Martin Compart


NEW KIDS AT THE BLOG: DER LUZIFER VERLAG by Martin Compart

Voller Scham gestehe ich, dass ich den Luzifer-Verlag erst vor wenigen Monaten entdeckt habe. Das lag vielleicht daran, dass sich der Verlag zuvor vor allem in phantastischen Genres profilierte.

Ich entdeckte Luzifer erst durch die deutsche Ausgabe von Douglas Winters RUN, an die ich schon lange nicht mehr geglaubt hatte. Jedenfalls war der Verlag damit explosionsartig auf meiner Karte als junger Wilder. Tatsächlich scheinen Verlage wie zuvor Festa und jetzt Luzifer, andere Wege zu gehen als die etablierten Kleinverlage und Genres orientierte Großverlage.

Das wird schon an der für deutsche Verhältnisse revolutionären Cover-Art deutlich, die viel direkter und knalliger ist; eine Modernisierung der Paperback Original-Cover-Art der 1950er und -60er mit Einflüssen aus der Game-Kultur. Und natürlich erinnert es in den Motiven an die Ästhetik der amerikanischen Men-Adventure-Paperback-Serien der 1970er (deren „postmoderner“ – Höhepunkt vielleicht die INQUISTOR-Serie über den Killer des Vatikans von Martin Cruz Smith war). Diese brutal-direkten Cover haben den angenehmen Effekt, Leserinnen dröger Provinzkrimis schon im Ansatz zu vergraulen und Leser anzulocken, die zuvor gar nicht wussten, dass Literatur genauso spannend wie Games sein kann.

Luzifer ist für mich ein richtungsweisendes Modell, wie man künftig mit Genre-Literatur umgehen kann. Ich glaube, da wird von diesem Verlag nicht nur ästhetisch noch einiges zu erwarten sein.

Inhaltlich mag manches nicht gefallen (bei welchem Verlag ist das anders?); mir missfallen in der Regel ideologisch fragwürdige Texte, die autoritäre und neo-liberale Strukturen popularisieren. Aber vielleicht ist gerade das subversiv… Hier finden die Pop-Genres zurück zu ihren extremistischen Wurzeln – zwischen E.E.Smith, W.H.Hodgson und Dashiell Hammett. Pop-Literatur, die keine bourgeoise credibility fürs Feuilleton sucht.

Aber das Konzept von Luzifer ist avantgardistisch, weil es Genres oder Subgenres für ein jüngeres Lesepublikum erschließt. Da ist nichts von der betulichen Haltung mittelschichtiger Damenstifts-Krimis oder diese komatösen Noir-Präsentationen, die wie überholte religiöse Mythologien auftreten.

Genug der Spekulationen. Verleger Steffen Janssen gibt hier erstmal Einblick in seinen Verlag:

https://luzifer.press/

Wer ist Steffen Janssen? Wo kommt er her? Was hat er bisher gemacht?

Nun, bis vor wenigen Jahren war mein einziger Berührungspunkt mit dem Medium Buch, der des Lesers. Nach Abitur und Lehre als Hotelkaufmann (ich war des Lernens müde und verzichtete auf ein Studium), arbeitete ich einige Jahre als sog. Leitende Führungskraft im Einzelhandel (Aldi, Großbäckerei). Aus heutiger Sicht bezeichne ich diese armen Angestellten, die zwischen allen Stühlen stehen, lieber als lei(d)ende 24h-Sklaven.

Welche Bücher haben Sie geprägt?

Ich erinnere mich noch heute gern, bereits als 8-jähriger mit einem dicken Marmeladenbrot in der Hand die Indianer-Bücher (Die Söhne der großen Bärin) von Liselotte Welskopf-Henrich verschlungen zu haben. Später versuchte ich mich an Karl May, zu dessen Erzählweise ich aber keinen wirklichen Zugang fand. Die frühen Werke Stephen Kings (Bachmann) haben mich als Jugendlichen schwer begeistert und beeindruckt, sowie Barker, Koontz – und noch etwas genre-breiter Gordon, le Carré oder Bromfield.

Wie kam es zum Aufbau des Luzifer Verlages?

In 2011 wurde aus einer Laune heraus (auf die ich nicht näher eingehen möchte, sie lag im höheren Promillebereich), der Luzifer Verlag gegründet, mit der ursprünglichen Absicht, Horror-Anthologien zu veröffentlichen. Fandom-mäßig sozusagen. Sehr schnell wurde mir bewusst, dass die Devise nur heißen konnte: Ganz oder gar nicht.
Wofür ich mich entschieden habe ist heutzutage ja offensichtlich …

Der Verlag hat in den ersten Jahren ausschließlich Formen der Phantastik veröffentlicht. Wie kam es dazu, auch Thriller ins Programm aufzunehmen?

Persönliches Interesse und – ganz klar – wirtschaftliche Hoffnungen. Das Horror-Genre ist ja im deutschen Buchmarkt nicht als herausstechender Absatzgarant bekannt. Somit tastete ich mich ab 2013 ins Thriller-Genre hinein. Eine letztendlich sehr gute Entscheidung.

Unter den Autoren befinden sich inzwischen auch Angelsachsen. Lizenz und Vorschuss sind bekanntlich die geringsten Probleme. Aber die Übersetzung ist ein Posten, der häufig eine Kalkulation verhindert. Gerade bei einem kleineren Verlag wundert es mich, dass er das stemmen kann. Haben Sie da ein besonderes Rezept?

Vielleicht hatten wir einfach nur Glück, von Anfang an mit sehr engagierten und zuverlässigen Personen arbeiten zu dürfen. Ein Rezept habe ich nicht. Manchmal muss man einfach auch unmöglich erscheinendes wagen.

Mit S.Craig Zahlers zweiten Roman, Schatten über Totem Land, haben Sie auch einen neueren Noir-Thriller im Programm. Zuvor war Zahlers vierter Roman bei Suhrkamp veröffentlicht worden. Wie kam es dazu? Wusste Suhrkamp nicht, dass Zahler zuvor bereits drei Romane veröffentlicht hatte? Und erwägen Sie, auch die beiden früheren Werke ins Programm aufzunehmen?

Zahlers Roman war/ist ein doppeltes Wagnis für uns. Das Werk ist recht anspruchsvoll in der Übersetzung und in einem sehr schwierigen Genre beheimatet (Western-Setting). Die Lizenz „schnappten“ wir uns erst, als geklärt war, dass Madeleine Seither die Übersetzung übernehmen würde, die bereits unsere sehr erfolgreichen Sarah-Weston-Romane von Daphne Niko ins Deutsche übertragen hatte. An dieser Stelle nochmals ein ganz großes Dankeschön an Madeleine!
Zu weiteren Übersetzungen von Zahler kann ich derzeit noch nichts sagen. Wir müssen erst einmal schauen, wie dieses Werk funktionieren wird.

