Martin Compart


NUMMER 6 LEBT! Das PRISONER-Special by Martin Compart

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Über keine Fernsehserie wurde soviel geschrieben wie über NUMMER 6 (THE PRISONER)) – ausgenommen vielleicht STAR TREK. Wenn der inzwischen inflationäre Begriff „kult“ berechtigt anzuwenden ist, dann auf diese Serie, die nächstes Jahr ihr 50jähriges Jubiläum feiert und erstmals bewies, dass TV-Serien eigene Kunstformen entwickeln können. Und es gibt wohl keine andere Serie, die ein ähnlich intensives Fandom hat. Und das nicht nur in England, sondern weltweit!

Verblüfft habe ich erfahren, dass in Deutschland die NUMMER 6-Page die wahrscheinlich langlebigste Internet-Seite ist, die sich einer TV-Serie widmet. Auch wenn er das nicht gerne hört, sehe ich als das Mastermind (also die Nr.1) hinter dem deutschen Fandom Arno Baumgärtel. Grund genug, ihn mal zu belästigen und auszuhorchen. Arno hat mir freundlicher Weise auch die meisten der hier verwendeten Fotos zur Verfügung gestellt.

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Wer ist Arno Baumgärtel?

That would be telling.
Er ist 1956 im Mittelhessischen geboren, hat 1976 in Freiburg im Breisgau Abitur gemacht. Ging dann zum Studieren brotloser Künste wie Germanistik, Politik und Philosophie, und das auf Magister, nach Gießen, wo er sich immer noch aufhält, wenn er nicht in Frankfurt am Main in einem Im- und Exportbetrieb als Multitalent arbeitet. Film, Filmgeschichte und Kino sind das bevorzugte Interessensgebiet. Er war eine Zeitlang Filmvorführer (35 mm!) und freier Mitarbeiter beim nicht mehr existierenden örtlichen Kommunalen Kino. Die Passion für NUMMER 6 bzw. THE PRISONER pflegt er seit dem Fernsehdebüt.

Wie bist Du auf PRISONER gestoßen und wie hat sich die Infektion ausgewirkt?

Im Sommer 1969 wurde eine neue Serie mit Patrick McGoohan angekündigt: NUMMER 6.
51n+z1H0kHL._AC_UL320_SR230,320_[1]Allein der Titel war mysteriös genug, um Aufmerksamkeit zu erwecken. Denn schon 1962 war Patrick McGoohan mit seiner Serie GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE einer der Helden des Vorabendprogramms (und der Kindertage des Fernsehens überhaupt) gewesen.

NUMMER 6 lief samstags zu mitternächtlicher Stunde im ZDF, nach dem „Aktuellen Sportstudio“, das seine Sendezeit meistens überzog. Die Sendetermine waren rätselhaft, kein
erkennbarer Rhythmus. Und mit 13 Jahren war es doch dem Zufall überlassen, dass man den Termin der nächsten Episode mitbekam oder dass man überhaupt so lange aufbleiben durfte.
Sicher ist, gesehen habe ich etwas davon, aber nicht alle Episoden. 1972 wiederholte das ZDF sieben Episoden als Kontrastprogramm zur Berichterstattung über die olympischen Sommerspiele in München; eine lobenswerte Sache. Ich weiß noch, dass mich die Ankündigung elektrisiert hat. Wieder habe ich einige Folgen gesehen, wahrscheinlich nun auch doppelt, nie aber das Ende. In der Erinnerung vermischen sich die beiden Ausstrahlungen. Und natürlich war NUMMER 6 schwarz-weiß wie alles im Fernsehen dieser Zeit. Danach tat sich viele Jahre lang nichts hinsichtlich NUMMER 6. Aber Bilder daraus waren immer präsent.

NUMMER 6: Deutsche Fernsehpremiere http://www.match-cut.de/tho/tallyho40.htm
TV Magic: http://www.match-cut.de/spec/tvm.htm
Patrick McGoohan: http://www.match-cut.de/spdln/spdln29.htm

Wer ist denn nun Nummer 1? Die Nr.6-These ist mir nicht ganz geheuer.

Nr. 6 ist Nr. 1. Metaphorisch gesehen. Wie sonst? Ein weites Feld! Ich mache es mir mal einfach und verweise auf die Episodenwürdigung von „Demaskierung“ auf meiner Website:

„Demaskierung“: http://www.match-cut.de/eps/fall.htm

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Was sagst Du zu dem „Remake“?

Ein interessanter Schlag in Wasser. Die vorab verbreiteten visuellen Eindrücke vom Village, die Dreieckshäuser in einer strengen geometrischen Anordnung, haben die Fantasie beflügelt, was das wohl werden könnte. Und da war der neunminütige Trailer, der Lust auf mehr gemacht hat. Tatsächlich ist das Ergebnis unterm Strich eine Enttäuschung. Ein völlig vergeigter Plot, der sich darin gefällt, Jump-cuts zum Erzählprinzip zu machen, vielleicht um surrealistisch zu sein, der dabei ganze Erzählstränge fallen lässt und keine konsistente Erzählung abliefert. Und wir sprechen nicht über „Sinn machen“. Denn der Original-PRISONER tut das zunächst auch nicht unbedingt, ist voller Leerstellen. McGoohan operiertmit Allegorie und Symbolismus, die die logischen Löcher im Plot sozusagen ausbügeln. Im sogenannten Remake werden daraus buchstäblich die bodenlose Löcher im Ort, weil Autor Gallagher nicht weiß, wie man Handlungsbögen spannt. Und die Umwertung am Ende ist natürlich überhaupt nicht vom Geist McGoohans beseelt (Individualismus über Gesellschaft), indem Nr. 6 zum Nachfolger des Despoten Nr. 2 wird und dessen Werk vollenden soll, wenn auch vielleicht in einem mehr humanen Sinn. Manche nennen das „zeitgemäße“ Interpretation. Jim Caviezel als Nr. 6 ist ein völliger Ausfall, er hat von der Rolle, auch mit Blick auf McGoohan, keinen Plan, während Ian McKellen die Szenerie schauspielerisch beherrscht. Aber selbst seine One-liner retten das erzählerische Defizit nicht.

Auf der Habenseite steht für mich das Produktionsdesign, die Fotografie, die Stimmung aus Wüste, Wind und Sand in manchen Szenen. Der beste Schachzug dieser Produktion war jedoch, das
Village in Namibia – und nicht in Wales – zu suchen. So vermeidet man immerhin ein Stück weit den ohnehin schon mühlsteinschweren Vergleich mit dem Original von 1967. Unter PRISONER-Fans gibt es kaum jemand, der das „Remake“ mag. Ich kenne genau zwei. Aber, ich betone, es gibt Qualitäten, die nicht in der vergurkten Story liegen. Man hat sich ohne Notauf einen Vergleich mit McGoohans Original eingelassen, und das musste in die Hose gehen.

Auf meiner Website habe ich mich lang und breit darüber ausgelassen.
THE PRISONER 2009: http://www.match-cut.de/tho/tallyho47.htm
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PRISONER ist m.E. das einzige perfekte Beispiel für das Medium Fernsehserie als Kunstform, da es in keinem anderen Medium, außer vielleicht Comic Book, so erzählt
werden kann. Ohne das serielle Prinzip würde die Geschichte nie so effektiv. Schließt das nicht einen so lange schon geplanten und immer wieder verworfenen Film aus?

