Martin Compart


THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: AGENTS OF DARKNESS von Campbell Armstrong by Martin Compart

Wie tief wird Charlie Galloway, der Schotte, der sich in die USA verirrt hat, noch sinken? Seinen Job bei der Polizei von Los Angeles hat er verloren, seine Frau ist abgehauen, und der Alkohol trübt Charlie zusehends den Blick für die Realität. Ausgerechnet jetzt trifft ihn ein völlig unfassbarer Schlag: Die gutmütige alte Filipina, die in seinem Haus – soweit überhaupt möglich – für Ordnung sorgt, wird ermordet!

Sauferei hin oder her – Charlie muss wissen, was hinter dem scheinbar sinnlosen Mord steckt. Auch ohne Polizeimarke will er das Verbrechen aufklären und kommt einer internationalen Verschwörung auf die Spur, die ins Jahr 1985 zurück reicht: Damals wurden auf den Philippinen Anti-Marcos-Kämpfer niedergemetzelt – mit Billigung höchster Kreise.
Jetzt ist Armando Teng, ein Rächer mit Stil, in die USA eingeflogen worden, um die offenen Rechnungen zu begleichen. Und Charlie wird in einen Kampf mit vielen Fronten verwickelt. Und nur einen Ausgang hat, den man als genial bezeichnen muss.

Wie eine Orchidee unter Unkraut sticht Armstrongs AGENTS OF DARKNESS unter den Verschwörungsthrillern heraus. Das Sujet (1991 nicht so geläufig wie heute) mag teilweise vertraut erscheinen, die Umsetzung und das literarische Niveau ist es nicht.

Jeder Schauplatz wirkt authentisch. Armstrong kannte sie und hatte ein beeindruckendes Gespür dafür, ihre Atmosphäre aufzunehmen. Erschreckende Parallelen zwischen Manila und Los Angeles werden deutlich: Ähnliche soziale Kontraste und eine „Stadt der Engel“, die auf ihrem Weg in die dritte Welt Anfang der 1990er schon ein gutes Stück vorangekommen war (dank des erschreckenden Niedergangs Manilas sind bis heute noch Unterschiede zwischen diesen Metropolen erkennbar). Für den Roman verbrachte Campbell Armstrong zwei Monate in Manila. Anschließen besuchte er den Norden Luzons. „Was man auf Recherche macht, ist rumlaufen. Da kommt man automatisch auch an üble Orte. Besonders leicht in einer Stadt wie Manila. Die ganze Anfangsszene ist echt. In manchen Straßen bieten sich neunjährige Kinder für einen Dollar an. Das machte mir mächtig zu schaffen. Ich gab ihnen Dollars. Das war ein Fehler. Natürlich wurde ich schnell von allen möglichen Leuten umringt. Traurig, verdammt traurig.“

Um gegen die „Agenten der Finsternis“, CIA, Polizei und andere, vorzugehen, wählt Galloway den falschen Weg: „Richtig wäre es gewesen, sich in einer Suchtklinik trocken legen zu lassen. Aber dann hätte ich keinen Roman, nur fünf Tage in einem Krankenhaus. Als ich begann über Charlie zu schreiben, fühlte ich mich ihm sehr nahe. Irgendwann hat er übernommen und es wurde obsessiv. Das ist das richtige Schreiben: Wenn die Obsession so groß ist, dass du Tage und Nächte über einer einzigen Seite verbringst. Wenn das nicht da ist, stimmt was nicht mit dem Buch. Man muss wirklich krank sein, um diese Leidenschaft zu leben.“

AGENTS OF DARKNESS beschäftigte ihn länger als frühere Romane: insgesamt 18 Monate. Noch reflektierter als die Romane zuvor. „Der Schreibprozess machte Spaß. Ich schrieb drei unterschiedliche Fassungen, sogar eine mit einem glücklicheren Ende. Aber die überzeugte mich nicht, war zu unrealistisch. Wäre es ein reines Genre-Buch, hätte es ein Happy end.“

Im Gegensatz zu den vielen „aufgeklärten Konservativen“, die sich im Genre tummeln, ist Armstrong kein naiver Propagandist:„Der Schah, über Nacht zum Unberührbaren geworden,… hauptsächlich deshalb, weil er das schlimmste aller Verbrechen begangen hatte, dessen sich ein Verbündeter der USA schuldig machen kann: Er hatte seine Nützlichkeit überlebt.“ Der Roman ist auch eine Geschichte der Beherrschung der Philippinen durch die USA. „All die Morde, die Folterungen, die ich mir von Amnesty habe bestätigen lassen, das Köpfen und Verschwinden von Menschen, all das nur um Imelda Marcos in ihren Schuhen zu lassen, diese komplett Verrückte.“ Bei Armstrong hat der US-„Taliban“ nie Korrektur Lesen“ dürfen.

Neben extremer Spannung und literarischem Genuss, zeichnen den Roman auch viele komische Momente aus. Etwa Campbells Seitenhieb auf den Techno-Thriller, zu dessen Fans hier der US-Präsident gehört: „Einer der wenigen Leser dieser Art von Literatur, die bei der Lektüre von Anfang bis Ende nicht die Lippen bewegen“, denn ansonsten liest er nur „technological reports“.

