Martin Compart


KLASSIKER DES NOIR-ROMANS: SHANE STEVENS und sein Roman „KILL“ by Martin Compart

„Inspiriert von realen Fällen zeigt »Kill« im fesselnden, halb dokumentarischen Stil den (fiktiven) Serienmörder Thomas Bishop in seiner Entstehung, in seinen Taten, aber auch in seinem Alltagsleben, und beleuchtet die Auswirkungen, die seine grausamen Morde auf die Gesellschaft und ihre Moral haben.

»Kill« von Shane Stevens gilt als der erste Roman, der einen Serienmörder in den Mittelpunkt stellt, und ist damit das Vorbild für Thomas Harris und seine Hannibal Lecter-Romane.
»Kill« gilt als erster Serienkiller-Roman, der zugleich die True-Crime-Literatur vorwegnahm, und wird heute von der Literaturkritik als Klassiker gewürdigt.“

Immer noch gibt es unbekannte Klassiker zu entdecken!

Das gilt auch für Shane Stevens, dessen Roman KILL (BY REASON OF INSANITY) der Heyne-Verlag neu aufgelegt hat (eine gekürzte Version erschien bereits bei Moewig, 1981).

Shane Stevens ist ein wunderbarer Schriftsteller mit einem ungewöhnlich treffenden Gespür für Sprache, Charaktere, Situationen und Atmosphäre. Gleich das erste Kapitel ergießt sich mit emotionaler Wucht über Leser, die befähigt sind, diese literarische Qualität wahr zu nehmen:

„Im Frühjahr wälzt sich der Nebel wie stummer Donner über die Bucht und scheint San Francisco in Quecksilber zu baden.“

Was für ein erster Satz! Chandler hätte Freude an dieser Poesie gehabt.

Ich mag auch den Humor des Autors:

„Um die Hintergründe zu verstehen, müssen wir in die frühen Nachkriegsjahre zurückgehen… Im Valley wurden neue Reihenhäuser gebaut… Es gab auch wieder mehr Lebensmittel… In Washington versuchte die Truman-Administration Europa vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu retten. Aber wie üblich tat niemand etwas gegen das Wetter… Irgendwann am Abend entschied ein Mann, dass dies eine gute Nacht wäre für Raub und Vergewaltigung…“

Völlig natürlich gleitet Steven stilistisch zwischen humorigen Bemerkungen aus der Metaebene zu berührenden subjektiven Perspektiven:

„Sie wollte nicht sterben, und sie wollte auch nicht schwanger werden. Und doch lag sie hier, die Beine gespreizt, und dieser Fremde auf ihr hatte seinen Spaß. Und das alles nur, weil er ein Mann war und eine Waffe hatte.“

Die verschachtelten Rückblenden im ersten Kapitel zeigen bereits Stevens großes Können.

Stevens behandelt sein Personal mit der Höflichkeit eines gut erzogenen Henkers.

Er beschreibt die politischen, journalistischen, medizinischen und gesellschaftlichen Implikationen dieser Jagd in erstaunlicher stilistischer Meisterschaft. Unterfüttert wird alles mit einer sein gesamtes Werk durchdringenden Frage: Was ist Identität?

Kriminaltechnisch ist das Buch natürlich veraltet. Kein abschreckendes Argument, höchstens für anspruchslose Novitätenleser. Als wütendes Portrait der USA ist es nach wie vor aktuell.

Neben den Aktivitäten des Killers Thomas Bishop, bilden den zweiten Hauptstrang die Nachforschungen des Journalisten Adam Kenton, die häufig in die Irre führen. Geradezu klassisch führt Stevens beide Stränge zum Höhepunkt in eine Synthese.

Die üblichen Serien-Killerromane, die die Bestsellerlisten zumüllen, interessieren mich einen Dreck. Ihr Subtext ödet mich an: Serienkiller-Geschichten unterstellen, dass Technologie und Wissenschaft ausreichen, um soziales Fehlverhalten auszuschalten. Stevens gibt der Sozialisationstheorie weiten Raum, beschreibt das dämonische in der entsprechenden Konditionierung, ohne zu dämonisieren.

„In einem Alter, wo junge Leute nach Möglichkeiten suchen, um ihr Innerstes zum Ausdruck zu bringen, suchte Bishop nach Möglichkeiten, wie man dies am besten verbarg.“

Eine fließende, mehrstufige Geschichte, die auch ein Plädoyer für die Lerntheorie ist, denn die Darstellung von Bishops Konditionierung dürfte jeden Behavioristen begeistern.
Wenn man Bishops Entwicklungsgeschichte gelesen hat, erscheint einem die Karriere zum Serienkiller fast zwangsläufig.

Einmal in die Hand genommen, kann man das Buch nicht mehr weglegen. Ein einzigartiges und eigenartiges Meisterwerk. Wieder mal ein Buch das den deutschen Spitzweg-Spießer in seiner you-Tube-Gestalt überfordern könnte.

Die wenigsten Serienkiller-Autoren verfolgen die These, dass eine empathielose Gesellschaft sich in empathielosen Mördern spiegelt. Oder warum einige Theoretiker den Serienkiller als „letzten amerikanischen Helden“ titulieren (eine besonders perverse Variante ist der „gerechte Serienmörder“ in DEXTER von und nach Jeff Lindsay).

Über den Autor ist wenig bekannt.

Shane Craig Stevens wurde am 8.Oktober 1941 in New Yorks Hell´s Kitchen geboren; er starb 2007. Er wuchs in Harlem auf und war mit Harry Crews während ihrer gemeinsamen Zeit als Stipendiaten in Bread Loaf befreundet (damals entstanden die beiden einzigen Fotos von Stevens, die zugänglich sind). Er schrieb acht Romane, die in sechs verschiedenen Verlagen veröffentlicht wurden. Im heutigen Markt wäre er wohl e-Publisher geworden.
In den USA ist er fast so unbekannt wie bei uns. Und natürlich – man muss es wie ein Mantra runterbeten – kennt ihn in Frankreich jeder Noir-Fan.

Er war politischer Aktivist und Vietnam-Kriegs-Gegner, was sich in vielen seiner Romane brutal äußert. Sein Platz war mitten in den Ereignissen, und seine Erfahrungen im Harlem der 1960er Jahre finden sich in den ersten Büchern.

Seine Hautfarbe war Stevens unwichtig.

Er schlug sich durch, kannte die Armut. Einmal musste er seinen ersten Agenten um ein paar Dollar anbetteln, damit er nicht ins Gefängnis kam.

Im Malrauxschen Sinne dürfte kein Unterschied zwischen Leben und Handeln gestanden haben, kein Gegensatz zwischen Werk und Leben. Noir-Romane sind Grenzbegegnungen in den Randbezirken des Grauen. Bücher als Waffen.

In seiner Besprechung von Eldridge Cleavers SOUL ON ICE in „The Progressive“ zeichnete Stevens so etwas wie sein Credo als Autor:

„For those of us who believe that the writer must grapple with the moral issues of his day, that he must view himself in the context of events and not just from his own personal needs, these are dangerous times. The urge to be a full-time revolutionary in a country so desperately ill is overwhelming.”
Crime fiction is supposed to be social fiction—I think even more so than “literary fiction”—confronting the issues we currently face as human beings in our society… It’s much more comforting for us to reduce criminal actions to the purely aberrant: the criminal becomes mutant, his behavior occurring for the same reasons that a baby might be born with six fingers or webbed toes. These actions are then countered through: the might of pure logic/reason; the law-breaking force which exists only to reaffirm the status quo; or because the mutation (the criminal) is faulty, it simply “fails to thrive”. Too often as well, the crime itself becomes the only important thing without any acknowledgment of motivation and circumstance. The heist, the murder for hire, and the million dollar drug-deal are played simply for thrills and to showcase the writer’s ingenuity or capacity to craft empty brutality.”

Der zweite Roman, WAY UPTOWN IN ANOTHER WORLD, ist die zornige Ich-Erzählung eines Schwarzen, der voller Verachtung über „sein Volk“ spricht und für die politischen Aktivitäten der Afro-Amerikaner nur Hohn hat. Outlaw-Literatur in der Tradition von William S. Burroughs und Hubert Selby jr. (der seinen Erstling GO DOWN DEAD, an dem Stevens sechs Jahre gearbeitet hatte, über einen Harlemer Gang-Leader lobte).

Sein dritter Harlem-Roman war RAT PACK – also kein Wunder, das zeitgenössische Leser ihn für einen Schwarzen hielten. Über letzteren schrieb Chester Himes: “Truly a classic of the lower depths.”

Der Roman DEAD CITY, 1973, ist ein brutales Mob-Drama, das einem Kritiker als eine Art Vorläufer für Martin Scorseses Film GOODFELLAS erscheint.

Der letzte Roman unter seinem Namen war der Polit-Thriller THE ANVIL CHORUS über die Jagd nach einem Nazi-Killer,1985. Danach erschienen noch die beiden Privatdetektiv-Romane unter J.W.Rider.

