Martin Compart


THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: DER ÜBERMENSCH von JOHN BUCHAN by Martin Compart

“ZIVILISATION IST VERSCHWÖRUNG”: JOHN BUCHANS POWER HOUSE (DER ÜBERMENSCH; Elsinor Verlag, 2014).

Es gibt zum Glück noch Verlage, die kümmern sich einen Dreck um die Bestsellerlisten und den gerade angesagten Mainstream. Es sind Verlage und Verleger, die mit hohen Kosten ihre eigene Vision verwirklichen und Bücher veröffentlichen, die eine kleine elitäre Leserschaft vor der Barbarei des Marketing schützen. Dazu gehört klar erkennbar der Elsinor Verlag, den ich zu meiner Schande erst jetzt entdeckt habe (und das, obwohl er schon mehrere Bände mit Essays von G.K.Chesterton veröffentlicht hat).
http://www.elsinor.de/
Verleger Thomas Pago hat nun dem deutschen Publikum ein Schlüsselwerk des Spionage-Romans und des Conspiracy-Thrillers zugänglich gemacht, dessen Bedeutung für das Thriller-Genre bis heute anhält und dessen Lesevergnügen das der Doorstopper der Bestsellerlisten weit übertrifft: John Buchans Kurzroman (meinetwegen auch Novelle) THE POWER HOUSE, geschrieben 1913 und 1916 als Buch veröffentlicht. Gleich vorweg gesagt: Ein spannender Clubland-Thriller, den man in einem Rutsch liest und nicht die Intelligenz beleidigt.

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Der Schotte John Buchan (1875-1940) ist der wichtigste Gründungsvater des modernen Spionageromans und Agenten-Thrillers. Kein anderer Autor hat mehr Motive und Themen entwickelt, die heute noch im Genre variiert oder genutzt werden.
Der moderne Thriller ist vorwiegend eine schottische Erfindung, und sein Schöpfer ist Robert Louis Stevenson mit den Conspiracy-Thrillern KIDNAPPED und CATRIONA (in denen es um Verschwörungen gegen England zugunsten des entmachteten schottischen Königs geht). Buchans heute noch fesselnde Flucht- und Verfolgungsszenen erinnern an David Balfours und Alan Brecks Jagden durch die schottischen Highlands.

JbuchanJ[1]Noch entscheidender für die Evolution des Genres war denn auch Buchan, der Topoi entwickelte und perfektionierte, die bis heute diese Gattung prägen: Bedrohung der Zivilisation durch ebenso finstere wie intelligente Organisationen, der unschuldig verfolgte Held (“Man on the run”), der in einem engen Zeitrahmen die Ziele der Feinde durchkreuzen muss, die Brüchigkeit unserer gesellschaftlichen Ordnung, die Interpretation realen zeitgeschichtlichen Geschehens im Rahmen des Thrillers. Graham Greene schrieb in einem Essay über Buchan: “What is remarkable about these adventure-stories is the completeness of the world they describe. The backgrounds to many of us may not be sympathetic, but they are elaborately worked in: each character carries round with him his school, his regiment, his religious beliefs, often touched with Calvinism: memories of grouse-shooting and deer-stalking, of sport at Eton, debates in the House.”
Für Soziologen und Historiker sind Buchans Romane mentalgeschichtliche Dokumente einer ausgestorbenen Oberschicht.

“Der junge Londoner Anwalt und Parlamentarier Edward Leithen gerät durch die mysteriöse Flucht seines Freundes Pitt-Heron mitten hinein in einen düsteren Kriminalfall. Hatte Pitt-Heron sich auf dubiose Gefährten eingelassen, oder war er womöglich Mitwisser einer gefährlichen Verschwörung? Unbeeindruckt unternimmt Leithen Nachforschungen in der Welt der Politik und Diplomatie, bis er die Aufmerksamkeit eines mächtigen Gegners auf sich zieht – und selbst zur Zielscheibe wird.”

In DER ÜBERMENSCH behandelt Buchan ein Thema, mit dem er sich in fast allen seiner Werke auseinandersetzt: Die Brüchigkeit der Zivilisation, wie er sie als “liberaler Viktorianer” empfindet, und ihre ständige Bedrohung. Immer wieder erleben seine Helden einen ungerechten Ausstoß aus “ihrer zivilisierten Gesellschaft” und das zu ihrem Entsetzen beim folgenden Überlebenskampf alle Regeln ohne Geltung sind. Zeitgemäß macht der Royalist Buchan die Gefährdung der Zivilisation an Anarchisten und Bolschewisten fest. 184419[1] Kritiker haben auf die Ähnlichkeit mit G.K.Chestertons 1908 veröffentlichten Roman THE MAN WHO WAS THURSDAY hingewiesen. Aber man kann die beiden stilistisch nicht vergleichen. Buchans Roman ist düsterer, während Chestertons Buch geradezu surrealistische Elemente aufweist.
Ein weiteres Thema, das sich durch Buchans Shocker zieht, ist der Zustand des Empires: Geschockt von Burenkrieg, Weltkrieg und der Russischen Revolution, ist an weitere Expansion nicht mehr zu denken und nun gilt es, das Empire nach innen zu schützen. Buchans Weltsicht ist die eines paranoiden Konservativen.

Im ÜBERMENSCH taucht erstmals Edward Leithen auf. Leithen ist der erste seiner Helden, auf die Buchan immer wieder zurück greift. Im Gegensatz zu Richard Hannay ist er kein Mann der Aktion, der in physischer Anstrengung aufblüht, sondern ein wenig mobiler Whitehall-Bürokrat, der lieber vom Schreibtisch aus die Strippen zieht. Leithen gilt als derjenige seiner Protagonisten, der Buchans Persönlichkeit am nahesten kommt. Leithen ist neben anderen Auftritten auch der Held von Buchans letztem Roman, SICK HEART RIVER. Buchan war der erste Spionageromanautor, der überzeugende Serienfiguren erfand und mit Richard Hannay und seinen immer wieder kehrenden Freunden einen eigenen kleinen Kosmos von Agenten schuf.

Image[1]

Die Dialoge zwischen Leithen und dem Oberschurken sind ein intellektuelles Duell, gehören zu den Höhepunkten. Ebenfalls ein Stilmittel, auf das Buchan immer wieder zurück griff um unterschiedliche Weltanschaungsmodelle zu diskutieren. Davon war wohl auch Ian Fleming so beeindruckt, dass er es für in seine Romane übernahm: Kein Bond-Roman, in dem nicht der große Gegenspieler dem gefangenen 007 erklärt, welche Pläne er für die Menschheit hat. Der geistige Zweikampf der Ideologien zwischen Helden und Antagonisten war eine herausragende Qualität in Buchans “Shockers” (wie er selbst seine Thriller bezeichnete). Buchans sinistere Geheimorganisationen könnte man als direkte Vorläufer von Flemings SPECTRE ansehen. Die Globalisierung des Verbrechens, in dem böse Banker, Anarchisten und Kommunisten, die “zivilisierte Ordnung” des Empires zerstören wollen, ist für Buchan Tatsache. Noch können Gentlemen und patriotische Amateure wie Leithen oder Hannay die Bedrohungen zurück schlagen; später braucht es skrupellose Profis mit der Lizenz zum töten.

