Martin Compart


ACHIM REICHEL ÜBER JÖRG FAUSER by Martin Compart
15. November 2019, 1:49 pm
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Leider war EINE EWIGKEIT UNTERWEGS aber auch die letzte Platte, auf der ich mit Jörg Fauser zusammen gearbeitet habe. Mit Jörg ist mir nicht nur ein guter Freund verloren gegangen, sondern auch eine Art Lehrmeister. Von ihm lernte ich unglaublich viel über das Kreieren von Texten.

Jörg war einfach extrem inspiriert. Der sagte gern mal nach einem Gespräch: „Gib mir mal ein paar Minuten.“, und brachte in dieser Zeit den Inhalt unseres Gedankenaustausches in eine Versform, bei der jedes Wort am richtigen Platz erschien – das fand ich beeindruckend. Fauser war als Schreiber in vielen Disziplinen zu Hause, ein wahrer Meister des Wortes.

Was man aber auch über ihn wissen muss, ist, dass er einen riskanten Lebensstil pflegte. Der lebte seine eigenen Geschichten bis zum Exzess. Und die damit verbundenen Milieu-Studien waren für ihn ein Teil seiner Suche nach dem Echten, dem Wahren.
Mein Lieblings-Titel auf dem Album „In Bali“ vermittelt das in seinem Text ganz deutlich. Fauser kannte sich im Milieu aus. Über Figuren, wie sie In Bali auftauchen, kannst Du nur schreiben, wenn Du sie selber kennen gelernt hast.

Das ist denn auch eine gute Überleitung zu meiner Ost-Asien-Tour, auf der Jörg eben auch dabei war und die er für den Stern dokumentierte. Anschließend ging es dann auf Deutschland-Tour, die ich auf Grund einer Salmonellen-Vergiftung abbrechen musste. Und just, als ich aus dem Krankenhaus kam, ist Jörg betrunken vor einen LKW gelaufen und das auch noch an seinem Geburtstag. Irgendein Tod wäre für ihn wohl zu wenig gewesen – auch wenn das jetzt zynisch klingt. Ein großer Verlust.

https://www.achimreichel.de/



DER COUNTDOWN LÄUFT… by Martin Compart
11. November 2019, 4:55 pm
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Momentan mein Lieblingssong. Das Arrangement ist Weltklasse!



für Halle by Martin Compart
12. Oktober 2019, 5:11 pm
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TICKETING-GANGSTER: Berthold Seligers Analyse der Konzertindustrie by Martin Compart
19. Juni 2019, 6:19 pm
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Dass der Kapitalismus dazu strebt, Monopole zu bilden, ist nichts Neues und enttarnt die „Konkurrenzwirtschaft“ als bloße Ideologie. Wir haben in den Jahrzehnten nach dem Zusammenbruch des antikapitalistischen Druckmittels mit ansehen müssen, wie hemmungs- und skrupellos Unternehmen auf Kosten von Umwelt und Allgemeinheit unantastbare Imperien aufgebaut haben, die auch noch für die höchste Konfliktrate auf diesem Planeten sorgen, die es je gegeben hat.

Die Musikindustrie war in all ihren Facetten schon immer ein widerwärtiges Geschäft. Berthold Seliger öffnet einem die Augen, zu welch Stadien füllende Ekelhaftigkeit und Ausbeutung die Branche inzwischen fähig ist.

Seligers Buch schwingt wie eine Abrissbirne durch die Lügen und Betrügereien der Musikindustrie. Denn die hat sich längst vom Download-Schock erholt und ist dank neuer Technologien und am Rande des Illegalen oder mitten im Illegitimen angesiedelter Marktstrategien zu neuer, ungeahnter Stärke kleptokratiert.

Die brillant geschriebenen Analysen der Strategien der Konzertbranche lesen sich manchmal wie eine Mischung aus Gangsterroman und Techno-Thriller.

Kalte Schauder jagt es einem den Rücken rauf und runter, wenn der Autor resignierend nach einem regulierten Markt verlangt: „Aus der Malaise gibt es nur einen pragmatischen Ausweg: … die Rückbesinnung auf Instrumente des Ordoliberalismus, also einer sozialen Ausrichtung und regulatorischen Beschränkung des sogenannten freien Markts, mit einem funktionsfähigen Preissystem und der Verhinderung von Monopolen, Kartellen und anderen Formen der Marktbeherrschung.“

Seliger zeigt auch auf, dass in keinem westlichen Land der Verbraucherschutz vor semi-kriminellen Prozessen weniger funktioniert als in Deutschland.
Gleich zu Beginn stellt er überzeugend Bezüge zwischen Musikindustrie und Drogenhandel her – am Beispiel der TV-Serie BREAKING BAD und wofür sie steht.

