Martin Compart


Der andere Fragebogen –Wie war Ihr Jahr, Christian von Zittwitz? by Martin Compart
7. Januar 2023, 2:32 pm
Filed under: Buchbranche, Interview | Schlagwörter: , ,

Der legendäre Gründer und Herausgeber des BUCHMARKT im launigen Interview, das einem verdeutlicht, warum er seit Jahrzehnten Farbe in die Schwarz-Weiß-Branche bringt:

Wie war Ihr Jahr, Christian von Zittwitz?



WEISE WORTE by Martin Compart
21. Oktober 2022, 11:40 am
Filed under: Buchbranche, Weise Worte | Schlagwörter: ,

„Man lernt (beim Lesen) Menschen kennen, ohne sich mit ihnen abgeben zu müssen.“

Ein NDR-Radiohörer
(Mit Dank an Dr.Horror)



KÖLNER IDIOTIE by Martin Compart

Den Kölner Korrumpels ist ein unnötiges Opernhaus mehr als eine Milliarde wert. Ein etabliertes Festival für demokratische Literatur wurde bisher jährlich mit lächerlichen 25.000 € unterstützt. Nun will man die auch streichen und bei der Crime Cologne der Stecker gezogen werden:
https://www.boersenblatt.net/news/literaturszene/crime-cologne-vor-dem-aus-254439



Interview zu Fearing im Börsenblatt des deutschen Buchandels by Martin Compart

https://www.boersenblatt.net/news/verlage-news/bei-deutschen-krimi-autoren-gibt-es-zum-teil-grosse-schwaechen-252401



„Totales Desaster“ für die gesamte Buchbranche“ by Martin Compart
17. August 2022, 5:03 pm
Filed under: Buchbranche | Schlagwörter: , ,

Gerhard Beckmanns brillante Analyse:

Wie Amazon mit einem skandalösen Missbrauch des Remissionsrechts deutsche Verlage an den Rand des Ruins treibt

„Totales Desaster“ für die gesamte Buchbranche



KRIMIS, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: ABBLOCKEN – Der Fußball-Thriller von Dan Kavanagh by Martin Compart

Fußball ist ein hartes Geschäft. Also der richtige Hintergrund für einen harten Thriller mit Tiefgang, der dem Leser auch noch Einsicht in die manchmal so bizarr anmutende Fußballermentalität gewährt:

„Duffy war ein nachdenklicher Typ. Es heißt, Torwarte neigen dazu, nachdenkliche Typen zu sein. Manche fangen gleich so an. Sie wollen Torwart werden, weil es ihrem Typ entspricht. Andere starten als gelassene, tüchtige Burschen und werden dann durch die eigenen schwachen Abwehrspieler zermürbt, oder sie verlieren plötzlich an Form und schwitzen schon beim Gedanken an einen hohen Querpass oder bei einem psychotischen Stürmer mit Zuchtbullenschenkeln, der nicht zu wissen scheint, ob er nun den Torwart oder den Ball ins Netz befördern soll. Auf dem Spielfeld kannst du dich verstecken; du kannst sogar anderen die Schuld zuschieben. Aber ein Torwart ist exponiert. Jeder Fehler hat katastrophale Folgen. Zehn Leute können ein Spiel gewinnen, und ein Trottel kann’s vermasseln, so heißt es immer. Du kannst dich wieder ein bißchen aufbauen, indem du die anderen zehn anschreist. Torwarte dürfen schreien und können manches Mal die Schuld an einem Tor abschieben, indem sie sich den zurückhaltendsten Spieler der Verteidigung herauspicken und ihm eins auf den Hut geben. Aber meist bist du auf dich allein gestellt und pendelst zwischen Langeweile und Angst.“

