Martin Compart


THE DOORS EXPERIENCE TOUREN WIEDER! by Martin Compart
13. Januar 2019, 6:48 pm
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A Tribute to Jim Morrison & The Doors – Tour 2019 – Jim Morrison wäre dieser Tage 75 geworden

The Doors Experience sind Österreichs unumstrittenes Aushängeschild in Sachen Tribute Bands und werden international als beste Doors Tribute Band aller Zeiten gehandelt. Konzerte mit Rocklegenden wie z.B. Ten Years After sind dabei keine Seltenheit. In 14 verschiedenen Staaten ist das authentische Quartett bereits aufgetreten. Sogar der deutsch-französische TV-Kultursender arte drehte unter dem Titel „Jim Morrison lebt“ eine Konzertdoku über The Doors Experience. Die größten Doors-Hits wie Light My Fire, Alabama Song, Riders On The Storm, Break On Through, The End, L.A. Woman, Roadhouse Blues, When The Music’s Over oder People Are Strange sind fester Bestandteil des Programms, und dennoch gleicht keine Show der anderen. Garant dafür ist, dass jedes Konzert der Band eine individuelle Setlist erhält.
Dieser Tage hätte Jim Morrison seinen 75. Geburtstag gefeiert, am 12. Februar 2019 kommt dann noch der 80. Geburtstag von Doors-Keyboard-Legende Ray Manzarek hinzu. Und das legendäre Jahr 1969 ist nun genau 50 Jahre her. Zwei Jahre nach ihren beiden ersten gefeierten Alben und dem psychedelischen Waitung For The Sun legten The Doors 1969 mit dem nachdenklichen Meisterwerk „The Soft Parade“ nach, aus dem The Doors Experience den Hit „Touch Me“, das nachdenkliche „Wishful Sinful“, den mystischen Kracher „Wild Child“ und einen Auszug aus dem charismatischen Titeltrack im Repertoire haben.

Ein Konzert von The Doors Experience ist eine einzigartige musikalische Zeitreise in die späten 1960er bzw. frühen 70er, die man nie mehr vergisst – mit Worten de facto nicht zu beschreiben, man muss es selbst erlebt haben. Den Jahreswechsel feierte das österreichische Quartett mit ausverkauften Konzerte in Vorarlberg und im Innsbrucker Treibhaus. Etliche Konzerte in Deutschland und Österreich sind bereits fixiert, und der Vorverkauf läuft.
A Tribute to Jim Morrison & The Doors – Tour 2019 – Jim Morrison wäre dieser Tage 75 geworden
Nächste Konzerttermine:
Samstag, 26. Jänner 2019, 20 Uhr: Luckymanconcerts GbR, Gasthaus zum Bräu, Bräustr. 3, D-84518 Garching a. d. Alz. https://www.inn-salzach-ticket.de/the-doors-experience-tick…
Samstag, 9. Februar 2019, kv roeda, Gaswerkgasse 2, A-4400 Steyr. https://roeda.at/events/7951/
https://www.facebook.com/events/2261154633941215/
Freitag, 15. Februar 2019, 20 Uhr: ((szene)) Wien, Hauffgasse 26, A-1110 Wien. https://www.oeticket.com/the-doors-experience-a-tribute-to-…
https://www.facebook.com/events/1869288619823960/
Samstag, 23. März 2019, 20 Uhr: Kultur.Werk.Stadt – Rathauskeller Pöchlarn, Regensburger Straße 11A, A-3380 Pöchlarn. http://www.rathauskeller.org
Donnerstag, 9. Mai 2019, Reigen, Hadikgasse 62, 1140 Wien, http://www.reigen.at
Freitag, 18. Oktober 2019, 20 Uhr: Club Tante JU, An der Schleife 1, D-01099 Dresden. http://www.tanteju.com
Samstag, 19. Oktober 2019, 20 Uhr: Speicher Schwerin, Röntgenstraße 22, D-19055 Schwerin. http://www.schwerin.de/speicher
Montag, 30. Dezember 2019, 21 Uhr: Treibhaus, Angerzellgasse 8, 6020 Innsbruck. http://www.treibhaus.at

Besetzung:
Jason Boiler – lead vocals
Klaus Bergmaier – organ, keyboard bass, backing vocals
René Galik – guitar
Gerhard Tscherwizek – drums
Foto zur freien Verwendung (© Tihana Resch) v.l.n.r.: Gerhard Tscherwizek, René Galik, Klaus Bergmaier, Jason Boiler
Weitere Pressefotos zur freien Verwendung und Infos auf http://www.thedoors.at/info

THE DOORS EXPERIENCE
http://www.thedoors.at
http://www.facebook.com/doors.experience
Info: presse@thedoors.at, Tel.: +43 / 664 / 14 54 255

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DER GOLDSCHÜRFER: Anmerkungen zu NICK TOSCHES by Martin Compart

Seit Jahrzehnten taucht Nick Tosches nach einem Wrack namens „amerikanischer Traum“.