Schwer zu sagen, ob McGoohan in Begriffen wie Serialität dachte, wahrscheinlich nicht.
Andererseits, ihm schwebte eine Miniserie von sieben Teilen vor, also ein Format, das damals noch nicht erfunden war. Er glaubte nicht, dass die Sache genug Substanz für mehr hätte. Das heißt, er hatte schon ein Bewusstsein fürs Format, innerhalb dessen er seine Geschichte glaubte erzählen zu können. Ob er eher stattdessen einen Kinofilm gemacht hätte, wäre er selber nicht vom Fernsehen (mit seiner langjährigen Erfolgsserie DANGER MAN) gekommen…? Lew Grade, Chef von ITC und sein Finanzier, wollte die Serie in die USA verkaufen und brauchte schon deshalb mehr Episoden. Also wurde nach der ersten Produktionsphase zunächst weitergeplant, bis das Geld ausging und man dann sehr schnell zu einem Abschluss kommen musste. Daher die seltsame Anzahl von 17 Episoden. McGoohan ging – auch deshalb – nach Hollywood, um durch seine Rolle in EISSTATION ZEBRA die Fertigstellung von NUMMER 6 zu sichern. Die Produktionsgeschichte ist, sagen wir, ziemlich ungerichtet und chaotisch verlaufen. Viel Geld wurde ganz am Anfang verbraten, das späteren Episoden fehlte. Man sieht es. Das betrifft etwa das Verhältnis der grandiosen Außenaufnahmen vom Originalschauplatz in Portmeirion und solchen, die nur im Studio entstanden sind. Oder die bis heute ohne echtes Ergebnis diskutierte „wirkliche“Episodenreihenfolge. Die Episoden wurden gesendet, sobald sie fertig waren. Eine der spannendsten Fragen ist, inwieweit das Gesamtkunstwerk NUMMER 6 planvoll zu dem gemacht wurde, was man heute sieht.

McGoohan hatte die künstlerischen und ästhetischen Freiheiten, wovon die meisten nicht mal träumen können, aber natürlich war es wie bei jeder Film- und Fernsehproduktion auch Teamwork. In den USA hatte er diese Freiheiten nie wieder. Wenn er es heute noch einmal tun könnte, dürften wir uns auf etwas einstellen, ganz sicher. Vielleicht auch im Kino, sicher bin ich nicht.
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Wie viele andere Freunde des Originals habe ich aber ein Unbehagen gegenüber“ Neuschöpfungen“ oder Remakes. Warum etwas nochmal machen, was schon existiert? Im schlimmsten Fall wird die Neuauflage immerzu am Original gemessen und als untauglich verworfen, wenn und weil sie nicht wirklich auf eigenen Beinen stehen kann. Die beste „prisonereske“ Neuschöpfung in diesem Sinn, im Geist von NUMMER 6, ist Vincenzo Natalis Film CUBE. Kein Nachäffen, sondern fortentwickeln. Ich warte auf kein Remake.

CUBE: http://www.match-cut.de/spdln/spdln49.htm#a6

Martin Gresch, Heike Gresch, Michael Brüne, Marc Christiansen, Dieter Burandt, Michael Kimpel, Andreas Marx, Jana Müller, Arno Baumgärtel, Huberta Burandt, Barbara Schlosser (Österreich); fehlt: Jürgen Staeder

Martin Gresch, Heike Gresch, Michael Brüne, Marc Christiansen, Dieter Burandt, Michael Kimpel, Andreas Marx, Jana Müller, Arno Baumgärtel, Huberta Burandt, Barbara Schlosser (Österreich); fehlt: Jürgen Staeder

Erzähle mal etwas über die deutsche NUMMER 6-Gemeinde. Wann und wie hat sie sichorganisiert?

In den 90er Jahren gab es zwei Deutsche, zu denen wir auch heute Kontakt haben, die nach Portmeirion zu Conventions gefahren sind und auch eigene Events auf die Beine gestellt haben; der eine in Hamburg, der andere in Nürnberg. Der hat unter anderem einen ganz witzigen Filmessay in Portmeirion gemacht und als Video vertrieben. Wir sind zzt. 14 Personen und regional in Hessen und Nordrhein-Westfalen verankert. Inzwischen kennen sich fast alle auch persönlich. Nicht jeder ist in dem Sinn aktiv. Die einen haben Spaß an den Fahrten zum Drehschauplatz und den sogenannten Reenactments, andere – wie ich – beschäftigt seit jeher der intellektuelle Gehalt der Serie. Will sagen, kostümieren muss ich mich nicht. Aber alle sind auf diese oder jene Art von der Figur und/oder dem Darsteller McGoohan fasziniert und selbstverständlich auch vom „Village“ Portmeirion.

links nach rechts: Barbara Schlosser (Österreich), Huberta Burandt, Andreas Marx, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Brüne, Dieter Burandt, Marc Christiansen, Arno Baumgärtel, Martin Gresch, Heike Gresch; fehlt: Michael Kimpel

links nach rechts:
Barbara Schlosser (Österreich), Huberta Burandt, Andreas Marx, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Brüne, Dieter Burandt, Marc Christiansen, Arno Baumgärtel, Martin Gresch, Heike Gresch; fehlt: Michael Kimpel

Was wir heute als „Nr6DE“ bezeichnen, hat etwa 2004 angefangen, als ich Michael Brüne kennen gelernt habe. Er war nicht publizistisch aktiv, ist aber auch ein Fan der ersten Stunde, von der Serie gefangen genommen. Manche Menschen haben das Fernsehbild abfotografiert.

1969 hat er alle Episoden auf Tonband mitgeschnitten und die Dialoge transkribiert. Andere Möglichkeiten, etwas von der Serie zu behalten, hatte man damals ja nicht. Michael reiste alleine zu den PRISONER-Conventions nach Portmeirion und kannte schon den einen oder anderen der Organisatoren persönlich. Während sich bei mir manche Dinge einfach nur ansammeln, ist er ein ein richtiger Sammler. Er hat zeitgenössische Artikel und Zeitungsausschnitte über die Erstausstrahlungen von NUMMER 6 und viele Memorabilia in seinem Bestand. Die Bekanntschaft mit Michael hat meiner Website einen richtigen Boost verschafft. Andere Afficionados kamen dazu. Aber das alles ist nur ein lockerer Verbund von Interessierten, keine wirkliche Gruppe oder gar ein Verein.

Michael Brüne, Marc Christiansen, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Kimpel, Christine Burgard (Frankreich), Huberta Burandt, Dieter Burandt, Arno Baumgärtel, Barbara Schlosser (Österreich) Christine war an dem Theaterstück mitbeteiligt. Es fehlen: Martin u. Heike Gresch, Andreas Marx.

Michael Brüne, Marc Christiansen, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Kimpel, Christine Burgard (Frankreich), Huberta Burandt, Dieter Burandt, Arno Baumgärtel, Barbara Schlosser
(Österreich)
Christine war an dem Theaterstück mitbeteiligt. Es fehlen: Martin u. Heike Gresch, Andreas Marx.

2006 brachte Koch-Media die Serie erstmals als DVD heraus.dbm000069d[1] Als Fan hat man nicht ernsthaft damit gerechnet, das noch zu erleben. Ich nicht. Wir haben mit Koch-Media Kontaktaufgenommen. Und schnell war da die Idee, eine Veranstaltung zu machen, um zu testen, wie die Resonanz auf die Serie in Deutschland denn heute ist.

