Martin Compart


Michael Moorcocks COLONEL PYAT-Quartett by Martin Compart

Wie Lügen zur Wahrheit führen können, erzählt Michael Moorcock in seiner Pyat-Quartett, die eine einzigartige Mentalitätsgeschichte der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts projiziert.

Die Tetralogie gehört zu Moorcocks Meisterwerken! Und das bei einem Autor, der nicht gerade wenige Meisterwerke geschrieben und Fantasy und SF revolutioniert hat.

Zu seinen zahlreichen Verdiensten gehört auch die Antizipation des Steampunk mit seiner Oswald Bastable-Trilogie. Mit den Jerry Cornelius-Romanen erforschte er die Drogen getränkten Gehirnströme der Swinging Sixties, und seine Sword & Sorcery verband die Wucht von Robert E. Howard mit der Sensibilität von J.G. Ballard.

„All my early Elrics are like fantasies by Camus.“

Moorcock war als Herausgeber von NEW WORLDS für den kometenhaften Aufstieg der New Wave in den 1960er Jahren verantwortlich, in der William und nicht mehr Edgar Rice Burroughs die Koordinaten bestimmte. Stichwort: inner space. Neben anderen Aspekten reflektierte die New Wave natürlich auch die zeitgleiche Rock- und Drogenkultur der Jugendrevolte. Man wollte die Science Fiction der Sublimierungskultur entreißen.

Oder, wie es Brian Aldiss ausdrückte: „Moorcocks Energie und Ballards Vorstellungskraft sogen ein neues Publikum für die SF an.“

In den 1960er Jahren wurde er zum popkulturellen Regenmacher:
Without Moorcock neither today’s SF nor today’s fantasy nor today’s comic-book scenes would look anything like they do; and nor, arguably, would either Dungeons & Dragons, World of Warcraft or This Is Spinal Tap have been possible.„, stellte die FINANCIAL TIMES fest.

Seine enge Verbindung zur Pop-Musik schlug sich in der Zusammenarbeit mit Bands nieder, allen voran HAWKWIND.

Moorcock tanzte auf vielen Hochzeiten und machte überall eine gute Figur. Er verblüffte immer wieder durch Innovationen. So auch Anfang der 1980er, als er mit Colonel Pyatt begann („I have used fantasy and science fiction to experiment a little bit, to practice if you like before doing something slightly ambitious like the Jerry Cornelius books, the “Colonel Pyatt” novels are a sort of extension of the Cornelius books.“):

Maxim Arturovitch Pyatnitski alias Colonel Pyat ist ein interessanter Bursche: 1900 geboren und 1977 gestorben, nahm er bis in die 1940er Jahre (laut seiner vierbändigen autobiographischen Darstellung) an so manchen Ereignissen teil, die diese Epoche prägten: vom Russischen Bürgerkrieg bis Auschwitz führte ihn sein Weg durch die Zeit und drei Kontinente.

Seine persönlichen Aufzeichnungen wurden von Michael Moorcock zwischen 1979 (er fand erst 1981 einen Verlag, der den ersten Band druckte) bis 2006 in vier voluminösen Bänden herausgegeben.

Die autobiographischen Aufzeichnungen legen Pyats Charakter frei. Unbefangen – von Moorcock nur bei zu starken Entgleisungen abgemildert – teilt der Narziss alle Vorurteile und ideologische Verirrungen, die das Jahrhundert zum bisher blutigsten und geschmacklosesten in der Menschheitsgeschichte machten. Ohne Selbstzweifel trampelt der kokssüchtige Wissenschaftler durch jedes Dilemma, an denen natürlich immer die anderen Schuld sind, ohne zu erkennen, dass es genau Typen wie er waren, die aus dieser Zeit ein Schlachthaus machten.

Die Koksnase Pyat ist als Antisemit, ehemaliger Ku-Klux-Klan-Angehöriger, seiner Neigung zu sehr jungen Mädchen und Buben und Verehrer der SS alles andere, als ein Sympathieträger. Er identifiziert Schwarze, Tartaren, Papisten, Juden, Muslime, Katholiken und Sozialisten als Träger der großen Verschwörung Karthagos gegen das christliche Russland, die Monarchie und den Faschismus, die als einzige den menschlichen Fortschritt und die Eroberung des Kosmos garantieren!

Die Tetralogie wurde gelegentlich mit den FLASHMAN-Romanen von George MacDonald Fraser verglichen. Die augenscheinliche Überschneidung ist, dass es sich bei beiden Werken um Memoiren von Zeitzeugen handelt, die immer wieder in historische Prozesse verwickelt werden.

Aber der unsympathische Pyat ist – im Gegensatz zu Flashman – kein verlässlicher Erzähler, da er sich die Realität gerne zurecht biegt. Der Reiz bei diesem Ich-Erzähler liegt darin, dass er häufig die richtigen historischen Fakten präsentiert, aber aus ihnen die falschen Schlüsse zieht. Flashman ist ein extrem zuverlässiger Erzähler, der seine charakterlichen Defizite vor dem Leser ausbreitet und schonungslos mit sich selbst umgeht. Dagegen zeigt der Narziss Pyat psychopathische Züge.

Moorcock: „I always try to get the ‘tune’ right first in a book. The tone is the most important thing for me. Once I have the cadences, I can also begin on the form.

Wie umstritten dieses Werk ist, erkennt man auch daran, das Moorcocks amerikanischer Verlag Random House sich weigerte, den dritten und vierten Band zu veröffentlichen (die Amerikaner kamen erst Jahre später durch einen anderen Verlag in den Genuss der gesamten Tetralogie – was dem deutsch lesenden Publikum nach wie vor verwehrt bleibt).

Zwischen dem 2. und dem 3.Band machte Moorcock eine achtjährige Pause. Er begründete dies mit der aufwendigen Recherche für jedes Buch und die Schwierigkeit, in den Sprachduktus von Pyat zurück zu finden.

Leider ist bei uns nur der erste Band des Quartetts erschienen: Bastei-Lübbe veröffentlichte ihn 1984 unter dem Titel BYZANZ IST ÜBERALL in seiner damaligen Paperback-Reihe in einer vorzüglichen Übersetzung von Michael Kubiak und mit einem gruseligen Satzspiegel (ohne den die Reihe, in der Stephen King am deutschen Markt durchgesetzt wurde, sicherlich Kult-Status hätte).

So viele Moorcock-Fans, die auch härtere Kost vertragen, scheint es bei uns nicht zu geben. Obwohl Bastei-Lübbe damals den Jerry Cornelius-Zyklus vollständig veröffentlichte, wagte man sich nicht mehr an die anderen Colonel Pyat-Bände heran. Vielleicht schreckte man auch vor der Problematik des Sujets zurück… Überhaupt ist es eine Schande, dass es keinen Verlag gibt, der eine Gesamtausgabe dieses Autors macht, der zu den 100 einflussreichsten Schriftstellern der letzten hundert Jahre gehört. Nicht mal sein großer Roman MOTHER LONDON, der mit allem mithält, was Iain Sinclair oder Peter Ackroyd (die ihm viel zu verdanken haben) geschrieben haben. Aber in einer Zeit qualitativer Rationierung können Großverlage kaum noch Minderheiten bespielen.

Abenteuerliches gibt es genügend in dem Werk, das mit Pyats Kindheit und Jugend in Kiew, St.Petersburg und Odessa beginnt (wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, Moorcock habe Zeit und Ort mit eigenen Augen gesehen, so eindrucksvoll sind seine Schilderungen; er nannte Babels Benya Krik-Stories als wichtigen Einfluss).

Natürlich gerät er in die brutalen Wirren des Bürgerkriegs (aber auch als genialer Erfinder von kurz funktionierende Flugmaschinen und einer Laserkanonen, kann er dessen Verlauf nicht ändern). Er flieht in die Türkei nach Konstantinopel (wo er sich eine 13jährige Roma kauft).
Dann geht es nach Rom, wo er sich von den Faschisten bewundern lässt, und weiter nach Paris, Seine großen Pläne werden seiner Meinung nach von der Karthago-Verschwörung sabotiert – und ab geht es in die USA, wo er beim Ku-Klux-Klan und schließlich in Hollywood landet. Dort arbeitet er zuerst als Techniker und Set-Designer, bevor er zum Star in Western-Serials aufsteigt.

Er befreundet sich mit Sam Goldwyn und entschließt sich, einen grandiosen Epos in Ägypten zu drehen. Natürlich geht alles schief, und es folgt eine irre Odyssee durch die übelsten Harems, regelrechte Vergewaltigungskerker, und Unterwelten Nordafrikas. In Cairo trifft er (natürlich) auch den nubischen Transvestiten Ibrahim al-Gharbi (hier al-Habashiya geheißen), der damals in der Region den Handel mit Sex-Sklaven beherrschte.
Die Szenen von Pyats Versklavung in al-Habashiyas bisexuellem Harem hätten von de Sade stammen können. Nachdem er der afrikanischen Hölle entkommen ist, geht er zurück nach Italien und macht seinen Weg in den inneren Zirkel von Mussolini, dem er verspricht, Land-Leviathane (eine immer wiederkehrende Topos von Moorcock) zu bauen.

Aber auch hier lauert überall Intrige und Gefahr.
Dank eines Geheimauftrages von Mussolini kann er das faschistische Italien verlassen. Die Geheimmission führt ihn nach München zu den Nazis und in die Arme von SA-Chef Ernst Röhm. Die Verstrickung in den „mysteriösen Todesfall“ von Hitlers Nichte Geli Raubal, bringt Pyat dann auch nach Dachau.
Um Hitler nach dem Tod seiner Nichte wieder sexuell auf Trab zu bringen, brachte Röhm ihn dazu, sich als Nutte zu verkleiden und den Führer zu verführen.
Brave Bürgererotik wird man bei Moorcock vergeblich suchen.

Wie man sieht: Die vier Bände sind ein pikaresker Roman, der oft starker Tobak ist, aber immer faszinierend das Zeitkolorit für unglaubliche Abenteuer und Interpretationen aufsaugt (‚the Holocaust . . . was not my fault . . . any more than it was Adolf Hitler’s]‘.

Die begleitenden Nebenfiguren (auch Mrs. Cornelius taucht immer wieder auf) unterfüttern die monströse Figur des Erzählers. Pyat gelingt es in den besten Momenten, die volle Idiotie dieser Ära vorzuführen, die uns bei der Lektüre von historischen Werken so nie bewusst wird. Wenn in Zeiten der Wirrnis Geschichte zum Wegweiser wird, dann sei vor diesen Pfaden gewarnt.

Michael Moorcock: „…and Pyat, of course, is about man’s inhumanity to man, to put it the broadest it will go. It’s actually about the Nazi holocaust. It was hard enough bearing the burden of death and suffering in the past, in which I forced myself to see every individual in every concentration camp picture, no matter how dehumanized they had become.


Byzantium Endures [1981]
The Laughter of Carthage [1984]
Jerusalem Commands [1992]
The Vengeance of Rome [2006])

Zu Moorcock siehe auch in diesem Blog:
https://martincompart.wordpress.com/2010/11/04/die-crux-mit-dem-hauptwerk-grundsatzliches-uber-michael-moorcock-3-von-alexander-martin-pfleger/




DAS GESPENST EINER WELT, DIE FREI SEIN KÖNNTE – Mark Fishers „K-PUNK“ by Martin Compart

Das Jahr ist noch jung – doch schon liefert die Edition Tiamat ein Buch, dass bereits jetzt zu den wichtigsten (deutschen) Erstausgaben des Jahres zu zählen ist: eine leicht gekürzte Ausgabe von Mark Fishers Blog-Beiträgen, die einmal mehr bestätigen: „Der beste kulturwissenschaftliche Autor seiner Generation“ (Los Angeles Review of Books).

Er nahm im Januar 2017 ds Recht auf seinen Freitod.
(https://martincompart.wordpress.com/2017/01/15/mark-fisher-ist-tot/)

Die Kernthese von Fishers Kulturkritik ist unsere Unfähigkeit eine Zukunft zu konzipieren, die radikal mit der Vergangenheit bricht (denn das weiß der Feudal-Kapitalismus zu verhindern).

Das vorliegende Buch ist eine Auswahl der Blog-Essays, die 2018 in England als K-PUNK. THE COLLECTED AND UNPUBLISHED WRITINGS OF MARK FISHER (2004-2016) erschienen sind. So etwas wie ein Nachlass, der die mitreißende Energie von Fishers Schreiben lebendig hält und süchtig machen kann. Das liest sich in der schwierigen Übersetzung ganz wunderbar.

Fisher, Mark
k-punk
Ausgewählte Schriften (2004-2016)
Edition Tiamat
Critica Diabolis 273
Aus dem Englischen von Robert Zwarg, mit einem Vorwort von Simon Reynolds
624 Seiten
32.- Euro
ISBN 978-3-89320-247-8
Erscheinungsdatum Februar 2020

Mit eurozentrischem Blick verdeutlicht Fisher in diesen Essays, dass der Klassenkampf längst einem Kulturkampf gewichen sei. Neben vielen Einflüssen demonstrieren besonders die frühen Blog-Beiträge den starken Eindruck des amerikanischen Neo-Marxisten Fredric Jameson und dessen „Theorie der Postmoderne“.

Da Fisher mit Institutionen gebrochen hatte und seine Veröffentlichungsmöglichkeiten gering waren, startete er 2003 seinen Blog K-PUNK (nach dem griechischen Wort kyber).

Wie könnte man einem Autor widerstehen, der Nenas 99 LUFTBALLONS als „apokalyptisches Karnevallied“ enttarnt?

Der Anschlag auf das World Trade Center war ein mutiger Versuch, Amerika vom 20.Jahrhundert zu befreien.“ (J.G. Ballard)

Mark Fisher ist der Alptraum akademischer Bluffer oder bluffender Akademiker: „So wie ich Theorie verstanden habe – nämlich vor allem vor dem Hintergrund der Popkultur – wurde sie in der Universität eigentlich verabscheut.

Sein – vom Punk inspiriertes – Ziel war es eine Art Pulp-Theorie zu schaffen, „die das Bedürfnis nach einer zentralisierten Kontrolle“ zerstört. Damit setzte Fischer mit den neuen Technologien fort, was die Situationisten mit ihren Methoden der Kommunikationsguerilla angestoßen hatten. Durch diese neuen Technologien waren deren Forderungen nach Abschaffung von Technokratie und Hierarchien in theoretischen Auseinandersetzungen weitgehend erfüllt.

Seine Methodik ist von Greil Marcus´ LIPSTICK TRACES bestimmt. Folgerichtig schreibt er darüber: „LIPSTICK TRACES war sich sicher, dass Pop nur dann Bedeutung haben kann, wenn er aufhört >nur< Musik zu sein, wenn Politik in ihm nachhallt, die nichts mit kapitalistischem Parlamentarismus zu tun hat und mit Philosophie jenseits der Universität.

Auch seine Texte zur Literatur sind sowohl erfrischend wie auch komisch erhellend: „Oder die Komik der Anfangsszenen in Kafkas DAS SCHLOSS, ein Roman, der weniger den Totalitarismus als die Wirklichkeit des Call Centers vorwegnimmt.“ So aktualisiert punk (oder Pulp Theorie) literarische Rezeption!

Auf geradezu wahnwitzige Weise analysiert er im Verbund Patricia Highsmith´ Mr.Ripley mit Glam-Rock – und überzeugt! Denn Tom Ripley ist als gesellschaftliches Nichts seine beste Fälschung gelungen:
Ein „Thomas Ripley, der unabhängig und reich ist… Ripleys Entwicklung gleicht auf unheimliche Weise der von Brian Ferry. ROXY MUSIC und FOR YOUR PLEASURE, diese Übungen im Er- und Verlernen von Akzenten und Umgangsformen sind die Pop-Äquivalente von DER TALENTIERTE MR. RIPLEY. Kleidung, Auftreten und Stimme sind vorgetäuscht… STRANDED und die darauffolgenden Alben sind hingegen das Pendant zu den späteren Romanen; hier ist der Erfolg bereits vorausgesetzt…

Einer seiner (und meiner) Lieblingsautoren ist J.G.Ballard.

An seinem Werk sieht er in den Veränderungen auch eine Bestätigung eigener theoretischer Positionen: „Die Umweltkatastrophen in Ballards frühen Romanen werden von den Figuren meist als Chancen begriffen, um sich der drögen Routinen und Protokolle der sesshaften Gesellschaft zu entledigen… Katastrophen sind nun (in späteren Romanen) die Katastrophen der Medienlandschaft – jener Raum, in dem sich die Menschen inzwischen primär aufhalten.

Über David Peaces neo-proletarische Romane schreibt er nach bestechender Beweisführung: „Peace schreibt eine geheimnisvolle Geschichte der Gegenwart, indem er die jüngste Vergangenheit simuliert.

Politisch einleuchtend erklärt er das Jahr der großen Bergarbeiterstreiks (bei denen auch MI5 auf Seiten der Reaktion mitmischte), 1985, als das „Jahr einer katastrophalen Niederlage, deren Ausmaße erst nach einem Jahrzehnt sichtbar wurden. (Vielleicht erst mit der Wahl von New Labour zementiert)“.

Dieses „schlechteste Jahr des Pop“ (der Text ist aus 2005) hat es ihm auch so angetan, weil es das Jahr von Live Aid war, dem „Beginn eines falschen Konsens´ , der kulturelle Ausdruck des globalen Kapitals. Wenn Live Aid ein Nicht-Ereignis ist, das stattgefunden hat, war der Bergarbeiterstreik ein Ereignis, das stattgefunden hat“.

Das Buch endet mit einer Art Manifest des ACID KOMMUNISMUS, in dem er als Beginn der bewussten Zerstörung bestehender oder sich entwickelnder Solidargemeinschaften (der Gespenster einer Welt, die frei sein könnte) den US-Putsch in Chile nennt:

In Chile wurde nicht nur eine neue Form des Sozialismus ausgelöscht, das Land wurde auch zum Labor, in dem die Maßnahmen (Deregulierung des Finanzsektors, die Öffnung der Wirtschaft für ausländisches Kapital, Privatisierungen) erprobt wurden, die später an anderen Zentren des Neoliberalismus vom Band gerollt wurden.

Und:

Die Überwindung des Kapitals muss auf der sehr einfachen Einsicht basieren, dass das Kapital eben nicht darauf angelegt ist `Wohlstand zu schaffen´, sondern die Produktion eines gemeinsamen Wohlstands blockiert.

Der Freitod des an Depressionen leidenden Antikapitalisten Fisher könnte symbolisch den Umwelt-Suizid der vom Kapital gesteuerten Menschheit antizipiert haben?
Über dem Buch liegt auch der widersprüchliche Schatten einer „unterhaltsamen Depression“, des „hoffnungsvoll dystopischen“. Das System hat uns umgebracht, nur gestorben sind wir nicht.

Diese Sammlung mit ihrem großen Themenspektrum beweist einmal mehr, dass es nichts Uninteressantes gibt, wenn man sich nur intensiv genug mit etwas beschäftigt.

P.S.: Was ich an dieser Edition vermisse, ist ein Register. Aber das hätte die ohnehin schon waghalsige Kalkulation wohl gesprengt.



STERNSTUNDEN DES ÖFFENTLICH-RECHTLICHEN FERNSEHENS by Martin Compart

Es gibt sie tatsächlich: Sternstunden des deutschen Fernsehens! Zumeist auf ARTE ausgestrahlt, Am 18.Februar 2020 überflügelte der Sender mit einem langen Themenabend über die Mord- und Folterstaaten der Monarchien am Persischen Golf fast sich selbst! Die Beiträge sind noch in der ARTE-Mediathek abrufbar.

Los ging es mit der zweiteiligen FRONTLINE-Dokumentation MORD IM KONSULAT von Martin Smith und Linda Hirsch. Anhand der Spurensuche im Fall der Ermordung des Journalisten Kashoggi analysiert der Beitrag auch die Entwicklung des saudischen Despoten Mohammed bin Salman zum Schreckensherrscher. Auch die sowohl dämliche wie undurchsichtige Rolle, die Trump bei oder gar zur Ermordung Kashoggis gespielt hat und haben könnte, wird erwähnt. Die Komplizenschaft der USA mit Folterregimen ist ja längst Folklore.
Eine Doku wie ein guter Thriller.

Fisk in 2001 after being beaten by Afghan refugees. He absolved his attackers of all blame claiming ‚their brutality was just a product of others‘

Anschließend folgte das beeindruckende Portrait des gnadenlosen Wahrheitssuchers Robert Fisk („Mut kann irrelevant sein.“), der seit den 1970ern den Nahen Osten journalistisch durchforscht und analysiert. Im Portrait beweist Fisk, wie mit Unterstützung der NATO bosnische Waffen nach Saudi-Arabien geliefert wurden, die dann beim IS landeten. Ein weiterer Beweis dafür, dass Saudi-Arabien den islamistischen Terror unterstützt.

Zum Abschluss gab es die Wiederholung der französischen Dokumentation WÜSTE PRINZENSPIELE – DER NEUE GOLFKRIEG über die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Qatar– angelegt von drei psychopathischen Milliardenerben.

Nach diesem Themenabend weiß man mehr über die Kriege und Krisen des Nahen Osten. Und dass die wahren Verursacher Europäer und Amerikaner waren und ihre Heloten den durch Rohstoffinteressen bestimmten Einflüssen langsam aber sicher entwachsen (auch wenn MbS Bündnisse mit Israel schließt, damit die USA weiterhin dulden, dass er seine Bevölkerung tyrannisiert und Terror-Organisationen unterstützt).

Für so einen Themenabend verzeiht man ARTE wieder jeden subjektiv empfundenen Unsinn, der häufig das Programm bestimmt. Da akzeptiert man dann auch den Gebührenzwang, denn niemals werden kommerzielle Sender diese Form der Aufklärung betreiben.
Das wäre ja gegen ihre Religion.

P.S.: Als welche Gefahr das öffentlich-rechtliche Fernsehen wahr genommen wird, sieht man aktuell in Großbritannien, wo Boris Johnson mit einer neuen Strategie die BBC sabotiert. Auch bei uns hassen und fürchten falsche Propheten wie Orban, Trump oder Johnson die unabhängige Pressefreiheit.



GUNSHIPPER NELLIS – DER HELD VON FREETOWN by Martin Compart

From single-handedly turning the enemy back from the gates of Freetown to helping rescue eleven British soldiers who’d been taken hostage, Ellis’s many missions earned him a price on his head, with reports of a million-dollar dead-or-alive reward. This book describes the full career of this storied aerial warrior, from the bush and jungles of Africa to the forests of the Balkans and the merciless mountains of Afghanistan.

„He is a great man; I and everyone in Sierra Leone owe him much.“
Sir David Richards (today Chief of the Defence Staff in Great Britain)

Neall Ellis ist ein wahrer Held – zumindest in Sierra Leone.

Dort war er der Einzige, der mit seinem Kampfhubschrauber zwischen der Hauptstadt Freetown und den unfassbar barbarischen RUF-Terroristen stand. Während die UNO-Truppen bestenfalls blöde in der Gegend rumstanden, verhinderte Nellis, wie er genannt wird, zweimal die Eroberung der Stadt (Näheres zum Bürgerkrieg in Sierra Leone auch in: https://martincompart.wordpress.com/2009/10/08/gute-soldner-jenseits-von-blackwater/ ).

Man muss sich mal vorstellen: UN-Peacekeeper schauen zu, wie Kleinkindern die Arme abgehackt werden. Nichts passiert, außer dass diese Gestalten aus UN-Mitteln finanziert werden (und nebenbei noch plündern und vergewaltigen).

Und Leute wie Ellis können das nicht ertragen. Denn er akzeptiert unbewusst die kapitalistische Doktrin nicht, dass alles wunderbar ist, wenn es auf Kosten unmenschlicher Folter und Verwerfungen geht.

Aber im Gegensatz zu einem UN-Gesandten ( mit gesichertem Monatsgehalt) ist er nur ein Trottel, der sich Benzin zusammen betteln muss.

Nellis kämpfte als One-Man-Air Force, nachdem man Executive Outcomes auf Druck der USA und der Weltbank rausgeschmissen hatte (und die RUF sofort wieder in die Offensive ging).
Er war so effektiv, das Foday Sankoh, der Führer der RUF, auf seinen Kopf eine Million Dollar aussetzte.

Das Buch erzählt Nellis einzigartige Karriere von den südafrikanischen Buschkriegen bis nach Afghanistan. An der Kapitelfolge kann man das unglaubliche Spektrum seiner Einsätze erkennen:

Author’s Note
Prologue

1 Formative Days In Southern Africa
2 Early Days In The South African Air Force
3 Early Days During The Border War
4 Soviet Sams Versus Helicopters In The Bush War
5 Into Angola With The Gunships
6 Death Of A Good Man
7 Koevoet, Night Ops And A Life-Changing Staff Course
8 New Directions—Dangerous Challenges
9 Executive Outcomes In West Africa
10 Into The Congo’s Cauldron
11 On The Run Across The Congo River
12 Back To Sierra Leone—The Sandline Debacle
13 Taking The War To The Rebels In Sierra Leone
14 The War Gathers Momentum
15 The War Goes On . . . And On . . .
16 The Mi-24 Helicopter Gunship Goes To War
17 How The War In Sierra Leone Was Fought
18 Operation Barras—The Final Phase In Sierra Leone
19 Iraq—Going Nowhere
20 Air Ambulance In Sarawak
21 Tanzania
22 Neall Ellis Flies Russian Helicopters In Afghanistan
Kapitel 8 berichtet über seine Verpflichtung für Bosnier im Balkan-Krieg.

Dieses Buch besteht hats zwei legendäre Protagonisten Personen: den Autor und sein Subjekt. Denn auch der Autor ist seit langem eine Legende:
Der Südafrikaner Albertus

Johannes Venter(geb.1938) ist seit Jahrzehnten einer der bedeutendsten Kriegsreporter. Seit seinen Anfängen in den 1960ern (er berichtete mit seinem Freund Frederick Forsyth über den Biafra-Krieg), hat er fast jeden bewaffneten Konflikt in Afrika und viele im Rest der Welt gecovert (häufig für „Jane’s International Defence Review“).

Er hat über 50 Bücher geschrieben und ca.30 Dokumentarfilme gedreht. Darunter eines der wichtigsten Bücher für die Anti-Apartheidsbewegung: “Coloured – A Profile of Two Million South Africans” (Human & Rosseau, Cape Town 1974).
Er schrieb auch das erste Buch über den Guerilla-Krieg im Süden Afrikas „The Terror Fighters“ (Purnell, Cape Town, 1969).

Auf Reportage ging er mit dem Sturmgewehr (meist ein AK 47) in der einen Hand, mit der Kamera in der anderen. Und er war in vielen Staaten nicht sehr beliebt, wie er in den 1980er Jahren feststellte:

„The result is a price on my head in Angola—quite a considerable amount of the local currency, kuanzas, which, thankfully, is quite useless outside Angola’s borders. I am also a persona non grata in Zimbabwe, Tanzania, Libya, Syria, Iran, Ethiopia, and the Soviet bloc, particularly in Afghanistan.”

Dabei wurde er zweimal ernsthaft verwundet. Aber:

“Perhaps my nearest brush with the inevitable was when I was with a Special Forces team that had to attack an Angolan strongpoint through three lines of trenches. We were led by Peter MacAleese, a British mercenary who had served with SAS, and who wrote about his own adventures in „No Mean Soldier“ (published by Orion in the UK). Some of my photos are used in his book. The place was pretty well defended and not strictly in accordance with the Geneva Convention, I was carrying an AK-47; you never who was going to rush out of the bush at you. Anyway, when the mortars started coming in (that killed a few of our boys), I found myself in a trench which the enemy seemed to have zeroed in on. So I jumped up and moved forward, but a mortar landed behind me and I was hurled forward onto my gun which went off in my face. The bullet missed, but the incident left me permanently deaf in my left ear. Which is why I like to sleep on my right side when my kids make a noise.

My second closest brush with death was flying combat with South African mercenary pilot Neall Ellis in the Sierra Leone conflict in 2000 in an aging Russian MI-24 helicopter gunship that leaked when it rained. We took an awful lot of incoming at times and because I was in the nose of the chopper, I saw a lot of what was happening. That was pure luck.”

Seine Freundschaft mit Neall Ellis begann vor dem Ende des Bürgerkriegs in Sierra Leone, als er mit ihm fünf Wochen Einsätze gegen die RUF-Rebellen flog; bei Regen tropfte der Mi-24-Helikopter aus den vielen Einschusslöchern. Die Erfahrung war die Grundlage für sein Buch „War Dog: Fighting Other People’s Wars“ (Casement Publishers, 2005). Aber wirklich nahe kamen sie sich wohl erst in Afghanistan. So dass Venter, der schon eine ganze Reihe hervorragende Bücher über Söldner und afrikanische Kriege geschrieben hatte, sich zu dieser Biographie entschloss.

Sie ist spannend wie ein Thriller, spiegelt Zeitgeschichte, die man vergeblich in den Mainstreammedien sucht. Man bekommt einen Einblick, wie die Welt der Söldner funktioniert. Aber sie erspart einem auch nicht die üblen Grausamkeiten (und Dämlichkeiten der Politiker, die für diese Konflikte verantwortlich waren oder nicht beenden wollten).

Für Interessierte, die nach großen psychologischen Einsichten suchen, ist das Buch allerdings nicht geschrieben. Nix für Leute, die meinen, dass man Foday Sankoh auf Grund seiner „traumatischen Imperialismuserfahrungen“ in eine Streichelgruppe hätte aufnehmen sollen.

Just the facts, ma´am!

Die AfD-Version der PMC-Thematik:


http://zerberus-book.de/



SIR MICHAELS LEBENSWEISHEITEN by Martin Compart

Wer noch nach Weihnachtsgeschenken (auch für sich selbst) sucht, hier kommt einer meiner Favoriten-Tipps:

„Schauspielern ist der größte Spaß, den man haben kann,
ohne ein Gesetz zu brechen.“


Originaltitel: Blowing the Bloody Doors Off
Alexander Verlag Berlin, 11/2019
Gebunden
ISBN-13: 9783895815034
309 Seiten; 24,00 €

Wieso sind britische Filmstars so gute und unterhaltsame Autobiographen?

Angefangen bei Errol Flynn (den ich mal dem Empire zuschlage, obwohl gebürtiger Tasmanier) über David Niven bis hin zu Terrence Stamp. Alle haben wunderbar bösartige Bücher über das Business vorgelegt, die bestens formuliert sind. Ein Grund ist sicherlich der britische Humor, der immer durchschimmert.

Michael Caine hat sich in die Garde längst eingereiht (u.a. auch mit einem Buch über das Schauspielern). Nun erschien auf Deutsch mit DIE VERDAMMTEN TÜREN SPRENGEN sein jüngstes autobiographisches Werk. Daneben ist das Buch aber auch so eine Art Ratgeber: Caines Lebensweisheiten für Erfolg.

Michael Caine als Filmstar loben ist ebenso müßig, wie die Klassiker aufzählen, die er mitgeprägt hat. Es gibt und gab keinen britischen Schauspieler, der in so vielen großartigen Filmen gespielt hat; es gab aber wohl auch keinen, der so besessen dreht (e).

Als Kind der Arbeiterklasse war er Teil der Angry Young Men der 1950er, zu denen neben Dramatikern (wie John Osborne), Regisseuren oder Schriftstellern (wie Kingsley Amis) auch eine Reihe Schauspieler gehörten, die zu Weltstars wurden: Peter
O´Toole, Richard Harris, Terrence Stamp, Oliver Reed. Caine, der einige Zeit mit Stamp eine Bleibe teilte, bejammerte immer, dass er aus dieser Clique als letzter den Durchbruch schaffte. Mit Sicherheit hat(te) er aber die eindrucksvollste Filmographie.

Seine armselige Kindheit beschreibt er ohne Selbstmitleid, aber voller Selbstironie. „Drei Jahre nach mir kam ein weiterer Sohn, Stanley, und noch einmal drei Jahre nach Stanley kam der Zweite Weltkrieg… Wie alle anderen war ich gezwungen, mich fünf Jahre von Bio-Lebensmitteln zu ernähren: Es gab keine Chemikalien, die man aufs Land oder ins Essen hätte streuen können, denn sie wurden alle für Sprengstoffe gebraucht. Es gab ganz wenig Zucker, keine Süßigkeiten, aber kostenfreien Orangensaft, Lebertran und Vitamine… Die Symptome meiner Rachitis verbesserten sich, ich war geheilt.“
Das wäre heute auch was für die McDonald-Bratzen.

Während der Dreharbeiten zu HARRY BROWN (bei dem der alte Crack einem Nachwuchsregisseur die Chance zu dessen ersten Kino-Film gab) kehrte Caine 2009 wieder in den Stadtteil seiner Jugend zurück und reflektiert berührend, wie Elephant & Castle und England insgesamt heruntergekommen ist, wie menschenfeindlich sich der Kapitalismus seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat, wie chancenlos die Jugend dahinvegetiert. „Wenn wir Jungs Gangs bilden, geht es nicht darum, andere anzugreifen. Für die meisten von uns geht es darum, nicht angegriffen zu werden.“

Caine war und ist kein Kommunist oder Linksaußen. Er ist ein Linksliberaler mit anarchisch-konservativen Tendenzen, der den Brexit befürwortet.
„Ich befürworte den Brexit. Ich bin lieber ein armer Meister als ein reicher Diener eines anderen. Es ging nicht um Rassismus, um die Einwanderer oder sowas, es ging um Freiheit. Wir werden von einem Mann namens Juncker regiert. Nun regiert er mein Land. Er scheint uns nicht zu mögen.”

Sein Klassenbewusstsein hat er nie verloren: „Damals sagte ein Akzent nicht nur, woher man kam, sondern auch wohin man gehen würde, und das war nirgendwohin, wenn man wie ich einen Cockney-Akzent hatte.“Ein konservativer Proletarier.

Natürlich erfüllt das Buch auch die Erwartungen, die man an ein solches Werk hat: Er erzählt bisher unbekannte Anekdoten zu Filmen und Dreharbeiten. Trotz aller Diskretion kann der Cineast häufig herausfinden, wen Sir Michael wohl gemeint hat. Bei Freunden wie Roger Moore oder Sean Connery muss er nicht diskret sein, denn die teilen seinen Humor.

Eines der Highlights sei hier zitiert:

Eines Nachmittags saß ich in diesem Café für Arme mit zwei anderen mittellosen Schauspielerfreunden. Einer von ihnen, John, war besonders niedergeschlagen. Er war gerade von einem sehr anspruchslosen Tourneetheater gefeuert worden, fühlte sich gedemütigt und unglücklich. Er verkündete, er werde alles aufgeben und habe schon ein Stück geschrieben.
„Wie heißt es?“, fragte ich.
„Look Back in Anger“, antwortete er.
„Ich schreibe auch gerade ein Stück“, sagte der andere, ein Schauspieler namens David Baron. „Und du könntest da mitspielen, Michael. Bloß schreib ich es nicht unter meinem Bühnennamen, sondern meinem richtigen.“
„Wie lautet der denn, David?“
„Harold Pinter.“

Das Buch hat leider einen unverzeihlichen Fehler: Es ist zu kurz.

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P.S.: Eine wunderbare Ergänzung zu dem Buch ist die DVD MY GENERATION, in der Caine seinen Weg durch die kulturelle Revolution der 1960er Jahre beschreibt (schon das seltene Dokumentarmaterial macht sie zum Klassiker). Da wird einem wieder klar, wie großartig und wichtig diese Dekade war – und was die Scheiß-Neo-Cons und Finanzfaschisten uns geraubt haben.
Die DVD von 2017 ist fast überall für kleines Geld zu bekommen.

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P.P.S.: Und wen Skandale, Suffgeschichten und Schlägereien von vier großartigen Schauspielern interessieren, der greife zu HELLRAISERS von Robert Sellers.

Preface Publishing, 2009 (es gibt auch weitere Editionen)
3o4 Seiten, ab 6 €

Hier werden die unglaublichsten „Abenteuer“ von Richard Burton, Richard Harris, Peter O´Toole und Oliver Reed erzählt, die man in keiner Star-Biographie findet. Zum Beispiel O´Tooles Freude am Fassadenklettern, aus dem er eine zweifelhafte Karriere machte… Oder dass Burton bei den Dreharbeiten zu VILLAIN (einem der besten Gangsterfilme aller Zeiten) täglich drei Flaschen Wodka verzehrte und trotzdem meistens funktionierte (wenn nicht gerade Liz Taylor mit Harrods-Getränken am Set vorbei kam)… Dass Oliver Reed gerne einen Handstand auf dem Barhocker machte, bevor er zu Wirtshausraufereien überging… Oder wie Ollie sich selbst ritzte, weil er Blutsbrüderschaft mit Leslie Charteris (dem von ihm hoch verehrten Schöpfer des „The Saint“) schließen wollte…

Und für ein stimmungsvolles Weihnachtsprogramm auf dem Bildschirm kann ich auch ein paar Filme von Sir Michael empfehlen:

Original Cinema Quad Poster – Movie Film Posters



40 JAHRE BITTERMANN by Martin Compart

Zur 40jährigen Verlagsgeschichte veröffentlicht der Verleger Texte über seine Autoren, die wichtig für den Verlag waren und sind und ihn mit geprägt haben, Texte über Wolfgang Pohrt und Eike Geisel, über Harry Rowohlt und über die verlorene Freundschaft mit Roger Willemsen, über Fanny Müller und Horst Tomayer, über Hunter S. Thompson und Guy Debord. Außerdem enthalten sind Elogen auf Bücher und Literatur von Lucia Berlin, Patrick Modiano, Mordechai Richler, J.D. Vance, Rita Navai, Didier Eribon und Benjamin von Stuckrad-Barre, die der Verleger selbst gerne verlegt hätte. Ein großer Essay über die verführerische Kraft der Zigarette, die zur Emanzipation der Frau mehr beigetragen hat als die Frauenbewegung, eine Verteidigung des »Kommenden Aufstands«, ein Vortrag über den Palästinakonflikt, einige Bemerkungen über den Kulturbetriebsintriganten Günter Grass und den verschrobenen Rechthaber Sarrazin. Dabei entsteht ein Bild mit vielen Facetten, die dem Verlag sein einigermaßen unverwechselbares Gesicht gegeben haben.

Critica Diabolis 269
Broschur
380 Seiten
20.- Euro
ISBN 978-3-89320-249-2

Das Spektrum der Texte ist viel größer als es ein kurzer Klappentext darstellen kann.

Nach der Lektüre des Buches möchte man spontan sagen: Welch ein Autor und Essayist ist uns verloren gegangen, um den großartigen Verleger Bittermann zu gewinnen. Aber das ist natürlich Quatsch. Die hier versammelten Portraits, Essays und Nachrufe hängen direkt mit dem Verlegerleben zusammen. Denn Bittermann gehört zu den Überzeugungstätern im Kulturbetrieb, die Literatur samt ihrer politischen Implikationen ernst nehmen und neue Horizonte eröffnen.
Der Mann kann einfach kein uninteressantes Buch verlegen. Und spätestens mit dieser Textsammlung zeigt er, dass er auch keinen uninteressanten Essay schreiben kann.

Die höchst unterschiedlichen Texte zeigen Bittermanns literarische und analytische Fähigkeiten in vielen Aspekten und erklären damit auch, warum seine EDITION TIAMAT zu einem der bedeutendsten deutschen Verlage geworden ist.
Die Portraits zeigen Bittermanns „Sympathie für die Abweichler, Melancholiker, Analytiker, Unruhestifter, Sonderlinge, Verweigerer, Irrlichter, Rabauken und Rebellen, die mit ihren Büchern ein Affront gegen den gesellschaftlichen Mainstream sind…“

Unter den Betrachteten befinden sich auch Autoren, die nicht in der Edition Tiamat veröffentlicht wurden. Darunter eine sehr schöne Erinnerung an Jörg Fauser, der zum ersten Mal ein Buch von Bittermann (aus dem Spanischen Bürgerkrieg – wie könnte es anders sein?) auf ein Magazin-Cover (TIP) brachte.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich wie ein Who-Is-Who der Außenseiter-Literatur der letzten Jahrzehnte – eher mehr: denn auch Friedrich Engels oder Ben Hecht werden besprochen.

Bittermann ist nicht nur ein kluger Analytiker, er verfügt auch über eine beeindruckende Bildung. Ich bin beim Lesen auf eine ganze Reihe von Namen gestoßen, die mir zuvor unbekannt waren, die jetzt kennenzulernen mich Bittermanns Texte begierig stimmen.

Man kann diese Collection freudig hintereinander weg lesen. Genauso kann man sich immer wieder ein Stück herauspicken. Sicherlich eines dieser Bücher, die in zwei Jahren völlig zerlesen sind, da man immer wieder auf sie zugreift.

Mir bereiten die „Feind-Texte“ ein besonderes Vergnügen. Im Gegensatz zu Bittermanns „Freunden“, teile ich seine „Feinde“ alle. Und da findet man auch eleganteste Bosheiten:
„Bis auf wenige Ausnahmen glaubt das Feuilleton fest daran, Grass sei ein bedeutender Autor, und weil ihm der Literaturnobelpreis verliehen wurde, hält sich dieses Missverständnis hartnäckig.“

„Nur ich nahm Martin Walser vor diesen Anfeindungen in Schutz und behauptete, das einzige Problem Walsers sei, dass er nicht schreiben könne, dies aber ausführlich tue.“

Mehr qualitativen Gegenwert an bedruckten Papier kann man mit schnöden Mammon kaum erwerben.

Der Verleger mit Kinky Friedman.



FREDERICK FORSYTHS LETZTES AUFGEBOT? by Martin Compart

Ein junger Hacker manipuliert die Waffensysteme der Supermächte, er bringt die Welt aus dem Gleichgewicht – er darf nicht in falsche Hände geraten

Die meisten Waffen tun, was man ihnen befiehlt. Die meisten Waffen hat man unter Kontrolle. Aber was ist, wenn die gefährlichste Waffe der Welt keine intelligente Rakete oder ein Tarnkappen-U-Boot oder gar ein Computerprogramm ist? Was ist, wenn es ein Siebzehnjähriger ist, der die Sicherheitssysteme von Staaten knackt, der Verteidigungssysteme manipulieren kann, so dass sie sich gegen die Supermächte selbst richten? Und was würde man unternehmen, um seiner habhaft zu werden? Eines ist klar: Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn er darf nicht in die falschen Hände gelangen.

Als Forsyth-Fan der ersten Stunde habe ich den Niedergang seines Werkes seit DER AFGHANE immer tief bedauert. Als würde ein Freund an Alzheimer erkranken. Um so mehr erfreut es, dass der 80jährige Klassiker zu Lebzeiten noch einmal aufdreht und auf der Höhe der Zeit die aktuelle Welt der „Sicherheitskräfte“ transparent macht.

Sicher, immer noch konservativ und so reaktionär wie in den letzten Romanen. Der amerikanische Präsident (ein verschlüsselter Trump) ist eitel und naiv (bis zur Blödheit) und der verschlüsselte Putin ein Killer. Die Regimes in Russland, Nordkorea und Iran sind böse, die Amerikaner dämlich. Gott schütze Britannien! Denn die Welt ist trotz allem wieder schwarz und weiß. Forsyth neigte immer dazu, die Welt in gut und böse einzuteilen.

Im „Wettstreit der Ideologien“ bezog er knallhart Position zu Gunsten konservativer Werte. Insofern reiht er sich in die Tradition der konservativ bis reaktionären britischen Thriller-Autoren ein – angefangen bei LeQueux, Oppenheim und Buchan.

Eine große Stärke von Forsyths 14. Roman (sein Werk besteht aus einer Autobiographie +einer Novelle, zwei Novellensammlungen und einem Kurzgeschichtenband) sind mal wieder die genauen Fakten, die in die Story eingearbeitet sind und für Spannung sorgen. Keine Frage: Freddie weiß auch heute, wie die Dienste arbeiten und ihre geostrategischen Interessen verfolgen.

„In den acht Präsidentschaftsjahren George W.Bushs und den ersten vier Jahren Barack Obamas verwandten die USA eine Billion Dollar für den Aufbau der größten, schwerfälligsten, der redundantesten und möglicherweise ineffizientesten staatlichen Sicherheitsstruktur, die die Welt je gesehen hat… Die staatlichen Ausgaben für das eine pandemische Wort „Sicherheit“ explodierten wie eine Atombombe über dem Bikini-Atoll, klaglos bezahlt durch den stets vertrauensvollen, immer hoffnungsvollen und allezeit leichtgläubigen amerikanischen Steuerzahler.“

Was Spannungsaufbau angeht, war Forsyth immer einer der besten Thriller-Autoren aller Zeiten. Nach einigen Ausfällen erreicht er mit DER FUCHS wieder sein altes Niveau. Die Eröffnungsszene, in der Special Forces in ein englisches Haus eindringen, um terroristische Hacker festzusetzen, ist für ihn eine atemberaubende Möglichkeit, die gesamte (missratene) Sicherheitsarchitektur der USA unbarmherzig zu zerlegen.

Sein faktisch orientierter journalistischer Stil mit wenigen Dialogen wurde von vielen Autoren kopiert, ohne ihn zu erreichen. Das klingt kunstlos, ist es aber nicht. Viele Kritiker neigen dazu, Forsyths literarische Qualitäten zu unterschätzen. Wie breit sein Spektrum ist, kann man sehr schön mit der Kurzgeschichtensammlung IN IRLAND GIBT ES KEINE SCHLANGEN erfahren. Oder in dem AFGHANEN, besonders in der Sequenz, in der Kampfflugzeuge einen ganzen Berg zerstören. Da zeigt sich seine literarische Sensibilität.

“Everything I’ve ever written about has depended upon two half-answered questions: ‘What would happen if…?’ and ‘Would it be possible to…?’ I wondered what it would be like to take this young man with a strange talent, put him on the payroll, and have him peek into our enemies’ secret archives.”

Der autistische Knabe Luke, der nur seine Mutter an sich heranlässt und ein Hackergenie ist, wird seit Jahren als Klischee durch die Populärkultur geschoben. Forsyth bedient dieses Klischee.

Oder?

“I’d read that somewhere in Britain, a young man [activist Lauri Love] had been charged by the American government with breaking into one of their most secret databases. But he also had a fragile mind – he had Asperger Syndrome, which makes it hard to get along with other people, but was at home in cyberspace. I didn’t know such a brain existed.”

Luke ist eine Art “McGuffin” im hitchcockschen Sinne, denn seine Fähigkeiten als Hacker werden nie erklärt. Hier lässt Freddie mal die Fakten weg. Aber das stört nicht, denn keiner möchte wohl eine langatmige Einführung in die Welt des Programmierens lesen. Die Action geht um den Schutz des Hackers, denn die Mächte des Bösen haben ihre Killerkommandos auf ihn angesetzt.

Trotzdem ist es einer der wenigen überzeugenden Thriller über Cyberwar. Und Forsyth veranschaulicht die nebulösen Vorstellungen, die herumgeistern.

Mit etwas über 300 Seiten ist DER FUCHS ein dünner Roman in seinem Oeuvre. Das kommt dem Tempo bei diesem etwas sperrigen Thema zu Gute. Routiniert, wie es kaum ein anderer Thriller-Autor kann, mischt er die Actionszenen mit interessanten Details und den nicht weiter ausgeführten Darstellungen des Cyberkrieges und dessen Auswirkungen auf die „reale Welt“.
Natürlich verarbeitet Forsyth die geopolitischen Minenfelder der letzten Jahre. DER FUCHS ist ein hochaktueller Thriller, der großes Vergnügen bereitet und den Leser durch die Seiten peitscht, wenn er sich auf ihn einlässt.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dies Forsyths letzter Roman sein wird. Damit verabschiedet sich ein Autor, der wie wenige die Entwicklung des Thrillers mitgeprägt hat. Er gehört zu den Klassikern des Genres, die auch von künftigen Generationen gelesen werden. Und er ist nie langweilig.

Lemminge_Anzeige_30.10.19



BOSTON TERANS MUTTER DES JAHRES by Martin Compart

„No one looks exactly like they really are. That’s the secret of the human race.
How the honest and the dishonest get by in the harsh climate of everyday life.
How both beautiful and barbarous motives go unnoticed until it’s too late.“

In a rundown Los Angeles bungalow, Shay Storey sits across a battered Formica table watching her mother clean the semi-automatic they will use for a killing. It is 1987 and Shay is just thirteen. Their intended victim is a local policeman named Victor Sully from Baker. Shay and her mother shoot him and bury him in a shallow grave in the desert northeast of Los Angeles, but somehow, some way, Sully claws his way to survival.

His life, though, is destroyed anyway, and he slips out of Los Angeles under cover of darkness, a broken man. It is more than ten years later that these three lost souls meet again to play out the inevitable drama set in motion by that first violent meeting in the desert, each searching for revenge, and perhaps, redemption.

Riveting, powerful, and brilliantly written, Never Count Out the Dead is an unforgettable reading experience that will linger in your brain long after the last page is turned.

Der Erstling von Boston Teran fegte wie ein Wüstensturm aus dem Nichts über die Noir-Szene hinweg. Mit Spannung wurde der zweite Roman erwartet.

Entweder würde er groß scheitern oder triumphieren.

NEVER COUNT OUT THE DEAD bewies, daß Teran kein One-Hit-Wonder war. Thematisch völlig anders als GOD IS A BULLET schoss der Roman sofort in den Pantheon der Noir-Kultur.

Ein Kritiker bezeichnete ihn als Mischung aus CHINATOWN und MACBETH.

Der Roman erlebte nur zwischen 2001 und 2004 Übersetzungen in drei Sprachen und 15 Auflagen.

Auch weil er eine der ungewöhnlichsten und erschreckendsten Noir-Ladies vorführte.

Wie man schon seit Cyrus aus GOD weiß: Für Terans Antagonisten gibt es eine eigene Lounge in der Hölle. Aber ob da auch die Berufsmörderin Dee Storey Einlass findet, ist fraglich.
Dee könnte einen eigenen Kerker beanspruchen.
Sie ist das ganze Gegenteil von Donna Reed in MUTTER IST DIE ALLERBESTE. Eine durchgeknallte Speedsüchtige, die als Mietkillerin die ökonomischen Lebensumstände schwer verbessert hat. Ihre 13jährige Tochter Shay hat sie schon mal an Pornographen und Perverse vermietet. Von einem beschissenen Leben gebeutelt, versucht sie auf ihre Art, die Tochter fürs Leben vorzubereiten. Und um die Mutterliebe komplett zu machen, überrascht sie ihre Tochter eines Tages mit dem Wunschtraum einer jeden 13jährigen: „We’re going to kill a man tomorrow night . . . it won’t be easy, I know”.
Und damit geht es erst los!

Ein abschreckendes Beispiel dafür, was Southern Comfort mit Speed selbst aus den Derbsten unter uns machen kann.

Wie in GOD IS A BULLET muss der männliche Protagonist eine Wandlung von Passivität zur Aktivität durchlaufen. Diesmal ist der Journalist Landshark der Katalysator.

NEVER COUNT OUT THE DEAD, ebenfalls im present tense geschrieben, gibt dem Leser erste Anzeichen dafür, wie Boston Teran nach dem überschwänglichen Erstling seine Sprachgewalt zu zähmen beginnt. Vergleicht man die apokalyptische Stimme der ersten Romane etwa mit THE CREED OF VIOLENCE, sieht man die Entwicklung deutlich.
Und noch frappanter fallen die Vergleiche mit THE COUNTRY I LIVED IN aus. Aber hier arbeitet er noch mit fast so vielen Metaphern wie im Erstling.

Chandler unter Crystal Meth. „As in Chandler’s books the Southern California landscape is evoked so strongly -the hot, sweet aroma of the chaparral, the gritty, mineral taste of sand- that it becomes a virtually independent character looming over the rest of the story. The book is shot through with seething anger; each character is haunted by memories of loss and betrayal. At times rage drives the writing almost out of control; the author’s prose-style is simultaneously propulsive and twisty, reading some of the author’s sentences is like driving too fast on a curvy mountain road. I found myself crashing at times, but the style perfectly suits the swift, violent nature of the story”, schrieb ein zufriedener Amazon-Kunde.

Der Roman beginnt und endet im San Frasquito Canyon (gemeint ist wohl der San Francisquito Canyon). Ein nettes Plätzchen. “In between confrontations, Teran displays a deep, loving knowledge of Southern California, particularly its underbellies: Franklin Canyon, where the Hillside Strangler once roamed, and a dozen neighborhoods of Los Angeles that have seen better days.
Teran’s geographic and historic knowledge is so great and his descriptive powers so developed that he makes one want to jump in the car with only a road map and explore all these long-forgotten and never-seen places. We might end the day at a dusty desert motel with a bottle of bourbon, the air conditioner broken down, sweating on top of the sheets, and thinking about God and sin and endless highways.”
(Mark Johnson ).

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Korruption und andere Verbrechen haben in Kalifornien geradezu byzantinische Ausmaße, die bekanntlich nicht nur BT inspiriert haben. Tom Long fragte zu Recht: “This is mean, nasty stuff, so thoroughly laced with vileness and hopelessness that you wonder who the heck Teran hangs out with.”

Aber was hat ihn zu NEVER COUNT OUT THE DEAD inspiriert?
In einem Interview aus 2001 erzählt er:

“The inspiration for NEVER COUNT OUT THE DEAD came when the traffic of two completely independent realities converged upon one intersection: theme.

First reality: My father was a widowed gamblaholic who liked the taste of everything a little too much. He indulged in what might be called the larcenous expedition or the conning adventure. Unfortunately, some went bust and he couldn’t just scam his way out of trouble.

While I was growing up and these little „catastrophes“ played out my father sometimes took me from home and had me live somewhere else. Once I was moved into the basement apartment of a two family house owned by a mother and daughter prostitute team. Their apartment was on the floor above. My father was dating both women at the time and felt I was better off having them look out for me.

All I witnessed and experienced of their relationship, their cunning and fearlessness, every brutal and tortured confrontation, I carried around inside my head until I could find a home on the written page for the mythos of that living drama.

Second reality: When GOD IS A BULLET was first published, I began a dialogue with someone I can describe only loosely as „an investigator with journalistic aspirations“ and who called themself Birdhous-gal.

We began to exchange written dialogues on the corruption behind the building of certain L.A. schools on toxic and potentially toxic sites.

Disaster heaped upon youth because of the cancerous character of adults was a motif that seemed to connect these two distinct realities, and so an idea was born. “

Aus “Birdhouse-gal” ist im Roman dann “Landshark” geworden, der investigative Journalist „too intense for his own flesh. Driven hard by sad, desperate needs that might bring about his own destruction. And angry to a point he doesn’t recognize.“

ZWEI BLURBS:

‚Jim Thompson´s crown and his fury seem to have passed to Boston Teran, the new voice of pulp fiction‘ – Dennis Lehane

‚A grim glorious Gothic that culminates in an action finish Bruce Willis would kill for.The tension ratchets up like thumbscrew in the hands of a master inquisitor… Boston Teran anatomizes loss like nobody else, but he never loses sight of the indomitability of the human spirit. If writing is therapy, I´m very glad not to be inside Boston Teran´s head. This is a terrifying glimpse into lives that make you sit and count your blessing till dawn.´

Val McDermid



BOSTON TERANS HEIMATSCHUTZ by Martin Compart

If you want to join the modern world,
you will have to enjoin the violence that exists with it.

The Country I Lived in, 2014

The time is 1955—the birth of rock and roll, the Beat Generation, and social rebellion. It is also the era of covert operations and clandestine governmental actions. War hero John Rawbone Lourdes, grandson of an infamous American outlaw and assassin, and son of a renowned agent for the Bureau of Investigation sets off on an odyssey through Texas and into Mexico, to uncover one of the most foreboding true conspiracies of the time. It is a profound novel of social protest and the violence and treachery committed to crushing it. The Country I Lived In is also a moving personal story about love and loyalty—loyalty to a woman, to one’s friends, to one’s nation, and ultimately to the truth—and how all three may well be in conflict with each other.

Dieser Roman ist, nach THE CREED OF VIOLENCE und GARDENS OF GRIEF, der dritte Band von Bostan Terans Lourdes Serie.
Hauptperson ist der WWII- und Korea-Veteran John Loudres (seinen Großvater wird Daniel Craig in der Verfilmung von CREED spielen). „Familiäre Figuren“ aus den beiden vorherigen Bänden tauchen in prominenter Rolle auf, etwa William Van oder der unvermeidbare Wodsworth Burr.

Wie bei Boston Teran üblich, wird nicht lange rumgemacht und erwartbares aus tausend bekannten Thrillern erzählt, sondern ein Kickstart hingelegt. In seiner poetischen hard-boiled-Sprache sind die eindringlichen Figuren sofort präsent und unverwechselbar. Die Erzählerstimme ist mitreißend, die Dialoge originell und witzig. Beängstigende Intensität.

Die Handlung wird in einem aberwitzigen Tempo voran geschossen, das selbst für Teran extrem ist. Unglaublich, man hat kaum Zeit, um Luft zu holen. Oder wie Jean Heller in der St.Petersburg Times über GOD IS A BULLET schrieb:
„I was putting it down after every chapter to hunt for Valium. But a little farther and I started having to force myself to put it down to go to work.”

Die Story ist (scheinbar) auf Seite 20 etabliert, und kaum hat John Lourdes die Spur aufgenommen, geht es zur Sache. Erstmal ein kleineres Massaker in Saltillo, Mexiko, damit man auch mal Zeit hat, sich ein Bier zu holen.

Es ist die Zeit des hysterischen Antikommunismus, seit langem geschürt von John Foster Dulles nach außen und im Inneren beängstigend ausgelebt durch die Schauprozesse seines Heloten McCarthy. Die USA haben kaum den fast verlorenen Korea-Krieg verdaut, aber im Iran und in Guatemala die Interessen ihrer Oligarchie mit Hilfe der CIA durchgeputscht. Edgar Hoover bestreitet nach wie vor die Existenz der Mafia. Nachdem Johns Bruder Allen Dulles 1953 Chef der CIA geworden war, verstärkte er den politischen Einfluss des Dienstes und begann umgehend mit schmutzigen Jobs im Interesse der Wirtschaft. Sein Credo: Alles wird wahr, wenn man nur lange genug lügt.

Antikommunismus war der Begriff, bei dem die ganze westliche Welt auf Kommando zu sabbern begann. Wie heute bei der Heilsbotschaft Antiterrorismus.

Und der Rock´n Roll droht bereits in den Jukeboxen, um schweren Schaden unter Jugendlichen anzurichten.

Während aus den Fernsehern die Propaganda-Verblödung dröhnt, entwickeln sich im Süden der Staaten erste Bürgerrechtsbewegungen, und die Beat-Literaten sind on the road, um zusammen mit dem Rock’n Roll die Grundlagen für die Gegenkultur der 1960er Jahre zu legen.

Ganz klar eine Bedrohung für das faschistoide Amerika, das hinter jedem Kerouac-Buch und jeder Elvis-Scheibe eine kommunistische Verschwörung erkennt. Um die „Sicherheit“ des Landes und der Ölindustrie zu garantieren, ist Geheimdiensten und Militär jedes Mittel recht: das Stürzen demokratischer Regierungen im Ausland und das Ausschalten von Dissidenten in der Heimat.

Wer den Mächtigen in die Quere kam, dem erging es ähnlich wie wir es seit 9/11 kennen.
Wieder zeigt Boston Teran, dass Vergangenheit nie zu Ende ist.

THE COUNTRY I LIVED IN funktioniert wie ein Mike Hammer-Roman:
Ein Army-Buddy wurde umgelegt, und Mike sucht die Killer und Strippenzieher, um sie ihrer gerechten Strafe zuzuhenkern.

Nur ist Boston Teran eben nicht Mickey Spillane!

Bei ihm läuft das anders ab.

Der Veteran Lourdes ist unsicher geworden und will – wie ein früher Easy Rider – Amerika suchen, denn „something was missing from his life, something of purpose and destiny, to take away the quiet sadness that kept to itself inside him.“
Er kauft einen Packard und fährt los, um “hit out on the road…[like] Huck on the river, Parkman on the Oregon Trail, Brando burning up miles of asphalt in The Wild Ones.“. Trotz seiner illusionslosen Einstellung gegenüber der Welt und sich selbst, hat John nach wie vor verdeckte Ideale.

Da erreicht ihn der Hilferuf eines alten Kriegskameraden. Also fährt er zu ihm nach Laredo („A town of limited excitement, to say the least.”).

Er kommt zu spät. Sein Freund wurde gefoltert und ermordet und alles als kompromittierender Selbstmord inszeniert.

Damit wird sich John nicht abfinden.

Und deshalb gerät er sofort mit CIA-Agenten aneinander:

„Where do you stand on our going into Iran and Guatemala?” said Bushnell.

“As for Iran, I don´t believe in hiring mobsters to overthrow a democratically elected government to do the bidding of the oil companies… And as for Guatemala. I can´t envision Abraham Lincoln making a case to fight to the death for the United Fruit Company (heute Chiquita). We didn´t serve ourselves well in Guatemala.”

“That´s a little red, isn´t it?” said Bushnell…

“I know guys like you… Brown versus the Board of Education is fine as long as they keep it in Biloxi and not in Boston.No Jews either in the state department. Or anyone who coted for Stevenson. You talk war, but will never do a day on the front line. You drape yourself in the flag, but you prefer to let the poverty row boys get buried in one.”

“You could toss your military record at me. But Mueller had one too…Would loyalty to your country supercede loyalty to a friend?”

“I could be loyal to both. But one might in the wrong. I´d deal with that as the situation presents itself.”

“Would loyalty to a friend supercede loyalty to the truth?”

“I´ll let you know when I get a glimpse of the truth.”

“Would loyalty to a friend supercede loyalty to the security of your country?”

“You´ve left out loyalty to one´s faith and family in all this. We are finished.”

“Besides the charge of possession of narcotics-“

“Suspicion or possession.” John corrected him. “Possession of marijuana turned Robert Mitchum into a bona fide movie star. You wouldn´t want that happen to me,”

“We could open a truckload of investigations into your life-“

Dann bohrt sich das Geschehen tief ins Innere von Mexiko, wo die Amerikaner Strukturen etablieren, die noch heute funktionieren.

„Oh, don´t do that!“

Als Lourdes auf einem Güterzug nach Mexiko City trampt, trifft er Guatemalteken auf ihrem Weg in den Norden: „…who told the story of how outside intervention on behalf of the United Fruit Company had subdued or run off all political opposition to their control of the government. Now these men were undertaking the journey to El Norte. An American company had driven them out of their homeland and ultimately to the shores of the United States.”

Mit jedem Roman bemüht sich Teran, ein Loch in die Mauer der Verblödung zu treten.

Teran brilliert mit seiner Kenntnis und dem tiefen Verständnis für das Land. Wo erfährt man sonst ganz nebenbei etwas über die Kultur des Panos?

Dieses Bild von Mexiko in den 1950ern ist manchmal hochaktuell und selten nostalgisch (wie etwa die Beschreibung der Bounty-Bar, in der sich die Beats so gerne vollaufen ließen. Die Protagonisten besuchen sogar die Wohnung, in der William S.Burroughs betrunken seine Frau erschossen hat. „He got off by the way, as will happen in Mexico. He bribed his way out of any legal consequences.“).

Teran inszeniert ein Katz- und Maus-Spiel mit überraschenden Wendungen durch die Verschwörung bis hin zum zwingend tödlichen Showdown.

Nur jemand, der sein Land wirklich liebt, kann es so hassen. Diese Liebe funktioniert für Boston Teran vor allem als Verpflichtung der Zeit gegenüber der Literatur. Er wird nicht müde, zu zeigen, wie sich jeder Sadistenlümmel auf Patriotismus berufen kann.

In diesem Roman gibt es wieder zwei starke Frauen, wie man sie in der zeitgenössischen Literatur so nur bei Boston Teran findet.

Woher kommen all diese starken Frauen, die sein Werk durchziehen?

„The men I grew up around where thieves, liars and con men. They wasted their lives, mostly. It was an immigrant Italian world where men dominated, but the women were really the strength of the family… They soldiered on while the men were destroying their lives all around them. The women were the carriers of character, They were the ones I looked up to. And my grandmother knew how to use a pistol. She had to.”
Ein Großteil seines Verstandes und seiner Gefühle kommen von dort.

Aber auch eine aktenkundige Ratte wie E.Howard Hunt hat einen cameo-Auftritt. Dessen Verkommenheit hätte Caligula aus dem Fenster kotzen lassen.

Einige Kritiker warfen Teran „stilistische Exzesse“ vor (ähnliches war schon Cormac McCarthy passiert). Und ähnlich wie McCarthy pflegt er sein eigenes linguistisches Konzept. Das stützte sich auf seine Besonderheit, Substantive und Adjektive als Verben zu gebrauchen, was den kraftvollen linearen realistischen Stil unterstützt. Niemand adjektivierte Substantive wie Teran. Dieses wunderbare Stilmittel wird in diesem Roman weniger bis kaum gebraucht. Die ungewöhnliche Anwendung von Verben und Adjektiven poetisiert weiterhin seine Prosa:

…young men all shaved and cologne in their best slacks…

This was another part of the man she was experiencing…

He swung the wheel sweeping lanes when a bus framed up on the passenger side…

“you have an informed but wicked mind, Jordon.”

Teran hat natürlich noch mehr Originalität zu bieten, um THE COUNTRY I LIVED IN nicht zu einem glatten Pageturner verkommen zu lassen, der eine primitive voyeuristische Ästhetik sensationalistisch ausplündert.
Er unterscheidet sich wesentlich von Autoren, die nichts zu sagen haben und daraus ein ästhetisches Konzept machen.

