Martin Compart


MANCHE TOTE STERBEN NIE: NEUES VON HUNTER by Martin Compart
14. Februar 2015, 2:40 nachmittags
Filed under: Hunter S.Thompson, Paranoid, Politik & Geschichte, Rezensionen | Schlagwörter: , ,

Die Edition Tiamat erfüllt für die heutige kritische Intelligenz eine ähnliche Aufgabe, wie früher die Edition Suhrkamp für die Pseudo– Intelligenz der 1960er- und 70erJahre. Das ermöglicht, dank der geistig-moralischen Wende, natürlich keine Bestseller mehr.

Autorenfoto_Klaus-Bittermann[1]Seit Jahren beackert Verleger Klaus Bittermann, ein Kämpfer gegen “Literatur die die Ausstrahlung von Birkenstockschuhen hat”, nun schon das Oeuvre von Hunter S Thompsons. Dank seines Engagements (und das des Heyne Verlages) ist das umfangreiche Werk von Hunter weitgehend auch in deutscher Sprache zugänglich. Thompsons Einfluss auf den Journalismus im Besonderen, und auf Teile der zeitgenössischen Literatur im Allgemeinen, kann gar nicht überschätzt werden. Was als Gonzo-Journalismus in die Literaturgeschichte eingegangen ist, gehört nach wie vor zu den interessantesten literarischen Strategien um Realität virtuell erfahrbar zu machen. Hunter hat eindrucksvoll bewiesen, dass eine subjektive Herangehensweise dem Leser objektive Erkenntnisse vermitteln kann. Hunter steht in der Tradition der Beat-Literaten, indem er aus Literatur und Rock ‘n’ Roll eine literarische Synthese geschaffen hat.

Bisher war Bittermanns Verlag bekannt für qualitativ hochwertige Paperbacks; nun hatte er, meines Wissens erstmalig, ein qualitativ hochwertiges Hardcover veröffentlicht (als Band 222 der Critica Diabolis). Der würdige Anlass dafür ist eine umfangreiche Auswahl aus den Briefen von Hunter. Im Waschzettel zu dem voluminösen Band heißt es “Über 20.000 Briefe sind es, die Thompson in seinem Leben verfasst, und an prominente Zeitgenossen von Tom Wolfe bis Jimmy Carter verschickt hat; an Freunde, Feinde und Familie… Sie bilden nicht nur eine Chronik der jüngeren amerikanischen Gegenkultur; es sind seine Memoiren… eine Autobiografie als Live-Mittschnitt.”

Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten: Gonzo-Briefe 1958-1976

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»Lesen Sie diese Briefe – aber, um Gottes willen, geben Sie diesem Mann niemals Ihre Telefonnummer.« (Johnny Depp)

Für Leute, die beim Lesen nicht die Lippen bewegen, ist dieser Prachtband schon jetzt eines der Bücher der Saison. Jede der 606 Seiten ist ihr Geld wert. In diesem Monat wird man für 28 € nichts besseres bekommen, dass die Gehirnsynapsen fröhlicher zum klingeln bringt.

Am besten gefällt er mir, wenn er in seinen gnadenlosen Analysen so richtig schön polemisch und wütend wird:

“Wenn auch nur die Hälfte der Geschichten über Big Sur stimmt, hätte der Ort längst ins Meer abrutschen müssen; und es wären dabei so viele wahnsinnige und Degenerierte ertrunken, dass eine Schiffsbrücke aus Körpern entstanden wäre, die bis nach Honolulu reichen würde. Die Vibrationen all der Orgien hätten die gesamte Bergkette von Santa Lucia zum Einsturz gebracht und die Zerstörung von Sodom und Gomorrha die das kleinliche Werk eines Geizkragen aussehen lassen. An den westlichen Ausläufern würde das Land schlicht das Gewicht all der Sexfanatiker und kriminellen, die hier angeblich leben, nicht tragen können. Die Erde selbst würde sich auftun und vor Ekel würgen – und über die langen steinigen Böschungen würde eine gespenstischer Armada aus Nudisten, Schwulen, Junkies, Vergewaltigern, Künstlern , Flüchtlingen, Vagabunden, Dieben, Verrückten, Sadisten, Eremiten und jedem erdenklichen menschlichen Abschaums herab steigen. Die alle würden samt und sonders sterben – und, wenn es gerecht zuginge, würde es einer Armee von Touristen und Schaulustigen genauso ergehen.” (S. 122)