Ein aktiver Laientheaterschauspieler aus Wiesbaden meldete sich bei mir. Deshalb kam es dort 2007 zum ersten Treffen als „Nr6DE. Er kannte viele Leute, besorgte den Saal und das Drumherum, die Verpflegung. Er kannte auch jemand beim Wiesbadener Kurier. Die Zeitung hat unsere Veranstaltung auf der Titelseite angekündigt, sensationell! Etwas über 30 Interessierte kamen.
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2008 gab es wieder in Wiesbaden eine Neuauflage. Diesmal hatte er ein kleines Theaterstückauf der Basis von Dialogen und Handlungsbestandteilen aus der Serie geschrieben und inszenierte es mit seiner Theatergruppe. Keiner von denen hatte vorher etwas mit NUMMER 6 zu tun. Ein großer Erfolg. Zu dem Treffen kamen wieder um die 30 Leute. Wir hatten auch
Besitzer von Lotus- bzw. Caterham Super7, wie man einen im Serienvorspann sieht, eingeladen. Drei sind mit Fahrzeug erschienen.
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2009, am 40. Jahrestag der Erstausstrahlung im ZDF, gab es ein weiteres Treffen, diesmal in einem Bürgerhaus in Gießen. Ich hatte eine kleine Ausstellung auf Displaykartons aufgebaut. Das letzte Treffen dieser Art war 2010,erneut in Gießen. Die Beteiligung war sehr dürftig, der Aufwand trotzdem hoch. Und beinahe wäre aus Zeit- und Personalknappheit alles ausgefallen. Für uns war das der Anlass zu sagen, wir machen keine solchen Veranstaltungen mehr. Lieber treffen wir uns zweimal im Jahr informell und gehen zusammen essen. Wer dazukommen will, kann das gern tun. So halten wir es seither. In der Regel treffen wir uns im Spätwinter vor der alljährlichen PRISONER-Convention und danach im Spätsommer noch einmal zu einer Nachlese, schauen Bilder und Videos an und tauschen uns aus.
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Leute, die wir getroffen haben, erzählen oft sehr Ähnliches über ihre PRISONER-Sozialisation, den unregelmäßigen Sendetermin und damit verbunden das Geheimnisvolle daran. Der weiße Ballon und der Lotus Super 7 sind Gedächtnisstützen par excellence. Diese Menschen waren wie wir um die 12, 13, 15, vielleicht 17 Jahre alt, als NUMMER 6 erstmals im ZDF lief. Letztlich ist das auch ein Stück Sozialgeschichte des deutschen Fernsehens.

Jüngere Semester kommen dagegen über andere Medien, Musik oder Comics, zu NUMMER 6. Ihre Geschichten sind anders.

Nr6DE – PRISONER-Convention.

1991 war ich das erste Mal auf einer PRISONER-Convention. Man sieht schon am Jahr, das war nach einer der Pro7-Wiederholungen und nachdem wir mehr über die Serie und das Village, Portmeirion, herausgefunden hatten. Reine Neugier, kein Fandom.

Die Conventions fanden damals noch im Spätsommer statt. Portmeirion ist eine Hotelanlage. Nach der Jahrtausendwende wollte das Management die Conventions nicht mehr in der Hochsaison haben, wenn dort viele Hochzeiten veranstaltet werden, die Geld bringen; all die seltsamen Gestalten. Heute liegen die Conventions vor oder kurz nach Ostern, was wettertechnisch Vor-und Nachteile haben kann. Ganz unvermeidlich kam der Gedanke auf, dass man doch als Gruppe zur Convention fahren könnte. Bis dahin waren praktisch immer nur Einzelpersonen gefahren. Die Fahrt 2010 musste wegen dem Vulkanausbruch auf Island ausfallen. 2011 waren wir dann zu fünft. Für mich nach 20 Jahren die zweite Convention, schon besonders, alles wiederzusehen, zu vergleichen, damals im Sommer, jetzt im Frühjahr, aber bei ähnlichen Temperaturen. Alles war sehr vertraut.
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Es war auch meine erste Übernachtung im Village, die Atmosphäre ist ebenfalls sehr speziell. Inzwischen kannte ich etliche der Organisatoren per E-Mail und abends beim Bier schließlich auch persönlich. In den Jahren danach sind immer wieder welche von uns in wechselnder Besetzung zur Convention gefahren. 12 Leute aus Deutschland, eine Frau aus Österreich war bisher Rekord. 2013 haben wir ein kleines von unserem Theatermenschen selbst geschriebenes Stück ein geprobt und vor gut 150 oder mehr Personen auf Englisch aufgeführt. Ein großer Erfolg bei den Einheimischen. Schauspielerin Bettine Le Beau, die eine Nebenrolle in der Serie hatte, war der Ehrengast und meinte hinterher im Gespräch, den deutschen Akzent hätten wir ja sehr gut hinbekommen… Sie wurde dann aufgeklärt. Die Briten sprechen mit Hochachtung über unsere Begeisterung. Nicht zu vergessen, so eine Fahrt nach Wales dauert mit öffentlichen Verkehrsmitteln fast den ganzen Tag und ist letzten Endes auch eine soziale Angelegenheit.

PRISONER-Convention 1991: http://www.match-cut.de/spec/vsb7.htm
PRISONER-Convention: http://www.match-cut.de/tho/tallyho26.htm

PortmeiriCon-2011-2_Beginn-der-Schachpartie-mit-Rover

Nr6DE – ARTE-Synchronisation.
Koch-Media hatte die vier vom ZDF 1969 weggelassenen Folgen für die DVD 2006 nur untertitelt. Um 2008 erzählte einer aus unserem Kreis, im Hauptberuf Redakteur beim WDR, dass er einen Kontakt zu ARTE hätte und dass sie sich über NUMMER 6 unterhalten hätten.

Nach und nach kam heraus, dass ARTE vorhatte, die vier Episoden „Free For All“, „The Schizoid Man“, „A Change Of Mind“ und „Living In Harmony“ neu bzw. erstmalig zu synchronisieren und zu senden! (Wir lassen hier mal die Frage beiseite, ob nur Originaltöne das Wahre sein können.) 2010 wurde NUMMER 6 nach 18 Jahren das erste Mal im Rahmen des ARTE-Schwerpunkts „Summer of the 60s“ im frei empfang baren Fernsehen wiederholt. Und nicht nur das. Alle Episoden nun mit deutschen Dialogen. Das Bildmaterial, neu abgetastet, deutlich heller, die Farben besser als je zuvor, basiert auf der britischen Network-Veröffentlichung. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass NUMMER 6 erst jetzt seine deutsche Fernsehpremiere erlebt hat.

Im Verlauf der Diskussionen mit ARTE wurde ich als Gewährsmann vorgeschlagen, der dafür sorgen sollte, dass die Neusynchro, soweit es ging, an den Geist der 69er von Joachim Brinkmann (1928 – 2015) anknüpfte. So etwas lässt man sich nicht entgehen. Ganz wichtig war zum Beispiel der gesprochene Prolog. Da heißt es: „Wo bin ich?“ Und die
(Brinkmannsche) Antwort: „Sie sind da.“ Der musste selbstverständlich erhalten bleiben. Denn unvergessen war nämlich, was Koch-Medias Untertitelautor 2006 daraus gemacht hatte:
„Wo bin ich?“ „Im Dorf.“

Bernd Rumpf

Bernd Rumpf

Die von Dialogregisseur Frank Wesel vorbereiteten deutschen Skripte kamen bei mir an. Es gab einige Telefonate über Details, auch mit der zuständigen Person bei ARTE. Ich habe Wesel meine Vorschläge, Bemerkungen und Änderungen geschickt. Wir hatten einen guten Austausch unter anderem über die schwierige Eindeutschung mancher Begriffe aus „A Change Of Mind – Sinneswandel“, hier ganz besonders „unmutual“. Wesel hat manches, nicht alles, beherzigt. Aber unter dem Strich ist eine hervorragende Synchronfassung entstanden.

Patrick McGoohans deutsche Stimme war 1969 in 13 Episoden die von Horst Naumann gewesen. Als das Vorhaben ARTE-Neusynchro die Runde machte, kam von Tobias Becker, einem Experten in Sachen Stimmenidentifizierung (er betreibt das sog. „Synchronforum“, einen Blog), der Vorschlag, Bernd Rumpf zu nehmen. ARTE hat es getan. Rumpf konnte und wollte und wurde mit Erfolg zur neuen deutschen Stimme von Patrick McGoohan. Horst Naumann war zu Testaufnahmen eingeladen worden. Aber letztendlich entschied ARTE sich gegen ihn, weil seine Stimme (wie man nach Ansicht des Interviews von 2015 bestätigen kann) wirklich deutlich gealtert ist, seine Persönlichkeit dagegen nicht.

Nr6DE: http://www.match-cut.de/nr6de/nr6de.htm
Portmeirion: http://www.match-cut.de/spec/portm.htm
Sir Clough Williams-Ellis: http://www.match-cut.de/spdln/spdln13.htm

ARTE bringt NUMMER 6 zurück ins Fernsehen: http://www.match-cut.de/tho/tallyho49.htm
Joachim Brinkmann, Injektionen: http://www.match-cut.de/spdln/spdln139.htm

Wie kam es zu Deiner Prisoner-Page, die ja zu den langlebigsten TV-Pages in Deutschland gehört?

