Martin Compart


NOIR-ROMANE, DIE MAN LESEN SOLLTE: FAT CITY by Martin Compart
22. Mai 2017, 9:10 am
Filed under: Noir, Rezensionen | Schlagwörter: ,

Jürgen Ruckh hat Leonard Gardners Klassiker FAT CITY besprochen:
http://schusterjunge-und-hurenkind.de/leonard-gardner-fat-city



AKTION SORGENKIND: HURRA! AUFBRUCH BEI DER NRW-SPD! EIN MANN MIT VÖLLEGEFÜHL. by Martin Compart

Mit ihrem Abgang schloss Hannelore Kraft die Lücke, die sie hinterließ. Aber was sollte dann werden?
Endlich ein Hoffnungsträger, der nicht Zug fährt!
Als Verkehrsminister gelang ihm, was viele für unmöglich gehalten haben, nämlich, die Staus in NRW zu vervierfachen. Mit dem ebenso schönen wie charismatischen Genossen gilt der Neuaufbau der SPD als abgeschlossen und sie kann nun gelassen die 5 Prozent-Klausel anvisieren:

Ihm droht keine Altersarmut, Genossen, wir haben etwas geschafft, auf das wir zu Recht stolz sein können!



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
19. Mai 2017, 6:05 pm
Filed under: MUSIK, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,

Der beste Golden Earing-Song, den Golden Earing nicht gemacht hat.

Und für Leute, die noch zuhören können:



THRILLER, DIE MAN LESEN SOLLTE: ROBERT FERRIGNO by Martin Compart


Obwohl seine Romane in 18 Sprachen übersetzt wurden, hat es Robert Ferrigno nie in die erste Liga der internationalen Bestsellerautoren geschafft, Dabei hat man ihn bei seinem Debüt 1990 mit THE HORSE LATITUDES (ROSSTIEFEN) immer mal wieder als „the next big thing“ vermutet. Seitdem schrieb er wohl 12 Romane, die nicht den prognostizierten Bestsellererfolg hatten. Seit ein paar Jahren ist er diesem Ziel näher gekommen, indem er sich vom Noir-Thriller abgewendet hat und eine Serie schreibt, die in der nahen Zukunft angesiedelt ist, in der die USA ein islamisches Land geworden sind. Vergleichbar eher mit Robert Harris´ VATERLAND oder Len Deightons SSGB, als mit Parallelwelten der Science Fiction. Der erste Roman ist auch auf deutsch erschienen; von seinen Thrillern leider nur die ersten sechs (bei Knaur und Goldmann).

Ferrigno hat ein merkwürdiges Problem mit Nachhaltigkeit: Bei der Lektüre seiner Noir-Thriller amüsiert man sich glänzend, empfindet ihn häufig in derselben Klasse wie Elmore Leonard oder Carl Hiaasen. Aber kaum hat man das Buch weggelegt, platzt die Erinnerung daran wie eine Seifenblase und selbst sein beeindruckendes Personal an bösen Buben entschwindet. Unverständlich, da er tolle Dialoge schreibt, wahnwitzige Figuren erfindet und originelle Plots entwickelt. Wiederholt entgleitet ihm die Struktur und dann geraten die Bücher aus dem Tritt, können das Tempo nicht mehr halten. Die Choreographie stimmt nicht mehr. Das klingt  ziemlich hart. Aber ich würde mir wohl nicht die Mühe machen, Ferrigno hier zu behandeln, wenn das Vergnügen an seinen Romanen nicht die Mängel übertreffen würde. Lassen Sie sich also bei aller hier geäußerten Kritik nicht von der Lektüre abhalten.

Seine schwächeren Romanen erinnern an Filme von Quentin Tarantino: Intelligentes Spiel mit Genres-Topoi, blendende Dialoge und Charaktere, aber ohne berührende Tiefe.

Ferrigno hat auch seinen eigenen Kosmos entwickelt: Mehrere Personen gehören zum Team des SLAP-Magazins, die Polizistin Jane Holt usw. Dem regelmäßigen Leser bereitet es Vergnügen, wenn er diese Selbstreferenz erkennt.

