Martin Compart


MiCs Tagebuch spezial, September 2018: DIE EMMYS by Martin Compart
20. September 2018, 8:14 am
Filed under: MiCs Tagebuch, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , ,

Abgebrannt in Lalaland

Natürlich spricht es gegen den Kolumnisten, wenn er glaubt, Emmys,
Oscars und andere „Wahlen“ hätten eine Relevanz, die über
brancheninternes „Pillermann zeigen“ hinaus ginge. (Die haben sie
selbstverständlich nicht.) Dennoch ist der nachfolgende Hinweis auf
verdientere Sieger des vorgenannten Zeigespaßes, als notwendige
Ventilfunktion bei dem persönlich empfundenen Unbehagens angesichts der
globalen „Entertainment-Leitkultur“, nicht zu unterschätzen.

Die Emmys bestätigten erneut die unglaubliche Borniertheit des
US-Establishments.

Zwei der wohl großartigsten Shows der letzten Jahre, „The Americans“ und
Atlanta„, wurden wieder einmal „übersehen“.

Kategorie Fiction Drama Series:

Hier gewinnt erneut die öde Zementierung irrelevanten Bombasts, die
totale Fanatasy-Eskapismus-Regression für eine immer hilflosere und aus
Ohnmacht wundergläubige Zuschauerschaft, gegen „The Americans“? „Game
of Thrones“ plündert die Weltgeschichte, um mit Shakespeare-,
Machiavelli- u.v. a. Zitaten eine dramatische Größe vorzugaukeln, die in
Wahrheit nur das Deckmäntelchen für die überbordenden Billo-Sex- und
Gewaltorgien dieser Intrigen-, Brot-und-Spiele-Primitivität abgeben. Ein
Publikumsformat, dessen Erkenntnisgewinn nicht einmal an das Niveau von
Glückskeks-Weisheiten heranreicht. Lächerlich.

Conclusio: Spektakel regiert in Zeiten Hedgefond finanzierten
TVs/Streamings. Irgendwie muss das ganze Schwarzgeld ja gewaschen werden.

Kategorie Fiction Comedy Series:

„The Marvelous Mrs Maisel“, eine scheinbar mutige, sich emanzipierende
weiße Mittelstandsfrau, die sich in einer misogynen Männerwelt der
1950er Jahre als Stand-up Comedian behaupten will, lässt „Atlanta“
leerausgehen? Die wohl eigenwilligste und genialste Show, die der
serielle Overkill in den letzten 4 Jahren hervorgebracht hat und welche
die zeitgemäßeste Kritik der US-Gesellschaft aus Minderheitenperspektive
darstellt? Mit „weiße Mittelklasse-Frau toppt schwarze
Unterklasse-Typen“, ist die Welt ja noch in Ordnung, was? Wohl bekomm’s,
Academy.

N.B. 1: Nominiert und ignoriert, trotzdem der beste Actor in einer
Nebenrolle, ist natürlich „Paper Boi“ Alfred alias Bryan Tyree Henry.
Take a good look, guys.

N.B. 2: Das freut die Damen und den Boulevard: Feiern
US-Zeitungsschreiber doch glatt einen Heiratsantrag von Oscar-Producer
Weiss samt Kniefall coram publico als emotionales Ausrufezeichen der
Preisverleihungen – warum nimmt der Bock dafür die Emmys zum Anlass?
Schön, wenn es in kalten, pissblonden Zeiten auf dem Flastscreen
überraschend menschelt.

MiC, 18.09.18

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BEAR GRYLLS THRILLER-DEBUT by Martin Compart


Der Roman fängt gleich an einem der übelsten Orte des Planeten an: im Black-Beach-Knast in Äquatorialguinea. Dort wird Will Jaeger durch einen Trick seines Maori-Kumpels Raff aus der brutalen Gefangenschaft befreit, muss hilflos Schreckliches mitansehen und bekommt gleich einen neuen Auftrag.