Ja, unglaublich, wie viel Zeit vergangen ist. Angefangen hat es 1989 mit der Wiederholung von NUMMER 6 auf Pro7. Für mich Gelegenheit, die Serie das erste Mal seit 1972 wiederzusehen. Ich wusste nicht, dass NUMMER 6 schon um 1984 auf Sat1 bzw. dessen Vorläufersender gelaufen war, quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit nur für Menschen
mit Kabelanschluss. Aber damals ist NUMMER 6 auch aus anderen Gründen an mir vorbeigegangen. Mein Plan war, einen Artikel zu schreiben und zu versuchen, ihn an ein Magazin oder eine Zeitung zu verkaufen. Die Serie war in meiner Erinnerung immer etwas Besonderes gewesen und hätte eine bessere publizistische Würdigung verdient gehabt.
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Jedenfalls hatte man jetzt die Möglichkeit, die Serie aufzuzeichnen. Die vier nur englischen Episoden waren auch bald beschafft, in dritter oder vierter Kopie einer Kopie. Verwaschene Bilder und Farbausfälle gehörten dazu. Irgendwann fand sich auch Sekundärliteratur. In Gary Geranis und Paul Schulmans „Fantastic Television“ habe ich das erste Mal den Namen Portmeirion, der Drehschauplatz in Wales, gelesen. Ein Ah-Erlebnis erster Güte. Ich habe mir die Episoden mehrfach angesehen, mir Notizen gemacht, alles, was mir daran auffiel. Und das anfangs ohne Hilfsmittel, bis irgendwann auch Literatur da war. So entstand ein Artikel von vielleicht 12 A4-Seiten, dazu kurze Episodenbeschreibungen. Verkauft habe ihn nicht, sicher fehlten mir auch Kontakte. Und es gab ständig neue Erkenntnisse, die dazu geführt haben, dass ich den Text immer wieder umgeschrieben und ergänzt habe. Irgendwann war die ursprüngliche Absicht, ihn zu veröffentlichen, in den Hintergrund geraten. „Wir sehen uns! oder: Lannée dernière au Village“, der Artikel, wurde zu einer intellektuellen Beschäftigung für mich selbst, wie eine Modelleisenbahn, die nur die wenigsten Leute öffentlich zur Schau stellen.

Mitte der 90er Jahre hatte ich null Ahnung von PCs, aber doch Zugang zu einem, wo ich die ersten auf einer mechanischen Schreibmaschine getippten Seiten erfassen und bearbeiten konnte. 1998 war ich bei einer vom Arbeitsamt bezahlten Weiterbildung im Bereich Multimedia. Die so gewonnenen Computerkenntnisse in HTML und Bildbearbeitung waren wiederum der Anstoß für die erste Version meiner Website. Das war 1999. Der äußerst spartanisch aufgemachte Artikel wurde auf dem Webspace meines Mitbewohners gehostet. Auffindbar im noch neuen Internet war er faktisch nicht. Auch Google gab es noch nicht oder war noch unbekannt. 2001 habe ich meine Domäne „match-cut.de“ registriert. Eigentlich mit der Absicht, außer über NUMMER 6 auch über andere Filme zu schreiben oder Artikel von Bekannten zu veröffentlichen. Deshalb hat der Name mit NUMMER 6 nichts zu tun. Seit ein paar Jahren existiert nun auch der sprechende Name „nummer6-theprisoner.de“. Einfach, um die Internetpräsenz zu betonen und weil ich mir eine TLD sichern wollte, bevor es keine passende mehr gab. Es existiert außerdem der Domänname „nummersechs.de“, von einem
PRISONER-Begeisterten registriert, von dem wir leider schon Jahre nichts mehr gehört haben.

PortmeiriCon-2011-5_Election-campaign

„nummer6-theprisoner.de“ richtet sich in erster Linie an Deutsche, weite Teile sind aber parallel auf Englisch, alles von mir selbst verfasst. Lange Zeit ist nicht sehr viel auf der Website passiert. Hin und wieder eine Texterweiterung, Websitepflege. Der letzte wirklich große Umbau war 2005. Das Frameset entfiel, und die Website wurde für den Grimme-Preis angemeldet. Ich war nicht unter den Gewinnern… Ab 2003, 2004 stand ich mit Larry Hall, einem der Mitbegründer von „Six Of One“ in Großbritannien in Kontakt. Der hatte seine eigene sehr umfangreiche und vor allem thematische Website, die heute nicht mehr online ist. Er wiederum hatte mit Michael Brüne (weiter oben im Text) zu tun, den ich daraufhin angeschrieben habe. Eins kommt zum anderen.
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Seit dieser Zeit ist „nummer6-theprisoner.de“ ständig gewachsen. Rund um den alten Basistext sind nach und nach die verschiedensten Artikel erschienen, über dieEntstehungsgeschichte der Serie, das frühere MGM Studiogelände, wo Teile von NUMMER 6 gefilmt wurden. Über den Ort Portmeirion und Clough Williams-Ellis, den Erbauer; die Häuser, über Wales selbst, über Kleinigkeiten am Rande. Auch Theorie und Episodenwürdigungen (ich sage bewusst nicht: Analysen) kommen nicht zu kurz. Nicht alles ist von mir selbst geschrieben.

Quellen sind unter anderem Beiträge aus älteren „Six Of One“-
Mitgliedermagazinen, meistens in meiner Übersetzung, hier und da auch zweisprachig, die sonst nie den Weg aus der Szene an die Öffentlichkeit gefunden hätten. Der wesentlicheUnterschied meiner Webpräsenz zu der etwa von „Six Of One“ ist der historisch-kritische Ansatz, um die leicht angestaubte Vokabel zu bemühen. Überspitzt gesagt, erfährt man dort eigentlich nur, wie prima die Serie ist und was an Fanaktivitäten passiert (ist). Entweder ich schreibe selbst, oder ich stelle zusammen, was meiner Meinung nach zum Diskurs NUMMER 6 gehört. Denn das ist es: ein Diskurs, der sich durch unterschiedliche Medien zieht. „nummer6-theprisoner.de“ ist das Umfangreichste über NUMMER 6 in deutscher Sprache im Internet. Kann man, glaube ich, behaupten.

NUMMER 6 als Diskurs: http://www.match-cut.de/spdln/spdln105.htm
„RESOLUTION“: http://www.match-cut.de/spdln/spdln108.htm
Der akademische PRISONER: http://www.match-cut.de/tho/tallyho21.htm
Wir sehen uns! Oder: L’année dernière au Village
http://www.nummer6-theprisoner.de
Six Of One – The PRISONER Appreciation Society
http://www.sixofone.co/
Arno Baumgärtel, April 2016 – WIR SEHEN UNS!

Appendix I:
Meine Fernsehserienzeit endet um 1973 oder kurz danach. Das Meiste ist Erinnerung, und zwar nicht an Handlungen und ausgefuchste Episoden, sondern an die Vor- und Abspänne, die Titelmusiken und die Figuren. FAMILIE FEUERSTEIN, BEZAUBERNDE JEANNIE, JOHN DRAKE, JOHN KLINGS ABENTEUER, RAUMPATROUILLE, KOBRA – ÜBERNEHMEN SIE! – und eben NUMMER 6. In den 1980er Jahren war die LINDENSTRASSE die einzige Serie, die ich regelmäßig verfolgt habe, bis es irgendwann auch mit Videoaufzeichnungen nicht mehr ging. In der Neuzeit gibt es nur drei Serien, die ich verfolgt habe bzw. verfolge: PROFILER, 24 und HOMELAND. Für mehr reicht die
Lebenszeit einfach nicht.

