Martin Compart


NOIR-KLASSIKER: NORMAN MAILERS „HARTE MÄNNER TANZEN NICHT“ by Martin Compart

TOUGH GUYS DON´T DANCE beginnt mit einem hinreichend bekannten Noir-Plot: Der Protagonist erwacht ohne Erinnerung an die vorherige Nacht mit dem unguten Gefühl, dass etwas sehr schlimmes passiert ist und das Erwachen der Anfang eines Alptraums sein könnte. Aber in der Genre-Literatur (gibt es andere? Sind Königsdramen und Sonette etwas anderes?) geht es nicht um den Plot, sondern darum, was man daraus macht. Und was Mailer aus diesem klassischen Noir-Plot rausholt, ist umwerfend.

Auf Cape Code kommt der ehemalige Dealer und Möchtegernschriftsteller Tim Madden mit einem schlimmen Kater zu sich: „Ich (versuchte) die Nebelbänke der Erinnerung zu durchdringen.“

Er kann sich an die vergangene Nacht nicht erinnern und entdeckt eine neue Tätowierung an sich, die pikanterweise den Namen einer alten Flamme trägt. Ausgerechnet den Namen der einzigen Frau, die seine Ehefrau gar nicht leiden kann. Und Tim leidet noch darunter, dass seine Ehefrau ihn vor genau 24 Tagen verlassen hat.

Damit kreierte Mailer ein Noir-Motiv, das in den letzten Jahrzehnten durch Filme, wie etwa Christopher Nolans MEMENTO oder TV-Serien wie BLINDSPOT und wahrscheinlich dutzende Romane, zu einem gähnend langweiligen Topos verkommen ist.

Mailer treibt diese klassische Noir-Situation anfangs ganz langsam voran: Nach Rückblenden, die uns verdeutlichen, mit was für einem Kretin wir es zu tun haben, entdeckt Madden auf den Sitzen seines Porsche Blutspuren und an seinem Marihuana- Versteck den Kopf einer Blondine. Spätestens jetzt weiß man, dass Mailer uns einen Cornell Woolrich-Plot auf Droge serviert. Die Witzbolde von der KIRKUS REVIEW erinnerte der Plot damals an Saul Bellow und Thomas Berger. Von Cornell Woolrich oder David Goodis hatten die wohl noch nie etwas gehört.

Norman war der tough-guy unter den US-Autoren nach Hemingway.

Nur ist Mailer natürlich ein ganz anderes Kaliber als der arme Cornell. Sein Ich-Erzähler ist ein runder Charakter, eine gequälte Seele, von der reichen Frau verlassen, beruflich nicht von Glück gesegnet und mit einem fatalen Hang zum toxischen.

Wie bei Woolrich eröffnet sich die Frage: Hat Madden während seines Blackouts gemordet? Sucht er sich selbst als Täter? Vergangenheit lässt sich nicht durch Amnesie verdrängen. Bei seiner irren Fahndung – die Leichen, bzw. Köpfe häufen sich – begegnet er so ziemlich jedem Psychopathen von Cape Code (unter die Haut gehen einem besonders Maddens Gespräche mit seinem Vater).

Der Leser traut dem ziemlich durchgeknallten Ich-Erzähler durchaus zu, dass er in Blackouts mordet. Je mehr wir von ihm erfahren, umso deutlicher scheint er zu der Art Täter zu gehören, die versuchen, Realität in ihre Fantasien herein zu choreographieren.

Anders als in den meisten Noir-Romanen mit ähnlicher Ausgangssituation beginnt Mailer nicht mit dem Schockeffekt. Die Ouvertüre deutet das Erwartbare an, aber Mailer zieht es in die Breite um den Protagonisten vorzustellen und erste Indizien vorab zu suggerieren. Bevor Maddens Alptraum eine höhere Ebene erlangt, erinnert er sich an sein reduziertes Leben in der Betäubung einer Säufer-Existenz, zusätzlich von Sexsucht und der Sentimentalität des Versagens geplagt. Ganz ähnlich einem Goodis-Charakter. Hier zeigt sich wieder Mailers Klasse: Die Kunst des Plottens besteht in der effektivsten Anordnung von Informationen und Ereignissen – nicht unbedingt in der folgerichtigsten.

Mailer zieht uns in die faszinierende November-Atmosphäre von Cape Code, wenn Besucher und Sommerbewohner die Insel verlassen haben und der Nebel wie das Böse von der See her über den Strand zu kriechen beginnt. Die Beschreibungen von Provincetown sind so eindrucksvoll und tief, da Norman hier lange lebte.

Der Schauplatz scheint mir darüber hinaus auch aus literarischen Gründen bewusst gewählt: Das winterliche Provincetown ist wie der leicht modernisierte Schauplatz einer Gothic Novel (tatsächlich war es der Ort, an dem die Gründerväter erstmals amerikanischen Boden betraten um dann aber schnellstens nach Plymouth abzuhauen). Und wie in vielen Noir-Romanen, schwingt auch bei Mailer etwas von einer Gothic Novel mit. Besonders in dieser Off-season-Atmosphäre, in der die Psychopathen nicht von Touristen gestört werden und auf sich selbst zurückgeworfen sind.

Living in Provincetown on the edge of those rare, towering and windy dunes . . . I had begun to think of a novel so odd and so horrible that I hesitated for years to begin it… in winter the town is filled with spirits – a place for murderers and suicides… ‚a few years ago, a young Portuguese from a family of fishermen killed four girls, dismembered their bodies, and buried the pieces in twenty small and scattered graves. The town is so naturally spooky in mid-winter and provides such a sense of omens waiting to be magnetized into lines of force that the novel in my mind seemed more a magical object than a fiction, a black magic.“

Eben ein Ort, in dem man in Frieden elendig zugrunde gehen kann.

Im ganzen Wahnsinn des Romans, von der Kritik bei der Erstveröffentlichung nicht verstanden und verdammt, zeigt sich einmal mehr die Verlorenheit des Individuums als Topos des Genres. Auch die scheinbar wahnwitzige Handlungsführung presst frischen Wein aus alten Schläuchen. Mailer gehörte immer zu den skrupellosesten Erzählern – auch sich selbst gegenüber, besonders sich selbst gegenüber in diesem im Subtext höchst persönlichen Roman. In TOUGH GUYS nutzt er den Noir-Roman um die existenzielle Leere des Kapitalismus zu zeigen. Mailer erkannte, das sich dafür keine andere Literaturform besser eignet. Und um den Mythos „Noir“ richtig zu bedienen, behauptete er, den Roman in nur zwei Monaten geschrieben zu haben.

Damals warf ihm die Kritik vor, er hänge und jammere einer verlorenen Machomännlichkeit nach. Als ob der Noir-Roman, der Kapitalismus und bürgerliche Kultur reflektiert, nicht schon immer und wohl auch künftig die Kastration der selbstbestimmten Existenz beklagt, die dem System innewohnt, und seit dem 2.Weltkrieg das „Ernährermonopol“ dem Mann zunehmend nimmt. Der fortschreitende Verlust dieses Mandats spiegelt sich in Mailers gesamten Werk, in dem Sex und Gewalt – ähnlich wie in der Realität – immer exzessiver werden.

Einer dieser Poeten von SPIEGEL ONLINE (immer im Irrtum, nie im Zweifel) schrieb noch am 10.11.2007, wohl um die eigene Phobie in den Griff zu kriegen: „In den Achtzigern beschäftigte sich der bekennende Antifeminist mit der Geschlechterfrage und veröffentlichte Harte Männer tanzen nicht, eine als Krimi getarnte Reflexion über Homosexualität als letztes Rückzugsgebiet der echten Männlichkeit.“  Vielleicht träumte er aber auch nur von einem brutalen Boxer, der ihn in einer dunklen Gasse hart rannimmt.
Das bourgeoise Feuilleton hat immer seine Probleme mit Freigeistern, die sie weder in ihren erbärmlichen Kammern besuchen, noch sie zu irgendwas einladen, das aufregender ist als Signierstunden mit einem Sektchen.

Norman bereitet sich auf eine Pressekonferenz vor.

Mailer hatte so eine Art Pakt mit ihnen: Er verachtete sie (verprügelte auch mal den einen oder anderen – was nicht besonders fair war, denn Mailer boxte aktiv, und wie wir wissen, ist Boxen neben Fußball der Lieblingssport ungelenker und zur vorzeitigen Verfettung neigender Feuilletonisten, natürlich ausschließlich mit einem gutgekühlten Weißwein vor dem Fernseher) und sie verrissen dafür jedes Buch von ihm, ohne den Erfolg verhindern zu können. Sie kamen einfach nicht klar mit einer jüdisch-intellektuellen Schreiber-Variante von Clint Eastwood.

Was Mailer interessierte, waren eben Nischenthemen, wie zum Beispiel Politik, Sex und Gewalt, die außerhalb ihres behüteten Erfahrungshorizonts lagen und liegen.

Der Roman ist einer der eindrucksvollsten der Noir-Literatur: Charaktere, Atmosphäre, Reflektion, Wahnsinn und Plot sind brillant in einer gleichgewichtigen Behausung, beschienen von einer stilistischen Eleganz, die Mailer auf der Höhe seiner Kunst bestätigt; er schrieb das Buch mit 61 Jahren.

„Trotzdem, ein bestimmter Roman kam tatsächlich unter akutem finanziellen Druck zustande, nämlich Harte Männer tanzen nicht. Ich hatte mich gerade von meinem Verlag Little, Brown getrennt und war noch ziemlich erschöpft von den Frühen Nächten. Ich hatte ein Jahr lang nicht gearbeitet, aber der Verlag hatte mich das Jahr über bezahlt und teilte mir mit, dass ich ihm deshalb noch ein letztes Buch schulde. Also schrieb ich es innerhalb von zwei Monaten. Dann habe ich es Little, Brown abgekauft und mich damit schuldenfrei gemacht. Mir haben die Harten Männer allein schon aus diesem Grund große Genugtuung bereitet.“ (DIE WELT 24,11,1997)

Das klingt doch nach bester Paperback Original-Tradition!

Als eine der gnadenlosesten Stimmen gegen das Establishment hatte er sich seit den 1950ern hervorgetan. 1955 war er Mitbegründer der VILLAGE VOICE, der Mutter aller Underground-Magazine („Die Mitbegründer wollten Erfolg sehen, ich hingegen wollte ein Blatt, das allen ins Gesicht schlug… Wie alle Generäle, die eine Ein-Mann-Armee befehligen, fing auch ich im Vertrauen auf eine Geheimwaffe an. Ich hatte Marihuana.“).

Er hatte sich beharrlich einen Ruf als Schläger, Säufer und Weiberheld erarbeitet, schockierte regelmäßig mit Schock-Romanen, Faction, New Journalism und Reportagen (ARMYS IN THE NIGHT über die Anti-Vietnam-Bewegung ist eine der berühmtesten), sammelte Preise ein und verarbeitete die Messerattacke auf seine Frau, 1961, (die ihm fünf Jahre auf Bewährung einbrachte) zu einem Noir-Roman: AN AMERICAN DREAM (1966 verfilmt von Robert Gist mit James Whitmore).

Er kandidierte erfolglos als Bürgermeister für New York, verurteilte Kosovo-, Afghanistan-und Irak-Krieg und ließ auch als zorniger alter Mann keine Gelegenheit aus, um voller Verachtung den Politikern ihre Erbärmlichkeit vorzuhalten.

Im März 1999 schrieb er an einen Freund:

Wenn dieses Land in die Binsen geht, und das tut es bestimmt, dann glaube ich, man könnte den Niedergang nicht nur anhand der Moral abbilden, sondern auch im Sinne eines gesellschaftlichen Eklats und gesellschaftlicher Standards – ich glaube, man könnte die Niedergangskurve direkt neben den Anstieg des Dow Jones zeichnen: je höher der Dow, desto niedriger die Standards. Geld zerstört alle anderen Werte. Ich kann die rechtskonservativen Republikaner sogar dafür respektieren, dass sie bestimmte Werte hochhalten, aber sie nehmen sich nie den Kapitalismus vor, der – ungezügelt – die schlimmste Geißel menschlicher Werte unserer Tage darstellt.“

Norman machte einem auch klar, das Literatur ein einsames und undankbares Geschäft ist.

Er starb 2007 mit 84 Jahren und hatte sein literarisches Leben 1948 als Wunderknabe begonnen mit dem Roman DIE NACKTEN UND DIE TOTEN, der als einer der besten Kriegsromane der Weltliteratur gilt.

Mailer war ein zorniger Mann. Sein Zorn auf bestimmte Verhältnisse war ein nicht zu unterschätzender Quell seiner Arbeiten,  Mit „Zorn“ als erstem Wort der ILLIAS beginnt die westliche Literatur. Mailers Zorn war oft zu groß, um ihn nur literarisch zu nutzen. Als politischer Mensch schmiss er mit Zornesblitzen um sich wie Zeus.

Es war vor allem Norman Mailer (und einige andere wie Tom Wolfe, Truman Capote, William Burroughs, Jack Kerouac, Hunter S. Thompson), der das Literaturverständnis (zumindest in den USA) in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts radikal verändert haben.

Um Genre-Grenzen hatte er sich immer einen Dreck geschert. ANCIENT EVENINGS von 1983 war eine irrwitzige Mischung aus (anti-)historischen Roman und Fantasy-Elementen. 1991 hatte er mit HARLOT´S GHOST begonnen, die Geschichte der CIA als „Epos der geheimen Mächte“ zu schreiben. Obwohl am Ende des voluminösen Romans „Fortsetzung folgt“ versprochen wird, hat er das Sujet nicht mehr aufgegriffen. Was eine verdammte Schande ist, denn das Werk ist einer der größten literarischen Pageturner des Polit-Thrillers.

Er ließ es sich nicht nehmen, seinen Roman mit Ryan O´Neal, Isabella Rosselini und Wings Hauser (alle großartig) selbst zu verfilmen. Als Dialogcoach kam sogar Ira Levin an Bord und übernahm auch eine kleine Rolle (die von Merwyn Finney).

Mailer hatte bereits Filme gedreht, bevor er nach fast 15 Jahren wieder ein Set tyrannisierte: Wild 90, 1968, Beyond the Law, 1968, Maidstone, 1970.

Die Produktionsfirma Cannon litt Mitte der 1980er unter ihrem Action-Image. Krampfhaft wollte man beweisen, dass man nicht nur Kompetenz für Charles Bronson-Vehikel und ähnliches hatte. Sie starteten eine so genannte „Qualitätsoffensive“ und ließen Autoren wie Altman, Cassavetes, Godard und Schroeder gewähren um ihr Image aufzuwerten.

Das war die Chance für Mailer. Und er nutzte sie, weil ein Mann tut, was er tun muss.

Natürlich wurde der Film damals gewaltig verrissen, heute hat er – wohl genauso natürlich – Kultstatus. Was diese Kritiker einfach nicht begriffen haben:  der Film suhlt sich nicht in Absurdität,  sie ist seine Basis.

Eine der schönsten jüngeren Rezensionen eines „Nachgeborenen“ ist von Oliver Nöding, in seinem Blog:
https://funkhundd.wordpress.com/2012/07/29/tough-guys-dont-dance-norman-mailer-usa-1987/

Und dann lest unbedingt MiCs Hammerkommentar, der Insiderwissen  vermittelt, das schwer zugänglich ist. Durchschnittlichen „Journalisten“ mit Festanstellung in den Systemmedien natürlich gar nicht.

P.S.: Die deutsche Ausgabe mit der Übersetzung von Günter Panske kann man nicht nur nicht empfehlen, man muss vor ihr gar warnen.


ANHANG:

Mir ist es egal, ob die Leute mich einen Radikalen nennen, einen Rebellen, einen Roten, einen Revolutionär, einen Außenseiter, einen Gesetzlosen, einen Bolschewiken, einen Anarchisten, einen Nihilisten oder gar einen Linkskonservativen, aber bitte nennen Sie mich nie einen Liberalen.“

Norman Mailer im Dezember 1962 an den PLAYBOY.

Zu seinem 70.Geburtstag schrieb ich in der JÜDISCHE ALLGEMEINE Wochenzeitung eine kleine Würdigung. Die erlaube ich mir hier unkorrigiert zu wiederholen – aus einem ersichtlichen Grund: Ein paar Wochen nach der Veröffentlichung, erreichte mich nämlich die untenstehende Note von Mr. Mailer, die mich irrsinnig freute: Mein langjähriger Guru hatte meine Existenz wahrgenommen. Keine Ahnung, wie er auf den Artikel aufmerksam geworden war.

