Martin Compart


GANGS OF LONDON – Es gibt ein Sterben nach den Krays oder Tod den Investoren by Martin Compart

London 2020.

Lange vorbei sind die Zeiten liebgewonnener Folklore, in der die Kray-Twins die Unterwelt beherrschten. Auch die Yardie-Romantik gehört weitgehend der Vergangenheit an. Ja, es gibt ein Leben nach den Krays, deren Eastend-Mythos den britischen Gangsterfilm bis heute beeinflusst. Heute ist London einer der größten moralischen Slums der Welt, in dem sie Evil-Twins kaum noch eine Chance hätten.

Aber nun werden neue Töne angeschlagen.

Das wird einem innerhalb der ersten drei Minuten der Eröffnungsszene klar, die an Brutalität in filmischer Eleganz alles übertrifft, was man bisher auf dem Bildschirm gesehen hat.

Die TV-Serie GANGS OF LONDON zeigt ein aktuelles, sicherlich überzeichnetes, Bild, wie Organisierte Kriminalität in der Finanzmetropole heute abläuft: Alle ethnischen Gruppen, von Albanern über Asiaten bis hin zu den Iren, haben sich in einem Aufsichtsrat zusammengeschlossen und die Märkte aufgeteilt. Hinter ihnen stehen Investoren (die in der Serie erstmal im Dunkel bleiben), die renditiert werden. Denn die City – immer auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten – schätzt das steuerfreie Geschäft mit Rauschgift, Mord, Prostitution und anderen illegalen Spezialgebieten. Hier sind die Kursgewinne gigantisch, hier tobt der Feudal-Kapitalismus ungehemmt auf höchstem Niveau.

Der Wahnsinn wirkt authentisch. Die Krays kennt hier niemand mehr.

Stattdessen romantisiert man den Zusammenschluss unterdrückter Ethnien zum ökonomischen Vorteilsstreben. Die Allianz zwischen dem irischen Kingpin und seinem schwarzen Adlatus resultiert aus Diskriminierungszeiten der 1970er: „No Blacks, No Irish. Illegitimate bastard children of the great British Empire. A city of closed doors brought us together.

Der Finanzmakler, eine Art irischer Mayer-Lansky, der dieses Profitmodell entwickelt hatte und anführt, wird in der Pilotfolge umgebracht, und sein nachfolgender Sohn löst durch eine falsche Marktstrategie („Alle Geschäfte stehen still, bis ich den Mörder meines Vaters habe.“) gewalttätige Tumulte aus, die an die Substanz der Unternehmen gehen.
Gespielt wird der Tycoon von Colm Meaney, Hackfresse und Legende des britischen Gangsterfilms.

Über den Bildschirm laufen nun gnadenlos choreographierte Brutalitäten, wie man sie zuvor noch nie gesehen hat. Dagegen wirken die meisten Martial-Arts-Filme wie Vorabend-Serien.

Heike Hupertz beschreibt das im F.A.Z.-Net vortrefflich: „…stimmig choreographierte Folge von Kampfszenen, die den Betrachter visuell überwältigen und unter Dauerspannung halten. Superbrutal, extraordinär, meisterlich geschnitten, auf präzise Weise gespielt, stimmen hier die Details, die Augenblicke, die Zeitlupen, die Zooms, die dramatischen Verzögerungen, jeder berserkerhaft gefilmte Kontrollverlust. Der Waliser Gareth Evans, zusammen mit dem Kamermann Matt Flannery Verantwortlicher der neunteiligen Actionserie Gangs of London, führt lediglich in der Pilotfolge und in der fünften Folge selbst Regie. Regie, die Maßstäbe für das Genre Untergrundkrieg der organisierten Kriminalität setzt.“
Sie weist auch zu Recht darauf hin, dass die Serie ebenfalls als Charakter-Drama funktioniert. Tatsächlich wirken die Gewaltorgien nie anorganisch in dieser komplexen Erzählung, die durch die ungewöhnlichen Charaktere und ihrer Gier nach Rache oder neoliberalem Wirtschaftsstreben vorangetrieben wird.