Seine Helden sind keine crime fighter. Sie stehen immer etwas außerhalb der Gesellschaft – auch als Journalisten – und folgen ihren eigenen Regeln, sind somit typische Noir-Protagonisten. Als „Talentierte Outsider“, beschreibt sie Ferrigno. Seine „Story-Maschine“ wird meist dadurch angeworfen, dass sie eine moralische Entscheidung treffen müssen, die dann zu ungeahnten Situationen führt, die alles schlimmer machen.

Sein Stil ist sehr filmisch. Die einzelnen Szenen könnten problemlos zum Drehbuch aufgelöst werden (fast alle Romane wurden – einige mehrfach – von Hollywood optioniert, aber bisher keiner verfilmt). “ I think and write very visually. Thinking cinematically, thinking in terms of dialogue and movement, is an advantage. It allows me to lie in bed with my eyes closed and „play“ different chapters in my head as scenes, reshooting them from different angles and points of view until I get it right. Then I can get up and go to the keyboard with certain problems solved. It’s mental storyboarding and keeps things fast and true. If it doesn’t look right, it’s not going to read right. An extra advantage is that I can reassure my wife that I am still working, even when horizontal.“

Er arbeitet etwa ein Jahr an einem Buch, dabei die letzten Monate täglich bis zu 14 Stunden. Es ist eben mühevoll, etwas leicht aussehen zu lassen, Der Umfang seiner eher schmalen Thriller unterscheidet sich wohltuend von den Volumen redundanter Langweiler wie Don Winslow, Adrian McKinty oder Dennis Lehane (den Ferrigno als einen seiner Lieblingsautoren nennt) mit ihrer kleinbürgerlich-feuilletonistischen Entrüstung und „seht-her:- mehr-als-ein-Krimi-Attitüde“. Bei der Arbeit hört er Musik – von Puccini über Brian Eno bis Tammy Wynette. Ein breitgefächerter Musik-Geschmack für den ehemaligen Begründer eines Punk-Rock-Magazins, “ I use more of a story-board – as in film making… . I usually follow a promising lead or plot development even if it’s not in the outline… Most of the bad guys in my books start out as stock characters and then take on a life of their own… . I trust my unconscious more than my conscious any day.“

Robert Ferrigno wurde 1947 in eine italienisch stämmige Familie in Fort Lauderdale geboren. „We were a highly dramatic family who discussed politics and current events at every meal. Intellectual courage was highly praised and individuality encouraged, the greatest gifts any parent can give a child.“ Die Erfahrungen der Sixties prägten sein politisches Bewusstsein. „Ich hasse alle Politiker. Aber am meisten diem die ihre Freundinnen oder Dates ertrinken lassen.“ Eine Anspielung auf Ted Kennedys „Zwischenfall“ von Chappaquidick, bei dem der junge Senator zusammen mit Mary Jo Koppechne im Auto in den Fluss stürzte. Während der wohl schlagartig nüchterne Politiker sich aus dem Wagen befreien konnte und an die Wasseroberfläche schwamm, ließ er seine Begleiterin ersaufen. Wie man sich nach Ferrigno in einer solchen Situation zu verhalten hat, beschreibt er im 2.Kapitel von DEAD SILENT.

Er studierte u.a. Philosophie und Film und unterrichtete dann eineinhalb Jahre am College. Gelangweilt gab er seine akademische Karriere auf und wurde für fünf Jahre professioneller Poker-Spieler. Dann gründete er das Punk-Rock-Magazin THE ROCKET und landete schließlich als Feature-Schreiber bei einer kalifornischen Zeitung, „Hier interviewte ich oder schrieb ich über Leute, die später meine Romane bevölkerten.“ Er interviewte auch Elmore Leonard, mit dem er verbunden blieb, und der ihm für sein erstes Buch eine großartige Empfehlung (blurb) schrieb.

