Martin Compart


THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: JOHN D.MACDONALDs TRAVIS McGEE by Martin Compart

MacD

Schon längere Zeit (also etwa ein Jahr) hatte ich nichts mehr von ihm in der Hand gehabt, ihn aber bereits mehrfach Michael Krause empfohlen. Nun hatte Michael endlich meine Empfehlung erhört und sich den ersten John D.MacDonald zugelegt. Und bei allen zeitlich bedingten Einschränkungen, sprang der Funke über. Das war mir ebenfalls Anlass, mich mal wieder etwas in John D. zu vertiefen, der so was wie eine fast lebenslange Krimi-Liebe von mir ist. Außerdem scheint in den USA eine kleine Renaissance bevor zu stehen, denn er wird dort endlich wieder aufgelegt.

48_A Deadly Shade of Gold 1965 Entdeckt habe ich Jaydee, wie wir Fans zu sagen pflegen, Ende der 1960er bei Heyne, die dankenswerter Weise damals auch die genialen Fawcett-Cover übernahmen. Gleich mein erster Travis McGee schlug bei mir ein wie eine Bombe. Endlich ein hard-boiled-Protagonist, der nicht in „der Tradition von Hammett und Chandler“ stand. Bei aller Liebe zu den Großmeistern, waren diese doch in vielen Dingen antiquiert und brachten mit Sicherheit nicht den Zeitgeist der 1960er Jahre (wie hätten sie auch können?) auf den Noir-Punkt.

43 Non-Series-Romane, 21 McGee-Romane, 3 Sciene Fiction-Romane, 4 Sachbücher (darunter mit THE HOUSE GUESTS eines der besten über Katzen) und etwa 500 Kurzgeschichten. Das Meiste auf hohem Niveau. Wer kann da ein bis drei Bücher auswählen, die man unbedingt gelesen haben sollte. Ich versuche es trotzdem: The Deep Blue Good-by (1964), Darker than Amber (1966), Dress Her in Indigo (1969 The Turquoise Lament (1973), The Empty Copper Sea (1978), gehören zu meinen McGee-Favoriten. THE EXECUTIONERS/CAPE FEAR (1962) oder END OF THE NIGHT (1960), oder NEON JUNGLE… oder, oder… oder…

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J.D.war der erste amerikanische Kriminalliterat, der sich mit Umwelt- und Wirtschaftsverbrechen beschäftigte. Mit der Zeit wurden seine Kommentare zum american way of death immer schärfer und verzweifelter. Da ihm die Perspektive einer (sozialistischen) Alternative fehlte, bemerkte er zum Schluss nur noch zynisch wie die verdammenswerte Konsumgesellschaft den Planeten zerstörte und in den Abgrund führte. Er wurde nie müde, die freie Marktwirtschaft, deren Axiome er lange unterstützte, in ihren Auswüchsen zu beklagen. Allerdings gelang er selten zu der Erkenntnis, dass eben diese Auswüchse konsequente Folge des unkontrollierten kapitalistischen Systems sind. Für MacDonald versagt nicht das System, sondern die menschliche Moral. Heute wären für ihn Banker und Politiker noch mehr als zu seiner Zeit Symbole des Bösen.

Kein anderer Autor (außer Ed McBain) führte die amerikanische Kriminalliteratur thematisch und mental so gründlich in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Kein anderer zeitgenössischer Autor der 1950er bis 1970er behandelte die neuen Themen so breit und intensiv wie er: Jugendkriminalität, Stadtflucht, Umweltzerstörung, Rassismus, Entwurzlung der Kriegsveteranen, Wirtschaftskriminalität, Verknüpfung der Organisierten Kriminalität mit der legalen Wirtschaft, Konsumterror, Drogen, Suburbia-Neurosen, Revolte usw. Außerdem war er einer der ersten Noir-Autoren, die die Großstädte verließen um in der Provinz den Schrecken zu beschreiben. Er fügte Florida der Noir-Landkarte hinzu und war der Begründer des „Sunshine State Noir“, heute vertreten u.a. von so großartigen Autoren wie Carl Hiaasen, Randy Wayne White und James W.Hall (besonders letztere verdankten JD und Travis McGee eine Menge).
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In den 50er Jahren gab es erstmals auf breiter Ebene das Phänomen der Jugendrevolte. Die in Freiheit und Wohlstand aufwachsende junge Generation begann die Werte der Eltern nicht nur in Frage zu stellen, sondern auch erste Ansätze einer Gegenkultur zu entwickeln. Eine Tatsache, die MacDonald zutiefst beunruhigte.. Als einer der ersten Autoren – zu nennen wären auch noch Ross Macdonald, Ed McBain, Hal Ellson, Thomas B.Dewey und die zahlreichen Schreiber so genannter „juvenile delinquents“ – beschäftigte er sich mit diesem Thema. Mit großer Skepsis sah er die Entwicklungen und die Verbrechen der Mansion-Family Ende der 6oer Jahre muss ihm wie eine Bestätigung für seinen fast prophetischen Roman END OF THE NIGHT vorgekommen sein. MacDonald schrieb in der Regel auch keine Detektiv- oder PI-Romane; er schrieb amerikanische Thriller, oft Noir-Thriller.

Wirkliches Verständnis für die jugendliche Subkultur hatte er nicht – trotz des ehrenwerten Versuches in DRESS HER IN INDIGO. Als Libertärer hatte er allerdings auch kein Verständnis für die staatliche Repression gegenüber Drogen: „Der Besitz von Marihuana ist ein Kapitalverbrechen. Egal ob Marihuana nun so harmlos ist, wie viele glauben, oder so schlecht und schädlich wie andere meinen… Die selbstherrlichen Säulen der Gesellschaft und der Kirche glauben, den Rauschgiftgenuß damit verhindern zu können, indem sie den Besitz zum Kapitalverbrechen stempeln… Diese Strafe ist zu hart. Sie verschließt zu viele Türen. Diese Strafe zerstört einem jungen Menschen – der ein kleines Experiment gemacht hat – das ganze Leben…“ („Der Hippie im Indigo-Dress“; München 1970, Seite 18ff.)
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Seine Sprache erscheint auf den ersten Blick weniger kunstvoll. Das täuscht gewaltig, denn er ordnet jeden Satz der Geschichte oder seines kapitalismuskritischen Kommentar unter. Das unglaubliche Können, das sein Handwerk zu echter Kunst erhebt, zeigt sich erst bei genauerem Hinsehen. Man muss sich zum Beispiel im ersten Kapitel von A DEADLY SHADE OF GOLD das Telefonat zwischen McGee und Taggert ansehen. Auf zwei Seiten Dialog zeichnet J.D. ein genaues Psychogramm des alten Freundes, setzt den Plot, beschwört Vergangenheit und Beziehung herauf und legt die erste Schicht für die Atmosphäre, die den Roman durchzieht. Angesichts dieses Kunsthandwerks… Nein, angesichts dieser Kunst kann man nur in die Knie gehen vor einem Autor, der mit einem simples Telefonat dreidimensionale Figuren schafft und dabei noch den Suspense eröffnet.
Seine Stimme als Autor – der ganz bestimmte, unvergleichliche Erzählerton – kommt nicht aus der hard-boiled-Tradition des Genres. Viel mehr Gemeinsamkeiten hat sie mit Scott Fitzgerald oder John O’Hara, den MacDonald sehr bewunderte. Auch Graham Greene kommt einem bei der Lektüre manchmal in den Sinn. Er machte keine großen stilistische Experimente, sondern konzentrierte sich auf den Aufbau seiner Geschichten und auf die Erzählerstimme. Deshalb bleibt mehr noch als die vielen hinreißenden Charaktere, originellen Szenen und teuflischen Plots eben diese besondere Stimme in der Erinnerung. MacDonalds unnachahmlicher Ton gab den Takt an für seine höllischen Orchester. MacDonald ist ein komplexer Autor, der alle Aspekte der amerikanischen Gesellschaft aus einer kritischen, wertkonservativen Position heraus kommentierte und oft Weitsicht bewies. In der amerikanischen Kriminalliteratur steht er als Original völlig einzigartig da. Mit Travis McGee gelang ihm eine der komplexesten Serienfiguren des gesamten Genres.

Der ehemalige Harvard-Business-Schüler begann mit Ende vierzig seinen Magnum Opus; die Travis McGee-Serie. Er war eher konservativ, besser gesagt, ein Libertärer. Aber er beäugte den Markt genauso skeptisch wie den Staat. Als Bestseller-Autor war er spätestens Mitte der 1950er etabliert. Sein bis dahin ambitioniertester Roman, THE DAMNED, hatte 2 Millionen Exemplare verkauft. Bis 1963 weigerte sich John D. eine Serie zu schreiben. Aber dann überwarf sich sein Lektor bei Fawcett mit dem politischen Blindgänger Richard S.Prather. 22851732Dessen Shell Scott-Serie gehörte zu den erfolgreichsten Produkten des Verlages, aber der McCarthyismus von Prather störte Lektor Knox Burger zunehmend und er strich den verballhornten Namen eines demokratischen Politikers, den Prather einem Antagonisten gegeben hatte, aus dem Manuskript. Prather war sauer und bekam gleichzeitig ein Angebot für seine Erfolgsserie von Fawcetts Konkurrenten Pocket Books. Burger war in Schwierigkeiten. Die Verlagsleitung war sauer, dass er die Milchkuh auf eine andere Weide laufen ließ. Also wandte er sich an J.D., mit dem er inzwischen befreundet war (und der ihm als Autor von Dell zu Fawcett gefolgt war). Um die Sache kurz zu machen: J.D. schrieb erstmal drei Romane über einen Dallas McGee, bevor er meinte, er käme mit einer Serie zurecht. Wegen der Ermordung Kennedys in Dallas (so hat doch alles etwas gutes) wurde dann Dallas zu Travis.

Mit Travis McGee schüttelte JD endgültig den Trenchcoat vom amerikanischen Noir-Helden ab. McGee ist kein Privatdetektiv, also kein idealisierte Kleinunternehmer. Er lebt auf einem Hausboot in Fort Lauderdale und arbeitet nur, wenn er muss oder es sich lohnt. Denn er ist der Meinung, erst das Vergnügen und dann die Arbeit.

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McGee löst lieber Bikini-Oberteile als knifflige Fälle, feiert, trinkt und angelt gern. Ein Hedonist, der mit den Jugendlichen der Sechziger mehr gemein hat als mit der Generation ihrer Eltern (zu der JD gehörte). Im Gegensatz zu Marlowe und Spade und Hammer behandelte er Frauen mit Respekt und Gleichberechtigung. Er ist ein guter Freund und hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ein Leben als Angestellten-Lemure kommt ihm schon gar nicht in den Sinn. Dazu liebt er die Freiheit zu sehr. Aber er weiß natürlich, dass Freiheit in der kapitalistischen Gesellschaft ein teures Gut ist. Deshalb macht er „Bergungsjobs“(„salvage consultant“). Er kümmert sich also um Geld oder Vermögenswerte, die jemanden legal, aber nicht legitim, geraubt wurden oder die durch sonstige kriminelle Machenschaften den Besitzer gewechselt haben. Für die Hälfte holt ihnen McGee das Geraubte zurück. Davon legt er dann was für später zurück und von dem anderen Teil lebt er in den Tag hinein, bis es mal wieder eng wird und er den nächsten Job erledigt. Natürlich ist sein Kodex nicht immer mit dem Gesetz deckungsgleich. Da empfindet er ähnlich wie seine Vorläufer. Nur scheint er intelligenter, empfindsamer und hat mehr Interessen. Wenn es hart auf hart geht, weiß er natürlich zu kämpfen, muss aber oft verdammt viel einstecken. Und oft genug hat es Travis mit Burschen zu tun, die mit Dämonen aus der Hölle verwandt sind.Image.ashx

Das Böse in seiner mythischen und irrationalen Vorstellung existierte für John D.MacDonald. Es manifestierte sich in vielen seiner Romane in dämonisch skrupellosen Figuren, die nicht nur von Macht- Geld- oder Sexgier angetrieben werden, sondern einen Teil ihrer Motivation und Kraft aus der Hölle direkt beziehen. Nick Cady aus den EXECUTIONERS oder Junior Allen, Boo Waxwell und Ans Terry – um nur einige Kontrahenten von McGee zu nennen – sind das personifizierte Böse, dem man- laut MacDonald – mit soziologischen oder psychologischen Erklärungsmodellen nur unzureichend beikommen kann. Diesem anthropologischen Pessimismus bringt er in seinem vorletzten Travis McGee-Roman auf den Punkt, wenn er seinen Helden und Sprachrohr mit dem Freund Meyer streiten lässt: „Du gehst davon aus, dass jeder erst einmal unschuldig und rein ist, und dann passiert irgendwas, das ihn verändert. Du gehst von dem Konzept aus, dass die Menschen erst einmal gut sind, und was wir als Gesellschaft dann verstehen sollen, sind die Gründe, durch die sie verdorben werden. Verstehen und versuchen zu heilen. Ich dagegen glaube, dass es so etwas gibt wie das Böse, dass das auch ohne Grund existiert. Das schwarze Herz, dem es Spaß macht, schwarz zu sein…“(Zimtbraune Haut, München 1983, Seite 139) 07_25_2010_05_47_27PM

Bis zum 17, Band, THE EMPTY COPPER SEA, waren die Romane alle „stand alones“, die man in beliebiger Reihenfolge lesen konnte. Ab diesem Roman intensivierte MacDonald das serielle Erzählen. Jetzt nahm jeder Roman auf den vorhergehenden Bezug oder baute darauf auf. Bei aller erzählerischen Kraft, ließ aber meines Erachtens von nun an MacDonalds Fähigkeit zum plotten deutlich nach.

