Martin Compart


DIE ERSTEN WEIBLICHEN PRIVATDETEKTIV-SERIEN IM TV by Martin Compart

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Es ist kaum vorstellbar: Es gab eine Zeit, in der das deutsche Fernsehen innovative Serien herstellte. Kaum zu glauben, aber die erste TV-Serie mit einer Privatdetektivin in der Hauptrolle, stammt aus Deutschland.

Privatdetektivin Kai Fröhlich glaubt nicht daran, daß man ihr als Frau riskante Aufträge übertragen würde. Deshalb erfindet sie einen Chef. Mit Hilfe einer technischen Anlage gaukelt sie den ratsuchenden Kunden die Existenz eines genialen Mannes im Hintergrund vor. Sie selbst gibt sich als naive Sekretärin, die von nichts Ahnung hat.

Angeblich entstand die in München von der Bertelsmann Fernsehproduktion gedrehte Serie nach einer Idee der Hauptdarstellerin. Die erste Krimiserie des ZDF. Fast könnte man glauben, Wolf Neumeister (Buch) und Hermann Kugelstadt hätten das Konzept von REMINGTON STEELE vorweggenommen.

KARTE MIT DEM LUCHSKOPF, DIE

BRD 1963;13×25 Min.;SW.

Fröhlich … Kai Fischer

Viktoria von Proschwitz … Ursula Herking

Hauptwachtmeister Karje … Karl Otto Alberty

Anne_Francis_Honey_West_1965[1]

 Honey West ist eine Privatdetektivin in Los Angeles, die mit ihrem Partner Sam Bolt meistens für Versicherungen arbeitet. Sie ist mit „hypermoderner“ Technik, einen Van mit Abhöreinrichtung, einer Gasmaske im Straps, ausgerüstet und hat einen zahmen Ozelot als Kuscheltier.

1957 erschien der erste Honey-West-Roman von G.G.Fickling; es folgten schnell weitere und man kann wohl behaupten, daß Honey die erste wirklich populäre Superheldin der Kriminalliteratur war (lange vor Modesty Blaise).

In der Folge WHO KILLED THE JACKPOT, geschrieben von Gwen Bogni und Paul Dulow, aus der Serie AMOS BURKE  (BURKE’S LAW), tauchte Honey erstmals im Fernsehen auf.

Bogni und Dulov entwickelten anschließend für Four Star und ABC die Serie. Executive Producer war Aaron Spelling. Die gradlinigen Geschichten waren nett anzusehen (die späteren COLUMBO-Erfinder Levinson & Link schrieben für die Serie),  aber sie wird wohl immer zu unrecht als schlechter Abklatsch von MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE betrachtet werden. Dabei kann die Serie oft ganz ohne Morde aus.  Und Anne Francis braucht sich wahrlich nicht hinter Diana Rigg verstecken.

45967603-HoneyWest_BloodAndHoney1[1]Roman:

G.G.Fickling (Pseudonym für Gloria und Forrest Fickling):

This Girl for Hire, 1957 (Das große Töten, Loh 1969).

Girl on the Loose, 1958 (Hübsche Mädchen sterben nicht, Loh 1969).

A Gun for Honey, 1958 (Tod eines Porno-Stars, Loh 1969).

Girl on the Prowl, 1959.

Honey in the Flesh, 1959.Honey West _1 (Gold Key 1966) 2[1]

Dig a dead doll, 1960 (Mord auf Mexikanisch, Loh 1969).

Kiss for a Killer, 1960 (Paradies der Mörder, Loh 1969).

Blood and Honey, 1961.

Naughty but dead, 1962 (Der Tod hat viele Gesichter, Zauberkreis 1968).

Bombshell, 1964.

Honey on Her Tail, 1971.

Stiff As a Broad, 1972..

honey-west-comic-1a[1]

Comic:

Honey West No.1; Gold Key, Sept.1966.

Seit 2010 veröffentlicht Moonstone Books eine neue Comic Book-Reihe.

 

PRIVASTDETEKTIVIN HONEY WEST

Honey West

USA 1965;30×25 Min.;SW.

Honey West … Anne Francis

Sam Bolt … John Ericson

Tante Meg … Irene Harvey

und Bruce, der Ozelot

honeywestcd[1]



DER ERSTE POP-DETEKTIV: KOOKIE in 77 SUNSET STRIP by Martin Compart
29. August 2016, 8:06 pm
Filed under: 77 Sunset Strip, TV-Serien | Schlagwörter: , , , ,

Ende der 50er Jahre wehte ein neuer Wind im Privatdetektiv-Genre: Keine schäbigen Schnüffler mit verlausten Büro und Trenchcoat, sondern gut gekleidete Jungdynamiker, die viel Geld verdienten und teure Autos fuhren gaben den Ton an. Der wirtschaftliche Aufschwung hatte endlich auch die Private Eyes erreicht.

Der erste Pop-Star der Seriengeschichte war Nachwuchsdetektiv Kookie, alias Edd Byrnes, der fast ununterbrochen seine unglaubliche Tolle in Form harkte. Die erste Krimi-Fernsehserie, die bei Teenagern einen Starkult hervorrief, war 77 SUNSET STRIP mit dem Kammfetischisten Edd Byrnes als unvergessener Kookie, bei uns von Hans Clarin synchronisiert. In dieser Krimiserie um ein Hollywooder Privatdetektivbüro wurde mit der Figur Kookie  der Nachkriegsjugend und Rock’n Roll-Generation erstmals eine überzeugende Identifikationsfigur geliefert. Roy Huggins, der Erfinder der Serie und einer der wichtigsten Fernsehproduzenten überhaupt, hatte das natürlich nicht so geplant: „Kookie war nur eine Nebenrolle. Der Junge, der die Autos für das Restaurant neben dem Detektivbüro parkte und gerne Privatdetektiv werden wollte.“ Byrnes fing an, für Erwachsene schwer verständlichen Kauderwelsch zu reden. Er brachte damals so neue Worte wie „steiler Zahn“ und „Wuchtbrumme“ ins Fernsehen, saß ewig grinsend in einem Ford Modell T und machte sich um nichts in der Welt mehr Sorgen, als um den Sitz seines Haupthaares, den er alle paar Minuten mit dem Kamm überprüfte. Wie üblich, mußte Byrnes auch noch singen. Zusammen mit der Kollegin Connie Stevens aus HAWAIIAN EYE hatte er einen Hit mit der High-School-Single KOOKIE, KOOKIE, LEND ME YOUR COMB.