ZUM 70.GEBURTSTAG VON NORMAN MAILER

Ich bin als Schriftsteller nicht so gut wie Hemingway„, behauptet Norman Mailer, der gerade seinen 7o.Geburtstag hinter sich gebracht hat. Das mag in stilistischer Hinsicht stimmen, aber was die thematische Spannbreite seines Werkes angeht, ist er Hemingway und seinen Zeitgenossen klar überlegen. Als Hemingways Nachfolger kultivierte er den Action-Man und Macho als Schriftsteller.

Aber er hat auch noch eine andere Seite: die des jüdischen Ostküstenintellektuellen, der in seinen Werken eine gedankliche Schärfe erreicht, von der Hemingway nur träumen konnte. Bestes Beispiel ist sein letzter Roman HARLOT’S GHOST (deutsch in zwei Bänden bei Herbig erschienen), einem Entwicklungsroman, der die Geschichte der CIA bis zur Kuba-Krise erzählt und neben dem grandios aufbereiteten Faktenmaterial eine innere Wahrheit erreicht, die kein Sachbuch über diese heimliche Macht in der US-Gesellschaft leisten kann. Das Buch, dem eine Fortsetzung folgen soll, ist fraglos der große amerikanische Roman der letzten Jahrzehnte und das Magnum Opus des Kalten-Kriegs-Romans, der LeCarré auf die Ränge verweist.

Auf die Fortsetzung wird der ungeduldige Leser noch etwas warten müssen; momentan arbeitet Mailer an einem Buch über Picasso und: „Die Frage ist heute nicht mehr, ob es mir gelingt, den großen Wurf zu vollenden, sondern, ob das überhaupt noch jemanden interessiert. Es geht nicht mehr um mich oder einen anderen, sondern um das Überleben der Literatur schlechthin. Ich fürchte: Die Zukunft der Schriftsteller sieht düster aus„.

Mailer wurde am 31.Januar 1923 als Sohn eines litauischen Bücherrevisors in Long Branch, New Jersey geboren. Er wuchs in Brooklyn auf und studierte in Harvard Bautechnik. 1944 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst im Pazifik. Das dort erlebte wurde Grundlage seines ersten Romans, THE NAKED AND THE DEATH, der die Armee als faschistoide Gesellschaft bloßstellte.
Das Buch wurde sofort ein Welterfolg und gilt als bedeutendster Roman über den 2.Weltkrieg.

Der linksstehende Autor zeigte im selben Jahr erstmals direktes politisches Engagement, indem er Henry Wallace, den Präsidentschaftskandidaten der Progressiven Partei, unterstützte. Sein lebenslanger Kampf gegen das Establishment hatte begonnen und führte später zu zweimaliger Kandidatur als Bürgermeister von New York mit „einer natürlichen Koalition von Obdachlosen, Junkies, Huren und Intellektuellen„.

1951 veröffentlichte er seinen zweiten Roman, der unberechtigt in Vergessenheit geraten ist: BARBARY SHORE zeigt die McCarthy-Ära und spiegelt als erster Roman die Nackriegszeit mit ihren oberflächliche Hoffnungen und tiefsitzenden Neurosen wieder.

Seine depressive Phase, in der er sich von seinem persönlichen Sozialismuskonzept verabschiedete – er warf der Sowjetunion u.a. „Staatskapitalismus vor -, endete mit dem Endzeitroman THE DEER PARK, 1955.

Zwei Jahre später trat er mit dem Aufsatz THE WHITE NEGRO als Theoretiker eines neuen, amerikanischen Existenzialismus hervor: Er propagierte die Lebensform des „Hipster“, die auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung zielte und den Ausstieg aus der Gesellschaft forderte.

Damit war er nicht nur zum Ideologen der Beat-Generation geworden, sondern nahm die Philosophie der Jugendbewegung der 6oer Jahre vorweg.

In dieser Zeit fiel der begabte Amateurboxer vor allem durch Partyraufereien und exzessiven Alkoholkonsum auf.

Im Suff stach er 1961 mit einem Messer auf seine zweite Frau ein. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Mailer verarbeitete seine gewalttätigen Eheerfahrungen zu den düsteren Untergangsvisionen des Romans AN AMERICAN DREAM.

Angeregt durch Hemingways DEATH IN THE AFTERNOON und Capotes IN COLD BLOOD wandte er sich Mitte der 60er Jahre der „Faction“ zu – eine Synthese aus Journalismus und fiktionalen Techniken.

Er trat poltisch immer mehr hervor und seine beiden Arbeiten über den Vietnam-Krieg und über die heißen Parteitage Ende der 60er Jahre brachten ihm reichlich Ärger und den ersten Pulitzer-Preis.

1967 hatte er begonnen, Underground-Filme als Regisseur und Schauspieler zu drehen. Sein Regieengagement gipfelte 1986 in der bemerkenswerten Umsetzung seines grandiosen hard-boiled-Thrillers TOUGH GUYS DON’T DANCE, der sich zum Kultfilm entwickelte.

1971 rechnete er in PRISONER OF SEX gnadenlos mit neurotischen Feminismuspositionen ab und zwei Jahre später wurde sein Buch über Marilyn Monroe zum meistgeklauten der Frankfurter Buchmesse.

Ende der 70er Jahre setzte er sich für den zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder Jack Abbott ein; sein Buch über Abbott, THE EXECUTIONER’S SONG, brachte ihm den 2.Pulitzer-Preis und dem Delinquenten die Freilassung 1981. Nur sechs Wochen später mordete Abbott wieder.

1983 versuchte Mailer sich mit dem voluminösen Werk ANCIENT EVENINGS am Historischen Roman. Zu Hochform lief er wieder mit dem Klassiker TOUGH GUYS DON’T DANCE auf, dem sein CIA-Epos folgte.

„Ich habe mein Leben lang Belletristik geschrieben, um mir Nichtbelletristisches glaubhaft zu machen“, erklärte er einmal. Fraglos eines der überzeugendsten schriftstellerischen Konzepte auch für das nächste Jahrhundert. An diesem Ansatz zeigt sich einmal mehr die Überlegenheit der angelsächsischen gegenüber der deutschen Belletristik: Sie ist direkter, realitätsorientierter und wahrhaftiger, weil ihr keine überholte Kulturideologie den Blick auf das Wesentliche verstellt. Ärgerlich für den deutschen Leser ist nur, daß das Werk des vielleicht bedeutendsten jüdischen und amerikanischen Schriftstellers nicht vollständig auf Deutsch lieferbar ist.

Und Norman kann es eigentlich auch nicht gefallen, daß er bei uns ausgerechnet in den Verlagen der rechten Fleißner-Gruppe (Herbig, Ullstein) erscheint, die auch Schönhubers ICH WAR DABEI vertreibt.

Dieser Artikel erschien unter dem Titel AUCH IM ALTER EIN ENFANT TERRIBLE am 4.Februar 1993 in JÜDISCHE ALLGEMEINE Wochenzeitung.

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THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: ADAM HALLs QUILLER by Martin Compart


Adam Halls Quiller-Serie war trotz allen Erfolges nie eine Bestseller-Serie. Seit ihrem Beginn 1965 hat sie bis heute den Status eines Geheimtipps und eine extreme Fangemeinde, zu der viele Autoren gehören. Sie ist so ungewöhnlich und einzigartig im Genres des Agenten-Thrillers, dass Eric Van Lustbader über sie sagte: „When it comes to espionage fiction, Adam Hall has no peer.“

Adam Hall (Pseudonym für Elleston Trevor, 1920-1995) war und ist der wahrscheinlich “schnellste” Autor des Thrillers. Kein anderer geht ein so unglaubliches Tempo wie Adam Hall. Und dabei zerdehnt er gelegentlich die Zeit so exzessiv, dass ein Vorgang von wenigen Minuten über ein ganzes Kapitel sekundiös gestreckt wird. Der Kampf im Aufzug in THE WARSAW DOCUMENT zieht sich im Original über sechs Seiten. Dieses Zerdehnen der Zeit als Stilelement des Thrillers hatte zuvor schon Ian Fleming genutzt in der schweißtreibenden Szene mit dem giftigen Tausendfüßler in DR.NO. Hall hat dieses Stilelement „Tempo durch Verlangsamung“ perfektioniert, wie Sam Peckinpah einst die Anwendung der Zeitlupe.

