Martin Compart


Der neue Coup des bösen Rollstuhlfahrers by Martin Compart

Wenn es darum geht, die Organisierten Kriminalität zu unterstützen, ist Finanzminister „Don“ Rollstuhl immer bereit. Nachdem er den Ankauf der Steuerentzieher-CDs nicht verhindern konnte, ist sein neuester Coup die Erleichterung der Geldwäsche. Ohnehin ist Deutschland ein beliebtes Geldwäscheland für Terroristen, internationale Mafia-, Pädophilen- Ringe und Drogenkartelle. Die Deutsche Bank hilft da weltweit gerne. Schäubles brisante Idee: Künftig soll sich der Zoll und nicht mehr das Bundeskriminalamt um Geldwäsche kümmern. Das hat für die betroffenen Geldwäscher den Vorteil, das der Zoll diesbezüglich nicht über das knowhow verfügt, weniger als die Hälfte des Personals beim BKA einsetzt und die beim Zoll geplante „Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen“ lediglich eine Verwaltungs-, aber keine Strafverfolgungsbehörde wird, die nicht auf sensible Daten zu Organisierter Kriminalität und Terrorismus zugreifen darf.

In Sizilien, Mexiko und Osteuropa hört man die Korken knallen! Wenn die Einbrecherbanden bei uns durch sind, können sie wenigstens das Geld auch gleich bei uns waschen und vielleicht dafür Aktien kaufen, um von der B-Kriminalität in die A-Kriminalität aufzusteigen.

Hatte man zuvor noch naiv geglaubt, Schäuble sei nur der dämlichste Finanzminister der deutschen Geschichte, so scheint jetzt bewiesen, dass er klug die Arbeitsplätze der oben genannten Branchen sichert und sogar zur Vollbeschäftigung und darüber hinaus verhilft. Sicher: Wir sind noch nicht Panama oder Malta, aber auf einem guten Weg.
Immer mehr internationale Verbrecher mit Niveau investieren ja auch in deutsche Immobilien und sorgen so für Wohnraumknappheit; womit sich wiederum gut spekulieren lässt und Arbeitsplätze sichert, etwa für Makler oder Entmietungsfirmen (die wiederum zur organisierten Kriminalität gehören)


Ich habe selten ein Gesicht gesehen, in das sich Gemeinheit. Schadenfreude und Menschenverachtung so tief eingegraben hat. Beim Quälen der Griechen lief er zu Hochform auf, geiferte vor Machttriumph, das ihm fast der Sabber runterlief. Hätte er etwas mehr Format, würde er einen guten Bond-Schurken abgeben.


Am 5.August hat es nun auch DER SPIEGEL mitgekriegt:

http://www.spiegel.de/karriere/zoll-leidet-unter-akuter-personalnot-a-1161367.html

 



MiCs TAGEBUCH SPEZIAL zur US-Wahl und überhaupt: EINLÄUFE FÜR LEVITENLESER by Martin Compart
8. November 2016, 9:03 am
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Das Primat der Politik wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts endgültig von den Primaten in der Politik übernommen, die Clausewitz zwar nicht persönlich kennen, aber sein Diktum vom „Krieg als Politik mit anderen Mitteln“ prima finden. Damit hatte sich das zerstörerische 20. Jahrhundert nun wirklich erledigt. Schluss, aus und vorbei. Wahrscheinlich endete es schon mit dem 09.11.89 und nicht mit dem 11.09.01. Letzterer Tag wird vielleicht als Teilchenbeschleuniger in Erinnerung bleiben, als herbeigesehnter Anlass, um die Allmachtsphantasien in die Jahre gekommener US-Neo-Cons Realität werden zu lassen. Seitdem überholen uns die Folgen dieser mit Kriegen in Afghanistan, Irak, Syrien – um nur die augenscheinlichsten anzuführen – neugeschaffenen Realität tagtäglich rechts und links: IS-Terror, Flüchtlingsströme, Wiedererstarken der Rechten, Verbarrikadierung Europas (unvollständige Aufzählung).

Jean-Patrick Manchette stellte sich für seinen unvollendeten letzten Romanzyklus mit dem übergreifenden Titel „Les Gens du Mauvais Temps“, Menschen in schlechten Zeiten, die Frage: „Wie zum Teufel konnte es nur soweit kommen?“ Er bezog seine Frage auf die Nachkriegszeit, genauer von 1968 bis in die 1980ziger Jahre (mit 1956, dem Jahr der Ungarn-Krise als Prolog), ihren Kriegen, Krisen und Unruhen und dem Sieg der kapitalistischen Kräfte über die Revolte. Rückschauend erscheint mir für uns heute 1989 als ein zentrales Jahr. Der Soziologe Fukuyama sprach nach dem Untergang des „Reichs des Bösen“, gemeint waren die Sowjetunion und ihre Satelliten, euphorisch vom „Ende der Geschichte“. Demnach hätte die Welt mit dem „freien, demokratischen“ Kapitalismus ihre endgültige Gesellschaftsform gefunden. Inzwischen ist selbst Fukuyama kein Fukuyamaist mehr, sondern schämt sich vermutlich ob der Blödheit seiner Aussage. An dieser Stelle drei Feststellungen:

1) Die Historie der Menschheit und ihren Herrschern ist im Besonderen eine Wirtschaftshistorie. Denn Macht und Geld sind unmittelbar miteinander gekoppelt;

2) Der Kapitalismus transzendiert jedes politische Herrschaftssystem;

3) Die einzig wirklich erfolgreiche Revolution war die Ablösung des Adels durch die Bourgeoisie. Und diese lässt sich bis auf die Renaissance zurückdatieren. Die Französische Revolution hatte formell nachvollzogen, was informell längst der Fall war, nämlich die Übernahme der Staatsmacht durch das Bürgertum. Getreu dem Diktum, wer bezahlt, der hat auch das Sagen.

Sujet : Jean Patrick MANCHETTE - Credit : Maurice ROUGEMONT/Opale - Date : 00000000 - Ref. : MANCHETTEjp_opalMR_3190_02 - Agence Opale - 8, rue Charlot - 75003 Paris - France - Tel.:+331.40.29.93.33 - info@agence-opale.com - www.agence-opale.com

Sujet : Jean Patrick MANCHETTE – Credit : Maurice ROUGEMONT/Opale – Date : 00000000 – Ref. : MANCHETTEjp_opalMR_3190_02 – Agence Opale – 8, rue Charlot – 75003 Paris – France – Tel.:+331.40.29.93.33 – info@agence-opale.comhttp://www.agence-opale.com

Und das bringt uns zum Roman noir, der ein Produkt des Sieges der Konterrevolution in den 1920er – 1930er Jahre ist, wie Manchette genau formulierte und darum nicht müde wurde, in seinen Chroniken das Thema Ökonomie als das zentrale Thema unserer Zeit und folglich auch des Roman noir zu betonen. Weil Sieg der Konterrevolution, der Sieg des Kapitals bedeutet, ist ein Minimum an historischem Verständnis und Wissen über wirtschaftliche Kontexte hilfreich, um den Kreislauf des Elends, in dem wir gefangen sind, besser zu verstehen. Versuchen wir darum nüchtern, vor dem Betrinken aus Anlass der 21. Wiederkehr von Jean-Patrick Manchettes langem Abschied, seine Frage in Bezug auf unsere Zeit zu adressieren: Wie zum Teufel konnte es nur soweit kommen?

 

ANFANG VOM  ENDE

Das herrschende Weltwirtschaftssystem beruht auf einigen, wenigen Maximen. Die erste Maxime lautet: Wachstum – gleichbedeutend mit mehr Produktion, mehr Absatz, mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Investitionen, mehr Steuern – ist essenziell. Ohne Wachstum funktioniert nichts, mehr noch, bricht alles zusammen. Nicht nur die Wirtschaft, sondern unsere Gesellschaftsordnung, unsere freiheitliche Demokratie. Das ist kein Schreckensbild, die Stabilität der liberalen westlichen Demokratien gründet sich im Wesentlichen auf ihre wirtschaftliche Stabilität. An Gegenbeispielen herrscht weltweit aktuell kein Mangel. Laut gängiger Wirtschaftstheorie ist das Wachstum unendlich. Darum muss Wachstum her. Egal wie. Die Praxis legt das Gegenteil nahe, Wachstum ist endlich, wie alles auf unserem Planeten dem Naturgesetz der Endlichkeit unterliegt; außer Wasserstoff und Blödheit, wie Harlan Ellison anmerkte, und ausdrücklich das Universum einbezog.

 

IDEOLOGISCHE RUNDERNEUERUNG

Die 60-ziger Jahre des 20. Jahrhunderts, befreiten den Kapitalismus und erneuerten ihn zugleich. Das Zeitalter des ICH begann in der kulturellen Weltmacht USA. Symbolisch dafür war das Buch The Greening of America, welches nicht, wie der Titel vermuten ließ, ein gesteigertes Umweltbewusstsein oder ein neues gesellschaftliches Bewusstsein propagierte, sondern die Vereinzelung, der Rückzug nach Innen. Der innere Kosmos als Gegenentwurf zu einer chaotischen äußeren Welt, die ohnehin nicht beeinflussbar sei. Das Ego – mein Bewusstsein, meine Bedürfnisse, meine Kaufkraft – wurde konsequent unter Werbedauerfeuer genommen. Die Konsumgesellschaft haute den Turbo rein. Zur gleichen Zeit erklärten konservative Industrielle den Kampf um die ideologische Vorherrschaft in den von linkem Gedankengut verseuchten Universitäten für verloren und gründeten ihre eigenen Think Tanks. Sie finanzierten private „Forschungsinstitute” zur Bildung eines „konservativen Bewusstseins” der Öffentlichkeit, was nichts Geringeres als die Umerziehung der Bevölkerung bedeutete. Eine Saat die aufgehen sollte. Einer der ersten Schritte, war die Abkehr vom Gedanke der Bildung als kostenfreies Allgemeingut einer demokratischen freien Gesellschaft. Bildung wurde zum Wirtschaftsgut deklariert und hatte als solches kapitalistischer Logik nach auch ihren Preis.

Je exklusiver, desto teurer.

Studiengebühren wurden eingeführt. Weltweit schossen und schießen seit jener Zeit Privatschulen- und Universitäten wie Pilze aus dem Boden. Die Industrie sponsert generös Lehrstühle und Forschungsprojekte. In wessen Sinne wohl? Staatliche Schulen wurden und werden die Etats gekürzt, ihnen fehlt am Ende schlicht das Geld, um mit der finanziell gepamperten Konkurrenz mitzuhalten. Bildung ist wieder eine Frage des Vermögens geworden – oder der Verschuldung. Damit manifestiert sich schon bei der Ausbildung junger Menschen die Zweiklassengesellschaft: die Klasse der Habenden und die der Habenichtse. Die finanzstarke „Elite“ bleibt zunehmend unter sich. (Die kreditfinanzierte Elite, muss sich auf jahrzehntelanges Tilgen ihrer Schulden einstellen.) Nur noch die Unterschicht geht auf öffentliche Schulen mit hoffnungslos veralteten Lehrmitteln. Während das Bildungsniveau der breiten Bevölkerung langsam aber kontinuierlich sinkt, steigt die Anzahl vermeintlicher Experten.

Vor einigen Jahren hat die ARD das Vokabular der Tagesschau drastisch eingekürzt, damit die Nachrichten (Propaganda im Dienste des Systems) für alle verständlicher sind, dazu erklären Fachidioten den tumben Bauchmenschen, wie sie sich die Welt zu denken haben. Die letzten Reste eigenständigen Denkens erledigen Schwarmblödheit und die Fußball-Bundesliga.

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RADIKALE UMORIENTIERUNG

Die jüngere wirtschaftliche Zeitrechnung begann am 15.08.1971 mit dem Nixon shock, der Aufkündigung von Bretton-Woods durch die Nixon-Administration und der damit verbundenen Abschaffung des Goldstandards für den US-Dollar. Der Grund: die USA waren pleite. Zumindest in Relation ihrer Schulden zu den Goldreserven des Landes. Ein hausgemachtes Problem, dessen Ursache das Abfließen milliardenschwerer US-Militärausgaben ins Ausland war. Imperium spielen ist eben teuer. Die Lösung des Problems war ein genialer Schachzug. Mit dem Ende von „Bretton Woods“ lenkten die USA diesen Geldfluss wieder zurück in die Heimat, da die Notenbanken anderer Länder nun US-Staatsanleihen erwarben, die Wiederum das nationale US-Haushaltsdefizit finanzierten. Der Dollar wurde zur internationalen Leitwährung und die Federal Reserve die heimliche Weltnotenbank. Das Ausland war quasi verpflichtet den US-Haushalt und damit die Expansion der wirtschaftlichen und militärischen Supermacht zu finanzieren, ob man wollte oder nicht. Zur gleichen Zeit wurde der US-Dollar die offizielle Öl-Währung – was den OPEC-Staaten durchaus genehm war.

Weniger bekannt ist der massive politische Druck, sogar von möglicher militärischer Intervention war die Rede, den Nixon und Kissinger auf Saudi-Arabien und die Öl-Emirate ausübten, damit ihre Dollar-Milliarden aus den Ölgeschäften über die New Yorker Wallstreet abgewickelt, das heißt investiert, wurden. Denn die zweite Maxime lautet: Kapital muss investiert werden – sonst ist es wertlos.

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SCHWARZES LOCH  WALLSTREET

Mitte der 70ziger Jahre begannen die massiven Investitionen der arabischen Staaten in den USA. Die Dollars flossen wieder ins Mutterland zurück. Mit dem Niedergang des Wohlfahrtsstaats Keynesianischer Prägung – dessen Errichtung eine der Lehren aus der Weltwirtschaftskrise 1929 war, die zunächst zum New-Deal unter F.D. Roosevelt führte und dann, nach 1945, zur neuen Wirtschaftsordnung im zerstörten West-Europa – gewann eine wirtschaftsliberale Gegenbewegung an Boden, deren zentrales Credo Deregulierung lautet. Hayek und sein Schüler Milton Friedman von der Chicago School of Economics waren die Propheten einer freien Markt Ideologie, „der im freien Spiel der Kräfte alles zum Besseren regeln würde“, wenn nur die Ketten der Regulierungen erst einmal gesprengt seien.

Mit Reagan, Thatcher und Kohl begann Anfang der 80ziger Jahre des letzten Jahrhunderts die konservative Wende. (Die ausgerechnet in West-Deutschland „geistig-moralische Wende“ hieß, was angesichts der handelnden Personen, Birne und Gensch-Man, ein nicht geringes Maß an Selbstüberschätzung verriet.)

In ihrer Folge wurden die marktregulierenden Gesetze und Schutzmechanismen nach und nach abgeschafft – und das weltweit. Das Ergebnis heißt Globalisierung, die nichts anderes bedeutet, als ungehemmter Geld- und Warenverkehr. Den Höhepunkt erreichte die Deregulierung in den USA unter der Clinton-Administration. 1999 fiel die letzte Schranke zur Bändigung des Kapitalmarktes, die Abschaffung des Glass-Steagall-Acts von 1933. Die 66 Jahre währende Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken wurde aufgehoben. Ab sofort hatten Investmentbanker wieder Zugriff auf die Einlagen der Geschäftsbankkunden, was ihren finanziellen Handlungsspielraum wesentlich vergrößerte, Investmentbanking zu dem Profitbringer der Branche kürte, und damit die Macht der Geldhäuser potenzierte.

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MACHTKONZENTRATION

Erste Konsequenzen der Deregulierung waren schon in den 80ziger und 90ziger Jahren abzusehen. So führte der Wegfall der Schutzmechanismen nicht, wie versprochen, zu steigendem Wettbewerb, mehr Transparenz, besserem Angebot und Service bei niedrigeren Preisen für die sogenannten Verbraucher (das sind mit Menschen mit freiverfügbarem Einkommen) – sondern zu massiven Aufkäufen von Wettbewerbern und einem Anbietersterben. Das Gegenteil der Prophezeiung trat also ein. Die Deregulierung des kommerziellen Luftverkehrs in den USA, Anfang der 80ziger Jahre, wurde zur Blaupause für alle nachfolgenden Branchen. Statt eines „freien Wettbewerbs vieler Airlines zum Wohle der Verbraucher“ bildete sich ein Oligopol weniger Airlines. Der Markt ist eben niemals frei, sondern nur freizügig in der Aufteilung unter immer weniger Marktspielern. Die Deregulierungsbefürworter verschweigen nämlich, dass in einem so entfesselten Markt stets die vom Start weg mächtigsten und finanzstärksten Unternehmen gewinnen. Mit der Folge, die großen Konzerne machen einander nur wenig bis gar keine Konkurrenz.

In Deutschland belegt dies anschaulich die „Liberalisierung des Energiemarktes“. Eine EU-Vorgabe, welche die Bundesregierung brav „umsetzte“. Die Energieversorger im Besitz von Städten und Gemeinden wurden von den großen Anbietern, RWE, EON, Vattenfall und ENBW, solange unterboten, bis ihre Eigentümer, die finanziell ausgeblutete Kommunen, die Flügel streckten und die Stadtwerke an just jene Konzerne verkauften, oder eine Teilhaberschaft übertrugen, die sie unterboten. Ihnen blieb keine andere Wahl. Das Oligopol bildete sich in weniger als drei Jahren.

Ein Blick auf die Gebietskarte der Bundesrepublik schafft Klarheit. Sauber nach Regionen getrennt, bereiten sich die großen Anbieter selbstverständlich nur einen marginalen Wettbewerb. (Dieselben Konzern übrigens, die gegen den Atomausstieg lobbyierten und nun versuchen die gigantischen Rückbaukosten für ihre Kernkraftwerke zu einem großen Teil auf den Staat abzuwälzen.) Die dritte Maxime lautet demnach: Ungehinderter Wettbewerb führt zu Oligopolen, wenn nicht zu Monopolen. Beispiele gibt es genügend – in nahezu allen Branchen. Und das weltweit. Apropos Konkurrenz, ist der Markt erst aufgeteilt, lassen sich problemlos Preise und Konditionen (und damit Profitmargen) abstimmen, wie jüngst die illegalen Absprachen im Stahlschienengeschäft belegen.

Im Finanzsektor bildeten sich in der Folge riesige Banken. Too big fail, lautet die Bezeichnung für die fünf führenden Großbanken der USA, weil ihr Zusammenbruch das Welt-Wirtschaftssystem gleich mit zusammenbrechen lassen würde. Zumindest nach Bekunden der Banken und des US-Finanzministeriums (zu dessen Chef im Übrigen seit den Siebziger Jahren regelmäßig ein ehemaliger Chairman der Investmentbank Goldman Sachs ernannt wird).

Ein mit Erfolg geschürtes Schreckensszenario. Straftaten wie Betrug, Insidergeschäfte, etc. bleiben deshalb ohne Anklage und werden stattdessen mit Geldbußen abgegolten, deren Höhe für sich genommen exorbitant erscheint, aber nur einen Bruchteil, der mit Betrug erzielten Gewinne ausmachen.

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KRISENKARUSSEL

Trotzdem haben die Großbanken Probleme: Sie müssen weiterwachsen. Sie müssen das Kapital ihrer Anleger investieren. In den letzten zwanzig Jahren ist die Anzahl der Anlagemöglichkeiten in die Realwirtschaft allerdings immer uninteressanter geworden. Zu lange Laufzeiten, zu geringe Renditen. Die Lösung: Finanzprodukte. Anlagen sind Produkte und werden mit den Instrumenten des Marketing aktiv, man kann auch sagen aggressiv, vertrieben. Je risikoreicher die Anlage, desto höher die Renditechance. Nur scheuen die meisten Anleger das Risiko – folglich müssen Bewertungen her, die Sicherheit vorgaukeln. Der Aufstieg der Ratingagenturen begann. Sie bewerten Finanzprodukte nach ihrer Rentabilität und ihrem Risiko. Da die Ratingagenturen Lieferanten der Banken sind, und sich zum Teil in deren Eigentum befinden, möchten sie ihre Kunden/Eigentümer natürlich an sich binden, bzw. nicht enttäuschen. Wer sägt schon an dem Ast, auf dem er sitzt? Folglich fielen die Ratings positiv aus. Positive Bewertungen gleich hohe Anlagesicherheit gleich mehr Anlageverkäufe. Der Markt wächst. Ein perfektes System – bis die Blase platzt. Was 2008 bei den Subprime Mortgages geschah und zunächst Lehman Brothers in den Konkurs und anschließend die gesamte Weltwirtschaft in die Rezession trieb.

Die meisten der heutigen Finanzprodukte beruhen auf Spekulation (umgangssprachlich Zocken) wie diese: Der Anleger bekommt dann hohe Renditen, wenn DOW oder FTSE oder DAX in bestimmen Zeiträumen, bestimmte Kursmarken erreichen. Sollten die Kurse sich gegenteilig entwickeln, verliert der Anleger Teile seiner Anlage – in manchen Fällen die gesamte Anlage. Finanzprodukte sind ein riesiger Markt. In den USA liegt der Anteil der Wallstreet am Bruttosozialprodukt unter 10%, ihr Anteil an den erlösten Profiten hingegen bei 60%. Inzwischen ist der Finanzsektor von der Realwirtschaft völlig entkoppelt. Für Unternehmen ist es aufgrund steigender Auflagen immer schwieriger Kredite zu bekommen, was in Zeiten billigen Geldes für die Banken aufgrund der geringen Zinsen zudem völlig unterinteressant ist, während Investoren nach Anlagemöglichkeiten mit guten Renditen suchen. Aus diesem Grund nehmen die auf Spekulation beruhenden Finanzprodukte zu. Und weil jeder verdienen will, dazu sämtliche Honorierungssysteme (die sogenannten Boni) auf Wachstum und Profit ausgerichtet sind, ist der Anreiz systemimmanent. Wer Geld verdienen will, muss zocken und darum wird gezockt, und das noch hemmungsloser, noch ungebremster als vor 2008. Die lockere Geldpolitik von Federal Reserve und EZB pumpt immer mehr Geld in die Märkte, was die Börse beflügelt, die Finanzmärkte weiter aufbläht, aber Sparer und Altersvorsorger verarmt. Die Unternehmen der „Realwirtschaft“ erhalten trotzdem keinen Zugang zu dem benötigten Geld. Logisch? Absolut.

(Die Krise 2008 war seit 1999 übrigens bereits die dritte, nach 2000, dem Zusammenbruch des Neuen Marktes, nach 2005, dem Börsencrash, kam 2008, die Subprime-Mortgage-Krise. Seit dem Wegfall der Regulation auf dem Finanzmarkt sind Krisen unabdingbar. Das waren sie übrigens auch in Zehnjahreszyklen seit Ende des Bürgerkriegs in den USA, 1865, und vor der Einführung der Finanzmarktregulation in 1930er Jahren als Folge der Großen Depression. Eine der ersten großen Spekulationsblasen platzte im 17. Jahrhundert in den Niederlanden. Damals wurde mit Unsummen auf den steigenden Wert von Tulpenzwiebeln gezockt. Die Regierenden haben seinerzeit übrigens den geforderten „Bail-out” der vom Ruin bedrohten Spekulanten abgelehnt.)

Auch Spekulationen und Wetten gegen Währungen einzelner Staaten haben eine lange Tradition – so spekulierte George Soros einst gegen das britische Pfund und verdiente Milliarden – die Folgen solchen Vorgehens sind heute aber immer unabsehbarer. Der Zusammenbruch einer Währung bedeutet den Kollaps der Wirtschaft und letztlich der Gesellschaft. Das warnende Beispiel der letzten Jahre ist Jugoslawien. Als die Währung zerbrach, eskalierte die Gewalt. Die vierte Maxime lautet: Spekulation beruht auf dem Prinzip von Boom und Bust. Je schneller und überhitzter die Wirtschaft wächst, desto schneller die Talfahrt. Spekulationsblasen platzen immer. Auf den Boom folgt unabwendbar der Kollaps, die Vernichtung von Vermögen. Krisen sind  nur eine Bereinigung des Marktes von überschüssigem, unnötigem Kapital. Verlierer gehören nicht nur zum Spiel – sie sind unverzichtbarer Bestandteil. Der Kapitalismus produziert nur wenige echte Gewinner. Der große Rest gehört nicht dazu. Verlierer sind immer die Dummen – die „nicht informierte“ breite Bevölkerung. Die Informierten manipulieren den Markt. In London manipulierten die Banken, mittendrin Bundesprimus Deutsche Bank, die Libor und Euribor Zinssätze und maximierten ihre Profite. Allem Abstreiten zum Trotz ist das Finanzmarktalltag. Branchenprofis wissen, dass die Anzahl der – offiziell verbotenen – Insidergeschäfte an den Börsenplätzen unendlich größer ist als angenommen (als aufgedeckt ohnehin). Manipulation wird durch Oligopole erleichtert. Diese bilden in nahezu allen Schlüsselindustrien, sowie auf dem Finanzsektor, geschlossene Gruppen von Playern, denen Kontrollbehörden wenig auf die Finger schauen können, sofern sie es denn ernsthaft wollten.