Sind weitere Noir-Romane geplant?

Es sind 2-3 Titel respektive Autoren auf unserer Wunschliste.

Wie haben Sie Winters RUN entdeckt?

RUN war eine interne Empfehlung unseres Grafikers Michael Schubert, der mich einige Zeit mit diesem Vorschlag „nervte“, bis ich schließlich einknickte, den Einkauf absegnete und meiner Frau erklärte, dass es in jenem Jahr keine Weihnachtsgeschenke geben würde …

Seit Chris Ryan und Andy McNab gibt es international einen kleinen Trend zum Commando-Thriller. Sie haben (u.a, Ryan) da auch einiges im Programm. Wird das vom deutschen Markt angenommen?

Erstaunlicherweise ernten diese Titel bisher mehr Schmach als Ruhm, verkaufen sich dennoch hervorragend. Das Ganze erinnert mich ein wenig an die Porno-Schmuddelhefte der Achtzigerjahre, die man an den Toilettenanlagen und Duschen der Autobahnraststätten unter der Theke hervor erstehen konnte.

Können oder wollen Sie einen Ausblick geben, was Sie im Thriller-Bereich planen und vorhaben?

Wir werden in der nächsten Zeit vorrangig unsere begonnenen Serien fortführen und hier und da für uns neue Richtungen antesten (FBI-Thriller, Umwelt-Thriller). Das Genre Thriller im Allgemeinen wird definitiv den „harten Kern“ zukünftiger Luzifer-Publikationen bilden.

Deutschsprachige Rezensionen zu RUN:

https://www.derbund.ch/kultur/buecher/ein-actionthriller-wird-zum-lehrstueck-ueber-gewalt/story/22808654

https://martincompart.wordpress.com/category/douglas-e-winter/

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Wie funktioniert die KRIMI-COUCH? – Interview mit Jochen König by Martin Compart
12. März 2018, 9:13 am
Filed under: Crime Fiction, Dieter Paul Rudolph, Interview, Jochen König, Krimis | Schlagwörter: ,

MC: Die KRIMI-COUCH dürfte mit monatlich mehreren Millionen Klicks (korrigiere mich) die erfolgreichste und größte Plattform für Kriminalliteratur in Deutschland sein.

JK: Im Januar hat sich die Zahl der Besuche auf der Krimi-Couch – nicht der Klicks – laut similarweb.com auf über 600 000 gesteigert. Damit dürfte die Couch tatsächlich eine der bestbesuchten Seiten im Themenbereich sein. Ob es tatsächlich „die erfolgreichste und größte Plattform für Kriminalliteratur in Deutschland“ ist, vermag ich nicht zu sagen. Es läuft auf jeden Fall gut.

MC: Wie kam es zu der Idee und zu ersten Umsetzungen?

JK: Die Geschichte der Krimi-Couch begann 2002, als ihr Gründer Lars Schafft beschloss, eine Webseite aufzubauen, deren erstes Anliegen es war, die unorthodoxe Chronologie der deutschsprachigen Veröffentlichungen Henning Mankells zu korrigieren und die tatsächliche Reihenfolge seiner Romane darzustellen. Dass dies nicht nur archivarisch geschah, sondern gleichzeitig von kritischen Rezensionen begleitet wurde, entwickelte sich zu einem der Markenzeichen der Krimi-Couch.

Nicht nur Kritiken zu veröffentlichen, sondern auch eine Datenbank zu erstellen und diese möglichst umfassend, korrekt und aktuell zu gestalten. Bei dem Wust an hierzulande erscheinenden Kriminalromanen geradezu eine Sisyphos-Arbeit. Heute noch mehr als vor 16 Jahren. Weshalb eine Prioritätenvergabe unausweichlich ist. Neu aufgenommen werden derzeit in erster Linie Autor*innen, zu deren Büchern eine redaktionelle Rezension vorliegt.

Zusätzlich dazu bot und bietet die KC ein Forum, in dem man sich austauschen kann, die Möglichkeit hat, ein Profil anzulegen, um u.a. ein virtuelles Bücherregal zu erstellen und mit anderen Mitgliedern der KC-Community privat zu kommunizieren. Ebenso kann jeder Leser Kommentare hinterlassen, egal ob ein Buch bereits redaktionell besprochen wurde oder nicht. Das war in den Nullerjahren noch nicht Standard und war ganz früh schon so eine Art kriminalistisches soziales Netzwerk. Einfacher Small-Talk ist im Forum natürlich ebenfalls möglich. Wenn man Lust darauf hat.

Nette Gimmicks waren auch der Dr.Watson-Generator, der nach Eingabe von Stichworten passende Buchvorschläge ausspuckte (so soll es zumindest sein. Doch der Doktor ist mitunter etwas eigenwillig und wortkarg) sowie die Möglichkeit, anhand von Landkarten herauszufinden, welcher Roman wo spielte. Diese vielfältige Gemengelage machte die Krimi-Couch schnell ziemlich einzigartig.

Bald fanden sich weitere Kritiker ein, sodass der Rezensionsteil ausgebaut werden konnte. Ich selbst stieg Ende 2007 ein (mit der Rezension zu Walter Mosleys „Little Scarlet“) und wurde schnell zum stellvertretenden Chefredakteur.
Doch bereits einige Zeit davor hatte Lars Schafft mit André Schmechta die „Literatur-Couch GmbH“ gegründet. Die Krimi-Couch blieb nicht alleine. Es gesellten sich die Histo-, Phantastik-, Kinder-, Jugendbuch-, Kochbuch- und Belletristik-Couch hinzu. Das jüngste Kind ist die 2017 gestartete Comic-Couch.

MC: Ich bin vor einigen Jahren damit konfrontiert worden (in einem Krimi- Chat, in den ich naiv reinrutschte), dass man ziemlich ärgerlich über die KC formulierte. Nach meinen Nachfragen erfuhr ich, dass nach Meinung der Beteiligten ein Qualitätsverlust eingesetzt hatte. Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht?

JK: Nun hat ja jede langlebige „Institution“ ihre ups and downs. Aber woran könnte dieser von einem Teil der Krimiszene wahrgenommene Qualitätsverlust gelegen haben?
Hmm, das zu beantworten ist schwierig, weil es vermutlich jene Zeit betrifft, in der ich nicht für die Krimi-Couch tätig war. Da kann ich nur als Außenstehender antworten: Eigentlich sollten die Ausgaben der Krimi-Couch, wie bei Printmedien, monatlich erscheinen. Elf Mal pro Jahr, mit einer Pause im Januar. Irgendwann reduzierte sich die Anzahl runter bis teilweise auf sieben oder acht Ausgaben. Dazu gesellten sich technische Probleme, die vor allem die Nutzerkonten (Stichwort: Bücherregal) betrafen. Diese Unregelmäßigkeiten gefielen begreiflicherweise zahlreichen Lesern und Usern nicht.

