Martin Compart


MAX ALLAN COLLINS – CRIME-DA VINCI AUS IOWA by Martin Compart

ist

quarry-by-max-allan-collins1

Kürzlich ist auf Cinemax die Crime-Serie nach Max Allan Collins Killer-Serie QUARRY angelaufen.

QUARRY war die erste Serie über einen Berufskiller und seit langem kult.

Jemand wie Max Allan Collins ist im Genre völlig einmalig-er schreibt nicht nur grandiose Romane, er hatte auch eine Single in der Hit-Parade, drehte, schrieb und produzierte Filme (in einem spielt Spillane eine Hauptrolle), schrieb Comics (sein ROAD TO PERDITION wurde 2002 zu einem erfolgreichen Kinofilm mit Tom Hanks) und Movie-und TV-Tie-Ins, er arbeitete auch theoretisch und drehte u.a. das definitive Mickey Spillane-Portrait.5387105341 Kein anderer mir bekannter Autor ist so produktiv in unterschiedlichen Medien unterwegs! Und dabei hält er ein ungeheures Niveau.  Max ist sein eigenes Multiversum und sein Platz in den verschiedensten Kapiteln der Genres und Medien längst sicher.

Und Max kann sehr witzig und scharfsinnig zugleich sein:

„Some of you know that I’m a Democrat or a liberal or a progressive or something. I think of myself as slightly left of center, but my father thought of himself as slightly right of center, when he was slightly right of Genghis Khan. So who knows? I do know that I veer left when the right is getting out of hand, which they frequently do. I despise Fox News, because it isn’t news, it’s opinion labeled news, and you can always tell when you’re “talking” (i.e, arguing) politics with somebody whose news and info comes from Fox, because it’s always the same bite-size talking Points.“

Im deutschsprachigen Raum wird er zur Zeit nicht veröffentlicht. Das sagt mal wieder so einiges über die Branche aus.

Spillane war und ist er besonders verbunden: Seit 2007 beendet und bearbeitet er die Fragmente von Spillane zu neuen Büchern.

166568277021

Max gehört zu den Giganten der zeitgenössischen Kriminalliteratur und mein Nachwort zu BLUT UND DONNER (Dumont Noir 17; 1999) hier als kleine Würdigung gedacht:

DAS MULTITALENT AUS DEM MITTELWESTEN

Wie die Zeit vergeht… Es kommt mir wie gestern vor, als Max Allan Collins Anfang der 80er Jahre als  der Geheimtip und  Newcomer genannt wurde. Ein Multitalent, das gleichermaßen erfolgreich und anspruchsvoll in unterschiedlichen Medien arbeitete: max-2012-3001Er schrieb Comics (u.a. führte er den langlebigsten Crime-Strip DICK TRACY fort), machte mit seiner Garagenband die fetzigsten Songs in Iowa und schrieb Noir-Romane. Später kamen Film-Novilizations (Collins Bücher zu den jeweiligen Filmen sind mehr als hingeklatschte Drehbucherweiterungen) und Filmarbeit als Produzent, Autor und Regisseur dazu. Ganz nebenbei gibt er Anthologien heraus und schreibt auch noch Texte zu populärkulturellen Themen (sein umfangreicher und großformatiger Prachtband über den Pin-Up-Künstler Gil Elvgren ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine brillante Analyse). Collins ist eine der kreativsten und produktivsten Autoren der zeitgenössischen Pop- und Noir-Kultur.

Collins wurde am 3.März 1948 in Muscatine (die Welthauptstadt der Perlmuttknöpfe!), Iowa geboren. Diese faszinierende Stadt mitten in den großen Getreidefeldern, direkt am Mississippi gelegen, hat etwas – sonst würde Max wohl nicht immer noch dort leben. Er war ein Einzelkind und entdeckte früh Comics und andere fiktionale Welten, die ihn schnell zu kreativen Aktivitäten anregten.

Seine Eltern Max Allan und Patricia Ann unterstützten die künstlerischen Neigungen von Collins jr. „In den Ferien mußte ich keinen Job annehmen. Sie ermutigten mich stattdessen, mein erstes Buch zu schreiben.“ Nach der Schule ging er 1968 auf die Universität in Iowa City, die er 1972 mit einem Bachelor of Arts und einem Master of Arts abschloß. Von 1968 bis 1970 war er Reporter für das Muscatine Journal.Im selben Jahr, als er auf die Universität ging, heiratete er seine Kindergartenliebe Barbara Jane, geborene Mull, mit der er zusammen den Sohn Nate hat.max_barbara-tn1

Von 1971 bis 1977 unterrichtete Collins Englisch am Muscatine Community College. Seitdem ist er freier Schriftsteller.

Max ist ein echtes Kind der 50er- und 60er Subkultur und nach wie vor ein Fan. Sein Interesse an Comics, TV, Film, Good Girl Art und Crime Fiction schlägt sich in einer Reihe von sekundärliterarischen Artikeln und Büchern nieder. Aber auch in seinen Romanen greift er populärkulturelle Themen immer wieder auf: Jon, der Sidekick von Nolan, ist ein Rockmusiker und Comic-Sammler, der sich in jedem Roman mit einem anderen Aspekt oder Genre des Mediums beschäftigt.

maxallancollins1Noch stärker finden sich Bezüge in seinen Mallory-Romanen: In A SHROUD FOR AQUARIUS setzt er sich mit der Gegenkultur der 60er Jahre auseinander und beschreibt melancholisch den Werteverlust der Hippie-Generation.

Mit Joe Lansdales SAVAGE SEASON, Campell Armstrongs CONCERT OF GHOSTS (KONZERT DER SCHATTEN; Bastei 13553, 1994), David Debins NICE GUYS FINISH DEAD (NETTE TYPEN STERBEN SCHNELLER; Goldmann 5816, 1995), Michael Dibdins DARK SPECTRE (INSEL DER UNSTERBLICHKEIT; Goldmann 1996) und George R. Martins ARMAGEDDON RAG (ARMAGEDDON ROCK; Fantasy Prod.1986; Heyne TB) eine der gelungensten Meditationen über diese Zeit – aus gegenkultureller Perspektive.

Die Krimi-Szene mit ihren Fans, Autoren und Cons machte er zum Mittelpunkt des Romans KILL YOUR DARLINGS, und in NICE WEEKEND FOR A MURDER beschäftigt er sich mit Rollenspielen.

MUSIK

Mitte der 60er Jahre grassierte ein Fieber quer durch die Vereinigten Staaten. Das Fieber hieß Garagenbands. Angeregt durch die Musik der britischen Invasoren – wobei für US-Garagenbands Rolling Stones, Animals oder Kinks immer wichtiger waren als die Beatles – gründeten Jugendliche in jeder kleineren und größeren Stadt Beatbands.collins1

Einige dieser Pre-Punk-Bands sind heute Klassiker; etwa die Electric Prunes, We the People, Seeds, 13th Floor Elevators, Brogues, Standells, Bad Seeds usw. Dabei bildeten sich oft erstaunliche regionale Unterschiede heraus. Aber eine Band aus Texas hatte neben den britischen R&B-Invasoren eben noch andere Einflüsse als eine Band aus Florida oder Iowa. Die meist nur regional, bestenfalls im ganzen Staat, veröffentlichten Singles (wenige dieser Bands durften/konnten ein oder gar mehrere Alben machen) sind heute gesuchte Raritäten und ernähren eine ganze Industrie von auf Rereleases spezialisierten CD-Firmen.

Die Plattenindustrie nahm schockiert dieses anarchische Ausleben des Rock’n Roll wahr und betrieb schleunigst die Zerstörung oder den Aufkauf kleiner Labels, mit dem bekannten Erfolg, die Pop-Musik endgültig zu standardisieren und von den großen Companys abhängig zu machen.

Auch Max verfiel 1966 dem Garagenphänomen und gründete seine erste Band, die Daybreakers, für die er auch Songs schrieb, oft lead vocals sang und die Keyboards spielte. Der Singleknaller PSYCHEDELIC SIREN von 1967, damals erschienen auf einem Label von Atlantic Records, genießt unter Garagen-Fans Kultstatus (zu finden auf der Vinyl-LP HISTORY OF EASTERN IOWA ROCK Vol.1). Nach dem Ende der Daybreakers gründete der bekennende Bobby Darin-Fan Cruisin, mit denen er bis 1979 harten Garagenrock und wunderbare Balladen einspielte. Seitdem gab es zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten Reunion-Konzerte und 1986 ein echtes Reunion, das 1991 zu dem grandiosen Album BULLETS! führte.

COMICS

Von Kindheit an war Collins auch ein großer Comic-Fan. seductioncover11954, als Sechsjähriger, fing er sich diesen Virus ein, der ihn bis heute gefangen hält. „Mein Interesse an Comic Strips und fiktionalen Detektiven wurde am selben Tag geweckt. Meine Mutter (sie wußte es nicht besser) legte damals in meine kleinen, heißen Hände ein Heft voller Blut, Gewalt, Verbrechen und Detektion: ein DICK TRACY-Comic Book mit Nachdrucken der Strips.“ Collins versuchte sich selbst als kindlicher Zeichner. Seine Mutter schickte ein paar seiner Dick Tracy-Zeichnungen an Chester Gould und bat den Künstler, ihrem Sohn ein paar Zeilen zum Geburtstag zu schreiben. Gould sandte ihm den Gruß zum achten Geburtstag, und Max fiel aus allen Wolken.

„Dieser Brief änderte mein Leben. Er gab mir Selbstvertrauen. Heute hängt er gerahmt an einer Wand meines Büros. Chester schrieb mir, daß ich Dick besser zeichne als jeder andere Junge meines Alters.“

Deshalb griff er natürlich zu, als er 1977 die Chance erhielt, den großen Strip-Klassiker DICK TRACY als Texter zu übernehmen. Er schrieb den Zeitungsstrip bis 1993 und verstand es, ihm neues Leben einzuhauchen, indem er an Goulds klassische Perioden anschloss.

nov54-72dpi1

Max säuberte die Serie von dem fantastischen Schrott, der sich in den 6oer Jahren eingeschlichen hatte (Abenteuer auf dem Mond, zuviele unwahrscheinliche Gadgets usw.), indem er alte Figuren neu belebte, den Schwerpunkt auf Krimi- und gelegentlich Soap-Elemente legte, und neben neuen, originellen Gegenspielern neuartige Verbrechen (Computerkriminalität, Stalker usw.) einführte.

„Das Schwierigste war, sich die Verbrechen auszudenken. DICK TRACY gibt es seit 1931, und der Strip läuft Tag für Tag. Kaum ein Verbrechen, daß in dieser Zeit nicht abgehandelt wurde. Zum Glück – oder leider – fallen dem menschlichen Gehirn aber immer neue Abscheulichkeiten ein.“

ms_tree_211Zusammen mit dem Muscatiner Zeichner Terry Beatty (der auch das CD-Cover von BULLETS! gestaltete) entwickelte Collins eine Comic Book-Serie über einen weiblichen Privatdetektiv:

MS.TREE läuft noch heute, und ist somit die langlebigste Crime Comic Book-Serie der amerikanischen Comic-Geschichte.

„Die Ausgangsidee war, was wäre passiert, wenn Velda Mike Hammer geheiratet hätte, und Mike am Hochzeitstag umgelegt worden wäre. Hätte Velda nicht die Geschäfte übernommen und Mikes Mörder gejagt?“

Auch als BATMAN-Texter trat Collins hervor (beginnend mit den Heften BATMAN No.402 und No.403).

FRÜHE SERIEN

Natürlich zählt auch Collins die großen Noir-Autoren von Hammett, Chandler über Cain, Thompson und Goodis zu seinen Einflüssen. Aber den stärksten Eindruck machten Donald Westlake (als Richard Stark) und Mickey Spillane auf ihn:

„Westlake ist der beste zeitgenössische Kriminalliterat. Ich liebe Spillane! Niemand jagt den Leser durch die Seiten wie Mickey. Ich meine die frühen Sachen, die ersten sechs oder sieben Romane, die er als junger Mann geschrieben hat. Es gibt in der gesamten Literatur nichts Vergleichbares.“ 1999 drehte Max ein Feature über seinen Freund Spillane.nolan-hush-money-by-max-allan-collins1

Während der High School schrieb der sechzehnjährige Max sechs Romane, die kein Verleger haben wollte. Aber er gab nicht auf, schrieb weiter.

Kurz vor seinem Abschluß verkaufte er einen Roman, den ersten Nolan-caper: BAIT MONEY (im Manuskript noch FIRST AND LAST TIME getitelt), der, wie Max nicht müde wird zu betonen, „viel, fast alles, Donald Westlakes Parker-Romanen verdankt“.

In der ersten Fassung des Romans stirbt Nolan, der Dieb, der von der Mafia und der Polizei gehetzt wird, am Ende. Collins hatte endlich einen Agenten gefunden: den legendären Knox Burger, der in den 50er- und frühen 60er Jahren bei Dell und Fawcetts Gold Medal Books für die Paperback Originals verantwortlich war. Dort veröffentlichte er u.a. das Werk von David Goodis, Jim Thompson, John D.MacDonald, Kurt Vonnegut und Theodore Sturgeon.ahr0cdovl2jvb2tsb29rzxiuzguvaw1hz2vzl2nvdmvyl2xvy2fsl3n0yw5kyxjklzawl0wxl1lplmpwzw1

„Nach jeder Ablehnung sagte mir Knox, ich solle das Ende ändern und Nolan am Leben lassen. Langsam zeigte das Wirkung. Aber ursprünglich hatte ich die letzte aller tough guy-Stories schreiben wollen. Tough guys last stand. Dann hatte angeblich der Lektor bei Pyramid Books Kaffee über das Manuskript geschüttet. Knox meinte, da ich ein neues Manuskript tippen müsse, könne ich jetzt auch das Ende neu schreiben.“ Collins tat es, und ließ Nolan überleben, um ihn zu einem Seriencharakter auszubauen.

Neun Jahre hatte er versucht, seine Arbeiten zu verkaufen, bevor er 1971 seinen ersten Deal gelandet hatte. Von BAIT MONEY wurden seitdem weltweit über 250 000 Exemplare verkauft. Die weiteren Nolan-Romane waren ein ganz ordentlicher Erfolg, aber bald gab es ein Problem, von dem sich die Serie nicht mehr erholen sollte:

1981 übernahm der Verlag Harlequin Books von Pinnacle, bei dem Nolan jetzt erschien das Imprint Gold Eagle, in dem Don Pendletons Executioner-Serie über den Mafia-Killer Mack Bolan (diese Serie hatte in den 70er Jahren die Vigilantenwelle in den Paperback Original-Serien ausgelöst) erschien. Harlequin drohte Pinnacle einen Prozeß an. Sie behaupteten, Nolan sei eine juristisch nicht zulässige Kopie von Pendletons Executioner, und das die Namensähnlichkeit von Bolan und Nolan nicht zufällig sei. Größeren Schwachsinn kann man sich kaum vorstellen. Bolan war ein Söldner, jung, gutaussehend, ein Frauenheld und eiskalter Killer im Dienste seiner eigenen Gerechtigkeit. Nolan ein fünfzigjähriger Dieb, der einen Comic Fan als sidekick hatte. Wenn irgendjemand gegen die Nolan-Serie hätte klagen können, wäre es Donald Westlake gewesen, der aber dieses rip-off seiner Parker-Serie mochte und dem Autor Erfolg wünschte. Collins hatte ihn nach dem ersten Band sogar gefragt, ob er Nolan als Serie fortsetzen könne, oder Westlake sich plagiiert fühle. Westlake hatte ihm damals geantwortet, daß Nolan anders als Parker sei, und die Beziehung „zwischen Nolan und Jon menschlicher ist als alles, was ich je in den Richard Stark-Büchern geschrieben habe“. quarrymiddle1

Aber das interessierte die Idioten bei Harlequin nicht, die keine Gelegenheit scheuten, ihre ins Schlingern gekommene Mafiakiller-Serie vor gefährlicher Konkurrenz zu schützen.

Dabei wandten sich beide Serien an verschiedene Lesergruppen: Pendleton mit seinen primitiven Pulps, die von einer Legion von Autoren geghostet wurden, war eher Fernfahrerlektüre und für Leute, die beim Lesen die Lippen bewegen. Collins war schon damals ein sorgfältiger Autor, der jedem Buch eine individuelle Note verlieh. Jedenfalls knickte Pinnacle ein, obwohl es nicht zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kam, die Pinnacle und Collins leicht gewonnen hätten. Der Verlag nahm Nolans Namen bei den Bänden fünf und sechs vom Cover, was zu dramatischen Einbrüchen bei den Verkaufszahlen führte. Es kam zwar nicht zum Prozeß, aber die Serie war erledigt und wurde eingestellt. Erst 1987 veröffentlichte Max einen weiteren Nolan. Seine zweite Noir-Serie hatte den Vietnamveteranen und Kontraktkiller Quarry als Protagonisten. Über die beiden frühen Serien sagte Max: „Ihre Amoralität spiegelt die Zeit wieder, in der sie geschrieben wurden.“

9783404131044-de-3001NATE HELLER

1975 trat Rick Marshall, der Comic-Redakteur des Field Enterprise Syndicate, an Collins heran. Collins war ihm als Autor und Comic-Kenner aufgefallen und sollte nun einen neuen Strip für Field entwickeln. Ein neuer Crime-Strip, der in den 30er Jahren spielen sollte, um so den Anschluß an die klassischen Abenteuerstrips dieser Epoche (Terry & Pirates, Prinz Eisenherz, Dick Tracy, Tarzan, Secret Agent X-9 usw.) zu suggerieren.

Collins erfand den Detektiv Nate Heller und siedelte ihn im Chicago der 30er Jahre an; Titel der Serie sollte HEAVEN AN HELLER sein. Aber bevor das Projekt realisiert werden konnte, verließ Marshall das Syndikat. Obwohl er mehrfach versuchte, den Strip unterzubringen, fand er kein Vertriebssyndikat. Ähnliches war Spillane passiert: MIKE HAMMER war ursprünglich auch als Comic geplant gewesen.

Es war die Zeit des großen Sterbens der Adventure-Strips. Selbst Klassiker wie TARZAN oder STEVE CANYON verloren immer mehr Zeitungen, in denen sie veröffentlicht wurden, und TERRY AND THE PIRATES und andere wundervolle Serien aus dem Golden Age wurden völlig eingestellt. Fast nur noch Funnys, also komische Strips mit abgeschlossenen Gags, bevölkerten die Comic Strip-Seiten der Tageszeitungen. Max kehrte zurück zum Romanschreiben (zwei Jahre später sollte er dann als Texter DICK TRACY übernehmen und diesen Dinosaurier revitalisieren).

„Ich habe Privatdetektiv-Romane immer geliebt. Aber alle Versuche, solche Geschichten zu schreiben, scheiterten. Für mich war der Privatdetektiv ein Anachronismus, aktuell nur erträglich in einer so wundervollen TV-Serie wie DETEKTIV ROCKFORD. Dann kam ich drauf: Der Privatdetektiv war vielleicht Geschichte, aber er existierte auch in der Geschichte. Hammett hatte den Archetypen Sam Spade 1929 erfunden, als Zeitgenosse von Al Capone. Der Privatdetektiv als literarische Figur ist offenbar alt genug, diese historische Variante zu rechtfertigen. Das war mein Ausgangspunkt. Außerdem wollte ich ein genaues Zeitbild beschreiben, nicht einfach eine weitere nostalgische Privatdetektivserie absondern. Um all das unterzubringen, braucht man schon etwas mehr Platz. Deshalb sind meine Nate Heller-Romane auch doppelt- oder dreifach so lang wie meine sonstigen Romane.“

TRUE DETECTIVE hielt lange Zeit den Rekord als längster Privatdetektivroman, der je in der ersten Person geschrieben worden war. Collins stellte diesen Rekord selbst ein mit STOLEN AWAY über die Entführung des Lindbergh-Babys.

Der Noir-Roman entdeckte die historische Perspektive relativ spät über den Umweg des Polit-Thrillers, der historische Ereignisse oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt (etwa Frederick Forsyths DAY OF THE JAKAL oder Ken Folletts EYE OF THE NEEDLE).

Drehbuchautor Andrew Bergman schrieb 1974 mit THE BIG KISS-OFF 1944 den ersten von zwei Romanen, die im Hollywood der 4oer Jahre spielen. Stuart M.Kaminsky begann ein Jahr später mit seiner Serie um den Hollywood-Privatdetektiv Toby Peters, der es in jedem Fall mit einem anderen Hollywood-Star aus den 40ern zu tun hat. 1975 veröffentlichte Joe Gores seine Hommage an den Urvater: HAMMETT. Ed Mazzaro schrieb in dieser Zeit ebenfalls einige Romane, die in den 30er Jahren spielten.

Der erste Heller-Roman, TRUE DETECTIVE, wurde 1984 mit dem Shamus-Award der Private Eye Writers of America ausgezeichnet.

Die Heller-Romane sind mehr als unterhaltsame period pieces à la Andrew Bergman oder Stuart Kaminsky; sie sind Rekonstruktionen einer Epoche. Die auftretenden historischen Personen sind keine Staffage, sondern integraler Bestandteil der Plots. „Bergman und Kaminsky schrieben im Grunde Romane, die ich als Epochenschilderungen bezeichnen würde; sie bedienen sich zwar geschickt realer Personen und Schauplätze, doch sie gehen nicht von realen Ereignissen jener Zeit aus.“

nolan_covers1

DEUTSCHE AUSWAHL-BIBLIOGRAPHIE (stand 1998; da Max so produktiv ist, dass man als Bibliograph kaum hinterher kommt, empfehle ich die immer aktualisierte Homepage: http://www.maxallancollins.com/books/).

Nicht aufgeführt sind Comics und nur wenige Tie-ins, die bei uns veröffentlicht wurden (z.Bsp.: Der Soldat Ryan, CSI usw.).

4915601

Nate Heller-Serie:

True Detective (Chicago 1933; Bastei 13015, 1985); St.Martin’s Press, 1983.

collins-heller01-chicago-1933-cover-klein1True Crime (Gangsterbräute 1934; Bastei 13036, 1986); St.Martin’s Press, 1985.

The Million-Dollar Wound (Gangsterkrie 1942; Bastei 13104, 1987); St.Martin’s Press, 1986.

Neon Mirage (Las Vegas 1946; Bastei 13261, 1990); St.Martin’s Press, 1988.

Stolen Away (Kidnapping; Bastei 13460, 1993); Bantam, 1991

Blood and Thunder (Blut und Donner; DuMont Noir 17, 1999); Dutton, 1995.

 

Nolan-Serie:

Bait Money (Köder für Nolan; Bastei 19087, 1990); Curtis, 1973.

Blood Money (Bußgeld für Nolan; Bastei 19093, ?); Curtis

Quarry-Serie:

The Broker (auch: Quarry. Quarry u.d.Makler d.Todes; Bastei 19061, 1988); Berkley, 1976.

The Broker’s Wife (auch: Quarry’s List. Quarry u.d.Liste d.Todes; Bastei 19064, 1988); Berkley, 1976.

The Dealer (auch: Quarry’s Deal. Quarry u.d. Killer; Bastei 19066. 1988); Berkley, 1976.

The Slasher (auch: Quarry’s Cut. Quarry gibt nicht auf; Bastei 19079, 1990); Berkley, 1977.

Primary Target (Quarry u.d.Millionenkontrakt; Bastei 19071, 1989); Countryman, 1987.

Mallory-Serie:

The Baby Blue Ripp-Off (Ein Veteran kehrt heim; Bastei 19103, 1987); Walker, 1983.

No Cure for Death (Der Einäugige; Bastei 19105, 1987); Walker, 1983.

Kill Your Darlings (Mordkongress; Bastei 19106, 1987); Walker, 1984.

A Shroud For Aquarius (Auch Blumenkinder sterben; Bastei 19115, 1987); Walker, 1985.

A Nice Weekend for a Murder (Wochenendmorde; Bastei 19123, 1988); Walker, 1986.

 

Eliot Ness-Serie:

The Dark City (Die dunkle Stadt; Bastei 19129, 1989); Bantam, 1987.

Butcher’s Dozen (Killer in der dunklen Stadt; Bastei 19139, 1990); Bantam, 1988.

 Non-Series:

Dick Tracy (Filmbuch. Dick Tracy; Bastei 13311, 1990)); Bantam, 1990.

NYPD-Blue: Blue Beginning (TV-Buch. Ein Bourbon zuviel; VGS, 1996); Signet, 1995.

Waterworld (Filmbuch); Arrow, 1995.

Private Ryan (Filmbuch. Der Soldat James Ryan; Knaur 61263, 1998); Signet, 1998.

 

Sekundärliteratur:

1467885241

Jim Thompson: The Killers Inside Him (mit Ed Gorman); Fedora Press, 1983.

 

One Lonely Knight: Mickey Spillane’s Mike Hammer (mit James L.Traylor);Bowling Green State University Popular Press, 1984.

 

The Best of Crime and Detective Television (mit John Javna); Crown, 1988.

 

The Mystery Scene Movie Guide: A Personal Filmography of Modern Crime Pictures; Borgo Press, 1995.

 

Elvgren: His Life & Art (mit Drake Elvgren); Collectors Press, 1998.

max-b

 

<img src=“http://vg08.met.vgwort.de/na/6b844f547d6c44e8ac7890f17c750fcd&#8220; width=“1″ height=“1″ alt=““>

 

 



DIE ERSTEN WEIBLICHEN PRIVATDETEKTIV-SERIEN IM TV by Martin Compart

e4ee84f72184a7fbcf1726f354dbaab79f1522ea10ca2abf8797284be5b46f4bff1e2b30306b075f66ab311a966e87a6[1]

Es ist kaum vorstellbar: Es gab eine Zeit, in der das deutsche Fernsehen innovative Serien herstellte. Kaum zu glauben, aber die erste TV-Serie mit einer Privatdetektivin in der Hauptrolle, stammt aus Deutschland.

Privatdetektivin Kai Fröhlich glaubt nicht daran, daß man ihr als Frau riskante Aufträge übertragen würde. Deshalb erfindet sie einen Chef. Mit Hilfe einer technischen Anlage gaukelt sie den ratsuchenden Kunden die Existenz eines genialen Mannes im Hintergrund vor. Sie selbst gibt sich als naive Sekretärin, die von nichts Ahnung hat.

Angeblich entstand die in München von der Bertelsmann Fernsehproduktion gedrehte Serie nach einer Idee der Hauptdarstellerin. Die erste Krimiserie des ZDF. Fast könnte man glauben, Wolf Neumeister (Buch) und Hermann Kugelstadt hätten das Konzept von REMINGTON STEELE vorweggenommen.

KARTE MIT DEM LUCHSKOPF, DIE

BRD 1963;13×25 Min.;SW.

Fröhlich … Kai Fischer

Viktoria von Proschwitz … Ursula Herking

Hauptwachtmeister Karje … Karl Otto Alberty

Anne_Francis_Honey_West_1965[1]

 Honey West ist eine Privatdetektivin in Los Angeles, die mit ihrem Partner Sam Bolt meistens für Versicherungen arbeitet. Sie ist mit „hypermoderner“ Technik, einen Van mit Abhöreinrichtung, einer Gasmaske im Straps, ausgerüstet und hat einen zahmen Ozelot als Kuscheltier.

1957 erschien der erste Honey-West-Roman von G.G.Fickling; es folgten schnell weitere und man kann wohl behaupten, daß Honey die erste wirklich populäre Superheldin der Kriminalliteratur war (lange vor Modesty Blaise).

In der Folge WHO KILLED THE JACKPOT, geschrieben von Gwen Bogni und Paul Dulow, aus der Serie AMOS BURKE  (BURKE’S LAW), tauchte Honey erstmals im Fernsehen auf.

Bogni und Dulov entwickelten anschließend für Four Star und ABC die Serie. Executive Producer war Aaron Spelling. Die gradlinigen Geschichten waren nett anzusehen (die späteren COLUMBO-Erfinder Levinson & Link schrieben für die Serie),  aber sie wird wohl immer zu unrecht als schlechter Abklatsch von MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE betrachtet werden. Dabei kann die Serie oft ganz ohne Morde aus.  Und Anne Francis braucht sich wahrlich nicht hinter Diana Rigg verstecken.

45967603-HoneyWest_BloodAndHoney1[1]Roman:

G.G.Fickling (Pseudonym für Gloria und Forrest Fickling):

This Girl for Hire, 1957 (Das große Töten, Loh 1969).

Girl on the Loose, 1958 (Hübsche Mädchen sterben nicht, Loh 1969).

A Gun for Honey, 1958 (Tod eines Porno-Stars, Loh 1969).

Girl on the Prowl, 1959.

Honey in the Flesh, 1959.Honey West _1 (Gold Key 1966) 2[1]

Dig a dead doll, 1960 (Mord auf Mexikanisch, Loh 1969).

