Martin Compart


Wir trauern um Werner Ost
25. November 2022, 11:10 am
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Werner Ost | © Alexander Paul Englert

Zum Gedenken an Werner Ost: https://faustkultur.de/literatur-portraets/zum-gedenken-an-werner-ost/

für Werner (der neben Ulf Miehe der größte Dylab-Fan war, den ich kennenlernen durfte).



Booknerds – Zehn Jahre – Rückblick von Jochen König
25. November 2022, 10:51 am
Filed under: Jochen König, Rezensionen, Sekundärliteratur | Schlagwörter: , , ,

Eine Dekade Booknerds.de ist eine imponierende Leistung. Obwohl ich vor acht Jahren meinen ersten Text für das Magazin verfasst habe, habe ich die Geburtsstunde(n) intensiv miterlebt. Chris und ich schrieben in der gleichen Redaktion für Musikreviews.de über Jahre Musik-Kritiken. Als Chris sich mit dem Gedanken trug eine Seite zu gründen, die genre- und medienübergreifend nicht nur musikalische Erzeugnisse im Fokus haben sollte, begann ein reger virtueller Austausch, der nächtelang bis zu Chris‘ Umzug nach Berlin andauerte. Dabei war nicht nur Booknerds Thema, sondern ein buntes Spektrum von Betrachtungen über die TeDi-Warenwirtschaftswelt bis zur aktuellen Weltlage.

Szene aus “Borderlands”
Chris schied bei Musikreviews aus und kümmerte sich tatkräftig um sein nerdiges Internetbaby. Die Seite wuchs und gedieh. 2014, als mein erstes Engagement bei der Krimi-Couch endete, begann meine aktive Zeit bei Booknerds. Mit einem Schwenk von der Literaturkritik hin zu Film- und Fernsehschaffen. Die erste Rezension galt am 23.04.2014 der exzellenten Dominique Manotti und ihrem Roman „Ausbruch“. Eine Autorin, die ich jedem Leseinteressierten nur wärmstens ans Herz legen kann. Bereits vier Tage später waren flimmernde Bilder dran. Im wahrsten Wortsinn, denn „Borderlands“ war ein Found-Footage-Film, die Wackelkamera gehört zum Pflichtprogramm. „Borderlands“ ist eines besseren Werken des Genres, dessen Reiz sich mir, bis auf wenige Ausnahmen („The Bay“ von Barry Levinson etwa), nie richtig erschlossen hat. Schon das „Blair Witch Project“ nervte durch hysterisches Gezappel, statt Angst und Grauen zu erzeugen. Die Marketingstrategie zum Film war indes genial.

So summierten sich Buch- und Filmbesprechungen, mit der wunderbaren Fanney Kristjáns Snjólaugardóttir (aka Kjass), die mir ihr Album aus Island zuschickte, kam 2022 die erste Musikbesprechung hinzu. Gäbe es mehr von, wenn ich nicht, im Gegensatz zu Chris, noch für Musikreviews.de tätig wäre.

Über die Jahre kamen wir mit klasse Menschen zumindest virtuell in Kontakt. Sei es Frau Winhart von Koch Media (mittlerweile Plaion Pictures), die Herrschaften bei Voll:kontakt, die engagierten Macher von Turbine Medien, Camera Obscura, Rapid Eye Movies und etliche mehr. Da sitzt auch schon mal die Versorgung mit fantastischen Mediabooks drin. Toll ist die Zusammenarbeit mit Heike Glück von Glücksstern, die mir über die letzten acht Jahre großartiges (Fernseh)-Material zukommen ließ (und super Urlaubstipps bereithielt). So durften wir Endeavour Morse, seinen kanadischen Kollegen Murdoch, Grantchester, Brokenwood, die Private Eyes aus Toronto und vieles mehr kennenlernen. Der junge Inspector Morse hat mittlerweile ebenso viele Staffeln auf dem Buckel wie ich Jahre bei Booknerds. Insgesamt muss man feststellen, dass die Bereitstellung von Medien aller Art hervorragend klappte und klappt.

Meine erste Leipziger Buchmesse fand mit einer Booknerds-Akkreditierung statt. Ein Event, der viel Spaß gemacht hat und mir unter anderem die sehr eigene Welt des Cosplays nahebrachte. Inklusive kundiger Erläuterung der lieben Kollegin Bergschneider.