Auch hatten einige kompetente Redakteure die Krimi-Couch verlassen (Matthias Kühn, Martin Krist, und Stefan Heidsiek beispielsweise). Der im letzten Jahr leider viel zu früh verstorbene DPR (Dieter Paul Rudolph) hatte sein Krimilabor, ein Kolumnen-Highlight der Krimi-Couch, bereits zu meiner aktiven Zeit geschlossen, um mehr Muße für seine Autorentätigkeit zu haben. Bevor er dem Krimigenre weitgehend den Rücken kehrte, um seine ganz besondere Art des creative writing zu betreiben. Er veröffentlichte die „Schundhefte“, eine Art ironische Pulp-Hommage und widmete sich als Mentor und kritischer Begleiter einer Gruppe junger Autorinnen, den „Fantasy Girls“. Damit einher ging eine intensive Beschäftigung mit E-Book-Veröffentlichungen.
Teilweise sah es auch so aus, als würden die Rezensionen – das betraf vor allem neue und periphere Schreiber – nicht mehr so sorgfältig wie früher redigiert.
Ein riesiges Loch hinterließ auch der Abschied Susanne Kremmers, die die bibliographische Datenbank der Krimi-Couch äußerst akribisch, kompetent und findig pflegte und erweiterte. Diese Datenbank ist ein enorm wichtiges Feature der Krimi-Couch, das fast für so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal sorgt.
Das hat sich mittlerweile glücklicherweise wieder geändert. Die monatlichen Ausgaben sind seit 2017 eh Geschichte, die Krimi-Couch veröffentlicht, um das serielle Fernsehen mal mit einzubeziehen, quasi horizontal, nicht mehr in abgeschlossener Episodenform und kann so flexibler agieren. Und Susanne Kremmer arbeitet wieder an den Hintergrundinfos.

MC: Wie kam es zu der KC-Reihe bei Fischer und weshalb existiert sie nicht mehr?

JK: Wie genau es zustande kam, müsstest du Lars Schafft und André Schmechta fragen. Der Kontakt zum Fischer Verlag war damals sehr gut, und ich denke, dadurch wurde die Idee geboren, eine kleine Klassiker-Reihe unter Betreuung der Krimi-Couch ins Programm zu nehmen. Das Ende ist banal: Es rentierte sich anscheinend nicht. Die Fans von klassischen Kriminalromanen sind zwar solvente und interessierte Leser*innen, doch ist die Anzahl begrenzt. Und eine Begeisterungswelle schwappte leider nicht über. So blieb es bei elf Titeln, eine dritte Staffel wurde zwar vorbereitet, blieb aber im Schubladenmodus.

MC: Du hast die KC einige Jahre verlassen und dort nicht mehr mitgearbeitet. Warum?

JK: Das hatte mehrere Gründe. Ich hatte das Gefühl, dass Stillstand herrschte, zu viel Arbeit geleistet wurde, ohne dass Erkennbares dabei herauskam. Manches versandete einfach, anderes blieb liegen oder verzögerte sich scheinbar grundlos. Gleichzeitig eröffnete sich für mich mit Booknerds.de die Möglichkeit, nicht nur im Bereich der Kriminalliteratur tätig zu sein, sondern auch meinem ursprünglichen Interesse nachgehen zu können, nämlich Filme und TV-Serien zu besprechen.

Ich habe ja immer neben der Krimi-Couch auch für Musik-Webzines (erst Nocturnalhall.de, dann Musikreviews.de) geschrieben. Ex-Musikreviews-Kollege Chris Popp hat Booknerds.de gegründet, und es geschafft mit einem offenen Konzept – besprochen werden Bücher, Hörbücher, Audiovisuelles und gelegentlich sogar Computerspiele – viele hervorragende Kulturschaffende auf der Seite zu versammeln (der bekannteste dürfte derzeit Oliver Uschmann sein). Ich habe mich dem gerne angeschlossen.

MC: Wie sieht heute Deine Beteiligung an KC aus? Und was hat Dich zur Rückkehr bewogen?

JK: Mein Herz hing auch während meiner Abwesenheit an der Couch. Ich hatte immerhin mehr als ein halbes Jahrzehnt eine spannende Zeit dort erlebt, viele tolle Menschen kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet. Bereits mein völlig verkorkstes Interview mit James Ellroy, sorgte für viel Nachhall und eine Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle. Obwohl ich gar nicht gut dabei wegkomme. Ich killte das Gespräch damals gleich mit meiner ersten Frage nach dem „Patriot Act“.

Das, was Lars und Andrés Agentur, die Zeitspringer in Münster, aus der Krimi-Couch (und ihren Verwandten) gemacht hatten, fand ich immer beeindruckend. Nicht nur einen Krimi-Blog – die es mittlerweile ja wie Sand am Meer gibt – zu schaffen, der gefühlsduselige Befindlichkeitsrezensionen verbreitet (gerne gipfelnd in einem unverbindlichen „Geschmäcker sind halt verschieden“), sondern eine multifunktionale Seite zu erstellen, die Lesern Austausch und Einbringung erlaubt, kompetente redaktionelle Kritiken veröffentlicht, als Nachschlagewerk funktioniert und noch ein paar knuffige Features mehr bietet (Krimi-Landkarte, Dr. Watson etc.) – das war (und ist) schon eine tolle Sache, die zu Recht mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.

Dass es bedauerlicherweise zu Unwegsamkeiten kam, liegt auch an dem hochexplosiven Gebräu, das sich Leben nennt. Und das hält neben Erwartbarem gerne Überraschendes parat.
2017 hat Lars Schafft die Literatur-Couch-AG verlassen, André Schmechta und seine Frau Stefanie sind jetzt Hauptverantwortliche. Mit André hatte ich eigentlich dauerhaft Kontakt, er produziert mit X-MARKS THE PEDWALK seit einigen Jahren wieder selbst Musik, hat ein hochinteressantes Soloprojekt (SN-A) am Start und produziert mittlerweile auch andere Künstler. Ein Fall für Musikreviews. Und mich.
Als André mich dann letztes Jahr fragte, ob ich nicht wieder Lust hätte, für die Krimi-Couch zu arbeiten, brauchte ich nicht allzu lange überlegen. Das Konzept war gut, mein Aufgabenbereich ist spannend und erlaubt mir einige Freiheiten. Zudem ist es interessant, zu sehen, ob man, angesichts eines einbrechenden Buchmarktes, nicht doch Interesse an Literatur, speziell der Kriminalliteratur wecken und erhalten kann. Auch und gerade außerhalb des x-ten Serienkiller-Aufgusses und bis zur peinlichen Absurdität überreizten Psycho-Thriller-Standards vom Wühltisch. Die steigenden Zugriffszahlen des letzten Jahres sprechen dafür.

