Martin Compart


STAMMTISCHGEGRÖLE: KOTAU VOR DEM KULT-PARTY-KING by Martin Compart
31. März 2012, 10:06 am
Filed under: Essen & Trinken, Parasiten, Stammtischgegröle | Schlagwörter:

Michael Ammer ist doch bestimmt kult – oder etwa nicht?
Er ist einer der überflüssigsten Männer der Republik. Wenn er seinen fast leer gesoffenen Fresskopf vor die Kamera schiebt um ein Statement über „die Kunst des Party-machens“ abzugeben, erlebt man eine intellektuelle Kernschmelze. Wie Dieter Bohlen verkörpert er das zu Geld gekommene Lumpenproletariat deren hybride Vorfahren noch nicht ganz erforscht sind. Sein Erfolgsrezept ist das Ausrichten von VIP-Partys, die er wie ein talentloser Zuhälter gestaltet: Willige dumme hübsche Mädchen (genannt Party-Girls), die nie eine Chance als Schlecker-Mitarbeiterinnen gehabt hätten, werden zu diesen dumpfen Geselligkeiten angekarrt wie Nutten aus der Ukraine um sich vollaufen und begrabschen zu lassen. Zu ihrem Glück ist das Ammer-Klientel immer schnell betrunken und eher an zotiger Vulgarität als an sexuellen Handlungen interessiert. Ammer Partys zeigen das Prekariat, wenn es auf allen Zylindern läuft.

Ammers evolutionäre Innovation dürfte zivilisationsgeschichtlich einmalig sein: Dumme Hühner finden, sie bei lauter Musik betrunken machen um sie dann c- bis Z-Prominenten zuführen (darunter natürlich auch ein Düsseldorfer Kult-Bordellinhaber). Diese Party Girls verstehen unter subtiler Erotik im Keller einer Plattenbausiedlung den Rock zu heben, während sich eine Kosovo-Albaner-Gang hinter ihnen mit den Hosen in den Kniekehlen formiert. Dazu tönen aus dem Ghettoblaster Geräusche von Scooter. Meistens sind sie schwer davon beeindruckt, dass Getränke nicht aus Pappbechern gekippt werden. Für diese Erfahrungen werden sie dem feisten Party-König immer dankbar sein, weil sie ihren Horizont erweitert hat.

Es ist bisher nicht nachgewiesen, dass neben Alkoholika auf diesen Partys auch Kult-Viagra und kolumbianisches Rohrfrei gereicht wird. Empirisch leicht nachzuweisen wäre vielleicht, dass das Bewusstsein von Ammer und seinem Gesindel auf dem Niveau von mit Ritalin abgefüllten kastrierten Kampfhunden angemeldet ist.


Ein Proll mit Partygirls im Feinkostgeschäft

Ammer war zwar nicht in der Fremdenlegion, in San Quentin oder bei der Kult-SAS, aber er ist ein Bursche, der immer da hingegangen ist, wo es nur die Härtesten schaffen: auf Bewährung. Wie die ähnlich gestrickten Freunde von BILD am 7.8.2009 investigativ ermittelten: „2005 wurde er von zwei 15-Jährigen wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt. Bereits 1995 stand Ammer wegen Kokain-Besitzes, gefährlicher Körperverletzung und sexueller Nötigung vor Gericht. Er hatte die damals eine 22-Jährige mit dem Versprechen, dass Till Schweiger und Heiner Lauterbach auf sie warten würden, in ein Hotel gelockt. Dort hielt er sie 24 Stunden lang fest und zwang sie, Kokain zu schnupfen. Sie musste sich nackt ausziehen, er schlug und fesselte die Frau. Der Partykönig wurde zu 18 Monaten Haft auf Bewährung und 10 000 Mark Schmerzensgeld verurteilt.“ Kein Wunder, dass er nach diesen harten Schicksalsschlägen heute so wirkt, als ober zum Sündigen kaum noch Kraft hat.


Die Kehrseite des frohen Treibens. Manchmal geht es so brutal zu wie in einem schwarzafrikanischen Kult-Bürgerkrieg!

Wegen seiner Verdienste um die Volks-DNA wurde sogar in Bayern ein Kult-See nach ihm benannt.


Romantischer Blick über den Michael-Ammer-See. Wunderbar zum chillen.



DAS WORT ZUM BIER HOLEN: WAHL IN DER NÄHE FRANKREICHS! by Martin Compart

Die gestrige Wahl im Saarland ließ zumindest in einer Sache Freude aufkommen: Das Ergebnis der um ihre eigene Bedeutungslosigkeit kreisenden FDP. Sie kann weiterhin ihrer eigenen Verwesung gelassen entgegen sehen und sich in Berlin noch ein kurzes Weilchen mit Palastintrigen befassen. Der Pareiversorgungsbeauftragte im Entwicklungshilfeministerium muss sich allerdings beeilen, um nicht den Überblick über das Diebesgut zu verlieren. Erbarmungslos arbeiten an der Befriedigung ihrer eigenen, unstillbaren Habgier ist ja das, was man Parteien übergreifend als Konsens aller Demokraten bezeichnet. Und da bleibt der FDP nicht mehr viel Zeit um ihren gelben Wagen voll zu laden (wieviel Kohle hat den Steuerzahler bisher schon dieser Pumuckel Walter Scheel gekostet?).