Appendix II:
„Wir sehen uns! Oder L’année dernière au Village“ ist von Beginn an der eigentliche Titel meiner Website. Ob und was der eventuell mit einem gewissen Kinofilm von 1961 zu tun hat:
http://www.match-cut.de/spdln/spdln40.htm

Appendix III:
Außer Harald Keller, Autor der drei Bände „Kultserien und ihre Stars“, mit einem Kapitelüber NUMMER 6, schätze ich den US-Amerikaner Alan Shapiro als bekennenden PRISONER-Fan, Gelehrten und Freund.

Harald Keller: https://untergeschoss.wordpress.com/
Alan Shapiro: http://www.alan-shapiro.com/?s=prisoner&x=0&y=0E

WIR SEHEN UNS!

https://www.youtube.com/watch?v=8kHE4B5o8XM

 

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INTERVIEW MIT THOMAS PAGO, VERLEGER DES ELSINOR VERLAGES by Martin Compart
24. Februar 2016, 1:13 pm
Filed under: Bücher, Elsinor Verlag, Interview, John Buchan, Porträt | Schlagwörter: , , ,

Bis letztes Jahr war der Elsinor Verlag für mich eines der best gehüteten Geheimnisse des deutschen Buchhandels. emotionheader21598269[1]Dann – ich konnte es kaum glauben – erschien dort als deutsche Erstausgabe John Buchans THE POWER HOUSE, ein Schlüsselwerk des Thrillers. Noch dümmer guckte ich aus der Wäsche, als ich feststellte, dass in diesem Verlag ein bisher nicht übersetzter Nicholas Blake erschienen war und zudem noch mehrere Bände von G.K.Chesterton. Das gesamte Verlagsprogramm war überraschend vielfältig. Um nur ein paar Namen zu nennen: Robert Louis Stevenson, Arthur Koestler, Gustav Meyrink, Voltaire etc. Das war ganz klar die Handschrift eines Verlegers, der sich einen Dreck um planbaren Bestsellermist schert. Und ganz sicher war es auch die ganz persönliche Handschrift eines Verlegers mit breiten Interessen.

Darum also hier ein Interview mit ihm:

 

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  1. Wer ist Thomas Pago – Ein paar Worte zur Biographie und Werdegang.

Studiert habe ich Germanistik und Anglistik in Münster. Dann ergab sich die Chance, am Nachwuchslektorenprogramm der Verlagsgruppe Bertelsmann in München teilzunehmen. Dort bin ich zehn Jahre geblieben, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur im Programmsegment „Reiseführer und Kulturführer“. Mit Münchner Kollegen folgte dann der Schritt in die Selbständigkeit – der Aufbau eines Redaktionsbüros, das bis heute als Producer für Verlage im Sachbuchbereich tätig ist.

 

  1. Die Leidenschaft zur Literatur wird ja zumeist in jungen Jahren geweckt. Was hat Sie nachhaltig beeindruckt?

Vorgelesen wurde tatsächlich seit frühester Kindheit, und dann eben selbst gelesen, sobald das möglich war. Vermutlich war vieles davon auch gar nicht wirklich „altersgemäß“. Jedenfalls war ich als Kind besonders beeindruckt von den frühen Erzählungen Heinrich Bölls, von den Romanen Wilhelm Raabes und von Thomas Mann. Persönlich beeinflusst hat mich vor allem ein Onkel, Norbert Engling, der als Bibliothekar in Dortmund für schöne Literatur und Theater zuständig war. Als junger Theaterkritiker hatte er beispielsweise alle großen Brecht-Inszenierungen am Berliner Ensemble gesehen und kannte Helene Weigel persönlich, auch einige Schauspieler und Regisseure. Stoff genug also für viele interessante Gespräche.

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http://www.elsinor.de/elsinor/

 

  1. Wie kam es zur Gründung von Elsinor?

Die Idee, es mit einem eigenen Verlag mit literarischer Ausrichtung zu versuchen, bestand schon länger. Ohne die Jahre im Konzernverlag und ohne die Erfahrung nicht nur im Lektorat, sondern auch mit der technischen Seite der Buchproduktion wäre das allerdings kaum möglich gewesen. Denn klar war von Anfang an, dass man sehr vieles selbst und manches im kleinen Team freier Mitarbeiter tun muss. Die Grundausrichtung stand also bei der Gründung schon fest, aber der Blick reichte zu Anfang vielleicht ein halbes Jahr weit; die Strukturen sind dann erst langsam gewachsen.

 

  1. Das Programmspektrum ist von einer beeindruckenden Vielfalt. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Titel aus?

Eine schwierige Frage, weil sie unterstellt, dass jede Programmentscheidung vollkommen rational nach bestimmten Kriterien erfolgt. Mindestens zu Anfang spielten persönliche Vorlieben eine ganz große Rolle, daran konnten sich dann weitere Autoren oder Titel anlehnen. Von Keyserling zum Beispiel, der zur Münchner Bohème gehörte, ist von Lebenszeit und -ort her der Weg gar nicht so weit zu Alexander Moritz Frey oder Rudolf Schneider-Schelde. Betrachtet man das Programm inhaltlicher, entdeckt man vielleicht eine kleine Vorliebe für Texte im Grenzbereich der Groteske – etwa bei Wilhelm Busch, bei Chesterton oder in Freys „Solneman“. Aber selbstverständlich gilt das nur für einen Teil der Titel. Jedenfalls zeichnen sich mittlerweile Linien ab, die nicht von vornherein festgelegt waren, sondern sich entwickelt haben und künftige Entscheidungen leiten werden. Wobei der persönliche Eindruck immer noch entscheidet – für Bücher, die mich nicht ansprechen, würde ich den Aufwand nicht betreiben.

Vielleicht noch ein Beispiel für klare Kriterien: Über den Kontakt zum Übersetzer Jörg W. Rademacher ist es zu einer Neuauflage seiner Übersetzung des „Dorian Gray“ von Oscar Wilde gekommen. Das ist ein ehemaliger Eichborn-Titel, dessen Rechte an den Übersetzer zurückgefallen waren. Es geht dabei um einen ganz ungewöhnlichen Versuch, die „unzensierte“ Erstfassung dieses Skandalromans zu rekonstruieren – also die Eingriffe und Korrekturen des Autors und seiner Lektoren in einem umfangreichen Anmerkungsapparat kenntlich zu machen. Es handelt sich um eine Textfassung, die es sonst nirgendwo gibt, und eine wissenschaftliche Ausgabe, aber ungewöhnlicherweise eben in deutscher Übersetzung. Daraus ließ sich dann ein kleiner Themenschwerpunkt ableiten: eine deutsche Leseausgabe ohne die umfangreiche Dokumentation und ohne Nachwort, und dann die rekonstruierte Erstfassung auch als englischen Text, mit Zeilenzählung für den Schulgebrauch. Hier hat sich also die Chance zu einer Art Verdichtung geboten – solche Fälle sind allerdings nicht die Regel.

 

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  1. Wie wichtig ist das Internet für Ihren Vertrieb und Ihr Marketing?

Das ist schwer einzuschätzen. Natürlich gibt es eine Verlagswebsite, und Buchhandlungen werden teilweise auch durch Mailings angesprochen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es Blogs und Magazine im Netz, die teilweise sehr qualifiziert rezensieren und über Titel berichten. Manche Verlage versenden ja Rezensionsexemplare ungern an Autoren, die nur im Netz publizieren. Diesen Unterschied macht Elsinor nicht, Beiträge im Netz sind höchst willkommen. Aber, und daher das „schwer einzuschätzen“: Die Wirkung ist oft nicht so leicht zu messen. Wenn unmittelbar nach einer Rezension in einer überregionalen Print-Zeitung die Bestellungen zunehmen, ist der Zusammenhang relativ klar. So deutlich ließ sich der Zusammenhang bei Berichten im Internet bisher nicht beobachten. Dafür ist das, was im Netz steht, eben sehr lange auffindbar, wirkt also vielleicht „nachhaltiger“.

 

  1. Mit LONGINUS veröffentlichen Sie Regionalica. Darunter „Klassiker“ wie DER TOLLE BOMBERG. Ich habe kaum Vorstellungen von Westfalica und frage: Ist da tatsächlich noch Ähnliches zu entdecken? Oder konzentrieren Sie sich hauptsächlich auf zeitgenössisches und zeitgeschtliches?

