Martin Compart


DIE BLUTHUNDE DER APARTHEID SIND ZURÜCK by Martin Compart
28. April 2015, 5:30 pm
Filed under: Eeben Barlow, Politik & Geschichte, Söldner | Schlagwörter: , , , , , ,

„I believe that only Africans (Black and White) can truly solve Africa’s problems.
It is ironic that when the West uses companies such as ours, they are PMCs. When African governments use an African company with a record of success in ending conflicts and wars, we are labelled ‘mercenaries‘. African governments have come to realise that there is a reason why a defunct company is still being targeted and STTEP blacklisted: Peace in Africa is bad for business and foreign policies.The ending of Boko Haram will be political and economical in nature, as you cannot kill an aspiration. Like elsewhere on the continent, the majority of the security problems will continue to be driven by socio-political factors and motivated at times by extremism.“

Eeben Barlow

„STTEP was contracted by the government of Nigeria! How this differs so much from the myriad of American private military companies who contract in Iraq and Afghanistan is hard to fathom.“

Jack Murphy

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Glaubt tatsächlich jemand, die militärischen Erfolge gegen Boko Haram in den beiden letzten Monaten seien Resultate der Nigerianischen Armee und seiner Verbündeten Tschad, Niger und AFRICOM?

Ist wohl das falsche Bild.

Ist wohl das falsche Bild.

Vielleicht wurde die Kampfmoral von Boko Haram ja auch durch Michelle Obamas gnadenlosen Einsatz für die entführten Mädchen gebrochen: In selbstloser Opferbereitschaft hatte die First Lady ja eine eigene special operation durchgeführt: Sie hatte getwittert: „Bring back our girls“. Das ist zwar schon ein Jahr her, aber der Schock bei Boko Haram könnte sich natürlich erst jetzt auswirken (und zur Auflösung der vermeintlichen Gotteskrieger führen).

Gut inszenierte Auftritte der Armee des Tschad, wie etwa für eine Reportage auf ARTE, zeigen eher einen lächerlichen Haufen wild gestikulierender DsdS-Bewerber als harte Kämpfer nach zermürbender Schlacht. Die plötzlichen Erfolge haben einen ganz anderen Grund: Seit Januar sind südafrikanische Söldner als „Ausbilder“ und Co-Ordinatoren im Spiel. Ein Anlass für mich, sich mal intensiv mit Nigeria und dem afrikanischen Kriegsschauplatz zu beschäftigen. Das wird hier in Kürze seriell passieren.

Besonders auch deshalb, weil mein hoch geschätzter Eeben Barlow wieder dabei ist.
siehe: https://martincompart.wordpress.com/2009/10/08/gute-soldner-jenseits-von-blackwater/
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Der Chairman von STTEP wird mit seinen (in Angola und Sierra Leone entwickelten und seitdem verfeinerten) Strategien und Taktiken mal politisch unkorrekt gewürdigt.
Zu seinen Aufgaben gehört neben Training der Soldaten die Aufstellung von Stoßtrupps. Integration der Söldner und die strategische Ausrichtung zur Vernichtung von Boko Haram (zumindest in Nigeria). Und am Ende soll STTEP die entführten Mädchen befreien; das letzteres der Endpunkt seiner Aufgaben ist, wurde nicht von ihm, sondern von der nigerianischen Regierung beschlossen. Da sieht man, wo die Prioritäten sind.

Im Groben läuft Barlows Pressure-Strategie so ab: Immer nachsetzen, ohne eine Pause. Erschöpfte Verbände werden sofort ersetzt. Hat man die Verfolgte in einem genehmen Kampfgebiet, schneidet man ihnen durch „Froschhüpfen“ (Gunboats bringen Verbände in den Rücken des Feindes) die unerwünschten Fluchtmöglichkeiten ab oder kesselt sie ein. In Nachtangriffen erledigen die Stoßtrupps mit anderen koordinierten Waffengattungen (darunter „integriert“ die Söldner) den Feind. Am nächsten Tag zieht dann die offizielle nigerianische Armee in Begleitung der Weltpresse ein und läßt sich bejubeln.

South African and former Soviet bloc mercenaries have joined the war in Nigeria against Boko Haram in what many will see as a return to the dark days of the White Man in Africa.

South African and former Soviet bloc mercenaries have joined the war in Nigeria against Boko Haram in what many will see as a return to the dark days of the White Man in Africa.

STTEP (Specialized Tasks, Training, Equipment and Protection) wurde 2006 von Veteranen der Südafrikanischen Streitkräfte gegründet. Ziel war das durch Executiv Outcomes Auflösung entstandene Vakuum einer rein auf Afrika beschränkte private Militär- und Sicherheitsfirma zu füllen.
STEPP versucht unbemerkt zu bleiben (was ihr bis Nigeria wohl auch vortrefflich gelungen ist), arbeitet nur für afrikanische Auftraggeber und nennt keine Kunden.

Barlow wurde 2009 Chairman. Er legt einen Schwerpunkt auf die Ausbildung von Streitkräften, die bisher unzureichend von offiziellen Ausbildern der USA, aus europäischen Staaten oder von der UNO trainiert wurden. Barlow bemängelt vor allem schlechtes Training, falsche Anweisungen, Mangel an Strategie, kein Verständnis für ethnische, religiöse, kulturelle und sprachliche Unterschiede. Diese Nicht-Afrikaner hätten in der Regel kein Verständnis für die Konfliktursachen. “Much of this training is focused on window-dressing, but when you look through the window, the room is empty.”

Anfang Januar 2015 traf ein Vorauskommando von STTEP in Nigeria ein um aus den Streitkräften geeignete Leute für die Strike Force auszuwählen. Parallel zur Ausbildung wurden Söldner und Equipment ins Land gebracht. „It is a mobile strike force with its own organic air support, intelligence, communications, logistics, and other relevant combat support elements, Our relationship with the Nigerian government and the Nigerian Armed Forces is very good, and as fellow Africans, they recognize the value we have added thus far at the strategic, operational, and tactical levels“, sagt Barlow, der nicht bestätigt, daß es sich vermutlich um die „72 Strike Force“ handelt. Jetzt begann das intensive Training. Barlow und seine Leute sind dafür berühmt und berüchtigt, dass sie innerhalb kürzester Zeit eine effektive und einsatzfähige Kampftruppe ausbilden.
STTEP brachte auch eine eigene Luftwaffe mit, die zur Strike Force gehört und von deren Kommandanten die Einsatzbefehle erhält. Eine eigene Aufklärung, die ihre Erkenntnisse auch der nigerianischen Armee mitteilt, gehört ebenso dazu. Darunter sind exzellente Spurenleser (die ebenfalls in der SADF eine wichtige Rolle spielten), die an den Fährten des Gegner zum Beispiel ablesen, ob er mit oder ohne schweren Gerät unterwegs ist.

http://www.amazon.de/Executive-Outcome-Against-All-Odds/dp/191985441X/ref=sr_1_cc_1?s=aps&ie=UTF8&qid=1430334373&sr=1-1-catcorr&keywords=eeben+barlow

Die Strike Force wurde in einem abgelegenen Gebiet in Taktiken und Techniken trainiert, die ihren Ursprung in denen der südafrikanischen Streitkräften hatten, die sie in den Border Wars in den 1980ern entwickelten und die in den 1990ern von Executive Outcomes weiter ausgereift wurden. Sie sind Kern von Barlows Konzept des „ununterbrochenen Nachsetzens (relentless pursuit).

Durch die Erfolge in 2014 hatte Boko Haram Mitte Januar 2015 insgesamt über 20 000 Quadratmeilen Nigerias besetzt; darunter die wichtigen Grenzstädte Malam Fatori und Baga. Die anhaltenden Erfolge von Boko Haram sorgten dafür, dass sich die Ausbildung der Strike Force weniger auf Rettungsmissionen konzentrierte und mehr auf Angriff. Ende Februar hatte die Strike Force ihren ersten erfolgreichen Einsatz, über den sich Barlow ausschweigt. Baga?

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Es ist schon bemerkenswert, dass just mit dem Eintreffen der Söldner eine offensive Allianz zwischen Nigeria und den Nachbarstaaten zustande kam. Hauptgrund war aber sicherlich, dass Boko Haram im Februar sein Banditenwesen auf Niger und Tschad ausdehnte. Das sind schon bemerkenswerte Strategen, die sich potentielle Rückzugsgebiete abschneiden. Aber die Soldaten aus Niger und dem Tschad gingen wohl erst zu Kampfhandlungen über, als die Söldner und ihre ausgebildeten Stoßtrupps einsatzbereit waren. Überfälle auf die Nachbarstaaten gab es 2014 einige.

Wie in Sierra Leone wiederholt sich auch in Nigeria das alte Spiel: Kaum hat Barlow mit seinen AFRIKANERN Erfolg, üben die USA Druck aus, damit die Regierung von Nigeria ihn wieder heraus wirft. Kriege zu beenden, eine Spezialität von Barlow und südafrikanischen Söldnern, ist den Amerikanern nämlich nicht genehm. Denn zum einen ist es profitabler, Kriege zu führen als diese zu beenden, und zum anderen könnte man (in diesem Falle afrikanische Staaten) sich fragen, mit welcher Berechtigung die USA ihre Drohnen-Forts und andere Stützpunkte in der Sahelzone weiter betreibt und ausbaut.

Mitbekommen haben die deutschen Mainstream-Medien kaum, was sich da im letzten Vierteljahr im Nordosten Nigerias getan hat. DER SPIEGEL hat nicht mal erwähnt, dass „die Bluthunde der Apartheid“ wieder losgelassen sind. Immerhin wurden ein paar Postillen wachgerüttelt, als über den Tod eines „weißen südafrikanischen Söldners“ zu berichten war. Nämlich über den Tod des 59jähtigen Leon Lotz. Er war einer aus Barlows STTEP-Truppe und schon bei EXECUTIVE OUTCOMES dabei. Großes Getöse um die Rückkehr der weißen Rassisten! Offiziell war er für die Schulung an Panzerfahrzeugen zuständig. Merkwürdige Aufgabe für einen ehemaligen Agenten, von Koevoet (Brecheisen, denn das ist ein Koevoet), der Gegenterrorismus-Abteilung des Apartheidregimes.

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Lotz Fahrzeug wurde am 9.März in der Nähe der umkämpften Stadt Borno (die Informationen sind mal wieder widersprüchlich) im Nordosten Nigerias versehentlich von einem nigerianischen Panzer an einer Straßensperre abgeschossen. Mit ihm starb sein schwarzer Fahrer und mehrere nigerianische Soldaten. Wie man die eigenen Leute umbringt, lernt man durch niemanden besser als durch US-Ausbilder. Keine andere Armee der Welt hat mehr eigene Soldaten umgebracht als die amerikanische (alleine in Vietnam waren es 18% der 58.220 getöteten GIs; im Irak und in Afghanistan über 20%).
Die deutschen Medien reihten Lotz bei der südafrikanisch-britischen Söldnerfirma PILGRIM ein, was nicht stimmte. PILGRIM AFRICA wird übrigens von Barlows altem EO-Mitstreiter Cobus Claassen geführt – aber dazu demnächst mehr.

Über den Tod von Lotz konnten sich jedenfalls die Medienkellner – oder wie Barlow sie nennt: Medienhuren – (bis hin zur WASHINGTON POST) prächtig ergiften: War da doch ein weißer, rassistischer Südafrikaner mit bösem Vorleben im Apartheit-Regime umgekommen (und was hatte er eigentlich beim Morden der Schwarzen zu suchen?).

Über den zweiten STTEP-Söldner, der zusammen mit Lotz im selben Fahrzeug getötet wurde, erfuhr man kein Wort. Sein Name war Nangombe und er gehörte zu schwarzen Mehrheit von STTEP. Aber was interessiert unsere Medienkellner schon tote Nigger? Ganz abgesehen von den nigerianischen Soldaten, die ebenfalls im Fahrzeug umkamen.

Wer sind hier eigentlich die Rassisten?

Von denen findet mal wohl mehr in der Springerschen Desinformationspresse als auf afrikanischen Schlachtfeldern (Regionen, die – frei nach Scholl-Latour – diese feige Bande nicht bereist).

P.S.: Zwei Tage nach diesem Blog-Beitrag, erkennt auch die FAZ die Realitäten an: „…Die neue Schlagkraft ist nach Einschätzung von Beobachtern in Nigeria vor allem dem Einsatz südafrikanischer Söldner geschuldet… Die maßgeblichen Akteure sind dort nach übereinstimmenden Angaben die Südafrikaner Eeben Barlow und Cobus Claassens…“

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/befreiung-entfuehrter-maedchen-die-neue-schlagkraft-der-nigerianischen-armee-13566536.html

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Die wichtigsten Erkenntnisse hier basieren auf einen Artikel von Jack Murphy, deren Nutzung mir Jack freundlicherweise gestattet hat. Seine stärker in die Tiefe gehenden Zeilen finden sich unter:

http://sofrep.com/40608/eeben-barlow-south-african-pmc-devestates-boko-haram-pt1/

Jack, gebürtiger New Yorker, ist ein Ex-Sniper und Special Force, der 2010 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden ist um Politologie an der Columbia zu studieren. Jack ist nicht nur Autor von Sachbüchern zum Thema, er schreibt auch die Liquid Sky- Military-Action-Serie über den Söldner Deckard.

„The PROMIS series: It is military fiction that takes place in the recent past starting with the Vietnam war and progressing through Rhodesia, South Africa, and eventually into the Middle East and Europe as the career of professional mercenary, Sean Deckard, is chronicled.“

Seine Page: http://reflexivefire.com/about/

Im NEW PULP-Magazine ist ein Interview mit Jack zu seinen Romanen und den New Pulp Movement:http://www.newpulpfiction.com/2011/12/double-ought-pulp-new-wave-of-military.html#comment-form

http://www.amazon.de/Direct-Action-A-Deckard-Novel/dp/1495405192/ref=pd_sim_eb_2?ie=UTF8&refRID=1JJXWVM0N8ESQS4RNSMD

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NEWS: Silverbergs LORD OF DARKNESS by Martin Compart
23. April 2015, 8:29 am
Filed under: FLASHMAN, NEWS, Rezensionen | Schlagwörter: ,

Neu in https://compartsflashman.wordpress.com/ in der Reihe Klassiker des modernen Abenteuerromans ist Robert Silverbergs HERR DER FINSTERNIS.

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TRUE DETECTIVE 2 by Martin Compart
22. April 2015, 8:12 am
Filed under: NEWS, TV-Serien | Schlagwörter: ,

Hier die ersten Eindrücke der 2.Season von TRUE DETECTIVE. Die erste Season setzte (auch literarische) Maßstäbe für TV-Serien und zeigte einmal mehr, wie weit inzwischen die Schere zwischen angelsächsischen- und deutschen Produktionen auseinanderklafft. Ab Juni läuft die neue Staffel, die ein schweres Erbe antritt. Mit Colin Farrell hat man die Gewissheit, dass das schauspielerische Niveau der ersten Season erhalten bleibt. Warten wir es ab!

Hier die wahnwitzige sechsminütige Einstellung aus der ersten Season:



DEPRESSION, HAUNTOLOGY UND DIE VERLORENE ZUKUNFT by Martin Compart
14. April 2015, 2:22 pm
Filed under: Mark Fisher, MUSIK, Politik & Geschichte, Rezensionen | Schlagwörter: , ,

Wenn man heutzutage innovative, aktuelle oder originelle Kulturkritik zu lesen bekommen will, muss man fast ausschließlich auf Werke zurückgreifen, die sich mit Pop und Medien beschäftigen. Denn in dieser Auseinandersetzung hat Kulturkritik die größte Schnittmenge mit Systemkritik. Beziehungsweise ist hier die Konfrontation des Lebens mit Politik und Wirtschaft so wuchtig, dass es unseren zivilisatorischen Stellenwert unausweichlich verdeutlicht. Im deutschen Sprachraum sind die vielleicht eindrucksvollsten pop- und medienkulturellen Analysen die Arbeiten von Georg Seeßlen.

http://www.amazon.de/Gespenster-meines-Lebens-Depression-Hauntology/dp/3893201955/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1429020827&sr=1-2&keywords=mark+fisher

Auch Fishers hier versammelte Essays sind eine tiefgehende Kulturkritik. Er weist aus überzeugenden Beobachtungen nach, dass aktuelle Kunst und Kultur nicht mehr die Gegenwart erfassen und artikulieren können – was nicht ihre Schuld sei, sondern an der „Erschöpfung der Gegenwart und allmählichen Aufkündigung der Zukunft“ seit dem Aufstieg des Raubtierkapitalismus liegt. Als Brite macht er das an Thatcher fest; Deutschland, in der üblichen kulturellen Verspätung, kann ihn mit Kohl und Schröder verbinden. Seitdem beobachtet Fisher, der sich häufig auf Frederic Jameson als Vordenker bezieht, den Zusammenbruch der Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dies manifestiert sich in einer multimedialen Nostalgie als ideologische Strategie: „Baut(e) KRAFTWERK in geradezu paradigmatisch moderner Weise auf Technologie, um neue Formen hervortreten zu lassen, so dient der Einsatz von Technologie im Nostalgiemodus lediglich dem Zweck, das Alte aufzupolieren. Das Ziel lautet, das Verschwinden der Zukunft als ihr Gegenteil zu maskieren.“

Mark_Fisher[1]Er macht das Im Film u.a. sehr schön an STAR WARS und BODY HEAT in der Argumentation von Jameson offensichtlich.

In den weiteren Essays, die sich von TV-Serien, Joy Division, John LeCarré bis über den Junior Boys, David Peace, Chris Petit und anderen erstrecken, verfolgt Fisher die Frage, weshalb der Aufstieg des neoliberalen, postfordinistischen Kapitalismus zu einer durch Retrospektion und Pastiche geprägten Kultur führt.

Ein Symptom dafür ist, dass sie Kultur des 21.Jahrhunderts durch „suspendierenden Stillstand und Unbeweglichkeit gekennzeichnet ist, verborgen unter einer oberflächlichen Gier nach Neuheit und ständiger Bewegung“. Mit diesem Stillstand der Kultur erwächst der Eindruck, „als hätte das 21.Jahrhundert noch nicht begonnen“. Tatsächlich stecken wir kulturell, postkolonoial und wirtschaftlich noch in „der Falle des 20.Jahrhunderts“. Wie etwa der politisch-ökonomische Umbruch durch Thatcher Reagen, Kohl und die ganze kapitalistische Genozid-Clique, die den Konsens der Nachkriegszeit durch die Prekarisierung der Lohnarbeit ersetzte.

Schon auf der zweiten Seite im Eingangskapitel (u.a. über die zu Unrecht bei uns völlig unbekannte TV-Serie SAPPHIRE AND STEEL) knallt Fisher dem Leser so erhellende Erkenntnisse entgegen, dass er weiß, man wird in diesem Buch auch die Essays zu Personen und Themen lesen, von denen man annahm, dass sie einen nicht interessieren. „unter Bedingungen digitaler Erinnerung geht der Verlust selbst verloren.“

Ein spannendes und genauso unterhaltsames Buch (Pop-Musik-, Film- und Krimifans kommen genauso auf ihre Kosten wie potentielle Molotow-Cocktail-Bastler), das von Thomas Atzert sensibel und atemberaubend kenntnisreich übersetzt wurde.

Im ersten Teil erklärt Fisher seine Weltsicht und Analyseinstrumente, in den beiden folgenden Teilen wendet er diese in Essays zu ausgesuchten populärkulturellen Themen (Le Carré, Life on Mars etc.)an.

Und wieder ein Beleg dafür, dass Klaus Bittermanns EDITION TIAMAT für das kulturlose 21.Jahrhundert das ist, was die EDITION SUHRKAMP für die Kultur der 1960er und 1970er war.

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THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: BLUTHUNDE von Don DeLilo by Martin Compart

Don DeLilo ist einer der großen Verschwörungstheoretiker. Aber ihm nimmt es das Feuilleton nicht übel, denn DeLilo hat mehr Literaturpreise gewonnen als die meisten Mainstream-Zeitungen noch Abonnenten haben.

06/00/1991. American Author Don Delillo

DeLilo wird von den Medienkellnern der Literaturseiten gerne mit dem Begriff „postmodern“ belegt. Bei SIEBEN SEKUNDEN begründet das Der Spiegel mit der Beobachtung, dass in dem Roman fiktive Figuren auf historische stoßen. Oha, dann ist wohl Charles Dickens (A TALE OF TWO CITIES) ebenfalls ein „postmoderner“ Autor. „Postmodern“ ist lediglich ein völlig hirnverbrannter Begriff aus den vollgekotzten Schubladen des Marketings, der impliziert, dass es irgendwann mal eine ästhetische Wetterscheide gegeben habe, nach deren Grenzüberschreitung anders als zuvor geschrieben werde. Tatsächlich gibt es aber seit den 1980er Jahren (in denen manche dieser verzweifelt um Schubladenoriginalität bemühten Hirnakrobaten, überwältigt von ihrer eigenen Wortgewalt, diese „Postmoderne“ verorten) stilistisch nichts epochal Neues. Auch nicht unter der trüben Sonne Klagenfurts.
Kerouac, Burroughs, Vian, Mailer, Robbe-Grillet, Manchette, Pynchon und ein paar weitere füllten bereits in den 1950er- bis 1970ern die literarischen Werkzeugkästen, aus denen man sich bis heute bedient.

runningdog_first_ed[1]Um die Kultur nicht in den öden Festungen subventionierter Kritiker zu isolieren, sollte man sie, wie es ihre Existenz ausdrücklich verlangt, eher an der Realität anmessen. Dann könnte man zumindest seit 2001 von einer Kultur, bzw. Literatur, der „Postdemokratie“ sprechen, was sie ja häufig thematisiert. Seit der Bankrottrüstung der Sowjetunion und spätestens seit 9/11 rechtfertigen die Lebensgrundlagenzerstörer (Neo-Con ist ein ebenso falscher Begriff wie „postmodern“, denn er beleidigt all das, wofür ein aufrechter Konservativer steht) ihre globalen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Umwelt mit der Marktwirtschaftsphrase. Dank Banker, Konzernlenker und ihren eingekauften politischen Heloten hat die Vernichtung unseres Planeten eine nie gekannte Virtuosität erreicht.

Ich habe schon häufig darauf hingewiesen, dass sogenannte E-Literaten immer häufiger Ausflüge in sogenannte U-Genres machen (wahrscheinlich um ihrem Biedermeier zu entkommen), besonders gerne in die Noir-Literatur. Hemingway, Mailer, McCarthy, Pynchon taten dies bereits vor Jahrzehnten. Don DeLilo ganz unmissverständlich 1978 mit RUNNING DOG. Pop-Kultur war immer bedeutsam für seine Bücher und Weltsicht, aber in diesem Roman nutzte er ganz bewusst die Strukturen des Thrillers. Oder wie es Joachim Kalka 1999 in der FAZ in einer der brillantesten Besprechungen von BLUTHUNDE ausdrückte: kreist die Handlung „in einem Dekor von verschwenderischer Noir-Ausstattung“ um „ein leeres Zentrum: Es gibt etwas, das alle haben wollen, von dem man aber nicht genau weiß, was es ist, wer es hat, ob es existiert“.

Dies ist DeLilos Jagd nach dem MALTESER FALKEN, der bei ihm ein Pornofilm aus den letzten Tagen im Führerbunker ist und dessen Schale am Ende des Romans ähnlich aufgekratzt wird wie bei Hammett. Und wie bei Hammett ist es auch für DeLilo lediglich ein McGuffin – einer der aberwitzigsten der Noir-Literatur (der Begriff „McGuffin stammte von Alfred Hitchcock und benannte das sinnlose oder sinnvolle Motiv, das „die Handlung zum laufen bringt oder am laufen hält“). Dem Zeitgeist entsprechend, gibt es in BLUTHUNDE keine integre Figur wie Sam Spade. Mordende wie Ermordete sind schuldhaft in die Intrigen des Systems verwickelt.

http://www.amazon.de/gp/product/3462028243/ref=pd_lpo_sbs_dp_ss_3?pf_rd_p=556245207&pf_rd_s=lpo-top-stripe&pf_rd_t=201&pf_rd_i=3442446023&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=010CM42YRQ9VCQQX08AA

Im Echo von Kennedy-Attentat, Vietnam, Watergate, Sixties-Revolte und Church-Ausschuss hat DeLilo BLUTHUNDE mit ebenso unterhaltsamem wie symbolisiertem Personal bestückt: einen Geheimagenten, zwei Journalistinnen des ehemals radikalen Magazins „Bluthunde“, einen Senator (der in einem dem Church-Ausschuss nachempfundenen Komitees mitmischt), den Boss des militärisch-industriellen Komplexes, einen Mafia-Don, einen alternden Erotika-Händler und andere illustre Gestalten. bluthunde-9783442446025_xxl[1]

Der Agent Selvy arbeitet, von Steuergeldern bezahlt, für Senator Lloyd Percy als eine Art Referent. Seine wirkliche Aufgabe ist es, belastendes Material gegen den Senator zu sammeln, dass Geheimdienste und der militärisch-industrielle Komplex gegen ihn verwenden kann. „Er fühlte sich vom Dreck seines Berufs nicht beschmutzt.“ Selvy ist der Strohmann für eine vor der Öffentlichkeit verborgenen Neigung des Senators: seine millionenschwere Erotika-Sammlung, der auch der Nazi-Porno einverleibt werden soll. „Es gefällt dem Herrn, dass nur wenige von uns über das nötige Kleingeld verfügen, um solchen Neigungen nachzugehen.“

Zynisch betrachtet DeLilo die perverse Nazi-Faszination durch den Zwischenhändler Lightborne: „Film spielte eine ganz wesentliche Rolle in der Nazi-Ära. Mythos, Traum. Erinnerung… faszinierend: Die ganze Nazi-Ära. Die Leute können nicht genug davon kriegen. Wenn´s um Nazis geht, kommt automatisch Erotik ins Spiel. Die Gewalt, die Rituale, das Leder, die Schaftstiefel. Die ganze Begeisterung für Uniformen und das ganze Brimborium. Hitler hat seine Nichte ausgepeitscht, haben Sie das gewußt? Verhilft derlei Material den Leuten dazu, ihren Orgasmus aufzuwerten?“

Der Roman steht ganz in der Tradition der amerikanischen Conspiracy-Romane und Paranoia-Filme der 1970er. Geschockt von den Reformen der 196oer Jahre, die aus dem Ruder gelaufen waren, begann die Reaktion vehement aufzurüsten und setzte zu Beginn der 1980er gar mit Reagen den ersten Soldaten-Präsidenten ins Weiße Haus. DeLilos schwarzer Polit-Thriller verdeutlicht diese Zeit, die soviel mit unserer Gegenwart zu tun hat.

Aus einem Dialog zwischen Selvy und der Bluthund-Journalistin Robbins:

„BLUTHUND war einstmals ein Organ der Unzufriedenen.“
„Ja, wir waren ziemlich radikal.“
„Heute völlig etabliert.“
„Völlig würde ich nicht gerade sagen.“
„Teil der ständig expandierenden Mitte.“

Kein Thriller für Leser, die zur Genügsamkeit bei geistiger Nahrung neigen.

P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Monsanto vernichtet werden muss.



STADTFÜHRER FÜR PERVERSE: Matthew Stokoes Roman HIGH LIFE by Martin Compart

Noir goes mainstream. Das lässt sich nun schon eine Weile beobachten. Erst wanderten die verstörenden Bilder von Thompson, Goodis & Co. in den Underground, wo sich William S. Burroughs und Hubert Selby bedienten, dann kamen ehrgeizige Designer wie Brett Easton Ellis und Chuck Palahniuk und machten daraus goutierbaren Horror für die verklemmte Kulturschickeria. Der völlig überschätzte WC-Krakeeler Dennis Cooper hat diese Nische erkannt und macht im Kleinverlag Akashic Books gleich eine ganze Reihe unter dem dämlichen Titel „Little House on the Bowery“. Das ist so erschreckend wie Michael Landon mit der Maske von Leatherface. Und so subversiv wie ein Konzert der Rolling Stones, wenn es der katholische Herrenzwerg Martin Scorsese abfilmt.
Das hätte ich beinahe vergessen: Scorseses TAXI DRIVER war sicherlich auch einer der Auslöser für diese angenehm verstörende Weird-City-Kultur. Dieses literarische Konzept verdankt George Bataille mindestens soviel wie dem Noir-Genre. Gilles de Rais im urbanen Dschungel. Einen ähnlichen Entwurf bemühte die Splatter-Punk-Bewegung vor über zwanzig Jahren mit Autoren wie Clive Barker oder David J. Schow. All diesen Autoren ist zu eigen, dass sie den amerikanischen Traum als bösartiges Krebsgeschwür definieren und der Gesellschaftsvertrag weitgehend – wenn nicht ganz – aufgekündigt ist. Der klassische Noir-Held ist gefangen in einer Welt, die er nicht gemacht hat und so nie gewollt hat. Die Helden dieser Designer-Noir-Romane akzeptieren die Normen einer degenerierten Lemminggesellschaft, die Humanismus und Aufklärung aufgegeben hat und nur noch egoistische Vorteilsnahme als Wert ausgibt. Sie leben nur noch im Konkurrenzkampf, der die Seele längst zerfressen hat.

http://www.amazon.de/High-Life-Matthew-Stokoe/dp/3716026743/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1428049005&sr=1-1&keywords=stokoe

Matthew Stokoes bereits 2002 erstveröffentlichter Roman HIGH LIFE ist ein neuer Höhepunkt dieser literarischen Ausrichtung. Der Roman verdankt de Sade mindestens soviel wie Goodis oder Thompson. Und wie die bereits genannten Ellis, Cooper und Palahniuk, kann er schreiben. Er packt den Leser und saugt ihn hinein in seine literarische Müllkippe, die auch Jean Genet einigen Dung verdankt. HIGH LIFE ist Stokoes zweiter Roman und der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. Erschienen bei Arche und gut übersetzt von Joachim Körber, der auch als Herausgeber von Splatter-Punk-Anthologien aktiv war.

Der Autor wurde 1965 in England geboren und studierte an University of East London. Er lebte in Australien, Kalifornien und Neuseeland und hat neben einem Comic bisher drei Romane veröffentlicht. Sein Romandebut COWS, über randalierende und sprechende Kühe, ist eine Art Underground-Kultbuch und sein erster Versuch Krafft-Ebings Psychopathia Sexualis auf den neuesten Stand zu bringen. Er nennt als Einflüsse auf sein Schreiben Chandler, Hubert Selby Jr und Nelson Algren. Stokoe begann als Autor von Kurzfilmen (ROCK, DOG).

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HIGH LIFE hätte Stokoes Durchbruch werden sollen. In seinem Nachwort beklagt Herausgeber Dennis Cooper deshalb :“…dass HIGH LIFE nicht in einem Atemzug mit klassischen, anstößigen Gesellschaftssatiren wie AMERICAN PSYCHO oder FIGHT CLUB genannt wird, ist und bleibt ein Rätsel und eine Ungerechtigkeit.“ Ob sich die genannten Romane als Klassiker behaupten werden, muss sich erst noch heraus stellen. Als Satire empfand ich sie ebenso wenig, wie HIGH LIFE. Mit Sicherheit ist Stokoes Buch aber ebenfalls ein verstörender, schmutziger Großstadtroman:
Ich-Erzähler Jack ist nach LA gezogen, weil er in die Verdrängungsindustrie will. „Was ich wollte, sah ich im Fernsehen, und ich wusste, ich konnte es nicht haben. Alles andere war mir gleichgültig.“ 81Lsv1zk5JL._SL1500_[1]

Jack definiert den Sinn des Lebens durch die Berichterstattung über Stars und Buchhalter der Medienindustrie. Eine Art intellektueller Gegenentwurf zu all den armen Trotteln, die sich im Fernsehen durch die Castingshows-Fleischwölfe drehen lassen. „Ich war besser als sie, ich wusste mehr als sie, und ich sah gut aus. Aber sie waren diejenigen mit einem Leben.“ Er ist ein Produkt unserer Medien besessenen Zeit, in der lediglich medial verbreitete Menschen einen Wert haben. Bekanntheit und Ruhm als Preis für Seelenlosigkeit.

Ein mieser Job und die in Drogen verliebte Nutte Karen garantieren ihm das Überleben in dieser Stadt, die selten ekeliger beschrieben wurde. Ein Leben, das im Konjunktiv zu zerschmettern droht.
Irgendwann verlässt Karen den selbstverliebten Möchtegernstar und wird einige Zeit später als Leiche aufgefunden. Jack erregt den Verdacht eines Bullen, der zu Karens Freiern gehörte, und nun seine perversen Spiele mit ihm treibt. Ryan, der Cop, gehört sicherlich zu den ekelhaftesten Cops der Literatur. Höchstens vergleichbar mit dem Protagonisten aus Irvine Welshs Cop-Roman DRECKSAU.9783462043549[1]

Aber auch für Jack erfüllt sich der große amerikanische Traum: Vom Donut-Teigkneter zum Stricher.
„Ich sah mit an, wie die Freier für eine halbe Stunde ihr behütetes Leben verließen und in diese Welt der Fleischbeschau eintauchten.“ .Jacks dunkle Drogeneuphorie erleuchtet seine erbärmliche Existenz bei seiner Suche, nach einem Platz in dieser Stadt. Er treibt sich herum, hängt seinen Plänen nach und durchquert alle Perversionen, die LA zu bieten hat; eine Synthese aus dem Marquis de Sade und David Goodis.

Der eigentliche Star des Romans ist die große West Coast-Müllkippe, die mal Los Angeles war. Ein Ort, für den ein Atombombenabwurf zivilisatorischer Fortschritt bedeuten würde. Hier kann man sich schon mal angucken, wie die westliche Welt aussieht, wenn die Banken mit ihr durch sind. „Geld ist Bestandteil der Architektur der Stadt.“ Im Vergleich zu Stokoes LA ist das von Charles Bukowski ein idyllisches Örtchen aus der guten, alten Zeit.

Schließlich geht Stokoe auf, dass er ja die Konventionen eines Kriminalromans bedienen will. Also begibt sich Jack, der zwischen Straßenstrich und Escort seinen Platz im Leben gefunden hat (ohne seine Starträume aufzugeben), auf die Suche nach Karens Mörder. Die Spur geht in Richtung Organhandel. Nicht als Privatdetektiv, sondern als sexueller Einzelhändler, klopft er an den Türen zur Erkenntnis.

Je tiefer er in den Sumpf eintaucht, umso erfolgreicher kann er seine Träume verwirklichen. Die alte Weisheit, dass man sich richtig schmutzig machen muss, um im System aufzusteigen. Und als er die femme fatale Bella kennen lernt, nimmt seine Erfolgskurve richtig fahrt auf. Mit dem Ferrari durch die Jauchegrube. „Zack. Aus dem Nichts mitten rein ins Zuviel.“

91+zerYztmL._UX250_[1] Atemberaubend spannend ist der überkandidelte Roman nicht. Aber im Gegensatz zu den meisten aktuellen Noir-Romanen ist er ein literarischer Genuss. Es ist die Erzählerstimme, und Stokoes häufig brillant formulierter Blick auf die Endzeitgesellschaft, die Freude am Lesen macht. Man erkennt leicht, wenn der Autor vom wirklich Beobachteten abweicht um noch ein paar Schaufeln Perversionen aufzulegen. Da fehlt auch die obligatorische Snuff-Szene nicht, die zwar schockiert, aber auch künstlich und kalkuliert rüberkommt. Stokoe türmt – manchmal unglaubwürdig – Abartigkeiten auf Teufel komm raus übereinander um ordentlich Provokationsmaterial für die Kulturspießer zu liefern. Trotz all der detailliert geschilderten Schreckensszenarien, geht Stokoes Grauen nie so tief unter die Haut wie zum Beispiel in Jack Ketchums EVIL. Wie schon bei de Sade, löst die schiere Aneinanderreihung von Perversionen keine Lust aus, sondern Verblüffung, Verwirrung, Bestürzung und Unruhe.

Bei aller Kritik könnte dieser Roman Bestand haben als genaue Momentaufnahme einer Gesellschaft, die dabei ist, in einer gleichgeschalteten virtuellen Realität zu versinken und ihre Werte nicht mehr aus der physischen und spirituellen Tradition destilliert. Alles ist gleich in seiner Bedeutungslosigkeit. Ein Zombie-Roman mit sprechenden Untoten. Damit setzt sich Stokoe zwischen alle Stühle: Intellektuelle Bluffer werfen ihm Flachheit vor, ohne diese als adäquates Stilelement zu erkennen (das auch noch von großer Eleganz ist). Für die Krimi-Connaisseurs, die immer alles besser wissen, aber kein Gefühl für Sprache haben, ist er verwerflich, da er nicht Ellroy ist. Bleiben ihm nur die dumpfen Erregungsleser, die sich an seiner Ekel-Pornographie delektieren mögen. Bei allen Schwächen – das Buch bleibt kleben, besudelt einen und kann Narben im Gehirn hinterlassen.

P.S.: Genauso lesenswert ist Stokoes Country-Noir:

http://www.amazon.de/Empty-Mile-Matthew-Stokoe/dp/3716026816/ref=tmm_hrd_title_0

P.P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Monsanto vernichtet werden muss.