Martin Compart


Bewegtbilder im Wandel: Der Angriff der Zukunft auf die Gegenwart Kölner Mediengespräch am 13. Juni 2018 by Martin Compart
11. Juni 2018, 9:23 am
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Das Erbe des Films lebt! Die Kraft des Legendären, Dynamischen und Weltentrückten übt immer noch eine nahezu magische Anziehungskraft aus. Doch die technologische Entwicklung hat eine grundlegende Umwälzung der Medienindustrie in Gang gesetzt.
Immer mehr Studienanfänger streben zum Film, obwohl die späteren Berufs- und Verdienstmöglichkeiten voraussichtlich schlechter sind als in anderen Berufsfeldern. Aber Berufe wie Regisseur, Kamerafrau, Drehbuchautorin oder Szenenbildner versprechen ein Leben voller Kreativität und Abenteuer. Über Jahrzehnte waren Rollen, Kompetenzen und Aufgabenfelder der Filmschaffenden klar umrissen und die Optionen ihrer beruflichen Perspektive klar beschreibbar. Heute ist ihre Zukunft hingegen voller Unwägbarkeiten. An der Schwelle zu einem neuen digitalen Medienzeitalter stellt sich für die Filmausbildung ganz konkret die Frage, welche Lehrinhalte dauerhaft von Bestand sein sollen. Was stellt den Kern der Filmausbildung der Zukunft dar? Welche wesentlichen Kompetenzen müssen vermittelt werden? Wie werden künstlerische Praxis, Forschung und Theorie gewichtet? Wird das individuelle Kino im Kopf bald wirklich sein – und welche ethischen Folgen hat das für eine liberale Gesellschaft?
Ist es überhaupt noch sinnvoll, in Zukunft weiterhin von Film und Filmförderung zu sprechen angesichts des drohenden intermedialen Totalitarismus? Denn längst geht es ja nicht mehr um Filmstreifen, sondern um ein virtuelles Phänomen, das die chinesische Sprache treffend “elektrische Schatten” nennt.
Der Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen hat sich mit diesen Fragen beschäftigt und versucht zu ergründen, in welche Richtung die Entwicklung der Film- und Medienschaffenden gehen wird. Mit seinem Buch Der Angriff der Zukunft auf die Gegenwart bietet er eine “schwungvolle Achterbahnfahrt durch die Zukunft des Films” sowie eine Bestandsaufnahme und Orientierung in einem sich im Wandel befindlichen Umfeld. Er bearbeitet jene Themenbereiche, die drängende Fragen der Filmausbildung aufwerfen. Am 13. Juni wird er bei den Kölner Mediengesprächen den ›State of Mind‹ einer neuen Generation von Filmschaffenden visualisieren, deren zukünftiges Berufsleben von ganz neuen Gegebenheiten geprägt sein wird.

Dr. Rolf Giesen
Bewegtbilder im Wandel: Der Angriff der Zukunft auf die Gegenwart
am 13. Juni 2018 um 19 Uhr
im Herbert von Halem Verlag, Schanzenstr. 22, 51063 Köln

Einlass ab 18:30 Uhr. Da die Zahl der Sitzplätze begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per E-Mail an karina.selin@halem-verlag.de oder unter der Nummer +49 221 92 58 29 0. Der Eintritt ist frei.
VORTRAGENDE / DISKUTANTEN

Rolf Giesen, Dr., geboren am 4. Juli 1953 in Moers, studierte Soziologie, Psychologie und Geschichte an der Freien Universität Berlin und promovierte 1979 mit einer Arbeit über den Phantastischen Film. Als Lehrbeauftragter und Honorar-Professor unterrichtete er an Hochschulen in der Bundesrepublik und in China. Er verfasste filmhistorische und filmtheoretische Schriften, Essays, Romane und Drehbücher, war Herausgeber, gestaltete Ausstellungen und betreute zwanzig Jahre lang eine nach ihm benannte Schwerpunktsammlung der Deutschen Kinemathek in Berlin. …

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WIE WIRD 2018? Dr.Horror weiß es by Martin Compart

Eine Vorschau – Demnächst in diesem Theater

Im Fernsehen häufen sich die Jahresrückblicke wie die Kochshows. (Bestimmt wird irgendwann einmal einer dieser Köche ein hohes Regierungsamt übernehmen: Früher wurde für Deutschland geritten, jetzt wird gekocht.) Jahresrückblicke jedenfalls sind schnell zubereitete Kost aus digitalen Konserven, die nicht anbrennen kann, weil sie schon angebrannt ist. Niemand will so was essen, geschweige denn sehen.

Was aber ist mit einem Jahresvorblick?
Die Sterne im persönlichen Jahreshoroskop stehen bekanntlich immer gut, auch wenn wieder ein Jahr Lebenszeit im Eimer ist, aber in die Wunderkiste der Zukunft schauen mag so recht niemand, am wenigsten die Autoren der Science Fiction, die lieber Weltraumsagas für Blöde erzählen. (Die Blockbuster sind mittlerweile auf RTL2-Niveau gelandet und Deutschland, das Land der Dichter, Denker und Nazis, die den Massenmord industrialisiert haben, auf dem Level von FACK JU GÖHTE TEIL 3. Hurra, ich hab den Titel richtig geschrieben, also richtig falsch.)

Persönlich viel Glück und viel Segen und einen gut gefüllten Gabentisch: Fressen – Saufen – Surfen, nur das Beste für den Allerwertesten. Brot für die Welt: das Gammelfleisch bleibt hier. In Deutschland haben sie mehr Angst vor zugegeben üblen Islam-Terroristen (im Kino kennen wir sie spätestens, seit Laurence Olivier als Mahdi ihre Scharen nach KHARTOUM führte) als vor den Terroristen der Zucker- und Fleischmafia, deren Verbrechen so gut wie gar nicht geahndet werden.