In KRIMIAUTOREN VON A-Z (https://krimiautorena-z.blog/2018/05/22/stevens-shane/) steht über die Malone-Romane von Rider:

„Malone ist einer der härtesten und gemeinsten Ermittler der Kriminalliteratur. Er nimmt grundsätzlich nur Mordfälle an – allenfalls noch Fälle von Morddrohung. Liiert ist er mit der aparten Malerin Marilyn, die sich auf Werwolf-Bilder spezialisiert hat. Im ersten Roman ‚Der Teufel hat vielen Masken‘, einer mit ausgesprochen fiesen Gestalten bevölkerten Geschichte, hat Malone zwei Auftraggeber: Den aufstrebenden Immobilienhai Cooper Jarrett, dem anonyme Telefonanrufer einen baldigen Tod vorausgesagt haben, wenn er sich nicht aus seinem Milliardenprojekt beim Hafen von Jersey City zurückzieht; und Constance Kelly, eine atheistische Aktivistin, deren Mutter kürzlich durch eine Kugel aus dem Leben schied – laut der Polizei handelte es sich um Suizid. Schon bald wird Malone klar, dass die beiden Fälle eng miteinander verknüpft sind – Geldgier und Korruption, Sexualität und Hass sind die Bindeglieder. Welche Rolle aber spielt Jarretts Ex-Frau und Geschäftspartnerin Laura, die Malone heftig umgarnt?“

Warum seine Stimme dann verstummte, ist mir nicht bekannt. Aber kaum entschuldbar. Stevens war einer der klügsten Köpfe und besten Schreiber im Genre, der „Black Experience“ und die Outlaw-Literatur der Beats mit tiefsten noir verband.

Die meiste Zeit verdiente er wenig. Erst mit KILL kam das „große Geld“: Der Roman verkaufte sich gut, es kamen ausländische Lizenzen hinzu und Hollywood kaufte die Filmrechte. Für Columbia Pictures schrieb er ein Drehbuch nach KILL. Daneben verfasste er wohl noch andere Adaptionen für Hollywood.

Popular crime fiction is really one big buffer zone that reinforces the status quo.

Shane Stevens bediente nicht die lahmen Mittelschichts-Phantasien, die den durchschnittlichen Kriminalroman verseuchen. Rassen- und Klassenkampf, institutionalisierte Gewalt, Armut, Korruption, Verrohung, rücksichtslose Ausplünderung gehörten zu seinen Themen, und sie sind gerade in den Staaten aktueller denn je. Auch wenn es in seinen Büchern keine Smartphones gibt.

In einem Brief an Charles Harris:

“What’s happening is that this is a class struggle going on in this insane country. Of which white racism is a part. What counts is not skin color but life style: money, Charles, money. The question is how you live—that determines what side of the gun you’re on. Now the people of all colors who are poor are beginning to move and they’re moving against those who keep them down. Middle class America: with its false liberals, its private ownership of everything needed to live, its slave state mentality and racist theology…”

Stephen King sagte über sein Werk, dass er drei der besten Bücher über die dunkle Seite des amerikanischen Traums geschrieben habe. Nachdem sich King im Nachwort zu seinem Roman THE DARK HALF begeistert über Stevens ausgelassen hatte, wurden drei Bücher neu aufgelegt. King hatte von Stevens in seinem Roman den Namen Alexis Machine aus DEAD CITY für George Starks Protagonisten übernommen.

Vom Heyne-Verlag wird der Roman unnötig als „Mutter aller Serienkiller-Romane“ vermarktet (Serienkiller bevölkerten die Literatur bereits vor 1979; z.Bsp. Ellery Queens CAT OF MANY TAILS, 1949, oder Robert Blochs PSYCHO, 1959). Das sei gerne verziehen für diese Veröffentlichung und hoffentlich die Publikation weiterer Romane Stevens (dessen beiden J.W.Rider-Bücher ich in der SCHWARZEN SERIE publizieren durfte). Die Behauptung, dieser Roman hätte die True-Crime-Literatur vorweggenommen, ist natürlich absoluter Schwachsinn. Und mit True-Crime hat er genauso wenig zu tun wie DRACULA mit Chiropterologie.

Sicherlich kann man aber KILL zusammen mit Lansdales ACT OF LOVE und Thomas Harris´ RED DRAGON, beide 1981, als die Romane ansehen, die das Sub-Genre in seiner aktuellen Form definiert haben. KILL hebt sich dank der literarischen Qualität und dem gesellschaftlichen Blick ganz klar heraus.

Die von Heiko Arntz ergänzte und überarbeitete Übersetzung von Alfred Dunkel ist gut gelungen (auch wenn mal wieder ein „Sedan“ herumfährt).

P.S.: Quelle der Zitate ist der angehende Stevens-Biograph Chad Eagleron.

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NEUES FÜR SHERLOCKIANER: CONAN DOYLE UND DIE NERDS by Martin Compart

Arthur Conan Doyle tritt in die Fußstapfen seiner berühmtesten Figur Sherlock Holmes: Weil Scotland Yard keinen Anlass sieht, den Mord an einem augenscheinlich leichten Mädchen aufzuklären, macht er sich selbst auf die Suche nach dem Mörder. Er schleicht durch die dunklen Straßen des viktorianischen London und landet an Orten, die kein Gentleman betreten sollte.
Etwa hundert Jahre später ist ein junger Sherlock-Fan in einen Mordfall verstrickt, bei dem Doyles verschwundenes Tagebuch und einige Fälle seines berühmten Detektivs eine wichtige Rolle spielen. Zwei Morde, zwei Amateurdetektive, zwei Welten –


Eichborn Verlag; 480 Seitten; 22,00 €

Sherlock Holmes-Pastiches, Kopien, Parodien oder Plagiate gab es bereits zu Conan Doyles Lebenszeiten. Explodiert ist der Holmes-Kult nochmals Anfang der 1970er Jahre durch Nicholas Mayers KEIN KOKS FÜR SHERLOCK HOLMES. Danach erschienen viele Pastiches, die dem Original nicht nachstanden, teilweise sogar überlegen sind. Das Interesse an diesem stärksten Mythos der Kriminalliteratur steigerte sich in den folgenden Jahrzehnten und erreichte im 21.Jahrhundert mit den Kinoversionen mit Robert Downey jr. und der TV-Serie SHERLOCK einen neuen Höhepunkt.

Holmes geistiger Vater, der höchst ehrenwerte Sir Arthur Conan Doyle, hat es inzwischen selbst zum literarischen Helden gebracht. Der Schriftsteller, der sich auch als Detektiv betätigte, wurde in den letzten Jahren zur Hauptperson von drei Fernsehserien und einem Kino-Film: MURDER ROOMS: THE DARK BEGINNINGS OF SHERLOCK HOLMES, 2000, ARTHUR & GEORGE, 2015, ein britischer Dreiteiler nach dem Roman von Julian Barnes, HOUDINI & DOYLE, eine zehnteilige Serie von 2016 und der Kino-Film HOLMES & WATSON von Ethan Cohen von 2018.

Der m.E. überzeugendste Einsatz von Conan Doyle als fiktionalen Protagonisten gelang dem Drehbuchautor, Produzenten und Romancier Mark Frost(„Twin Peaks“) mit den beiden düsteren Romanen „The List of Seven“, 1993 (Deutsch: „Sieben“) und „The Six Messiahs“, 1996, (Deutsch: „Im Zeichen der Sechs“).

„Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“ spielt geschickt auf zwei Zeitebenen: Einmal 1900 mit Conan Doyle, der sich mit seinem Freund Bram Stoker auf die Suche nach einem Serienkiller begibt. Und zum anderen im Jahre 2010 in der Szene der Baker Street Irregulars, einer Gruppe von Holmes-Jüngern, die seit 1934 den Kanon von Conan Doyle erforscht. Ein Mitglied der Sherlock Holmes-Gesellschaft wurde ermordet, weil er den „heiligen Gral“ der Holmes-Nerds gefunden hatte. Der junge Sherlockianer Harold macht sich auf die Suche nach diesem verlorenen Tagebuch von Conan Doyle, in dem die Vorgänge in der Parallelhandlung erzählt werden. Mit diesem Fetisch des „lost Diary“ trifft Moore den Nerv der Holmes-Kultisten. Außerdem nutzt er für die Figur Harold den anhaltenden Trend, lebensunfähige Nerds zu Heroen zu stilisieren. Weiterhin zeigt er in seinem Detektivroman dieses „nerdische“ Konkurrenzverhalten beim Begehren von gesellschaftlich irrelevanten Objekten, deren Wert nur im subkulturellen Kosmos existiert


Eine Inspirationsquelle für den Roman war der seltsame Tod des führenden Conan Doyle-Sammlers und Sekundärliteraten Richard Lancelyn Green im Jahr 2004 (https://www.telegraph.co.uk/news/uknews/1478814/Case-of-the-Sherlock-Holmes-fanatic-who-killed-himself-but-made-it-look-like-murder.html ). Umstritten ist, ob er wegen seines Interesses an Conan Doyle ermordet wurde, oder ob er Selbstmord durch Garottieren beging und es wie Mord aussehen ließ. Green war einer der bedeutendsten Köpfe der internationalen Conan Doyle-Forschung.

Graham Moore wurde 1981 geboren. Mit 16 Jahren unternahm er einen Selbstmordversuch. Seine Mutter Susan Sher war Michelle Obamas “chief of staff”.
THE SHERLOCKIANS erschien 2010 in den USA und war sein erstes Buch, mit dem er es sofort auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte. Sein Drehbuch für THE IMITATION GAME erhielt 2015 den Oscar Award. Anerkennung fand auch Moores zweiter Roman, „Die letzten Tage der Nacht“, über Thomas Edisons Patentkriege.