Eine der perfidesten Abzock-Strategien ist die des „Verified Fans“, die sich das Management von Taylor Swift ausgedacht hat: „Swift hat eine virtuelle Schlange am virtuellen Ticketschalter kreiert, und die Fans können durch Einkäufe von Taylor Swift-Merchandise-Produkten ihren Platz in der Schlange verbessern… Das Perfide im Fall Taylor Swift: Die meisten Stadien waren wenige Wochen vor den Auftritten nicht einmal ausverkauft, da die Künstlerin und ihr Management eben das Konzept des `High Pricing´ bevorzugen. Der `freie Markt´ wird ad absurdum geführt. Aber die Künstlerin hat dank ihrer Merchandising-Produkte trotzdem prächtig verdient.“

Hinreißend ist sein Erfahrungsbericht über sein erstes Großkonzert (Rolling Stones 1981 in München; zweites von zwei Konzerten, denn beim ersten hat es nicht geregnet), in dem er damaliges gesellschaftliches Bewusstsein der Besucher beschreibt. Die anschließende Analyse der Stones-Konzerte im neuen Jahrhundert löst nur noch Brechreize aus.

„Die Bourgeoisie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst“, zitiert der Autor Karl Marx. Und persönliche Würde ist doch etwas, dass Musik vermitteln, ausstrahlen oder bestätigen kann.

Da nur fünf Prozent der Superacts für 85 Prozent der Einnahmen sorgen bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Imperien nicht daran interessiert sind, in irgendeiner Form an kulturellem Aufbau mitzuwirken oder gar Geld zu investieren.
Die teuren Ticketpreise wiederum gehen zu Lasten von Club – oder Nachwuchs-Konzerten.

Ein weiteres kluges Buch, das zeigt, wie unregulierter Kapitalismus die Demokratie gefährdet, ja durch das Schaffen unmoralischer Profitstrategien sogar außer Kraft setzt: „Wenn nun aber jemand, der Karten für ein ausverkauftes Konzert… einen beträchtlich (von den Veranstaltern/Ticketverkäufern auf einer eigenen Plattform für Zweitverwertungen) überhöhten Eintrittspreis zu zahlen (bereit ist), wird die Gleichheit außer Kraft gesetzt… Denn die Gleichheit der Konzertfans ist mittlerweile aufgehoben. Vor der Bühne stehen nur noch die Wohlhabenden, die eben 799 Euro für ein Ticket ausgeben können.“

Man darf das nicht unterschätzen, denn hier werden im Überbau kapitalistisch-autoritäre Strukturen eingefräst, die besonders das Bewusstsein junger Menschen dauerhaft prägen können. Eine weitere Manifestation der Ungleichheit in einem legalen System.

Das Buch ist nicht nur spannend, es eröffnet (unbedarften Lesern wie mir) auch neue Horizonte, denn Seliger versteht es, die Entwicklungen branchenspezifisch im historischen Kontext einzubetten.

Unverzichtbar für jeden, der sich über Musik in den unterschiedlichsten Aspekten informieren will, ist der Blog des Autors:
https://www.bseliger.de/blog

Berthold Seliger:

DAS IMPERIEN-GESCHÄFT

EDITION TIAMAT, 2019

Critica Diabolis 265

Broschur

344 Seiten

20.- Euro

ISBN 978-3-89320-241-6



TOTE SCHLAFEN LÄNGER by Martin Compart
15. Juni 2019, 4:21 pm
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Als alter Springsteen-Fan der 2.Stunde kann ich nur bestätigen, dass der Mann aus seinem 30jährigen Koma nicht mehr erwachen wird. Wer diese nur durch Barry Manilow aufzupeppenden Einschlafsgesänge als „reifes Alterswerk“ bezeichnet, ist ein komatöser Geschmacksneurotiker, der sich wahrscheinlich bei BORN TO RUN oder DARKNESS ängstlich an die Mammi gekrallt hat, die gerade erregt der ZDF-Hitparade lauschte…

Dieses Album ist nichts anderes, als das komanitäre Gelalle eines alten Weggefährten, bei dem man schon vor Jahren hätte den Stecker ziehen sollen.

Aber wer braucht schon eine neue Bruce Springgsteen, wenn es alte Herman´s Hermits gibt?

Und in gewisser Hinsicht ein Meisterwerk: Niemals zuvor wurde ein Maximum an Langeweile akustisch überzeugender umgesetzt.

Und gleichzeitig spielt der Behinderte im Wessen Haus“ das Spiel von „Zwischenfall Im Golf von Tonkin“.
Ich bin die Blödheit der deutschen Journaille so satt.

Und wir brauchen auch einen weitgefächerten (NARO) Krieg gehen den Iran (die SPD wird es seit Serbien zu rechtfertigen wissen), denn sie haben ja was, was kapitalistischen Rechts westlichen Milliardären zusteht.

Ja, da fange ich als Schlafmütze lieber komatöse Wildpferde ein.

Und ich habe Dich so geliebt. 1981 in München war eines der drei besten Konzerte meines Lebens!