9781853757518[1] Buchan war bekanntlich ein Meister der Jagd- und Fluchtszenen. Angefangen mit PRESTER JOHN und als Höhepunkt in den 39 STEPS, finden diese langen und höchst dramatischen Passagen fast immer in der Natur statt. Sehr selten ließ er seine Helden durch den Großstadtdschungel flüchten. In POWER HOUSE schildert Buchan, wie das für Leithen bisher so zivilisierte London zur urbanen Wildnis wird, die ihm keinerlei Schutz bietet. Plötzlich wird dieser Hort der Behaglichkeit (zumindest für die Oberschicht) zum Ort schutzloser Isolation und zwingender Paranoia. Die dünne zivilisatorische Schicht verschwindet und eröffnet den städtischen Dschungel, in dem in jeder Straße die Lebensgefahr lauert. Das Vertraute wird zum Unheimlichen – wie in den zeitgleich entstehenden expressionistischen Filmen. Die Bedrohung ist immer da und lauert sogar mitten im Herzen des Empires. Wie so oft erfährt der Buchansche Held, wie Dinge, die er als fest und unverrückbar gehalten hatte, plötzlich angreifbar und korrumpierbar in der Luft schweben und selbstzerstörerisch auf den Boden krachen können.

Nach der Erstveröffentlichung im “Blackwood Magazine” im Dezember 1913, erschien der Roman drei Jahre später als Buch. THE POWER HOUSE verkaufte im Windschatten der beiden ersten Hannay-Romane im ersten Jahr beachtliche 28.000 Exemplare.

Auf deutsch gibt es leider nur wenige Bücher von Buchan (nachdem Diogenes ihn vor langer Zeit aufgegeben hat – natürlich nur wegen zu geringer Nachfrage). Dank ELSINOR ist aber nun ein Klassiker des Polit-Thrillers in deutscher Sprache zugänglich, der in jede Basis-Bibliothek der Thriller-Literatur gehört.

ThePowerHouse-C2[1]

WER WAR JOHN BUCHAN?

John-Buchan[1]

John Buchan, erster Baron Tweedsmuir von Elsfield wurde am 26. August 1875 in Perth, Peebles-shire in Schottland als ältester Sohn eines presbyterianischen Pfarrers geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Kirkcaldy, Fife (wo auch der Anfang von PRESTER JOHN spielt) und im Tweed Tal an der schottischen Grenze. Es blieben seine Lieblingslandschaften, die auch immer wieder in seinen Büchern geschildert wurden. 1888 ging die Familie nach Glasgow. Er besuchte die Glasgower Universität und anschließend das Bresnose College in Oxford, wo er klassische Philologie und Jura studierte.

Schon während des Studiums kündete sich eine glanzvolle Karriere des Hochbegabten an: gerade zwanzig Jahre alt erschien sein erstes Buch und 1897 und 1898 gewann er zwei wichtige Universitätspreise, den Stanhope Essay Prize und den Newdigate Prize. Noch während des Studiums veröffentlichte er zwei Romane, eine Sammlung Gedichte und Kurzgeschichten und eine Essaysammlung. Das führte zu einer Eintragung im “Who’s Who”, noch bevor er einen akademischen Grad errungen hatte. 1899 schloss er sein Studium ab. 1901 wurde er als Anwalt zugelassen, ging aber noch im selben Jahr als Sekretär zu Lord Milner, dem Hochkommissar für Südafrika. Er wurde nach Kapstadt geschickt und kümmerte sich um die Kriegsgefangenenlager, in denen furchtbare Zustände für eine ungewöhnlich hohe Sterberate sorgten. Dem kämpferischen Humanisten Buchan gelang es durch Reformen und bessere Behandlung diese Verhältnisse zu ändern. Um dieser Zeit, in der er zum inneren Kreis der “bright young men” im Londoner Polit-Establishment zählte, wurde sein politisches Bewusstsein nachhaltig geprägt und seine Liebe zu Südafrika vertieft (reaktionäre Bemerkungen über Schwarze, die sich in seinen Thrillern finden, lassen ihn als überzeugten Imperialisten seiner Zeit und als Anhänger der Apartheid erscheinen).
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1903 trat er in den Verlag Nelson ein, wo er es bis zum Direktor brachte. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs entstanden fast zwanzig Bücher, darunter Gedichte, Geschichtswerke und erste Biographien.

Sein erster Thriller, THE HALF-HEARTED, war bereits 1900 erschienen. In diesem Buch verhindert sein Held Lewis eine Invasion Indiens durch die Russen. 1910 veröffentlichte er mit PRESTER JOHN einen Roman, der schon auf die späteren Hannay-Romane vorausweist und Buchans Ansichten über Afrika illustriert: Ein junger Engländer verhindert einen Aufstand der Schwarzen, der durch einen diabolischen, “ungewöhnlich intelligenten Neger” angezettelt wurde. Trotz seiner imperialistischen Ideale, zeichnet den Roman ein gewisses Verständnis der südafrikanischen Situation aus. Erstmals in einem Polit-Thriller (der hier ganz klar in der Tradition der school boy adventure novel steht) taucht auch die Parole “Afrika den Afrikanern” auf. Noch heute ist das Buch ein überzeugendes Zeitdokument.

1907 heiratete er Susan Charlotte Grosvenor, mit der er drei Söhne und eine Tochter hatte.

Anfang des Krieges war er Direktor des Reuter-Pressedienstes in London. Unter dem Eindruck des beginnenden Weltkrieges entstand Buchans bekanntestes und in der Geschichte des Spionageromans eine Schlüsselposition einnehmendes Werk: THE 39 STEPS.
1915 diente Buchan als Stabsoffizier im französischen Hauptquartier der englischen Armee. Während des Krieges lernte er den späteren Feldmarshall Edmund Ironside, Lord of Archangel, kennen, der im Krieg mit nachrichtendienstlichen Aufgaben in Rußland betreut war. Ironside war angeblich das Vorbild für Richard Hannay (seine Figur Sandy Arbuthnot, Kenner und Freund der arabischen Welt, basiert zum Teil auf dem begeisterten Buchan-Leser T.E.Lawrence und dessen arabische Abenteuer). Nachdem Lloyd George Premierminister geworden war, holte man Buchan als Direktor ins Informationsministerium unter Lord Beavenbrook. Kurze Zeit später wurde er Chef des Nachrichtendienstes. Ereignisse dieser Zeit hat Buchan geheim gehalten und kein Biograph weiß nähere Einzelheiten über Buchans Treiben als Geheimdienstler. Nach dem Krieg verlief seine Karriere weiterhin erfolgreich.1101351021_400[1] Es würde den Rahmen sprengen, wollte man alle gesellschaftlichen Stellungen und Auszeichnungen und seine vielfältigen literarischen Aktivitäten hier gebührend würdigen. 1924 bis 1930 war er Präsident der schottischen historischen Gesellschaft. Von 1927 bis 1935 war er konservativer Abgeordneter des Parlaments; 1933 wurde er für zwei Jahre Hochkommissar für die schottische Kirche.

