Martin Compart


BOSTON TERANS HEIMATSCHUTZ

The Country I Lived in, 2014

The time is 1955—the birth of rock and roll, the Beat Generation, and social rebellion. It is also the era of covert operations and clandestine governmental actions. War hero John Rawbone Lourdes, grandson of an infamous American outlaw and assassin, and son of a renowned agent for the Bureau of Investigation sets off on an odyssey through Texas and into Mexico, to uncover one of the most foreboding true conspiracies of the time. It is a profound novel of social protest and the violence and treachery committed to crushing it. The Country I Lived In is also a moving personal story about love and loyalty—loyalty to a woman, to one’s friends, to one’s nation, and ultimately to the truth—and how all three may well be in conflict with each other.

Dieser Roman ist, nach THE CREED OF VIOLENCE und GARDENS OF GRIEF, der dritte Band von Bostan Terans Lourdes Serie.
Hauptperson ist der WWII- und Korea-Veteran John Loudres (seinen Großvater wird Daniel Craig in der Verfilmung von CREED spielen). „Familiäre Figuren“ aus den beiden vorherigen Bänden tauchen in prominenter Rolle auf, etwa William Van oder der unvermeidbare Wodsworth Burr.

Wie bei Boston Teran üblich, wird nicht lange rumgemacht und erwartbares aus tausend bekannten Thrillern erzählt, sondern ein Kickstart hingelegt. In seiner poetischen hard-boiled-Sprache sind die eindringlichen Figuren sofort präsent und unverwechselbar. Die Erzählerstimme ist mitreißend, die Dialoge originell und witzig. Beängstigende Intensität.

Die Handlung wird in einem aberwitzigen Tempo voran geschossen, das selbst für Teran extrem ist. Unglaublich, man hat kaum Zeit, um Luft zu holen. Oder wie Jean Heller in der St.Petersburg Times über GOD IS A BULLET schrieb:
„I was putting it down after every chapter to hunt for Valium. But a little farther and I started having to force myself to put it down to go to work.”

Die Story ist (scheinbar) auf Seite 20 etabliert, und kaum hat John Lourdes die Spur aufgenommen, geht es zur Sache. Erstmal ein kleineres Massaker in Saltillo, Mexiko, damit man auch mal Zeit hat, sich ein Bier zu holen.

Es ist die Zeit des hysterischen Antikommunismus, seit langem geschürt von John Foster Dulles nach außen und im Inneren beängstigend ausgelebt durch die Schauprozesse seines Heloten McCarthy. Die USA haben kaum den fast verlorenen Korea-Krieg verdaut, aber im Iran und in Guatemala die Interessen ihrer Oligarchie mit Hilfe der CIA durchgeputscht. Edgar Hoover bestreitet nach wie vor die Existenz der Mafia. Nachdem Johns Bruder Allen Dulles 1953 Chef der CIA geworden war, verstärkte er den politischen Einfluss des Dienstes und begann umgehend mit schmutzigen Jobs im Interesse der Wirtschaft. Sein Credo: Alles wird wahr, wenn man nur lange genug lügt.

Antikommunismus war der Begriff, bei dem die ganze westliche Welt auf Kommando zu sabbern begann. Wie heute bei der Heilsbotschaft Antiterrorismus.

Und der Rock´n Roll droht bereits in den Jukeboxen, um schweren Schaden unter Jugendlichen anzurichten.

Während aus den Fernsehern die Propaganda-Verblödung dröhnt, entwickeln sich im Süden der Staaten erste Bürgerrechtsbewegungen, und die Beat-Literaten sind on the road, um zusammen mit dem Rock’n Roll die Grundlagen für die Gegenkultur der 1960er Jahre zu legen.

Ganz klar eine Bedrohung für das faschistoide Amerika, das hinter jedem Kerouac-Buch und jeder Elvis-Scheibe eine kommunistische Verschwörung erkennt. Um die „Sicherheit“ des Landes und der Ölindustrie zu garantieren, ist Geheimdiensten und Militär jedes Mittel recht: das Stürzen demokratischer Regierungen im Ausland und das Ausschalten von Dissidenten in der Heimat.

Wer den Mächtigen in die Quere kam, dem erging es ähnlich wie wir es seit 9/11 kennen.
Wieder zeigt Boston Teran, dass Vergangenheit nie zu Ende ist.

THE COUNTRY I LIVED IN funktioniert wie ein Mike Hammer-Roman:
Ein Army-Buddy wurde umgelegt, und Mike sucht die Killer und Strippenzieher, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuhenkern.

Nur ist Boston Teran eben nicht Mickey Spillane!

Bei ihm läuft das anders ab.

Der Veteran Lourdes ist unsicher geworden und will – wie ein früher Easy Rider – Amerika suchen, denn „something was missing from his life, something of purpose and destiny, to take away the quiet sadness that kept to itself inside him.“
Er kauft einen Packard und fährt los, um “hit out on the road…[like] Huck on the river, Parkman on the Oregon Trail, Brando burning up miles of asphalt in The Wild Ones.“. Trotz seiner illusionslosen Einstellung gegenüber der Welt und sich selbst, hat John nach wie vor verdeckte Ideale.

Da erreicht ihn der Hilferuf eines alten Kriegskameraden. Also fährt er zu ihm nach Laredo („A town of limited excitement, to say the least.”).

Er kommt zu spät. Sein Freund wurde gefoltert und ermordet und alles als kompromittierender Selbstmord inszeniert.

Damit wird sich John nicht abfinden.

Und deshalb gerät er sofort mit CIA-Agenten aneinander:

„Where do you stand on our going into Iran and Guatemala?” said Bushnell.

“As for Iran, I don´t believe in hiring mobsters to overthrow a democratically elected government to do the bidding of the oil companies… And as for Guatemala. I can´t envision Abraham Lincoln making a case to fight to the death for the United Fruit Company (heute Chiquita). We didn´t serve ourselves well in Guatemala.”

“That´s a little red, isn´t it?” said Bushnell…

“I know guys like you… Brown versus the Board of Education is fine as long as they keep it in Biloxi and not in Boston.No Jews either in the state department. Or anyone who coted for Stevenson. You talk war, but will never do a day on the front line. You drape yourself in the flag, but you prefer to let the poverty row boys get buried in one.”

“You could toss your military record at me. But Mueller had one too…Would loyalty to your country supercede loyalty to a friend?”

“I could be loyal to both. But one might in the wrong. I´d deal with that as the situation presents itself.”

“Would loyalty to a friend supercede loyalty to the truth?”

“I´ll let you know when I get a glimpse of the truth.”

“Would loyalty to a friend supercede loyalty to the security of your country?”

“You´ve left out loyalty to one´s faith and family in all this. We are finished.”

“Besides the charge of possession of narcotics-“

“Suspicion or possession.” John corrected him. “Possession of marijuana turned Robert Mitchum into a bona fide movie star. You wouldn´t want that happen to me,”

“We could open a truckload of investigations into your life-“

Dann bohrt sich das Geschehen tief ins Innere von Mexiko, wo die Amerikaner Strukturen etablieren, die noch heute funktionieren.

„Oh, don´t do that!“

Als Lourdes auf einem Güterzug nach Mexiko City trampt, trifft er Guatemalteken auf ihrem Weg in den Norden: „…who told the story of how outside intervention on behalf of the United Fruit Company had subdued or run off all political opposition to their control of the government. Now these men were undertaking the journey to El Norte. An American company had driven them out of their homeland and ultimately to the shores of the United States.”

Teran brilliert mit seiner Kenntnis und dem tiefen Verständnis für das Land. Wo erfährt man sonst ganz nebenbei etwas über die Kultur des Panos?

Dieses Bild von Mexiko in den 1950ern ist manchmal hochaktuell und selten nostalgisch (wie etwa die Beschreibung der Bounty-Bar, in der sich die Beats so gerne vollaufen ließen. Die Protagonisten besuchen sogar die Wohnung, in der William S.Burroughs betrunken seine Frau erschossen hat. „He got off by the way, as will happen in Mexico. He bribed his way out of any legal consequences.“).