Leider haben es die grün lackierten Blockwarte – oder „die Gurken“, wie Andreas Rebers zu sagen pflegt –
knapp geschafft.
Und das Wahlvieh hat auch dafür gesorgt, dass der Alien Heiko Maas (man muss sich mal seine irren Augen ansehen) mit der alten Tante SPD verhindern kann, das es so etwas wie eine – hier kommt ein Euphemismus – linke Regierung geben wird, die ja klar über eine Mehrheit gegenüber dem rechtskonservativen Lager verfügt. Aber die SPD ist ja nicht erst seit Proll Gert ein Verein zur Verhinderung gesamtgesellschaftlichen Fortschritts. Ich selbst habe mir schon in jungen Jahren eine entschiedene und höchst ungünstige Meinung über diesen Interessenverband gebildet. Und so begab es sich höchst treffend, dass ich den gestrigen Wahlsonntag mit der Lektüre von Nigel Jones erhellendem Werk THE BIRTH OF THE NAZIS verbrachte. In diesem, Ernst Jünger gewidmeten, Buch fand ich eine treffende Charakterisierung der frühen SPD:

„The SPD was ostensibly a Marxist Socialist party. But in practice the party had evolved, in typically German fashion, into the mousily moderate, pragmatic and parliamentary voice oft the proletariat…In 1914 the SPD deputies in the Reichstag voted virtually en bloc for the credits necessary< to finance the war (1. Weltkrieg, diesmal nicht Jugoslawien oder Afghanistan)… The long and shameful moral decline of the SPD had begun.“

Ja, diese alten Arbeiterverräter haben Traditionen, die sie zu Recht hoch halten. Nach der NSDAP sind SPD und Grüne die beiden Parteien, die die meisten deutschen Kriegshandlungen beschlossen und durchgesetzt haben.



MEINE DEUTSCHE LIEBLINGSGKAPELLE (neben den ÄRZTEN) by Martin Compart
18. März 2012, 3:00 pm
Filed under: Allgemein

Älter aber noch immer aktuell. Teutonischer Ohrwurm.

http://www.diebandbreite.de/



NUR GANZ KURZ… by Martin Compart
15. März 2012, 1:42 pm
Filed under: Allgemein

…dpr war tatsächlich bei den Dreharbeiten zu ICH WAR DORA SUAREZ fürs ZDF und hat einen Bericht darüber verfasst: http://www.hinternet.de/weblog/2012/03/das-zdf-verfilmt-ich-war-dora-suarez.php



007-ALTE NUMMER, NEUER BOND by Martin Compart

Dieses Jahr wird für Bond-Fans voraussichtlich ein gutes. Zum 50.Jubiläum der Filmserie kommt der neue Schocker mit Daniel Craig, SKYFALL, Ende des Jahres in die Kino. Und soeben ist die deutsche Übersetzung des neuen 007-Romans erschienen. Es ist der 23.Bondroman, der nicht von Ian Fleming geschrieben wurde – die Novelizations der Filme nicht mitgerechnet. Wie jeder neue Bond-Darsteller sorgt auch jeder neue Bond-Autor für heftige Kontroversen bei den 007-Fans. Die besseren sind Fleming nahe gekommen, keiner kam ihm gleich und niemand übertraf ihn.

RÜCKBLICK AUF DIE FLEMING-NACHFOLGER:

Das die Gelddruckmaschine Bond durch den Tod von Fleming nicht gestoppt werden durfte, war klar. Weitere Bond-Romane mussten folgen, den Erfolg der Filme begleiten. Als ersten neuen Autor erwählten die Fleming-Erben keinen geringeren als den angesehenen Romancier Kingsley Amis (LUCKY JIM). Der hatte sich bereits als Bond-Afficionado bewiesen mit der vorzüglichen Analyse THE JAMES BOND DOSSIER (noch immer eines der besten Bücher über Fleming und 007). Unter dem Pseudonym „Robert Markham“ veröffentlichte er 1968 mit COLONEL SUN ein überzeugendes Fleming-Pastiche. Danach lag das Unternehmen „neue Bond-Romane“ erstmal auf Eis. 1981 verpflichtete man den mäßigen Thriller-Autor John Gardner für weitere Bond-Abenteuer. Die ersten beiden Romane waren erfolgreich, schafften es auf die Bestsellerlisten. Dann war der Ofen aus, denn die Bond-Leser hatten keine lust, Gardners dümmliche Aktualisierungen ihrer Ikone weiter zu begleiten. Eine von Gardners dämlichsten Nummern war Bond einen Saab fahren zu lassen, eine auf Sicherheit ausgelegte Familienkutsche für den rücksichtslosen Sportwagenfahrer! Gardners insgesamt 14 Romane wiesen einen Haufen Ärgerlichkeiten auf und zeigten deutlich, dass der Autor wenig Ahnung vom Mythos (und von Stil) hatte. Zu allem Überfluss machte er Bond auch noch zum überzeugten Teetrinker! Fleming bemerkte fast in jedem Buch, wie sehr Bond dieses Getränk hasste. Fleming-Agent Janson-Smith ertinnert sich: „Gardner wollte, dass Bond zum Gustav-Mahler-Fan wird, weil Gardner Mahler-Fan war. Das habe ich abgelehnt. Zu Anfang verkauften sich seine Bücher wirklich gut, aber dann ging es bergab. Er war vielleicht zu lange dabei. Er wollte immer genauso viele Bücher schreiben wie Fleming…“
Peinlich wurde Gardner besonders dann, wenn er krampfhaft versuchte Flemings eigenwillig harten Szenenanreißer zu kopieren; das klingt dann eher nach Parodie (und die Bond-Parodien um Boysie Oakes, mit denen der Gute vor vielen Jahren mal ins Geschäft kam, waren schon schwer erträglich). Ein paar Stümpereien gefällig? Bitte sehr (aus SCORPIUS):

