Martin Compart


ARROGANZ ODER Demokratieverachtung by Martin Compart

Ein zwergenwüchsiges Katastrophenhuhn, das dem Steuerzahler Millionen für geistig behinderte Berater berechnet.



MEYER LANSKY – DER PIONIER DES ORGANISIERTEN VERBRECHENS by Martin Compart

Als FBI-Agenten Mitte der 80er Jahre eine Razzia in der Zentrale der Mafia-Familie Lucchese durchführten, entdeckten sie zwei Fotos an der Wand: eines von Al Capone und eines von Meyer Lansky, allgemein immer als „Buchhalter der Mafia“ verkannt.
Zwei Ikonen des Organisierten Verbrechens, die zwei entscheidende Aspekte verkörpern: Capone steht für den brutalen Aufstieg des Mobs durch Gewalt und Korruption; Lansky für das Festsetzen in der Gesellschaft durch die Umwandlung illegal erwirtschafteten Kapitals in legale Geschäfte.

Heute wissen wir, wer der staatsgefährdendere war. Angesichts der Milliarden Drogengelder die jährlich gewaschen werden und als legales Kapital in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen, kann man auch bei uns von einer großformatigen Unterwanderung der Volkswirtschaft durch das Organisierte Verbrechen sprechen. Um so wichtiger ist die Aufklärung über diesen Bereich, der lange von deutschen Verlagen, im Gegensatz zu angelsächsischen, sträflich vernachlässigt wurde.

Die vorliegende, bereits 1992 im Lübbe Verlag erschiene Biographie über den intelligentesten Mobster seiner Generation gibt Einblick, wie die amerikanische Gesellschaft durch das Organisierte Verbrechen unterwandert wurde und wie der Aufstieg des Mobs zum Wirtschaftsfaktor erst durch die unselige Prohibition möglich wurde. Angesichts der idiotischen Drogenpolitik ist es schwer verständlich, wie wenig doch Politiker aus der Geschichte lernen. Da bleibt dann nur der Schluss, dass die Vernetzung zwischen illegalen und legalen Geschäften zwei Seiten derselben Münze sind, die Kapitalismus heißt.

Meyer Lansky wurde um 1902 in dem Grenzstädtchen Grodno geboren. Eine der wenigen osteuropäischen Gemeinden, in denen sich die Juden mit Gewalt gegen die Pogrome von 1906 wehrten und somit dafür sorgten, dass sie vor den schlimmsten Ausschreitungen des Antisemitismus verschont blieben.

1911 wanderte die Familie nach New York aus und siedelte sich im jüdischen Viertel der Lower East Side an, eingeklemmt zwischen irischen und italienischen Reservaten. Die früher eingewanderten Iren, die die Großmacht der korrupten New Yorker Polizei stellten, fühlten sich Italienern und Juden überlegen und förderten zusammen mit Politikern die Ghettoisierung dieser Gruppen.
Bandenkriminalität war von Anfang an ein Problem, aber Anfang des Jahrhunderts bekam sie eine neue Qualität: Arnold Rothstein, „das Gehirn“ genannt, merkte schnell, daß die Organisation von Glücksspielen weitaus lukrativer als das Spielen selbst war. Er war der erste Gangster, der das Verbrechen als Geschäft betrieb. Scott Fitzgerald verewigte ihn als Meyer Wolfsheim im „Grossen Gatsby“.

Der junge Lansky entdeckte früh das Glücksspiel, das an jeder Ecke der Slumstraßen auf naive Narren wartete. Als hervorragender Schüler, der drei Klassen übersprang bevor er eine Mechanikerlehre antreten musste, hatte er schnell seine außergewöhnliche Fähigkeit mit Zahlen umzugehen erkannt. Nach einem Spielverlust durchschaute er das System: „Einen Spieler der Glück hat, gibt es einfach nicht. Es gibt nur Gewinner und Verlierer. Die Gewinner sind diejenigen, die das Spiel kontrollieren.

Noch als Jugendlicher freundete er sich mit Bugsy Siegel, den er vor einem unnötig riskanten Mord bewahrte, und Lucky Luciano an. Mit Beiden sollte ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden und Lansky galt als der einzige, der mit dem notorisch mörderischen Siegel umgehen konnte.