Manchmal höre ich gar Jörg Fauser, einen ähnlich ambitionierter Trinker wie Armstrong bis 1993:

„Man wusste eben nie, wo der Fusel einen hinführte… bei genügend Alkohol hätte Galloway sich für etwa zwanzig Minuten in sie verliebt. Seine im Rausch sich aufschwingende Romantik war chronisch.“
„All seine rauschhaften Gedanken waren bisher wie ängstliche Mäuse im grellen Tageslicht davongehuscht.“

Ja, es ist auch ein großartiges Buch über das Saufen und hätte Luis Bunuel viel Spaß gemacht. „Alkohol vermindert die Langeweile, wischte die zunehmende Desillusionierung weg, stempelte das Visum ins Land der Lebendigkeit.“

Um es mit dem dicken Jungen zu sagen: „Lesen Sie Campbell Armstrong. Vertrauen Sie mir. Ich weiß, was ich tue.“

Es ist mir unbegreiflich, dass – auch international – Armstrong nicht bekannter ist. Googelt man ihn, ist das Ergebnis erbärmlich. Obwohl er Bestseller hatte, ist er bis heute ein absoluter Geheimtipp

Demnächst mehr über ihn, the real McCoy, in diesem Theater.

Die deutsche Ausgabe erschien unter dem Titel EX bei Bastei-Lübbe, 1993.

P.S.: Wer deutsche Ausgaben bevorzugt, sollte sich jetzt eindecken. Nicht nur, weil sie für wenige Cents, mehr oder weniger gebraucht, zu kaufen sind, sondern weil sie damals von Bastei in Frankreich gedruckt wurden und über eine Papierqualität verfügen, die kein Klopapierhersteller als akzeptabel bezeichnen würde. Lies, bevor es verwelkt.


Und noch einen, um klar zu machen, was dieser Autor für einen Lauf hatte. Direkt nach oben besprochenem, veröffentlichte Campbell Armstrong:

KONZERT DER GEISTER

“In his sixth novel, a narrative that sounds notes both chilling and nostalgic, Armstrong ( Agents of Darkness ) evokes a paranoia that may strike familiar chords in survivors of the ’60s counterculture. Ex-hippie Harry Tennant is busted in upstate New York for growing pot. While awaiting trial, he’s approached by a young writer, Alison Seagrove, who is researching a piece about a photo of Harry and four others that became an icon of the hippie movement. But Harry doesn’t remember either the picture or the others in it; were his memories erased by the drugs he was taking? Worried and puzzled, he decamps with Alison on a cross-country attempt to recover his memory. On their journey Harry talks about his father, a lawyer whose defense of an Army colonel charged with atrocities in Vietnam shamed Harry into estrangement. Gradually Harry finds his past growing more and more accessible and steadily more horrifying; meanwhile he and Alison suspect that they are being followed–and one night their suspicions are confirmed as a man is shot while trying to lob a grenade into their motel room. Armstrong steadily increases the suspense as he slowly reveals a far-reaching political conspiracy that is also a profound personal betrayal.”
PUBLISHERS WEEKLY

Thriller, die den Geist der 1960er heraufbeschwören, gibt es inzwischen einige (zu den bekanntesten und gelungensten gehört George R.R.Martins ARMAGEDDON ROCK). Das wundert nicht: Die wilden Sechziger bieten genauso viele geeignete Sujets wie die Jahrzehnte zuvor – von den Polit-Morden über CIA-und Mafia-Machenschaften bis Charles Manson. Es ist ein weites Feld.

Einer der besten ist A CONCERT OF GHOSTS von Campbell Armstrong, einem meiner Lieblingsautoren, der in vielen Subgenres Meisterwerke schuf und nie die Anerkennung fand, die ihm zusteht. Das wird sich wohl auch in absehbarer Zeit nicht ändern: Die Verdrängungsmedien plus Instant-Schulsystem haben zumindest in Deutschland inzwischen eine Leserschaft hervorgebracht, die James Patterson oder Sigurd Fitzek in Bestsellerhöhen katapultiert. Dieses Alphabeten-Prekariat (frustrierte Manager-Gattinnen TV-Redakteure und der bekannte Pöbel), ist völlig unfähig, literarisches Können und Intelligenz zu erfassen und sich daran zu delektieren. Aber ich schweife ab, denn ich will ja hier den zehn regelmäßigen Lesern meines Blogs ein Buch empfehlen, das sie vielleicht noch nicht kennen.

Die „Chicago Tribune“ schrieb 1992 zur US-Veröffentlichung des Romans: „It is easily the most intriguing work I`ve encountered this year, a lyrical, powerful tale of political conspiracy and its consequences on one individual.”