 

teaserbox_53458807[1]DER TOLLE BOMBERG ist in der Tat eine Ausnahme: wirklich ein Klassiker, der schon seit etlichen Jahren vergriffen war, aber zumindest in Westfalen noch unvergessen ist. Was den Bekanntheitsgrad angeht, wird sich vermutlich nicht so leicht etwas Ähnliches finden. Aber es gibt durchaus auch unter den literarischen Westfalica vergessene Titel, die heute noch Wirkung entfalten könnten. Ich denke da beispielsweise an Augustin Wibbelt, dem man großes Unrecht tut, wenn man ihn als „Heimatdichter“ abstempelt. Bei Wibbelt gibt es durchaus noch einiges zu entdecken – nicht zuletzt in seinem wenig bekannten hochdeutschen Werk. Im Übrigen muss man Westfalica ja nicht „heimatkundlich“ auffassen; wenn man den Blick auf Autoren aus Westfalen richtet, wird sich sicherlich noch einiges entdecken lassen.

Insgesamt sehen Sie das aber richtig: Weil das Feld kleiner ist, wird Longinus thematisch breiter angelegt, soll auch Kultur- und Zeitgeschichtliches umfassen. Sogar ein Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert ist in diesem Jahr vorgesehen; der Schriftsteller, Rezitator und Wibbelt-Herausgeber Rainer Schepper hat kürzlich die Handschrift in seiner Bibliothek entdeckt. Das wird nun sicherlich eine Ausnahme bleiben, passt als kulturhistorisches Dokument aber in ein derart weit gefasstes Programmsegment.

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  1. Man sollte das einen Verleger, der ganz offensichtlich mit so viel Herzblut sein Programm gestaltet, nicht fragen. Ich versuche es trotzdem: Gibt es in Ihrem Programm Autoren oder Titel, die Ihnen besonders viel bedeuten?

Sie haben recht, das ist eine heikle Frage – und eine Antwort kann ich natürlich nur versuchen, wenn ich die noch lebenden Autoren komplett ausklammere. Dann würde ich ganz spontan auf die Erzählungen Eduards von Keyserling zeigen und auf die Essays und Erzählungen von Chesterton. Und auf einen wirklich großartigen und leider fast unbekannten satirischen Roman aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg – „Solneman der Unsichtbare“ von Alexander Moritz Frey („Solneman“ muss man übrigens rückwärts lesen). Das war die erste spontane Reaktion; nun kämen noch eine Reihe weiterer Titel hinzu, aber ich will es dabei belassen.

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  1. Mit sechs bis sieben Titel im Halbjahr bei LONGINUS und ELSINOR kann man nicht mehr von einem Kleinverlag reden. Mit welcher Manpower organisieren Sie diesen Ausstoß?

Da treffen Sie einen wunden Punkt – denn hier vor Ort im Büro bin ich tatsächlich allein verantwortlich und erledige einen großen Teil der anfallenden Arbeiten – Dinge, die in einem größeren Haus auf mehrere Schultern verteilt wären. Aber selbstverständlich gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aber immer nur projektweise tätig werden – Übersetzer, Schlusskorrektoren, aber auch gelegentlich Herausgeber, die ein Projekt von der Erstellung einer satzreifen Textfassung bis zum Verfassen eines Nachworts komplett betreuen. Ohne diese Hilfe wäre der Umfang nicht zu stemmen. Andererseits gibt es aber auch viele Titel, die ich von der Erstellung der Vorlage bis zur Schlusskorrektur komplett selbst in der Hand halte. Manche sprechen ja in solchen Fällen von „Selbstausbeutung“; so sehe ich das zwar nicht, aber ohne die Bereitschaft, sehr viel eigene Zeit einzubringen, wäre das alles nicht möglich.

 

  1. Und natürlich die Sphinx-Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Buches, speziell in Deutschland?

Ein Verschwinden des Buches in den nächsten Jahrzehnten befürchte ich, ehrlich gesagt, nicht; das Buch hat hier einen hohen Stellenwert – als „Gebrauchsbuch“ wie als Kulturgut. Und die elektronische Version, die in Deutschland ja bei weitem nicht so verbreitet ist wie im angelsächsischen Raum, verdrängt das gedruckte Buch bisher nicht, sondern stellt bestenfalls eine weitere Ergänzung dar, eine Variante wie das Paperback zum Hardcover. Andererseits dürfte der Bevölkerungsrückgang – der vielzitierte demografische Wandel – sich langfristig noch stärker im Buchhandel niederschlagen. Zumal die heute jugendliche Generation weniger vom Buch geprägt wird als frühere Generationen, wegen der vielen visuellen Medien – und wegen der immer knapper werdenden Zeit, man denke nur an an die verkürzte Schulzeit vor dem Abitur. Nun hat vor 20 Jahren auch nicht jeder Jugendliche seinen Goethe auf dem Nachttisch liegen gehabt. Aber wer sich für Literatur begeistert, tut das in der Regel schon früh – und ob man als Jugendlicher frei über einen großen Teil seiner Zeit verfügt oder nicht, ist schon ein erheblicher Unterschied. Deshalb glaube ich zwar weiterhin an die Zukunft des Buches, aber ein sehr literarisch ausgerichtetes Programm wie das von Elsinor hätte es vor 20 Jahren vermutlich ein wenig leichter gehabt – und wird es in 20 Jahren noch etwas schwerer haben.

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  1. Und welche Chance haben kleinere und mittlere Verlage angesichts der großen Konzernverlage?

Das Nebeneinander von großen Häusern und kleinen und mittleren Verlagen ist ja nicht neu und macht die Vielfalt der Verlagslandschaft in Deutschland aus. Diese Landschaft wird vielleicht von den Verlagen in der ersten Reihe dominiert, aber in der zweiten oder von mir aus in der dritten und vierten Reihe finden sich durchaus noch auskömmliche Plätze. Da die Ressourcen in den kleinen Verlagen begrenzt sind, muss das Programm natürlich klar profiliert sein – und sich möglichst vom Programm der Großen abgrenzen. Aber Programmideen und die Fähigkeit, davon etwas umzusetzen, sind ja nicht ausschließlich ans große Budget oder eine Konzernzugehörigkeit gebunden. In meiner Zeit im Konzernverlag sind viele Projekte mit der ersten Deckungsbeitragsrechnung begraben worden. Da kann ein kleiner Verlag, natürlich mit der gebotenen Vorsicht, durchaus mehr wagen als der Programmleiter eines großen Verlages, der stärker am Ergebnis gemessen wird. Es gibt ja auch im weiten Feld der Literatur Raum für viele – und es gibt die reizvollen Bezirke, die für den großen Verlag unattraktiv bleiben, weil die Risiken zu hoch sind.

Man darf sich eben nur nicht überschätzen und die eigenen Grenzen aus den Augen verlieren. Der kleine Verlag, der sich für einen erfolgreichen Bestsellerautor interessiert, wird chancenlos bleiben. Und mit dem Gewicht einer jahrzehntelang präsenten Marke oder mit den Vertriebsmöglichkeiten der Großen – mit Marketing- und Presseabteilungen und einem perfekt organisierten Außendienst – kann ein Kleiner in der Regel nicht mithalten. Es ist Raum genug für beide, aber jeder bleibt eben in seiner Sphäre – der Kleine muss nicht unbedingt ein Verdrängtwerden befürchten, aber eine Möglichkeit, wirtschaftlich auch nur halbwegs zu den Großen aufzuschließen, besteht wohl in der Regel nicht.

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NEWS: BERND KÜBLER by Martin Compart
29. Januar 2016, 2:53 pm
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, Interview | Schlagwörter: , ,

Der zweite Teil des Bernd Kübler-Interviews jetzt im FLASHMAN-Blog:

https://compartsflashman.wordpress.com/2016/01/29/interview-mit-bernd-kuebler-2/



NEWS by Martin Compart
6. Januar 2016, 2:08 pm
Filed under: Interview, NEWS | Schlagwörter: ,

Auf https://compartsflashman.wordpress.com/ jetzt der erste Teil des Interviews mit Bernd Kübler.