Zehn Jahre sind vorüber, und im Moment sieht es, dank einer Flut kreativer neuer Mitarbeiter und Dominics hervorragender Arbeit als Chef vom Ganzen so aus, als wäre dies nur ein erster Schritt.

Zum Abschluss eine kleine, unvollständige Liste meiner Booknerds-Topps und Flops. Wobei die Flops sehr erträglich waren. Da habe ich woanders Schlimmeres rezensiert.

Die Tops:

Die drei Romane von Willi Achten. Die Themenkreise sind Rache, Coming Of Age und das vertrackte Wesen der sogenannten Heimat. Achten beherrscht sein Metier, schreibt spannend, poetisch und gibt seinen Lesern viel Raum zum Nachdenken.

„Electra Glide In Blue“, „Schlock, das Bananenmonster“, „Ausgelöscht“, „Harte Ziele“, „Lisa und der Teufel“, „Opera“, „Kentucky Fried Movie“ und alle Italo-Western. Liebevoll restaurierte Filmgeschichte, teilweise in tollen Mediabooks mit feinstem Bonusmaterial.

„Thelma“ ist eine visuell atemberaubende Mischung aus Coming Of Age und Horror.

„Mandy“ mit einem der letzten Soundtracks des großartigen Johann Johannsen. Nicolas als rächender Gott in einem psychedelischen Universum, dessen Göttin Andrea Riceborough ist. Oder eine überdimensionierte Kettensäge.

Gerald Kersh – „Die Toten schauen zu“ ist eines der traurigsten, erschreckendsten und wichtigsten Bücher, die ich kenne. Kershs fiktionale Verarbeitung des Massakers von Lidice, infolge des tödlichen Attentats 1942 auf Reinhard Heydrich, ist eine Reise ans Ende der Nacht, die lange schmerzhaft nachwirkt.

„Lone Wolf And Cub“: Wenn etwas die Bezeichnung Kult verdient hat, dann diese Filmreihe. Der mürrische Samurai, der mit seinem Sohn in einem waffenbestückten Kinderwagen durch Japan zieht, ist einer der coolsten Filmfiguren ever. Die perfekte Umsetzung einer legendären Graphic Novel. Traumhaftes Bewegungskino.

Das sind nur ein paar der vielen Highlights, die ich in den letzten acht Jahren besprechen durfte. Es gibt noch weit mehr zu entdecken…

Die Flops:

Louise Welsh – „Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar“

Louise Welsh hat nicht nur das fantastische „Alphabet der Knochen“ geschrieben, einen atmosphärischen, klugen, mehrbödigen Thriller mit feinen King Crimson-Verweisen, sondern leider auch diese Gurke. Ein hysterisches Hipster Horrörchen mit unglaubwürdigem Berlin-Setting und holpriger Übersetzung. „Alphabet der Knochen“ bleibt eine dicke Empfehlung (wie auch Welshs weitere Bücher).

Dario Argentos „Dracula“

Noch so ein Vertreter, der mich todtraurig macht. Der Regisseur, der unvergessliche Filmerlebnisse schuf (nicht im negativen Sinne), macht aus Dracula eine Bühnenshow, die Peter Steiners Theaterstadl näher ist als Hammer Horror. Mit CGI-Effekten, die Asylum-Niveau solide erscheinen lassen. Immerhin mit einem kauzigen Rutger Hauer-Kurzauftritt. Lieber noch einmal „Stendhal Syndrome“ gucken, oder einen der Siebziger-Jahre-Klassiker.

„Robocroc“ – Das Syfy-Channel Gebräu ist purer Schrott. Was die Titelfigur angeht, sogar im Wortsinn. Corin Nemec, ehemals bekannt als „Parker Lewis, der Coole von der Schule“, agiert nicht cool, sondern im gelangweilten Autopilot-Modus. Dia- und Monologe sind allerdings zum Niederknien: “Sollten Sie dieses Stück Haut, das Staatseigentum ist, und das Sie sich widerrechtlich angeeignet haben, jemandem zeigen, dann werden Sie beide nach Artikel 27b der nationalen Sicherheitsbestimmungen strafrechtlich verfolgt”.