Ein beliebiges Beispiel ist der VW-Abgasskandal. Wer glaubt denn ernsthaft, dass in einer Branche, in der nicht nur völlige Transparenz über die Herstellungskosten herrscht, sondern sich Wettbewerber die gleichen Fahrzeugplattformen für ihre Modelle teilen, niemand von den Manipulationen der Wolfsburger wusste?

Globale Oligopole agieren mit der Finanzmacht ganzer Staaten. Konzerne wie z.B. Apple, Google oder Mac Donalds besitzen höhere Börsenwerte und mehr Vermögen als die meisten Staaten an Bruttosozialprodukt ausweisen. Großkonzerne setzen ihre Interessen ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit durch, was internationale Wirtschaftsabkommen wie TTP, TTIP etc. belegen, in denen Deregulierung und Angleichung nationaler Vorschriften als Effizienzsteigerung und somit „Wachstum förderlich“ verkauft werden – was allgemein akzeptierter Logik nach Arbeitsplätze schafft (ungeachtet der Realität).

Das Totschlagargument für verunsicherte Abgeordnete, vor hoher Arbeitslosigkeit haben deutsche Politiker wirklich Angst, folglich votiert eine ausreichende Mehrheit mit Ja.

 

SAALDIENER DES  GELDES

Die Politik hat sich der Wallstreet und den Oligarchen völlig ergeben. Kein Wunder, werden in den USA Wahlkämpfe, und zwar alle, von kommunaler bis nationaler Ebene, einschließlich der von Sheriffs und Richtern, weitestgehend durch „Spenden“ privat finanziert. 2010 im „Citizen United Prozess” wurden Corporations vom US-Supreme-Court Personenrechte zugesprochen. Eine katastrophale Entscheidung. Jetzt dürfen Konzerne und Milliardäre den Kandidaten ihres Vertrauens unbegrenzte Summen spenden. Diese Geldgeber finanzieren „Super-Pacs“ zur Wahl ihres Favoriten. Wobei die zwingende Logik des Systems lautet: „Ohne Wahlkampfwerbung keine Stimmen. Je größer die Werbung, desto mehr Stimmen. Je mehr Geld für den Wahlkampf, desto mehr Werbung für Stimmen.“ Und natürlich verlangen die Lobbyisten von den so in Parlamente und Ämter gehievten Kandidaten die Durchsetzung ihrer Interessen, ihrer Vorgaben: „Wess’ Brot ich ess’, dess’ Lied ich sing.“ Wie unlängst Donald Trump, diese laut blökende faschistoide Berlusconi-Kopie auf Steroiden, derzeit irrlichternder Präsidentschaftskandidat der Republikaner, im Fernsehen klipp und klar formulierte. Das „demokratische Vorbild” der – sogenannten freien – Welt ist demnach keine echte Demokratie sondern „eine von Banken und Industrie finanzierte, eine gelenkte Republik“, wie Gore Vidal wusste.

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Ein weiteres zentrales Problem ist die sogenannte revolving door, die Drehtür, durch die Berater zu Politikern, Politiker zu Managern, zu Lobbyisten, und wieder zu Ministern, werden. Entscheidungen in den Parlamenten werden von den Leuten herbeigeführt, die nach ihrer Rückkehr in die Wirtschaft von diesen Entscheidungen mächtig profitieren. (Für Deutschland seien die Namen Schröder, Riester und Rürup stellvertretend für viele andere Nutznießer genannt.) Die „Drehtür-Herrschaften“ bilden eine „Elitekaste“, die sich systematisch an der Allgemeinheit bereichert. Ein solches Verhalten findet sich in der Weltgeschichte schon bei den Babyloniern. Neu ist heute lediglich die Dimension der korrupten Profiteuere. Das Vermögen von Donald Trump, abgesehen von den Milliarden, die er von seinem Vater, einem üblen Immobilientycoon, geerbt hat, wurde vor allem durch geschicktes Spielen auf der Klaviatur der Korruption angehäuft. Heute verkauft Trump seine strafbaren Handlungen als Qualifikation. Nur er weiß, wie man der Korruption den Garaus macht: Only a corruptor can fight corruption. (Die Möglichkeitsform ist solchen Charakteren wesensfremd.) Als Alternative der Demokraten erscheint am Horizont das kleinere Übel: Hillary Clinton. Wallstreet und Ölbranchen finanziert, ist die vormals frustrierte First Lady keine Alternative, sondern ein PR-Kunstprodukt, das sich je nach Fokusgruppenbefragung ständig „neu erfindet“ und dabei ihre Verlogenheit und brutale Skrupellosigkeit, wie zuletzt als US-Außenministerin unter Beweis gestellt, als präsidiale Tugenden preist. Angesichts diese Kandidatenpanoptikums – und der herrschenden Politriege in Europa (von Amt und Würden mag ich nicht sprechen wollen) – drängt sich nicht nur bösen Zungen die Frage auf, ob das Wahlvolk wirklich die Politiker verdient, die es bekommt? Der Gedanke, die sich als Alternative anbiedernden Brandstifter würden übernehmen – „wir wollen an die Macht“, rülpsen laut die just von 190.000  Mecklenburg-Vorpommerschen Flachköpfen gewählten Faschos – ist noch viel unerträglicher.

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FÜR DEN  MENSCHEN

Auch das ist eine Erkenntnis des Kollaps von 2008: Die mit einem 700 Milliarden US-Dollar Bailout gestützten Unternehmen – Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert – bestimmen nach wir vor das Spiel und verdienen besser denn je. Ungeachtet der Folgen ihres wirtschaftlichen Agierens für die Mehrheit der Bevölkerung in den USA und vielen anderen Staaten. (Die Menschen haben ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis, darum tauchten die Bankmanager nach öffentlich demonstrierter Reue, hoch und heilig gelobter Besserung, Kniefall und anderer geheuchelter Demutsgesten, einige Zeit später aus der Versenkung wieder auf, um weiterzumachen wie bisher. Allerdings besser bezahlt.) Durch die Sozialisierung der Schulden – die Bailouts für die Banken, die auch in Europa, dem amerikanischen Vorbild folgend, eilig vorgenommen wurden – stieg die Schuldenlast vieler Staaten. Die kriminellen Ratingagenturen, die vor der Krise noch die Finanzprodukte der Großbanken, wie Subprime-Mortgages, ohne Prüfung mit Bestnoten bewerteten, AAA, stuften die Staaten aufgrund ihrer hohen Schuldenlast drastisch herab. Mit sinkender Kreditwürdigkeit, stieg das Risiko für Staatsanleihen und folglich auch die Kosten in Form von Zinsen für mittel- und langfristige Papiere. Den überschuldeten Staaten drohte die Insolvenz, sie würden weder ihre Zinsen noch ihre Schulden bei den Kreditoren, den internationalen Banken, tilgen können. Im Gegensatz zu Unternehmen in der freien Wirtschaft – die gehen in Konkurs und dann ist das schöne Geld futsch – kann man Staaten in die Haftung zwingen. Genau das taten die Banken, indem sie Druck auf die Politik ausübten. Die Regierungen mussten wiederum handeln und nun Staaten ausbailen. Unter einer Bedingung: Staatsausgaben drastisch senken.

Und so handelten die Staatenlenker – allen voran die deutsche Bundesregierung – mit Zuckerbrot und Peitsche. Milliardenhilfen, um den Banken die fälligen Staatsanleihen zu bezahlen, gekoppelt an einen strikten Sparkurs, engl. Austerity, der massive Steuererhöhungen, Privatisierung von Staatseigentum und den Wegfall von Sozialleistungen bedeutet. Die Folgen dieser aufgezwungenen Politik für die Schuldnerstaaten, sind Rückgang des Bruttosozialproduktes, steigende Arbeitslosigkeit und noch weniger die Möglichkeit für die Staaten ihre Schulden zu tilgen. (Griechenland muss nicht weiter erläutert werden.) Vor den erschreckenden sozialen Verwerfungen haben die Regierenden allerdings Muffensausen.

by Unknown photographer, bromide print, 1933

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ANGST UND FRUST REGIERT

Seit Mitte der 90ziger Jahre wurde die Polizei systematisch paramilitärisch aufgerüstet. Robocop hat bei den modernen Riotcop-Hundertschaften scheinbar Pate gestanden. (Das hätte der alte Satiriker Paul Verhoeven nicht gedacht.) Die einst aus Furcht vor Terrorismus und außerparlamentarischer Opposition verabschiedeten Gesetze zum Schutzes des Staates vor Feinden im Inneren (wie 1968 die sogenannten „Notstandgesetze” in der Bundesrepublik), sollen nun scheint’s vor Aufständen der sozial benachteiligten Randgruppen schützen. Sogar über den Einsatz der Armee im Inneren wird von den Geistesheroen – unter der an Geistesheroen nicht gerade armen deutschen Politikerkaste – nachgedacht. Die wollen allen Ernstes die Bundeswehr innerhalb Deutschlands einsetzen zu können, natürlich nur unter strengen Auflagen und wenn die Lage es wirklich erfordert, wie Terrorabwehr oder Flüchtlingsabwehr, je nach dem. Eine Lage, die sie selbst mit ihrer Politik herbeiführen. Gerade in der Krise entlarvt sich die EU als das was wirklich ist, eine Wirtschaftszweckgemeinschaft, von der die Mitgliedsstaaten nur eines wollen: ordentlich profitieren. Verbreitet sich die Ansicht, dies sei nicht mehr in dem gewünschten Rahmen möglich, dann erstarken die Absetzbewegungen, wie der „Brexit“ von Groß Britannien zeigt. (Dessen Leave-Kampagne dazu noch von kriminellen Off-Shore Profiteuren finanziert und betrieben wurde.) Die große europäische Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, will sich das finanzstandartisierte Europa nicht mehr leisten. Frei nach Oberfinanzdrakon Schäuble: der europäische Stabilitätspakt lässt sich von demokratischen Entscheidungen nicht beeinflussen.

 

KATHARSIS FÄLLT  FLACH

Ob die oben gestellte Frage damit beantwortet ist? Teilweise zumindest. Und jetzt? Was tun mit den Erkenntnissen, die eine unbestimmte, blinde Wut nähren? Am besten ganz schnell System bestätigende „serielle Erzählformate“ anschauen und stellvertretend deren Protagonisten die unleugbaren Dissonanzen des Alltags abarbeiten lassen. Die Bequemlichkeit des Zuschauers obsiegt solange, bis die Balance von angenommener Trägheit zu wahrgenommener Bedrohung kippt. Dann empört sich der Zuschauer und tritt laut schreiend den Flatscreen aus dem Wohnzimmer, weil das Ablassventil seiner Wahl nicht in die 5. Staffel geht: „Diese Schweine. Ich bringe sie alle um!“ Wahlweise bietet sich Erkenntnisgewinn mit Le petit bleu de la cote Ouest an.

 

ANTIZIPIERTER LESERUNMUT

Hey, was soll der ganze Mist mit den USA? Wir leben hier schließlich in Deutschland und wir sind Weltmeister und überhaupt „auf Erfolgskurs“, wie die jüngste PR-Kampagne der Regierungspartei mit C im Kürzel schreckensbleich in den Wählerwald posaunt. Wutbürgern und Erfolgsbeschwörern schiebe ich eine leidige bundesrepublikanische Erkenntnis ins Rektum: Was den Briten ihre special relationship mit den Amis ist (heißt Schulterschluss beim Angriffskrieg), ist den Deutschen ihre analefetischistische Unterwürfigkeit. Siehe NSA-Abhörskandal, siehe BND-Affäre, siehe Austeritätspolitik, siehe Afghanistan, siehe… siehe…  (Sorry, das heißt ja Kontinuität in der Außen- und Bündnispolitik.) Auf den Musterbuben ist Verlass.

 

Geschrieben zu Wild-Honey Pie im Endlosloop im Bodennebel der globalen Sommererwärmung.

MiC

 



IN EIGENER SACHE by Martin Compart
25. September 2016, 10:55 pm
Filed under: Dutroux, Essen & Trinken | Schlagwörter: , , ,

Da ich immer häufiger zu anti-kapitalistischen Haltungen neige, beantrage ich hiermit die komplette Überwachung meiner Person durch den Verfassungsschutz. Gleichzeitig bitte ich um Amtshilfe durch die NSA.



Artikel 5 Grundgesetz by Martin Compart
30. Juli 2016, 3:39 pm
Filed under: Ekelige Politiker, NEWS, Politik & Geschichte, Stammtischgegröle | Schlagwörter: , ,

Einer dieser Paragraphen, die die wundgeschhlagene Schröder-Scharping-Partei in der grossen Koalition gerne abschaffen möchte – so scheint es mir (anders formuliert, könnte es eine SPF-Klage nach sich führen). Unter diesem Titel künftige Kolumnen, die man in freieren Zeiten als „Stammtischhgegröle“ veröffentlichen konnte.

Die Offensive gegen Meinungsfreiheit im Internet läuft. Dazu demnächst mehr.

Gleich kommt es; juristisch abgesichert ( als gebranntes Kind möchte ich dieses Jahr kein zweites Mal wegen „Beleidigung eines SPD-nahen Amtsträgers“ Geld verbrennen):

 

Warum ich die SPD so liebe! Insbesondere die NRW.SPD.

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In wenigen Parteien (außer Die Grünen, FDP, AfD, usw.) wären Intellektuelle von Format einer Hannelore Kraft oder eines Ralf Jägers überhaupt dazu bereit, ministeriale Verantwortung zu übernehmen (und damit eventuelle Karrieren als hauptberufliche Schrebergartenbruzzler aufzuschieben).

Und nun haben wir DIE KRAFT!

Am selben Tag geschah folgendes:

Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von NRW, erwirkte ein rechtskräftiges Urteil gegen einen LANGZEITARBEITSLOSEN wegen Beleidigung. Der Mann soll über 2000 Euro Strafe zahlen. Da er HARZ 4-Empfänger ist (eine Leistung ihres Parteigenossen Schröder) wird er wohl die Tagessätze im Gefängnis absitzen müssen. Ich halte fest: SPD schickt Arbeitslose in den Knast (sowas nennt man High Concept).

Was tat der arme Idiot? Er schickte SEINER Ministerpräsidentin zwei e-mails despektierlichen Inhaltes. Darin behauptete er per Ferndiagnose, Hannelore Kraft sei dümmer als ein Toastbrot. Natürlich ist eine derartige Diffamierung einer Brotart nicht hinnehmbar. Aber steht darauf Strafe?

 

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Am selben Tag deckte ein Essener Stadtmagazin (nicht die investigativen Journalisten von DER SPIEGEL oder SZ) auf, dass eine NRW-SPD-Parlamentarierin ihren Lebenslauf gefälscht habe auf eine Weise, dass der Hauptmann von Köpenick als Stümper dasteht- Bekannt waren die Fälschungen ihres bedauernswerten Lebensweges wichtigen Entscheidungsträgern der NRW-SPD, aus der Gestalten wie Hannelore Kraft oder der Ralf Teflon Jäger in Spitzenpositionen gehoben wurden, schon lange und wurden offensichtlich geduldet. Ich persönlich werte diesen Betrug negativer als die Fälschung einer Doktorarbeit, die bestenfalls für einen kurzen Ausschnitt eines Lebensweges steht.

Die ertappte Dame wurde von Teilen der SPD bejubelt, da sie verkündete, bei allen ihr zustehenden Bezügen ihre Ämter niederzulegen.

Sie wird sich im Vorruhestand mit geschätzten 8000 Euro im Monat in die Toskana zurück ziehen können, um den Strafbestand des Betruges (in diesem Fall nicht verfolgbar) durch ein „schönes Leben ungeschehen zu machen“.

Ihre Parteichefin, Ministerpräsidentin Hannelore (ich stelle sie mir gerne mit Bügeleisen vor, bezweifle aber, dass sie auch nur eine Bluse faltenfrei hinkriegt) sorgt derweil dafür, das ein Arbeitsloser, der seine nicht opportune Meinung geäußert hat, strafrechtlich verurteilt wird.

Ich persönlich würde die gesamte NRW-SPD gerne in einem landschaftlich anspruchsvoll gelegenem Gulag sehen, das nicht so human geführt wird wie unter Stalin. Meine Mutter war ca. 20 Jahre für die SPD im Stadtrat, meine Tante als eine der ersten Frauen im Bundestag (bis Wehner ihre „Karriere“ beendete, weil sie als unverheiratete Frau ein Verhältnis mit einem Kommunisten hatte, das sie – trotzt Wehnersche Aufforderung – nicht beenden wollte; damals gab es noch keine Übergangsgelder oder Behindertenrente für vorzeitig ausscheidende.). Man darf also davon ausgehen, dass ich den Laden SPD von kleinauf kenne.

by the way: Ich habe mal dem damaligen Ministerpräsidenten Rüttgers (der anständigste Mann, der diesem Bundesland je vorstand) einen beleidigenden Hassbrief geschickt, für den das Düsseldorfer Amtsgericht und Hannelore Kraft vielleicht kompetenzüberschreitend die Todesstrafe gefordert hätten. Rüttger schickte mir eine unterschriebene Autogrammkarte zurück.

Wie hat Einstein Wahnsinn definiert? „Indem man immer dasselbe tut, aber unterschiedliche Ergebnisse erwartet.“ Das bedeutet, SPD-Wähler sind wahnsinnig.

P.S-: Was macht denn eigentlich Herr Edathy? Und die vielen anderen?

P.P.S.: Normalerweise werden sogen. Beleidigungen von der Staatsanwaltschaft nicht verfolgt (wegen Geringfügigkeit eingestellt), aber dies gilt nicht bei AMTSTRÄGERN! Keine Majestätsbeleidigung im 21.Jahrhundert. Endlich darf sich die SPD mit Kaiser Wilhelm gemein wähnen.

Ich denke, es ist nicht möglich, diese Partei lieb zu haben. Man würde sie auch nicht vermissen. Aber für welche Partei würde das gelten?

 

 



NEUES ÜBER DIE HEXE AUS ARKANSAS by Martin Compart
10. Juni 2016, 11:24 am
Filed under: Ekelige Politiker, NEWS | Schlagwörter: , ,

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Wer noch kein Fan von ihr ist, wird es spätestens nach der Lektüre dieses Artikels:

https://theintercept.com/2016/06/09/hillary-clintons-state-department-gave-south-sudans-military-a-pass-for-its-child-soldiers/



BRIT-NOIR: THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: UNDERGROUND von RUSSELL JAMES by Martin Compart

FINDEN SIE POLIZISTEN TATSÄCHLICH INTERESSANT?
– Anmerkungen zu Russell James und der Tradition des britischen Noir-Romans

I.
„Nachdem mein drittes Buch erschienen war und ich am vierten arbeitete, merkte ich, was kein Kritiker bisher bemerkt hatte: Niemand außer mir schrieb in Großbritannien crime stories. Man schrieb Detektivromane, Privatdetektivgeschichten, Polizeiromane. Alle schrieben anti-crime-stories – Gesetzeshütergeschichten. Warum? Finden sie Polizisten tatsächlich interessant?“ James scheint sich der Aussage des Philosophen Peter Sloterdijk nahe zu fühlen, der bemerkte, daß in einer nihilistischen Gesellschaft der Gangster der Einzige ist, der weiß, was er will. Inzwischen sind die Gangsterromane – soweit dieser etwas angestaubte Terminus wirklich zutrifft – von Russell James auch in England kein Geheimtipp mehr, obwohl das GQ-Magazine vor ein paar Jahren noch behauptete: „Er ist das große unbekannte Talent der britischen Kriminalliteratur“, sagte die Times und nannte ihn „einen Kult“. John Williams definierte ihn in The Face als „unheilige Allianz aus Len Deighton und David Goodis“ bezeichnete. Mit etwa einem halben Dutzend Romanen hat sich James als führender Stilist der British Fresh Blood-School etabliert. James konzentriert sich auf die Gangster und ihre Opfer. Die Polizei kommt nur am Rande vor und hat kaum Zugang zu dieser geschlossenen Unterwelt. Es sind die eindrucksvollen Charaktere und die stimmungsvollen wenn auch düsteren Schauplätze, die den Reiz seiner Romane ausmachen. Was man über Chandler sagte, gilt auch für James: Man würde seine Bücher weiterlesen, auch wenn das letzte Kapitel fehlte. „Ich mochte die meisten zeitgenössischen britischen Thriller nicht, als ich mit meinen Noir-Romanen begann. Die meisten neuen Autoren änderten lediglich Details: Statt eines Mannes nahm man eine Frau als Helden und ähnliches. Ich dachte, man müsse auch konzeptionell mehr wagen. Der durchschnittliche Protagonist ist rechts, ein Verteidiger von Ordnung und Autorität. Nicht bei mir. Mein Held in UNDERGROUND ist anders. Er ist links, antiautoritär und gegen die Gesellschaft eingestellt. Er ist gegen alles, an das durchschnittliche Leser und Helden glauben.“

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Russell James wurde als Russell Logan am 5.Oktober 1942 in Gillingham, Kent geboren. Er war ein intelligentes Kind, hatte aber eine unglückliche Kindheit: Sein Vater beging Selbstmord. Nachdem seine Mutter erneut geheiratet hatte, schickte man Russell auf eine Kadettenschule. Aber statt sich auf eine militärische Karriere zu stürzen, brach er aus, um sich durch die 6oer Jahre treiben zu lassen. Ohne feste Jobs zog er herum und arbeitete u.a. für einen Radiosender auf Zypern. Dann entdeckte er seine Liebe zum Theater und machte bei einer britischen Theatergruppe so ziemlich alles: Lichtsetzer, Schauspieler, Regisseur. Er schrieb auch Sketche und kleine Stücke, die „heute zum Glück vergessen sind“. In den 70ern wurde er respektabel, heiratete und arbeitete als Manager für IBM. Den Job hielt er sieben Jahre durch, bevor er ihn 1979 hinschmiss und sich selbstständig machte. Er sieht sich als einen einsamen Wolf, der nicht in Organisationen arbeiten kann. Das hat er mit seinen Helden gemeinsam. Als Consulting Manager arbeitet er erfolgreich im direct marketing und hat eine gutgehende Firma in Cheltenham.

Als er Ende der 80er Jahre zu schreiben begann, wusste er genau, daß er nicht gängige Thriller schreiben wollte. Ihn interessierten die Außenseiter und die wenig bekannten Londoner Milieus. „Der größte Teil der Kriminalliteratur langweilt mich. Ich mag keine Polizeiromane (police procedurals), Detektivgeschichten oder Amateurdetektive. Ich bin mehr interessiert am Stil als am Plot. Was für ein Bekenntnis! Der erste Kriminalliterat, der mich begeisterte – ich war damals allerdings erst zwölf Jahre alt – war Peter Cheyney, besonders die Lemmy Caution-Romane. Als Erwachsener beeinflussten mich besonders David Goodis und Cornell Woolrich. Von den jüngeren Autoren mag ich James Sallis. Derek Raymond ist mir manchmal zu deftig – aber ich habe 1989 eine denkwürdige Nacht mit ihm durchgetrunken.“

Seine ersten drei Romane sind von Filmproduktionen unter Option genommen. Sein genauer, filmischer Stil hat die Branche natürlich sofort auf ihn aufmerksam werden lassen. „Portobello Pictures hat ein so entsetzliches Drehbuch aus PAYBACK gemacht, daß es mich nicht wundert, daß das Projekt auf Eis liegt. Elmgate will aus UNDERGROUND eine dreiteilige TV-Serie machen. Tracy Hoffman von Screenage Pictures hat DAYLIGHT unter Vertrag und – das Buch spielt 1990 in Leningrad – wollte es mit einer russischen Firma und russischem Kapital machen. Aber leider ist der Rubel ziemlich abgestürzt. John Malkovich scheint sich für SLAUGHTER MUSIC zu interessieren. Also nichts Greifbares bisher. Ich liebe Noir-Filme, jedenfalls die guten. Ich finde es nicht schlimm, wenn sich Romane wie Filme lesen. Das heißt natürlich nicht, daß ich Bücher schätze, die nur auf eine Verfilmunhin geschrieben wurden. Aber ich liebe visuelle Prosa.“3770148517[1]

II.
Wenn man an britische Kriminalliteratur denkt, meint man meistens die klassischen Detektivgeschichten. Übermächtig überschatten Sherlock Holmes, Agatha Christie oder Dorothy L.Sayers dieses Genre und verstellen den Blick auf unabhängige Strömungen, die als Subgenre mit diesen Klassikern nichts zu tun haben. Trotz verschiedener „Revolutionen“, von Francis Iles Transformation der inverted story bis hin zum Psychothriller der angry young men Anfang der 50er Jahre, wird die britische Kriminalliteratur entweder mit klassischen Detektivromanen oder bestenfalls noch Spionageromanen gleichgesetzt. Diese Betrachtungsweise war immer schon verkürzt und ist heute besonders unzutreffend: Um 1990 begannen neue britische Autoren die kriminalliterarische Landschaft ihrer Heimat zu verändern.

derek-raymondcardinaldocu[1]Der Schock, den Derek Raymond in den 80er Jahren der britischen Kriminalliteratur verpaßt hatte, zeigte Wirkung und rüttelte das Genre aus der Lethargie – eine zweifellos kommerziell erfolgreiche Lethargie, wie die Auflagen von P.D.James, Martha Grimes, Ruth Rendell, Len Deighton oder John LeCarré zeigten. Aber die neuen Autoren wollten jenseits von klassischen Detektivromanen, Psychothrillern oder Polit-Thrillern die Mean Streets Britanniens wiederentdecken. Derek Raymond hatte mit seiner Factory-Serie an eine Tradition erinnert, die trotz gelegentlicher Einzelleistungen keine Bedeutung zu haben schien: an die höchst eigenwillige britische Noir-Tradition, die zwar einige Meisterwerke hervorgebracht hatte, aber nie so stilprägende Autoren wie die amerikanischen Vettern mit Dashiell Hammett, James M.Cain, Raymond Chandler, W.R.Burnett, Mickey Spillane, Jim Thompson, David Goodis oder Ross Macdonald. Der britische Noir-Roman, wenn nicht einfach nur kommerzieller Epigone der Amerikaner, war ein im Schatten blühendes Pflänzchen, das von wenigen Autoren gepflegt wurde und von wenigen Lesern, die sich damit als wahre Afficionados erwiesen, in eine Tradition eingeordnet wurde. Selbst der große Kriminalliteraturtheoretiker Julian Symons hat in seinem verdienstvollen Standardwerk BLOODY MURDER diesen Teil der britischen Kriminalliteratur unterschlagen oder einzelne Autoren nur isoliert betrachtet. Folgerichtig waren es weniger die eigenen Traditionen, die die Fresh-Blood-Autoren Ende der 80er Jahre inspirierten. Es waren die zeitgenössischen Amerikaner wie Elmore Leonard, Carl Hiaasen, Charles Willeford, James Crumley oder James Ellroy, die den Wunsch auslösten, eine ähnliche Literatur zu produzieren.

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Ursprünge der britischen Noir-Literatur lassen sich auf die Thriller von Autoren wie Leslie Chateris, Sidney Horler oder Peter Cheyney zurückführen, die alle bezeichnenderweise in dem englischen Pulp-Magazin The Thriller in den 20er- und 30er Jahren Geschichten um gesellschaftliche Außenseiter veröffentlichten. Natürlich waren diese Autoren keine Noir-Autoren im heutigen Sinne. Aber ihre atmosphärische Darstellung der Vorkriegszeit hatte etwas Beklemmendes und Düsteres. Robin Cook alias Derek Raymond sieht die Urväter des Noir-Romans durchaus in Autoren wie Shakespeare, der wie kein anderer die dunklen Gefilde der Seele ausleuchtete, William Godwin, dessen CALEB WILLIAMS wohl die erste hard-boiled novel ist und die Pulp- oder Black-Mask-Revolution vorwegnahm, Henry Fielding mit seiner Gangsterbiographie JONATHAN WILDE und natürlich Charles Dickens, der den Horror der urbanen Industriegesellschaft wie kein anderer einfing. Interessierte sei Derek Raymonds autobiographisches Buch, das gleichzeitig eine brillante Betrachtung der Noir-Literatur ist, empfohlen: DIE VERDECKTEN DATEIEN ist als erster Band der DUMONT NOIR-Reihe erschienen.

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Das Geburtsjahr des modernen britischen Noir-Romans war 1939. In diesem Jahr debütierte Rene Raymond alias James Hadley Chase (1906-85) mit seinem ultrabrutalen, in einem mythischen Amerika angesiedelten Roman NO ORCHIDS FOR MISS BLANDISH (KEINE ORCHIDEEN FÜR MISS BLANDISH; zuletzt im Ullstein Verlag 1989). Obwohl er später harte Geschichten aus der Londoner Unter- und Halbwelt erzählte, kehrte er immer wieder in sein fiktionales Amerika zurück. Wie andere große Autoren schuf sich Chase einen eigenen Kosmos um die fiktive Stadt Paradise City. Chase, der die USA nur von einem einzigen Kurztrip kannte, ließ seine besten Romane in Chase County spielen, in dem er den Sozialdarwinismus der kapitalistischen Gesellschaft ungeschminkt vorführen konnte. Chase erzählte schmutzige, schnelle Geschichten über wenig sympathische Menschen, die für Sex, Macht und Geld alle gesellschaftlichen Normen brechen. Er zeichnete ein düsteres Bild der westlichen Zivilisation, in der jeder der Wolf des Mitmenschen ist, wenn er nicht untergehen will. Initialzündung für seinen Kosmos war James M.Cains THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE (WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT; Heyne 1987). Später schrieb Chase manch besseren Cain-Romane als Cain selbst. Autoren wie Jackson Budd, Gerald Kersh, David Craig, James Barlow, Jack Monmouth und andere schrieben finstere London-Novels über die Unterwelten der Metropole bis in die 60er Jahre hinein.

1941 erschien ein weiterer Meilenstein: A CONVICT HAS ESCAPED von Jackson Budd, einem Pseudonym von William John Budd (1898- ?). Der Roman zeigt ein beeindruckendes Bild der Londoner Eastend-Unterwelt während des Krieges. Dem Helden werden Schiebereien und Schwarzmarktgeschäfte zum Verhängnis. Das Buch wurde 1947 von Alberto Cavalcanti mit Trevor Howard unter dem Titel THEY MADE ME A FUGITIVE verfilmt. Ein harter und düsterer Film ohne Happy End, der die Handlung in die Nachkriegszeit verlegte. Budd hatte bereits in den frühen 30er Jahren Kriminalromane zu schreiben begonnen, aber keines seiner Bücher übertraf diesen Noir-Klassiker.

Anfang der 60er Jahre nahm die Öffentlichkeit stärker davon Notiz, dass es Gangster oder zumindest eine Halbwelt in London gab. Immer öfter tauchten Geschichten über die Krays-Zwillinge in den Zeitungen auf, die vom Eastend aufgebrochen waren, um auch im Nachtklubgeschäft des Westends Fuß zu fassen. Der 1962 veröffentlichte Roman DEATH OF A BOGEY (TOD EINES GREIFERS; Heyne 1963) von Douglas Warner ist wohl der erste Kriminalroman, der den Krays-Mythos thematisiert. Die Informationen über die Krays-Gang, hier Lane-Bande genannt, die indirekt in den Roman einfließen, sind zwar aus heutigem Kenntnisstand manchmal naiv, scheinen aber nicht nur aus der Zeitungslektüre zu stammen. Gut beschrieben ist vor allem die Mauer des Schweigens im Eastend, die die Krays so lange schützte und deren Zerstörung erst ihre Festnahme ermöglichte. Douglas Warner war ein Pseudonym für Desmond Currie und Elizabeth Warner, die bis 1968 sechs harte Krimis über die Schattenseiten Londons veröffentlichten.

Eine besondere Position kommt dem 1921 in Leeds geborenen Ex-Polizisten John William Wainwright zu. Gemeinhin gilt er seit seinem ersten Buch, das 1965 erschien, als ein herausragender Autor des britischen Polizeiromans. Im Gegensatz zu den police procedural-Autoren und seinem Lieblingsautor Ed McBain behandelt Wainwright in seinen Polizeiromanen immer nur einen einzigen Fall. Bemerkenswert ist auch die frühe Betonung des Organisierten Verbrechens. Seine Helden stehen in ihren Extremsituationen den schwarzen Thrillern näher als den durchschnittlichen Polizeiheroen. Beispielsweise scheut sich einer seiner Serienhelden, der ein Anhänger der Todesstrafe ist, nicht, einen jugendlichen Mörder sofort hinzurichten. Die Methoden der Polizei und die der Gangster sind bei Wainwright fast identisch. Er treibt die erstmals bei John Bingham auftauchende Negativdarstellung der britischen Polizei noch weiter. Das scheint angesichts der beruflichen Vergangenheit des Autors noch beängstigender. Seine bisher überzeugendste Leistung im Schwarzen Roman ist seine Tetralogie um den Ex-Polizisten Davis, der die Fronten wechselt. Stilistisch überzeugend zeigt Wainwright Intimes aus der Unterwelt und Charaktere, die der Leser so schnell nicht vergißt.

Mitte der 50er Jahre erschien James Henry Stanley Barlow (1921-73) auf der kriminalliterarischen Bühne und wurde mit einer Handvoll bösartiger, schwarzer Romane zum Geheimtip. Die Kritik haßte (oder ignorierte) Barlow mit ebensolcher Vehemenz wie schon zuvor Chase. Sein großer Wurf war der 1968 erschienene Roman THE BURDEN OF PROOF, der gleichzeitig sein letztes Buch war. In diesem Roman befaßte sich Barlow auf ganz eigene Art mit den Krays-Mythos, indem er Ronnie Kray in der Figur des psychopathischen Gangsterboßes Vic Dakin ein Denkmal setzte (in der Verfilmung wurde er von einem umwerfenden Richard Burton gespielt). Nicht von ungefähr erschien der Roman in dem Jahr, als sich die Schlinge des Gesetzes um die Terrible Twins zuzog. Auch Barlow zeigt ein realistisches Bild der Londoner Unterwelt. Dem Sadisten Dakin gelingt es dank der herrschenden Korruption, genau wie den Krays, lange Zeit vom Gesetz unangetastet seine Terrorherrschaft über das Eastend auszuüben.

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Der 1929 geborene Allan James Tucker schrieb unter dem Pseudonym David Craig einige Kriminalromane mit großer thematischer Spannbreite. In Erinnerung geblieben sind den Thriller-Fans vor allem seine Spionageromane. Aber er unternahm 1974 auch einen gelungenen Ausflug in den Noir-Roman mit WHOSE LITTLE GIRL ARE YOU? (JILL UND DIE BOYS; Goldmann, 1974) und schuf einen englischen Klassiker des Genres. Die Geschichte um die entführte Tochter und die Ex-Frau eines geschiedenen Ex-Kriminalbeamten und Alkoholikers, der sich mit der Londoner Unterwelt und dem neuen Gatten seiner Frau anlegt, wurde 1977 erfolgreich von Michael Apted mit Stacy Keach und David Hemmings als THE SQUEEZE (DER AUS DER HÖLLE KAM)verfilmt. Die Adaption gehört zusammen mit GET CARTER und VILLAIN (DIE ALLES ZUR SAU MACHEN), der Verfilmung von THE BURDEN OF PROOF, zu den drei großen britischen Noir-Filmen des Jahrzehnts und zu den Klassikern des Noir-Kinos überhaupt. Natürlich hatte auch Craig die Prozesse gegen die Krays-Zwillinge und die südlondoner Richardson-Gang verfolgt. Spätestens nach dem großen Gerichtsverfahren gegen die Krays-Zwillinge und ihre „Firma“, die als Gangsterimperium das Eastend Londons und mehrere Klubs im Westend umspannte, wußte man, daß diese Autoren keine Spinner waren, sondern das Großbritannien über eine organisierte und funktionstüchtige Unterwelt verfügte. Was Al Capone für Autoren wie W.R.Burnett, Armitage Trail und den amerikanischen Gangsterroman war, sind die Krays für den britischen Noir-Roman: Seit den Romanen von Douglas Warner aus den frühen 60er Jahren beeinflußt ihr Mythos bis heute die Literatur.

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Die Krays waren bereits ein Jahr hinter Gittern, als ein Mann im schwarzen Roman debütierte, der heute zu Recht als einer der Giganten gefeiert wird: Ted Lewis (1940-80). Der geniale Trinkkumpan von Derek Raymond griff auf eigene Erfahrungen zurück, als er 1970 in dem all-time-classic JACK’S RETURN HOME (JACK CARTERS HEIMKEHR; Bastei 1987) seinen Unterweltstroubleshooter Jack Carter in eine völlig verrottete nordenglische Industriestadt, der Lewis‘ Heimatort Newcastle als Vorbild diente, schickte, um für richtigen Ärger zu sorgen. Derek Raymond billigte dem Meisterwerk eine Schlüsselstellung zu und weist darauf hin, daß in „dem Buch kein falsches Wort steht“. Darüberhinaus meinte Raymond, daß jede Episode des Romans authentisch ist und nichts von Lewis erfunden wurde. Mike Hodges verfilmte den Roman mit Michael Caine unter dem Titel GET CARTER; ein Kultfilm, der in den letzten Jahren in England wiederentdeckt und geradezu hysterisch gefeiert wird. Russell James‘ dritter Roman PAYBACK – DIE RÜCKKEHR DES FLOYD CARTER ist eine direkte Reminiszenz an diesen Klassiker. Aber James wäre natürlich nicht James, wenn er nicht seine eigene Stimme im Roman unverwechselbar erklingen ließe. „Meine Bücher spielen unter den armen Schluckern im Südosten Londons. Ich schreibe über Punks und Außenseiter, über harte Burschen und miese Geschäftemacher. Diejenigen, die das Verbrechen bekämpfen – Polizisten und Detektive – kommen so gut wie nicht in meinen Büchern vor – auch wenn sie peripher natürlich existent sind.“ Eine detaillierte Bestandsaufnahme des britischen Noir-Romans und seiner verzweigten Traditionen (etwa zur London Novel oder zum britischen Privatdetektivroman) kann hier nicht geleistet werden, wird aber Bestandteil des ersten DUMONT NOIR-READERS sein, der in dieser Reihe folgen wird. Aber die genannten Autoren und Werke machen deutlich, daß Russell James der Erbe eines faszinierenden Subgenres der Noir-Literatur ist.

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III.
James ist unter den neuen britischen Autoren der schärfste Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse. Er beschreibt genau den sozialen Niedergang Englands und die Hörigkeit der politischen Klasse gegenüber dem Großkapital. UNDERGROUND, entstanden noch in der Ära John Major, führt den Alptraum vor, den die Schwachen und sozial an den Rand gestellten durchleben. Der Horrortrip durch die weiten Maschen des sozialen Netzes scheint dem Ich-Erzähler mehr zuzusetzen als die lebensgefährlichen Auseinandersetzungen mit seinen professionellen Gegnern. „Ich gehe nicht soweit zu sagen, das Kriminalität verschwindet, wenn man das Big Business säubert. Aber durch Wirtschaftskriminalität werden mehr Werte zerstört als durch alle anderen Verbrechen zusammen“, sagt der Autor, der den Gangstermythos wiederbelebt hat und weiter: „Gangster sind soziale Anarchisten. Sie teilen nicht unser kleinbürgerliches Wertsystem. Sie haben nicht denselben Gesellschaftsvertrag unterschrieben, der für uns brave Bürger bindend erscheint. Sie glauben an andere Regeln. Und es gibt diese Regeln. Die wichtigste lautet: Betrüge nie einen anderen professionellen Gangster. In der vermeintlich nicht-kriminellen Welt unserer Gesellschaft gibt es jeden Tag Beweise für gnadenlose Brutalität und Betrug: Familien verlieren ihre Wohnungen, kleine Geschäfte müssen schließen, weil sie von großen Konzernen fertig gemacht werden, den Menschen werden ihre Jobs gestohlen usw. Gleichzeitig werden riesige Summen verteilt, freiwillig oder als Bestechungsgelder, nur um die sogenannte legale Macht zu festigen oder zu erobern.“ Russell James glorifiziert dasselbe Wertesystem einer mythischen Unterwelt, das auch schon der genialste Noir-Filmer, Jean-Pierre Melville, in seinen Kultstreifen von BOB LE FLAMBEUR (DREI UHR NACHTS) bis UN FLIC (DER CHEF) ausgebreitet hat. Zweifellos wären Russell James‘ Romane ganz weit oben auf Melvilles Adaptionsliste, wenn er noch leben würde. Bevor James mit seinem dritten Roman PAYBACK wieder nach Deptford zurückkehrte, schrieb er DAYLIGHT. In diesem Buch zeigte er scharfsinnig die unterschiedlichen Unterweltskonzepte von russischen und westlichen Kriminellen. „Die Art Bücher, die ich schreibe, sind das Äquivalent zu den Warner Brothers-Filmen der 30er Jahre. Schwarzweißfilme, die das ganze Gegenteil der Hollywood-Musicals waren. Noir-Themen sind so erfrischend wie ein gutgesungener Blues.“

https://www.youtube.com/user/booksmatter

https://russelljamesbooks.wordpress.com/

Der Text ist mein Nachwort des Dumont-Noir-Romans UNDERGROUND.
https://www.amazon.de/Underground-DuMont-Noir-Russell-James/dp/3770148517?ie=UTF8&*Version*=1&*entries*=0



DURCHBRUCH IM KOALITIONSSTREIT! by Martin Compart
22. Mai 2016, 11:10 am
Filed under: Ekelige Politiker, Essen & Trinken, Stammtischgegröle | Schlagwörter: ,

christian-schmidt-interview[1]Schweineminister Nuk-Nuk hat sich durchgesetzt. Ab 2018 werden alle Rentner geschreddert, die nicht von Eigenkapital leben können oder eine Pension von unter 1000 euro haben. Gabriel, der Advokat des kleinen Mannes, setzte aber durch, dass sozialdemokratische Schrebergärtner von dieser restriktiven Rentenreform ausgenommen werden, wenn sie nachweisen können, dass sie Proll-Gert Schröder zugejubelt hatten.