MC: Wie wird oder sollte sich die KC weiterentwickeln? Gibt es da konzeptionelle Möglichkeiten, die Du siehst?

Zur geplanten Ausrichtung und Entwicklung müsstest du Stefanie Eckmann-Schmechta fragen, die Geschäftsführerin der Couchen. Was bereits passiert ist eine multimediale Ausrichtung und Themenerweiterung. So gibt es seit Ende letzten Jahres auf Youtube den „Krimi im Kreuzfeuer“. Dort diskutieren Andreas Kurth, Birgit Borloni und ich – durchaus kontrovers – über aktuelle Kriminalromane. Weitere Events – mit Kamerabeteiligung – sind in der Planung.

Abseits von literarischen Rezensionen passiert auch einiges. So habe ich mich länger der dritten Staffel von „Twin Peaks“ gewidmet, ein herausragendes Fernsehereignis, das jede Aufmerksamkeit verdient hat. Außerdem habe ich mich im Zuge der Veröffentlichung von „Endeavour“ („Der junge Inspektor Morse“) dem vor einem Jahr verstorbenen Autoren Colin Dexter und seinem Inspektor-Morse-Universum beschäftigt. Eine lohnende Angelegenheit, nicht nur für Oxford-, Wagner- und Kreuzworträtselfans.

Selbst Filmbesprechungen halten gelegentlich Einzug auf der Couch. Der erste Anlass war „Wind River“ , der Abschluss von Taylor Sheridans „American Border“-Trilogie („Sicario“, „Hell Or High Water“ und „Wind River“). Ein höchst atmosphärischer Country Noir, der im winterlichen Wyoming spielt. Mit exzellenter Besetzung und einer Thematik, die sich mit der Vernachlässigung der indigenen Bevölkerung Amerikas befasst.
Weitere Specials werden folgen, als nächstes werde ich mich mit dem Thema „Krimi und Musik“ beschäftigen. Ein großes Gebiet, das ich zwar nicht abdecken werde, aber ein paar literarische und musikalische sollten drinsitzen. Wie der Verweis auf Nick Cave, der auch die Filmmusik von „Wind River“ (gemeinsam mit Warren Ellis“) geschrieben hat, und der mit seinen „Murder Songs“ explizit das Thema Verbrechen musikalisch aufgegriffen und hervorragend umgesetzt hat.
Insgesamt hoffe ich, dass wir weiterhin breitgefächert und kritisch über Krimi, seinen Status Quo, Entwicklungen, Trends und Möglichkeiten informieren werden. Damit erkennbar bleibt, wie wichtig und erhellend das Genre in seiner Vielfalt für die Literatur und im besten Fall auch unser Leben ist.

https://www.youtube.com/channel/UCc5u1olN474if0PCy_JuTyQ

http://www.krimi-couch.de/



INTERVIEW MIT THOMAS PAGO, VERLEGER DES ELSINOR VERLAGES by Martin Compart
24. Februar 2016, 1:13 pm
Filed under: Bücher, Elsinor Verlag, Interview, John Buchan, Porträt | Schlagwörter: , , ,

Bis letztes Jahr war der Elsinor Verlag für mich eines der best gehüteten Geheimnisse des deutschen Buchhandels. emotionheader21598269[1]Dann – ich konnte es kaum glauben – erschien dort als deutsche Erstausgabe John Buchans THE POWER HOUSE, ein Schlüsselwerk des Thrillers. Noch dümmer guckte ich aus der Wäsche, als ich feststellte, dass in diesem Verlag ein bisher nicht übersetzter Nicholas Blake erschienen war und zudem noch mehrere Bände von G.K.Chesterton. Das gesamte Verlagsprogramm war überraschend vielfältig. Um nur ein paar Namen zu nennen: Robert Louis Stevenson, Arthur Koestler, Gustav Meyrink, Voltaire etc. Das war ganz klar die Handschrift eines Verlegers, der sich einen Dreck um planbaren Bestsellermist schert. Und ganz sicher war es auch die ganz persönliche Handschrift eines Verlegers mit breiten Interessen.

Darum also hier ein Interview mit ihm:

 

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  1. Wer ist Thomas Pago – Ein paar Worte zur Biographie und Werdegang.

Studiert habe ich Germanistik und Anglistik in Münster. Dann ergab sich die Chance, am Nachwuchslektorenprogramm der Verlagsgruppe Bertelsmann in München teilzunehmen. Dort bin ich zehn Jahre geblieben, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur im Programmsegment „Reiseführer und Kulturführer“. Mit Münchner Kollegen folgte dann der Schritt in die Selbständigkeit – der Aufbau eines Redaktionsbüros, das bis heute als Producer für Verlage im Sachbuchbereich tätig ist.

 

  1. Die Leidenschaft zur Literatur wird ja zumeist in jungen Jahren geweckt. Was hat Sie nachhaltig beeindruckt?

Vorgelesen wurde tatsächlich seit frühester Kindheit, und dann eben selbst gelesen, sobald das möglich war. Vermutlich war vieles davon auch gar nicht wirklich „altersgemäß“. Jedenfalls war ich als Kind besonders beeindruckt von den frühen Erzählungen Heinrich Bölls, von den Romanen Wilhelm Raabes und von Thomas Mann. Persönlich beeinflusst hat mich vor allem ein Onkel, Norbert Engling, der als Bibliothekar in Dortmund für schöne Literatur und Theater zuständig war. Als junger Theaterkritiker hatte er beispielsweise alle großen Brecht-Inszenierungen am Berliner Ensemble gesehen und kannte Helene Weigel persönlich, auch einige Schauspieler und Regisseure. Stoff genug also für viele interessante Gespräche.

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http://www.elsinor.de/elsinor/

 

  1. Wie kam es zur Gründung von Elsinor?

Die Idee, es mit einem eigenen Verlag mit literarischer Ausrichtung zu versuchen, bestand schon länger. Ohne die Jahre im Konzernverlag und ohne die Erfahrung nicht nur im Lektorat, sondern auch mit der technischen Seite der Buchproduktion wäre das allerdings kaum möglich gewesen. Denn klar war von Anfang an, dass man sehr vieles selbst und manches im kleinen Team freier Mitarbeiter tun muss. Die Grundausrichtung stand also bei der Gründung schon fest, aber der Blick reichte zu Anfang vielleicht ein halbes Jahr weit; die Strukturen sind dann erst langsam gewachsen.

 

  1. Das Programmspektrum ist von einer beeindruckenden Vielfalt. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Titel aus?

