Martin Compart


DIE DUNKLE WELT DES BOSTON TERAN 1/ by Martin Compart
26. Juni 2011, 1:27 pm
Filed under: Boston Teran, Crime Fiction, Film, Krimis,die man gelesen haben sollte, Noir | Schlagwörter: , ,

1999 erschien bei Knopf (der Verlag von Hammett und Chandler u.a.) der erste Roman von Boston Teran: GOD IS A BULLET. Beim Noir-Publikum schlug er ein wie eine Bombe (und selbst die Mystery Writers of America kamen nicht um eine Edgar-Nominierung herum). Wie ein Charon nimmt er den Leser mit auf eine Reise über den Styx. Der Verlag war von dem Manuskript so beeindruckt, dass er eine halbe Million Dollar als Vorschuss hinlegte.

Sprachgewaltig und düster erzählt er die Quest eines Deputy Sheriffs und einer Ex-Junkie durch die Wüsten Südkalifiorniens auf der Suche nach einem Satans-Kult, der die Tochter des Deputys entführt hatte. Als ob Hunter S.- und Jim Thompson ein Update von John Fords SEARCHERS gemacht hätten. Case, die ehemalige Junkie, war einst Mitglied des Kultes und weiß besser um die Gefahren, die sie erwarten, als Bob, der Cop. Schmerzhafte Erfahrungen und Entwicklungen machen sie zu einer Kriegerin, die es so in der Literatur noch nicht gegeben hat. Auch der eingerostete Bulle muss sich ändern, wenn sie ihr Ziel erreichen wollen. Er muss zur Bestie werden, wenn sie überleben wollen. Mit ihrer Hilfe geht Bob undercover um den Kult und den von ihnen kontrollierten Drogenhandel auszuräuchern. Eine Reise durch die Hölle und zurück. Bob und Case werden dazu gezwungen, für Cyrus, dem Manson des Kultes, jemanden umzubringen bevor es zu einem nie zuvor gelesenen Showdown in der Wüste kommt. Selten wurde im Präsenz so überzeugend und kraftvoll erzählt.

Teran teilt das Buch in drei Phasen, die er anscheinend von Arnold VanGenneps 1909 veröffentlichter anthropologischen Studie RITES OF PASSAGES übernommen hat: The rite of seperation, the rite of transition und the rite of incorporation. Van Gennep problematisierte rituelle Entwicklungen, die einen Menschen sein altes Ich überwinden lassen um ein neue Persönlichkeit zu erreichen mit einer neuen gesellschaftlichen Position. Bobs und Cases Quest beinhalten auch diesen psychischen Prozess. Durch Case und die gewählte Aufgabe wandelt sich Bob in schmerzhaften ritualisierten Prozessen von einem passiven, nur den Regeln verpflichteten Menschen zu einem aktiven Mann mit Einblick in die Natur des Bösen. Wie Satre scheint Teran der Meinung anzuhängen, dass nur in der reinen Aktion Hoffnung liegt. Teran bietet auch keine der üblichen psychologischen oder Erklärungsmodelle als Verallgemeinerung. Er differenziert: Case Hingebung ins Böse(als früheres Mitglied des Kultes)und Drogensucht wird erklärt durch Misshandlungen und Missbrauch in ihrer Kindheit. Sie gab die Drogen auf, damit sie Cyrus aufgeben konnte. Dagegen sagt die Ziehmutter über Cyrus, er habe nichts erlebt, was seine abgrundtiefe Schlechtigkeit erklären könne.
Sprachlich und thematisch hat Terans Roman mehr gemein mit Cormac McCarthys BLOOD MERIDIAN als mit den zeitgenössischen Genrekollegen. Teran erspart einem nichts. Seine Noir-Welt ist brutal und erbarmungslos. Dagegen ist Ellroy nur ein verängstigt kläffender Köter. Publishers Weekly befand den Roman „Cynical and DeLillo-like in its observations“.

