Martin Compart


13 der 100 einflussreichsten Bücher meines Lebens: by Martin Compart
24. April 2017, 11:25 am
Filed under: Allgemein

LIVE AND LET DIE von Ian Fleming
AUFZEICHNUNGEN AUS DEM KUBANISCHEN BEFREIUNGSKRIEG von Ernesto Guevara
A TALE OF TWO CITIES von Charles Dickens
MENSCHLICHHES, ALZU MENSCHLICHES von Friedrich Nietzsche
DER SEEWOLF von Jack London
THE LONG GOODBY$ von Raymond Chandlere
THE MAN WHO WAS THURSDAY von G.K.Chesterton
DIE SCHWARZE 7 (alle) von Enid Blyton
HONDO von Louis L Ámour
RHE GREAT GATSBY von Scott Fitzgerald
DIE WAFFENSCHMIEDE VON ISHER von A.E.Van Vogt
AGAINST ALL ODDS von Eeben Barlow
1984 von George Orwell



Barlow spricht by Martin Compart
23. April 2017, 8:09 am
Filed under: Eeben Barlow | Schlagwörter: , ,

I find it amusing—but in a sad and pathetic way—that several ex-intelligence officers and journalists have now suddenly written to me stating how ‘sorry’ they a…re at what they did. Some even claimed they were under ‘orders’ to fabricate stories to put Executive Outcomes (EO) in a negative light and to ‘criminalise’ the company. Their self-confessed aim was to stop EO at all costs—or so their ‘orders’ claimed. To do this, they had to fabricate ‘intelligence’—and lie.
Never before have taxpayers-funded state assets been used so aggressively to vilify a private company in an effort to hide the duplicitous activities conducted by those in power.

The false media reporting and invented intelligence reports very sadly cost the lives of some of my men. But, it also cost the lives of many thousands of innocent non-participants, helped fuel the conflicts and, most importantly, hide the identities of those who were conducting illegal money-making activities and using the conflicts, the media and the intelligence services to help screen their activities.

I suspect some of them are now worried that I am also going to expose their duplicity in the revised edition of the Executive Outcomes book—and maybe I will do so with those who don’t come clean now—so this is their chance. Maybe they have a reason to be worried…
Fabricating lies was their choice. Exposing them for what they really are is now my choice.

Eeben



DUSQUENE: 2.BURENKRIEG by Martin Compart
18. April 2017, 5:29 pm
Filed under: Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , ,

Die Buren führten zwei Verteidigungskriege gegen die Briten. Davon war der zweite ungleich brutaler. Die britische Gier nach den Bodenschätzen in den Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat war der Hauptgrund für den 2.Burenkrieg, der von 1899 bis 1902 ausgetragen wurde. Es war der teuerste und umstrittenste Kolonialkrieg des Empires. Einige Kontinentalmächte erwogen zeitweilig, auf burischer Seite zu intervenieren. Es scheiterte am „Desinteresse“ Deutschlands. Die Kontinentalmächte belieferten allerdings die Buren mit Waffen – gegen südafrikanisches Gold.

Nachdem Lord Kitchner, einer der brutalsten Heerführer des Empires, im November 1900 das Kommando übernahm, wurde es richtig übel. Er betrieb eine Strategie der verbrannten Erde und setzte Konzentrationslager ein, in die er burische Frauen und Kinder einliefern ließ. Geschätzt 28 000 Frauen und Kinder verhungerten in diesen Lagern. Zum ersten Mal wurden derartige Lager als „Konzentrationscamps“ bezeichnet. Auch wenn sie keineswegs mit den systematischen Vernichtungslagern der Nazis verglichen werden können, sind sie ein weiterer Schandfleck in der Geschichte des britischen Imperialismus. In England wurde der Krieg von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Nur nicht von den linken Bewegungen und der Liberal Party. Einer der prominentesten Gegner des Krieges war Sir Arthur Conan Doyle, der auch ein böses Buch darüber schrieb.


Als der Krieg 1899 ausbrach, kehrte Dusquesne nach Südafrika zurück um für sein Land zu kämpfen. Er wurde in Pretoria als Leutnant im Stab seines Onkels, des Generalkommandanten Piet Joubert eingegliedert. Als Guerilla-Kämpfer war der „schwarze Panther“ in seinem Element und bald bildeten sich Legenden um ihn. So soll er dann auch den legendären Goldschatz der Buren – Oom Krugers Gold – im Juni 1900 versteckt haben, als die Briten ihre Offensive gegen Pretoria eröffneten.
In der für die Buren erfolgreichen Schlacht von Ladysmith im Oktober 1899 erhielt er eine Schussverletzung in der rechten Schulter. Er wurde zum Captain der Artillerie befördert.
Während der ebenfalls für die Buren siegreiche Schlacht von Colenso, die dazu führte, dass die Briten ein weiteres Armeekorps nach Südafrika entsandten, wurde Fritz von den Briten gefangen genommen.

