchte er in Holland auf. Von da aus reiste er nach Schottland um an Bord der HMS Hampshire als Berater von Lord Kitchener, damals britischer Kriegsminister, mit diesem nach Russland auf eine „diplomatische“ Mission zu reisen. Damit kam Dusquene seinem Erzfeind so nahe wie nie. Jetzt konnte er sich persönlich und die Buren rächen. Kitchener musste für seine Grausamkeit und seine Kriegsverbrechen büßen.

Der Held von Omdurman, Sieger über den Mahdi und Rächer Gordons, war bei den Politikern in Whitehall alles andere als beliebt. Um ihn loszuwerden, schickte man ihn in vorgeschoben heikler Mission nach Russland, um zu verhindern, dass der Zar eventuell einen Separatfrieden mit den Mittelmächten schließen würde.

Laut Dusquesne ging er nach Holland, um sich dort mit einem revolutionärem Buren-Komitee zu treffen, das mit dem deutschen Geheimdienst zusammen arbeitete. Diese hatten erfahren, dass ein Herzog Zakrevsky Kitchener auf seiner Reise begleiten sollte und ihn kurzerhand entführt. Das Komitee ernannte Dusquesne zum Colonel und die Deutschen statteten ihn mit den nötigen Papieren aus, die ihn als russischen Herzog auswiesen. Sein Biograph Wood behauptete, Dusquesne hätte fließend Russisch gesprochen, was aber kaum den Tatsachen entsprochen haben könnte. Da Zakrevsky wegen seiner guten Englischkenntnisse als Begleiter ausgewählt worden war, spielte dies keine Rolle.

Am 5.Juni 1916 gingen beide an Bord der HMS Hampshire, die „den Hauptstützpunkt der britischen Flotte Scapa Flow durch den Hoy Sound in Richtung Archangelsk. Wenig später lief sie jedoch westlich der Orkney auf eine Mine, die vermutlich am 23. Mai vom deutschen U-Boot U 75 unter Kurt Beitzen gelegt worden war, und sank binnen 15 Minuten. Von der 655 Mann starken Besatzung überlebten lediglich 12 den Untergang des Schiffes. Unter den Getöteten befand sich neben dem 65-jährigen Kitchener auch ein großer Teil seines militärischen Stabs“ – so laut WIKIPEDIA.

Dusquesnes Version ist eine andere: Er will einem deutschen U-Boot Signale gegeben haben, dass dann das Schiff torpedierte und versenkte. Zuvor war Dusquesne mit einer Schwimmweste von Bord gegangen und später vom U-Boot aufgenommen worden. Für diese Tat wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, dass er auf Fotos von sich mit stolzer Brust trägt.

Über Kitchners Tod existieren eine Reihe von Verschwörungstheorien. Eine besagt, er wäre der Bombe eines irischen Freiheitskämpfers zum Opfer gefallen. Lord Alfred Douglas (ja, der von Oscar Wilde) behauptete, er sei ein Opfer des britischen Geheimdienstes auf Geheiß von Churchill und anderen Kabinettsmitgliedern geworden, da diese Kitchners arrogante Dominanz nicht mehr hinnehmen wollten. Churchill verklagte Lord Douglas erfolgreich deswegen.

Ausführlich berichtet die Seite https://www.deutsche-schutzgebiete.de/kitchener.htm über Theorien, Ablauf und Erkenntnisse dieses Vorfalls. Hier ein Auszug:

„Der Tod Lord Kitcheners löste in Großbritannien eine Schockwelle aus, das Gefühl einer nationaler Katastrophe, nur vergleichbar mit dem Tod Prinzessin Dianas und wie auch nach ihrem Tod gab es bald danach die wildesten Spekulationen über die Ursachen und den Hergang. Sie reichten von einen Anschlag irischer Nationalisten, über die Tat eines deutschen Meisterspions bis zu der deutschen Theorie der britische Geheimdienst habe Lord Kitchener geopfert, damit er nicht die vollkommen desorganisierte russische Armee reorganisieren konnte. Die britische Regierung hätte damals vielfältigere Ziele als die englische Heeresleitung besessen und Großbritanniens Absicht war nicht nur die Niederlage Deutschlands, sondern zugleich die Schwächung Frankreichs und eine möglichst dauerhafte Ausschaltung Russlands als Großmacht. Tatsächlich wurde nach Kitcheners Tod kein Versuch unternommen, eine auch nur annähernd gleichwerte Persönlichkeit seitens der Westmächte mit der Reorganisation des russischen Heeres zu betrauen. Das Ergebnis ist bekannt.



