Martin Compart


BEAR GRYLLS THRILLER-DEBUT by Martin Compart


Der Roman fängt gleich an einem der übelsten Orte des Planeten an: im Black-Beach-Knast in Äquatorialguinea. Dort wird Will Jaeger durch einen Trick seines Maori-Kumpels Raff aus der brutalen Gefangenschaft befreit, muss hilflos Schreckliches mitansehen und bekommt gleich einen neuen Auftrag.

Will Jaeger, Ex-Elitesoldat und Gründer von Enduro Adventures, erhält den Auftrag seines Lebens: Für eine TV-Show soll er mit einer Gruppe von Kandidaten ein mysteriöses Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg im brasilianischen Dschungel bergen.

Das Geheimnis um das Flugzeug ist in der deutschen Nazigeschichte im zweiten Weltkrieg verankert und findet auf verschlungenen Wegen bis in die Gegenwart.
Doch bei den Vorbereitungen stirbt sein Freund Smithy. Die Polizei wertet den mysteriösen Tod als Unglück. Ein Symbol, das der Tote trägt, lässt Will jedoch Böses erahnen. Denn er hat es schon einmal gesehen: in den Hinterlassenschaften seines Großvaters, des legendären Nazi-Jägers… (eine Hommage von Grylls an seinen eigenen Großvater, Befehlshaber der T-Force).

Edward Michael Grylls, geboren 1974 in Nordirland, ist ein ehemaliger SAS-Soldat und in England und den USA als Abenteurer und Überlebensspezialist eine bekannte Medienfigur. 1998 hatte er mit 23 Jahren als jüngster Bergsteiger den Mount Everest bestiegen.

Seit 2005 dreht er Dokumentationen und TV-Shows (ABENTEUER SURVIVAL, GET OUT ALIVE, STARS AM LIMIT u.a.), die auch auf deutschen Sendern gezeigt werden.

Mit Unterstützung des Journalisten und Thriller-Autors Damien Lewis hat Grylls einen rasanten Action-Thriller vorgelegt, der in seinen besten Momenten mit einem Kaliber wie Andy McNab locker mithält. In physischen Beschreibungen (die Anfangsszene mit dem zerschundenen Helden) erinnert er gar an die Brillanz von Ian Fleming (in DR.NO). Autoren wie Matthew Reilly oder Clive Cussler ist er erzählerisch überlegen – besser gesagt: sind Grylls und Lewis überlegen.

Gut, das Ende ist ein wenig überzogen. Aber das verzeiht man gerne, denn das hohe Erzähltempo, die effektiven Charakterisierungen und die überraschen Wendungen machen die Lektüre zu einem aufregenderen Erlebnis als das Bestarren eines Hollywood-Blockbusters.

Bear Grylls und sein Gr0ßvater, der „Nazi-Hunter“, der den Roman inspirierte.

Man findet auch ein paar Brüche und Ungereimtheiten, aber wie bei einem besseren James Bond-Film werden sie durch das Tempo weggebügelt. Auch McNabs erste Romane hatten noch nicht ihre volle Schubkraft. Ich behalte Grylls jedenfalls auf dem Schirm. Der Mann hat nicht umsonst einen eine Million Pfund Vertrag mit Orion über drei Romane seiner Will Jaeger-Serie abgeschlossen. Aber der britische Thriller-Markt setzt in seinem Segment auch jährlich an die 100 Millionen Pfund um (SF- und Fantasy 34 Mio., Romance 20 Mio und historische Romane 18,5 Mio; Stand von 2013).

Für die Qualitäts-Wachtmeister der Krimi-Szene ist der „Action-Thriller“ und noch schlimmer: der „Commando-Thriller“ (in dessen Tradition Grylls steht) ja was ganz übles, dass die Lesekultur gefährdet.

Dabei übersehen sie natürlich, dass der „Action-Thriller“ eine beeindruckende Tradition vorzuweisen hat. Angefangen bei Robert Louis Stevensons KIDNAPPED über John Buchans wahnwitzige Jagd- und Fluchtgeschichten, THE 39 STEPS oder GREENMANTLE, Geoffrey Household bis hin zu Ian Fleming, Duncan Kyle oder Alister MacLean und Adam Hall.

In den 1970er- und 1980er Jahren wurde das Genre von amerikanischen Paperback-Original- Serien wie PHOENIX TEAM dominiert, deren Weltbild bestenfalls als schlicht bis dümmlich zu bezeichnen ist. Autoren wie Chris Ryan oder Andy McNabb haben das Genre seit den 1990er Jahren wiederbelebt. Und es ist immer wieder beeindruckend, mit welchen literarischen Fähigkeiten gute Autoren wie Grylls (und Lewis) die Leser durch die Seiten peitschen.

Wer in vier bis fünf Stunden ein paar Pfund Körpergewicht verlieren will, schwindelfrei ist und gute Nerven hat, wird mit GHOST FLIGHT ein schweißtreibendes Vergnügen genießen.
Außerdem bekommt man noch Survival-Tipps, die einem eventuell das Leben retten, wenn man mal wieder im Stadtpark verloren geht.