Es hielt sich aber in Grenzen mit den Durchfällen. Und kleine Momente der Glückseligkeit ließen sich auch bei den Gurken finden.

Acht von zehn Jahren. Und es bereitet immer noch Spaß für Booknerds zu schreiben. Alles bleibt im Werden. Darauf einen Dujardin.

Jochen König, November 2022

Über uns



THRILLER ÜBER DAS ELEND MIT DEM FINANZKAPITALISMUS
20. November 2022, 1:33 pm
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In der ARTE-Mediathek findet sich aktuell die achtteilige Serie DAS HELSINKI-SYNDROM. Angeregt durch einen politischen Skandal aus den 1990ern thematisiert die Serie einen Vorgang, wie Politik, Justiz in Gemeinschaft mit der Finanzwirtschaft in Finnland (aber selbstverständlich nur da; Parallelen zur weltweiten „Bankenkrise“ zu ziehen wären pure Bosheit und sollten umgehend mit einem Sauna-Besuch mit Jens Spahn geahndet werden) die Bürger ausplünderten.

Schnell und zynisch erzählt und gefilmt, zeigt sie, dass auch in Finnland bessere und originellere TV-Serien produziert werden als beim internationalen Schlusslicht Deutschland.

Eine derartige Prämisse würde sich kein deutscher Redakteur oder Produzent wagen:
DAS HELSINKI-SYNDROM behauptet, dass ein wenig Verteilungsgerechtigkeit im Finanzkapitalismus nur durch klugen Individual-Terrorismus hergestellt werden kann.



JUBILÄUM FÜR DEN „GEILSTEN MANN SEINER ZEIT“ – LASSITERS 50. DEUTSCHE GEBURTSTAG
4. November 2022, 12:20 pm
Filed under: Heftroman, Pulp, Sekundärliteratur, Western | Schlagwörter: , , , ,

Unsere Pulps, beziehungsweise „Dime Novels“, waren und sind (noch größtenteils) die sogenannten „Groschenhefte“ oder Heftromane. Ihr Einfluss auf die deutschsprachige Populärkultur war immens! In den unterschiedlichsten Gestaltungs- und Genre-Formen begleiten sie uns seit dem Kaiserreich.

Zu den größten Kalibern zählt seit nunmehr 50 Jahren der Westernheld Lassiter, der angenehm als Outlaw begann und inzwischen zum Geheimagenten weich gespült wurde (dank der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften).

Lassiter wurde von niemanden geringeren erfunden als von William Todhunter Ballard (1903-98) unter dem Pseudonym „Jack Slater“ (zuvor hatte Ballard 1965 den „Spur Award“ für den besten historischen Western der Western Writers of America erhalten).

Ballard war ein Veteran der Pulps und Paperback Originals. Seine Bill Lennox- , Max Hunter- und Costaine und McCall-Serien erschienen in Deutschland in den 1960er Jahren sogar in der innovativen gelben Reihe des Ullstein Verlages.

Nachdem der Bastei Verlag die deutsche Lizenz erworben hatte, erwarb er auch das Recht die Serie mit Originalausgaben weiterzuführen. Jack Slade dient seitdem als Sammelpseudonym für die deutschen Autoren. Momentan schreiben sechs Autoren für die Slade-Serien. Darunter zählt auch eine Frau, die über die Abenteuer des „härtesten Manns seiner Zeit“ berichtet. Ein ausführliches Interview mit den Autoren ist in dem Jubiläumsband ebenfalls enthalten.

Über den häufig diskutierten Sex bei Lassiter kann man u.a. lesen: „Dabei geht es durchaus detailreich zur Sache – doch das war nicht immer so. In den 1970er und 1980er-Jahren begnügte man sich noch mit Andeutungen und harmlosen Umschreibungen. Ab den 1990ern begann man die Dinge dann immer mehr beim Namen zu nennen. Trotzdem überschritt Lassiter nie die Grenze zur Pornographie! Die Erotik-Komponente spiegelt sich auch in den Cover-Motiven der Hefte wieder… Der Erfolg dieser Einlagen führte 1999 dazu, dass eine weitere Reihe mit Erotik-Western bei Bastei startete…“

Enthalten ist auch der erste Originalroman von W. Todhunter Ballard („Rimfire“ – „Wenn Lassiter kommt“) und ein Nachdruck von Heftroman Nr.1: „Da schlug Lassiter zurück“ eine Origin-Geschichte von Karl Wasser.

