Martin Compart


DUSQUESNE: 4. SCHIFFE VERSENKEN by Martin Compart
24. Mai 2017, 9:53 am
Filed under: Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , , , ,

Im Sommer 1913 brach Teddy Roosevelt zu einer neuen Expedition auf – diesmal nach Südamerika, Dusquene wollte unbedingt dabei sein und versuchte dafür Finanzierungsmodelle aufzustellen: Goodyear sollte ihn mit 5000 Dollar finanzieren und er würde im Gegenzug nach Kautschuk suchen. Einer kleinen Filmproduktion bot er an, eine Dokumentation über Roosevelts Dokumentation zu drehen. Alle lehnten ab. Also reiste er mit Alice auf eigene Kosten nach Brasilien; bei sich führten sie eine Filmausrüstung und Material im Wert von 80.000 Dollar.

In Manaus am Amazonas erreichte sie die Nachricht vom Ausbruch des 1.Weltkriegs. Umgehend schickte Fritz seine Frau in die Staaten zurück. Das die Briten ausgerechnet seinen Erzfeind Lord Kitchner zum Kriegsminister ernannt hatten, musste ihn erst recht erbost haben. Schließlich war Kitchners „Strategie der verbrannten Erde“ im Burenkrieg für den Tod von Dusquenes Schwester und Mutter verantwortlich. Deutschland war Britanniens größter Gegner und somit automatisch das Land, das in dieser Auseinandersetzung Dusquesnes größten Sympathien hatte.

Dusquesne wandte sich an das deutsche Konsulat und bot sich als Agent und Saboteur an. Die Deutschen nahmen das Angebot begeistert an.

Er nannte sich nun Ferderick Fredericks und seine Legende war die wissenschaftliche Erkundung von Kautschuk in ganz Lateinamerika, was ihm Mobilität erlaubte und seine Reisen durch den Kontinent plausibel machte. Seine Arbeit als Agent der „Naval Intelligence“ bestand vornehmlich darin, Fracht für die Feinde der Mittelmächte zu sabotieren. Er stand im regen Informationsaustausch mit den deutschen Konsulaten und der Botschaft in Brasilien und richtete seine Basis in Bahia ein. Von dort aus sandte er auf englischen Schiffen Kisten mit Mineralienproben an angebliche Auftraggeber. Die Kisten enthielten statt Mineralien Zeitbomben. Angeblich versenkte er auf diese Weise 22 britische Schiffe, darunter Riesenfrachter wie die „Salvador“ und die „Pembrokeshire“.

Gelegentlich wechselte er die Identitäten: aus Fredericks wurde der holländische Botaniker Fordham oder der Bure Piet Niacoud (phonetisch Dusquene rückwärts). Diese Burschen trieben sich in Brasilien, Guyana, Venezuela, Guatemala oder Nicaragua herum und ließen Kisten mit Mineralien oder Pflanzen auf britische Schiffe verladen. „Piet Niacoud“ war zudem ein beliebter Gast in britischen Klubs in Brasilien, da er dort feurige Reden gegen die Deutschen hielt oder aus literarischen Werken las. Als man später erfuhr, dass Piet ein deutscher Agent sei, reagierten die britischen Diplomaten und Geschäftsleute geschockt und wollten es erst gar nicht glauben. Dusquesne schauspielerischen Qualitäten müssen wohl Oscar reif gewesen sein.

Dusquesne war – wie so oft in seinem Leben – zu sorglos und draufgängerisch. Bereist im Juni 1915 kam ihm ein britischer Konsul in Panama auf die Schliche. Er stellte Fritz eine Falle in einem brasilianischen Hafen. Von britischen Agenten umzingelt, gelang ihm einmal mehr eine halsbrecherische Flucht über die Dächer der Hafengebäude.

Seine letzten Bomben platzierte er im Februar 1916 in Brasilien an Bord der britischen „Tennyson“. Sie waren in 16 Kisten versteckt mit angeblichen Mineralien und einer Kiste mit Filmmaterial, die nach New York gehen sollte. Die Explosionen erfolgten auf dem halben Weg nach Trinidad, aber dem Kapitän gelang es noch das marode Schiff auf Land zu setzen. Drei Seeleute wurden durch die Explosion getötet und eine weitere Bombenladung setzte die „Vauban“ in Brand.
Jetzt waren die Briten wirklich ärgerlich. Bedroht mit der Todesstrafe, wurde auf Dusquesne eine Hetzjagd eröffnet.
Dem britischen Geheimdienst gelang es einen Komplizen von Dusquesne zu fangen, einen Herrn Bauer. Der packte richtig aus und nannte Dusquesne als Chef des gesamten Sabotagerings. Außerdem identifizierte er zwei von Fritz´ Pseudonymen.

