Martin Compart


Der Literatur-Podcast am Sonntag: John Mair “Es gibt keine Wiederkehr” von Barbara Hoppe.
21. Januar 2022, 9:51 am
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Der Literatur-Podcast am Sonntag: John Mair “Es gibt keine Wiederkehr”

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ZUM NACHLESEN:

Ein früher Polit-Thriller: John Mair “Es gibt keine Wiederkehr”



GEISTIGE UMWELTVERSCHMUTZUNG
20. Januar 2022, 12:07 pm
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Käufer und Macher sind tatsächlich wahlberechtigt. In ihre Schädel möchte man nicht als Entwicklungshelfer eingesetzt werden. Mit ihrer elenden Existenz mag wohl niemand tauschen.



THEY MADE AMERICA GREAT AGAIN



JAHRESRÜCKBLICK VON JOCHEN KÖNIG 2/
2. Januar 2022, 11:56 am
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Literarisch war erneut James Sallis mit seinem Roman „Sarah Jane“ ein stilsichere Bank:
„James Sallis gelingt es wieder auf rund 200 Seiten ein kleines Universum zu erschaffen. `Er konnte den Peloponnesischen Krieg in einem Satz zusammenfassen´, heißt es an einer Stelle. Das trifft auch auf den Autor zu. Sallis gelingen Lebensabrisse in wenigen Sätzen, selbst bei Figuren, die nur am Randeauftauchen. […] Sallis beherrscht die Kunst der Komprimierung. Zugleich poetisch und treffgenau gibter seinen Lesern Raum, das brennende Unausgesprochene zu füllen und den Text
weiterzuentwickeln. Bloße Ermittlungsarbeit und stereotype Spannungsentwürfe spielen dabei kaum eine Rolle. Spannend ist die Sicht Sarah Janes aufs Leben, auf Möglichkeiten, Verweigerungen, verpasste Chancen und die ewig lauernde Unbehaustheit. Die menschliche Existenz als Monster, das sich selbst verspeist.“ (Aus meiner Rezension für Stefan Heidsieks Crimealley- Blog)

Sehr fein war zudem „Frostmond“, das bei Pendragon erschienene Debüt von Frauke Buchholz über
die Mordserie an indigenen Frauen entlang des kanadischen Highways 16, besser bekannt als „Highway of Tears“.

Frostmond ist ein stilistisch präzise artikuliertes, formal und inhaltlich ausgereiftes Debüt. Die
verschachtelte Erzählweise fordert die Leserschaft; ein Abgleiten in die Untiefen des herkömmlichen
Serial-Killer-On-The-Loose-Krimis vom Grabbeltisch vermeidet Frostmond gekonnt.
“ (Kritik auf Krimi-
Couch.de)

Weitere Favoriten sind die Autobiographie Mark Lanegans, der ziemlich schonungslos und nachtschwarz mit sich und seinen Kollegen und Freunden abrechnet, John Mairs „früher
existenzialistischer Roman“ (Eva König) „Es gibt keine Wiederkehr“, die erneute Beschäftigung mit
Patricia Highsmiths exzellentem „Das Zittern des Fälschers“, erstmals in der ungekürzten Neuübersetzung,
„Future Sounds – Wie ein paar Krautrocker die Musikwelt revolutionierten“ von
Chrisszoph Dallach, als Würdigung des ursprünglich despektierlich gemeinten Begriffs „Krautrock“
und der dazugehörenden Musik. Passend zur pandemischen Zeit „Das kleine Weltuntergangs-Lesebuch“ aus der Edition Phantasia „Die schwarze Grippe“.