Als 1920 die Prohibition in Kraft trat, knallten bei den Gangsterbanden der USA die Sektkorken. Indem man den Alkohol in die Illegalität abdrängte, gab man den Gangstern quasi eine Lizenz zum Gelddrucken. „Denn die Profite aus diesem gewinnträchtigen und nun illegalen Sektor der Volkswirtschaft schufen gewaltige Vermögen, durch die Polizisten, Richter und Staatsbeamte nur allzuleicht in Versuchung geführt wurden“.
Durch die Prohibition gelang es dem Organisierten Verbrechen von den Rändern der Gesellschaft mitten in ihr Zentrum vorzudringen. Je mehr Kapital „erwirtschaftet“ wurde, um so höher waren die Möglichkeiten zur Reinvestition. Natürlich kam es zwischen den immer gieriger werdenden Bossen zu Gebietskämpfen und blutigen Rivalitäten. Aber Lansky und Freund Siegel blieben davon verschont, denn Meyer, der glaubwürdig behauptete „kein Geld hatte Gewalt über mich „, galt als ehrlich. Das war seine größte Stärke im Königreich der Betrüger und Opportunisten. Er sah alles geschäftsmäßig: „Schießereien und Morde waren eine sehr unrentable Geschäftsmethode. Ford-Vertreter erschossen Chevrolet-Vertreter nicht, sondern versuchten, sie durch ihre besseren Angebote auszuschalten.“

Der Aufstieg des Organisierten Verbrechens wäre ohne das Alkoholverbot nicht möglich gewesen. Es war eine kurzsichtige Aktion von Politikern, deren Wertvorstellungen mit den Bedürfnissen seiner Bürger nicht mehr im Einklang waren. Etwas, dass immer den kontrollierten Normenverstoß als Geschäft nach sich zieht. Wenn sich die staatliche Kontrolle aus einem wirtschaftlichen Bereich zurück zieht, werden dem Organisierten Verbrechen alle Profite zugestanden, die einer unverzeihlichen Schwächung des öffentlichen Einkommens mit sich bringt.

Das Ende der Prohibition ließ die Gangs zwar mit riesigen Vermögen zurück, aber auch eines lukrativen Geschäftszweiges verlustig. Viele vertrieben nun offiziell Alkohol. Lanskys Freund Luciano warf sich auf den noch lukrativeren Rauschgifthandel. Davon wollte Lansky nichts wissen. Zeit seines Lebens ließ er die Finger vom Rauschgifthandel.

Er wandte sich verstärkt seiner ersten großen Liebe zu: dem Glücksspiel. Im 2.Weltkrieg bat der Marinegeheimdienst Lansky um Hilfe; zuvor hatte Lansky schon durch Gangster Nazi-Versammlungen sprengen lassen. Der ließ sich nicht lange bitten und setzte aus Patriotismus seine Unterweltkontakte gegen deutsche Spione und Saboteure ein.
Er stellte auch den Kontakt zu Luciano her, der wie bekannt, alles mögliche für eine erfolgreiche Invasion Siziliens durch die Alliierten einleitete.

Nach dem Krieg dankte es Meyer niemand und er meinte nur lakonisch: „Ich bin nie der Meinung gewesen, dass ein Jude Dank erwarten sollte, wenn er sich für die jüdischen Interessen einsetzt.“ Und als sich Frank Costello einmal darüber beklagte, dass sie als Gangster eingestuft wurden, meinte Lansky: „Keine Sorge, keine Sorge. Sieh dir die geschichtliche Entwicklung an: die Astors und die Vanderbilts, all diese Leute aus der großen Gesellschaft, das waren die schlimmsten Diebe; und nun guck sie dir heute an…Es ist alles nur eine Frage der Zeit.“

1982 stand Lansky auf der Forbes-Liste der reichsten Amerikaner mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar an achter Stelle, vor den erwähnten Familien. Lansky intensivierte seine Bemühungen im Glücksspiel. Kleinere Ortschaften wurden völlig korrumpiert und ihr Wohlstand von den Spielkasinos abhängig gemacht.

