Martin Compart


MiCs Tagebuch… Zum Mayday – Sternzeit 01052016 by Martin Compart
5. Mai 2016, 10:09 am
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Endlich mal wieder auf die 1. Sitze reihern

Impulskommentar zu Line of Duty: Schaue gerade Line of Duty Season 3 und da wird es wird immer besser… die ziehen ein Register nach dem anderen. Ich schmeiss mich in Deckung hinters Sofa und schalte zur Ernüchterung zum millionenfachen Sonntagsritual der Bevölkerung um. Sonntagabend im Ersten. Zum Glück ist heute dort, wo man gerne auf die 1. Sitze reihert, wieder das Bratwurst-Team vom Kölner Tatort (20. Jahr, wunderbar) in Sachen “Morden im Ostkongo” unterwegs. Ein weiteres Betroffenheitsermittlerdrama von dem haarigen Doppelpack, das schon in Sachen Blutdiamanten vor 10 Jahren für des Dummdeutschen Aufklärung gesorgt hat. Und natürlich geschieht das schreckliche kongolesische Morden in Deutz, Nippes und Weidenpesch oder war’s Marienburg? Denn wenn der kriegsverbrecherische Afrikaner sich nicht gerade einen Wolf schnackselt und alle mit AIDS verseucht, dann metzelt er, kaum im Asyl von deutscher Gastfreundschaft und AfD herzlich willkommen geheißen, in der Hauptstadt des organisierten Frohsinns alle möglichen Lands- und andere Leute danieder. Das Trauma macht’s möglich. Und diesmal sollen Maulaff und Schunkel sogar keine Sprüche verzählen und auch sonst nix weltrettend Erklärendes von sich geben. Potztausend. Na… letzte Woche noch Kierkegaard in Weimar, heute schon Kabila in Klettenberg. Da geht doch Einiges im deutschen Ermittlerwald. Wir müssen dankbar sein und demütig. Nur wem und warum? Kann ich bitte meine Gebühren in Currywurst statt Programm ausgezahlt bekommen?

"Da hinten ist der Kongo!" "Hinter Ehrenfeld?"

„Da hinten ist der Kongo!“
„Hinter Ehrenfeld?“



NUMMER 6 LEBT! Das PRISONER-Special by Martin Compart

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Über keine Fernsehserie wurde soviel geschrieben wie über NUMMER 6 (THE PRISONER)) – ausgenommen vielleicht STAR TREK. Wenn der inzwischen inflationäre Begriff „kult“ berechtigt anzuwenden ist, dann auf diese Serie, die nächstes Jahr ihr 50jähriges Jubiläum feiert und erstmals bewies, dass TV-Serien eigene Kunstformen entwickeln können. Und es gibt wohl keine andere Serie, die ein ähnlich intensives Fandom hat. Und das nicht nur in England, sondern weltweit!

Verblüfft habe ich erfahren, dass in Deutschland die NUMMER 6-Page die wahrscheinlich langlebigste Internet-Seite ist, die sich einer TV-Serie widmet. Auch wenn er das nicht gerne hört, sehe ich als das Mastermind (also die Nr.1) hinter dem deutschen Fandom Arno Baumgärtel. Grund genug, ihn mal zu belästigen und auszuhorchen. Arno hat mir freundlicher Weise auch die meisten der hier verwendeten Fotos zur Verfügung gestellt.

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Wer ist Arno Baumgärtel?

That would be telling.
Er ist 1956 im Mittelhessischen geboren, hat 1976 in Freiburg im Breisgau Abitur gemacht. Ging dann zum Studieren brotloser Künste wie Germanistik, Politik und Philosophie, und das auf Magister, nach Gießen, wo er sich immer noch aufhält, wenn er nicht in Frankfurt am Main in einem Im- und Exportbetrieb als Multitalent arbeitet. Film, Filmgeschichte und Kino sind das bevorzugte Interessensgebiet. Er war eine Zeitlang Filmvorführer (35 mm!) und freier Mitarbeiter beim nicht mehr existierenden örtlichen Kommunalen Kino. Die Passion für NUMMER 6 bzw. THE PRISONER pflegt er seit dem Fernsehdebüt.

Wie bist Du auf PRISONER gestoßen und wie hat sich die Infektion ausgewirkt?

Im Sommer 1969 wurde eine neue Serie mit Patrick McGoohan angekündigt: NUMMER 6.
51n+z1H0kHL._AC_UL320_SR230,320_[1]Allein der Titel war mysteriös genug, um Aufmerksamkeit zu erwecken. Denn schon 1962 war Patrick McGoohan mit seiner Serie GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE einer der Helden des Vorabendprogramms (und der Kindertage des Fernsehens überhaupt) gewesen.

NUMMER 6 lief samstags zu mitternächtlicher Stunde im ZDF, nach dem „Aktuellen Sportstudio“, das seine Sendezeit meistens überzog. Die Sendetermine waren rätselhaft, kein
erkennbarer Rhythmus. Und mit 13 Jahren war es doch dem Zufall überlassen, dass man den Termin der nächsten Episode mitbekam oder dass man überhaupt so lange aufbleiben durfte.
Sicher ist, gesehen habe ich etwas davon, aber nicht alle Episoden. 1972 wiederholte das ZDF sieben Episoden als Kontrastprogramm zur Berichterstattung über die olympischen Sommerspiele in München; eine lobenswerte Sache. Ich weiß noch, dass mich die Ankündigung elektrisiert hat. Wieder habe ich einige Folgen gesehen, wahrscheinlich nun auch doppelt, nie aber das Ende. In der Erinnerung vermischen sich die beiden Ausstrahlungen. Und natürlich war NUMMER 6 schwarz-weiß wie alles im Fernsehen dieser Zeit. Danach tat sich viele Jahre lang nichts hinsichtlich NUMMER 6. Aber Bilder daraus waren immer präsent.

NUMMER 6: Deutsche Fernsehpremiere http://www.match-cut.de/tho/tallyho40.htm
TV Magic: http://www.match-cut.de/spec/tvm.htm
Patrick McGoohan: http://www.match-cut.de/spdln/spdln29.htm

Wer ist denn nun Nummer 1? Die Nr.6-These ist mir nicht ganz geheuer.

Nr. 6 ist Nr. 1. Metaphorisch gesehen. Wie sonst? Ein weites Feld! Ich mache es mir mal einfach und verweise auf die Episodenwürdigung von „Demaskierung“ auf meiner Website:

„Demaskierung“: http://www.match-cut.de/eps/fall.htm

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Was sagst Du zu dem „Remake“?

Ein interessanter Schlag in Wasser. Die vorab verbreiteten visuellen Eindrücke vom Village, die Dreieckshäuser in einer strengen geometrischen Anordnung, haben die Fantasie beflügelt, was das wohl werden könnte. Und da war der neunminütige Trailer, der Lust auf mehr gemacht hat. Tatsächlich ist das Ergebnis unterm Strich eine Enttäuschung. Ein völlig vergeigter Plot, der sich darin gefällt, Jump-cuts zum Erzählprinzip zu machen, vielleicht um surrealistisch zu sein, der dabei ganze Erzählstränge fallen lässt und keine konsistente Erzählung abliefert. Und wir sprechen nicht über „Sinn machen“. Denn der Original-PRISONER tut das zunächst auch nicht unbedingt, ist voller Leerstellen. McGoohan operiertmit Allegorie und Symbolismus, die die logischen Löcher im Plot sozusagen ausbügeln. Im sogenannten Remake werden daraus buchstäblich die bodenlose Löcher im Ort, weil Autor Gallagher nicht weiß, wie man Handlungsbögen spannt. Und die Umwertung am Ende ist natürlich überhaupt nicht vom Geist McGoohans beseelt (Individualismus über Gesellschaft), indem Nr. 6 zum Nachfolger des Despoten Nr. 2 wird und dessen Werk vollenden soll, wenn auch vielleicht in einem mehr humanen Sinn. Manche nennen das „zeitgemäße“ Interpretation. Jim Caviezel als Nr. 6 ist ein völliger Ausfall, er hat von der Rolle, auch mit Blick auf McGoohan, keinen Plan, während Ian McKellen die Szenerie schauspielerisch beherrscht. Aber selbst seine One-liner retten das erzählerische Defizit nicht.

