Martin Compart


DER SPION, DER AUS DER WÄRME WOLLTE 2/ by Martin Compart

Im Frühjahr 1968 erschien mit THE GREAT SPY RACE der zweite McAlpine-Roman, und der Hype ging weiter.
Peter Hebdon vom Verlag Michael Joseph hatte inzwischen die Taschenbuchrechte für eine gigantische Summe an Pan Books verkauft.

Diment war zur Medienfigur geworden: Als das LIFE-Magazin einen Artikel über das Swinging London veröffentlichte, wurde Diment besonders herausgestrichen als Prototyp dieser neuen Spezies.

Im Film POPDOWN, in der die hippe Londoner Szene durch die Augen von Aliens dargestellt wird, trat Diment vor die Kinokamera.

Diment war nicht länger nur ein Medienphänomen, er war Pop geworden.

Als Autor war er genauso populär – wenn nicht sogar populärer -, wie seine fiktionale Kreation. Eigentlich wurde er gleichgesetzt mit McAlpine, weshalb sein Konterfei nicht nur in der Werbung verwendet wurde, sondern in verschiedenen Ländern auch auf den Buchumschlägen. Der Schriftsteller Adam Diment war genauso zu einer Kunstfigur geworden wie der Geheimagent McAlpine.

Nur eine Frage der Zeit, dass sich Hollywood für McAlpine interessierte. Die Spionagewelle war dank James Bond auf ihrem cineastischen Höhepunkt.

1968 kaufte United Artists die Filmrechte. Stanley S. Canter (der später u.v.a. auch GREYSTOKE produzierte) und Desmond Elliott gingen eine Koalition ein, um den Film zu produzieren.

Über die Hauptrolle war man sich schnell einig: David Hemmings war dank BLOW UP das Kinogesicht der Swinging Sixties. Und zu diesem Zeitpunkt galt er als heißester Schauspieler Großbritanniens.

McAlpine sollte nach Bond und Harry Palmer (so hieß Len Deightons namenloser Spion in den drei Filmen mit Michael Caine) die nächste große Spy-Serie werden. Diment und Hemmings trafen sich und alles schien gut und problemlos anzulaufen. Auf dem Klappentext des dritten McAlpine, der im November 1968 erschien, verkündete man den Film als „work in progress“ – und so taten es auch die Medien.

Aber bis heute wurde nichts daraus.

Und Schuld daran war wohl der dato größte Kinomarkt der Welt, die USA. Dort galt – trotz BONNIE & CLYDE und der beginnenden Schwangerschaft mit dem New Hollywood – noch immer der Hayes-Code.

United Artist bekam kalte Füße.

Einen kiffenden Geheimagenten auf die Leinwand zu bringen, wäre wohl ein bißchen zu viel gewesen. Zwar stand auch in den USA die kiffende Subkultur in voller Blüte, aber der Widerstand gegen Drogen und Jugendkultur formierte sich rasant. Nicht nur in der Politik, auch die schweigende Mehrheit hatte bereits ihr hässliches Haupt erhoben und brüllte immer lauter.

Canter und Elliott war natürlich sofort klar, dass sie McAlpine in der Kinofassung nicht die Joints wegnehmen konnten. Ohne Shit wäre er gewesen wie Bond ohne Doppelnull. Denn all das, was ihn so erfolgreich am Buchmarkt machte, dass er tief in der jugendlichen Subkultur verwurzelt war, wäre verloren. Mit den Joints hätte er seine gesamte Glaubwürdigkeit verloren. So könnte keine Filmadaption funktionieren.t

Mit dem zweiten Roman schloss Diment nahtlos an den Erfolg des Vorjahres an.

The Great Spy Race picks up very soon after the first book, with McAlpine still an unwilling employee of Quine’s bizarre intelligence outfit but nearing the end — he hopes — of his contract. When he’s sent on what seems rather a routine assignment, he soon finds himself set up to become Quine’s representative in a competition for spies being mounted by an eccentric billionaire. The prize is a piece of intelligence so juicy that the top spy agencies of the world all send participants. Up against such big guns, McAlpine considers himself absurdly outclassed and outgunned, but since it’s his life on the line, he taps into all his skills and cunning to come out on top, or at least make a od show it things.2( https://teleport-city.com/2015/08/24/high-spy-adam-diment/ )

Auch GREAT SPY RACE sprüht vor sexistischem Blödsinn (der ihn beim heutigen political correctness-Faschismus in Schwierigkeiten bringen würde), großartigen Ideen und bösartigen Gesellschaftskommentaren. Und Quine trägt „einen LSD-Halluzinationenschlips“.

Diment bleibt natürlich der Sixties-Ideologie treu, die sich klar von der ekelhaften Mittelschichtsideologie absetzte, die da lautet: Hart arbeiten und ein verblödetes Leben führen.

Außerdem erfährt man zwei Jahre vor Frederick Forsyths DAY OF THE JACKAL, wie man sich unkompliziert einen legalen britischen Reisepass mit falschen Daten und Namen besorgt.

Christopher Othen beurteilt den Roman weniger positiv als ich:On the surface it looked like more of the same, but a sourness had crept into the writing. McAlpine comes across more as a bitter noir detective, cynically observing a corrupt world, than a fun-loving hippy playboy. He doesn’t even like rock music.
The books are full of complaints: about the weather, London, the crumbling empire, older people, younger people, and everything else. The psychedelic touches increasingly seem tacked onto a darker and grimmer narrative. It’s not all misery: the sex scenes are fun and the Diment prose is always capable of a light touch, even if the books seemed written at speed and never revised. But it was clear the author had become disillusioned with his newfound fame.”
(https://christopherothen.wordpress.com/2018/04/18/who-was-adam-diment/ )

Diment genoss den Ruhm nicht mehr in vollen Zügen.
Wie die Beatles und andere Musiker im selben Jahr, zog es ihn nach Asien. Er entfloh der westlichen Verderbtheit und suchte spirituelle Erleuchtung in Indien und Nepal (genaue Informationen sind nicht aufzuspüren), vorzugsweise durch bestes Haschisch.
Dazwischen funktionierte er in Elliotts PR-Maschine und ging u.a. auf die nächste US-Tour.