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MIC‘s Tagebuch. Knapp vor den Iden des März… by Martin Compart

 

A GAME OF PAWNS

Die sogenannten Qualitätsserien, die seit der Online-Offensive Investorcapital gepushter Streaming-Anbieter wie Netflix oder Amzon (die mittlerweile auch Emmy-Sieger produzieren) Flatscreens jedweder Größe heimsuchen, sind in der Regel nichts anderes als in Hochglanz verpackte Ideologie. Sie perpetuieren die Ideologie einer Kultur, die jedem Einzelnen totale Individualisierung und Freiheit vorgaukelt und dabei verschweigt, dass diese nur demjenigen zustehen, der sich die individuelle Konsumentenfreiheit auch leisten kann. („Nichts ist umsonst. Wer nicht mit Geld bezahlt, der bezahlt eben mit seinen Daten“, sagt Facebook-Milliardär Mark Zuckerberg.)

In ihrer schonungslosen Offenheit, jedes nur erdenkliche Thema dramatisch aufzubereiten und abzuarbeiten, ob Ranküne in der Politik, transsexuelle Verwandlung in Suburbia oder schizophrene Hacker im Überwachungsstaat (um nur jüngste Erfolgsformate zu nennen), beackern die Fernsehserien – oder sollte man nicht besser „serielle Erzählformate“ sagen? – die unleugbaren Widersprüche unserer Gesellschaft. Eingebettet in die uralten Regeln des Dramas und moderne visuelle Erzählmuster, findet der Zuschauer Verhaltensbeispiele für den eigenen Umgang mit diesen Konflikten. Wenn diese ihn nicht betreffen oder er den eigenen Umgang scheut, so hat der Zuschauer zumindest eine empathische Teilnahme erfahren. (Es soll ja noch Verfechter der aristotelischen Katharsis-Theorie geben, die behaupten, das allein genüge.)

Was der Seelenhygiene dienlich erscheint, wirkt auf den zweiten Blick ernüchternd. Diese „thematische Auseinandersetzung“ ist nichts anderes, als die krampfhafte Suche nach einer neuen Oberfläche, auf der immer gleichlautende Botschaften verkündet werden: „So ist das Leben, nimm es an, amüsier dich und fühl dich besser, schwimm brav weiter mit, geh shoppen, usw.“ Die Werte dieser Serienwelten scheinen die Werte friedlich koexistierender Menschen zu sein, vielmehr von Menschen mit der Absicht friedlich zu koexistieren, was naturgemäß nicht einfach ist und deshalb tagtäglich mittels unmittelbarem Zwang oder Dronenbeschuss oder Vorratsdatenspeicherung realisiert, respektive verteidigt werden muss.

Jeder ist seines Glückes Schmied.

Jeder ist seines Glückes Schmied.

Um welche Werte handelt es sich dabei? Salopp formuliert um folgende: Du allein bist für dein Leben und dein Glück verantwortlich; Du musst kämpfen, damit dir etwas gehört; Du musst schützen, was dir gehört; Du musst deine Familie schützen und die Schwächeren in deiner Welt; Die Guten sind klar auszumachen und die Bösen auch (es sind immer die anderen); Der Zweck heiligt die Mittel; Der Kampf gegen das System ist dumm, denn das System ist gut und muss darum gegen alle verteidigt werden, die es bedrohen. (Aufzählung ohne Anspruch auf Vollständigkeit.)

Wer genau hinsieht, der erkennt sofort, es handelt sich um Besitzstanddefinitionen, um Varianten der Unterscheidung von mein und dein, von Freund und Feind, von Habenden und Habenichtse – Letztere sind zudem noch neidisch – um die klare Trennung zwischen Subjekt und Objekt.

Denn diese unsere Wirtschaftsordnung, die nicht nur unser ganzes Leben bis in seine kleinste Kleinigkeit dominiert, die unsere Spezies dazu bringt, wieder besseren Wissens ihre eigenen Lebensgrundlagen völlig zu zerstören, die es schafft, jede Gesellschaftsordnung zu transzendieren, und die es vermag sämtliche systemischen Widersprüche scheinbar aufzuheben, beruht einzig auf dem Prinzip dieser Trennung. Sie bedient sich dabei geschickt des biologischen Grundtriebs des Homo sapiens, seinem Arterhaltungstrieb, der sich in Selbsterhaltung der Person und in der Fortpflanzung manifestiert: in Eigennutz und Sex. (Alle weiteren Verhaltensweisen sind nichts anderes als bewährte, opportune Muster, die das Ziel der Arterhaltung erleichtern.) Egoismus und Sex sind die Triebfedern jedes Werbespots (sogar ein Bestattungsunternehmen wirbt mit geilen letzten Chillplätzen). Womit wir wieder beim Bewegtbild und seinen Inhalten angelangt wären.

Meine These zusammengefasst lautet: Alle modernen TV-Serien untermauern die Ideologie des Status quo, ihre Gesellschaftskritik ist nur ein Ventil für die unleugbaren Widersprüche der Lebensrealität der Zuschauer – ob diese sie bewusst empfinden oder nicht, ist dabei ohne belang – und zementieren somit die vorherrschende, kapitalistische Ideologie. Und solange sie das 1. Gebot der Unterhaltung befolgen, „thou shalt not be boring”, ist der Erfolg dazu auf ihrer Seite.

