Martin Compart


DR:HORROR: SPD oder DIE VOLLE ERDMÄNNCHEN-POWER by Martin Compart
25. Mai 2017, 3:24 pm
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Unsere Welt befindet sich in Schräglage (Stephen Hawking meint, dass wir in absehbarer Zeit diesen Planeten so ruiniert haben werden, dass wir ihn wechseln müssen – und dann vielleicht auch noch das Universum in Unordnung bringen).

Aber nicht nur die Welt. Für die, deren Herzen links schlagen (und das tun sie wohl bei den meisten), kommt es daher nicht überraschend, dass sich auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands in einer Schräglage befindet und kurz vor dem Abdriften in die Bedeutungslosigkeit ist.

Sankt Martin, der abgebrochene Buchhändler und gelernte Europapolitiker aus Würselen, war dann doch nicht der erwartete Messias, der die SPD mit starkem Griff an Nahles‘ Haarschopf packt und sie aus dem Sumpf herauszieht, in den sie Scharping, Schröder, Platzeck, Beck, Gabriel und die politisch verantwortlichen Bauherren des Hauptstadtflughafens hineinbugsiert haben.

Wie heißt es doch so schön: Vor dem Jüngsten Gericht werden viele falsche Propheten auftreten und zahllose brave Steuerzahler irreführen.

Schulz aber hat als Bauernfänger nicht viel Zugkraft.

Die SPD braucht schon Führungskraft, die medienwirksam ist.

Warum nicht ein possierliches Tier? Mehr als Schulz und seine Führungsriege kann so ein Streicheltier auch nicht falsch machen. Wenn die AfD schon mit einer sprechenden Dackelkrawatte wirbt…!

Leider ist der Murmeltiertag schon besetzt und wird in den USA gefeiert, aber ich habe im Netz recherchiert und herausgefunden, dass es um Würselen herum ein Erdmännchen-Gehege gibt.

Ich gehe gern in den Zoo und lasse mich von diesen netten kleinen Gesellen unterhalten. Die Erdmännchen sind richtig lustig, ich würde so eins auch ohne Parteiprogramm an der Spitze deutscher Politik gut finden.

Erdmännchen gelten als sehr gesellig, ganz so wie die Genossen von der SPD. Sie fressen darüberhinaus die lästigen Insekten weg und reißen Skorpionen schon mal die Stachel aus. Das können normale SPDler nicht. (Hillary Clinton ist so ein Skorpion, den niemand unterschätzen sollte, aber irgendwie, habe ich erfahren, hat sie es gegen den Mann vom Trump Tower nicht geschafft.) Sie sind also nicht nur niedlich, sondern auch nützlich. Vor allem können sie auf zwei Beinchen ihren Mann stehen.

Ein Erdmännchen namens Schulz würde vor den Kameras eine passablere Figur abgeben als der echte und der SPD mehr Prozentpunkte bringen. Die Kinder würden es süß finden. Jedes Kind bekäme von der SPD so eine Erdmännchen-namens-Schulz-Plüschfigur geschenkt.

Aber wenn es nun doch mal programmatisch werden müsste? Null Problemo, befinden wir uns doch im digitalen Zeitalter! So können wir auch die Mundphasen von Erdmännchen digitalisieren und, mit Schulzens Stimme unterlegt, mehr soziale Gerechtigkeit und Sicherheit über 1984 hinaus fordern lassen. Das gäbe dann immer ein großes Hallo.

Schulz sagte bei Maischberger: „Gerhard Schröder war ein großer Bundeskanzler.“

Das Erdmännchen könnte auch ein Liedchen singen, das mit diesem Gesicht endlich wieder in die Charts eingehen würde: Wann wir schreiten Seit‘ an Seit’…

Und es gibt genug Erdmännchen, sie gehören ja nicht zu den bedrohten Tierarten, so dass auch noch zwei für die Grünen abfallen: ein Erdmännchen namens Cem und ein Erdweibchen, das Karin, die, wie nur böse Zungen behaupten, langweiligste Frau Deutschlands, ersetzen könnte.