Diment war bekanntlich ein schneller Schreiber. Also fand er auch noch Zeit, um innerhalb einiger Tage einen dritten McAlpine-Thriller zu verfassen.
Und so erschien im November 1968 THE BANG BANG BIRDS; die deutsche Ausgabe trägt den schönen Titel DIE KNALLVÖGEL!

Für sein neuestes Abenteuer hat der flotte Phil McAlpine gleich zwei Auftraggeber: seine vorgesetzte Dienststelle und einen amerikanischen General, die beide brennend daran interessiert sind, einem auf höchster Ebene tätigen weltweiten Erpresserring das Handwerk zu legen.
Ein Ein-Mann-Job von wahrlich gigantischem Format und mit recht geringen Überlebenschancen. Aber wieder einmal zieht man dem munteren Phil wegen einiger dunklen Punkte in seiner Vergangenheit die Daumenschrauben so kräftig an, daß ihm gar nichts anderes übrig bleibt, als sich ins Getümmel zu stürzen.
Zuerst läßt sich die Sache ganz vergnüglich an: Seine wohltrainierten Fähigkeiten auf dem weiten Gebiet der Liebeskunst verschaffen ihm mühelos Zugang zum Erpresserring, der sich für seine Zwecke eine ganz besondere EiVoliere-Club, in dem Prominenz aus Politik und Wirtschaft attraktive `Vögel´ für mannigfache Dienste – vornehmlich unterhalb der Gürtellinie – zur Verfügung stehen. Doch in der Höhle des Löwen, in der Stockholmer Voliere-Zentrale, wird es dann ernst, daß zeitweise sogar unserem jungen Helden alle frivolen Gelüste gründlichst vergehen.

Keine Bücher für den Noir-Kundendienst, aber hochintelligente und stilistisch brillante Zeitaufnahmen für Connaisseure. Diese fünf Jahre der Renaissance im 20. Jahrhundert dauerten nur so lange, weil die üblichen Herrschaftsverbrecher nicht die brutale Naivität der Lautsprecher dieser Generation auf der Karte hatten.

Nach der Veröffentlichung sagte Diment in einem Interview: „I’m getting a little tired of the character now.“, Und später dann, er könne sich nicht vorstellen, mit 27 Jahren noch McAlpine-Romane zu schreiben. Ähnliches hatte kurz zuvor Mick Jagger über Satisfaction singen gesagt.

Ein Konflikt zwischen Diment und der Industrie begann zu schwelen: SIE wollten IHN haben, und Adam Diment wollte sein.

…und die kulturelle Erosion der Sechziger hatte bereits begonnen:.

Die Sowjetunion hatte durch das Plattmachen eines beginnend kommunistischen Landes, Tschechoslowakei, den real existierenden Sozialismus im Bewusstsein zerstört.
Das Kapital begann alles einzukaufen, was an Reformen den Profit steigern würde, zerbombte Vietnam und destabilisierte afrikanische Staaten mit kannibalistischen Satrapen. Die Ratten bestiegen das sinkende Schiff.

FORTSETZUNG FOLGT

Advertisements


DER SPION, DER AUS DER WÄRME WOLLTE: ADAM DIMENT by Martin Compart

‘You Don’t Listen to Adam Diment.‘You Read Him.’

Wer 1967 durch London lief, konnte diesen Spruch prominent an den zweistöckigen Bussen präsentiert sehen. Über dem Spruch sah man das Bild eines blonden jungen Mannes, der Kontinentaleuropäer vielleicht an Michel Polnareff erinnerte.

Was wohl niemand so recht wahrnahm: Dies war ein Teil der ersten großen Marketing-Strategie um einen neuen Autor mit seinem Erstling zum Bestseller zu machen. Und es ist bis heute eine der cleversten PR-Aktionen der Branche. Etwas, das es zuvor nicht gegeben hat, und etwas, das nie mit dieser präzisen Punktlandung wiederholt wurde. Dazu später mehr.

1967 war ein entscheidendes Jahr für die Pop-Kultur: Die Haare wurden extrem lang, in den USA erhoben die Hippies ihre dämlichen Häupter um einen zugedröhnten Summer of Love zu intonieren, die Stones wurden wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes vom Establishment vor Gericht gezerrt, Langspielplatten verkauften erstmals mehr Einheiten als Singles, Dylan war elektrisch geworden, die Doors veröffentlichten ihr erstes Album und Kritik und Verachtung für den Kapitalismus wurde stärker und stärker.

Die Kriminalliteratur hatte jungen Lesern nichts generationsspezifisches zu bieten.

Natürlich lasen auch die Baby-Boomers Chandler, Hammett und Epigonen, aber Agenten-Thriller, in denen faschistoide Einzelkämpfer den Imperialismus verteidigten, waren keine Option.

James Bond war seit dem GOLDFINGER-Film eine antiquierte Ikone der Angestellten-Kultur, die man sich bekifft amüsiert reinziehen konnte. Für literarisch interessierte kiffende Langhaarige, die Beat (der ab 67 Rock hieß) hörte, war nichts überzeugendes am Start.

Bis Philip McAlpine kam.

Erster Auftritt in dem Roman THE DOLLY DOLLY SPY, geschrieben von einem 23jährigen Adam Diment.

Und wer war dieser Adam Diment?

Frederick Adam Diment wurde 1943 in Weymouth geboren.

