Martin Compart


ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
29. November 2019, 8:51 pm
Filed under: ACHIM REICHEL, MUSIK, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: ,

Wer kriegt in Deutschland so ein laid-back hin? Da muss sich Oklahoma schon anstrengen…



TV NEWS: Jack Ryan by Martin Compart
29. November 2019, 3:09 pm
Filed under: NEWS, TV-Serien | Schlagwörter: , , ,

In CRIME TV zur TV-Serie nach Tom Clancys JACK RYAN: GUT, DASS ES DIE CIA GIBT https://crimetvweb.wordpress.com/2019/11/29/gut-das-es-die-cia-gibt-tom-clancys-jack-ryan/



TV-NEWS by Martin Compart
26. November 2019, 12:28 pm
Filed under: NEWS, TV-Serien | Schlagwörter:

Kurzkritik (mehr ist es nicht wert) zu WEST OF LIBERTY in CRIME TV: https://crimetvweb.wordpress.com/2019/11/26/west-of-liberty/



HERR REICHEL HAT ERSTMAL SEINE TOUR BEENDET by Martin Compart
24. November 2019, 2:06 pm
Filed under: ACHIM REICHEL, MUSIK | Schlagwörter:



IM ZWIELICHT VON VICHY – Die (zeit)geschichtlichen Kriminalromane von J.Robert Janes by Martin Compart

I.
Historische Romane haben seit Jahrzehnten Konjunktur. Wobei sich besonders historische- und zeitgeschichtliche Kriminalromane großer Beliebtheit erfreuen.

Alles begann mit Melville Davidson Posts UNCLE-ABNER-Geschichten, die im wilden Virginia Anfang des 19.Jahrhunderts spielten und ab 1918 veröffentlicht wurden. Dies waren wohl die ersten Detektivgeschichten, die bewusst in einer vergangenen Epoche angesiedelt wurden.
In den 40er Jahren entdeckten Autoren wie Agatha Christie, John Dickson Carr und Lillian de la Torre (ihre wunderbaren Geschichten über Dr.Johnson warten noch auf eine deutsche Veröffentlichung) die faszinierenden Möglichkeiten dieses Subgenres. Als einen Höhepunkt darf man THE DAUGHTER OF TIME, 1951, von Josephine Tey nennen, in dem erstmals ein reales historisches Verbrechen der kriminalliterarischen Analyse unterworfen wurde.

Einen erneuten Push bekam das Genre Anfang der 70er Jahre mit dem Sherlock-Holmes-Revival (ausgelöst durch Nicholas Mayers THE SEVEN-PER- CENT-SOLUTION, 1974). Anfang der 80er Jahre wurden Ellis Peters Bruder Cadfael-Romane, Ann Perrys Viktorianische Krimis und vor allem Umberto Ecos DER NAME DER ROSE zu Bestsellern und Welterfolgen. Seitdem vergeht keine Woche, in der nicht ein Detektivroman über das alte Rom, die Renaissance, das Mittelalter oder eine sonstige Epoche erscheint.

Der Noir-Roman entdeckte die historische Perspektive relativ spät über den Umweg des Polit-Thrillers, der historische Ereignisse oder Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellt (etwa Frederick Forsyths DAY OF THE JAKAL oder Ken Folletts EYE OF THE NEEDLE). Drehbuchautor Andrew Bergman schrieb 1974 mit THE BIG KISS-OFF OF 1944 den ersten von zwei Romanen, die im Hollywood der 40er Jahre spielen. Stuart M.Kaminsky begann ein Jahr später mit seiner Serie um den Hollywood-Privatdetektiv Toby Peters, der es in jedem Fall mit einem anderen Hollywood-Star aus den 40ern zu tun hat.

1975 veröffentlichte Joe Gores seine Hommage an den Urvater: HAMMETT.

Ed Mazzaro schrieb in dieser Zeit ebenfalls einige Romane, die in den 30er Jahren spielten.

Einen weiten Schritt nach vorne machte das Subgenre 1983 mit Max Allan Collins‘ erstem Nate-Heller-Roman TRUE DETECTIVE. Collins untersucht durch seinen Detektiv in jedem Roman ein wahres Verbrechen und bereitet das bekannte Faktenmaterial so kunstvoll auf, daß man ihn heute als den absoluten Großmeister des Genres bezeichnen muß. An diesem Status kratzt nicht einmal James Ellroy mit seinem durchwachsenen Quartetten.