P.S.: Die Übersetzung – und das ist ja nicht so einfach wenn es um Tempo in der deutschen Interpretation geht – hält die Geschwindigkeit locker mit.

Bear Grylls
Ghost Flight – Jagd durch den Dschungel

Aus dem Englischen von Marco Mewes
HarperCollins, 2018
ISBN: 9783959677547
€ 10,99

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das MODERN TALKING der deutschen Literatur-Szene by Martin Compart

Nora und Dieter beim Empfang des Siegfried Fitzeck-Gedächtnispreis.

 

Ist da bei Nora was Kleines unterwegs?

Das  kann nur das Frühstücksfernsehen entscheiden!

 

Man muss sie liebhaben, diese kleinen Racker, oder?



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS: HEUTE FÜR HANS-GEORG MAAßEN by Martin Compart
14. September 2018, 3:49 pm
Filed under: Rolling Stones, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: , ,



CRAZY ROCKER – DIE INDO-BANDS ÜBERFALLEN DEUTSCHLAND by Martin Compart
11. September 2018, 8:16 am
Filed under: MUSIK, Rezensionen, WENSKE | Schlagwörter: ,


Sie kamen aus dem Westen und brachten Unheil und Grauen über alle anständigen Bürger, die in amerikanischen Garnisonsstädten ein gottgefälliges Leben versuchten.

Dort füllten sie so manchen leeren Tag mit Lärm.

Spießer, die sich in die entsprechenden Bars vorwagten, bekamen einen Vorgeschmack der Apokalypse.

Jugendliche Rabauken konnten sich an ihrem Krawall nicht sattfressen. Während Elvis sich zum Städtele hinaus sang, retteten die Indo-Bands den Rock.Manche Musiker griffen sich ihre Gitarren wie Psychopathen ihre geschärften Rasiermesser.

In den Jahren zwischen Bill Hailey und den Rolling Stones sorgten die Indo-Bands aus Holland dafür, dass der Rock´n Roll nicht zur harmlosen Samstagabendunterhaltung verkam. Von 1959 bis etwa 1964 zogen sie eine häufig blutige, immer aber krawallige Spur durch die Rock- und GI-Klubs in deutschen Garnisonsstädten.

Wie Hanau.

Dort hatte man die glänzende Idee, gegenüber einem Klub für schwarze GIs, indem vorzugsweise Blues gespielt wurde, einen Suff & Tanz-Treff für Rednecks zu positionieren. Damit war der Samstagabendspaß für die ganze Familie programmiert:

„Ich spielte mit den Cherokees im Roma in Kaiserslautern, als der Ami die Gäste anpöbelte und randalierte. Flaschen und Stühle flogen durch die Luft, bis vor unseren Augen plötzlich ein Puertoriacaner sein Messer zog und dem weißen GI in den Leib stach. Blut spritzte. Der Ami fiel zu Boden und die Därme quollen aus dem Bauch. Mein Gott. Und wir mussten da bleiben und weiterspielen, nachdem man die Leiche weggeschafft hatte“, erinnert sich Ronny Neyndorff. Im Showgeschäft kann man auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen.

Die erste Generation der indonesischen Einwanderer bestand hauptsächlich aus Privilegierten, die mit den holländischen Kolonialherren verbandelt waren. Nach dem Sieg Sukarnos hauten sie schleunigst in das Mutterland der Ausbeuter ab, wo sie so willkommen waren wie Mujahedin am Wörthersee. Mit Straßenschlachten gegen einheimische Jugendlichen begannen dann die Integrationsbemühungen. „Aus diesem Umfeld aus Frust und Gewalt entstand schließlich das, was man später Indo-Rock nannte.

Statt Prügeleien war jetzt handfeste Lärmbelästigung angesagt. „Nach dem ERfolg der Tielman Brothers 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel formierten sich unzählige Bands, um als Profimusiker in Deutschland ihr Glück zu versuchen. Auf dem Höhepunkt der Invasion 1963/64 gaben sich bestimmt an die 100 Indonesier-Kapellen in den Rock´n´Roll-Bars und Ami-Clubs im monatlichen Wechsel die Klinke in die Hand.

Wie fleißig sie waren, belegt ein Zitat von Harry Koster von den Black Dynamites: „Nach drei Jahren ständigen Spielens in Deutschland hatten wir zum ersten Mal einen halben freien Abend, als John F. Kennedy am 22.November 1963 ermordet wurde.“

Helmut Wenske hat das in Hanau alles hautnahe mitgekriegt und ist bis heute mit den Protagonisten der Szene befreundet. In seinem grandios dokumentierten Bildband, vollgestopft mit sittlich ethisch desorientierenden Dokumenten, Bildern und Anekdoten wird das Lebensgefühl in dieser Subkultur wieder lebendig. Er betrachtet die fünf wohl wichtigsten Bands genauer und erzählt ihre skandalösen Geschichten.