Diverse Online-Redaktionen entblödeten sich in ersten Nachrufen nicht, Hunter S. Thompson als “Idol der Hippie-Generation” zu bezeichnen. Das ist natürlich völliger Schwachsinn. Neil Young (den braucht man sich nur anzusehen) ist ein Idol der Hippie-Generation, aber “Dr. Gonzo” hat Hippies und deren logische Nachfolger (“die Generation der Schweine”) immer verachtet. Er war Waffenfetischist, erklärter Gegner des “Love & Peace”-Geschwafels und ein unbarmherziger Gegner jenes Establishments, dem auch die 68er bald angehörten.

Angst und Abscheu: Das sagenhafte Leben von Hunter S. Thompson

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Bill Cardoso war der Urheber des Ausdrucks „Gonzo“, welcher auf das italienische Wort „gonzagas“, zu Deutsch, Absurditäten, bedeutet. Die subjektive Form der Reportage ermöglichte es dass sich Thompson ohne große Vorbehalte auf alles stürzte was ihm an der gesamten Veranstaltung missfiel und was er als verachtenswert empfand. Satirische Überhöhung, Schimpfwörter, Sarkasmus und die Aufhebung der Distanz zwischen Reporter und Reportage. Thompson wurde zur Hauptfigur seines eigenen Artikels und damit zum Schöpfer einer neuen Art von Journalismus.

Er scheute vor keiner Drogendosis zurück, schüttete sich mit Alkohol zu, lebte seine Paranoia voll aus, kämpfte gegen die Chefredaktionen (weil dort der natürliche Feind jedes Journalisten sitzt und im Auftrag der Anzeigenabteilung arbeitet).

Hunter S. Thompson war nach Tom Wolfe der bekannteste Vertreter des New Journalism, einer Form, die ab Mitte der 1960er Jahre den Journalismus neu belebte, indem er subjektives Erleben und literarische Stilmittel in Reportagen einfließen ließ.

Thompson begann Ende der 1950er Jahre als Sportreporter und war dann als Südamerika-Korrespondent unter anderem für den “National Observer” in Peru, Kolumbien und Brasilien unterwegs. Er wurde 1967 bekannt durch sein Buch “Hell’s Angels – A Strange and Terrible Saga”. Als erster beschäftigte er sich darin mit den Motorradgangs Kaliforniens und lebte dazu ein Jahr lang mit
den Hells Angels.

Ende der 1960er Jahre war er einer der ersten Autoren des neuen Magazins Rolling Stone. Thompsons exzentrischer und ausschweifender Lebens- wie Schreibstil war einer der Gründe für den Erfolg des Rolling Stone. In dieser Zeit schuf sich Thompson seine ganz persönliche Form, den von ihm so genannten Gonzo-Journalismus. Es entstand auch sein bekanntestes Buch, “Fear and Loathing in Las Vegas”. Dieses Buch, wie auch eine Reihe von anderen, wurde von Thompsons Freund, dem Engländer Ralph Steadman illustriert.

In den 1970er Jahren wandte sich Thompson aktiv der Politik zu. 1970 kandidierte er als Sheriff in Aspen, Colorado. Thompson verlor die Wahl nur knapp.

„Richard Nixon gehörte nicht zu den Menschen, die bei mir populär sind. Jahrelang habe ich allein schon die Tatsache seiner Existenz als Denkmal für all jene verfaulten Gene und kaputten Chromosomen angesehen, welche alle Realisierungsmöglichkeiten des Amerikanischen Traums korrumpieren.“

Die Rolling-Stone-Jahre

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Thompson pflegte u. a. Freundschaften mit Keith Richards, Bob Dylan, Warren Zevon und Johnny Depp.