Einer rot-grünen Koalition mit einem Erdweibchen und zwei Erdmännchen an der Spitze würde ich im September meine Stimme geben. Versprochen. Ehrensache.



DR.HORROR HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN! by Martin Compart
10. April 2017, 1:02 pm
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DR.HORROR: Das ungeheuer vielfältige Europa trotzt einer standardisierten Welt by Martin Compart
23. März 2017, 9:24 am
Filed under: Dr. Horror, Film | Schlagwörter: , ,

Eine kleine Betrachtung aus Anlass von Cartoon Movie, Bordeaux 2017

Das, was wir kulturelle Vielfalt nennen, wird immer wieder besonders hervorgehoben, wenn es um den Reichtum künstlerischer Ausdrucksformen in Europa geht.

Das konnte ich beim Besuch von Cartoon Movie, dem Branchentreff europäischer Animationsfilmproduzenten in Bordeaux, wo reichlich neue Projekte vorgestellt wurden, Anfang März feststellen: Mit amerikanischer Animation verbinden wir in der Regel Disney und Pixar, mit Japan die Anime, und wir wissen in etwa, wenn wir eine Kinokarte erwerben, was uns ästhetisch bevorsteht, aber mit dem europäischen Animationsfilm verbinden wir eigentlich: gar nichts. Allenfalls erleben wir eine kuriose, gegenüber den Amerikanern unterbudgetierte Artenvielfalt, die letztlich in einer digital standardisierten Welt nicht mehr als das Fehlen einer wiedererkennbaren Handschrift signalisiert.

Es gibt keinen europäischen Stil im Film.

Ich löse kein Kinoticket, um einen europäischen Animationsfilm zu sehen.
Der beste Ausdruck europäischer Animation ist immer noch in der frankobelgischen Comic-Welt zu finden. Ihre Beiträge wenden sich häufig gerade nicht an die Kleinsten, sondern an ein erwachsenes Publikum. Ich weiß also, was ich für mein Geld bekomme.

Auch die spanischen Animationsfilmer haben eine bestimmte Bildsprache entwickelt. Sogar ein achtbares Projekt über Luis Bunuel ist darunter.

Auch einige irische Produzenten liefern etwas in einer eigenen irischen Zeichnung. Das ist es dann aber auch.

Erstaunt hat mich innerhalb der Vielfalt ein portugiesisch-polnisches Projekt, eine moderne Interpretation des „Wunders von Fatima“ (Titel: Fatima and the Secret Treasure), angeblich zu 90 Prozent finanziert und vom Vatikan für gutgeheißen. Diesen computeranimierten, gottgefälligen Film, wenn er fertig ist, sollen sich nach dem Wunsch der Produzenten Katholiken in aller Welt ansehen. Auf diese Weise könnte man ja gut und gerne Star Wars überflügeln.

Die Spezies deutscher Animationsfilm zeichnet sich dagegen in der Regel durch oberflächlich kommerzielle Naivität für Vorschulkinder aus und weicht darin eklatant vom „europäischen Trend“ ab. Zu Ostern gibt es in den deutschen Kinos im Nachmittags- und nicht im Abendprogramm die Häschenschule. Und demnächst auf dieser Leinwand vielleicht Luis & The Aliens der Brüder Lauenstein, der auch nicht europäisch aussieht, eher ein wenig wie Pixar. Aber nur ein wenig.