1935 wurde er als Baron Tweedsmuir in den Adelsstand erhoben und bis zu seinem Tod am 11.Februar (einige Quellen nennen den 6.) 1940 war er Generalgouverneur von Kanada. In dieser Funktion unterschrieb er am 9. September 1939 die kanadische Kriegserklärung an Deutschland. Obwohl er ein überzeugter Tory war, setzte er sich für progressive Ideen ein: Er unterstützte die Suffragetten, stimmte für die Anerkennung der Sowjetunion und setzte sich nach dem Krieg für eine Amnestie der Kriegsdienstverweigerer ein.
journalcoversm[1]

Die John Buchan Society:
http://www.johnbuchansociety.co.uk/


Diese Szene aus der dritten Verfilmung der 39 STEPS sucht man im Buch vergebens. Trotz des freien Umgangs mit der Vorlage, atmet der Film Buchans Geist.



Neues eBook by Martin Compart
22. September 2013, 7:15 nachmittags
Filed under: Brit Noir, Die Krays, E-BOOKS | Schlagwörter: , ,

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Als Dank dafür, dass die FDP rausgeflogen ist:
Am nächsten Wochenende als kostenloser Download.

Der Auszug der FDP aus dem Bundestag schließt die Lücke, die sie hinterlässt.



BRIT NOIR: SIMON KERNICK – SPEEDKING 2/ by Martin Compart

Seine Cops, wie Milne oder John Gallan und Tina Boyd gehören nicht der Inspector Rebus-Garde an. Es scheint eher, dass der 1966 geborene Autor von der Konventionen sprengenden Fernsehserie THE SWEENEY (1975-78) beeindruckt wurde. „Die meisten meiner Charaktere basieren irgendwie auf realen Menschen. Bei meinen Recherchen stoße ich auf merkwürdige Typen.“ Und natürlich ist er beeinflusst vom Großmeister des Brit-Noir Ted Lewis. „Lewis bekam nie wirklich die ihm zustehende Anerkennung für JACK´s RETURN HOME. Für mich der beste britische Noir-Roman aller Zeiten.“

Seine Noir-Cop- Romane brachten einen neuen Wind in die britische Kriminalliteratur, die an den langweiligen Ermittlern der Colin Dexter-John Harvey-Ian Rankin-Schule erstarrte.

Ab 2006 wechselte er die Richtung: Mit GNADENLOS (RELENTLESS) begann er seine „pot boiler“, für die er heute bekannt ist und ihn erfolgreich machten. Seine düstere Weltsicht hat er beibehalten, aber diese schnellen Action orientierten Romane konzentrieren sich auf den Kampf gegen die Zeit. Niemand setzt Zeitdruck besser in Szene.
Seine Thriller lesen sich in Passagen wie Vorlagen für Jason Statham-Filme und haben natürlich das Interesse der Filmindustrie auf sich gezogen. Einige Fans seiner frühen Romane mochten diesen Tempo-Wechsel gar nicht, aber Kernick gelang damit der Ausbruch aus der Noir-Nische in die Bestsellerlisten. Trotz des Erfolges ist er ein pflegeleichter Autor, der sich tatsächlich noch bei SIEGE vom Verlag vorschreiben ließ, das Ende umzuschreiben und den Titel zu ändern. Hoffen wir mal, dass er einen fähigen Lektor hat(te). Aber jemand, der so lange und verbissen darum gekämpft hat veröffentlicht zu werden, verliert nicht so schnell die Bodenhaftung. Die ersten vier Romane brachten zwar tolle Kritiken, aber wenig Geld. GNADENLOS war 2007 der erfolgreichste Kriminalroman in Großbritannien.

Die Idee für GNADENLOS kam Kernick durch einen Alptraum, den er in Toronto nach einem exzessiven Besäufnis hatte. Protagonist Tom Meron hört am Telefon, wie ein alter Schulfreund umgebracht wird. Seine letzten Worte sind Merons Adresse. Der Höllenzug verlässt den Bahnsteig…

Der Nachfolger TODESANGST beginnt mit einem Satz, der das Schicksal von Noir-Protagonisten Im Allgemeinen und von Kernicks „Helden“ im Besonderen auf den Punkt bringt: „Kaum öffne ich die Augen, weiß ich, es wird ein Scheißtag.“Der Ex-SAS-Soldat Tyler erwacht blutüberströmt neben der kopflosen Leiche seiner Geliebten und erinnert sich an nichts. Und dann geht es ab, dass der Leser aus der Kurve fliegt. Eventuelle Plotschwächen werden einem egal, weil man nur noch mit zitternden Fingern die Seiten umdreht. Kernick fährt mit Bleifuss und schaltet bis zum Finish nicht einmal runter. Um das Tempo noch zu erhöhen, hat er TODESANGST als bisher einzigen Roman im Präsens geschrieben. Eine schwierige literarische Technik, die leicht albern klingt und am besten bei komödiantischen Handlungen funktioniert (siehe Peter Cheyneys Lemmy Caution-Romane, die ich sehr unterhaltsam aber nie spannend fand).

In DEADLINE erzählt Kernick zwar in der dritten Person, wählt aber die Perspektive der Protagonistin, deren Tochter entführt wurde. Tausendmal gelesen und gesehen? Aber nicht so! DEADLINE ist Kernicks einziger Roman, der bei uns auch als Hörbuch vorliegt (Audiobuch Verlag). Wie Johannes Steck es vorträgt, ist unglaublich! Sehr intensiv und dem Tempo entsprechend. Das sollte man nicht auf Kurzstrecken hören, sonst fährt man bis zum Nordkap durch.
Mit seinen On-the-Edge-Thrillern steht Kernick in der Tradition von Cornell Woolrich: Ein (vermeintlich) Unschuldiger gerät in eine Verschwörung, die er nicht durchschaut, und wird gehetzt. Von einer Sekunde auf die andere brechen Ereignisse in das Leben des Protagonisten ein, dass es völlig aus den Fugen gerät. Chandler sagte über Woolrich: „Der Mann mit den besten Einfällen, aber man muss ihn schnell lesen und darf ihn nicht zu genau analysieren; er ist zu fieberig.“ Es wäre ungerecht, dieses Urteil 1:1 auf Kernick zu übertragen. Aber ähnlich wie Woolrich ordnet er den Twists und dem Tempo alles unter. Dieser klassische Thriller-Topos lässt sich mindestens bis zu John Buchan zurückverfolgen. Es geht letztlich um Kontrollverlust. Ein Lebensgefühl, das heute aktueller denn je ist. Manipulation und Kontrollverlust gipfeln in Verschwörungen. Seine düstere Weltsicht unterlegt Kernick auch in den Thrillern, wenn auch nicht so exzessiv wie in den Noir-Romanen. Als intelligenter Zeitzeuge spiegelt er den immer offeneren Moralverfall der westlichen Zivilisation seit dem Aufstieg der Neo-Cons.

