Martin Compart


DR.HORROR LOBT TIL SCHWEIGER! by Martin Compart
4. Februar 2016, 10:46 vormittags
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Dr. Horror, Film, TV | Schlagwörter: , , ,

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Ich konnte kaum glauben, was mich in folgender mail erreichte:

Lieber Martin,

sah gerade Til Schweigers OFF DUTY.

Nach den Fernseh-Tatorten erwartete ich, enttäuscht zu werden, dann kam es aber ganz anders. OFF DUTY ist kein Tatort, obwohl er einige Figuren aus den NDR-Tatorten fortsetzt. Es ist kein Dialog (=Nuschel)-Film, sondern Action-Kino, das ich auf ein Budget von 12 Millionen einschätzte, bis ich erfuhr, dass sie für 8 Millionen an drei Locations gedreht haben und dadurch internationaler wirken: ein wenig Hamburg (kaum Deutsche im Visier), Istanbul und Moskau (nur wenige problematische Drehtage, aber viel an Bildern herausgeholt). Die türkischen und russischen Gegenspieler sind gut. Das Vorbild ist offensichtlich (Mini-) Bond. Wenn es wirklich nur um Action geht (einige große Sequenzen), sind das zwei unterhaltsame Stunden.

Bleibt das Problem, ob man Schweiger selbst mag, aber das steht ja auf einem anderen Blatt. Er hat es sich zum Prinzip gemacht, seine Filme nur ausgewählten Kritikern zu zeigen. Diesen hier hätte er der Presse ruhig zeigen können. Ich bin selber sprachlos, und vielleicht hat Schweiger recht, wenn er Christian Alvart, den Regisseur, hervorhebt. Luna Schweiger bleibt angenehm im Hintergrund, es geht um sie, aber sie hat nur wenige Szenen. Ich verstehe es selber nicht. Es kann natürlich sein, dass die Kritiken der TV-Tatorte auf den Kinofilm abfärben. Trotzdem mag man nicht glauben, dass das ein deutscher Film. Er ist es ja auch nicht.

Herzlich grüßt

Rolf



TV NEWS MORDKOMMISSION BERLIN 1 by Martin Compart
2. Dezember 2015, 9:27 vormittags
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Gut, es hatte nicht die Tiefe von RIPPER STREET und DEADWOOD, nicht die politischen Implikationen von PEAKY BLINDERS, aber MORDKOMMISSION BERLIN 1 war locker auf internationalem Niveau. Die Ausstattung war beeindruckend und nicht nur Fassade, da sie ganz natürlich und fast als Handlungsträger integriert wurde. Die Story war vielleicht ein wenig konventionell und hätte ein paar Plot-Twists mehr verdient, aber spannend und – was heute selten ist – von Regisseur Marvin Kren effektiv in Szene gesetzt.

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Kurzum; Der TV-Film hielt, was DEUTSCHLAND 83 versprach: Deutsches TV, dass sich hinter angelsächsischen Produktionen nicht verstecken muss. Ich rede nicht von der Weltspitze wie SILK, HAPPY VALLEY oder SPOOKS (dazu reichte es nicht in der Originalität der Charakterisierungen und Handlungsführung – aber diese Serien sind auch in England keine Durchschnittsproduktionen), aber im Vergleich mit HAT SQUAD oder COPPERS konnte der Film leicht mithalten, hatte sogar bessere Momente. Wunderbar und überhaupt nicht aufgesetzt waren die Zitate und Einstellgen aus alten deutschen Filmen, die Kren unaufdringlich einsetzte um die Atmosphäre zu intensivieren.  Der junge Regisseur verfügt über ein erstaunliches Filmwissen und bemerkenswerte handwerkliche Fähigkeiten. Die Schauspieler (Kann Moretti einen schlechten Film machen? Gelegentlich.) waren ebenfalls überraschend gut, da sie nicht exaltiert in Szene gesetzt wurden. Nur das gelegentliche Berliner Genuschel hätte man tontechnisch vielleicht etwas deutlicher ziehen können (oder mit Untertiteln !!! auslegen). Ohne die Beteiligung des ehemaligen SAT 1-Redakteurs Thomas Teubner, der schon früher vielversprechende Produktionen in den Sand gesetzt oder verhindert hat, wäre das Niveau wahrscheinlich noch einige Punkte höher. Aber um so erstaunlicher das Ergebnis: Die beste deutsche TV-Krimi-Produktion seit Jahren (jenseits von Lars Becker), deren internationale Vermarktung aus zwei Gründen problemlos sein dürfte:

1) Qualität,

2) ein Thema, dass in der deutschen “Mythologie” (Weimar, Berlin Alexanderplatz, goldene 20er usw.) so verwurzelt ist, dass man es nicht beliebig transponieren kann.