Die gekürzte Hörbuchversion ist ganz nett, unterschlägt aber Details, Hintergründe und Beobachtungen, die Moores Roman interessant machen. Gerade das Ausloten der Beziehung zwischen Conan Doyle und Bram Stoker (dessen „Dracula“ Doyle sehr schätzte) geht im Hörbuch ziemlich unter.
Ob die Beziehung zwischen den beiden Schriftstellern tatsächlich so eng war, wage ich nicht zu beurteilen. In einigen Conan Doyle-Biographien (etwa denen von Ronald Pearsall oder Owen Dudley Edwards) wird Stoker nicht mal erwähnt. Aber das ist letztlich auch unwichtiger als der Spaß, die beiden Autoren durch ein fiktionales Abenteuer zu begleiten.

Für Sherlockianer ist der Roman ein Lesevergnügen!

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Der wilde Detektiv von Jonathan Lethem, vorgestellt von Jochen König by Martin Compart

Es ist mir eine große Freude, hier einen Beitrag von Jochen König zu präsentieren. Seine Rezensionen, Porträts und Artikel gehören seit langem zu den originellsten und interessantesten in der deutschen Sekundärliteratur. Hier also seine Gedanken zu Jonathan Lethem, einem der ungewöhnlichsten amerikanischen Schriftstellern der Gegenwart.
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Der wilde Detektiv von Jonathan Lethem

Jonathan Lethem, der Philip K. Dick-Vertraute und Editor, ist in den USA wesentlich präsenter als hierzulande. Obwohl etliche seiner Werke in deutscher Übersetzung vorliegen, so auch der mit dem „Gold Dagger“ und „National Book Crircs Award“ausgezeichnete Roman „Motherless Brooklyn“, bewegt er sich in Deutschland ein wenig abseits der öffentlichen Wahrnehmung.

Daran wird auch die Veröffentlichung seines aktuellen Romans „Der wilde Detektiv“ bei Klett-Cotta kaum etwas ändern. Zu sperrig und zu sehr liebäugelnd mit der populärmythogischen Meta-Ebene, die sich zwischen dem alptraumhaften Sirren der Alpträume David Lynchs, Leonard Cohens Studien in Zen-Mediation, Sex in lausigen Motelzimmern, dem Spiel mit den Motiven des Hardboiled und einem Abgesang auf das von Donald Trump vergewaltigte Amerika erstreckt.

„What’s The Frequency, Kenneth?
“ steht als Frage im Raum, nicht nur hier gestellt, sondern auch vom filmischen Geschwisterchen „Under The Silver Lake“ (von David Robert Mitchell), der sich auf ähnlichen Pfaden wie der wilde Detektiv bewegt. Nur somnambuler. Also passend für R.E.M.

Es kann aber passieren, dass der Status „Kriminalroman“ von stoischen Anhängern mauer Krimikost zwischen Andreas Franz und Chris Carter unverständig aberkannt wird, obwohl der Roman geradezu klassisch startet:

Ein Mädchen ist verschwunden, der wilde Detektiv namens Charles Heist wird beauftragt, sie zu suchen. Immer die nassforsche Erzählerin Phoebe Siegler im Schlepptau. Siegler, ein Spross der New Yorker Medienwelt, hat dieser den Rücken zugekehrt, nachdem ihre Vorgesetzten und Kollegen sich dem „Trumpeltier“ anbiedernd andienten. Mieses Karma. Kein Ort, um dort länger zu verweilen. So kommt es gar nicht ungelegen, dass Arabella, die achtzehnjährige Tochter einer Freundin Sieglers, vermisst wird.
Verschollen, während sie auf der Suche nach Leonard Cohens Vermächtnis war.
Phoebe entwickelt sich von einer großstädtischen Medienexpertin zur postmodernen Nancy Drew, die an der Seite von Charles Heist – manchmal auch voraus – die junge Arbella sucht. Die sich, kein großartiger Spoiler, als ihr juveniles Alter Ego entpuppen wird. Es dauert kaum bis zur Hälfte des Romans, dann hat sich die Vermisstengeschichte erledigt, doch „der wilde Detektiv“ wird weiterhin gefordert. Er muss zu einem letzten Kampf in der Wüste antreten, gegen einen Herausforderer namens „Solitary Love“.

Auf den Spuren der zerbröselnden Hippiekultur begegnen Phoebe und Charles zwei Gruppierungen, den weiblich geprägten „Kaninchen“ – die entgegen ihres Namens sehr wehrhaft sind – und den in erstarrten Ritualen verwilderten, männlichen „Bären“, als deren Anführer Solitary Love reüssieren möchte.
Da seien Charles Heist und seine tatkräftige Hüterin Phoebe Siegler vor.
Während Leonard Cohen zurückgezogen Zen-Meditation ausübte, wurde er von seiner Managerin und Vertrauten um den Großteil seines Vermögens gebracht, weshalb er bis zu seinem Tod Live-Auftritte absolvieren musste. Wieder einmal gilt: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn (in Cohens Fall der Nachbarin) nicht gefällt. Ausbeutung, Gier, Machtmissbrauch und Maßlosigkeit zerstören nicht nur private Existenzen, sondern Gesellschaftssysteme und die Umwelt.

Das setzt Jonathan Lethem nicht plakativ in Szene, sondern lässt es im Hintergrund rumoren. Außer es setzt Sticheleien gegen Donald Trump. Dann wird es grantig.

„Der wilde Detektiv“ bezieht seine Kapitel-Unterteilung bewusst aus der Topographie. Der Roman schildert eine Reise durch heruntergekommene Trailer-Parks und Motels, die abgasverseuchte Lagerhallen-Einöde des Inland Empire nahe Los Angeles (mit Grüßen an David Lynch), über einen Schwemmkegel, der von Wassermassen ausgehöhlt wird, hinein in eine Wüste, die Relikte einer ehemaligen Aufbruchstimmung beherbergt, an deren finsterem Ende die Manson-Family haust. Doch noch geht es ums Überleben, nicht töten.

„Die Viscera Springs Ranch war eine zähe Kommune, wen auch nicht gerade mit Intelligenz oder Dusel gesegnet. Ihrer Gruppe wurde das ganze Menü serviert – Ideologie, Filzläuse, Hunger – aber sie hielt durch.

Wofür eigentlich?

Um Ideale in Flammen aufgehen zu sehen, um einen letzten Kampf verzweifelter Machos zu erleben, die Sehnsucht nach einer „totalen Leere“ im Kopf, die die Basis für einen Neuanfang verspricht?

Gut gemeint, wird aber hinfällig, wenn man im Karma-Rad steckenbleibt. Jonathan Lethem spielt mit Esoterik und Heilsversprechen, lässt beides aber mit Makabrem kollidieren. So gehört das Anwesen auf der Spitze des Berges, an dessen Fuß Leonard Cohen meditierte, koreanischen Geschäftsleuten (Investoren?), auf deren Areal Mordopfer entsorgt werden. Der klimatisierte Alptraum fordert seinen Tribut.

Phoebe Siegler ist so eine Art Alice im Trumpland, verwirrt wie zielstrebig wühlt sie sich durch ihren eigenen Kaninchenbau und findet verloschene Illusionen, gekappte Träume und Hoffnungen. Eine Welt ist untergegangen, eine andere im Umbruch. Am Ende geht die Reise weiter: „Ich hatte einen weiten Weg vor mir.“ Eine Vermisste wurde gefunden, ein Kampf auf Leben und Tod gewonnen, die Suche nach Erkenntnis und Zusammenhängen bis in den Meta-Bereich vorangetrieben, begleitet und kommentiert von popkulturellen Verweisen.

Der wilde Detektiv hat mit Mühe und unter Schmerzen überlebt, ohne Phoebe „Alice Nancy Drew“ Siegler und die Unterstützung der weiblichen Kaninchen wäre er untergegangen. Ein ferner Donner erzählt vom langen Abschied und James Crumleys letztem echten Kuss. Die blonde Motorradfahrerin auf der chromgelben Harley, der Phoebe mehrfach begegnet, könnte Mallory sein oder Claire DeWitt auf dem Weg nach New Orleans.
Jonathans Lethems wilder Detektiv ist in guter Gesellschaft unterwegs.

Sprachlich ist das von ganz eigener Poesie, die ziemlich offensichtlich und mit großer Freude damit kokettiert, sich selbst zu karikieren. Die deutsche Übersetzung ist leider keine der geschmeidigen Art. In Kauf nehmen, was problemlos möglich ist, oder das Original lesen. Wer sich darauf einlässt, wird mit Lektüre belohnt, die weit über sich selbst hinausweist und nachwirkt.

There’s nobody missing
There is no reward
Little by little We’re cutting the cord
We’re spending the treasure, oh no, no
That love cannot afford
I know you can feel it
The sweetness restored

Natürlich gehören die letzten Worte Leonard Cohen.

Bibliographische Angaben:

Jonathan Lethem
Der wilde Detektiv (Orig.: The Feral Detective)

Klett Cotta

Aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumenbach
VÖ: 31.01.2019

335 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag



ES WAR EINMAL IN WASHINGTON: GEORGE P. PELECANOS by Martin Compart

Mein Nachwort zu Dumont Noir Bd.6: DAS GROSSE UMLEGEN.

Im ersten Noir-Roman seiner historischen Washington-Trilogie, THE BIG BLOWDOWN (DAS GROSSE UMLEGEN), beschreibt George P.Pelecanos die amerikanische Hauptstadt der 40er- und 50er Jahre. Damals wurden für eine Reihe Entwicklungen die Weichen gestellt, die bis heute richtungweisend sind. Der Hass der ethnischen Gruppen untereinander, die alle auch kriminelle Fraktionen bilden, ist natürlich über das historische Washington hinaus aktuell. Genauso das Abgleiten perspektivloser Jugendlicher, die ihre neue Welt noch nicht richtig verstehen, in Gangs, um sich gegen reale wie vermeintliche Bedrohungen von Außen zu verteidigen.