Tiefschürfende Erkenntnisse aus einem Kriminalroman, der schlichtweg einer der besten Fußball-Thriller ist, der bisher geschrieben wurden.
Verfasst von Dan Kavanagh, der in den 1980er Jahren zu den heißesten Tipps des Brit-Noir gehörte. Er setzte mit seiner Duffy-Tetralogie die Tradition des britischen Privatdetektiv-Romans fort, die allerdings nie so ausgeprägt war wie in den USA. Kavanagh ist ein Pseudonym des Schriftstellers und Somerset-Maugham-Preisträgers Julian Barnes, dessen Romane FLAUBERTS PAPAGEI und EINE GESCHICHTE DER WELT IN 101/2 Kapiteln auch bei uns Beachtung fanden. Inzwischen gehört er zum britischen Literaturestablishment und sein Status als bedeutender Schriftsteller der Gegenwart ist fraglos. 1)

Seine Kavanagh-Romane über den bisexuellen Privatdetektiv und Torwart einer Kneipenmannschaft Nick Duffy sind allerdings alles andere als feinsinnige Intellektuellenspiele.

In ABBLOCKEN (zuletzt 2001 bei Rowohlt, zuvor bei Haffmans Taschenbuch, 1992, und zuerst bei Ullstein als GROBES FAUL) geht es darum nicht nur um Fußball, sondern auch um Rechtsradikale und Rassisten: Die Athletics haben schon bessere Tage gesehen. Aber zurzeit kämpft der Londoner Fußballverein gegen den Abstieg. Merkwürdig nur, dass ausgerechnet die Spieler, die ungefähr erahnen, wo das gegnerische Tor steht, auf recht unfaire Weise kampfunfähig gemacht werden.

Und dann fangen auch noch die braven Fans an, Big Bren auszubuhen, nur weil er eine etwas andere Hautfarbe hat als die pickeligen Glatzen in der „Saustall“-Kurve. Hier muss es sich doch um ein abgekartetes Spiel handeln. Aber wer würde vom Abstieg der Athletics profitieren?

Der richtige Fall für Duffy, der einigen Leuten kräftig gegen die Stollen treten muss, bevor er durchblickt.

Nick Duffy ist natürlich ein echter Antiheld, der es seinen Gegnern mit gleicher schmutziger Münze heimzahlt. Auch wenn er nicht als strahlender Sieger vom Platz geht, einen Punktsieg weiß er zu holen. Man darf auch nicht übersehen, wie ungewöhnlich noch 1980 ein nicht-heterosexueller Protagonist in der Kriminalliteratur war.

Neben einer rasanten Handlung findet Barnes/Kavanagh noch Platz, bissige Kommentare zur Zeitgeschichte abzugeben. So gesehen sind seine vier Duffy-Romane nicht nur temporeiche Thriller, sondern auch genaue Bestandsaufnahmen der Thatcher & Co-Ära. Außerdem gelingt es ihm hervorragend, das Spiel vom Rasen aufs Papier umzusetzen, was bekanntlich den wenigsten Autoren von Fußball-Krimis gelingt (Ulrich von Berg, der regelmäßig Fußballbücher für das Magazin 11 FREUNDE bespricht, weiß schmerzhaft darüber zu berichten):
„Er machte einfach Tempo – die grausamste Methode, die es gibt: Biete dem Abwehrspieler den ganzen Ball an, laß ihm ein paar Meter Spielraum und dann sprinte blitzschnell an ihm vorbei, so als wolltest du sagen: gib’s auf, das Spiel, gib dir keine Mühe, du bist zu dick, du bist zu langsam, du bist nicht helle genug.“

Kavanaghs erster Roman, DUFFY, der im Pornomilieu von Soho spielt, wurde bei seiner Erstveröffentlichung von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften umgehend indiziert, da er angeblich dazu geeignet war, „Heranwachsende sittlich-ethisch zu desorientieren“.

Nicht nur Heranwachsende, Sportsfreunde!

1) „.My favorite story is of someone who went into an American crime bookshop and was buying a Dan Kavanagh, and the salesperson said, ‚Oh, I understand he writes other books under a pseudonym.‘ Which seemed a rather nice way around to it.

Hier noch ein paar nette Anmerkungen zu/über Kavanagh alias Julian Barnes.