Will Jaeger, Ex-Elitesoldat und Gründer von Enduro Adventures, erhält den Auftrag seines Lebens: Für eine TV-Show soll er mit einer Gruppe von Kandidaten ein mysteriöses Flugzeugwrack aus dem Zweiten Weltkrieg im brasilianischen Dschungel bergen.

Das Geheimnis um das Flugzeug ist in der deutschen Nazigeschichte im zweiten Weltkrieg verankert und findet auf verschlungenen Wegen bis in die Gegenwart.
Doch bei den Vorbereitungen stirbt sein Freund Smithy. Die Polizei wertet den mysteriösen Tod als Unglück. Ein Symbol, das der Tote trägt, lässt Will jedoch Böses erahnen. Denn er hat es schon einmal gesehen: in den Hinterlassenschaften seines Großvaters, des legendären Nazi-Jägers… (eine Hommage von Grylls an seinen eigenen Großvater, Befehlshaber der T-Force).

Edward Michael Grylls, geboren 1974 in Nordirland, ist ein ehemaliger SAS-Soldat und in England und den USA als Abenteurer und Überlebensspezialist eine bekannte Medienfigur. 1998 hatte er mit 23 Jahren als jüngster Bergsteiger den Mount Everest bestiegen.

Seit 2005 dreht er Dokumentationen und TV-Shows (ABENTEUER SURVIVAL, GET OUT ALIVE, STARS AM LIMIT u.a.), die auch auf deutschen Sendern gezeigt werden.

Mit Unterstützung des Journalisten und Thriller-Autors Damien Lewis hat Grylls einen rasanten Action-Thriller vorgelegt, der in seinen besten Momenten mit einem Kaliber wie Andy McNab locker mithält. In physischen Beschreibungen (die Anfangsszene mit dem zerschundenen Helden) erinnert er gar an die Brillanz von Ian Fleming (in DR.NO). Autoren wie Matthew Reilly oder Clive Cussler ist er erzählerisch überlegen – besser gesagt: sind Grylls und Lewis überlegen.

Gut, das Ende ist ein wenig überzogen. Aber das verzeiht man gerne, denn das hohe Erzähltempo, die effektiven Charakterisierungen und die überraschen Wendungen machen die Lektüre zu einem aufregenderen Erlebnis als das Bestarren eines Hollywood-Blockbusters.

Bear Grylls und sein Gr0ßvater, der „Nazi-Hunter“, der den Roman inspirierte.

Man findet auch ein paar Brüche und Ungereimtheiten, aber wie bei einem besseren James Bond-Film werden sie durch das Tempo weggebügelt. Auch McNabs erste Romane hatten noch nicht ihre volle Schubkraft. Ich behalte Grylls jedenfalls auf dem Schirm. Der Mann hat nicht umsonst einen eine Million Pfund Vertrag mit Orion über drei Romane seiner Will Jaeger-Serie abgeschlossen. Aber der britische Thriller-Markt setzt in seinem Segment auch jährlich an die 100 Millionen Pfund um (SF- und Fantasy 34 Mio., Romance 20 Mio und historische Romane 18,5 Mio; Stand von 2013).

Für die Qualitäts-Wachtmeister der Krimi-Szene ist der „Action-Thriller“ und noch schlimmer: der „Commando-Thriller“ (in dessen Tradition Grylls steht) ja was ganz übles, dass die Lesekultur gefährdet.

Dabei übersehen sie natürlich, dass der „Action-Thriller“ eine beeindruckende Tradition vorzuweisen hat. Angefangen bei Robert Louis Stevensons KIDNAPPED über John Buchans wahnwitzige Jagd- und Fluchtgeschichten, THE 39 STEPS oder GREENMANTLE, Geoffrey Household bis hin zu Ian Fleming, Duncan Kyle oder Alister MacLean und Adam Hall.