Was Halls kurze Romane stilistisch so modern macht, ist seine radikale Schnittechnik, die den Leser durch die Seiten jagt. Manche Romane beginnen scheinbar gemächlich, nehmen dann aber abrupt Tempo auf. Andere machen Tempo von der ersten Seite an, springen durch jump-cuts zwischen Orten, Bewusstsein und Kapiteln.
Angesichts der konservativ erzählten Thriller-Literatur der Gegenwart (immer dicker, langweiliger und redundanter) ist Adam Hall immer noch Avantgarde.

Obwohl die Romane genau recherchiert sind, vermied es Adam Hall die Handlungsorte aufzusuchen. Er war der Meinung, eine zu genaue Kenntnis der Schauplätze würde seine Einbildungskraft eingrenzen: „This sounds very perverse, but it is somehow that the country or area has a magic, a mystery for me that maybe came through in my writing, which doesn’t always happen if I’ve actually been there. I hadn’t been to Germany when I wrote The Quiller Memorandum. I hadn’t been to Hong Kong when I wrote The Mandarin Cypher. But I wrote to the Hong Kong police to ask for a traffic ticket, because in this book Quiller has been parking illegally, and he has a traffic ticket on the windshield, and I wanted the exact and precise wording. As I grew up and travelled more, there became fewer and fewer places where I hadn’t been, so I had to set Quiller in places I’d already visited. The first time I did it was when I lived in France; I set a new Quiller novel in the south of France and after a third of the way through I knew it wasn’t working. I had to pack it in and start fresh somewhere else, because I knew the territory too well.“

Quiller kennt alle physisch-chemischen Reaktionen seines Organismus und lässt die Leser daran teilhaben. Das vermittelt den Eindruck, der Agent sei tatsächlich zu all dem befähigt, was man ihn an Höchstleistungen abverlangt. Wie er seine körperlichen Prozesse reflektiert, so objektiviert Quiller seine Emotionen. Der Leser scheint ihn zu kennen, weiß wie er funktioniert, obwohl er nichts über seine Vergangenheit erfährt, nichts außerhalb der aufgezeichneten Einsätze. Der ultimative Thriller-Heros, dessen Existenz mit der ersten Buchseite beginnt und mit der letzten endet – bis zum nächsten Mal. Man könnte Hall als Erfinder des „psycho-biologischen-Technothriller“ bezeichnen (besonders in den ersten Romanen zeigt sich Hall durch seine genauen Darstellungen technischer Werkzeuge als ein Vorläufer des Techno-Thrillers). Quiller ist der kybernetische Geheimagent mit kompletter Kontrolle über seine bio-chemischen Steuerelemente. Interessanterweise verbindet der langjährige Shotokan (seit 1984 Schwarzgurt)- und Aikido-Kampfsportler dies mit Erfahrungen des Zen-Buddhismus.


Ab 1943 schrieb Elleston Trevor (geboren als Trevor Dudley Smith) mindestens einen Roman im Jahr, neben Theaterstücken oder Kinderbüchern. In den 1950er Jahren war sein Ausstoß so hoch, dass er unter sechs Pseudonymen publizierte. Er konnte jedes Genre bedienen: historische Romane, Phantastik, Kriegsbücher oder Detektiv- und Abenteuerromane.

1965 gelang er versehentlich in einen Zwei-Buch-Vertrag mit einem anderen Verlag neben seinem Stammverlag. So entstand der erste Quiller-Roman THE BERLIN MEMORANDUM:

„In 1963 I’d written a book called The Volcanoes of San Domingo. I did not like this book, so I told my London publisher I did not want to send it to him. I sent it to a different publisher under the pseudonym of Jack Tango (it was sort of for a giggle). I did not respect this book, but my first publisher said, ‘Hey, let me have a book anyway, we’re under a contract.’ I said, ‘All right, you’ll get it.’ And the book I wrote for him instead of this bad one was The Flight of the Phoenix. That made him happy. Meanwhile, I got a letter from another publisher who wrote, ‘Dear Mr. Tango, who are you really? We loved your book and we’d love to publish it.’ So I did a two-book contract with them. I had a second book to write for them and did not know what to write. At about that time John le Carré brought out The Spy Who Came In From the Cold, and that was making an impression. I did not read it, but I read the reviews, and I thought, ‘Here’s a man who is really doing a different kind of job for spies. Let’s write a real spy novel, not James Bond, but the real thing. So I thought up The Quiller Memorandum. And I had to do it under a pseudonym, because I was with that other publisher.“

Ein prägender Einfluss für die Serie, die nach der Veröffentlichung des BERLIN MEMORANDUM noch nicht geplant war, dürfte auch Geoffrey Households ROGUE MALE gewesen sein.

Adam Hall schuf eine Synthese aus professionellen Superagenten à la 007 und der zynischen Welt- und Institutionsbetrachtung von Len Deighton oder John Le Carré (ähnlich wie auch James Munro alias James Mitchell zur selben Zeit). Damit rettete er in den 1960ern den Superagenten, der in Lächerlichkeit untergehen zu drohte und ebnete den Weg für Nachfolger wie Jason Bourne oder Eric Van Lustbaders Agenten (die im Vergleich mit Quiller geradezu harmlos sind).

Quiller ist ein paranoider Einzelgänger („Ich hatte bloß wieder einen Anfall von Paranoia.“), der seinen Vorgesetzten fast genauso wenig traut wie seinen Feinden. Damit hat er sich abgefunden und akzeptierte sogar ihren Versuch, ihn zu liquidieren. Sowas kommt eben vor, wenn man für das ultrageheime „Büro“ arbeitet, das nur dem Premierminister gegenüber Rechenschaft abliefert – wenn überhaupt.

Warum er trotzdem für das „Büro“ weiter arbeitet?

Weil er ein Psycho ist, der dieses Leben auf der Überholspur, immer vom Tode bedroht, braucht und liebt. Er liebt die dazugehörige Isolation, die ihm ermöglicht, im Dienste einer „höheren Sache“ seinen soziopathischen Neigungen nachzugehen. Seine Kamikaze-Einsätze sieht er nie ideologisch: „Ideologie ist nicht genug. Sie nützt nur als Verblendung.“ Er sieht sich als Profi mit den richtigen Fähigkeiten. Eine hochgezüchtete Maschine, die nur im Einsatz rund läuft. Sein Privatleben dürfte noch elender und unbefriedigender sein als das von Bond. Die Welt, die er liebt und lebt, sieht so aus: „Sein dünner Körper war gekrümmt, als wäre er in einem bitterkalten Wind geboren worden und hätte nie Schutz davor gefunden, ja, überhaupt nie Schutz gesucht, weil er wußte, daß es keinen gab.“

Als Professional bewundert Quiller sogar seine Gegner, etwa den Killer Kuo in THE 9th DIRECTIVE oder die Terroristen in THE KOBRA MANIFESTO, während er die naiven polnischen Patrioten in THE WARSAW DOCUMENT verachtet. Auch da ist er völlig frei von Ideologie.

Und dann sieht sich Quiller auch noch als Feminist: Das einzige Mal, das er aus persönlichen Gründen getötet hat, war zwischen zwei Missionen, um eine tote Frau zu rächen. Als Alleinerbe setzt er vor jedem Einsatz ein Frauenhaus ein!

Das „Büro“ ist mindestens so paranoid wie Quiller und handelt nach der Devise: Lass den Feldagenten nur so wenig wie möglich und so viel wie nötig über die Mission wissen. Oft wird Quiller als menschliche Zielscheibe eingesetzt und missbraucht, um vermeintliche Gegner aus ihren Höhlen zu locken. Die Führungsoffiziere und Vorgesetzten in London oder im Feld sind keine netten Old-School-Boys oder M ähnliche Vaterfiguren. Es sind rücksichtslose Mistkerle, die sogar eine echte Antipathie gegenüber ihrem Feldagenten entwickeln (besonders Parkis in den frühen Missionen).