Er wurde als Gefangener nach Durban gebracht, wo er entfliehen konnte. Die erste von mehreren gelungenen Fluchten, für die er berühmt werden sollte. Bei der Schlacht von Bergendal kämpfte er bereits wieder, Aber seine Truppe musste sich vor den zunehmend überlegenen Briten zurückziehen. Sie mussten sogar die Grenze nach portugiesisch Ostafrika überschreiten. Dort wurden sie von den Portugiesen festgesetzt und in das Internierungslager Caldas de Reinha in der nähe von Lissabon verfrachtet. Sein Biograph Ronnie sieht das als den entscheidenden Punkt in Dusquesnes Leben:“ life would never again be the same for him … In a few months he would be launched on a forty-year career as a professional spy and counterfeit hero – a man who would constantly reinvent himself to suit the needs of the moment.“

Im portugiesischen Lager becircte er die die Tochter eines Wächters so intensiv, dass sie ihm half zu fliehen (was mag aus dem armen Kind geworden sein?). Über Paris ging er nach Aldershot, England. Er schaffte es, in die britische Armee zu kommen (wohl da der Krieg Fachkräfte aufzehrte) und wurde als Offizier nach Südafrika versetzt.

Mit seiner britischen Truppe kam er auch nach Nylstroom. Dort sah er die völlig zerstörte heimatliche Farm. Auch sie war Kitchners und Roberts Strategie der verbrannten Erde zum Opfer gefallen. Aber er erfuhr noch schlimmeres: Seine Schwester war während des Überfalls vergewaltigt und ermordet worden. Seine Mutter starb in einem Konzentrationslager. Das veränderte sein Leben verständlicherweise. Bis zum Rest seiner Existenz brannte in ihm ein unbändiger Hass auf die Briten. Oder wie es sein erster Biograph Clement Wood ausdrückte: Dusquene wurde „a walking living breathing searing killing destroying torch of hate“.

Trotzdem schaffte er es, sich zusammen zu reißen und seine Maskerade als britischer Offizier aufrecht zu halten. Er kehrte mit seiner Truppe nach Kapstadt zurück. Heimlich rekrutierte er eine Gruppe von 20 Buren mit dem Ziel, Kitchner zu töten und die wichtigsten strategischen Anlagen der Briten hinter den Linien zu sabotieren. Der Plan sollte am 11. Oktober 1901 mit der Ermordung Kitchners anlässlich eines Dinners zu Ehren des Gouverneurs der Kapkolonie, Sir Walter Hely- Hutchinson, anlaufen. Zu Dusquesnes Unglück wurde alles von der Ehefrau eines Mitverschwörers verraten. Er wurde in seiner dem Anlass entsprechenden Galauniform verhaftet und umgehend wegen „Verschwörung gegen die Krone und Spionage“ verhaftet. Er wurde als Angehöriger der britischen Streitkräfte (und nicht als Spion der Buren) vor Gericht gestellt. Seine zwanzig Mitverschwörer wurden zum Tode verurteilt und einen Tag später erschossen. Auch Dusquene erhielt das Todesurteil. Aber man bot ihm einen Deal an: Lebenslänglich wenn er die Geheimcodes der burischen Kommunikationsnetze übersetzte und entschlüsselte. Er ging darauf ein. Bis zum Ende seines Lebens behauptete er, die Buren nicht verraten zu haben und stattdessen die Briten mit Fehlinformationen und erdachten Codes in die Irre geleitet zu haben. Er wurde in der Festung „Castle of Good Hope“ in Kapstadt eingekerkert. Die Wände dieser 1666 von den Holländern erbauten Feste waren besonders dick. Mit einer Gabel kratzte Dusquene Nacht für Nacht die Zwischenräume der mächtigen Steine frei, bis er einen Fluchttunnel  fertig gestellt hatte. Die Flucht wäre fast gelungen, als ein großer Stein verrutschte und ihn einklemmte. Am Morgen fanden ihn die Wärter besinnungslos aber unverletzt.

