Martin Compart


DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET – DER FILM

Der Film-& Hörspielverlag PIDAX ist bekanntlich immer für Überraschungen und Neuentdeckungen gut! Diesmal überrascht er mich mit der DVD der Yukio Mishima Verfilmung DER SEEMANN, DER DIE SEE VERRIET (https://martincompart.wordpress.com/2018/04/10/klassiker-des-noir-romans-der-seemann-der-die-see-verriet-von-yukio-mishima/) von 1976. Leider gibt es kein nennenswertes Zusatzmaterial, aber Ton- und /Bildqualität sind exzellent!

Bei uns kam der Film unter dem hirnrissigen Melodram-Titel DER WEG ALLEN FLEISCHES kurz in die Kinos. Regie führte Lewis John Carlino (1932-2020); der dürfte den Noir-Fans vor allem durch sein Drehbuch zu THE MECHANIC (KALTER HAUCH) bekannt sein. Er adaptierte dieses auch zu einem lesenswerten Roman.

Carlino, der auch das Drehbuch schrieb, überführte Mishimas komplexen Roman aus Japan nach England (Darthmouth in Devon ist beeindruckend abgefilmt) und versuchte die vielschichtige Mentalität der Jugendlichen, die in der Vorlage untrennbar in den Auswüchsen der Samurai-Kultur verwurzelt ist, in vulgär-nietzscheanische Vorstellungen zu übertragen. Heraus kam eine Art Psychogramm einer Jugendgang. Im Vergleich dazu wirken die Kinder aus HERR DER FLIEGEN wie brave Pfadfinder.

Herausragend, neben den jugendlichen Darstellern, ist Sarah Miles, die sich souverän auf Sex-Szenen einließ, die für damalige Kino-Normen mutig und ungewöhnlich waren (obwohl die billige Soft-Porno-Welle durch die Filmtheater tobte und harcore porn, zumindest in den USA, den Schmuddelkinos entkommen war).

MEDIENNERD hat sehr schön zusammengefasst, wie der Film auf jemanden wirken kann, der ihn unbelastet von der Lektüre der Romanvorlage sieht:

„Bei diesem Film dachte ich mir, dass ich den unbedingt sehen muss, weil die Zusammenfassung schon so spannend klang und ich wurde nicht enttäuscht. Der Film war richtig spannend und auch stellenweise sehr verstörend in Szenen wenn der Junge seiner Mutter zuschaut wie sie sich selbst befriedigt. Aber am krassesten war die Szene wo die Jugendlichen zusammen die Katze… ich will es hier nicht weit vorweggreifen oder euch zu sehr spoilern, aber ich will so viel sagen: Ich schaue selten bei Filmen weg, weil mich etwas entsetzt. Hier habe ich das getan und das zeigt mir, dass der Film richtig gut umgesetzt war, wenn die Schranke zwischen Film und wirklicher Wahrnehmung schwindet. Ich kann euch also sehr empfehlen hier einmal reinzuschauen, ein einfach nur krasser Film.“ (https://mediennerd.de/der-weg-allen-fleisches/)



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS
30. März 2021, 3:01 pm
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Schon wieder ein Tom Franklin! Die Freude ist groß

Dank der Kernerarbeit von Frank Nowatzkis PULP MASTER bescheren uns die Abstauber von HEYNE HARDCORE nun Tom Franklin im Hardcover.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein: die erste deutsche Übersetzung von Franklin war in der Allgemeinen Reihe von Heyne:

Es illustriert einmal mehr die heutigen Strategien der Großverlage:

1. Wir wurden – wodurch auch immer(Agent?) – auf einen neuen, vielversprechenden Autor aufmerksam.

2. Wir kaufen ihn und präsentieren ihn im Markt.

3. Er verkauft nicht soviel wie Dan Brown ab seinem dritten Buch. Wir sind nicht mehr interessiert.

4. Wir beobachten höhnisch, wie ein Kleinverlag seine weiteren Bücher in einer uninteressanten Nische des deutschen Marktes pflegt. „Naja, für ihn als Kleinverlag wirds ja reichen.“