In den 1970er- und 1980er Jahren wurde das Genre von amerikanischen Paperback-Original- Serien wie PHOENIX TEAM dominiert, deren Weltbild bestenfalls als schlicht bis dümmlich zu bezeichnen ist. Autoren wie Chris Ryan oder Andy McNabb haben das Genre seit den 1990er Jahren wiederbelebt. Und es ist immer wieder beeindruckend, mit welchen literarischen Fähigkeiten gute Autoren wie Grylls (und Lewis) die Leser durch die Seiten peitschen.

Wer in vier bis fünf Stunden ein paar Pfund Körpergewicht verlieren will, schwindelfrei ist und gute Nerven hat, wird mit GHOST FLIGHT ein schweißtreibendes Vergnügen genießen.
Außerdem bekommt man noch Survival-Tipps, die einem eventuell das Leben retten, wenn man mal wieder im Stadtpark verloren geht.

P.S.: Die Übersetzung – und das ist ja nicht so einfach wenn es um Tempo in der deutschen Interpretation geht – hält die Geschwindigkeit locker mit.

Bear Grylls
Ghost Flight – Jagd durch den Dschungel

Aus dem Englischen von Marco Mewes
HarperCollins, 2018
ISBN: 9783959677547
€ 10,99



das MODERN TALKING der deutschen Literatur-Szene by Martin Compart

Nora und Dieter beim Empfang des Siegfried Fitzeck-Gedächtnispreis.

 

Ist da bei Nora was Kleines unterwegs?

Das  kann nur das Frühstücksfernsehen entscheiden!

 

Man muss sie liebhaben, diese kleinen Racker, oder?

 



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS: HEUTE FÜR HANS-GEORG MAAßEN by Martin Compart
14. September 2018, 3:49 pm
Filed under: Rolling Stones, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: , ,



CRAZY ROCKER – DIE INDO-BANDS ÜBERFALLEN DEUTSCHLAND by Martin Compart
11. September 2018, 8:16 am
Filed under: MUSIK, Rezensionen, WENSKE | Schlagwörter: ,


Sie kamen aus dem Westen und brachten Unheil und Grauen über alle anständigen Bürger, die in amerikanischen Garnisonsstädten ein gottgefälliges Leben versuchten.

Dort füllten sie so manchen leeren Tag mit Lärm.

Spießer, die sich in die entsprechenden Bars vorwagten, bekamen einen Vorgeschmack der Apokalypse.

Jugendliche Rabauken konnten sich an ihrem Krawall nicht sattfressen. Während Elvis sich zum Städtele hinaus sang, retteten die Indo-Bands den Rock.Manche Musiker griffen sich ihre Gitarren wie Psychopathen ihre geschärften Rasiermesser.

In den Jahren zwischen Bill Hailey und den Rolling Stones sorgten die Indo-Bands aus Holland dafür, dass der Rock´n Roll nicht zur harmlosen Samstagabendunterhaltung verkam. Von 1959 bis etwa 1964 zogen sie eine häufig blutige, immer aber krawallige Spur durch die Rock- und GI-Klubs in deutschen Garnisonsstädten.

Wie Hanau.

Dort hatte man die glänzende Idee, gegenüber einem Klub für schwarze GIs, indem vorzugsweise Blues gespielt wurde, einen Suff & Tanz-Treff für Rednecks zu positionieren. Damit war der Samstagabendspaß für die ganze Familie programmiert:

„Ich spielte mit den Cherokees im Roma in Kaiserslautern, als der Ami die Gäste anpöbelte und randalierte. Flaschen und Stühle flogen durch die Luft, bis vor unseren Augen plötzlich ein Puertoriacaner sein Messer zog und dem weißen GI in den Leib stach. Blut spritzte. Der Ami fiel zu Boden und die Därme quollen aus dem Bauch. Mein Gott. Und wir mussten da bleiben und weiterspielen, nachdem man die Leiche weggeschafft hatte“, erinnert sich Ronny Neyndorff. Im Showgeschäft kann man auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen.