Die Musik des Jahres 2021 gehört in erster Linie Veteran*innen. Tom Jones bewegte sich mit seinem abwechslungsreichen Werk „Surrounded By Time“ meisterlich auf den Spuren Scott Walkers, Pharoah Sanders veröffentlichte mit Floatings Points und dem LSO ein höchst stimmungsvolles „Promises“ vor, ebenso klasse Charles Lloyd & The Marvels mit dem überzeugenden „Tone Poem“. The The bescherten uns „The Comeback Album“ und klangen als wären sie nie weg gewesen, was noch mehr für die Wiederauferstehung ABBAs gilt, die mit „The Voyage“ nicht nur Corona sondern die letzten 40 Jahre vergessen ließen.

Das weiß ganz sicher auch Steven Wilson zu schätzen, dessen „Future Bites“-Album den ein oder anderen Progger arg verschreckte. Recht so. Mit dem Silver Surfer auf nächtlichen Trips durch die Roller-Disco.

Nick Cave & The Bad Seeds präsentierten endlich Part II der „B-Sides & Rarities“ und zelebrierten eine durchweg gelungene Schwarze Messe.

Direkt aus dem Jahr 1975 schließlich stammt das Doppelalbum von CAN, die Aufnahme eines Konzerts in Stuttgart. Eine klanglich fein herausgeputzte hypnotische Reise in die Vergangenheit und wieder zurück.

Aktuell und dennoch die Vergangenheit immer im Blick haben die mexikanischen Rider Negro mit ihrem psychedelisch rockenden „The Echo Of The Desert“. Nicht nur stimmlich sind THE DOORS die prägenden Schatten an der Wand. Ein Wüstenritt vom Feinsten.

Logan Richardsons „Afrofuturism“ ist ein faszinierendes Werk, das gekonnt Modern Jazz, nachtschwarze Elektronik und verfremdeten Blues präsentiert, voller zeit- und gesellschaftskritischer Bezüge. Ähnlich, nur einen Hauch heller und sentimentaler zeigten sich Orlando Le Fleming + Romantic Funk auf „The Unfamiliar“. Fusion von flackernder Intensität, die an die besten Momente Marcus Millers und den späten Miles Davis erinnern.

Neben den bereits erwähnten Alben, (m)eine Top 20 des Jahres, die ich locker mit gleichwertigen Werken erweitern könnte. Trotz (oder wegen) Corona war 2021 produktiv:
Peter Raeburn – The Dry (OST)
Eldovar – A Story Of Darkness & Light
Stefano Panunzi – Beyond The Illusion
Lingua Ignota – Sinner Get Ready
Lucy Kruger & The Lost Boys – Transit (For Women Who Move Furniture Around)
Nubyian Twist – Freedom Fables
The Weather Station – Ignorance
Grandbrothers – Howth
Cult With No Name – Nights in North Sentinel
Angela Dubeau, La Pietà – Immersion
Abba „The Voyage“ (dafür, dass die Zeit stillsteht)
Steven Wilson – The Future Bites
Can – Live in Stuttgart 1975
Meer – Playing House
The Anchoress – The Art Of Losing
The The – The Comeback Album (live)
Robert Fripp – Music for Quiet Moments (Package mit 10 Alben)
Lloyd, Charles & The Marvels – Tone Poem
Floating Points, Pharoah Sanders & The LSO – Promises
Nick Cave & The Bad Seeds – B-Sides & Rarities Part II
Tom Jones – Surrounded By Time

2022 kann kommen. Mit gespannten Wünschen bin ich vorsichtig, das hat 2020 auch nicht hingehauen. Also halte ich es weiter mit Special Agent Dale B. Cooper: „I have no idea where this will lead us, but I have a definite feeling it will be a place both wonderful and strange.“ Immer noch eine hohe Erwartung in einer bizarren Zeit.

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Weiterhin viel Vergnügen mit dem neuen Jahr!
MC



Jahresrückblick 2021 von JOCHEN KÖNIG 1/
1. Januar 2022, 2:19 pm
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2021, das zweite Jahr mit Corona. Man arrangiert sich, geht sorgsam mit Kontakten um und widmet sich vermehrt all den kulturellen Errungenschaften, die man daheim genießen kann. Konzerte sind komplett ausgefallen oder verschoben worden nach 2022. Immerhin gab es eine Ballettaufführung, und die war fantastisch: Das portugiesische Quorum-Ballett tanzte faszinierend zu Jorge Silvas perkussiven, elektronischen Klängen sowie Igor Stravinskys „The Rite Of Spring“. „Made In China“ verband gekonnt Klassik und Moderne. In Coesfeld.