Seine Eltern waren erfolgreiche Farmer in Crowhurst, East Sussex. Er stammte aus „gutem Haus“ in wirtschaftlich besten Verhältnissen. So wundert es nicht, dass ihn seine Eltern auf das ehrwürdige viktorianische Internat Lancing schickten, das u.a. Evelyn Waugh, Tom Sharpe, Christopher Hampton und David Hare als Schüler verzeichnet hatte. Zu Adams Schulfreunden zählte Tom Rice, der später als Texter für Andrew Lloyd Webber Weltruhm erlangen sollte.

…beim kiffen.


Rice war es, mit dem Diment nach London ging und eine Wohnung teilte. Rice verdiente sein Geld als Referendar in einer Anwaltskanzlei und träumte von einer Karriere als Pop-Musiker. Diment arbeitete in der Werbeagentur Connell, May & Stevenson, wo er auch seine „Muse“ kennenlernte: Suzy Mandrake, die gelegentlich als Model arbeitete.

Vor allem gingen die Drei vollkommen in der Welt des Swinging London auf, besuchten Clubs, hingen mit Musikern und anderen Künstlern ab, hörten Musik und kifften ordentlich was weg.

Daneben schrieb Adam wie ein Besessener.

In wenigen Jahren entstanden 14 Romane, die alle abgelehnt wurden. Keines dieser Manuskripte wurde meines Wissens je veröffentlicht – jedenfalls nicht unter Adams Namen. Was verwunderlich ist, denn spätestens nach seinem Welterfolg hätten sich die Verlage wie Harpyien auf sie stürzen müssen.

Dann zog Adam nach Fulham in ein Flat in der Tregunter Road 28.

Das Haus gehörte dem Schriftsteller James Leasor. Thriller-Fans dürfte der Name auch heute noch ein Begriff sein. 1964 hatte er mit seinem ersten Jason Love-Agententhriller PASSPORT TO OBLIVION einen Bestseller (der im Jahr darauf mit David Niven als Jason Love verfilmt wurde). Leasor wurde damals als weiterer Fleming-Nachfolger gehandelt und die Love-Serie gehört zu den besten Bond-Epigonen.

Leasor riet dem erfolglosen jungen Autor, es doch mal mit einem Thriller in der Tradition von John Buchan und Ian Fleming zu versuchen. Diment war kein großer Fan von Crime Fiction oder Thrillern. Aber er sah durchaus eine Chance in dem Genre, nachdem er intensiv Ian Fleming und Len Deighton gelesen hatte. In nur 17 Tagen schrieb er einen Spionageroman mit ironisierenden Momenten und dem schönen Titel THE RUNES OF DEATH um einen zeitgenössischen Geheimagenten mit einer glamourösen Freundin (die Suzy Mandrake – was für ein irrer Name! – nachempfunden war). Ein italienisches Magazin behauptete 1968, nachdem er in einem Jahr zwei weitere McAlpine-Thriller veröffentlicht hatte: „Mit der Hilfe von Haschisch schreibt Diment 750 Worte in der Stunde.“

Diment gab das Manuskript seinem Freund Rice. Der war so angetan, dass er es an den renommierten Literaturagenten Desmond Elliott weiterreichte mit der Anmerkung: „It is a a very contemporary spy thriller.“

]

Adam mit Elliott und Suzy Mandrake.

Elliott erkannte sofort die Potenz von Autor und Roman.
Er verkaufte das Buch umgehend an den Verlag Michael Joseph und schlug für Diment einen Rekordvorschuss und einen Sechs-Bücher-Vertrag heraus. Es war der höchste Vorschuss, den je ein britischer Verlag gewährt hatte.

Diments Romanmanuskript war so perfekt, dass weder der Agent noch der Lektor bei Michael Joseph etwas änderten. Nur eines sollte verändert werden. Elliott, der wohl schon eine genaue Strategie im Hinterkopf hatte, änderte den Titel in THE DOLLY DOLLY SPY.

Als High-Konzept lässt sich der Roman so zusammenfassen: Ein Sixties-Bengel fängt einen alten Nazi-Kriegsverbrecher.

„Philip McAlpine, Industrieabwehrspion, jung mit einer ausgeprägten Vorliebe für modische Kleidung und hübsche Frauen, wird zu einem Rädchen in der Maschinerie des Geheimdienstes – als Opfer einer Erpressung durch Robert Quine, gnomenhafter Chef einer Ministerialabteilung, der überall dort, wo die britische Flagge weht, Unruhe zu stiften.

Philip McAlpine wird in eine Fluglinie eingeschleust, die alles befördert – Heroin, Goldbarren und Geheimagenten.
Die Flugkapitäne sind Spezialisten für hochspezialisierte Einsätze. Bevorzugte Schule: Hitlers Luftwaffe und Waffenschmuggel. Man verfrachtet McAlpine aus dem glühend heißen Texas an die Gestade des Ägäischen Meeres. Zwischen den Flügen über die albanische Grenze oder nach Süd-Rhodesien hat er Zeit, sich mit seiner Freundin zu amüsieren.

Da wird der Friede je gestört. Quine erteilt seinen letzten Auftrag. Diesmal hat er es auf eine gerissene Bande ehemaliger SS-Leute abgesehen.

Aber ist Quine zu trauen?

McAlpine fürchtet, der britische Geheimdienst könnte ihm seine Arbeit mit einer Kugel honorieren.
So häufen sich die Intrigen und Gegenintrigen fast ebenso schnell wie die Leichen.“

Stilistisch hatte Diment – weitergehender als Len Deighton – vieles von der Hard-boiled-Novel übernommen: etwa die antiautoritäre Haltung des Protagonisten und das Wisecracking des Ich-Erzählers (“The Tribe war eine Pop-Truppe, die christliche Frisuren mit LSD kombinierte.“, „Die Herren vom Geheimdienst bekommen heutzutage so viel Geld, dass sie sich´s sogar leisten können, ihre Folterkammern durch Innenarchitekten gestalten zu lassen.“).