comfort23Seit einiger Zeit geistert das Gerücht herum, dass diCaprio McGee in einer Verfilmung von THE BEEP BLUE GOOD-BYE spielen wird. Bisher gab es eine ganz akzeptable Verfilmung von DARKER THAN AMBER und ein TV-Movie nach THE EMPTY COPPER SEA. Beide, sonst von mir geschätzte, Schauspieler konnten mich nicht als Travis überzeugen. Der junge Robert Redford oder Ray Liotta kämen meinen Vorstellungen näher.
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John Dann MacDonald wurde am 24 Juli 1916 in Sharon, Pennsylvania geboren. Als er 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach Utica, New York. Kurz darauf wurde er schwer krank und musste ein ganzes Jahr lang das Bett hüten. In dieser Zeit las er wie ein Besessener, um vor Krankheit und Monotonie zu fliehen. 1934 schrieb er sich an der Wharton School of Finance an der Universität von Pennsylvania ein. Nach dem Studium ging er nach New York und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Natürlich arbeitete er auch als Tellerwäscher – das darf wohl in keiner amerikanischen Erfolgsbiographie fehlen! Später landete er an der Universität von Syracus, wo er Betriebswirtschaft studierte und mit Diplom abschloss. MacDonald gehört zu den ganz wenigen Schriftstellern, die eine Ausbildung in Ökonomie machten. Ein Aspekt, der sich in seinem Werk niederschlagen sollte. An der Universität lernte er die Kunststudentin Dorothy Prentiss kennen, die er 1937 heiratete. Anschließend zogen beide nach Massachusetts, wo MacDonald an der wirtschaftlichen Fakultät von Harvard seine Studien vertiefte. 1939 beendete er endgültig seine Studien; in diesem Jahr wurde auch sein Kind, Maynard John, geboren. Nach wenig befriedigenden Jobs in der Wirtschaft trat er 1940 in die Armee ein. Im Juni 1943 wurde er nach Neu-Delhi ins Hauptquartier für den hinterindischen Kriegsschauplatz als Stabsoffizier versetzt. Dort wurde er auch dem Office of Strategic Service(OSS), dem direkten Vorläufer der CIA, zugeteilt. In dieser Funktion war er direkt an den Guerilla-Aktionen der Amerikaner gegen die Japaner in China und Hinterindien beteiligt und an der Planung der Burma-Offensive, die die Kriegswende zu Gunsten der Amerikaner mit einleitete, involviert. Wegen der strengen Geheimhaltungsvorschriften des OSS unterlag selbst seine Post an die Familie strengen Zensurmaßnahmen. Deshalb schrieb MacDonald für seine Frau einmal eine 2100 Worte lange Kurzgeschichte über sein Leben in Neu Delhi, statt eines Briefes. Ohne MacDonald zu fragen, verkaufte Dorothy diese Impression an das Magazin „Story“ für 25 Dollar.john d. macdonald 60s Die Story wurde im Sommer 1946 unter dem Titel INTERLUDE IN INDIA veröffentlicht und gehört zu den gesuchtesten Raritäten der MacDonald-Fans. Im September 1945 kehrte John nach New Jersey, wo seine Familie inzwischen lebte, zurück, und Dorothy überreichte ihrem verblüfften Mann den Scheck des „Story-Magazins“. Erstmals dachte er darüber ernsthaft nach Schriftsteller zu werden. Zumindest schien ihm das eine gute Gelegenheit um sich langsam in die Nachkriegsgesellschaft wieder einzuleben. „In den nächsten vier Monaten schrieb ich etwa 800 000 unverkäufliche Worte. Es war die klassische learning-by-doing-Methode. Hätte ich damit begonnen, einen Roman pro Jahr zu schreiben, hätte es zehn Jahre gedauert bis ich das Handwerk gelernt hätte. So saß ich vier Monate wöchentlich 80 Stunden an der Schreibmaschine, schrieb und lernte. Ungefähr 25 bis 30 Kurzgeschichten von mir zirkulierten ständig zwischen den Magazinen.“mystery_book_1949sum Fünf Monate später verkaufte er seine zweite Geschichte für 40 Dollar an das Pulp-Magazin „Detective Tales“. Anfang 1947 hatte er bereits 23 Geschichten an alle möglichen Magazine verkauft und konnte seine Familie mit der Schriftstellerei ernähren. In den nächsten Jahren war MacDonalds Ausstoß an Kurzgeschichten geradezu atemberaubend: Er verkaufte 1947 mindestens 35, 1948 etwa 50 und 1949 sogar 73 Geschichten. 1950, das Jahr, in dem er Romane zu schreiben begann, veröffentlichte er 52 Short Stories. Er schrieb alle Arten von Geschichten: Sportstories, Abenteuergeschichten, Western, Science Fiction, Fantasy und Kriminalgeschichten – immer mehr Kriminalgeschichten, bis in die frühen 50er Jahre über 160 Crime Stories. Er veröffentlichte so viele Geschichten, dass manchmal mehrere im selben Magazin erschienen. In der 1949er Juli-Ausgabe von „Fifteen Sports Stories“ etwa, erschienen vier gleichzeitig. Deshalb musste er sich eine Reihe von Pseudonymen zulegen; so schrieb er als John Wade Farrell, Robert Henry, John Lane, Scott O’Hara, Peter Reed und Henry Rieser. Trotzdem verkaufte er nichtmal alle Geschichten. Später erzählte er, wie er einen Nachmittag damit verbrachte seinem elfjährigen Sohn zuzuschauen, wie dieser zwei Millionen unverkaufte Worte verbrannte. JDM-Brass1951 zogen die MacDonalds in den Bundesstaat, dessen genauester Chronist er werden sollte: nach Florida. Zuvor hatte er aber mit THE BRASS CUPCAKE bei „Gold Medal Books“ seinen ersten Roman, eine Taschenbuchoriginalausgabe, veröffentlicht. Anfang der 50er Jahre war das große Sterben der Pulp-Magazine nicht mehr zu übersehen. Neue Medien, wie Fernsehen und Taschenbuch, verdrängten die jahrzehntelang für die Literaturgenres eine innovative Rolle spielenden Pulps in der Gunst der Leserschaft. Keine Kurzgeschichten und Fortsetzungsromane in großformatigen Magazinen waren jetzt noch gefragt, sondern schnelle, spannende Romane in billigen, kleinen Taschenbüchern, die sich auf den täglichen Fahrten mit Bus oder Bahn aus den Vororten in die Stadt zügig runterlesen ließen. Der Ökonom MacDonald erkannte die Trendwende ziemlich rasch und warf sich auf das neue Medium „Taschenbuchoriginalroman“. Von den 42 Romanen zwischen 1950 und 1964, die MacDonald vor dem ersten Serienroman um Travis McGee geschrieben hat, gelten heute viele als Klassiker. Wie kaum einem anderen amerikanischen Autor gelingt ihm ein facettenreiches Bild der US-Gesellschaft im Umbruch. Auf dem Höhepunkt der MacDonald-Renaissance Anfang der 1990er, waren in den USA wieder alle Non-MacGees lieferbar.
Bis auf zwei Ausnahmen, deren Wiederveröffentlichung er noch vor seinem Tod ablehnte: die James M.Cain-Imitation WEEP FOR ME aus dem Jahre 1951 (die von verschiedenen Fans hochgeschätzt wird) und die Novellisierung eines Judy Garland-Films.

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Da MacDonalds Romane meistens als Taschenbuchoriginalausgaben erschienen, wie gleichzeitig die Bücher von Jim Thompson, David Goodis oder Charles Williams, wurden sie bei Erscheinen von der Kritik wenig beachtet. Lediglich Anthony Boucher, der große Mann der amerikanischen Kriminalliteraturkritik, besprach und lobte seine Bücher regelmäßig. Er verglich ihn sogar mit Simenon, was den großen Ausstoß (in den 5oer Jahren durchschnittlich vier Romane im Jahr) und das gleichmäßig hohe Niveau angeht. Im Laufe der Jahre wurde MacDonald mit mehreren literarischen Ehrungen bedacht: 1955 erhielt seine Story THE BEAR TRAP den „Benjamin-Franklin-Preis“ der Universität von Illinois als beste Short Story des Jahres. Der Roman A KEY TO THE SUITE wurde 1964 in Frankreich mit dem „Grand Prix de la Littérature Policière“ ausgezeichnet. Sein Roman THE LAST ONE LEFT wurde 1967 für den „Edgar-Allan-Poe-Preis“ nominiert; mal wieder typisch für die amerikanische Kriminalschriftstellervereinigung und ihrer Ostküstenklüngelpolitik, dass MacDonald ebenso wenig wie Mickey Spillane, E.S.Gardner, Rex Stout, Ed McBain, Chester Himes, Gavin Lyall, Len Deighton, Desmond Bagley und, und, und, einen „Edgar“ für den besten Roman des Jahres verliehen bekamen. 1972 gabenihm die Mystery Writers of America, wie in solch peinlichen Situationen üblich, dann aber noch ihren „Grand Master Award“.

Er starb am 28. Dezember 1986 in Milwaukee.

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P.S.: Die Berufsbezeichnung seines Protagonisten in Jörg Fausers DAS SCHLANGENMAUL war übrigens eine bewusste Reminiszenz an J.D.s großen Helden.

Auch wenn Rod nicht wirklich McGee ist, der Film ist ein kleines Juwel.

http://www.amazon.de/PAINT-BLACK-%C3%BCber-Noir-Fiction-ebook/dp/B00F5FUIZ2/ref=sr_1_39?s=books&ie=UTF8&qid=1379059878&sr=1-39&keywords=martin+compart




SCHÄCHTEN by Martin Compart
18. März 2013, 4:14 pm
Filed under: Essen & Trinken, Politik & Geschichte, Tierschutz | Schlagwörter:

Liebe Freunde der Tiere,

der Arbeitskreis für Umweltschutz und Tierschutz hat eine Informationsbroschüre über das betäubungslose Schächten erstellt. Diese Informationskampagne wird in Deutschland von pro iure animalis, in der Schweiz vom Verein gegen Tierfabriken (www.VgT.ch[http://www.VgT.ch]) und in Österreich von Animal Spirit (www.animal-spirit.at[http://www.animal-spirit.at]) sowie von Tierschutz im Unterricht (www.tierschutzunterricht.at[http://www.tierschutzunterricht.at]) gefördert und unterstützt.

Diese aufrüttelnde Broschüre können Sie hier abrufen bzw. auch in gedruckter Form bestellen:
http://www.pro-iure-animalis.de/schaechten

Bringen Sie bitte auch die Kraft und den Mut auf, die zugehörigen Videos anzuschauen, damit Ihnen tatsächlich bewusst wird, von welch unvorstellbarer Grausamkeit hier unter dem Deckmantel der Religion gesprochen wird.

http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1406&Itemid=54

Im Übrigen ist die kritisches Auseinandersetzung mit dem Schächten kein Phänomen unserer Tage. Bereits 1906 hat die Zeitschrift „Deutscher Tierfreund – Illustriere Monatsschrift für Tierschutz, Tierfunde, Tierzucht und Tierpflege“ das Thema kritisch aufgegriffen. In der Januar-Ausgabe werden die Ergebnisse einer Erhebung über das Betäubungs- und Schächtverfahren in 585 Schlachthöfen Deutschland veröffentlicht.

Ein Zwischenresümee von 1906 lautet: „Ein Schlachtverfahren, das von hunderten Sachverständigen in solch scharfer Weise in Grund und Boden verurteilt wird, hat im 20. Jahrhundert nicht mehr die Spur einer Berechtigung, auch selbst dann nicht, wenn es von einigen wenigen hunderttausend Menschen zu einer Religionshandlung erhoben wird. Eine wahre Religionshandlung verstößt nie gegen Sitten.“

In den Schlussfolgerungen heißt es: „Das heutige Betäubungslose Schächten der Israeliten ist in einem Lande mit sittlich hoch ausgebildetem Staatswesen streng zu verbieten. Die Blutentziehung ist nur an vorher blitzartig betäubten Tieren gestattet.“ Weiter heißt es: „Das betäubungslose Schächten ist tierquälerisch.“

Im weiteren Text finden sich zahlreiche Argumente die das betäubungslose Schächten verurteilen, die an Aktualität nach über 100 Jahren nichts verloren haben. Das Dokument zeigt vortrefflich, wie stagnierend sich jegliche Diskussion gestaltet, wenn religiöse Glaubenshandlungen die Grundlage bilden. Das komplette Dokument aus dem Jahre 1906 finden Sie hier:

http://www.pro-iure-animalis.de/dokumente/deutscher_tierfreund_1906.pdf%5Bhttp://www.pro-iure-animalis.de/dokumente/deutscher_tierfreund_1906.pdf%5D

Schächten ist eine der grausamsten Methoden überhaupt, ein Tier zu töten. Vorgebliche Begründung für die Notwendigkeit des Schächtens sind Religionsvorschriften, die bis zu ca. 2.800 Jahre zurückreichen. Diese archaisch-brutalen Vorschriften werden mit rigider Konsequenz allerdings nur gegenüber der wehr- und rechtlosen Tierwelt umgesetzt.
Angebliche Gottesvorschriften aus der gleichen Zeit, die Brutalität, Genozid und Mord gegen Menschen fordern, befolgt man heute so gut wie nicht mehr, da diesem abstrusen Treiben die weltliche Gesetzgebung inzwischen einen Riegel vorgeschoben hat.
Damit Sie sich gezielt einmal über die Grausamkeit der „heiligen“ Vorschriften informieren können, haben wir eine Zusammenstellung aus den ersten Büchern der Bibel erstellt, die Grausamkeiten gegen den Mensch fordern.

Urteilen Sie also selbst, mit welcher Begründung diese „Gottesbefehle“ nicht mehr vollzogen werden, die Grausamkeiten jedoch gegen die Wehrlosesten, gegen die Tierwelt, beibehalten werden.
http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1022&Itemid=54%5Bhttp://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1022&Itemid=54%5D

Es ist unbestreitbar ein Verbrechen, eine Glaubensvorstellung dargestellter Art – wie schauerlich weht uns dies alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit an! Sollte man glauben, daß so etwas noch geglaubt wird? (Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, 113) – über das Leben und Leiden real existierender Lebewesen zu stellen, das Recht auf freie Berufsausübung über Leid, Schmerz und Angst von Tieren zu stellen, die dem Menschen in seiner Leidensfähigkeit in nichts nachstehen.

Ein Staat, ein Mensch, der Phantasiewelten höher bewertet als das Leid in der Realität, hat sich moralisch diskreditiert, tritt alle menschlichen Werte und Wertvorstellungen in den Dreck des Profits, des eigenen Vorteils – er hat sich zum moralischen Paria zurückentwickelt. Solange Ehrfurcht vor dem Leben nur Ehrfurcht vor Menschenleben beinhaltet, ist jeder Humanismus grotesk und wertlos.

Es kommt aber noch die zweite Komponente hinzu. Innerhalb der Glaubensvorschriften werden die absurdesten Anweisungen, den Menschen betreffend, ausgeblendet und nicht befolgt. Mag es noch bei jedem einzelnen ein Privatvergnügen sein, sich an Kleidungs-, Waschungs- und Ernährungsvorschriften zu halten, die Tausende von Jahren zurückliegen, mag er diese Regeln zur Befriedigung seiner eigenen geistigen Sklaverei bis zum Exzess befolgen; er behindert und stört damit niemanden.

Kein Privatvergnügen ist es hingegen, wenn so konsequent, wie die menschbezogene Anordnungen der Todesbefehle in den „heiligen Schriften“ nicht befolgt werden, genauso konsequent Todesbefehle, welche die wehrlose Tierwelt betreffen, ausgeführt werden. Wir stehen vor einem sittlichen Skandal, einer ethischen Unredlichkeit erster Güte, einem moralischen Verbrechen.

(Siehe auch ausführlich zu diesem Thema „Die Seelenverkäufer“ http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=338&Itemid=89%5Bhttp://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=338&Itemid=89%5D)

Herzliche Grüße
für pro iure animalis

Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

Weitere Infos unter:
http://www.pro-iure-animalis.de

[http://www.pro-iure-animalis.de]

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SCHWEINEREIEN by Martin Compart
18. März 2013, 9:36 am
Filed under: E-BOOKS, Essen & Trinken, Politik & Geschichte, Tierschutz | Schlagwörter:

DCk9c[1]Das war es also mit dem Schweineschnitzel. Nach der Lektüre von Annamaria Grabowskis erhellendem Buch wird man kein anoymes Schnitzel als entfremdeten Gegenstand auf dem Teller ansehen.

Die Autorin sagt: „Ich habe mich den Tieren in der Massentierhaltung, hier besonders den Schweinen, zugewandt.Ich bin der Frage, was uns Menschen bewegt, Tiere in Massentierhaltung, Massentiertransporten, Massenschlachtanlagen zu bringen, nachgegangen.Enstanden ist dieses Buch, das auch eine Kulturgeschichte des Fleisches, des Fleischgenusses, aber auch der Gewalt ist. Vorgestellt wird auch die Situation derer, die in Schlachthöfen, auf Tiertransporten und Auktionshäusern für Farmtiere arbeiten;die Frage wird gestellt, welche Auswirkungen ihre Tätigkeit auf ihre Umwelt, die nähere und weitere, haben könnte, wleche Folgen chronische Gewalt an Tieren bei Tier und Mensch auslöst. Wissenschaftler werden zitiert, die nach intensicen Forschungsarbeiten davon überzeugt sind, dass Schweine intelligente, aufgeweckte und soziale Tiere sind. Es wird berichtet von Hamlet und Omelette, zwei Schweinen, die Videospiele lieben, von Lulu, die die Mutter ihrer Besitzerin rettet, von Schweinen, die sich selbst im Spiegel erkennen, die schwimmen und tauchen können, ach und noch so viel mehr.Das Schreien und Weinen der Schweine, bei der Kastration der Ferkel, bei der Wegnahme der Ferkel vom Muttertier, bei Abholung für den Transport zum Schlachthof, beim Schlachten am Hof, hat mich so bewegt, dass ich mich daran machte, über das Leben der Schweine zu recherchieren.“

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Mit Engagement und Sachverstand
Rezension von Melody

Mit bewunderungswürdigem Engagement widmet sich die Autorin dem Schicksal der Schweine in unserer Kultur und in unserem Alltagsleben. Sie schildert die Zustände in den Fleischfabriken und beleuchtet die reichhaltige Literatur zum Verhalten – und ebenso der Intelligenz – dieser so neugierigen und verspielten Säugetiere und kommt zu erschütternden Ergebnissen. Wer dieses Buch mit Herz und Verstand liest, ist aufgefordert sein eigenes Verhalten zu überdenken. Es liegt auf der Hand, daß billiges Schweinefleisch wie es gerade in Deutschland en masse „produziert“ wird, mit unsäglichem Tierelend einhergeht und die Mehrheit der VerbraucherInnen dies akzeptiert, weil sie nicht von ihren Essensgewohnheiten ablassen mag, wozu Schweineschnitzel und Wurstwaren gehören. Grabowski zeigt, welche Folgen dies hat, für unsere Gesundheit, unsere Umwelt, unser Wohlbefinden – und das Leben der Tiere, das kaum mehr als „Leben“ und definitiv nicht als artgerechtes Leben bezeichnet werden kann. Auf fast 1000 Seiten zeigt uns die Autorin alle Aspekte des Schweinelebens, und der Bedeutung, die dieser systematische Mißbrauch für uns alle hat.
Wer nun ein trockenes Sachbuch erwartet wird eines Besseren belehrt. Mit zahlreichen Abbildungen, Textcollagen und eigenen Meinungen macht die Autorin dieses Buch trotz seiner erschütternden Thematik zu einer erträglichen und abwechslungsreichen Lektüre, wobei die Ernsthaftigkeit ihres Ansatzes, der durch Hinweise auf die moderne Tierethik und Tierphilosophie unterstützt wird, immer präsent ist. Problematisch ist Grabowskis Versuch die Schoah und die Massentierhaltung miteinander zu verknüpfen und in diesen ohnehin sehr anspruchsvollen Text einzufügen. Dies könnte manchen LeserIn zu Mißverständnissen verleiten, eine Gefahr die der Ankündigungstext nahelegt; die Verknüpfung von Schwein und Schoah ist nicht ausreichend dargestellt. Muslimische und jüdische LeserInnen wird diese Verknüpfung irritieren: das Schwein ruft in vielen Kulturen und Religionen negative Assoziationen hervor und wird als „unrein“ betrachtet; ein Vergleich von Mensch und Schwein gilt als massive Beleidigung. Annamaria Grabowski, die auch Psychologin und Psychotherapeutin ist und zur Veröffentlichung einen eigenen Verlag gegründet hat, stellt die industrielle Tierproduktion und Tiervernichtung und die deutschen Vergangenheit in ein Kontinuum.
Kurzum: Ein mutiges und engagiertes Buch mit politischem und gesellschaftsveränderndem Anspruch, reichhaltigem Fotomaterial, ausführlichen Texten, dem unbedingt eine große Verbreitung zu wünschen ist.

http://www.amazon.de/Schwein-gehabt-unseren-Tellern-ebook/dp/B00BBDUBMC/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1363599249&sr=1-1



Micky Maus am TATORT u. THE AMERICANS by Martin Compart

Nach Jahren der wohl verdienten Abstinenz, habe ich mir mal wieder einen TATORT angetan. Klar, ich wollt das peinliche Scheitern von Micky Maus als Bruce Willis auch sehen. Schließlich hatten 12 Mio. eines 80 Mio.-Volkes ebenfalls zugeschaut als Til Schweiger (hart wie ein Bahlsen Keks) zum Schwanzvergleich auflief. Die Micky-Maus-Synchronstimme nuschelte sich einmal mehr durch ein Schwachsinnsdrehbuch,das nie die Realität des Handlungshintergrundes mit der fiktionalen Geschichte spannend oder nur glaubhaft vernetzt. Eine langweilige Nummernrevue, aufgemotzt durch eine Action, die sich am US-Kino der 1980er Jahre zu orientieren versucht. Aber Schweiger (würde er sich doch nur seinen Namen zum Lebensmotto erheben) scheiterte nicht alleine. Dabei wurde er von einem grottigen Drehbuch voller erbärmlicher Dialoge (der Herrenwitz vom Schwanzvergleich durfte natürlich nicht fehlen und würde sogar von Fips Asmussen aus dem Programm geworfen) und einer Regie, die bei Schießereien nicht das geringste Gefühl für den Raum (und damit Bedrohlichkeit) entstehen ließ. Immer nach dem Grundsatz der deutschen TV-Serienmacher: „Wir wissen zwar wie es geht, aber wir können es nicht.“
Nur gut, das Leonardo da Vinci die Vorlauftaste erfunden hat.


Was heisst Parodie? Diese ultra brutalen Szenen sind rausgeschnitten worden, da man den TATORT sonst erst nach 23.00 Uhr hätte ausstrahlen dürfen.


Ein Intelleller erzählt worums geht.In Amerika gibt es auch keine Steuergelder für das Debilenfernsehen. Das wird logischer Weise durch die Werbung finanziert.

War das noch ein TATORT? Fragten verwirrte Postillenschmierer. Aber gewiss. Er hat sich nahtlos in das übliche Niveau eingefügt. Prekariatsfernsehen mit einem Budget, wie es nur die öffentlich-rechtlichen stemmen können.

Und dann wieder die Angelsachsen. Ein Schock nach dem nächsten. Dank ARTE (der wohl beste Seriensender im Free-TV) durfte man gerade INJUSTICE und THE HOUR bewundern. Im Internet hat man HOMELAND sehen können (wer will diese tolle Serie denn zerstückelt bei SAT 1 sehen?). Und jetzt nehmen die Amis den McCarthy-Knaller I WAS A COMMUNIST FOR THE FBI, drehen ihn um 180° und machen daraus eine der aufregendsten und intelligentesten Serien überhaupt. Die Prämisse hätte eine schöne deutsch-deutsche Problematik für eine originelle Eigenproduktion hergeben können. Aber die dumpfen Redakteure mit ihrem a-historischen Bewusstsein hätten das Potential sowieso nicht erkannt („Das ist doch eher was für Guido Knopp.“).

Aber ich will nicht lange rumlabern. Hier THE AMERICANS; in der Hoffnung, dass es bald die DVD-Box gibt.







GOMORRHA DEPESCHE: Kapitel 11 by Martin Compart

Amsterdam erstickte in der Schwüle. Kein Hauch kam vom Meer. Schwitzende und lärmende Touristen krochen wie fette Käfer den Rembrandsplein rauf und runter oder schluckten Erfrischungsgetränke in den überteuerten Straßencafés um sich vor dem Dehydrieren zu bewahren. Gill ging neben Bart und betrachtete missgelaunt das Treiben. Das einst von Ted Allbeury als zivilisierteste Stadt der Welt bezeichnete Amsterdam war zu einer Konsumkloake verkommen, voll gestopft mit Kriminellen und Abschaum. Die Globalisierung der Gier und des Elends hatte auch vor dieser einstigen Schönheit nicht halt angehalten. Eine Metropole der Perversionen und die Hauptstadt der Toleranz und der Lebensfreude – nur nicht für die Opfer. Wer hier vom Wagen fiel, kroch durch die Gosse und fraß Kot bis ihn der Tod erlöste. Die Calvinisten hatten die Hölle längst privatisiert.
Die engen Seitenstrassen mit ihren aneinander gedrängten Häusern hatten ihren historischen Charme in den Fassaden bewahrt. Trotzdem wirkte die Stadt nie antiquiert. Sie hatte die umtriebige Energie kultureller und wirtschaftlicher Neugier. Im Zentrum mit den großen und kleinen Shopping-Tempeln drängelte sich niemand durchs Gewühl, der nicht einen Einkaufssack mit sich schleppte. Die Gesichter der Touristen strahlten begeistert über diese perfekte Verdinglichung der Existenz.
In der Verbrechensstatistik Europas hatte sich Amsterdam in den letzten Jahrzehnten auf Platz drei vorgearbeitet und behauptete sich recht gut als ökonomische Metropole. Nachdem die Amsterdamer Bosse Klaas Bruinsma und Willem Holleeder erschossen oder aus dem Verkehr gezogen worden waren, hatte sich die Schattenwirtschaft internationalisiert. Ganz vorne dabei waren serbische Killer und die unvermeidbaren Triaden, die schon in den 1970ern ihre Machtkämpfe ausgetragen und ihre Claims abgesteckt hatten.
Sie bogen in eine weniger belebte Seitenstraße ab und verließen den Trampelpfad des Tourismus. Gleich um die Ecke des Rembrandsplein mit seinen Cafés und Geschäften lag die Paardenstraat, zugemüllt und nach Pisse stinkend.

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Bart war ein hagerer Bursche in einem zerknitterten Anzug. Er hatte ein angstvolles Lächeln, das nie stehen blieb und über sein Gesicht zuckte. Seine Höflichkeit war immer eine Spur zu eifrig und zeigte seine Unsicherheit. Der typische Laufbursche. Von allen gemocht und bis zu einem gewissen Punkt akzeptiert und ins Vertrauen gezogen. Einer der es nie bis hinter die Türen schafft, wo die wichtigen Leute sich ihren Mist ausdenken und planen.
„Wie sind Sie ins Milieu gekommen?“
Bart grinste unsicher und rieb sich das Ohrläppchen. „Sie werden es nicht glauben. Ich war Gefängniswärter. Für ein paar Gulden besorgte ich den Häftlingen, was sie gerade brauchten. Ich musste Geld verdienen. Meine Frau war schwer krank und konnte nicht mehr dazu verdienen. Aber wir hatten uns an einen gewissen Luxus gewöhnt. Naja, ich verdiente mir jedenfalls das Vertrauen von ein paar harten Jungs. Als ich aufflog, haben sie mich rausgeschmissen. Was kann ein gelernter Schließer aus dem Staatsdienst noch machen? Nicht mal eine Security-Firma wollte mich… Die hatten Angst, dass ich vielleicht einen Inside-Job machen könnte. Meine Frau verließ mich für den nächsten besten mit einer dicken Börse. Also rutschte ich ins Geschäft.“
„Spitzeldienste?“
„Oh, nein. Sie werden das auch nicht glauben, aber ich bin irgendwie doch eine ehrliche Haut. Deswegen werde ich auch akzeptiert. Denn für gefährliche Jobs fehlt mir der Mut. Die Bullen sind zwar an mich heran getreten, aber ich habe sie abblitzen lassen. Ich habe keine Nerven für ein Doppelspiel.“
„Ich kenne Jungs aus dem Milieu, die würden Pädophile oder Snuff-Händler töten.“
„Amsterdam ist anders. Bei uns Holländern geht es erst ums Geschäft und dann um die Moral. Wir sind echte Calvinisten. Und wir sind ja so tolerant. Niemand darf einem Individuum vorschreiben, wie er sexuell zu ticken hat. Nur deswegen konnte die Pädophilenszene in den achtziger Jahren hier zum Big Business werden.“
„Wieso gibt es da so starke Überschneidungen zur Snuff-Szene?“
„Leute, die gerne Kinder ficken, wollen überlegen sein, Macht ausüben. Vom ficken zum quälen ist es dann nur ein kleiner Schritt. Ein kleines Kind zu ficken ist schon Folter. Jemanden das Leben zu nehmen ist doch die höchste Form der Macht. Die sollen erzählen, was sie wollen. Das sind alles perverse Sadisten. Und die Brutalsten gehen nicht n ur ihren Neigungen nach. Sie machen ein Riesengeschäft daraus. Lassen sich für ihren Spaß bezahlen.“
.themusicbox[1] Bart deutete auf eine dunkle Bar in Haus Nr.15. „Aus der guten alten Zeit, den 1990ern, in denen Warwick Spinks und seine kriminellen Pädo-Freunde hier ihr Unwesen trieben, sind noch die beiden Treffs Festival Cafe und Music Box in Nr.9 übrig geblieben. Nach wie vor sind osteuropäische Knaben im Angebot und jugendliche Stricher aus ganz Europa lauern auf Freier. Die letzten Überbleibsel als Spinks und seine britischen Gesellen in den 1980ern hier eine pädophile Kolonie gründeten, die auch Snuff-Filme herstellte und vertrieb.“
„Ein netter Schaufensterbummel. Dieser Spinks war so was wie ein Pionier der Szene?“
„Könnte man sagen. In England hatte er Filialen, über die er die Videos vertrieb. Eine ganz üble Ratte. Ich hatte ungern mit ihm zu tun, aber…“
„Jajaja. Ich weiß schon: Das liebe Geld. Erzählen Sie mir was über ihn.“