Derweil fermentierten sich draußen Realitätsagnostiker und „Vorsorgenegierer“ (Eric Cartman) zu einer krakeelenden Masse, in der nahezu unterschiedslos verpeilte Späthippies, besorgte Wutbürger, durchgeknallte Reichsbürger, egozentrierte Freiheitskämpfer und stramme Faschos um Deutungshoheit bettelten. Die Hölle sind diesmal tatsächlich die anderen, die viel zu viel Aufmerksamkeit und mediale Präsenz bekamen. Von mit jetzt schon wieder. Also Schluss damit.

Lieber ab ins Kino, das in der zweiten Jahreshälfte wieder an Präsenz gewann. Abstände konnten halbwegs eingehalten werden, im letzten Viertel war 2G die Regel. Highlight des Jahres war „The Father“ mit einem fabulösen Anthony Hopkins, der ebenso guten Olivia Colman und der sehr geschätzten Imogen Poots. Ein Demenz-Drama aus konsequenter Krankensicht, funktionierte als ergreifende Charakterstudie wie als komplexer Thriller. Keine jämmerliche Schmonzette mit Honig im Kopf, sondern ein Höhepunkt eines schwierigen Kinojahrs.

„Dune“ war ein Film fürs Kino, der zu gleichen Teilen gefiel wie nervte. Bilder und schauspielerische Leistungen waren ein Fall für die große Leinwand, die Story nervte im Erlösermodus wie eh und je und litt – unverdient – darunter, dass edine menge Filme wie „Star Wars“ oder Serien wie „Game Of Thrones“ bei „Dune“ gelernt haben. Ein störender Nervfaktor war die ständige Hans Zimmer-Musikberieselung, die selbst eine schlichte Umzugsaktion zum majestätischen Akt hochstilisierte. Nicht ganz so toll auch, dass die schnell geschnittenen Kampfszenen in dem ansonsten langsamen Film offensichtlich auf ein jugendliches Publikum ausgerichtet waren.

Hans Zimmer versorgte auch den lang hinausgeschobenen „Keine Zeit zu sterben“, den letzten Film mit Daniel Craig im James Bond-Modus, mit Musik, fällt hier aber nicht unangenehm auf. So richtig gelungen ist das viel zu lange Werk aber nicht. Wer 007, zumindest partiell, als Jammerlappen erleben möchte, dazu mit Remy Malek einen viel zu geschwätzigen Bösewicht, der ist hier richtig. Reichte in Deutschland für den erfolgreichsten Film des Jahres. Weltweit sieht es eher mau aus. Besser als „Spectre“, was nicht schwer ist, aber zerfasert und inkonsequent. Die weibliche 007-Nachfolgerin bleibt eine bloße Behauptung, am Ende muss der „wahre“ Bond wie üblich die Welt retten. Mit Stoffhäschen im Hosenbund. Was der Figur den Rest gibt.

Lohnend vor allem wegen des Kurzeinsatzes der wunderbaren Ana Des Armas (die schon in „Knives Out“ hervorragend mit Daniel Craig harmonierte, die dem Agenten mit Schwung, Eleganz und Witz zeigt, wie’s geht.

James Bond hat als konservative Ikone der Popkultur seine Berechtigung, ein Relikt ist er seit Jahrzehnten, da braucht es keinen sorgenzerfurchten Craig, um das zu belegen. Gebrochene Antihelden gibt es an jeder Straßenecke, von Jason Bourne bis Batman, das Bond-Franchise hätte besser auf schwarzen Humor und 007s Qualitäten als Stehaufmännchen setzen sollen. So bleibt mit „Casino Royale“ ein starker Ersteinsatz und der Wunsch, dass es beim irgendwann kommenden Reboot wieder bergauf geht mit dem Schüttelfaktor.