Die erste Generation der indonesischen Einwanderer bestand hauptsächlich aus Privilegierten, die mit den holländischen Kolonialherren verbandelt waren. Nach dem Sieg Sukarnos hauten sie schleunigst in das Mutterland der Ausbeuter ab, wo sie so willkommen waren wie Mujahedin am Wörthersee. Mit Straßenschlachten gegen einheimische Jugendlichen begannen dann die Integrationsbemühungen. „Aus diesem Umfeld aus Frust und Gewalt entstand schließlich das, was man später Indo-Rock nannte.

Statt Prügeleien war jetzt handfeste Lärmbelästigung angesagt. „Nach dem ERfolg der Tielman Brothers 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel formierten sich unzählige Bands, um als Profimusiker in Deutschland ihr Glück zu versuchen. Auf dem Höhepunkt der Invasion 1963/64 gaben sich bestimmt an die 100 Indonesier-Kapellen in den Rock´n´Roll-Bars und Ami-Clubs im monatlichen Wechsel die Klinke in die Hand.

Wie fleißig sie waren, belegt ein Zitat von Harry Koster von den Black Dynamites: „Nach drei Jahren ständigen Spielens in Deutschland hatten wir zum ersten Mal einen halben freien Abend, als John F. Kennedy am 22.November 1963 ermordet wurde.“

Helmut Wenske hat das in Hanau alles hautnahe mitgekriegt und ist bis heute mit den Protagonisten der Szene befreundet. In seinem grandios dokumentierten Bildband, vollgestopft mit sittlich ethisch desorientierenden Dokumenten, Bildern und Anekdoten wird das Lebensgefühl in dieser Subkultur wieder lebendig. Er betrachtet die fünf wohl wichtigsten Bands genauer und erzählt ihre skandalösen Geschichten.

Wenske hatte schon 1984 zusammen mit Götz Alsmann und Woody Brunings mit EASTERN AGE eine erste Würdigung der niederländischen Krawall-Truppen vorgelegt.
Immer noch lesenswert. Aber dank seinem eigenen Archiv und das des holländischen Indo-Paläontologen Leon Donnars, kann das Bändchen mit diesem Prachtschinken natürlich nicht mithalten.

Es gibt Haufenweise Informationen, die man erst wissen will, wenn man sie kriegt.

Zum Beispiel dass der Jazzer und Bierkönig Paul Kuhn bei der Produktion einer der besten Indo-Platten, JAVALINS FOR TWENS, seine Klavierspielerfinger drin hatte.

Welche Rolle Goena-Goena (Spirituelles) spielte…

Wie sich Andy Tielman nach Borneo zurück zog und mit dem Blasrohr jagte…

Wie die Javalins auf einer Israel-Tour ihren Saxophonisten verloren…

Zeitgeist ohne ende

 

Seit einigen Jahren gibt es ein kleines Indo-Rock Revival. Gekillt hat ihren Boom Mitte der 1960er die british invasion. Obwohl die Indos technisch erstmal den meisten angelsächsischen Bands überlegen waren, hatten sie einen großen Nachteil: Sie schrieben kaum eigene Songs und verließen sich aufs covern von Standards. Und Klassikeram laufenden Band zu schreiben wie Beatles, Stones, Hollies usw., hatten sie erst recht nicht drauf. Aber an Show lieferten sie ähnlich der amerikanischen Soul-Szene den Briten einiges, an dem sich diese orientieren konnten.

Die Jungs waren ihrer Zeit weit voraus. Sie wussten es nur nicht. Sie haben nicht gemerkt, dass sie manchmal auf der Gitarre Sachen hervorbrachten, die für geschulte Musiker nicht zu fassen waren. Alles geschah sehr natürlich, fast organisch, so richtig aus dem Herzen. Sie spielten Rock´n´Roll auf eine authentische Art und Weise. Die Jungs waren unheimlich lässig und verschwanden vielleicht gerade wegen dieser Lässigkeit auch innerhalb von ein paar Jahren von der Bühne.“
Jan Akkerman

Als Wiedergutmachung für die Indos, schickten uns dann die Holländer Heintje, der bekanntlich kein Kind war, sondern ein fünfzigjähriger Zwerg.