Trotzdem ist es stilistisch einer seiner konventionellsten Romane.

Falls so etwas konventionell genannt werden darf:

John und Mia werden vom Anführer einer (chancenlosen) Straßengang bedroht:

Please, thought John, don´t become some swaggering baby-faced warrior. Whatever you´re thinking it won´t settle any argument you have with the world, it won´t even any score. The flaw you guys never get until it´s too late… You can never outsmart your own desperation.

Und dann diese Dialoge! Die besten diesseits von Chandler und McCarthy. Da kann kaum einer der besten TV-Serien-Autoren Hollywoods auch nur im Ansatz mithalten.

Die „Quest“ (Reise, Suche, Odyssee) ist Terans zentrale und wiederkehrende Plotstruktur. Sie ist nicht nur eine simple Abenteuerreise. Diese Suche nach Personen, Erkenntnissen oder Objekten ist tief im Mythologischen verwurzelt. In der griechischen Mythologie wird die eigentliche Quest häufig überlagert durch heroische Taten während der Reise, die den Protagonisten Einsicht zur Veränderung gewinnen lassen. Das hat sich schon früh in der Literatur niedergeschlagen, die die Quest als Reise zur Selbsterkenntnis beschreibt. ODYSSEE oder PARZIFAL als Vorläufer des (bürgerlichen) Bildungsroman. Ein Topos, der in den Werten des Bildungsbürgertums versteinerte und mit Boston Teran seine ursprüngliche Wucht revitalisiert.

Mit seinen historischen Ausflügen gelingt es Boston Teran, die Gegenwart zu erfassen und zu artikulieren. Gerade in Zeiten, in denen die Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Zukunft zusammenbricht.

Auf die Brutalität in seinen Büchern (hier auf GOD IS A BULLET) angesprochen, antwortete der Autor:
The level of violence is acutely accurate for the world these characters inhabit, and it fits with the themes and content of the book. Violence is how some of the characters strive to make the world their own through whatever means necessary.

Weiteres zu Boston Teran unter:
https://martincompart.wordpress.com/2011/06/26/die-dunkle-welt-des-boston-teran-1/
https://martincompart.wordpress.com/2019/08/09/boston-terans-gaerten-des-schmerzes/

zu Cormac McCarthy:
https://martincompart.wordpress.com/2010/12/22/cormac-mccarthys-blood-meridian-des-schweigers-reise-durch-die-holle/



BOSTON TERANS GÄRTEN DES SCHMERZES by Martin Compart

„Unser einziges Ziel ist, die Türkei bis zum Ende des Krieges an unserer Seite zu halten,
gleichgültig, ob darüber Armenier zu Grunde gehen oder nicht.“

Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg

GARDENS OF GRIEF (2010) a brilliant, and socially important novel – is less a sequel to THE CREED OF VIOLENCE than an organic evolvement. It follows John Lourdes, an agent with the Bureau of Investigation, who is sent by the U.S. State Department to Constantinople in 1915. The Great War has begun and the British have been defeated at the Dardenelles. In Turkey the government means to see every Christian Armenian exterminated, in what will become the first genocide of World History. John Lourdes clandestine assignment is to help an outlaw priest named Malek get safely across the war-ravaged Ottoman Empire. The priest, hunted by the Turkish government because he is an Armenian, is a hero to his people and a political threat to the Central Powers.

Wie schon mehrfach festgestellt, ist Boston Teran der moderne Meister der epischen Quest. So auch in diesem Polit-Thriller, der auch ein Buch über den Krieg ist.

Mit wenigen Sätzen und prägnanten Dialogen schreibt Teran jede Nebenfigur zu einem lebensechten Charakter.

Die wahnwitzig schnelle Handlungsführung ist völlig organisch in den historischen Kontext integriert, über den der Leser scheinbar nebenbei informiert wird. Ein beeindruckendes Charakteristikum aller historischen Polit-Thriller von Boston Teran. Wer sich nicht für das geschichtliche Umfeld interessiert, kann sich an der Action, den ungewöhnlichen Charakteren oder der Sprache erfreuen.

An Terans Sprache kann ich mich nicht sattfressen! Manchmal scheint auch eine an Chandler erinnernde Diktion durch:

„He was not short of mind, he was short of men.”

We have even less ammunition than we have luck.”

„And as in the west of John Lourdes, the poorer the town, the richer the church.“

Häufig schwingen archaische Töne in den Sätzen, die man ähnlich auch von Cormac McCarthy kennt. Ein bewusstes und effektives Stilmittel, das den Büchern etwas zeitlos Aufrichtiges gibt.

Das Gemälde in einer geschändeten Kirche:

„Time had phantomed the paints, leeching their shine, condemning their glory to everyday dust, get never stealing the artist´s soul“

Mit seinen historischen und zeitgeschichtlichen Thrillern durchdringt Teran die Nebelbänke der herrschenden Geschichtsschreibung, um sich anderen Wahrheiten zu nähern. Terans Texte können einen wahrlich aus dem Zustand tiefster Betrübnis oder arrogantester Gelangweiltheit befreien.

So zynisch es klingen mag: Boston Teran verwandelt (historische) Tatsachen in literarische Ereignisse; das ist wahre Kunst. Und ganz nebenbei eröffnet er einen Zugang zu mehr Geschichtsbewusstsein.

Die Amerikaner sind zwar noch nicht in den Krieg eingetreten, unterstützen aber die Entente. Auch aus eigennützigen Gründen, denn der Weg zur Weltmacht ist spätestens seit dem spanisch-amerikanischen Krieg (1898) beschlossen. Lourdes „had agreed to been part of the larger enterprise known as war”.

Wieder geht es auch um Öl – wie in dem vorherigen Roman THE CREED OF VIOLENCE. Diesmal um die Ölfelder von Baku und Basra, die für die kriegsführenden Mächte im 1.Weltkrieg Bedeutung hatten. Denn mit der maschinellen Kriegsführung begann auch die Bedeutung der fossilen Brennstoffe, wie Teran in seinem Roman verdeutlicht. Öl, das heilige Wasser des Kommenden.

Teran zeigt an diesem wenig thematisierten Völkermord (an ca. 2 Millionen Armeniern) mitten im Krieg die Zeichen der Zerstörung der alten Welt und das Entstehen einer Zeit, in der die Barbarei wissenschaftlich wird und sich ökonomische Interessen krebsartig in sämtliche moralische Entscheidungen einfressen. Die Grundlagen unserer Gegenwart.

Verblüffend sind die Parallelen zu Heute – von den brutalen wirtschaftlichen Interessen bis hin zu den Taktiken und Strategien des Terrorismus. Ein weiterer Beweis dafür, dass gute Polit-Thriller ein scharfes Schwert der Aufklärung sind.

John Lourdes wurde vom FBI für diese Mission ausgewählt, weil er als mexikanischer US-Amerikaner „nicht weiß“ sei. Das müsste Donald Dumb missfallen.

Die Reise beginnt mit einer Schiffsfahrt von Konstantinopel nach Trapezunt. In der Nacht vor der Ankunft treiben nackte Leichen in den Wellen. „…is what the government defines as deportation.

Lourdes deutscher Gegenspieler Richtmeister Franke führt eine Truppe brutaler Mörder an, die von den Jungtürken aus den Gefängnissen geholt wurden, um Armenier abzuschlachten.
„It was a commission of the foul and the wretched. Recruits from some dark nightmare with scythes across their shoulders and double headed axes protruding from scabbards. Some carried rifles and scimitars, and clubs fleshed with metal arrowtips. Their clothes bore the filth of the nation and this cast of horribles gave no man his due, nor expected any… However accomplished they were as murderers and torturers and rapists, they left much to be desired as marksmen.” Mit ihnen und ihrer Soldateska sorgen die Türken für eine Landschaft, die mit Angst und Terror vollgesaugt ist, was Teran fühlbar macht.

Ihre Reise, die nach der Befreiung des Priesters und armenischen Märtyrers zur Flucht wird, führt sie auch zu einem geschichtsträchtigen Ort (der auch in John Buchans GREENMANTLE von zentraler Bedeutung ist): „Erzurum had been at the crossroads of violence since was with the Seleucids and Parthians.“

Auch GARDENS ist nichts für schwache Nerven oder Mägen. Folter, Mord, qualvolles Verenden… Teran macht daraus kein angenehm gruseliges Unterhaltungsspektakel. Er sucht nach historischen und zeitlosen Wahrheiten.

Dem Priester Malek hatten die Türken die Füße mit Hufeisen besohlt, um Fluchtversuche zu erschweren. Wie er von den Eisen befreit wird, ist gegen Dialoge so subtil inszeniert, dass die Vorstellungskraft des Lesers Amok läuft.

Mit der Armenierin Alev Temple schuf Boston Teran – natürlich – eine weitere starke weibliche Protagonistin, die sein Werk durchziehen und die man nie vergisst.

Universal hält auch an GARDENS OF GRIEF die Filmrechte.

https://martincompart.wordpress.com/2011/06/26/die-dunkle-welt-des-boston-teran-1/

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Über den Völkermord an den Armeniern gibt es inzwischen eine Anzahl von Büchern – auch in deutscher Sprache. Ich empfehle als weiterführendes Sachbuch

OPERATION NEMESIS
(Kiepenheuer & Witsch, 2005)

von Tucholsky- und Heine-Biograph Rolf Hosfeld.

Natürlich erspart er auch nicht die unrühmliche Rolle der Kurden als Handlanger der Türken.