Rolf Giesen



DR.HORROR ERKLÄRT DIE WELT by Martin Compart
13. Juli 2016, 8:59 am
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rolf-21[1]DIENSTAG, DER 13.
Günther Jauch, höre ich in einem Sender in Mecklenburg-Vorpommern, hat einen „großen Teil seines Vermögens“ gespendet. Genauso viel wie die sieben auf Rügen entwendeten Bootsmotoren gekostet haben: 20.000 Euro. Für eine Kirchenglocke in Pinnow. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass 20.000 Euro den größeren Teil von Jauchs Vermögen darstellen und der Mann, der Millionäre macht, jährlich weniger verdient als ein Busfahrer, habe ich gegoogelt und so erfahren, dass sich Jauchs Vermögen auf rund 40 Milliarden Euro beläuft. Da war ich erst mal beruhigt. Das sollte für einige Jahre und ein paar weitere Glocken reichen. Ich erinnere einen verstorbenen CDU-Politiker,. der mir sagte, er spende für jede Kirchenglocke, nur glauben würde er nicht. Leider darf man die Namen Verstorbener in solchem Zusammenhang nicht verbreiten, um die Totenruhe nicht zu stören. Eine andere Info erscheint auf dem Screen, der zufolge Jauch über 60 Milliarden verfügt und am Heiligen See in Potsdam wohnt. Wenn jemand so viel hat und auf einem segensreichen Luxusgrundstück logiert, wird er auch gläubig sein. Unser ganzes Finanzsystem basiert schließlich auf nichts anderem als auf Glauben. Auch die neue Mutter Theresa (May) verspricht ein besseres Britannien. Das müssen wir ihr schon glauben, auch wenn es möglicherweise nicht stimmt. Wir sind Gott sei Dank gutgläubig. Im Internet steht auch, dass Jauch nicht 20.000 Euro, sondern bisher 75 Milliarden für wohltätige Zwecke einschließlich Kirchenglocken gespendet hat, also 15 Milliarden mehr als er hat. Das muss höhere Mathematik sein. Woanders lese ich, dass während der Hyperinflation vor 90 Jahren ein Brot 105 Milliarden Reichsmark kostete.
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Bei dieser Gelegenheit merke ich, dass ich Millionen mit Milliarden verwechselt habe. Beides ist mir zu viel. Jauch hat 60 Milliarden – nein, „nur“ Millionen, aber zeitlebens 75 Millionen gespendet? Und wenn das Brot 105 Milliarden kostet? Jetzt mache ich mir ernstlich Sorgen um Jauch. Zumal die Staatsschulden in Italien im Moment, da ich das schreibe, 2 194 041 359 705 Euro betragen. In Frankreich 2 128 437 770 789. In Deutschland 2 252 527 840 868. Na ja, müssen wir die Peanuts halt aus der Portokasse bezahlen: Europa prima!



DR.HORROR ERKLÄRT DIE WELT by Martin Compart
27. Juni 2016, 7:03 am
Filed under: Dr. Horror | Schlagwörter: , ,

rolf-21[1]

AKIMs TOD – FLUGHAFEN BER – BREXIT: EIN TRILEMMA —

ABER DEUTSCHLAND SIEGT!

Seitlich steht der Fernseher. Es läuft das Spiel eines laut AfD-Höcke 1000-jährigen Reiches, Deutschland, gegen die Slowakei. Eine einfache Sache, sollte man meinen. Nationalhymnen – und dann ran!

Gestern rief Martin Compart an. Wir lästerten über uns und andere, Scheiße, ich musste kurzfristig einen Singapur-Flug absagen und überhaupt. Überhaupt, berichtete Martin, sei der größte Fan von Hansrudi gestorben, ein gewisser Dietmar Stricker. Karl May starb an Bleivergiftung, Stricker im Alter von 66 Jahren. Den Namen dieses Fans – angeblich ein Urgestein der Szene, das keine Familie kannte, nur um sich ungestört dem Sammeln von Comic-Heften widmen zu können und, wie Peter Pan, niemals erwachsen werden zu müssen – hatte ich noch nie gehört. Ich googelte und fand trotzdem gleich ein Foto des mir nicht bekannten Stricker-Fans. Im Internet scheint mittlerweile jeder herumzulungern, selbst Leute wie du und ich. Stricker trug keine Strickweste, sondern ein kariertes Hemd, so wie wir alle vor vierzig Jahren. Das war Ost und West gemeinsam. Entweder hatte er es seit vier Jahrzehnten nicht abgelegt oder wenigstens zwanzig gleiche Motive gesammelt und zur Auswahl im Kleiderschrank aufgehängt, zwischen Comic-Alben und Mottenkugeln. (Nein, mütterliche Skelette heben diese Leute nicht auf, entgegen dem, was uns Alfred Hitchcock und der Autor der Vorlage, Robert Bloch, in Psycho weismachen wollten. Grund genug hätten sie allerdings, denn meist waren es strenge Mütter, die die Schmutz & Schund-Hefte, die ihre lieben Jungs anhäuften, im Ofen verbrannten: das Kindheitstrauma jedes echten Sammlers.)

Tor. Boateng. Der Mann, den die AfD nicht zum Nachbarn haben will. Draußen böllern die Nachbarn und stoßen auf das Tor an. „Ein guter Neger“, möchte man mit Joachim Herrmann rufen. Im Fußball kann es gar nicht genug Ausländer geben.

Aber zurück zu Stricker. Der Mann ist nun schon ein gutes oder schlechtes halbes Jahr tot: verstorben am 22. Oktober 2015. Dieser Blog ist halt nicht auf dem Laufenden. Lieber tot als unfähig! lese ich im SPIEGEL. Das macht Stricker jetzt aber auch nicht mehr lebendig. Stricker war von Beruf Nostalgiker. Er betrieb seit einiger Zeit einen Verlag gleichen Namens, den Nostalgiker-Verlag, in dem er Comic-Serien fortführte, die nur den wahren Nostalgikern unter uns etwas bedeuten. Leuten, die noch heute am muffigen Geruch ihrer Heftchen hängen. Zum Beispiel Akim. Akim der Dschungelheld.

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Frage in einem Internet-Forum: Wie bekommt man aus alten Comic-Heften den „Müffel“geruch heraus? Für ein Archiv wurden sehr viele Softcover Ausgaben aufgekauft, die fast alle stark müffeln und die anderen „anstecken“. Was ratet Ihr mir?

Wegwerfen!

Ich muss doch sehr bitten. Auf eine seriöse Frage gehört eine seriöse Antwort.

Bei Schimmelgeruch, mit kleinen farbigen Pickeln, so ein Rat, ist schon Vorsicht geboten! Da besteht bei einigen Sorten schon akute Gesundheitsgefährdung beim Einatmen der Sporen.

Im Wetterbericht hoffen sie, dass die durch den Klimawandel mitverursachten Unwetter mal eine Pause einlegen.

Gegen muffigen Geruch helfe folgendes:

Comic in einen verschließbaren Behälter (Plastikbox etc.) geben, dazu reichlich Kaffeepulver. Nach ca. 14 Tagen ist der Geruch verschwunden.

14 Tagen, maximal Wochen. Die Hefte sind gerettet, aber auch das macht Stricker, den König der Nostalgiker, nicht lebendig. Während ich mit Martin telefoniere, suche ich im Internet nach Fotos dieser Comic-Nostalgiker: sie sind ergraut, schauen müde, einem scheinen die Vorderzähne zu fehlen, zwei haben Bierbäuche. Prost. Eine offensichtlich vom Aussterben bedrohte Spezies.

Wann kommt eigentlich das nächste Tor?

Die Briten haben immerhin schon wenige Tage zuvor ein Eigentor geschossen, das geschichtlich und ökonomisch noch viel Spaß machen dürfte, wenn es stimmt, dass unser kapitalistisches Finanzsystem im Grunde nur auf Gottglauben gebaut ist. Wahrscheinlich der starke Regen, die Unwetter, überhaupt der Klimawandel. Das alles steigt gehörig in die Birne. In der Zeitung lese ich, nun bedrohe ein Trilemma die Weltwirtschaft. Das klingt unheimlich. Eine Phase der Unsicherheiten stehe bevor, heißt es da, denn London – das war mir neu – ist einer der wichtigsten internationalen Finanzplätze und die Notenbanker hätten, anders als die Fußballer, die Munition schon verschossen, was wohl heißt, dass ihnen zwar nicht die Boni, wohl aber die Bälle ausgegangen sind. Jede Staatspleite – aha! also nicht nur die Griechen! – könnte sich jetzt sofort zu einer globalen Finanzkrise ausweiten. Global, von China bis zum Nordpol. Die Pole sollen ja auch schmelzen.

Im Fernseher feuert das germanische Publikum seine Spieler an. Erst mal saufen, dann dieses Trigema, die Sache mit dem Affen, der nur in Deutschland arbeitet und garantiert („ein echter Edgar Wallace!“ – denn haben sie in Spandau gedreht und nicht in London) kein Outsourcing betreibt.

2:0 durch Mario Gomez. Na also.

Von wegen Tripendo!

Die Renten, hat Blüm gesagt, sollen auch nicht mehr sicher sein.

VW – die Versicherer – die Deutsche Bank … der Flughafen BER … die Berliner Staatsoper … Erdogan und Böhmermann …

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Alles geht den Bach runter, seit Helmut Mehdorn mit seiner Sense von einer Baustelle zur anderen zieht und Ronald Pofalla aus Weeze, wo mein Vater begraben ist, nicht mehr Bundesminister für besonders schwere Aufgaben, sondern Generalbevollmächtigter für politische und internationale Beziehungen der Deutschen Bahn ist. Welche politischen Beziehungen unterhalten übrigens ICEs, außer dass unsere Politiker umsonst darin fahren? Dafür haben wir jetzt Peter Altmaier, die Allzweckwaffe aus Ensdorf, Saar.

Pofallas Rente dürfte aber auf jeden Fall gesichert sein. Und Altmaiers sowieso.

Dietmar Stricker ist also tot. Aber Hansrudi… Ich suche weiter, und Martin bekommt den Mund nicht zu, denn diese Nachricht ist erst ein paar Monate alt und noch nicht bei ihm angekommen, womit dieser Blog wieder halbwegs auf dem neuesten Stand ist: Hansrudi ist auch tot. Seit dem 7. Januar. Unser aller Wäscher. Hansrudi, der Zeichner der Akim-Piccolos aus dem ehemaligen Walter Lehning Verlag, der vor einem halben Jahrhundert nahe dem Hannoveraner Hauptbahnhof residierte. Der Zeichner von – sitzen Sie gut? – Sigurd, Falk, Tibor, Nick der Weltraumfahrer. Der Zeichner, der uns Kindern die Anatomie menschlicher Körper austrieb. (Kein Wunder nach dem verlorenen Krieg, möchte man mit Wolfgang Neuss rufen, aber der hat ja nicht mal die Wende überlebt.)

3:0. Julian Draxler.

Später zeichnete Wäscher für Lübbe, dann für einen der Erfinder der Comic-Nostalgie, den jungen Norbert Hethke, den „Schatzgräber der Comic-Kultur“, der schon seit 2007 tot ist.

Wäscher war da schon zäher als seine Fans. Er wurde 87.

Jetzt warte ich noch auf ein weiteres Tor. Lukas Podolski, das Superhirn der Mannschaft, macht sich fertig. Hauptsache, er hält seinen Mund:

Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel!

Lukas Podolski, sagt der Kommentator, werde deswegen schon jetzt mit Sprechchören gefeiert.

O-Ton Podolski: Fußball ist einfach: Rein das Ding – und ab nach Hause.

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3:0. Jetzt noch ein Ding rein, ob mit oder ohne Verstand. Auf den Verstand kommt es nicht an, sondern darauf, ob man pfiffig. Martin erzählt mir von einer Agentur, die ihre Bewerberinnern und Bewerber fragte, wann der Zweite Weltkrieg gewesen sei. Sie nahmen nicht die, die es wussten, sondern eine Pfiffige, die sagte: Nach dem Ersten! Denn die Pfiffige ist natürlich auch geschäftstüchtig. Um wie Maschmeyer, also in Hannover wie Gott zu werden, muss man kein Intellektueller sein, sondern gewitzt und pfiffig und Veronika Ferres, die Tochter eines Kohlen- sowie Kartoffelhändlers, als „Superweib“ an der Seite haben. Und Freunde wie Schröder und Wulff, den einzig legitimen Nachfolger von Heinrich Lübke. (Lübke? Wer war denn das? Kam der vor oder nach dem Ersten Weltkrieg? Oder dem Zweiten?)

Die nächsten Generationen werden schon richten, was wir in unserer Ignoranz momentan so alles versaubeuteln.

Aber der Flughafen wird vermutlich fertig werden. Berlin wählt am 18. September. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die deutschen Fans singen noch vor Spielende die Nationalhymne.

Rein das Ding – und ab nach Hause!

Bei Anne Will sagt jemand: Gegen China, gegen Indien sind wir alle klein.

Aber nicht im Fußball, bitteschön.

Im Teletext von Kabeleins lese ich:

DFB-Team überrennt Slowakei.

Im Comic-Fandom ist ein Akim-Messer aufgetaucht, das Anfang der 1950er-Jahre in limitierter Stückzahl von Lehning auf Jahrmärkten unters Volk gebracht worden sein soll. Bevor es für 3000 Euro an einen Dummen versteigert wurde, entlarvte es ein beherzter Comic-Kenner übrigens als Fälschung.

Jetzt schwätzt Ursula von der Leyen bei Will übrigens von einem Europa der Zukunft: Es ist Ihre und meine Aufgabe, gut über Europa zu sprechen.

Rolf Giesen



ZWERG GINSENG UND DIE ROTE-BEETE-VERSCHWÖRUNG by Martin Compart
4. April 2016, 8:58 am
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rolf-21[1]von Dr.Horror

Es gibt mehrere Arten von Trickfilmen. Die teuren, die jetzt in den Kinos laufen, kommen aus den USA: Disneys Zoomania und DreamWorks‘ Kung Fu Panda 3 sind auch in China die erfolgreichsten Animationsfilme überhaupt. Ein dritter, eine 3D-Mischfilm-Version von Disneys Dschungelbuch, kann zwar dramaturgisch nicht mit dem 2D-Original mithalten, aber technisch hat es Besseres auf der Leinwand noch nicht gegeben.

Künstlerisch gibt es unter den japanischen Animes einige herausragende Spitzenprodukte.

Der europäische Animationsspielfilm präsentierte sich Anfang März 2016 ein weiteres Mal auf dem seit acht Jahren in Lyon stattfindenden Produzenten-Branchentreff Cartoon Movie: prätentiös, immer noch genug, aber deutlich weniger Family Entertainment, viel erwachsener als früher. Die Veranstalter berufen sich auf die europäische Vielfalt, d. h. anders als bei Disney, DreamWorks oder in Japan gibt es keine wirklich europäische Handschrift, dafür ein Buntes Allerlei, stilistisch gelegentlich interessant, in der Animation trotz digitaler Tools teilweise hinter dem Standard von Winsor McCay – und der entwarf seine kurzen Trickfilme vor einhundert Jahren.

Ja, und dann gibt es noch deutsche Animation.

Spätestens nach dem überraschenden Kinoerfolg des „Kleinen Eisbären“ war der deutsche Animationsspielfilm auf ein Zielpublikum von Minderjährigen abonniert. Findet eine Pressevorführung eines deutschen Animationsfilms statt, schicken die Blätter in der Regel die zweite oder dritte Garnitur von Filmkritikern, denen nichts Besseres einfällt, als noch den blühendsten Blödsinn als „kindgerecht“ zu apostrophieren.

Den künstlerischen Tiefpunkt erreichte die deutsche Filmanimation in der in TV und auf der Kinoleinwand ausgewerteten „Mondbär“-Serie, die offenbar in deutschem Auftrag und mit deutschen Geldern in China oder sonst wo hergestellt wurde und die Tierfiguren zu digital aufgeblasenen Luftballons macht.

Stationen auf Deutschlands Weg nach unten wenigstens in der Trickfilm-Branche waren „Der kleine Rabe Socke“, „Ritter Rost“, „Keinohrhase und Zweiohrküken“ und „Kleiner Drache Kokosnuss“. Die Legitimität und Förderungswürdigkeit des Genres zu erhalten, waren offensichtlich keine frischen Ideen und kein neuer Stil gefragt.

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: "Verwitterte Melodie" (1943) Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: „Verwitterte Melodie“ (1943)
Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Sehen „Wickie und die starken Männer“, geschaffen für 2D, nicht scheußlich aus in durchschnittlicher 3D-Animation? Neben „Wickie“ rangiert auch die „Biene Maja“ ganz oben in der Gunst deutscher TV-Redakteure. 1912 erschien Waldemar Bonsels‘ „Die Biene Maja und ihre Abenteuer. Ein Roman für Kinder“ zum ersten Mal. Bonsels hatte das Kunstmärchen, eine Initiationsgeschichte unter Insekten, ursprünglich für seine Söhne geschrieben. Er und sein Verleger rechneten mit keinem großen Erfolg, aber dann lieferte der Feldbuchhandel überzählige Exemplare an die Soldaten im Weltkrieg aus, und bald war die „Biene Maja“ an der Front ebenso wie bei den Lieben daheim so bekannt wie Hindenburg, Ludendorff oder Kaiser Wilhelm. Geschildert wurde schließlich, zeitnah, der Kampf des edlen Bienenvolkes gegen schurkische Hornissen. Die kleine Biene, seitdem auf Bestseller-Kurs, wurde eine echte Kriegsgewinnlerin.

Nach einem stummen Maja-Kulturfilm aus dem Jahr 1926 schien es, dass allein der Trickfilm dem märchenhaften Rahmen und der angestrebten Vermenschlichung der Figuren gerecht werden könnte. 1941 erwarben die frisch gegründete Deutsche Zeichenfilm GmbH und die Ufa eine Option und planten die Realisierung eines animierten „Biene Maja“-Kinofilms in Farbe, in dem der Kampf Bienen gegen Hornissen eine dem aktuellen Kriegsgeschehen geschuldete größere Rolle spielte als vordem. Doch der Mann, den der erklärte Trickfilm-Fan Goebbels mit der Leitung der Zeichenfilm GmbH betraut hatte, Oberregierungsrat Karl Neumann, der von einer leitenden Stelle in einer Wurstfabrik ins Propagandaministerium gewechselt war, war nicht in der Lage, die Produktion durchzuziehen. Millionen Reichsmark wurden versenkt, ohne dass viel dabei herauskam, allenfalls ein farbiger Kurzfilm „Armer Hansi“ und ein Überläufer, der dann bei der Defa erschien: „Purzelbaum ins Leben“. Das Ziel, Disney auf seinem eigenen Terrain Paroli zu bieten, blieb unerreicht.

Im Vorwort zu seinem Roman „Dositos“, den er 1942 als Privatdruck in einer Auflage von 100 Exemplaren an Freunde und NS-Granden verteilte, würdigte Bonsels übrigens den „gewaltigen und gewaltsamen Anstoß“, der durch Adolf Hitler in die Welt getragen worden sei und der nicht nur das Judentum erschüttert habe, „sondern naturgemäß zugleich alles, was in der christlichen Kirche am Judentum krankt“.

 Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin Cover des Buches "Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945"

Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin
Cover des Buches „Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945“

So ein Mann gehört in der Bundesrepublik natürlich neu verfilmt. Obwohl Motive aus dem Buch entnommen wurden, haben die Produzenten der neuen „Biene Maja“ als Referenzobjekt die bekannte, harmlose und scheinbar über jeden Verdacht erhabene Zeichenfilmserie gewählt, die der damalige Leiter des Kinder- und Jugendprogramms des ZDF, Josef Göhlen, sein zeitweiliger Arbeitgeber Leo Kirch und Apollo-Film Wien Mitte der 1970er-Jahre in zwei Staffeln à 52 Folgen bei Zuiyo Enterprises (heute Nippon Animation) in Auftrag gegeben hatten: „In einem unbekannten Land vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt, von der sprach alles weit und breit. Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Maja, kleine, freche [sic!], schlaue Biene Maja…“ Karel Gott, nicht wahr.

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Als der Autor dieser Zeilen in einem Rundfunkbeitrag auf braune Flecken in der Mediengeschichte der Biene Maja hinwies, gab es im Internet einen Sturm der Entrüstung im Wasserglas. Ich zitiere:

 

Franjo Delic Hitler hat seine Suppe mit einem Löffel gegessen, der Löffel sollte als nationalistisches Symbol einer braunen Vergangenheit verboten werden!!

 

Jens Poerschke Weil Herr Goebbels „Heile-Welt-Filme“ für seine Kinder drehen lassen wollte, dürfen wir heute derartiges nicht mehr sehen? Warum? Was passiert dann?