5. Um den scheint sich sowas wie „Kult“ zu entwickeln. Und wir verkaufen von neuen Autoren immer weniger…

6. „Der kriegt immer mehr Aufmerksamkeit – auch im Buchhandel.“

7. Holen wir ihn zurück. Machen wir daraus ein Hardcover in der doppelten Auflagenhöhe von ungefähr der Auflage, die der Kleinverlag unter die Leute bringen konnte. Sonst hätte er ja keine drei Bücher durchgehalten. Und wenn wir als Großverlag ein paar Dollar mehr bieten, hat der Kleine keine Chance. Außerdem können wir ihm großherzig sagen: Das nützt ja auch Deiner Backlist.

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Das gilt ja nicht nur für Heyne.
Seitdem Controlletis und Marketing in den Großverlagen die Macht übernommen haben, bestimmt die Logistik das Kriegsziel.



DER MANN, DER DIE BUCHBRANCHE (MIT)RUINIERTE

Ein kleiner Drecksspekulant, der schon vor dem Anschluss erkannte, wie man ein Unternehmen aushöhlt, um den Gewinn dem eigenen Konto gutzuschreiben. Ein Lehrmeister für Politiker (als ob die das nötig hätten):

Für solche Typen kommen mir die unsterblichen Worte des Marquis de Sade in den Sinn:
„Es reicht nicht, sie zu töten. Wir müssen auch Möglichkeiten finden. sie über den Tod hinaus zu quälen.“



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS
20. März 2021, 11:47 am
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WAHLKAMPF ´21! PARTEIEN STELLEN SICH VOR. HEUTE: CDU

Die Partei für gepflegte Spießer-Orgien (ohne Kondom, da an katholischen Werten orientiert).

Ein paar Argumente, uns von der CDU zu wählen:

– Niemand hat mehr Steuergelder veruntreut.

– Wir mögen und fördern systemrelevante Gruppen wie Investmentbanker. Von denen kann man noch richtig was lernen!

– Wir haben mehr Lobbyisten in unseren Reihen als selbst die FDP.

– Wir sind bis ins Mark korrupt.

– Unser Schäuble hat dafür gesorgt, dass Deutschland einen sehr guten Ruf bei der Mafia hat (Geldwäsche als Wachstumsmodell).

– Wir halten den Rekord an unfähigen Verkehrsministern in Folge: Ramsauer, Dobrindt, Scheuer (das Tripple! – von anderen Parteien unerreicht).

– Jens Spahn u.a. beweisen unser Organisationstalent (wenn wir den Holocaust organisieren sollten, müssten wir Berater aus Israel verpflichten).

– Mit Julia Klöckner und Ursula von der Leyen beweisen wir täglich, dass auch Frauen unfähig sind (ein wichtiger Beitrag zur Gleichberechtigung).

– Trotz teurerer (und vieler, unglaublich vieler – mit hohen Pensionsansprüchen) Ministerialbeamter beschäftigen wir die meisten Berater mit Einzelverträgen für Millionen von Euro (nicht Lire, hahaha) und beweisen damit, dass begrenzte Arbeitsverträge für Wirtschaftswachstum sorgen.

– Mit uns wird es keine kommunistische Reichensteuer geben, denn wessen Brot wir fressen, dessen Lied wir singen. Aber niemand hat auch vor, eine Mauer zwischen Arm und Reich zu bauen.

– Armut und Hartz4 sind Gott gegeben (der Soze Schröder war nur der Prophet). Als gläubige Christen ist uns dieses Gebot Verpflichtung.

– Wir fördern den deutschen Waffenhandel – auch in Krisengebiete (auch innovativ über wertschöpfenden Zertifikatshandel über Drittländer. Keiner darf zurückbleiben).
Kriege fördern, heißt Flüchtlinge fördern! Ein Wachstumsmarkt der Zukunft, an dem auch Nicht-Parteifreunde partizipieren.

– Umverteilung durch Korruption schafft auch ein Stück weit Chancengleichheit. Ein Beispiel dafür ist doch die Förderung eines hochbegabten Kindes namens Amthor.