McAlpines „M“ , Erpresser oder Auftraggeber ist der weichlich daher schwätzende sadistische Chef von CI6, Rupert Quine: „…der Mann wäre eine Zierde der Inquisition gewesen.“

Zwischen ihm und McAlpine manifestiert sich der Generationenkonflikt der 1960er: Antiautoritär verachtet der Jüngere den Älteren, der ihn per Erpressung ins Establishment zwingen will.

Kiffen mit Suzy.

.McAlpine liebt das Luxusleben mit Girls, Dylan, seinen MG-Sportwagen und Haschisch.

Haschischrauchen war ein kleines Laster, das ich mir als Student zugelegt hatte, als Säure noch kein Synonym für LSD war, sondern etwas, das betrogene Liebhaber der Treulosen ins Gesicht schütten… Haschisch ist an und für sich kein Narkotikum. Ob es dazu führt, dass man mit der Zeit andere Drogen bevorzugt, an denen man hängenbleibt, weiß ich nicht. Ich nehme an, das ist ungefähr ebenso wahrscheinlich wie die Chance, nach dem ersten Glas Cypernsherry mit einer Flasche Methylalkohol unter der Waterloo Bridge zu enden.

Die Neigung zum Shit wird ihm zum Verängnis, denn dadurch wird er erpressbar und zur Agententätigkeit gezwungen, ganz wie damals die Rauschgiftdezernate ihre Spitzel angeworben haben: „Da es in Großbritannien strafbar ist, Haschisch zu verzehren, zu besitzen oder zu verkaufen, hatte mich dieser Spionagesattrap ebenso fest in der Hand, als wäre ich ein Hochverräter.“

As a guy who spent a semester of college in Holland, I can assure you that dope and physical violence are an impossible combination — and it’s something Diment too knows, as his hero Philip McAlpine only relaxes with a bit of hash here and there.” Ein Leser, der ihn erst kürzlich entdeckt hat.

Diment traf den Zeitnerv. McAlpine sprach ein junges Publikum an, ohne ältere Thriller-Leser zu vergraulen, da die Regeln des Genres nur modifizierte, Personal und Attitüde dem Zeitgeist anpasste.

So irrsinnig es klingen mag, aber dieser erste Roman ist im Vergleich zu den folgenden eher realistisch. Die Flugszenen zeigen, dass Diment auch Gavin Lyall genau gelesen hatte.

Dann began Elliott mit einer PR-Strategie, die die konservative Buchbranche verblüffte.

Zuerst machte er aus Diment McAlpine, indem er ihn in ausgeflippte Klamotten steckte. Diment bekam auch einen nagelneuen Aston Martin, den er vorzugsweise in Chelsea parkte. Es gab Fotoshootings bei denen Diment mit schönen Frauen agierte. Eines der ausgeflipptesten ist das mit der Sängerin Victoria Brooke und einem Doppeldecker (trotz regelmäßigen Haschischkonsums gelang es ihm nicht, aus eigener Kraft zu fliegen).

Die Zeitungen spielten begierig mit um aus Diment die „heißeste Nummer seit den Beatles zu machen“. Plakate mit seinem Konterfeit warben für THE DOLLY DOLLY SPY in U-Bahnen und an Bussen. Elliott übernahm das Marketing der Musikindustrie und machte aus dem Autor einen Pop-Star mit seinem neuen Album. Tourneen durch die USA und andere Länder folgten.

Elliott verkauft sein Produkt in 17 Länder, in denen es in 13 Sprachen übersetzt wurde. Bei uns wurde es von Droemer-Knaur verlegt – und floppte (der vierte Band wurde nicht mehr ins Deutsche übersetzt).
Innerhalb eines Jahres verkaufte der Roman eine Million Exemplare weltweit.

FORTSETZUNG FOLGT



WER AVOCADOS FRISST, MACHT SICH DIREKT MITSCHULDIG AM ELEND DER 3.WELT by Martin Compart
22. Mai 2018, 2:27 pm
Filed under: Allgemein



KATANGA by Martin Compart
18. Mai 2018, 12:22 pm
Filed under: Afrika, CIA, Conspiracy, Politik & Geschichte, Rezensionen, Söldner | Schlagwörter: , , , , ,

„Ist eine Nonne unter ihnen, die vergewaltigt wurde und Englisch spricht?“

…fragte TIME-Journalist Edward Behr nach der Befreiung von Stanleyville und brachte so einen Großteil der aktuellen Kongo-Berichterstattung auf den Punkt.

Die Unabhängigkeit des Kongo war eine Frühgeburt, bzw. eine Fehlgeburt ohne Schwangerschaft (denn die Kolonialmacht Belgien, die Anspruch auf den Titel dümmste und brutalste Kolonialmacht gewesen zu sein, hat, „entließ“ das Land völlig unvorbereitet mit gerade mal 14 universitär ausgebildeten Einheimischen formal aus seiner Knechtschaft).

Der „Wind of Change“, den Premierminister Harold Macmillan 1960 für Afrika verkündete, meinte wohl im übertragenen Sinne, dass die Europäer von Sklavenarbeit in die günstigere Tageslohnarbeit wechseln würden. Ein millionenschwer finanzierter und kontrollierbarer Despot, der mit eigenen Mitteln sein Volk ausbeutet, ist für die milliardenschweren Wirtschaftsinteressen der Europäer und Amerikaner (inzwischen auch der Chinesen) weitaus kostengünstiger als der Unterhalt von Kolonien.

Das alles begann mit der „Unabhängigkeit“ des Kongo, oder wie es Christopher Othen so treffend ausdrückt: „The events of 1960 are the ground zero of CIA-sponsored African dictatorships, private military contractors, conflict diamonds and global corporations picking clean the bones of Third World Countries



Christopher Othen

Katanga 1960-63: Mercenaries, Spies and the African Nation that Waged War on the World

The History Press Ltd; 2015. 256 Seiten

Othen nutzt bisher nicht erschlossene Quellen, die er persönlich ermittelt hat (so tauchen häufig seine E-Mail-Wechsel in den Fußnoten auf) um im Detail Aspekte von Kampfhandlungen oder persönliche Umstände herauszuarbeiten, die das Gesamtbild näher an den Leser heranbringen. Das gibt dem Buch über die genaue zeitgeschichtliche Darstellung hinaus eine zusätzliche Dimension.