Die politischen Hintergründe (meistens der Kalte Krieg) sind aus einer anderen Epoche, was letztlich nichts an den Strukturen und Methoden der Macht und ihres Missbrauchs ändert. In den frühen Romanen findet man Passagen mit dem üblichen, der Zeit geschuldeten, britischen Chauvinismus, ähnlich dem Flemings. Das ändert nichts an der Sogwirkung von Halls Erzählungen und der Qualität der Quiller-Romane, die sich so frisch lesen, als wären sie gerade geschrieben. Immer wird der Leser mit dem ersten Satz direkt in die Handlung gesaugt. Und wenn Hall dich gepackt hat, lässt er nicht mehr los.

Der Autor liefert gerne bizarre Informationen. In THE STRIKER PORTFOLIO zum Beispiel, dass man politische Gefangene in der DDR Kaviar reichte, denn die höchst salzigen Störeier beschleunigen die Dehydrierung.

Aus dem ersten Quiller-Roman wurde ein Film mit George Segal, Alec Guiness und Senta Berger nach einem Drehbuch von Harold Pinter. Trevor fand den Film schlecht (und das ist er auch). Ähnliches gilt für die TV-Serie, die er so kommentierte: „I think that had better be summed up by saying that I called my lawyer in London and said, ‚Can I sue the BBC?‘ Dabei bieten sich die Quiller-Romane durch ihren extrem visuellen Stil für eine audiovisuelle Adaption geradezu an! Seit den 1990er Jahren wird regelmäßig ein neuer Quiller-Film angekündigt. Mal mit Sam Neil, mal mit John Travolta (beide natürlich zu alt inzwischen), Pierce Brosnan. Durch den Erfolg der Jason Bourne-Filme wurde Quiller eine Weile heiß gehandelt. Es ergeht ihm wie Flashman: Dauernd werden die Rechte gehandelt und Produktionen angekündet und nie kommt etwas dabei raus.

Makabres Trivia: Im Hotelzimmer des Martin Luther King-Mörders Eric Starvo Galt fand man eine Taschenbuchausgabe von THE 9th DIRECTIVE, in dem Adam Hall vor Frederick Forsyths DAY OF THE JACKAL einen politischen Mordanschlag (in Bangkok) schildert.

Zu den deutschen Ausgaben
: Leider fielen die deutschen Veröffentlichungen in die übelste Zeit der Ullstein-Krimi-Reihe: nämlich in die Phase, in der jedes Buch eher mehr als weniger gekürzt wurde. Trotzdem geben sie einen angemessenen Eindruck.
Als ich zu Bastei-Lübbe wechselte, plante ich eine Gesamtausgabe mit ungekürzten Neuübersetzungen und Erstausgaben, die nach meinem Weggang nur noch kurz fortgeführt wurde. Die ersten sechs Titel sind ungekürzte Neuübersetzungen oder deutsche Erstausgaben, bei TUNESISCHER TANGO hat Bastei-Lübbe die alte Ullstein-Übersetzung verwendet

Was soll ich lesen?
Bei jeder Serie gibt es Titel, die einem besser gefallen. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben (u.a. höchst subjektive wie Stimmung und Umgebung bei der Lektüre). Die Quiller-Serie muss man nicht chronologisch lesen. Der Adam Hall-Experte Jeremy Duns, selbst ein bekannter Polit-Thriller Autor und einer der besten Kenner des Genres, nennt THE TANGO BRIEFING und THE 9th DIRECTIVE als Lieblingstitel. Dem kann ich mich voll und ganz anschließen, aber ich möchte noch ein paar nennen: THE SCORPION SIGNAL hat die wahnwitzigste Autojagd, der ich je auf Papier gefolgt bin. QUILLER´S RUN ist mein Favorit als Asien-Thriller (auf demselben hohen Level wie Trevanian oder Flemings YOU ONLY LIVE TWICE). Und THE BERLIN MEMORANDUM funktioniert nicht nur als Thriller; er fasziniert heute auch als irrwitziges Zeitdokument. Und QUILLER SALAMANDER ist ebenfalls ein großartiger Südostasien-Thriller, in dem Quiller ein erneutes Erstarken des Roten Kmehr verhindern soll.


1965 The Berlin Memorandum
dt. Das Berlin-Memorandum. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1989,.

1966 The 9th Directive
dt. Der 9. Befehl. Universitas, Berlin 1967.Ullstein, Bastei Lübbe, 1989.

1968 The Striker Portfolio

1971 The Warsaw Document

1973 The Tango Briefing
dt. Himmelfahrtstango. Ullstein, Frankfurt/M. 1974, Tunesischer Tango, Bastei Lübbe, 1992.

1975 The Mandarin Cypher
dt. 555 ruft Mandarin. Ullstein, Frankfurt/M. 1975.

1976 The Kobra Manifesto
dt. Das Kobra-Manifest. Ullstein, Frankfurt/M. 1976, Bastei Lübbe, 1991.

1978 The Sinkiang Executive
dt. Mission in Sinkiang. Ullstein, Frankfurt/M. 1979,

1979 The Scorpion Signal

1981 The Pekin Target (US-Titel The Peking Target, 1982).

1985 Northlight (US-Titel: Quiller).
dt. Nordlicht. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1986

1988 Quiller’s Run                                                                                                                              dt. Quiller steigt aus. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1989,

1989 Quiller KGB
dt. Unternehmen Gorbatschow. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1990,

1990 Quiller Barracuda
dt. Barracuda. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1991

1991 Quiller Bamboo

1992 Quiller Solitaire

1993 Quiller Meridian

1994 Quiller Salamander

1996 Quiller Balalaika

P.S.: Von Quillers eindrucksvollen Antagonisten war mir Oberst Cho aus QUILLER´S RUN einer der liebsten. Nachdem ich die Übersetzung redigiert hatte, sagte ich Elleston Trevor, wie bedauerlich es doch sei, dass ein Gegenspieler mit dieser Potenz umgebracht worden sei. Darauf erwiderte er: „Bist du sicher, dass Cho tot ist?“ Quiller war neben anderen (natürlich McGill) ein mir völlig bewusster Einfluss, als ich SODOM KONTRAKT und LUCIFER CONNECTION schrieb. Besonders was die Entwicklung von Druck und Tempo anging, versuchte ich mir ein paar Tricks bei Adam Hall abzuschauen.

http://www.quiller.net/

http://www.jeremy-duns.com/search?q=quiller

 

https://www.amazon.de/Martin-Compart/e/B00457QT0Y/ref=sr_ntt_srch_lnk_1?qid=1502453210&sr=1-1



DUSQUESNE: 4. SCHIFFE VERSENKEN by Martin Compart
24. Mai 2017, 9:53 am
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Im Sommer 1913 brach Teddy Roosevelt zu einer neuen Expedition auf – diesmal nach Südamerika, Dusquene wollte unbedingt dabei sein und versuchte dafür Finanzierungsmodelle aufzustellen: Goodyear sollte ihn mit 5000 Dollar finanzieren und er würde im Gegenzug nach Kautschuk suchen. Einer kleinen Filmproduktion bot er an, eine Dokumentation über Roosevelts Dokumentation zu drehen. Alle lehnten ab. Also reiste er mit Alice auf eigene Kosten nach Brasilien; bei sich führten sie eine Filmausrüstung und Material im Wert von 80.000 Dollar.

In Manaus am Amazonas erreichte sie die Nachricht vom Ausbruch des 1.Weltkriegs. Umgehend schickte Fritz seine Frau in die Staaten zurück. Das die Briten ausgerechnet seinen Erzfeind Lord Kitchner zum Kriegsminister ernannt hatten, musste ihn erst recht erbost haben. Schließlich war Kitchners „Strategie der verbrannten Erde“ im Burenkrieg für den Tod von Dusquenes Schwester und Mutter verantwortlich. Deutschland war Britanniens größter Gegner und somit automatisch das Land, das in dieser Auseinandersetzung Dusquesnes größten Sympathien hatte.

Dusquesne wandte sich an das deutsche Konsulat und bot sich als Agent und Saboteur an. Die Deutschen nahmen das Angebot begeistert an.