P.S.: Die schlechte Quote kann den Machern egal sein, da sie diesen (ersten?) Film noch in Jahrzehnten weltweit vermarkten können. Da wegen der Quoten SAT 1 dieses Projekt wahrscheinlich nicht fortsetzen wird, sollten die Macher sich an AMAZON wenden; die haben immerhin auch RIPPER STREET “gerettet”.

 



MiCs Tagebuch Nr. 2: Tyskland 83 – Der Anfang vom Elend… by Martin Compart
26. November 2015, 9:57 nachmittags
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, MiCs Tagebuch, NEWS, Politik & Geschichte, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , , ,

Stasi-Abhörprotokoll eines Vorstellungsgesprächs:

King Lear What service canst thou do?

IM Earl I can keep honest counsel, ride, run, mar a curious tale in telling it, and deliver a plain message bluntly: that which ordinary men are fit for, I am qualified in; and the best of me is diligence.

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Wohlan, mit “constant earnest effort” in die Tasten gehauen: So die erste Folge der “jetzt schon für das deutsche Erzählfernsehen Maßstäbe setzende” Serie bis Minute 5 geschaut. Mehr geht wirklich nicht. Das ist nicht auszuhalten. Was ist passiert? Eine Reagan-Rede wird von der Staatssicherheit der DDR als Angriffskriegsdrohung verstanden, die aggressiv-grinsende Säbelrassel-Rhetorik des Präsidentendarstellers Ronald Reagans wurde damals auch im Westen von vielen als Bedrohung empfunden, und darum muss ein HVA-Agent an die obersten Spitzen der NATO ran. Nur hat die Stasi keinen geeigneten Agenten im richtigen Alter, also wird ein Verwandter der Initiatorin, ohne Ausbildung aber im richtigen Alter, dazu linientreu und Volkssoldat, zu dem Job, einen Generalmajor der Bundeswehr, als neuer Ordonanzoffizier zu bespitzeln, beordert. Die ganze Einführung ist Schreiben nach Zahlen: 1) Situation eingeführt = Bedrohung der DDR; 2) Helden eingeführt, er macht gerade ein paar dämliche Weststudenten lang, die wahrscheinlich mit illegal getauschten Devisen (Wechselkurs 1 Mark West = 7 Mark Ost, offizieller Kurs 1:1), billige Bücher (Shakespeare und Marx – welch Mischung) erstanden haben und leider erwischt wurden; 3) Aufgabe für den Helden und seine Unerfahrenheit eingeführt, jetzt Schnitt; 4) der Held im Kreise seiner Familie; 5) Annäherung seiner Führungsoffizierin und Vorstellung der Aufgabe…

Ein Anfang so betulich wie im deutschen Fernsehen üblich. Keine Suspense – nur die dräuende Dauerbeschallung soll Spannung vermitteln – kein Geheimnis, nichts was den Zuschauer sofort packt.

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Ich hatte es geahnt, nein erwartet.
Wenn es jetzt aber brav nach Hero’s Journey weitergeht, müsste der Bengel erst noch einwenig zicken, bis er sich letztlich aufmacht, oder aber, weil er ein gehorsamer Deutscher ist, und der Zuschauer am Zappen gehindert werden muss, voller Ehrgefühl und mit geschwollener Brust in den Kampf ziehen… mehrfach Nennungen sind möglich. Wie es bis Folge 8 weiter geht: erst herrscht Euphorie beim Helden, dann kommen die Zweifel, die Liebe, die Freiheit, Popmusik, Konsum, Friedenssehnsucht der Westbevölkerung, denn wenn du deinen Feind wirklich kennst, dann kannst du ihn nicht mehr hassen, usw. Ich kann den ganzen Sermon jetzt schon runterbeten. Am Ende muss das Format schließlich unser Gesellschaftsmodell rechtfertigen, wie alle Niko Hofmann Produktionen. Meines Erachtens muss die Vergangenheit nicht die Gegenwart rechtfertigen, dazu dient sie nur in Diktaturen, der Blick auf die eigenen Geschichte sollte viel mehr helfen, die Fehler der Gegenwart aufzuspüren und Fragen zu unserer heutigen Gesellschaft und unserem Gesellschaftsmodell aufzuwerfen.