1963 siedelte er für immer nach Colorado über. Sein Biograph Paul Perry: „Nun konnte er nackt auf seinem eigenen Stück Land herumlaufen, aus seiner .44 Magnum auf verschiedene Gongs feuern, die er an dem nahegelegenen Berghang aufgestellt hatte. Er konnte Meskalin essen und die Stereoanlage auf 100 Dezibel drehen. Dies war das Landleben, das er sich immer gewünscht hatte.“

Am 20. Februar 2005 tötete sich Hunter S. Thompson mit einem Kopfschuss.

Thompson, Hunter S.:
Die Odyssee eines Outlaw-Journalisten
Es war ein brutales Leben, und ich habe es geliebt.
Gonzo-Briefe 1958-1976
Herausgegeben von Douglas Brinkley
Aus dem Englischen von Wolfgang Farkas

Critica Diabolis 222

Hardcover, 607 Seiten,
28.- Euro

P.S.: Ein dickes Lob auch für die Übersetzung, die nicht einfach ist und selbst einen Literaten verlangt.

http://www.edition-tiamat.de/



ÜBLER FALL VON ANTI-AMERIKANISMUS by Martin Compart
30. August 2014, 1:43 nachmittags
Filed under: ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, Paranoid, Stammtischgegröle

Wer kennt diesen Mann? Verfassungsschutz bittet alle Bürger um Mithilfe. Stoppt die Volksverhetzung.



STAMMTISCHGEGRÖLE: KRIEGSVORBEREITUNGEN WERDEN WIEDER AKTUELL by Martin Compart

Blöd gelaufen. Ein Sprachführer für die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan mit persischen Militärfloskeln zeigt, dass geplant ist deutsche Soldaten bei einem Krieg gegen den Iran einzusetzen. Aufgeflogen ist es durch eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Inge Höger. Unten stehendes Video zeigt sehr schön wie sich Staatssekretär Christian Schmidt windet und sein Ton macht deutlich, daß sein Demokratieverständnis ähnlich klein wie sein Hirn ist.

Verlogen und ekelig. Der Iran liegt südlich von Afghanistan. Die deutschen Soldaten sind in Norden eingesetzt, wo niemand persisch spricht.

Zum Ausgleich noch einen verblödeten SPD-Hinterbänkler, der “die Region nicht bereist hat” und im Crash-Kurs von Scholl-Latour scheitert aber jederzeit für die Erhöhung seiner Diäten stimmen musste, da wir sonst nicht mehr die klügsten Köpfe für die Parlamente gewinnen können.

Lebenslauf eines der klügsten Köpfe Deutschlands. Das Volk dankt, dass so ein begehrter und qualifizierter Mann für die paar Pinunsen bis hin zur geistigen Erschöpfung unsere Bevölkerung vertrat:

Gert Weisskirchen verließ 1960 das Gymnasium Wiesloch mit der Mittleren Reife und besuchte anschließend bis 1962 die Höhere Handelsschule Heidelberg. Er legte dann die Kaufmannsgehilfenprüfung ab und leistete danach das kaufmännische Praktikum ab. Anschließend absolvierte er ein Studium an den Pädagogischen Hochschule (PH) in Heidelberg und Karlsruhe sowie ein Zusatzstudium der Fächer Erziehungswissenschaften, Politikwissenschaft und Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Von 1969 bis 1972 war Weisskirchen als Lehrer an der Realschule Eppingen und von 1972 bis 1975 als wissenschaftlicher Assistent an der PH Heidelberg tätig. Danach war er bis zu seiner Beurlaubung 1980 Professor für Sozialpädagogik an der Fachhochschule Wiesbaden. Seit 1995 ist er Honorarprofessor für angewandte Kulturwissenschaften an der Fachhochschule Potsdam.2009 kandidierte Weisskirchen nicht mehr für den Bundestag.
Jetzt genießt er wohl die Annehmlichkeiten seiner parlamentarischen Pension, die geringer ist als Wulffs Ehrensold. Ein Skandal! War doch so ein kluger Kopf aber auch…



STAMMTISCHGEGRÖLE: EIN NAVY SEAL SUCHT DIE WAHRHEIT by Martin Compart
23. Juli 2011, 3:03 nachmittags
Filed under: Conspiracy, Ekelige Politiker, Paranoid, Politik & Geschichte, Stammtischgegröle | Schlagwörter: ,