Auf das Drängen des kubanischen Diktators Batista nahm sich Meyer Lansky auch der Insel an und modelte sie zu dem Spielerparadies schlechthin um. Mit seinen anderen Geschäften, wie den Vertrieb von Fernsehern an Bars, hatte er dafür weniger Glück. Aber „Ende der 40er Jahre regte sich in vielen Ecken Amerikas, wo das Glücksspiel bisher ungehindert floriert hatte, allgemeine Unmut. Eine Freizügigkeit, die in den Nachwehen der Prohibition und der Depression sowie im allgemeinen Überschwang der ersten Nachkriegsjahre weithin toleriert worden war, wurde von einer Gesellschaft, die auf moralisch rigide Eisenhower-Ära zusteuerte, als nicht mehr akzeptabel angesehen.“ Die Öffentlichkeit begann die Mobster zu jagen.

Durch den Ausschuss von Senator Kefauver wurde nun allgemein bekannt, wer in den Grauzonen der Gesellschaft die Finger am Drücker hatte. Lansky konnte sich allen Versuchen entziehen, als Boss des Organisierten Verbrechens verurteilt zu werden. Hoover und sein FBI verfolgten ihn angeblich und schreckten auch nicht davor zurück, Zeugen zu Falschaussagen zu verleiten. Es nützte nichts: Lansky war zu clever, weil „er niemals der Größte sein wollte“ und seine Steuern pünktlich zahlte.

Seine Bemühungen nach Israel auszuwandern wurden durch den Druck der amerikanischen Behörden zunichte gemacht. So lebte er bis zu seinem Tod 1983 in Miami ein unauffälliges Rentnerleben.

Biograph Lacey folgt mit Akribie den Spuren dieses eher unauffälligen Mannes und gewährt tiefe Einblicke in die ganze Bigotterie der US-Gesellschaft. Der Bastei-Lübbe Verlag hatte sich schon mit der Biographie über den Chicagoer Mobster Giancana Lorbeeren eingeheimst. Ende der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre hatte der Verlag ein starkes True-Crime-Segment, dass wohl aus der vom damaligen Bastei-Verlagsleiter Rolf Schmitz hervorgegangenen „True Crime“-Taschenbuchreihe hervorgegangen war. Da gibt es noch ein paar Schätze zu heben!
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Robert Lacey: Meyer Lansky.Der Gangster und sein Amerika. Gustav Lübbe Verlag, 1993; 607 Seiten.



EL CHAPO: Die 3.Welt kommt zu dir by Martin Compart
18. Januar 2019, 2:35 pm
Filed under: El Chapo, ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, Politik & Geschichte, Rauschgift, TV-Serien | Schlagwörter: ,

Die von der spanischen Produktionsfirma Univision Studios für Netflix produzierte Serie EL CHAPO erzählt die beeindruckende Lebensgeschichte des neben Pablo Escobar populärsten Großhändlers für Freizeit-Pharmazeutika.

Die bisherigen drei Staffeln (2017-18) wurden von Silvana Aguirre,und Carlos Contreras entwickelt und geschrieben.

Erinnert sich noch jemand an Ricardo Tubbs weise Worte in MIAMI VICE? „Du brauchst nicht in die 3.Welt gehen, Sonny – sie kommt zu dir.“
Genauso ist es mit der TV-Serie EL CHAPO (drei Staffeln): Sie bringt dir die dritte Welt ins Fernsehzimmer.

Es fängt alles ein bisschen anstrengend und harmlos an. Etwas gereizt zieht man Vergleiche mit der glatteren US-Produktion NARCOS (die man ebenfalls nur empfehlen kann!). Es braucht drei oder vier Folgen, um in diese hoffnungslose Welt einzutauchen um dann in ihr fasziniert abzutauchen. Sie müssen erst den Rhythmus finden. Die Serie wird von Folge zu Folge intensiver.
Die Gefängnisszenen in den drei letzten Folgen der ersten Staffel sind von einer Intensität, und vor allem auch psychischen Brutalität, wie man es noch nie gesehen hat.
Gedreht ist sie in einem banalen Realismus, der jederzeit mögliche Gewaltausbrüche als Selbstverständlichkeit impliziert.
Für die Schauspieler lässt sich kein schlechtes Wort finden. Wahrscheinlich haben drei Staffeln EL CHAPO soviel gekostet, wie fünf Folgen NARCOS. Das sieht man. Zu ihrem Vorteil, denn NARCOS wirkt dagegen wie ein übliches geleckte Hollywood-Projekt für gelangweilte Gymnasiasten aus gutem Haus.
Die Serie macht ganz klar: In dieser 3.Welt gibt es nur Täter und Opfer. Dazwischen ist kaum Platz für Alternativen. Man muss sich für eine Seite entscheiden.