Aber es kommt noch ärger: Mittlerweile kommen nicht nur Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten, sondern die Kartoffeln auch aus Ägypten. Möglicherweise wird das Jahr 2018 eines, das wir uns werden merken müssen. Es wird geschichtlich relevant sein; man wird diese Jahreszahl im Geschichtsunterricht, wenn es das in Zukunft noch geben sollte, lernen müssen wie „3-3-3 bei Issos Keilerei“, und wir dürfen uns freuen, als Zeitzeugen mit dabei gewesen zu sein. Dabei sein ist alles.

„Noch mehr Geld? Die wissen doch jetzt schon nicht mehr, wohin mit der Kohle!“

Zum 1. Januar gibt es für die, die Nachwuchs haben, wieder mehr Kindergeld. Mehr Geld (7 € zum verprassen) soll es auch für Bezieher von Hartz-IV-Leistungen geben. Während die Zahl der Kinder im Wunderland der Export- und Fußballweltmeister (wir sehen uns 2018 wo? in Russland?) nicht signifikant steigen wird, zeigen die Hartz-IV-Bezieher, dass es doch auch noch weiter nach oben geht. (Zu Zeiten des vorbestraften gebürtigen Saarländers Peter Hartz bestimmte noch der von Hitler ins Leben gerufene Volkswagen-Konzern, wo und wie es langzugehen hatte in Deutschland, und die Sozialdemokratie bewies, dass sie politischen und wirtschaftlichen „Notwendigkeiten“ ebenso ins Auge zu sehen wusste wie weiland der unvergessene „Bluthund“ Gustav Noske.

Allerdings wird sich eine Hoffnung für die Sozialdemokraten auch 2018 nicht erfüllen: Würselen wird nicht das Bethlehem des Vereinigten Europa werden. Hier wurde uns nicht der Heiland geboren und auch nicht St. Martin. Martin Schulz ist der lebende Beweis, dass der Aberglaube nicht ausgestorben ist, und Til Schweiger dafür, dass es keine richtigen Helden mehr gibt im Reich der Gartenzwerge.)

„Auch ich sehe gerne Filme ohne Til Schweiger.“

Mehr Wachstum (der Arbeitslosigkeit) verspricht auch das digitale Zeitalter, die virtuelle Zeitenwende, an deren Beginn wir staunend stehen wie Steinzeitmenschen. „Das Thema Digitalisierung beschäftigt uns alle, aber was wollen wir damit erreichen?“ lese ich auf einer Website und kann die Frage nicht beantworten. Alles will wachsen, aber niemand weiß, wieso und warum. Wachset und mehret euch – und macht euch die Erde untertan. Für eine einzige Erde sind unsere Wachstumsambitionen längst schon zu gewaltig. Deshalb vermehren die Dummen ihre Dummheit jetzt digital und posten sie global.

Zuerst hauen wir die Welt militärisch auseinander, vor allem unsere Bundesgenossen in Amerika tun das, die nach Afghanistan, Syrien, in die Ukraine (NATO-Osterweiterung) und sonst wohin drängen, angeblich um niederträchtige Terroristen zu erwischen oder bösartigen Tyrannen wie Saudum Hussein den Garaus zu machen, und dann wundern wir uns, dass die Menschen dort in Bewegung geraten, Naturkatastrophen noch nicht einmal eingerechnet. Der Trump ist ein kühler Rechner: Der Wachstumsprozess des Extremwetters ist nicht mehr aufzuhalten. Warum dann noch Klimaschutz? Das Geld ist besser angelegt, indem man weitere Krisenherde (was für ein Begriff: Krisenherd. Bauknecht weiß, was Frauen wünschen) schafft: das bitterarme Nordkorea, Iran, die Döner-Türkei… An allen Ecken und Enden wird an der Lunte gezündelt, in der Hoffnung, dass es bald mal wieder einen richtig großen Knall geben wird, den die Außerirdischen, die sich bedenklich rar gemacht haben in 2018, auch im Weltall hören werden. Weltweit horten wir fast 15.000 Atomsprengköpfe. Die Nordkoreaner haben daran einen Anteil von 15. Vielleicht haben sie sogar schon zwanzig Atombomben. Und das sind zwanzig zu viel.

Manchmal mag man am Allgemeinen Wahlrecht auch für Dumme verzweifeln: Brexit, Separatisten, Erdogan (über den sie in der Türkei inzwischen ein Heldenlied fürs Kino gedreht haben: REIS bedeutet in etwa der Führer), in den USA der Milliardär und potentielle Frauenfummler vom Trump Tower (1973 orakelte der SPIEGEL visionär: Tagediebe und Frauenfummler lungern in Fahrstühlen und Fluren…), Le Pen und AfD. Mittlerweile bin ich dafür, dass der IQ von Wahlberechtigen vor dem Gang an oder in die Urne überprüft wird.

Ich bin doch viel charmanter als der Gauland.

Letztens sah ich Alexander Gauland in einem Berliner Restaurant in der Nähe des Reichstags einsam an einem Tisch sitzen und missmutig in sein Glas Rosé stieren: Wahrscheinlich ist ihm der enorme Zuspruch, den seine Amateur-Liga findet, inzwischen selbst unheimlich. Das Wachstum einer Partei, die nicht einmal ein halbwegs verständliches Wahlprogramm hat, ist vor allem auf das Wachstum der Dummheit zurückzuführen. Und das hat mehrere Gründe. Vor allem, dass das Gehirn, so Reste noch vorhanden sind, immer seltener eingeschaltet wird. Wie sonst ist es möglich, dass die Amerikaner einen wählen, der eine Steuerreform zugunsten der Reichen durchführt?

