Martin Compart


MIT FEDER UND DRACHEN – Interview mit Günther Butkus von PENDRAGON by Martin Compart

Von PENDRAGON als Kleinverlag zu reden, scheint ähnlich falsch wie bei der EDITION TIAMAT. Schließlich existiert PENDRAGON seit Jahrzehnten und hat über 600 Titel herausgegeben. Und nicht nur Kriminalliteratur. So veröffentlichte der Verlag eine 7-bändige Edition des von Jörg Fauser geschätzten Autors Hans Herbst. Und auch der Pionier der bundesrepublikanischen Arbeiterliteratur Max von der Grün wurde mit einer 10-bändigen Werkausgabe gewürdigt.

Aber hier geht es natürlich um die Kriminalliteratur, die der leidenschaftliche Verleger Günther Butkus seit Anfang des neuen Jahrhunderts intensiv ausgebaut hat. Schwerpunkte bilden deutsche Autoren und amerikanische, darunter moderne Klassiker wie James Lee Burke und Robert B.Parker. Wie viele Crime-Afficionados, begeistert auch er sich für Lyrik, was sich vor allem in Gedichtbänden äußert.

Wer ist Günther Butkus?

Geboren 1958, Kind eines Maurers, selber aber überhaupt kein Handwerker, Hauptschule, Mittlere Reife nachgeholt, Erzieherausbildung, Abi nachgeholt, etwas studiert, viel gejobbt, auch in der Zeit, als ich den Verlag aufgebaut habe, den ich 1981 gegründet habe.

Was war die Initialzündung für die Neigung zur Kriminalliteratur?

Mein Vater hat viel Jerry Cotton und Edgar Wallace gelesen. Die Hefte habe ich mir gekrallt und sie verschlungen. Passend dazu gab es im Fernsehen die aus heutiger Sicht etwas kruden Edgar Wallace-Verfilmungen. Aber so wurde meine Neigung für das Verbrechen, für die Spannungsliteratur, geweckt. Aber auch viele Krimi-TV-Serien haben mein Interesse geweckt und meinen Blick geschärft.

Wie kam es zum Verlag und wie entwickelte er sich?

Angefangen hatte es im Frühjahr 1981 und im Oktober 1981 habe ich den Verlag gründet. Ich hatte weder eine Ausbildung gemacht, noch in einer Buchhandlung, einer Auslieferung oder gar in einem Verlag gearbeitet. Es war der berüchtigte Sprung ins kalte Wasser. Und natürlich habe ich Fehler gemacht, musste oftmals wochenlang Akkord in Fabriken jobben, um Rechnung und Schulden zu begleichen, aber ich habe nie darüber nachgedacht aufzuhören, ich wollte es immer schaffen, wollte es immer noch besser machen und daran hat sich seitdem auch nicht geändert. Mein nächstes großes Ziel ist das 40jährige Bestehen des Verlages in 2021 zu feiern!

Probleme und Erfolge?

Erfolge gab es zum Glück immer wieder, sei es der Kriminalroman “Wer das Schweigen bricht” von Mechtild Borrmann, für den die Autoren mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet wurde. Ebenso übrigens D.B. Blettenberg für “Berlin Fidschitown”. Und besonders auch international war “Kolbe” von Andreas Kollender ein großer Erfolg.
Pendragon verlegt aber nur maximal 12 Titel im Jahr, die eine erkennbare Handschrift tragen sollen. Ein roter Faden also und kein Gemischtwarenladen. Nur garantiert Beschränkung per se keinen Erfolg. Es müssen so viele Faktoren zusammenkommen, bis ein Buch erfolgreich wird. Und jeder, der mal an einem Buch mitgearbeitet hat, weiß, wie viel Arbeit, wie viel Zeit, wie viel Herzblut , wie viel Geld in jedem einzelnen Buch steckt. Überhaupt aus den Miesen heraus zu kommen ist ein großes Problem. So sind viele engagierte Verlage finanziell ständig unversorgt, ein ständiger finanzieller Eiertanz, mit ständiger Selbstausbeutung.

Wie stellt sich für Sie der aktuelle Markt da?

Der Markt ist ein Dschungel, in dem es unten, wo sich die meisten Bücher und Autoren tummeln, sehr dunkel ist. Alle streben zum Licht, alle Bücher wollen entdeckt, wollen in die Hand genommen, wollen gelesen werden, aber nur ganz wenigen Büchern gelingt es. Es genügt nicht wirklich, gute Bücher zu verlegen, es genügt auch nicht, alles dafür zu tun, es gibt so viele Hindernisse, so viele Erschwernisse, wenn es klappt, schmeckt der Erfolg süß, wenn es nicht klappt, spricht keiner darüber… Dabei spreche ich hier nur von dem “regulären” Buchmarkt, von der Alten Welt. In der Neuen Welt gibt es Amazon, gibt es Self Publisher, gibt es unzählige, auch sehr erfolgreiche Titel, die nicht über den normalen Buchhandel verkauft werden. Jeder Euro, der in der Neuen Welt ausgegeben wird, fehlt der Alten Welt. Den Buchmarkt gibt es so nicht mehr…

Wie positioniert sich darin Pendragon?

Wir haben uns auf deutschsprachige und US-amerikanische Autoren festgelegt. Vorrangig Krimis, aber auch Romane, wobei das aber keine Unterscheidung ist, die wirklich sinnvoll ist. Ein roter Faden sind, insbesondere bei den deutschen Autoren, die Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte.

Es ist heikel, einen Verleger nach einem aktuellen Lieblingsbuch aus dem eigenen Verlag zu fragen, denn das heißt ja, alle anderen weniger lieb zu haben. Deshalb alternativ die Frage nach einer aktuellen Buchempfehlung aus einem anderen Verlag. Auf welchen Titel haben Sie sich besonders gefreut oder mit Spannung erwartet?

Die Bücher, mit denen ich mich in den letzten Wochen und Monaten beschäftigt habe, sind es, die mir gerade besonders am Herzen liegen, was kein anderes Buch meiner Autoren schlechter macht und doch sind es die gerade die aktuellen Titel, die im Herbst 2019 erscheinen werden. Von Kerstin Ehmer erscheint mit “Die schwarze Fee” der Nachfolger von “Der weiße Affe”. Marina Heib lädt uns mit “Die Stille vor dem Sturm” zu einem Segeltörn ein, bei dem jeder der Teilnehmer weiß, mich kann es als Nächstes erwischen, aber niemand ahnt, wer der oder die Täter sind. Und dann natürlich der großartige James Lee Burke, von dem als deutsche Erstausgabe “Mein Name ist Robicheaux” erscheinen wird.


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