Des weiteren nutzt er Material, dass viele Historiker vernachlässigen, da sie sich dafür zu fein sind und es nicht mal mit spitzen Fingern anfassen; etwa die Erinnerungen von Söldnern (dabei sind gerade diese subjektiven Wahrnehmungen, im richtigen Kontext gestellt, äußerst erhellend).

Auch da wo es richtig weh tut, ist Othens Buch genauer als vergleichbare: Er blendet die schwer begreifbaren Gräuel nicht mit einem so beliebten „Erwähnungssatz“ aus, sondern lässt Betroffene und Zeugen zu Worte kommen.
Was mir bisher in diesem Ausmaß neu war: Die sonst erst im Zusammenhang mit dem Simba-Krieg beschriebenen Kindersoldaten (Jeunesse) spielen bereits in dieser frühen Phase eine unheilvolle instrumentalisierte Rolle.

Der Autor schildert viele unbekannte Anekdoten. Etwa die über belgische Nazis, die sich trotz der offensichtlichen Wirtschaftsinteressen ihres Landes gegen Tschombe wenden, da sie einen Schwarzen nicht als Oberhaupt eines/ihres Landes ertragen mögen.

Othen bemüht sich natürlich um Objektivität, aber die Fakten verdeutlichen nun mal das schmutzige Geschäft und die schändlichen Eigeninteressen aller Beteiligten. Hier gibt es keine „Guten“, nur böse und hässliche.

Christopher Othen hat als Journalist gearbeitet und lebt zur Zeit als Englischlehrer in Warschau. Er hat ein Händchen für ungewöhnliche Themen und zeithistorische Lücken. In LOST LIONS OF JUDAH berichtet er über die ausländischen Söldner, die Haile Selassie im Krieg der Äthiopier gegen Italien unterstützten (darunter extrem interessante und durchgeknallte Charaktere).

Christophers Blog:

https://christopherothen.wordpress.com/

————————————————————————————

Für die Verlogenheit und Dämlichkeit der Katanga-Sezessionsberichterstattung ist diese „Doku“ im Auftrag der John Birch-Society ein erquickendes Beispiel:

siehe auch: https://martincompart.wordpress.com/2015/05/15/washingtons-soldner/



KLASSIKER DES POLIT-THRILLERS: THE LINGALA CODE von WARREN KIEFER by Martin Compart

Seit etwa zehn Jahren erfreut sich afrikanische Kriminalliteratur (besonders natürlich südafrikanische) auch bei uns eine gewisse Aufmerksamkeit.

Aber es ist doch erstaunlich, wie wenige europäische- und amerikanische Polit-Thriller sich mit afrikanischen Themen und Krisen auseinandergesetzt haben – abseits von Graham Greenes und John LeCarrés Romane zur Apartheit und den üblichen Serien von OSS117 über NICK CARTER bis MALKO. Natürlich gab es immer mal wieder Romane von Ted Allbeury, Brian Freemantle (oder Eric Amblers DIRTY STORY) und anderen zu einem afrikanischen Thema, aber der einzige Autor, der diese regelmäßig in die westlichen Bestsellerlisten trug, war wohl der Südafrikaner Wilbur Smith.

Schon deshalb kommt dem hier genannten Buch eine besondere Bedeutung zu.

Es war die Lektüre von Larry Devlins Erinnerungen, die mich an einen höchst ungewöhnlichen Thriller aus dem Jahre 1972 erinnerte und zum Wiederlesen bewegte.
Als CHIEF OF STATION, CONGO (Public Affairs, 2007) diente Devlin (wie der Ich-Erzähler Michel Vernon des Romans THE LINGALA CODE) der CIA und „begleitete“ die Unabhängigkeitsbestrebungen und blutigen Auseinandersetzungen im Kongo der frühen 1960er Jahre.

Das war der Beginn der Stellvertreterkriege des Kalten Krieges, der den Kontinent bis heute foltert (auch wenn es nicht mehr um Machtsphären der Supermächte geht, sondern um die noch brutalere Ausbeutung der Rohstoffe durch monopolkapitalistische Konzerne im Dienste der Superreichen und ihre oligarchischen Handlanger).

I. DER ROMAN:

Sie waren Freunde gewesen: Michel Vernon, CIA-Chief of Station im Kongo, und Ted Stearns, der Luftwaffen-Attaché, dem Vernon sein Leben verdankte.

Nun war Ted in Leopoldville erschossen worden.
Angeblich von einem Einbrecher.

Niemand wusste es wirklich. Denn der schnell gefasste Täter hatte in der Zelle Selbstmord begangen. Einen zweifelhaften Selbstmord. Aber ein Leben zählte sowieso nichts im Kongo.

Michel schwor sich, den Tod seines Freundes aufzuklären.

Er hatte gute Kontakte in die einheimischen Machtstrukturen, die sich häufig ändern konnten.
Aber man will Ted schnell begraben und die Angelegenheit vergessen. Auch die eigenen Leute sind nicht daran interessiert, dass Vernon im Dreck wühlt.
Denn der stößt schnell auf Widersprüche

Ein Toter mehr – während der Kongo im Chaos zu versinken droht. Man hat ganz andere Sorgen.
„Die neue Kongo-Republik war durch eine Frühgeburt zur Welt gekommen und bei keinem anderen Land hatten so viele politische und diplomatische Hebammen dabei geholfen. Und Repräsentanten aller Großmächte hockten im Kreißsaal und warteten darauf, ihren Segen geben zu können.“

Die Zeit: Ende 1961:
Nach der Ermordung Lumumbas, der Separation Katangas, der Intervention der UNO und der internen Machtkämpfe, die weitgehend auch tribalistisch geprägt waren. Tod am großen Fluss. „Wenn du lange genug am Ufer siehst, wirst du die Leiche deines Feindes vorbei treiben sehen“, lautet angebliche ein kongolesisches Sprichwort. Bei allen barbarischen Metzeleien und kannibalistischen Festgelagen, verlangten die Unruhen der 1960er Jahre aber nur einen Bruchteil der Opfer, verglichen mit den Millionen Toten seit 1997.