Eine der plausibelsten Verschwörungstheorien britischer Autoren besagt, dass Kitcheners Widersacher im britischen Kabinett ihn einfach loswerden wollten:
Als Kitchener 1914 zum Kriegsminister ernannt wurde, schrieb der britische Premierminister Lloyd George: „Das ganze Kabinett wurde von Kitcheners Gegenwart, wegen seines Rufs und seines enormen Prestiges, eingeschüchtert. Ein Wort von ihm war entscheidend und niemand wagte es, ihn in einer Kabinettsbesprechung herauszufordern“. Über die Jahre bis 1916 waren Lloyd George und Kitchener erbitterte Feinde geworden. Kitcheners Position im Kabinett war inzwischen sehr schwach geworden und nun wollten man sich auch von ihm befreiten. Dies war jedoch aufgrund seiner Beliebtheit als britischer Nationalheld nicht möglich. Der Premierminister versuchte, eine Lösung zu finden. Lloyd George schlug vor, die Bitte der Russen um eine britisch-russische Kooperation zu erörtern und wollte selbst nach Russland reisen, dabei sollte ihn Kitchener ursprünglich nur begleiten. Alles wurde arrangiert, da brach Lloyd George seine geplante Reise ab und fuhr plötzlich nach Irland, Kitchener musste die Reise nach Russland allein antreten.
Die Admiralität organisierte die Reise für den 5. Juni 1916.Die übliche Strecke für Schiffe nach Archangel (Russland) war über den minefreie Kanal ostwärts der Orkey-Inseln und so wurde es auch für dieses Mal geplant.
Jedoch erreichte Kapitän Saville von HMS „Hampshire“, etwa 15 Minuten vor Abreise eine Befehl von Admiral Jellicoe, dass er sein Schiff durch den westlichen Kanal umleitet solle, was dieser auch tat. Dies ist eine sehr bemerkenswerter Punkt, da der westliche Kanal nicht von Minen gesäubert war und diese Tatsache der britischen Admiralität, die Anwesenheit von „U 75“ und seine verrichtete Arbeit, bekannt waren. Die britische Admiralität war seit Ende 1914 in der Lage den deutschen Funkverkehr zu entschlüsseln und wusste so relativ genau über Position und Auftrag der deutschen Schiffe Bescheid. (siehe auch „Was geschah nach dem Verlust von SMS Magdeburg?“). Die anschließende Rettungsaktionen scheinen auf Grund von Kommunikationsschwierigkeit zwischen Admiralität und lokalen Seenotrettungsdiensten behindert worden zu sein. Auch wusste die britische Admiralität vom bevorstehenden Sturmtief und hatte es angeblich falsch interpretiert. Obwohl die beiden Begleitschiffe „Unity“ und „Victor“ hochseefähig waren, wurden sie zurückbeordert.

Das deutsche U-Boot „U 75″ lief am 13. oder 14.12.1917 auf eine englische Mine und versank.“

Dusquesne kehrte in die USA zurück. Er kontaktierte Senator Robert Broussard, mit dem er schon in seinem Vorhaben zusammen gearbeitet hatte, Flusspferde nach Louisiana einzuführen. Broussard führte ihn bei General George Washington Goethals ein, dem Quartiermeister der U.S.Army. Was Dusquesne von ihm wollte, ist unbekannt. Zur selben Zeit arbeitete er an einer elektromagnetischen Unterwassermine, die er patentieren lassen und an die U.S.-Navy verkaufen wollte. Auch daraus wurde nichts. Kurz nachdem die USA Deutschland den Krieg erklärt hatte, verließ er Washington im Juli.

Am 17.November 1917 wurde Dusquesne in New York verhaftet wegen mehrerer Fälle von Versicherungsbetruges. Man fand bei ihm Zeitungsausschnitte über Schiffsexplosionen und einen Brief des deutschen Vizekonsuls von Nicaragua, indem ausgedrückt wurde, dass Captain Dusquesne in deutschen Diensten stand. Sofort signalisierten die Briten Interessen an dem Fang und baten um Überstellung wegen „murder on the high seas, arson, faking Admiralty documents and conspiring against the Crown“,
Die Amerikaner setzten Dusquesne erstmal fest und bereiteten ihre Vorwürfe prozessual vor. Sie sagten den Briten zu, Dusquesne auszuliefern, wenn sie ihn anschließend zurück schicken würden, damit er seine US-Straftaten abbüßen könne. Ein ziemlich durchsichtiges Verfahren: Die Briten hätten Dusquesne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Tode verurteilt, während die USA ihn nur für vergleichsweise geringe Straftaten belangen konnte.

FORTSETZUNG FOLGT



DER MARKT REGELT DAS by Martin Compart
10. Februar 2018, 12:35 pm
Filed under: Politik & Geschichte | Schlagwörter: ,

Der Reichste der reichen Deutschen: Dieter Schwarz (77). Ihm gehören Kaufland und Lidl (Quelle: Bild-Zeitung)

… es hat noch sieben Minuten zu leben (Quelle: Günstige Urlaubsziele).

„Wir haben ja von nichts gewusst.“ (Quelle: Rechenschaftsberichte der Deutschen Bank bis 2025)