Helmut Wenske/Chris Hyde:
Black Eyes
Indonesier-Bands in Germany. Storys & Bilder

ca. 298 Seiten,
Hirnkost KG, 2018; Hardcover,
21 x 21 cm
ISBN: 978-3-945398-66-1 print
28,00 €

https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=helmut+wenske


Wenske /Hyde verschweigen auch nicht die Schrecken des Ende mit Schrecken.

 

Andy Tielman mutierte heel prachtig zum Barry Gibb des Tanztees. Zu spät, um noch was am Karma zu retten:



Für mich hatte sie eine Menge Ausstrahlungskraft by Martin Compart
8. September 2018, 7:24 pm
Filed under: Buchbranche | Schlagwörter: , , ,

Barbara Laugwitz, jetzt Ex-Geschäftsführerin von Rowohlt, wurde von den Hirnamputierten des Mutterkonzerns Holtzbrinck (zu dem auch Geschmacklosigkeiten wie Droemer gehört) gefeuert. Jetzt wird behauptet, sie habe zu wenig „Ausstrahlung“ gehabt – was immer das meint für die verklemmten Grauanzüge einer Konzernspitze.

Für mich hatte Frau Laugwitz eine Menge Ausstrahlung.

Denn sie hatte Rowohlt aus dem Tal der Tränen herausgeführt, in das der ehemalige Schröder-Helot und bisher lächerlichste Hamburger Bürgermeisterkandidat, Michael Naumann, den Verlag gestürzt hatte. Naumann – da ganz Schröder kompatibel – hatte den Verlag in die schwierigste Situation seines Bestehens geführt. Für seine Berufung waren natürlich auch die Holtzbrinck-Deppen zuständig.

Über den neuen Golf-Fahrer weiß ich nicht viel; schlimmer als Naumann kann er nicht sein.

Das Rowohlt seit Jahren wieder gut dasteht verdankt der Verlag einer verdammt guten Mannschaft und der intelligenten Geschäftsführung von Frau Laugwitz, die keine dümmlichen Bestseller für ein Idiotenpublikum schreibt, das nun vielleicht die neue Zielgruppe von Rowohlt werden könnte.

aus dem BUCHMARKT:

Rowohlt: Florian Illies wird neuer Verlegerischer Geschäftsführer

Florian Illies folgt auf Barbara Laugwitz
Florian Illies wird zum 1. Januar 2019 neuer Verlegerischer Geschäftsführer des Rowohlt Verlags. Gemeinsam mit Peter Kraus vom Cleff, Kaufmännischer Geschäftsführer, und Jürgen Welte, Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer, soll er den Verlag leiten und “programmatisch weiterentwickeln”. Barbara Laugwitz, seit 2014 in dieser Funktion tätig, hat Rowohlt sichtlich bereits verlassen. Mails an sie werden beantwortet, sie sei nicht mehr für Rowohlt tätig und die Mail werde nicht weitergeleitet – was auf eine harsche Trennung hindeuten lässt, die Dr. Joerg Pfuhl, CEO der Holtzbrinck Buchverlage aber deutlich milder formuliert: „Barbara Laugwitz hat in einem schwierigen Markt immer wieder große Erfolge bei Rowohlt verwirklicht. Ich bin für ihr unermüdliches Engagement sehr dankbar. Unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg haben uns am Ende zu dem Schritt einer Veränderung in der verlegerischen Leitung bewogen.“