(Kleiner Nachtreter: Ein Gebot, gegen das deutsche Formate in der Regel verstoßen, weshalb diese auch hauptsächlich von Leuten ohne Internet oder grenzdebiler Klientel geschaut werden.)

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Mir fallen nur zwei echte Ausnahmen in der großen, weiten Serienwelt ein. Die erste ist „The Prisoner”, als deren Mastermind Patrick McGoohan zeichnete, die zweite ist „Deadwood” von David Milch. Keine andere Fernsehserie reicht in ihrer scharfsinnigen, gesellschaftlichen Analyse und der damit verbundenen, schonungslosen Kritik an diese beiden Formate heran. Keine.

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Jetzt werden die ausgefuchsten unter den Lesern ausrufen, „mitnichten, viele Serien differenzieren viel stärker, ihre Kritik ist eben subtil”, andere werden Worthülsen wie „Nihilismus und Zynismus” unterbringen. Das ist bestimmt euer gutes Recht, ändert aber an den Tatsachen nichts.

In der Realität des Jahres 2016 sind wir „McGoohans Prisoner“, Geiseln der schönen neuen Streaming-Serienwelt: We all are held hostage by America TV. We all are in a Game of Pawns.

Post Scriptum: Schaue im Selbstversuch abwechselnd „The Prisoner“ und „House of Cards“. Läuft die amerikanische Version des grandiosen BBC-Originals geschmeidig wie Ben & Jerry‘s Eiskrem durch (binge watching), so wirkt die bald 50 Jahre alte Prisoner-Serie derart intensiv auf Sinne und Verstand, dass es eines zeitlichen Abstands zwischen den einzelnen Folgen bedarf, zum emotionalen Nachschwingen und zur Reflexion. Sie ist heute aktueller denn je. Unglaublich.

Post Post Scriptum: Die beste Entlarvung des Kapitalismus im Kino ist nach wie vor John Carpenter’s „They Live“ von 1988. Dieser Film müsste für Grundschüler Pflicht sein.



THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN SOLLTE: BLUTHUNDE von Don DeLilo by Martin Compart

Don DeLilo ist einer der großen Verschwörungstheoretiker. Aber ihm nimmt es das Feuilleton nicht übel, denn DeLilo hat mehr Literaturpreise gewonnen als die meisten Mainstream-Zeitungen noch Abonnenten haben.

06/00/1991. American Author Don Delillo

DeLilo wird von den Medienkellnern der Literaturseiten gerne mit dem Begriff „postmodern“ belegt. Bei SIEBEN SEKUNDEN begründet das Der Spiegel mit der Beobachtung, dass in dem Roman fiktive Figuren auf historische stoßen. Oha, dann ist wohl Charles Dickens (A TALE OF TWO CITIES) ebenfalls ein „postmoderner“ Autor. „Postmodern“ ist lediglich ein völlig hirnverbrannter Begriff aus den vollgekotzten Schubladen des Marketings, der impliziert, dass es irgendwann mal eine ästhetische Wetterscheide gegeben habe, nach deren Grenzüberschreitung anders als zuvor geschrieben werde. Tatsächlich gibt es aber seit den 1980er Jahren (in denen manche dieser verzweifelt um Schubladenoriginalität bemühten Hirnakrobaten, überwältigt von ihrer eigenen Wortgewalt, diese „Postmoderne“ verorten) stilistisch nichts epochal Neues. Auch nicht unter der trüben Sonne Klagenfurts.
Kerouac, Burroughs, Vian, Mailer, Robbe-Grillet, Manchette, Pynchon und ein paar weitere füllten bereits in den 1950er- bis 1970ern die literarischen Werkzeugkästen, aus denen man sich bis heute bedient.

runningdog_first_ed[1]Um die Kultur nicht in den öden Festungen subventionierter Kritiker zu isolieren, sollte man sie, wie es ihre Existenz ausdrücklich verlangt, eher an der Realität anmessen. Dann könnte man zumindest seit 2001 von einer Kultur, bzw. Literatur, der „Postdemokratie“ sprechen, was sie ja häufig thematisiert. Seit der Bankrottrüstung der Sowjetunion und spätestens seit 9/11 rechtfertigen die Lebensgrundlagenzerstörer (Neo-Con ist ein ebenso falscher Begriff wie „postmodern“, denn er beleidigt all das, wofür ein aufrechter Konservativer steht) ihre globalen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Umwelt mit der Marktwirtschaftsphrase. Dank Banker, Konzernlenker und ihren eingekauften politischen Heloten hat die Vernichtung unseres Planeten eine nie gekannte Virtuosität erreicht.