Pelecanos schreibt über die Stadtteile der amerikanischen Hauptstadt, vor denen uns die Reiseführer warnen, falls sie überhaupt erwähnt werden.

Er ist Washingtoner griechischer Herkunft, hat die US-Klassiker des proletarischen Romans wie THIEVES LIKE US von Edward Anderson oder THIEVES MARKET von A.I.Bezzerides genauso studiert wie Hammett und Chandler. Seine Romane beleuchten die Machtzentrale Washington D.C., wie man diese Stadt bisher noch nicht in der Literatur gesehen hat. Es ist die Welt der Immigranten und Sklavennachkommen, die sich mehr schlecht als recht durchbeißen, um einen Stück vom Kuchen des amerikanischen Traumes herunterschlucken zu können.

Der 1957 geborene Pelecanos hat eine eigene originelle Stimme und ein eigenes Thema, von dem er geradezu besessen scheint. „Meine Idee war, als ich begann, über die Arbeiterklasse Washingtons zu schreiben in der Form des Kriminalromans. Meines Wissens hat das bisher keiner getan. Wenn Washington das Thema von Romanen oder Thrillern ist, dann geht es nur um hohe Politik oder einen verrückten Militär, der den roten Knopf drücken will. Es ist meine Lebensaufgabe geworden, über das wahre Washington vor den verschlossenen Türen zu schreiben. Durch alle Jahrzehnte unseres Jahrhunderts hindurch.“

Pelecanos Vater kam als Kleinkind in die USA. Die ganze Familie arbeitete in der Billiggastronomie, und George wuchs in den Küchen, Bars und Coffeshops der griechischen Einwandererszene auf. Ab dem zehnten Lebensjahr half er seinem Vater in den Sommerferien. „Ich tat dies mein ganzes Leben, bis ich Schriftsteller wurde.“ Nach seinem Kunststudium nahm er eine Reihe unterschiedlicher Jobs an.

1989 kündigte er seinen Job als Manager einer Kette von Haushaltsgeschäften, um einen Roman zu schreiben. Für den Lebensunterhalt arbeitete er nachts in einer Bar im Nordwesten Washingtons. Der Roman erschien 1992 unter dem Titel „A Firing Offense“ und war der erste einer Trilogie um den Washingtoner Privatdetektiv Nick Stefanos.

Ihm gelang mit den drei Stefanos-Romanen, was inzwischen zu den schwierigsten schriftstellerischen Aufgaben gehört: neue Funken aus einem Klischee strotzenden Subgenre zu schlagen. Die Private-Eye-Novel stand Jahrzehnte unter dem übermächtigen Einfluss von Raymond Chandler und war schon fast in Stereotypen erstickt als Ende der 1970er Jahre und in den 80er Jahren Autoren wie Robert.B.Parker, Lawrence Block, Loren D.Estleman, Marcia Muller, James Crumley, Joe Gores, Joseph Hansen und einige andere neue Wege gingen. Aber ob Regionalismus-Trend, neuer Realismus oder harte weibliche Privatdetektive, in den 90er Jahren schien der Privatdetektivroman wieder in einer Sackgasse gelandet zu sein. Pelecanos schrieb mit der Stefanos-Trilogie einen im Regionalismus verwurzelten Entwicklungsroman, dessen Hauptperson jenseits abgedroschener Klischees angesiedelt war.

„Ich liebe das Genre. Ich wurde an der Universität, ich war an der University of Maryland, durch einen Lehrer damit bekannt gemacht. Von da an las ich mehrere Bücher pro Woche zehn Jahre lang. Und dann dachte ich mir, ich könnte selbst einen Privatdetektivroman schreiben. Aber ich hatte natürlich keine Ahnung von der Arbeit als Privatdetektiv. Also besann ich mich auf meine proletarischen Wurzeln und die Milieus, die ich kenne. Ich hatte auch eine ganze Reihe Romane gelesen, die eher an der Peripherie des Genres angesiedelt sind: THIEVES LIKE US von Edward Anderson, THIEVE’S MARKET von A.I.Bezzerides und die Bücher von Horace McCoy. Ich kannte diesen proletarischen Moment in der Hard boiled novel. Ich wollte nicht irgendwas Originelles erfinden oder konstruieren, ich schrieb nur aus einer anderen Perspektive über bisher literarisch nicht beachtete Milieus.“

Damit gab Pelecanos die Perspektive der Mittelklasse, die den Privatdetektivroman von Chandler bis Sue Grafton, Parker oder Sarah Paretsky beherrschte, auf. Aber Pelecanos sagt auch: „Heute nicht zuzugeben, dass Chandler die Standards vorgab, wie es einige Autoren tun, ist völliger Unsinn. Jeder von uns PI-Autoren schuldet oder verdankt ihm etwas.

Anders als bei den üblichen Privatdetektivromanen schrieb Pelecanos nicht dasselbe Buch mehrmals: in jedem der drei Stefanos-Romane macht der Protagonist eine radikale Veränderung durch, die aus seinen Erfahrungen rührt. „Wenn ich ein Buch in die Hand bekomme, dessen Klappentext behauptet, der Autor sieht sich als geistiger Nachfolger von Chandler, möchte ich es am liebsten an die Wand schmeißen. Ich bin sicher, Mr. Chandler würde von einem jungen Autor erwarten, dass er etwas neues, anderes wagt, selbst mit dem Risiko zu scheitern. Ich achte die Regeln des Genres, aber genauso ist es mir wichtig, diese Regeln zu verändern, ich will die Konventionen solange zusammenpressen, bis Blut herausläuft.

Den Kosmos, den Pelecanos in seiner Stefanos-Trilogie, entwickelt hat, nutzt er auch für spätere Bücher: Im GROSSEN UMLEGEN etwa taucht Nicks Großvater Big Nick Stefanos auf, und Nick selbst ist ein Baby. Das gibt seinem Gesamtwerk eine zusätzliche Dimension epischer Breite und seinem Jahrzehnte überspannenden Sittenbild glaubwürdige Geschlossenheit.

Über DAS GROSSE UMLEGEN sagt er:
„Der Anfang ist eigentlich die Geschichte meines Vaters. Er kam aus Griechenland und lebte in Washingtons Chinatown. Damals kein reines Chinesenviertel, sondern der übliche Ort, wo sich arme Immigranten niederließen. Im 2.Weltkrieg ging mein Vater zu den Marines; er nahm an den Nahkämpfen auf Leyte teil. Peter Carras im Roman kehrt aus dem Krieg zurück und schlägt dann einen anderen Weg ein als mein Vater, der seine Familie hatte. DAS GROSSE UMLEGEN wurde mein Big Book, mein großer Gangsterroman. Es schrieb sich von selbst und ist immer noch mein Lieblingsbuch. Naja, ganz von selbst schrieb es sich natürlich nicht. Ich verbrachte Monate im Washingtonraum der Martin Luther King-Bibliothek und fraß mich durch Zeitungen von damals. Mich interessierte natürlich alles über die Kriminalität. Es gab keine richtig große Gang, obwohl es natürlich organisiertes Glücksspiel gab und enge Verbindungen mit New York zum Costello-Syndikat. Außerdem sprach ich mit älteren Leuten, die sich noch gut an die Zeit erinnern konnten. Dann setzte ich mich hin und schrieb das Buch in vier Monaten. Der Film noir der 40er Jahre beeinflusste mich sehr stark bei diesem Roman.“

Der nächste Band der Trilogie, KING SUCKERMAN, spielt in den 70er Jahren mit Pete Karras‘ Sohn Dimitri als einen der Protagonisten.
„Das war meine große Zeit. Das Buch spielt in der Woche der großen Zweihundertjahrsfeiern 1976. Ich war 19 Jahre alt und es war mein Sommer. Ich glaube, jeder Mensch hat einen großen Sommer, in dem alles großartig ist. Ich erinnere mich an jedes Detail. Das Buch ist in einem völlig anderen Stil geschrieben als DAS GROSSE UMLEGEN. Viel lockerer, weil es eine Zeit darstellt, in der ich gelebt habe und die ich nicht mühselig recherchieren musste. Mich haben besonders diese radikalen Veränderungen in der Kultur innerhalb von dreißig Jahren fasziniert. Ein Mann in den 40er Jahren band sich einen Windsorknoten und setzte einen Fedora auf, bevor er aus dem Haus ging. Man muss sich mal vorstellen, er ginge aus dem Haus und würde in den 7oer Jahren landen. Alleine wie die Leute gekleidet waren, wäre ein Schock für ihn gewesen. Wie bei dem GROSSEN UMLEGEN der Film noir ein Einfluss war, schlugen sich bei KING SUCKERMAN das schwarze Actionkino der 70er Jahre, die blaxploitation movies nieder. Der letzte Band der Trilogie heißt THE SWEET FOREVER und spielt 1986.“ In diesen Büchern vermittelt Pelecanos neben der crime story auch die Tragödie, dass keine Generation der nächsten ihre Erfahrungen wirklich vermitteln kann. „Ja, es ist ein Moment der Tragödie, denn man ahnt oder weiß, was passieren wird, weil die eine oder andere Person nicht zuhört, was ihm der Ältere zu vermitteln versucht.“