Typen wie Jesse Ventura wird unsere Schrebergarten-Politik wohl nie hervorbringen: Der 1951 geborene Jesse war Navy Seal und dann Profi Wrestler. !999 gingen ihm die etablierten Politiker so auf den Senkel, dass er als Gouverneur für Minnesota kandidierte – und siegte! Bis 2003 hatte er dieses Amt als parteiloser inne. Spätestens da bekam er mit, dass demokratisch nicht legitimierte Kräfte im verborgenen Strippen zogen, logen und mächtigen Interessen dienten. Heute macht er eine TV-Sendung über Verschwörungen. Er gehörte zu den intelligenten Naivlingen, die nicht wegsehen und nicht wahr haben wollen, dass die Benzinpreise durch Gott oder Zufall angeglichen werden. Und wenn es da schon heimliche und verbotene Absprachen –sprich: Konspirationen – gibt, dann vielleicht auch auf anderen Ebenen. Jesse begann zu recherchieren und entdeckt gar solche Unwahrscheinlichkeiten (jedenfalls für SPIEGEL-Leser), dass bereits unter Roosevelt die Presse gleich geschaltet war und genauso Nachrichten unterdrückt wie sie andere vollmundig verbreitet. So schreibt er in seinem Kapitel über die weitgehend unbekannt gebliebene Verschwörung gegen Roosevelt: „Überrascht es uns, dass FDR mit seinen Kaminfeuergesprächen begann, um direkt zum Volk zu sprechen und zwar über die Köpfe von Zeitungsbaronen wie Luce und Hearst hinweg?“

Nun hat der Heyne Verlag dankenswerter Weise seinen Bestseller DIE AMERIKANISCHE VERSCHWÖRUNG -9/11 UND ANDERE LÜGEN (mit Dick Russel; Heyne 60190, 380 Seiten, 8,99 Euro) auf Deutsch herausgebracht. Er hat die durchgehenden Verschwörungen von Lincoln bis 9/11 recherchiert und für unbedarfte spannend dargelegt (politisch aufgeklärtere Geister werden aber auch noch Details erfahren, die sie bisher vielleicht nicht kannten). Es ist sozusagen ein Schulbuch über amerikanische Geschichte, das Grundlagenwissen vermittelt. Und Jesse ist noch immer ein liebenswerter, naiver amerikanischer Junge: Er hofft tatsächlich, dass Präsident Obama einiges wieder gutmachen wird, was die Vorgänger angerichtet haben (vielleicht sollte er sein eigenes Buch genauer lesen um zu erfahren, wo die entscheidenden Kräfte sitzen).
Jenfalls – bei einigen Abstrichen – eine hervorragende Einstiegslektüre für Leute, die den deutschen Fernsehnachrichten und den verlogenen Debilenpostillen zu entwachsen drohen.





ARSCHLÖCHER DES 20.JAHRHUNDERTS: HENRY KISSINGER by Martin Compart
25. August 2010, 11:02 vormittags
Filed under: Conspiracy, Ekelige Politiker, Kissinger, Nazi, Paranoid, Politik & Geschichte, Porträt, Stammtischgegröle | Schlagwörter: ,

„Einem ist der Erfolg gewiss, wenn man den Mächtigen scchmeichelt“, schrieb Macchiavelli und gab damit Henry sein Lebensmotto.



Dr. Horror: ALTE FEINDBILDER BRAUCHT DAS LAND by Martin Compart
11. August 2010, 4:18 nachmittags
Filed under: China, Conspiracy, Dr. Horror, Film, Nazi, Paranoid, Politik & Geschichte, Stammtischgegröle | Schlagwörter:

Verstopfung oder Durchfall – das ist hier die Frage
Der Mensch, sagt der Psychotherapeut Georg Groddeck, sei ein Klosett auf zwei Beinen: “Die meisten Menschen leiden an Verstopfung und ihre Gedanken sind drei Viertel ihres Lebens auf dem Klosett.”
Allerorten wütet der Fäkalexhibitonismus. Bei manchen Leuten quillt die Scheiße förmlich aus dem Hirn: Shit im Kopf hat der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer eine seiner Kurzgeschichten überschrieben.
Kein Wunder: Immer dann, wenn Kulturen ihren Zenit erreichen und so in eine Sackgasse des Niedergangs rollen, artikulieren sie sich anal.
Angeblich leiden 70 Prozent der Deutschen unter Verdauungsstörungen. George Grosz hielt Deutschland gar für das “Hauptquartier der Verstopfung”. Aber wenn dann was im Toilettenbecken landet, wird es fein säuberlich analysiert.
Besonders in Deutschland stellte sich nach eingehender Betrachtung heraus, dass Scheiße kotverschmiert und braun ist.
So wurde aus den Braunen in Deutschland sogar einmal eine ganze Bewegung. (Wiederholungsgefahr besteht, solange man das Leben als beschissen empfindet.)
Die Braunen empfanden die Schmach der Niederlage im Ersten Weltkrieg sprichwörtlich als ganz große Scheiße. Immer noch ratsam in diesem Zusammenhang ist der Griff zu Klaus Theweleits Männerphantasien von 1977: “Die Front ist identisch mit dem Schließmuskel, der es nicht mehr zurückhalten kann: der Krieg geht in die Hose; der bisher abgewehrte Feind bricht über den Soldaten herein und aus ihm heraus, als ‘entquellende Übermacht’. So ist der Zusammenbruch ein Vorgang am eigenen Körper, nach dem man beschmutzt dasteht. (Der Sprachgebrauch kennt diese Koppelung ebenfalls, wenn er das Nichtbestehen einer Prüfung und den Zwang zur Darmentleerung mit demselben Wort bezeichnet: Durchfall). […] Was sich beim soldatischen Mann zuerst wieder aus dem Dreck erhebt, ist die saubere Gesinnung, das nationale Denken, sein Verantwortungsgefühl für ‘das Ganze’. Ein Mangel an dieser Gesinnung, Feigheit, scheint es überhaupt zu sein, der den ‘Durchfall’ erst möglich macht.”

Kot- und Untermenschen
Diese eklige “Woge von Kot” vermischte sich mit Blut und schwemmte herrliche Feindbilder ins Unterbewusstsein der künftigen Volksgenossen, die heute teilweise verdrängt sind:
“Nie wahrte der Untermensch Frieden, nie gab er Ruhe. Denn er brauchte das Halbdunkle, das Chaos.
Er scheute das Licht des kulturellen Fortschritts.
Er brauchte zur Selbsterhaltung den Sumpf, die Hölle, nicht aber die Sonne.” [Der Untermensch. Berlin 1935. Herausgegeben vom Reichsführer-SS]
Wie von Marx vermutet, hat sich das Kapital globalisiert und die Nationalstaaten der Pleite überantwortet. Es knirscht allerorten gewaltig. In Europa – von Griechenland, das die Deutschen mit dem Verkauf von Leopard-Panzern überschwemmt haben über Portugal, Spanien und Italien bis hin zu unseren Nachbarn weiter östlich. Amerika kann sich kaum mehr einen vernünftigen Krieg leisten und bittet die Verbündeten zur Kasse. In China, dem großen Hoffnungsträger, mag demnächst oder etwas später die Immobilienblase und was noch platzen. Und jetzt schlägt auch noch die Natur zurück, an der sich der Mensch “versündigt” hat. In Russland brennen die Wälder. Im Golf von Mexiko sprudelte monatelang das Öl. Im Himalaja schmelzen die Gletscher, was die Trinkwasserversorgung Asiens in Zukunft gefährdet. Kurz: wir stecken ganz schön in der Scheiße.