Zur Berufung von Florian Illies sagt er, er sei ein ” seltener Glücksfall für Rowohlt. Er kennt die Buchbranche aus der Sicht des Autors ebenso wie als umfassend interessierter Journalist. Darüber hinaus bringt er unternehmerische Erfahrung aus seiner Zeit als Gründer der Zeitschrift „Monopol“ sowie als Geschäftsführer eines international tätigen Auktionshauses mit. Dies sind einzigartige Voraussetzungen, um mit dem motivierten Rowohlt Team die Zukunft des Verlags, der im Herbst nach Hamburg umziehen wird, erfolgreich zu gestalten.“
Florian Illies ist als Autor vor allem mit den Bestsellern 1913 (2012) und Generation Golf (2000) hervorgetreten. Er war unter anderem Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und der Zeit, wo er seit 2017 Mitglied des Herausgeberrates ist. Zuletzt war er Geschäftsführer und Leiter des Auktionshauses Grisebach in Berlin.

Die Strahlkraft eines defekten Handys hat Dr. -soviel Zeit muss sein -Joerg, mit e statt ö, nicht.

„Er war ein Einser-Betriebswirt un auch ansonsten von begrentem Verstande.“
frei nach L für Werbung ausgibt.udwig Thoma.

Nur eine Frage der Zeit, bis sich Dr. Joerg mit einer pfiffigen Idee In der „Höhle der Abzocker“ bei Maschmeyer andient. Denn auch sein Droemer-Konzept „Bücher für Idioten, die abba  lesen können“ ist endlich (noch vor seiner wohlverdienten Rente).

Der Dr.Joerg weiß schon, wie man eine Nachricht verkauft. Deshalb ist er auch ein wichtiger Player in einer Branche, die weniger umsetzt als die Waschmittelindustrie für Werbung ausgibt.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/rowohlt-autoren-reagieren-auf-rauswurf-barbara-laugwitz-15777150.html

https://www.sueddeutsche.de/kultur/geschasste-rowohlt-verlegerin-schon-wieder-eine-frau-rausgekippt-wie-abfall-1.4124393



CHARLES DEWISME WIRD 100 UND BOB MORANE 65 JAHRE ALT 5/ by Martin Compart
7. September 2018, 2:20 pm
Filed under: Bob Morane, Comics, Heftroman, henri vernes, Porträt, Pulp | Schlagwörter: , , ,

DER „NEUE“ BOB MORANE?

Henri Vernes hat sich in den letzten Jahrzehnten von Co-Autoren unterstützen lassen. Angesichts des Alters und des wahnwitzigen Ausstoßes nicht verwunderlich.

„Das war nicht die Regel, aber es geschah einige Male. Ich entwickelte die ganze Handlung des Romans und ich hatte jemanden, der mir einen ersten Entwurf schrieb. Ein bisschen wie beim Comic. Erst der Bleistiftentwurf und dann das inken mitt Tinte. Ich, habe den ganzen Roman inszeniert. Es passierte ein paar Mal, aber nicht immer. Manchmal musste ich alles komplett umschreiben. Irgendwann wird ein Anderer BM schreiben, weil ich nicht mehr da bin.“

Zu den Co-Autoren zählte auch Christophe Corthouts.

„Es muss 2001 gewesen sein. Ich hatte in den späten 90ern zwei Romane bei Editions Lefrancq veröffentlicht, und zu dieser Zeit wurde natürlich auch Henri Vernes herausgegeben. Anscheinend gefiel ihm meine Arbeit, mein Stift, meine Ideen. Also kontaktierte er mich, um zu wissen, ob ich an der Idee interessiert wäre, einen Bob Morane zu schreiben… Auf den er dann natürlich seine Finger legen könnte. Nach ein paar Versuchen akzeptierte er meine Idee für LA PORTRAIT SE LA WALKYRIE , der 2002 veröffentlicht wurde, wenn ich mich recht erinnere. Ab dann schrieb ich für ihn im Durchschnitt ein oder zwei Bob Morane pro Jahr. Im Allgemeinen schrieb ich den gesamten Roman. Wenn ich Fragen hatte, nahm ich einfach mein Telefon, um Henri zu fragen. Anschließend wurde das Manuskript von Henri überprüft.“

Nicht nur Vernes schwindende Energie wurde zum Problem für BM, auch die sich verändernden Zeiten und die neue Unterhaltungskultur knabbert seit langem an seiner Popularität. Die Leserschaft schmilzt dahin was auch im Verlag Ananke immer bewusster wurde.

„Wie verteilen sich die Leser heute? Achtzig Prozent sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. Die restlichen zwanzig Prozent sind jünger, diejenigen, die Bob Morane durch Indochins Song The Adventurer, durch Comics oder durch die Zeichentrickserie entdeckt haben. Wir brauchen einen Neuanfang.“

Ananke begann mit der Digitalisierung der Serie als e-Books (was wohl aus Unverständnis von Vernes kritisiert wurde. Jährlich erscheinen sechs bis acht Bücher, davon die Hälfte als Nachdrucke.

„Wir wollen alle Zielgruppen versöhnen. Auf der einen Seite können Fans der ersten Stunde alle Abenteuer ihrer Helden bequem digital- oder als Book-on-demand kaufen. Auf der anderen Seite finden sich sowohl Leser, die einen modernen Bob Morane erwarten, als auch solche, die den gewohnten Vintage-Helden weiterhin bevorzugen.
Auf dieser Grundlage entwickelt Car Gilles die Grundlagen des Neustarts : ein moderner Bob Morane, der in der Gegenwart spielt, und ein Vintage-BM, der nach dem Kloning in den 1950er- und 1960er Jahren spielt.“

Wie letzteres aussieht, wurde im Roman DUPLICATION von Gilles, Divindilis 2013, konzipiert:

Als Bob Morane an diesem Morgen in seiner Wohnung am Quai Voltaire in Paris aufwacht, erfährt er aus dem Mund von Tania Orloff, der Nichte von Mr. Ming, eine schreckliche Nachricht: Sie und er wurden verdoppelt. In jeder Hinsicht identisch mit den Originalen, leben Bob Morane und Tania Orloff nicht mehr im einundzwanzigsten Jahrhundert sondern im zwanzigsten Jahrhundert in einer Parallelwelt, die der ursprünglichen sehr nahe kommt. Das Datum des Tages ist der 16. Dezember 1953. Bob Morane ist das Opfer eines unvorstellbaren Plans, den sich der Gelbe Schatten ausgedacht hat. Und als er erfährt, dass seine engsten Freunde Bill Ballantine, Aristide Clairembart, Sophia Paramount und Frank Reeves das gleiche Schicksal erleiden mussten, ist es höchste Priorität, sie zu finden.

Divindilis ist ein alter BM-Fan. „Auf Anregung eines Freundes im BM-Club schrieb ich Ende 2011 mit L´OR GRIS DE BOLIVE meinen ersten BM-Roman. Er fand seinen Weg in die Hände von Henri Vernes und seines Verlegers. Ein paar Tage später hatte ich eine positive Antwort. Anschließend hatte ich Henri Vernes am Telefon, und er erzählte mir das Gute, was er von meiner Arbeit dachte. Ich habe meinen Ohren nicht getraut. Es war fantastisch!“

Der Neustart erfüllte die Erwartungen nicht. Als der Comic Verlag „Lombard“ dann auch noch ein Relaunch von BM im Comic 2015 auf den Markt brachte, war man bei „Aninke“ nicht begeistert, besonders dass der Comic von Luc Brunschwig und Aurélien Ducoudray unter aller Sau war.

Devindilis: „Brunschwig informierte sich nicht über die Bob Morane-Romane. Lombard gab ihm einen Freibrief für den Neustart. Er kannte die Welt von Bob Morane nicht. Er kontaktierte einfach Henri Vernes, um Bob Moranes Grundpsychologie zu erfahren,“ Zugehört hat er wohl nicht, denn der Morane von BM RELOADED hat nichts mehr mit der ursprünglichen Figur zu tun, ist nur peinlich und die politischen Aussagen eher naiv. Das Artwork ist der inzwischen übliche franco-belgische Durchschnitt, den man hinter jedem Kiosk findet und so inspiriert wie eine ZDF-Vorabendserie.

Enttäuscht meldete sich dann 2014 auch Vernes wieder zu Worte: „Christophe Corthouts schreibt sehr gut, er hatte gute Ideen, als er beschloss, Bob Morane zu schreiben. Meiner Meinung nach schreibt Gilles Devindilis sehr schlecht, macht Stilfehler (oder historische) und findet nie das richtige Wort. Außerdem sehe ich keinen Sinn darin, Bob Morane zu duplizieren und ihn nach 1953 zurückzuschicken. Morane hatte bereits Zeitreisen gemacht, der Gelbe Schatten sich bereits dupliziert… Ich bin nicht sehr glücklich mit all dem und dem Konzept von Ananké.
Ich bin skeptisch. Wir reden viel darüber, aber wenn ich den Zustand der Romane sehe (dubiose Texte, schlechte Cover, kleine Drucke und teure Preise), bleibe ich mehr als skeptisch.“

Dem entgegnete Verleger Lefranq: „Bedenken Sie, dass Gilles Devindilis von Herrn Vernes persönlich als potenzieller Nachfolger benannt wurde.“

Alte Männer können störrisch sein und bleiben ungern allein zu Hause: 2015 ging Henri Vernes vor Gericht um seine Rechte wiederzuerlangen. Mit der Begründung, die der Kritik folgt, die der Autor bereits gegen die Bob Morane Inc. ausgesprochen hatte.
Auf den Vorwurf der geringen Präsenz im Buchhandel, hatte der zuständige Redakteur bereits darauf hingewiesen, dass man die Bände ja bei Amazon findet.

Vor dem französischsprachigen Handelsgericht von Brüssel stehen sich Autor und Verleger auch wegen der Nichteinhaltung der finanziellen Absprachen gegenüber. Am Ende der Vereinbarung musste der Verlag 100.000 € für die Rechte zahlen – mit einer ersten Zahlung von 25.000 € und dann monatlich 1.500 €.
Ein Blick auf die Bezahlung hatte ersten Ärger verursacht. Der Autor hatte bereits versucht, den Vertrag zu kündigen, da der Verlag ihm noch 43.000 € schulde.

Es scheint sich eine endliche Geschichte (durch das Lebensalter von Dewisme) zu entwickeln, die wohl zum unrühmlichen Ende einer franco-belgischen Pop-Ikone führen wird. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass in den neuen lesefeindlichen Generationen genügend Nachwuchs für ein wirtschaftlich interessantes Weiterführen von BM zu finden ist. Wer mit filmischen DC- oder Marvel-Idiotien sozialisiert wird, wird den intellektuellen Ansprüchen einer Jugendbuchserie aus den 1950er Jahren nicht folgen können.

BIBLIOGRAPHIE SEKUNDÄRLITERATUR:

Stéphane Caulwaerts et Yann : Henri Vernes : à propos de 50 ans d’aventures. Les Éditions À Propos. 2003.

Jacques Dieu : Bob Morane et Henri Vernes. Glénat, 1990.

Daniel Fano : Henri Vernes & Bob Morane, une double vie d’aventures. éditions Le Castor Astral. coll. Escale des lettres. 2007.

Bernard Marle : Bob Morane et Henri Vernes : un double phénomène. IDE. 1995.

Francis Valéry : Bob Morane. Éditions… Car rien n’a d’importance, 1994.

Rémy Gallart & Francis Saint-Martin : Bob Morane, profession aventurier. Editions Encrage. 2007
 
Henri VERNES : Mémoires. Editions Jourdan. Parution 14 janvier 2012. 496 pages.

FORTSETZUNG FOLGT!