Aber 77 SUNSET STRIP hatte darüber hinaus für die Entwicklungsgeschichte der Fernsehserie noch größere Bedeutung. Roy Huggins, der auch Serien wie AUF DER FLUCHT, BARETTA, MAVERICK oder DETEKTIV ROCKFORD konzipierte, führte mit ihr die erste einstündige (nach Abzug der Werbung 45 Minuten) Privatdetektivserie im Fernsehen ein. Ein Sendeform, die sich gerade bei amerikanischen Krimiserien als Standard bewährt hat. Huggins erinnert sich: „Ich ging 1955 zum Fernsehen aus einem einfachen Grund: Fernsehen war ein Medium für Produzenten, Kino eines für Regisseure. Als ich noch Drehbücher schrieb und Regie führte wurde mir klar, daß ich keine Lust mehr hatte, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein. Und genau das muss ein Regisseur. Außerdem erkannte ich instinktiv, dass mit Fernsehserien mehr Geld zu verdienen war und man mehr Freiheiten hatte. Ich begann mit Western, meiner ersten Liebe. Ich machte CHEYENNE und MAVERICK, und das veränderte die Westernserien und war ein Riesenerfolg. Dann erfand ich 77. Ich ging zum Studio und sagte: Bisher gab es noch keine einstündige Privatdetektivserie. Das muß hinhaun! Sie stimmten zu. Es hatte auch keine einstündigen Westernserien gegeben, bevor ich CHEYENNE machte. Und da hatte es schließlich auch funktioniert.“

Als Vorlage für die Serie dienten Huggins der Roman THE DOUBLE TAKE, den er 1946 veröffentlicht hatte, und einige Kurzgeschichten um den Privatdetektiv Stu Baily. In der Anthologiereihe CONFLICT brachte Huggins Efrem Zimbalist Jr. erstmals 1957 in der Episode ANYTHING FOR MONEY nach seiner Kurzgeschichte DEATH AND THE SKYLARK von 1952 als Stu Bailey auf den Bildschirm.

The Double Take-1[1]

Zusammen mit Executive Producer William T.Orr, Regisseur Richard L.Bare und Drehbuchautor Marion Hargrove machte Huggins 1958 soetwas wie einen zweiten, 90-minütigen, Pilot-Film. Man dachte daran, daß man den Piloten noch als B-Picture in die Kinos bringen könnte, falls die Serie beim Sender durchfallen sollte. Der Film mit dem Titel GIRL ON THE RUN erzählt, wie Stu Baily ein junges Mädchen vor einem schizophrenen, jugendlichen Killer beschützt. Der Killer, der kurz bevor er erledigt wird noch seine Haare kämmt, wurde ausgerechnet von Edd Byrnes gespielt! 77sunsetstrip1106-03[1]

„Nach der Preview standen wir vor dem Kino und warteten auf die Zuschauer. Die Reaktionen des Publikums waren gut gewesen. Dann kam Edd Byrnes raus und hinter ihm kreischende Teenager, die ihn umzingelten als wäre er der Star gewesen. Seine Rolle war das Letzte gewesen, und trotzdem waren die Teenies verrückt nach ihm. Wir merkten sofort, was los war. Ich wußte auch, daß das Kämmen der Haare die Quintessenz seines Charakters war. Wir beschlossen schleunigst, ihn in die Serie einzubauen. Denn mit Kookie in der Sendung hatten wir nicht nur die Alten, sondern auch noch die Kinder.“

Huggins entwickelte das Serienkonzept nach der Formel, die sich bereits bei MAVERICK bewährt hatte: Zwei oder mehr Hauptdarsteller, die abwechselnd im Mittelpunkt einer Folge stehen, damit man gleichzeitig zwei Folgen abdrehen konnte. So verringerte man den Produktionsdruck von 43 Folgen pro Jahr und konnte bei Bedarf auch mal die Hauptdarsteller unter Druck setzen oder gar austauschen (indem man neue, alte Figuren aus einer anderen Serie übernahm). Die Chefs von Warner Brothers liebten diese Produktionsweise, verweigerte aber Huggins eine Beteiligung als Erfinder, was geradezu grotesk war.

Das Genie der Serie, in der eigentlich Efrem Zimbalist jr. als Stuart Bailey der Star sein sollte, war Roger Smith, der Baileys Partner Jeff Spencer spielte. Als Autor schrieb er einige Folgen, die Fernsehgeschichte machten: In der Folge THE SILENT CAPER, in der Detektiv Spencer eine entführte Stripperin befreit, wurde nicht ein einziges Wort gesprochen.  Und in ONCE UPON A CAPER adaptierte Smith den Film RASHOMON: Jeder der Detektive des Büros wird gefragt, wie die Detektei überhaupt gegründet wurde – und jeder erzählt in Rückblenden eine andere wilde Geschichte. Smith, der ein Orson Welles der Fernsehserie hätte werden können, spielte anschließend noch die Hauptrolle in der Serie Mr.ROBERTS und als Gaststar in verschiedenen Serien, bevor er 1967 die Schauspielerei aufgab, um sich als Manager ganz der Karriere seiner Frau Ann Margaret zu widmen.

1960 hatte die Serie Einschaltquoten um die 30%. Später wurde zuviel an ihr herumgedoktert, und die Zuschauerzahlen sanken ständig. Bemerkeswert war die Folge RESERVED FOR MR.BAILEY nach einer Story von Charles Sinclair und Bill Finger(der Mann, der die frühen BATMAN-Comics schrieb), in der Zimbalist in eine Geisterstadt gerufen wird, wo eine körperlose Stimme seinen Tod androht. Kein anderer Schauspieler ist in der Folge zu sehen, deren Spannung bis zum Ende durchgehalten wurde. Smith stieg aus, zeitweilig war Byrnes nicht mehr dabei, und die Drehbücher wurden immer schlechter. Warner Brothers hatte nämlich die „geniale“ Idee, aus alten Westerndrehbüchern neue 77-Folgen zu schustern. So tauchte als Drehbuchautor immer häufiger ein „W.Hermanos“ auf; hermanos ist spanisch für Brüder. Zudem überreizte man die Formel, indem immer  mehr Serien nach dem 77-Muster produziert wurden: NEW ORLEANS BEAT, SURFSIDE SIX, HAWAIIAN EYE usw.

Wenn diese Serien dann gefloppt waren, schickte man die Hauptdarsteller zum Sunset Strip, bis sich bei Baily & Spencer mehr Detektive als Ganoven herumtrieben.

Warner Brothers war immer noch ein traditionelles Studio und verprellte seine Vertragsschauspieler, die durch Serien zu Stars geworden waren, durch schlechte Bezahlung. In den ersten beiden Jahren verdienten die Hauptdarsteller 250 Dollar in der Woche (Raymond Burr machte gleichzeitig als PERRY MASON eine Million Dollar im Jahr), und erst nach einer kleinen Revolte erhielten sie im dritten Jahr 750 Dollar die Woche. Aber die alte Magie war dahin.