Schon jetzt ist klar, dass GANGS OF LONDON neue Maßstäbe setzt. Ästhetisch vergleichbar innovativ wie MIAMI VICE in den 1980er Jahren. Für das Genre des britischen Gangsterfilms ein stilistischer Quantensprung, der selbst die Aficionados schockiert und verwirrt. Um die dysfunktionale Zivilisation vorzuführen findet GANGS OF LONDON bisher nie gesehene Bilder und Szenen neben den genrespezifischen Topoi.

Der ehemals gefeierte „Erneuerer“ Guy Ritchie wirkte mit seinen Werken schon immer gestriger als VILLAIN, SEXY BEAST oder GET CARTER (deren Klassiker-Status nie zur Disposition steht).

Bereits mit dem Pilot-Film hat GANGS OF LONDON seine eigene Mythologie geschaffen und inszeniert. Wie bei VILLAIN und im Gegensatz zu Ritchie dient die erschreckende Brutalität nie dazu, pickeligen Popcornfressern ein debiles Lachen zu entlocken. Evans und Flannery meinen es ernst und mildern nichts durch ironische Seitenblicke. Schönes, heroisches Sterben, wie in französischen Gangsterfilmen (vor allem mit Alain Delon), gab und gibt es nicht im britischen Pendant.

Zwischen deutschen Produktionen und den besten internationalen liegen inzwischen Lichtjahre.
Das ist auch Jan Freitag aufgefallen; er schreibt im „Tagesspiegel“:
„Anders als deutsche Produktionen. Diese Wortkargheit ist es auch, mit der sich „Gangs of London“ von deutscher Redundanz distanziert. Eine Szene wie jene, als Sean 30 endlose Sekunden lang schweigend am offenen Sarg seines Vaters steht und Mutter Marian mit den Augen allein offenbart, wie abgrundtief sein Hass ist, wie übermächtig sein Ehrgeiz, scheint in deutscher Produktion schlicht undenkbar.“

Höhnisch meinte „The Indipendent“, dem die Serie weniger gut gefiel: „Evans’ series is an unholy combination of The Raid and EastEnders.“
Wie so viele Gangstergeschichten ist auch GANGS neben anderem eine Familien-Saga. Und anders als bei den Waltons oder Cartwrights hat hier jedes Familienmitglied etwas zu verbergen.

Gangsterepen sind inzwischen zu Symbolen des Kapitalismus geworden. Zeigen sie doch wunderbar in der beginnenden Endzeit der Klimakatastrophe, dass diese Form des Wirtschaftens auf denselben Vernichtungsstrategien eines Dschingis Khans beruht, nur effektiver dank technologischer Fortschritte. Mit Zivilisation hat das so viel zu tun wie das Morden und Plündern barbarischer Horden.

Man könnte über gelegentliche Klischees und Unstimmigkeiten der Serie mäkeln: Eine Gang-Organisation handelt gar mit Silikon-Puppen. Aber ich schließe mich da gerne GQ an: „sex dolls (we’re not sure why, given these are legal and easily available on the internet, but OK)“. Aber es sagt auch etwas über Klischeebruch aus, wenn ausgerechnet der mörderische Boss der Albaner-Gang wie der nette Nachbar rüberkommt.

Entwickelt wurde die Serie für Pulse-Films von dem preisgekrönten Filmemacher Gareth Evans (The Raid: Redemption) und seinem kreativen Partner Matt Flannery (Kamera). Beide arbeiteten schon für indonesische Martial-Arts-Filme. Evans nennt sein ästhetisches Konzept für London „Gothamized“.

