Martin Compart


PEINLICHES AUS DEM DIME-STORE by Martin Compart

 

Bei der Recherche zum Thriller-Giganten Lionel Davidson (der von Penguin Deutschland dankenswert neu aufgelegt wird), geriet ich auf CrimerMag zur einer aktuellen Rezension von ROSE VON TIBET; damit verbunden verirrte ich mich in eine Galaxy, die zuvor nicht von menschlicher Intelligenz bereist wurde, nämlich in das wahrscheinlich peinlichste Interview, das ich je gelesen habe:

http://culturmag.de/crimemag/interview-andreas-pflueger-im-gespraech-mit-alf-mayer/103409

Mayer als Interviewer, Speichellecker und Selbstdarsteller ist so peinlich, dass er bei mir Fremdschämen auslöste und mich für den armen Autor erstmal einnahm. M. gibt dem Ausdruck „Anschleimen“ eine neue Dimension. Das hat kein Autor verdient – dachte ich zunächst. Ich konnte kaum glauben, was ich da las:

„Alf Mayer wüsste nicht einen Satz, den man in „Endgültig“ und „Niemals“ streichen könnte. Er findet: Elmore Leonard wäre stolz auf den Stil dieser Bücher.“

„Du bist berühmt, du bist erfolgreich, du bist der mit Abstand beste deutsche Thriller-Autor. Ich lese viel, bin ein Thriller-Gourmet und wüsste auch international nicht, wer dir das Wasser reichen könnte. Du bist nicht nur besser als Bond (was nebenbei nicht solch eine Kunst ist, aber dieses Tausendmal bei dir dann doch), du bist besser und poetischer als Gerald Seymour, Lee Child oder Stephen Hunter.“

„„Niemals“ ist ja der vermutlich am besten gestaltete Spannungsroman, der je erschienen ist.“

„Adam Hall und seine Quiller-Agentenserie (19 Romane zwischen 1965 bis 1996) kennst du ja nicht, darüber haben wir uns schon unterhalten. Du bist der erste, der ihn meiner Ansicht nach noch zu übertreffen vermag. Wie machst du das?“

„Als Samurai muss man fest entschlossen sein, jeden Moment zu sterben. (Ich zeige ihm das schöne Beiheft der Zatoichi-Edition bei Criterion, 26 Filme von 1962 bis 1989, digital remastered, in einer aufwendigen, wunderhübschen japanischen Faltkassette – er kennt es nicht, hat es noch nie gesehen, das ist an seiner Reaktion glaubhaft.)“

Selbstredend, dass diese harten Buben auch Experten in der Samuraikultur sind.

Hast du auch einen schwarzen Gürtel?
Nein. Aber ich beschäftigte mich damit, zum Beispiel mit Akupunkturkarate.“

(Adam Hall hatte mit 60 Jahren seinen Schwarzgurt gemacht – in Shotokan-Karate und nicht im Tresenwürfeln)

Das Interview ist zu lang, um es hier noch ausführlicher zu würdigen.
Dann musste ich den Bildschirm vom Schleim befreien und mit einem Sandstrahlgebläse abspritzen.

Aber nun stellte sich dieser Autor als Witzfigur heraus, der in seinen Peinlichkeiten Mayer nicht nachstand, selbstbesoffen von seiner Pose. MiC in einem Lachanfall dazu: „Besonders beeindruckend finde ich, dass hier ein bekennender Waffennarr schreibt, der in den USA gegen Waffen demonstrieren würde, aber keine Gewaltpornographie betreibt, wo Menschen vor dem Kamin stundenlang geröstet werden. Die Flitzpiepe hat noch nie echte Gewalt erlebt.“

Das machte neugierig. Ich hat von diesem Andreas Pflüger nie gehört und ging auf Amazon um mal einen Blick auf seine Prosa zu werfen und „ein Blick ins Buch“ zu wagen.

Einige unserer streetsmarten Kritiker lobten die Actionszenen („Er ist einer der wenigen deutschen Autoren, die richtig gute Actionszenen schreiben.“, Spiegel.de), die mich zu einem „Blick ins Buch“ veranlassten. Zitat:

„Adrenalin checkt per Express in ihre Blutbahnhn ein. Sie katapultiert sich steil hoch und bricht dem Mann mit einem gedrehten Fußkick den Kiefer. Aaron stößt ihren Mittelfinger in seine Halsschlagader, hebelt sein Handgelenk aus, fängt die Walther P99 mit Schalldämpfer und schießt ihm in die Stirn. Sein halber Kopf sprüht an die Wand; Hardkernmunition. Die zwei Sekunden, die das gedauert hat, waren schnell genug, um einem weiteren Mann, der aus dem Bad auftaucht, fünfzehn Gramm Blei in die Kehle zu schnippen.“

Das als realistische oder gute Action-Szene einzuordnen, gelingt wohl nur Burschen, die sich nie geprügelt haben, nie Kampfsport trieben und Jackie Chan für einen Dokumentarfilmer halten. Wahrscheinlich stellt der Autor die Szenen mit Action-Figuren vor. Das ist kein „pulp“, das ist schlechte Dime Novel.

Erinnert an die glorreichen 70er des Groschenheftes: „Während Lassiter ihn niederschoss, ließ er den Larry raushängen“.

Kein Groschenheftautor käme heute damit durchs Lektorat. Es ist der Stil eines extremen Posers, dem alles authentische fremd ist, dies aber nicht durch Intelligenz, wie etwa Quentin Tarantino, auszugleichen vermag.

Geistiges Monsanto.

Um sich an der unfreiwilligen Komik zu delektieren, ist das Buch zu dick. Der „Blick ins Buch“ ist schon etwas viel.

Und der Auswurf der Notizbücher des Autors, vollgestopft mit Halbrecherchen – etwa zur russischen Mafia – aus Wikipedia und Der Spiegel-Quellen – nervig. Hier stößt auch Alkohol an seine Grenzen.

Überraschend waren die vielen positiven Amazon-Wertungen, die fast den Verdacht einer gesteuerten Aktion aufkommen ließen. Aber so weit ist die Buchbranche hier wohl noch nicht – wer weiß. Diese positiven führen zu einem geistigen Ort, den ich keinesfalls zu betreten wünsche.

Angesichts der eigenen Leseerfahrung (der Anfang des Romans ist sogar von einem Poser auf speed ziemlich grottig), rief ich die negativen Kritiken zum Vorgänger des gerade erschienenen Romans auf, denn ich wollte mir versichern, dass nicht nur ich das offensichtliche dieses hirnlosen Bluffs sah. Erfahrungsgemäß findet man inzwischen unter den Leserkritiken von Amazon bessere Analysen als bei den meisten „professionellen“ Kritikern (natürlich auch und besonders bei den positiven). Ich wurde nicht enttäuscht: Diese Rezensionen sind geradezu eine Tunnelbohrung durch einen Buchmisthaufen.


Harry Mulisch foreverVor 1 Jahr
ein Kopfschuss aus hundert Metern mit einem Colt…
allein dieser Satz aus „Blick ins Buch“ reicht mir. Wer jemals mit einer Pistole aus 25 Metern Entfernung geschossen hat, weiß, dass das Schwachsinn ist, was der Autor schreibt. Das passt aber zu den irrealen Krimis im TV. Mit Logik hat das nichts zu tun. Ich habe deshalb keine Lust, dieses Buch zu lesen. Übrigens: „James Bond“ ist genauso bescheuert, zumindest die letzten. Die „alten“ hatten Humor und nahmen das Genre aufs Korn. Aber Humor kennt niemand mehr!

N.P.Vor 1 Jahr
Ich kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen. Die guten Rezensionen sind mir ein Rätsel. Ich denke ich werde das Buch jetzt auch abbrechen. Bin jetzt bei 75 %, schön langsam frag ich mich ob der Autor unter Drogen stand beim Schreiben.

Monika Baumüller-Rappold

Nicht nur der Stil ist unerträglich. Was mich besonders gestört hat, sind diese hyperguten Helden bzw. hyperbösen Schurken, die den Roman bevölkern. Ich hab das Buch nicht selbst gekauft, sondern als Geschenk bekommen, nachdem uns die Lobhudelei in der ZEIT neugierig gemacht hatte.

 

Von Toliam 15. Juli 2016
Von der abstrusen Geschichte abgesehen:
Den Mitgliedern der speziellen Polizeitruppe werden derart übermenschliche Eigenschaften zugeschrieben, dass es schon ins Lächerliche abgleitet. Zudem werden häufig völlig verschwurbelte Beschreibungen eingebaut („der Mond hing wie eine gefüllte Schweisblase zwischen den Wolken“), die an einen überdrehten Erlebnisaufsatz eines Schülers erinnern.
Insgesamt so gnadenlos schlecht wie Fitzeks „Passagier 23“.

VonAmazon Kundeam 30. Januar 2017
Das passiert, wenn man einer ehemaligen Literatur-Professorin dieses Buch schenkt … anbei ein Auszug aus der Dankesmail:

„Ich habe bald aufgehört, die Leichen zu zählen, auch die abwechslungsreichen Methoden, jemanden zu töten, zu quälen, zu demütigen. Gewalt auf jeder Seite, viel Pathos, Dramatik, Faszination für Waffen (sicher sehr informativ), die Samurais und ihren Ehrenkodex, für jede Form der Gewalt; Superhelden und Superwahnsinnige, allesamt Mörder mit Genuss, nur 2 „normale“, sanfte Nebenfiguren. Starker Tobak!

Vom literarischen Standpunkt: immer wieder die gleichen Kunstgriffe: unvollendete halbe Sätze, um ein Staccato-Rhythmus zu erzeugen, kitschige bildhafte Sprache, wenn einmal keine Action, zu viele Zitate, triefende Sentimentalität oder zu modische moralisierende Themen in Exkursen in die Vergangenheit (Freund aus der Kindheit, den man nicht retten kann und vor einem ertrinkt, vom Vater missbrauchte Söhne, kleine Türkin, natürlich Opfer von Vorurteilen etc), die nur oberflächlich und banal behandelt werden.

Trotzdem interessant zu sehen, wie man Erfolg zimmert und von Suhrkamp verlegt wird. Erinnert mich an Mankell, obwohl er einen Antihelden mit Alzheimer (!) hat. Falsche Tiefgründigkeit bei beiden. Wird sicher ein großer Erfolg. Und vielen Dank (ohne Ironie): da wird einem klar, wie viel ein Dostojewski, ein Böll, ein Echenoz, ein Andersch, ein Zweig, ein Paasilinna, usw, usw wert sind.“

Usw. usw.

So, denke ich mir, damit verschwendest du also deine Zeit. Warum machst du sowas? Hast du masochistische Neigungen? Um zu verhindern, dass solcher Schwachsinn unkommentiert in die Kultur einsickert? Die volle Idiotie dieser Ära bewusst zu machen an Details im Überbau?
Du regst dich eben gerne auf und suchst nach empirischer Bestätigung für Harlan Ellisons Beweisführung, dass „die Elemente, die im Universum am häufigsten vorkommen, Wasserstoff und Blödheit“ sind.

 

P.S.:

Fauser und ich kämpften vor langer Zeit für ein verändertes Bewusstsein innerhalb der Medien bezüglich der Kriminalliteratur als Literatur der Emanzipation gegenüber dem pseudoliterarischen Mainstream.
Also auch gegenüber der Haltung „ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“. Kriminalliteratur als Flaggschiff dessen, was bürgerliches Feuilleton unter „Trivialliteratur“ subsumierte.

Heute haben wir die Situation, dass die meisten Medien einen selbst erwiesenen Kriminalliteratur-Experten (ein ähnlicher Lernberuf wie Promi-Experte) im Programm haben, dessen Bildung uns darauf zurück wirft, dass weiterhin „Ohne Krimi, die Mimi nicht ins Bett geht“, solange sie ihre – die der Experten – präpubertären Gewalt- und Sexphantasien erfüllt.

Ich gehe angesichts des hier dargestellten Idiotismus so weit zu behaupten, dass alle positiven Rezensenten geistig gestört sind und kulturell der fundamentalistischen Wachstumsblase („Alles ist endlich, nur das Wachstum ist unendlich.“, „was sich verkauft, muss gut sein“ usw,) verpflichtet sind, aber dabei das Überheblichkeitsgefühl überlegener Deutungshoheit suggerieren.

Sinnlose Gewaltpornographie, deren einziger Wert der Obolus am Markt ist, kann keine kulturelle Substanz haben. So denken Investment-Banker, aber keine sensiblen Teilnehmer an einer gezwungenermaßen zu ordnenden Gemeinschaft, die sich zu Gesellschaften komplexer Dichte solidarisieren muss.

Insofern spiegelt in der deutschen Kriminalliteratur der Erfolg von Gestalten wie Fitzek und Co. das Versagen unserer humanen- und ökologischen Überlebensstrategien wieder, bestätigt ästhetisch die Ideologie der Börsenkultur und betreibt die Entsolidarisierung der Gesellschaft.

 

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NEWS: INSOLVENTER POLAR VERLAG UND DIE BEDEUTUNGSLOSIGKEIT DES FEUILLETONS by Martin Compart
27. September 2017, 9:50 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Rezensionen | Schlagwörter: , , ,

Was das konzeptionell ungeschickte Crowdfunding des Polar Verlages vermuten ließ (keine 3000 € von anvisierten 50000€), hat sich bestätigt: Die Finanzdecke war für das Unternehmen zu dünn.

Ich kenne mich aus, bin ich doch Anfang der Nullerjahre zusammen mit Werner Fuchs und Bernd Holzrichter mit dem Unternehmen STRANGE-Verlag, da der Cashflow zu langsam floss (ein Problem für alle Kleinverlage), selber gescheitert. Und das bei inhaltlich und äußerlich höchster Qualität. Wir haben den Laden damals aber einfach nur zu gemacht und sind ohne Verluste aus der Sache rausgekommen.

Interessant am Scheitern von Polar ist für mich ein anderer Aspekt:

Kaum ein Krimi-Verlag wurde von Kritikern und Feuilletonisten so gehätschelt wie der Polar Verlag. Ausgehend von der Wörtche-Maier-Clique, die man auch in die Verlagsarbeit eingebunden hatte, wurde der Verlag mit Rezensionen geradezu verwöhnt und überschüttet. Man galt als Darling der Crime-Szene. Aber das nutzte nicht, um genügend Bücher zu verkaufen um das Unternehmen profitabel zu machen.

Das bedeutet: Rezensionen in Print-Medien haben heutzutage so gut wie keine Bedeutung mehr um potentielle Käufer zu erreichen.

Eine Entwicklung, die ich schon seit Jahrzehnten zunehmend beobachte: In den 1980er Jahren reichte eine winzige Rezension – im PLAYBOY(!) etwa – aus, um einen – beispielsweise – Jim Thompson bei Ullstein nachzudrucken.

Mit zunehmender Medienverdrossenheit (Propaganda- oder Systemmedien) und zunehmenden Internet lässt die Verbreitung, und vor allem die Akzeptanz, des Print-„Journalismus“ gewaltig nach. Das Klientel-Feuilleton funktioniert nur noch eingeschränkt bei Sujets, die sich bereits durchgesetzt haben und dies nur in einem äußerst geringen Rahmen.

Hinzu kommt noch die häufig bescheidene Qualität: Inzwischen findet man bei den Leserbesprechungen auf AMAZON (die weitaus mehr credibility genießen) häufig höheres Niveau als bei den Berufsfeuilletonisten (wie immer gelten natürlich auch für diese Beobachtung die Ausnahmen, die die Regel bestätigen).

Im Netz gibt es inzwischen so viele Crime-Blogs, das fast jeder Leser einen entsprechenden findet, der seine speziellen Vorlieben bedient.

P.S.: In den 1970er Jahren wählte ich meine Kino-Besuche häufig danach aus, ob der Film in der ZEIT negativ besprochen war. Nicht einmal das funktioniert heute noch fürs Print-Feuilleton.

Aber auch die Buchverkäufe über das Fernsehen funktionieren nicht mehr in derselben Größenordnung wie einst während des LITERARISCHEN FEUILLETONS „unter“ Reich-Ranicki. Das liegt sicherlich zum Teil an Moderatoren wie Susanne Fröhlich oder den 3SAT-Besserwisserinnen mit der geistigen Strahlkraft batterieloser Taschenlampen, aber nicht nur an ihnen:
Denn die Konzepte dieser „über Bücher quatschen“-Sendungen sind noch dämlicher als die Sendezeiten. Die Produktion ist allerdings billiger als ein Autorenbesuch des dicken Jungen in DRUCKFRISCH.

Trotzdem kann das Fernsehen noch immer Bücher auf die Bestsellerliste bringen. Und das kann das Print-Feuilleton schon lange nicht mehr. Ersteres ist zutiefst bedauerlich.


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SUHRKAMP AM ENDE?Ich hoffe, doch nicht. by Martin Compart
25. Juni 2016, 12:50 pm
Filed under: Deutsches Feuilleton, NEWS, Paranoid | Schlagwörter: ,

Wir wissen zwar, wie es geht, aber wir können es nicht.

Offenbar hat das Suhrkamp-Krimi-Lektorat sein geringes Pulver verschossen und sucht externe Hilfe. Wer wäre da besser geeignet als dieser Stammler, der James Grady auch noch zum „Erfinder des Paranoia-Thrillers “ bekundet (obwohl dieser nur – gähn – das alte Buchan-Konzept aktualisierte. Wenn es einen Vater des Conspiracy-Thrillers – nicht Psaranoia – gab, dann war das Richard Condon mit… ) Aber lassen wir das, Erfreuen wir uns an der plumpen Ästhetik, die auch dicke Zwerge Schatten werfen lässt. Alle Grimi-Klischees erfüllt. Oder wie Nietzsche sagte: Ab vierzig ist man für sein Gesicht selber verantwortlich. Brijllandd: „Das Washington von heute ist ein kafkaesker Bau… Joyce auf Koks“

Ja, da suggeriert ein kleiner Feuilletonist, dass er aus der Höhe bürgerlicher Kultur ein subversives Genre einschätzt.

Hallo! Hier spricht Edgar Wallace! Zeitgemäßer kann man Grimmis nicht präsentieren.

Was kommt als nächstes bahnbrechendes PR-Konzept? Vielleicht ein Allgäuer Bub, der eine grüne Amtsträgerin geheiratet hat, damit er erwerbslos  seinen Haarausfall verfolgend , auf dem Sofa liegend Krimis liest und die faszinierenden Erkenntnisse in  ein Medium, rülpst? Die Auflagen sinken, aber der Unterhaltungswert der Krimi-Schwätzer steigt. Wir suchen weiterhin den Dieter Bohlen der deutschen Krimi-Erklärer.

Ich brech zusammen! Ich glaube, ich werde Fan von diesem brillanten Historiker!. Jaja, 72 war´s, da wurde der Paranoia- Thriller erfunden und Singers PARALLAX VIEW von 1970  gibt er nicht (weil nie auf deutsch veröffentlicht). Jeder Spionageroman oder Thriller basiert auf Paranoia – aber das führt hier echt zu weit. I

Wahrscheinlich ist der sympathische Dampfplauderer der letzte Versuch um Suhrkamps Krimi-Segment zu retten. Er bringt ja ein eingespieltes Helotenteam mit, das sicherlich für positive Berichterstattung und Bestenlisten sorgen wird. Leider verkauft man so heute keine Bücher mehr, Trotzdem ist sein freundliches Wesen und seine aufgeregte Besserwisserei ein inzwischen nicht mehr zu missender Bestandteil der regionalen  Grimi-Szene und wird dem Verlag neue Impulse geben können, Die herrlichen Videos könnten ein Anfang sein, denn auch mit YouTube kann man Geld verdienen. Diese Clips könnten kult werden; sie bringen so einen antiquiert-kleinbürgerlichen Charme ins Programm.

Ich sehe Rauch über den Remittenden  aufsteigen! Wir haben einen neuen Grimi-Papst!

P.S.: Ich liebe dieses schwere Watscheln als Intro! Das hätte Dr. Harald Reinl nicht besser inszenieren können.

Noch was zu Suhrkamps Erfolgsautor:Wie mir der Marco Polo des Trickfilms, Dr.Horror, erklärte, kam der alte Bluffer Don Winslow  mit dem Blödsinns durch, im Chinesischen würde Chaos gleichbedeutend mit Chance seien. Es geht doch nichts über eine gepflegte Sinologie..

 

 



DER SPRUCH DES 21.JAHRHUNDERTS by Martin Compart
21. Mai 2016, 5:00 pm
Filed under: Deutsches Feuilleton | Schlagwörter:

„Das war vor meiner Zeit,“

Aus einem Vorstellungsgespräch mit einer NRW-1er Abiturientin:
Wann war der 2.Weltkrieg?
Nach dem ersten.
Die nehmen wir. Das ist die Pfiffigste.



HAWAI 5:0 by Martin Compart
21. Mai 2016, 11:05 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Stammtischgegröle, TV-Serien | Schlagwörter: ,

Wie man mit einem Satz den Subtext einer Serie seziert:

Es ist die letzte (?) Bastion verlogener US-amerikanischer Sentimentalität.



DEUTSCHER SPITZEN-JOURNALISMUS by Martin Compart
15. April 2016, 11:39 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Rolling Stones | Schlagwörter:

Immer wieder schön!

„Mick Jagger kramt in seinen Erfahrungen mit jungen Mädchen – es fallen die ersten Hemmungen…“

 



MICs Tagebuch 1 – 2016 by Martin Compart
18. Februar 2016, 11:00 am
Filed under: Deutsches Feuilleton, Film, MiCs Tagebuch | Schlagwörter: ,

Aus Anlass der alljährlichen deutschen Filmbeschwörung

In Berlin darf Grinsebacke Kosslick wieder einmal die US-Prominenz einfliegen lassen, damit Feuilleton und Sendeanstalten laut „Hail” rufen und die internationale Bedeutung des gleichnamigen Filmfestes für die weite Welt in die deutschen Haushalte tragen können. (Falls es denn noch irgendjemanden außerhalb der inzestuösen Subventionsbranche interessieren sollte.)

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Koslick – das Musical

Der Zustand des Deutschen Kinos lässt sich seit Jahren so zusammenfassen: Ja, es gibt sie, die Kinofilme mit großem Publikumszuspruch. Diese fallen in zwei Kategorien: 1) Komödien von und mit Schweiger, hirnlos, sentimental und häufig mit Nennung von Körperteilen im Titel; und 2) Komödien ohne Schweiger, dafür mit Blondschopf Schweighöfer, oft in sexuellen Nöten, oder mit Deutschtürken, die auf Goethe fucken – oder der Dichterfürst, den die meisten Zuschauer nur als gleichnamigen Platz oder Straße kennen, fuckt auf sie. Andere Genres – von anderen Fressen ganz zu schweigen – finden hierzulande nicht statt. N.B. andere Genres: „Deutschen Actionhelden” auf der großen Leinwand hilft auch kein Fernsehvorverkauf, sogar wenn sie knallhart drohen, garantiert nicht im Dienst und damit noch viel hemmungsloser als Sonntags um 20.15 Uhr zur Sache zu gehen.

Der deutsche Film ist das Ergebnis seiner Finanzierung – namentlich des dafür verantwortlichen Systems, in dem die mächtigen Sachverwalter des Elends, die Sendeanstalten, das Sagen haben. In unserer merkantilistischen Republik gilt: wer zahlt, bestimmt.

Giesen+Kino-wie-es-keiner-mag-Die-schlechtesten-Filme-der-Welt[1]

US-Kritiker Richard Brody findet am 16.02. im „The New Yorker” die richtigen Worte. Hier ein paar Auszüge, mal schnell frei übersetzt:

Im deutschen Film dominieren banale, unterscheidungslose historische Dramen, sie handeln hauptsächlich vom Holocaust, aber auch vom Kalten Krieg (einer der neusten Filme ist „Labyrinth der Lügen”). Bei diesen Filmen geht es weniger um eine kritische Neubetrachtung der Geschichte, als um eine Neuverpackung bereits vorprogrammierter Antworten. Sie mögen dabei, das sei der Natur des Dramas geschuldet, auf historischen Fakten beruhen, durch ihre unkritische naturalistische Darstellung jener historischen Fakten jedoch, entkoppeln sie die Geschichte von der Gegenwart. Die standardisierten Handlungsbögen dieser skrupellos-professionellen Dramen reduzieren historische Details auf vertraute und leere Reuebekundungen. Das zeitgenössische deutsche Kino ist wie das Holocaust-Mahnmal (unweit des Potsdamer Platzes), es isoliert die Gegenwart von der Vergangenheit. Was dem deutschen Film heute fehlt, ist die Kraft in der ersten Person zu filmen, die Verbrechen der Vergangenheit in der Gegenwart zu sehen, zuzugeben, dass sie unvermeidlich, die eigenen sind, oder, in dieser Sache das Gegenteil zu deklarieren, dass sie es nicht sind. Aber es ist nicht nur eine Frage des guten Willens, der Bereitschaft, moralische Risiken zu übernehmen, es ist eine Frage des künstlerischen Mutes. Die deutsche Filmindustrie beweist zu oft einen grundlegenden Mangel an ästhetischem Wagemut… Es herrscht ein Herstellungssystem aus Finanzierung und Produktion, das sich jeden einzelnen Regisseur und sein Projekt einverleibt, und damit ein Mangel an Unabhängigkeit erzeugt, sowohl wirtschaftlich als auch künstlerisch.”

Woraufhin der deutsche Film trotzig den Kopf aus dem Arsch der Förderanstalten zieht und ausruft: „Und in Hollywood? Was herrscht denn da? Na?”