Im letzten Jahr holte man Jack-DRAGNET- Webb und William Conrad (der spätere CANNON) als Producer, um die Serie nochmal auf Vordermann zu bringen. Die Beiden schmissen alle bis auf Zimbalist raus. Sie setzten ihn in ein neues Büro im Bradley Building (wieso die Serie weiterhin 77 Sunset Strip hieß, begriff kein Mensch) und machten aus ihm einen Einzelkämpfer, der jede niveaulose Geschichte als Rückblick erzählte. Thematisch ging es jetzt vornehmlich um Geheimagentengeschichten mit Bailey als Weltreisenden. Gleich die Eröffnung war ein Hammer an Trash: Ein Fünfteiler um die Jagd aauf einen Schmugglerring über drei Kontinente, geschrieben von acht verschiedenen Autoren. Dazu verpflichtete man ein Mega-Aufgebot an Gaststars: Clint Walker, Richard Conte, Wally Cox, Peter Lorre, William Shatner, Kennan Wynn, Lloyd Nolan, Tony Nennett, Cesar Romero, Telly Savalas, Brian Keith.

Am 26. Februar 1964, nach 205 Folgen, war dann endgültig Schluß. Zum letzten mal erklang die einprägsame Titelmusik von Jerry Livingston und Mack David. Nein, nicht mal die hatten Webb und Conrad beibehalten. Auch sie war bereits bei ihrer fatalen Übernahme der Serie liquidiert worden.

Roman:

Roy Huggins: 77 Sunset Strip. Heyne 1121, 1964. Neuübersetzt als: Lange Nacht am Sunset Strip. Bastei 19162,1992. Der kalte Schlaf. Bastei 19173, 1992.

77SunsetStrip1-05[1]Heftroman:

Diverse deutsche Autoren schrieben die Groschenhefte der Serie

77 SUNSET STRIP. Neuer Tessloff Verlag Hamburg. Nr.1, 1965 – Nr.40, 1966.

Comics

77 SUNSET STRIP: in TASCHENSTRIP, Neuer Tessloff Verlag,       Nr.10,14,29, 1963-5. Zeichner waren Russ Manning und Alex Toth.

77 SUNSET STRIP

USA 1958-64; 1×90 Min. u.205 x 45 Min.; SW.

Stuart Bailey … Efrem Zimbalist, Jr.

Jeff Spencer (1958-63) … Roger Smith

Gerald Lloyd Kookson III, Kookie (1958-63) … Edd Byrnes

Roscoe (1958-63) … Louis Quinn

Suzanne Fabray (1958-63) … Jacqueline Beer

Lt.*Gilmore (1958-63) … Byron Keith

Rex Randolph (1960-61) … Richard Long

J.R.Hale (1961-63) … Robert Logan

Hannah (1963-64) … Joan Stanley

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ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
26. August 2016, 8:31 am
Filed under: MUSIK, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,

Die Entdeckung von Andrea Schroeder verdanke ich Jochen König:

http://www.musikreviews.de/reviews/2016/Andrea-Schroeder/Void/



WISEGUY – DIE ERSTE ARC-SERIE by Martin Compart
21. August 2016, 1:54 pm
Filed under: Drehbuch, Noir, TV, TV-Serien, WISEGUY | Schlagwörter: , , , ,

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2011 wollte NBC die Serie neu auflegen, die alles. was heutige US-Quality-Serien ausmacht, vorweg nahm: WISEGUY von Stephen J.Cannell, einem der Genies des US-Fernsehens- Bisher kam es nicht dazu.

Die Serie ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der TV-Serien. Es gibt lediglich eine befriedigende Auswertung als DVD-Box, in Deutschland gibt es nicht mal eine DVD-Veröffentlichung. Zum Glück findet man auf Youtube einige Folgen.

Bevor ich sie zu sehen bekam, schwärmte mir bereits Max Allan Collins (im September läuft auf Cinemax eine achtteilige Serie nach seinen QUARRY-Romanen an) von ihr vor und sagte in weiser Voraussicht, dass sie das TV revolutionieren würde. Das hat dann allerdings noch über ein Jahrzehnt auf sich warten lassen – bei den Amerikanern wohlgemerkt; die Briten machen seit den 1950ern Quality-Serien, nie neue Wege bestreiten. Die Deutschen nie.

Es ist bezeichnend für die Qualität von Büchern über die „neuen Quality-Serien“, wenn WISEGUY dort nicht erwähnt wird. Das ist dann so, als würde man ein Buch über das Römische Reich verfassen, ohne die Etrusker zu erwähnen.

Steven_Cannell_3[1]WISEGUY ist bekanntlich ein Slangausdruck für Gangster. Im Mittelpunkt der Serie steht der Polizei-Held der 80er Jahre: der Undercover-Cop, der sich als Verbrecher getarnt in Gangsterkonzerne einschleicht. Anders als die MIAMI VICE-Luxusagenten ist Vinnie Terranova, hinreißend gespielt von Ken Wahl, eine wirklich bedauernswerte Existenz. Er kann nicht zwischendurch Luft schöpfen und sich erholen, sondern muss als Perspektiveagent ganz in seiner Rolle aufgehen. Selbst seine sich grämende Mutter hält ihn für einen faulen Apfel. In den ersten neun Folgen, die in Fortsetzungen die erste Geschichte erzählen, wird der durch Terranova/Wahl mit verursachte Niedergang des Atlantic-City-Boß Sonny Steelgrave (der inzwischen verstorbene Ray Sharkey in exzellenter Form) erzählt.186509942_wiseguy-tv-show-ken-wahl-7x9-photo-a5860-entertainment-[1]

Um eine wirklich wasserdichte Legende zu erhalten, musste Terranova, Agent des Organized Crime Bureau des FBI, eine achtzehnmonatige Haftstrafe absetzen, bevor ihn sein Führungsoffizier Frank McBride (Jonathan Banks, zuletzt bestechend in BREAKING BAD) auf Steelgrave ansetzt. Tatsächlich entsteht zwischen Cop und Gangster eine freundschaftliche Beziehung. Und als der Gangster auch noch Terranovas krankes Muttchen Anteil nehmend besucht, kommt es beim Undercover-Cop zum moralischen Dilemma. Während sein Führungsoffizier ihn mit äußersten Misstrauen und ohne Mitleid jederzeit verheizen würde, findet er auf der Seite seiner Opfer die eigentlichen Freunde.

Die an originellen Nebenhandlungen und Details ungeheuer einfallsreiche Serie läuft hier zur Hochform auf. Fast wird dem Zuschauer der Eindruck vermittelt, dass es im Geschäftsleben der Gangster menschlicher zugeht, als im Umgang mit staatlichen Institutionen. Und kein Zweifel gibt es darüber, dass legale wie illegale Geschäfte von Leuten gemacht werden, die Macchiavellis PRINCIPE unterm Kopfkissen liegen haben.