Richtige Höhepunkte gab es mit Filmen, die kaum oder gar nicht im Kino liefen. Wie dem düsteren, stimmungsreichen Okkult-Kammerspiel „A Dark Song“ aus Wales, der zwischen „Mandy“ und den „Muppets“ pendelnden Horrorgroteske Willy’s Wonderland“, in der der stoische und schlagkräftige Nicolas Cage kein einziges Wort spricht, aber immer auf die Einhaltung der Arbeitspausen achtet.

Ganz anders geartet die australische Studie in Traurigkeit, „The Dry“. Ein düsterer Country-Noir, in der die Vergangenheit mit der Gegenwart kollidiert und eine starke Geschichte um kleine und große Lügen, tödliche Verstrickungen und Vergebung erzählt. Visuell exzellent umgesetzt, stark besetzt, allen voran brilliert Eric Bana, der Verletzlichkeit und Schuldgefühle ganz fabelhaft hinter scheinbarem Stoizismus verbergen kann. Dazu ein hervorragender Soundtrack, gekrönt von einer herzerweichenden Interpretation des THE CHURCH Klassikers „Under The Milky Way“.

Gefallen hat auch der klaustrophobische Kriegsfilm „The Outpost“, der angesichts des überstürzten Abzugs internationaler Truppen aus Afghanistan, einen noch bittereren Nachgeschmack bekommt, als dieser Kampf auf verlorenem Posten eh schon besitzt.

In der Warteschleife stecken noch „Titane“, Brandon Cronenbergs „Possessor“, „The Censor“, „The House Of Gucci“, „Free Guy“ und einige andere verpasste Werke. Besonderes Schmankerl: Die 4K-Version von David Lynchs „Mulholland Drive“ auf dem Gabentisch.

Seriell sorgten nicht nur aktuelle Produktionen für Freude. Endlich „Justified“ komplett angesehen. Begeistert gewesen. Lakonisch, witzig, herzzerreißend traurig, voll cooler Action und Dialogen zum Eintätowieren. Dazu ein extrem stimmiger Cast ohne Schwachstellen. Ganz vorne natürlich Timothy Olyphant und Walton Goggins, als die berüchtigte Medaille mit den zwei Seiten. Und wieder einmal Kaitlyn Dever, die weit vor „Unbelievable“ klargestellt hat, dass sie eine der besten Jungdarstellerinnen derzeit ist.

Ebenfalls punkten konnte „Southland“, die Cop-Serie, die bei ähnlicher Erzählweise immer etwas im Schatten von „The Shield“ und „The Wire“ stand. Zu Unrecht, denn die Geschichten um Streifencops, Detectives, Gangs und individuell produzierte Alltagsgewalt können auf ganzer Linie überzeugen. Politische und persönliche Implikationen inklusive.

Die erschlagende Vielfalt aktueller Serienschöpfungen führt fast zu Buridans Eselsdilemma. Verhungern zischen zu vielen Heuhaufen. Von denen allerdings bei weitem nicht alle schmackhaft sind.

Gemundet haben aber „Falcon and the Winter Soldier“, gediegene Action mit Witz und etlichen Camp-Momenten, unterhaltsamer als einige Marvel-Kinofilme. Was, wenn auch bei gänzlich anderer Herangehensweise, für „Wandavision“ und „Loki“ gilt. Zum Jahresende bekommt endlich „Hawkeye“ aka der „Ronin“ seinen verdienten Fernsehauftritt. Und Jeremy Renner mit Halee Steinfeld eine würdige Partnerin/Nachfolgerin. Das Äquivalent zu Scarlett Johannsens Florence Pugh. Geschick bei der Besetzung beweist das MCU eindeutig.