Geortet hat er ihn im stürmischen Meer des Showbizz. Und egal, was er hebt – ob Rock’n’Roll oder Hollywood – immer klebt das Organisierte Verbrechen an dem Fund. „Als einzige unter den Nationen definiert Amerika sein Schicksal als einen Traum.“


Tosches wurde 1949 in Newark, New Jesey geboren. Sein italienischstämmiger Vater betrieb eine Bar, seine Mutter war irischer Herkunft. Mit 14 arbeitete er bereits in Bars, beendete die High School und weigerte sich trotz des väterlichen Drängens aufs College zu gehen. Deshalb musste er wieder die Schulbank drücken, um für seinen Dante-Roman Latein zu lernen, damit er die Quellen studieren konnte.
„Wo ich aufwuchs, gab es kaum Bücher, aber jede Menge Buchmacher. Als Kind stahl ich Bücher. Fünf meiner eigenen Bücher habe ich auf einer gestohlenen Schreibmaschine geschrieben. Mittelmäßige Autoren kopieren, große Autoren stehlen.

In den 60ern gehörte er nicht zur Love & Peace-Fraktion. „Meine Kumpels und ich waren voll auf Drogen. Wir schlugen Hippies nieder und raubten sie aus.“

Er stand auf Rock-Musik. Bis heute ist er besessen von früher Pop-Musik. Er stand eigentlich auf alles, was ein Spießer abartig zu nennen pflegt. Auch Literatur war immer sein Ding. „Mein MOBY DICK war Hubert Selbys LAST EXIT TO BROOKLYN. Das Buch weckte den Autor in mir, befreite und inspirierte mich. Neben Peter Matthiessen und Philip Roth gehört er zu den drei großen Gegenwartsautoren. Aber Hubert respektiere ich am meisten – als Autor und Mensch.“

Als die 60er Jahre endgültig ihre Geschäfte einstellten, verkaufte er seinen ersten Text. In New York überlebte er nur durch die täglichen Partys, auf denen er sogar feste Nahrung fand. Er schrieb für legendäre Musikmagazine wie CREEM und FUSION.

1972 ging er nach Florida und wurde Schlangenfänger. Nachdem er gebissen worden war, beschloss er selber Gift zu verspritzen und wurde ernsthafter Autor und Rock-Kritiker. Mit Richard Meltzer und Lester Bangs gehörte er zu den Noise Boys, die mit ihrer Gonzo-Schreibe den Rock-Journalismus veränderten.

Tosches war der vielseitigste und schrieb nicht nur wichtige Musikbücher, sondern auch Gedichte, Biographien (etwa über den Mafia- und Vatikanbankier Michele Sindona, in der er den Vatikan als bedeutendste Verbrecherorganisation aller Zeiten erkennt) und Romane.

Zu seinen Förderern gehörte Ed Sander, der ihn auf die Klassiker brachte. Zitate der alten Griechen und Römer finden sich oft in seinen Texten über Pop-Kultur und ermöglichen ungewöhnliche Perspektiven. In seinen Pop-Archäologien wühlt er sich durch alle kulturellen Mülltonnen und verändert den Musik-Kanon, indem er die großen Vergessenen zurückholt: In WHERE DEAD VOICES GATHER exhumiert er mit Emmett Miller den Musiker, in dem nach Tosches erstmals schwarze und weiße Musik zur modernen amerikanischen Musik verschmolzen. Dabei bleibt er natürlich immer seinem Bad Boy-Image treu: „Wir verdanken der Mafia viel. Hätten sie nicht die Discjockeys bestochen, wäre der Rock’n’Roll nie ein Erfolg geworden.“ HELLFIRE, seine Jerry Lee Lewis-Biographie, bezeichnete Greil Marcus als „amerikanischen Klassiker“.