Teran inszeniert ein Katz- und Maus-Spiel mit überraschenden Wendungen durch die Verschwörung bis hin zum zwingend tödlichen Showdown.

Nur jemand, der sein Land wirklich liebt, kann es so hassen. Diese Liebe funktioniert für Boston Teran vor allem als Verpflichtung der Zeit gegenüber der Literatur. Er wird nicht müde, zu zeigen, wie sich jeder Sadistenlümmel auf Patriotismus berufen kann.

In diesem Roman gibt es wieder zwei starke Frauen, wie man sie in der zeitgenössischen Literatur so nur bei Boston Teran findet.

Woher kommen all diese starken Frauen, die sein Werk durchziehen?

„The men I grew up around where thieves, liars and con men. They wasted their lives, mostly. It was an immigrant Italian world where men dominated, but the women were really the strength of the family… They soldiered on while the men were destroying their lives all around them. The women were the carriers of character, They were the ones I looked up to. And my grandmother knew how to use a pistol. She had to.”
Ein Großteil seines Verstandes und seiner Gefühle kommen von dort.

Aber auch eine aktenkundige Ratte wie E.Howard Hunt hat einen cameo-Auftritt. Dessen Verkommenheit hätte Caligula aus dem Fenster kotzen lassen.

Einige Kritiker warfen Teran „stilistische Exzesse“ vor (ähnliches war schon Cormac McCarthy passiert). Und ähnlich wie McCarthy pflegt er sein eigenes linguistisches Konzept. Das stützte sich auf seine Besonderheit, Substantive und Adjektive als Verben zu gebrauchen, was den kraftvollen linearen realistischen Stil unterstützt. Niemand adjektivierte Substantive wie Teran. Dieses wunderbare Stilmittel wird in diesem Roman weniger bis kaum gebraucht. Die ungewöhnliche Anwendung von Verben und Adjektiven poetisiert weiterhin seine Prosa:

…young men all shaved and cologne in their best slacks…

This was another part of the man she was experiencing…

He swung the wheel sweeping lanes when a bus framed up on the passenger side…

“you have an informed but wicked mind, Jordon.”

Teran hat natürlich noch mehr Originalität zu bieten, um THE COUNTRY I LIVED IN nicht zu einem glatten Pageturner verkommen zu lassen, der eine primitive voyeuristische Ästhetik sensationalistisch ausplündert.

Trotzdem ist es stilistisch einer seiner konventionellsten Romane.

Falls so etwas konventionell genannt werden darf:

John und Mia werden vom Anführer einer (chancenlosen) Straßengang bedroht:

Please, thought John, don´t become some swaggering baby-faced warrior. Whatever you´re thinking it won´t settle any argument you have with the world, it won´t even any score. The flaw you guys never get until it´s too late… You can never outsmart your own desperation.

Und dann diese Dialoge! Die besten diesseits von Chandler und McCarthy. Da kann kaum einer der besten TV-Serien-Autoren Hollywoods auch nur im Ansatz mithalten.

Die „Quest“ (Reise, Suche, Odyssee) ist Terans zentrale und wiederkehrende Plotstruktur. Sie ist nicht nur eine simple Abenteuerreise. Diese Suche nach Personen, Erkenntnissen oder Objekten ist tief im Mythologischen verwurzelt. In der griechischen Mythologie wird die eigentliche Quest häufig überlagert durch heroische Taten während der Reise, die den Protagonisten Einsicht zur Veränderung gewinnen lassen. Das hat sich schon früh in der Literatur niedergeschlagen, die die Quest als Reise zur Selbsterkenntnis beschreibt. ODYSSEE oder PARZIFAL als Vorläufer des (bürgerlichen) Bildungsroman. Ein Topos, der in den Werten des Bildungsbürgertums versteinerte und mit Boston Teran seine ursprüngliche Wucht revitalisiert.

Mit seinen historischen Ausflügen gelingt es Boston Teran, die Gegenwart zu erfassen und zu artikulieren. Gerade in Zeiten, in denen die Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Zukunft zusammenbricht.

Auf die Brutalität in seinen Büchern (hier auf GOD IS A BULLET) angesprochen, antwortete der Autor:
The level of violence is acutely accurate for the world these characters inhabit, and it fits with the themes and content of the book. Violence is how some of the characters strive to make the world their own through whatever means necessary.

Weiteres zu Boston Teran unter:
https://martincompart.wordpress.com/2011/06/26/die-dunkle-welt-des-boston-teran-1/
https://martincompart.wordpress.com/2019/08/09/boston-terans-gaerten-des-schmerzes/

zu Cormac McCarthy:
https://martincompart.wordpress.com/2010/12/22/cormac-mccarthys-blood-meridian-des-schweigers-reise-durch-die-holle/

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BOSTON TERANS GÄRTEN DES SCHMERZES

„Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten,
gleichgültig, ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht.“

Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg

GARDENS OF GRIEF (2010) a brilliant, and socially important novel – is less a sequel to THE CREED OF VIOLENCE than an organic evolvement. It follows John Lourdes, an agent with the Bureau of Investigation, who is sent by the U.S. State Department to Constantinople in 1915. The Great War has begun and the British have been defeated at the Dardenelles. In Turkey the government means to see every Christian Armenian exterminated, in what will become the first genocide of World History. John Lourdes clandestine assignment is to help an outlaw priest named Malek get safely across the war-ravaged Ottoman Empire. The priest, hunted by the Turkish government because he is an Armenian, is a hero to his people and a political threat to the Central Powers.

Wie schon mehrfach festgestellt, ist Boston Teran der moderne Meister der epischen Quest. So auch in diesem Polit-Thriller, der auch ein Buch über den Krieg ist.

Mit wenigen Sätzen und prägnanten Dialogen schreibt Teran jede Nebenfigur zu einem lebensechten Charakter.

Die wahnwitzig schnelle Handlungsführung ist völlig organisch in den historischen Kontext integriert, über den der Leser scheinbar nebenbei informiert wird. Ein beeindruckendes Charakteristikum aller historischen Polit-Thriller von Boston Teran. Wer sich nicht für das geschichtliche Umfeld interessiert, kann sich an der Action, den ungewöhnlichen Charakteren oder der Sprache erfreuen.

An Terans Sprache kann ich mich nicht sattfressen! Manchmal scheint auch eine an Chandler erinnernde Diktion durch:

„He was not short of mind, he was short of men.”

We have even less ammunition than we have luck.”

„And as in the west of John Lourdes, the poorer the town, the richer the church.“

Häufig schwingen archaische Töne in den Sätzen, die man ähnlich auch von Cormac McCarthy kennt. Ein bewusstes und effektives Stilmittel, das den Büchern etwas zeitlos Aufrichtiges gibt.

Das Gemälde in einer geschändeten Kirche:

„Time had phantomed the paints, leeching their shine, condemning their glory to everyday dust, get never stealing the artist´s soul“

Mit seinen historischen und zeitgeschichtlichen Thrillern durchdringt Teran die Nebelbänke der herrschenden Geschichtsschreibung, um sich anderen Wahrheiten zu nähern. Terans Texte können einen wahrlich aus dem Zustand tiefster Betrübnis oder arrogantester Gelangweiltheit befreien.

So zynisch es klingen mag: Boston Teran verwandelt (historische) Tatsachen in literarische Ereignisse; das ist wahre Kunst. Und ganz nebenbei eröffnet er einen Zugang zu mehr Geschichtsbewusstsein.

Die Amerikaner sind zwar noch nicht in den Krieg eingetreten, unterstützen aber die Entente. Auch aus eigennützigen Gründen, denn der Weg zur Weltmacht ist spätestens seit dem spanisch-amerikanischen Krieg (1898) beschlossen. Lourdes „had agreed to been part of the larger enterprise known as war”.

Wieder geht es auch um Öl – wie in dem vorherigen Roman THE CREED OF VIOLENCE. Diesmal um die Ölfelder von Baku und Basra, die für die kriegsführenden Mächte im 1.Weltkrieg Bedeutung hatten. Denn mit der maschinellen Kriegsführung begann auch die Bedeutung der fossilen Brennstoffe, wie Teran in seinem Roman verdeutlicht. Öl, das heilige Wasser des Kommenden.