Wenske hatte schon 1984 zusammen mit Götz Alsmann und Woody Brunings mit EASTERN AGE eine erste Würdigung der niederländischen Krawall-Truppen vorgelegt.
Immer noch lesenswert. Aber dank seinem eigenen Archiv und das des holländischen Indo-Paläontologen Leon Donnars, kann das Bändchen mit diesem Prachtschinken natürlich nicht mithalten.

Es gibt Haufenweise Informationen, die man erst wissen will, wenn man sie kriegt.

Zum Beispiel dass der Jazzer und Bierkönig Paul Kuhn bei der Produktion einer der besten Indo-Platten, JAVALINS FOR TWENS, seine Klavierspielerfinger drin hatte.

Welche Rolle Goena-Goena (Spirituelles) spielte…

Wie sich Andy Tielman nach Borneo zurück zog und mit dem Blasrohr jagte…

Wie die Javalins auf einer Israel-Tour ihren Saxophonisten verloren…

Zeitgeist ohne ende

 

Seit einigen Jahren gibt es ein kleines Indo-Rock Revival. Gekillt hat ihren Boom Mitte der 1960er die british invasion. Obwohl die Indos technisch erstmal den meisten angelsächsischen Bands überlegen waren, hatten sie einen großen Nachteil: Sie schrieben kaum eigene Songs und verließen sich aufs covern von Standards. Und Klassikeram laufenden Band zu schreiben wie Beatles, Stones, Hollies usw., hatten sie erst recht nicht drauf. Aber an Show lieferten sie ähnlich der amerikanischen Soul-Szene den Briten einiges, an dem sich diese orientieren konnten.

Die Jungs waren ihrer Zeit weit voraus. Sie wussten es nur nicht. Sie haben nicht gemerkt, dass sie manchmal auf der Gitarre Sachen hervorbrachten, die für geschulte Musiker nicht zu fassen waren. Alles geschah sehr natürlich, fast organisch, so richtig aus dem Herzen. Sie spielten Rock´n´Roll auf eine authentische Art und Weise. Die Jungs waren unheimlich lässig und verschwanden vielleicht gerade wegen dieser Lässigkeit auch innerhalb von ein paar Jahren von der Bühne.“
Jan Akkerman

Als Wiedergutmachung für die Indos, schickten uns dann die Holländer Heintje, der bekanntlich kein Kind war, sondern ein fünfzigjähriger Zwerg.

Helmut Wenske/Chris Hyde:
Black Eyes
Indonesier-Bands in Germany. Storys & Bilder

ca. 298 Seiten,
Hirnkost KG, 2018; Hardcover,
21 x 21 cm
ISBN: 978-3-945398-66-1 print
28,00 €

https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=helmut+wenske


Wenske /Hyde verschweigen auch nicht die Schrecken des Ende mit Schrecken.

 

Andy Tielman mutierte heel prachtig zum Barry Gibb des Tanztees. Zu spät, um noch was am Karma zu retten:



Für mich hatte sie eine Menge Ausstrahlungskraft by Martin Compart
8. September 2018, 7:24 pm
Filed under: Buchbranche | Schlagwörter: , , ,

Barbara Laugwitz, jetzt Ex-Geschäftsführerin von Rowohlt, wurde von den Hirnamputierten des Mutterkonzerns Holtzbrinck (zu dem auch Geschmacklosigkeiten wie Droemer gehört) gefeuert. Jetzt wird behauptet, sie habe zu wenig „Ausstrahlung“ gehabt – was immer das meint für die verklemmten Grauanzüge einer Konzernspitze.

Für mich hatte Frau Laugwitz eine Menge Ausstrahlung.

Denn sie hatte Rowohlt aus dem Tal der Tränen herausgeführt, in das der ehemalige Schröder-Helot und bisher lächerlichste Hamburger Bürgermeisterkandidat, Michael Naumann, den Verlag gestürzt hatte. Naumann – da ganz Schröder kompatibel – hatte den Verlag in die schwierigste Situation seines Bestehens geführt. Für seine Berufung waren natürlich auch die Holtzbrinck-Deppen zuständig.

Über den neuen Golf-Fahrer weiß ich nicht viel; schlimmer als Naumann kann er nicht sein.