„Dean Martin war ungefähr der letzte Typ, über den ich schreiben wollte. Bis ich mich genauer mit ihm beschäftigte – und natürlich mit den Mächten im Hintergrund: Mafia und Politik.“ Ausserdem ist Dino – was in Deutschland nicht hinreichend bekannt sein dürfte – eine der größten Pop-Ikonen überhaupt: Er schaffte etwas, was vor und nach ihm niemand geschafft hatte: sich gleichzeitig als Bühnen-, Film-, Fernseh- und Schallplattenstar durchzusetzen. In den USA haute er sogar die Beatles von der Hitparadenspitze!

Für seine brillante Boxerbiographie – „wahrscheinlich, das düsterste Buch, das ich bisher geschrieben habe.“ – gilt ähnliches. Es ist das Organisierte Verbrechen, dem Sonny Liston gehörte und das über das Leben des stärksten Mannes der Welt verfügte. Nach der Lektüre wird auch der Dümmste Boxkämpfe nicht länger als sportliche Veranstaltungen betrachten.

Papst Nick, wie er unter Eingeweihten genannt wird, ist nicht gerade der Liebling der Emanzen. In jedem Artikel positioniert er einen Machismo, der ihn den Ehrennamen „phallokratischster Rock-Kritiker“ einbrachte. Das macht ihm Spaß und ermuntert ihn zu Szenen, die jedem Porno zur Ehre gereichen würden. Sex, Rock’n’Roll – da dürfen die Drugs natürlich nicht fehlen. Die spielen immer mit. In THE LAST OPIUM DEN durchsucht Tosches Südostasien nach der letzten Opiumhöhle. Das kurze Gonzo-Buch basiert auf einem Artikel für VARIETY, Tosches Hausblatt in dem heute seine hochbezahlten Edelreportagen gedruckt werden.

In seinen Mafia-Epen, die Macchiavelli lektoriert haben könnte, gewinnt der Leichenbestatter als Einziger immer. Die Gewalt ist alltäglich, Bestandteil des Geschäftslebens. „Zivilisation ist eine alte Hure und sie wird mit jedem Tag hässlicher. Es ist die Zivilisation Kains; sie wurde auf einem Mord aufgebaut. Männer, die das Töten ablehnen, haben unsere Zivilisation einfach nicht begriffen. Die sind unzivilisiert“, heisst es in TRINITIES, dem apokalyptischen Noir-Roman, für den Tosches 250 000 Dollar Vorschuss kassierte und der vollgestopft ist mit illegalen Informationen. Und wenn es einen Roman gibt, der die TV-Serie SOPRANOS inspiriert hat, dann CAT NUMBERS. Bevölkert mit bösen, hungrigen alten Männern und ausgenutzten bösen, jungen und hungrigen Männern. Fehlt nur Dantes knochenbrechender Ugolino (Tosches Dante-Besessenheit beschert uns seinen Roman:IN THE HANDS OF DANTE). Entmythologisiert dampfen mit Kleingeld rappelnde Straßenganoven neben amoralischen Dons mit verwesten Seelen in denselben miesen Kneipen und Hinterhöfen Schulter an Schulter und lassen ihren explosiven Kräften freien Lauf. In die Hölle wird man nicht geholt, darin wird man geboren. Aber selbst in seiner Noir-Welt gibt es Lichtblicke: „Doch Gott in seiner unergründlichen Weisheit hatte die Revuetänzerin erschaffen“.

BIBLIOGRAPHIE:

COUNTRY, 1977.

HELLFIRE, 1982.
Hellfire: Die-Jerry-Lee-Lewis-Story; Ullstein, 1991.

UNSUNG HEROES OF ROCK’N’ROLL, 1984.

POWER ON EARTH, 1986.
Geschäfte mit dem Vatikan; Doemer Knaur, 1989.

CUT NUMBERS, 1988.
Kopf um Kopf; Ullstein, 1990.

DINO, 1992.
Dino. Heyne, 2002.

TRINITIES, 1994.
Die Meister des Bösen; Heyne, 1997.

CHALDEA (Gedichte), 1999.

THE DEVIL AND SONNY LISTON, 2000.
Der Teufel und Sonny Liston; Heyne, 2000.

THE NICK TOSCHES READER, 2001.

WHERE DEAD VOICES GATHER, 2001.

THE LAST OPIUM DEN, 2002.

IN THE HANDS OF DANTE, 2002.