Teran zeigt an diesem wenig thematisierten Völkermord (an ca. 2 Millionen Armeniern) mitten im Krieg die Zeichen der Zerstörung der alten Welt und das Entstehen einer Zeit, in der die Barbarei wissenschaftlich wird und sich ökonomische Interessen krebsartig in sämtliche moralische Entscheidungen einfressen. Die Grundlagen unserer Gegenwart.

Verblüffend sind die Parallelen zu Heute – von den brutalen wirtschaftlichen Interessen bis hin zu den Taktiken und Strategien des Terrorismus. Ein weiterer Beweis dafür, dass gute Polit-Thriller ein scharfes Schwert der Aufklärung sind.

John Lourdes wurde vom FBI für diese Mission ausgewählt, weil er als mexikanischer US-Amerikaner „nicht weiß“ sei. Das müsste Donald Dumb missfallen.

Die Reise beginnt mit einer Schiffsfahrt von Konstantinopel nach Trapezunt. In der Nacht vor der Ankunft treiben nackte Leichen in den Wellen. „…is what the government defines as deportation.

Lourdes deutscher Gegenspieler Richtmeister Franke führt eine Truppe brutaler Mörder an, die von den Jungtürken aus den Gefängnissen geholt wurden, um Armenier abzuschlachten.
„It was a commission of the foul and the wretched. Recruits from some dark nightmare with scythes across their shoulders and double headed axes protruding from scabbards. Some carried rifles and scimitars, and clubs fleshed with metal arrowtips. Their clothes bore the filth of the nation and this cast of horribles gave no man his due, nor expected any… However accomplished they were as murderers and torturers and rapists, they left much to be desired as marksmen.” Mit ihnen und ihrer Soldateska sorgen die Türken für eine Landschaft, die mit Angst und Terror vollgesaugt ist, was Teran fühlbar macht.

Ihre Reise, die nach der Befreiung des Priesters und armenischen Märtyrers zur Flucht wird, führt sie auch zu einem geschichtsträchtigen Ort (der auch in John Buchans GREENMANTLE von zentraler Bedeutung ist): „Erzurum had been at the crossroads of violence since was with the Seleucids and Parthians.“

Auch GARDENS ist nichts für schwache Nerven oder Mägen. Folter, Mord, qualvolles Verenden… Teran macht daraus kein angenehm gruseliges Unterhaltungsspektakel. Er sucht nach historischen und zeitlosen Wahrheiten.

Dem Priester Malek hatten die Türken die Füße mit Hufeisen besohlt, um Fluchtversuche zu erschweren. Wie er von den Eisen befreit wird, ist gegen Dialoge so subtil inszeniert, dass die Vorstellungskraft des Lesers Amok läuft.

Mit der Armenierin Alev Temple schuf Boston Teran – natürlich – eine weitere starke weibliche Protagonistin, die sein Werk durchziehen und die man nie vergisst.

Universal hält auch an GARDENS OF GRIEF die Filmrechte.

https://martincompart.wordpress.com/2011/06/26/die-dunkle-welt-des-boston-teran-1/

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Über den Völkermord an den Armeniern gibt es inzwischen eine Anzahl von Büchern – auch in deutscher Sprache. Ich empfehle als weiterführendes Sachbuch

OPERATION NEMESIS
(Kiepenheuer & Witsch, 2005)

von Tucholsky- und Heine-Biograph Rolf Hosfeld.

Natürlich erspart er auch nicht die unrühmliche Rolle der Kurden als Handlanger der Türken.



MIT FEDER UND DRACHEN – Interview mit Günther Butkus von PENDRAGON

Von PENDRAGON als Kleinverlag zu reden, scheint ähnlich falsch wie bei der EDITION TIAMAT. Schließlich existiert PENDRAGON seit Jahrzehnten und hat über 600 Titel herausgegeben. Und nicht nur Kriminalliteratur. So veröffentlichte der Verlag eine 7-bändige Edition des von Jörg Fauser geschätzten Autors Hans Herbst. Und auch der Pionier der bundesrepublikanischen Arbeiterliteratur Max von der Grün wurde mit einer 10-bändigen Werkausgabe gewürdigt.

Aber hier geht es natürlich um die Kriminalliteratur, die der leidenschaftliche Verleger Günther Butkus seit Anfang des neuen Jahrhunderts intensiv ausgebaut hat. Schwerpunkte bilden deutsche Autoren und amerikanische, darunter moderne Klassiker wie James Lee Burke und Robert B.Parker. Wie viele Crime-Afficionados, begeistert auch er sich für Lyrik, was sich vor allem in Gedichtbänden äußert.

Wer ist Günther Butkus?

Geboren 1958, Kind eines Maurers, selber aber überhaupt kein Handwerker, Hauptschule, Mittlere Reife nachgeholt, Erzieherausbildung, Abi nachgeholt, etwas studiert, viel gejobbt, auch in der Zeit, als ich den Verlag aufgebaut habe, den ich 1981 gegründet habe.

Was war die Initialzündung für die Neigung zur Kriminalliteratur?

Mein Vater hat viel Jerry Cotton und Edgar Wallace gelesen. Die Hefte habe ich mir gekrallt und sie verschlungen. Passend dazu gab es im Fernsehen die aus heutiger Sicht etwas kruden Edgar Wallace-Verfilmungen. Aber so wurde meine Neigung für das Verbrechen, für die Spannungsliteratur, geweckt. Aber auch viele Krimi-TV-Serien haben mein Interesse geweckt und meinen Blick geschärft.

Wie kam es zum Verlag und wie entwickelte er sich?

Angefangen hatte es im Frühjahr 1981 und im Oktober 1981 habe ich den Verlag gründet. Ich hatte weder eine Ausbildung gemacht, noch in einer Buchhandlung, einer Auslieferung oder gar in einem Verlag gearbeitet. Es war der berüchtigte Sprung ins kalte Wasser. Und natürlich habe ich Fehler gemacht, musste oftmals wochenlang Akkord in Fabriken jobben, um Rechnung und Schulden zu begleichen, aber ich habe nie darüber nachgedacht aufzuhören, ich wollte es immer schaffen, wollte es immer noch besser machen und daran hat sich seitdem auch nicht geändert. Mein nächstes großes Ziel ist das 40jährige Bestehen des Verlages in 2021 zu feiern!

Probleme und Erfolge?

Erfolge gab es zum Glück immer wieder, sei es der Kriminalroman “Wer das Schweigen bricht” von Mechtild Borrmann, für den die Autoren mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet wurde. Ebenso übrigens D.B. Blettenberg für “Berlin Fidschitown”. Und besonders auch international war “Kolbe” von Andreas Kollender ein großer Erfolg.
Pendragon verlegt aber nur maximal 12 Titel im Jahr, die eine erkennbare Handschrift tragen sollen. Ein roter Faden also und kein Gemischtwarenladen. Nur garantiert Beschränkung per se keinen Erfolg. Es müssen so viele Faktoren zusammenkommen, bis ein Buch erfolgreich wird. Und jeder, der mal an einem Buch mitgearbeitet hat, weiß, wie viel Arbeit, wie viel Zeit, wie viel Herzblut , wie viel Geld in jedem einzelnen Buch steckt. Überhaupt aus den Miesen heraus zu kommen ist ein großes Problem. So sind viele engagierte Verlage finanziell ständig unversorgt, ein ständiger finanzieller Eiertanz, mit ständiger Selbstausbeutung.

Wie stellt sich für Sie der aktuelle Markt da?