Westerwelle reicht nicht zur Feindfigur
Jetzt bräuchten wir wenigstens vernünftige Feindbilder, damit wir uns, dem globalen Kapital zuliebe, gegenseitig an die Gurgel gehen und abmurksen. Aber siehe da, die Feindbilder haben nicht mehr das furchteinflößende Format von früher. Die Haltbarkeit ist begrenzt. Saddam Hussein ist hingerichtet und steht nicht mehr zur Verfügung. Kim Jong Il ist allenfalls ein durchgedrehter Filmnarr, der schon mal einen Regisseur entführen lässt, damit er ihm einen schönen Film dreht. George W. Bush hat sich aus der Verantwortung gestohlen und die Beseitigung des von den Weißen angerichteten Scherbenhaufens einem Schwarzen überlassen. Jürgen W. Möllemann ist schon ein paar Jahre davor aus den Wolken in den Tod gesprungen. Sauerland dagegen, Duisburgs unglückseliger OB, heißt mit Vornamen zwar Adolf, verweigert aber den Freitod durch Harakiri, weil er ja kein echter Samurai ist. Guido Westerwelle übt immer noch im stillen Kämmerlein, damit er auch auf Englisch herbeten kann: You will not buy my Schneid.
Dieser Tage läuft in den Kinos ein neuer Actionfilm mit Angelina Jolie an: Salt. Es geht um die Unterwanderung Amerikas durch von den Russen umgedrehte Schläfer. Zitat aus dem Presseheft: “Es gibt zum Beispiel Verfechter der Theorie, dass zuerst die Sowjetunion und später Russland in den Achtziger- und Neunzigerjahren verdeckte Agenten als ganz normale Bürger in westliche Länder einschleusten, als Teil eines Netzwerks von Geheimagenten, die unter falschem Namen 15 oder 20 Jahre oder sogar länger ein ganz normales Leben führen. Nach ihrer Aktivierung sollten diese Schläfer dann den ‘Tag X’ orchestrieren, eine Kette von Sabotageakten und terroristischen Angriffen innerhalb der Vereinigten Staaten, die Auslöser für einen groß aufgezogenen Krieg mit Russland sein würden.”
Lee Harvey Oswald war laut Film Nummer eins.
Für ihn, sagt Salt-Regisseur Phillip Noyce, bestehe kein Zweifel, dass es Schläferagenten gibt: “Diese Praktik gehört von jeher zu den Grundlagen des Spionagegeschäfts.”
Aber wer nur ist der Drahtzieher?
Wer steckt hinter all der Scheiße?

Die gelbe Gefahr
Wenn wir schon knietief oder noch tiefer drin stecken (in der Scheiße), wollen wir wenigstens klare Feindbilder haben. Und klar waren nur die alten Feindbilder. Das waren noch Archetypen. Gelegentlich restauriert ja das deutsche Fernsehen den Schrecken von damals, so dass einem beim Abendbrot ein wohliger Schauer über den Rücken kriecht: Einer wie Hitler ist heute, dank Guido Knopp & Co., in den Medien präsenter denn je. Bisweilen werden auch Filme mit Dracula, Frankenstein, dem Wolfsmenschen, der Mumie und Dr. Mabuse wiederholt.
Wo aber steckt der große Unbekannte, der geheime Drahtzieher, der die Geschicke der Welt in seinen Krallen hält? Das Vorbild von Darth Vader und dem Imperator der Sternenkriege. Wo nur – da Asien uns abstrakt das Fürchten lehrt – bleibt die Wiederkehr der personifizierten Gelben Gefahr, die heute mehr denn je um sich greift, von geheimen Schaltzentralen aus, die in Chinarestaurants versteckt sind? Boris Karloff, Henry Brandon und Christopher Lee haben “Ihn” auf der Leinwand verkörpert.
“Denke dir jemand: groß, schlank, tigerhaft, hochschultrig, mit einer Stirn wie Shakespeare und dem Gesicht des Satans mit einem fast glattrasierten Schädel und mandelförmigen, hypnotischen Augen von der Farbe des Katzengrüns. Gib ihm alle grausame Verschlagenheit der morgenländischen Rassen, aufgehäuft mit einem gigantischen Intellekt, gib ihm die ganzen Hilfsquellen früherer und heutiger Wissenschaft – denke dir dieses entsetzliche Wesen, und du hast ein geistiges Bild Dr. Fu-Mandschus – der gelben Gefahr, verkörpert in einem Menschen!”
Attila, Dschingis Khan, Boxeraufstand, Mao Zedong und großer Sprung nach vorn – diese herrliche Gestalt verkörpert alles in einem und ist der rechte Partner zum Hassen und Fürchten. Gegen ihn ist Osama bin Laden nur ein Waisenknabe…

Rolf Giesen
10. August 2010



PARANOIA 3 by Martin Compart
23. Juni 2009, 8:31 vormittags
Filed under: Conspiracy, Paranoid, Politik & Geschichte, TV | Schlagwörter: , , , ,

Das kommerzielle oder private Fernsehen hatte für die Heloten der Mächtigen drei Aufgaben:
1. Entscheidend zur Atomisierung der Gesellschaft beizutragen.
2. Die Verblödung der unteren Schichten und der Jugend zu bewerkstelligen.
3. Das kritische Potential des öffentlich-rechtlichen Rundfunkssystems weitgehend zu beseitigen.