Gefallen hat ebenfalls „There Is Only Murder In The Building“, das artifizielle, melancholische-Whodunnit von und mit dem verlässlichen Steve Martin. Im Verbund mit dem aufgekratzten Martin Short und der etwas gegen den Strich gebürsteten Selena Gomez, die perfekt mit den Grandseigneurs harmoniert. Charmant und stilbewusst.

Kein Weg vorbei ging an „Squid-Game“, dem Netflix-Mega-Erfolg aus Südkorea. Plakative, brutale Sozialsatire, die erstaunlich treffend soziale Dissonanzen und Verhaltensweisen anprangert. Konsequent und mutig, dass der sympathischste Charakter stirbt, während der Gewinner der tödlichen Show nicht Darwins erste Wahl gewesen wäre. Angefüllt mit popkulturellen Verweisen, bis hin zur Pier Paolo Pasolinis „Salo oder die 12o Tage von Sodom“ bietet die Serie spannende, partiell nachdenkliche Unterhaltung.
Neu ist daran allerdings nichts, Nicht nur „Das Millionenspiel“ und „Battle Royal“ haben ein ähnliches Feld bereits Jahrzehnte vorher beackert. Dass Grundschüler die Serie in den Pausen nachspielen, lässt allerdings auf mangelnde Aufsichtspflicht schließen. Denn eine Kindersendung ist „Squid Game“ definitiv nicht. Es gibt Menschen, die ziehen die thematisch ganz ähnlich gelagerte japanische Serie „Alice in Bordertown“ vor. Kann man machen, ich habe es nicht bis zur letzten Folge geschafft. Was nicht an der Qualität liegt, sondern weil mir ein zivilisatorisches Untergangsszenario neben der Realität reicht. Vielleicht irgendwann mal eine Komplettierung. Aber nicht jetzt.

FORTSETZUNG FOLGT
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Zu Meine Top-Krimis 2021 von krimiautorenaz: https://krimiautorena-z.blog/2021/12/31/meine-top-krimis-2021/

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Zwar schon älter, aber für mich immer noch ein Video des Jahres! MC



Alles Gute für 2022
31. Dezember 2021, 9:26 pm
Filed under: Allgemein

… wünsche ich Euch allen da draußen – außer den Bankern, die garantiert aus der Corona-Krise so viel Honig gesaugt haben, um aus 2022 ein weiteres 2008 zu machen. Politik? „Politik ist nur der Spielraum, den die (kapitalistische) Wirtschaft ihr lässt.“

Auch einen Gruß an den Mossad (meinen Lieblingsgeheimdienst, weil am effektivsten), die Kurden (ewig verraten und immer bewundernswert hoffnungsvoll).

Passt auf Euch auf, konsumiert nicht zu viel Scheiße – ich werde es auch versuchen.

P.S.:

Für Karibik-Horst – wo immer Du bist:



KINO, WIE ES KEINER MAG
29. Dezember 2021, 10:44 am
Filed under: Film | Schlagwörter: ,

Er wirkt wie ein liberaler Evangelist, aber er sagt treffende und kluge Analysen.



ERSCHEINT IM FRÜHJAHR
24. Dezember 2021, 3:32 pm
Filed under: Elsinor Verlag, John Buchan, Klassiker des Polit-Thrillers | Schlagwörter: , ,

Sicherlich auch bedingt durch den Erfolg von John Mairs ES GIBT KEINE WIEDERKEHR, werde ich als Herausgeber bei Elsinor weitere, besondere Thriller herausgeben. Im März folgt eine überarbeitete und ergänzte Neuauflage von John Buchans THE POWER HOUSE (der wohl erste „echte moderne“ Spiogageroman – siehe auch unten stehenden Link). Im Herbst erscheint dann als deutsche Erstausgabe Kenneth Fearings Klassiker des Noir-Thrillers, THE BIG CLOCK.