– Da die Autoindustrie Tote und – fast besser – kaputte Autos braucht, wird es mit uns NIE ein Tempolimit geben (egal was der Plebs gerne hätte).

– Wir brauchen kein Strafgesetz gegen Wirtschaftsunternehmen (wie in fast allen westlichen Ländern, selbst in den USA), denn der Markt regelt das.

– Wir haben die gerissensten Politiker, auch unter den dümmsten.

– Wir orientieren uns im Umweltschutz an dem Philosophen Andreas Rebers: „Jahrtausende lang hat die Natur uns vor sich her getrieben, jetzt kriegt die dumme Sau mal einen zurück in die Fresse“.

– Bildung ist uns wahnsinnig wichtig, aber sie muss sich natürlich daran orientieren, was die Wirtschaft gerne hätte.

– Wir halten uns an Absprachen mit unseren amerikanischen Freunden im Kampf gegen 3.Welt-Drogen: Illegalität sichert Preise und Elend. Wo käme denn unser Banken- und Konjunkuturprogramm hin, wenn das Sineloa-Kartell keine Geldwäsche über die Deutsche Bank betreiben dürfte? Die gehen doch sofort in die Londoner City, wo zweifelhafte Wechsler nur auf sie warten. Es geht auch um den Standort Frankfurt, dem sich die CDU immer verpflichtet fühlt.

_- Versorgungskriminalität schafft mehr gering bezahlte Arbeitsplätze als Steuereinnahmen für kontrolliert abgegebene Drogen (wie etwa in den Armutsregionen Schweiz und Holland). Naja, vielleicht auch nur Gewinn und Parteienunterstützung. Ist aber egal, so lange es der Gesellschaft zu Gute kommt. Jedenfalls steht auch hier die CDU hinter Ihrer Stammtischkompetenz!

– Zwangsarbeit muss sich wieder lohnen.

– Für Frieden und Freiheit.

– Alles auf Erden ist endlich. Nur das Wachstum nicht. Dafür steht die CDU seit Jahrzehnten erfolgreich und glaubwürdig im politisch-ökonomischen Markt.

– Kultur ist sowas wie subventionierte Oper, keine kritischen Sachbücher oder linke Kriminalromane (das ist Kommunismus, und Kommunismus ist Gotteslästerung).

…vor allem vor der CDU.

– Pädophilie ist nur etwas für Leute, die damit auch verantwortungsbewusst umgehen können (deshalb stehen wir uneingeschränkt hinter dem romantischen Ideal des Zölibats), weshalb wir gnadenlos Kinderschänder mit niedrigem Einkommen jagen.

– Wir begreifen Corona als Chance, indem wir bürokratische Hilfsmittel bereitstellen, die zugesagte Hilfen so kompliziert machen, dass sie unseren Freunden von der Organisierten Kriminalität nutzen und
Kleinunternehmer erst in die Insolvenz und dann in den Selbstmord treiben. Ja, wir gehen das Problem mit der Überbevölkerung dieses unseren Planeten aktiv an!

– Wir garantieren eine Polizei, die noch mit Keilschrift arbeiten muss, aber auch hochqualifizierte Personenschützer für verantwortungsbewusste Systemrelevante.

– Wir respektieren den Adel und seine finanzielle Forderungen an den Steuerzahler. Denn er hat mit seinem feudalen Raubrittertum erst die Voraussetzungen für unseren freien Feudal-Kapitalismus geschaffen. Schon aus historischer Dankbarkeit sollte man die debilen Schmarotzer unterstützen.

– Wir sind die wahren Garanten für eine ungerechte Gesellschaft, die sowohl natürlich wie gottgewollt ist.

– Die Freiheit des Bürgers ist unantastbar. Deshalb soll jeder nach seinem Einkommen glücklich werden.

– Wir beweisen unserer Solidarität mit der 3.Welt durch die kontinuierliche Verarmung weiter Schichten in diesem, unserem Land (da sind wir jetzt schon Marktführer in Europa!). Außerdem verlangen wir die Abschaffung der Sklavenarbeit, um sie – wie in Europa – durch die kostengünstigere Lohnarbeit zu ersetzen.