Eine schwierige Frage, weil sie unterstellt, dass jede Programmentscheidung vollkommen rational nach bestimmten Kriterien erfolgt. Mindestens zu Anfang spielten persönliche Vorlieben eine ganz große Rolle, daran konnten sich dann weitere Autoren oder Titel anlehnen. Von Keyserling zum Beispiel, der zur Münchner Bohème gehörte, ist von Lebenszeit und -ort her der Weg gar nicht so weit zu Alexander Moritz Frey oder Rudolf Schneider-Schelde. Betrachtet man das Programm inhaltlicher, entdeckt man vielleicht eine kleine Vorliebe für Texte im Grenzbereich der Groteske – etwa bei Wilhelm Busch, bei Chesterton oder in Freys „Solneman“. Aber selbstverständlich gilt das nur für einen Teil der Titel. Jedenfalls zeichnen sich mittlerweile Linien ab, die nicht von vornherein festgelegt waren, sondern sich entwickelt haben und künftige Entscheidungen leiten werden. Wobei der persönliche Eindruck immer noch entscheidet – für Bücher, die mich nicht ansprechen, würde ich den Aufwand nicht betreiben.

Vielleicht noch ein Beispiel für klare Kriterien: Über den Kontakt zum Übersetzer Jörg W. Rademacher ist es zu einer Neuauflage seiner Übersetzung des „Dorian Gray“ von Oscar Wilde gekommen. Das ist ein ehemaliger Eichborn-Titel, dessen Rechte an den Übersetzer zurückgefallen waren. Es geht dabei um einen ganz ungewöhnlichen Versuch, die „unzensierte“ Erstfassung dieses Skandalromans zu rekonstruieren – also die Eingriffe und Korrekturen des Autors und seiner Lektoren in einem umfangreichen Anmerkungsapparat kenntlich zu machen. Es handelt sich um eine Textfassung, die es sonst nirgendwo gibt, und eine wissenschaftliche Ausgabe, aber ungewöhnlicherweise eben in deutscher Übersetzung. Daraus ließ sich dann ein kleiner Themenschwerpunkt ableiten: eine deutsche Leseausgabe ohne die umfangreiche Dokumentation und ohne Nachwort, und dann die rekonstruierte Erstfassung auch als englischen Text, mit Zeilenzählung für den Schulgebrauch. Hier hat sich also die Chance zu einer Art Verdichtung geboten – solche Fälle sind allerdings nicht die Regel.

 

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  1. Wie wichtig ist das Internet für Ihren Vertrieb und Ihr Marketing?

Das ist schwer einzuschätzen. Natürlich gibt es eine Verlagswebsite, und Buchhandlungen werden teilweise auch durch Mailings angesprochen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es Blogs und Magazine im Netz, die teilweise sehr qualifiziert rezensieren und über Titel berichten. Manche Verlage versenden ja Rezensionsexemplare ungern an Autoren, die nur im Netz publizieren. Diesen Unterschied macht Elsinor nicht, Beiträge im Netz sind höchst willkommen. Aber, und daher das „schwer einzuschätzen“: Die Wirkung ist oft nicht so leicht zu messen. Wenn unmittelbar nach einer Rezension in einer überregionalen Print-Zeitung die Bestellungen zunehmen, ist der Zusammenhang relativ klar. So deutlich ließ sich der Zusammenhang bei Berichten im Internet bisher nicht beobachten. Dafür ist das, was im Netz steht, eben sehr lange auffindbar, wirkt also vielleicht „nachhaltiger“.

 

  1. Mit LONGINUS veröffentlichen Sie Regionalica. Darunter „Klassiker“ wie DER TOLLE BOMBERG. Ich habe kaum Vorstellungen von Westfalica und frage: Ist da tatsächlich noch Ähnliches zu entdecken? Oder konzentrieren Sie sich hauptsächlich auf zeitgenössisches und zeitgeschtliches?

 

teaserbox_53458807[1]DER TOLLE BOMBERG ist in der Tat eine Ausnahme: wirklich ein Klassiker, der schon seit etlichen Jahren vergriffen war, aber zumindest in Westfalen noch unvergessen ist. Was den Bekanntheitsgrad angeht, wird sich vermutlich nicht so leicht etwas Ähnliches finden. Aber es gibt durchaus auch unter den literarischen Westfalica vergessene Titel, die heute noch Wirkung entfalten könnten. Ich denke da beispielsweise an Augustin Wibbelt, dem man großes Unrecht tut, wenn man ihn als „Heimatdichter“ abstempelt. Bei Wibbelt gibt es durchaus noch einiges zu entdecken – nicht zuletzt in seinem wenig bekannten hochdeutschen Werk. Im Übrigen muss man Westfalica ja nicht „heimatkundlich“ auffassen; wenn man den Blick auf Autoren aus Westfalen richtet, wird sich sicherlich noch einiges entdecken lassen.

Insgesamt sehen Sie das aber richtig: Weil das Feld kleiner ist, wird Longinus thematisch breiter angelegt, soll auch Kultur- und Zeitgeschichtliches umfassen. Sogar ein Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert ist in diesem Jahr vorgesehen; der Schriftsteller, Rezitator und Wibbelt-Herausgeber Rainer Schepper hat kürzlich die Handschrift in seiner Bibliothek entdeckt. Das wird nun sicherlich eine Ausnahme bleiben, passt als kulturhistorisches Dokument aber in ein derart weit gefasstes Programmsegment.

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  1. Man sollte das einen Verleger, der ganz offensichtlich mit so viel Herzblut sein Programm gestaltet, nicht fragen. Ich versuche es trotzdem: Gibt es in Ihrem Programm Autoren oder Titel, die Ihnen besonders viel bedeuten?

Sie haben recht, das ist eine heikle Frage – und eine Antwort kann ich natürlich nur versuchen, wenn ich die noch lebenden Autoren komplett ausklammere. Dann würde ich ganz spontan auf die Erzählungen Eduards von Keyserling zeigen und auf die Essays und Erzählungen von Chesterton. Und auf einen wirklich großartigen und leider fast unbekannten satirischen Roman aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg – „Solneman der Unsichtbare“ von Alexander Moritz Frey („Solneman“ muss man übrigens rückwärts lesen). Das war die erste spontane Reaktion; nun kämen noch eine Reihe weiterer Titel hinzu, aber ich will es dabei belassen.

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  1. Mit sechs bis sieben Titel im Halbjahr bei LONGINUS und ELSINOR kann man nicht mehr von einem Kleinverlag reden. Mit welcher Manpower organisieren Sie diesen Ausstoß?