Nun aufgeflogen, setzte er sich nach Buenos Aires ab. Ein paar Wochen später gelang ihm ein weiterer Coup: In der „New York Times“ ließ er am 27.April 1916 verkünden, das Fritz Dusquene als Leiter einer Expedition in Bolivien von wilden Indianern umgebracht worden War. Die Zeitung brachte einen schönen, langen Nachruf. Zwei Wochen später kabelte er nach New York, dass er nach einem heldenhaften Kampf gegen die Indios schwer verwundet von bolivianischen Soldaten gerettet worden war. Da er einen amerikanische Pass hatte, konnte er unbehindert und zum Missfallen der Briten nach New York zurück reisen, wo er im Mai 1916 eintraf. Dort konnte er die Versicherungssummen für all seine „verloren gegangenen“ Mineralienverschiffungen einkassieren. Die USA waren bekanntlich noch neutral und die Briten hatten keine Chancen, ihn zu belangen. Allerdings verzögerten die Versicherungsfirmen die Auszahlungen und unternahmen ihre eigenen Untersuchungen, die zu Dusquesnes Verhaftung wegen Versicherungsbetruges führten.

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DIE POLE des DEUTSCHEN MAINSTREAM-JOURNALISMUS by Martin Compart

Sehr geehrter Herr Dr. Lüders,

ich bin seit Jahren interessierter TV-Zuschauer und Leser Ihrer Analysen. Der alberne „Shitstorm“ durch längst als albern erkannte Medien zeigt einmal mehr, auf welch ideologisch vernebelten Niveau bei uns Diskurse geführt werden. Es ist genau diese Haltung, die zur Ablehnung der Mainstream-Medien geführt hat und diese vertieft. Naja, wir wollen nicht vergessen, dass die Pioniere der FAKE-NEWS Bild-Zeitung und Springerpresse waren.

Ich nehme nicht an, dass Sie diese hirnlose Kritik (welch ein Euphemismus für diesen Vorgang) auch nur im geringsten beeindruckt. Abgesehen von Ihrer Kleinideologen überstrahlenden Analysefähigkeiten verzeihen die Medien-Trolle Ihnen den Bucherfolg nicht. Man konnte ähnliches schon früher bei Scholl-Latour beobachten, dessen eigenständiges Denken von Provinzredakteuren ebenso wenig gemocht wurde wie sein TV- und Bestsellererfolg.

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es noch ein paar kritische Geister wie Sie gibt, deren Überlegungen meine Intelligenz nicht beleidigen.
Mit den besten Grüßen,
Martin Compart

Entscheidet selbst über Intelligenz und Verblödung.
https://propagandaschau.wordpress.com/2017/04/24/kampagne-gegen-michael-lueders/



DUSQUESNE: 3.ZWISCHEN DEN KRIEGEN by Martin Compart
28. April 2017, 6:00 pm
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Nach seiner Ankunft in den USA schickte das Buren-Netzwerk Fritz Dusquene nach New York. Er arbeitete zuerst als U-Bahnkontrolleur, dann ergatterte er einen Job in der Buchhaltung des „New York Herald“. In den Pausen und bei einigen Gläsern nach der Arbeit unterhielt er die Kollegen mit abenteuerlichen Geschichten aus seinem Leben und bekam schließlich das Angebot, einige für die Zeitung zu Papier zu bringen. Daraus ergab sich 1904 ein Job als Journalist für die „New York Sun“. Zwei Jahre später wurde er Redakteur der Sonntagsausgabe. Bis 1909 arbeitete er für drei große New Yorker Zeitungen.

In diesen Jahren strickte er an seinem Mythos: Angeblich war er vor seiner Ankunft in New York als Kriegskorrespondent in Russland, Mazedonien und Marokko; in Paris angesiedelt als Mitarbeiter von „Le Petit Bleu“. Außerdem wollte er auf Wunsch von König Leopold II. den Kongo bereist haben und von 1904 bis 1906 in Australien an einer Expedition von Sir Arthur Jones teilgenommen haben. Und schließlich wollte er für den Vater seiner späteren Frau, S.S.Wortley, in Britisch Westindien eine Reihe von Theatern errichtet haben. Sein Biograph Art Ronnie fand für keine der Behauptungen einen Beleg. Aber er war sicherlich in der New Yorker Publizistikszene kein Unbekannter.
Er schrieb Abenteuergeschichten für verschiedene Magazine und veröffentlichte drei Romane: einen in der französischen Zeitschrift „Le Perit Bleu“ und zwei in südafrikanischen Verlagen. Er publizierte „True Adventure Stories“ in Pulp-Magazinen, neben Autoren wie Rider-Haggard, John Buchan oder Rafael Sabatini. Außerdem war er Mitbegründer des „Adventurers Club“, der aus etwa vierzig Mitgliedern bestand, alles “adventurers, explorers, soldiers, travelers, filibusters, soldiers of fortune and other kindred spirits”.