Daraufhin verfrachtete man Fritz auf die nordatlantischen Bermudas in ein Gefangenenlager, in dem schon über 4000 Buren untergebracht waren; der Jüngste war sechs Jahre alt, der Älteste achtundsiebzig. Fünf der Inselkette dienten als Gefängnisinseln. Die von Haifischen umschwommenen Inseln bargen die Hochsicherheitsgefängnisse ihrer Zeit und waren so genannte „Casemates Prison“, in denen die Gefangenen in Zelten oder primitiven Hütten hausten, die mit Stacheldraht eingezäunt waren. Dusquesne kam auf Burt´s Island, etwa 2,5 Kilometer von der Hauptinsel mit der Hauptstadt Hamilton entfernt.

Er gab sich als Amerikaner aus und nahm Kontakt mit dem Befreiungs-Komitee der Buren auf. In der Nacht des 25.Juni 1902 schlich er aus seinem Zelt, überwand den Stacheldraht zum Strand und schwamm, unbemerkt von Wachbooten, zur Hauptinsel. Ein Leuchtturm diente ihm als Orientierung. Er versteckte sich bei Anna Maria Outerbridge, einer Leiterin des Komitees. Sie schleuste ihn zum Hafen von St.George´s, wo er von Captain W.E.Meyer übernommen wurde. Der nahm Kontakt mit einem deutschen Schiff auf und eine Woche später dampfte Fritz in Richtung USA nach Baltimore.


Fritz Dusquene 1: Kindheit und Jugend

Er war ein Held des Burenkriegs, verbarg angeblich Oom Krugers Schatz und arbeitete als Geheimagent für die Deutschen in zwei Weltkriegen. Er war ein begnadeter Selbstdarsteller, Aufschneider und leitete den größten Spionagering. der je auf amerikanischen Boden ausgehoben wurde. Angeblich war er für den Tod von Lord Kitchner verantwortlich und wurde von den Deutschen im 1.Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Sein Leben wurde bestimmt durch den brennenden Hass auf die Briten, die seine Familie und sein Land vernichteten.
Sein Name war Fritz Dusquene und heute kennt ihn kaum jemand mehr. Weder in Deutschland, noch in Südafrika. Bis 1941 führte er ein Leben wie in einem Abenteuerroman. Dann musste er hart dafür bezahlen: Der einstige Ausbrecher.König durchlitt eine langjährige Haftstrafe. bevor er 1956 in einem Armenkrankenhaus starb.

Frederick „Fritz“ L’Huguenot Joubert Duquenne (er änderte die Schreibweise zu Duquesne 1912 in Amerika) wurde am 21.Dezember 1877 in East London in der britischen Kap Kolonie in eine Burenfamilie geboren. Seine Eltern, Abraham Duquesne und Minna Joubert, waren Nachfahren der Hugenotten, die 1687 aus Frankreich vor der katholischen Verfolgung geflohen waren. Fritz bekam bald ein jüngere Geschwister: Elsbet und Pedro.
Die Kinder waren noch sehr jung, als die Familie die Kap Kolonie verließ, um in die unabhängige südafrikanische Buren-Republik zu übersiedeln. Sie zog hoch in den Norden nach Nylstroom, dem heutigen Modimolle, um eine Farm zu betreiben.

Um zusätzliches Einkommen für die Familie zu schaffen, ging Vater Abraham regelmäßig auf die Jagd und reiste herum, um die Felle zu verkaufen. Dadurch war er häufig von der Familie entfernt und überließ den Farmbetrieb seiner Frau und seinem alten und blinden Onkel Jan Dusquenne.
Die Farmarbeit war hart, die Jagd oft gefährlich und das Überleben im südafrikanischen Veld voller Gefahren. Jeder Tag konnte ein Kampf ums Überleben sein. Tierangriffe waren ebenso möglich wie die Überfälle von marodierenden Stämmen oder Banden. Dieses Dasein hatte die Buren seit Jahrhunderten geprägt und zu harten Menschen geformt, die diesen Überlebenskampf bedingungslos annahmen.
Bereits in jungen Jahren nahm Abraham seinen Ältesten mit ins Veld und brachte ihm das Jagen bei. Fritz erwies sich schnell als begeisterter und fähiger Jäger. Das Töten gehörte von nun an zu seinem Leben. Auf einem dieser frühen Jagden entdeckte Fritz seine lebenslange Faszination für Panther: Er beobachtete eine Raubkatze bei der Jagd, wie sie regungslos und geduldig im hohen Gras lauerte und auf den perfekten Zeitpunkt wartete, um einen Büffel zu schlagen, der an einem Wasserloch trank. Der Panther war für ihn der perfekte Jäger und er wurde zu seinem Toten, übertrug den Jagdstil auf sein eigenes Verhalten. Im zweiten Burenkrieg wurde er als der „schwarze Panther“ bekannt. Als Spion in den 1930ern unterzeichnete er seine Nachrichten an die Deutschen mit dem Bild einer aggressiven Katze, die ihren angriffslustigen Buckel macht.