Ich habe schon häufig darauf hingewiesen, dass sogenannte E-Literaten immer häufiger Ausflüge in sogenannte U-Genres machen (wahrscheinlich um ihrem Biedermeier zu entkommen), besonders gerne in die Noir-Literatur. Hemingway, Mailer, McCarthy, Pynchon taten dies bereits vor Jahrzehnten. Don DeLilo ganz unmissverständlich 1978 mit RUNNING DOG. Pop-Kultur war immer bedeutsam für seine Bücher und Weltsicht, aber in diesem Roman nutzte er ganz bewusst die Strukturen des Thrillers. Oder wie es Joachim Kalka 1999 in der FAZ in einer der brillantesten Besprechungen von BLUTHUNDE ausdrückte: kreist die Handlung „in einem Dekor von verschwenderischer Noir-Ausstattung“ um „ein leeres Zentrum: Es gibt etwas, das alle haben wollen, von dem man aber nicht genau weiß, was es ist, wer es hat, ob es existiert“.

Dies ist DeLilos Jagd nach dem MALTESER FALKEN, der bei ihm ein Pornofilm aus den letzten Tagen im Führerbunker ist und dessen Schale am Ende des Romans ähnlich aufgekratzt wird wie bei Hammett. Und wie bei Hammett ist es auch für DeLilo lediglich ein McGuffin – einer der aberwitzigsten der Noir-Literatur (der Begriff „McGuffin stammte von Alfred Hitchcock und benannte das sinnlose oder sinnvolle Motiv, das „die Handlung zum laufen bringt oder am laufen hält“). Dem Zeitgeist entsprechend, gibt es in BLUTHUNDE keine integre Figur wie Sam Spade. Mordende wie Ermordete sind schuldhaft in die Intrigen des Systems verwickelt.

http://www.amazon.de/gp/product/3462028243/ref=pd_lpo_sbs_dp_ss_3?pf_rd_p=556245207&pf_rd_s=lpo-top-stripe&pf_rd_t=201&pf_rd_i=3442446023&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=010CM42YRQ9VCQQX08AA

Im Echo von Kennedy-Attentat, Vietnam, Watergate, Sixties-Revolte und Church-Ausschuss hat DeLilo BLUTHUNDE mit ebenso unterhaltsamem wie symbolisiertem Personal bestückt: einen Geheimagenten, zwei Journalistinnen des ehemals radikalen Magazins „Bluthunde“, einen Senator (der in einem dem Church-Ausschuss nachempfundenen Komitees mitmischt), den Boss des militärisch-industriellen Komplexes, einen Mafia-Don, einen alternden Erotika-Händler und andere illustre Gestalten. bluthunde-9783442446025_xxl[1]

Der Agent Selvy arbeitet, von Steuergeldern bezahlt, für Senator Lloyd Percy als eine Art Referent. Seine wirkliche Aufgabe ist es, belastendes Material gegen den Senator zu sammeln, dass Geheimdienste und der militärisch-industrielle Komplex gegen ihn verwenden kann. „Er fühlte sich vom Dreck seines Berufs nicht beschmutzt.“ Selvy ist der Strohmann für eine vor der Öffentlichkeit verborgenen Neigung des Senators: seine millionenschwere Erotika-Sammlung, der auch der Nazi-Porno einverleibt werden soll. „Es gefällt dem Herrn, dass nur wenige von uns über das nötige Kleingeld verfügen, um solchen Neigungen nachzugehen.“

Zynisch betrachtet DeLilo die perverse Nazi-Faszination durch den Zwischenhändler Lightborne: „Film spielte eine ganz wesentliche Rolle in der Nazi-Ära. Mythos, Traum. Erinnerung… faszinierend: Die ganze Nazi-Ära. Die Leute können nicht genug davon kriegen. Wenn´s um Nazis geht, kommt automatisch Erotik ins Spiel. Die Gewalt, die Rituale, das Leder, die Schaftstiefel. Die ganze Begeisterung für Uniformen und das ganze Brimborium. Hitler hat seine Nichte ausgepeitscht, haben Sie das gewußt? Verhilft derlei Material den Leuten dazu, ihren Orgasmus aufzuwerten?“

Der Roman steht ganz in der Tradition der amerikanischen Conspiracy-Romane und Paranoia-Filme der 1970er. Geschockt von den Reformen der 196oer Jahre, die aus dem Ruder gelaufen waren, begann die Reaktion vehement aufzurüsten und setzte zu Beginn der 1980er gar mit Reagen den ersten Soldaten-Präsidenten ins Weiße Haus. DeLilos schwarzer Polit-Thriller verdeutlicht diese Zeit, die soviel mit unserer Gegenwart zu tun hat.

Aus einem Dialog zwischen Selvy und der Bluthund-Journalistin Robbins:

„BLUTHUND war einstmals ein Organ der Unzufriedenen.“
„Ja, wir waren ziemlich radikal.“
„Heute völlig etabliert.“
„Völlig würde ich nicht gerade sagen.“
„Teil der ständig expandierenden Mitte.“

Kein Thriller für Leser, die zur Genügsamkeit bei geistiger Nahrung neigen.

P.S.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Monsanto vernichtet werden muss.



WARUM SPD-WÄHLER WAHNSINNIG SIND by Martin Compart

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ihre Renten sind sicher – garantiert!