Teran brennt Sätze ab wie:

„At least all things must be equal in their nothingness.“

„The first time she´s been part of a sentence that is not fundamentally a condemnation.“

„Case notices that she has the crinkled look of a decade more of laydowns and she listens to her friends´ high-pitched clutter as if she knows that plans are just a disappointment in the making.“

„…the redneck border country where grease and beer and Jesus were specialities of the house.“

„They pass silently, but they eye Case through their own brand of family values.“

“Even with their teased hair and faces powdered they look to be all of seventeen, full of long hopes and short budgets.“

“They all laugh and huddle up close, clucking away till there´s barely enough room for sunlight between them.“

“You´re a desk boy at the door of the real world.”

Es ist ein Trip des Grauens, John Steinbecks Version von HEART OF DARKNESS. Der Leser begegnet Charakteren (jede Nebenfigur ist voller Leben), denen er außerhalb des Buches nicht begegnen möchte. Cyrus, der Kult-Führer, ist beängstigender als Dr.Lecter und Charles Manson zusammen. „He ist he scream from a silent razor across your throat.” Der Leser hält eine gezündete Granate in den Händen, die ihm jederzeit um die Ohren zu fliegen droht.

Der komplette Text in:

cover

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STAMMTISCHGEGRÖLE: BLONDINE MIT HIRN ENTKERNTEN BLICK by Martin Compart
23. Juni 2011, 8:35 am
Filed under: Ekelige Politiker, fdp, NEWS, ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, Stammtischgegröle | Schlagwörter: ,

Warum sind die freifallenden Demokraten Deutschlands (FDP) gegen Sklaverei und Leibeigenschaft?
Weil die Lohnkosten zu hoch sind.

Faulheit aber auch!

Die Universität Heidelberg hat ihr die Doktorwürde aberkannt. Also deutlich gemacht, dass Silvana Koch-Mehrin ihre wissenschaftliche Arbeit plagiiert hat. Für die FDP ein guter Grund, ihrer Europa-Abgeordneten neue Aufgaben zuzutrauen: Sie wird wird Vollmitglied im Brüsseler Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Das kommt einer Beförderung gleich – vorher war sie stellvertretendes Mitglied in dem Gremium, berichtet „Spiegel Online“. Bei der FDP und in der EU gilt seit langem: Unredlichkeit währt am längsten! Vielleicht schlagen die europäischen Liberalen ja auch bald vor, Dutroux vorzeitig zu entlassen und als Kindergärtner einzusetzen.
Der neue Vorsitzende der Bubi-Partei, Philip Rösler (Kosename: Dr.Fu-Manchu, da er in der Gesundheitspolitik ähnlich desaströs agierte wie sein populärkulturelles Vorbild) möchte aber erst was zu jener Mehrin sagen, wenn alle Rechtsverfahren abgeschlossen sind. Das heißt: So lange Mehrin gegen ihre Kritiker klagt, gilt die Unschuldsvermutung. Ja, das ist die Rechtsauffassung freier Kleingeister, wie sie so nur in der FDP zu finden sind (was nicht für die anderen Parteien spricht, sondern explizit gegen die FDP). Und schon kommt der nächste um die Ecke! Das HANDELSBLATT berichtete am 20.6.2011: „FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis ist für diesen Montag zu einer Anhörung vor einem Ausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn eingeladen. Am 29. Juni entscheidet der Fakultätsrat der Universität, ob Chatzimarkakis die Doktorarbeit gemäß der damals geltenden Promotionsordnung verfasst hat.“ Höchste Zeit, auch mal die Mittlere Reife von in Vergessenheit abzudriftzende Koryphäen wie Wolfgang Clement (SPD) oder den Taxischein von Ex-Außenminister Josef (für Freunde einfach „Joschka“) Fischer (für Nicht-Freunde einfach Silberrücken) zu überprüfen (hat Ex-Kanzler Proll Gert eigentlich einen Titel neben einem abgeschlossenen niedersächsisem Jura-Studium? Und ist das überhaupt in Bayern anerkannt?). Und es ist höchste Zeit, wieder die Abgeordneten-Diäten zu erhöhen. Sonst können wir Deutschlands klügste oder geldgierigste Kopfe nicht länger als Volksvertreter an die Parlamente binden und sie würden zu Hartz IV oder in die freie Wirtschaft (Banken?) abwandern.