Kiss for a Killer, 1960 (Paradies der Mörder, Loh 1969).

Blood and Honey, 1961.

Naughty but dead, 1962 (Der Tod hat viele Gesichter, Zauberkreis 1968).

Bombshell, 1964.

Honey on Her Tail, 1971.

Stiff As a Broad, 1972..

honey-west-comic-1a[1]

Comic:

Honey West No.1; Gold Key, Sept.1966.

Seit 2010 veröffentlicht Moonstone Books eine neue Comic Book-Reihe.

 

PRIVASTDETEKTIVIN HONEY WEST

Honey West

USA 1965;30×25 Min.;SW.

Honey West … Anne Francis

Sam Bolt … John Ericson

Tante Meg … Irene Harvey

und Bruce, der Ozelot

honeywestcd[1]



THRILLER, DIE MAN NICHT GELESEN HABEN MUSS: GROBER UNFUG MIT BLONDINEN: Carter Browns genialer Trash by Martin Compart
1. März 2016, 9:53 am
Filed under: CARTER BROWN, Crime Fiction, Krimis, Porträt, Pulp | Schlagwörter: , , ,

Von allen Schundautoren – von denen es in der Kriminalliteratur wie in jeder literarischen Form reichlich gibt – ist er wohl der schundigste: Der König des Trash! Aber wie man von der Filmkunst weiß, gibt es schlechte schlechte Filme und gute schlechte Filme. Dasselbe gilt für die Literatur. Und unter den guten schlechten Autoren ist Carter Brown einer der besten.

41552717-1966_Unternehmen_Hongkong__The_Hong_Kong_Caper__byCarter_Brown[1]

Als pubertierender Jüngling habe ich ihn geliebt und mit Erregung (er war einer der besten „Stellenautoren“ der vorpornographischen 1970er Jahre; aber damals brauchte es auch nicht viel) verschlungen. In Zeiten von Internet-Porn ist es kaum noch vorstellbar, dass diese Cover und harmlosen „Stellen“ bei pubertierenden Jungs die Akne wie Erektionen aus den heißen Schädeln sprießen ließen. Außerdem mochte ich seine völlig bescheuerten Plots und seinen Machostil, der eine Mischung aus Großmäuligkeit und Alfred E.Neumann ist. Carter Brown lieferte die Parodie auf sich immer gleich mit. Er war so ernst zu nehmen, wie das Rauchverbot für die große Pause. Später, mit zunehmenden politischen Bewusstsein, bekämpfte ich natürlich als aufgeklärter Progressiver sein sexistisches Frauenbild. Es war leicht gegen die Machoposen ideologisch anzugehen und ihn humorlos als das zu enttarnen, was auf den Klappentexten der Ullstein-Krimis und Mitternachtsbücher gedruckt war. Noch später hatte ich dann wieder ein freundlicheres Verhältnis zu dem Großmaul, denn letztlich war er der Krimi-Autor für die erste MAD-Generation. Der Don Martin der Paperback Originals. Vieles von seiner Faszination ist von der Zeit ausgelaugt und zur Nostalgie geworden. Einige der skurrilsten Szenen und größten Dialoge funkeln noch immer wie Waldmeisterlimonade an einem sonnigen Tag im Freibad.

6484243371_93a6957ec9[1]Der Mann hat 262 Romane (mit den australischen Novelettes sind es gar 282) geschrieben. 223 Krimis als Carter Brown, 38 Gothics als Caroline Farr (ab 1966), einen Roman unter seinem Namen, The Cold Dark Hours (1958) und eine Autobiographie unter seinem richtigen Namen Alan Yates: Ready when you are, C.B.! : the autobiography of Alan Yates alias Carter Brown (Macmillan, 1983). Als Paul Valdez schrieb er sogar Science Fiction.  Als sein ambitioniertester SF-Roman gilt Coriolanus, the Chariot! (1978).

In Deutschland sind 174 Romane erschienen (wahrscheinlich wurden Neuauflagen mitgezählt).

In 28 Jahren veröffentlichte durchschnittlich 9,3 Romane im Jahr. Dieser Durchschnittswert vermittelt nur einen unzureichenden Eindruck seiner Produktivität: In den 1960er Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, schrieb er oft zwanzig oder mehr seiner kurzen, schnellen Bücher. Darunter seine besten. Die Romane sind dünn und man kann sie in ein bis zwei Stunden auf einem Sitz locker runterreißen (und ebenso schnell vergessen). Über die Gesamtauflage seiner Bücher gibt es unterschiedliche Aussagen, die zwischen 70- und 120 Millionen weltweit verkaufter Exemplare liegen.

Zu den Carter Brown-Fans zählte auch Marlene Dietrich. Als man nach ihrem Tod ihr Pariser Apartment ausräumte, fand man eine ganze Sammlung seiner Bücher.mREZMYw_A9ww9frf6XJRh3w[1]

Seinen bekanntesten Serienhelden sind Lieutnant Al Wheeler und Sergeant Polnick, der dümmste Polizist der Kriminalliteratur, aus Pine City; Danny Boyd, der immer geile Privatdetektiv mit dem klassischen Profil („Weihnachten verkleide ich mich gerne als Nikolaus um in Fahrstühlen den Damen mit einer Nadel Laufmaschen in die Nylons zu pieken.“), der Hollywoodschnüffler Rick Holman, die dumme aber aufregende Privatdetektivin Mavis Seidlitz (der erste Roman mit ihr erschien bereits 1955), der „randy“ Anwalt Randy Roberts, der Millionär Donovan (eine späte Figur, in pornographisch plakativeren Romanen, ohne den Charme der frühen Jahrzehnte), der Abenteurer Andy Kane und meine absoluten Favoriten: der Drehbuchautor Larry Baker mit seinem Partner Boris Slivka. Ich-Erzähler Baker ist ein feiger Weiberheld, und der Produzent Slivka ein elender Säufer: „Sein gehetzter Blick ließ mich unwillkürlich an einen Bernhardiner denken, der sich zwölf Meilen weit durch den Schneesturm gekämpft und gerade entdeckt hat, dass sein Rumfäßchen ausgelaufen ist.“

Literaturhistorisch ist Brown ein direkter Nachfolger der Spicy Pulps, bei denen der Held seine Ermittlungen vorzugsweise in den Schlaf- und Ankleidezimmern durchführt und den Frauen dauernd der Rock hochrutscht „so dass man über dem Strumpfrand eine Handbreit nacktes Fleisch sehen konnte“. Autoren wie Robert Leslie Bellem mit seinen Geschichten um den Hollywood-Detektiv Dan Turner hatten in den 1940er Jahren ungeheuren Erfolg.

 

4735524-1x1-340x340[1]

Carter Brown war das wichtigste Pseudonym von Alan Geoffrey Yates (er veröffentlichte ebenfalls als Peter Carter Brown und Dennis Sinclair). Er wurde am 1.August 1923 in England geboren. Nach der Schulzeit in Essex trat er in die Royal Navy ein und nahm am Pazifikkrieg teil. Er beendete seinen Dienst 1947 im Range eines Unterleutnants. Wie so viele, die Asien oder die Südsee in ihren Bann zogen,  blieb auch Brown nach dem Krieg dort hängen. Zuerst in Hongkong, dann ging er nach Australien. Dort heiratete er Denise Sinclair Mackellar, mit der er eine Tochter und drei Söhne hatte. Er hatte sie 1945 während eines Urlaubs in Sidney kennen gelernt. Für kurze Zeit lebten sie in England, wo er als Tonmann bei der BAF arbeitete. Die Arbeit befriedigte ihn nicht und er schrieb nebenher Artikel und Radioskripte, die abgelehnt wurden. 1948 ging das Paar nach Australien und Brown arbeitete  von Sidney aus als Handlungsreisender eines Weinhandels; von 1949 bis 1951 war er Mitglied der Public Relations-Abteilung der australischen Fluggesellschaft Quantas. Abends notierte er Western für Invincible Press für ein Pfund pro 1000 Worte! Dann ermöglichte ihm Horwitz die Mitarbeit. Unter den Pseudonymen Paul Valdez und Tod Conway schrieb er in so ziemlich jedem Genre: Von SF über Krimis bis Horror.

a_sommery_feel[1]  1951 erschien seine erste Novelle unter dem Pseudonym „Peter Carter Brown“: The Lady is Murder. 1953 veröffentlichte er seinen ersten Roman: Murder is my Mistress, angeregt – wie er in einem amerikanischen Fernsehinterview sagte – durch den Erfolg von Mickey Spillane. Seine ersten fünfzig Bücher erschienen ausschließlich in Australien – zuerst bei Transport, dann ab 1954 bei Horwitz Publications in Sidney. Horwitz zahlte im wöchentlich dreißig Pfund als Vorschuss auf die Tantiemen. Brown unterzeichnete einen Vertrag, der ihn verpflichtete, dreißig (!) Jahre lang monatlich zwei Novellen und einen Roman abzuliefern. Er schrieb locker 40 000 Worte am Tag und wenn er mal 48 Stunden durcharbeitete, schluckte er Dexedrin. Trotzdem bekam er Ende der 1950er Jahre Probleme, die Termine zu halten. Horwitz halbierte daraufhin die monatlichen Forderungen 1961. Es wird gemunkelt, dass in dieser Zeit einer seiner Signet-Lektoren, C.J.McKenzie, ein halbes Dutzend Carter Brown-Romane schrieb. Robert Silverberg soll ebenfalls zwei „Carter Brown-Romane“ geschrieben haben, die aber von Signet nicht akzeptiert wurden.

CBLadyTransRussia[1]

Das erste Land, in dem seine Bücher übersetzt wurden, war Finnland. Nachdem Horwitz 1958 ein Paperbackdeal mit New American Library (signet Books) gelungen war, erschienen seine Bücher auch in den USA, wo sie sofort Erfolg hatten, obwohl Brown die Staaten nur aus Romanen und Filmen kannte. Einer seiner Lektoren bei Signet war E.L.Doctorow. Laut Bill Pronzini teilen sich Carter Brown und Erle Stanley Gardner den zweiten Platz hinter Mickey Spillane als die in den USA meistverkauften Krimiautoren (zumindest bis in die 1980er Jahre). Nicht geringen Anteil daran hatten die vielen großartigen Cover von Robert McGinnis und Barye Phillips. Die Romane wurden in 29 Sprachen übersetzt und in den 1990ern sogar ins Russische. 2007 registrierte man über 3000 Ausgaben in 29 Sprachen. Ausgangspunkt für den weltweiten Erfolg war der Deal mit Signet, der für Aufmerksamkeit sorgte. Bereits wenige Jahre später wurden seine Bücher in 14 Sprachen übersetzt – darunter deutsch, französisch und japanisch (dort wurde er in der edelsten Crime Edition in aufwendig gestalteten Büchern veröffentlicht).

CBLadyTransJapan63[1]

Yates war ein Familienmensch – das Gegenteil seiner Helden. Zehn Jahre lebte er in England, dann in Hongkong und schließlich in St.Ives, Sidney.

Yates starb am 8.Mai 1985; sein letzter Roman war 1981 erschiene. Aber da war seine große Zeit längst vorbei. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges in den 60ern, brachte Signet seine Bücher sogar als eigene Reihe heraus.

Alan%20Yates%20CB[1]

Die Kritik hat ihn nie gemocht. Zu trashig, zu pulpy. Besonders in den 1970er Jahren wurde er wegen seines Frauenbilds zur Zielscheibe. Sein Problem war es, dass er ernst genommen wurde. Wie Henry Kane begann er seine Romane pornographisch aufzurüsten um gegen den schwindenden Erfolg anzuschreiben. Dabei blieb sein bescheuerter Pin-Up-Charme auf der Strecke. stripper-frontL[1]Spätestens ab 1975, als Signet auch die gemalten Cover durch Foto-Cover ersetzte, verlor Brown endgültig seinen Reiz: sein naiver Playboy-Sexismus wurde immer häufiger zu langweiliger Pornographie mit sadistischen Tönen, der Humor platter und aufgesetzt. Seine Zeit war vorbei und alle Versuche, sich den freizügigeren 70ern anzupassen, nur peinlich.

Seine deutschen Veröffentlichungen wurden zu Beginn der 1980er Jahre gestoppt, als die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften den Heyne-Band Donovan und das süsse Leben indizierte. curtainsforachorineFRfilm1963CBMS[1]Neben dem Desch-Verlag und Ullstein war es der Heyne Verlag, der als dritter und letzter Verlag Carter Brown in Deutschland veröffentlichte. Zwischen 1956 und 1958 hatte er eine eigene Radio-Serie The Carter Brown Mystery Theatre. 1982 führte die Sydney Theatre Company eine Musicalversion seines Romans The Stripper von 1961 auf! Adaptiert und inszeniert wurde es von Richard O´Brien, dem Schöpfer der Rocky Horror Picture Show. Die einzige mir bekannte Verfilmung ist eine französische Komödie: Blague dans le coin (1063) von Maurice Labro  mit Fernandel nach Curtains for a Chorine  (1955).  1958 wurde auch von Horwitz ein Carter Brown-Comic-Magazin veröffentlicht. Insgesamt gab es wohl drei oder vier Comic Books mit den Romanhelden.

CBcomic1[1]

Die Romane nehmen sich genauso wenig ernst, wie ihre Helden oder die Plots. Jeder besteht aus einer immer wieder geschüttelten Mischung aus Sex, Action und Humor. Immer dasselbe – aber anders.

1e6260bda34e519cfe325591c7f2cf69[1]Browns Protagonisten sind vor allem geile Lustmolche. Und sie kommen voll auf ihre Kosten: Mindestens drei (Blondine, Brünette, Rothaarige) Frauen kreuzen pro Roman ihren Weg. Fast immer ist auch eine bösartige Sadistin (lesbisch oder frigide) darunter, die dem Helden arg zusetzt. Zum Glück für ihn lauern aber auch immer eine geile, tumbe Blondine oder eine temperamentvolle Rothaarige auf den Seiten. Vorgestellt werden sie natürlich immer mit ihren Maßen: „Sie hat die Art Figur, die die Modezeitschriften fast an den Rand des Ruins brachte, als sie versuchten, sie als unmodern hinzustellen.“ Brown war ein echtes Produkt der Playboy-Kultur der 50er Jahre. Aber im Grunde besteht der gesamte Brownsche Kosmos aus Mistkerlen, Idioten und gemeinen oder tumben Frauen.. Auch die Helden, die fast immer die Ich-Erzähler sind, wecken beim Leser keine ungebremste Sympathie. Wenn sie sabbernd hinter einem kreischenden, fast nackten (nur noch mit „pulverblauen Höschen“ bekleidet)  Mädchen herjagen, bleibt beim Leser, angesichts der Brownschen Trottel, ein klares Überlegenheitsgefühl zurück. Sex ist nichts anderes, als ein Handelswert. Das Motiv der Bösewichter ist meistens Geldgier. Geld und Sex sind die Götter in Browns kapitalistischer Welt. Die Gier nach beiden sind die stärksten Antriebskräfte. Eine oberflächliche Kapitalismuskritik, die dem ganzen Hard-boiled-Genre innewohnt, liefert auch Brown ab. In seinen Romanen ist jeder korrumpierbar. Seine Helden haben sich damit abgefunden, dass das System nicht besiegt werden kann – soweit sie zu diesen intellektuellen „Erkenntnissen“ überhaupt in der Lage sind. Sie haben sich eingerichtet und machen ihren Job um dabei soviel Spaß wie möglich zu haben.CBSuddenly5[1] Kapitalistischer Hedonismus, der selbstverständlich als Ware seinen Preis hat. Browns kurze Romane sind als Wegwerfprodukte konzipiert. Man liest sie wie man Zigaretten raucht: Ist die Packung beendet, zerknüllt man sie und kauft eine neue derselben Marke, ohne Erinnerung  an die vorherige. Sein kapitalistisches Amerika ist nicht in regionalen oder kulturellen Besonderheiten  verankert; es ist ein allgemeinverständliches Disneyland des Kapitalismus. Darauf beruht zum Teil sein gigantischer Erfolg in fast allen westlich orientierten Ländern im Kalten Krieg. Indische oder japanische Konsumenten begreifen jedes Wort genauso wie finnische oder französische. Browns Erfolgskurve ist ganz ähnlich wie die der Playboy-Kultur.

The Bump and Grind Murders-1[1]

Alle Kritik ändert nichts an der Tatsache, dass Brown ungeheuer komisch sein konnte. Ein paar Kostproben gefällig?

„Der Kellner tanzte um mich herum, wie ein kurzsichtiger Vampir auf der Suche nach der Halsschlagader.“

„Das Haus sah aus, als würde es dem jährlichen Termitenkongress als Tagungsort dienen.“

„Dieser Hammond! Erzähl ihm, die Welt ist eine Scheibe, und er wird nie wieder nach Mexiko runterfahren, aus Angst, er könne über den Rand fallen.“

„Ihre Oberweite vibrierte nervös unter dem durchsichtigen Stoff, und ich vermute, das folgende, leichte Zischgeräusch rührte daher, dass meinen Augen die Sicherungen durchbrannten.“

„Do you go to the movies often, Lieutenant?“ she asked politely. „Once,“ I said, „to get in out of the rain. A thing called Birth of a Nation. I figured it was about sex, but I got gypped.“

 

Große Klasse waren auch die deutschen Titel (mit Lektorin Jutta Wannenmacher war damals sowieso bei Ullstein eine Magierin der Klappentexte und Titel am Werk). Sie waren meist besser als die Originaltitel. Ein paar Beispiele gefällig?

tumblr_n2y1olaHyO1sqyiy5o5_r1_1280[1]

Ackerbau und Unzucht,

Amok der Amazonen,

Falltür: Bitte klopfen,

Grober Unfug mit Blondinen,

Ein gutes Jahr für Zwerge,

Haschen mit Hexen,

Hölle mit Vollpension,

Hulamädchen auf Abwegen,

Täglich frische Leichen,

Vampire trinken ex,4341097631_c329f9324d[1]

Strandparty für Mörder,

Schwere Last mit leichten Mädchen,

Sexpertin in Mord,

Mord ist kein Metier für Mädchen,

Immer eine Frau auf Eis,

Drei Unzen Agonie.

 

Browns gesamte Komik erschließt sich aber erst völlig im Zusammenhang mit den aberwitzigen Plots. Und den häufig irrwitzigen Schauplätzen (etwa die mittelalterliche Burg auf einer Pazifikinsel in Falltür-Bitte klopfen), Diese unglaublich dämlichen Handlungsentwürfe runden seinen Stil angemessen ab. Carter Brown ist der hässliche Chauvinist, der alle Chauvi-Klischees drauf hat.  Das macht ihn fast zu einen subversiven Autor! Denn die ewigen, übersteigerten Wiederholungen führen diese Denkmuster ad absurdum. Außerdem entgleiten die Szenen häufig zu literarischen Slapstick. Dann haben seine Helden mit den Keystone-Cops mehr gemein als mit Mike Hammer. Wobei man bei Brown nie derartige Härte und Brutalität findet wie bei Spillane.

CBLace[1]Wie gesagt: Meine persönliche Lieblingsserie ist die leider kurzlebige um Baker & Slivka. in ihnen treibt Brown alles auf die Spitze und entwickelt fast soetwas wie eine surrealistische Qualität. Wer sich über einen Roman ärgert, der auf einer altenglischen Burg auf einer Südseeinsel ärgert, ist selber schuld.

In Deutschland ist Carter Brown schon lange nicht mehr lieferbar. In einem modernen Krimi-Programm hätte er auch keinen Platz mehr (obwohl der heutzutage veröffentlichte charmelose Schwachsinn schon recht erstaunlich ist). Aber antiquarisch ist er mehr denn je erreichbar, dank dem Internet. Und das wahre Feeling stellt sich sowieso nur bei den alten Ullstein-, Mitternachts- und Signet-Ausgaben ein.

 

Swinging Sixties pulp fiction at their sleaziest.

 

 

 

<img src=“http://vg08.met.vgwort.de/na/9ea75ea60c094b24a4d812a7538b7d45&#8243; width=“1″ height=“1″ alt=““>



VISIONARIUM Ausgabe 2 erschienen! by Martin Compart
2. Mai 2014, 4:30 pm
Filed under: NEWS, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

visionarium02_kindle_72dpi[1]
Doc Nachtsrom hat das Wort:

„Wieder haben wir unzählige Nächte zum Tag gemacht, geredet, diskutiert, kreativ gearbeitet, verworfen, wieder von vorne begonnen, wunderbare Menschen kennengelernt, Geschenke erhalten und uns an unserer Mission erfreut, es war die pure Magie – und jetzt ist es endlich wieder soweit: Voller Freude präsentieren wir die zweite Ausgabe unseres Magazins VISIONARIUM!

Und mächtig stolz sind wir wieder auf die über 100 Seiten hochwertigen Lesestoff, den wir euch präsentieren dürfen: Unter dem Motto Illusion und Wirklichkeit erwartet euch eine exklusive Kurzgeschichte von „Amputiert“ – Kultautor Gord Rollo, weitere Stories von Edie Calie und Melchior v.·. Wahnstein, der Bericht über eine Begegnung mit dem Doyen der deutschsprachigen Phantastik Franz Rottensteiner in Wien; ein Essay über die Philosophie hinter der HBO-Erfolgsserie True Detective plus Chefredakteur Bernhard Reicher hat sich in einen verwunschenen Wald in Transsilvanien begeben und erzählt von seinen doch recht gruseligen Erlebnissen dort. Illustriert haben dieses Mal Bilderdaemmerung-Macher Matthias Töpfer, Wilhelm Steiner und Suna Jones; das Titelbild hat dankenswerterweise wieder Jörg Vogeltanz gestaltet.

Einfach auf die entsprechenden Links klicken, um die zweite Ausgabe von VISIONARIUM als gedrucktes Buch oder E-Book zu bestellen!

Über Feedback freuen wir uns natürlich wieder auf unserer Facebook-Page!

Mit herzlichem Gruß,

Dr. Nachtstrom, Herausgeber“

http://visionariumjournal.wordpress.com/



Zur Wiederholung von HUMAN TARGET by Martin Compart
25. März 2014, 9:46 am
Filed under: HUMAN TARGET, Rezensionen, thriller, TV-Serien | Schlagwörter: , , ,

VORBEMERKUNG:
Als ich vor ein paar Jahren diesen Artikel über die erste Season der Action-Serie HUMAN TARGET schrieb, hatte ich hohe Erwartungen an die 2.Staffel. aber die wurden nicht erfüllt, und die Serie abgesetzt. ich finde es höchst ärgerlich, dass die Macher nicht das Potential in den Griff bekommen haben. ich überschrieb damals meine Kritik mit „eine (fast) perfekte Action-Serie“. Und das hätte sie werden können, wenn man die übergreifenden Subplots und Nebenfiguren konsequent und intelligent behandelt hätte. So aber wurde sie noch schlimmer in den Sand gesetzt als die letzte Staffel STRIKE BACK (jedenfalls die letzten Folgen. Trotzdem: Im Vergleich zu deutschen Serien ist HUMAN TARGET noch immer sehenswert (auch wenn dazu ja nicht viel gehört; ich jammere hier auf hohem Niveau).

Wenn man die ersten Folgen der neuen Action-Serie HUMAN TARGET gesehen hat, bestätigt sich, was andere US- und GB-Serien schon bewiesen haben: In Deutschland ist die Zeit stehen geblieben. Zumindest auf dem Lerchenberg und den Räumen deutscher Produktionsfirmen. Kein gegängelter deutscher Drehbuchautor hätte solche Lines, mythisch anmutende Charaktere, Plot-und Subplotwendungen auch nur im Ansatz hingekriegt. Deutsche Regisseure hätten aus dem US-Drehbuch mindestens einen Dreistünder machen MÜSSEN, da sie nie Timing gelernt haben. Und das deutsche Action-TV-Aushängeschild COBRA 11 wirkt im Vergleich mit HUMAN TARGET so antiquiert wie die Keystone Cops.

Perfekt nutzen die Macher die Möglichkeiten des nicht linearen Erzählens, wie es zuvor schon effektiv bei HUSTLE eingesetzt wurde (momentan scheinen die meisten Innovationen aus Großbritannien zu kommen – siehe auch SPOOKS oder LITTLE BRITAIN). Produziert wird sie in Vancouver (seit der gerade verstorbene Stephen J.Cannell die Stadt für WISEGUY entdeckte und sie beispielsweise Joel Surnow für LA FEMME NIKITA nutzte, gilt Vancouver dank günstiger Gewerkschaftsbedingungen als Mekka für Action-Serien). Und jede Folge hat tatsächlich den look eines Bruce Willis-Kinofilm. Action-Kino für Arme ist das nicht. Und die tollen Bücher sorgen dafür, dass alles was momentan in den verseuchten Cinemaxen vor einem debilen Publikum abgespielt wird, dagegen alt aussieht. Noch älter sehen natürlich deutsche Gähnserien aus. Klaus Bassiners Lerchenberger Geronten-Sokos verstehen sich natürlich nicht als Action-TV sondern als homöopathisches Sedativ. Aber der ganze Mist der unfähigen RTL-Tante Anke Schäferkordt stinkt jetzt wieder mächtig ab. Ob sogenannte „Eventfilme“, die scheinbar in einem Legoland gedreht werden, oder LASKO und die vielen vergessenen Flop-Serien, die US-Konzepte grottig kopierten, – so was kann man wohl nur noch für kleines Geld in deutsche Urlaubsgebiete an der
Schwarzmeerküste verscherbeln. Im Gegensatz dazu zeigt HUMAN TARGET, wie man Massen taugliches Action-Format macht ohne die Intelligenz zu beleidigen. Aber auch dieses Highlight wird Tante Anke nicht davon abhalten wieder los zu brausen zu neuerlichen, noch finsteren Tiefpunkten derber Unterhaltung. Immer SAT 1 und pro/ im Rückspiegel.

Die Kunst bei solchen Action-Serien ist die Gradwanderung zwischen Leichtigkeit, Augen zwinkernder Selbstironie und Suspense gepaart mit der Glaubwürdigkeit von Hero-Comic-Charakteren, die in ihrem Kosmos vollkommen glaubwürdig agieren und in ihm dreidimensional wirken. HUMAN TARGET macht das perfekt. Ein absoluter Quantensprung seit dem MILLION DOLLAR MAN oder dem A-Team. TARGET funktioniert auf allen Ebenen und spricht alle Bildungsschichten an. Ein Zeichen wahrer Industriekunst, also mehr als nur gutes Handwerk! Neben der Action ist die Interaktion zwischen den drei Hauptfiguren ein besonderer Reiz der Serie. Mark Valley drückte das ebenso kryptisch wie nett aus: „Wenn Chance ein ehemaliger Junkie oder Alkoholiker wäre, dann ist Winston eher sowas wie sein Helfer während Jackie sein Ex-Dealer ist.“
Die Serie beginnt klassisch in Episodenform. Ab der Folge SANCTUARY steigt sie intensiver in die Personen und ihre Hintergründe ein und baut behutsam ihre eigene Mythologie. Hinweise und Andeutungen werden geschickt in die einzelnen Folgen eingebaut, die beim großen Finale erst ihren Sinn bekommen. Da erfahren wir dann die „großen“ Geheimnisse hinter dem Mann, der sich Christopher Chance nennt. Die Season endet mit einem cliffhanger, da man die Verlängerung durch FOX wohl in der Tasche hatte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in der zweiten Staffel zu einem noch stärkeren Mix aus episodischen- und seriellem Erzählen kommt. Wie gut das funktionieren kann, haben bereits LA FEMME NIKITA oder X-FILES bewiesen. Aber wer weiß? Vielleicht bauen die Produzenten auch stärker auf das rein serielle Erzählen. Denn das hat momentan den größten Zuspruch des Publikums; abgesehen mal von police procedurals wie CSI. Mich würde es nicht wundern, wenn sich TARGET zur nächsten großen Kult-Serie entwickelt. Das Ende von 24 und dem J.J.Abrams-Zeugs hinterlassen ein Vakuum. Die erste Season ist dann nichts anderes als eine äußerst ausführliche Exposition.

Christopher Chance erblickte das Licht der Comic Book-Welt 1958 in GANG BUSTER No.61. Er wäre ein längst vergessener One Shot, hätten ihn micht Len Wein und Carmine Infantino 1972 neu belebt. In den frühen 1970ern diente er als Füllserie für Superman in der ACTION COMIC-Reihe. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnt wechselte er als Füllmaterial zu Batman in DETECTIVE COMICS. Zu seinen Zeichnern zählten immerhin Stars wie Neal Adams und Howard Chaykin! 1990 wurde er für sieben Folgen auf den Bildschirm gezerrt, gespielt von Rick Springfield. Das Gute an der erfolglosen Serie war, dass sich DC wieder an Chance erinnerte und Pete Milligan ein neue Interpretation für Erwachsene ermöglichte. Mit den Zeichnern Edvin Biukovic, Cliff Chiang und Javier Pulido legte er für DCs VERTIGO-Line 1999 eine beeindruckende Mini-Serie und 2003 eine Graphic Novel vor; und von 2003 bis 2005 gab es dann eine monatliche Heftserie in 21 Comic Books. Markanter Unterschied zur neuen TV-Serie: In den Comics nimmt Chance die Identität des Klienten an, währen er im TV eher als HUMAN SHIELD agiert, Die TV-Serie wurde von Jonathan E.Steinberg entwickelt. Er hatte zuvor als Autor, story editor und Produzent an JERICHO gearbeitet; die Serie bezeichnet er als „very good boot camp“. Der Grund für den Konzeptwechsel des Comics ist eine medienspezifische Vorgabe: so kann man prominente Gaststars in jede Folge einbauen:
„ This was a property that had been in development both for TV and the movies for a while, and I think for good reason. It’s a very enticing idea – a guy who is always looking to or is willing to become you and get into the trouble that you made for yourself, and I think everybody had tried to figure out a way to make it work. It was pitched to me as something that Peter Johnson andWarner Bros. were looking to do…It’s fun and allows you to play with identity in a cool way, but as soon as it becomes flesh and blood, it’s a strange credibility that is detrimental to the story. That was one of the earlier obstacles with us, how do we make it real? If there was a guy who did this job, how would he do it? He probably wouldn’t do it by putting on a rubber mask.
So I think that was the beginning of it. After that it became clear to us that we wanted to create an action hero that was like the action heroes that I grew up with, the Indiana Joneses. The John McClanes. It’s very hard to fall in love with Indiana Jones when he looks like somebody else every week.“

Nach der ersten Season mit 12 Folgen ist eine zweite mit über zwanzig Folgen in der Produktion. Obwohl die Zuschauerzahlen bei FOX eher mittelmäßig waren: Von Anfangs ca.10 Millionen sank sie auf 7,5 Millionen. Zum Glück für HUMAN TARGET hat Fox aber nicht mehr 24 am Start (endete mit der 8.Season) und braucht einen zumindest ähnlichen Ersatz im Genre. In der 2.Season bekommen die drei von der Rettungsstelle einen weiblichen Boss. Der neue Showrunner Matt Miller lüftete die Hintergründe: Die Milliardärin Ilsa, gespielt von Indira Varma (Rom, Torchwood) kauft die Agentur, die permanent in finanzielle Schwierigkeiten steckt und wird ihr Chef. Natürlich – wie es sich nach Genrekonventionen gehört – ist sie von Chance völlig unbeeindruckt und aus der Situation wird sicher Knistern und Spannung destiliert. Chi McBride alias Winston: „Wir sind wie eine dysfunktionale Familie. Wir streiten uns, aber wenn es darauf ankommt, halten wir zusammen.“ Ein Konzept, dass seit Jahrzehnten funktioniert: Streitende Ritter, die von ihrer Burg zu einer Quest aufbrechen um das Böse zu bekämpfen. Matt Miller: „In der 2.Season legen wir Wert darauf, dass man neben der Haupthandlung auch in jeder Folge etwas neues über einen der Protagonisten erfährt.“ Miller spielt einen hohen Ball wenn er HUMAN TARGET mit den Büchern von Elmore Leonard vergleicht: „Durchaus, was Witz, Charakterisierung und Stimmung angeht. Guerrero ist ein Typ, der direkt einem Leonard-Roman entstiegen sein könnte.“ Man denkt auch daran, künftig Autoren des Comics für Drehbücher zu verpflichten.

Neben der guten Story-Struktur und dem perfekten Szenenaufbau gelingt es den Autoren mit den Schauspielern in der kürzesten Zeit alle Figuren individuell und zumeist auch originell zu charakterisieren. Das heißt: auch die Dialoge sind genau das Gegenteil vom sinnlosen Gestammel in deutschen Crime-Serien. Großartige Lines kriegt natürlich Mark Valley, die Christopher Chance als witzigen und ultracoolen Charakter unterstreichen:

Chance: Ich muss das brennende Flugzeug auf den Rücken legen um den Brandherd auszublasen.
Stewardess: Haben Sie so was schon gemacht?
Chance: Häufig In allen Möglichkeiten.
Stewardess: Wann und wo?
Chance: In einem Simulator.
Stewardess: Oh, nein.
Chance: Es war ein sehr guter Simulator.
Chance dreht das Flugzeug was zur Folge hat, dass die Instrumente nicht mehr funktionieren und er es nicht mehr kontrollieren kann.
Stewardess: Was bedeutet das?
Chance: Technisch gesehen: Das Flugzeug ist kaputt.

Man muss Mark Valley dabei sehen. Der Golfkriegveteran (des 2. Golfkriegs 1991; der 1.fand zwischen Irak und Iran statt) hat das Charisma um diese Comicfigur im allerbesten Sinn glaubwürdig rüber zu bringen. Wäre die Hauptrolle schlecht gecastet, hätte die Serie trotz guter Bücher riesige Probleme.
Das einzige Ärgernis ist, dass man HUMAN TARGET montags auf pro7 mit Werbeunterbrechungen sehen muss. Wer das nicht will, muss auf die Box warten oder sich im Internet die amerikanischen Folgen zusammen suchen.

Zu Gast auf einem Comic Con:




THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: INTERFACE von JOE GORES by Martin Compart

„Ein Rattennest aus Junk, Alkohol und Sittenlosigkeit“, überschrieb der Futura-Verlag den Klappentext zur englischen Taschenbuchausgabe von Joe Gores INTERFACE. Und der Roman fängt gleich richtig böse an: Vietnamkriegsveteran Docker legt einen mexikanischen Dealer um und schnappt sich eine Ladung Junk und gleich dazu auch noch das Übergabegeld. Dann zieht er los, um in San Francisco richtig einen drauf zu machen. Darunter versteht Docker, eine schöne Blutspur durch die Bay Area zu ziehen. Gleichzeitig wird der nicht minder sympathische Privatdetektiv Neil Fargo von einem Plutokraten beauftragt dessen Tochter Roberta zu suchen, die sich in miesen Kaschemmen verkauft um ihre Sucht zu finanzieren.
Und damit öffnet sich für den Leser das Höllentor zu einem San Francisjo jenseits der Postkartenromantik der Golden Gate.

61UF3YQirGL._SL500_SY300_[1]

Gores widmete INTERFACE Donald Westlakes Serien-Gangster Parker „because he´s such a beautiful human being“. Tatsächlich hat Gores Romanheld, der Privatdetektiv Neil Fargo, mehr gemein mit Parker als mit Lew Archer oder Phil Marlowe. Fargo ist studierter Jurist, ein Ex-Football-Profi und ein ehemaliger Special Force. INTERFACE wurde mal als der „Italo-Western unter den Privatdetektivromanen“ genannt. So wie der Italo-Western den klassischen Hollywood-Western dekonstruktuiert, zertrümmert Gores in seinem Roman jedes Stereotyp der Private-Eye-novel.Interface[1]

INTERFACE gehört zu den richtungweisenden Romanen der Noir-Literatur der 1970er. Auf derselben Ebene wie Higgins´ FRIENDS OF EDDIE COYLE, Crumleys LAST GOOD KISS, Robert Stones DOG SOLDIERS oder Thornburgs CUTTER AND BONE. Wie die genannten Bücher ist INTERFACE tief verwurzelt in der durch Vietnam, Watergate, den politischen Attentaten und der Sixties-Rebellion traumatisierten US-Gesellschaft. Wie diese Romane ist auch Gores Roman ein Lageplan der Müllkippe, zu der der „amerikanische Traum“ herunter gebrannt ist.

Erzählt ist INTERFACE in der dritten Person in einem ähnlich brutal-objektiven Stil wie Hammetts MALTESE FALCON. Wie Hammett geht auch Gores nie in die Gedankenwelt seiner Figuren und charakterisiert sie behavioristisch durch ihre Handlungen.

Stark-Eine-Falle-fuer-Parker[1]Wenn heute von modernen Klassikern der Kriminalliteratur, hard-boiled novel oder Noir-Thrillern die Rede ist, fällt sein Name seltener als zum Beispiel die von Donald Westlake, Lawrence Block oder gar Robert B.Parker. Irgendwie scheint Joe Gores ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Das ist umso erstaunlicher, da keinem mir bekannten Autor seit Dashiell Hammett so viele Innovationen im Genre gelungen sind:

Mit HAMMETT (1975) schrieb er wohl die erste Private-Eye-Novel als period piece, die auf realen Figuren basiert (Max Allan Collins perfektionierte mit der Nate-Heller-Serie in den 1980ern dieses Sub-Genre).

Mit A TIME OF PREDATORS (1969) antizipierte er vor Brian Garfield und Don Pendleton den modernen Vigilanten, der das Kino und den Kriminalroman der 1970er Jahre folgenschwer mitprägte.

Mit seiner Serie um die Privatdetektivagentur „Dan Kearney and Associates“ übertrug er die police-procedural-Elemente des Polizeiromans à la Ed McBain, nämlich Team und genau geschilderte Ermittlungsarbeit, auf den Privatdetektivroman.