Das Rowohlt seit Jahren wieder gut dasteht verdankt der Verlag einer verdammt guten Mannschaft und der intelligenten Geschäftsführung von Frau Laugwitz, die keine dümmlichen Bestseller für ein Idiotenpublikum schreibt, das nun vielleicht die neue Zielgruppe von Rowohlt werden könnte.

aus dem BUCHMARKT:

Rowohlt: Florian Illies wird neuer Verlegerischer Geschäftsführer

Florian Illies folgt auf Barbara Laugwitz
Florian Illies wird zum 1. Januar 2019 neuer Verlegerischer Geschäftsführer des Rowohlt Verlags. Gemeinsam mit Peter Kraus vom Cleff, Kaufmännischer Geschäftsführer, und Jürgen Welte, Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer, soll er den Verlag leiten und “programmatisch weiterentwickeln”. Barbara Laugwitz, seit 2014 in dieser Funktion tätig, hat Rowohlt sichtlich bereits verlassen. Mails an sie werden beantwortet, sie sei nicht mehr für Rowohlt tätig und die Mail werde nicht weitergeleitet – was auf eine harsche Trennung hindeuten lässt, die Dr. Joerg Pfuhl, CEO der Holtzbrinck Buchverlage aber deutlich milder formuliert: „Barbara Laugwitz hat in einem schwierigen Markt immer wieder große Erfolge bei Rowohlt verwirklicht. Ich bin für ihr unermüdliches Engagement sehr dankbar. Unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg haben uns am Ende zu dem Schritt einer Veränderung in der verlegerischen Leitung bewogen.“

Zur Berufung von Florian Illies sagt er, er sei ein ” seltener Glücksfall für Rowohlt. Er kennt die Buchbranche aus der Sicht des Autors ebenso wie als umfassend interessierter Journalist. Darüber hinaus bringt er unternehmerische Erfahrung aus seiner Zeit als Gründer der Zeitschrift „Monopol“ sowie als Geschäftsführer eines international tätigen Auktionshauses mit. Dies sind einzigartige Voraussetzungen, um mit dem motivierten Rowohlt Team die Zukunft des Verlags, der im Herbst nach Hamburg umziehen wird, erfolgreich zu gestalten.“
Florian Illies ist als Autor vor allem mit den Bestsellern 1913 (2012) und Generation Golf (2000) hervorgetreten. Er war unter anderem Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und der Zeit, wo er seit 2017 Mitglied des Herausgeberrates ist. Zuletzt war er Geschäftsführer und Leiter des Auktionshauses Grisebach in Berlin.

Die Strahlkraft eines defekten Handys hat Dr. -soviel Zeit muss sein -Joerg, mit e statt ö, nicht.

„Er war ein Einser-Betriebswirt un auch ansonsten von begrentem Verstande.“
frei nach L für Werbung ausgibt.udwig Thoma.

Nur eine Frage der Zeit, bis sich Dr. Joerg mit einer pfiffigen Idee In der „Höhle der Abzocker“ bei Maschmeyer andient. Denn auch sein Droemer-Konzept „Bücher für Idioten, die abba  lesen können“ ist endlich (noch vor seiner wohlverdienten Rente).

Der Dr.Joerg weiß schon, wie man eine Nachricht verkauft. Deshalb ist er auch ein wichtiger Player in einer Branche, die weniger umsetzt als die Waschmittelindustrie für Werbung ausgibt.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/rowohlt-autoren-reagieren-auf-rauswurf-barbara-laugwitz-15777150.html

https://www.sueddeutsche.de/kultur/geschasste-rowohlt-verlegerin-schon-wieder-eine-frau-rausgekippt-wie-abfall-1.4124393



CHARLES DEWISME WIRD 100 UND BOB MORANE 65 JAHRE ALT 5/ by Martin Compart
7. September 2018, 2:20 pm
Filed under: Bob Morane, Comics, Heftroman, henri vernes, Porträt, Pulp | Schlagwörter: , , ,

DER „NEUE“ BOB MORANE?

Henri Vernes hat sich in den letzten Jahrzehnten von Co-Autoren unterstützen lassen. Angesichts des Alters und des wahnwitzigen Ausstoßes nicht verwunderlich.

„Das war nicht die Regel, aber es geschah einige Male. Ich entwickelte die ganze Handlung des Romans und ich hatte jemanden, der mir einen ersten Entwurf schrieb. Ein bisschen wie beim Comic. Erst der Bleistiftentwurf und dann das inken mitt Tinte. Ich, habe den ganzen Roman inszeniert. Es passierte ein paar Mal, aber nicht immer. Manchmal musste ich alles komplett umschreiben. Irgendwann wird ein Anderer BM schreiben, weil ich nicht mehr da bin.“

Zu den Co-Autoren zählte auch Christophe Corthouts.

„Es muss 2001 gewesen sein. Ich hatte in den späten 90ern zwei Romane bei Editions Lefrancq veröffentlicht, und zu dieser Zeit wurde natürlich auch Henri Vernes herausgegeben. Anscheinend gefiel ihm meine Arbeit, mein Stift, meine Ideen. Also kontaktierte er mich, um zu wissen, ob ich an der Idee interessiert wäre, einen Bob Morane zu schreiben… Auf den er dann natürlich seine Finger legen könnte. Nach ein paar Versuchen akzeptierte er meine Idee für LA PORTRAIT SE LA WALKYRIE , der 2002 veröffentlicht wurde, wenn ich mich recht erinnere. Ab dann schrieb ich für ihn im Durchschnitt ein oder zwei Bob Morane pro Jahr. Im Allgemeinen schrieb ich den gesamten Roman. Wenn ich Fragen hatte, nahm ich einfach mein Telefon, um Henri zu fragen. Anschließend wurde das Manuskript von Henri überprüft.“

Nicht nur Vernes schwindende Energie wurde zum Problem für BM, auch die sich verändernden Zeiten und die neue Unterhaltungskultur knabbert seit langem an seiner Popularität. Die Leserschaft schmilzt dahin was auch im Verlag Ananke immer bewusster wurde.