„Wir werden den Drogenhandel nicht ausrotten können, Herr Präsident. Aber wir können ihn kontrollieren, indem wir mit dem dicksten Fisch zusammenarbeiten, der die anderen frisst.“

Der mexikanische Kriminalschriftsteller Paco Taibo II sagte mir mal: „Ihr Europäer jammert darüber, dass die Mafia so mächtig ist, dass sie den Staat bedroht. Bei mir zuhause ist der Staat die Mafia.“

In der 2.Season zeigt eine Folge, was der angebliche Krieg gegen die Drogen-Mafias mit der Bevölkerung macht. Deprimierender geht es kaum! Danach weiß man, das keine Mauer die aufhalten wird, die diesem Inferno entkommen wollen. Da würde ich lieber mit einem Schlauchboot den Atlantik zu überqueren versuchen. Und explodiert ist alles mit Bill Clintons NAFTA-Abkommen, dass korrupten Politikern, Drogen-Kartellen und US-Konzernen immensen Reichtum bescherte, während die Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes zu Mindestlohn-Sklaven herab gewürdigt werden.

Keine Serien für schwache Mägen. Eines wird uns Marzipanpüppchen durch die Serie deutlich: In der 3.Welt mag keiner von uns leben. Gebt uns die Vorteile von NAFTA (dadurch kann man kaum noch Grenzkontrollen vornehmen, denn dann müsste die marode US-Industrie ein Jahr auf Zulieferer aus Mexiko warten), und lasst die Probleme im Land. Eine Mauer schützt nicht vor den erwünschten Drogen, aber unzureichend vor ihren Opfern.

Die Gringos tauchen nur sporadisch und am Rande auf. Wenn sie unzufrieden sind. Dann maßregeln sie den mexikanischen Präsidenten in unfassbarer Arroganz und sagen ihm, was er gefälligst in ihrem Sinne zu tun habe. Das bezieht sich dann auch noch auf Guatemala, San Salvador usw. Man erkennt, wie der US-Imperialismus seit über hundert Jahren seinen Hinterhof foltert, manipuliert und ausbeutet. Das Korruptionsgeflecht, aus dem die Staaten bestehen und die keine zu bewältigende Ausnahme sind, wird in der Serie so greifbar, dass man beim Zusehen am besten ein paar Kotztüten bereit hält. Jeder Lateinamerikaner ist ein potentieller Asylant. Kein Wunder, dass Kuba als einziger Leuchtturm des Kontinents (siehe Michael Moores Film SICKO über das US-Gesundheitssystem im Vergleich zum kubanischen) von den USA seit 1960 mit psychopathischen Hass bedroht wird.

El Chapo von Malcolm Beith

Alles ist bestens recherchiert und durch einschlägige Literatur belegt. Lediglich die Namen der an Ekelhaftigkeit nicht zu überbietenden Politiker wurden aus mir unverständlichen Gründen geändert. Um sie zu entschlüsseln, empfehle ich als Begleitbuch zur Serie: EL CHAPO von Malcolm Beith, Heyne Hardcore, 2011.
Da El Chapo inzwischen an die USA ausgeliefert ist (nachdem er blöderweise dem genauso unnütz ambitionierten wie dummen Hollywood-Menschen Sean Penn ein Interview geliefert hatte, wurde sein Standort durch die SMS-Kommunikation mit Penn gepeilt und Chapo festgenommen) und sein Prozess durch die Imperialmacht läuft, bleibt es abzuwarten, ob es mal eine vierte Staffel geben wird.



DER GOLDSCHÜRFER: Anmerkungen zu NICK TOSCHES by Martin Compart

Nick Tosches ist tot. Gestorben mit 69 Jahren. Eine Würdigung von Alex Flückinger findet sich auf https://krimiautorena-z.blog/2017/03/03/tosches-nick/

Um meinen Respekt zu erweisen, hier noch einmal mein Text über den großen Tosches:

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Seit Jahrzehnten taucht Nick Tosches nach einem Wrack namens „amerikanischer Traum“.