Einer der widerwärtigsten Vollstreckungsgehilfe der Politik für die Niveausenkung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Nach über zwanzig Jahren privates Fernsehen, kann man in allen drei Punkten gelungenen Vollzug melden. Ein heute in Vergessenheit geratener Kanzler, Helmut Kohl, von seinen Freunden Birne genannt, kommt der große Verdienst zu, dies mit Vehemenz betrieben zu haben.

Zu Punkt 1: Früher hatte Fernsehen etwas Schichten übergreifend verbindendes. Wegen der geringen Programmauswahl hatten fast alle dasselbe gesehen und konnten darüber Kommunikation herstellen. Außerdem trug die geringe Programmauswahl dazu bei, vielfältige soziale Aktivitäten außerhalb der Fernsehzelle (früher Wohnzimmer) zu betreiben. Desweiteren mutete man den Zuschauern in den 60er Jahren zur besten Sendezeit anspruchsvolle Fernsehspiele oder Dokumentation zu, die dazu geeignet waren, ihren Horizont zu erweitern.

Zu Punkt 2: Nachdem man durch unterschiedliche Aktionen die Fortpflanzung Halbdebiler gefördert hat um ein gesellschaftliches Erpressungspotential zu erzeugen, werden diese durch permanenten Beschuss der Verblödungsindustrie zu solidaritätsunfähigen Amöben erzogen, die politische Zusammenhänge nicht durchschauen. Für den Nachwuchs dieser ersten Generation degenerierter Couch Potatoes stellt sich gesellschaftliche Relevanz und materielle Erfolgsmöglichkeiten nur in zwei Faktoren da: Kinder zeugen oder Sieg in einer Casting Show (der bisherige Höhepunkt massenmedialer Perfidie). Die nicht zu erreichenden gleiten in Kriminalität ab und erfüllen damit eine wichtige Aufgabe für den repressiven Staat.


Schulsystem und Medien arbeiten Hand in Hand um die große Aufgabe der Verblödung zu erfüllen.

Zu Punkt 3: Ohne Not begann sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen dem durch die privaten ausgelösten Quotenterror zu beugen. Statt qualitative Alternativen zu bieten, passte es sich dem Niveau an, unterbot es (Ich kann Kanzler) gelegentlich problemlos. Dies wäre so nicht möglich gewesen hätten die Parteien nicht direkt (durch Partei gebundene Heloten, die auf die jeweiligen Druckposten gehoben wurden) und indirekt (Rundfunkräte gesellschaftlich relevanter Gruppen, sprich Parteien) diese Macht. Ein weiterer Aspekt um die Bundesrepublik als korrupte Parteienkleptokratie zu identifizieren.

All dies gehört zur Strategie der Vernichtung der nivellierten Mittelstandsgesellschaft, also einem Gesellschaftsmodel, das ein zu starkes Auseinanderklaffen der Schichten oder Klassen verhindern wollte und Grundlage des Wirtschaftswunders war. Politisch durchgesetzt durch die Kanzlerdarsteller Kohl, Schröder und das Wesen, das jetzt rum spinnt.

Heute ist das Fernsehen weitgehend zur Bedeutungslosigkeit verkommen. Für anspruchsvolle Serien hat es lediglich die Funktion als Werbeträger für DVD-Boxen. Die Jugend des Prekariats wandert zu Computerspielen, Komasaufen und Internet ab (letztlich, und das ist wiederum Schichten verbindend, auch der Nachwuchs der Mittelschicht, soweit vorhanden).

Bis dann,
MC


Troubadour eines Kanzlers: Musikalischer Höhepunkt der Ära Proll Gert und gern gesehener Gast in der Fernsehunterhaltung.




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