Mit zwölf Jahren tötete Fritz seinen ersten Menschen.
Auf der Farm gab es einen großen Raum, der als Handelsposten diente. Sein Vater war unterwegs und Fritz war dabei, als seine Mutter mit einem Zulu handelte. Als der Zulu seine Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnte, griff er die Mutter an. Fritz griff den Assegai, den Kurzspeer der Zulu, des Mannes und rammte ihn in den Bauch.

Kurz darauf begann ein Bantu-Stamm einen Kriegszug in dem Gebiet um Nylstroom und attackierten die Farmen. Als die Nachricht von den Überfällen die Dusquene-Familie erreichte, machte sie sich mit sechs weiteren Familien mit ihren Ochsenkarren zum nächstgelegenen Ort am Sand River auf. Unterwegs wurden sie von einem Impi (Kompanie) angegriffen und es kam zu einem lang anhaltenden Kampf. Die Farmer konnten die Eingeborenen nicht dauerhaft durch ihre Schusswaffen auf Distanz halten und es gab häufige Nahkämpfe. Fritz erwies sich als einer der besten Schützen und tötete mehrere Krieger. Nach Ende der Kampfhandlungen war unter den Toten auch Fritz´ Onkel Koos, dessen Frau und ihr Baby.

Die Familie hatte gute Beziehungen: Fritz war ein Neffe des Helden aus dem ersten Burenkrieg, Piet Joubert, der bis 1900 Generalkommandant der Südafrikanischen Republik war. Deswegen war es wohl auch möglich, dass man ihn mit 13 Jahren zur schulischen Erziehung nach England schickte. Hier bekam er seinen urbanen Schliff und wohl auch seine Kenntnisse mehrerer europäischer Sprachen vermittelt. Er gewöhnte sich den Sprachduktus der britischen Oberschicht an und war zu diesem Zeitpunkt bei allen burischen Ressentiments noch nicht der Feind aller Briten, zu dem er werden sollte.

Diese Zeit ist Legenden umwittert und basiert vor allem auf späteren Aussagen von Dusquesne: Angeblich ging er nach dem Abschluss für ein Jahr nach Oxford, dann will er in die damals hoch angesehene Académie Militaire Royale in Brüssel eingetreten sein. Auch ein kurzer Zwischenstopp in der französischen Militärakademie St. Cyr wird erwähnt. Sein höchst unkritischer Biograph Wood behauptet, Fritz hätte mit dem damals berühmten Fechtmeister Julian Mercks trainiert und wäre zum besten Fechter Europas geworden. Angeblich trug er acht Duelle ausm von denen drei tödlich für den Gegner endeten. Sein seriöserer Biograph Ronnie sagt, dass es zwar keine Belege für die Duelle gibt, Dusquene aber als exzellenter Fechter galt und dies häufig im New Yorker Adventurers Club unter Beweis stellte.

Ronnie zitiert auch einen Brief von Dusquene aus dem Jahre 1913 an einen Stephen Allen Reynolds, in dem Fritz eine ganz andere Geschichte erzählt: Demnach sollte er nach seinem vierjährigen Aufenthalt in England auf dem Kontinent Ingenieurswissenschaften studieren. Auf der Fähre traf er einen zwielichtigen Mann namens Christian de Vries (der wohl wegen begangener Unterschlagungen verschwinden wollte) und beschloss mit ihm eine Weltreise anzutreten. Vater Abraham soll ihn sechs Monate später in Singapur aufgespürt und ihm eine ordentliche Tracht Prügel verpasst haben. Vermutlich trieb sich Fritz anschließend in der Welt herum, besuchte gelegentlich sein Heimatland und ging auf Jagd.

Im Sommer 1899 rief Abraham seinen nun 21jährigen Sohn heim. Der Ausbruch des 2.Burenkrieges kündigte sich an.