Er nannte sich nun Ferderick Fredericks und seine Legende war die wissenschaftliche Erkundung von Kautschuk in ganz Lateinamerika, was ihm Mobilität erlaubte und seine Reisen durch den Kontinent plausibel machte. Seine Arbeit als Agent der „Naval Intelligence“ bestand vornehmlich darin, Fracht für die Feinde der Mittelmächte zu sabotieren. Er stand im regen Informationsaustausch mit den deutschen Konsulaten und der Botschaft in Brasilien und richtete seine Basis in Bahia ein. Von dort aus sandte er auf englischen Schiffen Kisten mit Mineralienproben an angebliche Auftraggeber. Die Kisten enthielten statt Mineralien Zeitbomben. Angeblich versenkte er auf diese Weise 22 britische Schiffe, darunter Riesenfrachter wie die „Salvador“ und die „Pembrokeshire“.

Gelegentlich wechselte er die Identitäten: aus Fredericks wurde der holländische Botaniker Fordham oder der Bure Piet Niacoud (phonetisch Dusquene rückwärts). Diese Burschen trieben sich in Brasilien, Guyana, Venezuela, Guatemala oder Nicaragua herum und ließen Kisten mit Mineralien oder Pflanzen auf britische Schiffe verladen. „Piet Niacoud“ war zudem ein beliebter Gast in britischen Klubs in Brasilien, da er dort feurige Reden gegen die Deutschen hielt oder aus literarischen Werken las. Als man später erfuhr, dass Piet ein deutscher Agent sei, reagierten die britischen Diplomaten und Geschäftsleute geschockt und wollten es erst gar nicht glauben. Dusquesne schauspielerischen Qualitäten müssen wohl Oscar reif gewesen sein.

Dusquesne war – wie so oft in seinem Leben – zu sorglos und draufgängerisch. Bereist im Juni 1915 kam ihm ein britischer Konsul in Panama auf die Schliche. Er stellte Fritz eine Falle in einem brasilianischen Hafen. Von britischen Agenten umzingelt, gelang ihm einmal mehr eine halsbrecherische Flucht über die Dächer der Hafengebäude.

Seine letzten Bomben platzierte er im Februar 1916 in Brasilien an Bord der britischen „Tennyson“. Sie waren in 16 Kisten versteckt mit angeblichen Mineralien und einer Kiste mit Filmmaterial, die nach New York gehen sollte. Die Explosionen erfolgten auf dem halben Weg nach Trinidad, aber dem Kapitän gelang es noch das marode Schiff auf Land zu setzen. Drei Seeleute wurden durch die Explosion getötet und eine weitere Bombenladung setzte die „Vauban“ in Brand.
Jetzt waren die Briten wirklich ärgerlich. Bedroht mit der Todesstrafe, wurde auf Dusquesne eine Hetzjagd eröffnet.
Dem britischen Geheimdienst gelang es einen Komplizen von Dusquesne zu fangen, einen Herrn Bauer. Der packte richtig aus und nannte Dusquesne als Chef des gesamten Sabotagerings. Außerdem identifizierte er zwei von Fritz´ Pseudonymen.

Nun aufgeflogen, setzte er sich nach Buenos Aires ab. Ein paar Wochen später gelang ihm ein weiterer Coup: In der „New York Times“ ließ er am 27.April 1916 verkünden, das Fritz Dusquene als Leiter einer Expedition in Bolivien von wilden Indianern umgebracht worden War. Die Zeitung brachte einen schönen, langen Nachruf. Zwei Wochen später kabelte er nach New York, dass er nach einem heldenhaften Kampf gegen die Indios schwer verwundet von bolivianischen Soldaten gerettet worden war. Da er einen amerikanische Pass hatte, konnte er unbehindert und zum Missfallen der Briten nach New York zurück reisen, wo er im Mai 1916 eintraf. Dort konnte er die Versicherungssummen für all seine „verloren gegangenen“ Mineralienverschiffungen einkassieren. Die USA waren bekanntlich noch neutral und die Briten hatten keine Chancen, ihn zu belangen. Allerdings verzögerten die Versicherungsfirmen die Auszahlungen und unternahmen ihre eigenen Untersuchungen, die zu Dusquesnes Verhaftung wegen Versicherungsbetruges führten.

FORTSETZUNG FOLGT



THRILLER, DIE MAN LESEN SOLLTE: ROBERT FERRIGNO by Martin Compart


Obwohl seine Romane in 18 Sprachen übersetzt wurden, hat es Robert Ferrigno nie in die erste Liga der internationalen Bestsellerautoren geschafft, Dabei hat man ihn bei seinem Debüt 1990 mit THE HORSE LATITUDES (ROSSTIEFEN) immer mal wieder als „the next big thing“ vermutet. Seitdem schrieb er wohl 12 Romane, die nicht den prognostizierten Bestsellererfolg hatten. Seit ein paar Jahren ist er diesem Ziel näher gekommen, indem er sich vom Noir-Thriller abgewendet hat und eine Serie schreibt, die in der nahen Zukunft angesiedelt ist, in der die USA ein islamisches Land geworden sind. Vergleichbar eher mit Robert Harris´ VATERLAND oder Len Deightons SSGB, als mit Parallelwelten der Science Fiction. Der erste Roman ist auch auf deutsch erschienen; von seinen Thrillern leider nur die ersten sechs (bei Knaur und Goldmann).

Ferrigno hat ein merkwürdiges Problem mit Nachhaltigkeit: Bei der Lektüre seiner Noir-Thriller amüsiert man sich glänzend, empfindet ihn häufig in derselben Klasse wie Elmore Leonard oder Carl Hiaasen. Aber kaum hat man das Buch weggelegt, platzt die Erinnerung daran wie eine Seifenblase und selbst sein beeindruckendes Personal an bösen Buben entschwindet. Unverständlich, da er tolle Dialoge schreibt, wahnwitzige Figuren erfindet und originelle Plots entwickelt. Wiederholt entgleitet ihm die Struktur und dann geraten die Bücher aus dem Tritt, können das Tempo nicht mehr halten. Die Choreographie stimmt nicht mehr. Das klingt  ziemlich hart. Aber ich würde mir wohl nicht die Mühe machen, Ferrigno hier zu behandeln, wenn das Vergnügen an seinen Romanen nicht die Mängel übertreffen würde. Lassen Sie sich also bei aller hier geäußerten Kritik nicht von der Lektüre abhalten.

Seine schwächeren Romanen erinnern an Filme von Quentin Tarantino: Intelligentes Spiel mit Genres-Topoi, blendende Dialoge und Charaktere, aber ohne berührende Tiefe.

Ferrigno hat auch seinen eigenen Kosmos entwickelt: Mehrere Personen gehören zum Team des SLAP-Magazins, die Polizistin Jane Holt usw. Dem regelmäßigen Leser bereitet es Vergnügen, wenn er diese Selbstreferenz erkennt.

Seine Helden sind keine crime fighter. Sie stehen immer etwas außerhalb der Gesellschaft – auch als Journalisten – und folgen ihren eigenen Regeln, sind somit typische Noir-Protagonisten. Als „Talentierte Outsider“, beschreibt sie Ferrigno. Seine „Story-Maschine“ wird meist dadurch angeworfen, dass sie eine moralische Entscheidung treffen müssen, die dann zu ungeahnten Situationen führt, die alles schlimmer machen.

Sein Stil ist sehr filmisch. Die einzelnen Szenen könnten problemlos zum Drehbuch aufgelöst werden (fast alle Romane wurden – einige mehrfach – von Hollywood optioniert, aber bisher keiner verfilmt). “ I think and write very visually. Thinking cinematically, thinking in terms of dialogue and movement, is an advantage. It allows me to lie in bed with my eyes closed and „play“ different chapters in my head as scenes, reshooting them from different angles and points of view until I get it right. Then I can get up and go to the keyboard with certain problems solved. It’s mental storyboarding and keeps things fast and true. If it doesn’t look right, it’s not going to read right. An extra advantage is that I can reassure my wife that I am still working, even when horizontal.“

Er arbeitet etwa ein Jahr an einem Buch, dabei die letzten Monate täglich bis zu 14 Stunden. Es ist eben mühevoll, etwas leicht aussehen zu lassen, Der Umfang seiner eher schmalen Thriller unterscheidet sich wohltuend von den Volumen redundanter Langweiler wie Don Winslow, Adrian McKinty oder Dennis Lehane (den Ferrigno als einen seiner Lieblingsautoren nennt) mit ihrer kleinbürgerlich-feuilletonistischen Entrüstung und „seht-her:- mehr-als-ein-Krimi-Attitüde“. Bei der Arbeit hört er Musik – von Puccini über Brian Eno bis Tammy Wynette. Ein breitgefächerter Musik-Geschmack für den ehemaligen Begründer eines Punk-Rock-Magazins, “ I use more of a story-board – as in film making… . I usually follow a promising lead or plot development even if it’s not in the outline… Most of the bad guys in my books start out as stock characters and then take on a life of their own… . I trust my unconscious more than my conscious any day.“