Mit der Unabhängigkeit des Kongo begann die Zeit der Stellvertreterkriege und der Aufstieg westlich gestützter Despoten, die jedem Rassisten Freude bereiteten.
Oder wie es Christopher Othen ausdrückt: „The events of 1960 are the ground zero of CIA-sponsored African dictatorships, private military contractors, conflict diamonds and global corporations picking clean the bones of Third World Countries” (KATANGA 1960-63, The History Press, 2015).

Damals rückten erstmals Kindersoldaten in die Öffentlichkeit in Form der Jugendorganisationen („jeunesse“); ihre Gräuel wurden für die westlichen Medien zum Inbegriff rassistischer Kommentare (ohne zu bemerken, dass sich Hitlers Volkssturm neben alten Leuten auch aus „Pimpfen“ speiste).

Ich fühlte feuchte Wände, Mehltau und die Armut des ruralen Kongo.

Die Darstellung des Kongo ist authentisch und genau (wie man etwa im Abgleich mit Larry Devlins Memoiren nachprüfen kann). Die Schilderung einer aberwitzigen Wahl der „Miss Leopoldville ist mir Beweis, dass Kiefer den Kongo ziemlich genau erlebt haben muss.

Die Suche nach den wahren Gründen für den Mord durch das Gestrüpp unterschiedlicher und tödlicher Interessen, die den Kongo zerlöchern, ist mehr als schwierig. Nichts darf ans Tageslicht.

„Man bleibt im Dunkeln, Monsieur Vernon, wenn man Jäger ist und essen will“, hatte mir Seku erklärt. Und Seku jagte Macht und aß gut.

Das ganze Chaos der damaligen Situation durchzieht das Buch: Die Angst der Amerikaner vor Einflussverlust, Tschombes Abspaltung Katangas für die Interessen der belgischen Mineralgesellschaften, das strategielose Geballer hirnloser UN-Truppen und die tribalistischen Machtkämpfe der Einheimischen. Die unterschiedlichsten Gruppierungen schmieden aberwitzige Allianzen, die niemand wirklich durchschaut:

„Finden Sie heraus, woher sein Geld kommt und bieten Sie ihm mehr. Er wird seine Haltung zwar nicht ändern, aber Sie finden so Gelegenheit, die führenden Köpfe der Gruppe kennenzulernen. Und wenn Sie das geschafft haben – informieren Sie Mobutu. Sollen die Kongolesen sich um ihn kümmern.“

Kiefer erzählt es nicht emotionslos, aber doch kühl mit der Stimme eines menschlichen Ich-Erzählers in einem zynischen Job. Er weiß, wie das „Geschäft“ läuft und stellt es nicht in Frage. Da ist er ganz Profi. Aber wenn es persönlich wird, scheut er auch nicht den Konflikt mit der eigenen Interessenseite.

Für jedes Verbrechen gibt es eine Entschuldigung, für jede Tugend findet man eine zynische Rationalisierung.

 

„Man könnte sein Erinnerungsvermögen etwas stimulieren,“

   „Dazu habe ich nicht die Mittel“, sagte Martin.

   „Es muss nicht unbedingt Geld sein“, sagte ich.

 

Wenige Polit-Thriller sind so intensiv in einer politisch realen Situation verwurzelt und nutzen diese so effektiv für ihren Plot. Ohne Kiefers literarisches Können, würde er sich passagenweise wie ein Sachbuch lesen. Aber dank der Erzählerstimme, die mich manchmal ein wenig an Paul Theroux erinnert, bleibt der Roman in der Spur. Die Informationen zur realen Lage werden organisch vermittelt, da sie zum Job und zum Umfeld des Erzählers gehören. Deshalb wirkt nichts aufgesetzt.
Warren Kiefer gehört zu den wenigen Polit-Thriller-Autoren, deren mitreißender Stil die Leser einsaugt und sie dabei unauffällig mit Fakten zum Hintergrund über das Sujet aufklärt, die sich dann als integral für die Handlung erweisen.


II. DER AUTOR:

Warren David Kiefer gehört zu den geheimnisvollsten Autoren der Kriminalliteratur. Er ist nicht nur ein in Vergessenheit geratener Autor, sondern auch ein nur Spezialisten bekannter Drehbuchautor und Regisseur.

Er wurde 1929 in Rochelle Park, New Jersey, geboren. Wahrscheinlich starb er 1995 in Buenos Aires.

Kiefer studierte an der University of New Mexico und an der University of Maryland. Er studierte u.a. Journalismus und Fotografie und strebte eine M.A, in südamerikanischer Geschichte an.

Sein Freund Paul Mims erinnerte sich an ihn: „Warren and I first met in the autumn of 1949. We were students at the University of New Mexico, Albuquerque, I a 26 year old grad student from the University of Wisconsin, he a 20-year old under graduate from the Chicago suburbs. The Kiefer I knew was 20 years old, of medium height; say about five-foot eight inches tall, weighing approximately 160 pounds. He had a well muscled frame. His hair was light brown, close cropped but given to being wavy. Although not a rich boy he was from the upper middle class and used to the “good life”. Even as an under graduate he had extravagant tastes for food, liquor and girls. One of the great dilemmas in his life was how to combine both the “good life” and the artist’s bohemian life style. You see, one part of Kiefer, although quite capable of performing in the world of public relations and advertising, loathed its suffocating, mundane ethos” (Zitat nach Robert Curti in dem ausführlichsten Artikel zu Kiefers Filmschaffen, unter: http://offscreen.com/view/warren_kiefer).

Während seiner Zeit in Maryland lernte er seine Frau Ann kennen, die er 1954 heiratete und mit der er einen Sohn hatte. Das Studium langweilte ihn irgendwann und er begann in der PR-Branche zu arbeiten. Er machte u.a, Public Relations für die Geburtsstadt seiner Frau, Kalamazo in Michigan, und für den Pharma-Giganten Pfizer (was in PAX einfloss).

Sein erster Roman, den er gemeinsam mit Harry Middleton geschrieben hatte, wurde 1958 unter dem Pseudonym „Middleton Kiefer“ veröffentlicht:

PAX ist eine hard-boiled-novel über Betrug in der Pharma-Industrie, die Bezüge zum Mind-Controlprogram der CIA (Operation Artischocke, MK Ultra) aufweist. Zu seinen literarischen Vorbildern gehörten damals Hemingway und Fitzgerald; zu seinen Freunden gehörte – ebenfalls Absolvent der University of New Mexico – Edward Abbey, dessen Roman THE LONELY COWBOY (1956) Kiefer laut Curti beeinflusst haben soll.

Im selben Jahr wurde sein Sohn Alden geboren.

Dann schmiss er alles hin: Familie, Job und Wohnort. Quasi über Nacht begann er ein neues Leben.

Kiefer zog nach Rom, damals neben Los Angeles die größte Filmstadt der westlichen Hemisphäre. Im Umfeld von Cinecittà suchte und fand er Jobs. “I was working the Middle East and Africa as a director-producer of TV Specials and documentaries.”

Für Esso drehte er eine Dokumentation in Lybien. Auch wenn nichts darüber bekannt ist, hat er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 1961 oder 1962 auch den Kongo besucht. Das Detailwissen über die geheimdienstlichen Aktivitäten, wie er es zehn Jahre später im LINGALA CODE darlegte, war zum Zeitpunkt des Erscheinens einem Außenstehenden nicht zugänglich. Entweder hatte Kiefer sehr gute Quellen, oder er war unter der beliebten Tarnung als Dokumentarfilmer oder Journalist in CIA-Aktivitäten aktiv verwickelt.

1963 war er wieder zurück in Rom und lernte Paul Maslansky kennen, der als Production Managere gerade für Irvin Allans THE LONG SHIPS arbeitete. „He and Maslansky met at the Cinecittà tank, where Kiefer was shooting additional footage for his Esso documentary: they liked each other, got along well, and talked about making a movie together. According to Maslansky, Kiefer had married again at that time, with a beautiful Argentinian woman“ (Curti).

Rolf Giesen: „Zum Film kam Kiefer durch Paul Maslansky und den Mammutfilm `The Long Ships´ (Raubzug der Wikinger). Maslansky lebt noch. Er nahm 1967 am 6-Tage-Krieg teil. Er war der Produzent der `Police Academy´-Filme. In einem von Kiefer geschriebenen Film spielte Mario Adorf.“

So kam es dazu, dass Kiefer mit CASTLE OF THE LIVING DEAD (Il castello dei morti vivi) seinen ersten Kinofilm als Autor und Regisseur drehte, dem zwei weitere folgten. Auch unter verschiedenen Pseudonymen, wie Lorenzo Sabatini, erledigte er weitere Filmarbeit.

Wer näheres zu diesem speziellen Bereich in Warren Kiefers Werk sucht, sollte sich den langen Artikel von Robert Curti ansehen.

In CASTLE spielte Donald Sutherland seine erste Filmrolle. Sutherland und Kiefer wurden so gute Freunde, dass der Schauspieler seinen Sohn nach ihm benannte. Kiefer widmete ihm den LINGALA CODE, den er noch in Rom geschrieben hatte..

Irgendwann nach 1972 verließ er Rom und zog mit seiner argentinischen Frau nach Buenos Aires .
Trotz gelegentlicher Buchveröffentlichungen, weiß anscheinend niemand, was Kiefer in Argentinien so getrieben hatte und womit er Geld verdiente.

Es war die Zeit der CIA gesteuerten Operation Condor, die mit Nazi-Methoden in ganz Lateinamerika gegen Befreiungsorganisationen und Gewerkschaften vorging. Sein Roman THE KIDNAPPERS greift die damalige Situation in Argentinien auf: Ein alter Schneider versucht seine Kenntnisse sowohl an die CIA wie die ODESSA zu verkaufen.
Er hatte noch Kontakte zur Filmindustrie.

Rolf Giesen: „Juliette de Sade war dann offiziell Kiefers letzter Film, der ihn nach Argentinien brachte. Ich selbst denke, dass er dort weitergemacht hat, neben den Romanen. Über internationale Co-Produktionen lässt sich gut Geld waschen.
Paul Maslansky, Warren Kiefers alter Weggefährte, plante 1990 eine Filmkomödie in Argentinien zu produzieren: „Honeymoon Academy“. Maslanskys Frau Sally sollte die Produktion überwachen. Es ging viel daneben; der Film entstand, dann nicht in Argentinien. Ursprünglich unter dem Titel „For Better For Worse“ geplant, sollten in Argentinien 5 Millionen Dollar ausgegeben werden. Die Produktion ging schließlich nach Spanien.
Ich bin sicher, dass Kiefer an der argentinischen Verbindung beteiligt war und dort Geld locker machen sollte.“
(Giesen in E-Mails an mich)

Obwohl nicht verifiziert, gilt 1995 als Kiefers Todesjahr.

Als Autor blieb er ein Geheimtipp, der nie den großen Erfolg verbuchen konnte.

1973 gewann er für den LINGALA CODE den Edgar Allan Poe-Preis für den besten Kriminalroman des Jahres.

1976 folgte der Vatikan-Thriller THE PONTIUS PILATUS PAPERS über einen entdeckten und gestohlenen Augenzeugenbericht der Kreuzigung Christi. 1977 erschien THE KIDNAPPERS.

Nach langer Pause folgte 1989 mit OUTLAW eine Western-Saga (Kiefer war ein Western-Fan und hatte die Drehbücher zu dem Lee Van Cleef-Film DIE LETZTE RECHNUNG ZAHLST DU SELBST, 1967, VERGELTUNG IN CATANO, 1965, und THE LAST REBEL, 1971, geschrieben), die von 1870 bis 1968 spielt.

1990 erschien mit THE PERPIGNON EXCHANGE ein Nahost-Thriller, 1992 mit dem Wall Street-Thriller THE STANTON SUCCESSION sein letztes Buch.

DER LINGALA CODE ist inzwischen ein Klassiker des Polit-Thrillers, der literarisch und thematisch einen ganz besonderen Platz in der Geschichte des Genres einnimmt in seiner perfekten Verbindung zwischen Realität und fiktionaler Erzählung. Die erneute Lektüre nach über vierzig Jahren zeigte mir zudem, dass der Roman stilistisch nicht im Geringsten antiquiert ist. Er liest sich, als hätte ihn ein vortrefflicher gestern erst geschrieben.

In deutscher Übersetzung sind lediglich zwei Romane erschienen: DER LINGALA CODE bei Heyne, 1974 und THE STANTON EXPRESS als DER DRITTE KANDIDAT bei Bastei-Lübbe, 1993.


EINIGE EMPFEHLENSWERTE AFRIKA-THRILLER:

ALEXANDER, Patrick, Death of a ThinSkinned Animal, London, Macmillan, 1976.

ALLBEURY, Ted, The Girl from Addis, London & New York, Granada, 1984.
AMBLER, Eric, Dirty Story, London, Bodley Head, 1967.

BOYD, William, Brazzaville Beach, New York, William Morrow, 1990.

BROWNLEE, Nick, Snakepit, London, Piatkus, 2011.

CAPUTO, Philip. Horn of Africa, New York, Holt, Rinehart and Winston, 1980.

CARNEY, Daniel, The Whispering Death, Salisbury, College Press,1 1969.

CHASE, James Hadley, The Vulture is a Patient Bird, London, Hale, 1969.

CLIFFORD, Francis, The Blind Side, London, Hodder, 1971.

DRISCOLL, Peter J., The Wilby Conspiracy, New York & Philadel-phia, Lippincott, 1972.

FORSYTH, Frederick, The Dogs of War, London, Hutchinson, 1974.

FREEMANTLE, Brian, Target, Sutton, Severn House, 2000.

GRANGÉ, Jean-Christophe, Fug der Störche, 1994. U.a. desselben Autors.

HARTMANN, Michael, Game for Vultures, London, Heinemann, 1975.

LE CARRE, John, The Constant Gardener, 2001; The Mission Song, New York, Little, Brown and Company, 2006.

McCARRY, Charles, The Miernik Dossier, New York, Saturday Review Press,1973.

DONELL, Nick, An Expensive Education, London, Atlantic Books, 2010.

McNAB, Andy, Recoil, New York, Bantam, 2006.

MILLS, Kyle, The Lords of Corruption, New York, Vaguard Press, 2009.

QUINNELL A. J., Black Horn, London, Chapmans Publishers, 1994.

SILLITOE, Alan, The Death of William Posters, New York, Knopf, 1965.

SMITH, Wilbur, The Leopard Hunts in Darkness, London, Heinemann, 1984.

THOMAS, Ross, The Seersucker Whipsaw, New York, Morrow, 1967.

TYLER, W. T., Rogue’s March, New York, Harper & Row, 1982; The Lion and the Jackal, New York, Simon and Schuster, 1988.

WINGATE, William, Bloodbath, London, Hutchinson, 1978.

WOODHEAD, Patrick, The Secret Chamber, London, Arrow, 2011



HARTZ IV-TIPPS MIT JENS by Martin Compart

Hallo, liebe Systemverlierer!

Wenn ihr wöchentlich 2o Euro in Discounter-Schnaps investiert (das können durchaus vier Flaschen köstlichsten Wodkas sein), spart ihr bestimmt dreimal die Mahlzeiten des Tages. Mit etwas Training sogar noch mehr Mahlzeiten!

Und wenn ihr dann richtige Alkoholiker seit (das geht bei dem einen schneller, bei dem anderen dauert es ein Weilchen; Wir kennen das ja: Menschen sind ja verschieden in unserer liberalen Welt, deswegen auch angespartes fordern und Alkoholismus fördern), braucht ihr gar keine feste Nahrung mehr. Auf Langzeit rechnet sich das und verkürzt die Leidenszeit.
Wir sind ja keine kiffenden Muselmane, die ihr Bewusstsein erweitern wollen, oder? Hahaha, ein kleiner Scherz muss auch seinen Platz haben, nicht wahr? Auf dem Campus der Fernuniversität Hagen war ich berüchtigt für meinen zupackenden Humor (darüber ein andermal mehr).

WICHTIG: Wenn ihr es zum obdachlosen Säufer geschafft habt, meldet euch beim Jobcenter ab. Denn dann ist die Krankenkasse zuständig und ihr fallt aus der Statistik.

Und falls ihr jung und gutaussehend seit, versucht es doch mal auf dem Strich (aber bitte dem Jobcenter den Zusatzverdienst mitteilen! Das ist ganz wichtig!). Aber dazu demnächst mehr. Ich möchte mich an der Vorstellung erst etwas aufgeilen.

Lasst es euch gut gehen (ich mach das auch),

Euer,

Jens

(Ihre Gesundheit ist mein Arbeitsplatz)