…Dr.Fu-Manchusche Versuchsreihen. Rösler über den Umgang mit Arbeitslosen, Arbeitnehmern und nicht-Bankern.



ZEN-MEISTER DES THRILLERS: TREVANIAN 3/ by Martin Compart
17. Juni 2011, 8:15 am
Filed under: Krimis,die man gelesen haben sollte, Porträt, thriller, Trevanian | Schlagwörter:

„The Trevanian Buff is a strange and wonderful creature: an outsider, a natural elitist, not so much a cynic as an idealist mugged by reality, not just one of those who march to a different drummer, but the solo drummer in a parade of one“, bemerkte Trevanian einmal. Trevanian-Buffs sind nicht nur verrückt nach seinen Stories und Charakteren, sie lechzen auch nach jedem Satz des Meisters, beten seinen Stil an, der zynisch und poetisch ist. Seine Wut auf die Konsumgesellschaft, die auch Leben als Ware ansieht, gibt diesem Stil seine durchschlagende Wirkung. SHIBUMI ist der kompromisslose Höhepunkt seiner Poesie der Wut und Verachtung.

„Wie sich herausstellte, übte (Hels Sammlung von Kiyonobu- und Sharaku-Drucken) einen gewissen Einfluss auf den Niedergang der gleichmacherischen Kunst Amerikas aus. Der Offizier, der sie beschlagnahmt hatte, schickte sie nach Hause, wo sein geistig minderbemittelter Sohn die freien Flächen prompt mit Buntstiften ausmalte und sich dabei so genial innerhalb der vorgegebenen Linien hielt, dass die liebevolle Mutter in ihrer Überzeugung von der Kreativität des Kindes bestärkt wurde und seine Erziehung auf die Kunst ausrichtete. Dieser begabte Knabe wurde später aufgrund seiner mechanischen Präzision bei der Darstellung von Lebensmittelkonservendosen ein führender Künstler der Pop-Art-Szene.“

Für viele deutsche Leser sind Trevanians kultivierte und gleichzeitig ironisch bösartige Formulierungen wohl wenig goutierbar. Zuviel Schund hat sie zu Thriller-Pisaisten gemacht. Sätze, in denen wunderbare Apercus aufblitzen, überfordern sie: „Im Laufe der Monate, während der er im Auftrag der Muttergesellschaft alle CIA-Aktivitäten im Zusammenhang mit den Interessen der ölproduzierenden Länder überwachte, hatte er erfahren müssen, dass Männer wie Starr trotz ihrer institutionalisierten Unfähigkeit keineswegs wirklich dumm waren.“

Wer schon durch Robert Ludlum oder Ross Thomas überfordert ist, der sollte die Finger von diesem komplexen Roman lassen; für diese Klientel gibt es hinreichend Lektüre von Matthew Reilly bis James Rollins. SHIBUMI ist was für Feinschmecker, die jede – manchmal zeitlupenhaft gedehnt – Szene genießen, die wahnwitzigen Tempiwechsel beklatschen und sich an Charakteren erfreuen, die in der Literatur außerhalb von Trevanians Kosmos nicht zu finden sind.
Bereits in den Hemlock-Romanen hatte er mit parodistischen und humoristischen Mitteln gearbeitet und eine seltsame Mischung aus Realismus, Komik und tragischen Elementen entwickelt. Manchmal hat es sogar etwas von den allerbesten Meisterwerken der Marvel-Comics (Stan Lee gelang in seinen guten Momenten auch diese Ausgewogenheit zwischen in den Wahnsinn gesteigerter Fiktion, Realismus und persönlicher Tragödie).