„Das Summen des Radioweckers schnitt wie das Messer eines Vandalen in den tiefen Kokon des Schlafes.“

„`Nein! Nein!Nein!`’Ja‘, sagte Bond scharf und herrisch. ‘ Ja!Ja! Und Ja!'“

Gardner hatte kaum Ahnung von seinem Helden. Zwar hatte sich das im Laufe der Jahre da ein bisschen was getan, aber wirklich begriffen hatte Gardnerr weder die Figur noch deren Schöpfer. So lässt er den hundertprozentigen Briten etwa französische Anzüge tragen oder macht den von Kingsley Amis als Kulturbanausen richtig erkannten Bond plötzlich zum Jazz-Fan. Statt cooler Arroganz ist dem Gardner-Bond debiles Menscheln eigen. Und M, von Fleming als Inbegriff des effektiven emotionslosen Apparatschik charakterisiert, lässt er kaum motivierte Wutausbrüche hinlegen. Und „sein“ Bond behauptet gar – und da bleibt wohl jedem Fleming-Kenner die Spucke weg -:“Mein Vorgesetzter ist von einem hübschen Gesicht und einer noch hübscheren Figur leicht herumzukriegen.“ John Gardner gehörte offensichtlich zu einem Komplott von SPECTRE um Bond endgültig auszuschalten. Immerhin verkauften sich seine Romane bei absteigender Tendenz fast fünf Millionen mal.

Etwas besser waren danach die Bond-Romane von Raymond Benson (von denen nur wenige ins Deutsche übersetzt wurden). Aber auch sie hatten nicht den Fleming-Touch (den Kingsley Amis heraufbeschwören konnte). Anders als in den Filmen funktionierte es nicht überzeugend, Bond in die Gegenwart zu transformieren und ihn peinlich dem Zeitgeist anzupassen. „Benson habe ich aufgrund seines Sachbuchs über Flemings Romane engagiert. Seine ersten Bücher hatten gute Strukturen und viele Textfehler, aber er lernte schnell. Flemings Erben mochten Bensons Bücher nicht. Auch die Verkäufe gingen rapide zurück.“ Sein letzter, THE MAN WITH THE RED TATTOO (in Deutschland nicht veröffentlicht) verkaufte in England lediglich 5000 Exemplare und in den Staaten 13.000. Seine sechs Romane hatten weltweit die schlappe Auflage von 600 000 Exemplaren. Flemings Bücher haben inzwischen lange die 100 Millionen überschritten.

Sebastian Faulks, der vorletzte Bond-Autor, hatte das wohl begriffen und schrieb ein period piece. DER TOD IST NUR DER ANFANG (Heyne) spielt 1967 und mobilisiert den Fleming Touch ganz ordentlich. Außerdem bringt der Roman spärlich aber witziges Zeitkolorit mit ein. Etwa Anspielungen auf die damalige Verhaftung der Rolling Stones wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.. Da regt sich dann M darüber auf, dass „seine“ TIMES für Gerechtigkeit gegenüber diesen langhaarigen Pop-Schurken plädiert. Genial fand ich, dass Faulks direkt an Flemings letzten Roman, THE MAN WITH THE GOLDEN GUN, anschließt und im Iran spielt. Trotzdem erreicht auch er den Meister nicht, der die Leser Adrenalin auf hohem Niveau ausstießen ließ (man lese nur die über mehrere Seiten laufende Szene mit dem giftigen Tausendfüssler in DR.NO! Im Film wurde daraus die läppische Vogelspinnen-Szene). Ian Flemings literarisches Genie ist in Deutschland bis heute weder entdeckt noch gewürdigt. Was nicht wirklich verwundert. Für das debile Feuilleton hätte ihn wahrscheinlich Diogenes veröffentlichen müssen. Denn ohne Diogenes wüssten diese Parakritiker heute noch nicht wer Chandler, Highsmith oder Ambler sind (obwohl diese lange zuvor in anderen Verlagen veröffentlicht wurden). Anthony Burgess zählte GOLDFINGER unter die 99 besten Romane des 20.Jahrhunderts. Aber wer ist schon Burgess? Ein Name, den weder Radisch, Dotn, Mangold, oder wie diese Bürokraten der Langeweile alle heißen, je gehört haben.