– Wir werden auch die Luft privatisieren. Atmen zum Nulltarif kann sich eine moderne Exportwirtschaft nicht auf Dauer leisten. Außerdem wird dadurch die Innlandsnachfrage strukturell angeregt.

„Ohne mich würden italienische Unternehmer weitaus weniger in deutsche Immobilien investieren, ihr Armleuchter!“



CORONA-JENS RELATIVIERT AUS GUTEM GRUND KORRUPTION:

„Es ging ja nicht um Milliarden-Aufträge“,
sprach er keck bei der heutigen Pressekonferenz bezüglich der Initiative seiner beiden ehemaligen Parteikollegen zum Maskenkauf. Denn laut CDU-Gesetzentwurf beginnt Korruption erst bei 1,9 Milliarden. Davor sind es lediglich steuerfreie Nebeneinkünfte.

DER STERN über den kecken Buben, der wohl recht geschäftstüchtig ist:

„Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Transparenz über seine Vermögenswerte nicht vergrößern, sondern einschränken. Er stieß sich offenkundig daran, dass im vergangenen Jahr mehrere Medien – auch der stern – über den erstaunlich ausgedehnten Immobilienbesitz des 40 Jahre alten Politikers berichtet hatten.

Spahn gehört erstens eine 171 Quadratmeter große Wohnung in Berlin-Schöneberg, die er 2015 für einen hohen sechsstelligen Betrag gekauft hatte und in der heute FDP-Chef Christian Lindner als Mieter wohnt. Im August 2017 erwarb der Gesundheitsminister zusammen mit seinem Mann zweitens eine weitere Wohnung im gleichen Stadtbezirk mit 194 Quadratmeter Wohnfläche, für einen sehr hohen sechsstelligen Betrag. Der Verkäufer war der Spahn schon länger persönlich bekannte Pharmamanager Markus Guilherme Leyck Dieken, der dann unter der Ägide des CDU-Politikers im Jahr 2019 zum Chef der vom Gesundheitsministerium kontrollierten Gematik GmbH ernannt wurde. Drittens kauften Spahn und sein Ehemann im Juli 2020 eine denkmalgeschützte Villa mit 300 Quadratmetern im Berliner Nobelviertel Dahlem. Zwei Drittel des mehrere Millionen Euro teuren Anwesens gehören jetzt Spahn, sein Mann übernahm ein Drittel.

Jens Spahn versuchte, gegen Berichte mit zu vielen Details vorzugehen
Viele Menschen wunderten sich, wie ein Minister mit 285.000 Euro Jahresgehalt in solch kurzer Zeit genug Eigenkapital für all diese Erwerbungen aufbringen konnte. Der Minister selbst verwies zur Erklärung auf den Wertzuwachs von Immobilien im Berliner Raum ganz allgemein, von dem er profitiert habe – und vor allem versuchte er, gegen Berichte mit allzu vielen Details vor Gericht vorzugehen…

alles unter: https://www.stern.de/politik/deutschland/jens-spahn-will-weniger-transparenz-ueber-sein-vermoegen–der-europ

auch schön: https://www.abgeordnetenwatch.de/blog/lobbyismus/gesundheitspolitiker-spahn-an-lobbyfirma-beteiligt



Stones-Buch + Erinnerungen an Jörg Fauser als Bonustrack



R. EVOLVER ÜBER SUPER PULP
26. Februar 2021, 10:43 am
Filed under: Andreas Winterer, Buchbranche, Cover-Art, Interview, Pulp | Schlagwörter: , , , , ,

Ein Interview mit dem Mastermind von EDITION SUPER PULP.

Du veröffentlichst seit einem Jahr das Magazin im BLITZ-Verlag. Wie kam es eigentlich zu dieser Zusammenarbeit?

Vielleicht vorab ein paar Worte zur Geschichte des Magazins. SUPER PULP war ja anfänglich ein Werbemittel des Wiener EVOLVER-BOOKS-Verlags – wer zwei Titel aus dem Portfolio bestellte, bekam das Magazin (damals noch im Heftformat) gratis dazu. Dereinst fungierte Verlagschef Peter Hiess als Herausgeber und ich produzierte das Heft. Als Peter später den Verlag aus privaten Gründen zusperrte, brachte ich SUPER PULP in Eigenregie heraus.