Zurück zur Frage, wem die Digitalisierung nutzt: weniger den Doofen als dem Überwachungsstaat, der selbst Orwell das Fürchten gelehrt hätte, dem es aber noch nicht gelungen ist, vollends in das menschliche Gehirn einzudringen und es zu unterwandern. Da wird noch einiges Hochwasser den Rhein herunterfließen und über die Ufer treten, bis das Ziel erreicht ist. Christian Lindner, der Reserveoffizier aus Wermelskirchen, fordert übrigens einen „Weltmeisterplan für die Digitalisierung“.

Da bleibe ich lieber Gasableser für Putin. Und die Frisur sitzt. Kein graues Häarchen.

Dank der Digitalisierung sind wundersam in den Statistiken der Ein-Euro-Jobber die Arbeitslosenzahlen für sinnlose Arbeit rückläufig, obwohl de facto ganze Berufsgruppen verschwinden: In der Dekra Toys Company puzzelten Ein-Euro-Jobber, um herauszufinden, ob ein Puzzle mit 5000 Teilen vollständig ist.

Irgendwann muss ja der schon lange von uns Pessimisten herbeigesehnte Finanzcrash kommen. Die Digitalisierung wird ihn beschleunigen, weil wir die „schwarzroten Nullen“ der Schulden, die wir an nachfolgende Generationen weiterreichen, gar nicht mehr zählen können. Die Finanztransaktionen laufen mittlerweile digital so schnell, dass der menschliche Sachverstand kaum noch mitkommt und nur noch KI den Kollaps der Menschheit verhindern kann: Der Künstlichen Intelligenz wird es nicht schwerfallen, die menschliche Dummheit rechts zu überholen. Dann müssen wir auch nicht mehr wählen gehen, und es wird keine Regierungskrisen mehr geben und schon gar keine überhöhten Diäten für Abgeordnete und Hinterbänkler, die ihre Zeit nicht mit Puzzeln verbringen, sondern damit, Selfies über Facebook zu posten und zu twittern.

Für die breite Unterschicht der einstmals Werktätigen, Mägde und Knechte wird irgendwann alles via Chip in der Hand zentral und unbürokratisch an der Kasse beim Discounter gesteuert. Die ersten Versuche laufen schon in Schweden, wo eine Firma Mitarbeitern einen Chip zum Türöffnen implantiert hat. Die Technik gestattet eine lückenlose Überwachung von der Geburt bis zur Bahre.

„Heut lass ich mal richtig die Sau raus.“

Jetzt haben wir aber schon 2018 übersprungen und sind in 2019 gelandet, möglicherweise ganz weit in der Zukunft 2025 oder 2027 oder 2029, Jahre, die wir uns eigentlich gar nicht vorstellen können, denn sie bezeichnen ein Märchen von übermorgen: Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Dies ist ein Märchen von übermorgen. Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem.

Ein Arschloch wie ich, sollte hier nicht vergessen werden.

Eins dieser Raumschiffe ist die Orion… und sie wird übrigens nicht, sie wird niemals vom Flughafen BER starten, denn die Flug- und Weltraum-Baustelle in Schönefeld stagniert weiter, trotz des 2013 von Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn, Air Berlin) verordneten „Sprint“-Programms, das fatal an den zum Ende des Zweiten Weltkriegs verordneten „Endsieg“ erinnert.
Apropos, in 2018 feiern wir den heimtückischen Dolchstoß im Ersten Weltkrieg, dessen Kosten mittlerweile, glaube ich, bezahlt ist. Da könnten wir uns ja bald einen Dritten leisten. Ich schreib schon mal an den Weihnachtsmann…

RG, Jahresende 2017

 

WEISE WORTE ZU 2018

2018 werden große Teile von Medien und Politik (Wirtschaft sowieso) verstärkt aus ideologischen Gründen den Begriff Ungerechtigkeit durch „Neid-Faktor“ ersetzen.

Den Widerspruch zwischen dem kapitalistischen Leistungsbegriff und dem mittelalterlichen Erbrecht mit Phrasen zu verkleistern, damit „Erbe“ nicht zum gesamtgesellschaftlichen Nutzen heran gezogen wird, ist ebenfalls Aufgabe von Medien und Politik in diesem Jahr.

Und auch in diesem Jahr wird die Priesterschaft des „Liberalismus“ (der wie jede Religion eine Angelegenheit des Glaubens, d.h. des nicht Wissens, ist) weiterhin Gesellschaftseigentum privatisieren (Stichwort: Autobahnen), was einer Enteignung von Gesellschaftsvermögen entspricht. Dafür haben die Lobby-Vertreter im Bundestag, die in der Regel nach zwei bis drei Legislaturperioden ihre Korrumpiertheit durch einen Job in der Industrie krönen, Grundgesetzänderungen durch Winkelzüge erledigt. Diese Korrumpel werden uns diese Umverteilung häufig in den Medien sophistisch als Entlastung des Bürgers verkaufen.

Dank verschlagener Figuren wie Dobrint, Scheuer oder Söder, wird die CSU bei der Landtagswahl eine derartige Klatsche einstecken, die Rotatiosphänomene im Grab von Strauss auslösen wird. Das Schöne an den genannten Gestalten ist, dass ihre Karrieregeilheit gepaart mit asozialer Energie in den Visagen ablesbar ist und damit Wahlplakate konterkariert.