Wegen seiner Kriegsverbrechen und der zu erwartenden Strafe, betrat er nie wieder südafrikanischen Boden.

Er wurde zu einer bekannten publizistischen Größe mit abenteuerlichem Flair. Im Januar 1908 lud man ihn sogar ins Weiße Haus ein: Am Ende seiner zweiten Amtszeit angelangt, plante Roosevelt eine zweijährige Jagdsafari in Afrika und er ließ sich zwei Stunden von Dusquene beraten.

1910 wurde er der persönliche Waffenexperte von Theodore Roosevelt, den er auf mehreren Safaris und Expeditionen begleitete.

Als Captain Claude Stoughton tauchte er dann in Australien auf und hielt Vorträge über „seine“ Kriege und Erlebnisse. Er hatte etwas verruchtes und geheimnisvolles, das viele Menschen in seinen Bann zog. Besonders die Damenwelt schien sich seiner Attraktivität nicht entziehen zu können,

Im Juni 1910 heiratete er die Amerikanerin Alice Wortley. Nachdem sie später ihrer Familie erzählte, das Dusquene von ihr mehrere Abtreibungen verlangt hatte, riet ihr diese zur Scheidung. Die Ehe wurde nach acht Jahren geschieden. In dieser Zeit war Dusquene mehr unterwegs, als bei seiner Frau

Während des Burenkrieges hatte Dusquesne den Auftrag, den legendären Amerikaner Frederick Russell Burnham zu töten – was nicht gelang. Burnham kämpfte auf britischer Seite als Kommandeur der Scouts und war für die Buren-Guerilleros ein Hauptfeind. Er war auch später noch für die britische Spionageabwehr tätig und wohl auch auf Dusquene angesetzt.
1910 gab es in den USA eine Fleischknappheit, die zur Gründung der „New Food Supply Society“ durch Burnham und dem Kongressabgeordneten Robert Broussard führte. Sie engagierten Dusquene als Experten. Die Idee war, afrikanische Nilpferde in den Bayous von Louisiane anzusiedeln. Broussard schlug die so genannte „Hippo Bill“ vor, die auch von dem immer noch sehr populären Ex-Präsidenten Roosevelt unterstützt wurde. Der Kongress sollte dafür 250.000 Dollar bewilligen und Dusquene sagte als Experte vor dem Landwirtschaftsministerium aus. Das Unternehmen scheiterte knapp. Mit Burnham sollte sich eine respektvolle Beziehung entwickeln. 1933 schrieb Dusquene in einem Brief:

„To my friendly enemy, Major Frederick Russell Burnham, the greatest scout of the world, whose eyes were that of an Empire. I once craved the honour of killing him, but failing that, I extend my heartiest admiration.
One warior to another“

Der Respekt war gegenseitig. Burnham hatte über ihn geschrieben: „He was one of the craftiest men I ever met. He had something of a genius of the Apache for avoiding a combat except in his own terms; yet he would be the last man I should choose to meet in a dark room for a finish fight armed only with knives. Next to Theron I believe Duquesne the greatest scout the Boers produced.“

Dusquene ging mit Roosevelt häufig auf Jagdausflüge und schrieb darüber schmeichelhafte Artikel, die den Ex-Präsidenten in ein heroisches Licht stellten. 1912 machte er vergeblich Wahlkampf für Roosevelt, der eine dritte Präsidentschaft anstrebte.
Das war sicherlich auch hilfreich für den Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft, die Dusquene 1913 erhielt.

1914 wurde Dusquene Spion für die Deutschen.

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DUSQUENE: 2.BURENKRIEG by Martin Compart
18. April 2017, 5:29 pm
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Die Buren führten zwei Verteidigungskriege gegen die Briten. Davon war der zweite ungleich brutaler. Die britische Gier nach den Bodenschätzen in den Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat war der Hauptgrund für den 2.Burenkrieg, der von 1899 bis 1902 ausgetragen wurde. Es war der teuerste und umstrittenste Kolonialkrieg des Empires. Einige Kontinentalmächte erwogen zeitweilig, auf burischer Seite zu intervenieren. Es scheiterte am „Desinteresse“ Deutschlands. Die Kontinentalmächte belieferten allerdings die Buren mit Waffen – gegen südafrikanisches Gold.