Auf der Habenseite steht für mich das Produktionsdesign, die Fotografie, die Stimmung aus Wüste, Wind und Sand in manchen Szenen. Der beste Schachzug dieser Produktion war jedoch, das
Village in Namibia – und nicht in Wales – zu suchen. So vermeidet man immerhin ein Stück weit den ohnehin schon mühlsteinschweren Vergleich mit dem Original von 1967. Unter PRISONER-Fans gibt es kaum jemand, der das „Remake“ mag. Ich kenne genau zwei. Aber, ich betone, es gibt Qualitäten, die nicht in der vergurkten Story liegen. Man hat sich ohne Notauf einen Vergleich mit McGoohans Original eingelassen, und das musste in die Hose gehen.

Auf meiner Website habe ich mich lang und breit darüber ausgelassen.
THE PRISONER 2009: http://www.match-cut.de/tho/tallyho47.htm
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PRISONER ist m.E. das einzige perfekte Beispiel für das Medium Fernsehserie als Kunstform, da es in keinem anderen Medium, außer vielleicht Comic Book, so erzählt
werden kann. Ohne das serielle Prinzip würde die Geschichte nie so effektiv. Schließt das nicht einen so lange schon geplanten und immer wieder verworfenen Film aus?

Schwer zu sagen, ob McGoohan in Begriffen wie Serialität dachte, wahrscheinlich nicht.
Andererseits, ihm schwebte eine Miniserie von sieben Teilen vor, also ein Format, das damals noch nicht erfunden war. Er glaubte nicht, dass die Sache genug Substanz für mehr hätte. Das heißt, er hatte schon ein Bewusstsein fürs Format, innerhalb dessen er seine Geschichte glaubte erzählen zu können. Ob er eher stattdessen einen Kinofilm gemacht hätte, wäre er selber nicht vom Fernsehen (mit seiner langjährigen Erfolgsserie DANGER MAN) gekommen…? Lew Grade, Chef von ITC und sein Finanzier, wollte die Serie in die USA verkaufen und brauchte schon deshalb mehr Episoden. Also wurde nach der ersten Produktionsphase zunächst weitergeplant, bis das Geld ausging und man dann sehr schnell zu einem Abschluss kommen musste. Daher die seltsame Anzahl von 17 Episoden. McGoohan ging – auch deshalb – nach Hollywood, um durch seine Rolle in EISSTATION ZEBRA die Fertigstellung von NUMMER 6 zu sichern. Die Produktionsgeschichte ist, sagen wir, ziemlich ungerichtet und chaotisch verlaufen. Viel Geld wurde ganz am Anfang verbraten, das späteren Episoden fehlte. Man sieht es. Das betrifft etwa das Verhältnis der grandiosen Außenaufnahmen vom Originalschauplatz in Portmeirion und solchen, die nur im Studio entstanden sind. Oder die bis heute ohne echtes Ergebnis diskutierte „wirkliche“Episodenreihenfolge. Die Episoden wurden gesendet, sobald sie fertig waren. Eine der spannendsten Fragen ist, inwieweit das Gesamtkunstwerk NUMMER 6 planvoll zu dem gemacht wurde, was man heute sieht.

McGoohan hatte die künstlerischen und ästhetischen Freiheiten, wovon die meisten nicht mal träumen können, aber natürlich war es wie bei jeder Film- und Fernsehproduktion auch Teamwork. In den USA hatte er diese Freiheiten nie wieder. Wenn er es heute noch einmal tun könnte, dürften wir uns auf etwas einstellen, ganz sicher. Vielleicht auch im Kino, sicher bin ich nicht.
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Wie viele andere Freunde des Originals habe ich aber ein Unbehagen gegenüber“ Neuschöpfungen“ oder Remakes. Warum etwas nochmal machen, was schon existiert? Im schlimmsten Fall wird die Neuauflage immerzu am Original gemessen und als untauglich verworfen, wenn und weil sie nicht wirklich auf eigenen Beinen stehen kann. Die beste „prisonereske“ Neuschöpfung in diesem Sinn, im Geist von NUMMER 6, ist Vincenzo Natalis Film CUBE. Kein Nachäffen, sondern fortentwickeln. Ich warte auf kein Remake.

CUBE: http://www.match-cut.de/spdln/spdln49.htm#a6

Martin Gresch, Heike Gresch, Michael Brüne, Marc Christiansen, Dieter Burandt, Michael Kimpel, Andreas Marx, Jana Müller, Arno Baumgärtel, Huberta Burandt, Barbara Schlosser (Österreich); fehlt: Jürgen Staeder

Martin Gresch, Heike Gresch, Michael Brüne, Marc Christiansen, Dieter Burandt, Michael Kimpel, Andreas Marx, Jana Müller, Arno Baumgärtel, Huberta Burandt, Barbara Schlosser (Österreich); fehlt: Jürgen Staeder

Erzähle mal etwas über die deutsche NUMMER 6-Gemeinde. Wann und wie hat sie sichorganisiert?

In den 90er Jahren gab es zwei Deutsche, zu denen wir auch heute Kontakt haben, die nach Portmeirion zu Conventions gefahren sind und auch eigene Events auf die Beine gestellt haben; der eine in Hamburg, der andere in Nürnberg. Der hat unter anderem einen ganz witzigen Filmessay in Portmeirion gemacht und als Video vertrieben. Wir sind zzt. 14 Personen und regional in Hessen und Nordrhein-Westfalen verankert. Inzwischen kennen sich fast alle auch persönlich. Nicht jeder ist in dem Sinn aktiv. Die einen haben Spaß an den Fahrten zum Drehschauplatz und den sogenannten Reenactments, andere – wie ich – beschäftigt seit jeher der intellektuelle Gehalt der Serie. Will sagen, kostümieren muss ich mich nicht. Aber alle sind auf diese oder jene Art von der Figur und/oder dem Darsteller McGoohan fasziniert und selbstverständlich auch vom „Village“ Portmeirion.

links nach rechts: Barbara Schlosser (Österreich), Huberta Burandt, Andreas Marx, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Brüne, Dieter Burandt, Marc Christiansen, Arno Baumgärtel, Martin Gresch, Heike Gresch; fehlt: Michael Kimpel

links nach rechts:
Barbara Schlosser (Österreich), Huberta Burandt, Andreas Marx, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Brüne, Dieter Burandt, Marc Christiansen, Arno Baumgärtel, Martin Gresch, Heike Gresch; fehlt: Michael Kimpel

Was wir heute als „Nr6DE“ bezeichnen, hat etwa 2004 angefangen, als ich Michael Brüne kennen gelernt habe. Er war nicht publizistisch aktiv, ist aber auch ein Fan der ersten Stunde, von der Serie gefangen genommen. Manche Menschen haben das Fernsehbild abfotografiert.

1969 hat er alle Episoden auf Tonband mitgeschnitten und die Dialoge transkribiert. Andere Möglichkeiten, etwas von der Serie zu behalten, hatte man damals ja nicht. Michael reiste alleine zu den PRISONER-Conventions nach Portmeirion und kannte schon den einen oder anderen der Organisatoren persönlich. Während sich bei mir manche Dinge einfach nur ansammeln, ist er ein ein richtiger Sammler. Er hat zeitgenössische Artikel und Zeitungsausschnitte über die Erstausstrahlungen von NUMMER 6 und viele Memorabilia in seinem Bestand. Die Bekanntschaft mit Michael hat meiner Website einen richtigen Boost verschafft. Andere Afficionados kamen dazu. Aber das alles ist nur ein lockerer Verbund von Interessierten, keine wirkliche Gruppe oder gar ein Verein.