Im Gegensatz zu Lee Child lassen sich Kernicks Plots nicht vorher sehen. Wenn man meint, man wisse wie der Hase läuft, schlägt er eine überraschende Volte. „Meiner Meinung nach ist eine der wichtigsten Regeln die Handlung unberechenbar zu halten. Das lässt den Leser die Seiten umblättern.“

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BRIT NOIR: SIMON KERNICK – SPEEDKING 1/ by Martin Compart

Simon Kernick gehört zu den britischen Autoren, die sich seit der Jahrtausendwende im Windschatten des Erfolges von Autoren wie Lee Child oder Andy McNab als eine Art New Breed des britischen Thrillers etablieren. Sie sind genauso von multimedialen Pop-Kulturtraditionen geprägt, wie von den literarischen Traditionen des Genres. Sie gehören zu einer Generation, die einen Bondfilm gesehen hat, bevor sie Romane von Ian Fleming oder Eric Ambler entdeckte. Und sie schreiben in einer Zeit, in der sie mit Fernsehserien wie 24, LUTHER oder SPOOKS um das Publikum konkurrieren. Denn diese und andere Serien, deren primäres Medium die DVD ist und denen die Erstausstrahlung im TV nur als Schaufenster dient, haben Einfluss auf Literatur und Rezeption.
Kernick ist das voll bewusst – und er hat es drauf. Ihm gelingt es, das Tempo der TV-Serien auf den Roman zu übertragen: Gleich auf der ersten Seite fängt er den Leser ein, schaltet den Motor seines Romans in Blitzgeschwindigkeit hoch in den fünften Gang und rast durch die Story bis das Getriebe kracht. Den Leser beim Schlafittchen packen und auf geht’s in die Turboachterbahn. Wie etwa bei „24“ kann er durch das hohe Tempo eventuelle Plotunstimmigkeiten oder Unwahrscheinlichkeiten überfahren, Widersprüche von der Fahrbahn kicken. Und wie „24“ kommt er damit durch weil er genügend Überraschungsmomente im Köcher hat. Wer das nicht mag, sollte die Finger von ihm lassen. Ich dagegen bin froh über Autoren, die nicht mit völlig psychopathischen Forensikstudien wie Patricia Cornwell oder Charakterquark wie die völlig durchgeknallte Mo Hayder daherkommen. Ich langweile mich zu Tode bei diesen Waltons-meet-Dr.Lecter-Geschichten von Karin Slaughter oder Kathy Reich und mir wird übel bei den Reissbrett-Slashern von Cody McFadyan oder der langweiligen Sozialdemokratie eines Hanning Mankells (der Traum aller verlebten Thalia-Kundinnen).

Der 1966 in Slough geborene Kernick wuchs in Henley-on-Thames auf, eine Kleinstadt fünfzig Kilometer von London entfernt. „Ich schreibe, seitdem ich einen Stift halten kann. Es hat Jahre gedauert und einige hundert Ablehnungen, bis ich mit 35 Jahren meinen ersten Vertrag bekam. Ich glaube, ich musste einfach so lange üben und lernen, bis ich was Druckbares hin bekam.“
Mit 19 ging er vom College ab und schlug sich mit einem Job als Transportmanager durch. Nach einem Jahr ging er nach Toronto, wo er wieder aufs College ging und sich verlobte. „Es hielt kein Jahr. Danach ging ich über Australien zurück nach England. Ich hatte Heimweh. Ich ging in Brighton aufs Polytechnikum und machte anschließend die unterschiedlichsten Jobs: Im Straßenbau, als Barkeeper oder als Holzfäller für Weihnachtsbäume. Schließlich etablierte ich mich als Handelsvertreter in der Computerbranche und blieb zehn Jahre dabei.“ In seiner wilden Zeit machte er auch eine böse Erfahrung, die sich wohl in der Intensität bestimmter Szenen in seinen Büchern niedergeschlagen hat: Beim trampen mit Freunden wurde er einmal ausgeraubt. Sie mussten sich ausziehen, wurden geschlagen und kamen gerade noch mit dem Leben davon.
Inzwischen ist er verheiratet, hat zwei Töchter und lebt als erfolgreicher Schriftsteller in Oxfordshire.

„In meiner Jugend war ich ein großer Science Fiction und Fantasy-Fan. Wahrscheinlich hat mich Tolkien am stärksten beeindruckt. Gefolgt von Michael Moorcock – insbesondere die Corum- und Runestaff-Zyklen. Großartig und völlig unterbewertet wie vieles in dem Genre. Auf dem College entdeckte ich Raymond Chandler. Ich las THE BIG SLEEP in einem Rutsch. Es hat mich umgehauen und mir einiges beigebracht. Zum Beispiel, dass man nicht zuviel beschreiben muss. Weniger ist oft mehr, wenn es um Thriller geht. 95% von allem, was ich gelesen habe, war Kriminalliteratur inklusive einer ordentlichen Portion true crime.“ Er sieht sich vor allem von amerikanischen Autoren beeinflusst und bewundert Leute wie Dennis Lehane oder Harlan Coben, den er – wen wundert es – für seine überraschenden Wendungen schätzt. „Mein größter Einfluss war Lawrence Block. Ich habe alles von ihm gelesen – und er hat eine Menge geschrieben. Ich bewundere seine Vielseitigkeit. Er kann alles.“ 2004 hielt Kernick bei der Verleihung der Diamond Dagger Awards für Blocks Lebenswerk eine bewegende Laudatio auf sein Idol. Wie Block schreibt er in einem scheinbar kunstlosen Stil, der sich ganz der Geschichte unterordnet.

Begonnen hat er mit Noir-Romanen in der britischen Tradition. Sein Debut, “Tage des Zorns”/”Vergebt mir!” (The Business of Dying, 2002), war ein rabenschwarzer Cop-Roman über einen Bullen, der nebenher Leute umbringt, die es nach seinem Wertesystem verdient haben und ihm zusätzlich ein bißchen Geld einbringen. Er wird von seinem Auftraggeber reingelegt und tötete bei einem Hit unschuldige Zollbeamte. Von da an geht es bergab und schließlich muß er aus England fliehen. Im zweiten Roman über Dennis Milne, “Fürchtet mich” (A Good Day To Die, 2005), lebt er als Gelegenheitskiller auf den Philippinen. Als er vom Mord an seinen besten Freund und Ex-Partner erfährt, kehrt er nach London zurück, um diese Angelegenheit auf seine Weise zu regeln. Laut Aussage des Autors ist dies sein Lieblingsbuch.
Bei der Recherche zu “Tage des Zorns” lernte Kernick Beamte von der Metropolitan Police kennen. “Ich war überrascht, wie angefressen die waren. Sie fühlten sich von Politikern und ihren Chefs unter Druck gesetzt und empfanden sich als dämonisiert, nur weil sie ihre Arbeit taten. Sie hatten nicht genügend Instrumente, um die Kriminalität einzudämmen, und wurden von der Öffentlichkeit und denjenigen kritisiert, die ihnen diese Instrumente verweigerten. Sie blieben nur wegen der Pension dabei. Ich schickte das Manuskript an einen Agenten, der es ablehnte, nachdem er zuerst Interesse gezeigt hatte. Das traf mich ziemlich hart. Ich dachte daran, was Neues zu schreiben. Aber meine Frau Sally glaubte an den Roman. Ich schrieb ein paar Szenen um und fand eine Agentin, die das Buch anbot. Als mir Transworld einen Vertrag dafür und ein weiteres Buch anbot, nahm ich sofort an, ohne noch Reaktionen anderer Verlage abzuwarten. Das war eine gute Entscheidung. Die Copper waren ebenfalls zufrieden mit dem Buch, da ich keine Verfahrensfehler gemacht hatte.”