Der Markt ist ein Dschungel, in dem es unten, wo sich die meisten Bücher und Autoren tummeln, sehr dunkel ist. Alle streben zum Licht, alle Bücher wollen entdeckt, wollen in die Hand genommen, wollen gelesen werden, aber nur ganz wenigen Büchern gelingt es. Es genügt nicht wirklich, gute Bücher zu verlegen, es genügt auch nicht, alles dafür zu tun, es gibt so viele Hindernisse, so viele Erschwernisse, wenn es klappt, schmeckt der Erfolg süß, wenn es nicht klappt, spricht keiner darüber… Dabei spreche ich hier nur von dem “regulären” Buchmarkt, von der Alten Welt. In der Neuen Welt gibt es Amazon, gibt es Self Publisher, gibt es unzählige, auch sehr erfolgreiche Titel, die nicht über den normalen Buchhandel verkauft werden. Jeder Euro, der in der Neuen Welt ausgegeben wird, fehlt der Alten Welt. Den Buchmarkt gibt es so nicht mehr…

Wie positioniert sich darin Pendragon?

Wir haben uns auf deutschsprachige und US-amerikanische Autoren festgelegt. Vorrangig Krimis, aber auch Romane, wobei das aber keine Unterscheidung ist, die wirklich sinnvoll ist. Ein roter Faden sind, insbesondere bei den deutschen Autoren, die Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte.

Es ist heikel, einen Verleger nach einem aktuellen Lieblingsbuch aus dem eigenen Verlag zu fragen, denn das heißt ja, alle anderen weniger lieb zu haben. Deshalb alternativ die Frage nach einer aktuellen Buchempfehlung aus einem anderen Verlag. Auf welchen Titel haben Sie sich besonders gefreut oder mit Spannung erwartet?

Die Bücher, mit denen ich mich in den letzten Wochen und Monaten beschäftigt habe, sind es, die mir gerade besonders am Herzen liegen, was kein anderes Buch meiner Autoren schlechter macht und doch sind es die gerade die aktuellen Titel, die im Herbst 2019 erscheinen werden. Von Kerstin Ehmer erscheint mit “Die schwarze Fee” der Nachfolger von “Der weiße Affe”. Marina Heib lädt uns mit “Die Stille vor dem Sturm” zu einem Segeltörn ein, bei dem jeder der Teilnehmer weiß, mich kann es als Nächstes erwischen, aber niemand ahnt, wer der oder die Täter sind. Und dann natürlich der großartige James Lee Burke, von dem als deutsche Erstausgabe “Mein Name ist Robicheaux” erscheinen wird.


http://www.pendragon.de/



THE GOLDEN AGE OF MURDER von Martin Edwards
26. Juli 2019, 6:51 am
Filed under: Golden Age, Sekundärliteratur | Schlagwörter: , ,

Als goldenes Zeitalter der Kriminalliteratur bezeichnet man die Zeit zwischen den Weltkriegen, in der der klassische britische Detektivroman seinen Höhepunkt hatte, und sich in den USA die hard-boiled-novel entwickelte. Der Formenreichtum des Genres wird häufig unterschätzt und zumeist wird es lediglich mit dem Rätselkrimi gleichgesetzt.

Martin Edwards ist nicht nur ein glänzender Autor von Kriminalromanen (die häufig Strukturen des klassischen Detektivromans mit der düsteren Weltsicht des Neo-Noirs verknüpfen), sondern auch ein wahrer Afficionado des Genres. Rezensionen, Betrachtungen zur Kriminalliteratur findet man auf seiner amüsanten und informativen Homepage (mit Blog):
http://www.martinedwardsbooks.com/

Er hat sich über die Jahrzehnte einen Namen als einer der führenden Spezialisten für das „Golden Age of Detection“ gemacht, also die Zeit zwischen den Weltkriegen, die man als Hochzeit des klassischen britischen Detektivroman bezeichnet. Als Autor von Fiction und Non-Fiction wurde er häufig ausgezeichnet (das hier besprochene Buch gewann den Edgar der MWA, den Agatha-Award und den Macavity Award). Als einziger Mensch war er sowohl Präsident des Detection Clubs und Chairman des britischen Kriminalschriftstellerverbandes CWA. Seit 2014 ist er Mitherausgeber der Crime Classics-Serie der British Library, die auch alten Hasen neue Blickwinkel auf das Golden Age ermöglicht.

Bei der Dominanz des klassischen Whodunit wird leicht vergessen, wie viele Innovationen in dieser Epoche passierten, wie stilistisch unterschiedlich ihre Autoren arbeiteten und wie originell diese waren.
An Hand des ersten sozialen Netzwerks der Kriminalliteraten, dem Detection Club, erzählt Edwards vieles bisher Unbekanntes über die Epoche und die sie prägenden Figuren. Unbekanntes gilt nicht nur für die Hintergründe wichtiger Werke, sondern auch für ihre Autoren.

Er hat aufwendig und bemerkenswert recherchiert und ist tief in das Privatleben seiner Protagonisten eingedrungen. Er schildert auch die jeweiligen sexuellen und ideologischen Präferenzen und deren Einfluss auf die verschiedenen Werke.

Besonders interessant sind dargestellte wahre Kriminalfälle und welche Geschichten sie inspirierten (Poe war somit der erste Autor, der versuchte, die Hintergründe eines wahren Kriminalfalles aufzuklären: THE MYSTERY OF MARIE ROGET).

Auch feine Beobachtungen zu Sport und Sozialstruktur finden sich in dem Buch. Etwa der Einfluss von Cricket auf die bestimmende Ideologie des „fair play“ mit dem Leser und das daraus resultierende Regelwerk für die Autoren von Detektivromanen (einer der schon früh Regeln aufstellte war A.A.Milne, der geistige Vater von Winnie-the-Pooh und Autor eines einzigen Detektivromans, THE RED HOUSE MYSTERY, 1922, der schon parodistische Elemente über das Genre enthielt).

Wenn heute Serienfiguren ein komplexes Dasein führen und Entwicklungen durchlaufen, ist das ebenfalls einer Innovation des Golden Age zu verdanken: Dorothy L. Sayers war die Erste, die ihren Helden aus der Umklammerung des reinen Funktionsträgers mit der Psychologie einer mathematischen Formel löste und verändernde Erfahrungen durchlaufen ließ.

Selbst die Grundlagen für den Psycho-Thriller wurden damals von Anthony Berkeley Cox (und Marie Bellowc Lowndess und C.S.Forester) gelegt. Ebenso die Perspektiverweiterung vom Ermittler auf den Täter.
Bereits mit seinem überkandidelten (und zu Fehlschlüssen neigenden) „Helden“ Roger Sheringham sabotierte Cox die vom „great Detective“ behauptete Deutungshoheit des Systemrepräsentanten, der sogar noch über den staatlichen Institutionen steht.

Edwards räumt auf mit dem lange Zeit vorherrschenden Urteil, dass die Autoren des Golden Age allesamt mehr oder weniger reaktionär waren. Die Ausführungen über linkes Bewusstsein bei G.K.Chesterton oder das gewerkschaftliche Engagement der Coles ermöglichen andere Perspektiven.

Edwards differenzierte Betrachtung des Golden Age ist eine willkommene Ergänzung zu den bisherigen höchst kritischen Analysen oder apodiktischen Verteidigungen, da sie eine Vielzahl von Aspekten einschließt, die nie gewürdigt wurden.
Leider findet mein zweitliebster Golden-Age-Autor, Philip MacDonald, nur am Rande Erwähnung, da er gebürtiger Amerikaner war.

Das Golden Age mit seiner spielerischen Intelligenz und selbstrefentiellen Formverliebtheit hat nie aufgehört zu existieren – nicht in den 1950ern, wie oft behauptet. Immer wieder bringt der Typus vereinzelte Meisterwerke hervor wie zum Beispiel DIE PYTHAGORAS MORDE, 2003, des argentinischen Mathematikers Guillermo Martinez.

Ein großer Verdienst des Buches ist die Lust, die es weckt, um wieder al zu dieser Lektüre zu greifen. Jahrzehnte habe ich so gut wie keinen Golden Age-Krimi mehr in die Hand genommen. Beim Lesen des Buches entstand nebenbei eine Short-List von Romanen, die ich umgehend wieder- oder erstmals zur Hand nehmen werde.