Nachdem Lord Kitchner, einer der brutalsten Heerführer des Empires, im November 1900 das Kommando übernahm, wurde es richtig übel. Er betrieb eine Strategie der verbrannten Erde und setzte Konzentrationslager ein, in die er burische Frauen und Kinder einliefern ließ. Geschätzt 28 000 Frauen und Kinder verhungerten in diesen Lagern. Zum ersten Mal wurden derartige Lager als „Konzentrationscamps“ bezeichnet. Auch wenn sie keineswegs mit den systematischen Vernichtungslagern der Nazis verglichen werden können, sind sie ein weiterer Schandfleck in der Geschichte des britischen Imperialismus. In England wurde der Krieg von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Nur nicht von den linken Bewegungen und der Liberal Party. Einer der prominentesten Gegner des Krieges war Sir Arthur Conan Doyle, der auch ein böses Buch darüber schrieb.


Als der Krieg 1899 ausbrach, kehrte Dusquesne nach Südafrika zurück um für sein Land zu kämpfen. Er wurde in Pretoria als Leutnant im Stab seines Onkels, des Generalkommandanten Piet Joubert eingegliedert. Als Guerilla-Kämpfer war der „schwarze Panther“ in seinem Element und bald bildeten sich Legenden um ihn. So soll er dann auch den legendären Goldschatz der Buren – Oom Krugers Gold – im Juni 1900 versteckt haben, als die Briten ihre Offensive gegen Pretoria eröffneten.
In der für die Buren erfolgreichen Schlacht von Ladysmith im Oktober 1899 erhielt er eine Schussverletzung in der rechten Schulter. Er wurde zum Captain der Artillerie befördert.
Während der ebenfalls für die Buren siegreiche Schlacht von Colenso, die dazu führte, dass die Briten ein weiteres Armeekorps nach Südafrika entsandten, wurde Fritz von den Briten gefangen genommen.

Er wurde als Gefangener nach Durban gebracht, wo er entfliehen konnte. Die erste von mehreren gelungenen Fluchten, für die er berühmt werden sollte. Bei der Schlacht von Bergendal kämpfte er bereits wieder, Aber seine Truppe musste sich vor den zunehmend überlegenen Briten zurückziehen. Sie mussten sogar die Grenze nach portugiesisch Ostafrika überschreiten. Dort wurden sie von den Portugiesen festgesetzt und in das Internierungslager Caldas de Reinha in der nähe von Lissabon verfrachtet. Sein Biograph Ronnie sieht das als den entscheidenden Punkt in Dusquesnes Leben:“ life would never again be the same for him … In a few months he would be launched on a forty-year career as a professional spy and counterfeit hero – a man who would constantly reinvent himself to suit the needs of the moment.“

Im portugiesischen Lager becircte er die die Tochter eines Wächters so intensiv, dass sie ihm half zu fliehen (was mag aus dem armen Kind geworden sein?). Über Paris ging er nach Aldershot, England. Er schaffte es, in die britische Armee zu kommen (wohl da der Krieg Fachkräfte aufzehrte) und wurde als Offizier nach Südafrika versetzt.

Mit seiner britischen Truppe kam er auch nach Nylstroom. Dort sah er die völlig zerstörte heimatliche Farm. Auch sie war Kitchners und Roberts Strategie der verbrannten Erde zum Opfer gefallen. Aber er erfuhr noch schlimmeres: Seine Schwester war während des Überfalls vergewaltigt und ermordet worden. Seine Mutter starb in einem Konzentrationslager. Das veränderte sein Leben verständlicherweise. Bis zum Rest seiner Existenz brannte in ihm ein unbändiger Hass auf die Briten. Oder wie es sein erster Biograph Clement Wood ausdrückte: Dusquene wurde „a walking living breathing searing killing destroying torch of hate“.