BARLOW SPRICHT by Martin Compart

EEBEN BARLOW[1]Colonel Eeben Barlow ist Südafrikaner; ein stolzer Afrikaner, der seinen Kontinent liebt und nicht mit ansehen kann, wie er durch die Gier, der Rücksichtslosigkeit und der Verachtung seitens wirtschaftlicher Interessen des Westens und seiner Satrapen vor die Hunde geht. Das macht ihn höchst unbeliebt bei Amerikanern, Franzosen und anderen europäischen Staaten, die vom Chaos in Afrika profitieren (und sich dann über die paar Flüchtlinge aufregen, deren Lebensgrundlagen sie im „Schwarzen Kontinent“ systematisch zerstört haben und weiterhin zerstören). Seit den 1990er Jahren kam Barlow diesen Interessen immer wieder in die Quere. Er stoppte den Völkermord in Sierra Leone, bis die Clinton-Regierung dafür sorgte, dass man ihn und Executive Outcomes rausschmiss. Sein erstmal von der UN angeforderter Plan zur Beendigung des Völkermordes in Ruanda wurde kurzerhand vom Tisch gefegt, was zu jahrelangen Massakern und der Destabilisierung des Ostkongos führte. Ich könnte weitere Beispiele aufführen. Letztes war sein erfolgreiches Eingreifen in Nigeria: Innerhalb von drei Monaten war Boko Haram fast vernichtend geschlagen. Und wieder hat man gerade noch den Stecker rausgezogen und jetzt „freuen“ wir uns über die erfolgreiche Rückkehr der islamistischen Menschenschlächter.

2010 beim St.Petersburger Wirtschaftsforum.

2010 beim St.Petersburger Wirtschaftsforum.

Seine Profession ist der Krieg, das Töten von Menschen, die übelste Grausamkeiten gegen Zivilsten begangen haben oder begehen. Tausende Afrikaner leben noch, weil Barlow dafür gesorgt hat, dass sie nicht abgeschlachtet wurden. Weil er gnadenlos seine militärische Brillanz und Schlagkraft gegen Terrororganisationen eingesetzt hat, deren Strategie aus Verstümmeln, Foltern, Vergewaltigen und sadistischem Töten bestand. Seine Bilanz ist tadellos. Seine Feldzüge kennen keine Kollateralschäden. Aber dafür wird er gerne in den Mainstreammedien beschimpft. Die beklagen seine Erfolge (die meist unterschlagen werden) als Wüten rassistischer weißer Söldner, das letzte Überbleibsel der Apartheid.

Da kann er so oft er will an den gesunden Menschenverstand appellieren: „Does anyone with half a brain cell really think an African government will invite a bunch of racists into their country to advise and support them in a conflict?“ Oder man verschweigt ihn ganz: In den deutschen Medien findet man seinen Namen nur ganz selten. Äußerst marginal wurde dort im ersten Vierteljahr darüber berichtet, dass der Erfolg der Nigerianer eventuell mit der Anwesenheit von STTEP zu tun haben könnte. Nie wurde berichtet, dass das Comeback von Boko Haram vielleicht etwas mit der Abwesenheit von STTEP zu tun haben könnte.

Hier nun aus meinem Interview exklusive Aussagen von dem Mann, der für westliche Politiker und Konzernmanager ein fürchterlicher Söldnerführer ist, der afrikanische Interessen vertritt. Für die geretteten Opfer in den Bürgerkriegen, in die er eingriff, ist er ein Held, dem sie ihr Überleben verdanken. Er ist ein afrikanischer Held und die Hautfarbe spielt nicht die geringste Rolle.

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Buhari sacked Nigeria’s military chiefs. How do you feel about it? A clearance sale? And do they have real personal alternatives?

EB: I cannot comment on issues related to the Nigerian military high command. After all, those are decisions which we have no influence on or don’t know the deeper reasons of.

In the three months you and STTEP were active in Nigeria, it seemed that Boko Haram had been beaten. After you and STTEP left, Boko Haram made a bloody comeback. How could that happen?

EB: We warned the Nigerian Army (NA) that unless Boko Haram is annihilated, they will make a return. Boko Haram (BH) was able to flee certain areas with their weapons and equipment. We also warned the NA that BH would intensify their terror campaign and that we ought to retain the initiative, maintain the momentum of operations, hunt them down and annihilate them.

The Nigerians were advised by a foreign government that we are merely trying to get a contract extension and that they must not listen to us. Well, they took the advice given to them and the result is BH have returned. Ironically, this also happened in Angola and Sierra Leone in the EO days. Bad advice given freely always has an aim—and it is seldom to the benefit of the recipient.

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Are the West-Europeans and the USA really interested in destroying Boko Haram or IS? It is hard to understand that French and US-soldiers are not able or willing to fight them effectively. We know of their bases in Africa and their power. Or exist political and economic reasons for keeping the region destabilized?

EB: No. These groups have numerous bases in African countries that can be targeted and destroyed. Whatever happened to “Intelligence collection”? This threat did not develop overnight. Why was it not identified in its early stages and neutralised? With the modern technology available (UAVs, ELINT, etc) why can they not be located? Or do they suddenly have better technology that everyone else? This is not a so-called counter-insurgency (COIN) campaign.

People must think beyond this fallacy. Foreign troops seem unable to understand their threat and the geo-political implications. They follow a doctrine that is not suited to the threat or the terrain. They are incorrectly trained and appear to be unable to adapt to the operational environment. A coherent strategy seems to be lacking. Political and military will appears to be suspect or even absent. With this in mind, it appears that the desire to destroy these groups is not there yet the foreign soldiers partaking in these conflicts are usually blamed for the failure. Soldiers do what they are trained and told to do. If the mission is unclear or misunderstood and not driven by political and military will then of course it will fail.

With the above in mind, one can only conclude that there is a deeper reason for giving these groups the freedom they have to operate and terrorise—and it has a political and economic reason. But the problem reaches further than that: In Syria, the Free Syrian Army (which doesn’t exist!!) is trained and supported by the West. When they cross the border into Iraq, they are ISIL!! Did the consequences of a total collapse of Libya in terms of the spread of weapons not enter anyone’s minds? It was so obvious yet was either never considered or considered and ignored.

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What are the main differences in fighting the RUF and fighting Boko Haram?

EB:Any armed anti-government force (AGF) that utilises a combination of manoeuvre, guerilla and terror tactics with the intent of achieving a violent overthrow of the existing political system—regardless of the civilian casualties they cause—must be stopped as there can be no stability, development and prosperity as long as these forces continue with their activities. Both RUF and BH had/have some form of regional/international support so they had/have access to weapons, training and support. Destroying them requires a clear end-result, realistic operational designs and tactics that are applicable to the terrain.

The jungles of Sierra Leone are vastly different to the desert areas of north-eastern Nigeria. This requires a fundamental change in approach and tactics. So, very different tactics were used against RUF than against BH. Regardless of the enemy being fought, terrain dictates tactics and requires a flexible doctrine that can be rapidly adapted and adjusted to suit the operational environment. Our ultimate aim when we are asked to assist a government is to end the conflict as rapidly as possible and not drag it out for years as we see some PMCs/foreign armies doing in Africa.

How do you judge the strategic and tactic skills of Boko Haram?

EB: The problem with many of these conflicts is that the rebels are often ex-soldiers who have received some form of training, either by a foreign army or their own army. So they have an idea of strategy and tactics. Plus, having aligned themselves with Daesh (IS) they are receiving training, support and advice from this group. From a national army’s point-of-view, the longer they fight such a group, the more they teach the enemy how they operate, allowing BH to know what the army will do and how it will react when under attack. That is why we adopt such a radical approach in every country we work in. However, their strategy is usually based on a desire to change the government and their tactics to instil fear in the populace to support them. To achieve this, they resort to a merciless terror campaign.