Aus: Streitfeld, David. „Fancy Dan.“ The Washington Post Book World (27 December 1987):

On the phone, Kavanagh confirms that he was „schooled in the university of life. Knocked around a bit. What can thtell you?“ A soccer goalie, whose playing made up in aggression what it lacked in finesse. A steer-wrestler. Currently working at odd jobs he declines to specify. He adds that he flew light planes on the Columbian cocaine route. When it’s pointed out to him that even his publishers call this a boast, he adds mildly, „Where else would I have gotten the necessary background for Fiddle City?

Aus: Kellaway, Kate. „The Grand Fromage Matures.“ The Observer Review (7 January 1996):

And how about Barnes’s alter ego, the detective writer Dan Kavanagh? Has he dropped out of the race? Barnes laughs: ‚Poor old Dan. He is very sick. He hasn’t written anything for years. He’s jealous of my success.‘

DIE DUFFY-ROMANE VON DAN KAVANAGH (nach WIKIPEDIA):

1980: Duffy (Kriminalroman).
Duffy, dt. von Michael K. Georgi; Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1981, ISBN 3-86615-264-7.
Neuübersetzung: Duffy, dt. von Willi Winkler; Haffmans, Zürich 1988, ISBN 3-251-01007-7.

1981: Fiddle City (Kriminalroman).
Airportratten, dt. von Michael K. Georgi; Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1983, ISBN 3-548-10185-2.
Neuübersetzung: Schieber-City, dt. von Michel Bodmer; Haffmans, Zürich 1993, ISBN 3-251-30001-6.

1985: Putting the Boot In (Kriminalroman).
Grobes Foul, dt. von Verena Schröder; Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin 1987, ISBN 3-548-10483-5.
auch als: Abblocken, gleiche Übersetzung; Haffmans, Zürich 1992, ISBN 3-453-07299-5.

1987: Going to the Dogs (Kriminalroman).
Vor die Hunde gehen, dt. von Willi Winkler; Haffmans, Zürich 1989, ISBN 3-251-01036-0.

DIE INDIZIERUNG:

Weil sie so schön ist, hier die Begründung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften zur Indizierung von DUFFY. Als damaliger Herausgeber der Ullstein-Krimi-Reihe musste (oder durfte) ich ein Gegengutachten erstellen, das aber verworfen wurde. Leider habe ich keine Kopie dieses Gegengutachtens mehr und es schlummert wohl versteckt in irdendeinem Ullstein-Archiv. Der Haffmans-Verlag hat mit einer Neuübersetzung des Buches dann Ende der 1980er Jahre für eine neue Verfügbarkeit des Titels gesorgt (was nicht bedeutet, dass die Indizierung für die Ullstein-Übersetzung durch den großartigen Michael K. Georgi dadurch aufgehoben ist).





WEISE WORTE: JÖRG FAUSER ÜBER JAMES HADLEY CHASE UND SEINE DEUTSCHEN KRITIKER by Martin Compart
8. Oktober 2021, 5:09 pm
Filed under: Buchbranche, James Hadley Chase, JÖRG FAUSER, thriller, Weise Worte | Schlagwörter: , ,

„Tempo, Action, Spannung: staunend stehen die Hohenpriester unserer Literaturkulte jedesmal vor diesen Instrumenten aus dem Handwerkskasten des Erzählens, als wären sie Kargos aus einer fremden Zivilisation, an die Gestade unserer Inseln geschwemmt wie ein böser Hokuspokus, den es zu entzaubern gilt… man kann sich ja ausmalen, wie die psychopathischen Killer und machtgierigen Frauen, die das Gros seiner Figuren darstellen, auf die machtgierigen Psychopathen, die das Gros der Literaturkritiker darstellen, gewirkt haben müssen…