WISEGUY war eine subversive Serie, die immer wieder das System hinterfragte.

WISEGUY hat eins völlig neues Konzept in die Krimi-Serien gebracht: Nicht mehr in Einzelepisoden oder Doppelfolgen werden die Geschichten erzählt, sondern in Zyklen, die sich  bis zu 13 Folgen hinziehen, sogenannte „Arcs“. Das erlaubt natürlich viel größere Tiefe in der Charakterisierung der Personen und größere Komplexität der Handlung.

Damit war WISEGUY ein weiterer „Vorläufer“ der sogen. HBO-Revolution.

 

Mit MIAMI VICE und CRIME STORY gehört WISEGUY zu den besten Serien der 80er. Alle drei bieten so etwas wie eine chronologische Analyse des Organisierten Verbrechens: in CRIME STORY wurde erzählt, wie sich Anfang der 60er Jahre die Mafia in legale Geschäfte einkaufte und durch Glücksspiel (Las Vegas) und Rauschgift zu einem Wirtschaftsfaktor wurde. Die ebenfalls von Michael Mann produzierte Serie MIAMI VICE zeigte, wie  der großangelegte Rauschgifthandel der 80er Jahre illegales Kapital erwirtschaftet, das nicht mehr kontrollierbar ist. WISEGUY nun zeigte, wie sehr die US-Wirtschaft bereits vom illegalen Kapital unterwandert und korrumpiert ist und wie unmöglich es ist, im US-Kapitalismus zwischen legalen und illegalen Geschäften zu unterscheiden. Tatsächlich zeigte der 4. Zyklus über die New Yorker Textilindustrie, in dem Jerry Lewis einen ekelhaften Bekleidungsproduzenten spielte, wie durch Manipulationen Börsenkurse beeinflusst werden und bisher legale Geschäfte von Gangstern, die selbstverständlich mit Börsenfirmen auf gutem Fuß stehen, übernommen werden.

Ob internationale Waffengeschäfte, Rechtsradikalismus, Tonträgerbranche oder die mafiosen Geschäfte mit Müll – die Serie zeigt sich in der Behandlung der Themen immer auf der Höhe des Erkenntnisstandes und setzt die Realität mit leichter Hand in spannende Spielhandlung um. Indem sie diese Realitäten für TV-Serien antizipierte, war die Serie auch thematisch innovativ.

Gedreht wurde WISEGUY, bei der u.a. Les Sheldon und David Burke Regie führten, in Kanada.  Weniger verkrustete Gewerkschaftsbedingungen machen Kanada für amerikanische TV-Produzenten als Produktionsstätte immer attraktiver. In der ersten Staffel wurde Vancouver als New Jersey clever abgefilmt, später musste die Stadt als New York herhalten. Eine Riege hervorragender Schauspieler, gute Regie und Spitzendrehbücher machten die Serie zu einem Ereignis, das heute noch bestehen kann.

Für den Erfolg von WISEGUY war vor allem ein Mann zuständig: Stephen J.Cannell, der die Serie zusammen mit Frank Lupo (beide arbeiten schon länger zusammen) entwickelt hat.

Die Liste der Gaststars (Kevin Spacy hatte als Mel Profitt im 2.Arc seinen internationalen Durchbruch) gehört wohl neben MIAMI VICE zu den eindrucksvollsten:

Joe Dallesandro, Ray Sharky, Annette Bening, Joan Severance, Paul Guilfoyle, Jerry Lewis , Ron Silver., Stanley Tucci , Deborah Harry, Tim Curry, Patti D’Arbanville, Glenn Frey, Michael Chiklis, Maximilian Schell.

Literatur: Edward Gross: The Unofficial Story of the Making of a Wiseguy, Pioneer Books 1990.

 

USA 1987-90; 75×45 Min.;F.

Vinnie Terranova (1987-90) … Ken Wahl

Michael Santana (1990) … Steven Bauer

Frank McPike … Jonathan Banks

„Onkel Mike“Daniel Burroughs … Jim Byrnes

Pater Peter Terranova (1987) … Gerald Anthony

Sonny Steelgrave (1987) … Ray Sharkey

Paul Patrice (1987) … Joe Dallesandro

Sid Royce (1987) … Dennis Lipscomb

Harry Schanstra (1987) … Eric Christmas

Roger LoCocco (1988, 1990) … William Riss

Susan Profitt (1988) … Joan Severence

Mel Profitt (1988) … Kevin Spacey

Herb Ketcher (1988) … David Spielberg

Carlotta Terranova Aiuppo (1987-89) … Elsa Raven

Beckstead (1988-90) … Ken Jenkins

Eli Steinberg (1988-89) … Jerry Lewis

David Steinberg (1988-89) … Ron Silver

Carole Steinberg (1988-89) … Patricia Charbonneau

Rick Pinzolo (1988-89) … Stanley Tucci

Phil Bernstein (1988-89) … Harry Goz

Bobby Travis (1989) … Glenn Frey

Isaac Twine (1989) … Paul Winfield

Amber Twine (1989) … Patti D’Arbanville

Winston Newquay (1989) … Tim Curry

Don Rudy Aiuppo (1987-89) … George O.Petrie

Poochy Pompio (1987-89) … Tony Romano

Grosset (1989) … John Snyder

Mark Vochek (1990) … Steve Ryan

Rogosheke (1990) … James Stacy

Lecey (1990) … Darlanne Fluegel

Amado Guzman (1990) … Maximilian Schell

Rafael Santana (1990) … Manolo Villaverde

DIE WISEGUY-PAGE:

http://www.sluiterdesign.com/wiseguy/index.html

 

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Repressive Drogenpolitik by Martin Compart
20. August 2016, 10:27 pm
Filed under: Weise Worte | Schlagwörter: , ,

Hat es je gegeben, dass ein Rechtsradikaler unter Haschisch einen Obdachlosen getötet hat?

Und deshalb ist Alkohol erlaubt und eine zum Denken anregendende Droge, die das Infragestellen von Idioten (politische wie wirtschaftliche – im Kapitalismus ist bekanntlich Politik nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt) potenziert, verboten.



PETER GUNN – DER ERSTE NOIR DETEKTIV by Martin Compart

Bevor Blake Edwards als Komödienregisseur (PINK PANTHER) und Ehemann von Julie Andrews berühmt wurde, war er Krimiexperte bei Funk und Fernsehen und einer der einflußreichsten TV-Produzenten der späten 50er Jahre. Für Dick Powell erfand er die Radio-Serie RICHARD DIAMOND, in deren TV-Adaption David Janssen von 1957 bis 1960 erstmals als Protagonist einer Serie auftauchte. Edwards Reputation war bestens, als er dem Produzenten Don Sharpe das Konzept der Privatdetektivserie PETER GUNN vorlegte. Es brach mit der Tradition, Serien aus anderen Medien wie Buch oder Radio zu übernehmen.