Das Hardcover umfasst 152 Seiten mit zusätzlichen 24 Farbseiten auf Kunstdruckpapier.
Der Band ist über den Shop zu erwerben http://www.bastei.de und kostet 18,- Euro.

Ausführliche Informationen zu allen erdenklichen Aspekten der Serie findet man unter:
https://www.pulverrauch.de/lassiter-50-jahre-jubilaeum/

P.S.: In Teilen der Kiffer-Szene war Lassiter in den 1970er Jahren fast so populär wie U-Comix. Oft hörte man das Zitat (nie verifiziert!): „Während Lassiter ihn niederschoss, ließ er den Larry raushängen.“



WER KANN NOIR-SONGS WIE SIE?
21. Oktober 2022, 7:27 pm
Filed under: MUSIK, Taylor Swift | Schlagwörter: ,



WEISE WORTE
21. Oktober 2022, 11:40 am
Filed under: Buchbranche, Weise Worte | Schlagwörter: ,

„Man lernt (beim Lesen) Menschen kennen, ohne sich mit ihnen abgeben zu müssen.“

Ein NDR-Radiohörer
(Mit Dank an Dr.Horror)



du musst alles vergessen, was du einst besessen, amigoho
17. Oktober 2022, 1:20 pm
Filed under: Sternstunden der Verblödung, TRUE DETECTUVE, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,



SPARTIPS DER FREIEN DEPPEN DEUTSCHLANDS (FDP)
15. Oktober 2022, 3:38 pm
Filed under: Ekelige Politiker | Schlagwörter: , ,

„Wenn es im Winter kalt wird. musst Du nicht unbedingt die Wohnung heizen. Setz Dich einfach in Deinen Porsche und stell die Standheizung ein.“

Dein Chris



KÖLNER IDIOTIE

Den Kölner Korrumpels ist ein unnötiges Opernhaus mehr als eine Milliarde wert. Ein etabliertes Festival für demokratische Literatur wurde bisher jährlich mit lächerlichen 25.000 € unterstützt. Nun will man die auch streichen und bei der Crime Cologne der Stecker gezogen werden:
https://www.boersenblatt.net/news/literaturszene/crime-cologne-vor-dem-aus-254439



TÖTET DIE AUSBEUTER – „CRIPPLED JACK“ WEHRT SICH

In der amerikanischen Presse wird CRIPPLED JACK als „revisionistischer Western“ gefeiert.
Das stimmt insofern, dass Boston Teran in seinen zeitgeschichtlichen- und historischen Thrillern immer mit der verlogenen Geschichtsklitterung der USA aufräumt und die Wahrheiten hinter den Lügen aufdeckt. Das moralische Territorium von Amerikas verderbter Seele ist eines seiner Hauptthemen.
Nach der Lektüre wird man erbost 90% aller Hollywood-Western in die Tonne kloppen.

Dieses Buch könnte man auch als eine Art Fortsetzung seiner DEFIANT AMERICANS-SERIE lesen. Nicht nur, was das historische Umfeld betrifft, sondern auch die „coming of age“-Nebenhandlung würde dazu passen.
Aber der amerikanische Horror, den junge Menschen erleiden müssen, durchzieht Boston Terans gesamtes Werk. Seit seinem ersten Roman, GOD IS A BULLET, erzählt er von den Grauen, die eine kapitalistische Gesellschaft ihren Kindern antut.

Wie fast immer serviert Boston Teran einen Knaller als Opener um sich dann weiter zu steigern:

Am Chihuahua-Trail kriecht ein achtjähriger Junge durch die Wildnis von Texas. Er ist gefesselt, teilweise gelähmt und kann sich nur mühsam fortbewegen. Seit zwei Tagen hat er weder gegessen noch getrunken, sich nur langsam vorwärtsgeschleppt. Seine Haut wirft bereits Hitzeblasen. Jedenfalls wird er es nicht mehr lange machen. Er liegt allein da und wartete auf den Tod, in all dieser unbarmherzigen Leere mit nur einem Gedanken: Warum hasst Gott mich so sehr?