Neben seiner Karriere als Schriftsteller arbeitet Pelecanos noch in der Filmbranche. „Auf einem Hongkong-Festival am American Film Institute hatte ich THE KILLER von John Woo gesehen und war tief beeindruckt. Als ich erfuhr, daß Jim und Ted Pedas die amerikanischen Vertriebsrechte für Circle Films gekauft hatten, meldete ich mich bei ihnen. Ich wollte eigentlich nur die Promotion für diesen einen Film machen, blieb aber dann bei Circle Films.“ Circle Films vertrieb BLOOD SIMPLE der Coen-Brüder und produzierte für die Coens RAISING ARIZONA, MILLER’S CROSSING und BARTON FINK. „MILLER’S CROSSING ist im Grunde eine Adaption von Dashiell Hammetts RED HARVEST und THE GLASS KEY. RED HARVEST ist oft für das Kino adaptiert oder geklaut worden:von Kurosawas YOYIMBO bis zu Sergio Leones EINE HANDVOLL DOLLAR und Walter Hills LAST MAN STANDING.“ Pelecanos war Co-Produzent bei Bob Youngs Film CAUGHT mit Edward James Olmos, „eine Art James M.Cain-Geschichte mit der Musik von meinem alten Idol Curtis Mayfield“. Zuletzt produzierte er WHATEVER, der von Sony Pictures gekauft wurde. Es liegt nahe, daß Pelecanos Romane selbst als Filmvorlage dienen könnten. „Meine Agentin trommelt dafür. Mein non-serie-Roman SHOEDOG ist unter Option, aber ob er wirklich verfilmt wird, steht in den Sternen. Ich habe das Drehbuch geschrieben, und ich schrieb die Drehbuchadaption von DAS GROSSE UMLEGEN. Ich wollte nicht, daß ein anderer das macht. Das Buch steht mir und meiner Familie zu nahe. Es geht um echte Menschen, nicht um Stereotype.“

P.S.: Pelecanos hat 2000 mit SHAME THE DEVIL noch einen Band nachgelegt und somit wurde aus der Trilogie eine Tetralogie.

http://zerberus-book.de/



NOIR-KLASSIKER: CHARLES WILLEFORD – Keine Hoffnung für die Lebenden by Martin Compart
11. Januar 2019, 1:16 pm
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Charles Willefords Knochen vermodern mit 260.000 anderen – darunter Seelenverwandten wie Lee Marvin und Sam Peckinpah – auf dem sogenannten Heldenfriedhof von Arlington.

Willeford war nämlich ein mehrfach verwundeter Kriegsheld (Schrapnellwunden im Gesicht und am Hintern), der als Panzerkommandeur von Pattons Armee im Zweiten Weltkrieg mit Silver Star, Bronze Star, Purple Hearts und dem Luxemburger Croix de Guerre ausgezeichnet wurde. Der „Hohepriester des Psycho-Pulp“ (wie ihn die „Village Voice“ nannte) wusste also, wovon er redete: „Sowas wie einen gerechten Krieg gibt es nicht. Nichts ändert sich dadurch – nur, dass ein paar Leute dazuverdienen und deshalb viele Menschen, vor allem junge, krepieren müssen. Es ist immer für nichts. Diejenigen, die Kriege anzetteln, sind nie dieselben, die sie dann tatsächlich kämpfen.“
Das sahen und sehen Ungediente wie Joscka Fischer, Rudolf Scharping, Hein Blöd Struck Jung, Guttenberg, de Maiziere, von der Leyen und wie die ganzen Drückeberger heißen, natürlich anders.

Erste deutsche Ausgabe eines Willeford-Buches.

Als 1984 mit „Miami Blues“ Willefords achtzehntes Buch erschien, wimmerten die harten Noir-Fans: „Wieso kennen wir den Kerl nicht?“ Erst fünf Jahre vor seinem Tod hatte der Schriftsteller damit seinen Durchbruch. Im Gegensatz zu Thompson, Goodis oder Williams war er zuvor nicht einmal ein Kultautor mit kleiner Fan-Gemeinde gewesen.

Geboren wurde Charles Willeford am 2. Januar 1919 in Little Rock, Arkansas. Mit acht Jahren war er Vollwaise. „Wenn du mit acht zur Waise wirst, weißt du, dass du als nächster dran bist“, sagte er später. Er lebte vier Jahre bei seiner Großmutter, die ihn während der großen Depression schließlich nicht mehr durchfüttern konnte. Als Hobo führte er dann ein „Leben auf der Straße“. Mit 16 ging er zum Militär und blieb 20 Jahre Berufssoldat.

1947 veröffentlichte er sein erstes Buch: den Gedichtband „Proletarian Laughter“.

1953 kam der erste Noir-Roman: „High Priest of California“, in dem ein noch gebremster Psychopath (natürlich Gebrauchtwagenverkäufer) einer verheirateten Frau nachsteigt. Ganz nebenbei erlaubt sich Willeford böse Seitenhiebe auf den McCarthyismus.

Als Double-Feature mit einem Talbot Mundy-Roman!

Es folgten Klassiker, die kein großer Verlag haben wollte: „Pick up“, 1955, und „The Woman Chaser“, 1960, zum Beispiel. Willeford, der gern bei Gold Medal Books veröffentlicht hätte, dem Verlag der von ihm so bewunderten Autoren Jim Thompson und John D. MacDonald, schrieb stattdessen für die miesesten und obskursten aller Taschenbuchverlage.
Daneben absolvierte er ein Studium der Philosophie und Literatur sowie diverse Gelegenheits-Jobs.
Sogar einen Privatdetektivroman („Wild Wives“, 1956) verfasste er, allerdings ohne große Begeisterung – in „der Tradition von Hammett und Chandler“, wie es oft auf stupiden Klappentexten heißt. Willeford bringt seinen PI darin am Ende in den Knast, denn „zum Schluss hassten die Leser den Kerl bestimmt genauso wie ich. Ich wollte nur sehen, ob ich sowas hinkriege“.

Von den Verlagen, die Titel änderten oder sogar seine Pseudonyme, war er nicht sonderlich begeistert, trug es aber mit dem ihm eigenen Humor: „Merkwürdige Leute. Warum hauen sie halbnackte Blondinen aufs Cover, wenn es in dem Buch doch um halbnackte Brünette geht?“

Der Kritiker William Bittner ordnete Willeford Ende der 50er den Beats zu. Tatsächlich haben Noir-Autoren und Beat-Literaten viele Gemeinsamkeiten – etwa die Verachtung für die Konsumgesellschaft und ihre Regeln. Bei Noir endet das meist in stoischem Existentialismus, Beat propagiert dagegen das Sich-treiben-lassen und die Kreativität.

Bevor er Anfang der 60er Jahre eine Universitätskarriere begann, arbeitete Willeford als Redakteur für Alfred Hitchcocks Kriminalmagazin. 1962 endete seine erste, materiell höchst unbefriedigende Phase als Romancier mit dem Roman „Cockfighter“. Im Verlag Alexander ist letztes Jahr eine Neuauflage des Romans erschienen, wie sie Ulrich von Berg schon vor über zehn Jahren konzipiert hatte: Mit dem Tagebuch, das Willeford während der Verfilmung des Romans durch Monte Hellman geschrieben hat, und einem Essay von James Lee Burke. Ulli wollte außerdem ein Regelwerk zum Hahnenkampf mit aufnehmen. Damals war kein Verlag bereit für derartige Editionen – ist man in Deutschland letztlich immer noch nicht.

Jedenfalls eroberte sich Willeford nur durch „Cockfighter“ einen dauerhaften Platz im Kanon der US-Literatur und im „proletarischen Roman“.

Er unterrichtete Literatur an der Universität von Miami und besprach als Kritiker des „Miami Herald“ Hunderte von Kriminalromanen (wo bleibt eine Sammlung dieser Reviews?)

„Der Wendepunkt in meiner Karriere war die Novelle ‚The Machine in Ward Eleven‘, die 1959 im ‚Playboy‘ erschien“, erinnerte er sich einmal in einem Interview. „Vorher hatten mir die Lektoren erklärt, es sei unmöglich, geisteskranke Personen als Sympathieträger zu zeigen. Ich glaubte das nie. Wahnsinn ist die Normalität in Amerika. Die Reaktion der Leser bestätigte das.“

Anfang der 70er Jahre nahm Willeford einen neuen Anlauf: Er hatte einen Hardcover-Verlag und einen Filmdeal in der Tasche. Sein Noir-Roman über den Kunstbetrieb, „The Burnt Orange Heresy“, gilt einigen als sein bester. Ein Kritiker beurteilte das Buch als „eine Mischung aus Patricia Highsmith und Jim Thompson – falls sowas möglich ist.“

Der nach Motiven der Odyssee konzipierte „Cockfighter“ wurde 1974 von Monte Hellman mit Warren Oates verfilmt und ist heute ein Kultfilm (in dem auch Willeford in der Rolle des Ed Middleton mitspielt).

Und wieder hatte er Pech: Wie zuvor das Buch, floppte auch die Verfilmung; der Autor stellte abermals die Produktion ein.

Es muss ihm damals bis obenhin gestanden haben. Die billigen Taschenbuchverlage hatten alles dazu getan, ihn erfolglos zu machen: Sein Roman „The Difference“ wurde von einem Lektor ruiniert, der ein neues Anfangskapitel schrieb. Manchmal erfuhr er erst Jahre später, dass eines seiner Bücher veröffentlicht worden war. Und als er endlich einen guten Lektor gefunden hatte, starb dieser unmittelbar nach der Neuauflage von „Cockfighter“ bei einem Autounfall.

Doch dann kam nach zehnjähriger Schaffenspause mit dem ersten Hoke-Moseley-Roman endlich der Erfolg für Amerikas härtesten Nihilisten. Elmore Leonard konnte sich kaum einbremsen und lobte Willeford als Offenbarung. Quentin Tarantino erklärte, er mache kein Neo-Noir, sondern Filme, wie Willeford Bücher schreibt.