Geortet hat er ihn im stürmischen Meer des Showbizz. Und egal, was er hebt – ob Rock’n’Roll oder Hollywood – immer klebt das Organisierte Verbrechen an dem Fund. „Als einzige unter den Nationen definiert Amerika sein Schicksal als einen Traum.“

Tosches wurde 1949 in Newark, New Jesey geboren. Sein italienischstämmiger Vater betrieb eine Bar, seine Mutter war irischer Herkunft. Mit 14 arbeitete er bereits in Bars, beendete die High School und weigerte sich trotz des väterlichen Drängens aufs College zu gehen. Deshalb musste er wieder die Schulbank drücken, um für seinen Dante-Roman Latein zu lernen, damit er die Quellen studieren konnte.
„Wo ich aufwuchs, gab es kaum Bücher, aber jede Menge Buchmacher. Als Kind stahl ich Bücher. Fünf meiner eigenen Bücher habe ich auf einer gestohlenen Schreibmaschine geschrieben. Mittelmäßige Autoren kopieren, große Autoren stehlen.

In den 60ern gehörte er nicht zur Love & Peace-Fraktion. „Meine Kumpels und ich waren voll auf Drogen. Wir schlugen Hippies nieder und raubten sie aus.“

Er stand auf Rock-Musik. Bis heute ist er besessen von früher Pop-Musik. Er stand eigentlich auf alles, was ein Spießer abartig zu nennen pflegt. Auch Literatur war immer sein Ding. „Mein MOBY DICK war Hubert Selbys LAST EXIT TO BROOKLYN. Das Buch weckte den Autor in mir, befreite und inspirierte mich. Neben Peter Matthiessen und Philip Roth gehört er zu den drei großen Gegenwartsautoren. Aber Hubert respektiere ich am meisten – als Autor und Mensch.“

Als die 60er Jahre endgültig ihre Geschäfte einstellten, verkaufte er seinen ersten Text. In New York überlebte er nur durch die täglichen Partys, auf denen er sogar feste Nahrung fand. Er schrieb für legendäre Musikmagazine wie CREEM und FUSION.

1972 ging er nach Florida und wurde Schlangenfänger. Nachdem er gebissen worden war, beschloss er selber Gift zu verspritzen und wurde ernsthafter Autor und Rock-Kritiker. Mit Richard Meltzer und Lester Bangs gehörte er zu den Noise Boys, die mit ihrer Gonzo-Schreibe den Rock-Journalismus veränderten.

Tosches war der vielseitigste und schrieb nicht nur wichtige Musikbücher, sondern auch Gedichte, Biographien (etwa über den Mafia- und Vatikanbankier Michele Sindona, in der er den Vatikan als bedeutendste Verbrecherorganisation aller Zeiten erkennt) und Romane.

Zu seinen Förderern gehörte Ed Sander, der ihn auf die Klassiker brachte. Zitate der alten Griechen und Römer finden sich oft in seinen Texten über Pop-Kultur und ermöglichen ungewöhnliche Perspektiven. In seinen Pop-Archäologien wühlt er sich durch alle kulturellen Mülltonnen und verändert den Musik-Kanon, indem er die großen Vergessenen zurückholt: In WHERE DEAD VOICES GATHER exhumiert er mit Emmett Miller den Musiker, in dem nach Tosches erstmals schwarze und weiße Musik zur modernen amerikanischen Musik verschmolzen. Dabei bleibt er natürlich immer seinem Bad Boy-Image treu: „Wir verdanken der Mafia viel. Hätten sie nicht die Discjockeys bestochen, wäre der Rock’n’Roll nie ein Erfolg geworden.“ HELLFIRE, seine Jerry Lee Lewis-Biographie, bezeichnete Greil Marcus als „amerikanischen Klassiker“.

„Dean Martin war ungefähr der letzte Typ, über den ich schreiben wollte. Bis ich mich genauer mit ihm beschäftigte – und natürlich mit den Mächten im Hintergrund: Mafia und Politik.“ Ausserdem ist Dino – was in Deutschland nicht hinreichend bekannt sein dürfte – eine der größten Pop-Ikonen überhaupt: Er schaffte etwas, was vor und nach ihm niemand geschafft hatte: sich gleichzeitig als Bühnen-, Film-, Fernseh- und Schallplattenstar durchzusetzen. In den USA haute er sogar die Beatles von der Hitparadenspitze!