Zuvor hatte Edwards schon das Kompendium THE STORY OF CLASSIC CRIME IN 100 BOOKS vorgelegt, das mir weniger gefiel. Die Vorgabe von maximal zwei Druckseiten pro besprochenem Buch reduzierte die Analyse häufig ins beliebige. Trotzdem gibt es auch in diesem Buch einiges zu entdecken.

Und falls Ihr das Gegenteil oder die sublimierende Ergänzung zu/von kultivierter Intelligenz sucht, empfehle ich selbstverständlich:



ZUM 75. VON JÖRG FAUSER

Zur Erinnerung nochmal….

 

Lieber Alexander Wewerka,

wir sind wahrlich nicht freundlich auseinander gegangen (und diesen angenehmen Zustand ändere ich auch nicht mit diesen Zeilen), aber angesichts der neuen Peinlichkeit des Diogenes Verlages, muss ich Ihnen meinen Respekt aussprechen.
Diese Light Version einer Gesamtausgabe einer angeblichen Gesamtausgabe wird Ihre Kernertätigkeit nicht ersetzen.

Für Interessierte an Jörg Fauser bleibt Ihre geradezu von ihm besessene Edition drs Lesens- und Studierens wertere.

Mit wenig freundlichen Grüßen,

Martin Compart

 

Der Tequila kommt heute gut
Mit Jörg auf der Piste

Heute gehe ich nicht trinken.
„Ich auch nicht.“
Mann, das war gestern zu hart.
„Ich brauch mal ’ne Pause.“
Mir wird schlecht, wenn ich nur an Bier denke.
„Das war vielleicht auch eine Dreckspisse in dem Laden da.“
Am Savignyplatz?
„Nee. Davor. Wo wir davor waren.“
Engelhardt oder so ähnlich.
„Pisswarm.“
Ekelhaft.
„Dabei lief es. Können in Berlin einfach kein Bier kühlen.“
Und brauen erst recht nicht. Kindl …
„Da muß man dann bis zum Stutti latschen, um ein vernünftiges Warsteiner zu kriegen.“
Weltstadt. Ist doch peinlich. Stell Dir vor, du kriegst Besuch von wichtigen
Biertrinkern.
„Weißt du nicht, wo du mit denen hingehen sollst.“
In München habe ich fast nur Dunkles oder Wein getrunken. Das normale Helle war auch nicht mein Fall.
„Außer in der Blauen Nacht.“
Ha, ha, ha.
„Ha, ha, ha.“
Die Blaue Nacht. Du meine Güte! Wo du dich rumgetrieben hast …
„Kennst du doch selber. Jetzt sag mir nicht, nur vom Vorbeigehen.“
Da war ich höchstens dreimal drin. Ich hatte ganz andere Bummskneipen drauf.“
Weissbierkeller?
„Härte zehn. Mein bißchen Geld hatte ich in den Socken, damit es mir keiner klaut.“
Die Kellner sollen K.O.-Tropfen reingeschüttet haben.
„Wie im Donisl.“
Bei mir nich.
„Nee.“
Bin immer vorher k.o. gegangen.
„Ha, ha, ha.“
Hi, hi, hi.

„Scheiß Sauferei.“
Immer saufen.
„Mir reicht’s erstmal.“
Aber wirklich.
„Ich geh heute mal früh ins Bett. Mal richtig auspennen. Dann ist man wieder richtig fit.“
Caesar hat gesagt, mit dreißig soll man den Wein verlassen.
„Ich fand Caesar nie so toll.“
Was die Erzählerperspektive angeht, ist er ein direkter Vorläufer von Ellery Queen.
„Hi, hi, hi.“
Wo hast du eigentlich diesen scharfen Anzug her?
„Welchen?“
Den du auf der Vertreterkonferenz anhattest. So silbern-blau …
„Aus England.“
Dachte ich mir, daß du sowas hier nicht kriegst. Scharfes Teil.
„Zieh ich gerne an bei Vertragsverhandlungen.“
Glücksbringer?
„Quatsch. Wenn du dich als Autor verkaufst, mußt du wie ein erfolgreicher Geschäftsmann aussehen.“
Verstehe.
„Ich glaub, ich geh nach Hause.“
Die Bleibtreu runter?
„Aber ich geh nich in diesen Scheißladen.“
Bist du verrückt? Im Leben nicht.
Savignyplatz. In diesem Rondell sind wir schon ganz schön rumgeturselt.
Kenne jeden Milimeter Kneipenboden.
„Im Zwiebelfisch ist noch nichts los.“
Um diese Uhrzeit nie.
„Laß uns mal kurz in die Dicke Wirtin gucken.“
Aber nur kurz.
„Ein Wasser. Oder ’ne Cola.“
Um Wasser zu trinken, muß ich nicht in ’ne Kneipe gehen.
„Nehmen wir ein Bier. Aber nur eins.“
Höchstens.
„Die haben auch Guiness.“
Nee. Heute nicht.
„Irgendwie zu muffig. Lieber was Frisches. Was Leichtes.“
Guiness haut immer so rein.
„Aber das Bier bei denen ist auch nicht gerade das Wahre.“
Eines werde ich schon runterkriegen.
„Eben.“
Genau.