However, when they are faced with a military unit that operates in a radically different manner and exploits what the enemy views as their advantage, they are thrown off-balance and are usually unable to withstand strikes against their forces. This upsets their tactics as they no longer have an advantage and then their discipline collapses.

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As I´ ve learned, Nigeria is a state eaten up deep in corruption. Makes it intelligence more difficult? For my knowledge, in Nigeria you had no such group like the Kamajors to count on.

EB: With the blessing of the government we are working with, we establish our own intelligence network but liaise very closely with their intelligence agencies. This allows us to develop our own intelligence picture and plan operations accordingly. In Nigeria, we were given Nigerian army troops (Special Forces) to train and integrate into a unit that would take the fight to BH and disrupt them as much as possible. This unit was called “72 Mobile Strike Force” and was an integral part of the NA and was attached to a specific Nigerian Army Division. After being trained by us, they realized that we are not setting them up to fail—as all of the foreign training they have received to date did. When they saw that we are willing to share hardships with them, they became a very effective fighting unit and were blindly loyal to us. This however is not unusual for us as it happens everywhere we work. Having a group like the Kamajors had its advantages but it is not such groups that turn the tide in a conflict although they provide an advantage. It is dedicated, hard and mission-specific training coupled to political and military will that leads to success.

Kamajor-Krieger

Kamajor-Krieger

Did you and STTEP cooperate with PILGRIMS in Nigeria?

EB: Pilgrims is an independent Nigerian service provider company we first met in December 2014. They provide private security to companies and visitors to Nigeria and are very good at what they do. Their support to us was to enable our speedy entry into and departure from Nigeria (essentially a “meet and greet” service) and to assist us through the intricacies of immigration and customs. That is where it ended. However, the media has tried very hard to link Pilgrims to STTEP in order to discredit them as well.

EO in Sierra Leone.

EO in Sierra Leone.

Angola, Sierra Leone, Kony, Nigeria… Maybe I´m paranoid, but it seems to me, that there is a force (USA?) which don´ t want native African success in general and South African success in particular. Especially by security forces not controlled by Americans or Europeans. Outsourcing to PMCs seems no problem for British or US (in spite of very bad press-feedback) but very unpopular if it goes to African companies.

EB: You are very correct as we have seen this happening across Africa. An unstable Africa is of more value to some foreign governments than a stable, prosperous and secure Africa. A unified and strong Africa is a potential threat to them on numerous levels. A foreign (Western) government has even threatened African governments and private corporations with dire consequences if they use STTEP! This in itself is proof of the duplicity we witness on an almost daily basis. US and European private military companies, sponsored by their governments, are “PMCs”. We are “mercenaries”.

We work for—and are paid by—the African government that contracts us. Foreign PMCs are paid for by their home governments and work to further the interests of their sponsor governments. We work to further the interests of the government that contracts us. Obviously, this is seen by some in the international as a bad thing. But has no one ever raised the question: Given that foreign armies have these so-called partnership and training programmes,

WHAT have they trained these African armies in?? Nigeria has been the beneficiary of years of foreign military training and they were very obviously set up to fail if they had to fight a conflict or war. Why and how else could BH achieve what they achieved? As a senior foreign army officer also said to me years ago when discussing African armies: “We train them badly in case we have to fight them”. Why is it that when an African government decides to use an African company with a record of success, they are attacked by the international community but when they use a foreign PMC, they are said to be working to achieve peace and stability? Isn’t it strange to anyone that the first to shout at us entering a conflict to end it are certain foreign governments and their NGOs? Of course, some NGOs thrive on conflict as that is how they make their money. Those NGOs that engage in intelligence collection and incitement of the populace endanger the real NGOs that really want to make a difference.

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Is this „white South African dogs of war“-cant still a theme in Africa? Or is it only a beloved stereotype for western medias?

It is an ironic statement given that most of our men are black Africans and not white Africans. We view ourselves as Africans and where we work in Africa, we are seen and treated as Africans despite the fact that some of us are “palefaces”. However, the “white South African dogs of war” and “racist” label is always hung around our necks by the international community and its media as they need to try to discredit us as much as possible and paint the picture that we are out of control racist South Africans running around killing and murdering the populace.

We do not invade or occupy countries, we do not overthrow governments, we do not commit crimes, we do not assist both sides in a conflict, we cause no collateral damage, we have no hidden agendas, we do not try to force change in their political systems and so on. When villagers hear we are coming, they line the streets in their thousands to cheer and shout their thanks to us.

But there is an attempt to make sure we are discredited just as they tried in Angola and Sierra Leone to name two other countries and to make sure the conflict never ends—or that we (South Africans) end it. African governments have long seen past the dishonesty of the western governments, media and scholars when it comes to us. Does anyone with half a brain cell really think an African government will invite a bunch of racists into their country to advise and support them in a conflict? But, we only need to look at which country’s government and media shouts the loudest to know which side they are supporting in a conflict and whose foreign interests are based on creating chaos and instability. Equally ironic is that we are always “mercenaries” and everyone one else (US/Europe) are PMCs. The reason for this hypocrisy is very obvious but fortunately, African governments have now starting seeing past this western duplicity.

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How do you judge a federation of Al-Shabaab, Boko Haram (maybe North-Sudan) and IS? Are they able to cooperate in far more dangerous way than by now?

EB: This alignment has a huge propaganda and perception value to these groups. It gives them access to the media, weapons, support, finances, etc and also enhances their image amongst the non-radical Muslims. If one looks at their intended caliphate, it extends across Iraq, Syria, Yemen, Egypt, Libya, Mali, Algeria, Tunisia, Morocco, Sudan. Somalia and so forth. With a coalition of more than 30 countries waging war on Daesh in Syria/Iraq, why have they not been able to destroy this grouping of fanatics? Does this pose a threat? Very definitely as it is apparent that a form of ink-spot strategy is being followed.

Ironically, a lot of the oil resources fall within this co-called caliphate as well. This wide alignment also allows entry in European/US countries by jihadists with very different nationalities.
This will soon pose a major problem to the West. We have tried to explain this but no one really wants to listen to us. After all, we are only dumb Africans so what do we really know?

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Barlows neues Buch erscheint im September 2015.

http://www.sttepi.com/default.aspx



NEWS: INTERVIEW MIT FRANK WESTENFELDER by Martin Compart
5. Februar 2013, 3:49 pm
Filed under: Bücher, Interview, NEWS, Söldner | Schlagwörter: ,

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Im Netzmagazin TELEPOLIS hat Dominik Irtenkauf ein interessantes Interview mit dem besten deutschen Kenner der Söldner-Thematik geführt.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38425/1.html

Dr.Frank Westenfelder ist seit Jahren auch international bekannt und anerkannt für seine Page http://kriegsreisende.de/
die wohl umfangreichste und beste Informationsquelle zum Thema Söldner in allen Aspekten. Außerdem hat der studierte Historiker 2011 im Adatia Verlag eines der besten Bücher über das Södnerwesen veröffentlicht.

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http://www.amazon.de/Eine-kleine-Geschichte-S%C3%B6ldner-Historische/dp/3940461121/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1360079493&sr=1-2



LUCIFER CONNECTION UND DIIE SÖLDNER by Martin Compart

Chris Harderer (http://www.evolver.at/account/chris.haderer/ hat einen Film über mich und die Hintergründe von LUCIFER CONNECTION gemacht. Da ich mich selber audiovisuell nicht ertragen kann, habe ich nur Ausschnitte gesehen. Aber wer die Arbeiten von Chris kennt, weiß, wie gut der Mann ist. Eine Auswahl seiner Filme findet man unter http://www.youtube.com/user/chrishaderer
Das Spektrum ist äußerst beeindruckend!
Für alle, die mein Gestammel (und Versuche, die Meisterschaft auf der Luftgitarre zu erlangen) interessiert, hier sein Film:

http://www.youtube.com/watch?v=RYSGIvzYKVY

http://scottbradley.de/compart-und-die-soldner

Mein Dank gilt Chris und dem ganzen Team von EVOLVER.