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Dies ist auch die Aufgabe einer historischen TV-Serie. Siehe DEADWOOD. Ein paar spontane Gedanken…

1) Die Stasi hatte vor dem Zusammenbruch 1989 über 1900 Spione und Informelle Mitarbeiter in Westdeutschland, 540 davon alleine in Westberlin. Wie viele bei der NATO in Brüssel, wie viele in Bonn im Verteidigungsministerium, im Außenministerium, Innenministerium, wie viele bei der Bundeswehr? Die Macher wollen uns wirklich glauben machen, es gäbe keine Profis bei der Stasi, sondern man müsste einen Anfänger nehmen? Allein in den ersten Minuten wird der Unterschied zu THE AMERICANS klar. Die Russen haben Schläfer in den Staaten. Es sind absolute Profis. Ihre Gegner beim FBI sind auch absolute Profis. Es geht um Ideologie, es geht um dem Kampf der Systeme. Es geht um Leben und Tod. Von der ersten Sekunde an. Ausgerechnet an der Frontlinie des Kalten Krieges, im nuklear hoch bestückten Deutschland, sind Amateure am Werk?Ronald_Reagan_and_General_Electric_Theater_1954-62[1]

2)  Gorbatschow hatte Reagan 1986 umfangreiche Abrüstung angeboten.Die Disk.ussion und bundesweiten Proteste um den NATO-Dopp.elbeschluss, die 1982 mit zum Misstrauensvotum und der Abwahl von Bundeskanzler Helmut Schmidt beitrugen, begannen schon 1980. Der sogenannte Doppelbeschluss beinhaltete die Nachrüstung der NATO mit Mittelstreckenraketen, wenn der Warschauer Pakt, die Russen, ihre SS-20 nicht abziehen würden. Die NATO, d.h. die Amerikaner, konnte den russischen SS-20 Mittelstreckenraketen angeblich nichts entgegensetzen, und so sollte das Gleichgewicht der Kräfte, auf das der Frieden angeblich beruhte, wiederhergestellt werden.

3) Reagan wurde 1980 gewählt und war seit Januar 1981 im Amt. Die aggressive Rüstungspolitik der Amerikaner begann sofort mit Amtsantritt des Republikaners, so empfanden das jedenfalls Teile der deutschen Öffentlichkeit. Die Krise in den USA 1981, als ein Attentat auf Reagan verübt wurde, ist u.a. Thema in der 1. Staffel von THE AMERICANS.

4) Die NATO war dem Warschauer Pakt rüstungstechnisch von Anfang an weit überlegen. Sie hatte immer mehr Nuklearwaffen, immer modernere Technik, Flugzeuge, Bomber, usw. Das Einzige wovon die Russen mehr hatten, waren Panzer und Soldaten. Die USA haben die Sowjetunion zu Tode gerüstet. Das wusste Norman Mailer schon in den 1960-ziger Jahren, es wollte nur keiner hören. .

300[1]5) Die HVA der Stasi, der Auslandsgeheimdienst, mit ihrem Chef Markus Wolff, galt lt. Aussage von CIA-Analysten, als einer der besten Geheimdienste des Kalten Krieges. Mir drängt sich die Frage auf, was bedeutet das für eine Serie, für ihre Charaktere, für die Führung der Charaktere, für die Story?

6) Allgemeinem Branchenverständnis nach, sind TV-Serien nichts anderes sind als eine Ware, ein Produkt wie Schokolade, Waschmittel und VW-Dieselmotoren. Deutsche TV-Serienprodukte müssen sich an diesem Maßstab messen lassen: „Wer ein Produkt verkaufen will, sollte zunächst einmal ein wettbewerbsfähiges Produkt haben.” Das haben die deutschen Sender nicht. Bei den Amerikaner und Briten ist das anders, bei den Dänen, den Norwegern, den Schweden, usw. auch. Und das macht den Unterschied. Auf eines schaut die Welt sehr genau, nämlich darauf ihre Produkte nach Deutschland zu verkaufen. Schließlich ist dies der dritt- oder viertgrößte TV-Markt der Welt.