King of the Jews, 2005

Never Trust a Loving God, Art Stock Books, 2009

Save the Last Dance for Satan, Kicks Books, 2011
Me and the Devil, Little, Brown, 2012

Johnny’s First Cigarette, Vagabonde, 2014

Under Tiberius, Little, Brown, 2015



DAS ROCK´N ROLL-EREIGNIS DES JAHRES by Martin Compart
13. Oktober 2018, 1:11 pm
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CRAZY ROCKER – DIE INDO-BANDS ÜBERFALLEN DEUTSCHLAND by Martin Compart
11. September 2018, 8:16 am
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Sie kamen aus dem Westen und brachten Unheil und Grauen über alle anständigen Bürger, die in amerikanischen Garnisonsstädten ein gottgefälliges Leben versuchten.

Dort füllten sie so manchen leeren Tag mit Lärm.

Spießer, die sich in die entsprechenden Bars vorwagten, bekamen einen Vorgeschmack der Apokalypse.

Jugendliche Rabauken konnten sich an ihrem Krawall nicht sattfressen. Während Elvis sich zum Städtele hinaus sang, retteten die Indo-Bands den Rock.Manche Musiker griffen sich ihre Gitarren wie Psychopathen ihre geschärften Rasiermesser.

In den Jahren zwischen Bill Hailey und den Rolling Stones sorgten die Indo-Bands aus Holland dafür, dass der Rock´n Roll nicht zur harmlosen Samstagabendunterhaltung verkam. Von 1959 bis etwa 1964 zogen sie eine häufig blutige, immer aber krawallige Spur durch die Rock- und GI-Klubs in deutschen Garnisonsstädten.

Wie Hanau.

Dort hatte man die glänzende Idee, gegenüber einem Klub für schwarze GIs, indem vorzugsweise Blues gespielt wurde, einen Suff & Tanz-Treff für Rednecks zu positionieren. Damit war der Samstagabendspaß für die ganze Familie programmiert:

„Ich spielte mit den Cherokees im Roma in Kaiserslautern, als der Ami die Gäste anpöbelte und randalierte. Flaschen und Stühle flogen durch die Luft, bis vor unseren Augen plötzlich ein Puertoriacaner sein Messer zog und dem weißen GI in den Leib stach. Blut spritzte. Der Ami fiel zu Boden und die Därme quollen aus dem Bauch. Mein Gott. Und wir mussten da bleiben und weiterspielen, nachdem man die Leiche weggeschafft hatte“, erinnert sich Ronny Neyndorff. Im Showgeschäft kann man auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen.

Die erste Generation der indonesischen Einwanderer bestand hauptsächlich aus Privilegierten, die mit den holländischen Kolonialherren verbandelt waren. Nach dem Sieg Sukarnos hauten sie schleunigst in das Mutterland der Ausbeuter ab, wo sie so willkommen waren wie Mujahedin am Wörthersee. Mit Straßenschlachten gegen einheimische Jugendlichen begannen dann die Integrationsbemühungen. „Aus diesem Umfeld aus Frust und Gewalt entstand schließlich das, was man später Indo-Rock nannte.

Statt Prügeleien war jetzt handfeste Lärmbelästigung angesagt. „Nach dem ERfolg der Tielman Brothers 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel formierten sich unzählige Bands, um als Profimusiker in Deutschland ihr Glück zu versuchen. Auf dem Höhepunkt der Invasion 1963/64 gaben sich bestimmt an die 100 Indonesier-Kapellen in den Rock´n´Roll-Bars und Ami-Clubs im monatlichen Wechsel die Klinke in die Hand.

Wie fleißig sie waren, belegt ein Zitat von Harry Koster von den Black Dynamites: „Nach drei Jahren ständigen Spielens in Deutschland hatten wir zum ersten Mal einen halben freien Abend, als John F. Kennedy am 22.November 1963 ermordet wurde.“

Helmut Wenske hat das in Hanau alles hautnahe mitgekriegt und ist bis heute mit den Protagonisten der Szene befreundet. In seinem grandios dokumentierten Bildband, vollgestopft mit sittlich ethisch desorientierenden Dokumenten, Bildern und Anekdoten wird das Lebensgefühl in dieser Subkultur wieder lebendig. Er betrachtet die fünf wohl wichtigsten Bands genauer und erzählt ihre skandalösen Geschichten.

Wenske hatte schon 1984 zusammen mit Götz Alsmann und Woody Brunings mit EASTERN AGE eine erste Würdigung der niederländischen Krawall-Truppen vorgelegt.
Immer noch lesenswert. Aber dank seinem eigenen Archiv und das des holländischen Indo-Paläontologen Leon Donnars, kann das Bändchen mit diesem Prachtschinken natürlich nicht mithalten.