FORTSETZUNG FOLGT



DR.HORROR HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN! by Martin Compart
10. April 2017, 1:02 pm
Filed under: Dr. Horror, E-BOOKS, Nazi | Schlagwörter: , ,



NEUES AUS DER BAKERSTREET by Martin Compart

Bücher über Sherlock Holmes füllen ganze Bibliotheken. Über keinen anderen fiktionalen Charakter (außer Hamlet) wurde mehr Sekundärliteratur produziert als über den koksenden Meisterdetektiv aus der Baker Street. Seine anhaltende Faszination hat mehrere Antriebe. Der ursächlich entscheidende für mich ist, das Conan Doyle mit ihr eine Synthese aus Aufklärung und Romantik geschaffen hat, die bis heute unser Lebensgefühl trifft und deshalb auch immer wieder sensibel und intelligent zu aktualisieren ist.

Kann da ein neues Buch noch irgendwas neues berichten? Mattias Boströms 600-Seiten-Schinken VON MR.HOLMES ZU SHERLOCK kann. Und das aus mehreren Gründen:

– bei der multimedialen Verwertung von Sherlock, die nun über 100 Jahre andauert, ist kein Ende in Sicht;

– der Autor trägt Fakten zusammen, die ansonsten nur in Publikationen zu Einzelaspekten zu finden sind.

Das Negative zuerst: Der Autor berücksichtigt kaum oder gar nicht die apokryphen Schriften des Holmes-Mythos der zahlreichen Autoren nach Conan Doyle Außerdem vermindert sich nach 1970 die vorher so großartige detailgenaue Darstellung (was um so ärgerlicher ist, da die 3. Sherlock-Renaissance in diesem Jahr eingeläutet wurde und bis heute trägt. Der Grund dafür ist wahrscheinlich der Umfang. Hätte Boström beide Aspekte ausführlich behandelt, wäre das Buch gut dreimal so umfangreich geworden.

Trotzdem gehört es zu den besten Büchern über das Phänomen, das ich kenne. Das liegt vor allem an dem sowohl akribischen- wie unterhaltsamen Stil des Autors, der ganz nahe an Protagonisten oder Situationen heran geht und diese lebendig macht wie ein guter Romancier. Ihm gelingt es, die mediale Verwurstung der Figur genauso spannend darzustellen wie eine Sherlock Holmes-Geschichte. Der 1971 geborene schwedische Autor ist Mitglied der Baker Street Irregulars, der ältesten und angesehensten Gesellschaft von Holmesianern. Sie wurde 1934 von Christopher Morley gegründet und zählte zu ihren Mitgliedern prominente Leute wie Isaac Asimov, Anthony Boucher, Neil Gaiman oder Rex Stout.

Für jeden, der einen ersten umfassenden Überblick über eines der größten und langlebigsten kulturellen Monstren aller Zeiten lesen möchte, ist dies das richtige Buch. Und auch ausgewiesene Kenner des Phänomens werden es beglückt lesen, da Boström oft vergessene Details ausgräbt und neu gewichtet oder klassische Momente, wie die Begegnung zwischen Conan Doyle, seinem künftigen US-Verleger und Oscar Wilde, vermittelt, als wäre man persönlich zugegen.



AUS DER GESCHICHTE DES „SCNELLSCHUSS“ by Martin Compart
4. April 2017, 12:19 pm
Filed under: Bücher | Schlagwörter: ,

Für Buchverlage ist er fast schon zur Routine geworden, der sogenannte Schnellschuss. Also die schnelle Reaktion mit einem Buch zu einer unerwarteten Veranstaltung, einem besonderen Ereignis oder eine unvorhersehbare Begebenheit. Beispielsweise die zahlreichen Bücher zum Tode Lady Dis oder Basteis Übernahme des Starr-Reports aus dem Internet, der gleichzeitig von vier Übersetzern ins Deutsche übertragen wurde um so schnell wie möglich dem Publikum vorgelegt zu werden. Noch vor einigen Jahren verlangte das eine ausgefuchste und genau terminierte Logistik. Dank digitaler Entwicklungen hat sich das inzwischen vereinfacht.

Die Annahme, dass der Schnellschuss eine vergleichsweise junge Publikationsform ist, die sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, ist falsch. Natürlich hat es nie so viele Schnellschüsse wie in den letzten vierzig Jahren gegeben, aber die Erscheinung ist älter als man gemeinhin glaubt.

Der exzentrische Brite Thomas Tegg war wohl der erste Verleger, der einen Schnellschuss erfolgreich in den Markt drückte: Kurz nach der Schlacht von Trafalgar (1805) druckte er in wenigen Stunden die ersten Exemplare von THE WHOLE LIFE OF NELSON und verkaufte davon in zwei Wochen 50.000 Exemplare.