„Wie verteilen sich die Leser heute? Achtzig Prozent sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Die restlichen zwanzig Prozent sind jünger, diejenigen, die Bob Morane durch Indochins Song The Adventurer, durch Comics oder durch die Zeichentrickserie entdeckt haben. Wir brauchen einen Neuanfang.“

Ananke begann mit der Digitalisierung der Serie als e-Books (was wohl aus Unverständnis von Vernes kritisiert wurde. Jährlich erscheinen sechs bis acht Bücher, davon die Hälfte als Nachdrucke.

„Wir wollen alle Zielgruppen versöhnen. Auf der einen Seite können Fans der ersten Stunde alle Abenteuer ihrer Helden bequem digital- oder als Book-on-demand kaufen. Auf der anderen Seite finden sich sowohl Leser, die einen modernen Bob Morane erwarten, als auch solche, die den gewohnten Vintage-Helden weiterhin bevorzugen.
Auf dieser Grundlage entwickelt Car Gilles die Grundlagen des Neustarts : ein moderner Bob Morane, der in der Gegenwart spielt, und ein Vintage-BM, der nach dem Kloning in den 1950er- und 1960er Jahren spielt.“

Wie letzteres aussieht, wurde im Roman DUPLICATION von Gilles, Divindilis 2013, konzipiert:

Als Bob Morane an diesem Morgen in seiner Wohnung am Quai Voltaire in Paris aufwacht, erfährt er aus dem Mund von Tania Orloff, der Nichte von Mr. Ming, eine schreckliche Nachricht: Sie und er wurden verdoppelt. In jeder Hinsicht identisch mit den Originalen, leben Bob Morane und Tania Orloff nicht mehr im einundzwanzigsten Jahrhundert sondern im zwanzigsten Jahrhundert in einer Parallelwelt, die der ursprünglichen sehr nahe kommt. Das Datum des Tages ist der 16. Dezember 1953. Bob Morane ist das Opfer eines unvorstellbaren Plans, den sich der Gelbe Schatten ausgedacht hat. Und als er erfährt, dass seine engsten Freunde Bill Ballantine, Aristide Clairembart, Sophia Paramount und Frank Reeves das gleiche Schicksal erleiden mussten, ist es höchste Priorität, sie zu finden.

Divindilis ist ein alter BM-Fan. „Auf Anregung eines Freundes im BM-Club schrieb ich Ende 2011 mit L´OR GRIS DE BOLIVE meinen ersten BM-Roman. Er fand seinen Weg in die Hände von Henri Vernes und seines Verlegers. Ein paar Tage später hatte ich eine positive Antwort. Anschließend hatte ich Henri Vernes am Telefon, und er erzählte mir das Gute, was er von meiner Arbeit dachte. Ich habe meinen Ohren nicht getraut. Es war fantastisch!“

Der Neustart erfüllte die Erwartungen nicht. Als der Comic Verlag „Lombard“ dann auch noch ein Relaunch von BM im Comic 2015 auf den Markt brachte, war man bei „Aninke“ nicht begeistert, besonders dass der Comic von Luc Brunschwig und Aurélien Ducoudray unter aller Sau war.

Devindilis: „Brunschwig informierte sich nicht über die Bob Morane-Romane. Lombard gab ihm einen Freibrief für den Neustart. Er kannte die Welt von Bob Morane nicht. Er kontaktierte einfach Henri Vernes, um Bob Moranes Grundpsychologie zu erfahren,“ Zugehört hat er wohl nicht, denn der Morane von BM RELOADED hat nichts mehr mit der ursprünglichen Figur zu tun, ist nur peinlich und die politischen Aussagen eher naiv. Das Artwork ist der inzwischen übliche franco-belgische Durchschnitt, den man hinter jedem Kiosk findet und so inspiriert wie eine ZDF-Vorabendserie.

Enttäuscht meldete sich dann 2014 auch Vernes wieder zu Worte: „Christophe Corthouts schreibt sehr gut, er hatte gute Ideen, als er beschloss, Bob Morane zu schreiben. Meiner Meinung nach schreibt Gilles Devindilis sehr schlecht, macht Stilfehler (oder historische) und findet nie das richtige Wort. Außerdem sehe ich keinen Sinn darin, Bob Morane zu duplizieren und ihn nach 1953 zurückzuschicken. Morane hatte bereits Zeitreisen gemacht, der Gelbe Schatten sich bereits dupliziert… Ich bin nicht sehr glücklich mit all dem und dem Konzept von Ananké.
Ich bin skeptisch. Wir reden viel darüber, aber wenn ich den Zustand der Romane sehe (dubiose Texte, schlechte Cover, kleine Drucke und teure Preise), bleibe ich mehr als skeptisch.“

Dem entgegnete Verleger Lefranq: „Bedenken Sie, dass Gilles Devindilis von Herrn Vernes persönlich als potenzieller Nachfolger benannt wurde.“

Alte Männer können störrisch sein und bleiben ungern allein zu Hause: 2015 ging Henri Vernes vor Gericht um seine Rechte wiederzuerlangen. Mit der Begründung, die der Kritik folgt, die der Autor bereits gegen die Bob Morane Inc. ausgesprochen hatte.
Auf den Vorwurf der geringen Präsenz im Buchhandel, hatte der zuständige Redakteur bereits darauf hingewiesen, dass man die Bände ja bei Amazon findet.

Vor dem französischsprachigen Handelsgericht von Brüssel stehen sich Autor und Verleger auch wegen der Nichteinhaltung der finanziellen Absprachen gegenüber. Am Ende der Vereinbarung musste der Verlag 100.000 € für die Rechte zahlen – mit einer ersten Zahlung von 25.000 € und dann monatlich 1.500 €.
Ein Blick auf die Bezahlung hatte ersten Ärger verursacht. Der Autor hatte bereits versucht, den Vertrag zu kündigen, da der Verlag ihm noch 43.000 € schulde.

Es scheint sich eine endliche Geschichte (durch das Lebensalter von Dewisme) zu entwickeln, die wohl zum unrühmlichen Ende einer franco-belgischen Pop-Ikone führen wird. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass in den neuen lesefeindlichen Generationen genügend Nachwuchs für ein wirtschaftlich interessantes Weiterführen von BM zu finden ist. Wer mit filmischen DC- oder Marvel-Idiotien sozialisiert wird, wird den intellektuellen Ansprüchen einer Jugendbuchserie aus den 1950er Jahren nicht folgen können.

BIBLIOGRAPHIE SEKUNDÄRLITERATUR:

Stéphane Caulwaerts et Yann : Henri Vernes : à propos de 50 ans d’aventures. Les Éditions À Propos. 2003.

Jacques Dieu : Bob Morane et Henri Vernes. Glénat, 1990.

Daniel Fano : Henri Vernes & Bob Morane, une double vie d’aventures. éditions Le Castor Astral. coll. Escale des lettres. 2007.

Bernard Marle : Bob Morane et Henri Vernes : un double phénomène. IDE. 1995.

Francis Valéry : Bob Morane. Éditions… Car rien n’a d’importance, 1994.

Rémy Gallart & Francis Saint-Martin : Bob Morane, profession aventurier. Editions Encrage. 2007
 
Henri VERNES : Mémoires. Editions Jourdan. Parution 14 janvier 2012. 496 pages.

FORTSETZUNG FOLGT!



CHARLES DEWISME WIRD 100 UND BOB MORANE 65 JAHRE ALT 4/ by Martin Compart

In Frankreich und Belgien haben Heftromane oder Dime Novels seit dem Ende des 2.Weltkriegs keine Bedeutung mehr.
Mit dem Aufkommen des Taschenbuches als Massenphänomen wanderte auch das serielle Erzählen in billige Broschüren, die als „Roman-de-Gare“ bezeichnet werden (dieser Terminus wird allerdings auch auf erfolgreiche Einzeltitel bezogen, die der Unterhaltungsliteratur zugeordnet werden). Die Taschenbuch-Serien, den amerikanischen Paperback Original-Serien verwandt, konnten phänomenale Erfolge verbuchen. Angefangen bei Reaktionären wie OSS 117 über SAS MALKO bis hin zum Linksaußen LE POULPE (der von namenhaften Noir-Autoren geschrieben wurde).

Dieser Literatur begegnete die bourgeoise Literaturkritik in Frankreich ähnlich borniert wie die unbedarfte deutsche.

Der Ausstoß von 6 bis 12 Titeln im Jahr sorgt für Arbeitsbedingungen, die denen des deutschen Heftroman ähneln. Eine Arbeitsweise, die viel Selbstdisziplin und eine besondere Art von Professionalität der Autoren verlangt.

Diese Bedingungen galten auch für Henri Vernes, als er 1953 mit BOB MORANE begann. Fünf BM-Romane erschienen 1954, sechs im Jahr 1955, sieben 1956 und 1957. Das Standardformat dieser kurzen Romane waren vierzehn oder fünfzehn Kapitel mit einer Gesamtlänge von ca.150 Seiten.

Bis 1976 hielt Vernes die Produktion von durchschnittlich fünf BM pro Jahr.

„Ich hatte eine gute journalistische Schule, und das Schreiben ging mir leicht von der Hand. Mit Kunst hatte das nichts zu tun, das war ein Job, ein Beruf. Ich schrieb Bücher, wie ein Tischler Möbel herstellt. Mein Lieblingsbuch war immer das, was ich gerade fertig hatte. Wenn ich die letzte Seite beendet habe, lege ich es auf die Seite und vergesse es. Es ist vorbei.“

Von dickleibigen Bestsellern hält Vernes gar nichts: „Diese Art und Weise, in der die heutigen Romanautoren ihre Handlung zu einem Wirrwarr nutzloser Sätze und Wörter verdicken. Stephen King etwa… Ich konnte nie eines der Bücher über das erste Kapitel hinaus lesen.“

Bei BM ging Vernes von einem Titel und einer Ausgangssituation aus um dann zum großen Teil zu improvisieren. Die Einführung des Sidekicks Bill Ballantine hatte einfache dramaturgische Gründe: „Ich brauchte ihn, um Dialoge zu führen. Denn der Dialog zwischen Bill und Bob bringt Leben in die Geschichte.“

Auffällig in den ersten zwanzig Jahren sind die vielen Romane, deren Handlung sich um Revolutionen oder Behauptung gegen Staatsstreiche drehen. Das ist wohl dem „Wind of Change“ gedankt und den Unabhängigkeitsbestrebungen in belgischen und französischen Kolonien. In diesen Romanen steht Morane entweder auf Seiten der Verschwörer oder Revoluzzer (wenn es im westlichen Sinne gegen brutale Diktatoren geht) oder auf Seiten „gerechter Herren“, die von Verschwörern bedroht sind. Vernes verklärt den Westen als den Machtblock, der auf Seiten der Gerechtigkeit und Menschlichkeit eingreift, wie damals in fast allen Medien üblich. Die Schweinereien der Kolonialmächte bis hin zum Einsetzen von Gruselmarionetten wie Mobutu oder Bokassa, thematisiert er nicht.

Für mich war und ist Gerald Forton der beste BM-Zeichner (bei dem auch Milton Caniff „durchschimmert“).

Ich habe meine Reisen als Basis benutzt. Ich war nicht immer sehr ehrlich, aber wenn man über ein Land schreibt, wie es wirklich ist, funktioniert es nicht, es muss träumerisch beschrieben werden. Zu Beginn von Bob Morane war das eine gute Zeit, mit diesen noch unbekannten Gebieten auf den Karten, in die noch kein Europäer einen Fuß hingesetzt hatte.

Ich mochte einige Gegenden besonders gerne, also ging ich regelmäßig dorthin. Heutzutage ist es extrem schwer, versteckte Städte oder Dinosaurier im Dschungel zu entdecken. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum Bob Morane mehr Abenteuer in der Zeit oder in parallelen Welten erlebt.“

Mitte der 1960er Jahre dürfte Henri Vernes auf dem Höhepunkt des Erfolges mit BM gewesen sein. Angeblich verkaufte er damals nur in Quebec von jedem Roman um die 100.000 Exemplare. Und zu seinen berühmten Fans gehörten Bernard Henri Lévy, Christophe Gans und Claude Allègre.

Vieles wirkt heute extrem antiquiert. „Nicht in der Aktion – da kommt er nicht aus der Mode, sondern in den Details. Meine ökologischen Ideen habe ich zum Beispiel auf Bob Morane übertragen. Die Idee von Gut und Böse ist relativiert, weil gut und böse nicht existieren. Das Gute von heute wird zum Bösen von morgen und umgekehrt.

In der Tat ist Bob Morane der am wenigsten wichtige Charakter in den Romanen. Ein sehr manichäischer Charakter, der die Qualität oder den Mangel aller Charaktere dieser Art darstellt.
Aus meiner Sicht überlebt kein fiktiver Charakter hundertzwanzig Jahre. Tintin zum Beispiel ist altmodisch, lebt nur von seinem Ruf. Im Gegensatz zu Hergé möchte ich, dass Bob Morane mich überlebt, um neue Abenteuer zu erleben, und Bob Morane ist nicht wie Tintin ein Nazi und Antisemit.“

Autoren, außer den Klassikern der Pop-Literatur, die er bewundert?

„Es gibt einen zeitgenössischen Autor, den ich am meisten bewundere: Blaise Cendrars. Er ist übrigens Schweizer: Blaise Cendrars. Was für ein erstaunlicher Geschichtenerzähler!“ Cendrars, bewundert von Henry Miller, war ebenfalls ein Weltenbummler wie Vernes, der inzwischen über fünfzig Jahre in Brüssel lebt. „Es ist eine angenehme Stadt, in der ich meinen Gewohnheiten nachgehen kann. Über die Märkte gehen und in Antiquariaten stöbern. Außerdem sind hier viele Freunde, die leider nach und nach wegsterben.“

„Ja, ich bin sehr pessimistisch. Viele Probleme in der Welt sind auf Überfluss zurückzuführen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur zwei Milliarden, jetzt sind es bereits sieben Milliarden, wenn das so weitergeht, werden wir in eine unmögliche Situation geraten. Wir wollen alles beherrschen, die Welt, die anderen Arten. Und aus moralischen und religiösen Gründen wird diesem Unsinn nichts entgegengesetzt.“

Wahrscheinlich hängt es mit dem Alter zusammen, dass Vernes´ Einstellung zum Leben immer pessimistischer geworden ist.