Es gibt Haufenweise Informationen, die man erst wissen will, wenn man sie kriegt.

Zum Beispiel dass der Jazzer und Bierkönig Paul Kuhn bei der Produktion einer der besten Indo-Platten, JAVALINS FOR TWENS, seine Klavierspielerfinger drin hatte.

Welche Rolle Goena-Goena (Spirituelles) spielte…

Wie sich Andy Tielman nach Borneo zurück zog und mit dem Blasrohr jagte…

Wie die Javalins auf einer Israel-Tour ihren Saxophonisten verloren…

Zeitgeist ohne ende

 

Seit einigen Jahren gibt es ein kleines Indo-Rock Revival. Gekillt hat ihren Boom Mitte der 1960er die british invasion. Obwohl die Indos technisch erstmal den meisten angelsächsischen Bands überlegen waren, hatten sie einen großen Nachteil: Sie schrieben kaum eigene Songs und verließen sich aufs covern von Standards. Und Klassikeram laufenden Band zu schreiben wie Beatles, Stones, Hollies usw., hatten sie erst recht nicht drauf. Aber an Show lieferten sie ähnlich der amerikanischen Soul-Szene den Briten einiges, an dem sich diese orientieren konnten.

Die Jungs waren ihrer Zeit weit voraus. Sie wussten es nur nicht. Sie haben nicht gemerkt, dass sie manchmal auf der Gitarre Sachen hervorbrachten, die für geschulte Musiker nicht zu fassen waren. Alles geschah sehr natürlich, fast organisch, so richtig aus dem Herzen. Sie spielten Rock´n´Roll auf eine authentische Art und Weise. Die Jungs waren unheimlich lässig und verschwanden vielleicht gerade wegen dieser Lässigkeit auch innerhalb von ein paar Jahren von der Bühne.“
Jan Akkerman

Als Wiedergutmachung für die Indos, schickten uns dann die Holländer Heintje, der bekanntlich kein Kind war, sondern ein fünfzigjähriger Zwerg.

Helmut Wenske/Chris Hyde:
Black Eyes
Indonesier-Bands in Germany. Storys & Bilder

ca. 298 Seiten,
Hirnkost KG, 2018; Hardcover,
21 x 21 cm
ISBN: 978-3-945398-66-1 print
28,00 €

https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=helmut+wenske


Wenske /Hyde verschweigen auch nicht die Schrecken des Ende mit Schrecken.

 

Andy Tielman mutierte heel prachtig zum Barry Gibb des Tanztees. Zu spät, um noch was am Karma zu retten:



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
6. Juli 2018, 2:49 pm
Filed under: MUSIK, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,



DIE SONNE, DER MOND & DIE ROLLING STONES von RICH COHEN by Martin Compart
15. Juni 2018, 3:41 pm
Filed under: Bücher, MUSIK, Rezensionen, Rolling Stones | Schlagwörter: , , ,

Über die Rolling Stones gibt es inzwischen wohl genau so viele Bücher wie über Sherlock Holmes und James Bond. Man schätzt die Zahl auf über tausend. Ich selbst habe mit einem Titel dazu beigetragen (https://www.amazon.de/2000-LIGHTYEARS-HOME-Zeitreise-Rolling-ebook/dp/B006UJFVUO/ref=sr_1_15?ie=UTF8&qid=1529060810&sr=8-15&keywords=martin+compart). Kaum ein Aspekt der Stones, der nicht in Büchern abgehandelt wurde und wird.

Wenn jemand aus autobiographischer Perspektive ein Buch über die Stones verfasst, muss er über originelle Verknüpfungen berichten und überhaupt verdammt gut schreiben können. Sonst ist es peinlich oder, noch schlimmer, langweilig.

Rich Cohen ist ein verdammt guter Schreiber und ihm ist eines der besseren Bücher über die Stones gelungen. Seine Qualitäten hat der „Rolling Stone“- und „New Yorker“-Autor bereits 1998 unter Beweis gestellt mit dem Buch MURDER INC., die Geschichte der jüdischen Mafia in Brooklyn (ein tolles Buch!).