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„Spinks fuhr gerne in der Begleitung von Knaben aus seinen Klubs nach Berlin. Berlin war eine zentrale Anlaufstelle für Jugendliche aus Osteuropa. Außerdem war es die erste westliche Stadt, die von den Ostblock-Gangs nach dem Mauerfall unter Kontrolle gebracht wurde. Sie sollten dort die Minderjährigen überzeugen, dass auf sie in Amsterdam das Paradies wartet. Das Paradies bestand selbstverständlich aus Cash und Drogen. Für jeden neuen Rekruten bekam man einen Finderlohn. Als Spinks einem Schlepper nur in Kokain auszahlen wollte, wurde der sauer. Er packte Spinksam Kragen und knallte ihn gegen einen Automaten. Sofort griff Spinks Clubwächter ein, packte den Jungen und schmiss ihn durch das Fenster im 1.Stock auf die schmierige Spruitstraat, wo er mit einem gebrochenen Bein liegen blieb. Damals, so schätzte sogar die holländische Polizei, waren in Amsterdam etwa 250 Personen in die Herstellung von Kinderpornographie verwickelt. Die Verknüpfungen gingen bis Frankreich und Belgien…“
„Nihoul?“
„Ganz recht. Es gab enge Beziehungen zu Dutroux und den ganzen Klüngel um Nihoul. In diesen Kreisen endet nichts an Grenzen.“
„Und die Bullen haben gepennt, weil die Politiker nichts davon hören wollten.“
„Politiker gehören schließlich auch zu den Kunden. Besonders in Brüssel und London. Die holländische Polizei gehört zu den uneffektivsten der Welt. Nach Dutroux sind sie ein bisschen wacher geworden. Aber Sexualdelikte interessieren sie nicht. Besonders nicht, wenn es um osteuropäische Kinder geht, die sowieso keine Lobby haben. Sie sind für sie nichts anderes als das was sie sind: Dreck für die Strasse. Sie kümmern sich lieber um Einbrüche und Autodiebstähle. Denn da geht es schließlich um echte Werte. Ein Auto ist doch mehr wert als zehn vergewaltigte und aufgeschlitzte Zigeunerkinder. Auch können sie nicht einfach wie wir über jede Grenze um Geschäfte zu machen. Sie müssen erstmal im jeweiligen Land um Amtshilfe nachkommen. Die Politik hat da ganz klar Prioritäten gesetzt. Kampf gegen Rauschgift. Das hat Priorität und ist ein Milliardengeschäft an dem viele Arbeitsplätze hängen…“
„Ineffektiv und absolut sinnlos. Aber es sorgt für hohe Profitraten und hohe Endverbraucherpreise.“
„In unserer schönen perversen Welt hat das eben absoluten Vorrang und pumpt viel Geld rein. Was sind schon Menschenhandel und tote Kinder im vergleich zum bösen Marihuana?“
„Weiter mit Spinks.“
„Sein Haus war eine Honigfalle für Jungen, ausgestattet mit Spielautomaten, Videofilmen und jede Menge Alkohol und Drogen. Wer nicht mitmachte, wurde einfach vergewaltigt. Einige Jungen machte er heroinsüchtig. Ältere Männer kamen und gingen und benutzten die Minderjährigen für jede Perversion, die ihnen Freude bereitete.
Einmal kam ein 13jähriger zu Spinks und fragte ihn nach Haschisch. Der kleine Idiot. Spinks gab ihm Heroin. Später vermiete er ihn auf den einschlägigen Klappen.“
„Warum hauen die Jungs nicht ab, wenn sie können?“
„Wohin denn? Meistens sind es Ausreißer oder sie wurden verkauft. Dann sind sie süchtig und tun letztlich alles für Drogen.“
„Sie sterben früh.“
„So oder so. Ich habe leider ein paar Filme zu sehen bekommen, die es ja nicht gibt. In einem sah man einen zwölfjährigen Knaben vergewaltigt und mit Nadeln attackiert, bevor er von seinem Peiniger kastriert und anschließend mit dem Messer aufgeschlitzt wurde. Ein anderer war garantiert von Spinks selber gedreht. Es war an Bord seines Hausbootes. Ich habe ein paar Tassen wieder erkannt, die da rum standen. Der Ton hatte das Schlagen der Wellen gegen den Bootsrumpf registriert. Der Junge zuckte verzweifelt mit dem Kopf als er oral zu Tode vergewaltigt wurde. Über dem Klatschen des Wassers hörte man das verzweifelt Gurgeln des Jungen und das befriedigte Grunzen des Mannes.“
Gill stöhnte innerlich auf. Weder Polizei noch Politik waren wirklich gewillt, diesen Schweinestall auszumisten. Und wie man wusste, wurden die Opfer häufig selber zu Tätern. Das konnte sich über Generationen in die zu Zukunft fortsetzen. Dieses Leben formte diese Kinder, die dann später das leben formten.
„Was ist aus Spinks geworden?“
„Als ihm der Boden hier und in England zu heiß wurde, ging er nach Prag. Eine Menge Pädophiler sind damals nach Prag oder in andere osteuropäische Städte gegangen, weil sie im dortigen Chaos gut untertauchen konnten und weiterhin ihren Geschäften und Neigungen nachgehen konnten. Spinks organisierte Urlaubsreisen für Kinderficker. Ging jahrelang. Dann kam ihm ein englischer Journalist und die Leute von CEOP auf die Spur…“
„CEOP?“
„Child Exploitation and Online Protection Centre. Die Prager Polizei wollte ihn verhaften. Er bekam einen Wink und floh nach England, wo die Bullen ihn in Heathrow gleich hops nahmen. Nach fünfzehn Jahren! Der Kerl schaffte es, trotz internationalen Haftbefehl fünfzehn Jahre auf freien Fuß zu bleiben. Bis November 2012. Erstaunliche Leistung, oder?“
„Jedenfalls hat man ihn jetzt aus dem Verkehr gezogen.“
Bart blieb stehen und sah Gill verwundert an. „Nur um die achtzehn Monate seiner englischen Reststrafe abzusitzen. In Prag hätte ihn eine neue Anklage erwartet. Spinks wusste genau, warum er sich nach England absetzte.“
„Jeder Bankräuber wird härter bestraft als ein pädophiler Mörder. Aber ich bin nicht auf der Suche nach pädophilen Snuff-Killern, ich muss an den heran kommen, der die CD vertrieben oder vielleicht sogar gemacht hat, die Sie Concretes Mann besorgt haben.“
Sie setzten sich auf die Korbstühle eines Straßencafés. Bart bestellte einen jonge Genever, Gill ein Hero Cassis. „Bis vor ein paar Jahren hatte Spinks sein Hauptquartier in der Pinocchio Bar in Prag. Dort besuchte ihn häufig sein alter Freund, der Staatssekretär des Justizministeriums Joris Dennink. Dennink war der, der die ganze Szene in Holland geschützt hat und war sogar Thema eines US-Kongreßausschusses wegen Kindesmissbrauchs und Menschenhandels. Spinks war das Bindeglied zu Marc Dutroux. Er kümmerte sich um die Knaben und Dutroux um kleine Mädchen im Netzwerk.“
„Dennink wurde Ende 2012 in die Rente geschickt.“

„Aber es gibt noch immer reichlich Ärger. Es gibt Demonstrationen für seine Verhaftung und es tauchen immer neue Anschuldigungen und Beweise gegen ihn auf. Er hat tatsächlich seinen Dienstwagen benutzt, wenn er in Prag ins Pinocchio fuhr. Merkwürdigerweise ist Denninks Chauffeur, Mijnher Mosterd, 2004 plötzlich und unerwartet verstorben.“
„Erpressung?“
„Wohl nicht. Er konnte es nicht mehr ertragen, was Dennink so auf dem Rücksitz trieb und hat auch sonst eine Menge mitgekriegt. Vielleicht auch, wie Dennink dabei war, als Spinks 2003 einen Kinderporno drehte, bei dem der kleine Junge starb…“
„Ein weiterer Snuff-Film…“
„Der Junge wurde mit einem Dildo zu Tode penetriert.“
Gill bestellte sich nun einen doppelten Genever. Er schmeckte beschissen.
„Das geht weit hinauf, wie in Belgien. Die türkische Regierung hat mit Dennink regelmäßig die niederländische Regierung erpresst. Die türkische Polizei hat Dennink bei seinen Istanbulbesuchen mit Knaben versorgt. Zwei von ihnen wollen jetzt in Holland gegen Dennink prozessieren…“
„Warum erpresst? Was wollen denn die Türken von den Holländern?“
„Zum Beispiel die Verhaftungen von kurdischen Exilanten. Prominentestes Beispiel war der kurdische Geschäftsmann Baybasin, der auch gegen Dennink geklagt hat. Es gab eine menge parlamentarische Anfragen und Klagen gegen ihn. Aber alle wurden niedergeschlagen und unter den Teppich gekehrt. Dieses Netzwerk ist seit dreißig Jahren aktiv und könnte ohne Mittäterschaft von ganz oben in ganz Europa nicht existieren.“
„Das hat man seit Dutroux vermutet.“
„Von wem haben Sie den Porno für Concrete?“
„Von Elsie de Harpyie. Concretes Agent wollte etwas ausgefallenes, nicht den üblichen Kinder-Snuff. Die Harpyie kann alles besorgen, was irgendwo auf der Welt existiert. Für den richtigen Preis. Und Geld spielt bekanntlich für diese Leute keine Rolle.“ Bedauern und nicht Neid lag in Barts Stimme. „Ich habe ein paar Tausender rübergereicht und die DVD zwei Tage später abgeholt.“
„Ein paar Tausender?“
„Exklusive meiner Provision.“
„Wie komme ich an… Elsie ran. Können sie mich einführen?“
„Nicht, wenn Sie verbrannte Erde hinterlassen. Das könnte mich töten – oder schlimmer: aus dem Geschäft bringen.“
„Keine Sorge. Es geht nur darum, ein Geschäft zu machen“, log Gill.
„Geld. Mit Geld kann ich Sie überall reinbringen.“
„Was wäre ein betrag, der diese Harpyie zum zwitschern bringen würde?“
„Elsie ist gut im Geschäft… Aber er stammt aus kleinen Verhältnissen. Ab 50.000 würde die Gier ihn beherrschen. Darunter neigt er zur Vorsicht. Er macht schließlich selber so um die 100.000 in guten Monaten. Das nehme ich jedenfalls an. Ich führe nicht seine Bücher.“
Gill stand auf und ging ein paar Schritte vom Café weg. Er rief Jacqueline Keogh an um das Geld zu besorgen. Sie sagte ihm, er könne das Geld jederzeit bei der Rabo Bank-Filliale am Dam 16 abholen. Auch mehr als er jetzt brauchte. Geld war bekanntlich kein Problem.
Gill ging zu Bart zurück. „Sie bringen mich rein, dann können Sie verschwinden. Den Rest erledige ich alleine.“

aus: http://politikforen.net/archive/index.php/t-131442.html
HPF > Politische Foren > GG / Bürgerrechte / §§ / Recht und Gesetz > Polizist ermittelt über Pädosatanismus. Spurlos verschwunden.