Robert Ferrigno wurde 1947 in eine italienisch stämmige Familie in Fort Lauderdale geboren. „We were a highly dramatic family who discussed politics and current events at every meal. Intellectual courage was highly praised and individuality encouraged, the greatest gifts any parent can give a child.“ Die Erfahrungen der Sixties prägten sein politisches Bewusstsein. „Ich hasse alle Politiker. Aber am meisten diem die ihre Freundinnen oder Dates ertrinken lassen.“ Eine Anspielung auf Ted Kennedys „Zwischenfall“ von Chappaquidick, bei dem der junge Senator zusammen mit Mary Jo Koppechne im Auto in den Fluss stürzte. Während der wohl schlagartig nüchterne Politiker sich aus dem Wagen befreien konnte und an die Wasseroberfläche schwamm, ließ er seine Begleiterin ersaufen. Wie man sich nach Ferrigno in einer solchen Situation zu verhalten hat, beschreibt er im 2.Kapitel von DEAD SILENT.

Er studierte u.a. Philosophie und Film und unterrichtete dann eineinhalb Jahre am College. Gelangweilt gab er seine akademische Karriere auf und wurde für fünf Jahre professioneller Poker-Spieler. Dann gründete er das Punk-Rock-Magazin THE ROCKET und landete schließlich als Feature-Schreiber bei einer kalifornischen Zeitung, „Hier interviewte ich oder schrieb ich über Leute, die später meine Romane bevölkerten.“ Er interviewte auch Elmore Leonard, mit dem er verbunden blieb, und der ihm für sein erstes Buch eine großartige Empfehlung (blurb) schrieb.

Ferrigno begann seinen ersten Roman zu schreiben, als seine Frau während ihrer Schwangerschaft ernsthaft erkrankte. „Sie war todkrank und ich lenkte mich zeitweilig mit dem Schreiben ab. Ich schrieb das Buch, das ich seit 15 Jahren im Kopf hatte.“ Zwei Monate nachdem er bei der Zeitung gekündigt hatte, fand er einen Agenten, der das halbfertige Manuskript neun Verlagen präsentierte; alle machten ein Angebot. William Morrow erhielt den Zuschlag, denn Ferrigno brauchte dringend den höchst möglichen Vorschuss: „.My family was very passionate, very angry – my dad at sixty years old finally snapped and shot a man in the face with a .357 magnum. I used part of my advance for The Horse Latitudes to hire a good attorney and he beat the rap.“

Das wäre kein schlechter Anfang für einen Ferrigno-Thriller.



DUSQUESNE: 3.ZWISCHEN DEN KRIEGEN by Martin Compart
28. April 2017, 6:00 pm
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Nach seiner Ankunft in den USA schickte das Buren-Netzwerk Fritz Dusquene nach New York. Er arbeitete zuerst als U-Bahnkontrolleur, dann ergatterte er einen Job in der Buchhaltung des „New York Herald“. In den Pausen und bei einigen Gläsern nach der Arbeit unterhielt er die Kollegen mit abenteuerlichen Geschichten aus seinem Leben und bekam schließlich das Angebot, einige für die Zeitung zu Papier zu bringen. Daraus ergab sich 1904 ein Job als Journalist für die „New York Sun“. Zwei Jahre später wurde er Redakteur der Sonntagsausgabe. Bis 1909 arbeitete er für drei große New Yorker Zeitungen.

In diesen Jahren strickte er an seinem Mythos: Angeblich war er vor seiner Ankunft in New York als Kriegskorrespondent in Russland, Mazedonien und Marokko; in Paris angesiedelt als Mitarbeiter von „Le Petit Bleu“. Außerdem wollte er auf Wunsch von König Leopold II. den Kongo bereist haben und von 1904 bis 1906 in Australien an einer Expedition von Sir Arthur Jones teilgenommen haben. Und schließlich wollte er für den Vater seiner späteren Frau, S.S.Wortley, in Britisch Westindien eine Reihe von Theatern errichtet haben. Sein Biograph Art Ronnie fand für keine der Behauptungen einen Beleg. Aber er war sicherlich in der New Yorker Publizistikszene kein Unbekannter.
Er schrieb Abenteuergeschichten für verschiedene Magazine und veröffentlichte drei Romane: einen in der französischen Zeitschrift „Le Perit Bleu“ und zwei in südafrikanischen Verlagen. Er publizierte „True Adventure Stories“ in Pulp-Magazinen, neben Autoren wie Rider-Haggard, John Buchan oder Rafael Sabatini. Außerdem war er Mitbegründer des „Adventurers Club“, der aus etwa vierzig Mitgliedern bestand, alles “adventurers, explorers, soldiers, travelers, filibusters, soldiers of fortune and other kindred spirits”.

Wegen seiner Kriegsverbrechen und der zu erwartenden Strafe, betrat er nie wieder südafrikanischen Boden.

Er wurde zu einer bekannten publizistischen Größe mit abenteuerlichem Flair. Im Januar 1908 lud man ihn sogar ins Weiße Haus ein: Am Ende seiner zweiten Amtszeit angelangt, plante Roosevelt eine zweijährige Jagdsafari in Afrika und er ließ sich zwei Stunden von Dusquene beraten.

1910 wurde er der persönliche Waffenexperte von Theodore Roosevelt, den er auf mehreren Safaris und Expeditionen begleitete.

Als Captain Claude Stoughton tauchte er dann in Australien auf und hielt Vorträge über „seine“ Kriege und Erlebnisse. Er hatte etwas verruchtes und geheimnisvolles, das viele Menschen in seinen Bann zog. Besonders die Damenwelt schien sich seiner Attraktivität nicht entziehen zu können,

Im Juni 1910 heiratete er die Amerikanerin Alice Wortley. Nachdem sie später ihrer Familie erzählte, das Dusquene von ihr mehrere Abtreibungen verlangt hatte, riet ihr diese zur Scheidung. Die Ehe wurde nach acht Jahren geschieden. In dieser Zeit war Dusquene mehr unterwegs, als bei seiner Frau

Während des Burenkrieges hatte Dusquesne den Auftrag, den legendären Amerikaner Frederick Russell Burnham zu töten – was nicht gelang. Burnham kämpfte auf britischer Seite als Kommandeur der Scouts und war für die Buren-Guerilleros ein Hauptfeind. Er war auch später noch für die britische Spionageabwehr tätig und wohl auch auf Dusquene angesetzt.
1910 gab es in den USA eine Fleischknappheit, die zur Gründung der „New Food Supply Society“ durch Burnham und dem Kongressabgeordneten Robert Broussard führte. Sie engagierten Dusquene als Experten. Die Idee war, afrikanische Nilpferde in den Bayous von Louisiane anzusiedeln. Broussard schlug die so genannte „Hippo Bill“ vor, die auch von dem immer noch sehr populären Ex-Präsidenten Roosevelt unterstützt wurde. Der Kongress sollte dafür 250.000 Dollar bewilligen und Dusquene sagte als Experte vor dem Landwirtschaftsministerium aus. Das Unternehmen scheiterte knapp. Mit Burnham sollte sich eine respektvolle Beziehung entwickeln. 1933 schrieb Dusquene in einem Brief:

„To my friendly enemy, Major Frederick Russell Burnham, the greatest scout of the world, whose eyes were that of an Empire. I once craved the honour of killing him, but failing that, I extend my heartiest admiration.
One warior to another“

Der Respekt war gegenseitig. Burnham hatte über ihn geschrieben: „He was one of the craftiest men I ever met. He had something of a genius of the Apache for avoiding a combat except in his own terms; yet he would be the last man I should choose to meet in a dark room for a finish fight armed only with knives. Next to Theron I believe Duquesne the greatest scout the Boers produced.“

Dusquene ging mit Roosevelt häufig auf Jagdausflüge und schrieb darüber schmeichelhafte Artikel, die den Ex-Präsidenten in ein heroisches Licht stellten. 1912 machte er vergeblich Wahlkampf für Roosevelt, der eine dritte Präsidentschaft anstrebte.
Das war sicherlich auch hilfreich für den Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft, die Dusquene 1913 erhielt.