Und „Empire“ erkennt: „Where Gangs Of London makes its biggest mark, however, is in an area that will surprise nobody who’s seen The Raid or its sequel. Having made their name in the Indonesian film industry, Evans and Flannery now import their own brand of hyper-kinetic, unflinchingly ferocious screen violence to the streets of our capital, with each episode featuring at least one virtuoso action sequence (even after Evans hands the directing reins to Corin Hardy, who in the fourth episode shows he’s as adept at action as he is horror).“

In England gab es wegen der Gewaltdarstellung viel Protest. Das hinderte aber nicht daran, dass die durchschnittlichen Zuschauerzahlen auf fast 1, 5 Millionen stiegen und die downloads im Mai 16,6 Millionen erreichten. Sie ist nach GAME OF THRONES die zweiterfolgreichste Serie von Sky Channel – und das „Okay“ zu einer zweiten Season war nur eine Formsache.

„The British gangster thriller has never fackin’ seen anything like this before.“ (Empire)

Autoren: Peter Berry, Claire Wilson, Carl Joos, Lauren Sequeira, Gareth Evans, Matt Flannery
Regisseure: Corin Hardy, Xavier Gens (drehte den Backwood-Kracher FRONTIER(S)), Gareth Evans
Hauptdarsteller: Joe Cole (Peaky Blinders), Sope Dirisu (Humans), Colm Meaney (Star Trek), Lucian Msamati (His Dark Materials), Michelle Fairley (Game of Thrones), Paapa Essiedu (Press), Pippa Bennett-Warner (Harlots).
Production Company: Pulse Films
Vorlage war ein gleichnamiges PSP-Video-Spiel von 2006.

P.S.:
Schön ist auch, was im Blog der freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft von Uwe Breitenborn zu der Serie zu lesen ist:

„Um es vorwegzunehmen: Ein außerordentlich hohes Gewaltlevel prägt die meisten Episoden, so dass sich der FSF-Prüfausschuss bei fünf der neun Episoden erst für eine Freigabe ab 18 Jahren entschied…

Auch wenn die Gewalthandlungen genretypisch exzessiv und zuweilen überchoreografiert sind, haben sie durchaus einen spekulativen Grundton. Eine gewisse Gewaltlust ist der drastischen Inszenierung nicht abzusprechen, was als sozialethisch desorientierend gewertet wurde. Einge Episoden erhielten aber auch eine Freigabe ab 16 Jahren. Bei ihnen wird dieser Altersgruppe zugetraut, sich von den Gewaltexzessen distanzieren und diese Szenen einordnen zu können. Die Gewaltexzesse sind dramaturgisch zumeist angebahnt und einordenbar. Es gibt zudem kaum deutlich positive Identifikationsfiguren…

Bemerkenswert ist die Komplexität und Vielschichtigkeit des Plots, der ein weit aufgefächertes Figurenensemble aufweist, eine faszinierende, aber auch zynische Inszenierung des neoliberalen Londons. Die Skrupellosigkeit des turbokapitalistischen Zeitgeistes durchweht jede Pore des Films. Luxus und Gosse sind fest verwoben, etwas Durchschnittliches gibt es hier nicht, nur Extreme. Das gilt für die exzellente Besetzung ebenso wie für die überbordende Gewalt, die sich wild über Genrekonventionen hinwegbewegt. Hier werden Bauernhäuser zu Kriegslandschaften, Gangrivalitäten zu Massakern und Beziehungen zu Folterhöhlen. Kriegsfilm, Splatter, Western, Gangsterdrama – ja, Oper müsste man eigentlich sagen. Ein Epos ohne Grenzen. All das muss man aushalten, man kann es auch bewundern. Aber getreu dem Motto eines regionalen Radiosenders ist zu sagen: Nur für Erwachsene!“





STERNSTUNDEN DES ÖFFENTLICH-RECHTLICHEN FERNSEHENS by Martin Compart

Es gibt sie tatsächlich: Sternstunden des deutschen Fernsehens! Zumeist auf ARTE ausgestrahlt, Am 18.Februar 2020 überflügelte der Sender mit einem langen Themenabend über die Mord- und Folterstaaten der Monarchien am Persischen Golf fast sich selbst! Die Beiträge sind noch in der ARTE-Mediathek abrufbar.