1968 geboren, hat er einen anderen Zugang zu den Stones als die meist früher geborenen Autoren, deren Bücher sich vor allem unproportional mit den 1960er Jahren befassen. Dies tut Cohen hier auch, aber eben aus dem Blickwinkel des „Nachgeborenen“, was oft zu witzigen Formulierungen und Einordnungen führt. „Es war der Faktor Zeit, der mich von diesen Jungs, dieser ganzen Generation, trennte. Ich hatte alles verpasst; 1964, 1969, 1972 – all die entscheidenden Jahre. Ich war zu spät gekommen. Alles Entscheidende war längst passiert… Vor uns kamen die Babyboomer, die alle nur erdenklichen Ressourcen verpulverten und jede Menge Spaß hatten. Nach uns kamen die Millenials, die aus der Welt einen virtuellen und unwirtlichen Ort machten. Die Boomer hauten nicht nur ihre eigene Jugend auf den Kopf, sondern unsere gleich mit.“

Er lernte die Stones persönlich 1994 kennen, begleitete sie für den „Rolling Stone“ und war Co-Autor der TV-Serie VINYL von Mick Jagger und Martin Scorsese. Diese Serie war eine der besten überhaupt. Leider wurde sie wegen der Ignoranz des amerikanischen Publikums und der hohen Produktionskosten nach nur einer Season abgesetzt, was sogar schlimmer ist, als das vorzeitige Ende von DEADWOOD.

Cohens Erweckungserlebnis geschah 1976 als er zum ersten Mal HONKY TONK WOMEN hörte: „Die Kuhglocke, die den Song einleitete, klang für mich wie der Ruf eines Muezzins, der mir das Tor in ein neues Leben öffnete.

Es gelingt Cohen aus allbekannten historischen Momenten neue Funken zu schlagen, wie etwa das legendäre Aufeinandertreffen von Jagger und Richards 1961 am Bahnhof von Dartford.

Das Buch gibt auch unbekannte Einblicke in die Welt der Stones in den letzten zwanzig Jahren. Aber es ist vor allem Cohens Nostalgie, an der man sich erfreuen kann:

„Je rarer ein Fundstück (Bootlegs), desto größer die Befriedigung. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, das die heutigen User von Napster, YouTube usw. schon gar nicht mehr kennen. Heute ist jede Rarität nur einen Mausklick entfernt. Was sind die Millenials doch bloß für arme Schweine! Sie werden nie das Glücksgefühl erleben, auf den Mitschnitt eines Konzertes zu stoßen, das die Stones 1964 auf Eel Pie Island gaben, nie verstehen, warum man endlose Stunden damit verbrachte, Lieblingssongs in die richtige Reihenfolge zu bringen.“

Kurzum: Endlich mal wieder ein gutes Buch über die Stones, das nicht durch Aufmachung und Abbildungen von Devotionalien, David Baily-Fotos und dem üblichen Kram daherkommt.

Stattdessen gibt es originelle Gedanken, eine grandiose Schreibe und viel neues zu erfahren. Ein intelligentes, kritisches, selbstironisches Fan-Buch. Absolut lesenswert.

I mean – really!



Top 10 Americana Alben 2017 Von Hanspeter Eggenberger by Martin Compart
29. Dezember 2017, 9:12 pm
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Americana, was ist das überhaupt? Die Americana Music Association (AMA) definiert es so:

Americana is contemporary music that incorporates elements of various American roots music styles, including country, roots-rock, folk, bluegrass, R&B and blues, resulting in a distinctive roots-oriented sound that lives in a world apart from the pure forms of the genres upon which it may draw. While acoustic instruments are often present and vital, Americana also often uses a full electric band.

Das Spektrum von Americana ist sehr weit. Es reicht von Country-Klängen, die für die US-Country-Radios „too country“ sind (ein Hank Williams würde da heute nicht mehr gespielt) bis zu experimentellem Electro-Folk, von akustischem Blues bis zu Psychobilly usw. Auch Stars wie Bob Dylan oder ZZ Top könnte man musikalisch unter Americana einordnen.

Mir ist zudem wichtig, dass es „handgemachte“ Musik ist, die als künstlerischer Ausdruck entstand. Also keine Sounds, die in den Marketingabteilungen der Musikindustrie ausgeheckt und/oder auf kommerzielle Tauglichkeit getrimmt wurden. Und übrigens: Americana muss nicht zwingend aus Amerika kommen.