GORES HAMMETT[1]

Gores war sein Leben lang besessen von Dashiell Hammett, mit dem sein Leben mehr Parallelen hatte als nur beider Tätigkeiten für Privatdetektivagenturen.
Man mag kaum an Zufall glauben, verdeutlicht man sich den Todestag von Joe Gores: Er starb mit 79 Jahren am 10. Januar 2011 – auf den Tag genau 5o Jahre nach Dashiell Hammett!
Geboren wurde Joseph Nicholas Gores Weihnachten 1931 in Rochester, Minnesota. Als großer Comic-Fan wollte er ursprünglich Comic-Zeichner und Erzähler werden. Seine Vorbilder war die absolute Weltklasse des Zeitungs-Strips: Milton Caniff, Burne Hogarth, Hal Foster und Alex Raymond.

joe_gores[1]

“When I was 6, my Ma said I could read anything I could reach, so she made sure on the bottom shelves was Lives of the Saints, The Pilgrim’s Progress. But he quickly figured out how to climb to the top shelf, where Ma Gores kept the hard stuff: Agatha Christie, Sherlock Holmes and, of course, Hammett… I still remember opening The Dain Curse. At 6 years old, you don’t know that much, but ‘It was a diamond all right…’ was the first line of that novel, and I thought, ‘Oh, God, wow!’

Gores studierte Literaturwissenschsften in Notre Dame und dann in Stanford. “You become very highbrow when you are in college.. I was writing the kind of stuff you write in graduate school, which is, you know, ‘the girl with the ponytail commits suicide.’” Eines Tages fiel ihm ein Band mit Lew Archer-Kurzgeschichten von Ross Macdonald in die Hand und die erste Zeile von GONE GIRL erwischte ihn genauso hart wie schon als Kind die erste Zeile von THE DAIN CURSE: . “The opening line of ‘Gone Girl’ was ‘I was tooling home from the Mexican border in a light blue convertible and a dark blue mood. And I thought ‘My God, that is the way I want to write! . . . That kind of tightness, that kind of directness, no nonsense, no navelgazing. You are in there to create vivid characters who are doing extremely interesting things and that’s it.”

9782743621698[1]1954 wollte er seine Masterarbeit über Hammett, Chandler und Ross Macdonald schreiben. Aber das Thema wurde mit der Begründung abgelehnt, es handele sich dabei “um Autoren, die so schreiben würden, als wollen sie ihre Bücher verkaufen“. Also könne es sich bei ihnen nicht um Literatur handeln und infolge dessen könne man über sie auch keine „Master´s Thesis“ verfassen. Dann stellte er fest, dass die meisten Autoren, die über die Südsee schrieben, Pulp-Autoren waren. Mit drei offensichtlichen Ausnahmen: „In 1961, Stanford University granted me a Master’s Degree in English Lit. because it had to. My thesis was on the Literature of the South Seas; my advisor had read only Conrad, Maugham, and Melville of my 50 authors, so he could not say it was wrong to write about the other 47.”

Will Ready, sein Professor für kreatives Schreiben in Stanford, gab ihm einen Rat, den Gores für den wichtigsten Rat für sein Schreiben empfand: Alles runterkochen.

Zusammen mit einem Freund heuerte er auf einen Frachter an und fuhr nach Haiti.manhunt_195312[1] „Damals fing ich ernsthaft zu schreiben an und verkaufte meine erste Geschichte 1957 an das letzte übrig gebliebene Pulp Magazin MAN HUNT.“ Anschließend erwischte ihn die Army. Dort endete er als Schreiber von Generals-Biographien. Er blieb also dem Crime-Thema treu. Dann ging er zurück nach Stanford um sein Diplom zu machen. Nebenbei schrieb er und arbeitete als Privatdetektiv. In einem Jahr bekam er über 300 Ablehnungsschreiben, mit denen er sein Badezimmer tapezierte. Drei Jahre lebte er in Kenia um zu unterrichten. „ Ich war als Kind ein großer Tarzan-Fan und wollte Afrika kennen lernen.“ Bis Ende der 1960er arbeitete er abwechselnd oder gleichzeitig als Autor und als Privatdetektiv in San Francisco. Kein Autor seiner Generation kannte San Francisco besser als Gores. „ Als Repo-Man fuhr ich manchmal 5000 Meilen im Monat – ohne die Stadt zu verlassen. San Francisco war in den 1970er Jahren noch in den größten Teilen so wie die Stadt war, als Hammett über sie schrieb.“
1967 war er mit Kurzgeschichten, die auch im renomierten ELLERY QUEEN´S MYSTERY MAGAZINE erschienen, ganz gut im Geschäft. Die legendäre Krimi-Herausgeberin Lee Wright, damals bei Random House, schrieb Gores: „Falls Sie jemals einen Roman schreiben, wäre ich daran interessiert, ihn zu veröffentlichen.“ Also setzte sich Gores hin und schrieb A TIME OF PREDATORS und gewann einen Edgar-Allan-Poe-Preis der Mytery Writers of America.

61NmOGlACCL[1]

Hammett war ganz klar der größte Einfluss für Gores. Wenn Otto Penzler meint, „Hammetts Welt ist zynisch und unsentimental; Gores ist wärmer und positiver“, hat er wohl vergessen, was Gores in INTERFACE geschrieben hat: Dieser „Italowestern unter den Privatdetektiv-Romanen“ ist genauso kalt und distanziert formuliert wie Hammett. Wenn Hammett mit RED HARVEST und den MALTESE FALCON die bösartigsten und härtesten Romane seiner Generation geschrieben hat, dann schuf Gores mit INTERFACE eine nie wieder genutzte Blaupause für den Privatdetektivroman des 21.Jahrhunderts. Eine zynische Abrechnung mit den USA, nachdem auch für die Naivsten die Putschblase „Land der Freien“ zerplatzte.Stark-Richard-Harte-Zeiten-weiche-Knie[1]
Neil Fargo ist Richard Starks Parker als Privatdetektiv… Nein, der Typ ist noch viel schlimmer. Gores war gut mit Donald Westlake befreundet. Das drückte sich auch darin aus, dass beide Autoren dieselbe Szene nur aus anderen Blickwinkeln für zwei ihrer Romane nutzten: Gores lässt seinen Serienhelden Dan Kearny in DEAD SKIP, 1972, kurz auf Westlake/Starks Parker treffen. Westlake greift dieselbe Szene dann in PLUNDER SQUAD auf (ähnliches machten sie dann noch mal mit Westlakes Figur Dortmunder in DROWNED HOPES und 32 CADILLACS).

Gores gehörte neben seinem Freund Donald E.Westlake und William L.DeAndrea zu dem Trio, das in drei verschiedenen Kategorien mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnet wurde. Gores bekam ihn für den besten Erstling (A TIME OF PREDATORS, 1969), die beste Kurzgeschichte (GOODBYE, POPS, 1970) und für das beste Drehbuch einer TV-Serie (KOJAK: NO IMMUNITY FOR MURDER, 1975).

31bHFQ7tndL[1]

P.S.:
Die Ullstein-Ausgabe wurde 1975 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften mit der Entscheidung Nr.2572 indiziert. In der Begründung hieß es u.a.: „Insgesamt lehrt das vorliegende Taschenbuch die grundsätzliche Hinnahme von Gewalt, die Heroisierung des Verbrechers und allg. destruktives Verhalten aus Machtgier oder neurotischer Mordlust… ´Wirklich einmal etwas Neues`, sagt der Verlag auf dem Titelblatt. So macht man Rechtsbrecher salonfähig, oder um es lerntheoretisch auszudrücken, schafft man für labile Jugendliche…“

Wo ist er bloß geblieben – der tiefe Glaube an die Macht der Literatur?



NEUES E-BOOK: über Noir-Fiction by Martin Compart

Eine Reihe dieser Texte sind in irgendeiner Form bereits in unterschiedlichen Medien veröffentlicht worden. Andere hatte ich für diesen Blog geschrieben. Allerdings ermöglicht mir diese Form eine neue optische und inhaltliche Präsentationsform, die – hoffentlich – neue Blickwinkel ermöglicht. Außerdem ist es doch wohl nicht verwerflich, wenn ich damit ein paar Cent verdiene. Ich bin immer wieder mal darauf angesprochen worden, einen neuen Reader zu machen. Dem versuche ich hiermit nachzukommen. Ein weiterer, über Spionageliteratur, soll folgen.
Richtig genießen kann man die Cover und das Bildmaterial auf einem Tabloid (reinzoomen, vergrössern und in Farbe).
http://www.amazon.de/PAINT-BLACK-%C3%BCber-Noir-Fiction-ebook/dp/B00F5FUIZ2/ref=sr_1_39?s=books&ie=UTF8&qid=1379059878&sr=1-39&keywords=martin+compart

Rezensionen, Essays, Portraits, Lesetipps und Analysen zur Noir-Fiction. In diesem mit selten gesehenen Bildern ausgestatten Noir-Reader veröffentlicht Compart Einblicke in die Welt der Noir-Literatur. Wer sich für düstere Kriminalliteratur und existenzialistische Thriller interessiert, bekommt nicht nur Einsichten in die Entwicklungsgeschichte des Genres, sondern auch Lektüre-Tipps von jemand, der sich fast sein Leben lang mit allen Facetten der Noir- und Kriminalliteratur beschäftigt.
Martin Comparts Arbeiten sind dafür bekannt, dass sie ebenso unterhaltsam wie analytisch und provokant sind.

Aus dem Inhalt:
On the Noir Road: Die schmutzigen Straßen des JAMES CRUMLEY,
CHARLES WILLEFORD: Keine Hoffnung für die Lebenden, Der Texaner: JOE R.LANSDALE, EVIL von JACK KETCHUM, Es war einmal in Washington: GEORGE P.PELECANOS, Queneau in den Mean Streets: JAMES SALLIS, Stadtführer für Perverse: MATTHEW STOKOES Roman HIGH LIFE oder Noir goes mainstream, ,PAINT IT BLACK – intermediale Betrachtung zu einer Noir-Theorie, HINTERWÄLDLER, KANNIBALEN UND MONSTER – zum Backwood-Genre, WAS IST PULP?, LEO MALETS Schwarze Trilogie und der Neo-Polar, Noir-Abenteurer: PIERRE MACORLAN und vieles mehr.