Er sei, hat Chase immer wieder beteuert, doch nur ein Kaufmann, der mit Geschichten handle wir andere mit Südfrüchten. Gerade solche Äußerungen reizen die Verächter seiner Geschichten hierzulande bis aufs Blut, und nichts belegt ihr schiefes Weltbild besser als die Tatsache, dass sie in der Regel für die Feuilletons von Zeitungen arbeiten, in deren Wirtschaftsteil von nichts anderem die Rede ist als von dem, was die Protagonisten des Geschichtenhändlers Chase umtreibt: dem großen Geld.“

(aus: DER MANN, DER DAS 20.JAHRHUNDERT LIEBTE, Nachwort zu EVA von J.H.Chase, Ullstein, 1985)

James Hadley Chase venu signer son dernier roman ‚La Blonde de Pékin‘ à l’Elysée Store sur les Champs-Elysées à Paris, France le 7 avril 1966. (Photo by Keystone-FranceGamma-Rapho via Getty Images)



Interview mit Thomas Pago by Martin Compart
4. Oktober 2021, 1:20 pm
Filed under: Buchbranche, Elsinor Verlag, John Mair | Schlagwörter: , , , ,

„Den prominenten Bestsellerautor wird man nie ins Programm bekommen, aber das ist auch gar nicht nötig. Die Ebenen darunter sind ja oft viel reizvoller, bunter, interessanter“




Schon wieder ein Tom Franklin! Die Freude ist groß by Martin Compart

Dank der Kernerarbeit von Frank Nowatzkis PULP MASTER bescheren uns die Abstauber von HEYNE HARDCORE nun Tom Franklin im Hardcover.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein: die erste deutsche Übersetzung von Franklin war in der Allgemeinen Reihe von Heyne:

Es illustriert einmal mehr die heutigen Strategien der Großverlage:

1. Wir wurden – wodurch auch immer(Agent?) – auf einen neuen, vielversprechenden Autor aufmerksam.

2. Wir kaufen ihn und präsentieren ihn im Markt.

3. Er verkauft nicht soviel wie Dan Brown ab seinem dritten Buch. Wir sind nicht mehr interessiert.

4. Wir beobachten höhnisch, wie ein Kleinverlag seine weiteren Bücher in einer uninteressanten Nische des deutschen Marktes pflegt. „Naja, für ihn als Kleinverlag wirds ja reichen.“

5. Um den scheint sich sowas wie „Kult“ zu entwickeln. Und wir verkaufen von neuen Autoren immer weniger…

6. „Der kriegt immer mehr Aufmerksamkeit – auch im Buchhandel.“

7. Holen wir ihn zurück. Machen wir daraus ein Hardcover in der doppelten Auflagenhöhe von ungefähr der Auflage, die der Kleinverlag unter die Leute bringen konnte. Sonst hätte er ja keine drei Bücher durchgehalten. Und wenn wir als Großverlag ein paar Dollar mehr bieten, hat der Kleine keine Chance. Außerdem können wir ihm großherzig sagen: Das nützt ja auch Deiner Backlist.

.
Das gilt ja nicht nur für Heyne.
Seitdem Controlletis und Marketing in den Großverlagen die Macht übernommen haben, bestimmt die Logistik das Kriegsziel.



R. EVOLVER ÜBER SUPER PULP by Martin Compart
26. Februar 2021, 10:43 am
Filed under: Andreas Winterer, Buchbranche, Cover-Art, Interview, Pulp | Schlagwörter: , , , , ,

Ein Interview mit dem Mastermind von EDITION SUPER PULP.

Du veröffentlichst seit einem Jahr das Magazin im BLITZ-Verlag. Wie kam es eigentlich zu dieser Zusammenarbeit?

Vielleicht vorab ein paar Worte zur Geschichte des Magazins. SUPER PULP war ja anfänglich ein Werbemittel des Wiener EVOLVER-BOOKS-Verlags – wer zwei Titel aus dem Portfolio bestellte, bekam das Magazin (damals noch im Heftformat) gratis dazu. Dereinst fungierte Verlagschef Peter Hiess als Herausgeber und ich produzierte das Heft. Als Peter später den Verlag aus privaten Gründen zusperrte, brachte ich SUPER PULP in Eigenregie heraus.

Im Zuge einer PR-Aktion auf den üblichen Social-Media-Kanälen hat mich dann BLITZ-Chef Jörg Kaegelmann kontaktiert, um mir ein – in Zeiten wie diesen – fast schon „unmoralisches“ Angebot zu machen: Wenn ich das Magazin bei ihm herausbrächte, hätte ich völlige inhaltliche Autonomie. So was lässt man sich als Medienproduzent und Herausgeber nicht zweimal sagen – und jetzt bin ich mit meinem „Kind“ eben bei BLITZ, was dem Format extrem gut tut. In vielen Belangen …

Wie läuft die Zusammenarbeit?

Sehr gut. Wie erwähnt, bin ich der Herr über „meine“ Stoffe, muss mich dafür aber nicht mit kreativitätsfressenden verlegerischen Agenden wie etwa dem Vertrieb der Bücher, dem Verwalten der Belegexemplare oder der Messeorganisation (und und und) herumschlagen. Nur die Aufmachung und Visualisierung des Magazins wird von Jörgs Argusaugen streng überwacht. Aber in diesem Punkt ticken wir sowieso absolut gleich, insofern ist auch hier alles eitel optimal …

Es kommen ja mit schöner (Un)regelmäßigkeit mehrere Ausgaben – auch physisch und nicht „nur“ als eBook – heraus. Wie kriegst Du das hin?

Nun, ganz so unregelmäßig ist es ja nicht. Wir erscheinen – gemäß des üblichen BLITZ-Intervalls – zweimal im Jahr: Im November und im Mai sind die großen Auslieferungstermine zu denen auch die SUPER PULP-Ausgaben (print und elektronisch) herauskommen. In der Regel sechs Nummern pro Jahr, also mindestens drei im Herbst und drei im Frühjahr. Und wie ich das hinkriege? Nun, es ist ein Herzensprojekt, das natürlich Ressourcen in Anspruch nimmt. Aber was würde ich sonst mit meiner freien Zeit, neben der Medienproduktion für ein großes Wiener Schulungsunternehmen, machen? Fußball oder Karten spielen? Das wär nicht mein Ding. Darüber hinaus – und das soll hier nicht unerwähnt bleiben – finde ich große Unterstützung bei meiner Chefredakteurin Julia Götzl, ohne die ich die sechs Titel im Jahr nicht stemmen würde.

R. Evolver

Der Schwerpunkt des Magazins liegt auf Kurzgeschichten. Kommerziell heute leider ein wenig attraktiver Markt. Wie schätzt Du das Medium ein?

Ich fahre hier einen alternativen Kurs. Zunächst ist SUPER PULP ja keine Anthologie im herkömmlichen, sondern ein Pulp-Magazin im klassischen Sinn. Die Geschichten darin folgen also keinem speziellen Themenbogen, sondern orientieren sich an den klassischen Phantastik-Genres Horror, Science Fiction und Noir-Thriller. Es gibt zu jeder Story einen redaktionellen Aufmacher und außerdem einen gesonderten Essay-Teil zu einem Pulp-Thema. Darüber hinaus erscheinen in SUPER PULP Fortsetzungsgeschichten bzw. Stoffe mit wiederkehrenden Prota- und Antagonisten. Das hab ich mir übrigens vom guten alten Springer-ZACK abgeschaut, dass meine späte Kindheit und frühe Jugend geprägt hat. Jedenfalls bindet diese Strategie das Publikum viel stärker ans Format.

Daneben fahre ich noch die sogenannte SUPER PULP MONDO FICTION – diese Sonderausgaben erscheinen im Zuge der regulären Nummerierung und sind abgeschlossene Romane. Jede dritte SUPER PULP-Nummer sollte eine MONDO FICTION sein. Bis jetzt hab ich das Intervall geschafft …

Auch Andreas Winterer gehört zu den Autoren!

Nach welchen Kriterien wählst Du die Kurzgeschichten aus?

Nun, da hab ich zwei Strategien. Einerseits motiviere ich mir bekannte Autoren, die ich schätze, etwas zu entwickeln, einen Handlungsbogen oder Figuren, die immer wieder im SUPER-PULP-Universum auftauchen. Der größere Umfang und die stärkere Präsenz ist meist ein Anreiz für meine Edelfedern, aktiv zu werden. Andererseits bekomme ich viel Material zugeschickt, das ich auf meine Weise filtere. Ich nehme mir stets vor dem Schlafengehen eine dieser Geschichten vor. Wenn ich das Zeug schon nach ein paar Absätzen weglegen möchte, war’s das. Wenn ich aber über die ersten Seiten drüberkomme, wird es interessant. Dann fisch ich mir den Schreiberling und arbeite mit ihm das Material ein bisschen durch, gebe Feedback und schaue, wie er oder sie meine Vorschläge verwertet. Wenn da nix kommt, außer selbstverliebtes Schmollen, dann lass ich es. Aber meist ist mein Gegenüber hart im Nehmen und es entwickelt sich schnell eine konstruktive Basis und kreative Dynamik … und hier beginnt dann eben das Abenteuer, auf das ich so stehe.
Was bei mir gar nicht geht, sind Ausschreibungen oder gar ein blöder Wettbewerb, wo ich mich womöglich in die gottgleiche Rolle eines Jurors erhöhen müsste. Diese quantitative Art des Rattenfangs überlasse ich gern den zahlreichen Anthologie-Initiativen. So was interessiert mich nicht.

Ich bin ein Fan der Cover. Einerseits stehen sie in der Tradition der alten Pulps und Paperback Originals, andererseits wirken sie durch den Einfluss von Pop-Art modern und sehr kraftvoll. Wie läuft da der Prozess?

Da gibt es zwei Wege. Im Zuge des ersten öffnen sich mir in regelmäßigen Abständen die Archive namhafter Zeichner, mit denen ich befreundet bin. Ich bin dann in der glücklichen Situation, dass ich mich durch zahlreiche Entwürfe klicken und genau jenen auswählen darf, der perfekt zu einer meiner Geschichten passt. Dieser Entwurf wird dann fürs Cover finalisiert. Alternierend gebe ich Covers bei Künstlern in Auftrag. Was gar nicht mehr geht, sind die üblichen öden Photoshop-Kompositionen, die derzeit mindestens jedes zweite Buchcover zieren. Von diesem billigen Trend möchte ich mich ganz bewusst absetzen, wie überhaupt von jeglichem Mittelmaß. Bei der Gelegenheit: Auch das Pseudo-Extreme geht mir auf den Hintern. Vor allem im Bereich Horror, wo sich – und diese Polemik leiste ich mir – Spätpubertierende, die offenbar zu wenig Therapiestunden oder zu wenig Sex (oder beides) haben, in grindigen Überspanntheiten austoben …

Wie sieht die Infrastruktur des Vertriebs aus. Ich denke, Ihr liefert vor allem direkt an Abonnenten. Oder gibt es auch stationäre Comic- SF-Läden, die das Magazin führen?

In erster Linie laufen die BLITZ-Bücher über Abos oder den Direktvertrieb via BLITZ-Webseite, was in Zeiten wie diesen ja kein schlechtes Konzept für einen kleinen Verlag ist, weil er dadurch von den Großen unabhängig ist und gezielt sein eigenes Segment aufbauen kann. Darüber hinaus sind die BLITZ-Bücher als eBooks auf allen gängigen Portalen erhältlich. Der Buchhandel ist hier sicher ein bisschen das Stiefkind. Über die üblichen Grossisten sind die Titel jedenfalls nicht lieferbar. Aber ich kenne einige Händler, die direkt bei BLITZ bestellen. Kurz und gut: Wer uns finden möchte, muss wohl ein bisschen (im Netz) stöbern – eine Suche, die sich auszahlt!

https://www.super-pulp.com/