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Peter Gunn, gespielt von Craig Stevens, war nicht mehr der Trenchcoat-Privatdetektiv à la Humphrey Bogart, der die Medien in den 40er- und 50er Jahren beherrschte. Natürlich war er knallhart, aber er war auch elegant und hatte formvollendete Manieren. Er war eher ein Söldner, den man anheuern konnte. Meistens traf man ihn in der Jazzbar Mothers, wo seine Freundin Edie als Sängerin coole Weisen ins Mikrofon hauchte, Gunn ein herzliches Verhältnis mit der Inhaberin pflegte, und der unvermeidbare Polizeifreund Lt.Jacoby nicht weit war.

Der Bruch mit dem Schmuddelimage der früheren Privatdetektive war damals etwas radikales. Es bereitete den Weg für Warner Brothers Edelangestellte in 77 SUNSET STRIP, BOURBON STREET, HAWAIIAN EYE oder SURFSIDE SIX. Gunn stand nicht in der Tradition von Chandler oder Spillane, sondern orientierte sich an den Nachkriegsdetektiven aus den Romanen von Henry Kane, Robert Lee Martin, Richard S.Prather oder Bart Spicer. Für das Fernsehen, das anderen medialen Entwicklungen immer hinterher hinkitw, war er keine echte 50er-Jahre-Figur mehr. Die Beatnik-Noir-Stimmung und die Coolness der Hauptfigur weisen in die 60er Jahre voraus auf sophisticated Helden wie James Bond, John Steed und die UNCLE- und KOBRA-Agenten.

PETER GUNN war von der Anlage konsequent auf die damaligen Möglichkeiten des Fernsehens zugeschnitten. Da Farbe zu teuer war, nutzte Edwards die Besonderheiten von Schwarzweiß, sprich eine Noir-Ästhetik, die im Medium innovativ war.

gunn[1]Da man kein Geld für teure Tagesdreharbeiten on location ausgeben konnte, filmte man nachts und meistens im Studiogelände, wo Kamerawinkel und ausgeklügelte Beleuchtung die altbekannten Kulissen in neue Noir-Perspektiven tauchten. Lange, unwirkliche Schatten, die nächtliche Atmosphäre unterlegt mit Jazz, machten Gunns Los Angeles zum mythischen Ort, zur ultimativen Noir-City des Fernsehens. Ähnlich wie dreißig Jahre später Michael Mann bei MIAMI VICE (der von PETER GUNN einiges gelernt haben dürfte; etwa das Nässen nächtlicher Strassen) schuf Edwards einen neuen, originären Stil, der den Inhalten entsprach.

Nichts überließ er dem Zufall. Selbst Hauptdarsteller Stevens wurde für die Edwardsche Vision maßgeschneidert: „Blake schleppte mich zum Friseur und erfand eine neue Frisur: den Bürstenhaarschnitt mit Scheitel, der als Peter Gunn-Haircut berühmt wurde und noch während der ersten Season überall in den USA in Mode kam. Dann ging er mit mir zu seinem Schneider und ließ Anzüge für mich machen. Wegen der Action-Szenen brauchten wir eine Menge Anzüge; irgendwann hatte ich etwa 380 im Schrank hängen. Alles war Blakes Vision. Als Kontrast zu den vielen miesen Typen, musste Gunn immer smart gekleidet sein und einen klaren, scharfen look haben.“

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Bizarre Charaktere und die alptraumhafte Ausleuchtung des Sets gaben der Serie etwas irreales. Sie spielt in einer fast symbolistischen Welt, in der es immer dunkel ist. Um Kosten zu sparen gab es keine Massenszenen und keine Verfolgungsjagden mit mehr als zwei Autos, die durch ausgestorbene Straßen rasten. Bei einem weniger stilsicheren Produzenten hätte all das billig ausgesehen, was Blake Edwards zum PETER GUNN-Touch stilisierte. Der TV-Historiker Ric Meyers: „Der Höhepunkt dieses speziellen Stils war die Episode THE HUNT von 1960, in der Gunn einen Kontraktkiller jagt. Nach der Exposition gibt es keine Dialoge mehr. Nur noch Scwarzweiß-Schemen, Stevens unnachahmliche Darstellung, Mancinis Musik und Edwards Kontrolle.“ Alles sehr impressionistisch, sehr mitreißend und vor allem sehr kostengünstig.

Ebenso wie bei MIAMI VICE war die Musik ein stilprägendes Element. Henry Mancini, den Edwards von Universal her kannte, schrieb die bis heute populäre Titelmusik. Die beiden Langspielplatten mit den Soundtrack der Serie hielten sich drei Jahre in den Charts (eine weitere Parallele zu VICE). Das PETER GUNN-Thema wurde zum Klassiker und Mancini reihte sich in die Unsterblichen der TV-Musik ein, auf demselben Level wie Lalo Schiffrin (MISSION IMPOSSIBLE), Ron Grainer (PRISONER, MAN IN A SUITCASE), LAURIE JOHNSON (AVENGERS) oder Earl Hagen (HARLEM NOCTURNE, I SPY). Bis heute gehört es zum Standard jeder gitarrenlastigen Beatkapelle; die wildesten Interpretation stammen aber nach wie vor von Remo Four und Mick Ronson, dem zu früh verstorbenen Gitarristen von David Bowie und Ian Hunter (Mott the Hoople).

Edwards Erfahrung mit Hörspielserien half ihm dabei, in kürzester Zeit Stories zu entwickeln. PETER GUNN-Episoden waren nur 25 Minuten lang, ein Format, das bis Mitte der 6oer Jahre auch bei Krimis sehr beliebt war, aber selten komplexe Geschichten ermöglichte. Es wird heute nur noch für Comedys oder Soaps genutzt. Edwards, der die meisten Drehbücher der ersten Season schrieb und alle überwachte, beherrschte das Kurzformat meisterhaft und fand für jede noch so banale Story den Rhytmus, der daraus eine PETER GUNN-Episode mit ihrem besonderen Stil machte.

Don Sharpe finanzierte die Pilot-Folge THE KILL, bei der Edwards Regie führte. Als er sie den Sponsoren präsentierte, war die Serie sofort verkauft. Edwards und Sharpe gründeten die Produktionsfirma Spartan Productions und behielten alle Rechte an der Serie, da sie nicht mit einem Sender, sondern dem Sponsor Bristol-Myers direkt abgeschlossen hatten. Damals kauften Sponsoren häufig eine Stunde Sendezeit, die sie dann mit einem Programm ihrer Vorstellung füllten. Dieser größere Einfluss der Sponsoren auf das Programm eines Senders wirkte sich oft positiv aus, da sie Fachleute beschäftigten, die ihr Metier kannten, und sich nicht von den Programmchefs deren Vorlieben oder Interessen vorschreiben ließen. Die Sender beendeten zu jener Zeit diese Praxis und PETER GUNN war die letzte unabhängige Serie für lange Zeit.