„Zwei Guiness.“
Was macht Achim?
„Der spinnt.“
Hat er deine neuen Texte schon …
„Rumgemäkelt. Der eine … du weißt schon …“
Der mit …
„Ja. Ist ihm zu düster. Am Ende des Tunnels muß immer ein Lichtlein brennen.“
Ein was?
„Hoffnung. Ein Hoffnungsschimmer soll glühen.“
Damit er wieder in die ZDF-Hitparade kommt.
„So ungefähr.“
Nicht ganz dicht. Am Ende des Tunnels muß ein Lichtlein brennen.
„Wenn ihn da mal nicht der entgegenkommende D-Zug erwischt.“
Ha, ha, ha.
„Hi, hi, hi.“
Hast du schon die neue Stones gehört?
„Ja! Mehrfach! Wo Jagger das immer herholt …“
Ziemlich harte Texte auf „Undercover“. Böse und metallisch.
„Was mich an Jagger immer wieder fasziniert, ist die Souveränität mit der er sein Material beherrscht.“
Na, die Musik ist auch nicht von Pappe. Das härteste Stones-Album seit langem.
„So schlecht ist Guiness gar nicht.“
Gehaltvoller als das Bier. Ich hab heute auch noch nichts richtiges gegessen.
„Im Guiness ist alles drin, was der Körper so braucht.“
Gehaltvoll.
„Wir können ja gleich noch gegenüber ’ne Wurst essen.“
Mal sehen.
„Eins nehme ich noch. Ist ja noch früh.“
Noch nicht mal dunkel.
„Für mich ist „Undercover“ eine ihrer besten Platten.“
Deswegen verkauft sie sich auch schlechter.
„Wirklich?“
Erfüllt nicht die Erwartungen nach „Tattoo You“. Aber schließlich können sie es sich leisten, auch mal ne Scheibe für Leute wie uns zu machen. Leute die erkennen, wie souverän Jagger mit seinem Material umgeht.
„Souveränität ist die Voraussetzung für Professionalität.“
Eins geht noch. Ganz in Ruhe. Kein Drucktanken.
„Ein gepflegtes Guiness und ein zivilisiertes Gespräch.“
So muß das laufen. Nicht immer dieses reinballern und bis in den Morgen rumziehen und quatschen.
„Die Gespräche waren gut.“
Sind sie immer. Egal wie voll wir sind. Kommt immer was bei raus. Du kannst dir das wenigstens alles merken. Ich vergesse ja das Meiste.
„Gehört zum Job.“
Genau. Ein Schriftsteller muß sich was merken können und einprägen. Alles wird gut.
„Die schlimmsten Sachen habe ich weggelassen.“
Denk ich mir.
„Das war eine wirklich harte Zeit. München ist viel härter als Berlin, wenn du kein Geld hast.“
Das wollen die nur nicht glauben.
„…in ihrer ummauerten Sozial-WG. In München kämen die ganz schön unter die Räder.“
Kannste laut sagen. Da kommen nur die ganz harten Vögel durch.
„Eins geht noch.“
Klar. Ich nehme auch einen Tequilla dazu.
„—“
Mir ist irgendwie komisch im Magen. Aber auf zwei Guiness geht ein Tequilla. Da haut der nicht so rein.
„Das ist richtig. Ich nehme auch einen. Ist das beste für den Magen.“
Ätzt alles weg.
„Medizin. Wie eine Kalaschnikov.“
Noch zwei. Und zwei Tequilla. Den weißen.
„Die haben auch den braunen.“
Ich weiß. Aber mir ist der weiße lieber.
„Härter. Ehrlicher.“
Prost.
„Cheers.“
Der kommt jetzt aber gut.
„Baut auf.“
Mach nochmal zwei.
„Ist ja noch früh.“
Als ob wir nicht mal zwei Tequilla trinken können! Ist doch albern.
„Wir knallen uns ja nicht zu.“
Nee. Heute nicht.
„Cheers.“
Weg damit.
„Der Tequilla kam jetzt aber wirklich gut.“
Aber da brauche ich noch ein Guiness, um den richtig aus dem Rachen zu spülen.
„Ich nehm auch noch eins.“
Noch zwei Guiness und zwei Tequilla. Doppelte.
„Dann gehen wir mal woanders hin.“
Aber nicht in den Zwiebelfisch.
„Unter keinen Umständen.“
Da ist jetzt sowieso noch nichts los.
„Vor Mitternacht braucht man da gar nicht erst hinzugehen.“
Was hälst du vom Olivaer Platz?
„Ein Weinchen im Musikcafé?“
Waren wir ewig nicht. Letzte Woche irgendwann kurz …
„War zu voll. Wenn da zuviel los ist, gehe ich nicht gerne rein.“
Stimmt. Aber jetzt müßte es noch gehen. Oder in den Laden gegenüber …
„Ins Schalander?“
Da finde ich es auch immer ganz gut.
„Dann laß uns erst mal ins Musikcafé gucken auf ein Weinchen und dann rüber.“
Und wenn zuviel los ist, gehen wir gleich ins Schalander.
„Genau.“
Dann noch in diese eine Eckkneipe und über den Stutti nach Hause.
„Der liegt sowieso auf dem Weg.“
Da sind wir dann auch rechtzeitig zu Hause.
„Ist auch noch früh.“
Jetzt gehe ich sowieso noch nicht nach Hause. Ist mir viel zu früh.
„So machen wir es. Ist auch ein schöner Spaziergang.“Aber zum Olivaer nehmen wir ein Taxi.“
„Logisch. Ich hab jetzt keine Lust zwanzig Minuten zu laufen, bis ich was zu trinken kriege.“
Oder wir fegen quer durch und nehmen in jeder Kneipe auf dem Weg einen Drink.
„Hmm.“
Da kommen nicht soviele, was?
„Nichts gescheites.“
Die eine Weinstube …
„Die ist gut. Die haben ein paar schöne Tropfen.“
Aber dann kriege ich das Sauzeug im Musikcafé nicht mehr runter. Obwohl der Wein für so einen Laden geht.
„Lass uns lieber gleich zum Oliver fahren.“
Genau. Sonst wird das auch wieder zu lang. Man muß ja nicht jeden Abend um die Häuser ziehen.
„Ich zahl mal.“
Laß uns aber noch einen Tequilla auf den Weg nehmen. Diesmal braune. Ist mal was anderes.
„Der Tequilla kommt heute gut.“

„Die beiden Damen neben dir sahen aber verdammt gut aus. Schade, daß sie schon weg sind. Hast du mitgekriegt, worüber sie geredet haben?“
Leider. Sahen gut aus, aber die Dialoge waren schauderhaft.
„Keine Souveränität im Umgang mit dem Material.“
Doch, das schon. Aber kein souveränes Material.
„Ha, ha, ha!“
Hi, hi, hi.

„Ach nee! Hallo Herr Fauser. Na, mal wieder beim Saufen?“
Nicht daß ich wüßte.
„Wir saufen nicht, wir sind ernsthafte Trinker.“

Ho, ho! Und wo ist da der Unterschied?
„Den begreift man nicht unter einem gewissen IQ.“
Oder unter einer gewissen Promille.

„Und Ullsteins Krimi-Herausgeber auch wieder dabei …“
Springers einsamster Mann. Der Zerberus vor den Toren zur wahren Literatur des 20. Jahrhunderts.

„Kommen Sie am Samstag auch zur Lesung von …“
Leider nicht. Da bin ich nicht in Berlin.

„Schade. Da verpassen Sie etwas. Er liest so wunderbar …“
Mag sein. Aber leider laut.
„Und lange.“
Hi, hi, hi.
„Ha, ha, ha.“

„Na, dann… Noch einen schönen feuchten Abend die Herren.“
„Hoffnung ist das, was uns am Leben erhält.“
„—“
Was für ein Arschloch.
„Unglaublich.“
Wer hier alles verkehrt. Wo der Pöbel trinkt, sind alle Brunnen vergiftet.
„Ich nehm noch ’n Tequilla.“
Ich nicht.
„Was?“
Ich nehm lieber einen Doppelten.
„Hi, hi, hi.“
Den brauche ich jetzt. Muß mich erstmal von dem Arschloch erholen. Aber sowas passiert, wenn man mit Prominenten säuft.
„Dann sei froh, daß du mit mir trinkst und nicht mit Keith Richards.“
Den würden sie nicht blöde anquatschen. Was ist jetzt eigentlich mit unserem Annual Dinner? Gruppe Oberbaumbrücke.
„Ich weiß ein nettes Lokal.“
Gavin Lyall kommt am Donnerstag. Für den Ehrengast ist also gesorgt. Den anderen sage ich noch Bescheid“
Und Ross?
„Kann wohl nicht kommen.“

Du hattest den letzten Kontakt mit Ross.
„Habe ich dir erzählt, was er mir geschrieben hat, als ich ihm die Präsidentschaft der Gruppe Oberbaumbrücke angeboten hatte?“
Ja. Aber erzähle es nochmal. Ich höre es immer wieder gerne. Aber erst einen Drink auf Ross.
„Hundertprozentig.“
Gib uns nochmal zwei doppelte Tequilla. Weiß.
„—“
Auf Ross Thomas!
„The one and only.“
Den Meister. Erzähl schon.
„Ich habe ihm mitgeteilt, dass wir fünf Mitglieder in der Gruppe Oberbaumbrücke sind und er unser Präsident sein soll …“
Fünf?
„Ungefähr. Proll, Behrens, Miehe, du und ich. Ross antwortete, dass es ihm eine Ehre sei und er die Präsidentschaft einer so einflussreichen Organisation gerne annehme.“
Ha, ha, ha.
„Und er meinte auch, wir sollte ein paar Leute rausschmeißen, um ein wirklich exklusiver Klub zu werden.“
Mann, ist der gut! Seit Chandler schreibt niemand bessere Dialoge.
„Niemand. Irgendwann schreibe ich mal einen Essay über die Krawatten der Charaktere bei Ross Thomas.“
… die Krawatten?
„Noch nicht aufgefallen? Du musst mal darauf achten. Ross beschreibt fast immer die Krawatten seiner Figuren. Und jede ist anders.“
Verdammt! Sollen wir hier noch einen nehmen?
„Laß uns lieber woanders hingehen. Irgendwie öde hier.“
Als das Arschloch kam, ist mein Bier geronnen.
„Hier müssen wir so schnell nicht mehr hin.“
Nee.
„Der Tequilla ist zu warm.“
Aber er kommt gut, heute.