Buchan (1)



TOM CLANCY GNADENLOS GEGEN DEN STRICH GEBÜRSTET

Als russische Soldaten seine Familie als Vergeltung für seine Beteiligung an einer streng geheimen Operation der Navy SEALs töten, verfolgt Sr. Chief John Kelly die Mörder. Er tut sich mit seiner Kollegin Karen Greer und dem CIA-Agenten Robert Ritter zusammen. Hierbei kommt er unbeabsichtigt hinter das Geheimnis einer Verschwörung, die versucht, die USA und Russland in einen Krieg zu verwickeln. Kelly ist zwischen dem Pflichtgefühl, seine Familie zu rächen, und der Loyalität gegenüber seinem Land hin und her gerissen.

Der Film GNADENLOS (WITHOUT REMORSE) basiert auf Clancys Roman von 1993 WITHOUT REMORSE, der den Vietnamkrieg als Hintergrund hat und John Clark als spin-off in das Jack Ryan-Universum einführt. Das zehn Jahre alte Drehbuch war von Shawn Ryan (THE SHIELD) geschrieben worden und wurde von Taylor Sheridan (WIND RIVER, YELLOWSTONE) überarbeitet.

Tom Clancy hätte wahrscheinlich einen Infarkt bekommen, hätte er diese düstere Interpretation seines Werkes noch erlebt! Denn vom Superpatriotismus seiner Bücher – Trump wäre sicherlich Clancy-Fan, wären die Romane nicht zu anspruchsvoll für ihn – bleibt in diesem düsteren Film nicht viel übrig.

Ich lasse mich sogar zu der kühnen Bemerkung hinreißen: Clancy goes noir!

Der Film kommentiert die zunehmende Spannungserhitzung der USA/des Westens und Russlands. Um die innerlich gespaltenen US-Staaten wieder zu einen, bedarf es wieder eines großen, mächtigen Feindes, denn „nicht die Militärs haben den 2. Weltkrieg oder den kalten Krieg gewonnen, sondern die Ökonomen. Der beste Feind, den wir je hatten, war die Sowjetunion. Mehr Panzer, mehr Waffen – das hat die Ökonomie stark gemacht und uns wohlhabend“, so Guy Pearce als Secretary Clay.

Dafür müssen dann auch eigene Delta Force-Soldaten, CIA-Agenten und ihre Angehörigen über die Klinge springen. Denn im Film provozieren die Mächtigen der USA nicht mit der Einkreisungspolitik der NATO die Russen, sondern durch getürkte Kommando-Unternehmen, die in beiden Ländern breite Blutspuren hinterlassen.

Atemberaubend glaubwürdig gefilmt durch Regisseur Stefano Sollima (GOMORRAH) sind besonders die unrealistischen Action-Szenen (die den Großteil des Films einnehmen). Seine bösartige Adaption zeigt beeindruckend den aktuellen zivilisatorischen Zustand der kapitalistischen Machteliten.

Gut, das es noch Filme, Romane oder TV-Serien gibt, die nicht behaupten, was Amerika sein könnte, sondern was es ist.



EIN ROTHAARIGER CHE GUEVARA – SIMON VOM FLUSS

In den frühen 70er Jahren erschien SIMON VOM FLUSS in der Wochenzeitung „Tintin“. Sein Schöpfer, Claude Auclair (1943-90), stand kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag und war noch nicht lange als Comiczeichner tätig. Nichtsdestotrotz entflammte sein Werk DIE BALLADE DES ROTSCHOPFS und dessen literarischer Ausdruck, in dem Auclairs Bewunderung für Jean Giono und dessen LIED DER WELT anklang, schon von Anfang an eine leidenschaftliche Debatte unter den Lesern der Zeitung.
„Als ich die BALLADE DES ROTSCHOPFS zu zeichnen begann, wollte ich Giono meine Anerkennung zollen und dem Geist seines Romans nachspüren, in dem ich mich so sehr wiedergefunden hatte. Ein anonymes Schreiben an den Verlag bezichtigte mich des Plagiats. Ich musste mich an Gionos Verlag Gallimard wenden. Die Antwort war: Ich hätte achttausend Francs für die Rechte zu zahlen und durfte meine Geschichte nicht nach der Erstveröffentlichung nachdrucken.“