An seinem zerrissenen Hemd ist eine Seite aus der Bibel geheftet, auf der mit schöner Handschrift die Bemerkung geschrieben steht: Alles weitere ist Gottes Angelegenheit. Diese schöne Widmung stammt vom Vater des Jungen, der ihn gefesselt und zum Sterben zurückließ, als er mit Frau und Tochter weitergezogen ist. Für den verkrüppelten Sohn hätte Wasser und Nahrung nicht mehr gereicht. Ein klarer Fall für Gott.

Zum Glück für den Knaben kommt Ledru Drum des Weges, genannt „The Coffin Maker“. Er ist auf der Flucht vor einer Bande, die er als „Wolves of the empire“ bezeichnet und die Agenten der Pinkerton Detective Agency sind. „They are an army of paid trash. A posse, militia, a gang that works for the wealthy mine owner, the oil company lord, the industrial robber baron. Their job is to keep the poor and disenfranchised in place. Even though they themselves are of that class.

Das Kind erzählt Drum, dass seine Familie ihn hasste und ihn verstieß, nachdem er sich geweigert hatte, weiterhin als Krüppel betteln zu gehen, müde von den ständigen Schlägen anderer Bettellknaben. Trotz seiner Behinderungen durch eine gelähmte, knorrige rechte Hand und eine Sprachbehinderung ist der Junge intelligent und den Umständen entsprechend gebildet.

Ledru gibt dem Jungen den Namen Matthew und nimmt ihn unter seine Fittiche. Er zeigt ihm, wie man trotz verkrüppelter rechter Hand als Linkshänder überleben kann. Aber er setzt auch seine terroristischen Aktionen gegen die Eisenbahnbarone fort.

Ledru ist eine individualterroristische Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise von 1873, die besonders den Aufbau der Union veränderte:
Sie setzte der Post-Bürgerkriegsgesellschaft der 1870er Jahre mit ihrem optimistischen Bestreben, das Land durch die Eisenbahn zu verbinden und zu einen ein abruptes Ende. Die Banken vergaben massiv Kredite, von denen sie wussten, dass sie Farmer und Kleinunternehmer ruinieren würden, Spekulanten und Aktienhändler ernteten Gewinne mit Versprechen, von denen sie wussten, dass sie sie nicht halten konnten, und es gab keine Ausstiegsstrategie. Eben eine der üblichen zyklisch auftretenden kapitalistischen Krisen zur Manifestation von Oligarchien und Knechtung der Besitzlosen.

Ich will nicht zuviel verraten: Aber es läuft auf die blutigen Konfrontationen zwischen den Räuber-Baronen und den sich formierenden Gewerkschaften hinaus; dabei setzt Teran auch der realen „Mother“ Mary Jones ein literarisches Denkmal.

Boston Teran schildert überzeugend und gleichermaßen die Erfahrungswelten von Männern und Frauen und kontrastiert die psychologischen Selbstinspektionen mit sozialen Reflexionen. Der Roman gibt einmal mehr Anlass zu den Spekulationen, ob sich hinter dem Pseudonym doch eine Frau verbirgt oder ob Boston Teran das Pseudonym mehrerer Autoren – darunter eine Frau – ist.

Die befriedigende Mischung aus historischen Fakten und revolutionären Konzepten wird unter Terans Hand lebendig. Eine Westerngeschichte, aber auch große Literatur, die alle Insignien des Westerns verwendet und die Handlung auf eine höhere Ebene hebt. Höchst attraktiv für literarische Leser, die nach etwas anderem suchen. Boston Teran hat mit CRIPPLED JACK ein weiteres wunderschön geschriebenes und brutal kompromissloses Meisterwerk vorgelegt. Trotz der zeitlichen Distanz liest sich das Buch erschreckend aktuell.

Der 15. Roman von einem den größten lebenden amerikanischen Schriftstellern.

Es gibt wenige zeitgenössische Schriftsteller, die über einen vergleichbar reichen Wortschatz verfügen. Meist drängt sich der Vergleich mit Cormac McCarthy auf (auch wegen ähnlich harter Sujets), aber Teran ist anders und mindestens genauso überzeugend.

Pflichtlektüre für den Schwarzen Block (die im Gegensatz zu dümmlichen Nazis auch „verjudete“ Fremdsprachen beherrschen. „Beherrschen“ – mehr Idiotie geht kaum.