Ich hasse es im Hellen aus der Kneipe zu kommen.
„Da muß man eben durch.“
Nach Hause schleichen, wenn die Graden zur Arbeit marschieren.
Frühstück wäre gut.
„Ins Schwarze Cafe?“
Ich brauch‘ jetzt ein Weißbier.
„Und eine Leberknödelsuppe. Das bringt einen wieder auf Vordermann.“
Ein frisches Weißbier.
„Mir kommt’s Bier zu den Ohren raus. Ich vertrag einfach nichts mehr.“
So ist das eben, wenn man alt wird.“
Ich muß im Verlag anrufen und Frau Schäfer sagen, daß ich heute nicht komme.
„Auf Recherche mit ’nem Autor.“
Wie selbstlos von mir. Und dann sagt Schäfer garantiert: Schönen Gruß an Herrn Fauser.
„Eine tolle Frau.“
Die beste Sekretärin, die man sich vorstellen kann. Absolut loyal. Das Weißbier ist ganz schön fade.
„Ich nehm noch eins.“
Was ist mit dem Vietnamesischen Stehausschank? Hat der schon auf?
„Keine Ahnung. Müßte eigentlich.“
Reiswein. Warmer Reiswein. Der wirkt Wunder. Ich habe mich regelrecht nüchtern gesoffen. Das ist vielleicht eine Scheiße.
„Dagegen kann man ja was unternehmen.“
„Ha, ha, ha.
„Hi, hi, hi.“
Oder dieser Latinoladen. Der hat auch durchgehend auf.
„Margaritas?“
Nicht so früh am Morgen! Was fruchtiges. Vitamine. Die brauchen wir nach der ganzen verdammten Qualmerei und Sauferei.
„Sehr gut.“
Auf dem Weg dahin kommen wir an der Bude mit den besten Hot Dogs vorbei.“
„Du bist ein wirklich eleganter Gourmet.“
Die Hot Dogs sind spitzenmäßig.

Pah, ekelhaft süß, dieser Tequilla Sunrise.
„Das sind die Vitamine.“
Ich scheiß auf Vitamine.
„Sind wichtig.“
Na gut.
„Mach nochmal zwei Tequilla Sunrise.“
Und zwei Tequilla dazu.
„Hi, hi, hi.“
Warum glotzt der so blöd?
„Weil er beschissene fruchtsaftlastige Sunrise mixt, der Penner.“
Die krieg ich nur mit ’nem Tequilla runter.
„Langsam geht’s wieder.“
Sollen die Arschlöcher doch knechten gehen. Für die Kinder und die liebe Hausfrau.
„Die es mit dem Briefträger treibt.“
Ha, ha, ha. Werde ich nie vergessen. In einem Puff von Karibik Horst haben sie dauernd diesen Porno in der Kontaktbar gezeigt.
„Ein Porno mit Niveau, hoffe ich.“
Ganz klar. Ein Porno mit ausgefeiltem Handlungsgerüst, der höchsten Ansprüchen genügte.
„Wie fing der noch an?“
Guten Morgen, ich bin der neue Briefträger. Würden Sie mir wohl einen blasen?
„Hi, hi, hi.“
Die Damen haben nie kapiert, warum ich mich gewälzt habe vor Vergnügen.
„Oder vor Lust. Die dachten, du bist ein ganz Perverser.“
Also, ich pack’s jetzt. Ich kann nicht mehr.
„Ich geh‘ auch nach Hause.“
Aber wirklich.
„Noch ’n Joint und ein bißchen Melville gucken.“
Ich hau mich hin. Ich bin fertig.
„Also … Dann …“
Ruf mich diese Woche ja nicht mehr an.
„Du mich auch nicht. Wann kommt Gavin?“
Donnerstag … Verdammt. Das ist ja morgen. Schöner Mist.
„Bis dahin müssen wir fit sein.“
Mannomannnomann. Man kriegt im Leben nichts geschenkt.
„Aber der Tequilla kam gut.“

(Der Text erschien in einem Band der Fauser-Gesamtausgabe im Alexander Verlag und in Gerd Haffmans empfehlenswerter Anthologie DIE KOMISCHEN DEUTSCHEN ERZÄHLER)

 



MONEYSHOT – ZU SCHARF für Book on Demand (BoD)
12. Juli 2019, 8:27 am
Filed under: Moneyshot, Noir, Porno, Rauschgift, ROMAN | Schlagwörter: , , , ,


http://zerberus-book.de/

Eddie war eine große Nummer im Pornobiz. Inzwischen drücken den Pornostar Schulden. Zu viel Koks hat sein Hirn verbrannt, Viagra bringt sein Talent auch nicht mehr in Arbeitslaune. Eddie befindet sich im freien Fall. Er braucht einen Neustart, vor allem aber Geld. Er weiß auch, wie er daran kommt: einfach Unterweltkönig Schark gegen seine größten Rivalen, die psychopathischen Kremp-Brüder ausspielen. Das Pack massakriert sich gegenseitig und Eddie sammelt die Scheine ein. Superidee. Das Problem? Scharks Killer Samba hat ihn mächtig auf dem Kieker und die Kremps würden ihm am liebsten die Eier abreißen. Zwischen Eddie und der großen Freiheit steht der Moneyshot seines Lebens . . .

Es begann als Hörspiel für den WDR (siehe: https://www.youtube.com/watch?v=E6_VUS4X0w4). Dann wuchs es sich zu einem Roman aus, der jetzt in der zweiten überarbeiteten Auflage erstmals in gedruckter Ausgabe vorliegt.
Wie vorherige ZERBERUS-Titel sollte auch MONEYSHOT bei BoD produziert werden. Doch die lehnten es nach zweiwöchiger Prüfung ab. Kaum vorstellbar, was passieren würde, wenn man bei BoD ein antifaschistisches Werk einreichen würde…
Doch vorstellbar: Wie mir bestätigt wurde, geschah genau dies bei einer geplanten Neuauflage von R.Evolvers NAZI ISLAND.

Hier der kurze mail-Wechsel mit BoD

Sehr geehrter Herr,

vielen Dank für Ihr Interesse, Ihr Buch „Moneyshot“ bei Books on Demand zu veröffentlichen.
Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr eingereichtes Manuskript aufgrund seines Inhaltes den Grundsätzen unseres Unternehmens bzw. unserer Vertriebspartner widerspricht und wir es deshalb nicht in den Handel bringen möchten.
Daher lehnen wir eine Veröffentlichung Ihres Titels in unserem Hause ab.
Wir bitten um Ihr Verständnis

Mit freundlichen Grüßen
Ute Olsson Wollner
Books on Demand GmbH

Ich reagierte natürlich umgehend mit der Präzision einer streuenden Schrotflinte:

Sehr geehrte Frau Olsson Wollner,
Sie hatten meinem Verleger mitgeteilt, dass mein Roman MONEYSHOT den „Grundsätzen ihres Hauses widerspricht“.
Eine interessante Äußerung. Der Roman ist bereits vor Jahren als e-Book erschienen und der WDR hat sogar ein Hörspiel danach produziert (siehe https://www.youtube.com/watch?v=E6_VUS4X0w4 ).
Ich werde nun reumütig zu AMAZON zurückkehren. Immerhin ermöglicht mir Ihre wohlformulierte Absage die Möglichkeit, damit ein wenig für den Titel zu werben und über meinen Blog eine Zensurdiskussion anzuregen.
Gewisse moralische oder ästhetische Maßstäbe erstaunen mich im Jahre 2019 schon sehr. Als hätte es nie Bataille, Henry Miller oder William Burroughs und viele andere gegeben. Was mag da erst auf brave Sittenwächter zukommen, falls das Internet erfunden wird. Da kommt wohl noch einiges an sozial-ethischer Desorientierung auf uns zu.
Aber ich verstehe natürlich, dass in manchen Schrebergärten noch das Bewusstsein des Biedermeier mit einer neuen prüden Geschmackspolizei vorherrscht.
Mit freundlichen Grüßen,
Martin Compart

Und wenn es zum Hanser-Lektor nicht reicht, zum BoD-Zensor dann doch.

Und: Selfpublisher hergehört:

Im Vergleich zu BoD-Produktionen liefert KPD ein 10 cent teureres Soft Touch Cover ohne Aufpreis wie auch eine Vierfachfalz!!
Und man muss auch nicht extra für Zensoren zahlen, da – bei allen Verwerfungen – AMAZON offensichtlich über ein ausgeprägteres Demokratieverständnis verfügt als dieser typisch deutsche angstbeherrschte BoD-Laden, der mit seinen Ängsten Tendenzen unterstützt, die ich nur erahne.