Michael Brüne, Marc Christiansen, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Kimpel, Christine Burgard (Frankreich), Huberta Burandt, Dieter Burandt, Arno Baumgärtel, Barbara Schlosser (Österreich) Christine war an dem Theaterstück mitbeteiligt. Es fehlen: Martin u. Heike Gresch, Andreas Marx.

Michael Brüne, Marc Christiansen, Jürgen Staeder, Jana Müller, Michael Kimpel, Christine Burgard (Frankreich), Huberta Burandt, Dieter Burandt, Arno Baumgärtel, Barbara Schlosser
(Österreich)
Christine war an dem Theaterstück mitbeteiligt. Es fehlen: Martin u. Heike Gresch, Andreas Marx.

2006 brachte Koch-Media die Serie erstmals als DVD heraus.dbm000069d[1] Als Fan hat man nicht ernsthaft damit gerechnet, das noch zu erleben. Ich nicht. Wir haben mit Koch-Media Kontaktaufgenommen. Und schnell war da die Idee, eine Veranstaltung zu machen, um zu testen, wie die Resonanz auf die Serie in Deutschland denn heute ist.

Ein aktiver Laientheaterschauspieler aus Wiesbaden meldete sich bei mir. Deshalb kam es dort 2007 zum ersten Treffen als „Nr6DE. Er kannte viele Leute, besorgte den Saal und das Drumherum, die Verpflegung. Er kannte auch jemand beim Wiesbadener Kurier. Die Zeitung hat unsere Veranstaltung auf der Titelseite angekündigt, sensationell! Etwas über 30 Interessierte kamen.
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2008 gab es wieder in Wiesbaden eine Neuauflage. Diesmal hatte er ein kleines Theaterstückauf der Basis von Dialogen und Handlungsbestandteilen aus der Serie geschrieben und inszenierte es mit seiner Theatergruppe. Keiner von denen hatte vorher etwas mit NUMMER 6 zu tun. Ein großer Erfolg. Zu dem Treffen kamen wieder um die 30 Leute. Wir hatten auch
Besitzer von Lotus- bzw. Caterham Super7, wie man einen im Serienvorspann sieht, eingeladen. Drei sind mit Fahrzeug erschienen.
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2009, am 40. Jahrestag der Erstausstrahlung im ZDF, gab es ein weiteres Treffen, diesmal in einem Bürgerhaus in Gießen. Ich hatte eine kleine Ausstellung auf Displaykartons aufgebaut. Das letzte Treffen dieser Art war 2010,erneut in Gießen. Die Beteiligung war sehr dürftig, der Aufwand trotzdem hoch. Und beinahe wäre aus Zeit- und Personalknappheit alles ausgefallen. Für uns war das der Anlass zu sagen, wir machen keine solchen Veranstaltungen mehr. Lieber treffen wir uns zweimal im Jahr informell und gehen zusammen essen. Wer dazukommen will, kann das gern tun. So halten wir es seither. In der Regel treffen wir uns im Spätwinter vor der alljährlichen PRISONER-Convention und danach im Spätsommer noch einmal zu einer Nachlese, schauen Bilder und Videos an und tauschen uns aus.
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Leute, die wir getroffen haben, erzählen oft sehr Ähnliches über ihre PRISONER-Sozialisation, den unregelmäßigen Sendetermin und damit verbunden das Geheimnisvolle daran. Der weiße Ballon und der Lotus Super 7 sind Gedächtnisstützen par excellence. Diese Menschen waren wie wir um die 12, 13, 15, vielleicht 17 Jahre alt, als NUMMER 6 erstmals im ZDF lief. Letztlich ist das auch ein Stück Sozialgeschichte des deutschen Fernsehens.

Jüngere Semester kommen dagegen über andere Medien, Musik oder Comics, zu NUMMER 6. Ihre Geschichten sind anders.

Nr6DE – PRISONER-Convention.

1991 war ich das erste Mal auf einer PRISONER-Convention. Man sieht schon am Jahr, das war nach einer der Pro7-Wiederholungen und nachdem wir mehr über die Serie und das Village, Portmeirion, herausgefunden hatten. Reine Neugier, kein Fandom.

Die Conventions fanden damals noch im Spätsommer statt. Portmeirion ist eine Hotelanlage. Nach der Jahrtausendwende wollte das Management die Conventions nicht mehr in der Hochsaison haben, wenn dort viele Hochzeiten veranstaltet werden, die Geld bringen; all die seltsamen Gestalten. Heute liegen die Conventions vor oder kurz nach Ostern, was wettertechnisch Vor-und Nachteile haben kann. Ganz unvermeidlich kam der Gedanke auf, dass man doch als Gruppe zur Convention fahren könnte. Bis dahin waren praktisch immer nur Einzelpersonen gefahren. Die Fahrt 2010 musste wegen dem Vulkanausbruch auf Island ausfallen. 2011 waren wir dann zu fünft. Für mich nach 20 Jahren die zweite Convention, schon besonders, alles wiederzusehen, zu vergleichen, damals im Sommer, jetzt im Frühjahr, aber bei ähnlichen Temperaturen. Alles war sehr vertraut.
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Es war auch meine erste Übernachtung im Village, die Atmosphäre ist ebenfalls sehr speziell. Inzwischen kannte ich etliche der Organisatoren per E-Mail und abends beim Bier schließlich auch persönlich. In den Jahren danach sind immer wieder welche von uns in wechselnder Besetzung zur Convention gefahren. 12 Leute aus Deutschland, eine Frau aus Österreich war bisher Rekord. 2013 haben wir ein kleines von unserem Theatermenschen selbst geschriebenes Stück ein geprobt und vor gut 150 oder mehr Personen auf Englisch aufgeführt. Ein großer Erfolg bei den Einheimischen. Schauspielerin Bettine Le Beau, die eine Nebenrolle in der Serie hatte, war der Ehrengast und meinte hinterher im Gespräch, den deutschen Akzent hätten wir ja sehr gut hinbekommen… Sie wurde dann aufgeklärt. Die Briten sprechen mit Hochachtung über unsere Begeisterung. Nicht zu vergessen, so eine Fahrt nach Wales dauert mit öffentlichen Verkehrsmitteln fast den ganzen Tag und ist letzten Endes auch eine soziale Angelegenheit.

PRISONER-Convention 1991: http://www.match-cut.de/spec/vsb7.htm
PRISONER-Convention: http://www.match-cut.de/tho/tallyho26.htm

PortmeiriCon-2011-2_Beginn-der-Schachpartie-mit-Rover

Nr6DE – ARTE-Synchronisation.
Koch-Media hatte die vier vom ZDF 1969 weggelassenen Folgen für die DVD 2006 nur untertitelt. Um 2008 erzählte einer aus unserem Kreis, im Hauptberuf Redakteur beim WDR, dass er einen Kontakt zu ARTE hätte und dass sie sich über NUMMER 6 unterhalten hätten.

Nach und nach kam heraus, dass ARTE vorhatte, die vier Episoden „Free For All“, „The Schizoid Man“, „A Change Of Mind“ und „Living In Harmony“ neu bzw. erstmalig zu synchronisieren und zu senden! (Wir lassen hier mal die Frage beiseite, ob nur Originaltöne das Wahre sein können.) 2010 wurde NUMMER 6 nach 18 Jahren das erste Mal im Rahmen des ARTE-Schwerpunkts „Summer of the 60s“ im frei empfang baren Fernsehen wiederholt. Und nicht nur das. Alle Episoden nun mit deutschen Dialogen. Das Bildmaterial, neu abgetastet, deutlich heller, die Farben besser als je zuvor, basiert auf der britischen Network-Veröffentlichung. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass NUMMER 6 erst jetzt seine deutsche Fernsehpremiere erlebt hat.