Los ging es mit der zweiteiligen FRONTLINE-Dokumentation MORD IM KONSULAT von Martin Smith und Linda Hirsch. Anhand der Spurensuche im Fall der Ermordung des Journalisten Kashoggi analysiert der Beitrag auch die Entwicklung des saudischen Despoten Mohammed bin Salman zum Schreckensherrscher. Auch die sowohl dämliche wie undurchsichtige Rolle, die Trump bei oder gar zur Ermordung Kashoggis gespielt hat und haben könnte, wird erwähnt. Die Komplizenschaft der USA mit Folterregimen ist ja längst Folklore.
Eine Doku wie ein guter Thriller.

Fisk in 2001 after being beaten by Afghan refugees. He absolved his attackers of all blame claiming ‚their brutality was just a product of others‘

Anschließend folgte das beeindruckende Portrait des gnadenlosen Wahrheitssuchers Robert Fisk („Mut kann irrelevant sein.“), der seit den 1970ern den Nahen Osten journalistisch durchforscht und analysiert. Im Portrait beweist Fisk, wie mit Unterstützung der NATO bosnische Waffen nach Saudi-Arabien geliefert wurden, die dann beim IS landeten. Ein weiterer Beweis dafür, dass Saudi-Arabien den islamistischen Terror unterstützt.

Zum Abschluss gab es die Wiederholung der französischen Dokumentation WÜSTE PRINZENSPIELE – DER NEUE GOLFKRIEG über die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Qatar– angelegt von drei psychopathischen Milliardenerben.

Nach diesem Themenabend weiß man mehr über die Kriege und Krisen des Nahen Osten. Und dass die wahren Verursacher Europäer und Amerikaner waren und ihre Heloten den durch Rohstoffinteressen bestimmten Einflüssen langsam aber sicher entwachsen (auch wenn MbS Bündnisse mit Israel schließt, damit die USA weiterhin dulden, dass er seine Bevölkerung tyrannisiert und Terror-Organisationen unterstützt).

Für so einen Themenabend verzeiht man ARTE wieder jeden subjektiv empfundenen Unsinn, der häufig das Programm bestimmt. Da akzeptiert man dann auch den Gebührenzwang, denn niemals werden kommerzielle Sender diese Form der Aufklärung betreiben.
Das wäre ja gegen ihre Religion.

P.S.: Als welche Gefahr das öffentlich-rechtliche Fernsehen wahr genommen wird, sieht man aktuell in Großbritannien, wo Boris Johnson mit einer neuen Strategie die BBC sabotiert. Auch bei uns hassen und fürchten falsche Propheten wie Orban, Trump oder Johnson die unabhängige Pressefreiheit.



DRACULA 2.1. – bissiger denn je by Martin Compart
6. Januar 2020, 5:28 pm
Filed under: Dracula, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , , ,

„Um so etwas wie leben zu können, müssen wir anderen Menschen die Zukunft rauben, ihnen die Jahre stehlen… Aber ich habe kein eigenes Leben, nur den Hunger und die Gier danach.“

Aus: Jack Sharkeys Kurzgeschichte DIE DÄMONIN (TRADE-IN, 1964)

DRACULA (1897) von Bram Stoker gilt vielen Theoretikern als letzte Gothic Novel, in der sich noch einmal der Triumph des Bürgertums über den Feudalismus manifestiert.

Seitdem wurde Stokers Roman für alle Medien adaptiert und interpretiert, häufig dem jeweiligen Zeitgeist angepasst und unterschiedliche Akzente gesetzt. Inzwischen ist Dracula eine weltweite Ikone der Pop-Kultur.

Es war kein geringerer als Lord Byron, der den Vampir aus dem Volksglauben nahm und ihn als melancholischen Gothic-Schurken in die Literatur einführte.