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
So erklärt der nicht-SPD-Wähler Albert Einstein den Wahnsinn.



THRILLER, DIE MAN GELESEN HABEN MUSS: WILLIAM WINGATE, DON DER PROFI-KILLER by Martin Compart

41G+olO9z7L._SY300_[1]In HONGKONG: LET CANDICE GO (VERSCHOLLEN IN HONG KONG) ,1985, verschwindet die 14jährige Tochter des Ex-Marine Anthony Rice spurlos aus einem Hongkonger-Kaufhaus. Bald stellt sich heraus, dass die Triaden die hübsche Candice entführt haben um aus ihr eine Sexsklavin zu machen. Wie so üblich, wenn Bürger in Not sind, nützen die Institutionen gar nichts, weder Konsulat noch Polizei. Denn HongKong hat etwa 200 kleinere und größere Inseln und Candice könnte zur „Ausbildung“ auf jede dieser Inseln verschleppt worden sein. Absolut brillant schildert Wingate durch seinen Ich-Erzähler die Atmosphäre der Stadt und den Zorn und die Hilflosigkeit in dieser Situation. Aber Rice hat noch einen Trumpf im Ärmel: Seit der Evakuierung Saigons 1975 schuldet ihm der CIA-Mann Tarrant einen Gefallen. Und den fordert Rice jetzt ein. Tarrant schickt ihm seien unheimlichsten Mann: den bulgarischen Überläufer und Profi-Killer Yazov, alias Crystal, alias Hardacre, alias Miami Slim. Der hat einen ganz einfachen Plan: den Triaden so lange in den Arsch treten und sie mit biblischen Plagen zu überziehen, bis sie Candice entnervt freiwillig heraus geben.

Das klingt wie ein primitiver Action-Film, ist es aber natürlich nicht. Denn Wingate ist ein großartiger Schriftsteller und spätestens mit diesem, seinen fünften Roman um Yazov, den neben Trevanians Nikolai Hel besten Profi-Killer der Kriminalliteratur, auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Er verleiht seinem Ich-Erzähler eine ganz eigene Stimme, die den Leser von Anfang an in den Bann zieht und mitempfinden lässt. Wie der wütende Ex-Marine mit einer für ihn kaum durchschaubaren Kultur konfrontiert ist, wie seine nervige Frau durchdreht (und er damit auch noch zurecht kommen muss), dass ist schriftstellerisches Können auf hohem Niveau und deshalb auch spannende Unterhaltung. Das William Wingate seit 1986 keinen weiteren Roman mehr geschrieben hat, ist für jeden Thriller-Afficionado ein herber Verlust. Der unglaublichen Dämlichkeit der Verlagsindustrie (und Hollywood) ist es zu verdanken, dass er aufgehört hat. Der HongKong-Roman ist übrigens nur auf deutsch 1989 bei Ullstein erschienen und erlebte kürzlich seine englischsprachige Erstveröffentlichung als eBook! Wingate: „Only Germans were tough enough to buy the book. It was never published in English..Other publishers made promises, but wanted changes to make the book more ‘politically correct’. One disliked the idea of ‘gooks’ being used to describe an incident in the war in Vietnam, another hated that one of the major villains was a gay Chinese torturer.
My publishers and I could not agree.So, Thank you Charles Darwin—of Survival of the Fittest fame—that the day of the High & Mighty Publisher is over. Publishing has ‚evolved‘ beyond ‚High &Mighty‘ publishing.In the bad old days you really had to ‘suck around’ and ‚toe the line‘.And if you couldn’t do that, then you were out of luck.Thank Amazon/Kindle that I don’t have to do that any longer.The Internet has broken the power of the traditional High & Mighty Publishers…“

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William Wingate ist eines der bestgehütesten Geheimnisse des Thrillers. Trotz gewisser Erfolge (eine Hollywood-Verfilmung) hat er unbegreiflicher Weise nie den verdienten Durchbruch zum internationalen Bestsellerautor geschafft. Vielleicht hat er auch zu früh demoralisiert aufgegeben: Seine fünf Crystal-Romane erschienen zwischen 1977 und 1989. Über ihn ist wenig bekannt. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der 1939 geborene südafrikanische Jurist Ronald Ivan Grbich. Er ist ein begeisterter Pokerspieler, wie das 2011 veröffentlichte eBook „Wake up late, read This … Play Winning Poker before Noon“ beweist. Außerdem kennt er sich mit Macchiavelli aus, wie das witzige Sachbuch „The Don: How to Run a Mafia Family“ belegt.
Mehr weiß man nicht. Ich selbst hatte Mitte der 1980er nur ein kurzes, angenehmes Telefonat mit ihm. Aber statt Mr.Grbich auszufragen, habe ich ihm nur enthusiastisch seine Romane erklärt. Mann, ich muss damals einige Autoren wirklich amüsiert haben.