Ferrigno begann seinen ersten Roman zu schreiben, als seine Frau während ihrer Schwangerschaft ernsthaft erkrankte. „Sie war todkrank und ich lenkte mich zeitweilig mit dem Schreiben ab. Ich schrieb das Buch, das ich seit 15 Jahren im Kopf hatte.“ Zwei Monate nachdem er bei der Zeitung gekündigt hatte, fand er einen Agenten, der das halbfertige Manuskript neun Verlagen präsentierte; alle machten ein Angebot. William Morrow erhielt den Zuschlag, denn Ferrigno brauchte dringend den höchst möglichen Vorschuss: „.My family was very passionate, very angry – my dad at sixty years old finally snapped and shot a man in the face with a .357 magnum. I used part of my advance for The Horse Latitudes to hire a good attorney and he beat the rap.“

Das wäre kein schlechter Anfang für einen Ferrigno-Thriller.



THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: Thomas Giffords „THE WIND CHILL FACTOR“ by Martin Compart
2. Mai 2017, 5:49 pm
Filed under: Krimis,die man gelesen haben sollte, Nazi, Thomas Gifford, thriller | Schlagwörter: , ,

I am not I;
he is not he;
they are not they.

„Everything I believe in has been proven a lie, everything I had ever looked to as an anchor in my life. Nothing is what it seemed. There’s just nothing left.“

Thomas Gifford (1937-2000) ist ein völlig zu Unrecht vergessener Thriller-Autor, der jahrzehntelang Bestseller und hochkarätige Potboiler ablieferte. Thematisch war dieser Kenner des Genres weit gefächert (von Noir-, wie KISS ME ONCE oder KOMPLOTT, bis hin zu Vatikan-Thrillern, wie ASSASINI, und natürlich Conspiracy-Romanen, wie AQUILA). Es ist eine Schande: in den meisten Nachschlagewerken des Genres sucht man seinen Namen vergebens. Dabei sind seine Thriller meist höchst originell, gut geplottet, mit sprachlichen Feingefühl geschrieben und voller glaubwürdiger Charaktere. Ein neu zu entdeckender Meister des Thrillers, der es auf die Bestsellerlisten schaffte, aber selten ins Feuilleton.

Sein vielleicht bester Thriller (und das unabhängige Sequal) wurde bei uns nicht veröffentlicht. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hatte der Bastei-Lübbe-Verlag Probleme mit den Themen: Nazis und das vierte Reich (im Sequal die wahren Hintergründe der Wiedervereinigung). Ansonsten verkauften sich seine Thriller bis in die Nullerjahre auch bei uns Auflage für Auflage. Gifford war lange ein Aushängeschild des Verlages im Spannungsfeld. Um so ärgerlicher, dass der Verlag sein Meisterwerk ausgelassen hat. Aber vielleicht ist das hier ein Tipp für einen Kleinverlag.

Spätestens seit Forsyths AKTE ODESSA sind die Nazis und ihre weiteren Bestrebungen nach Ende des 3.Reichs ein beliebter Thriller-Topos. Besonders in den 1970ern kam kaum ein namhafter Autor an ihnen vorbei. Etwa Ira Levin mit dem wunderbaren BOYS FROM BRAZIL, 1976.

Einer der besten – vielleicht sogar der beste – ist Giffords THE WIND CHILL FACTOR, 1974.

Der angehende Schriftsteller John Cooper erholt sich von einer Scheidung , als ihn ein kryptisches Telegramm seines Bruders erreicht: „URGENT YOU MEET ME COOPER’S FALLS 20 JANUARY. DROP EVERYTHING. FAMILY TREE NEEDS ATTENTION. CHEERS OLD BOY. CYRIL.“ Sofort macht er sich auf in seine Heimatstadt in Minnesota. Er findet seinen Bruder tot und einen Familienstammbaum mit Nazi-Sympathisanten. Mysteriöse Bekannte der Familie sind da, um ihn zu unterstützen, aber Cooper fühlt sich eher belagert. Er will wissen, was sein Bruder über die Vergangenheit seiner Familie herausgefunden hat und beschließt, dessen Spuren zu folgen. Eine Recherche rund um die Welt beginnt: von Buenos Aires über Glasgow und London bis München. Und dabei wird es immer wilder und heftiger!