Trotzdem schaffte er es, sich zusammen zu reißen und seine Maskerade als britischer Offizier aufrecht zu halten. Er kehrte mit seiner Truppe nach Kapstadt zurück. Heimlich rekrutierte er eine Gruppe von 20 Buren mit dem Ziel, Kitchner zu töten und die wichtigsten strategischen Anlagen der Briten hinter den Linien zu sabotieren. Der Plan sollte am 11. Oktober 1901 mit der Ermordung Kitchners anlässlich eines Dinners zu Ehren des Gouverneurs der Kapkolonie, Sir Walter Hely- Hutchinson, anlaufen. Zu Dusquesnes Unglück wurde alles von der Ehefrau eines Mitverschwörers verraten. Er wurde in seiner dem Anlass entsprechenden Galauniform verhaftet und umgehend wegen „Verschwörung gegen die Krone und Spionage“ verhaftet. Er wurde als Angehöriger der britischen Streitkräfte (und nicht als Spion der Buren) vor Gericht gestellt. Seine zwanzig Mitverschwörer wurden zum Tode verurteilt und einen Tag später erschossen. Auch Dusquene erhielt das Todesurteil. Aber man bot ihm einen Deal an: Lebenslänglich wenn er die Geheimcodes der burischen Kommunikationsnetze übersetzte und entschlüsselte. Er ging darauf ein. Bis zum Ende seines Lebens behauptete er, die Buren nicht verraten zu haben und stattdessen die Briten mit Fehlinformationen und erdachten Codes in die Irre geleitet zu haben. Er wurde in der Festung „Castle of Good Hope“ in Kapstadt eingekerkert. Die Wände dieser 1666 von den Holländern erbauten Feste waren besonders dick. Mit einer Gabel kratzte Dusquene Nacht für Nacht die Zwischenräume der mächtigen Steine frei, bis er einen Fluchttunnel  fertig gestellt hatte. Die Flucht wäre fast gelungen, als ein großer Stein verrutschte und ihn einklemmte. Am Morgen fanden ihn die Wärter besinnungslos aber unverletzt.

Daraufhin verfrachtete man Fritz auf die nordatlantischen Bermudas in ein Gefangenenlager, in dem schon über 4000 Buren untergebracht waren; der Jüngste war sechs Jahre alt, der Älteste achtundsiebzig. Fünf der Inselkette dienten als Gefängnisinseln. Die von Haifischen umschwommenen Inseln bargen die Hochsicherheitsgefängnisse ihrer Zeit und waren so genannte „Casemates Prison“, in denen die Gefangenen in Zelten oder primitiven Hütten hausten, die mit Stacheldraht eingezäunt waren. Dusquesne kam auf Burt´s Island, etwa 2,5 Kilometer von der Hauptinsel mit der Hauptstadt Hamilton entfernt.

Er gab sich als Amerikaner aus und nahm Kontakt mit dem Befreiungs-Komitee der Buren auf. In der Nacht des 25.Juni 1902 schlich er aus seinem Zelt, überwand den Stacheldraht zum Strand und schwamm, unbemerkt von Wachbooten, zur Hauptinsel. Ein Leuchtturm diente ihm als Orientierung. Er versteckte sich bei Anna Maria Outerbridge, einer Leiterin des Komitees. Sie schleuste ihn zum Hafen von St.George´s, wo er von Captain W.E.Meyer übernommen wurde. Der nahm Kontakt mit einem deutschen Schiff auf und eine Woche später dampfte Fritz in Richtung USA nach Baltimore.


Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend

Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

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MiCs Tagebuch: BLACK SAILS – Staffel 3 by Martin Compart
16. März 2017, 8:57 am
Filed under: Black Sails, Politik & Geschichte, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Nach zwei Staffeln hat Black Sails in der 3. seinen Rhythmus gefunden. Wendungen ohne Ende, stringent und temporeich erzählt, entsteht richtig Sog. Herrlich, wie die Macher mit immer gleichen dramaturgischen Techniken, die Geschichte vorantreiben. Als Zuschauer muss ich langsam auf die Bremse treten. Nur noch drei Folgen der 3. vor mir und die 4. braucht noch vier bis zum Ende. >Am 01. April läuft das Serienfinale, dann ist Finito. Und für mich geht‘s mit Staffel 4 weiter. „The villain makes the story”, lautet die Ansage der Schreiber, der Bösewicht macht die Geschichte aus, woraufhin jede Folge sich bemüht, diesem Diktum Rechnung zu tragen. Black Sails ist spannend und transparent zugleich. Die Autoren lassen sich ständig beim Handwerk zuschauen.