Im Verlauf der Diskussionen mit ARTE wurde ich als Gewährsmann vorgeschlagen, der dafür sorgen sollte, dass die Neusynchro, soweit es ging, an den Geist der 69er von Joachim Brinkmann (1928 – 2015) anknüpfte. So etwas lässt man sich nicht entgehen. Ganz wichtig war zum Beispiel der gesprochene Prolog. Da heißt es: „Wo bin ich?“ Und die
(Brinkmannsche) Antwort: „Sie sind da.“ Der musste selbstverständlich erhalten bleiben. Denn unvergessen war nämlich, was Koch-Medias Untertitelautor 2006 daraus gemacht hatte:
„Wo bin ich?“ „Im Dorf.“

Bernd Rumpf

Bernd Rumpf

Die von Dialogregisseur Frank Wesel vorbereiteten deutschen Skripte kamen bei mir an. Es gab einige Telefonate über Details, auch mit der zuständigen Person bei ARTE. Ich habe Wesel meine Vorschläge, Bemerkungen und Änderungen geschickt. Wir hatten einen guten Austausch unter anderem über die schwierige Eindeutschung mancher Begriffe aus „A Change Of Mind – Sinneswandel“, hier ganz besonders „unmutual“. Wesel hat manches, nicht alles, beherzigt. Aber unter dem Strich ist eine hervorragende Synchronfassung entstanden.

Patrick McGoohans deutsche Stimme war 1969 in 13 Episoden die von Horst Naumann gewesen. Als das Vorhaben ARTE-Neusynchro die Runde machte, kam von Tobias Becker, einem Experten in Sachen Stimmenidentifizierung (er betreibt das sog. „Synchronforum“, einen Blog), der Vorschlag, Bernd Rumpf zu nehmen. ARTE hat es getan. Rumpf konnte und wollte und wurde mit Erfolg zur neuen deutschen Stimme von Patrick McGoohan. Horst Naumann war zu Testaufnahmen eingeladen worden. Aber letztendlich entschied ARTE sich gegen ihn, weil seine Stimme (wie man nach Ansicht des Interviews von 2015 bestätigen kann) wirklich deutlich gealtert ist, seine Persönlichkeit dagegen nicht.

Nr6DE: http://www.match-cut.de/nr6de/nr6de.htm
Portmeirion: http://www.match-cut.de/spec/portm.htm
Sir Clough Williams-Ellis: http://www.match-cut.de/spdln/spdln13.htm

ARTE bringt NUMMER 6 zurück ins Fernsehen: http://www.match-cut.de/tho/tallyho49.htm
Joachim Brinkmann, Injektionen: http://www.match-cut.de/spdln/spdln139.htm

Wie kam es zu Deiner Prisoner-Page, die ja zu den langlebigsten TV-Pages in Deutschland gehört?

Ja, unglaublich, wie viel Zeit vergangen ist. Angefangen hat es 1989 mit der Wiederholung von NUMMER 6 auf Pro7. Für mich Gelegenheit, die Serie das erste Mal seit 1972 wiederzusehen. Ich wusste nicht, dass NUMMER 6 schon um 1984 auf Sat1 bzw. dessen Vorläufersender gelaufen war, quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit nur für Menschen
mit Kabelanschluss. Aber damals ist NUMMER 6 auch aus anderen Gründen an mir vorbeigegangen. Mein Plan war, einen Artikel zu schreiben und zu versuchen, ihn an ein Magazin oder eine Zeitung zu verkaufen. Die Serie war in meiner Erinnerung immer etwas Besonderes gewesen und hätte eine bessere publizistische Würdigung verdient gehabt.
McGoohan[1]

Jedenfalls hatte man jetzt die Möglichkeit, die Serie aufzuzeichnen. Die vier nur englischen Episoden waren auch bald beschafft, in dritter oder vierter Kopie einer Kopie. Verwaschene Bilder und Farbausfälle gehörten dazu. Irgendwann fand sich auch Sekundärliteratur. In Gary Geranis und Paul Schulmans „Fantastic Television“ habe ich das erste Mal den Namen Portmeirion, der Drehschauplatz in Wales, gelesen. Ein Ah-Erlebnis erster Güte. Ich habe mir die Episoden mehrfach angesehen, mir Notizen gemacht, alles, was mir daran auffiel. Und das anfangs ohne Hilfsmittel, bis irgendwann auch Literatur da war. So entstand ein Artikel von vielleicht 12 A4-Seiten, dazu kurze Episodenbeschreibungen. Verkauft habe ihn nicht, sicher fehlten mir auch Kontakte. Und es gab ständig neue Erkenntnisse, die dazu geführt haben, dass ich den Text immer wieder umgeschrieben und ergänzt habe. Irgendwann war die ursprüngliche Absicht, ihn zu veröffentlichen, in den Hintergrund geraten. „Wir sehen uns! oder: Lannée dernière au Village“, der Artikel, wurde zu einer intellektuellen Beschäftigung für mich selbst, wie eine Modelleisenbahn, die nur die wenigsten Leute öffentlich zur Schau stellen.

Mitte der 90er Jahre hatte ich null Ahnung von PCs, aber doch Zugang zu einem, wo ich die ersten auf einer mechanischen Schreibmaschine getippten Seiten erfassen und bearbeiten konnte. 1998 war ich bei einer vom Arbeitsamt bezahlten Weiterbildung im Bereich Multimedia. Die so gewonnenen Computerkenntnisse in HTML und Bildbearbeitung waren wiederum der Anstoß für die erste Version meiner Website. Das war 1999. Der äußerst spartanisch aufgemachte Artikel wurde auf dem Webspace meines Mitbewohners gehostet. Auffindbar im noch neuen Internet war er faktisch nicht. Auch Google gab es noch nicht oder war noch unbekannt. 2001 habe ich meine Domäne „match-cut.de“ registriert. Eigentlich mit der Absicht, außer über NUMMER 6 auch über andere Filme zu schreiben oder Artikel von Bekannten zu veröffentlichen. Deshalb hat der Name mit NUMMER 6 nichts zu tun. Seit ein paar Jahren existiert nun auch der sprechende Name „nummer6-theprisoner.de“. Einfach, um die Internetpräsenz zu betonen und weil ich mir eine TLD sichern wollte, bevor es keine passende mehr gab. Es existiert außerdem der Domänname „nummersechs.de“, von einem
PRISONER-Begeisterten registriert, von dem wir leider schon Jahre nichts mehr gehört haben.

PortmeiriCon-2011-5_Election-campaign

„nummer6-theprisoner.de“ richtet sich in erster Linie an Deutsche, weite Teile sind aber parallel auf Englisch, alles von mir selbst verfasst. Lange Zeit ist nicht sehr viel auf der Website passiert. Hin und wieder eine Texterweiterung, Websitepflege. Der letzte wirklich große Umbau war 2005. Das Frameset entfiel, und die Website wurde für den Grimme-Preis angemeldet. Ich war nicht unter den Gewinnern… Ab 2003, 2004 stand ich mit Larry Hall, einem der Mitbegründer von „Six Of One“ in Großbritannien in Kontakt. Der hatte seine eigene sehr umfangreiche und vor allem thematische Website, die heute nicht mehr online ist. Er wiederum hatte mit Michael Brüne (weiter oben im Text) zu tun, den ich daraufhin angeschrieben habe. Eins kommt zum anderen.
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Seit dieser Zeit ist „nummer6-theprisoner.de“ ständig gewachsen. Rund um den alten Basistext sind nach und nach die verschiedensten Artikel erschienen, über dieEntstehungsgeschichte der Serie, das frühere MGM Studiogelände, wo Teile von NUMMER 6 gefilmt wurden. Über den Ort Portmeirion und Clough Williams-Ellis, den Erbauer; die Häuser, über Wales selbst, über Kleinigkeiten am Rande. Auch Theorie und Episodenwürdigungen (ich sage bewusst nicht: Analysen) kommen nicht zu kurz. Nicht alles ist von mir selbst geschrieben.

Quellen sind unter anderem Beiträge aus älteren „Six Of One“-
Mitgliedermagazinen, meistens in meiner Übersetzung, hier und da auch zweisprachig, die sonst nie den Weg aus der Szene an die Öffentlichkeit gefunden hätten. Der wesentlicheUnterschied meiner Webpräsenz zu der etwa von „Six Of One“ ist der historisch-kritische Ansatz, um die leicht angestaubte Vokabel zu bemühen. Überspitzt gesagt, erfährt man dort eigentlich nur, wie prima die Serie ist und was an Fanaktivitäten passiert (ist). Entweder ich schreibe selbst, oder ich stelle zusammen, was meiner Meinung nach zum Diskurs NUMMER 6 gehört. Denn das ist es: ein Diskurs, der sich durch unterschiedliche Medien zieht. „nummer6-theprisoner.de“ ist das Umfangreichste über NUMMER 6 in deutscher Sprache im Internet. Kann man, glaube ich, behaupten.

NUMMER 6 als Diskurs: http://www.match-cut.de/spdln/spdln105.htm
„RESOLUTION“: http://www.match-cut.de/spdln/spdln108.htm
Der akademische PRISONER: http://www.match-cut.de/tho/tallyho21.htm
Wir sehen uns! Oder: L’année dernière au Village
http://www.nummer6-theprisoner.de
Six Of One – The PRISONER Appreciation Society
http://www.sixofone.co/
Arno Baumgärtel, April 2016 – WIR SEHEN UNS!

Appendix I:
Meine Fernsehserienzeit endet um 1973 oder kurz danach. Das Meiste ist Erinnerung, und zwar nicht an Handlungen und ausgefuchste Episoden, sondern an die Vor- und Abspänne, die Titelmusiken und die Figuren. FAMILIE FEUERSTEIN, BEZAUBERNDE JEANNIE, JOHN DRAKE, JOHN KLINGS ABENTEUER, RAUMPATROUILLE, KOBRA – ÜBERNEHMEN SIE! – und eben NUMMER 6. In den 1980er Jahren war die LINDENSTRASSE die einzige Serie, die ich regelmäßig verfolgt habe, bis es irgendwann auch mit Videoaufzeichnungen nicht mehr ging. In der Neuzeit gibt es nur drei Serien, die ich verfolgt habe bzw. verfolge: PROFILER, 24 und HOMELAND. Für mehr reicht die
Lebenszeit einfach nicht.

Appendix II:
„Wir sehen uns! Oder L’année dernière au Village“ ist von Beginn an der eigentliche Titel meiner Website. Ob und was der eventuell mit einem gewissen Kinofilm von 1961 zu tun hat:
http://www.match-cut.de/spdln/spdln40.htm

Appendix III:
Außer Harald Keller, Autor der drei Bände „Kultserien und ihre Stars“, mit einem Kapitelüber NUMMER 6, schätze ich den US-Amerikaner Alan Shapiro als bekennenden PRISONER-Fan, Gelehrten und Freund.

Harald Keller: https://untergeschoss.wordpress.com/
Alan Shapiro: http://www.alan-shapiro.com/?s=prisoner&x=0&y=0E

WIR SEHEN UNS!

https://www.youtube.com/watch?v=8kHE4B5o8XM

 



ZWERG GINSENG UND DIE ROTE-BEETE-VERSCHWÖRUNG by Martin Compart
4. April 2016, 8:58 am
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Dr. Horror, Film, Nazi, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , , , ,

rolf-21[1]von Dr.Horror

Es gibt mehrere Arten von Trickfilmen. Die teuren, die jetzt in den Kinos laufen, kommen aus den USA: Disneys Zoomania und DreamWorks‘ Kung Fu Panda 3 sind auch in China die erfolgreichsten Animationsfilme überhaupt. Ein dritter, eine 3D-Mischfilm-Version von Disneys Dschungelbuch, kann zwar dramaturgisch nicht mit dem 2D-Original mithalten, aber technisch hat es Besseres auf der Leinwand noch nicht gegeben.

Künstlerisch gibt es unter den japanischen Animes einige herausragende Spitzenprodukte.

Der europäische Animationsspielfilm präsentierte sich Anfang März 2016 ein weiteres Mal auf dem seit acht Jahren in Lyon stattfindenden Produzenten-Branchentreff Cartoon Movie: prätentiös, immer noch genug, aber deutlich weniger Family Entertainment, viel erwachsener als früher. Die Veranstalter berufen sich auf die europäische Vielfalt, d. h. anders als bei Disney, DreamWorks oder in Japan gibt es keine wirklich europäische Handschrift, dafür ein Buntes Allerlei, stilistisch gelegentlich interessant, in der Animation trotz digitaler Tools teilweise hinter dem Standard von Winsor McCay – und der entwarf seine kurzen Trickfilme vor einhundert Jahren.

Ja, und dann gibt es noch deutsche Animation.

Spätestens nach dem überraschenden Kinoerfolg des „Kleinen Eisbären“ war der deutsche Animationsspielfilm auf ein Zielpublikum von Minderjährigen abonniert. Findet eine Pressevorführung eines deutschen Animationsfilms statt, schicken die Blätter in der Regel die zweite oder dritte Garnitur von Filmkritikern, denen nichts Besseres einfällt, als noch den blühendsten Blödsinn als „kindgerecht“ zu apostrophieren.

Den künstlerischen Tiefpunkt erreichte die deutsche Filmanimation in der in TV und auf der Kinoleinwand ausgewerteten „Mondbär“-Serie, die offenbar in deutschem Auftrag und mit deutschen Geldern in China oder sonst wo hergestellt wurde und die Tierfiguren zu digital aufgeblasenen Luftballons macht.

Stationen auf Deutschlands Weg nach unten wenigstens in der Trickfilm-Branche waren „Der kleine Rabe Socke“, „Ritter Rost“, „Keinohrhase und Zweiohrküken“ und „Kleiner Drache Kokosnuss“. Die Legitimität und Förderungswürdigkeit des Genres zu erhalten, waren offensichtlich keine frischen Ideen und kein neuer Stil gefragt.

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: "Verwitterte Melodie" (1943) Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Originalphase aus einem deutschen Animationsfilm, nicht die Biene Maja, aber auch eine Wald&Wiesen-Stimmung à la Klatschmohnwiese: „Verwitterte Melodie“ (1943)
Bilder aus der Sammlung J. P. Storm

Sehen „Wickie und die starken Männer“, geschaffen für 2D, nicht scheußlich aus in durchschnittlicher 3D-Animation? Neben „Wickie“ rangiert auch die „Biene Maja“ ganz oben in der Gunst deutscher TV-Redakteure. 1912 erschien Waldemar Bonsels‘ „Die Biene Maja und ihre Abenteuer. Ein Roman für Kinder“ zum ersten Mal. Bonsels hatte das Kunstmärchen, eine Initiationsgeschichte unter Insekten, ursprünglich für seine Söhne geschrieben. Er und sein Verleger rechneten mit keinem großen Erfolg, aber dann lieferte der Feldbuchhandel überzählige Exemplare an die Soldaten im Weltkrieg aus, und bald war die „Biene Maja“ an der Front ebenso wie bei den Lieben daheim so bekannt wie Hindenburg, Ludendorff oder Kaiser Wilhelm. Geschildert wurde schließlich, zeitnah, der Kampf des edlen Bienenvolkes gegen schurkische Hornissen. Die kleine Biene, seitdem auf Bestseller-Kurs, wurde eine echte Kriegsgewinnlerin.