Das Großmaul Faulks übernahm sich mit einigen Äußerungen, die nicht alle glaubwürdig klangen. Sein Roman entspräche stilistisch zu 80 Prozent Ian Fleming. Er habe es weitgehend nach dessen Methode geschrieben: „In seinem Haus in Jamaika schrieb Fleming am Morgen 1000 Worte, dann ging er Schnorcheln, nahm einen Cocktail, Lunch auf der Terrasse, ging wieder Tauchen, schrieb weitere 1000 Worte am späten Nachmittag, dann mehr Martinis und bezaubernde Frauen. In meinem Haus in London habe ich diese Routine genau nachgemacht – allerdings ohne Cocktails, Lunch und Tauchen.“ Sechs Wochen habe die Arbeit an DEVIL MAY CARE gedauert. Gelungen ist ihm immerhin der überzeugendste Bond seit Amis. Und es war mit 44 000 verkauften Exemplaren in der ersten Wochedas am schnellsten verkaufte Hardcover in der Geschichte von Penguin Books!

Janson-Smith hatte es nicht leicht in den letzten Jahren Flemings Werk international am Leben zu erhalten: „Ich denke nicht, dass Heyne in Deutschland der richtige Verlag für diese Bücher ist. Sie verkaufen sich seit Jahren schlecht. Auch in Frankreich ist das so, der Verleger Gallimard hat sie sogar aus dem Programm genommen. Man darf aber nicht vergessen, dass Bond immer noch ein sehr guter und sehr bekannter Name ist. Man sollte ihn nicht unterschätzen. Es ist erstaunlich, was Fleming erschaffen hat. Die Filme werden sowieso ewig weitergehen. Ich hoffe nur, dass die Geschichten besser werden. Ich habe den ersten deutschen Bond-Vertrag mit Ullstein auf der Frankfurter Buchmesse gemacht, in „Jimmys Bar“ im Hotel „Hessischer Hof“. Danach gingen die Rechte an den Scherz-Verlag, weil Ullstein mit den Verkäufen nicht zufrieden war. Ich weiß noch, dass ein Herr Hausen nach James Bond gefragt hat, der die Bücher ins Armenische übersetzen lassen wollte, weil dort die Kinder danach gefragt hatten. Er hatte nicht viel Geld und sagte, dass die Sprache aussterbe und bot 50 Mark für jeweils drei Bücher. Ian war erfreut. Wir machten den Deal, und so erschienen die Bücher auf Armenisch. Ian sprach ja auch deutsch. Ich habe viele Verträge in Frankfurt geschlossen.“

CARTE BLANCHE

Tja, und nun also Jeffrey Deaver. Er ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Thriller-Autoren der Welt und wurde anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Ian Fleming Steel Dagger Award gefragt, ob er einen Bond schreiben wolle. Deaver ist seit dem 8. Lebensjahr Bond-Fan und sagte zu. Deaver hat Millionen Thriller verkauft, eine beliebte Serienfigur(Lincoln Rhymes) erschaffen und eine Menge Fans, auch im deutschsprachigen Raum. Ich gehöre nicht dazu. Mir ist er zu geschwätzig. Wahrscheinlich bekam er „carte blanche“ von den Fleming Erben, für mich wurde es eher zur „Lizenz zur Langeweile“.
Nach dem Experiment mit dem Literaten Faulks und der kurzen Rückkehr in die 1960er, durfte Deaver Bond nicht nur in die Gegenwart holen, sondern ihn komplett updaten. Ziel war es, einen zeitgenössischen Bond für das 21.Jahrhundert zu etablieren, auf dem weitere Romane aufbauen. Bei der Kinoversion hat das ja geklappt, in dem Daniel Craig den Superagenten etwas verprollte und damit dem jüngeren Publikum zugänglicher machte. Im Roman, der sich zwangsläufig an Alphabeten wendet, muss man andere Wege gehen.
Zum Plot will ich nicht zuviel erzählen. Bond hat fünf Tage um einen Anschlag mit dem schönen Code-Wort „Gehenna“ zu verhindern.. Also rast er von Serbien über England und Dubai bis Südafrika herum, trifft nette und böse Frauen, wird unterstützt von seinen alten Mitkämpfern Mathis und Leiter (der natürlich nicht seine Hand von einem Hai in LIVE AND LET DIE abgebissen bekam un den Bond nun während seiner Militärzeit kennen gelernt hat) und macht dabei – frei nach LITTLE BRITAIN – so Bondsachen. Der Schurke heißt Severan Hydt, hat nekrophile Neigungen, und steht ganz in der Tradition. Um Druck zu erzeugen, lässt Deaver den Roman in sechs Tagen spielen.