Nicht die Cleverness der AfD sorgt für weiteren Aufschwung dieser grenzdebilen Partei, sondern die unfassbare Dämlichkeit der korrupten Etablierten (die seit den Tabubrüchen von Bangemann und Proll-Gert) die politische Struktur in „diesem, unseren Land“ definiert.

In diesem Jahr wird Bildung noch stärker mit Qualifikation gleichgesetzt werden. Qualifikation für was? Um mit Mick Jagger zu antworten: „I mean really?!!“

In Berlin gibt es im Regierungsbezirk für Abgeordnete ein eigenes Hallenbad. Erinnert alles sehr an Ludwig und Nikolaus.

Das republikanische Fernsehen, bezahlt von Bürger-Geldern und politisch verteilten Zuwendungen, berichtet weiterhin verstärkt über „royale“ (was für eine dämlich klingende Eindeutschung! – kommt direkt hinter „challange“ und „wording“) Uninteressantheiten, um damit den Eindruck zu verstärken, dass Politiker unter vorguilletonierbare Unangreifbarkeit zu subsumieren sind.

Immer weniger Kinder werden 2018 schwimmen lernen. Von den unter dreißig-jährigen können jetzt schon an die 50% nicht schwimmen (was dabei heraus kommt, sieht man an Dobrint und ähnlichen Nichtschwimmern). Das werden 2018 durch Bäderschließungen und soziale Unverpflichtungen mehr werden. Unter Adenauer gab es 90% „schwimmfähige Deutsche“.

Und der Höchst ehrenwerte Papst wird 2018 zunehmend feststellen: Es gibt nichts Richtiges im Falschen.

Dieses Jahr kommt wohl endlich der Algorithmus auf den Markt, der die Bestsellerlisten aller Staaten durchsucht, um den Auftraggeber zu informieren, welcher Lizenzen in seinem Land vertraglich verfügbar ist. Für Großverlage eine Riesenchance zur Personaleinsparung.

AUCH DIESES JAHR WIRD FÜR DIE BELEIDIGTEN UND AUSGEBEUTETEN EIN JAHR IM KONJUNKTIV.



MONTINI – AUSZUG AUS HITLER IM WELTALL von Rolf Giesen by Martin Compart
13. November 2017, 4:34 pm
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LESEPROBE aus der Erzählung

HITLER IM WELTALL

Ein Film-Roman
von Rolf Giesen

Ähnlichkeiten mit lebenden und toten Personen sind möglicherweise nicht immer rein zufällig. Der Ich-Erzähler, ein Mann mit Namen Fick, der inzwischen unter der Erde liegt, ist dennoch hundert Prozent fiktiv. Er hat an der Filmhochschule der ehemaligen DDR studiert und ist dann, nach seiner Übersiedlung in den Westen, sprichwörtlich unter die Räder gekommen. Jetzt bemüht er seine alten „Kontakte“, damit er nicht vom Pfandflaschensammeln leben muss.

Als E-Book erschienen im
APEX-VERLAG
POSTFACH 801461
81614 MÜNCHEN
http://www.apex-verlag.de

Montini, die Lollo und Hitlers Telefonnummer

Die Wende holt den Ich-Erzähler in West-Berlin ein:

Auf einem Empfang der Berlinale – ich stand gerade mit meiner Lollo, die gedroht hatte, auszupacken über mich, wenn ich sie nicht zu den Filmfestspielen mitnähme, ich stand also mit meiner Nilpferd-Schönheit am Buffet – da fühlte ich verächtliche Blicke in meinem Rücken. Leute, die ich von früher aus dem Studio kannte, erwiderten meinen Gruß nicht mehr, gingen mir sogar aus dem Weg. Gut, so musste ich nicht meine ständig mäkelnde Lollo vorstellen. Ich schob mir ein Brötchen in den Mund und spülte, etwas zu hastig, mit Rotwein nach, als mir jemand unerwartet auf die Schulter klopfte. Schon hatte ich einen Rotweinfleck auf meiner weißen Weste.

Es war Pralines schärfster Konkurrent, der noch am Leben und inzwischen aus Rom zurückgekehrt war. Er war ein gläubiger Katholik und stammte aus Münster, wo ihn seine Mutter schon auf dem Bischofsstuhl sah. Darum nannten sie ihn in Rom auch nur Montini, nach dem Montini-Papst, der für andere der Pillen-Paul war. Einige unter den Älteren werden sich vielleicht noch erinnern. Montini hatte in Rom mit zweifelhaften deutschen Anlegergeldern und Mafia-Verbindungen Hannibals Zug über die Alpen verfilmt und wegen Überziehung des Produktionsbudgets um 20 Millionen Mark um ein Haar das europäische Completion-Bond-System gesprengt.

Auch Montini war ein Sportler, ganz so wie ich. Das machte uns auf Anhieb sympathisch. Aber im Unterschied zu mir hob er in seinem privaten Fitness-Studio auch noch Gewichte. Ansonsten lebte er nach der Devise: Nur Bares ist Wahres! Ich ahnte damals nicht, dass er genauso abgebrannt war wie ich und dringend wieder flüssig werden musste. Die Mafia saß ihm immer noch im Nacken, auch wenn er jede Verbindung bestritt und ins Reich der Dichtung verwies. Auch ich schwor, dass es mir gut gehe und ich die Flut von Angeboten und Aufträgen gar nicht bewältigen könne.

Nachdem wir eine Weile über die verblichene Praline geschimpft und überhaupt über die Filmindustrie und ihre Partizipanten gelästert hatten, fragte mich Montini, ob ich was Geeignetes für ihn auf Lager hätte, eine Geschichte, ein Drehbuch oder so. Ich wusste, einem wie ihm konnte ich nur mit etwas ganz Abgefahrenem kommen.