Für seine brillante Boxerbiographie – „wahrscheinlich, das düsterste Buch, das ich bisher geschrieben habe.“ – gilt ähnliches. Es ist das Organisierte Verbrechen, dem Sonny Liston gehörte und das über das Leben des stärksten Mannes der Welt verfügte. Nach der Lektüre wird auch der Dümmste Boxkämpfe nicht länger als sportliche Veranstaltungen betrachten.

Papst Nick, wie er unter Eingeweihten genannt wird, ist nicht gerade der Liebling der Emanzen. In jedem Artikel positioniert er einen Machismo, der ihn den Ehrennamen „phallokratischster Rock-Kritiker“ einbrachte. Das macht ihm Spaß und ermuntert ihn zu Szenen, die jedem Porno zur Ehre gereichen würden. Sex, Rock’n’Roll – da dürfen die Drugs natürlich nicht fehlen. Die spielen immer mit. In THE LAST OPIUM DEN durchsucht Tosches Südostasien nach der letzten Opiumhöhle. Das kurze Gonzo-Buch basiert auf einem Artikel für VARIETY, Tosches Hausblatt in dem heute seine hochbezahlten Edelreportagen gedruckt werden.

In seinen Mafia-Epen, die Macchiavelli lektoriert haben könnte, gewinnt der Leichenbestatter als Einziger immer. Die Gewalt ist alltäglich, Bestandteil des Geschäftslebens. „Zivilisation ist eine alte Hure und sie wird mit jedem Tag hässlicher. Es ist die Zivilisation Kains; sie wurde auf einem Mord aufgebaut. Männer, die das Töten ablehnen, haben unsere Zivilisation einfach nicht begriffen. Die sind unzivilisiert“, heisst es in TRINITIES, dem apokalyptischen Noir-Roman, für den Tosches 250 000 Dollar Vorschuss kassierte und der vollgestopft ist mit illegalen Informationen. Und wenn es einen Roman gibt, der die TV-Serie SOPRANOS inspiriert hat, dann CAT NUMBERS. Bevölkert mit bösen, hungrigen alten Männern und ausgenutzten bösen, jungen und hungrigen Männern. Fehlt nur Dantes knochenbrechender Ugolino (Tosches Dante-Besessenheit beschert uns seinen Roman:IN THE HANDS OF DANTE). Entmythologisiert dampfen mit Kleingeld rappelnde Straßenganoven neben amoralischen Dons mit verwesten Seelen in denselben miesen Kneipen und Hinterhöfen Schulter an Schulter und lassen ihren explosiven Kräften freien Lauf. In die Hölle wird man nicht geholt, darin wird man geboren. Aber selbst in seiner Noir-Welt gibt es Lichtblicke: „Doch Gott in seiner unergründlichen Weisheit hatte die Revuetänzerin erschaffen“.

BIBLIOGRAPHIE:

COUNTRY, 1977.

HELLFIRE, 1982.
Hellfire: Die-Jerry-Lee-Lewis-Story; Ullstein, 1991.

UNSUNG HEROES OF ROCK’N’ROLL, 1984.

POWER ON EARTH, 1986.
Geschäfte mit dem Vatikan; Doemer Knaur, 1989.

CUT NUMBERS, 1988.
Kopf um Kopf; Ullstein, 1990.

DINO, 1992.
Dino. Heyne, 2002.

TRINITIES, 1994.
Die Meister des Bösen; Heyne, 1997.

CHALDEA (Gedichte), 1999.

THE DEVIL AND SONNY LISTON, 2000.
Der Teufel und Sonny Liston; Heyne, 2000.

THE NICK TOSCHES READER, 2001.

WHERE DEAD VOICES GATHER, 2001.

THE LAST OPIUM DEN, 2002.

IN THE HANDS OF DANTE, 2002.

King of the Jews, 2005

Never Trust a Loving God, Art Stock Books, 2009

Save the Last Dance for Satan, Kicks Books, 2011
Me and the Devil, Little, Brown, 2012

Johnny’s First Cigarette, Vagabonde, 2014

Under Tiberius, Little, Brown, 2015



Stammtischgegröle: STRICHJUNGE DES KAPITALS by Martin Compart

Er wird mit seinen Marktwirtschafts-Phrasen der AfD und anderen Verdrussgruppierungen weitere Wähler besorgen. Und wenn er sie selbst in die Wahlkabine spritzen muss. Die Dämlichkeit der CDU wird in ein paar Jahren die untergegangene SPD vergessen lassen.