Bald folgten CLAN DER ZENTAUREN und DIE SKLAVEN – mit ihnen ein düsterer Ausblick auf die Zukunft und Chroniken der kommenden Zeiten. Eine Comicklassiker, der entschieden ernst und eindringlich von einer postapokalyptischen Welt berichtet, die sich aus den Ruinen einer atomaren Katastrophe erheben muss.

Dieser umfangreiche Sammelband enthält die Alben DIE BALLADE DES ROTSCHOPFS (als deutsche Erstveröffentlichung), DER CLAN DER ZENTAUREN, DIE SKLAVEN sowie ein unveröffentlichtes 36-seitiges Dossier von Patrick Gaumer und ein neues Vorwort von Andreas C. Knigge.

Nach der neunbändigen Ausgabe durch den Carlsen-Verlag in den 1980ern ist dies der erste Band einer kompletten Serienedition in drei Bänden, prachtvoll gestaltet mit Hintergrundsmaterial als großformatiges Hardcover.

SIMON VOM FLUSS 1
GESAMTAUSGABE
von
Claude Auclair

Cross Cult

ISBN: 978-3-96658-532-3
35,00 €
Erscheinungsdatum: 22.11.2021
Sonderformat, HC, 4c, 186 Seiten

Als SIMON VOM FLUSS 1973 erstmals in „Tintin“ auftauchte, war das eine Sensation. DIE BALLADE DES ROTSCHOPFS hätte man eher in „Pilote“ erwartet oder in „Metal Hurlant“ (das aber erst ab 1975 erscheinen würde).
Zeichner und Texter Auclair legte die ersten Grundlagen für einen dystopischen SF-Comic, der zum Klassiker wurde und zu den besten gehört.

Die beiden großen Magazine „Tintin“ und „Spirou“ steckten bereits in den 1960 Jahren in einer Krise und versuchten neue Wege zu gehen, ohne die etablierten Konzepte ganz aufzugeben. Andreas C. Knigge beleuchtet die Situation in seinem Vorwort.

SIMON wurde der bisher radikalste Comic in Folge der 1968er Revolte in einem „Jugendmagazin“ der 9.Kunst.
Auclairs Comic ist voller Anspielungen auf die damalige Zeit des Aufbruchs und seine politische Haltung radikal links:
„Für mich ist Gewalt die logische Reaktion auf Unterdrückung. Sie entsteht durch eine ihr vorhergehende Gewalt, der sich nun mal nichts anderes entgegnen lässt. Obwohl das zutiefst bedauerlich ist, vermag ich doch nicht zu erkennen, dass Gewaltlosigkeit die Lösung ist. In SIMON wollte ich diese Gewaltspirale aufzeigen, indem ich sie so ungeschönt und realistisch wie möglich zeige.“

Seine Action-Szenen scheinen mir stark vom Italo-Western beeinflusst.

Im Eingeständnis der Verzweiflung über die gescheiterte Revolution sucht Auclair stilistisch und inhaltlich neue Wege zu gehen – wie es sein Landsmann Manchette zeitgleich für den Noir-Roman tat.

Für mich eine der besten und wichtigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre. Beklemmend aktuell. „SIMON VOM FLUSS ist seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus. Das reicht von den starken autonomen Frauenfiguren… bis hin zur Unterschiedlichkeit der Protagonisten durch Hautfarbe oder individuelle Lebensform: Fast scheint es, als seien die heutigen Debatten um Identität und Diversität schon längst geführt.“ (Andreas C. Knigge in seinem Vorwort)

Weihnachtsgefühle werden bei der Lektüre allerdings nicht aufkommen.

http://www.claude_auclair.hjschumacher.nl