Zur politischen Dimension:
Nassau als Zentrum einer freien Gemeinschaft, die sich gegen die Knechtschaft Englands stellt, Frauen, Ex-Sklaven und freie Piraten, auf der Suche nach einer gleichberechtigten Form des Zusammenlebens, Basisdemokratie – alles schön und gut – die treibende Kraft ist jedoch immer der Schatz, der ständig wieder in den eigenen Besitz gebracht werden muss, weil Geld allein die Freiheit und Unabhängigkeit ermöglicht. So gesehen, geht es um einen gesellschaftlichen Gegenentwurf zum Feudalkapitalismus: um die persönliche Freiheit und die Verteilungsfrage. Diese stellt sich im Wesentlichen nur für die Piraten – sie haben genaue Regeln für das gleichberechtigte Miteinander freier Männer. Die Entertainment- und Zulieferbranche Nassaus ist nach dem Eigentümer-Prinzip von Anfang an viel “bürgerlicher” organisiert. Trotzdem sind in der Serie alle Kapitalisten, sie leben vom freien Unternehmertum, die meisten allerdings in der selbstausbeuterischen Form einer Ich-AG. Einzig der Körper ist ihr Kapital, ob als Pirat, als Arbeiter oder als Nutte. (Obwohl Letztere eine strenge Madame und klare Vorgaben haben.)
Die Dekadenz der neuen freien Gesellschaftsordnung zeigt sich bereits, als Jack Rackham das Fort zur Verteidigung Nassaus wieder aufbauen will und die „freien Leute” für viel Geld so wenig arbeiten, dass befreite – besser erbeutete – Sklaven sie ablösen müssen, damit es voran geht. Ein veritables Spiegelbild unserer Zeit: Die Drecksjobs machen immer die Immigranten. (Seit „Onkel Tom” Ben Carson wissen wir, auch Sklaven waren lediglich Immigranten, die von einer besseren Zukunft in Amerika geträumt haben.)

Das gesellschaftliche Experiment wird auch in dieser Serie nicht den “Tag danach”, was nach dem Sieg geschieht, erzählen. Denn es wird keinen Sieg geben. Die Geschichte geht immer gleich aus. Am Ende werden die Bemühungen scheitern und Nassau den Engländern anheim fallen, selbst wenn Black Sails das nicht klar zeigen sollten. (Der jetzige neue Gouverneur ist ja eine historische Figur und war wirklich der 1. Gouverneur der Bahamas. Das „Voyage-Buch“ hat er auch tatsächlich geschrieben. Schön wie Stevensons Fiktion mit realer Historie verbunden, ich möchte beinahe sagen, verankert wird.) Damit erzählt Black Sail, wie Spartakus ebenfalls von Starz, am Ende immer gescheiterte Kämpfe gegen eine bestehende Ordnung. Wir lieben Helden, die Scheitern, ob ihres Mutes und ihres unermüdlichen Anstemmens gegen die Mächte des Bösen. Am Schluss unterliegen sie natürlich, wie auch wir tagtäglich unterliegen. Im Gegensatz zu ihnen sind wir aber nicht einmal zum Kampf angetreten. Unser einziger Kampf ist das Ringen mit der Fernbedienung und dem Verlangen, die nächste Folge nur nicht zu schnell zu schauen, weil dann immer weniger Folgen übrig bleiben.

Serien wie Black Sails, erleichtern uns um den eventuell noch vorhandenen Restwiderstandswillen. Der Kapitalismus unterhält und amüsiert uns Zuschauer, in dem er uns die eigene Passivität unter die Nase reibt und dabei zugleich ein „Wohlfühlgefühl” vermittelt, weil wir die kleinen Schimmer der Wirklichkeit in der Serie als Erkenntnis ausmachen und uns in unseren Ansichten bestätigt sehen. Diejenigen Zuschauer, die von Bildung völlig unbeschlagen, Black Sails ohne historischen Ballast anschauen, werden durch touristische Exotik, Sex, Gewalt, große Gefühle und schöne Menschen mit makellosen Kauleisten (wie dumpfe deutsche Kritiker mit Kopfschütteln monierten) bei Laune gehalten. Ein Serien-Produkt für Jedermann: Black Sails bereitet auch ohne Reflektion Freude. Tiefere Überlegungen können, müssen aber nicht angestrengt werden.

MiC, 15.03.17



Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend by Martin Compart
10. März 2017, 2:23 pm
Filed under: Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , , ,

Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

FORTSETZUNG FOLGT



Klassiker des Polit-Thrillers: Stephen Becker by Martin Compart

DER LETZTE MANDARIN

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Der Winter 1948 ist hart in Peking. Die Menschen erfrieren und verhungern und die Stadt ist von Maos Truppen eingeschlossen. Man erwartet den Todesstoß der Kommunisten („Es wird mehr und bessere ärztliche Versorgung geben, und vieles, was die soziale Seele freut“). Seit Jahrzehnten leidet das Reich der Mitte unter Warlords, Bürgerkrieg, japanischer Vergewaltigung und erneuten Bürgerkrieg. Alle Hoffnungen und Hoffnungslosigkeiten bestimmen das Bewusstsein in Peking. „Die Reichen schmieden Pläne zur Flucht. Aber wohin?…die, die zu arm waren, konnten sich nicht mal Aberglauben leisten.“

In dieser Situation wird der ehemalige Guerilla-Kämpfer und Ex-Major der US-Armee Jack Burnham in die umzingelte Stadt eingeflogen. Seine Aufgabe: er soll den japanischen Kriegsverbrecher Major Kanamori aufspüren und der Hinrichtung übergeben. Die Gräueltaten, die Kanamori von 1938 bis 1945 in China begangen hat, sind ungeheuerlich. Er war einer der Schlächter Nankins, wo sich die Wege mit Burnham gekreuzt hatten.