Während das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg immer ein sehr beliebter Hintergrund für Spionageromane und Polit-Thriller war, sparte der historische Detektiv- oder Noir-Roman diesen düsteren Zeitabschnitt aus.

Es ist kaum vorstellbar, aber ausgerechnet in diesem kriminalliterarischen Segment wurde ein Klassiker von einem deutschen Autor geschrieben! Der unterschätzte und zu Unrecht in Vergessenheit geratene Hans Hellmut Kirst veröffentlichte 1962 den Noir-Roman DIE NACHT DER GENERALE, der zum Teil im besetzten Frankreich spielt und die Spur eines Serienkillers durch den Zweiten Weltkrieg bis in die Nachkriegszeit verfolgt. Der Roman war damals ein großer Erfolg, erschien sogar in den USA und wurde von Anatole Litvak mit Peter O’Toole und Omar Sharif nach einem Drehbuch von Joseph Kessel 1966 als britisch-französische Co-Produktion verfilmt. O´Toole spielt den Killer General Tanz. Die beängstigendere Darstellung eines Psychopathen hat man im Kino selten oder nie gesehen.
Kirst schrieb noch andere bemerkenswerte Kriminalromane, darunter die München-Triologie über Skandale und Korruption auf höchster Ebene. Bei uns schmälich mißachtet – auch von der deutschen Krimi-Szene -, ist er der erste deutsche Autor, der Eingang in das Standardwerk TWENTIETH CENTURY CRIME WRITERS gefunden hat.

1989 legte der schottische Schriftsteller Philip Kerr mit MARCH VIOLETS seinen ersten Roman vor, der wahrlich noir war: MARCH VIOLETS hatte mit Privatdetektiv Bernie Gunther einen Protagonisten, der im Berlin der Nazis Ende der 30er Jahre ermittelte. Kerrs Serie dürfte bis heute die erfolgreichste sein, die in der Zeit des 3.Reichs angesiedelt ist. Angesichts ihrer Qualität hat sie das auch verdient.

1992 erschien dann mit MAYHAM Robert J.Janes erster St-Cyr und Kohler-Roman, der sich auf einem völlig neuen Niveau mit den Schrecken im besetzten Frankreich auseinandersetzt. Angesichts der gigantischen Verbrechen der Big Player Hitler, Himmler, Goebbels und Co., deren Blutspur sich durch ganz Europa zog, mußte jedes noch so perfide individuelle Verbrechen verblassen. Was sind selbst hunderte Opfer eines Brandstifters im Vergleich zu den Massenvernichtungen durch die Nazis? Es ist nicht verwunderlich, daß sich nur sehr wenige Autoren für die „normalen“ Verbrechen im Schatten der Staatsverbrechen interessieren. Denn auch während des 3.Reiches, das individuelle Verbrechen wie jedes totalitäre Regime leugnete, geschahen alltägliche Morde und andere Schwerverbrechen.

II.
Joseph Robert Janes wurde 1935 in Toronto als mittlerer von drei Söhnen geboren. Als Kind war er ein Einzelgänger, bis er fünf Jahre alt war und den belgischen Knaben Willy aus einer Immigrantenfamilie traf. „Willy war so alt wie ich und sprach kein Wort Englisch. Aber wir verstanden uns trotzdem, gingen gemeinsam ins Kino und spielten Cowboy, Kampfpilot, Pirat usw. Wir lebten unsere kindlichen Phantasien aus, und diese Zeit war wohl wesentlich mitverantwortlich, dass ich Schriftsteller geworden bin.“

Nach der Schulzeit studierte er an der Universität von Toronto Geologie und schloss 1958 als graduierter Mineningenieur ab. Er unterrichtete Geologie an der McMasters Universität in Hamilton und an der Brock Universität von St.Catharines, bevor ihn der Ruf der Ölindustrie erreichte. Einige Jahre arbeitete er als Ölsucher für Mobil Oil of Canada und die Ontario Research Foundation, dann kehrte er zum Lehramt zurück. „Ich sehe mich auch heute noch als Geologe und Mineningenieur. Das verliert man nicht. Die ganze Art und Weise die Dinge zu betrachten, wurde durch meine Ausbildung beeinflusst. Die Fähigkeit, Fakten zu sammeln und auszuwerten, um komplexe Probleme analytisch zu lösen, ist meine wissenschaftliche Grundlage, die mir als Romancier hilft. Ich denke noch immer sehr akademisch.