Das klingt alles nach einer Klischeegeschichte. Aber tiefer möchte ich nicht gehen, um das Lesevergnügen nicht zu beeinträchtigen. Tatsächlich ist es auch nicht die übliche Geschichte um untergetauchte Nazis, die auf eine zweite Chance warten. Gifford legte alles viel perfider an und es ist erstaunlich, auf welch hohem Niveau er seinen Erstling verfasst hat.
Für Giffords Nazis ist der Untergang des 3.Reiches lediglich ein Boxenstop, nicht weiter tragisch. Problematischer ist die Rivalität zwischen Alt- und Jungnazis. Aber insgesamt sind weltweite Allianzen geschlossen und Regierungs- und Konzernzentralen mit Interessenvertretern besetzt. Allianzen zwischen Wirtschaft und Nazis oder Faschisten sind eher Tradition als Ausnahme, Letztere immer für ein investitionsfreundliches Klima sorgen. Das Buch hat irgendwie an Aktualität gewonnen und liest sich noch immer äußerst spannend. Wer mit der Lektüre beginnt, sollte eine schlaflose Nacht einplanen.

Gifford war ein antiklerikaler amerikanischer Nestbeschmutzer, dessen Romane mir große Freude bereitet haben. Mal mehr, mal weniger (was ja auch höufig von der eigenen Stimmungslage abhängig ist). Sicherlich sind einige etwas redundant und man könnte einige Szenen wegkürzen. Aber den Test der Zeit bestehen sie erstaunlich gut. Sein literarisches Talent ist eben zeitloser als manches Sujet. Ein großer unbeachteter Autor, der auch in den USA noch auf seine Anerkennung wartet. Dabei steht er ungleich anerkannteren Zeitgenossen aus dem Thriller-Genre, wie etwa Robert Ludlum, in nichts nach, ist ihnen an Vielseitigkeit und literarischen Fähigkeiten meist überlegen.

In den großen Lexika zum Genre findet man nichts über ihn – mit der Ausnahme des ST.JAMES GUIDE TO CRIME & MYSTERY WRITERS. Und für Morrell & Wagners THRILLERS: 100 MUST READS ist es ein Armutszeugnis, das kein Titel von Gifford verzeichnet ist. Aber dort fehlt auch u.a. John F.Case.
Immerhin schrieb der ARMCHAIR DETECTIVE 1974:

„You may think you are tired of books that discover left-over Nazis behind every hedge, but this i a very superior specimen of the breed: uncomfortably plausible, with credible characterization, a good sense of atmosühere and timing, and solid plotting.“



DIE POLE des DEUTSCHEN MAINSTREAM-JOURNALISMUS by Martin Compart

Sehr geehrter Herr Dr. Lüders,

ich bin seit Jahren interessierter TV-Zuschauer und Leser Ihrer Analysen. Der alberne „Shitstorm“ durch längst als albern erkannte Medien zeigt einmal mehr, auf welch ideologisch vernebelten Niveau bei uns Diskurse geführt werden. Es ist genau diese Haltung, die zur Ablehnung der Mainstream-Medien geführt hat und diese vertieft. Naja, wir wollen nicht vergessen, dass die Pioniere der FAKE-NEWS Bild-Zeitung und Springerpresse waren.

Ich nehme nicht an, dass Sie diese hirnlose Kritik (welch ein Euphemismus für diesen Vorgang) auch nur im geringsten beeindruckt. Abgesehen von Ihrer Kleinideologen überstrahlenden Analysefähigkeiten verzeihen die Medien-Trolle Ihnen den Bucherfolg nicht. Man konnte ähnliches schon früher bei Scholl-Latour beobachten, dessen eigenständiges Denken von Provinzredakteuren ebenso wenig gemocht wurde wie sein TV- und Bestsellererfolg.

Ich bin jedenfalls sehr froh, dass es noch ein paar kritische Geister wie Sie gibt, deren Überlegungen meine Intelligenz nicht beleidigen.
Mit den besten Grüßen,
Martin Compart

Entscheidet selbst über Intelligenz und Verblödung.
https://propagandaschau.wordpress.com/2017/04/24/kampagne-gegen-michael-lueders/



DUSQUESNE: 3.ZWISCHEN DEN KRIEGEN by Martin Compart
28. April 2017, 6:07 pm
Filed under: Allgemein

Quelle: DUSQUESNE: 3.ZWISCHEN DEN KRIEGEN