Sie wollen Aufmerksamkeit vermeiden für ihre antidemokratischen Zensurmaßnahmen?
Nicht mit mir.
Über den Kopp-Verlag wird gelästert und hergefallen, während BoD im Heimlichen zensiert. 2019. Ich kann es kaum glauben.

Wollt ihr wirklich in einem Unternehmen publizieren, dass den wilhelminischen Zensurbegriff ins 21. Jahrhundert befördert?
Ich nicht. Und ich brauche auch keine Ideologiekontrolle à la Josef Goebbels.

Wem gehört den BoD? Einem „internarionalem Konsortium“, also dreckigen Heuschrecken, und der Familie Tchibo! Die haben ja schon in den 1960ern ihren Kaffee-Experten zur Ausbeutungserkundung in die dritte Welt geschickt.

INTERVIEW MIT NORMAN MAILER 1955:
Frage: Worin liegt die Aufgabe eines Zensors?
Mailer: Alles zu verzögern, was in der Luft liegt.

Während also die BoD-Zensoren von ihrer eigenen Wichtigkeit schwärmen, erledigte KINDLE innerhalb von 24 Stunden die Produktionsvoraussetzungen für ein ziemlich hartes und zynisches Buch bei dem am Ende des Tunnels kein Lichtlein brennt (nicht mal das, des entgegenkommenden ICEs). MONEYSHOT gehört sicherlich zum zynischsten, das ich geschrieben habe.

ZUSATZMATERIALIEN UNTER:

MONEYSHOT – Zusatzmaterial

CONTRE FRAGT COMPART zu MONEYSHOT

REZENSIONSEXEMPLARE
durch: http://zerberus-book.de/kontakt/

E-Book unter:



DR,HORROR – der letzte Aufklärer – erklärt die Welt
7. Juli 2019, 11:18 am
Filed under: Dr. Horror, Politik & Geschichte, Sternstunden der Verblödung | Schlagwörter:

DAS LETZTE AUFGEBOT DER DEMOKRATIE

Irgendwie, habe ich den Eindruck, schafft sich die Demokratie selbst ab.

Es klinge wie ein schlechter Scherz. In einem Land, in dem ein Mensch im Schnitt 300 Euro im Monat verdiene und Rentner 80 Euro bekämen, in dem seit fünf Jahren Krieg herrsche und zweieinhalb Millionen Menschen ihre Heimat verloren hätten – in so einem Land, lästerte ZEIT-Autorin Alice Bota, setzten viele Wähler auf einen unerfahrenen Komiker.

Aber nicht nur in der Ukraine ist die Politik verrückter als jedes Drehbuch. In den USA greift ein ehemaliger Reality-Star (You’re fired!) nach Mond und Sternen, die er in einer zweiten Amtszeit besetzen will. Wenn es nach Donald Trump geht, dann bleiben die Amis 2024 auf dem Mond oder besser: hinter dem Mond.

Auch in der Bundesrepublik sieht man Andy Scheuer ein Star-Wars-Laserschwert zücken, um den Gordischen Maut-Knoten zu zerschneiden, während seine Kollegin Dorothee Bär weiter auf Flugtaxis wartet, die im Breitband-Entwicklungsland Deutschland so selten sind wie bald die Bienen. Tierwohl-Advokatin Klöckner, Weinkönigin, Mitglied der Mainzer Ranzengarde und Zucker-Queen, kooperiert mit Nestlé. Jens Spahn profiliert sich über unsere Organe.

Die in Brüssel geborene Ursula von der Leyen macht sich vom Acker einer Bundeswehr, die – um einen SPIEGEL-Artikel aus dem Jahr 1962 zu zitieren – wirklich nur noch bedingt abwehrbereit ist – und damit plaudern wir nicht mal ein militärisches Geheimnis aus. „Heute ist der Tag der Trauer“, sagt Frau von der Leyen vor ihrem Abgang. Dr. Franziska Giffey lässt freiwillig ihre Doktorarbeit prüfen. Und die ehemalige Hotelfachfrau Anja Karliczek übt das Wort Bildung zu buchstabieren: B-i-e–l-d-u-n-k.

Inzwischen formiert sich (Ludwig Erhards „formierte Gesellschaft“) das letzte Aufgebot der Demokratie. Die wenigen Jungen in der SPD setzen ihre letzte Hoffnung auf Kevin Kühnert. Laut Wikipedia klagte er sich 2009 an der FU Berlin in ein Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ein, um es dann abzubrechen und in einem Callcenter zu arbeiten. (Aber immer noch besser als die 20 Semester Germanistik-Studium einer ehemaligen Messdienerin aus der Vulkaneifel, Abschlussarbeit: Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman!)

„Ich war schon Klassensprecher, da warst Du noch nicht mal in der CDU.“

Den Vogel aber schießt Jungjurist Philipp Amthor, die „Planierraupe“ aus Ueckermünde, ab, ein unvergessliches Gesicht, „nicht getauft und kein Christ“, aber Talkshow-Pfeiler der CDU, mit dem wahrscheinlich auf dem Pausenhof niemand spielen wollte. So wurde der ewige 26-Jährige, der aussieht wie ein Filialleiter bei Lidl oder ein Anlageberater der Deutschen Bank, schon 2008 Mitglied der Jungen Union und der Christdemokraten und heftete sich an die Fersen von Frau Merkel. Auf Twitter lese ich einen kleinen satirischen Kommentar: Philipp Amthor soll Verteidigungsminister werden. Stelle es mir toll vor, wenn er bei einer Schiffstaufe die Flasche Sekt mit den Worten „Na, du alter Zerstörer“ gegen den Bug schmeißt. Mit dem „Zerstörer“ ist natürlich der YouTuber Rezo gemeint, dem Amthor in einem im Adenauer-Haus von seiner Mentorin Angela Merkel aufgenommenen Antwort-Video gepflegt die Fresse polieren wollte. Aber die Aufnahme hat sich vorsorglich selbst vernichtet, hört man. Selbstbewusstsein und Schneid hat er aber schon, der Jungmann. Die WELT zitiert den Showdown zwischen ihm und Rezo: Das war ein bisschen wie in „Rocky 4“, die Kampfszene, Rocky Balboa gegen Ivan Drago. Sicher sei sich Amthor auch über den Ausgang gewesen: Ich glaube, ich hätte gewonnen.

Der schwarzen Null soll auf Sizilien bereits ein Denkmal errichtet werden.

Bei der AfD will Klimaexpertin Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, die Sonne verklagen, dass sie so heiß auf unsere Sahara scheint. Wahrscheinlich haben irgendwelche Migranten die Sahara-Hitze eingeschleppt wie ein Virus. Und überhaupt: Umweltschutz nur dort, wo es der Heimat dient! Der US-Präsident macht es schließlich vor. Und wenn der Klimawandel doch anthropogen sein sollte so wie der Plastikmüll in den Meeren, findet er, dann seien die Schlitzaugen schuld: Ozeane sind sehr klein. Und es bläst herüber und segelt herüber. Ich meine, wir holen ständig Tausende von Tonnen an Müll von unseren Stränden, der aus Asien kommt Er fließt einfach direkt den Pazifik hinunter.
Er fließt und wir sagen: „Woher kommt das?“

So müssen wir uns um die Demokratie keine Sorgen machen wie damals in der Weimarer Republik. Bei Leuten wie diesen ist sie in besten Händen. Nazis an der Macht, eine braune Diktatur, nein, doch nicht mehr im 21. Jahrhundert. Und wenn schon, dann – bitteschön – grüne Nazis: kackbraun & giftgrün. So was in der Art des seligen Öko-Bauern Baldur Springmann, der Naturverbundenheit, Heimatliebe und Volkstumsbewusstsein postulierte, also ein ganz klein wenig Blut & Boden, aber um den Boden ist es ja eingedenk des Klimawandels und Extrem-Wetters schlecht bestellt.

Eine Reform der Bundeswehr ist unumgänglich!