Verlage balgten sich um weitere Moseley-Romane – und zum ersten Mal kam das große Geld. Für „The Way We Die Now“ bekam er 225.000 Dollar Vorschuß. Sein Kumpel, der exquisite Kleinverleger Dennis McMillan, veröffentlichte luxuriöse Neuauflagen. Willeford hatte es endlich geschafft! Vier Jahre konnte er sich darüber freuen, dann kam endgültig das große Nada.

Am 27. März 1988 war Zapfenstreich für den Mann, der Soldaten mit kriminellen Psychopathen verglich. Denen hat er mit einem unsterblichen Satz in „Sideswipe“ ein Denkmal gesetzt:

Ich bin ein krimineller Psychopath. Das bedeutet, dass ich den Unterschied zwischen Recht und Unrecht kenne, aber dass er mir scheißegal ist.

In seinen Noir-Romanen gibt es keine sentimentalen, melodramatischen Momente oder Identifikationsfiguren – aber jede Menge schwarzen Humor und vergiftete Gefühle, die eiskalt vorgeführt werden. Seine Machohelden sind Kakerlaken, erschreckend lebensechte Psychopathen, die durch überraschende Plots taumeln.

Willeford war kein Epigone, sondern ein originärer Schriftsteller mit einer eigenen Sicht auf das Leben: Einmal besuchte er mit McMillan einen Puff in Monterey. Die von ihm ausgewählte Nutte holte ein Notizbuch heraus und schrieb etwas hinein. Auf Willefords Frage, was sie da mache, antwortete sie: „Du bist diese Woche Nummer 71.“
Willeford drehte sich um und ging: „Ich wollte einfach nicht Nummer 71 sein.“

Charles Willeford auf Zelluloid

„Cockfighter“, 1974 inszeniert von „Two-Lane Blacktop“-Regisseur Monte Hellman und mit Warren Oates, Harry Dean Stanton und Willeford selbst.

„Miami Blues“, 1990 inszeniert von George Armitage und mit Alec Baldwin, Fred Ward, Charles Napier und Jennifer Jason Leigh.

„The Woman Chaser“, 1999 inszeniert von Robinson Devor und mit Patrick Warburton.

“The Burnt Orange Heresy”, 2018 inszeniert von Giuseppe Capotondi mit Mick Jagger (!) und Donald Sutherland.

Lange überfällig ist eine sorgfältig edierte Gesamtausgabe seines Werkes. Angesichts der heutigen Buchmarktidiotien ist diese weder im englischsprachigen Raum, noch im deutschsprachigen, vorstellbar.

P.S.: “ Peckinpah liegt trotzdem nicht in Arlington, seine Asche wurde vor Malibu über dem Pazific verstreut.“, mailt MiC, der es als Peckinpah-Experte (er hat alle Hinterbliebenen bereist und genervt) wissen sollte.

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QUENEAU IN DEN MEAN STREETS: JAMES SALLIS by Martin Compart

(Nachwort zu DEINE AUGEN HAT DER TOD; DuMont Noir Bd.7., 1999)

Für Verleger – und mehr noch Übersetzer – ist James Sallis die Herausforderung oder schlechthin ein Alptraum! Der Mann, der einen der faszinierendsten und schwierigsten Stile in der zeitgenössischen amerikanischen Literatur schreibt, kann einem Übersetzer das Leben zur Hölle machen. „Das weiß ich“, grinst der Autor, „schließlich habe ich mir selbst als Übersetzer aus dem Französischen an Raymond Queneau die Zähne ausgebissen. Er war der erste französische Autor, in den ich mich verliebte. Seine Bücher sind sehr seltsam und schwebend. Er treibt eine Menge Scherze auf Kosten der Leser, deren Erwartungshaltungen und sich selbst. Es gibt nichts ähnliches in der englischen Literatur. Er hat mich sehr beeindruckt.

Ein Teil von Sallis‘ Originalität begründet sich bestimmt in der tiefschürfenden Beschäftigung mit Queneau und dem nouveau roman. Der „New Orleans Time“ ist zuzustimmen, wenn sie schreibt: „Sallis trifft präzise jedes Detail und jede Nuance, jeden Schritt, jedes ölige Krabbensandwich und jede ausgebrannte Neonreklame… Sein Schreibstil ist elegant und sparsam – einfach atemberaubend.“ Sallis ist keine simple Lektüre, aber wenn man sich erst einmal auf ihn eingelassen hat, wird man auf einzigartige Weise dafür belohnt. Sallis ist mit Sicherheit einer der vielseitigsten Autoren, die man in der schier unerschöpflichen, vitalen angelsächsischen Literatur findet.

Geboren wurde er am 21.Dezember 1944 in Helena, Arkansas.
Als Kind schon war er ein begeisterter Science Fiction-Leser; seine erste Lektüre war THE PUPPET MASTERS von Robert A. Heinlein.
Er studierte in New Orleans und an der Universität von Texas in Arlington russische und französische Literatur. 1964 bis 1966 war er Lyrikredakteur der renommierten kanadischen Literaturzeitschrift „Riverside Quarterly“. 1964 heiratete er zum ersten Mal. Damals verkaufte er auch seine ersten Kurzgeschichten: Science Fiction-Stories.

Während eines Schriftsteller-Workshops traf er den britischen SF-Autor Michael Moorcock, der einige seiner Geschichten gekauft hatte und Herausgeber des avantgardistischen britischen Science Fiction-Magazins „New Worlds“ war.

Dieses Magazin hatte wesentlich die stilistische Weiterentwicklung des Genres zur sogenannten New Wave der sechziger Jahre vorangetrieben. Nicht mehr Edgar Rice Burroughs mit seiner Fantasy-SF oder Isaac Asimov und Robert Heinlein mit ihrer meist soziale Strömungen negierenden Hardcore-SF bestimmten die Richtung des Magazins, sondern Autoren, die sich eher auf William Burroughs und H.G.Wells beriefen. New Wave-Autoren wie James Ballard, Thomas Disch oder Norman Spinrad befreiten die erstarrte Science Fiction von technologischen Träumen und Pulp-Klischees und überschritten durch stilistische Experimente und neue Themen die verkrusteten Grenzen des damals vielgeschmähten Genres.

Moorcock stützte auch finanziell das Magazin, indem er als Lohnschreiber Fantasy-Zyklen für andere Verlage verfasste. Er wollte das Magazin nicht in Personalunion als Herausgeber und Redakteur führen und sich mehr auf seine schriftstellerischen Arbeiten konzentrieren. Also suchte er einen Seelenverwandten für die redaktionelle Tätigkeit. Nachdem er nächtelang mit Sallis über Science Fiction diskutiert hatte, bot er ihm den schlechtbezahlten Job als Redakteur von „New Worlds“ an. „Ich wusste nichts über die redaktionelle Arbeit an einem solchen Magazin. Außerdem hatte ich kein Geld. Also nahm ich an.“

Er zog nach London und betreute „New Worlds“ bis 1968. Damals kam er erstmals mit Kriminalliteratur in Berührung: „Mike Moorcock gab mir seine Raymond Chandler-Bücher. Ich las das komplette Werk in drei Tagen und Nächten. Danach war ich nicht mehr derselbe. Chandlers Werk ist für die Literatur von größerer Bedeutung als viele Autoren, die von Akademikern in den Pantheon gestellt werden. Chandler ist mindestens so wichtig wie Hemingway oder Fitzgerald. Ich begann mich für das Genre ernsthaft zu interessieren und versuchte alle wichtigen Autoren zu lesen. Vor allem Jim Thompson, David Goodis, Chester Himes und Horace McCoy beeindruckten mich neben Hammett und Chandler.“

Sallis lebte in einem kleinen Appartement in der Nähe der Portobello Road und teilte das pulsierende Leben der Swinging Sixties im damaligen Nabel der popkulturellen Welt. Die Freundschaft mit Mike Moorcock hält bis heute an.

Neben Crime-Autoren und Science Fiction verschlang Sallis vor allem französische Literatur. Eine Leidenschaft, die ihn die bis heute nicht loslässt und ihn 1993 SAINT GLINGLIN von Raymond Queneau ins Amerikanische übersetzen ließ.

Michael Moorcock

Als 1967 Auszüge aus Norman Spinrads Roman BUG JACK BARRON – eine bitterböse Geschichte über Medienmacht und Machtpolitik – in „New Worlds“ erschienen, befasste sich das Unterhaus mit dem Magazin, strich wegen Verbreitung angeblicher Obszönität die überlebenswichtige Kulturförderung und nannte Spinrad einen „Degenerierten“.
Als dann auch noch W.H.Smith, der größte Zeitschriftenverteiler „New Worlds“ aus dem Vertrieb nahm, stand dem Magazin, das eine so wichtige Rolle in der Entwicklung der modernen SF gespielt hatte, das Wasser bis zum Hals.

„Damals ging ich in die Staaten zurück, um meine Ehe zu retten. Es klappte nicht, und ich war zu arm, um wieder nach London zu gehen. Das bereue ich bis heute.“

Er schrieb weitere SF-Stories und gab zwei Anthologien heraus: THE WAR BOOK (1969) und THE SHORES BENEATH (1970). Daneben arbeitete er eine Weile als Kunst-, Literatur und Musikkritiker für „Boston After Dark“ und „Fusion“.

Eine seiner großen Leidenschaften ist die Jazzmusik, und seine legendären Besprechungen in „Texas Jazz“ führten zu den Büchern THE GUITAR PLAYERS (1982), JAZZ GUITARS (1984) und THE GUITAR IN JAZZ (1996). Er selbst spielt Waldhorn, Violine, Gitarre, Mandoline und Dobro und nennt seine musikkritischen und historischen Untersuchungen musicology. Einige Zeit spielte Sallis an Wochenenden in Clubs, um sein bescheidenes Gehalt als Lehrer aufzubessern. Er unterrichtete zeitgenössische Lyrik und Europäische Literatur am Clarion College in Pennsylvania und an den Universitäten in Washington, Tulane und Loyola, New Orleans, bevor er sich in Phoenix, Arizona niederließ, wo er heute mit seiner zweiten Frau Karyn lebt.

Die 70er Jahre waren sehr unstet, und Sallis ließ sich treiben, arbeitete in Krankenhäusern, kümmerte sich um Sterbende, schrieb Lyrik und soff die halben Alkoholvorräte des Südostens weg.

Ende der 80er Jahre beschäftigte er sich intensiver mit der Noir-Literatur und schrieb Essays über Jim Thompson, David Goodis und Chester Himes (sie wurden in dem Bändchen DIFFICULT LIVES, das 1993 im kleinen Brooklyner Verlag Gryphon erschien, gesammelt und werden auf Deutsch als Anhang der Griffin-Romane und in NOIR 2000 erscheinen).

Als er Anfang der 70er Jahre in New York lebte, entdeckte er Chester Himes, dessen absurd-realistische Romane ihn tief beeindruckten und zwei Jahrzehnte später Sallis Imagination für eine Noir-Serie aufladen sollten. „Meine Kenntnis von New Orleans und das Leben von Chester Himes inspirierten mich zu meinem Held Lew Griffin. Lews Passivität, die Art, wie er von Krise zu Krise getrieben wird und seine ausschließliche Liebe für weiße Frauen ist Chester Himes. Genauso sein Alkoholismus. Es gibt eine Menge Überschneidungen. Vieles ist von Himes‘ Roman THE PRIMITIVE (1955) inspiriert. Es ist das Buch von ihm, das ich am meisten bewundere. Ich kaufe jedes gebrauchte Exemplar in Secondhand-Shops, um sie zu verschenken. Ich wuchs im Süden auf und kenne die Welt der Schwarzen. Ich liebe schwarze Literatur und schwarze Musik. Als Kind spielte ich ausschließlich mit schwarzen Kindern. Bis ich zehn Jahre alt war und man mir sagte, dass das nicht mehr ginge.“

Natürlich bekommt Sallis heute öfters zu hören, dass es schon sehr merkwürdig sei, dass ein weißer Autor über einen schwarzen Protagonisten schreibe. Aber da ist Sallis nicht der erste: Zuvor taten die schon Ed Lacey, John Ball (die beide mehr oder weniger für dieses Unterfangen mit dem Edgar Allan Poe-Award ausgezeichnet wurden) und Shane Stevens.

Mit dem ersten Lew Griffin-Roman begann sein Durchbruch. Nun wurde er als Romancier und Erneuerer des Privatdetektivromans ernst genommen.

„Als ich begann, geschah in der Science Fiction ungeheuer viel neues. Michael Moorcock mit New Worlds und Damon Knight mit Orbit ermöglichten plötzlich tiefe, eigene Erfahrungen in phantastische Literatur umzusetzen, jenseits von Space Operas. Heute, denke ich jedenfalls, ermöglicht die Noir-Literatur diese innovativen Visionen bei einer eingeweihten Leserschaft. Die großen zeitgenössischen Kriminalliteraten sind großartige Schriftsteller, die auch außerhalb des Genres zu den besten zählen würden. Autoren wie Stephen Greenleaf, James Lee Burke oder George P.Pelecanos. Mit meinen Griffin-Romanen versuche ich die Energie und den klassischen Rahmen des Genres Private Eye-Novel mit intensiver Sprache und Charakteren zu verbinden. Damit das klar ist: Ich will das Genre nicht auflösen oder diskriminieren, ich nutze seine Kraft.“

Trotzdem sind diese Genre-Romane weniger Privatdetektivromane als Romane über einen Privatdetektiv. „Ich lese PI-novels Wegen der Atmosphäre und des Tons. Der Plot interessiert mich kaum.“ Die weiteren Charaktere, alles ausgereifte, dreidimensionale Persönlichkeiten, sind meistens Angehörige gesellschaftlicher Außenseitergruppierungen: Drogensüchtige, Homosexuelle, Prostituierte und Nachtarbeiter. „Ich selbst habe fast immer eine Randgruppenexistenz geführt und kenne diese Menschen am besten. Vielleicht mache ich es mir damit zu einfach, aber meine Werte – und die in meinen Büchern – sind mit Sicherheit nicht die der Mittelschicht. Eines meiner größten Vergnügen in diesen Romanen ist das Brechen von Klischees. Ich nehme ein Stereotyp wie etwa einen Privatdetektiv, um dann die gewohnten Vorstellungen zu brechen. Mit DEINE AUGEN HAT DER TOD habe ich dasselbe für den Agententhriller versucht.“

Neben den Romanen nehmen Literaturkritik und Essays weiterhin breiten Raum in seinem Schaffen ein. Er schreibt regelmäßig für die „Washington Post“, „New York Times Book Review“ und die „L.A.Times“. Als begeisterter Kriminalliterat hat er trotz seines Erfolges aber nie seine Verbundenheit mit dem Fandom verloren, und so schreibt er weiterhin unentgeltlich für „Mystery Scene“, „Crime Time“ und andere Magazine hochkarätige Besprechungen und Kritiken. Seine jüngsten Essays über George P.Pelecanos‘ DAS GROSSE UMLEGEN (DuMont Noir Band 6) und James Lee Burke (die in dem DuMont-Noir Reader NOIR 2000 auf Deutsch erscheinen), gehören zum Intelligentesten, das in jüngster Zeit über das Genre geschrieben wurde.

DEINE AUGEN HAT DER TOD war vielleicht ein einmaliger Ausflug von Sallis in die Welt der Geheimagenten. Aber der beklemmende, aufwühlende Roman ist – typisch Sallis – nur insofern ein Roman über Spionage und Agenten wie Graham Greenes BRIGHTON ROCK ein Roman über Jugendkriminalität in Südengland ist.

Es ist ein existentielles Katz-und-Maus-Spiel auf dem gigantischen Spielbrett der amerikanischen Landschaft und führt durch Diners und Motels, die das Schlachtfeld sprenkeln wie Plastikhäuschen ein Monopolybrett. Eine metaphysische Reise durch das Herz der Finsternis des amerikanischen Traumes.
Jonathan Lethem verglich das Buch mit Borges und Trevanians Klassiker SHIBUMI.

Sein Hauptwerk bleibt nach wie vor die Geschichte von Lew Griffin, die er, beginnend mit DIE LANGBEINIGE FLIEGE (DuMont Noir Band 11), in bisher fünf Romanen erzählt, die man als nouveau Privatdetektivroman bezeichnen kann.
Wie Queneau bricht Sallis die Erwartungen, die der PI-Genre-Leser den Büchern gegenüber hat. Als Queneau der Mean Streets ist sich Sallis der Künstlichkeit der Genrestruktur bewusst und lässt trotz aller Ernsthaftigkeit keinen Zweifel am fiktionalen. „Wenn Sie nicht wissen, daß Ihnen in diesen Seiten eine Geschichte erzählt wird, dann frage ich mich, wo zum Teufel Sie in den letzten vierzig Jahren gelebt haben? Schließlich geht es darum im Roman.“

Weiterhin überträgt er Rimbauds ästhetisches Konzept auf die Genre-Literatur: Pop-Literatur und populäre Kunst ist gemeinhin bestätigend. Sie sagt dem Rezipienten, dass alles, was er glaubt, richtig ist, bestätigt seine Sozialisation. „Man ist ein braver Junge, wenn man an die Normen glaubt. Wahre Kunst behauptet das Gegenteil: Woran du glaubst, ist nicht richtig. Nicht einmal annähernd. Also sollten wir mal ein bisschen nachdenken.“

THE LONG-LEGGED FLY wurde für den Shamus-Awar nominiert, ebenso MOTH; BLACK HORNET für den Golden Dagger Award der britischen Crime Writers Association und EYE OF THE CRICKET für den Anthony Award. Er erweitert das in Agonie dahinvegetierende Genre mit stilistischen Innovationen.
Dasselbe taten in den 60er Jahren die New Wave-Autoren James Ballard, Brian Aldiss, Mike Moorcock, Sam Delaney (über den Sallis einen Essay geschrieben hat) und andere in New Worlds für die Science Fiction.

Der Kreis schließt sich.

Bibliographie bis 1999:

A Few Last Words, 1972 (Kurzgeschichten)
The War Book, 1972 (Anthologie)
The Shores Beneath, 1973 (Anthologie)
The Guitar Players, 1973 (Musicology; Anthologie)
Jazz Guitars, 1982 (Musikkritik)
Difficult Lives, 1993 (Essays über Jim Thompson, Chester Himes und David Goodis)
The Guitar Players, 1994 (Erweiterte Neuauflage)
Limits of the Sensible World, 1994 (Mainstream-Kurzgeschichten)
Renderings, 1995 (Roman)
The Guitar of Jazz, 1996 (Musicology)
Ash of Stars, 1996 (Essays)
Death Will Have Your Eyes, 1997 (Thriller. Deine Augen hat der Tod, DuMont Noir Band 7)
Chester Himes: A Life, 1999 (Biographie)

Lew Griffin-Serie:
1. The Long-Legged Fly, 1992 (Die langbeinige Fliege, DuMont Noir Band 11)
2. Moth, 1993
3. Black Hornet, 1994
4. Eye of the Cricket, 1997
5. Bluebottle, 1999.



JEAN-CHRISTOPHE GRANGÉ: ARCHÄOLOGE DES BÖSEN 4/ by Martin Compart
6. August 2018, 10:44 am
Filed under: Crime Fiction, Jean-Christophe Grangé, Noir, NOIR-KLASSIKER, Porträt | Schlagwörter: , ,


Zu seinen vielen Reisereportagen entstanden Journalist Tausende von Notizen. „Mein persönliches Archiv.“ Darin befinden sich nicht nur Anmerkungen für realisierte Reportagen, auch Ideen und Materialien, die nicht verwendet wurden. „Ich habe das Glück, Ideen zu haben, die von selbst keimen, und die Hintergründe stammen aus meinem Berufsleben als Reporter. Zehn Jahre war ich das.

Die ersten großen Reportagen erscheinen 1990:

Calcutta, Capitale de l’enfer. Kalkutta, Hauptstadt der Hölle. Portrait einer Stadt und Nomades, les passagers de la terre. Nomaden: Ein Jahr mit den letzten Nomadenvölkern der Welt.
In der Mongolei, nahe der Grenze zu Sibirien, verbrachte Jean-Christophe Grangé Zeit mit einem kleinen Stamm, dem auch Schamanen angehörten. Der entscheidende Impuls für seinen Roman DER STEINERNE KREIS.

Für seine nächste Reportage Péril en la forêt, über die Abholzung des Regenwaldes, wurde er mit dem Prix Reuter 1991 ausgezeichnet.

Es folgten La migration des cigognes suivie par satellite über die Wanderung der Störche, die ihn bekanntlich zu seinem ersten Roman DER FLUG DER STÖRCHE anregte.
Und er bekam einen weiteren Preis: Für La ballade du cormoran . Die Ballade des Kormorans, erhielt er Prix World Press. Darin beschreibt er die Pai-Fischer in Yunnan, die ihre Kormorane zum Fischfang ausbilden. Es folgte eine Reportage über das Leben am Mississippi und über die Schmetterlingsjagd und ihren Handel in Thailand: Einiges aus Les ailes de la forêt . Die Flügel des Waldes, floss dann in DAS SCHWARZE BLUT ein.

1993 schrieb er über den Gebrauch von Kindern durch die Mafia. in Sizilien; Le bunker des souris über das größte Labor für Tierversuche in Deutschland; Le piège de cristal , Die Kristallfalle, über eine Grönlandexpedition, die 170 Meter unter das Eis führte (die Gletscherszenen in PURPURNE FLÜSSE verdanken dieser Erfahrung einiges); Les géants de la bravoure . Die Riesen der Tapferkeit über kleinwüchsige Toreros in Spanien und Le voyage fantastique über den menschlichen Körper als 3D-Simulation.

Mit Pierre Perrin

Angeregt durch die Reportage über die Storchenwanderung für „Paris Match“ begann er 1991 seinen ersten Roman zu schreiben.

Misslungener TV-Zweiteiler

„Wir hatten die Vögel mit Satellitensignalgebern ausgestattet, wir waren ihnen überall hin gefolgt, von Europa über Israel bis nach Afrika und ich sagte mir auf dem Rückweg, wenn ich einen Thriller mit Störchen schreiben könnte, wäre das wirklich originell. Die Reise war eine gute Struktur für einen Quest orientierten Thriller. Ich nutzte meine Reisen, um einen Roman zu füttern. “

Zwei Jahre lang schrieb Grangé frühmorgens vor der Arbeit an dem Roman. Und kurz nachdem er sein Manuskript an die Verlage schickte, schlug der renommierte Verlag Albin Michel zu.

Das war 1993 und Grangé war 32 Jahre alt.

Das Buch wurde ein Jahr später veröffentlicht und verkaufte „lediglich“ 8000 Exemplare. Grangé war noch nicht der französische Bestsellerautor, der „die Amerikaner blass machte“, hatte aber einen Achtungserfolg und das Interesse der Filmbranche geweckt.

Vorerst blieb er Reisejournalist für besondere Themen. 1994 arbeitete er über die ersten weiblichen Priesterinnen Englands (Les suffragettes de Dieu. Die Suffragetten Gottes), Michael Schumacher (Michaël Schumacher, 24 heures d’un champion. Michael Schumacher, 24 Stunden eines Champions), unveröffentlichten Bilder des japanischen Yokkhoh-Satelliten über Sonneneruptionen (Pleins feux sur le soleil. Spotlight auf die Sonne), alternative Medizin (Les médecines du mystère. Die Medizin der Geheimnisse), Milliardärs Inseln (Les seigneurs des îles. Die Herren der Inseln) und paranormale Phänomene (SOS paranormal).

1995 schrieb er über einen verborgenen Nazischatz in einem polnischen Kloster, der Originalnotenblätter von Bach und Mozart beinhaltete (Le trésor caché de Prusse . Der verborgene Schatz Preußens), zum hundertsten Jahrestag der Röntgenstrahlen (Le monde selon X), ein Porträt des Filmemachers Norodom Sihanouk (Le roi cinéaste), die Rekonstruktion Angkors am Computer (La renaissance d’Angkor), die Wildpferde auf Sable Island (Les chevaux de sable), Gehirnforschung (Voyage au centre du cerveau), die Möglichkeiten von in den menschlichen Körper integrierte elektronische Systeme (Cap sur l’Homme bionique) und Pyramiden (Pharaons noirs, retour vers le passé . Schwarze Pharaonen, zurück in die Vergangenheit).

Die Reportagen zeigen Themengebiete, die Grangé in seinen Romanen verarbeitete und bis heute faszinieren, etwa Hirnforschung, Umwelt, Spiritualität, Nazismus, Lateinamerika, isolierte Gemeinschaften, Natur und Gewalt – und Afrika. „Ich habe unglaubliche Länder kennengelernt, aber Afrika fasziniert mich immer mehr.

Einige der erfolgreichsten Autoren der letzten Jahrzehnte, wie Michael Crichton und Dan Brown, haben ihre Ware mit zusätzlichem Gebrauchswert ausgestattet. Diese besteht im komprimierten Spezialwissen zu Themen spekulativer Wissenschaftstheorien. Grangé nutzt diese Formel erfolgreich, indem häufig auf das Material zurückgreift, das er als Journalist einst recherchiert hat und dieses vertieft.

Außerdem vermitteln seine Romane den erkennbaren und unterschwelligen Wahnsinn, der unserer Epoche immer stärker prägt. Diese mehr oder weniger irrationalen Aspekte, die schon die Ränder unserer Zivilisation zerkauen, durchdringen seine Romane wie bei keinem anderen mir bekannten Autor. Damit steigert er die Atmosphäre der Angst und der Verstörtheit beim Leser. Auch nach der letzten Seite entlässt er ihn mit dem Gefühl, in einer immer unheimlicheren Welt zu leben. Das gelingt den wenigsten Weird Fiction-Autoren.

Wie schon erwähnt, ist Grangé einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Gegenwart.
Der materielle Erfolg lässt sich schön bei Ehescheidungen festmachen. Bei der Scheidung von seiner zweiten Frau verpasste ihm ein offenbar nicht wohlgesonnener Richter ein atemberaubendes Urteil: Ein Teil des Vermögens als einmalige Zahlung ging an die Ex, so wie monatliche Unterhaltszahlungen von 10.000€. Zu diesem Zeitpunkt zahlte ihm der Verlag Albin Michel, der auch für Grangés Steuern aufkommt, 30.000 € im Monat. Diese Scheidungserfahrung inspirierte wohl seinen schlechtesten Roman, DIE WAHRHEIT DES BLUTES (der in der Mitte auseinanderfällt und nach der Serienkillerhandlung eine völlig neue Geschichte beginnt, die Grangé nur nutzte, um sich über japanischer Kultur auszulassen).

Sein Vermögen ist schwer zu schätzen. Bereits für die Filmrechte von DAS IMPERIUM DER WÖLFE bezahlte Chris Nahon eine Million Euro. Aber – wie schon erfahren – war und ist Geld nicht sein Antrieb. Das beweist sein literarischer Ausstoß, der ihn als einen besessenen Schriftsteller beweist.

Marc Thiébault, ein Freund seit der Kindheit: „Wir lebten in zwei benachbarten Städten und haben nie den Kontakt verloren. Seitdem ist der Erfolg gekommen, aber der Mann hat sich nicht viel verändert, mehr oder weniger die gleiche Kleidung, gleiches Auto, keine Prahlerei. Sein Geld nutzt er, um seine Freunde ins Restaurant oder in einen Urlaub einzuladen.“ Er ist eben ein netter Bursche!

In meinem ersten Buch machte mich jedes geschriebene Wort krank vor Selbstzweifel. Es war noch schlimmer brim zweiten. Ich begann mich erst beim vierten zu entspannen. Dann entdeckte mich das Kino, und ich wurde reich.

Die O-Töne in diesem Text stammen hauptsächlich aus Portraits und Interviews in französischen Zeitschriften.

Eine deutsche Bibliographie findet sich in der KRIMI-COUCH unter:
https://www.krimi-couch.de/krimis/jean-christophe-grange.html

Grangés Homepage: https://www.facebook.com/JeanChristopheGrange.Officiel

Filmographie: https://www.imdb.com/name/nm0335096/