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Zu den GUNN-Regisseure gehörten u.a. Lamont Johnson, Jack Arnold, Boris Sagal und Robert Altman. Bis auf die letzte Season wurden alle Folgen durch NBC ausgestrahlt, dann durch ABC.

Eine Folge von Altman-

Ein Unikum in der Seriengeschichte war das Ende. Steven erinnerte sich: „Ende 1961 kam Edwards zu mir und sagte, er wolle künftig nur noch Kino machen und könne die Show nicht weiter betreuen. Er habe aber auch keine Lust, die Kontrolle aufzugeben um zu erleben, dass die Serie schlechter produziert würde. Natürlich war er der Meinung, außer ihm selbst könne niemand das Niveau garantieren. Also wolle er auf dem Höhepunkt aufhören, die Serie beenden. PETER GUNN wurde nie abgesetzt. Edwards machte einfach Schluss. Natürlich waren Sponsoren, Sender und Zuschauer stinksauer. Wir waren so etwas wie die erste echte Kultserie.

gunn-poter[1]Zehn Jahre lang versuchte man eine Wiederaufnahme zu erreichen.“  Was erreicht wurde, war 1967 ein Kinofilm, der aber eher ein buntes Pop-Spektakel wurde, als ein Noir-Film mit dem Feeling der Fernsehserie. GUNN – ohne Peter – war einer der ersten Kinofilme nach einer erfolgreichen Fernsehserie und auch damit seiner Zeit voraus. Co-Autor William Peter Blatty, der später den Welterfolg EXORZIST schrieb, orientierte sich mehr an Mickey Spillane als an der Fernsehserie. 1989 wurde nochmals ein Wiederbelebungsversuch unternommen: in einem TV-Movie von Edwards, das 1964 spielte, übernahm Peter Strauss die Titelrolle in dem mittelmäßigen Film.

Der Erfolg der Serie in ihrer Zeit brachte reichlich Nachahmer hervorgebracht: John Cassavetes spielte in JOHNNY STACCATO einen Jazzpianisten, der im Greenwich Village Club Waldos seine Fälle erhält. Blake Edwards selbst (wieder mit der Musik von Henry Mancini) produzierte mit Regisseur Jack Arnold 1959 noch MR.LUCKY mit John Vivyan als Zocker. Mike „Mannix“ Connors gab sein Seriendebut in TIGHTROPE und Edmond O’Brian spielte JOHNNY MIDNIGHT, während Rod Taylor in HONG KONG die dortigen Nachtklubs unsicher machte. Schließlich konzipierte Edwards auch noch die Bar DANTE’S INFERNO, in der Howard Duff den Besitzer mimte und Rick Jason spielte einen coolen, gut gekleideten Versicherungsdetektiv in THE CASE OF THE DANGEROUS ROBIN.  Der Topos des Privatdetektivs, der in einer Bar rumhängt, wurde erstmals 1941 von Norbert Davis in seinen Max Latin-Stories für Dime Detective präsentiert.

Es gab Dutzende von Serien, die Stil, Haltung oder Konzept von PETER GUNN kopierten. Sie haben alle auch heute noch ihre besenharten Fans, aber jeder von ihnen gibt zu, dass PETER GUNN das Original war, das die coolen, schicken Detektive der 6oer Jahre startete, die in einer Welt agierten, die manchmal so bizarr wie ein BATMAN-Comic von Bob Kane war und Musik und Kamera die zweite Hauptrolle spielten.

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Comics: Four Colour Comics No.1087.

Roman: Henry Kane: Peter Gunn, Dell 1960.

USA 1958-61;114×25 Min;SW.

Peter Gunn … Craig Stevens

Edie Hart … Lola Albright

Lt.*Jacoby … Herschel Bernardi

„Mother“ (1958-59) … Hope Emerson

„Mother“ (1959-61) … Minerva Urecal

Die Serie wurde in den  1990ern eingefärbt, um sie besser vermarkten zu können. Wer sich diese Version ansieht, kann nur mit Colonel Kurtz stöhnen: „Das Grauen, das Grauen.“

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ROCKFORD – DER ERSTE VIDEO-DETEKTIV by Martin Compart
19. August 2016, 10:05 am
Filed under: ROCKFORD FILES, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , , ,

Anfang der 70er Jahre suchten die amerikanischen Fernsehproduzenten verzweifelt nach neuen, ungewöhnlichen Charakteren, um die Krimiserien wieder attraktiver zu machen, also nach noch nicht zu abgenutzten Klischeetypen. Man besetzte KOJAC mit einem hässlichen Glatzkopf oder produzierte eine Erfolgsserie mit einem schmuddligen Helden, der in den 60er Jahren unvorstellbar gewesen wäre: Peter Falk in COLUMBO. Aber in den ersten Jahren des Jahrzehnts schafften nur wenige Krimiserien den großen Erfolg. Die Zuschauer, in den 50ern mit Western überfüttert und in den 6oern mit Krimiserien, interessierten sich mehr für comedy shows, deren Konzept man inzwischen verändert hatte: Man belebte diese Serie mit neuen dramatischen, realistischen Elemente.

Irgendwie ahnte Superproduzent Roy Huggins, dass es an der Zeit wäre, mit den Krimiserien dasselbe anzustellen, was er ca. 20 Jahre zuvor mit MAVERICK für den Western getan hatte, nämlich mehr Humor ins Genre zu bringen, ohne aber die Strukturen zu zerstören und eine comedy daraus zu machen.

„Rockford sollte keine klassische Privatdetektivserie werden. Ich wollte MAVERICK als Private Eye. Ich wollte einen Helden, der ein Bisschen feige ist und davor zurückschreckt, sich in Gefahr zu begeben und der die Welt nicht allzu ernst nahm. Er liebte keinen Ärger, er haßt ihn“, erinnerte sich Huggins. Er wandte sich an den jungen Produzenten und Autor Stephen J.Cannell, mit dem zusammen er schon bei den Serien TOMA und BARETTA zusammengearbeitet hatte. Cannell sollte Charakter und Hintergrund ausarbeiten, und Huggins gab ihm zehn Tage Zeit, um einen 90minütigen Pilotfilm zu schreiben. Cannell brauchte lediglich fünf Tage und sagte, er habe sich beim Schreiben köstlich amüsiert, da er alle Klischees und Regeln des Genres brechen und auf den Kopf stellen durfte. Schließlich hatten die beiden alles zusammen, Hintergrund, die regelmäßig auftauchenden Nebencharaktere und die Figur Rockford, nur keinen Titel. „Damit die Verantwortlichen im Sender das Gefühl bekamen, dass sie keine gewöhnliche Privatddetektivserie kauften, sagte ich ihnen: Die Serie ist völlig anders. Der Held übernimmt nur Fälle, die die Polizei bereits abgeschlossen hat, denn er will den Bullen nicht in die Quere kommen. Er will überhaupt niemanden in die Quere kommen. Das ist ein bisschen wie MAVERICK. Auf der anderen Seite aber auch realistisch. Wirkliche Privatdetektive übernehmen keine Fälle, an denen die Polizei noch arbeitet. Das ist eine eiserne Regel. Wir nannten das Ding deshalb THE ROCKFORD FILES.“