1958 heiratete er seine Frau Grace, mit der er bis heute vier Kinder und sechs Enkel hat, für die er „aus dem Stand Geschichten erfindet und erzählt. Das sind die besten Geschichten.“

Seit 1970 ist er freier Schriftsteller und zu seinem Oeuvre gehören neben Geologie-Sachbüchern, Romane (THE ALICE FACTOR, THE TOY SHOP) und Thriller (THE HIDING PLACE, THE WATCHER), vor allem Detektivgeschichten für Jugendliche (die Rolly-Serie).

Wie alle professionellen Autoren ist auch Janes ein harter Arbeiter: „Ich arbeite jeden Tag außer sonntags. Ich beginne morgens um sieben Uhr mit einer Tasse schwarzen Kaffees und Papier und Bleistift. Von meinem Arbeitszimmer sehe ich auf unseren verwilderten altenglischen Garten und denke nach. Etwa um acht Uhr weiß ich, was ich schreiben werde. Mit einer zwanzigminütigen Mittagsunterbrechung arbeite ich bis etwa um fünf Uhr durch; Samstags nur bis vierzehn Uhr. Mein Arbeitszimmer unter dem Dach ist zwar so breit und lang wie das halbe Haus, aber mit Büchern und Papier vollgestopft. Zum Schreiben bleibt mir gerade mal ein Quadratmeter. Die erste Fassung schreibe ich immer mit der Hand. Die Tagesarbeit übertrage ich dann mit meiner IBM-Schreibmaschine. Kein PC! Ich mag diese technischen Erleichterungen nicht, weil sie das eigentliche Schreiben beeinflussen und den Text mit unnötigen Worten aufschwemmen.“

Tatsächlich lässt sich bei einigen Autoren beobachten, wie ihre Bücher immer umfangreicher wurden – extrem war das bei Desmond Bagley der Fall – , nachdem sie auf PC umgestiegen waren. Janes Bücher sind dagegen nicht sehr umfangreich und stilistisch äußerst effektiv. „Ich sage allen jungen Autoren: Vergesst die Word Processor, PCs usw. Die machen alles zu einfach. Umschreiben und nochmals umschreiben ist das wichtigste bei der Schriftstellerei. Man muß sich quälen.“

Der selige Jörg Fauser, der einen bestimmten Uralttypus Schreibmaschine auch schon mal von einem Schrottplatz geholt hatte, würde ihm sicherlich zustimmen. „Wenn ich den Titel eines Romans habe, beginne ich mit dem Schreiben. Der Titel muss für mich alles enthalten, er ist die Quintessenz des Romans und sollte die Substanz des Buches einfangen. Die Charaktere kommen aus der Story. Es sind Figuren, die für bestimmte Szenen nötig sind, damit ich sie so entwickeln kann, wie es mir nötig erscheint. Aber sie müssen natürlich stimmen und wahrhaftig sein, sonst funktionieren sie nicht. Aber bei mir kommt die Geschichte zuerst, die die Charaktere bedingt. Andere Autoren arbeiten erfolgreich genau umgekehrt.“

Janes Vorbilder und eventuelle Einflüsse sind Autoren, die beim besten Willen nicht der Kriminalliteratur zuzuordnen sind: „Seitdem ich selbst schreibe, lese ich kaum noch fiktionales. Denn ich möchte stilistisch nicht beeinflusst werden, was unweigerlich passieren würde. Zu meinen Lieblingsautoren gehörten John Steinbeck, Scott Fitzgerald, D.H.Lawrence (ein absolutes MUSS!), Edna O’Brien, Sean O’Faolain, John Fowles, Graham Greene und andere.“

III.
Den ersten St.-Cyr und Kohler-Roman, MAYHAM, schrieb Janes in nur drei Monaten. „In der Rohfassung meines Diamanten-Thrillers THE ALICE FACTOR gab es eine lange Passage über das okkupierte Frankreich. Der Verlag meinte, der Roman sei zu lang, und ich warf diesen Teil heraus. Danach schrieb ich einen bis heute nicht veröffentlichten Roman über einen Protagonisten, der sich an seine Zeit im besetzten Frankreich erinnert. In diesem Buch taucht ein unehrlicher Sureté-Detektiv auf. Mein Unterbewusstsein begann sich bereits mit St.-Cyr zu beschäftigen, als ich dieses Buch schrieb. Aber St.-Cyr sollte natürlich in gewisser Hinsicht ein Ehrenmann sein. Damals, durch die Situation bedingt, war so ziemlich jeder mehr oder weniger unehrlich oder ein Gauner. Ich wusste jedenfalls sofort, dass St.-Cyr einen starken Gegenpart braucht. Also kam mir Kohler in den Sinn. Aber ich war während des Krieges aufgewachsen und hatte die Deutschen zu hassen gelernt. Ich fragte mich, ob ich wirklich über einen sympathischen Deutschen schreiben konnte. Wie sollte ich das Einfühlungsvermögen entwickeln, das nötig ist für so eine wichtige und zentrale Figur? Irgendwie gelang es mir. Aber Kohler hatte immer die Tendenz, mir auf dem Papier wegzurennen. Noch heute, neun Bücher später, droht mir Kohler immer wieder zu entgleiten. Ich muß mich sehr intensiv auf ihn konzentrieren.“

Ohne das Tempo der Handlung zu verzögern – jeder St.-Cyr und Kohler-Roman spielt in einem kurzen Zeitraum von einigen Tagen, nie länger als eine Woche – gelingt es Janes das tägliche Leben in einem besetzten Land in die Handlung zu integrieren. Fernab allen dümmlichen Betroffenheitsgelalles zeigt er den alltäglichen Terror der Besatzer und den dauernden Überlebenskampf der einfachen Menschen. Er vermeidet simple Schwarzweißmalerei und zerstört abgedroschene Klischees.

Er verdeutlicht geradezu erschreckend, wie wenig wir wirklich wissen – trotz aller bemühten Fernsehdokumentationen. Dabei vermeidet er Sentimentalität, was die Authentizität seiner Bücher erhöht. Sein souveräner Umgang mit zeitgeschichtlichen Fakten und ihre künstlerische Vernetzung mit der Fiktion ziehen den Leser so intensiv in die Geschichte, das dieser die zeitliche Distanz aufgibt. Wie kaum ein anderer Autor erweckt Janes die Vergangenheit zum Leben und macht sie auch emotional erfahrbar. Eine fiebrige Realität wird heraufbeschworen.

Neben seinen gelungenen Charakteren und den sauber konstruierten Plots macht diese atmosphärische Verzahnung von vergangener Realität und Fiktion die Faszination seiner einzigartigen Bücher aus.
„Das besetzte Frankreich ist ein faszinierender Hintergrund, und ich entdecke immer wieder etwas neues.“
Gerade die genau recherchierten Details, die Janes unaufdringlich einfließen lässt, verblüffen den aufmerksamen Leser immer wieder. Wie Max Allan Collins gilt auch er als exzellenter Rechercheur, dem es gelingt, genau die richtigen Facts zu finden und zu nutzen.

„Wir sprechen über Romane! Man kann auch etwas zu Tode recherchieren, bis mir oder dem Leser die Lust vergeht. Der Trick ist, nur das auszuwählen, was die Story lebendig werden läßt. Schriftsteller sind Jäger und Sammler und registrieren alles was sie lesen, hören oder sehen, um es mal irgendwann zu verwerten. Ich recherchiere dauernd. Die Jagd nach Material geht nie zu Ende. Seitdem ich 1970 mit dem Schreiben begann, habe ich keinen Urlaub gemacht. Nur Recherche-Reisen. Jeder Roman ist anders. Aber inzwischen weiß ich intuitiv, welches Material ich für ihn brauchen könnte. Ich mache eine Menge Notizen, schreibe Seiten nur mit Fakten und Details voll. Jedes Buch muss alleine für sich bestehen können, ohne vom Leser Vorkenntnisse zu verlangen.“