Auch die drei anderen frühen Romane behandeln die düstere Welt des organisierten Verbrechens in Nord-London. “Mich hat die organisierte Kriminalität immer interessiert – in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Ich finde es bemerkenswert, daß man Kriminalität genauso wie ein normales Geschäft führen kann, direkt unter den Augen der Autoritäten, die kaum Interesse haben, etwas dagegen zu unternehmen.”

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DAN SIMMONS – DAS ALLROUND-GENIE by Martin Compart
12. Januar 2011, 10:56 vormittags
Filed under: Bücher, Dan Simmons, Krimis,die man gelesen haben sollte, Porträt, Science Fiction, thriller | Schlagwörter: ,

Eines sei gleich zu Anfang eingestanden: Mit der hochgelobten Science Fiction von Dan Simmons kann der Autor dieser Zeilen nichts anfangen; sie geht ihm – wie man in Fachkreisen gerne sagt – am Allerwertesten vorbei. (Er gehört ja auch zu den Ignoranten, die sowieso nur Steampunk, Ballard, Farmer, Dick, – schluck – van Vogt und ein paar andere SF-Autoren regelmäßig lesen …) Doch auf so ziemlich alles andere, was Simmons regelmäßig an Literatur liefert, steht er gewaltig.

Im Vergleich zu Dan Simmons’ Delirien wirken die meisten zeitgenössischen Horror-Autoren wie Schulhofkrakeler. Seine Weird Fiction steckt voller Szenen, die man nicht vergessen wird.

Sein erster Roman, GÖTTIN DES TODES, war der einzige Erstling, der je den World Fantasy Award gewann. Eher ein exotischer Abenteuerroman mit Horrorelementen. Neun Wochen hatte sich Simmons in Indien aufgehalten und ein Schauerszenario der Stadt Kalkutta abgeliefert, deren marternde Worte den Leser erbarmungslos foltern. Wer dachte, der gruseligste Ort sei der Bundestag, wird eines besseren belehrt: Seine Darstellung Kalkuttas als Höllenloch ist eines Dantes würdig. Eine Stadt, gegen die die Welten von BLADE RUNNER oder ALIEN geradezu wie friedliche Vororte wirken.

Zur Weird Fiction kehrte er immer wieder zurück: KINDER DER NACHT ist ein moderner Vampirroman, der zu den besten des Genres gehört und neue Volten aus dem abgenutzten Genre schlägt. Dabei sind die beschriebenen Zustände in Rumänien fast grauenhafter als der Genrehorror.

KRAFT DES BÖSEN ist ein unglaublicher Genre-Mix aus Horror, Conspiracy, Polit-Thriller und Hollywoodroman. “Es beherrschte anderthalb Jahre mein Familienleben. Es war eine schreckliche Zeit. Alles wurde dem Buch geopfert. Es war die intensivste Erfahrung des Schreibens, die ich je machte.” SOMMER DER NACHT ist sein dickleibiger Stephen King-Roman. Eine weitere Facette des Chamäleons Simmons, in dem er Kindheit in der amerikanischen Provinz der 60er Jahre mit Horror verbindet. In dem Sequal A WINTER HAUNTING kehrt einer der Protagonisten 40 Jahre später an den Ort des Schreckens zurück. Simmons – und das ist wieder so originell an ihm – zeigt die psychischen und emotionalen Nachwirkungen der grauenhaften Erfahrung.

Er ist einer der vielseitigsten lebenden Autoren. Sein bisheriges Oevre umfasst herausragende Werke in fast allen Genres: Science Fiction, Fantasy, Horror, Polit-Thriller, Mainstream, Crime. “Unterschiedliche Genres sind wie unterschiedliche Spezies am Baum der Evolution. Ich weiß, wie sauer Leser reagieren, wenn der Autor die Genre-Regeln nicht kennt. Ich kenne sie, weil ich all diese Genres liebe und lese. Jeder, der sein ganzes Leben lang nur dasselbe Genre liest, ist ein Idiot. Für einen Verleger ist das natürlich ein Alptraum. Er kann mir nicht ein bestimmtes Etikett aufkleben und mich damit vermarkten.” Kein Autor hat in so vielen Grenres so markante Duftmarken gesetzt. Ein solches Kaliber ignoriert man nur auf eigene Gefahr. Einzige Schwäche bei manchen seiner voluminösen Epen sind unnötige Subplots, die die Romane dicker machen, aber die Handlung oder Charaktere nicht voran bringen. Sein vermeintlich einfacher, direkter und schnörkelloser Stil ist äußerst effektiv. “Je komplexer die Story, um so simpler sollte der Stil sein und umgekehrt.“

Simmons wurde 1948 in Illinois geboren. Er studierte Englisch und wurde überzeugter Grundschullehrer. Wie es sich für solche Biografien gehört, war er von klein auf ein begeisterter Popliteraturleser. “Einige SF-Storys machten mir deutlich, dass der Kapitalismus nicht so toll ist wie ich dachte.” Heute lebt er mit seiner Frau Karen und seiner Tochter Jane in Colorado. In den 70er Jahren hatte er vergeblich versucht SF-Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Bevor er die Schreiberei an den Nagel hängen wollte, machte er 1981 einen letzten Versuch und ging zu einem Workshop, in dem auch der legendäre Harlan Ellison unterrichtete. Ellison erkannte sofort Simmons’ Talent und drohte ihm physische Gewalt an, wenn er das Schreiben aufgäbe. “Ich nahm diese Drohung ziemlich ernst. Was er tatsächlich meinte, war, dass Schreiben eine Unumgänglichkeit ist und mir keine andere Wahl blieb.” Kurz darauf verkaufte er seine ersten Kurzgeschichten. 1987 hatte er so viele Preise eingesackt und Bücher verkauft, dass er Berufsschriftsteller wurde. Inzwischen veröffentlicht er in 30 Ländern.

Schon direkt nach dem Erscheinen wurde HYPERION zu einem SF-Klassiker und verkaufte bis heute über eine Million Exemplare in 20 Sprachen. Der Roman ist nach den Canterbury Tales strukturiert und erzählt eine Reise durch die Galaxis aus der wechselnden Perspektive von 6 Personen, die ihre Geschichte erzählen. Jeder dieser Berichte ist stilistisch unterschiedlich und präsentiert eine bestimmte Form der Science Fiction, von der Hardcore-SF bis zum Cyberpunk. Simmons erhielt dafür den wichtigsten Preis der SF-Literatur. “Ich hätte in Holland sein sollen, um den Hugo Gernsback Preis entgegenzunehmen, aber ich konnte es mir nicht leisten. Ich musste den Hugo gewinnen, um genug Geld zu verdienen, dass ich hätte zur Verleihung kommen können.” Das gigantische Werk, in dem er u.a. mit dem uralten katholischen Schwindel aufräumt, lässt sich höchstens mit C.S.Lewis, Olaf Stapledon oder David Lindsey vergleichen. Trekkies oder STAR WARS-Fans sind wohl kaum dazu in der Lage, Schritt für Schritt in dieses Buch einzudringen und scheitern bereits auf der ersten Seite. In der SF hinterlässt er regelmäßig breite Spuren: Ob mit herausragenden Kurzgeschichten, dem Hyperion-Nachfolger ENDYMION oder gerade mit ILLIUM, der ILLIAS als Space Opera. Simmons nutzt häufig klassische Vorlagen für seine Bücher: John Keats inspirierte ihn zu HYPERION, Dante und T.S.Eliot haben ihre Spuren in DER HOHLE MANN.