1877 feierte die Oxford University Press den 400. Geburtstag von William Caxtons THE DICTES OR SAYENGS OF THE PHILOSOPHERS. Anscheinend hätte man dieses Jubiläum fast verpennt und musste sich nun sputen: In 12 Stunden druckte, band und lieferte man die 1052 Seiten starke CAXTON MEMORIAL BIBLE.

Am Montag den 6.Juni 1927 wurde beim Verlag Appleton in den USA das Manuskript THE LIFE OF CHARLES LINDBERGH angeliefert, der gerade den ersten Nonstop-Flug über den Atlantik von New York nach Paris hinter sich gebracht hatte. Donnerstagmittag wurden die fertigen Bücher angeliefert: 250 Seiten mit 24 Illustrationen.

1967 schrieb William Stevenson direkt nach dem Arabisch-israelischen Krieg für Bantam den Schnellschss STRIKE ONE. Vom Schreiben des ersten Satzes bis zur Auslieferung lagen genau zwanzig Tage.

Von der Nacht des 4.Oktobers 1965 bis Mittag des 7.Oktobers schrieben 57 Autoren und Redakteure der New York Times (die gerade bestreikt wurde) das 160 Seiten-Buch THE POPE’S JOURNEY TO THE UNITED STATES für Bantam. Die gesamte Produktion, vom Schreibbeginn bis zur Auslieferung, wurde in 66 1/2 Stunden geschafft. Das GUINESS BOOK OF RECORDS verzeichnet aber ein anderes Buch als Rekordhalter: MIRACLE ON ICE, ein Bericht über das Goldmedaillenteam der USA bei den olympischen Winterspielen von 1980, wurde in 44 1/2 Stunden geschrieben und produziert. Wieder war es ein Schnellschuss des Bantam Verlages mit Journalisten der New York Times.

Natürlich erleichtert der heutige Stand der Technik die Produktionsgeschwindigkeit enorm. Dank der Elektronisierung der Buchbranche ist der Schnelschuss keine so nervenaufreibende, beste Logistik voraussetzende, Sache für mehr, wie noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Aber etwas Aufregung bleibt natürlich, denn man darf sich kaum einen Fehler leisten, da die Korrekturzeit so gering ist.



DIE SUPER-DÖDEL oder der doppelte HEINZ RÜHMANN by Martin Compart
2. April 2017, 12:58 pm
Filed under: Sternstunden der Verblödung | Schlagwörter: , , ,

Sie heißen Schweiger und Schweighöfer und tyrannisieren durch scheibaren merkantilen Erfolg seit Jahren das deutsche TV- und die cineastischen Nacho-Stände  (Cinemaxe). Mit geistlosen Produkten, deren Erfolg an deutschen Landesgrenzen endet, setzen sie immer neue Prämissen für geistig behinderte Durchlauferhitzer.

Sie sind das audiovisuelle Äquivalent für ein Knaur-Taschenbuch: Erfolgreich und absolut sinnlos. Ihr größter Verdienst ist es, regelmäßig an die 6 Millionen (von 80 Millionen – immerhin!) Soziopathen in stinkende Abspielstationen zu locken und diese für zwei Stunden von der Straße zu holen.

Ihr zweitgrößter Verdienst ist es, zumeist öffentlich-rechtliche Fernsehredakteure („Ich habe nie etwas erlebt, kenne nichts und mache das zur Programmdoktrin.“) mit ihrem Erfolg zu beeindrucken und von ihnen Steuergelder einzusammeln. Sie stehen für die Dieter Bohlenisierung der deutschen Medienkultur und ihre Isolierung. Sie sind genau das Richtige für jemanden ohne geistige Interessen und somit auf Augenhöhe mit ihren Rezipienten.
„Herr Schweiger, warum sind ihre Filme so erfolgreich?“
„Erstmal, weil sie gut gemacht sind.“
Das audiovisuelle Gegenstück von gut gemachten Gummizellen?

Wer ist eigentlich unangenehmer? Die „Protagonisten“ oder die Medienkellner?

Sind Sie nicht genau das, was wir brauchen?

Ihre geistige Armut bringt uns zum Träumen. Charismatisch verfügen sie über das gewisse „Nichts“, das sie zu perfekten Projektionsflächen macht.

Braucht Deutschland nicht mehr solcher Erfolgsgeschichten um dem Lumpenproletariat Mut zu machen?