Da treffen Sie einen wunden Punkt – denn hier vor Ort im Büro bin ich tatsächlich allein verantwortlich und erledige einen großen Teil der anfallenden Arbeiten – Dinge, die in einem größeren Haus auf mehrere Schultern verteilt wären. Aber selbstverständlich gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aber immer nur projektweise tätig werden – Übersetzer, Schlusskorrektoren, aber auch gelegentlich Herausgeber, die ein Projekt von der Erstellung einer satzreifen Textfassung bis zum Verfassen eines Nachworts komplett betreuen. Ohne diese Hilfe wäre der Umfang nicht zu stemmen. Andererseits gibt es aber auch viele Titel, die ich von der Erstellung der Vorlage bis zur Schlusskorrektur komplett selbst in der Hand halte. Manche sprechen ja in solchen Fällen von „Selbstausbeutung“; so sehe ich das zwar nicht, aber ohne die Bereitschaft, sehr viel eigene Zeit einzubringen, wäre das alles nicht möglich.

 

  1. Und natürlich die Sphinx-Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Buches, speziell in Deutschland?

Ein Verschwinden des Buches in den nächsten Jahrzehnten befürchte ich, ehrlich gesagt, nicht; das Buch hat hier einen hohen Stellenwert – als „Gebrauchsbuch“ wie als Kulturgut. Und die elektronische Version, die in Deutschland ja bei weitem nicht so verbreitet ist wie im angelsächsischen Raum, verdrängt das gedruckte Buch bisher nicht, sondern stellt bestenfalls eine weitere Ergänzung dar, eine Variante wie das Paperback zum Hardcover. Andererseits dürfte der Bevölkerungsrückgang – der vielzitierte demografische Wandel – sich langfristig noch stärker im Buchhandel niederschlagen. Zumal die heute jugendliche Generation weniger vom Buch geprägt wird als frühere Generationen, wegen der vielen visuellen Medien – und wegen der immer knapper werdenden Zeit, man denke nur an an die verkürzte Schulzeit vor dem Abitur. Nun hat vor 20 Jahren auch nicht jeder Jugendliche seinen Goethe auf dem Nachttisch liegen gehabt. Aber wer sich für Literatur begeistert, tut das in der Regel schon früh – und ob man als Jugendlicher frei über einen großen Teil seiner Zeit verfügt oder nicht, ist schon ein erheblicher Unterschied. Deshalb glaube ich zwar weiterhin an die Zukunft des Buches, aber ein sehr literarisch ausgerichtetes Programm wie das von Elsinor hätte es vor 20 Jahren vermutlich ein wenig leichter gehabt – und wird es in 20 Jahren noch etwas schwerer haben.

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  1. Und welche Chance haben kleinere und mittlere Verlage angesichts der großen Konzernverlage?

Das Nebeneinander von großen Häusern und kleinen und mittleren Verlagen ist ja nicht neu und macht die Vielfalt der Verlagslandschaft in Deutschland aus. Diese Landschaft wird vielleicht von den Verlagen in der ersten Reihe dominiert, aber in der zweiten oder von mir aus in der dritten und vierten Reihe finden sich durchaus noch auskömmliche Plätze. Da die Ressourcen in den kleinen Verlagen begrenzt sind, muss das Programm natürlich klar profiliert sein – und sich möglichst vom Programm der Großen abgrenzen. Aber Programmideen und die Fähigkeit, davon etwas umzusetzen, sind ja nicht ausschließlich ans große Budget oder eine Konzernzugehörigkeit gebunden. In meiner Zeit im Konzernverlag sind viele Projekte mit der ersten Deckungsbeitragsrechnung begraben worden. Da kann ein kleiner Verlag, natürlich mit der gebotenen Vorsicht, durchaus mehr wagen als der Programmleiter eines großen Verlages, der stärker am Ergebnis gemessen wird. Es gibt ja auch im weiten Feld der Literatur Raum für viele – und es gibt die reizvollen Bezirke, die für den großen Verlag unattraktiv bleiben, weil die Risiken zu hoch sind.

Man darf sich eben nur nicht überschätzen und die eigenen Grenzen aus den Augen verlieren. Der kleine Verlag, der sich für einen erfolgreichen Bestsellerautor interessiert, wird chancenlos bleiben. Und mit dem Gewicht einer jahrzehntelang präsenten Marke oder mit den Vertriebsmöglichkeiten der Großen – mit Marketing- und Presseabteilungen und einem perfekt organisierten Außendienst – kann ein Kleiner in der Regel nicht mithalten. Es ist Raum genug für beide, aber jeder bleibt eben in seiner Sphäre – der Kleine muss nicht unbedingt ein Verdrängtwerden befürchten, aber eine Möglichkeit, wirtschaftlich auch nur halbwegs zu den Großen aufzuschließen, besteht wohl in der Regel nicht.

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NEWS: BERND KÜBLER by Martin Compart
29. Januar 2016, 2:53 pm
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, Interview | Schlagwörter: , ,

Der zweite Teil des Bernd Kübler-Interviews jetzt im FLASHMAN-Blog:

https://compartsflashman.wordpress.com/2016/01/29/interview-mit-bernd-kuebler-2/



NEWS by Martin Compart
6. Januar 2016, 2:08 pm
Filed under: Interview, NEWS | Schlagwörter: ,

Auf https://compartsflashman.wordpress.com/ jetzt der erste Teil des Interviews mit Bernd Kübler.



BARLOW SPRICHT by Martin Compart

EEBEN BARLOW[1]Colonel Eeben Barlow ist Südafrikaner; ein stolzer Afrikaner, der seinen Kontinent liebt und nicht mit ansehen kann, wie er durch die Gier, der Rücksichtslosigkeit und der Verachtung seitens wirtschaftlicher Interessen des Westens und seiner Satrapen vor die Hunde geht. Das macht ihn höchst unbeliebt bei Amerikanern, Franzosen und anderen europäischen Staaten, die vom Chaos in Afrika profitieren (und sich dann über die paar Flüchtlinge aufregen, deren Lebensgrundlagen sie im „Schwarzen Kontinent“ systematisch zerstört haben und weiterhin zerstören). Seit den 1990er Jahren kam Barlow diesen Interessen immer wieder in die Quere. Er stoppte den Völkermord in Sierra Leone, bis die Clinton-Regierung dafür sorgte, dass man ihn und Executive Outcomes rausschmiss. Sein erstmal von der UN angeforderter Plan zur Beendigung des Völkermordes in Ruanda wurde kurzerhand vom Tisch gefegt, was zu jahrelangen Massakern und der Destabilisierung des Ostkongos führte. Ich könnte weitere Beispiele aufführen. Letztes war sein erfolgreiches Eingreifen in Nigeria: Innerhalb von drei Monaten war Boko Haram fast vernichtend geschlagen. Und wieder hat man gerade noch den Stecker rausgezogen und jetzt „freuen“ wir uns über die erfolgreiche Rückkehr der islamistischen Menschenschlächter.