Trevanian nahm in SHIBUMI den modernen Techno-Thriller von Clancy &Co. (nicht den traditionellen, der wohl mit Adam Hall und Len Deighton begann) vorweg und schuf gleichzeitig seine ideologische Anti-These.
Gegenüber stehen sich der Supergeheimdienst der „Muttergesellschaft“ und der Einzelkämpfer Nikolai Hel. Der Dienst kontrolliert seine Technik kaum noch, sondern wird von ihr beherrscht. Als bürokratische Vertreter der am Horizont aufscheinenden IT-Gesellschaft pflegen sie die Technologie in der Erwartung, dass diese ihre Probleme löst.
Hel dagegen strebt mit Erkenntnis dem Ideal des autonomen Individuums nach, geprägt durch eine alte Kultur, deren Spiritualität er als Waffe und Existenzverwirklichung nutzt. Man könnte den philosophischen Subtext endlos durchdeklinieren: Degenerierte Zivilisation gegen Natur, West gegen Ost, Masse gegen Individuum, kurzfristiges, egoistisches Erfolgsdenken gegen langfristige Konzepte, Mentalität von Maschinisten und Krämern gegen unabhängiges denken.

Was man SHIBUMI zu Recht vorwerfen kann, ist Trevanians Glorifizierung der japanischen Kultur. Die unerträglichen Grausamkeiten dieser Krieger- und Unterwerfungsmentalität spart er aus (wer fiktional und literarisch auf hohem Niveau deren Absurdität und Menschenverachtung erleben möchte, sollte unbedingt Stephen Beckers DER LETZTE MANDARIN lesen). Die Arroganz dieser Kultur zeigt Trevanian sympathisch überhöht in Nikolai.

Im Gegensatz zu dümmlichen Verschwörungstheoretikern lässt Trevanian keinen Zweifel daran, dass die Menschen verachtende Muttergesellschaft und die ihr übergeordneten Interessen nicht der Grund für den moralischen und ökonomischen Niedergang des Westens und der von ihm dominierten Regionen ist, sondern das Resultat.

Natürlich kann sich Winslow weder literarisch noch thematisch mit Trevanian vergleichen. Aber er macht einen ganz guten Job, hat die Fakten richtig und ist weitgehend in Hels Charakter und Weltsicht eingetaucht. Aber er verfügt weder über Trevanians Eleganz, noch über seinen politischen Zynismus. Besonders der zweite Teil in Indochina wirkt etwas lustlos routiniert, während Winslow im ersten Teil wohl noch von seinem Enthusiasmus für dieses einmalige Unternehmen getragen wurde. Trotzdem ist SATORI ein guter Thriller – nur eben kein Trevanian. Zum Glück nie so peinlich wie Robert B.Parkers Marlowe-Romane oder John Gardners restringierte Fleming-Sequals. Winslow fehlt diese letzte Portion Gnadenlosigkeit in der Weltsicht, die Trevanian als Stilelement einsetzt und Nebensächlichkeiten originell wirken lassen.



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ICH BEFEHLE – EIN UNGERN-STERNBERG-ROMAN by Martin Compart
7. Juni 2011, 10:12 am
Filed under: Bücher, Film, Nazi, Politik & Geschichte, Ungern-Sternberg | Schlagwörter: ,

Im rechts esoterisch ausgerichteten Regin Verlag wurde der 1938 erschiene Trivialschmöker ICH BEFEHLE von einem Berndt Krauthoff neu aufgelegt. Es behandelt auf sehr freie Art das Leben des blutigen Barons Ungern-Sternberg (u.a.wird ihm eine tragische Liebesgeschichte angedichtet). Da dieser Roman heute teuer in Antiquariaten gehandelt wird, ist es erstmal erfreulich ihn für Interessierte wieder zugänglich zu machen.
Ergänzt wird die Neuausgabe durch ein Theaterstück KREUZZUG 1921 von Michael Haupt) und einem Nachwort von einem russischen „Ungern-Sternberg-Experten“, der auf Teufel-komm-raus die faschistische Ideologie zu leugnen versucht.