RÜCKKEHR EINES ALTEN KUMPELS by Martin Compart
16. April 2019, 4:10 pm
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Ich war bis Mitte der 1980er immer ein großer Rod Stewart Fan; habe mir jedes Album bis CAMOUFLAGE besorgt. Dann habe ich ihn etwas aus den Augen verloren – zu Recht oder Unrecht, weiß nicht, zuviel anderes war interessanter. Aber ich habe ihn trotz eines enttäuschenden Live-Gigs in der Westfalenhalle immer sehr gemocht. Er war der proletarische byronsche Held, der das zerstörte, was er am meisten liebte, um es anschließend umso mehr zu bedauern. Und keiner wusste mehr daraus zu machen, wenn der letzte Zug weg war. Niemand konnte einen unglücklich verliebten Jüngling in den 70ern besser durch die Nacht bringen.

Letztes Jahr hat er sich mit BLOOD RED ROSES mal wieder gemeldet, und ich habe mir endlich mal wieder ein ganzes Album von Rod angehört. Er gehört zu den Wenigen, die sich selbst beklauen dürfen. Kein großes, gewichtiges Album, nicht mal ein großes Stewart-Werk. Schon gar kein Album, das Musikgeschichte schreibt.

Aber ein Album, das völlig aus der Zeit gefallen ist.

Ganz wunderbar. Beim Hören bin ich wieder in den frühen 80ern, und nettes und übles Zeugs fällt mir wieder ein, das ich längst erfolgreich verdrängt hatte… There are times to remember, and times I wish to forget…

Besten Dank dafür, Roddy!


Der einzige Weiße, der Motown glaubwürdig hinkriegt!

…und Disco hatte auch seine Momente.

Vor Frankie muss er sich auch nicht verstecken.



ZUR ERFOLGREICHEN OP von MICK JAGGER by Martin Compart

Diese OP als Erinnerung an die vermeintliche Unsterblichkeit der ROLLING STONES war Anlass, mal wieder in den Anfängen dieser Beat-Burschen herum zu stochern.

Dabei stieß ich auf den allerersten Artikel des SPIEGELS, der sich ausführlich mit der Krawallkapelle beschäftigte (wegen der ersten Deutschland-Tour 1965). Ein absolutes Glanzstück des Pop-Journalismus und jedem Fan zu empfehlen!

Singer Mick Jagger of The Rolling Stones, London, 1963. (Photo by Terry O’Neill/Getty Images)


Hier ein paar Auszüge:

Zwischen agilen Fan-Gruppen, die teils durch konvulsivisches Nicken oder rhythmisches Schwenken des Apostel-Haarwuchses, teils pantomimisch durch beidhändiges Melken einer Elefantenkuh ihre emotionale Aufgeschlossenheit bekunden, sehe ich kahlköpfige Dreifach-Twens, reglos neben nicht minder reglosen Teenager-Töchtern; erstere die schiere Fassungslosigkeit, letztere Verdruß über den empfindungshemmenden Begleiter im Blick.
Als die „Rolling Stones“ hereinkollern…

Da ich ein Zwiegespräch erstrebe, fahnde ich nach dem Gitarristen Brian Jones, 22, der mir von fachkundiger Seite als blond und „am intelligentesten“ beschrieben worden ist.
„Sind Sie Mr. Jones?“ frage ich aufs Geratewohl eine der beiden im „Bavarian liver-cheese“ stochernden Blondinen. Nein, höre ich, sie sei Mrs. Shirley Watts, die Gattin des Schlagzeugers Charlie Watts. Der echte Mr. Jones reagiert auf die Verwechslung mit einem höhnischen Kiekser.
„Haben Sie“, frage ich ihn, „auch gekreischt, als Sie zum erstenmal Beat-Musik hörten?“
Brian Jones ignoriert mich, sagt über den Tisch hinweg etwas dem Klange nach sehr Abfälliges zu seinem Kollegen Keith Richard. Schließlich merke ich, daß er, allem Anschein zuwider, mit mir gesprochen hat. „Nein, ich hatte den Stimmbruch schon hinter mir“, wiederholt er, neuerlich kieksend. So kommt eine Art Unterhaltung zustande, wobei ich unter anderem erfahre, daß der Beat der „Rolling Stones“ sich von anderem Show -Geräusch vornehmlich durch seine „Strenge“ unterscheide.

Was werden Sie tun, wenn die Beat-Welle vorüber ist?“
„Die geht nicht vorüber.“
„Setzen wir“, beharre ich, „einmal diesen mißlichen Fall. Würden Sie sich die Haare schneiden lassen und ein normales bürgerliches Leben führen?“
Zum erstenmal wendet mir Brian Jones sein frühgereiftes Twen -Antlitz zu und scherzt mit heller Stimme, gleichwohl düster: Nein, ich werde wieder kriminell (I’ll go back to crime) – oder wollten Sie was anderes hören?“

Von Martin Morlock
DER SPIEGEL 39/1965

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46274268.html

Mehr von solchem Kram findet man in: