Martin Compart


KLASSIKER DES POLIT-THRILLERS: OSS117 und MALKO – DIE FRANZÖSISCHEN SUPERAGENTEN by Martin Compart

Der erste Superagent der Nachkriegszeit war nicht Flemings James Bond, sondern der CIA-Agent OSS 117 aus der Feder des Franzosen Jean Bruce (Pseudonym für Jean Alexandre Brochet; 1921-1963), der mit der Unterstützung seiner Frau,die die Serie nach dem Tod ihres Mannes alleine fortsetzte, diesen Franzosen im Dienste der Amerikaner um den Erdball jagte.

Armand de Caro startet im Pariser Verlag „Presses de laCite“ die Reihe „Le Fleuve Noir“.
„Jean Bruces Serie um OSS 117 sicherte den Start der Reihe, die anfangs zum Scheitern verdammt schien…Aber der Begründer hatte verspürt, woher neuerdings der Wind wehte, und er setzte mit ungewöhnlichem Scharfblick auf den neuen Spionageroman…„(Boileau/Narcejac, DER DETEKTIVROMAN, Luchterhand; S.175)

Die Serie um den Geheimagenten OSS 117 begründete den „Superagenten der Nachkriegszeit“ und nahm Elemente von James Bond vorweg. Kein anderes Genre oder Subgenre propagiert das mechanische Menschenbild intensiver; weshalb es heute in unterschiedlichen Verkleidungen -etwa in Form des Commando-Thrillers oder Anti-Terror-Thrillers – eine Renaissance erfährt.

Dank der beiden Parodien (eine dritte ist in Vorbereitung) mit Jean Dujardin, dürfte auch bei uns Geheimagent OSS 117 wieder einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. In den 1960ern war die Figur des französischen Autors Jean Bruce durch die Verfilmungen im Rahmen der Bonditis in Deutschland einige Jahre recht präsent: Der Moewig Verlag veröffentlichte zwischen 1966 und 1969 in einer Reihe 26 gekürzte Romane als Taschenbücher; was der Qualität sicherlich nicht schadete.

OSS 117 ist zwar in den USA geboren, hat aber französische Vorfahren, die während der Revolution nach Louisiana flüchteten. Daher auch sein aufgeblasener Name Hubert Bonisseur de la Bath.
Nach den Erfahrungen als besetztes Land unter den Nazis, den vielen Kollaborateuren und dem Versagen der eigenen Streitkräfte wundert es nicht, daß Bruce keinen Agenten des französischen Geheimdienstes zum Helden gemacht hat. Scham über die eigene Vergangenheit und Bewunderung für die Weltmacht USA ließen seinen Helden Hubert Bonisseur de la Bath, alias OSS 117, den Kalten Krieg mit viel Freude auf Seiten der USA mitmachen.

Wie jeder Superagent des Kalten Krieges, trug OSS 117 nur die feinste Kleidung, trank und aß vom feinsten, fuhr die schnellsten Autos und verführte die attraktivsten Frauen.
Natürlich hat er auch einen Boss, der ihn mit seinen heiklen Missionen beauftragt: Mr.Smith. Und gelegentlich hat er auch einen treuen Gefährten, Enrique Sagarra.

Die oft von realen politischen Ereignissen inspirierten Plots waren solide, manchmal überraschend gut, reichten aber nie an die von Ian Fleming oder Peter O´Donnell heran. Dasselbe gilt für die literarische Qualität. Dafür arbeitete Jean Bruce aber mit hohem Tempo und hatte einen Ausstoß, der sich mit deutschen Heftromanautoren oder angelsächsischen Paperback Original-Schreibern vergleichen lässt.

OSS 117 trat nicht nur literarisch vor 007 auf, auch im Medium Film erschien er vor Bond: Sechs Jahre vor DR.NO gab es den ersten Film mit ihm: MÄNNER, FRAUEN UND GEFAHREN (OSS 117 n’est pas mort), in dem er von Ivan Desny verkörpert wurde.

Jean Bruce wurde als Jean Alexandre Brochet am 22.März 1921 in Ailler– Beauvoir, in der Loire-Region geboren. Seine Eltern hatten ein Restaurant. Nach seiner Schulzeit trieb er sich in den verschiedensten Jobs herum: Bürgermeistergehilfe, und Mitglied einer fahrenden Schauspielertruppe. .Mit 17 Jahren machte er den Pilotenschein und beim Ausbruch des Krieges arbeitete er in der Luftfahrtindustrie.
Von Kindheit an trieb er leidenschaftlich Sport. Skifahren, Reiten und Ralleysport begleiteten ihn bis zum frühen Tod.

Während des 2.Weltkrieges kämpfte er im Widerstand.

Bei der Befreiung Lyons lernte er den leitenden Analytiker des US-Geheimdienstes OSS, William L. Langer, kennen, der die OSS-Codenummer 117 hatte. Offenbar wurden sie gute Bekannte oder sogar Freunde.

Nach Kriegsende ging er an die Ecole Nationale de Police’, wo er für eine Spezialabteilung ausgebildet wurde. Aber er blieb nur ein paar Jahre bei der Polizei und arbeite als Juwelier und Sekretär eines Maharadschas

1947 verließ er seine erste Frau und die Mutter seines Sohnes Francois wegen seiner Geliebten Josette, die von ihm mit seiner Tochter Martine schwanger war.

1949 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der auch der erste OSS117-Thriller, Tu parles d’une ingénue , und sofort ein Erfolg war. Die Gelddruckmaschine OSS 117 lief an und ermöglichte dem Sportwagenfan Jean Bruce ein luxuriöses Leben. Dieselbe disziplinierte Routine seiner schriftstellerischen Arbeit übertrug er auch auf sein Privatleben.

Er verbrachte regelmäßig seine Winterr in L’Alpe d’Huez und die Sommer an der Côte d‘ Azur. Dort malte er auch. Ansonsten lebte er mit Josette und seiner Tochter in der Villa Saint-Hubert in Avenue General Leclerc in Chantilly .

Er schrieb auch erotische Geschichten für Magazine und neben OSS 117 fand er noch Zeit für andere Romane. Er veröffentlichte diese unter den Pseudonymen Jean Alexandre, Jean Alexandre Brochet, Joyce Lyndsay und Jean-Martin Rouan.

Am 26. März 1963 verließ er seine Pariser Wohnung um nach Chantilly zu fahren. Er stieg in seinen Jaguar 3.8l MK2 (registriert mit dem Nummernschild 117 HJ 60). Wie üblich raste der Hobbyrennfahrer auf Strassen, die noch kein Tempolimit hatten. Auf der Nationalstraße 16 bei Luzarches verlor er die Kontrolle und knallte gegen einen Baum. Er war sofort tot.

Er wurde 42 Jahre alt.

Bis 1963 hatte er 88 Romane über OSS 117 geschrieben, die in 17 Sprachen übersetzt waren und 24 Millionen Bücher verkauft.

Und der Tod seines geistigen Schöpfers war nicht das Ende des Geheimagenten.

Josette Bruce schrieb von 1966 bis 1985 insgesamt 143 OSS 117-Romane! Ihre Romane orientierten sich weniger an politischen Realitäten, wie zuvor bei denen ihres Mannes. Sie ließ sich vor allem durch ihre jeweilige Lektüre inspirieren.

Alles blieb zumindest formal in der Familie, als die Kinder Martine und Francois von 1987 bis 1992 noch 24 weitere Romane nachlegten.



In Frankreich war OSS 117 erfolgreicher als 007.

1956, als sich Fleming in der angelsächsischen Welt auf moderaten Niveau gerade etabliert hatte, kam bereits der erste OSS 117-Film in die Kinos. Elf weitere sollten folgen (mit insgesamt acht verschiedenen Hauptdarstellern). In den 1950er- und -60er Jahren gab es in ganz Frankreich keinen Bahnhofskiosk ohne exklusiven Drehständer mit OSS 117-Romanen. Das Franchising von OSS 117 erreichte nie die Dimension von James Bond, ist aber durchaus beeindruckend:

Von 1966 bis 1982 gab es eine 73bändice Comic-Adaption im Taschenbuchformat. Die durchschnittliche französische Startauflage betrug 50.000 Exemplare. Bis heute wurde die Serie in 17 Ländern veröffentlicht mit einer Gesamtauflage von 75 Millionen Exemplaren.
Es gab sogar zwei Theaterstücke um OSS 117, 1955 und 1961, geschrieben von Jean Bruce und inszeniert von Robert Manuel.

1960 wurde im Olympia eine Tanzshow, inszeniert von Georges Reich aufgeführt und der französische Rundfunk in Algerien strahlte eine Hörfunkserie aus.
Und OSS 117 gelang das seltene Kunststück, dass einige seiner Romane sogar in den USA und England veröffentlicht wurden.

Zu den prominentesten Fans gehörten Jean Cocteau und natürlich Gérard de Villiers.

Sein Einfluss auf den französischen Agenten-Thriller kann gar nicht überschätzt werden.

Durch seinen Erfolg angeregt, wurde der französische Markt mit Epigonen (etwa COPLAN von Paul Kenny) überschwemmt, die alle mehr oder weniger erfolgreich waren. Bis SAS MALKO von de Villiers 1965 erschien und es in jeder Hinsicht wilder und realer trieb (siehe weiter unten).

Es ist nicht belegbar, dass Jean Bruce Einfluss auf Ian Fleming hatte. Aber man sollte berücksichtigen, dass er fließend Französisch sprach und häufig Frankreich besuchte. Vielleicht war OSS 117 vor 1953 (dem Jahr, in dem mit CASINO ROYALE der erste 007 erschien) noch nicht das gigantische Phänomen wie nach 1955, aber seine ungeheure Präsenz auf dem französischen Buchmarkt wäre schwer zu übersehen gewesen.

Während Flemings Bond ein Angehöriger der oberen Mittelschicht ist, setzte Bruce auf einen Aristokraten als Verteidiger der westlichen, bürgerlichen Demokratien. Da OSS 117 nicht für den Geheimdienst seines eigenen Landes arbeitet, lassen sich seine Gewaltakte während der verschiedenen Missionen auch nicht mit nationalistischen oder patriotischen Gründen bemänteln (wie etwa bei Bond).

Gewalt ist einfach nur Teil eines Spiels. Damit die französischen Leser aber nicht zu sehr vor den Kopf geschlagen wurden, bezeichnete Jean Bruce seinen im Laufe der Jahre immer mehr zu einem klischeehaften Bondepigonen verkommenen Agenten als den „besten Agenten des amerikanischen Geheimdienstes“. Tja, die Amis haben vielleicht Frankreich von den Nazis befreit, aber ohne einen beherzten Franzosen kriegen sie eben doch nichts hin.

OSS 117 galt im Bewusstsein der Franzosen als gallischer Bond. Jean Bruce konnte der Figur jedoch nicht die Faszination mitgeben, die Flemings Agenten zum Welterfolg machten. Er bediente sich der Fleming ähnlichen Formel zwar manchmal mit einigem Geschick – exotische Schauplätze, skurrile Schurken und schöne Frauen -, aber das erzählerische Niveau des Briten erreichte er nie.

In den 50er und 60er Jahren drehten die Franzosen im Zuge der Agentenwelle im Kino auch einige Filme um OSS 117; am bekanntesten wurden wohl die drei Filme mit dem Amerikaner Frederick Stafford in der Titelrolle und bei einem führte sogar Bond-Regisseur Terrence Young Regie. Wie die Bücher, so wirkten auch die Filme wie die Abenteuer eines armen Vetters von 007. An Chauvinismus und Antikommunismus konnte es OSS 117 allerdings jeder Zeit mit oo7 aufnehmen; nur wurde dieser weniger originell vorgetragen.

Jean Bruces Held ebnete den Weg für einen noch erfolgreicheren und unangenehmeren französischen Romanagenten:
Gerard de Villiers Malko, ein österreichischer Adeliger im Dienste der CIA, der von 1965 bis 2013 in 200 Romanen auftrat. Wieder sind es keine patriotischen Gründe, die den Helden für den Kampf motivieren. In diesem Falle sind es sogar ästhetische: Malko übernimmt nur Aufträge für sehr viel Geld, mit dem er dann einen weiteren Raum seines Familienschlosses restaurieren lässt.

Der Autor war ein bekannter konservativer Journalist, der die ganze Welt bereist hatte und bemerkenswerte Einblicke in politische Prozesse genoss.

Und damit kommt tatsächlich eine gewisse Qualität in diese sadistischen und sexuell freizügigen (dagegen wirken die britischen Autoren der 50er und 60er Jahre prüde und puritanisch – was sie wohl auch waren) Romane: de Villiers gelingt es hervorragend die politisch-historische Situation und die regionalen Eigenheiten seiner Schauplätze einzufangen. Dabei beschränkt er sich nicht auf touristischen Firlefanz; ihm gelingt meist ein überzeugendes Bild, das auch die Schattenseiten und die Welt der verarmten Einheimischen nicht auslässt, seiner in jedem Roman wechselnder Handlungsorte.

Seine 200 Malko-Romane erreichen eine geschätzte Gesamtauflage von 150 Millionen Exemplaren!

Historisch gesehen lesen sich die MALKO-Romane wie eine weltpolitische chronique scandaleuse seit den 196oer Jahren. Dazu an anderer Stelle mehr.

Die Figur Malko selbst ist ein Pragmatiker, der jeweils um seinen Auftrag oder Vorteils wegen mal mit Rechten und mal mit Linken paktiert.
Einige der Romane, wie HEROIN AUS LAOS (Cora Verlag, 1981), setzen sich auch kritisch mit der CIA auseinander. Selbst ein Konservativer ist seit den 1970er Jahren – wenn er nicht so blöde wie Trump und seine Dalton-Gang ist – wohl nicht mehr dazu in der Lage, eine positive, verherrlichende Darstellung des CIA abzuliefern.

Der extrem gut vernetzte Journalist de Villiers versuchte mit seinen Spionageromanen so eine Art „konservative Aufklärung“ zu betreiben.

Bemerkenswert ist, dass diese beiden populärsten Geheimagenten des französischen Spionageromans Angehörige des Adels sind (dazu ist einer noch Österreicher) und in amerikanischen Diensten stehen.
Als wollte das französische Bürgertum beide gegnerischen Klassen, Feudale Klasse (als Vertreter der westlichen Welt) und Proletariat (Realsozialismus), aufeinanderschlagen lassen, während es sich genüsslich zurücklehnt und die Triumphe des Stellvertreters einer längst überwundenen Epoche beklatscht.

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DER SPION, DER AUS DER WÄRME WOLLTE 3/ by Martin Compart

Am 3.April 1969 verließ Adam Diment London zusammen mit der schönen Kubanerin Camille, die er auf einer Party kennengelernt und THE BANG BANG GIRLS gewidmet hatte.

In den nächsten zwei Jahren lebte er mit ihr in einer Villa in Rom, trieb sich aber auch in Asien, auf Ibiza und in anderen Ländern herum. Geld spielte keine Rolle: Die McAlpine-Quelle sprudelte auch durch Lizenzen und Übersetzungen. Insgesamt soll Diment mit seinen McAlpine-Romanen etwa 100.000 Pfund verdient haben. Aber das sind nur Spekulationen, die auf Schätzungen basierten.

Jedenfalls genoss Diment das Leben in vollen Zügen und dazu gehörten natürlich Drogen. Und ganz dem Zeitgeist entsprechend, zog es ihn in indische Ashrams.

Er hatte sich wohl auch ein paar Feinde und viele Neider gemacht: Zwei anonyme Briefe an die Bank of England beschuldigten ihn der Geldwäsche und des Drogenhandels. Diment wurde nicht belangt, da es bis auf die anonymen Briefe keine Verdachtsmomente gab.

Diment kehrte schließlich in seine Londoner Wohnung in der Tregunter Road 28 in Fulham zurück. Im Gepäck das Manuskript des vierten McAlpine-Romans, das er in Rom verfasst hatte.

1971 erschien THINK INC, Diments letzter McAlpine.

Think Inc. came out in 1971, although seems to be set three years earlier, and is a bleaker novel with bloodier violence than the earlier McAlpine adventures. The hero is kicked out of British intelligence after a defecting spy gets killed, and has to go on the run. In Italy he’s blackmailed into joining a criminal gang and helps them with everything from kidnapping an film starlet to hijacking a Boeing 707. The tone is gloomy.

What’s London like now?’ someone asks.
‘Coming down off its high. The scene is shifting but nobody is sure where to.’

Characters are  better drawn than Diment’s previous caricatures, with a young prostitute effectively and sympathetically sketched in. The book has a grim ending, with McAlpine barely escaping an ambush that wipes out the rest of the gang and probably kills the woman he’s come to love. Add in McAlpine’s moments of introspection in which he realises how sick he is with the violence and casual sex, and it doesn’t seem too surprising this was the last book Diment wrote.“ (Othen)

John Michael O´Sullivan: „The novel starts in the aftermath of an international operation gone badly awry. After a tense showdown with Quine, McAlpine is cut loose and, avoiding an assassination attempt, he bids a dry-eyed farewell to Swinging London and goes on the run. Wandering through Europe, he joins an international crime gang and falls unsentimentally in love, or something like it. It’s a story without hope, each chapter hammering another nail in the coffin of Diment’s “switched-on spy”. It ends on a bleak, tantalising cliffhanger, with McAlpine alone, under attack, out of lives and luck.“ (https://www.esquire.com/uk/culture/news/a9161/the-case-of-the-missing-spy-novelist/ )

„There was a certain bitterness and a certain melancholy in the three previous books despite their garish clothing and wild situations. By Think, Inc., that dark streak has become more prominent. It’s more cynical. It’s more violent.“

Es gab diesmal keinen Presse-Hype und der Erfolg des Buches hielt sich in Grenzen. Das war vielleicht mit ein Grund dafür, das weder Diment noch sein Verlag darauf bestanden, den Sechs-Romane-Vertrag zu erfüllen. Diment hatte genug von seinen Thrillern. Was wirklich bedauerlich ist, denn mit THINK INC verdeutlichte er, wie sensibel er für Zeitstimmungen war und wie faszinierend er diese in Literatur umsetzen konnte.

Neben all diesen Verdiensten ist „Adam Diment“ in erster Linie ein Meisterwerk der Medienkomplizenschaft.

Die Swinging Sixties waren vorbei. Die Zeiten wurden rauer, wie Filme wie GET CARTER und VILLAIN verdeutlichten.

Der Aston Martin wurde verkauft und Diment ging in die Schweiz. Er fuhr einen alten Fiat und arbeitete einige Zeit als Lektor für einen Verlag, der psychologische Bücher heraus gab.

Das Geld aus den McAlpines finanzierte weitere Reisen und Drogen. Angeblich schrieb er auch Bücher, die kein Verlag veröffentlichen wollte. Das erscheint mir recht unwahrscheinlich. Auch wenn ein Verlag Diments neue Bücher nicht gemocht hätte, würde man doch zumindest einen Versuch mit ihnen gemacht haben. Schließlich hätten sie auf die weltweite Reputation hoffen können.
Wahrscheinlicher ist wohl die Annahme, dass Diment immer tiefer vom Drogensumpf aufgesaugt wurde. Vielleicht ist er – wie so viele – in den 1970ern von Cannabis auf härteres umgestiegen…

Irgendwann musste er das Geld durchgebracht haben, Ein Zeitzeuge behauptete, Ende der 70er hätte Diment als Minicab-Fahrer in London gearbeitet.
American backpacker Clay Caughman met Diment in a remote Nepalese hotel, where they co-existed for a time. “We were just really, really quick friends. Adam’s room was next door to mine, and he had a little portable Remington Underwood. He typed every morning, and then this ganja guy would come by and sell us weed every afternoon. We talked a lot, mainly about writing. And he was still living off the proceeds of The Great Spy Race, I remember that!” But when Suzie Mandrake saw him in London at the end of the Seventies, those funds appeared to have dried up. “We’d already lost touch. I was studying painting by then; he pulled up beside me at a bus stop as I was going from one class to another, and said he was working as a minicab driver.” (Othen)

1975, als Diment in Zürich lebte, veröffentlichte der OBSERVER den Artikel „Whatever happened to Adam Diment?“, der kurz für neues Interesse sorgte. Aber Diment scheute die Öffentlichkeit, gab keine Interviews und ließ nicht zu, dass die McAlpine-Thriller neu aufgelegt werden.

Irgendwann in den 1980ern ließ er sich als Landwirt in Kent nieder, heiratete und bekam zwei Söhne.

Er legt nach wie vor keinen Wert auf Öffentlichkeit und es hat lange gedauert, ihn dazu zu bewegen, dass seine Roman neu aufgelegt werden. Zu seinen Bedingungen gehört, dass er weder für Marketing-Strategien, noch für Interviews zur Verfügung steht.

2009 sorgte ein Artikel in dem wunderbaren Blog ANOTHER NICKEL IN THE MACHINE für neues Interesse Diment: http://www.nickelinthemachine.com/2009/08/the-disappearance-of-the-author-adam-diment/ .

Zeitgenössische Thriller-Autoren wie Tom Cain, Peter James, Jeremy Duns oder Adrian Magson „outeten“ sich als Diment-Bewunderer.

Duns: „Despite the marketing on the sex, drugs and rock’n’roll, the books are rather down to earth. I think they’re very under-rated. The marketing at the time sold them as a cool alternative to boring, middle-aged James Bond, and Diment was presented almost as a stand-in for his character. I think that meant people took them less seriously and they were largely forgotten as a result, consigned to a drawer marked ‘novelty act’… His writing is as compelling when describing the mundane – the grey murk of midwinter London, the monotony of office life – as it is when McAlpine decamps to a tropical island or a Swedish orgy. I think the ‚Austin Powers‘ stuff now distracts from just how good a lot of his writing was: he had taut plots and some great sardonic prose.

Tom Cain: „His stories are thoroughly Bond-esque… Agent 007 would have been clueless in the world of the Beatles and the Stones, miniskirts, Flower Power and demonstrations against the Vietnam War. Adam Diment, however, was utterly in his element and his four books are to Bond what Sgt. Pepper was to The Sound of Music: a signal of something clearly rooted in the past that is, at the same time, utterly new.



WILLIAM BOYD IST IAN FLEMING IN „SOLO“ by Martin Compart

Bond ist der Alptraum aller Grünen:
Er ist macho, ein begeisterter und rücksichtsloser Nutzer von Verbrennungsmotoren, raucht wie ein Schlot, ermordet Arschlöcher, säuft wie ein Loch, lässt sich nicht von Phrasendreschern beeindrucken, isst was und wann er will und vögelt die schönsten Frauen (ohne auch nur an Vaterschaftsurlaub zu denken oder mit der Frau einen Selbstfindungskurs zu machen). Wäre er nicht so autoritätshörig und ein Helot (ursprünglicher) konservativ-nationaler Interessen, wäre er ein richtig guter Typ. Für James Bond, Geheimagent Ihrer Majestät 007, ist die ganze Welt eine Plattform der Strategiespiele, die sein Chef M für ihn aussucht.

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Rechtzeitig zum 60.Jubiläum des ersten 007-Romans, CASINO ROYALE, erscheint ein weiteres Bond-Abenteuer, das die Fans mit den bisherigen Sequels versöhnen könnte. Geschrieben wurde der neue Bond, Titel, SOLO, von dem etablierten und anerkannten Schriftsteller William Boyd, den die Kritik auch gerne in Zusammenhang mit Graham Greene bringt. Auf die Frage, warum Boyd Schriftsteller geworden sei, hat er eine vernünftige Antwort:

„I suspect that I saw a film which had a writer in it…. And as he got up from his typewriter, mixed himself a drink and stepped onto a balcony and looked out at Malibu beach or something, I thought: That is the life for me!“

Boyds Verbindung mit Fleming und Bond ist weit reichend: Sein Vater machte ihn in den 1960ern mit Flemings Büchern bekannt und er las sie seit seinem elften Lebensjahr alle und wurde zum lebenslangen Fan (sein Lieblings-Roman ist FROM RUSSIA WITH LOVE). Er schrieb mehrere Essays über Fleming und machte ihn zur Schlüsselfigur in seinem Spionageroman ANY HUMAN HEART (2002). Für drei Bond-Darsteller schrieb er Drehbücher, bzw. adaptiert er seine Romane: Sean Connery in A GOOD MAN IN AFRICA, Pierce Brosnan in MR.JOHNSON und Daniel Craig in THE TRENCH (bei dem Boyd auch Regie führte). Unabhängig von seiner Freundschaft zu Craig nennt er Daniel Day-Lewis als den heute bestmöglichen Bond-Darsteller. Worüber sich streiten lässt, da Day-Lewis inzwischen zu alt sein dürfte.

Jedenfalls erfüllte sich für den Fleming-Fan ein Lebenstraum. Das merkte man ihm bei der Präsentation an und bei der weitergehenden PR-Arbeit für SOLO (u.a. schrieb er ein fiktives Interview für den „Guardian“, in dem er bei einer Zeitreise als Journalist James Bond besucht und befragt). Trotzdem gibt es erstes Gejammer: So verkaufte Boyd in der ersten Woche „nur“ etwa 10.000 Exemplare, während Sebastian Faulks von seinem Bond-Roman DEVIL MAY CARE 2008, also im Jahr des100.Geburtstages von Fleming und mit dem dementsprechenden Rummel im Rücken, in der ersten Woche 44.000 Bücher verkauft hatte.

Insgesamt hält Boyd aber von den Filmen längst nicht soviel wie von Flemings Romanen. Tatsächlich ist der Film-Bond im Vergleich zum literarischen Bond in einem puerilen Paralleluniversum daheim.

you-only-live-twice-james-bond-ian-flemming-book-cover[1]Ausgehend von Bonds Nachruf in der Times, den Fleming in YOU ONLY LIVE TWICE veröffentlicht hatte, entschied Boyd, seinen Roman 1969 anzusiedeln, beginnend mir Bonds einsamen 45.Geburtstag. Konsequent legt ihn Boyd an den späten Bond an, der sich nach dem Tod von Tracy nicht mehr richtig erholt hat. Nach seiner Rache an Blofeld, die ihn durch YOU ONLY LIVE TWICE trug, und der Gehirnwäsche durch die Russen, hatte sich 007 bereits bei Fleming verändert.
Bei Boyd ist Bond nachdenklicher und empathischer geworden, scheint seine Schicksalsschläge bewältigt zu haben. Aber er ist immer noch die alte Kampfmaschine und der überzeugte Genießer körperlicher Freuden. Bond war nie, wie Kingsley Amis schon festgestellt hatte, der Womanizer zu dem ihn die Filme gemacht haben. Er hatte sich fast immer über den Sex hinaus für seine Partnerinnen interessiert und immer wieder versucht, eine funktionstüchtige Beziehung aufzubauen. Was bekanntlich für Geheimagenten noch schwieriger ist als für Monteure im internationalen Außendienst. Kritiker hatten Fleming noch zu dessen Lebenszeit vorgeworfen, der Bond aus ON HER MAJESTY´S SECRET SERVICE sei nicht mehr der Bond aus CASINO ROYALE ODER MOONRAKER. Treffend bemerkt. Der Vorwurf fällt letztlich auf diese Kritiker zurück, die der Entwicklung einer Thriller-Figur nicht folgen wollen oder können. Es sind dieselben Idioten, die zwischen U- und E-Kultur unterscheiden.

„I think there’s good writing and bad writing. I think you can very easily distinguish between good writing and bad writing with a simple test: Just look at the number of stereotypes employed. Stereotypes of plots, stereotypes of characters, stereotypes of language; the more stereotypes there are, the worse the book. That’s my touchstone for evaluation. So, if you write well – and it doesn’t mean you have to write in a stylish way, but if you write well, and your characters are real, and your plots are ingenious, then I don’t see the distinction between literary fiction and genre fiction. Raymond Chandler is a superb writer of novels, John le Care is a very important contemporary novelist, but he happens to write spy novels and Chandler wrote detective novels. I think that if the writing is good then the genre is irrelevant. Many, many so called „literary“ novelists have written a spy novel, me included – I’ve written two – Ian McEwan has written two, John Banville has written a spy novel. Joseph Conrad wrote two, Graham Greene wrote several. There’s absolutely no reason why, if you think of yourself as a literary novelist, you shouldn’t venture into a genre – just write as well as you can.”

Nur ungebildete, bürgerliche Feuielletonisten schreien heute noch begeistert in die Welt hinaus, dass sie nach Jahrzehnten des ungelenken Bemühens, die für sie schwierige Schullektüre endlich verstehen (wie unlängst etwa Georg Büchner, der vom medialen Messdiener Mattussek im SPIEGEL vermeintlich verstanden wurde – was keinesfalls gegen Büchner spricht).

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Für Boyd, der 1969 erstmals nach England kam und in Ghana und Nigeria aufwuchs, war es ein besonders intensives Jahr:

„…the thing about 1969 that I remember, and I was seventeen in 1969, was that it was the first time I came to London. I grew up in Africa and ’69 was my summer in London. I remember watching the moon shot in a horrible flat in Pimlico, I remember the music, and I remember the fashions. So, it was great for me to go back to my seventeen-year-old self and imagine the world I was going to put Bond in. There was a lot going on in ’69. It was a very interesting period, and of course London was also at the height of it’s „Swinging London“ coolness. We think of the 60s and London, but actually „Swinging London“ didn’t really begin until ’65, ’66. So, to think of Bond in London in ’69 is very intriguing. I can remember it vividly… going back to 1969 is blissful. There’s not even security checks at the airport. You can smoke everywhere! So, it was fun to time travel.”

Eine Zeit des Umbruchs. In der „ein intelligenter Mann wie Bond die gesellschaftlichen Veränderungen wahrnimmt“. Es war auch die Zeit der Gräuel des Biafra-Krieges, die Boyd sicherlich besonders intensiv wahrgenommen hat. Perverser Weise waren sowohl Briten wie Sowjets auf Seiten Nigerias um ihre Öl-Interessen zu sichern. Ein anderer großer Thriller-Autor, Frederick Forsyth, war zur selben Zeit als junger Kriegskorrespondent in Biafra und verlor seinen Job, weil er Partei für die Sezessionisten ergriffen hatte (Freddies erstes Buch war ein Sachbuch über den Biafra-Krieg).2358903[1]

Boyd greift in SOLO auf diesen Ölkrieg zurück, dem wir den schönen Begriff „Biafra-Kind“ verdanken (Boyd führt dieses Bild im Roman auf und deprimiert nicht nur den Leser, sondern auch 007); ein Synonym für verhungernde Kinder, die bereits verreckt sind, wenn ihre Fototos in den Verursacherländern für heuchlerische Betroffenheit sorgen. Boyd verschlüsselt Nigeria und Biafra mit fiktiven Ländernamen (Zamzarin und Dahum), folgt aber weitgehend den damaligen Realitäten. Bond kommt genau in den Moment ins fiktive Biafra, als ich die Fronten 1969 festgefressen hatten. „Ich muss meine Romane zeitlich und örtlich genau verankern. Egal, ob sie im Wien von 1914 oder auf den Philippinen 1902 spielen.“ Das bringt einen interessanten, neuen Aspekt in die Bond-Saga: Bisher hatte man 007 nur in reinen Kommando-Unternehmen gesehen, Boyd zeigt ihn in heißen Kriegshandlungen. Sowohl in Afrika, wie auch in Erinnerungen im 2.Weltkrieg.

Wenn Bond zum Autohändler geht um den damals, ich erinnere mich noch gut an dieses Geschoss, hoch geschätzten Jensen Interceptor zu begutachten, vermittelt Boyd dieselbe naive Freude an außergewöhnlicher Konsumtechnologie, die auch Fleming so faszinierend vermitteln konnte: Die kindliche Unschuld einer vergangenen, unbewussten Zeit, das kindliche bestaunen der Geschenke unterm Weihnachtsbaum.

Manchmal glaubt man den Meister selbst aus dem Grab zu hören, so genau trifft Boyd den amüsanten und arroganten Stil Flemings: „Bond hatte sich von den anderen abgesondert und ließ das drohende Chaos eines kleinen Landes auf sich wirken, das nach einer flüchtigen Phase der Selbstbehauptung dem Untergang geweiht war.“

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Boyd war nicht daran interessiert, Bond zu modernisieren oder akzeptabler für ein politisch korrektes Publikum zu machen. „Er ist ein Mann seiner Epoche. Er raucht und trinkt und macht alles, was der klassische Bond gemacht hat.“ Vom Film-Bond ist er so weit entfernt wie die TAGESSCHAU von politischer Analyse. Allerdings verzichtet Boyd auch auf den antiquierten Chauvinismus und gelegentlichen Rassismus, den man bei Fleming findet und der ihn so leicht angreifbar machte (dabei sollte man berücksichtigen, dass Fleming ein Kind seiner Zeit und seiner sozialen Schicht war).
Kommen wir zum Fazit:
Hat mich der neue Bond so gepackt wie ein Roman von Ian Fleming?

Nein.

Aber was man mit 13 Jahren liest, hat nun mal eine andere Durchschlagskraft, wie etwas, das man mindestens tausende Thriller später gelesen hat. Boyds Bond-Roman ist der Beste seit Kingsley Amis´ COLONEL SUN. Ihn unterscheiden Welten von dem Quatsch eines John Gardner oder Jeffrey Deaver. Boyd hat mir für ein paar Stunden etwas von meiner Kindheit zurück gegeben – was kein Bond-film schafft.

Endlich wurde für den deutschen Markt auch wieder mal ein Thriller übersetzt, der nicht zum Gähnen langweilig ist (worauf sich ja viele Verlage spezialisieren) und sogar das fast verdorrte Pflänzchen „männlicher Leser“ mit einem fiktionalen Text erreichen könnte.

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William Boyd: SOLO. Berlin Verlag, 2013; 365 Seiten; 19,99 Euro.
Blendend übersetzt von Patricia Klobusiczky.

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Die vier Vorsitzenden der „Anti-Hedonismus-Liga“ diskutieren nicht den Roman von Boyd und kommen zu einem vernichtenden Urteil über Ian Fleming.
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Von links nach rechts: Hugo Drax, Rosa Klebb, Buonapart Ignace Gallia und Irma Bunt.



BOND IS BACK! by Martin Compart
27. September 2013, 9:22 am
Filed under: Ian Fleming, James Bond, Spythriller | Schlagwörter: , , , ,

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Deutscher Erstverkaufstag 1.10!

Nun ist er endlich da, der neue James Bond-Roman von William Boyd, der hoffentlich (aber da bin ich mir sicher) die Katastrophe von Jeffrey Deaver vergessen macht. Ich bin fast sicher, dass Boyd den besten Bond seit Kingsley Amis vorlegt. Naja, da gehört nicht viel zu, könnte man einwenden. Ganz ordentlich war noch der Bond-Roman von Sebastian Faulks. Aber letztlich fühlte auch der sich nicht „richtig“ an. Faulks verachtete Thriller letztlich, während Boyd keinen Unterschied zwischen Thriller und sogen. Literatur macht.
Vergleicht man die Herangehensweise von Faulks und Boyd, wird einem schnell klar, wieso Boyd der richtige Autor sein muss.

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FAULKS:
Für mich war es mehr eine Schreibübung. Ich habe die Bücher analysiert, versucht zu verstehen, wie sie gemacht sind – und dann habe ich selbst eins gemacht.

Literarisch kann man nicht besonders viel von Fleming lernen. Vielleicht, wie man Spaß hat am Schreiben.
Fleming hatte gesagt: Ich kann das in sechs Wochen raushauen. Also habe ich gesagt: Okay, ich kann das auch in sechs Wochen raushauen. Und das habe ich ja auch geschafft.

Er ist eine alberne Figur, das dürfen wir nicht vergessen. Ich sage Ihnen, was ich an Bond mag: Er ist einfallsreich. Na gut, es gibt etwas, das wir von ihm lernen können: In jedermanns Leben tauchen unerwartete und schwierige Situationen auf. Das Geheimnis guter Lebensführung besteht darin, dass man an diesen Situationen wächst und etwas in sich selbst findet, von dem man zuvor nichts ahnte. Das mag ich an Bond.

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BOYD:
I also knew a lot about Ian Fleming, who is a man who has always fascinated me.

Boyd said he had been a fan of the books more than the films since reading From Russia With Love as „an illicit thrill“ after lights out at his boarding School

I re-read every Bond novel and Bond short story in chronological order before I started writing my own, and Fleming gives you a massive amount of information about Bond.

The thing is with the literary Bond, as opposed to the cinematic Bond, is that he’s a very complex character. I mean he is a cool, capable guy and he’s a very successful operative, but what makes him fascinating for readers is the darker side. He’s troubled, he makes mistakes, and I think that three-dimensional portrait of him you get in the novels explains why he’s not just some cardboard caricature spy, he’s a real living, breathing, interesting individual.“

Fleming’s genius, in a way. It wasn’t the fact that he managed to think of a dozen or so fascinating stories, it was that he created a character – like Sherlock Holmes, or Alice in Wonderland.

Having said that I was interested in the man, I wanted to make the novel very real… I couldn’t have written a fantastical, or silly, or gimmicky Bond novel. I had to write a really gritty, down-to-earth, realistic one.
I’m not too keen on the expression ‚Bond girl‘ because I think Bond has relationships with women.

ÜBER DEN NEUEN BOND-ROMAN DEMNÄCHST MEHR. Erst mal habe ich das Vergnügen, Telefon und Internet abzuschalten, um mir die volle Dröhnung zu geben!



HÖRBUCH: LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU by Martin Compart
3. Juli 2013, 3:19 pm
Filed under: Hörbücher, Ian Fleming, James Bond, Rezensionen | Schlagwörter: , , , ,

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Ian Fleming und Deutschland – ein übles Kapitel.

Für die Bond-Filme ist Deutschland der zweitwichtigste Markt.61908b58-c65c-45f4-a728-478f4ffe6c35[1]

Der Umgang mit den Romanen, ein Elend. Wenig inspiriert und gekürzt wurden die Erstausgaben durch den Scherz-Verlag veröffentlicht. Der Heyne Verlag versuchte in den 1990ern eine ungekürzte Ausgabe (obwohl er die neuen Bondromane von Raymond Benson nicht fortführte). Und jetzt versucht sich ein Comic—Verlag an den Originalen Flemings. Das hat auch etwas abstruses: von einem Comic Verlag hätte ich eher erwartet, dass er eine längst überfällige Gesamtausgabe der tollen Bond-Comic Strips angeht.

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Nun gibt es jedenfalls auch eine Audio-Book-Ausgabe von Flemings 007-Romanen bei Lübbe Audio. Alle in „bearbeiteter Fassung“ auf 4 CDs gekürzt und im Schnitt mit 290 Minuten. Vorgetragen werden die gekürzten Bücher tadellos von Oliver Siebeck.
2006 gab es bereits Hörbuchausgaben von vier Bond-Romanen bei Random House. Die waren geradezu katastrophal gekürzt (jeder Roman auf eine Lesung von Hannes Jaenicke auf unter zwei Stunden).

6a00e3981f1e398833014e8b34c60b970d-320wi[1]Man fragt sich, warum Lübbe Audio auf die ungekürzten deutschen Fassungen zugreift, wenn dann doch gerafft wird. Der für die Kürzungen verantwortliche Lektor streicht häufig weg, was den spezifischen Reiz und den Zeitgeist von Fleming ausmacht. So hat man wichtige Dialoge kleiner gemacht und natürlich die „politisch unkorrekten“ Passagen gestrichen. Etwa, wenn Bond am Anfang von LIEBESGRÜSSE über Homosexuelle und Intellektuelle herzieht (bis hin zu „Nicht alle Intellektuelle sind homosexuell.“). Dazu passt die kleine Anekdote über die einzige Kritik an LIEBESGRÜSSE. Der meinte damals, „Ian´s Russians appeared dull and two-dimensional“. Was nicht stimmt. Fleming erwiederte: “This is because Russians are dull people.”
Wenn man Dialoge auf die reine Handlungsinformation runterkürzt, nimmt man ihnen die Möglichkeit, die Personen, Situation oder Atmosphäre zu charakterisieren oder zu reflektieren. Gerade darin besteht aber auch ein Teil von Flemings Kunst. Dieses wegzulassen, reduziert ihn.
Zum Glück ist LIEBESGRÜSSE nicht so unglaublich dämlich zusammengefasst wie Dan Browns INFERNO. Aber Verständnisprobleme sind auch hier: Etwa der aus dem Kontext nicht mehr verständliche „Vorfall“ im Zigeunercamp. Dabei gibt es gerade bei den frühen Flemings einiges an peinlichen Romantizismen zu streichen, die keinerlei Auswirkungen auf Ideologie, Stil, Atmosphäre oder Handlung haben.

Mehr als ärgerlich, geradezu unverschämt und urheberrechtlich bedenklich, ist die Nichtnennung der literarischen Quelle (Cross Kult) und der Übersetzer. Diese übernehmen weitgehend und wörtlich bei LIEBESGRÜSSE Formulierungen der alten, gekürzten Scherz-Übersetzung von Mechthild Sandberg – die nicht schlecht ist. Bei einer „ergänzenden Übersetzung“ muss man sie aber auch angeben. Es ist geradezu sittenwidrig wie manche Audio-Verlage diese gesetzlichen Vorgaben negieren, bzw. den Grauraum neuer Medien ausnutzen. Denn diese Nichtnennung hat für die Übersetzer klare Nachteile (wenn sie diese nicht selber etwa der VG WORT mitteilen). Die Lübbe-Audio-Ausgaben der Bondromane übernehmen die Cover von Cross Kult, was aber ebenfalls nicht aus dem Impressum hervorgeht.

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Ich habe mir mal den 5.Bond, LIEBESGRÜSSE AUS MOSKAU, angehört, zu Lebzeiten von Fleming sein erfolgreichster Roman. Vielen Fans gilt er als bester Bond-Roman, vielleicht, weil er weniger phantastische Momente enthält. Fleming ist hier ganz klar auf dem Höhepunkt seiner bemerkenswerten literarischen Kunst (und bleibt es auch bis MANN MIT DEM GOLDENEN COLT; wobei ich persönlich auch die ersten vier Bonds außerordentlich schätze). Aber jeder seiner Bond-Romane ist, trotz aller von Kingsley Amis heraus gearbeiteten Formellastigkeit, anders und originell. Absolut souverän beherrscht er sein Material und setzt es stilistisch beeindruckender um als 90% seiner Epigonen. Besonders für die Atmosphäre seiner Handlungsorte – hier besonders eindrucksvoll die geschilderte Zugfahrt mit dem Orientexpress – besaß Fleming eine Sensibilität wie die besten Schriftsteller. Nicht von Ungefähr gehörte der überaus kritische Raymond Chandler zu seinen größten Fans. Das Ende des Romans spiegelt übrigens Sherlock Holmes und die Reichenbachfälle wieder und löste damals bei den Bond-Fans ähnliche Besorgnis aus wie zuvor bei den Fans von Sherlock Holmes.

Der Bond-Fan kann mit diesen Audio-Ausgaben leben, aber glücklich machen sie nicht. Um die Originale (und verschiedenste englische Hörspiel- oder Hörbuchfassungen) kommt man eb en nicht herum.

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Leider hat es Cross Cult versäumt, auf die Penguin-Ausgaben mit den stärkeren Covers und den interessanten Vor-und Nachworten zuzugreifen (u.a.von Charlieg Higson, Michael Dibdin, Jeffrey Deaver).

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AUFGEPASST, TIERSCHÜTZER! by Martin Compart
10. Mai 2013, 9:06 am
Filed under: ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, Parasiten, Tierschutz | Schlagwörter: ,

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Die Sodomisten und Tierquäler fahren gerade wieder eine Offensive um engagierte Tierschützer mundtot zu machen. Ihr Trick: Sie bedienen sich Maulwürfe, um an Interna zu gelangen, die nicht veröffentlicht werden sollten, zum Beispiel schwarze Listen (auf denen diese Dreckstypen identifiziert und benannt werden). Der Maulwurf sorgt dafür, dass diese Listen im Netz veröffentlicht werden. Dann kann der Sodomist nämlich klagen (Datenschutz, Verleumdung usw.). Ein Tierschützer sieht sich bereits von einer Klagewelle überrollt (ca.50 Sodomisten und Tierquäler haben sich offenbar vereint um ihn fertig zu machen, was leicht den Tatbestand einer – lacht nicht – „Verschwörung“ erfüllt und als solches gerichtet werden kann. Knotenpunkt scheint eine Staatsanwaltschaft in Ostdeutschland zu sein. Falls einer von Euch betroffen ist/wird: Sofort Gegenklage erheben. Wir arbeiten an der Möglichkeit eines Unterstützerfonds. LASST EUCH VON DIESEN LUMPEN NICHT BEEINDRUCKEN!
Am Ende kriegen wir sie alle.

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NEWS: 007, JUBILÄUM und SKYFALL by Martin Compart
26. Oktober 2012, 7:14 am
Filed under: Ian Fleming, James Bond | Schlagwörter: , ,

Neues und älteres zu JAMES BOND von mir findet man natürlich in diesem Blog und auf:

http://jungle-world.com/artikel/2012/43/46478.html

www.evolver.at/stories/James_Bond_online_2012/