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PDA

Vollständige Version anzeigen : Polizist ermittelt über Pädosatanismus. Spurlos verschwunden.

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Brutus

05.10.2012, 10:47

Stan Maillaud, ein in Frankreich vergleichsweise bekannter Ermittler in Sachen Pädosatanismus der Eliten, also Kinder sowohl vergewaltigen als sadistisch schlachten, ist seit wenigen Tagen spurlos verschwunden.

Die Leserkommentare bei Alain Soral fürchten um sein Leben, sie vermuten, es werde ihm möglicherweise gehen wie seinem Kollegen Christian Jambert, der ebenfalls über pädosatanistische Netzwerke ermittelte und 1997 mit zwei Kugeln im Kopf tot aufgefunden wurde. Natürlich Selbstmord, sagen die Behörden.

Beim Lesen der Web-Beiträge oder Abhören der Videos von Égalité et Reconciliation fällt auf, daß sowohl Alain Soral als die Kommentatoren in regelrecht stereotyper Prägung vom *Pädosatanismus der Eliten* sprechen.

Wer immer noch meint, solche Ansichten würden höchstens von Verschwörungsidioten vertreten, aber doch nicht von demokratisch-rationalen Bürgern, sollte die Vorkommnisse um Stan Maillaud endlich zum Anlaß nehmen, im Web oder anhand von Büchern Recherchen anzustellen.

Unter den Stichworten Sachsenumpf und Dönermorde wird er vieles finden, was sowohl bei deutschen als auch französischen Kriminalfällen eine wesentliche Rolle spielt.

Stan Maillaud:
http://www.egaliteetreconciliation.fr/Disparition-de-Stan-Maillaud-14180.html

Christian Jambert:
http://www.egaliteetreconciliation.fr/Qui-a-tue-le-Gendarme-Jambert-13276.html

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pw75

05.10.2012, 10:59

Die Leserkommentare bei Alain Soral fürchten um sein Leben, sie vermuten, es werde ihm möglicherweise gehen wie seinem Kollegen Christian Jambert, der ebenfalls über pädosatanistische Netzwerke ermittelte und 1997 mit zwei Kugeln im Kopf tot aufgefunden wurde. Natürlich Selbstmord, sagen die Behörden.

Selbstmord?! mit 2 Kugeln im Kopf?! :haha:

Christian Jambert:
http://www.egaliteetreconciliation.fr/Qui-a-tue-le-Gendarme-Jambert-13276.html

Als Büchsenmacher habe ich schon oft mit Schußwaffen-Suiziden technisch zu tun gehabt: Daß sich ein Selbstmörder aber 2 Schuß in den Brezel setzt, konnte ich bisher nicht bestätigen: wenn sich ein Selbstmörder in den Schädel schießt, verletzt er in der Regel das Stammhirn und dann kann man keinen zweiten Schuß abfeuern, weil das vegetative Nervensystem diesen Befehl nicht mehr übermitteln kann.

Zwei Kopfschüsse sind fast 100%ig Mord, selbst wenn sie aus der selben Waffe stammen…

Mit ballistischem Gruß,

KuK



THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: KINO DER BLICKE von HANS GERHOLD by Martin Compart

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Ja, ich weiß: dies ist ein Sachbuch und kein Roman. Und? Ich kenne fiktionale Thriller, die sind stinklangweilig, und ich kenne Sachbücher, die man nicht mehr aus der Hand legen kann und Angst vor der letzten Seite hat. Hans Gerholds Geschichte des französischen Kriminalfilms gehört zu letzteren. Es ist eines der fünf besten Film-Bücher, die ich je gelesen habe – vielleicht das aufregendste. Gerhold hat leider nur wenige Bücher geschrieben (darunter das wohl schönste Buch über Woody Allen ), schreibt regelmäßig Kritiken (die „Westfälischen Nachrichten“ sollte man schon seinetwegen abonnieren), Beiträge in Anthologien und hält Vorlesungen. Aber es sind zu wenige für die kleine, aber anspruchsvolle Gemeinde seiner Fans. Wäre die deutsche Journaille weniger verkommen, würde man ihn abfeiern wie die Amerikaner ihren David Thomas. Wir haben ja zum Glück einige gute Filmkritiker, aber Gerhold ist ganz klar die Nummer Eins. Kein anderer schreibt so unterhaltsam und gleichzeitig analytisch wie er.

39ccb7b09cGerhold, der ganz richtig einen offenen Gattungsbegriff als Ansatz wählt, hat mit KINO DER BLICKE nicht nur die beste historische Entwicklung des Sujets geschrieben, sondern auch eine sozio-kulturelle Geschichte Frankreichs: „…dass die wichtigsten Beispiele des polar stets auch typische Produktionen gewesen sind, die soziale Veränderungen und Entwicklungen transparent machen und, bei aller Relativierung, Zeitdokumente sind“. Wie brillant er als Theoretiker und Rhetoriker ist, zeigt schon die Titelwahl der Einführung, in der er seine Vorgehensweise verdeutlicht: „Wahl der Waffen“. Um dieses Buch beneiden uns die Franzosen, denn nicht einmal sie haben ein intelligenteres und spannenderes zum Thema. Gerhold berücksichtigt natürlich auch die literarischen Einflüsse und nennt Autoren, die viel zu oft nicht gewürdigt werden – jedenfalls im kulturell verspäteten Deutschland (etwa Alphonse Boudard). Es sind die vielen unterschiedlichen Ebenen, die dieses Buch zum Musterbeispiel der Filmtheorie machen.

Das Buch ist von 1989 (Fischer Taschenbuch) und seitdem nicht mehr (aktualisiert) aufgelegt worden – ein weiteres Indiz für den erbärmlichen Zustand der Verlage, die bei uns Filmliteratur im wahrsten Sinne des Wortes „verlegen“. Es zeigt wohl, wie genügsam sie bei geistiger Nahrung sind in einer Ära reduzierter Erwartungen.

45637091Ich kenne Gerholds Schreibe seit dem legendären Hanser-Buch über Melville (1982). Es war neben Nogueiras Interviewband mit dem Meister Quell und Inspiration für andauernde Diskussionen zwischen Jörg Fauser und mir. Fauser war ebenfalls ein Afficionado des französischen Gangsterfilms und wir sahen uns jeden an, den wir nur zu sehen bekommen konnten (bei LE CHOC, nach Manchette, haben wir damals brüllend vor Wut das Kino verlassen als Catherine Deneuve ihren ersten Auftritt hatte, in Gummistiefeln Gänse fütternd). Sätze wie „wie Gerhold richtig bemerkte“, fielen fast an jedem Tresen, den Jörg und ich bei unseren alkoholisierten Reisen durch die Nacht adelten.
Ich habe Hans erst Ende der 1990er Jahre kennen gelernt: Wir waren beide Juroren in einer Jury des Grimme-Preises (nicht um Auszeichnungswürdiges zu finden, sonder um das Schlimmste zu verhindern). Ich hatte schweißnasse Hände vor der ersten Begegnung, wie man sie nur hat, wenn man nach Jahren der Bewunderung einem Idol wie Mick Jagger oder Hunter S.Thompson gegenüber tritt. Durch permanentes Nerven gelang es mir sogar, ihn zur Mitarbeit an meinen Noir-Readern zu nötigen.

Zum Glück kann man KINO DER BLICKE noch antiquarisch auftreiben. Ich selbst habe drei Ausgaben: eine zerlesene, mit Unterstreichungen misshandelte Loseblattsammlung, eine zur wiederholten Lektüre (man findet immer wieder neues) und ein jungfräuliches Exemplar für alle Fälle. Aber es ist schon verdammt ärgerlich, dass dieses Buch nicht – wie gesagt: aktualisiert – als fett bebildeter, großformatiger Luxusband neu aufgelegt wird. Wo bleibt eigentlich der Taschen-Verlag, wenn man ihn braucht?