Kusmin behauptet allen ernstes, der Roman sei weder „deckungsgleich mit den ideologischen Standpunkten des 3.Reiches noch vertrete er „unmittelbare politische Propaganda“. Das begründet er mit Ungerns monarchistischen Haltungen und dem Respekt „den Nationen Asiens gegenüber“. Im 3.Reich wurde aber geradezu ein Kult um feudalistische Fürsten in Romanen und Filmen verbreitet. Und sowohl Tibeter wie Japaner (immerhin ein Verbündeter) waren hoch angesehen und ihre verquaste Kriegeresoterik und autoritärer Lamaismus von Himmler und seiner Ahnenerbe-Gang mystifiziert. Propagandistisch werden Japans Interessen im Fernen Osten und besonders der Mongolei durch ein behauptetes Pan-Asiatentum fälschlich dargestellt (es ging den Japanern, wie den Deutschen, um ihre Idiotenideologie vom Übermenschentum, um Raub von Bodenschätzen und Landnahme). Die Japaner strebten auf dem asiatischen Festland nie etwas anderes an als eine imperiale Vormachtstellung. Der irre Baron (genau wie seine Kumpane Semjonow und Kalmykow) waren nichts anderes als nützliche Idioten für die Interessen des Kaiserreichs – auch wenn jemand wie der Baron gelegentlich aus dem Ruder zu laufen drohte. Was degenerierten russischen (oder baltischen) Adel mit Japan und Deutschland verbindet, ist der Irrglaube an die Überlegenheit der eigenen Rasse oder Klasse.

Im weiteren Verlauf seines Aufsatzes weist Kusmin auf die zahlreichen historischen Fehler in Krauthoffs Roman hin.
Der interessanteste Teil ist Kusmins kurzer Abriss des Lebens von Ungern, da er sich auf russische und mongolische Dokumente stützt, die im Westen schwer zugänglich sind. Aber alles in allem ist dieses mangelhaft edierte Werk eher eine nette Zusatzlektüre zu Palmers Biographie.

Letztlich ist diese Edition kein Ruhmesblatt für den Verlag. Wenn dieser schon den 125.Geburtstag seines „Helden“ mit einer Neuedition von Krauthoffs Machwerk abfeiert, hätten die Lektoren zumindest einen Aufsatz zu diesem unbekannten Autor und der Rezeptionsgeschichte des Buches beisteuern müssen. Denn über den Autor erfährt man weder etwas im Netz, noch in den einschlägigen Lexika. Wer war er? Wie kam es zu diesem Buch? Warum gibt es kein weiteres Buch von ihm? Die Antworten auf diese Fragen wären bestimmt spannender als Krauthoffs Primärtext (der es immerhin zu einer amerikanischen Übersetzung in kleiner Auflage gebracht hat). So wie es ist, erinnert die Ausgabe eher an eine unkritische Fan-Edition. Man findet auch keinen – längst überfälligen – Artikel zu Ungern-Sternberg in der Populärkultur: Schließlich wurde er in Comics (Corto Maltese), zahlreichen Romanen, Thrillern (Daniel Easterman), Filmen (Sie nannten ihn Sukhe Bataar) und Fernsehserien verewigt. Der französische Filmproduzent Bober versuchte in seiner Berliner Zeit in den 1990er Jahren ebenfalls einen Film über Ungern-Sternberg auf die Beine zu stellen. Regie sollte Lars van Trier führen und die Hauptrolle Willem Defoe spielen (der aber in Berlin absagte, nachdem er van Trier-Filme angesehen hatte – was man unschwer verstehen kann). Das (mir vorliegende) Drehbuch stammte von dem in Berlin lebenden Exilschriftsteller Friedrich Gorenstein (der bei uns vor allem durch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Tarkowski bekannt ist). Durch den Autor, Journalisten und Filmkritiker Ulrich von Berg war ich persönlich damals kurzfristig an dieses Filmprojekt heran geführt worden.