Deaver bediente sich natürlich bei den populären Fleming-Topoi, die Kingsley Amis im BOND DOSSIER aufgeschlüsselt hatte. Alles da, was den Bond-Fan erfreut: Ein ungewöhnlicher Schurke, die schönen Frauen, exotische (gut recherchierte) Schauplätze, gepflegte Gastronomie, technische Gadgets, Markenartikel, Autos und die Walther-Pistole. Aber Bond ist nun Afghanistan-Veteran, vermutet, dass seine Eltern von den Russen ermordet wurden. Zu allem Überfluss interessiert er sich auch noch für Formel 1. Ich hatte immer Probleme mit den Revampingversuchen des literarischen Bond (anders als mit den filmischen). Ähnlich wie bei Sherlock Holmes. Wo dies allerdings in der TV-Serie SHERLOCK überzeugend gelungen ist. Für mich sind sie Charaktere, die so intensiv ihre Epoche widerspiegeln, das immer ein schales Gefühl zurück bleibt wenn man sie zu modernisieren versucht. Am besten gelang das m.E. bei Bond noch Raymond Benson (und natürlich in den grandiosen Comic Strips von Jim Lawrence und Horak). Deavers Bond ist mir zu steril. Flemings Geschöpf war düsterer und stand ganz in der Tradition des byronschen Helden. Fleming konnte es sich erlauben, ihn auch unsympathisch zu zeigen. Deaver geht dieses Risiko nie ein. Würde man den Namen ändern, käme man nur selten auf den Gedanken, dass es sich um Bond handelt. Es fühlt sich falsch an.
Leider vergeigt Deaver auch gleich den Anfang des Romans, in dem Bond gegen einen Profi-Terroristen das Attentat auf einen Giftzug in Serbien verhindert. Es gelingt ihm nicht – und das ist bei Action-Szenen nun mal wichtig – ein Gefühl für den Raum zu vermitteln. Dadurch baut sich beim lesen der Suspense nur mangelhaft auf. Außerdem stimmt das Timing nicht .Im Film würde man sagen: der schlechte Schnitt hat die Szene ruiniert. Aber Raum- und Zeitgefühl zu vermitteln muss man um Suspense bei Actionszenen zu erzeugen, das ist im Buch nicht anders als im Film. Sense of location und Timing sind bei Fleming so perfekt, dass sie einem auch heute noch den Schweiß auf die Stirn treiben.
Deavers technische Recherchen sind beeindruckend: Er arbeitet überzeugend die aktuellen Technologien ein und lässt Bond sie nutzen. Ganz auf der Höhe ist CARTE BLANCHE ein zeitgemäßer Thriller. Wichtigstes Gadget ist ein „IQ-Phone“, voll gestopft mit Aps für die man morden würde.
Manchmal trifft Deaver den Ton ganz gut, aber dann haut er immer wieder so peinlich daneben, dass es der Sau graust. Etwa in Bond zugeschriebenen Äußerungen wie „Ich fühle mich fast wie Lehman Brothers“. Einmal verzichtet Bond sogar darauf einen Gegner zu töten und schießt ihn nur in den Arm. Häh? Diese Milde hat er wohl aus Afghanistan mitgebracht. Den Chauvinismus, den Kritiker Fleming zu Recht vorgeworfen haben, hat Deaver „seinem“ Bond ausgetrieben. Aber genau dieser Chauvinismus hat die Figur so überzeugend gemacht. Bond als politisch korrekter, für Gleichheit eintretender, nicht-sexistischer Nichtraucher funktioniert genauso wenig wie Philip Marlowe als glücklich verheirateter Millionärinengatte.

Dieser manchmal an Rassismus grenzender Chauvinismus spiegelte vortrefflich die Arroganz des untergehenden Empires und ist deswegen nicht nur mentalgeschichtlich hoch amüsant. Er schuf einen eigenen Kosmos, einen Themenpark, den man Testosteronland nennen könnte. Flemings Bond ist nicht der unbesiegbare Snob der meisten Filme. Er ist ein Mann mit einer Sozialisation und tiefen inneren und äußeren Wunden. Er hat manchmal Angst und Fleming beschreibt seine Furcht minutiös. Durch seine Kunst, einen dreidimensionalen Charakter zu schaffen wurde Bond erst zu dem Mythos, den der Film zum eindimensionalen Klischee herunter kürzte.
Die literarische Vorlage ist bedeutend vielschichtiger als die dem jeweiligen Zeitgeschmack angepassten Film-Bonds.
In DR .NO hat er sogar Angst um seinen Job, weil er am Ende von FROM RUSSIA WITH LOVE einen Kampf gegen eine ältere Frau verloren hat. In THUNDERBALL ist er körperlich so schlecht zurecht, dass M ihn zur Kur in einer Gesundheitsfarm schickt. Und der oft skrupellose Frauenheld verliebt sich manchmal so sehr , dass er dafür seinen Job gefährdet oder hinschmeissen will (Tracy, Domino, Vesper, Kissy).
Er ist Held und Anti-Held in einer Person (Fleming schrieb zeitgleich mit Autoren wie John Osborne und Kingsley Amis, die die „Angry young men“ in die britische Literatur brachten). Welchen Sinn macht es, dieser Figur alles zu nehmen, was sie charakterisiert? Weil man lediglich Bond lediglich als Markenmanagement verwendet. Die zweifelhafte Gleichung der Fleming-Erben, die den Rachen nicht voll genug kriegen lautet: Bestsellerautor Deaver+Brandname 007+update a la Bond-Filme=Welterfolg.