Wingates Romane sind nicht gerade dünn, aber auch nicht so retardierend und umfangreich wie die seiner Bestsellerkollegen Tom Clancy, Clive Cussler, Dan Brown, David Baldacci Adler Olson oder Ken Follett (die retardierend sein müssen, da sie für ein Publikum arbeiten, dass nur über ein geringes Kurzzeitgedächtnis verfügt). Aber jeder Satz sitzt. Selbst ein ganz ordentlicher Autor wie Vince Flynn verliert sich zu oft in langweiliger Minutiösität. Dagegen ist Wingate immer temporeich. Selbst wenn er innehält um einen Ort, Charakter, eine Atmosphäre oder eine Technologie zu beschreiben, gelingt es ihm, zu faszinieren.
Besonders in den beiden Romanen, die er in der ersten Person verfasst hat, zeigen sich seine Fähigkeiten. Er treibt darin nicht nur Spannung und Setting voran, sondern entwirft auch die packenden Charakterstudien einer 15jährigen Hinterwäldlerin und eines verzweifelten Vaters und Ex-Marine.

51en0xw5FqL[1]Sein Held Yazov, alias Crystal oder Hardacre, ist ein völlig amoralischer Killer ohne goldenen Herzen. Er kennt weder Liebe noch Loyalität und ist nur an seinem Überleben und Lohn interessiert. Oder wie Rice sagt: „Er war der unvergeßlich gefährlichste Typ, dem ich je begegnet bin. Vielleicht hatte er zu diesem oder jenem Zeitpunkt für alle Agencys gearbeitet, Gottes Arbeit getan, die Bevölkerungsstatistik in Grenzen gehalten. Er war nur mit der Kneifzange anzufassen.“ Wen Yazov Mauern niederreißt, interessiert es ihn ein en Dreck ob es sich dabei um tragende Wände handelt. Eine interessante Figur, die Entfremdung als Autarkie definiert.
Eingeführt wurde er im ersten Roman FIREFLY (FEUERSPIEL), 1977. Das Buch spielt Anfang der 1970er auf der Höhe des Kalten Krieges. Angeregt wurde Wingate durch einen realen U-Boot-Unfall der Sowjets, den der große Journalist Seymour Hersh damals für die International Herald Tribune aufgearbeitet hatte. Ein mit der neuesten Technologie ausgestattetes Atom-U-Boot sinkt nach einem Unfall im Pazifik. Im Gegensatz zu den Amerikanern verfügen die Sowjets nicht über die Möglichkeit das Schiff zu orten. Die CIA will natürlich das Wrack bergen um es auszuwerten. Dazu benötigt sie die Hilfe durch einen an Howard Hughes orientierten Konzernchef, der nicht alle Tassen im Schrank hat. Als das Bergungsunternehmen anläuft, verrät es der engste Mitarbeiter des Tycoons. Und nun kommt Yazov, der beste Mann der Russen ins Spiel und dreht die Handlung ins aberwitzige.
Wingate hatte kein Problem, seinen Erstling umgehend an den ersten Verlag zu verkaufen. Es war auf der Höhe der Thrillermanie der 1970er Jahre und Forsyth, LeCarré, Higgins, Trevanian, Deighton oder Follett hatten die Bestsellerlisten fest im Griff. Tatsächlich liest sich FIREFLY sehr an Forsyth orientiert. Erst mit dem Einführen von Yazov entwickelt sich sein eigener Ton. „But English-world best-sellerdom was not to be. Fireplay did not become thriller of the year and I was not the new Frederick Forsyth. See, again in retrospect, Fireplay had one great flaw. Men don’t read novels much, mostly women do. At least in big numbers that matter to markets. And in its essentially all-male spy world, Fireplay lacked a major female heroine. Q.E.D. And so, among other improvements in this ebook version, I have revised Fireplay to create such a major female character. John Mallory becomes JoAnn Mallory. Elementary, my dear Watson…If only I had known that, done that, then…”

Auch BLOODBATH (BLUTBAD), 1978,3548103073[1] wurde von der Realität inspiriert: die Entführung der Air France durch Deutsche und Palästinenser nach Entebbe und diie Geiselbefreiung durch ein israelisches Kommando-Unternehmen. Diesmal soll Yazov den Diktator von Uganda umlegen. „In the novel, Idi Amin was thinly disguised as Obama Okan, two names common enough in East Africa. Since then, time has moved on, and it is probably more politic to write of Idi Okan rather than Obama Okan. And so I have“, sagt Wingate zur Neuausgabe als eBook.