Nach einem stummen Maja-Kulturfilm aus dem Jahr 1926 schien es, dass allein der Trickfilm dem märchenhaften Rahmen und der angestrebten Vermenschlichung der Figuren gerecht werden könnte. 1941 erwarben die frisch gegründete Deutsche Zeichenfilm GmbH und die Ufa eine Option und planten die Realisierung eines animierten „Biene Maja“-Kinofilms in Farbe, in dem der Kampf Bienen gegen Hornissen eine dem aktuellen Kriegsgeschehen geschuldete größere Rolle spielte als vordem. Doch der Mann, den der erklärte Trickfilm-Fan Goebbels mit der Leitung der Zeichenfilm GmbH betraut hatte, Oberregierungsrat Karl Neumann, der von einer leitenden Stelle in einer Wurstfabrik ins Propagandaministerium gewechselt war, war nicht in der Lage, die Produktion durchzuziehen. Millionen Reichsmark wurden versenkt, ohne dass viel dabei herauskam, allenfalls ein farbiger Kurzfilm „Armer Hansi“ und ein Überläufer, der dann bei der Defa erschien: „Purzelbaum ins Leben“. Das Ziel, Disney auf seinem eigenen Terrain Paroli zu bieten, blieb unerreicht.

Im Vorwort zu seinem Roman „Dositos“, den er 1942 als Privatdruck in einer Auflage von 100 Exemplaren an Freunde und NS-Granden verteilte, würdigte Bonsels übrigens den „gewaltigen und gewaltsamen Anstoß“, der durch Adolf Hitler in die Welt getragen worden sei und der nicht nur das Judentum erschüttert habe, „sondern naturgemäß zugleich alles, was in der christlichen Kirche am Judentum krankt“.

 Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin Cover des Buches "Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945"

Antisemitische Zeichnung eines bekannten, aber ungenannten deutschen Animationsfilmers, ca. 1942: Deutsche Zeichenfilm GmbH, Berlin
Cover des Buches „Animation Under the Swastika: A History of Trickfilm in Nazi Germany, 1933-1945“

So ein Mann gehört in der Bundesrepublik natürlich neu verfilmt. Obwohl Motive aus dem Buch entnommen wurden, haben die Produzenten der neuen „Biene Maja“ als Referenzobjekt die bekannte, harmlose und scheinbar über jeden Verdacht erhabene Zeichenfilmserie gewählt, die der damalige Leiter des Kinder- und Jugendprogramms des ZDF, Josef Göhlen, sein zeitweiliger Arbeitgeber Leo Kirch und Apollo-Film Wien Mitte der 1970er-Jahre in zwei Staffeln à 52 Folgen bei Zuiyo Enterprises (heute Nippon Animation) in Auftrag gegeben hatten: „In einem unbekannten Land vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt, von der sprach alles weit und breit. Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Maja, kleine, freche [sic!], schlaue Biene Maja…“ Karel Gott, nicht wahr.

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Deutscher Zeichenfilm in der NS-Zeit: Arbeit unter einem Führerbild

Als der Autor dieser Zeilen in einem Rundfunkbeitrag auf braune Flecken in der Mediengeschichte der Biene Maja hinwies, gab es im Internet einen Sturm der Entrüstung im Wasserglas. Ich zitiere:

 

Franjo Delic Hitler hat seine Suppe mit einem Löffel gegessen, der Löffel sollte als nationalistisches Symbol einer braunen Vergangenheit verboten werden!!

 

Jens Poerschke Weil Herr Goebbels „Heile-Welt-Filme“ für seine Kinder drehen lassen wollte, dürfen wir heute derartiges nicht mehr sehen? Warum? Was passiert dann?

Christian Weisweiler Da sind sie wieder, unsere pseudodevoten Betroffenheitsvirtuosen, die mit der moralischen Selbstgerechtigkeit einer Priesterkaste sogar in der Biene Maja den Antichristen sehen.

Thomas Visockis Der liebe Herr Giesen schafft es bestimmt auch aus dem Stegreif, die Anzahl der Sommersprossen von Pippi Langstrumpf auf „23“ zu bestimmen und gleichzeitig auf „666“ hoch zu rechnen…

Ralf Galleisky Es wird so vieles für die eigenen Zwecke missbraucht – die Nazis und viele andere Greuelregime haben so vieles für sich missbraucht – dafür kann Maja nichts – ich bin mit der süßen Biene und dem schwulen Willi aufgewachsen und hatte viel Spaß.

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http://www.amazon.de/Hitlerjunge-Kolberg-Propagandafilme-Dritten-Reiches/dp/389602471X?ie=UTF8&keywords=rolf%20giesen&qid=1459762424&ref_=sr_1_12&sr=8-12

Die überhaupt nicht mehr braune Biene repräsentiert geradezu exemplarisch den Niedergang des deutschen Animationsspielfilms. Das Resultat ist das Werk eines Komitees (Filmförderer, Fernsehen, Verleih usw.), dem es darum ging, nirgendwo anzuecken: Immer schön politisch korrekt, bitte.

Was hat diese banale Wald&Wiesen-Romantik mit der Wirklichkeit von Kindern im 21. Jahrhundert zu tun? Warum hat man solche Angst, deutschen Kindern grausame, aber heilsame Märchen-Dramaturgie so vorzusetzen, wie sie die Brüder Grimm verfasst haben? Fürchtet man etwa um die Seele des deutschen Kindes? Fürchtet man, dass das deutsche Kind rückfällig werden könnte? Gibt es – natürlich nur zum Besten des Kindes – eine Rote-Beete-Verschwörung der zwergenhaften Apologeten von Tai Ginseng. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen an der Kinokasse nach.

 

Rolf Giesen

 



DR.HORROR LOBT TIL SCHWEIGER! by Martin Compart
4. Februar 2016, 10:46 am
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Dr. Horror, Film, TV | Schlagwörter: , , ,

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Ich konnte kaum glauben, was mich in folgender mail erreichte:

Lieber Martin,

sah gerade Til Schweigers OFF DUTY.

Nach den Fernseh-Tatorten erwartete ich, enttäuscht zu werden, dann kam es aber ganz anders. OFF DUTY ist kein Tatort, obwohl er einige Figuren aus den NDR-Tatorten fortsetzt. Es ist kein Dialog (=Nuschel)-Film, sondern Action-Kino, das ich auf ein Budget von 12 Millionen einschätzte, bis ich erfuhr, dass sie für 8 Millionen an drei Locations gedreht haben und dadurch internationaler wirken: ein wenig Hamburg (kaum Deutsche im Visier), Istanbul und Moskau (nur wenige problematische Drehtage, aber viel an Bildern herausgeholt). Die türkischen und russischen Gegenspieler sind gut. Das Vorbild ist offensichtlich (Mini-) Bond. Wenn es wirklich nur um Action geht (einige große Sequenzen), sind das zwei unterhaltsame Stunden.

Bleibt das Problem, ob man Schweiger selbst mag, aber das steht ja auf einem anderen Blatt. Er hat es sich zum Prinzip gemacht, seine Filme nur ausgewählten Kritikern zu zeigen. Diesen hier hätte er der Presse ruhig zeigen können. Ich bin selber sprachlos, und vielleicht hat Schweiger recht, wenn er Christian Alvart, den Regisseur, hervorhebt. Luna Schweiger bleibt angenehm im Hintergrund, es geht um sie, aber sie hat nur wenige Szenen. Ich verstehe es selber nicht. Es kann natürlich sein, dass die Kritiken der TV-Tatorte auf den Kinofilm abfärben. Trotzdem mag man nicht glauben, dass das ein deutscher Film. Er ist es ja auch nicht.

Herzlich grüßt

Rolf



TV NEWS MORDKOMMISSION BERLIN 1 by Martin Compart
2. Dezember 2015, 9:27 am
Filed under: NEWS, Rezensionen, TV | Schlagwörter: ,

Gut, es hatte nicht die Tiefe von RIPPER STREET und DEADWOOD, nicht die politischen Implikationen von PEAKY BLINDERS, aber MORDKOMMISSION BERLIN 1 war locker auf internationalem Niveau. Die Ausstattung war beeindruckend und nicht nur Fassade, da sie ganz natürlich und fast als Handlungsträger integriert wurde. Die Story war vielleicht ein wenig konventionell und hätte ein paar Plot-Twists mehr verdient, aber spannend und – was heute selten ist – von Regisseur Marvin Kren effektiv in Szene gesetzt.

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Kurzum; Der TV-Film hielt, was DEUTSCHLAND 83 versprach: Deutsches TV, dass sich hinter angelsächsischen Produktionen nicht verstecken muss. Ich rede nicht von der Weltspitze wie SILK, HAPPY VALLEY oder SPOOKS (dazu reichte es nicht in der Originalität der Charakterisierungen und Handlungsführung – aber diese Serien sind auch in England keine Durchschnittsproduktionen), aber im Vergleich mit HAT SQUAD oder COPPERS konnte der Film leicht mithalten, hatte sogar bessere Momente. Wunderbar und überhaupt nicht aufgesetzt waren die Zitate und Einstellgen aus alten deutschen Filmen, die Kren unaufdringlich einsetzte um die Atmosphäre zu intensivieren.  Der junge Regisseur verfügt über ein erstaunliches Filmwissen und bemerkenswerte handwerkliche Fähigkeiten. Die Schauspieler (Kann Moretti einen schlechten Film machen? Gelegentlich.) waren ebenfalls überraschend gut, da sie nicht exaltiert in Szene gesetzt wurden. Nur das gelegentliche Berliner Genuschel hätte man tontechnisch vielleicht etwas deutlicher ziehen können (oder mit Untertiteln !!! auslegen). Ohne die Beteiligung des ehemaligen SAT 1-Redakteurs Thomas Teubner, der schon früher vielversprechende Produktionen in den Sand gesetzt oder verhindert hat, wäre das Niveau wahrscheinlich noch einige Punkte höher. Aber um so erstaunlicher das Ergebnis: Die beste deutsche TV-Krimi-Produktion seit Jahren (jenseits von Lars Becker), deren internationale Vermarktung aus zwei Gründen problemlos sein dürfte:

1) Qualität,

2) ein Thema, dass in der deutschen „Mythologie“ (Weimar, Berlin Alexanderplatz, goldene 20er usw.) so verwurzelt ist, dass man es nicht beliebig transponieren kann.

P.S.: Die schlechte Quote kann den Machern egal sein, da sie diesen (ersten?) Film noch in Jahrzehnten weltweit vermarkten können. Da wegen der Quoten SAT 1 dieses Projekt wahrscheinlich nicht fortsetzen wird, sollten die Macher sich an AMAZON wenden; die haben immerhin auch RIPPER STREET „gerettet“.

 



MiCs Tagebuch Nr. 2: Tyskland 83 – Der Anfang vom Elend… by Martin Compart

Stasi-Abhörprotokoll eines Vorstellungsgesprächs:

King Lear What service canst thou do?

IM Earl I can keep honest counsel, ride, run, mar a curious tale in telling it, and deliver a plain message bluntly: that which ordinary men are fit for, I am qualified in; and the best of me is diligence.

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Wohlan, mit “constant earnest effort” in die Tasten gehauen: So die erste Folge der “jetzt schon für das deutsche Erzählfernsehen Maßstäbe setzende” Serie bis Minute 5 geschaut. Mehr geht wirklich nicht. Das ist nicht auszuhalten. Was ist passiert? Eine Reagan-Rede wird von der Staatssicherheit der DDR als Angriffskriegsdrohung verstanden, die aggressiv-grinsende Säbelrassel-Rhetorik des Präsidentendarstellers Ronald Reagans wurde damals auch im Westen von vielen als Bedrohung empfunden, und darum muss ein HVA-Agent an die obersten Spitzen der NATO ran. Nur hat die Stasi keinen geeigneten Agenten im richtigen Alter, also wird ein Verwandter der Initiatorin, ohne Ausbildung aber im richtigen Alter, dazu linientreu und Volkssoldat, zu dem Job, einen Generalmajor der Bundeswehr, als neuer Ordonanzoffizier zu bespitzeln, beordert. Die ganze Einführung ist Schreiben nach Zahlen: 1) Situation eingeführt = Bedrohung der DDR; 2) Helden eingeführt, er macht gerade ein paar dämliche Weststudenten lang, die wahrscheinlich mit illegal getauschten Devisen (Wechselkurs 1 Mark West = 7 Mark Ost, offizieller Kurs 1:1), billige Bücher (Shakespeare und Marx – welch Mischung) erstanden haben und leider erwischt wurden; 3) Aufgabe für den Helden und seine Unerfahrenheit eingeführt, jetzt Schnitt; 4) der Held im Kreise seiner Familie; 5) Annäherung seiner Führungsoffizierin und Vorstellung der Aufgabe…

Ein Anfang so betulich wie im deutschen Fernsehen üblich. Keine Suspense – nur die dräuende Dauerbeschallung soll Spannung vermitteln – kein Geheimnis, nichts was den Zuschauer sofort packt.

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Ich hatte es geahnt, nein erwartet.
Wenn es jetzt aber brav nach Hero’s Journey weitergeht, müsste der Bengel erst noch einwenig zicken, bis er sich letztlich aufmacht, oder aber, weil er ein gehorsamer Deutscher ist, und der Zuschauer am Zappen gehindert werden muss, voller Ehrgefühl und mit geschwollener Brust in den Kampf ziehen… mehrfach Nennungen sind möglich. Wie es bis Folge 8 weiter geht: erst herrscht Euphorie beim Helden, dann kommen die Zweifel, die Liebe, die Freiheit, Popmusik, Konsum, Friedenssehnsucht der Westbevölkerung, denn wenn du deinen Feind wirklich kennst, dann kannst du ihn nicht mehr hassen, usw. Ich kann den ganzen Sermon jetzt schon runterbeten. Am Ende muss das Format schließlich unser Gesellschaftsmodell rechtfertigen, wie alle Niko Hofmann Produktionen. Meines Erachtens muss die Vergangenheit nicht die Gegenwart rechtfertigen, dazu dient sie nur in Diktaturen, der Blick auf die eigenen Geschichte sollte viel mehr helfen, die Fehler der Gegenwart aufzuspüren und Fragen zu unserer heutigen Gesellschaft und unserem Gesellschaftsmodell aufzuwerfen.

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Dies ist auch die Aufgabe einer historischen TV-Serie. Siehe DEADWOOD. Ein paar spontane Gedanken…

1) Die Stasi hatte vor dem Zusammenbruch 1989 über 1900 Spione und Informelle Mitarbeiter in Westdeutschland, 540 davon alleine in Westberlin. Wie viele bei der NATO in Brüssel, wie viele in Bonn im Verteidigungsministerium, im Außenministerium, Innenministerium, wie viele bei der Bundeswehr? Die Macher wollen uns wirklich glauben machen, es gäbe keine Profis bei der Stasi, sondern man müsste einen Anfänger nehmen? Allein in den ersten Minuten wird der Unterschied zu THE AMERICANS klar. Die Russen haben Schläfer in den Staaten. Es sind absolute Profis. Ihre Gegner beim FBI sind auch absolute Profis. Es geht um Ideologie, es geht um dem Kampf der Systeme. Es geht um Leben und Tod. Von der ersten Sekunde an. Ausgerechnet an der Frontlinie des Kalten Krieges, im nuklear hoch bestückten Deutschland, sind Amateure am Werk?Ronald_Reagan_and_General_Electric_Theater_1954-62[1]

2)  Gorbatschow hatte Reagan 1986 umfangreiche Abrüstung angeboten.Die Disk.ussion und bundesweiten Proteste um den NATO-Dopp.elbeschluss, die 1982 mit zum Misstrauensvotum und der Abwahl von Bundeskanzler Helmut Schmidt beitrugen, begannen schon 1980. Der sogenannte Doppelbeschluss beinhaltete die Nachrüstung der NATO mit Mittelstreckenraketen, wenn der Warschauer Pakt, die Russen, ihre SS-20 nicht abziehen würden. Die NATO, d.h. die Amerikaner, konnte den russischen SS-20 Mittelstreckenraketen angeblich nichts entgegensetzen, und so sollte das Gleichgewicht der Kräfte, auf das der Frieden angeblich beruhte, wiederhergestellt werden.

3) Reagan wurde 1980 gewählt und war seit Januar 1981 im Amt. Die aggressive Rüstungspolitik der Amerikaner begann sofort mit Amtsantritt des Republikaners, so empfanden das jedenfalls Teile der deutschen Öffentlichkeit. Die Krise in den USA 1981, als ein Attentat auf Reagan verübt wurde, ist u.a. Thema in der 1. Staffel von THE AMERICANS.

4) Die NATO war dem Warschauer Pakt rüstungstechnisch von Anfang an weit überlegen. Sie hatte immer mehr Nuklearwaffen, immer modernere Technik, Flugzeuge, Bomber, usw. Das Einzige wovon die Russen mehr hatten, waren Panzer und Soldaten. Die USA haben die Sowjetunion zu Tode gerüstet. Das wusste Norman Mailer schon in den 1960-ziger Jahren, es wollte nur keiner hören. .

300[1]5) Die HVA der Stasi, der Auslandsgeheimdienst, mit ihrem Chef Markus Wolff, galt lt. Aussage von CIA-Analysten, als einer der besten Geheimdienste des Kalten Krieges. Mir drängt sich die Frage auf, was bedeutet das für eine Serie, für ihre Charaktere, für die Führung der Charaktere, für die Story?

6) Allgemeinem Branchenverständnis nach, sind TV-Serien nichts anderes sind als eine Ware, ein Produkt wie Schokolade, Waschmittel und VW-Dieselmotoren. Deutsche TV-Serienprodukte müssen sich an diesem Maßstab messen lassen: „Wer ein Produkt verkaufen will, sollte zunächst einmal ein wettbewerbsfähiges Produkt haben.” Das haben die deutschen Sender nicht. Bei den Amerikaner und Briten ist das anders, bei den Dänen, den Norwegern, den Schweden, usw. auch. Und das macht den Unterschied. Auf eines schaut die Welt sehr genau, nämlich darauf ihre Produkte nach Deutschland zu verkaufen. Schließlich ist dies der dritt- oder viertgrößte TV-Markt der Welt.

Mein Fazit zu Tyskland 83: „Maßstäbe im deutschen Erzählfernsehen“, sind leider keine Maßstäbe. Weitere Serienfolgen erspare ich mir. ‘nuff said.

 

IM PRESSESPIEGEL;

http://web.de/magazine/unterhaltung/tv-film/deutschland-83-schlaegt-vorzeigeserie-rtl-31163514

http://www.spiegel.de/kultur/tv/deutschland-83-serien-highlight-bei-rtl-ueber-spionage-zwischen-brd-und-ddr-a-1064702.html

http://www.zeit.de/kultur/film/2015-11/deutschland-83-serie-RTL

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rtl-zeigt-amerikanische-agenten-seire-deutschland-83-13932221.html

http://www.stern.de/kultur/tv/deutschland-83-auf-rtl-mit-jonas-nay–warum-sie-die-serie-sehen-sollten-6575884.html

http://www.fr-online.de/tv-kritik/tv-kritik–deutschland-83-spion-wider-willen,1473344,32644176.htmlhttp://www.dwdl.de/zahlenzentrale/53669/ernuechternder_start_fuer_deutschland_83_bei_rtl/

 

UNFREIWILLIG ENTTARNEND IST:

http://www.sueddeutsche.de/medien/rtl-serie-deutschland-zum-teufel-mit-der-historischen-korrektheit-1.2753556-2

EINEN HOCHINTERESSANTEN ARTIKEL ÜBER TV-SERIENKULTUR UNTER:

http://www.medienkorrespondenz.de/leitartikel/artikel/als-waere-es-ein-weltwunder.html

UNFREIWILLIG KOMISCH IST:

http://www.deutschlandfunk.de/tv-serie-deutschland-83-auf-rtl.807.de.html?dram:article_id=338054

 



AUS MiCs TAGEBUCH – Heute: BOSS… die Serie, nicht der ehemalige Uniformschneider oder der Typ mit der E-Street-Kombo by Martin Compart
26. November 2015, 5:32 pm
Filed under: DEUTSCHER-TV-SCHROTT, Deutsches Feuilleton, Drehbuch, THE BOSS (TV), TV, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Jetzt sehe ich die dritte Folge der 1. Staffel von BOSS mit Kelsey Grammar und ich bin geplättet. Was ist das denn für eine gigantische Serie? Fraser als Bürgermeister von Chikago. Und was für einer. Natürlich ist der Hook für den Mayor Tom Kane – nice name by the way – von Breaking Bad geklaut, aber wie die auf allen Ebenen die Register ziehen und uns amerikanische Politik vorführen, ist sehr beeindruckend.

(N.B. BOSS-Creator Farhad Safinia ist Engländer iranischer Abstammung und hat davor nur bei Mel Gibson „hospitiert”, dessen Italowestern-Jesusfilm produktionstechnisch begleitet und das Script Apocalypto co-geschrieben.) Wirklich interessant, wie multiple Storylines, persönliches Schicksal, politische Intrigen, Korruption, etc., so intelligent miteinander verwoben werden und dabei ein Erzählspektrum entsteht, das mehr ist als die Summe seiner Bestandteile. Wie soll man eine solche Serie nur nennen? Der große amerikanische Roman? Oder Gore Vidal erklärt die Politistory einer US-Stadt? Weil außer Frauen und Rentnern kein Schwein mehr liest, findet Literatur heute im TV statt. Überall, nur nicht in dem Land, zu dessen Fernsehen ich nichts mehr sagen wollte.

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(Doch dies noch: Seit Tagen belästigen die „Werbe-Redakteure” von Spiegel-online Leser mit Tiraden, warum man diese eine bestimmte, „jetzt schon für das deutsche Erzählfernsehen Maßstäbe setzende Serie”, absolut sehen muss. – Ne, lasst mal stecken, mir sind Originale einfach lieber. Unter der PR-Artikelflut sticht dann noch die harte Headline einer Fotostrecke hervor: „RTL goes Kapitalismuskritik.” Alle Achtung.)

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BOSS muss übrigens in Chicago spielen, diese Slaughterhouse-cum-Businessmetropole, Hochburg des organisierten Verbrechens zu Zeiten der Prohibition, diese korrupteste aller US-Städte – zumindest in der Fiktion – mit dem größten Flughafen der USA, wenn nicht der Welt, O’Hare, als beispielhafter Handlungsort für die Mechanismen einer kapitalistischen Gesellschaft, nicht allein der US-Gesellschaft. Klar werden gezielt Klischees bedient und benutzt, natürlich ist das Spektrum der Charaktere bewusst gewählt, das Konstrukt für den geübten Zuschauer durchschaubar, aber alles kommt so reif und so souverän daher, wie die neuen, frischen HBO-Serien vor zehn, fünfzehn Jahren. Ich denke hier wegen des Politkontexts an DEADWOOD und THE WIRE.

Interessanterweise ist Ex-HBO-Chef Chris Albrecht, weil er eine Frau nachts auf einem Parkplatz in Las Vegas ohrfeigte, einst von HBO geschasst, der Chef von Starz, der Sender, der BOSS beauftragte. Albrecht hat seinerzeit David Milch, David Simon bei HBO herausgebracht, bzw. gefördert. Ein Entscheider mit Weitblick.

Ein Bekannter von mir hatte 2013 bei RTL die Idee einer Politserie gepitcht und wurde vom obersten Chef mit den Worten abgelehnt, Politik ist ein No-Go, Lokalpolitik erst recht. O-Ton: „Ich war selbst mal Journalist, für Lokalpolitik zuständig. Das interessiert niemanden.” Da kannte hierzulande noch keiner HOUSE of CARDS – und BOSS schon gar nicht. Diesem Entscheider verhilft kein noch so starkes Fernglas zu Weitblick.

Nach nur zwei Staffel war Schluss mit BOSS. Schade. Ich habe noch 15 Folgen vor mir.




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