Aber warum ausgerechnet Kanamori?
Es gibt Tausende von Kriegsverbrechern wie ihn…

Burnham taucht in diese fremde Welt, die er so liebt, ein und durchforscht sie auf jeder exotischen Ebene („Nicht zu wissen, wer was wie´- das ist die wahre Unwissenheit„). Seine Suche in Peking wird durch Rückblenden unterbrochen, die den japanischen Plünderungszug durch China und Kanamoris Abscheulichkeiten und Leben im Dienst der aufgehenden Sonne schildern.

Burnham ist einer der typischen Becker-Helden: Antiautoritär und von Asien „korrumpiert“. „Wer von Schmeicheleien leben will“ zitierte Burnham kühl, „muss härter schuften als ein Bauer.“

Der Umbruch in China war bereits Thema von Beckers beiden ersten Romane, THE SEASON OF THE STRANGER, 1951, und SHANGHAI INCIDENT, 1955, sein erster Thriller, für den er einmalig das Pseudonym Steve Dodge verwendete und der in der legendären Gold Medal-Reihe erschien (siehe dazu Gary Lovisis Text http://www.mysteryfile.com/Becker/Becker.html ).beckerb1

2006 war eine Verfilmung non THE LAST MANDARIN in Planung. Regie sollte Andreij Konchalovsky führen und Burnham von Alec Baldwin gespielt werden. Der Titel des 15-Millionen-Dollar-Projekts, das bisher nicht weiter verfolgt wurde, war THE FORBIDDEN CITY.

Wer dieses Buch liest, wird es nie mehr vergessen. Es ist Thriller, exotischer Abenteuerroman, philosophische Betrachtung, zynische Welterklärung und grauenhafter Kriegsroman in einem. Und vor allem ist es Weltliteratur. In einigen Jahren wird man vielleicht erkennen, dass Stephen Becker zu den bedeutendsten amerikanischen Schriftstellern des 20.Jahrhunderts gehört, auf derselben Stufe wie etwa Cormac McCarthy. Er ist einer dieser Autoren, die prägend in ein Leben eingreifen können und Denken und literarisches Stilgefühl beeinflussen. Seine Mischung aus Lakonie und Ironie erzeugt eine ganz eigene Melodie.

becker1Der Roman ist der mittlere Band von Beckers so genannter Asien-Trilogie (DER CHINESISCHE BANDIT und DER WEISSE SHAN sind genauso gut und lesenswert; mein Herausgreifen des DER LETZTE MANDARIN ist rein willkürlich).

Ein gemeinsames  Thema ist die Kollision zwischen amerikanischen Abenteurern mit asiatischen Kulturen, die sie in den Bann schlagen und fast aufsaugen. Es basiert wohl auf Beckers eigenen Erfahrungen. Bei aller Tragik und Ernsthaftigkeit lockert Becker die Handlung durch Humor auf, der auf den komischen Eigenheiten der jeweiligen asiatischen Kultur wie auch den Idiotien des Westens basiert.
„Ein merkwürdiges Volk, die Amerikaner, ohne jedes Feingefühl und ohne Sinnlichkeit. Sie haben keine Geschichte. Sie durchstreifen die Welt wie hirnlose Nomaden, sie überschreiten alle Grenzen, und wenn sie einen Pfau sehen, nehmen sie ihr Gewehr und erschießen ihn und fressen ihn roh. Andererseits verbringen sie auch Großes und übergehen das Gelächter ihrer Kritiker. Unbezahlbar, wie gesagt.“51zva0necfl-_uy250_11

Ein Zauber seiner Trilogie besteht darin, dass er dem Leser diese Kulturen näher bringt, aber ihre Mysterien bewahrt. Er klärt auf und mystifiziert gleichzeitig. Ein Widerspruch, den nur ein wirklich großer Autor auflösen kann, der die Widersprüche des Lebens kennt und in einer Synthese aus Orient und Okzident ästhetisiert.
Dafür findet er, wie zuvor gesagt, eine ganz eigene Sprache. Häufig sind es Beckers eigenwillig ironische Brechungen, die den Leser die oft schwer erträgliche Brutalität ertragen lässt.