Wir verabredeten uns für den nächsten Tag standesgemäß in der Paris-Bar, wo Monti alle duzte. Wir bestellten Martini.
Ich hatte eine Geschichte vorbereitet, aber erst einmal musste ich mir Montis Erfolgsgeschichte anhören. So wie er es sah, hatte er Filmgeschichte geschrieben. Gerade sei er, erzählte er mir, an den Rechten von den Nibelungen dran.
„Aber die Nibelungen sind doch rechtefrei.“
„Wo denkst du hin! Nicht die Urgeschichte!! Die Version von Böll natürlich!!!“
„Böll hat eine neue Fassung der Nibelungen geschrieben?“
Ich sah ihn ungläubig an, aber sein bestimmter Gesichtsausdruck signalisierte mir, dass er keine Nachfragen zuließ, und Böll konnte man nicht fragen, weil der schon seit ein paar Jahren wie ich jetzt unter der Erde lag.
„Ich habe da auch eine Geschichte.“
„Lass hören.“
[…]

Ich hatte erfahren, er wolle etwas über den Vampir von Hannover, einen Film über den Serienkiller Fritz Haarmann machen.
„Als Haarmann sich in Hannover umtrieb, gleich nach dem Ersten Weltkrieg, da war die Leine voller Leichen“, behauptete er.
Das war eine stupende Prämisse.
[…]

„Sag mal“, fing ich an, „du willst von den verheerenden, rechtlosen und zügellosen Verhältnissen in Hannover nach dem Krieg erzählen.“
„Das ist der Background, ja. Da wurden die Leute umgebracht schon wegen Nichtigkeiten: Kleidung, eine Hose. Wegen nichts hat der Haarmann gemordet. Heute ist es ja nicht viel anders. Das war ein Schlächter, ein Kannibale.“
„Aber er war nicht allein.“
„Nicht allein? Wie meinst du?“
„Der hatte einen Komplizen.“
„Na ja, aber gemordet hat er.“
„Nicht unbedingt er allein. Du weißt doch, was er über den Hans Grans erzählt hat. Der Haarmann hat seinen Freund Grans in den ersten Verhören doch richtig schwer belastet. Ich glaube, der Grans war der Mastermind und der Haarmann nur sein gestörtes Faktotum. Grans war der Spiritus rector der abscheulichen Verbrechen.“ Ich zitierte aus dem Haarmann-Lied:

„In Hannover an der Leine,
Rote Reihe Nummer 8,
wohnt der Massenmörder Haarmann,
der schon manchen umgebracht.
Haarmann hat auch ein‘ Gehilfen,
Grans hieß dieser junge Mann.
Dieser lockte mit Behagen
alle kleinen Jungen an.“

Montini wurde hellhörig.

„Monti“ – sagte ich, ich gebrauchte die Kurzfassung seines Namens – „weißt du, Monti, wann dieser Grans gestorben ist?“
Montini sah mich an.

„1975. In Hannover. Er war 74 Jahre alt. Und verheiratet. Und nur ein Lokalreporter hat ihn jemals interviewt, bei Kaffee und Kuchen, schön kleinbürgerlich. Nicht Stern, nicht Spiegel oder Focus, nicht die FAZ oder die Süddeutsche, nein, ein Lokalblättchen. Das ist alles. Der Reporter lebt noch. Er ist halbblind, aber sein Gedächtnis funktioniert immer noch prima. Ich hab ihn angerufen.“

„Du hast mit ihm gesprochen? Was hat er gesagt?“

„Er beschreibt Grans als sehr intelligent. Der hatte sich auf das Interview vorbereitet und wollte seine Version der ganzen Geschichte darstellen. Seine Frau musste während des Gesprächs das Wohnzimmer verlassen. Die wusste von nichts. ‚Haarmann hat mein Leben verpfuscht‘, hat er angefangen. Nicht um das Leben der Opfer ging es ihm, sondern nur um sein eigenes armseliges Leben. Er saß ja im KZ, wo es ihm aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schlecht ging…“

„Es ging ihm nicht schlecht? In einem KZ?“

„Den Umständen entsprechend. Denn da konnte er seinen sadistischen Trieben nämlich ganz legal freien Lauf lassen. Eigentlich war er da ganz richtig. Na, fällt der Groschen?“
Montini schien nicht ganz bei der Sache, aber so viel verstand er: „War wohl Kapo gewesen.“

„Du sagst es. Hat die armen Schweine gedemütigt und verprügelt. Nach dem Krieg soll er geradezu empört gewesen sein, dass die britische Militärregierung ihn, das ausgewiesene KZ-Opfer, noch einmal einsperren ließ. Der Artikel erschien am 19. Juni 1974, und damit hatte es sich. Zeitlebens ist er als Opfer durchgekommen, dabei war er doch der Anstifter der Morde. Drei Welten hat er schadlos überstanden: die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus im KZ, das nur für ihn allein ein goldener Käfig war, und die Bundesrepublik.“

Montini überlegte.

Ich stand auf, um mich zu verabschieden. Er hatte mir nichts zu trinken angeboten: „Soll ich dich anrufen?“

„Ich ruf dich an“, sagte er.

Auf den Anruf wartete ich vergeblich, wochenlang.
Schließlich las ich in einem Branchenblatt, dass Montini Development-Förderung für ein Filmprojekt Der zweite Mann bekommen hatte, in dem es um die Geschichte des Haarmann-Hintermanns Hans Grans gehen sollte.

Empört rief ich Montini an:
„Das war meine Geschichte.“
„Was war deine Geschichte?“
„Die Sache mit Haarmann und Grans. Ich hab’s gerade gelesen.“
„Momentchen, jetzt werd mal nicht frech, Fick, das Haarmann-Projekt hatte ich schon auf dem Radar, bevor du deinen Riechkolben reingesteckt hast.“

Angriff war bekanntlich die beste Verteidigung.