Von der reinen Feudalismustheorie entfernt sich dieser Dreiteiler ebenso, wie von der Wissenschaftseuphorie des Romans.
Eine interessante Variante der „Blutgier“ liefert der Dreiteiler mit: Blutsaufen wird nicht nur als bestialisch erklärt: Im Blut liege Wissen gespeichert, dass der Vampir in sich aufnimmt.

Jonathan Harkers Schicksal in der Mini-Serie ist schlimmer als der Tod.

Ähnlich wie bei der Renovierung von SHERLOCK HOLMES verblüffen Mark Gatiss und Steven Moffat (für BBC und Netflix) durch überraschende Wendungen, die Bezüge zur ursprünglichen literarischen Vorlage haben. Auch das ursprüngliche Personal wird verdreht genutzt: Professor Van Helsing etwa, ist hier eine Nonne mit scharfer Zunge und geringem Glauben. Die Macher gehen aber in ihrer Kultur- und Religionskritik weit über frühere Interpretationen hinaus. Das wird einige Hardcore-Fans irritieren.

„Was ängstigt sie so vor dem Kreuz, Dracula?“
„All die Qualen und Dummheiten, die das Kreuz über die Menschen gebracht hat, manifestiert sich im Blut. Ich musste Jahrhunderte ihr Blut saufen. Der Ekel hat sich übertragen, deshalb fürchte ich das Kreuz.“

Der Dreiteiler spielt mit Variablen des Vampirmythos, thematisiert auch dessen Widersprüche und Ungereimtheiten. Optisch nutzt er heute mögliche Horroreffekte.

Wir werden von den Mächten des Bösen angegriffen werden.“
„Wieso sollten sie ein Kloster angreifen?“ !
„Vielleicht vertragen sie keine Kritik.“

Dieser Dialog zeigt einen schönen Ansatz, mit dem die Macher von DRACULA schon SHERLOCK HOLMES aktualisiert hatten: Ironie und britisch-schwarzer Humor.
Aber immer mit Respekt und genauer Kenntnis der Vorlage. Besonders witzig ist die Transformation des Dracula-Sklaven Renfield zu einem Anwalt.

Am Anfang jedes Teils wird durch nicht-lineares Erzählen so viele Fragen eröffnet, dass man auch bei gelegentlichen Längen dabei bleibt. Dafür sorgen auch die großartigen Darsteller (Claes Bang gelingt eine überzeugende Vorstellung eines Draculas für das 21.Jahrhundert; er tat für DRACULA ähnliches, was Daniel Craig für JAMES BOND getan hat – zumindest in CASINO ROYAL) und die rasante Regie und die hohe Produktionsqualität.

Diese Interpretation von DRACULA ist eine Allegorie für die Feigheit (nicht Angst) vor dem Tod.
In der Nachbetrachtung ein verstörendes – nicht immer völlig überzeugendes -Kunstwerk als Plädoyer für Liebe und Endlichkeit.

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„SERIÖS“ – SERIENEXPERTEN, WIE SIE NUR DAS DEUTSCHE FERNSEHEN HERVORBRINGT by Martin Compart

Auch Serien-Spezialist Jochen König (https://www.krimi-couch.de/magazin/film-kino/) hat sich SERIÖS angetan:

Unglaublich. Es gibt eine Diskussionsreihe über Serien. Die der personifizierte Möchtegernstatus ist. Die kleine Gartenzwerghölle, diesmal nicht im Vorgarten, sondern in einem ach so heimelig eingerichteten Fernsehstudio.