Christian Weisweiler Da sind sie wieder, unsere pseudodevoten Betroffenheitsvirtuosen, die mit der moralischen Selbstgerechtigkeit einer Priesterkaste sogar in der Biene Maja den Antichristen sehen.

Thomas Visockis Der liebe Herr Giesen schafft es bestimmt auch aus dem Stegreif, die Anzahl der Sommersprossen von Pippi Langstrumpf auf „23“ zu bestimmen und gleichzeitig auf „666“ hoch zu rechnen…

Ralf Galleisky Es wird so vieles für die eigenen Zwecke missbraucht – die Nazis und viele andere Greuelregime haben so vieles für sich missbraucht – dafür kann Maja nichts – ich bin mit der süßen Biene und dem schwulen Willi aufgewachsen und hatte viel Spaß.

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http://www.amazon.de/Hitlerjunge-Kolberg-Propagandafilme-Dritten-Reiches/dp/389602471X?ie=UTF8&keywords=rolf%20giesen&qid=1459762424&ref_=sr_1_12&sr=8-12

Die überhaupt nicht mehr braune Biene repräsentiert geradezu exemplarisch den Niedergang des deutschen Animationsspielfilms. Das Resultat ist das Werk eines Komitees (Filmförderer, Fernsehen, Verleih usw.), dem es darum ging, nirgendwo anzuecken: Immer schön politisch korrekt, bitte.

Was hat diese banale Wald&Wiesen-Romantik mit der Wirklichkeit von Kindern im 21. Jahrhundert zu tun? Warum hat man solche Angst, deutschen Kindern grausame, aber heilsame Märchen-Dramaturgie so vorzusetzen, wie sie die Brüder Grimm verfasst haben? Fürchtet man etwa um die Seele des deutschen Kindes? Fürchtet man, dass das deutsche Kind rückfällig werden könnte? Gibt es – natürlich nur zum Besten des Kindes – eine Rote-Beete-Verschwörung der zwergenhaften Apologeten von Tai Ginseng. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen an der Kinokasse nach.

 

Rolf Giesen

 



DR.HORROR LOBT TIL SCHWEIGER! by Martin Compart
4. Februar 2016, 10:46 am
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Dr. Horror, Film, TV | Schlagwörter: , , ,

rolf-2[1]

Ich konnte kaum glauben, was mich in folgender mail erreichte:

Lieber Martin,

sah gerade Til Schweigers OFF DUTY.

Nach den Fernseh-Tatorten erwartete ich, enttäuscht zu werden, dann kam es aber ganz anders. OFF DUTY ist kein Tatort, obwohl er einige Figuren aus den NDR-Tatorten fortsetzt. Es ist kein Dialog (=Nuschel)-Film, sondern Action-Kino, das ich auf ein Budget von 12 Millionen einschätzte, bis ich erfuhr, dass sie für 8 Millionen an drei Locations gedreht haben und dadurch internationaler wirken: ein wenig Hamburg (kaum Deutsche im Visier), Istanbul und Moskau (nur wenige problematische Drehtage, aber viel an Bildern herausgeholt). Die türkischen und russischen Gegenspieler sind gut. Das Vorbild ist offensichtlich (Mini-) Bond. Wenn es wirklich nur um Action geht (einige große Sequenzen), sind das zwei unterhaltsame Stunden.

Bleibt das Problem, ob man Schweiger selbst mag, aber das steht ja auf einem anderen Blatt. Er hat es sich zum Prinzip gemacht, seine Filme nur ausgewählten Kritikern zu zeigen. Diesen hier hätte er der Presse ruhig zeigen können. Ich bin selber sprachlos, und vielleicht hat Schweiger recht, wenn er Christian Alvart, den Regisseur, hervorhebt. Luna Schweiger bleibt angenehm im Hintergrund, es geht um sie, aber sie hat nur wenige Szenen. Ich verstehe es selber nicht. Es kann natürlich sein, dass die Kritiken der TV-Tatorte auf den Kinofilm abfärben. Trotzdem mag man nicht glauben, dass das ein deutscher Film. Er ist es ja auch nicht.

Herzlich grüßt

Rolf