Seit mehr als 15 Jahren erstelle ich jährlich eine Jahresbestenliste, seit 2005 publiziere ich diese auch in meinem Blog Americana und so weiter. Hier exklusiv vorab meine Top 10 des Jahres 2017. Es handelt sich dabei nicht um die allgemein beliebtesten, die meistverkauften oder meistgespielten Alben, auch nicht um die „wichtigsten“ oder „bedeutendsten“ – die Auswahl ist radikal subjektiv: Es sind meine Lieblingsalben dieses Jahres. Ausgewählt aus rund 150 in diesem Jahr erschienen Produktionen. Und dabei interessieren mich Neuentdeckungen im Prinzip mehr als bereits Etabliertes. Wer mehr davon möchte, findet spätestens ab 1. Januar 2018 in meinem Blog http://americana-usw.blogspot.de/ meine auf 20 Titel erweiterte Topliste.

1. Matt Patershuk: Same As I Ever Have Been
(Black Hen Music)

Den kanadischen Singer/Songwriter Matt Patershuk hörte ich im letzten Jahr zum ersten Mal. Mit seinem Album „I Was So Fond of You” (Rang 3 meiner Topliste) beschäftigte er sich mit dem Tod seiner Schwester – ein besoffener Autofahrer hatte die junge Künstlerin totgefahren: ein bitterzartes Werk, berührende Songs, wunderschön arrangiert. Auch wenn das neue Werk – wiederum produziert und begleitet vom Multiinstrumentalisten Steve Dawson (dessen Wirken für andere Künstler mir besser gefällt, als seine eigenen Alben) – nicht mehr so traurig klingt, ist es doch eher auf der melancholischen Seite angesiedelt. Gute Songs, ein Sound zwischen Country, Folk und Rock, und ich mag Patershuks Stimme und seine Art zu singen – mein Album of the Year.

2. Emily Duff: Maybe in the Morning
(Mod Prom Records)

Die New Yorker Singer/Songwriterin Emily Duff ist zwar schon etliche Jahre im Geschäft, doch für mich gehört sie zu den Entdeckungen des Jahres. Ihr neues Album hat sie in den FAME Studios in Muscle Shoals, Alabama, aufgenommen, der Wiege des „Muscle Shoals Sounds“. Hier entstanden in den 1960er-Jahren legendäre Soul-Aufnahme etwa von Wilson Pickett, Etta James und Aretha Franklin. Die Aufnahmen von Emily Duff haben etwas von diesem Soul-Groove. Und das Gemälde auf dem Album-Cover würde ich gerne bei mir an die Wand hängen.

3. Zephaniah OHora with the 18 Wheelers: This Highway
(Last Roundup Records)

Mein neuester Lieblings-Countrysänger ist ein Frisör aus New York City: Zephaniah OHora schreibt und singt wunderschöne Songs auf erfrischend altmodische Art. Definitiv „too country for country radio“ …

4. Jeremy Pinnell: Ties of Blood and Affection
(Sofaburn Records)

Der Sound von Jeremy Pinnell klingt auf Anhieb nach gekonntem, aber eher harmlosem Honkytonk. Aber der Gesang belehrt einen sofort eines Besseren, sowohl von der Stimme her wie von den Worten, die diese singt. Es geht um Drogen, Alkohol, Knast, um ein Leben ganz unten, und der Mann weiss, wovon er singt. I got tired of going to jail every time I’d drink a beer / When you wake up in the morning and you knew your time was near. Schon sein erstes Album „OH/KY“ hatte mich umgehauen (Rang 3 auf meiner Liste 2015). Nebenbei: Jeremy Pinnell stammt aus dem Grenzgebiet von Ohio und Kentucky, in dem das Noir-Debüt „Pike“ von Benjamin Whitmer spielte (deutsch: „Im Westen nichts“, 2017, Polar), und er hat auf seinem kahlgeschorenen Schädel über dem einen Ohr den Umriss von Ohio, über dem anderen den Umriss von Kentucky tätowiert.

5. Dori Freeman: Letters Never Read
(Blue Hens Music)

Dori Freeman aus der Kleinstadt Galax in den Appalachians in Virginia, die für ein traditionsreiches Bluegrass-Festival bekannt ist, hat mich schon 2016 mit ihrem Debütalbum betört (Rang 5 auf meiner Liste 2016). Eine phantastische Sängerin, was auf dem ersten wie auf dem zweiten Album je ein A-capella-Song schön beweisen. Teddy Thompson produzierte beide Alben und begleitet Dori als Gitarrist; er ist der Sohn der britischen Folk-Legenden Richard & Linda Thompson („I Want to See the Bright Lights Tonight“). Folk/Country der eher melancholischen Art; in einem Interview sagte Dori Freeman neulich, sie habe noch nie einen „happy Song“ geschrieben.