Oft gewinnt man den Eindruck, dass Janes der Atmosphäre seiner Romane alle anderen Elemente unterordnet. Und es sind die verschiedenen, meist düsteren, Stimmungen, die im Leser unauslöschlich haften bleiben. Dabei verlangt er bei der Lektüre einige Konzentration: Sein eigenwilliger Umgang mit dem inneren Monolog, dessen Perspektive abrupt gewechselt werden kann, ist nur effektiv, wenn man sich intensiv auf Stil und Autor einlässt. Janes verlangt den mitdenkenden Leser und macht keine Abstriche an sein literarisches Konzept. Paradoxerweise ist es gerade diese extrem subjektive Erzählerhaltung, die ein objektiv-realistisches Bild der Zeit heraufbeschwört.

Angesichts dieser Voraussetzungen ist es unwahrscheinlich, dass ein deutscher Verlag die Serie noch einmal aufgreifen und übersetzen wird. Die Hardcore-Fans lesen ihn längst im Original. Janes war und ist – ähnlich wie Anthony Price, dem Großmeister des historischen Spionageromans – „a thinking man´s writer“.

Die Globe and Mail verglich einen seiner Romane mit der „glanzvollen Handlung von H.H.Kirsts Klassiker DIE NACHT DER GENERALE“ und SANDMANN wurde sowohl von Publishers Weekly wie der New York Times unter die besten Thriller des Jahres 1997 gewählt. Seitdem seine Romane auch in den USA veröffentlicht werden, ist Janes kein wirklicher Geheimtipp mehr. Sieben Romane wurden von der Stornoway Productions unter Option genommen. Das Drehbuch zum ersten Roman MAYHEM ist von Ron Base fertiggestellt worden, und seit 20 Jahren sind sowohl ein Kinofilm wie auch eine Fernsehserie für die BBC im Gespräch. Aber man kennt das Spiel: Häufig werden Optionen nur deshalb erneuert, damit kein Konkurrent die Möglichkeit bekommt, das Projekt tatsächlich zu realisieren.

Weltweit hat das Interesse an Janes Vichy-Serie stark zugenommen. Ursprünglich wollte er die Serie auf zehn Romane beschränken…

ST.CYR-und KOHLER-Serie:

1. Mayhem (1992)
2. Carousel (1992)
3. Kaleidoscope (1993)
4. Salamander (1994
5. Mannequin (1994)
6. Sandman (1994)
7. Stonekiller (1995)
8. Dollmaker (1995)
9. Gypsy (1997)
10. Madrigal (1999)
11. Beekeeper (2001)
12. Flykiller (2002)
13. Bellringer (2012)
14. Tapestry (2013)
15. Carnival (2014)
16. Clandestine (2015)

LINKS:

http://archives.mcmaster.ca/index.php/j-robert-janes-fonds

https://jsydneyjones.wordpress.com/2014/02/23/st-cyr-and-kohler-the-historical-thrillers-of-j-robert-janes/

http://therapsheet.blogspot.com/2012/05/solving-crimes-in-shadow-of-war.html


http://zerberus-book.de/



40 JAHRE BITTERMANN by Martin Compart

Zur 40jährigen Verlagsgeschichte veröffentlicht der Verleger Texte über seine Autoren, die wichtig für den Verlag waren und sind und ihn mit geprägt haben, Texte über Wolfgang Pohrt und Eike Geisel, über Harry Rowohlt und über die verlorene Freundschaft mit Roger Willemsen, über Fanny Müller und Horst Tomayer, über Hunter S. Thompson und Guy Debord. Außerdem enthalten sind Elogen auf Bücher und Literatur von Lucia Berlin, Patrick Modiano, Mordechai Richler, J.D. Vance, Rita Navai, Didier Eribon und Benjamin von Stuckrad-Barre, die der Verleger selbst gerne verlegt hätte. Ein großer Essay über die verführerische Kraft der Zigarette, die zur Emanzipation der Frau mehr beigetragen hat als die Frauenbewegung, eine Verteidigung des »Kommenden Aufstands«, ein Vortrag über den Palästinakonflikt, einige Bemerkungen über den Kulturbetriebsintriganten Günter Grass und den verschrobenen Rechthaber Sarrazin. Dabei entsteht ein Bild mit vielen Facetten, die dem Verlag sein einigermaßen unverwechselbares Gesicht gegeben haben.

Critica Diabolis 269
Broschur
380 Seiten
20.- Euro
ISBN 978-3-89320-249-2

Das Spektrum der Texte ist viel größer als es ein kurzer Klappentext darstellen kann.

Nach der Lektüre des Buches möchte man spontan sagen: Welch ein Autor und Essayist ist uns verloren gegangen, um den großartigen Verleger Bittermann zu gewinnen. Aber das ist natürlich Quatsch. Die hier versammelten Portraits, Essays und Nachrufe hängen direkt mit dem Verlegerleben zusammen. Denn Bittermann gehört zu den Überzeugungstätern im Kulturbetrieb, die Literatur samt ihrer politischen Implikationen ernst nehmen und neue Horizonte eröffnen.
Der Mann kann einfach kein uninteressantes Buch verlegen. Und spätestens mit dieser Textsammlung zeigt er, dass er auch keinen uninteressanten Essay schreiben kann.

Die höchst unterschiedlichen Texte zeigen Bittermanns literarische und analytische Fähigkeiten in vielen Aspekten und erklären damit auch, warum seine EDITION TIAMAT zu einem der bedeutendsten deutschen Verlage geworden ist.
Die Portraits zeigen Bittermanns „Sympathie für die Abweichler, Melancholiker, Analytiker, Unruhestifter, Sonderlinge, Verweigerer, Irrlichter, Rabauken und Rebellen, die mit ihren Büchern ein Affront gegen den gesellschaftlichen Mainstream sind…“

Unter den Betrachteten befinden sich auch Autoren, die nicht in der Edition Tiamat veröffentlicht wurden. Darunter eine sehr schöne Erinnerung an Jörg Fauser, der zum ersten Mal ein Buch von Bittermann (aus dem Spanischen Bürgerkrieg – wie könnte es anders sein?) auf ein Magazin-Cover (TIP) brachte.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich wie ein Who-Is-Who der Außenseiter-Literatur der letzten Jahrzehnte – eher mehr: denn auch Friedrich Engels oder Ben Hecht werden besprochen.

Bittermann ist nicht nur ein kluger Analytiker, er verfügt auch über eine beeindruckende Bildung. Ich bin beim Lesen auf eine ganze Reihe von Namen gestoßen, die mir zuvor unbekannt waren, die jetzt kennenzulernen mich Bittermanns Texte begierig stimmen.

Man kann diese Collection freudig hintereinander weg lesen. Genauso kann man sich immer wieder ein Stück herauspicken. Sicherlich eines dieser Bücher, die in zwei Jahren völlig zerlesen sind, da man immer wieder auf sie zugreift.

Mir bereiten die „Feind-Texte“ ein besonderes Vergnügen. Im Gegensatz zu Bittermanns „Freunden“, teile ich seine „Feinde“ alle. Und da findet man auch eleganteste Bosheiten:
„Bis auf wenige Ausnahmen glaubt das Feuilleton fest daran, Grass sei ein bedeutender Autor, und weil ihm der Literaturnobelpreis verliehen wurde, hält sich dieses Missverständnis hartnäckig.“

„Nur ich nahm Martin Walser vor diesen Anfeindungen in Schutz und behauptete, das einzige Problem Walsers sei, dass er nicht schreiben könne, dies aber ausführlich tue.“

Mehr qualitativen Gegenwert an bedruckten Papier kann man mit schnöden Mammon kaum erwerben.

Der Verleger mit Kinky Friedman.



Surfin’ Saigon – Interview mit r.evolver by Martin Compart
17. November 2019, 1:17 pm
Filed under: Interview, Pulp, Spythriller | Schlagwörter: , , , ,

r.evolver strikes again!
Zehn Jahre nach dem legendären Pulp-Abenteuer „The Nazi Island Mystery“ und sechs Jahre nach der Fortsetzung „Pol Pot Polka“ ist endlich der letzte Teil der Trilogie um die Kult-Agentin Kay Blanchard erschienen. In „Surfin’ Saigon“ zieht Autor r.evolver alle Register trashiger Spannungsliteratur …

In Wien nennt man Dich augenzwinkernd den John Le Carré des Trash. Deine Geschichten erinnern auch an eine Mischung aus Peter O’Donnells Modesty Blaise und Jean-Claude Forests Barbarella. Wo steht denn nun die literarische Wiege der Kay Blanchard?

Lustigerweise ganz wo anders. Wer meine Plots kennt, weiß, dass der Bogen stets von einem Whodunit-Rätsel getragen wird und das kommt ja aus der Agatha Christie-Richtung. Wobei Kay Blanchard natürlich nichts mit Miss Marple am Hut hat. Eher schon was mit Sandra King. Allerdings gewährt uns Kay viel mehr intime Einblicke. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin vom BIA konsumiert Kay Drogen und lebt ihre Sexualität exzessiv aus – eine Vorliebe, die sie mit Barbarella teilt. Allerdings geht es bei Kay Blanchard in der Horizontalen letaler zu – ihre Liebhaber ereilt häufig ein trauriges Schicksal.

Und sie weint ihnen trotzdem keine Träne nach …

Stimmt. Das liegt wohl daran, dass Kay ihre eiskalte Professionalität und ihren Pragmatismus von Modesty Blaise geerbt hat. Nur ist sie eben keine Privatière, sondern als MI6-Agentin eine Beamtin der Krone. Darüber hinaus ist Kay reflektierter und neigt, zur Freude des Publikums, durchaus zu selbstironischen Betrachtungen. Eine Eigenschaft, die sie bis zu einem gewissen Grad mit ihrem Kollegen 007 teilt. Obwohl sie als Superfrau öfter an ihre Grenzen stößt als Commander Bond. Das macht sie aber auch um einiges glaubwürdiger. Kay gerät ständig in brandgefährlich-irrwitzige Situationen, aus denen sie meist durch noch irrwitzigere Strategien oder verrückte Zufälle wieder herausfindet. Und da sind wir jetzt bei der TV-Figur Emma Peel – ich erinnere hier im Speziellen an die Ermittlungen im Hellfire-Club. Mrs. Peel ist – nicht nur wegen ihres hautengen Lederanzugs – ebenfalls eine Patin von Kay Blanchard. Ich würde sagen, Kays Abenteuer sind ein Genre-Mix aus Agenten-, Abenteuer- und Detektivroman, gewürzt mit einer deftigen Brise (Fetisch)Sex und Absurdität.

Eines ihrer Sexabenteuer sorgt in „Pol Pot Polka“ dafür, dass Kay unverhofft schwanger wird. In „Surfin’ Saigon“ hat sie das Kind zur Welt gebracht. Wie lässt sich Kays Mutterschaft mit ihren Eskapaden vereinbaren? Oder ist sie am Ende brav geworden?

Ganz und gar nicht. Gleich zu Beginn wird Kays Spross Ruby ja entführt. Und wer Agentin Blanchard kennt, weiß, dass Sie die Entführer ihrer Tochter bis ans Ende der Welt jagen, dort stellen und am Ende kein Erbarmen mit ihnen haben wird. Im Zuge der nervenaufreibend-mörderischen Suche geht sich natürlich auch die eine oder andere Dosis Amphetamin aus und – trotz aller Sorge – auch hormoneller Ausgleich in gewohnt verrückten Settings.

Ein gutes Stichwort. Kay Blanchard operiert ja in einem schrägen Paralleluniversum. Ist Dir unsere Welt nicht verrückt genug?

Das möchte man angesichts von „Pop-Dschihad“, dem derzeitigen US-Präsidenten (erinnert der nur mich an den präsidialen Hohepriester in „Frankensteins Todesrennen“?) und immer exzessiverem Individualismus meinen. Als ich 1999 das erste Abenteuer von Kay in der österreichischen Netzzeitschrift EVOLVER veröffentlichte, waren diese Entwicklungen noch nicht abzusehen. Damals genügte es noch, Nazis, Werwölfe und Außerirdische in ein klassisches Sex & Crime-Szenario einzuflechten, um aus dem Rahmen zu fallen. Tatsächlich muss ich mir dieser Tage mein Gehirn immer intensiver zermartern, um eine Welt zu erfinden, die unsere Realität noch toppen kann. Wenn es in dem Tempo weitergeht, werden das Vierte Reich und die NSDAP 2.0 in absehbarer Zeit traurige Wirklichkeit sein. Nur leider wird es keine englische Superagentin geben, die dagegen ankämpft …

Die ersten beiden Abenteuer deiner Heldin sind einst als Print-Titel beim Wiener Indie EVOLVER BOOKS-erschienen. Den gibt es nicht mehr. Wo habt ihr Zwei eine neue Heimat gefunden?

Peter Hiess hat seinen Verlag 2017 dichtgemacht. Und das aus Gründen, die nur ihn etwas angehen. Obwohl ich seine Motive nachvollziehen konnte (und noch immer kann), war es damals natürlich ein Schock für mich, gemeinsam mit meiner Heldin, plötzlich „obdachlos“ zu sein. Noch mehr geärgert hat mich das alles, weil mir Peter jahrelang in den Ohren lag, endlich den abschließenden dritten Teil zu schreiben und ich immer irgendwelche Ausreden parat hatte, warum das grad nicht möglich war. Dann, als ich endlich das Exposé fertig hatte, war Schluss und ich stand ohne Verlag da. Weil ich in dieser ohnehin schon schwierigen Situation nicht auch noch Klinken putzen wollte, beschloss ich, den Release meiner Kay-Bücher selbst in die Hand zu nehmen. Peter Hiess überließ mir freundlicherweise die Namensrechte an der ehemaligen Evolver Books-Heftreihe SUPER PULP. Die stand dann Ende 2018 Pate für meine neue „Edition SUPER PULP“. Unter dieser Flagge habe ich „Surfin’ Saigon“ und die beiden Vorgänger neu veröffentlicht.

Seit dem vorletzten Kay-Teil „Pol Pot Polka“ sind knapp sechs Jahre vergangen. Am Ende von „Surfin’ Saigon“ kündigst du den Beginn eines neuen Zyklus an. Wie lange müssen wir auf das nächste Abenteuer warten?

Ich hoffe inständig, dass es nicht mehr so lange dauert. Zumindest habe ich mir das fest vorgenommen. Übrigens: Bevor ich den neuen Zyklus mit dem Titel „Mission Europa“ angehe, wird noch das Kay-Prequel „Beirut Boogie“ herauskommen – das erste Abenteuer meiner Heldin, wo sie als Studentin vom Secret Service „entdeckt“ wird. Die Geschichte ist seit Jahren fertig und muss nur noch einmal überarbeitet werden. Eine kleine Kostprobe daraus wurde ja schon zu EVOLVER BOOKS-Zeiten in der ersten SUPER PULP-Ausgabe abgedruckt.

Apropos, neben deiner Autorentätigkeit firmierst du im Rahmen deiner Edition auch als Herausgeber der gleichnamigen, periodisch erscheinenden Anthologie-Reihe (SUPER PULP), wo du neben bekannten „phantastischen“ Gesichtern auch neue Genre-Autoren präsentierst. Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass ein honoriger Verlag auf das Vehikel aufgesprungen ist …

Da pfeifen die Spatzen das richtige Lied. Tatsächlich erscheint meine Edition ab Frühjahr 2020 als Imprint im Blitz-Verlag, der vorerst aber nur die Anthologie-Reihe herausbringt. Bei meinen Kay-Sachen bin ich sehr heikel und eigensinnig. Vor Jahren war geplant, die ersten beiden Abenteuer als Hörbücher bei einem einschlägig bekannten Verlag herauszubringen. Schweren Herzens habe ich damals die Einwilligung gegeben, bestimmte Passagen zu entschärfen und dann ist die Veröffentlichung erst recht an der Frage einer möglichen Indizierung gescheitert. Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich hab dafür Verständnis und bin keinesfalls jemandem Böse. Aber ich möchte hier in Zukunft nicht einmal einen Punkt oder ein Komma argumentieren müssen. Kay ist wie sie ist: Brutal, goschert (wie wir Ösis sagen), kompromisslos, sexy – und genauso soll sie auch bleiben. Wenn das bedeutet, dass ich ihre Adventuren auch in Zukunft unabhängig herausbringen muss, werd ich das mit Freuden tun. Andernfalls liefe ich sowieso Gefahr, dass Kay mir mit ihrem Stilett den Garaus macht …

Kay Blanchard bei der Edition SUPER PULP: http://www.super-pulp.com
r.evolver im Netz: http://www.facebook.com/revolverswelt