Die TV-Produktionsfirma von Universal gab grünes Licht, und der Pilot wurde gedreht, in dem Robert Donley Jims Vater Rocky spielte, da Noah Beery jr. nicht zur Verfügung stand, da er noch für die Serie DOC ELLIOT verpflichtet war. Der Pilotfilm von Richard T. Heffron gedreht, wird gerne Zweiteiler mit dem Titel BACKLASH OF THE HUNTER bei Re-Runs eingesetzt.

James Garner war sofort begeistert von dem Skript: „Ich musste nicht eine Sekunde überlegen, ob das richtig für mich ist. Ich bin kein heroischer Typ und glaube nicht an Helden. Deshalb liebe ich Rockford.“

Jim Rockford war ein Mann, der seine Grenzen genau kannte. Nach Möglichkeit ging er jeder brutalen Konfrontation aus dem Wege, und wenn er mit dummen Sprüchen nicht weiterkam und eine Schlägerei unausweichlich war, gab er lieber Fersengeld. Er prügelte sich nur, wenn ihm nichts anderes übrig blieb und wandte dann auch jeden schmutzigen Trick an, was ihn aber nicht davor bewahrte, oft den Kürzeren zu ziehen. Was ihn von anderen Detektivfiguren hauptsächlich unterschied, war die Art wie er die Fälle anging, und das hatte viel mit James Garner zu tun. Rockford benutzte seinen Kopf, schlüpfte in verschiedene Rollen – am liebsten in die eines großmäuligen Vertreters – und bereitete dem Zuschauer immer eine Überraschung.

 

Selten zuvor hörte man in einer Krimi-Fernsehserie bessere Dialoge oder witzigere Sprüche. Beispiele gefällig?

Angel: „Du würdest mich doch nicht für lausige hundert Dollar erschießen, Jim, oder?“

Rockford: „Ich würde es aus prinzipiellen Gründen tun.“

Oder:

Rocky: „Zwei Zentimeter weiter rechts, und die Kugel hätte dir ein Auge ausgeschlagen, statt dich zu streifen. Du hattest Glück, Sunny!“

Rockford:“ Sieh es mal auf meine Weise: Zwei Zentimeter nach links, und sie hätte mich nicht mal gestreift.“

Oder:

Rockford:“ Ich bemühe mich, meine Tugenden möglichst klein zu halten, damit sie übersichtlich bleiben.“

Einen Teil des Charmes der Serie machte die Gruppe von immer wiederkehrenden Nebenfiguren aus. Sie waren so etwas wie Rockfords Familie. Die wohl eindrucksvollste Nebenfigur war das Frettchen Angel Martin, gespielt  von Garners Kumpel Stuart Margolin. Margolin, der in vielen Fernsehfilmen mitgespielt hat und auch Regie führt, ging Garner auch bei dessen Hobby Autorennen als Mechaniker zur Hand. Angel war ein mieser kleiner Gauner, der Rockford mit seinen krummen Geschäften unentwegt in Schwierigkeiten brachte. Um des eigenen Vorteils willen, zögerte er nicht eine Sekunde, seinen Freund in die Pfanne zu hauen. In gefährlichen Situationen, in denen Revolverhelden Rockford über den Haufen schießen wollten, biederte sich die kleine Ratte sofort an, um die eigene Haut zu retten. Er war Rockford gegenüber so loyal wie ein Bahnhofsstricher. Jeder Fan erinnert sich noch nach Jahrzehnten an Angel; um so erstaunlicher, da er lediglich in 29 Folgen auftrat. Während Garner nur einmal einen EMMY für ROCKFORD bekam, wurde Stuart Margolin zweimal ausgezeichnet.

Jims Vater Joseph „Rocky“ Rockford war ein gutmütiger Extrucker, der sich ununterbrochen Sorgen um seinen Sohn machte. Er war Rockford ein guter Kammerad, auch wenn seine Unterstützung den Sohn meist noch tiefer in die Patsche ritt. Rockys große Leidenschaft war das Fischen, und wenn Jim Gelegenheit dazu hatte, machten sie gerne eine richtige Hemingway-Tour. Gespielt wurde Rocky überzeugend von Noah Beery, Jr., der bereits 54 Jahre vor der ersten Rockford-Folge vor der Kamera debitierte.

Die erste Saison war die erfolgreichste der Serie. 1974/75 erreichte sie Platz 12 der meistgesehenen Fernsehshows. Danach ging es immer weiter bergab. Das hatte auch damit zu tun, dass der Sender NBC alle paar Monate den Sendetermin der ROCKFORD FILES änderte. In der sechsten Season verschob NBC die Sendezeit sieben mal und den Sendetag fünf mal. Da hatte sogar der härteste Rockford-Fan Schwierigkeiten, sich darauf einzustellen. ROCKFORD bekam von NBC nie die Rückendeckung, die aus einer potentiellen Hitserie eine wirkliche gemacht hätte. In der 2.Season stellte man sie ausgerechnet gegen das CBS-Krimiflaggschiff HAWAII 5-O, die erfolgreichste Cop-Show ihrer Zeit. So wollten die Vollidioten bei NBC erreichen, daß man bei ROCKFORD den Humor rausschreiben sollte. Garner, Cannell und Rosenberg drohten damit, alles hinzuschmeißen. „Sollen sie doch Jack Lords kleinen Bruder engagieren“, grollte Garner. Das Network gab nach, beharrte aber auf dem Sendeplatz. ROCKFORD konnte sich überraschend gut gegen die seit Jahren etablierte Hit-Serie von CBS behaupten. Aber diese unglückliche Platzierung sorgte dafür, dass sowohl HAWAII 5-O wie auch ROCKFORD in den Ratings fielen und sich keine der beiden Serien, die sich die Krimi-Fans teilen mussten, von diesem unsinnigen Konkurrenzkampf quotenmäßig erholte.

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Trotz allem Geunke des Networks lief ROCKFORD sechs Jahre lang, von Freitag dem 13.September 1974 bis zum 25.Juli 1980 mit 112 Folgen. Garner war ungeheuer populär und die Serie der absolute Liebling der Kritik. Wieso also die nicht so berauschenden Einschaltquoten, trotz der doch so offensichtlichen Popularität? Ganz einfach: das Videozeitalter war angebrochen, und Rockford war die erste Serie, die man aufnahm, während man sich etwas anderes ansah. Tatsächlich gehörte die Serie zu den ersten TV-Sammelobjekten der Videoten. Und das amerikanische TV- Einschaltquotenkontroll- system, die sogenannten Nielsen Ratings, waren nicht auf die Videorevolution vorbereitet.

Fast zehn Jahre später erging es der Serie, die man am ehesten als Rockford-Nachfolger bezeichnen kann, ähnlich: MAGNUM hatte nach Riesenerfolgen in der Season 1986/87 plötzlich ein völliges Abrutschen in den Ratings zu verzeichnen. Dank der Rockford-Erfahrungen kam man aber schnell der Ursache auf die Spur: die Zuschauer sahen sich direkt ein anderes Programm an, zeichneten aber auf CBS MAGNUM auf. Der Videorecorder hatte inzwischen das Rating-System völlig durcheinandergebracht. Zu ROCKFORDS tatsächlichem Erfolg trug noch ein weiterer Faktor bei: Nach den ersten zwei, drei Seasons begann man die Folgen in CBS LATE NIGHT zu wiederholen. Das gab Universal mehr Geld und damit einen guten Grund, die Serie weiterzuproduzieren, da sie schon, bevor sie durch die Regionalsender syndikatisiert wurde, de facto zweimal bezahlt worden war. Das gab es nie zuvor in der Geschichte der Fernsehserien. ROCKFORD wurde sofort kult, und die Trivia-Fans machten erstmals (diesseits von STAR TREK) von sich reden. Garner wunderte sich: „Es gibt Leute, die kennen jede Telefonnummer der Serie, die wissen sogar meine Lizenznummer als Privatdetektiv. Wenn wir versehentlich eine falsche Nummer verwenden, kriegen wir Beschwerden und böse Briefe!“ Also hier die Trivia Daten: Zuerst parkte Rockford seinen Wohnwagen am 2354 Pacific Coast Highway, Los Angeles; in späteren Folgen lebte er in Malibu in der Paradise Cove Trailer Colony, Cove Road 29. Seine Telefonnummer: (213)-555-2368 (aber auch 555-9000 wurde mal verwendet). Sein goldener Pontiac Firebird hatte die Zulassungsnummer OKG-853.

Huggins, der nie länger als zwei Jahre bei derselben Serie blieb, verließ ROCKFORD nach der ersten Saison und verbreitete die Auffassung, dass die Serie nie wieder so hohe Qualität hatte wie im ersten Jahr. Das war natürlich eitler Unsinn. Erst im Laufe der zweiten und dritten Season erreichten gerade die attraktiven Nebenfiguren wie Angel richtig Profil und die einmalige ROCKFORD-Formel ihre Perfektion. Garner und Huggins gerieten sich während der Dreharbeiten zur ersten Season so in die Haare, dass der Star sogar ein Setverbot für Huggins durchsetzte.

Nachdem die Serie beendet worden war, versuchten verschiedene neue Krimi-Serie die erfolgreiche Mischung aus lebensechten Charakteren, Humor und originellen Geschichten zu übernehmen. Am erfolgreichsten war sicherlich MAGNUM. Aber trotz des Charakters Higgins, dessen „Britentum“ genüsslich gegen Magnums all-american-boy-Mentalität ausgespielt wurde und damit immer für komische Situationen sorgte, kam man nicht an das Original heran. Auch die Serie SIMON & SIMON über ein Brüderpaar, dass in San Diego eine Privatdetektei betrieb, war ein erfolgreicher ROCKFORD rip off. Der Kontrast aus einem Yuppie und einem übriggeblieben Rebellen der Hippie-Ära sorgte für viel Witz, ohne ebenfalls das Format des großen Vorbilds zu erreichen.

 

Auch Garner sorgte für ein Nachspiel: 1983 verklagte er Universal auf 22,5 Millionen Nachzahlung für seine Beteiligung an Auslandsverkäufen und Wiederholungen. Universal erklärte unverfroren, die Kosten der Serie seien auch durch die Zweit-und Drittverwertungen noch nicht gedeckt worden. Universal bot Garner schließlich 670.000 Dollar an. „Die Mafia ist lange nicht so groß wie diese Typen“, sagte Garner in einem Playboy-Interview. Im Frühjahr 1989 wurde dann ein Gerichtstermin festgesetzt. Da aber gerade durch einen Branchendienst ermittelt worden war, daß Universal mit den Auslandsverkäufen von ROCKFORD 126 Millionen Dollar verdient hatte, bot man einen außergerichtlichen Vergleich an, den Garner akzeptierte. Er bekam 10 Millionen Dollar.

Mitte der 90er Jahre wurde ROCKFORD, wie zuvor schon KOJAC, HART TO HART oder COLUMBO, exhumiert, und es entstand eine Reihe von 90-Minuten-Folgen mit der alten Besetzung (außer dem inzwischen verstorbenen Noah Beerry, dem der erste Film gewidmet wurde), die überraschend erfolgreich waren. Rockford und Angel sind alt geworden, aber die Magie der frühen Shows konnte wiederbelebt werden. Auch wenn Garner wegen seiner Knieverletzungen inzwischen noch schlechter laufen konnte und schon einen Stuntman brauchte, wenn er eine Treppe hochrennen musste. Garner ließ es sich nicht nehmen, diesbezüglich ein paar Gags in die Show reinschreiben zu lassen, in denen auf seine Behinderung angespielt wird.

5869921._UY200_[1]Romane:

Mike Jahn: Ein Killer für Rockford.Bastei 38014, 1976. Rockfords tödlicher Bluff.Bastei 38016, 1976.

In den USA erschienen weitere Rockford-Romane aus der Feder des bekannten Krimi-Autors Stuart Kaminsky.

 

 

Literatur:

David Martindale: The Rockford Phile, Las Vegas 1991.

Robertson, Ed. (2005). Thirty Years of „The Rockford Files“: An Inside Look at America’s Greatest Detective Series. Lincoln, NE: ASJA Press. 497 pages.

 

USA 1974-89;3×90 Min.u.112×45 Min.;1996:6×90 Min.;F.

 

Jim Rockford … James Garner

Joseph „Rocky“ Rockford (Pilot) … Robert Donley

Joseph „Rocky“ Rockford … Noah Berry, Jr.

Det.*Dennis Becker … Joe Santos

Beth Davenport (1974-78) … Gretchen Corbett

Evelyn „Angel“ Martin … Stuart Margolin

John Cooper (1978-79) … Bo Hopkins

Lt.*Alex Diehl (1974-76) … Tom Atkin

Lt.*Doug Chapman (1976-80) … James Luisi

Lance White (1979-80) … Tom Selleck

http://www.thesandbox.net/arm/rockford/

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