6. Jim Keaveny: Put It Together
(self-released)

Der Singer/Songwriter Jim Keaveny ist ein verrückter Hund. Er ist aus dem Norden nach Terlingua, Texas, gezogen, ein abgelegenes Kaff am Rio Grande, in Sichtweite zu Mexiko. Dort hat er zusammen mit seiner Freundin zunächst im Wohnmobil gehaust und sich selbst ein kleines Haus aus Holz gebaut; die Dusche wird durch die Regentonne gespeist. Um Geld für sein neues Album zu sammeln, ist er mit dem Fahrrad von der Westküste an die Ostküste gefahren und hat bei lokalen Medien Halt gemacht und unterwegs seine Songs vorgetragen. Seinen näselnden Gesang begleiteten im Studio Musikerfreunde virtuos, unter anderem mit Mariachi-Trompete und Akkordeon.

7. Lee Ann Womack: The Lonely, the Lonesome & the Gone
(ATO Records)

Eine der Überraschungen des Jahres. Die 51-jährige Lee Ann Womack war seit den 1990ern als Country-Sängerin zwischen Neotraditionalismus und Countrypop bekannt; sie hatte eine Reihe von Hits im Country-Radio. Sie war immer eine sehr gute Sängerin, aber sehr kommerziell orientiert. 2008 brach ihre Karriere ab; erst 2014 veröffentlichte sie auf einem kleinen Label wieder ein Album. Und jetzt dieses starke Stück mit eher düsteren Songs. Womack hat immer schon eigene Songs geschrieben, aber dies ist das erste Album mit vorwiegend eigenen Songs, dazu kommen ein paar für sie geschriebene Lieder sowie einzelne Klassiker, darunter eine unter die Haut gehende Version der dunklen Ballade „Long Black Veil“. Und dass Lee Ann Womack auf dem Album-Cover mit Zigarette posiert, gilt in den heutigen USA schon als rebellisch.

8. JD McPherson: Undivided Heart & Soul
(New West Records)

Sein drittes Album nach „Signs & Signifiers“ (2012) und „Let the Good Times Roll“ (Rang 7 auf meiner Liste 2015) hat der begnadete Neo-Rockabilly-Musiker JD McPherson im legendären RCA Studio B aufgenommen, wo Grössen wie die Everly Brothers, Roy Orbison und Elvis Presley gearbeitet haben. Rock ’n’ Roll mit einer souligen Note.

9. Tom Russell: Folk Hotel
(Frontera/Proper Records)

Tom Russell ist ein Veteran, dessen Arbeit ich seit den 1980ern verfolge, ein weltläufiger Intellektueller und ein toller Sänger. Der studierte Kriminologe aus Kalifornien arbeitete in Nigeria, lebte unter anderem in Kanada, Norwegen und Spanien. Er interessierte sich für die Beat-Literaten und führte während 20 Jahren einen Briefwechsel mit Charles Bukowski. Musikalisch begann er in der Folkszene, wandte sich dann der Countrymusik zu. Inzwischen hat er rund drei Dutzend Alben veröffentlicht. Auch andere nahmen Songs von ihm auf, darunter etwa Johnny Cash („Veteran’s Day“). Sein neues Studioalbum „Folk Hotel“ ist eine Hommage an den Folkszene im Greenwich Village im New York der 1960er-Jahre mit 13 eigenen Songs und einem Bob-Dylan-Cover („Just Like Tom Thumb’s Blues“ im Duett mit Joe Ely). Zum Album gibt es auch ein Buch mit den Geschichten hinter den Songs und je einem Gemälde von Tom Russell zu jedem Song.

10. Eilen Jewell: Down Hearted Blues
(Signature Sounds)


Eigentlich singt Eilen Jewell völlig unspektakulär. Trotzdem bin ich immer wieder hin und weg, wenn sich sie höre. Ob sie einen ihrer starken Songs, wie zum Beispiel „Rich Man’s World“ vom Album „Letters From Sinners & Strangers“ (2007 auf Rang 4 meiner Liste), singt oder was auch immer. Auf ihrem aktuellen Album singt und spielt sie mir ihrer Band Blues. Covers von Willie Dixon, Betty James, Frankie Sims, Memphis Minnie, Big Maybelle und anderen.