„In der Nacht zum Montag, dem 13.. Dezember 1937, endete in Nanking jeder Widerstand. Die japanischen Armeen hatten einen der glanzvollsten Feldzüge der modernen Kriegsführung erfolgreich abgeschlossen. Die Soldaten freilich hörten nur ungern vom aufgegebenen Widerstand. Das Gewehr war geladen und gespannt, der Finger auf dem Abzug, Frieden war der unerträglich. Sieg allein genügte nicht; eine im Lauf der Geschichte aufgestaute, unterdrückte Wut verlangte nach einem Blutbad. Eine Stadt mit 1 Million Einwohner – keiner zu finden der Widerstand leistete? Mehr noch: die Ausländer – eine Handvoll nur, selbstgerecht, unermüdlich, sogar überheblich – hatten eine Schutzzone festgelegt, als ob ihre Gesandtschaften, Universitäten und Missionen heilige Städten wären, die nicht von unzivilisierten Japanern geschändet werden dürfen. Der Major meinte, kümmert euch nicht darum… Das schießen ließ nicht nach, Widerstand oder nicht. Und sie tranken… Kanamori erinnerte sich später an hausgemachten Brandy, Pflaumenschnaps und sogar Bananenschnaps. Auf Sie tranken nicht bis zur Bewusstlosigkeit, niemand torkelte oder stürzte; sie tranken zur Anregung, und ihre Kraft wuchs. Rastlos, gesetzlos und herzlos streiften sie herum. Wahllos traten sie Haustüren ein. Sie erschossen die Männer und vergewaltigten die Frauen. Sie vergewaltigten zehnjährige Mädchen und siebzigjährige Großmütter…“

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Kaum ein mir bekannter westlicher Autor hat Asien mehr geliebt und verstanden als Stephen Becker.

Becker hatte viele Talente: er war ein herausragender Übersetzer, ein bemerkenswerter Hochschullehrer und ein genauer Analytiker der populären Kultur. Bereits 1959 hatte er die erste ernsthafte buchlange Analyse von Comics (COMIC ART IN AMERICA) veröffentlicht.

Aber er wird vor allem als großer unterschätzt der Romancier in die Literaturgeschichte eingehen. Er wird gelegentlich mit Joseph Conrad verglichen. In seinen Romanen geht es häufig um Selbstfindung und Selbstverlust. Ähnlich wie Conrad thematisiert Becker das Dilemma der menschlichen Moral und ihre Unzulänglichkeit innerhalb sozialer Strukturen.

Stephen David Becker wurde 1927 in Mount Vernon, New York, geboren
Der Sohn eines Apothekers wuchs in Yonkers, New York auf. Von 1943-1947 studierte er in Harvard. 1945 unterbrach er das Studium um seinen Militärdienst bei den Marines zu absolvieren.
Er graduierte 1947 in Harvard. Im selben Jahr ging er nach China, wo er Weihnachten 1947 seine Frau Mary heiratete. Er unterrichtete bis 1948 an der Universität von Peking.

Nach seinem Aufenthalt in China ging er nach Frankreich. Er lernte Französisch durch die Lektüre von Kriminalliteratur. „Nachdem ich Chinesisch gelernt hatte, war Französisch ganz einfach. Mein Rat an junge Leute die Französisch lernen wollen: lernt zuerst Chinesisch.“ In Frankreich traf er den Romancier Richard Wright, der ihm für seinen ersten Roman einen Agenten vermittelte: THE SEASON OF THE STRANGER erschien 1951.

Becker übersetzte insgesamt 14 Romane aus dem Französischen ins Englische; darunter Romain Garys THE COLORS OF DAY von 1953. „Diese Übersetzung war hilfreich für mich als jungen Autor. Sie hat mir meine Zweitklassigkeit gezeigt.“ Besonders Vergnügen müsste ihm die Übersetzung von André Malrauxs chinesischen Revolutionsroman DIE EROBERER gemacht haben.

Ende der fünfziger Jahre gingen die Beckers zurück in die Staaten. Sie lebten mit ihren Kindern in New York, Massachusetts, den Virgin Islands und ab 1986 in Florida, nachdem Becker dort einen Lehrauftrag an der Universität angenommen hatte. Er starb 1999.

Seine elf Romane wurden in 16 Sprachen übersetzt.

„There will never be another one like you,
there will never be another one who can do the things you do.“

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