Im Zuge einer PR-Aktion auf den üblichen Social-Media-Kanälen hat mich dann BLITZ-Chef Jörg Kaegelmann kontaktiert, um mir ein – in Zeiten wie diesen – fast schon „unmoralisches“ Angebot zu machen: Wenn ich das Magazin bei ihm herausbrächte, hätte ich völlige inhaltliche Autonomie. So was lässt man sich als Medienproduzent und Herausgeber nicht zweimal sagen – und jetzt bin ich mit meinem „Kind“ eben bei BLITZ, was dem Format extrem gut tut. In vielen Belangen …

Wie läuft die Zusammenarbeit?

Sehr gut. Wie erwähnt, bin ich der Herr über „meine“ Stoffe, muss mich dafür aber nicht mit kreativitätsfressenden verlegerischen Agenden wie etwa dem Vertrieb der Bücher, dem Verwalten der Belegexemplare oder der Messeorganisation (und und und) herumschlagen. Nur die Aufmachung und Visualisierung des Magazins wird von Jörgs Argusaugen streng überwacht. Aber in diesem Punkt ticken wir sowieso absolut gleich, insofern ist auch hier alles eitel optimal …

Es kommen ja mit schöner (Un)regelmäßigkeit mehrere Ausgaben – auch physisch und nicht „nur“ als eBook – heraus. Wie kriegst Du das hin?

Nun, ganz so unregelmäßig ist es ja nicht. Wir erscheinen – gemäß des üblichen BLITZ-Intervalls – zweimal im Jahr: Im November und im Mai sind die großen Auslieferungstermine zu denen auch die SUPER PULP-Ausgaben (print und elektronisch) herauskommen. In der Regel sechs Nummern pro Jahr, also mindestens drei im Herbst und drei im Frühjahr. Und wie ich das hinkriege? Nun, es ist ein Herzensprojekt, das natürlich Ressourcen in Anspruch nimmt. Aber was würde ich sonst mit meiner freien Zeit, neben der Medienproduktion für ein großes Wiener Schulungsunternehmen, machen? Fußball oder Karten spielen? Das wär nicht mein Ding. Darüber hinaus – und das soll hier nicht unerwähnt bleiben – finde ich große Unterstützung bei meiner Chefredakteurin Julia Götzl, ohne die ich die sechs Titel im Jahr nicht stemmen würde.

R. Evolver

Der Schwerpunkt des Magazins liegt auf Kurzgeschichten. Kommerziell heute leider ein wenig attraktiver Markt. Wie schätzt Du das Medium ein?

Ich fahre hier einen alternativen Kurs. Zunächst ist SUPER PULP ja keine Anthologie im herkömmlichen, sondern ein Pulp-Magazin im klassischen Sinn. Die Geschichten darin folgen also keinem speziellen Themenbogen, sondern orientieren sich an den klassischen Phantastik-Genres Horror, Science Fiction und Noir-Thriller. Es gibt zu jeder Story einen redaktionellen Aufmacher und außerdem einen gesonderten Essay-Teil zu einem Pulp-Thema. Darüber hinaus erscheinen in SUPER PULP Fortsetzungsgeschichten bzw. Stoffe mit wiederkehrenden Prota- und Antagonisten. Das hab ich mir übrigens vom guten alten Springer-ZACK abgeschaut, dass meine späte Kindheit und frühe Jugend geprägt hat. Jedenfalls bindet diese Strategie das Publikum viel stärker ans Format.

Daneben fahre ich noch die sogenannte SUPER PULP MONDO FICTION – diese Sonderausgaben erscheinen im Zuge der regulären Nummerierung und sind abgeschlossene Romane. Jede dritte SUPER PULP-Nummer sollte eine MONDO FICTION sein. Bis jetzt hab ich das Intervall geschafft …

Auch Andreas Winterer gehört zu den Autoren!

Nach welchen Kriterien wählst Du die Kurzgeschichten aus?