Deavers Bond ist blaß, ein Papp-Charakter dessen Emotionen aufgesetzt wirken. Ein Typ, der einen nicht wirklich interessiert – wie die Knatterchargen in Deavers überschätzten Thrillern.
Ein weiteres Manko: Das Buch ist zu lang – bisher der längste Bond-Roman überhaupt. Deaver labert zuviel herum, lässt Bond bei Verfolgungsjagden geradezu schwachsinnig über Kugelausstoß oder Entfernungen meditieren. Der britische Kritiker Ivan Radford bringt es auf den Punkt: „Wie ein Mathematiklehrer mit einer Kanone“.

Dem kann man ausweichen, indem man zur gekürzten Hörfassung greift. Das Hörbuch ist bei Random House Audio erschienen und 403 Minuten lang. Das richtige Bond-Feeling garantiert Sprecher Dietmar Wunder, der Daniel Craig synchronisiert. Und da ich ja für die billigsten Kalauer zu haben bin: Herr Wunder erzählt den Roman ganz wunderbar.

Was ist nun nach all dem Rumgemaule das Fazit? Sollte man den Roman lesen oder nicht? Ja, verdammt. Schließlich haben wir Bond-Fans auch MOONRAKER oder QUANTUM OF SOLACE angesehen. Und – „M“ sei meiner gnädig – John Gardner gelesen.



LUCIFER CONNECTION ALS E-BOOK by Martin Compart
7. März 2012, 10:21 am
Filed under: E-BOOKS, LUCIFER CONNECTION, Söldner | Schlagwörter:

Hier ist die eBook-Ausgabe von DIE LUCIFER CONNECTION! Aus vertraglichen Gründen nur begrenzte Zeit lieferbar. Als Bonus-Track Der Anfang von DIE GOMORRHA DEPESCHE.Gill ist Sicherheitsexperte, Ex-Söldner und ehemaliger KGB-Agent. Er lebt
gefährlich – und sorgt mit seinem Kumpel „Karibik-Klaus“ dafür, dass auch Verbrecher nicht in Ruhe leben können. Als er auf einen Fall von „Catnapping“ angesetzt wird, ahnt aber nicht einmal er, was sich daraus entwickeln wird …
Die Dortmunder Polizei findet ein Massengrab voll ermordeter Kinder und beginnt gegen eine weltweite Satanistenverschwörung zu ermitteln. Die Spur führt nach Sierra Leone, zu Kannibalen und Kindersoldaten. Gill besinnt sich auf seine tödlichen Kenntnisse und zieht los – ins dunkle Herz Afrikas, in die
Londoner Unterwelt und zur schwarzen Seele Wiens.

Zu bestellen unter:
http://www.amazon.de/DIE-LUCIFER-CONNECTION-Gill-ebook/dp/B007HT1GFA/ref=sr_1_24?s=books&ie=UTF8&qid=1331115052&sr=1-24

„Die Luzifer-Connection“ ist bereits Martin Comparts zweiter Thriller mit dem Ex-Söldner Gill. Seinen Einstand gab der abgebrühte Schnüffler in dem Roman „Der Sodom-Kontrakt“. Wer das Buch nicht kennt ist jedoch keineswegs im Nachteil, denn der vorliegende Roman ist auch ohne die Lektüre des Gill-Debüts in voller Gänze verständlich…. Und während des Lesens wünscht man sich unweigerlich mehr Leute wie Gill, die unbarmherzig und kompromisslos gegen ihre Feinde vorgehen. Ausgestattet mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und einem festen Ehrenkodes, im Bedarfsfall aber auch unerbittlich und knallhart. Gill vereint den souveränen, unnahbaren James Bond-Typus mit dem hartgesottenen Detektiv des Krimi Noir…
FAZIT: Kompromissloser, knallharter Thriller, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Absolut kultverdächtig.
Florian Hilleberg in LITERRA

Politisch korrekt ist das nicht, aber spannend bis zur letzten Seite. Ein Seitendreher.
Christian Lukas in RUHR-NACHRICHTEN

Politisch korrekt liest sich anders. Abgrundtiefe Verachtung des durch die „Medienkellner“ vermittelten Normalen durchzieht den Text, die Vereinten Nationen sind eine Verbrechensorganisation wie die EU, Afrika ein Kontinent des immerwährenden Grauens. Nie war das Böse böser und das Gute suspekter… Ja, zugegeben, das alles ist nicht „ausgewogen“… in Gill vereinen sich Mitleid und Mordlust, sensibelste und grobschlächtigste Rezeptoren für menschliches Leid und brachialste Zerstörungswut. Das irritiert, polarisiert, sucht so gar nicht nach dem Kompromiss, bringt Dinge zueinander, die wir nicht beisammen sehen wollen – oder kurz und knapp: „Die Lucifer Connection“ ist brillante Unterhaltung.
Dieter Paul Rudolph in WATCHING THE DETECTIVES