Als Meister des historischen Polit-Thrillers erweist er sich in FIESTA IN HAVANNA. Aus der Perspektive des FBI-Agenten Joe Lucas erzählt er wie Hemingway und seine Gang im 2.Weltkrieg auf einen Nazi-Komplott stoßen, der den Kriegsausgang verändern könnte. Großartig sind die Charakterisierungen realer Figuren von Gary Cooper über J.Edgar Hoover bis hin zu Ian Fleming. Und Hemingway selbst springt einem aus den Seiten direkt ins Zimmer. Sein Auge für Details, machen diesen Thriller authentisch. Die erhabenen Kommentare des literarisch uninteressierten Ich-Erzählers sind immer vergnüglich: „Hemingway hatte für diese alberne Fischgeschichte den Nobelpreis bekommen.“

Inzwischen hat er auch noch eine Privatdetektivserie auf der Piste, die mehr an Jim Thompson und Richard Stark orientiert ist als an Raymond Chandler. “Mein Ziel war, als ich HARDCASE, den ersten Joe Kurtz schrieb, kein Kapitel sollte länger als 5 Seiten haben. Und ich wollte einen Protagonisten, der so gemein ist, dass ihn nicht mal seine Mutter lieben kann. Ich schrieb es in zwei Monaten.” Der bodycount ist genauso hoch wie das Tempo dieser schwarzen Thriller. Drei sind bisher erschienen und der vierte, in dem Joe Kurtz ins Grass beißt, wird wohl nicht erscheinen.
Als Romancier zeigt er nicht nur die Menschen in ihren Beziehungen zueinander, sondern auch in ihren Beziehungen zu der Welt, in der sie leben.

In den letzten Jahren hat er einige historische Romane der Sonderklasse geschrieben. In TERROR geht es um die dritte Franklin-Expedition, die 1845 die Nord-West-Passage suchte. Beide Schiffe, die HMS Erebus und die HMS Terror, verschwanden seinerzeit mit 130 Mann Besatzung spurlos. Ihr Schicksal ist bis heute ein ungelöstes Rätsel – aber nicht für Simmons-Leser. Auf 990 Seiten zieht der Meister wieder alle Register und macht uns einmal mehr klar, warum wir ihn lieben wird dieser voluminöse Schmöker (im besten Sinne des Wortes) durch Horror. Was dann kommt, weiß man schon im vorhinein: Der Tag ist gelaufen. Dan Simmons und sein dickleibiger Schmöker übernehmen die Kontrolle über die kommenden Stunden – da haben weder Telefon noch Internet oder DVDs eine Chance; das älteste Massenmedium der Welt siegt wieder einmal im heroischen Kampf um den guten Geschmack. Nicht einmal die Vorauswahl von “Deutschland sucht den Superstar” (die sich jeder ansehen sollte, der one man, one vote für eine Voraussetzung der Demokratie hält), kann da mithalten. Um geistig gesund zu bleiben, muß man sich eben öfters in Bücher versenken, die die Kraft der Phantasie mobilisieren und unser reiches Innenleben abrufen. Und das beherrschen die Werke von Dan Simmons ganz vortrefflich.


Noch besser gefiel mir DROOD, der beste neo-viktorianische Roman seit QUINCUNX von Charles Palliser (der eine eigene Betrachtung wert wäre und zu den besten Romanen gehört, die ich je gelesen habe). Aus der Perspektive von William Wilkie Collins beschreibt er die Konkurrenz und Freundschaft zwischen ihm und Charles Dickens und vermittelt einen Eindruck in deren Persönlichkeiten, das die meisten Biographen nach Hause gehen können. Seine Schilderung der Londoner Unterwelt jagt dem Leser wohlige Schauer über den Rücken. Einige Kritiker – wie schon zuvor bei TERROR – bemängeln Umfang und Horrorelemente in DROOD. Dem muss ich widersprechen: Kein Wort ist zuviel. Es sind Romane, in die man sich fallen lassen kann und ein Wochenende in ihnen lebt. Auch ein Aspekt großer Literatur, der selten geworden ist wenn man an die alle paar Kapitel retadierenden Wiederholungen der viel zu dicken Kriminalromane denkt, die lediglich wegen des vom Marketing festgelegten Umfangs die Bestsellerliste blockieren.

Aus diesem Schriftsteller, der Genre-Meisterwerke auf Bestellung liefert, ist noch viel mehr herauszuholen. Also lesen Sie nach, was Sie bisher versäumt haben – der Suchteffekt wird sich mit Sicherheit einstellen.

BIBLIOGRAPHIE

GÖTTIN DES TODES (Song of Kali, 1985), Heyne, 1991.

KRAFT DES BÖSEN (Carrion Comfort, 1989); Heyne, 1993.

IN DER SCHWEBE (Phases of Gravity, 1989); Heyne, 1994.

DIE HYPERION-GESÄNGE (Hyperionund End of Hyperion); Heyne, 2002.

STYX (Kurzgeschichten); (Prayers to Broiken Stones, 1990); Heyne, 1995.

SOMMER DER NACHT (Summer of Night, 1991); Heyne, 1996.

Going After the Rubber Chicken, 1991.

Summer Sketches, 1992.

KINDER DER NACHT (Children of the Night, 1992); Heyne, 1993.

DER HOHLE MAN (The Hollow Man, 1992); Heyne, 1994.

LIEBE UND TOD (Lovedeath, 1993); Heyne 1995.Blitz Verlag, 2000.

DIE FEUER VON EDEN (Fires of Eden, 1994); Goldmann, 1997.

ENDYMION (Endymion und The Rise of Endymion); Goldmann 2003.

DAS SCHLANGENHAUPT (Darwin’s Blade, 2000); Goldmann, 2002.

FIESTA IN HAVANNA (The Crook Factory,1999); Goldmann 2000.

Hardcase, 2001.

IM AUGE DES WINTERS (A Winter Haunting, 2002), Heyne 2006.

Hard Freeze, 2002.

Welten und Zeit genug (2004) und Helix (2008) (Kurzgeschichtensammlung);
World Enough and Time, 2002

ILLIUM (Illium,2003); Heyne, 2004.

Olympos, Heyne 2004.

Hard As Nails, 2004.

TERROR (The Terror, 2007) Heyne 2007.

Muse of Fire (2008)

DROOD (Drood, 2009), Heyne 2009.

Black Hills (2010)Ursprünglich erschien das Portrait in DARK ZONE – EIN NOIR READER. Zu bestellen durch:
http://www.fanpro.com/produkte/vertriebsprodukte/strange/112-10818.html

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Die Crux mit dem Hauptwerk Grundsätzliches über Michael Moorcock 3/ von Alexander Martin Pfleger by Martin Compart
4. November 2010, 4:00 nachmittags
Filed under: Bücher, Michael Moorcock, Politik & Geschichte, Porträt, Science Fiction | Schlagwörter: ,

Grundsätzliches über Michael Moorcock – anlässlich einer Neuübersetzung seiner „Imitatio Christi“

Die Episoden in der Vergangenheit sind durch eine funktional begründete Blässe charakterisiert. Moorcock versucht nicht, seinen Lesern in der Manier des populären Historienbestsellers eine fremde Epoche in möglichst satten Technicolorfarben auszumalen – sein Palästina der 30er Jahre (der tatsächlichen, ersten unserer Zeitrechnung!) ist hingegen lediglich verzeichnet, wenn auch keineswegs, wie man im Kindler über das Zeitalter der Inquisition in Victor Hugos „Torquemada“ bemerkte, „in geradezu quälendem und beängstigendem Ausmaß“, sondern eher in einer über weite Strecken im positiven Sinne comicstriphaft unbekümmert anmutenden Art, die stellenweise – etwa, wenn Glogauer bei der Auswahl der Apostel nicht allein das Alte Testament, sondern auch die Zeichen des Tierkreises und Positionen neuzeitlicher Esoterik zur Richtschnur seiner Entscheidungen wählt oder Pilatus angesichts der aufgebrachten Menge „Oh, diese morbiden Fanatiker!“ ausruft – in humoristische Kabinettstückchen mündet, die weniger „Das Leben des Brian“ antizipieren als vielmehr dem Josephsroman ironisch Reverenz erweisen.
Überdies stehen dem Autor so keine kleinlichen historischen Details bei der Übermittlung seiner Botschaft im Wege. Gewiss entspricht das Übermitteln einer solchen nur bedingt den Zielsetzungen moderner Literaturtheoreme, aber wenn man schon so etwas macht, sollte man ruhig die Frage nach derselben und ihrem Gewicht stellen dürfen. Was Moorcock uns mitteilen möchte, ist die Erkenntnis, dass man Jesus, wie im Prinzip jede religiöse Erlösergestalt, als Projektion des modernen Menschen anzusehen vermag, der das Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit in der Vision eines imaginären Grössen-Ichs zu kompensieren trachtet. Das ist schlüssig, aber nicht neu. Innerhalb der Science Fiction war es gewiss neu und originell, in der Literatur des 20. Jahrhunderts in ihrer Gesamtheit hingegen, auch wenn man sich nur auf dessen zweite Hälfte beschränkte, vermag diese Erkenntnis kaum eine Fussnote zu füllen.
„Als großer Anführer und großer Prophet galt er ihnen, doch während sie glaubten, er führe sie, trieben sie ihn in Wirklichkeit vor sich her.“ – ein Satz aus „Behold the man“, der in jedem von Moorcocks Fantasyzyklen stehen könnte und komprimiert die Dialektik allen Heldentums zusammenfasst, das für Moorcock letzten Endes stets in Selbstbetrug begründet liegt und auf Betrug hinausläuft. In solchen Überlegungen offenbart sich das auch im trivialsten Stück Moorcock´scher Prosa manifeste Reflexionsniveau, das bisweilen Anlass zu grotesken Überschätzungen zu geben vermag. Im Rahmen eines Fantasyzyklus´ mit allen seinen Redundanzen kann eine solche Stelle als Kulminationspunkt fungieren, in einem qualvoll um Anspruch bemühten Elaborat wie der Romanversion von „Behold the man“ geht sie indes neben viel Belanglosem unter und entfaltet keinerlei Strahlkraft.
Der Piperverlag hat mit dieser Neuübersetzung eines vermeintlichen Hauptwerks die erneute Reanimation einer literarhistorisch zwar bedeutsamen und handwerklich geschickten, aber stilistisch anspruchslosen – ist es ein Fortschritt, wenn die Gedichte von Karls Vater nun nicht mehr überladen wirken, sondern hochtrabend klingen? – und gedanklich im Diffusen verebbenden literarischen Durchschnittsware bewerkstelligt. Zu unterhalten vermag diese Taschenbuchausgabe aber rundum – insbesondere aufgrund des Nachworts und des Klappentextes. Während in der alten Ausgabe des Heyne – Verlags in der „Bibliothek der Science Fiction Literatur“ Florian Marzin, der später als „Henker von Rastatt“ Karriere machte und mittlerweile auch als „Henker von Bergisch Gladbach“ für Furore sorgte, in seinem Nachwort die religionskritischen Implikationen des Romans systematisch herausarbeitete, beschränkt sich Carsten Polzin in dem seinen auf das Nachbeten wirkungsvoller Phrasen und munteres Schwadronieren. Man sieht sich hier einem Dokument der Ratlosigkeit gegenüber.
Dass Moorcock Besseres geschrieben habe, ist Polzins tiefste Erkenntnis, von welcher noch Generationen von Nachwortschreibern zu zehren vermögen. Trotz mancher nicht näher benannter Schwächen könne das Werk niemanden kalt lassen und wirke noch immer verstörend, kontrovers und provokant. Worin sich diese Wirkung in der Zeit seines Erscheinens gezeigt habe, verschweigt uns Polzin leider – die ältere Sekundärliteratur schweigt sich hierzu zwar auch aus, hat aber im Gegenzug niemals derartiges behauptet. Polzin ergeht sich des weiteren in grundsätzlichen Überlegungen zur Problematik der Zeitreisegeschichte, nur um dann zu dem Schluss zu gelangen, dass es Moorcock gar nicht darum gegangen sei, logische Vexierspiele in der Tradition von Robert A. Heinleins „Door into summer“, „By his bootstraps“ und „All you zombies“ zu konstruieren. Gekrönt werden seine Ausführungen durch Reflexionen zur Frage, wie es sein könne, dass Glogauer im vorliegenden Band gekreuzigt werde, in dem Episodenroman „Breakfast in the Ruins“ aber wieder als Hauptfigur agieren könne, und ob die ganze Geschichte nur auf einer Einbildung beruhe. Über die anderen, „besseren“ Bücher Moorcocks erfährt man lediglich, dass viele von ihnen den „Status zeitloser Meisterwerke“ inne hätten – zumindest bezüglich der Elricromane präzisieren sich die Angaben dahingehend, dass es sich hierbei um moderne Fantasy-Klassiker handle, deren „schöpferische Kraft bis heute unerreicht“ sei.
Das Sahnehäubchen hält indes zweifelsohne der Klappentext bereit. Hier erfährt man nämlich, neben den bereits zitierten Geistesblitzen, welche Art von Lesern sich durch dieses Buch besonders angesprochen fühlen sollte: „Ein Muss für alle Fans von „Das Jesus-Video“. Angesichts der Tatsache, dass es im deutschen Sprachraum ausserhalb von Spezialperiodika kaum eine fundierte feuilletonistische Auseinandersetzung mit der Science Fiction gab und man diese Fehlentwicklung ab den 1990er Jahren bedauerlicherweise statt mit Besonnenheit lieber mit viel Hurra zu korrigieren bestrebt war, ist die ahistorische Verquickung zweier in ihren Intentionen höchst unterschiedlicher Romane nicht weiter verwunderlich, aber nicht weniger grotesk. Man stelle sich eine Neuausgabe der „Buddenbrooks“ mit dem Vermerk „Für alle Freunde von Tellkamps ´Turm´“ oder eine Neuausgabe der „Strahlungen“ mit dem Appetizer „Das Geschenk für alle Fans von Littells ´Wohlmeinenden´“ vor. Womit man wohl in 40 Jahren einer zukünftigen Leserschaft Eschbach schmackhaft machen wird?
Seit den 1960er Jahren liegt ein Grossteil des Moorcock´schen Schaffens auf Deutsch vor, und bis Mitte der 1980er Jahre konnte man seine literarische Entwicklung praktisch in ihrer vollen Bandbreite auch hierzulande studieren. Wie bei so vielen Fantasy- und SF-Autoren brach jedoch auch seine deutschsprachige Rezeption irgendwann ab oder verengte sich auf einige wenige kommerziell ertragreiche Dauerbrenner. Die von Dietmar Dath gerühmten Colonel Pyat-Romane kamen über eine halbwegs erfolgreiche Übersetzung des ersten Bandes nicht hinaus, die Cornelius-Chroniken und die Legenden vom Ende der Zeit konnten sich nicht halten, Dorian, Corum und Elric behaupteten sich hingegen problemlos, andere Inkarnationen des „Ewigen Helden“ wie der Marskrieger Michael Kane, Captain Oswald Bastables oder John Daker alias Erekose irrlichterten hin und wieder auf. Das literarische Werk Moorcocks ab den 1990er Jahren kennt man in Deutschland fast nur in Form neuerer Elric-Fortsetzungen oder Ergänzungen von Handlungslücken der bereits bekannten Abenteuer. Der Moorcock von „Mother London“, in dem manche Kritiker gar einen zweiten Joyce zu sehen vermeinten, blieb uns bislang Fama.
Gänzlich untergegangen sind bei uns seine Einzelromane und Erzählungen – wer die künstlerisch radikalen und vielleicht auch weitgehend geglückten, zumindest geglückteren Werke als „Behold the man“ kennen lernen möchte, ist auf das moderne Antiquariat angewiesen. Erinnert sei an „Der Schwarze Korridor“, eine psychedelische Space Opera, die womöglich Moorcocks gewagtestes „New Wave“ – Experiment repräsentiert und Anfang der 1970er Jahre in der wegen ihrer qualitativen Achterbahnfahrten berüchtigten Reihe „Fischer Orbit“ erschienen ist, an „Die Goldene Barke“ (Goldmann), Moorcocks ersten Fantasy-Roman überhaupt, eine wilde Mischung aus Burroughs (sowohl Edgar Rice, als auch William Seward), Mervyn Peake, Kafka und Brecht, an die Erzählungsbände „Der Zeitbewohner“ (Luchterhand) und „Der Eroberer“ (Ullstein; darin u. a. auch die Novellenfassung von „Behold the man“). Solche Sachen „gehen“ heutzutage nicht mehr, sie „ziehen“ nicht. „Gehen“ und „Ziehen“ tut „Behold the man“, ein letztlich banaler Roman mit berührenden Momenten, der dank seiner Thematik vom Nimbus des Provokanten und Progressiven umwabert ist und dem somit stets ein gewisses Grundinteresse garantiert sein dürfte, der sich jedoch auf lange Sicht vor allem als hemmend auf eine umfassende und unvoreingenommene neue deutschsprachige Moorcockrezeption auswirken dürfte.