Was man über ihn und den CDU-Steuerbetrüger Helmut Linssen, bekannt aus den Panama-Papers (und die „Geschäfte“ dieser gierigen Kobolde), wissen muss, hat FRONTAL 21 aufgeklärt:
https://www.zdf.de/politik/frontal-21/kandidat-friedrich-merz-100.html

Es sind genau solche Burschen, die in der Allgemeinheit den Glauben an Demokratie und Rechtsstaat zerstören und somit  die Erkenntnis nähren, dass sich der Staat in viele Masken der Korruption aufgelöst hat. Die geschmeidige Bosheit von Gestalten wie Merz, Schäuble, Scholz usw. bestätigt die Propagandisten des „verrotteten Parlamentarismus“.

Auf seiner Tour mit den beiden anderen Parteivorsitzkandidaten vermittelt er dem hoffnungsfrohen CDU-Plebs den Eindruck, dass er einer ist, der sich mit der Weltgeschichte geduzt hat. Ein Gnom, der Legoland überragen möchte und dessen hedonistischer Lebenshöhepunkt das Tunen einer Mofa im Sauerland war. Da verkörpert er eine Plattheit der Gesinnung, eine Banalität der Gier und eine Warenhaftigkeit des Charakters. Jeder Schritt eine Anstrengung zwischen Schlurfen und behaupteter Dynamik, die den geistig vergreisten CDU-Mitgliedern Konservativismus als Angst vor jeder Neuheit verkauft (Erderwärmung? Der Markt regelt das). Dabei strahlt er dieselbe Entschlossenheit aus wie ein unzufriedener Keiler, der bei Einbruch der Dunkelheit seine Suhle verlässt.

Eine dieser korrupten und abstoßenden Gestalten, die unser parlamentarisches Parkett so reichlich tragen muss.

 

Einen Teil seines riesigen Vermögens machte der CDU-Placebo mit anspruchsvollen Rollen als charmanter Anlagebetrüger in Hollywood:



IMMER WIEDER DUTROUX by Martin Compart
7. November 2018, 4:09 pm
Filed under: Conspiracy, Dutroux, ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, SODOM-KONTRAKT | Schlagwörter: , , ,

Heute haben es die Pädophilen-Ringe natürlich leichter: Sie bedienen sich aus der Flut von ungeschützten Flüchtlingen und müssen nicht mehr den Raub von Kindern aus den unteren Schichten westeuropäischer Staaten riskieren.

Für das Nachwort einer Neuauflage der Gill-Romane habe ich mich mal wieder mit den Unterlagen zum Fall Dutroux beschäftigt, die ich seit der Arbeit an DER SODOM KONTRAKT sammle. Dabei ist mir diese ZDF-Reportage aus 2001 „wohltuend“ aufgefallen, die ich hiermit wider des Vergessens präsentiere.

Vergessen wir nicht: Wenig wurde aufgeklärt und das MEISTE vertuscht. Wie tief in Brüssel ansässige EU-Personen verwickelt waren (das habe ich im SODOM KONTRAKT zu verdeutlichen versucht), wurde NIE thematisiert oder untersucht.

Ausgerechnet die EU mit ihren vielen Institutionen, Mitarbeitern und Parlamentariern existierte völlig unberührt von den Vorgängen, während „nur“ belgische Institutionen und Personen involviert gewesen sein sollen?

Vielleicht musste man ja so vieles vertuschen, damit die wenig beliebte EU nicht darüber auseinandergeflogen wäre oder sich die Aversionen ihr gegenüber noch mehr vertieft hätten.

https://infrakshun.wordpress.com/2014/03/10/the-eurocrats-and-marc-dutroux-i/



EIN GUTER GRUND „DIE GRÜNEN“ ZU WÄHLEN by Martin Compart

Aus Steuergeldern bezieht er eine Rente und zusätzliches in einer Höhe, die ausreicht um in einer Kleinstadt HARTZ IV zu finanzieren.

Dank diesem fetten Idioten und seinem sozialdemokratischen Kumpan Proll-Gert wurde in der Tradition von Kaiser Wilhelm und Adolf Hitler der erste deutsche Angriffskrieg (ohne UN-Mandat) nach dem 2.Weltkrieg initiiert.