Für alle, die direkt damit konfrontiert werden möchten, warum Deutsches Fernsehen der Horror ist. Man nehme drei mittlere Ausfälle (Kurt Krömer, Ralf Husmann, Annie „wer auch immer diese ‚Allesguckerin‘ ist“ Hoffmann) und einen Totalausfall (Annette „ich bin die ganz tolle Schreiberin von „Weißensee“, die sich supi auskennt mit allem und jedem und auch in Stereo biographieren kann“ Hess) und setze sie nach Vorbild des literarischen Quartetts zusammen (nur viel lockerer, mit nackte Füße auffe Couch und so), und lasse sie über Serien reden. Äh falsch, quatschen, quasseln, abgehen auf billigste Pointenjagd.

Pestlippen, die Lauch sind, aber so lit wie sonst was sein möchten.

Kontexte: Existieren nicht, ernsthafte Auseinandersetzung: Watt willsndu Alda, spinnsde? Perspektivisch und inhaltlich tiefgreifendere Themen zu eröffnen spielt keine Rolle.
Da hält Hess eine Lobrede auf den mäßig komischen und hochnotpeinlich chargierenden Ricky Gervais (ist sonst besser) als „Derek“, und moniert,dass Ekel im Serien-TV kaum eine Rolle spielt. „Derek“ hingegen…
Haben wir die (nicht mal ansatzweise erreichten) Vorlagen für „Derek“ nicht präsent? Monty Python und Little Britain waren weit wagemutiger, besser gespielt und längst da, wo „Derek“ möglicherweise hin möchte.
Die „League Of Gentleman“, „South Park“, die „Simpsons“, „Futurama“, selbst harmlose Serien wie „Inspector Barnaby“ (Leiche im Bierfass, aus dem munter getrunken – und anschließend gekotzt wird) und „Brokenwood“ (ist es Wein oder Natursekt?)widmen dem Thema „Ekel“ ungeteilte Aufmerksamkeit. Nur ein paar Beispiele unter vielen.

Bei „Seriös“ reichen sich Ignoranz, Ahnungslosigkeit, bemühte Witzischkeit und haarsträubende Vergleiche/Pointe die Hände („’Game Of Thrones‘ ist wie die ‚Lindenstraße‘. Viele Charaktere“).
Wer wie ich aus einer pietistisch angehauchten Gegend stammt, in der man nicht in den Keller geht, um zu lachen, sondern um sich zu geißeln, wird die Reihe zu schätzen wissen.

Auf die falscheste Art. Für den Rest ist es eine Übung in Fremdscham (und ein kleiner Blick auf den maroden Zustand des german televison, das nichts proudly zu präsentieren hat).

Ralf Husmann zieht sich noch am besten aus der Affäre. Er kennt sich mit dem Schämen für andere halt aus und erweckt zumindest manchmal den Eindruck, dass ihm die Sendung peinlich ist.

Merke: Wer nix mehr merkt merkt nix. Wenn man mal wissen will, was man garantiert nicht über Serien wissen will, ist man bei „One“ und in der Mediathek richtig:



STERNSTUNDEN DER VERBLÖDUNG: ARD O(H)NE weiter ganz vorne! by Martin Compart
8. Dezember 2019, 12:54 pm
Filed under: Sternstunden der Verblödung, TV | Schlagwörter: , ,

„Was spannend war, war meinen Mann dabei zu beobachten, wie er das geguckt hat.“ (Wichtige Mitteilung: „Man wird es draußen an den Schirmen nicht glauben, aber ich hab einen.“)

Kennen Sie SERIÖS?
Ein Produkt der Geistesschwachen von der ARD: Vier ausgewiesene Idioten diskutieren Fernsehserien unter dem Niveau von Serienjunkies.de! Ja, das ist möglich – wie jetzt bewiesen!

In der Rezeption bleibt das öffentlich-rechtliche tatsächlich noch hinter der Produktion zurück.

Zu DIE EINKREISUNG nach Caleb Carr in Folge 3, empfohlen und verteidigt von der dümmsten Frau Europas (nicht jeder hat ein Unterbewusstsein):

„Wie ist denn so der Psychopath?“
„Der Psychopath ist super. Ein Superpsychopath.“

WEISSENSEE-Trutsche:
„Ich finde, wir sollten da so ne Therapiegruppe machen. Für Leute, die so in Serien nicht reinkommen.“

Am spannendsten war zuzusehen, wie sich die minimalen Gedankengänge in ihre Gesichter stahlen.

Ein geschätzter und bekannter Kritiker mailte mir (nachdem ich ihn sadistisch darauf aufmerksam gemacht hatte):

„Seriös“ ist echt ein Kracher. Ich habe die erste Folge nicht ganz
ausgehalten. Die reden sich einen Scheiß zusammen, da möchte man nur
dazwischenfahren und sagen, „ihr redet völligen Kokolores“. Und das sind
Leute, die fürs Deutsche Fernsehen arbeiten. Vor allem die
„Weißensee“-Tusse hat einen kompletten Sockenschuss. („Ich betrachte das
als Drehbuchautorin, die sich mit den Hintergründen der Fernsehproduktion
auskennt“. Vor allem vermutlich mit dem Dixie-Klo, dass ihren Dünnpfiff
verarbeiten muss).

Gruselig. Kucke ich weiter. In homöopathischen Dosen…

 

P.S.: Das schreit nach einem spin-off: Vier, die außerhalb der Grenzen von ´45 nicht überleben könnten.



THE LOOMING TOWER by Martin Compart
15. April 2019, 5:42 pm
Filed under: TV, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Die 10-teilige Miniserie von 2018 basiert auf dem letzten Drittel des Sachbuchs gleichen Titels von Lawrence Wright von 2004, das mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde (deutsch: DER TOD WIRD EUCH FINDEN; DVA, 2007).
Das Buch beschreibt den Weg zum 11.9.2001 mit der ganzen Vorgeschichte der imperialen Einmischung der USA in die arabische Welt. Und es stützt faktisch den Mythos des Versagens der US-Dienste CIA und FBI…
auf CRIME-TV: https://crimetvweb.wordpress.com/2019/04/15/the-looming-tower-oder-die-trottel-von-der-letzten-bank/



STERNSTUNDEN DER VERBLÖDUNG by Martin Compart
18. Januar 2019, 8:45 am
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Sternstunden der Verblödung, TV | Schlagwörter: , ,

Im Schulfernsehen „Planet Schule“ beglückte der WDR in der Reihe – schluck – „Dichter dran“ (was für ein Titel für eine Reihe über deutsche Literatur!) in einem Beitrag über E.T.A. Hoffmann mit folgendem Satz: „(Ab da, gemeint ist die Zeit um 1814)… schreibt Hoffmann Beiträge für T a s c h e n b ü c h e r…“
Vielleicht sollte man die Senderreihe in „Planet Pisa“ umbenennen.
Mein WDR!

P.S:

EIN BESCHEUERTER BEI LANZ:

Ab Minute 20 geht der Schwachsinn richtig los!

Über Scheuers Ministeramt lässt sich positiv sagen: Wenigstens ist er von der Strasse weg.

 



ERSTE TAGE IM BUNKER – DIE TV-SERIE MINDHUNTER by Martin Compart

Eine Welt ohne Serienkiller ist heute nicht mehr vorstellbar. Ob in Realität oder Fiktion, der Serienkiller ist zum Topos eines Horrors der westlichen Zivilisation geworden. Film, TV und vor allem die zeitgenössische Kriminalliteratur sind überflutet mit den hirnrissigsten Killern (der bisherige Höhepunkt literarischer Idiotie dürfte Ethan Cross mit seiner Familie der Serienkiller sein; ein Gevatter arbeitet gar für das FBI, um den Horror heimelich zu machen).
Erst vor etwa vierzig Jahren wurde der Begriff „Serienkiller“ kreiert, und zwar von dem FBI-Agenten Robert Ressler. Obwohl zuvor dieses kriminelle „Phänomen“ bekannt war (von Jack the Ripper bis Ed Gein), wurde es erst seit Mitte der 1970er Jahre wissenschaftlich erforscht.

Und zwar von den Pionieren Professor Ann Burgess, Robert Ressler und John Douglas.

Die spannende Entwicklungsgeschichte ihrer Forschungsarbeit, die für die Kriminologie neue Türen öffnete, ist das Thema der TV-Serie MINDHUNTER von David Fincher, Charlize Theron, Joe Penhall und Jim Davidson nach den Erinnerungen von John Douglas.
MINDHUNTER ist eine der radikalsten Serien der jüngeren TV-Geschichte…

weiterlesen auf CRIME-TV unter https://crimetvweb.wordpress.com/2018/12/14/erste-tage-im-bunker-mindhunter/



OFFENER BRIEF AN ARTE BEZÜGLICH DER DOKU ÜBER BOKO HARAM AM 20.11.18 by Martin Compart

Sehr geehrte Damen und Herren,

als alter ARTE-Fan hat mich diese Doku über „Nigerias Terrorgruppe“ sehr erbost. Besonders, da sie in den ersten beiden Dritteln aus der weitgehend treffenden Analyse der Ursachen für das Erstarken Boko Harams getragen wurde. Leider wurde es versäumt darzustellen, dass das autoritäre Regime Nigerias von den Interessen internationaler Konzerne und denen von Europäern und Amerikanern errichtet wurde und gestützt wird. Dass ehemalige Kolonialmächte im Dienst der Konzerne autoritäre Staaten in Afrika ermöglichen und stützen, ist inzwischen eine Binsenweisheit.

Aber was mich wirklich erbost hat, war die Berichterstattung über angebliche militärische Erfolge gegen Boko Haram durch das nigerianische Militär zusammen mit französischer Waffenkraft und Truppen der Anrainer-Staaten.

Es wurde zwar weitgehend in der internationalen Presse verschwiegen, aber jeder, der sich nur ein wenig für Nigeria interessiert, weiß, dass es südafrikanische Söldner waren, die Boko Haram fast komplett besiegt hatten.
Diese 250 Söldner von STTEP (von der nigerianischen Regierung verpflichtet) beendeten den Terror von Boko Haram im Nordosten Nigerias innerhalb von vier Monaten (!)in 2015. Und dann erging es Ihnen und ihrem Oberbefehlshaber Eeben Barlow ähnlich wie der Söldnerfirma Executive Outcomes in Sierra Leone: Sie wurden auf Druck der Amerikaner und Nicht-afrikanischen Interessen entlassen und nach Hause geschickt.
Bei den Kämpfen gegen Boko Haram hatten sie einen Toten zu beklagen.

Kurze Zeit später kam der Terror von Boko Haram zurück und dehnt sich seitdem in West- und Zentralafrika aus.
Was dem bisher mit europäischer und amerikanischer Unterstützung militärisch entgegengesetzt wird, ist nicht sonderlich effektiv gemessen an der Leistung von STTEP.

Darüber wurde in Ihrer Dokumentation kein Wort verloren.

Bösartig könnte man diese Informationsunterschlagung als Fake News bezeichnen.
Ihr enttäuschter (weiterhin) Zuschauer,

Martin Compart

Informationen zur Situation der Söldner gegen Boko Haram gab und gibt es auch in meinem Blog; z.Bsp. unter:

https://martincompart.wordpress.com/2015/07/16/barlow-spricht/

https://martincompart.wordpress.com/2015/05/21/nigeria-ohne-sudafrikanische-bluthunde/

Der Arte-Beitrag unter:
https://www.arte.tv/de/videos/061651-000-A/boko-haram-nigerias-terrorgruppe/



Anmerkungen zu Berlin Babylon by Martin Compart
2. November 2018, 7:31 pm
Filed under: Deutsches Feuilleton, TV | Schlagwörter: , , , ,

https://crimetvweb.wordpress.com/2018/11/07/anmerkungen-zu-berlin-babylon/