1914 wurde Dusquene Spion für die Deutschen.

FORTSETZUNG FOLGT



DUSQUENE: 2.BURENKRIEG by Martin Compart
18. April 2017, 5:29 pm
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Die Buren führten zwei Verteidigungskriege gegen die Briten. Davon war der zweite ungleich brutaler. Die britische Gier nach den Bodenschätzen in den Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat war der Hauptgrund für den 2.Burenkrieg, der von 1899 bis 1902 ausgetragen wurde. Es war der teuerste und umstrittenste Kolonialkrieg des Empires. Einige Kontinentalmächte erwogen zeitweilig, auf burischer Seite zu intervenieren. Es scheiterte am „Desinteresse“ Deutschlands. Die Kontinentalmächte belieferten allerdings die Buren mit Waffen – gegen südafrikanisches Gold.

Nachdem Lord Kitchner, einer der brutalsten Heerführer des Empires, im November 1900 das Kommando übernahm, wurde es richtig übel. Er betrieb eine Strategie der verbrannten Erde und setzte Konzentrationslager ein, in die er burische Frauen und Kinder einliefern ließ. Geschätzt 28 000 Frauen und Kinder verhungerten in diesen Lagern. Zum ersten Mal wurden derartige Lager als „Konzentrationscamps“ bezeichnet. Auch wenn sie keineswegs mit den systematischen Vernichtungslagern der Nazis verglichen werden können, sind sie ein weiterer Schandfleck in der Geschichte des britischen Imperialismus. In England wurde der Krieg von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Nur nicht von den linken Bewegungen und der Liberal Party. Einer der prominentesten Gegner des Krieges war Sir Arthur Conan Doyle, der auch ein böses Buch darüber schrieb.


Als der Krieg 1899 ausbrach, kehrte Dusquesne nach Südafrika zurück um für sein Land zu kämpfen. Er wurde in Pretoria als Leutnant im Stab seines Onkels, des Generalkommandanten Piet Joubert eingegliedert. Als Guerilla-Kämpfer war der „schwarze Panther“ in seinem Element und bald bildeten sich Legenden um ihn. So soll er dann auch den legendären Goldschatz der Buren – Oom Krugers Gold – im Juni 1900 versteckt haben, als die Briten ihre Offensive gegen Pretoria eröffneten.
In der für die Buren erfolgreichen Schlacht von Ladysmith im Oktober 1899 erhielt er eine Schussverletzung in der rechten Schulter. Er wurde zum Captain der Artillerie befördert.
Während der ebenfalls für die Buren siegreiche Schlacht von Colenso, die dazu führte, dass die Briten ein weiteres Armeekorps nach Südafrika entsandten, wurde Fritz von den Briten gefangen genommen.

Er wurde als Gefangener nach Durban gebracht, wo er entfliehen konnte. Die erste von mehreren gelungenen Fluchten, für die er berühmt werden sollte. Bei der Schlacht von Bergendal kämpfte er bereits wieder, Aber seine Truppe musste sich vor den zunehmend überlegenen Briten zurückziehen. Sie mussten sogar die Grenze nach portugiesisch Ostafrika überschreiten. Dort wurden sie von den Portugiesen festgesetzt und in das Internierungslager Caldas de Reinha in der nähe von Lissabon verfrachtet. Sein Biograph Ronnie sieht das als den entscheidenden Punkt in Dusquesnes Leben:“ life would never again be the same for him … In a few months he would be launched on a forty-year career as a professional spy and counterfeit hero – a man who would constantly reinvent himself to suit the needs of the moment.“

Im portugiesischen Lager becircte er die die Tochter eines Wächters so intensiv, dass sie ihm half zu fliehen (was mag aus dem armen Kind geworden sein?). Über Paris ging er nach Aldershot, England. Er schaffte es, in die britische Armee zu kommen (wohl da der Krieg Fachkräfte aufzehrte) und wurde als Offizier nach Südafrika versetzt.

Mit seiner britischen Truppe kam er auch nach Nylstroom. Dort sah er die völlig zerstörte heimatliche Farm. Auch sie war Kitchners und Roberts Strategie der verbrannten Erde zum Opfer gefallen. Aber er erfuhr noch schlimmeres: Seine Schwester war während des Überfalls vergewaltigt und ermordet worden. Seine Mutter starb in einem Konzentrationslager. Das veränderte sein Leben verständlicherweise. Bis zum Rest seiner Existenz brannte in ihm ein unbändiger Hass auf die Briten. Oder wie es sein erster Biograph Clement Wood ausdrückte: Dusquene wurde „a walking living breathing searing killing destroying torch of hate“.

Trotzdem schaffte er es, sich zusammen zu reißen und seine Maskerade als britischer Offizier aufrecht zu halten. Er kehrte mit seiner Truppe nach Kapstadt zurück. Heimlich rekrutierte er eine Gruppe von 20 Buren mit dem Ziel, Kitchner zu töten und die wichtigsten strategischen Anlagen der Briten hinter den Linien zu sabotieren. Der Plan sollte am 11. Oktober 1901 mit der Ermordung Kitchners anlässlich eines Dinners zu Ehren des Gouverneurs der Kapkolonie, Sir Walter Hely- Hutchinson, anlaufen. Zu Dusquesnes Unglück wurde alles von der Ehefrau eines Mitverschwörers verraten. Er wurde in seiner dem Anlass entsprechenden Galauniform verhaftet und umgehend wegen „Verschwörung gegen die Krone und Spionage“ verhaftet. Er wurde als Angehöriger der britischen Streitkräfte (und nicht als Spion der Buren) vor Gericht gestellt. Seine zwanzig Mitverschwörer wurden zum Tode verurteilt und einen Tag später erschossen. Auch Dusquene erhielt das Todesurteil. Aber man bot ihm einen Deal an: Lebenslänglich wenn er die Geheimcodes der burischen Kommunikationsnetze übersetzte und entschlüsselte. Er ging darauf ein. Bis zum Ende seines Lebens behauptete er, die Buren nicht verraten zu haben und stattdessen die Briten mit Fehlinformationen und erdachten Codes in die Irre geleitet zu haben. Er wurde in der Festung „Castle of Good Hope“ in Kapstadt eingekerkert. Die Wände dieser 1666 von den Holländern erbauten Feste waren besonders dick. Mit einer Gabel kratzte Dusquene Nacht für Nacht die Zwischenräume der mächtigen Steine frei, bis er einen Fluchttunnel  fertig gestellt hatte. Die Flucht wäre fast gelungen, als ein großer Stein verrutschte und ihn einklemmte. Am Morgen fanden ihn die Wärter besinnungslos aber unverletzt.

Daraufhin verfrachtete man Fritz auf die nordatlantischen Bermudas in ein Gefangenenlager, in dem schon über 4000 Buren untergebracht waren; der Jüngste war sechs Jahre alt, der Älteste achtundsiebzig. Fünf der Inselkette dienten als Gefängnisinseln. Die von Haifischen umschwommenen Inseln bargen die Hochsicherheitsgefängnisse ihrer Zeit und waren so genannte „Casemates Prison“, in denen die Gefangenen in Zelten oder primitiven Hütten hausten, die mit Stacheldraht eingezäunt waren. Dusquesne kam auf Burt´s Island, etwa 2,5 Kilometer von der Hauptinsel mit der Hauptstadt Hamilton entfernt.

Er gab sich als Amerikaner aus und nahm Kontakt mit dem Befreiungs-Komitee der Buren auf. In der Nacht des 25.Juni 1902 schlich er aus seinem Zelt, überwand den Stacheldraht zum Strand und schwamm, unbemerkt von Wachbooten, zur Hauptinsel. Ein Leuchtturm diente ihm als Orientierung. Er versteckte sich bei Anna Maria Outerbridge, einer Leiterin des Komitees. Sie schleuste ihn zum Hafen von St.George´s, wo er von Captain W.E.Meyer übernommen wurde. Der nahm Kontakt mit einem deutschen Schiff auf und eine Woche später dampfte Fritz in Richtung USA nach Baltimore.


Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend

Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

FORTSETZUNG FOLGT



Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend by Martin Compart
10. März 2017, 2:23 pm
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Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

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