„Ich glaube weder an Götter, noch an Gerechtigkeit, denn das Leben selbst ist ungerecht, eine ungeheure Lüge, eine Falle, ohne Gerechtigkeit und Hoffnung. „

Die Welt besteht aus Lügen?

„Ja, das glaube ich.“

Politik?

„Regierungen sind die schlimmsten Lügner. Und die schlechtesten. Alles auch noch schlecht gemacht.“

Für einen selbst gibt es in dieser Welt der Unterdrücker nur zwei Überlebensstrategien, meint Vernes: Unterwerfung oder Anarchismus.

„Sicher, es ist schrecklich, dass Bomben nichts mehr bewirken. Im 19. Jahrhundert revolutionierten Anarchisten die Gesellschaft, indem sie Bomben warfen, denn das trieb den Sozialismus voran. Ich würde manchmal gerne Bomben werfen, aber ich habe nicht den Mut.“

1970 waren von BM über 15 Millionen Exemplare verkauft worden.

Zum 20.Jubiläum fand in einem Einkaufszentrum am Stadtrand von Brüssel die erste Ausstellung über BM statt. Im Oktober 1985 wurde ihm in Durbuy, Belgien, eine zweite Ausstellung gewidmet. Im November 1986 folgte in Mons eine dritte mit dem Titel “ 33 Jahre Bob Morane“. Während dieser Ausstellung wurde auch der „Bob Morane Club“ gegründet. Zum 40-jährigen Jubiläum fand im Dezember 1993 in Paris eine vierte Ausstellung mit dem Titel „Bob Morane, 40 Jahre Abenteuer“ statt. 1997 wurde ein Dokumentarfilm produziert „Henri Vernes, un aventurier de l’imaginaire“ und 1999 wurde Henri Vernes von der französischen Kultusministerin Catherine Trautmann als „Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres“ ausgezeichnet.

1977 geriet Marabout in finanzielle Schwierigkeiten. Vernes verließ den Verlag, nachdem er 142 BM-Abenteuer dort veröffentlicht hatte. Von 1978 bis 1980 publizierte er zehn weitere BM-Titel bei „Librairie des Champs-Elysées“. Dann wechselte er für zwei Titel zu „Bibliothèque Verte“.

Von 1982 bis 88 erschien kein neuer Bob Morane-Titel.

Aber der Autor drehte nicht nur Daumen: Patrick Séry, der Verleger von „Fleuve Noir“, schlug Vernes vor: „Warum machst du nicht irgendwas wie SAS MALKO?“

Unter dem Pseudonym Jacques Colombo schuf Vernes die mit reichlich Sex gespickte Crime Serie DON. Der gleichnamige Charakter war das absolute Gegenteil von Bob Morane, trotz der Tatsache, dass beide Charaktere einige körperliche Merkmale teilen. Die von Bob Morane übermittelten Werte sind das Gegenteil von Don. Bob Morane hasst es zu töten, Don tut es ohne Skrupel. Aber der Hauptunterschied liegt im Sex: Während Henri Vernes in seinen früheren Romanen jeden Sex ausblendet, ist er bei DON allgegenwärtig. Deswegen auch das Pseudonym. „Ich wollte nicht, dass es irgendjemand weiß. Bob Morane ist für die Jugend und Dons Abenteuer sind für Erwachsene. Jetzt ist es ein offenes Geheimnis. Jeder weiß, dass ich die 11 DON-Romane geschrieben habe.“

Aber „Fleuve Noir“ bot ihm anschließend bis 1991 ein neues Heim für BM.

Dann wechselte er zum Verlag „Lefranq“. Der von Claude Lefranq 1989 gegründete Verlag hatte zuvor schon begonnen, die BM-Comic-Alben heraus zu bringen. Ab 1992 bezogen sich 90% der Verlagsaktivitäten auf BM.

Im Jahr 2000 gründete Lefranq mit Teilhabe von Vernes den Verlag „Ananké“ und 2010 die „Bob Morane Inc.“, der Vernes alle BM-Rechte verkaufte – mit Ausnahme der audiovisuellen Rechte. Die Idylle dauerte gerade mal zwei Jahre. Vernes war längst zu einem unberechenbaren alten Mann geworden, dessen Gemütsschwankungen gruselig sind: Mal ist er von derselben Sache begeistert, die er eine Woche später als unerträglich beschimpft. Mal will er seine Ruhe haben, dann regt er sich auf, weil er nicht gefragt wurde.

„Ich wurde nicht konsultiert, weil ich die Rechte von Bob Morane nach dem Tod meiner Frau verkauft hatte!“

Inzwischen trifft man sich sogar vor Gericht.

FORTSETZUNG FOLGT!