Nun, da hab ich zwei Strategien. Einerseits motiviere ich mir bekannte Autoren, die ich schätze, etwas zu entwickeln, einen Handlungsbogen oder Figuren, die immer wieder im SUPER-PULP-Universum auftauchen. Der größere Umfang und die stärkere Präsenz ist meist ein Anreiz für meine Edelfedern, aktiv zu werden. Andererseits bekomme ich viel Material zugeschickt, das ich auf meine Weise filtere. Ich nehme mir stets vor dem Schlafengehen eine dieser Geschichten vor. Wenn ich das Zeug schon nach ein paar Absätzen weglegen möchte, war’s das. Wenn ich aber über die ersten Seiten drüberkomme, wird es interessant. Dann fisch ich mir den Schreiberling und arbeite mit ihm das Material ein bisschen durch, gebe Feedback und schaue, wie er oder sie meine Vorschläge verwertet. Wenn da nix kommt, außer selbstverliebtes Schmollen, dann lass ich es. Aber meist ist mein Gegenüber hart im Nehmen und es entwickelt sich schnell eine konstruktive Basis und kreative Dynamik … und hier beginnt dann eben das Abenteuer, auf das ich so stehe.
Was bei mir gar nicht geht, sind Ausschreibungen oder gar ein blöder Wettbewerb, wo ich mich womöglich in die gottgleiche Rolle eines Jurors erhöhen müsste. Diese quantitative Art des Rattenfangs überlasse ich gern den zahlreichen Anthologie-Initiativen. So was interessiert mich nicht.

Ich bin ein Fan der Cover. Einerseits stehen sie in der Tradition der alten Pulps und Paperback Originals, andererseits wirken sie durch den Einfluss von Pop-Art modern und sehr kraftvoll. Wie läuft da der Prozess?

Da gibt es zwei Wege. Im Zuge des ersten öffnen sich mir in regelmäßigen Abständen die Archive namhafter Zeichner, mit denen ich befreundet bin. Ich bin dann in der glücklichen Situation, dass ich mich durch zahlreiche Entwürfe klicken und genau jenen auswählen darf, der perfekt zu einer meiner Geschichten passt. Dieser Entwurf wird dann fürs Cover finalisiert. Alternierend gebe ich Covers bei Künstlern in Auftrag. Was gar nicht mehr geht, sind die üblichen öden Photoshop-Kompositionen, die derzeit mindestens jedes zweite Buchcover zieren. Von diesem billigen Trend möchte ich mich ganz bewusst absetzen, wie überhaupt von jeglichem Mittelmaß. Bei der Gelegenheit: Auch das Pseudo-Extreme geht mir auf den Hintern. Vor allem im Bereich Horror, wo sich – und diese Polemik leiste ich mir – Spätpubertierende, die offenbar zu wenig Therapiestunden oder zu wenig Sex (oder beides) haben, in grindigen Überspanntheiten austoben …

Wie sieht die Infrastruktur des Vertriebs aus. Ich denke, Ihr liefert vor allem direkt an Abonnenten. Oder gibt es auch stationäre Comic- SF-Läden, die das Magazin führen?

In erster Linie laufen die BLITZ-Bücher über Abos oder den Direktvertrieb via BLITZ-Webseite, was in Zeiten wie diesen ja kein schlechtes Konzept für einen kleinen Verlag ist, weil er dadurch von den Großen unabhängig ist und gezielt sein eigenes Segment aufbauen kann. Darüber hinaus sind die BLITZ-Bücher als eBooks auf allen gängigen Portalen erhältlich. Der Buchhandel ist hier sicher ein bisschen das Stiefkind. Über die üblichen Grossisten sind die Titel jedenfalls nicht lieferbar. Aber ich kenne einige Händler, die direkt bei BLITZ bestellen. Kurz und gut: Wer uns finden möchte, muss wohl ein bisschen (im Netz) stöbern – eine Suche, die sich auszahlt!

https://www.super-pulp.com/



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS

Von dem epochalen Album JOHNNY HALLYDAY MEETS THE RATTLES.

Und dann noch – von der Jochen König-Qualitätskontrolle bestätigt – eines der coolsten Videos aller Zeiten: