Martin Compart


DEUTSCHER TV-SERIENSCHROTT-die endlose Geschichte by Martin Compart
29. August 2013, 7:38 am
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Jedes Jahr dasselbe Ritual: zu einer komplett sinnlosen Medienveranstaltung, wie etwa die Cologne Conference, werden von den verantwortlichen Wichtigtuern („Wir machen auch was über Internet und TV-Serien oder so.“) ein paar amerikanische Serienmacher der Spitzenklasse, also Angehörige einer weit überlegenen Spezies, eingeladen, damit sie den deutschen „Kollegen“ mal erzählen, wie man das so macht. Fernsehserien auf hohem Niveau, meine ich. Die deutschen „Kollegen“ hören erstaunt zu und beplappern dann wie aufgeregte Enten, was in Deutschland alles passieren müsste, damit man auch so was Schönes machen dürfe. Keiner von ihnen kommt natürlich auf den Gedanken, dass sie es nachgewiesen nicht nur nicht dürfen, sondern gar nicht können. Weder der debile Redakteur, der Subtext für eine Garagenband aus Birmingham hält, noch der ach so unterforderte Autor, der mehr How-to-write-Bücher sein eigen nennt als er moderne Klassiker der Kriminalliteratur gelesen hat. Und schon gar nicht die Produzenten und Regisseure, für die es vor BATMAN RETURNS kein Kino gab („PARALLAX VIEW war vor meiner Zeit – was ist denn das? Eine vergessene Star Trek-Folge?“).
Schlimm genug, dass sie kaum Ahnung von der komplexen Entwicklungsgeschichte der Fernsehserien haben, aber sie kenn auch weder Filme noch Bücher. Bei HBO dürften sie nicht mal das Klo schrubben.



Wer sowas (und natürlich noch viel mehr) nicht kennt, wird niemals etwas wie HOMELAND, SPOOKS, AMERICANS oder SANDBAGGERS auch nur im Ansatz entwickeln oder umsetzen können. Wer nicht weiß, wo etwas her kommt, wird auch nicht wissen, wo es hingehen könnte.

Und immer wieder die Endlosschleifen der Vorträge und Diskussionen mit den Themen: Sind wir wirklich so schlecht? Warum sind wir so schlecht? Schuld sind die Anderen. So schlecht sind wir auch nicht. Wir haben 5 Mio Zuschauer. Nächstes Jahr machen wir was ganz tolles. Aber übernächstes Jahr bestimmt.
Abends besaufen sich dann alle Teilnehmer auf Steuerkosten und steigern sich abwechselnd in Euphorie und Depression. Alle wissen tief in ihrem inneren: sie sind die unfähigsten Mediengestalter des Kontinents, deren Ideen und Durchsetzungsvermögen nicht mal fürs maghrebinische Frühstücksfernsehen reicht. Statt das Licht zu meiden, zeigen und plustern sie sich bei „Fachveranstaltungen“ und Messen in aller Öffentlichkeit.


Was deutsche Serienmacher nie begreifen werden…

Vor ein paar Tagen wurde der ZDF-Unterhaltungschef Himmler in der ZDF-Sendung „log in“ vorgeführt. Er stieß auf kritische Serien-Fans wie Kalkofe und Dietz (ein Blogger), die seine Unfähigkeit und Hilflosigkeit verdeutlichten, künftig Serien zu produzieren, die im internationalen Niveau auch nur mit Belgien (man denke an die brillante Crime-Serie VERMIST) mithalten können. Einmal mehr belegte der Mann vom Lerchenberg (unter Insidern seit Klaus Bassiners Zeiten als „Berg der Ahnungslosen“ bekannt) die alte These: „Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht“; wobei inzwischen auch der erste Teil als Unwahrheit enttarnt ist. Bei der ARD, dem ZDF, SAT1- oder RTL-Gruppe gibt es wohl kaum jemand, der auch nur ahnt, „wie es geht“. Dass sie es nicht können, beweisen sie mit jeder Produktion aufs Neue. Die Veranstaltung ist noch in der ZDF-Mediathek zu bewundern:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1967160/Fehlt-dem-ZDF-der-Mut%253F#/beitrag/video/1967160/Fehlt-dem-ZDF-der-Mut%3F

Immer wieder erzählen überdurchschnittliche Autoren, mit welch gruseliger Inkompetenz sie es in den Sendern zu tun haben. Das zieht sich von unterster Redaktionsebene bis hin zum Programmchef oder Abteilungsleiter und gilt genauso für öffentlich-rechtliche Sender wie für kommerzielle. Diese sind kaum dazu in der Lage, Serien wie HOMELAND oder THE AMERICANS zu analysieren, wollen aber gerne auch „so was ähnliches“ machen. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass sie ein solches Projekt in Drehbuchfassung ansatzweise zu beurteilen vermögen. In diesen Regionen paart sich mindere Intelligenz mit Bildungslosigkeit. Wobei die ästhetisch-historisch größten Blindgänger wohl von den staatlich geförderten Medien- und Filmschulen kommen. Deren Ausbildungspersonal dürfte in Mehrheit gerade mal dazu in der Lage sein, eine kritisch Karl May-Film-Retrospektive in Burkina Faso zu organisieren. Die ganze Ausbildung ist deshalb auch nichts als ein trauriger Katalog überkommener Schablonen, die man perpetuiert damit sie immer wieder in die untersten Erdschichten der Gesellschaft absickern. In diesen Film-und Fernsehklippschulen müssen die Studenten erst allen Schaden und Schwachsinn erleiden um ihn dann selber auszuüben.


Niemand hier bekäme auch nur eine dieser Szenen hin.

Die visuelle Erbärmlichkeit von TATORTs oder SOKOs zeigt, auf welchem Niveau auch Regisseure von diesen Institutionen ausgebildet werden. Künftige Redakteure lernen dort höchsten das kleine 1×1 einer überholten Dramaturgie aus Reclam-Heftchen und Syd Field-Postillen und scheitern bereits an der Analyse eines Howard Gordon oder David Chase.

Wenn das ZDF beschließt einen Großteil des aus deutschen Gebühren bestehenden Serienetats in Co-Produktionen mit ausländischen Produktionen zu stecken, kann man diese Verzweiflung sicherlich verstehen. Der Sender suggeriert damit:

– Wir sind nicht dazu in der Lage, selbst Qualitätsfernsehen herzustellen (die ausländischen Produktionen werden den Teufel tun und eine unbedarfte ZDF-Lemure inhaltlich mitreden lassen; das ZDF darf Geld geben und gelegentlich einen deutschen Schauspieler vorschlagen).

– Wir bewegen uns rechtlich auf dünnen Eis. Denn deutsche Steuer- und Gebührengelder werden nicht im Inland für eigenständige Produktionen verwendet, sondern um ausländische Firmen (mit) zu finanzieren. So schwächt man nicht nur geistig sondern auch materiell die einheimische Wirtschaft mit einer Etatvergabe, die (Staats-) vertragsrechtlich zumindest bedenklich, wenn nicht sogar ein eklatanter Verstoß, ist. Das sollte ein Autoren- oder Produzentenverband, der seinen Namen verdient, juristisch mal prüfen lassen. Aber das wagt man nicht, denn sonst könnte der dafür verantwortliche Querulant aus dem Spiel genommen werden. Genauso wenig wird ein Autor gegen einen Sender oder eine Produktion vor den Europäischen Gerichtshof ziehen um sich dort die Sittenwidrigkeit seiner Buy-out-Verträge bestätigen zu lassen. International lacht man nicht nur über unsere Serien-Produkte, sondern auch noch über die Autorenverträge. Und natürlich über die deutsche Feigheit.


Deutsche Serien lassen einen emotional völlig kalt. Dabei könnte man durchaus eine Art deutsches DEADWOOD (oder noch besser: etwas Originäres) machen, dass die Welt interessieren würde. Etwa das Freikorps im Baltikum oder die Ringvereine in Berlin.

Ein weiteres Problem bei den öffentlich-rechtlichen sind die politischen Parteien, die in oligarchischer Arroganz in „ihre“ Anstalten hinein regieren. Unterdurchschnittliche Politiker, wie sie heute in diesen Gremien sitzen, haben kein Interesse an überdurchschnittlichen Serien; sie haben zwangsläufig nicht einmal Interesse an überdurchschnittlichen Programmen. Deshalb halten sie sich auch unterdurchschnittliche Satrapen als Intendanten, die wiederum darauf achten, dass ihre Mäßigkeit nicht von übermäßig klugen oder engagierten Untergebenen konterkariert wird (anders ist letztlich eine Doris J.Heinze nicht erklärbar).

Kommen wir mal dazu, was sich in Deutschland so Produzent nennt – ein ähnlich anstrengender Lehrberuf wie Privatdetektiv, Heiratsschwindler oder Society-Experte. Wer nicht durch wie auch immer geartete Zuwendungen fest im Darm eines Redakteurs oder Programmchefs sitzt, hat es schwer und gehört meist zur Kategorie der Bluffer. Auf Abendveranstaltungen erkennt man sie daran, dass sie entweder fröhlicher oder devoter als ihre schmierigen, etablierten Konkurrenten sind. Im Stab einer Produktionsfirma spiegeln sich die Mitarbeiter der Sender wieder. Dies illustriert sich oft dadurch, dass beide Parteien regelmäßig ihre Laufburschen austauschen und so den Kreis derer übersichtlich halten, die schmatzend die Etat-Tröge auslecken. Was sie verbindet ist ein Übermaß an Unfähigkeit. In diese Inzestpools werden nur neue Leute eingespeist, die ihre Fähigkeit zur Korruption und ihr Ungenügen zum anspruchsvollen Programm nachweisen.

Da sich inzwischen eine kritisches TV-Kritik auf dieses Thema eingeschossen hat, weht den Verantwortlichen ein schärferer Wind entgegen.

und:

FORTSETZUNG FOLGT

siehe auch:
https://martincompart.wordpress.com/2012/03/05/das-endlos-thema-deutscher-tv-serien-mist/

und:
https://martincompart.wordpress.com/2013/03/16/micky-maus-am-tatort-u-the-americans/

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THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: CUTTER AND BONE by Martin Compart

CUTTER AND BONES von Newton Thornburg (1929-2011) ist ein großer, viel zu lange ignorierter Noir-Thriller, für den heutigen Noir-Roman so wegweisend wie einst James M. Cains THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE für die 1940er und 1950er Jahre. Als der Roman 1976 veröffentlicht wurde, schrieb die NEW YORK TIMES: „the best novel of its kind for ten years“.

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Der Aussteiger Richard Bone kommt zehn Jahre zu spät, um den Hippie-Traum zu leben. Ihm steht nur noch eine fragwürdige Form der alternativen Müllkippe zur Verfügung. Trotz gelegentlicher Zweifel zieht er diese aber der systemimmanenten Karriere, die er hinter sich gelassen hat, vor: „Er war sich mit dreißig plötzlich wie ein eingesperrtes Tier vorgekommen. Aus irgendeinem Grund war seine Frau Ruth zu einer Personifizierung unüberbietbarer Langeweile geworden, eine Glucke, die höllisch über ihren kostbaren Küken wachte. Was zwischen ihnen an Sex vorkam, war im Grunde nur gegenseitige Masturbation, bei der sie ihm jede zweite oder dritte Nacht ihren Körper als eine Art Auffangbecken überließ…Mit einemmal sah er das üppige Büro und die ach so beneidenswerte Position nur als eine Treppe, die keineswegs zu schönen und besseren Dingen führte…“

Richard Bone ist der Protagonist des Romans CUTTER AND BONE, den der Erzähler in der dritten Person fast ausschließlich aus seinem Blickwinkel erzählt. Er lebt als ein Strand-Casanova in Santa Barbara und ernährt sich durch die Zuwendungen begatteter Frauen, kleiner Jobs und der Großzügigkeit von Barbetreibern.

Ihn verbindet eine merkwürdige Freundschaft mit dem invaliden Vietnamveteranen Alex Cutter, der in seiner Desillusioniertheit, gepaart mit Zynismus und Selbstmitleid, bereits in der heraufdämmernden Zeit der nächsten Jahrzehnte angekommen ist. Cutter, seine von Drogen aufrecht gehaltene Frau Mo („So fraß Mo morgens, mittags und abends nichts als diese Tabletten – nicht zu viele, aber genug, um dem Leben die scharfen kanten zu nehmen.“), und sein kleiner Sohn krebsen ebenfalls am Existenzminimum herum. Cutters Kaputtheit belastet die Ehe genauso wie andere menschlichen Kontakte. „Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Gesunden. Ich sehe das Leben, wie es ist. Und Verzweiflung gegenüber dem Leben ist die einzig gesunde Haltung, die es gibt.“ Vietnam hat beide zerstört – und Bone die Logistik, das Marketing für ein System, das diese Kriege braucht. Die enttäuschten Veteranen des Krieges und der Revolte verlieren sich an Drogen, Zynismus und Apathie. Cutter und Bones „Heldentum“ besteht darin, über den Tag zu kommen indem sie genug Betäubungsmittel auftreiben.

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In einer Regennacht beobachtet Bones zufällig, wie ein Mörder die Leiche einer jungen Frau beseitigt. Er meint, den Mörder in einem Zeitungsbild wieder zuerkennen. Bemerkenswert dabei ist, dass Bone den Mörder an seiner Arroganz, die sich in seiner Körperhaltung ausdrückt, wieder zuerkennen meint. Wir sind Lichtjahre vom klassischen Detektivroman entfernt. Es handelt sich um den ekeligen Wirtschaftstycoon J.J.Wolfe. Zusammen mit der Schwester der Ermordeten beschließen Bones und Cutter ihn zu erpressen. Nur Bones kommen Bedenken. „In dieser Welt. Dieser Grube aus Pisse und Elend! Da hältst du es für unmoralisch, von so einem mörderischen Philister wie Wolfe ein bisschen tägliches Brot zu borgen?“ Wolfe gehört zu diesen Wirtschaftsharpyien, die nach dem ersten Ölschock begierig die Globalisierung anvisieren. Für Cutter symbolisiert Wolfe den schuldigen Kapitalisten, schuldig am Krieg, der sein Verhängnis wurde, und schuldig an den systemimmanenten Verbrechen, die Umwelt und Menschen ins Verderben stürzen. Ob er der Mörder der jungen Prostituierten ist, bleibt dabei bis zum Ende unklar.

Wie bei allen Noir-Autoren ist die Pazifikküste kein Ort an dem die Träume wahr werden, sondern der Ort, in dem sie jämmerlich krepieren. „Gott, er hasste Kalifornien, diese überbevölkerte Theaterlandschaft, wo Amerika unermüdlich Zukünftiges ausprobierte und gleich wieder auswechselte; da blieb nie etwas lang im Verkaufsangebot.“ Kalifornien ist lediglich die letzte Grenze der Lügen und Hoffnungen. Oder wie es Lew Welch in THE SONG MOUNT TAMALPAIS SINGS ausdrückte: „This is the last place. There is nowhere else to go“.

Sie lösen Mechanismen aus, die ihre Welt endgültig zur Jauchegrube der Sixties macht. Anders als die Verfilmung von Ivan Passer (1981 als CUTTER´S WAY), endet der Roman im völligen Nihilismus. Nach den Hoffnungsträger-Morden, nach Altamont und Charles Manson sind die am Tunnelende (um mal wieder eine meiner Lieblingsmetapher zu gebrauchen) geschwenkten Feuerzeuge endgültig erloschen. Thornburg reflektiert, dass individueller Aktionismus, ob von den Weatherman oder etwa der Baader-Gruppe, zu keiner politischen Lösung führen kann, aber sehr wohl die faschistischen Elemente des Systems beflügelt

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Der Roman, 1976 erstveröffentlicht, spiegelt eine Zeitenwende der westlichen Kultur, speziell der amerikanischen Gesellschaft: Nämlich die Katerstimmung nach der kurzen Phase der Euphorie, die in den 1960er Jahren eine gerechtere Ordnung suggerierte. Mitte der 1970er Jahre sind die Ideale verglüht, statt Marihuana hat der Markt härtere Drogen durchgesetzt und jeder sieht zu, wo er noch einen Platz findet.

Es ist die Zeit zwischen Watergate und Reagan, das Todeszucken der 60er-Rebellion, bevor die Neo-Cons im darauf folgenden Jahrzehnt damit begannen, den Planeten endgültig zugrunde zu richten. „Die Aktienkurse waren schon seit geraumer Zeit gefallen und unbeständig, die Arbeitslosenzahl stieg, und in jeder Bar hockten Pessimisten, die eine Katastrophe vorhersagten.“ Die Erinnerung an den ersten „postmodernen Krieg“ verdeutlicht den Beginn der neuen Phase des amerikanischen Imperialismus(vorbereitet seit den 1940ern, wie die PENTAGON PAPERS belegen). Der Vietnamkrieg war viel zu unpopulär um ihn durch höhere Steuern zu finanzieren. Er war der Anfang der Schuldenspirale, die sich bis heute immer schneller dreht und nur durch extreme Aggression des Establishment nach Außen und Innen aufrecht erhalten werden kann. „Cutter and Bone did come out strongly against the Vietnam war. So to that extent I don’t mind it being (interpreted as) leftist.“

Neben Crumleys Romanen (Pelecanos zählt auch noch Kem Nunn dazu) war es wohl Newton Thornburgs Meisterwerk, das für die amerikanische Noir- Literatur der nächsten Jahrzehnte richtungweisend war, indem es diese Kulturwende thematisierte und das Kommende antizipierte. Woody Haut nennt ihn bewusst und mit bestechender Argumentation im direkten Zusammenhang mit Robert Stones DOG SOLDIER, eine der Noir-Fanfaren für die 1970er.
Thornburg: „I’ve never considered myself a pure crime writer. Cutter and Bone is a straight novel, no matter how you look at it – strong characterisations, simple plot. I don’t like novels with private eyes you know, formula ones. I like crime stories, but I like them to be about ordinary people not crime professionals.“

Ekkehard Knörer schrieb über den Roman: „Einzig die Romane Cormac McCarthys lassen sich mit Thornburgs Meisterwerk verlgeichen. Auch in seiner freilich weniger wuchtig daher kommenden Sprachgewalt muss sich Thornburg vor McCarthy nicht verstecken, ihm gelingen so präzise wie (im besten Sinne) poetische Momentaufnahmen. Der Katastrophe wie des Glücks, das bald vorüber sein wird. Der Schuld, die nichts als Sprachlosigkeit zurück lässt. Der untergründigen Bedrohung, der die Katastrophe unweigerlich folgen wird.“

Ich persönlich sehe stilistisch zwar wenige Gemeinsamkeiten mit Cormac McCarthy, aber zweifellos ist der Roman ein literarisches Ausnahmewerk, das diesen Vergleich nicht zu scheuen hat. CUTTER AND BONE funktioniert auf mehreren Ebenen, beschreibt unter dem überspannenden Dach der Melancholie viele Stimmungen. Kein falsches Wort und nur richtige Sätze, die vom Leben selbst berührt sind. Ein großer Noir-Roman und ein großer Roman des 20. Jahrhunderts, dem die Zeit nichts von seiner Wahrhaftigkeit nehmen kann. Cutter, Bones und Mo sind Figuren der Weltliteratur, die man nie vergisst und die echter sind als so manche Büro- oder Kneipenlemuren, denen man im Paralleluniversum des „wirklichen Lebens“ begegnet.

„Regardless of how they finish the novel, Cutter and Bone bear the burden of future noir protagonists, whose fate will be to investigate the culture whatever the cost.” (Woody Haut in NEON NOIR).

Der Ethos des Wilden Westens („erst schießen, dann fragen“) wurde durch den Vietnamkrieg zu einer Lizenz zum töten für Soldaten, Cops, Vigilanten und Psychos. Das spiegelt sich in der Pop-Kultur der 1970er wider, von Filmen wie DIRTY HARRY bis zu Paperback Original-Serien wie THE EXECUTIONER.
Nachhall und Erinnerung an den Vietnamkrieg, der die westlichen Gesellschaften spaltete, als eine der Hebammen der modernen Neo-Noir-Kultur. Die dunklen Mächte, die uns ins Verderben jagen, sind ausgemacht: man betrachtet fatalistisch ihre Zerstörungswut.

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„I always thought the characterization and cast was good. But the plot broke down halfway through.I think the characterisations are fine, the main characters and so on. But before the end, it just got absurd.“ (Thornburg)

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