Wie in einem guten Song entwickelt Compart in seinem neuen Roman einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Und trotz der mitunter forcierten Gewalt- und Ekel-Exzesse haben wir es nie mit einer selbstzweckhaften Nummernrevue zu tun. Gills Wut auf die „die Verhältnisse“ überträgt sich auch auf den Leser; und diese Wut läßt sich in einer bewußt gehaltenen Distanzlosigkeit des Autors zu den Geschehnissen ausmachen, die ein wenig an Joe Lansdale oder Jack Ketchum erinnert (jeder von ihnen ebenfalls ein großer Humanist). Zudem hat Compart wieder einmal den Beweis erbracht, daß in der sogenannten, vom globalen Obergscheiterltum gern übel beleumundeten Genreliteratur mehr Wahrheiten enthalten sein können als in der subventionierten, inhaltlich und formal meist trostlosen Literaturpreisbelletristik…ein Buch für Menschen, die packend verfaßte Thriller ohne postmodernes Ironie- und Befindlichkeitsgeplänkel schätzen und wissen, wie man beispielsweise „Scholl-Latour“ schreibt.
Thomas Fröhlich in EVOLVER



DAS ENDLOS-THEMA: DEUTSCHER TV-SERIEN-SCHROTT by Martin Compart
5. März 2012, 7:27 pm
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Eigentlich habe ich gar keine Lust mehr darauf. Seit Jahrzehnten lamentieren die Verantwortlichen über die miese Qualität ihrer Produktionen und wie toll angelsächsische Serien sind. Seit den 1980ern geht die Schere zwischen deutschen und ausländischen Serienproduktionen Jahr für Jahr ein bisschen weiter auseinander. Das wissen wir doch alles. Und wir kennen auch die Gründe dafür, dass das deutsche Fernsehen längst jedes internationale Niveau unterbietet. Es ist zum Volksempfänger für das Prekariat verkommen und zumindest das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat längst den Anspruch auf – sagen wir – 2/3 der Gelder und Gebühren verwirkt. Fernsehen findet nur noch für ein Minderheitspublikum statt. Es ist schon lange kein Leitmedium mehr. Das glauben nur noch verblödete Politiker, die ihr Wahlvieh zu erreichen versuchen. Im Ausland sind deutsche Serien, Ausnahmen bestätigen die Regel, reine Lachnummern. Und die Verantwortlichen kriegen das nicht mal mit. Die reden sich allen Ernstes ein, dass ein brasilianischer Provinzsender TATORT oder DERRICK einkauft weil sie deren Qualität schätzen. Völliger Blödsinn. 1.bis 3.Welt-Länder kaufen deutsche Serien weil sie a) billig einzukaufen sind (im Gegensatz zu BBC- oder HBO-Produkten) und weil man sich b) über ihre unglaubliche Dämlichkeit schlapp lachen kann. Oder weil sie c) alle Klischees über Deutschland bestätigen und damit wiederum für Lacher sorgen. Deutsche Serien und Filme werden nur für ein paar Millionen (bei einer Bevölkerung von 80 Millionen sind die Kosten für die Verblödung von maximal 10 Millionen Stammzuschauern nicht zu rechtfertigen) Zuschauer gemacht und die Quote so lange definiert bis man sich irgendwie rechtfertigend darauf beziehen kann.
Und um dem eigenen Affen Zucker zu geben: Die Serie DEEP COVER, mit der ich 1994 den SAT 1-Drehbuchwettbewerb gewonnen habe (dank Oliver Hirschbiegel in der Jury), ist angesichts des katastrophalen Krimi-Angebots von 2012 tatsächlich noch immer revolutionär und seiner (deutschen) Zeit voraus. Unglaublich! Das nach fast 20 Jahren zu sagen, ist erschreckend. Es waren Koryphäen wie die SAT 1-Redakteure Mario Melzer und Thomas Teubner, die cliff hanger für einen Begriff aus dem Alpinismus hielten, die damals den Fortschritt verhinderten. Diese Typen haben sich seitdem vermehrt wie die Karnickel und jede notwendige Innovation verhindert.
Für deutsche Serien – allen voran die Krimiserien – gilt immernoch der alte Satz: Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht!
Ich kenne jemanden, der ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit Jahrzehnte lang sonntags TATORT geguckt hat. Seit einiger Zeit kämpft sie nicht mehr gegen ihre Intelligenz an und schläft beim TATORT (ein) um „fit für LUTHER oder Stieg Larson um zehn im ZDF zu sein“. Die einzigen, die diese deutschen Krimiflops noch haben wollen, sind die verantwortlichen Macher um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Dass sie sich überhaupt ein wenig Ahnung von Serientheorie (und keine von moderner Dramaturgie wie nicht lineares Erzählen)aneignen, liegt an rudimentären Englischkenntnissen und dem Internet.

Das bestätigt sich dauernd in diesen Palaververanstaltungen, die als Endlosschleife für die Spesenritter der Sender und Produktionen veranstaltet werden. Im Dezember 2011 gabs mal wieder so eine grottige Veranstaltung des Filmbüros in der selbsternannten Medienstadt Köln. Zum Amüsement aller SPOOKS- oder WHITECHAPPEL-Fans hier ein paar Statements der Diskutanten aus den Protokollen:

Stephan Rick: „Allein gegen die Zeit“ ist eine dreizehnteilige Thrillerserie für Jugendliche à 25 Minuten. Die Idee kam vom NDR, er wollte etwas haben in der Richtung „24“ für Kinder. Wir haben uns gefragt ‚Wie machen wir das ohne Foltern und Ins-Knie-Schießen’?

MC: Ich breche zusammen! Das ist ja mal genauso wundervoll wie innovativ. 24 für Kinder – das hat nicht mal HBO im Programm. Es kommt noch besser:

Rick: Es war uns wichtig, dass die Hauptfiguren normale Schüler sind, die die Herausforderung erstmal annehmen müssen und Probleme mit Witz und Cleverness lösen…Ganz wichtig sind die Cliffhanger. Die spielen in episch erzählten Geschichten eine wichtige Rolle, weil der Zuschauer wissen will, wie es mit‚seinen’ Helden weiter geht. Bei „24“ sind die Cliffhanger meist sehr negativ. Uns war wichtig, neben einem negativen Cliff auf einem anderen Handlungsstrang einen positiven zu haben, damit die Kinder nicht traumatisiert ins Bett entlassen werden, z. B. macht jemand eine wichtige Entdeckung.

MC: Beschränken wir uns lieber auf knallige Erkenntnisse unserer großartigen Serienmacher:

Benjamin Benedict – Produzent „Unsere Mütter, unsere Väter“: Die zehnteilige amerikanische Serie „Band Of Brothers“ war für mich die kopernikanische Wende in der Wahrnehmung der Möglichkeiten, die Fernsehen in Differenzierung und Genauigkeit hat. Die englische sechsteilige Miniserie „State of Play“ ist auch ein gutes Beispiel..Es ist oft so, dass man von einem Sender nur ein minimales Entwicklungsbudget bekommt. Wir reden über einen Zeitpunkt, der entscheidend ist. In dem ein Produzent auf eigenes Risiko arbeitet und der für einen Autor problematisch ist, weil der entscheidende Anteil der Arbeit der schlecht bezahlte ist. Es hängt an der Leidenschaft, mit der man an Stoffe glaubt. Auch da ist der Autor besonders zu nennen, der in dieser Phase höchster Unsicherheit Zuversicht haben muss.

MC: Verkürzt ausgedrückt: Alle kassieren, nur der Autor soll auf Verdacht und Hoffnung arbeiten. Das die Stellung der Drehbuchautoren in Deutschland so mies ist, liegt nicht nur daran, dass sie mehrheitlich miese Schreiber sind. Es liegt vor allem daran, dass ihre Organisation Drehbuchautorenverband ein feiger Haufen ist, der die eigenen Interessen nicht mal gewerkschaftlich organisieren kann.

Rick: „Monaco Franze“ ist für mich ein Beispiel für eine moderne Serienfigur: Er betrügt seine Frau, er ist ein Opportunist, also eine Figur, bei der man auch in aller politischen Korrektheit sagen würde, das geht nicht. Und das gab es schon mal bei uns.

MC: MONACO FRANZE ist eine Serie von 1983! Also drei Jahre vor MIAMI VICE produziert. Nee, das ist mir alles wirklich zu modern. Kann man da noch von kultureller Verspätung reden? Wohl eher von kulturellem Totalschaden.

Peter Nadermann – Produzent „Kommissarin Lund“: Wir tun uns in unserem Markt, der viel härter ist, offenbar schwer und trauen uns wenig. Das Problem ist, dass man immer Sorge hat, dass die Quote nicht stimmt. Deshalb macht man eher defensive Programme. Das rächt sich auf lange Sicht für die Öffentlich-rechtlichen besonders, weil der Zuschauer gar nicht mehr damit rechnet, dass da was läuft. Ein 15-jähriger Teenager nimmt nicht an, dass im ZDF oder der ARD etwas läuft, das cool ist.
Nadermann: Wir befinden uns in einer Situation, in der wir, weil wir zu viel produzieren, Budgets kürzen. Wenn man mit kleinem Geld etwas macht, muss man umso innovativer sein. Die BBC verkauft ihre Programme und holt sich zwanzig bis 35 Prozent aus dem Ausland. Wir verkaufen unsere Programme kaum. Wir produzieren sehr viel, aber wir bezahlen zu viel und haben zu wenig. Es wäre schlauer, weniger zu machen, das höher zu dotieren und dann zu versuchen, andere anzusprechen, um das besser verkaufen zu können.

Nadermann: Es ist eine Wettbewerbssituation entstanden, in der ARD und ZDF untereinander und mit den Privaten konkurrieren. Wenn sich ARD und ZDF darauf einigen könnten, sich zu radikalisieren und miteinander zu arbeiten, könnte man die Qualität des Fernsehprogramms blitzartig anheben.

MC: Wenn ich den intelligenten und engagierten (das meine ich wirklich mal ernst!) Herrn Nadermann richtig verstehe, meint er: Wir geben unsere Steuer- und Gebührengelder lieber nach Schweden und Dänemark für Co-Produktionen, da man in Deutschland nicht kreativ sein kann. Na, damit kann ich doch leben! Bitte auch das Geld für den SOKO-Mist, TATORT und den ZDF-Freitagskrimi an die BBC weiterreichen. Die verbrennen die Kohle jedenfalls nicht. Einen deutschen LUTHER oder ein deutsches SPOOKS kriegen unsere Schnarchnasen doch eh nicht hin.

So aufregend kann Krimi sein!

Na, vielleicht doch besser so.