„Haarmann vielleicht, aber nicht Grans. Du musst mich als Autor nehmen. Die Kohle steht mir zu. Das war meine Idee.“
„Ich muss gar nichts, und dir steht auch nichts zu. Und es war auch nicht deine Idee. Und die Option an der Grans-Geschichte hab ich mir gesichert. Ich hab nämlich diesen halbblinden Journalisten aus Hannover besucht und hab seine Unterschrift. Der Deal ist perfekt. Ich hab schon zwei Giallo-Spezialisten aus Italien rangesetzt. Die kommen aus der Dario-Argento-Ecke. Und vielleicht führt der Dario ja auch Regie. Oder der Paul.“
„Der Paul?“
„Paul Verhoeven. Unter einem wie Paul mach ich’s nicht.“
Ein Wort gab das andere.
„Jetzt reg dich endlich ab. Ich will dir ja was geben.“
„Geld?“, fragte ich unschuldig.
Er sah mich mitleidig an: „Etwas viel Besseres. Eine Geschichte, die wir noch vor den zwei Aasgeiern Haarmann und Grans drehen. Natürlich nehm ich dich rein bei Grans. Aber erst machen wir ein paar Fingerübungen, was, Alter? Überschaubares Budget. Nur freie Natur und gute Luft. Sag mal, führst du auch Regie?“
„Ich hab Regie studiert.“
„Du hast Regie in der Zone studiert. Das ist etwas anderes.“
Ich erklärte ihm, dass ich durch meine regelmäßigen Kinobesuche auf dem Laufenden sei und dass ich ihm Action pur liefern könne.
„Das wird ein Actionfilm, über den wird Deutschland, was sage ich: über den wird Europa sprechen.“

Das gefiel mir. Ich war schon immer für Europa: Europa prima! (Leider hatte mir diesen werbewirksamen Slogan niemand abkaufen wollen.)



DR.HORROR operiert am offenen Herzen. Diesmal: BLADE RUNNER 2 by Martin Compart
8. Oktober 2017, 11:47 am
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BLADE RUNNER 2049

Etwa 30 Filme sind es, die weltweit eine Milliarde Dollar und mehr eingespielt haben. Wir nennen sie Blockbuster: Renner, Hammer, Kassenschlager, Knüller. Das ist kein neues „Genre“, das ist amerikanische Marktmacht pur. Zwar sind einige dieser Filme mit chinesischem, früher auch mal deutschem Geld co-finanziert, aber das Copyright ist in der Regel US-amerikanisch. Disney hat wie wild entsprechenden Content für die nächsten eingekauft: Star Wars, Lucasfilm, Marvel. Warner bemüht Superman, Batman, Wonder Woman, Steven King (Es).

Die gesamte intellektuelle Reserve der amerikanischen Comic-Nation wird auf die Leinwand geknallt: The Last Stand. Aber was kommt danach? Was kommt, wenn die Blockbuster nicht mehr so funktionieren, wie man es von ihnen erwartet, und sie nicht mehr eine Milliarde Dollar und mehr einspielen? Was kommt nach der vollen Dröhnung auf allen Kanälen?

Nun, dann kommt die Zukunft.

Dann kommt das Jahr 2049. Die „Fortsetzung“ von Blade Runner. Der erste Blade Runner spielte nächstes Jahr, im November 2019. So stellten wir uns vor 30 Jahren die Zukunft vor. 30 Jahre sind ja keine Zeit.

Natürlich wird es mit den Blockbustern noch Jahre weitergehen, aber nun, nachdem ich Blade Runner 2049 gesehen habe, habe ich das Gefühl, das Ende der Fahnenstange ist in Sicht.

Die Grenzen des Wachstums sind auch im Kino spürbar. Früher gab es, der religiösen Einkehr wegen, vielleicht mal alle drei Jahre einen Monumentalfilm: Quo Vadis, Das Gewand, Ben Hur, Cleopatra (ein Desaster an der Kinokasse), Die Bibel (gezeigt wurde nicht mal die halbe) und abschließend, als das Rennen schon vorbei war, Artur Brauners in Rumänien und Spandau produzierter Kampf um Rom in zwei Teilen. Dann war es aber auch gut. Heute gibt es jede Woche einen neuen Blockbuster, mit oder ohne Darm, mit oder ohne Brille. Die mit digitalen VFX vollgepumpten Dinger graben sich mittlerweile selbst das Wasser ab.

Über das Jahr 2049 erfahren wir in der Fortsetzung weniger als im Original von 1982 über das kommende Jahr, sozial schon gar nichts. Nur dies: Ohne Maschinen, ohne Androiden und Replikanten geht gar nichts mehr. Die Menschheit ist längst verblödet. Die bange, noch nirgendwo gestellte Frage steht im Raum: Hat die Maschine den Menschen überholt?

Wenn ich mich in der Berliner U-Bahn zum Preis einer Fahrkarte unter Smartphone-Nutzern umsehe oder mal zu RTL2 zappe, scheint das leicht vorstellbar. Blade Runner 2049 setzt noch eins drauf: Können Replikantinnen Kinder bekommen? Ryan Gosling (La La Land) als Officer K ermittelt. Damit es überhaupt etwas mit dem „ersten Teil“ zu tun hat, kehrt auch Harrison Ford als gealterter Rick Deckard zurück, ein Darsteller übrigens, der jede Rolle gleich spielt: Because without Harrison, there was no movie. Jetzt haben wir aber genug verraten. Ist auch Deckard ein Replikant oder wie oder was? Viel mehr passiert in der werbefilmwirksam fotografierten Bilderwelt in 150 Minuten nicht. Das Ganze hätte man bestimmt auf 80 Minuten Länge kondensieren können.

Genug verraten, denn in einem Einladungsschreiben zur Pressevorführung ermahnt mich der Verleih: Wir ersuchen Sie mit Nachdruck, in Ihren Berichten aus Rücksicht auf die Kinogänger keine wichtigen Handlungsstränge zu verraten… Mobiltelefone, Kameras und sonstige Aufnahmegeräte müssen an der Garderobe abgegeben werden.

Wichtige Handlungsstränge?

Habe ich nicht wahrgenommen. Hätte ich nur auch meinen Verstand an der Garderobe abgegeben.

Die Zukunft, möchte man mit dem weisen Karl Valentin sagen, war früher auch mal besser. Heute ist sie unberechenbar. Da wagt sich kein Autor, der auf sich hält, mehr ran. Es fehlt an couragierten utopischen Autoren: Kein neuer Lem, kein neuer Galouye, kein neuer Philip Dick in Sicht? Frank Schätzing? Hm…
In der Presse lese ich über Denis Villeneuves Film: Blade Runner 2049 Is An Exquisitely Made Disappoinment. – An Overlong, Underwhelming Sequel. – Jaw-Dropping Style [sic!] but Too Little Substance.

Er spricht Recht, wo das Gesetz nicht hinkommt.
Richter Gnadenlos ist Charles Bronson
in
EIN MANN SIEHT BRAUN

Das nächste Mal drehen wir eine Forsetzung von Ein Mann sieht rot in Deutschland. Oder: Ein Mann sieht braun. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch. (Brecht) Und für die Hauptrolle – weil Til Schweiger nicht in Charles Bronsons Galoschen passt – holen wir „Richter Gnadenlos“ aus Rio zurück, Der spielt auch für eine Million weniger als Harrison Ford…

Rolf Giesen



DR.HORROR HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN! by Martin Compart
10. April 2017, 1:02 pm
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DR.HORROR: Das ungeheuer vielfältige Europa trotzt einer standardisierten Welt by Martin Compart
23. März 2017, 9:24 am
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Eine kleine Betrachtung aus Anlass von Cartoon Movie, Bordeaux 2017

Das, was wir kulturelle Vielfalt nennen, wird immer wieder besonders hervorgehoben, wenn es um den Reichtum künstlerischer Ausdrucksformen in Europa geht.

Das konnte ich beim Besuch von Cartoon Movie, dem Branchentreff europäischer Animationsfilmproduzenten in Bordeaux, wo reichlich neue Projekte vorgestellt wurden, Anfang März feststellen: Mit amerikanischer Animation verbinden wir in der Regel Disney und Pixar, mit Japan die Anime, und wir wissen in etwa, wenn wir eine Kinokarte erwerben, was uns ästhetisch bevorsteht, aber mit dem europäischen Animationsfilm verbinden wir eigentlich: gar nichts. Allenfalls erleben wir eine kuriose, gegenüber den Amerikanern unterbudgetierte Artenvielfalt, die letztlich in einer digital standardisierten Welt nicht mehr als das Fehlen einer wiedererkennbaren Handschrift signalisiert.

Es gibt keinen europäischen Stil im Film.

Ich löse kein Kinoticket, um einen europäischen Animationsfilm zu sehen.
Der beste Ausdruck europäischer Animation ist immer noch in der frankobelgischen Comic-Welt zu finden. Ihre Beiträge wenden sich häufig gerade nicht an die Kleinsten, sondern an ein erwachsenes Publikum. Ich weiß also, was ich für mein Geld bekomme.

Auch die spanischen Animationsfilmer haben eine bestimmte Bildsprache entwickelt. Sogar ein achtbares Projekt über Luis Bunuel ist darunter.

Auch einige irische Produzenten liefern etwas in einer eigenen irischen Zeichnung. Das ist es dann aber auch.

Erstaunt hat mich innerhalb der Vielfalt ein portugiesisch-polnisches Projekt, eine moderne Interpretation des „Wunders von Fatima“ (Titel: Fatima and the Secret Treasure), angeblich zu 90 Prozent finanziert und vom Vatikan für gutgeheißen. Diesen computeranimierten, gottgefälligen Film, wenn er fertig ist, sollen sich nach dem Wunsch der Produzenten Katholiken in aller Welt ansehen. Auf diese Weise könnte man ja gut und gerne Star Wars überflügeln.

Die Spezies deutscher Animationsfilm zeichnet sich dagegen in der Regel durch oberflächlich kommerzielle Naivität für Vorschulkinder aus und weicht darin eklatant vom „europäischen Trend“ ab. Zu Ostern gibt es in den deutschen Kinos im Nachmittags- und nicht im Abendprogramm die Häschenschule. Und demnächst auf dieser Leinwand vielleicht Luis & The Aliens der Brüder Lauenstein, der auch nicht europäisch aussieht, eher ein wenig wie Pixar. Aber nur ein wenig.

Rolf Giesen



ZUM JUBILÄUM DER SCHWARZEN SERIE – IM SCHATTEN DER EULE 5 by Martin Compart
22. Dezember 2016, 3:40 pm
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Der schwerste Gang: Hoch zu Niemann in den 10 Stock und kündigen.
Viktor war cool und wir sprachen schnell darüber, die Nachfolge zu regeln. Das statt meiner nun zwei Leute angestellt werden sollten, machte mich natürlich sauer. Schließlich hatte ich nie zwei Gehälter bezahlt bekommen. Egal.

Einen Tag später erzählte mir Fauser, der sich mit Niemann getroffen hatte und kurz vor seinem Rücksturz nach München stand, Niemann hätte ihm gesagt, unter anderen Umständen hätte er um mich gekämpft und mich nicht einfach gehen lassen. Das tat gut, hieß aber auch, dass Niemann für sich keine Zukunft bei Ullstein sah. Genauso wenig wie Herr Fauser, der seine Hände bereits zu Hoffmann & Campe ausstreckte (mit Niemanns Vermittlung?).

jörg fauser autor PROMOFOTO vom alexander verlag

jörg fauser autor PROMOFOTO vom alexander verlag

Also die Nachfolge.

Meine erste Wahl für die Krimis (und vielleicht auch für die Abenteuer-Reihe) war Frieder Middelhauve, der schon länger für mich arbeitete. Ein ausgewiesener Kenner der Thriller-Szene und der erste deutsche Krimi-Kritiker, der seine Rezensionskolumne syndikatisierte (also an mehrere Zeitungen verkaufte). Er edierte für mich die Anthony Price-Ausgabe (Frieder war mit Price auch persönlich befreundet) und übersetzte mit seiner Frau Dörte für Ullstein und Goldmann. Viele Gespräche hatten mir längst klar gemacht, dass Frieder genau der richtige Lektor für den Job war.
Für die Populäre Kultur wollte ich Georg Schmidt vom TIP-Magazin. Er hatte sich mit Film- Musik- und Literaturrezensionen als fundierte Kenner der populären Kultur ausgewiesen und mehrere Begegnungen hatten mich überzeugt, dass der gelernte Journalist auch ein Spürhund für Themen war.

Es kam – natürlich! – anders.

ahr0chm6ly9pbwfnzxmuym9va2xvb2tlci5kzs9iawxkzxivmda2shdul0fybm9szcttyw0tugvja2lucgfoluvpbi1pdxrsyxctaw4tsg9sbhl3b29klu1pdc1bymjpbgr1bmdlbi5qcgc1Der neue Vertriebschef von Fleissners Gnaden zauberte einen weiteren Kandidaten hervor, der sich ihm gegenüber wohl durch devotes Verhalten empfohlen hatte: Hansjoachim Neumann, sich selbst überschätzender Filmkritiker des damals zweitgrößten Berlinszeneblattes ZITTY. Er betrachtete das Film-Lexikon (!) von Ephraim Katz als theoretisches Standardwerk. Kein sonderlich sympathischer Zeitgenosse, der sich gerne in Hierarchien einfügte (meine Devise war: Schlechte Laune lässt man nur an Vorgesetzten aus; allerdings hatte ich auch selten schlechte Laune. Dafür machte der Job zuviel Freude). Der Einfluss von Fleissners Satrap (und Niemanns Umorientierung) war aber bereits so stark, dass Neumann durchgesetzt wurde. Und Georg sollte nun die Krimis machen. Frieder war draußen. Und Neumann (der nach meinem endgültigen Weggang sofort zwei eigene Bücher in der Populären Kultur projektierte) sollte für Populäre Kultur und die Abenteuer-Reihe verantwortlich zeichnen.

Ein Sturm brach los.

Die Ratte betrat das sinkende Schiff. Einige meiner Autoren, Rolf Giesen, Ulrich von Berg, Frank Arnold etc.) weigerten sich kategorisch, mit Neumann zu arbeiten, den sie – gut begründet – für inkompetent und persönlich unangenehm empfanden. Ich versuchte die Wogen zu glätten und Georg Schmidt half dabei, indem er die Betreuung einiger Titel der Populären Kultur (z.Bsp. das Sam Peckinpah-Buch von Uli von Berg und Frank Arnold) übernahm. Giesen machte sich komplett vom Hof und suchte sich andere Verlage (zum Beispiel für das noch für Ullstein projektierte FERNSEHEN, WIE ES JEDER HASST bei Goldmann).

167150459141Ich war mit den Nerven fertig und wollte nur noch ins Bergische Land. Vorher drohte ich noch Konsequenzen an, falls man meine Sekretärin, Frau Schäfer (ohne die ich nicht halb so erfolgreich hätte arbeiten können), schlecht behandeln würde. Dasselbe galt für meine Star-Übersetzer. De r kleine (neu)Mann sollte sich allgemein dadurch auszeichnen; dass er jetzt einflussreicher kleiner Mann sei (das sollte sich wiederholen unter anderen Vorzeichen; Schleimer kreuzten häufig meinen Weg um kleinbürgerliche Karrierewünsche voran zu treiben).

Neumann trampelte auf dünnem Eis als wäre der Boden aus Kruppstahl. Sein Bedürfnis nach Selbstdarstellung und Anerkennung, ließ ihn schnell zur Witzfigur werden und brachte ihm Spötteleien ein: „FLASHMAN U.D.CHINESISCHE DRACHE – Ein Buch von Hansjoachim Neumann, geschrieben von MacDonald Fraser“, hätte das angemessene  Impressum lauten sollen. Später sollte ich be einem Berlinbesuch Neumann bei Luther & Wegner um die Tische jagen, während er filmreif nach „Hilfe“ quiekte. Und Georg musste „dem Kollegen“ tatsächlich im Verlag eine rein hauen. Als Neumanns dünnes Werk DAS BÖSE IM KINO erschien, erhielt der epochale Filmkritiker  einen neuen Spitznamen: Der Böse im Kino. So wurde ihm die kurze Zeit, in der er ein kleines bisschen Macht ausüben konnte, etwas vergällt.

Bloß raus aus diesem zunehmenden Irrenhaus.

FORTSETZUNG FOLGT

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