2010 beim St.Petersburger Wirtschaftsforum.

2010 beim St.Petersburger Wirtschaftsforum.

Seine Profession ist der Krieg, das Töten von Menschen, die übelste Grausamkeiten gegen Zivilsten begangen haben oder begehen. Tausende Afrikaner leben noch, weil Barlow dafür gesorgt hat, dass sie nicht abgeschlachtet wurden. Weil er gnadenlos seine militärische Brillanz und Schlagkraft gegen Terrororganisationen eingesetzt hat, deren Strategie aus Verstümmeln, Foltern, Vergewaltigen und sadistischem Töten bestand. Seine Bilanz ist tadellos. Seine Feldzüge kennen keine Kollateralschäden. Aber dafür wird er gerne in den Mainstreammedien beschimpft. Die beklagen seine Erfolge (die meist unterschlagen werden) als Wüten rassistischer weißer Söldner, das letzte Überbleibsel der Apartheid.

Da kann er so oft er will an den gesunden Menschenverstand appellieren: „Does anyone with half a brain cell really think an African government will invite a bunch of racists into their country to advise and support them in a conflict?“ Oder man verschweigt ihn ganz: In den deutschen Medien findet man seinen Namen nur ganz selten. Äußerst marginal wurde dort im ersten Vierteljahr darüber berichtet, dass der Erfolg der Nigerianer eventuell mit der Anwesenheit von STTEP zu tun haben könnte. Nie wurde berichtet, dass das Comeback von Boko Haram vielleicht etwas mit der Abwesenheit von STTEP zu tun haben könnte.

Hier nun aus meinem Interview exklusive Aussagen von dem Mann, der für westliche Politiker und Konzernmanager ein fürchterlicher Söldnerführer ist, der afrikanische Interessen vertritt. Für die geretteten Opfer in den Bürgerkriegen, in die er eingriff, ist er ein Held, dem sie ihr Überleben verdanken. Er ist ein afrikanischer Held und die Hautfarbe spielt nicht die geringste Rolle.

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Buhari sacked Nigeria’s military chiefs. How do you feel about it? A clearance sale? And do they have real personal alternatives?

EB: I cannot comment on issues related to the Nigerian military high command. After all, those are decisions which we have no influence on or don’t know the deeper reasons of.

In the three months you and STTEP were active in Nigeria, it seemed that Boko Haram had been beaten. After you and STTEP left, Boko Haram made a bloody comeback. How could that happen?

EB: We warned the Nigerian Army (NA) that unless Boko Haram is annihilated, they will make a return. Boko Haram (BH) was able to flee certain areas with their weapons and equipment. We also warned the NA that BH would intensify their terror campaign and that we ought to retain the initiative, maintain the momentum of operations, hunt them down and annihilate them.

The Nigerians were advised by a foreign government that we are merely trying to get a contract extension and that they must not listen to us. Well, they took the advice given to them and the result is BH have returned. Ironically, this also happened in Angola and Sierra Leone in the EO days. Bad advice given freely always has an aim—and it is seldom to the benefit of the recipient.

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Are the West-Europeans and the USA really interested in destroying Boko Haram or IS? It is hard to understand that French and US-soldiers are not able or willing to fight them effectively. We know of their bases in Africa and their power. Or exist political and economic reasons for keeping the region destabilized?

EB: No. These groups have numerous bases in African countries that can be targeted and destroyed. Whatever happened to “Intelligence collection”? This threat did not develop overnight. Why was it not identified in its early stages and neutralised? With the modern technology available (UAVs, ELINT, etc) why can they not be located? Or do they suddenly have better technology that everyone else? This is not a so-called counter-insurgency (COIN) campaign.

People must think beyond this fallacy. Foreign troops seem unable to understand their threat and the geo-political implications. They follow a doctrine that is not suited to the threat or the terrain. They are incorrectly trained and appear to be unable to adapt to the operational environment. A coherent strategy seems to be lacking. Political and military will appears to be suspect or even absent. With this in mind, it appears that the desire to destroy these groups is not there yet the foreign soldiers partaking in these conflicts are usually blamed for the failure. Soldiers do what they are trained and told to do. If the mission is unclear or misunderstood and not driven by political and military will then of course it will fail.

With the above in mind, one can only conclude that there is a deeper reason for giving these groups the freedom they have to operate and terrorise—and it has a political and economic reason. But the problem reaches further than that: In Syria, the Free Syrian Army (which doesn’t exist!!) is trained and supported by the West. When they cross the border into Iraq, they are ISIL!! Did the consequences of a total collapse of Libya in terms of the spread of weapons not enter anyone’s minds? It was so obvious yet was either never considered or considered and ignored.

Abubakar+Shekau[1]

What are the main differences in fighting the RUF and fighting Boko Haram?

EB:Any armed anti-government force (AGF) that utilises a combination of manoeuvre, guerilla and terror tactics with the intent of achieving a violent overthrow of the existing political system—regardless of the civilian casualties they cause—must be stopped as there can be no stability, development and prosperity as long as these forces continue with their activities. Both RUF and BH had/have some form of regional/international support so they had/have access to weapons, training and support. Destroying them requires a clear end-result, realistic operational designs and tactics that are applicable to the terrain.

The jungles of Sierra Leone are vastly different to the desert areas of north-eastern Nigeria. This requires a fundamental change in approach and tactics. So, very different tactics were used against RUF than against BH. Regardless of the enemy being fought, terrain dictates tactics and requires a flexible doctrine that can be rapidly adapted and adjusted to suit the operational environment. Our ultimate aim when we are asked to assist a government is to end the conflict as rapidly as possible and not drag it out for years as we see some PMCs/foreign armies doing in Africa.

How do you judge the strategic and tactic skills of Boko Haram?

EB: The problem with many of these conflicts is that the rebels are often ex-soldiers who have received some form of training, either by a foreign army or their own army. So they have an idea of strategy and tactics. Plus, having aligned themselves with Daesh (IS) they are receiving training, support and advice from this group. From a national army’s point-of-view, the longer they fight such a group, the more they teach the enemy how they operate, allowing BH to know what the army will do and how it will react when under attack. That is why we adopt such a radical approach in every country we work in. However, their strategy is usually based on a desire to change the government and their tactics to instil fear in the populace to support them. To achieve this, they resort to a merciless terror campaign.

However, when they are faced with a military unit that operates in a radically different manner and exploits what the enemy views as their advantage, they are thrown off-balance and are usually unable to withstand strikes against their forces. This upsets their tactics as they no longer have an advantage and then their discipline collapses.

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As I´ ve learned, Nigeria is a state eaten up deep in corruption. Makes it intelligence more difficult? For my knowledge, in Nigeria you had no such group like the Kamajors to count on.

EB: With the blessing of the government we are working with, we establish our own intelligence network but liaise very closely with their intelligence agencies. This allows us to develop our own intelligence picture and plan operations accordingly. In Nigeria, we were given Nigerian army troops (Special Forces) to train and integrate into a unit that would take the fight to BH and disrupt them as much as possible. This unit was called “72 Mobile Strike Force” and was an integral part of the NA and was attached to a specific Nigerian Army Division. After being trained by us, they realized that we are not setting them up to fail—as all of the foreign training they have received to date did. When they saw that we are willing to share hardships with them, they became a very effective fighting unit and were blindly loyal to us. This however is not unusual for us as it happens everywhere we work. Having a group like the Kamajors had its advantages but it is not such groups that turn the tide in a conflict although they provide an advantage. It is dedicated, hard and mission-specific training coupled to political and military will that leads to success.

Kamajor-Krieger

Kamajor-Krieger

Did you and STTEP cooperate with PILGRIMS in Nigeria?

EB: Pilgrims is an independent Nigerian service provider company we first met in December 2014. They provide private security to companies and visitors to Nigeria and are very good at what they do. Their support to us was to enable our speedy entry into and departure from Nigeria (essentially a “meet and greet” service) and to assist us through the intricacies of immigration and customs. That is where it ended. However, the media has tried very hard to link Pilgrims to STTEP in order to discredit them as well.

EO in Sierra Leone.

EO in Sierra Leone.

Angola, Sierra Leone, Kony, Nigeria… Maybe I´m paranoid, but it seems to me, that there is a force (USA?) which don´ t want native African success in general and South African success in particular. Especially by security forces not controlled by Americans or Europeans. Outsourcing to PMCs seems no problem for British or US (in spite of very bad press-feedback) but very unpopular if it goes to African companies.

EB: You are very correct as we have seen this happening across Africa. An unstable Africa is of more value to some foreign governments than a stable, prosperous and secure Africa. A unified and strong Africa is a potential threat to them on numerous levels. A foreign (Western) government has even threatened African governments and private corporations with dire consequences if they use STTEP! This in itself is proof of the duplicity we witness on an almost daily basis. US and European private military companies, sponsored by their governments, are “PMCs”. We are “mercenaries”.

We work for—and are paid by—the African government that contracts us. Foreign PMCs are paid for by their home governments and work to further the interests of their sponsor governments. We work to further the interests of the government that contracts us. Obviously, this is seen by some in the international as a bad thing. But has no one ever raised the question: Given that foreign armies have these so-called partnership and training programmes,

WHAT have they trained these African armies in?? Nigeria has been the beneficiary of years of foreign military training and they were very obviously set up to fail if they had to fight a conflict or war. Why and how else could BH achieve what they achieved? As a senior foreign army officer also said to me years ago when discussing African armies: “We train them badly in case we have to fight them”. Why is it that when an African government decides to use an African company with a record of success, they are attacked by the international community but when they use a foreign PMC, they are said to be working to achieve peace and stability? Isn’t it strange to anyone that the first to shout at us entering a conflict to end it are certain foreign governments and their NGOs? Of course, some NGOs thrive on conflict as that is how they make their money. Those NGOs that engage in intelligence collection and incitement of the populace endanger the real NGOs that really want to make a difference.

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Is this „white South African dogs of war“-cant still a theme in Africa? Or is it only a beloved stereotype for western medias?

It is an ironic statement given that most of our men are black Africans and not white Africans. We view ourselves as Africans and where we work in Africa, we are seen and treated as Africans despite the fact that some of us are “palefaces”. However, the “white South African dogs of war” and “racist” label is always hung around our necks by the international community and its media as they need to try to discredit us as much as possible and paint the picture that we are out of control racist South Africans running around killing and murdering the populace.

We do not invade or occupy countries, we do not overthrow governments, we do not commit crimes, we do not assist both sides in a conflict, we cause no collateral damage, we have no hidden agendas, we do not try to force change in their political systems and so on. When villagers hear we are coming, they line the streets in their thousands to cheer and shout their thanks to us.

But there is an attempt to make sure we are discredited just as they tried in Angola and Sierra Leone to name two other countries and to make sure the conflict never ends—or that we (South Africans) end it. African governments have long seen past the dishonesty of the western governments, media and scholars when it comes to us. Does anyone with half a brain cell really think an African government will invite a bunch of racists into their country to advise and support them in a conflict? But, we only need to look at which country’s government and media shouts the loudest to know which side they are supporting in a conflict and whose foreign interests are based on creating chaos and instability. Equally ironic is that we are always “mercenaries” and everyone one else (US/Europe) are PMCs. The reason for this hypocrisy is very obvious but fortunately, African governments have now starting seeing past this western duplicity.

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How do you judge a federation of Al-Shabaab, Boko Haram (maybe North-Sudan) and IS? Are they able to cooperate in far more dangerous way than by now?

EB: This alignment has a huge propaganda and perception value to these groups. It gives them access to the media, weapons, support, finances, etc and also enhances their image amongst the non-radical Muslims. If one looks at their intended caliphate, it extends across Iraq, Syria, Yemen, Egypt, Libya, Mali, Algeria, Tunisia, Morocco, Sudan. Somalia and so forth. With a coalition of more than 30 countries waging war on Daesh in Syria/Iraq, why have they not been able to destroy this grouping of fanatics? Does this pose a threat? Very definitely as it is apparent that a form of ink-spot strategy is being followed.

Ironically, a lot of the oil resources fall within this co-called caliphate as well. This wide alignment also allows entry in European/US countries by jihadists with very different nationalities.
This will soon pose a major problem to the West. We have tried to explain this but no one really wants to listen to us. After all, we are only dumb Africans so what do we really know?

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Barlows neues Buch erscheint im September 2015.

http://www.sttepi.com/default.aspx



NEWS: INTERVIEW MIT FRANK WESTENFELDER by Martin Compart
5. Februar 2013, 3:49 pm
Filed under: Bücher, Interview, NEWS, Söldner | Schlagwörter: ,

FW[1]

Im Netzmagazin TELEPOLIS hat Dominik Irtenkauf ein interessantes Interview mit dem besten deutschen Kenner der Söldner-Thematik geführt.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38425/1.html

Dr.Frank Westenfelder ist seit Jahren auch international bekannt und anerkannt für seine Page http://kriegsreisende.de/
die wohl umfangreichste und beste Informationsquelle zum Thema Söldner in allen Aspekten. Außerdem hat der studierte Historiker 2011 im Adatia Verlag eines der besten Bücher über das Södnerwesen veröffentlicht.

9783940461148_s[1]

http://www.amazon.de/Eine-kleine-Geschichte-S%C3%B6ldner-Historische/dp/3940461121/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1360079493&sr=1-2