Michael Moorcock:
I.N.R.I. oder die Reise mit der Zeitmaschine
Aus dem Englischen übertragen von Jürgen Langowski
Mit einem Nachwort von Carsten Polzin
Piper Verlag, München / Zürich 2007
190 Seiten, 7,95 EUR
ISBN: 978-3-492-28618-3



GET LEWIS – Ted Lewis und Brit Noir 10/ by Martin Compart
2. September 2010, 1:02 nachmittags
Filed under: Bücher, Brit Noir, Crime Fiction, Die Krays, Krimis, Noir, Ted Lewis | Schlagwörter: , , ,

Anfang der 60er Jahre nahm die bürgerliche Öffentlichkeit stärker davon Notiz, dass es Gangster in London gab. Immer öfter tauchten Geschichten über die Krays-Zwillinge in den Zeitungen auf, die vom Eastend aufgebrochen waren, um auch im Nachtklubgeschäft des Westends Fuß zu fassen. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern (Sabinis, Jack Spot, Comer usw.), bemühten sich die Terrible Twins nämlich um Öffentlichkeitsarbeit. Der 1962 veröffentlichte Roman DEATH OF A BOGEY (TOD EINES GREIFERS; Heyne 1963) von Douglas Warner ist wohl der erste Kriminalroman, der den Krays-Mythos thematisiert. Die Informationen über die Krays-Gang, hier Lane-Bande genannt, die indirekt in den Roman einfließen, sind zwar aus heutigem Kenntnisstand naiv, scheinen aber nicht nur aus der Zeitungslektüre zu stammen. Gut beschrieben ist vor allem die Mauer des Schweigens im Eastend, die die Krays so lange schützte und deren Zerstörung erst ihre Festnahme ermöglichte. Douglas Warner war ein Pseudonym für Desmond Currie und Elizabeth Warner, die bis 1968 sechs harte Krimis über die Schattenseiten Londons veröffentlichten.
Einer wurde sogar verfilmt: DEATH OF A SNOUT, 1961, wurde von Ken Annakin als UNDERWORLD INFORMERS (auch: THE INFORMERS, THE SNOUT) 1963 für die Leinwand adaptiert.

Eine besondere Position kommt dem 1921 in Leeds geborenen Ex-Polizisten John William Wainwright(1921-95) zu. Gemeinhin gilt er seit seinem ersten Buch, das 1965 erschien, als ein herausragender Autor des britischen Polizeiromans. Im Gegensatz zu den police procedural-Autoren und seinem Lieblingsautor Ed McBain behandelt Wainwright in seinen Polizeiromanen immer nur einen einzigen Fall. Bemerkenswert ist auch die frühe Betonung des Organisierten Verbrechens. Seine Helden stehen in ihren Extremsituationen den schwarzen Thrillern näher als den durchschnittlichen Polizeiheroen. Beispielsweise scheut sich einer seiner Serienhelden, der ein Anhänger der Todesstrafe ist, nicht, einen jugendlichen Mörder sofort hinzurichten.Die Methoden der Polizei und die der Gangster sind bei Wainwright fast identisch. Er treibt die erstmals bei John Bingham auftauchende Negativdarstellung der britischen Polizei noch weiter. Das scheint angesichts der beruflichen Vergangenheit des Autors noch beängstigender. Seine überzeugendste Leistung im Schwarzen Roman war seine Tetralogie um den Ex-Polizisten Davis, der die Fronten wechselt. Stilistisch überzeugend zeigt Wainwright Intimes aus der Unterwelt und Charaktere, die der Leser so schnell nicht vergißt. Insgesat schrieb er 83 Romane, darunter eine Autobiographie über sein Leben als copper.




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