Mein Fazit zu Tyskland 83: „Maßstäbe im deutschen Erzählfernsehen“, sind leider keine Maßstäbe. Weitere Serienfolgen erspare ich mir. ‘nuff said.

 

IM PRESSESPIEGEL;

http://web.de/magazine/unterhaltung/tv-film/deutschland-83-schlaegt-vorzeigeserie-rtl-31163514

http://www.spiegel.de/kultur/tv/deutschland-83-serien-highlight-bei-rtl-ueber-spionage-zwischen-brd-und-ddr-a-1064702.html

http://www.zeit.de/kultur/film/2015-11/deutschland-83-serie-RTL

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rtl-zeigt-amerikanische-agenten-seire-deutschland-83-13932221.html

http://www.stern.de/kultur/tv/deutschland-83-auf-rtl-mit-jonas-nay–warum-sie-die-serie-sehen-sollten-6575884.html

http://www.fr-online.de/tv-kritik/tv-kritik–deutschland-83-spion-wider-willen,1473344,32644176.htmlhttp://www.dwdl.de/zahlenzentrale/53669/ernuechternder_start_fuer_deutschland_83_bei_rtl/

 

UNFREIWILLIG ENTTARNEND IST:

http://www.sueddeutsche.de/medien/rtl-serie-deutschland-zum-teufel-mit-der-historischen-korrektheit-1.2753556-2

EINEN HOCHINTERESSANTEN ARTIKEL ÜBER TV-SERIENKULTUR UNTER:

http://www.medienkorrespondenz.de/leitartikel/artikel/als-waere-es-ein-weltwunder.html

UNFREIWILLIG KOMISCH IST:

http://www.deutschlandfunk.de/tv-serie-deutschland-83-auf-rtl.807.de.html?dram:article_id=338054

 



AUS MiCs TAGEBUCH – Heute: BOSS… die Serie, nicht der ehemalige Uniformschneider oder der Typ mit der E-Street-Kombo by Martin Compart
26. November 2015, 5:32 nachmittags
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Deutsches Feuilleton, Drehbuch, THE BOSS (TV), TV, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Jetzt sehe ich die dritte Folge der 1. Staffel von BOSS mit Kelsey Grammar und ich bin geplättet. Was ist das denn für eine gigantische Serie? Fraser als Bürgermeister von Chikago. Und was für einer. Natürlich ist der Hook für den Mayor Tom Kane – nice name by the way – von Breaking Bad geklaut, aber wie die auf allen Ebenen die Register ziehen und uns amerikanische Politik vorführen, ist sehr beeindruckend.

(N.B. BOSS-Creator Farhad Safinia ist Engländer iranischer Abstammung und hat davor nur bei Mel Gibson „hospitiert”, dessen Italowestern-Jesusfilm produktionstechnisch begleitet und das Script Apocalypto co-geschrieben.) Wirklich interessant, wie multiple Storylines, persönliches Schicksal, politische Intrigen, Korruption, etc., so intelligent miteinander verwoben werden und dabei ein Erzählspektrum entsteht, das mehr ist als die Summe seiner Bestandteile. Wie soll man eine solche Serie nur nennen? Der große amerikanische Roman? Oder Gore Vidal erklärt die Politistory einer US-Stadt? Weil außer Frauen und Rentnern kein Schwein mehr liest, findet Literatur heute im TV statt. Überall, nur nicht in dem Land, zu dessen Fernsehen ich nichts mehr sagen wollte.

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(Doch dies noch: Seit Tagen belästigen die „Werbe-Redakteure” von Spiegel-online Leser mit Tiraden, warum man diese eine bestimmte, „jetzt schon für das deutsche Erzählfernsehen Maßstäbe setzende Serie”, absolut sehen muss. – Ne, lasst mal stecken, mir sind Originale einfach lieber. Unter der PR-Artikelflut sticht dann noch die harte Headline einer Fotostrecke hervor: „RTL goes Kapitalismuskritik.” Alle Achtung.)

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BOSS muss übrigens in Chicago spielen, diese Slaughterhouse-cum-Businessmetropole, Hochburg des organisierten Verbrechens zu Zeiten der Prohibition, diese korrupteste aller US-Städte – zumindest in der Fiktion – mit dem größten Flughafen der USA, wenn nicht der Welt, O’Hare, als beispielhafter Handlungsort für die Mechanismen einer kapitalistischen Gesellschaft, nicht allein der US-Gesellschaft. Klar werden gezielt Klischees bedient und benutzt, natürlich ist das Spektrum der Charaktere bewusst gewählt, das Konstrukt für den geübten Zuschauer durchschaubar, aber alles kommt so reif und so souverän daher, wie die neuen, frischen HBO-Serien vor zehn, fünfzehn Jahren. Ich denke hier wegen des Politkontexts an DEADWOOD und THE WIRE.

Interessanterweise ist Ex-HBO-Chef Chris Albrecht, weil er eine Frau nachts auf einem Parkplatz in Las Vegas ohrfeigte, einst von HBO geschasst, der Chef von Starz, der Sender, der BOSS beauftragte. Albrecht hat seinerzeit David Milch, David Simon bei HBO herausgebracht, bzw. gefördert. Ein Entscheider mit Weitblick.

Ein Bekannter von mir hatte 2013 bei RTL die Idee einer Politserie gepitcht und wurde vom obersten Chef mit den Worten abgelehnt, Politik ist ein No-Go, Lokalpolitik erst recht. O-Ton: „Ich war selbst mal Journalist, für Lokalpolitik zuständig. Das interessiert niemanden.” Da kannte hierzulande noch keiner HOUSE of CARDS – und BOSS schon gar nicht. Diesem Entscheider verhilft kein noch so starkes Fernglas zu Weitblick.

Nach nur zwei Staffel war Schluss mit BOSS. Schade. Ich habe noch 15 Folgen vor mir.



TV: Unter Zombies – das deutsche Drama by Martin Compart
20. November 2015, 11:19 vormittags
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Versuch der Annäherung einer Betrachtung

von MiC

Jetzt läuft gerade eine deutsche Serien bei RTL an, „von der die Welt spricht”, O-Ton RTL Werbung. Warum eigentlich sollte die Welt von „Deutschland 83” sprechen? Die Miniserie, acht Folgen à 42 Minuten, ist nichts anderes als eine schamlose Kopie der US-Serie „The Americans“, nur dass hier der Kalte Krieg als deutsch-deutscher Konflikt ausgetragen wird: BRD gegen DDR im Kampf der Systeme. Produziert von Echthaarträger Niko Hofmann (der dem deutschen Zuschauer wieder einmal deutsche Geschichte verdreht, bis sie seiner eigenen ideologischen Gesinnung zupass kommt) könnte sie auch heißen: Die Leiden des jungen Doppelagenten.

(So schnell haben sie bisher noch nie reagiert. Sie sind selbst für PR-Arbeit zu blöde.)

Nehmen wir stattdessen eine wirklich originelle Idee. Da gibt es eine britische Miniserie mit dem Titel „Injustice” von 2011, mit James Purefoy in der Hauptrolle.

Die Prämisse: Protagonist Will Travers ist ein Strafverteidiger, der nur dann Leute verteidigen kann, wenn er  von ihrer Unschuld überzeugt ist.

Die Handlung: Travers, mit der Familie nach einer persönlichen Krise von London in die Provinz nach Ipswich gezogen, übernimmt die Verteidigung eines alten Studienkollegen in London, nach dem er sich von dessen Unschuld überzeugt hat. Während er sich bemüht, die Unschuld seines Mandanten vor Gericht zu beweisen, erfahren wir den Grund seines Wechsels in die Provinz.

Die Backstory: Als bei einem Bombenattentat ein achtjähriger Junge starb, übernahm Travers die Verteidigung des Beschuldigten und bewirkte einen Freispruch. Anschließend gestand der Beschuldigte unter vier Augen, dass er die Bombe tatsächlich gelegt hatte und schuldig ist. Travers rastete aus.

Und so geht es weiter:  Zwei Jahre später trifft er den Bombenleger zufällig wieder und tötet ihn. Er hat damit die „Gerechtigkeit” wieder hergestellt. Parallel zu dem Prozess in London sucht die Polizei in Ipswich den Mörder des Bombenlegers und kommt Travers auf die Spur…

Diese Story würde in Deutschland, wenn überhaupt, als Krimikomödie gedreht werden, in der alte Damen böse Menschen mit Kamillentee vergiften. Von den „Injustice” Sublines, wie Vergiftung der Dritten Welt durch Giftmüll eines europäischen Ölkonzerns, der Pädophilie des alten Studienkollegen (das wahre Tatmotiv für seinen Mord) einmal ganz abgesehen, so etwas würde hier keine Redaktion abnicken.

Beim Betrachten dieser Miniserie, die nicht an die Brillianz der BBC-Anwaltserie „Silk” heranreicht aber recht gut ist, wurde mir erneut klar, wo die Ursachen für die „Qualität“ des deutschen Fernsehen liegen. In den Machtverhältnissen und im Urheberrecht. Die deutschen Sender finanzieren Auftragsproduktionen und erwerben damit sämtliche Rechte – nur Brainpool und Sony behalten teilweise Verwertungsrechte – und so hängen letztlich alle Produktionen am Finanztropf der Sender. Die Möglichkeit Rechte zu behalten, zu verwerten und damit Geld zu Erwirtschaften, haben deutsche Produktionsfirmen nicht. Während das Urheberrecht in Groß Britannien den Total-Buy-out untersagt, hat die Novellierung des Urheberrechts in Deutschland das Gegenteil bewirkt, die Machtverhältnisse und den Total-Buy-out branchenweit zementiert.

Damit ist auch klar, wer für das deutsche Fernsehen arbeitet, wird niemals auf das Niveau der Briten, Amis, Franzosen, Italiener und sogar der Norweger kommen. Die ganze Diskussion um die Qualität des deutschen Fernsehens ist absolut lächerlich. Da kann der Tatort sich noch so sehr als Institution gerieren und seine Macher hemmungslos bei Briten und Amerikaner usw. abkupfern, um sich anschließend für ihre Innovation, ihren Mut und ihr internationales Niveau zu beglückwünschen. Dabei sind genau sie die Zombies des deutschen Fernsehens. Die Entwicklung eines eigenständigen deutschen Dramas wurde spätestens mit Einführung des Privatfernsehens vor 30 Jahren endgültig vertan. (N.B. Selbst die ruhmreiche WDR-Serie „Ein Herz und eine Seele” war ebenso die Kopie einer englischen Serie, wie das Pro 7 Erfolgsformat „Stromberg”). Falls es eines Beweises aus jüngster Zeit bedarf: „Weinberg”, die angeblich erste horizontal erzählte Serie im deutschen TV, ist an Spießigkeit und dümmlicher Provinzialität nicht zu überbieten. Wer böswillig ist, kann auch behaupten, sie können nicht einmal richtig nachmachen.

Womit wir wieder bei „Deutschland 83” wären. Aber die werden es der Welt schon zeigen, wie RTL groß posaunt. Nur was zeigen? Dass sie besser kopieren können? Für das deutsche Fernsehen gilt letztlich, was ein französischer Literaturstudent zu einem Roman des Krimiautor Sebastian Fitzeck in seinem Blog anmerkte. „Der Autor ist der deutsche Patterson, für eine Kritik ist das Buch einfach zu schlecht.”

https://bookaroundthecorner.wordpress.com/2011/11/10/german-lit-month-my-entry-for-crime-fiction-week/

Poetischer formuliert: (German drama)… is a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.

Das deutsche Fernsehen ist für eine Kritik einfach zu schlecht. Aus und vorbei.

 

Schaut die Anfangssequenz an und wie unglaublich die mit TUSK von Fleetwood Mac unterlegt (und geschnitten) ist. Das erinnert an die besten Momente von MIAMI VICE und dem bis heute Standards setzenden Einsatz von Musik.



HORST FRANK – HARTE SCHALE, HARTER KERN by Martin Compart
21. September 2015, 1:36 nachmittags
Filed under: Film, HORST FRANK, Noir, Porträt, TV | Schlagwörter: , , ,



GÜNTHER NEUTZE – DER ZYNIKER by Martin Compart
8. September 2015, 5:25 nachmittags
Filed under: GÜNTHER NEUTZE, Porträt, TV | Schlagwörter: , , ,

Aus meiner Reihe über deutsche Noir-Schauspieler für den NDR. Redakteur war Horst Königstein – aber darüber vielleicht demnächst mehr.

Auf Facebook: https://www.facebook.com/martin.compart?fref=nf

(Dort werden wahrscheinlich weitere Portraits veröffentlicht)

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