In HARDACRE´S WAY/SHOTGUN (DIE VERGELTUNG DES FREMDEN), 1980, wechselte Wingate erstmals von der Perspektive des allmächtigen Erzählers zum Ich-Erzähler. Der Roman ist eine Noir-Version von Jack Schaefers klassischen Western SHANE. Yazov kommt in ein kleines Nest in Tennessee und räumt mit einem sich dort niedergelassenen alten Mafioso und seiner Gang auf. Der Roman könnte fast eine Blaupause für Lee Childs Rearcher gewesen sein (allerdings ist Reacher ein harmloser Messdiener im Vergleich zu Yazov). Der alte Don hat ein Auge auf die 15jährige Lou geworfen, die die Autowerkstatt in Schwung hät, in der Yazov mit seinem kaputten VW Käfer gelandet ist. Der Roman wird aus ihrer Perspektive erzählt. Also wird Yazov in die ganze Geschichte hinein gezogen.Ym4yNzk2[1] Zwei Killer des Don, deren Dialoge einen Kritiker an die aus Hemingways THE KILLERS erinnerte, wollen Yazov, der sich hier Hardacre nennt, umlegen – und so beginnt der blutige Reigen. SHOTGUN war Wingates erfolgreichstes Buch und wurde mit Burt Reynolds und Cliff Robertson als MALONE mittelprächtig verfilmt. „It wasn’t a bad movie. Only I wish they had stuck more closely to the last third of the book—and my ending, not their own. Mine was much, much better. At least, I think so.” An dem Film war der Autor dieser Zeilen wohl nicht ganz unbeteiligt: Kurz nach dem ich meinen Job als Herausgebe bei Ullstein begonnen hatte, schickte ich das Buch an Adel-Productions, die Produktionsfirma von Alain Delon (in Frankreich wurde es nicht veröffentlicht, dabei hätten die Franzosen einen Autor wie Wingate sofort goutiert). Ich war (und bin) der Meinung, es war ein perfekter Filmstoff für Delon. Außerdem hätte man die Handlung problemlos nach Frankreich oder Spanien transponieren können. In der Delon-Firma lag es dann eine Weile mit vielen anderen möglichen Projekten herum. Schließlich griff es sich der Drehbuchautor Christopher Frank, mit dem Delon an seinem Film LE BATTANT zusammen gearbeitet hatte, und machte – wahrscheinlich mit Delons Einverständnis – einen Hollywood-Deal. Zwar wurde auch SHOTGUN nicht der erhoffte internationale Bestseller, aber immerhin erleichterte der Film-Deal Wingates künftiges Leben: „I used the upfront money for Malone in a crazy investment nobody with half a brain would have looked at twice. And when the investment, by some miracle or two, actually worked out I got paid only half the money the folks I invested with were supposed to pay me. But that is another story…Anyway, half or not, it helped me quit my day job and not really have to do much more after that—like having to wake up every day and do something real for a living. So I am grateful to Malone and Burt Reynolds. Only I wish the investment people had stuck more closely to the deal first agreed—our agreement, not their own.”

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Als vorletzter Roman erschien 1983 CRYSTAL, vielleicht neben HONG KONG mein Lieblingsroman von Wingate. Diesmal räumt der Killer unter den Drogenbossen der French-Connection auf. „I did much research for Crystal, and visited most of the cities that figure in the book, including the docks of Istanbul, Marseille and New York. So, in the end, I believe the novel has an authentic sense of place and time.And in the end too, I could have grown, treated and made heroin myself. Much of the detail about how heroin gets from poppy planting in Turkey to the pretty, white crystalline stuff on the docks of New York is largely true, though I fudged some of the chemistry to avoid problems with crazies.”!BqgdU-QBmk~$(KGrHqUOKiEEuZqSK+ryBLvyeD!Hrw~~_35[1]

Wer auf literarisch gute Polit-Thriller steht und keine Probleme mit extremer Gewalt und Sex hat, der sollte nicht auf die Lektüre von Wingate verzichten. Im Gegensatz zu manch anderen Autoren kann er nämlich extreme Situationen schreiben. Er ist ein harter, böser Zyniker, fernab von jeder politischen Naivität. Bei ihm brennt höchstens Napalm am Ende des Tunnels. Und keiner seiner Romane gleicht vom Plot her den anderen – ausgenommen darin, dass Yazov es in jedem richtig krachen lässt. Man bekommt alle seine Bücher noch antiquarisch oder eben jetzt als kostengünstige eBooks. Allerdings wird man nach der Lektüre des „real McCoy“ Probleme mit aktuellen Bluffern haben. Nie waren Polit-Thriller so noir…

http://www.amazon.de/PAINT-BLACK-%C3%BCber-Noir-Fiction-ebook/dp/B00F5FUIZ2/ref=sr_1_39?s=books&ie=UTF8&qid=1379059878&sr=1-39&keywords=martin+compart

http://www.youtube.com/watch?v=oZM05b6nPhk



KONZERNE WOLLEN UNS DAS WASSER STEHLEN UM ES DANN AN UNS ZU VERKAUFEN! by Martin Compart

Unsere Realität gleicht nicht nur immer mehr den Scince Fiction-Dystopien, sie übertrifft sie auch gelegentlich.
Von mir unbemerkt landete die EU einen neuen Coup:Sie will das Wasser „privatisieren“. Sowas fällt nicht mal den Taliban ein.
Zuerst wurde ich durch die Januar-Sendung von NEUES AUS DER ANSTALT darauf aufmerksam, dann schrieb mir eine Freundin:

„Hallo, Martin!
Ein Nachschlag zum Telefonat: googel mal ein bißchen unter
„Wasserprivatisierung“ in Bolivien, Kolumbien etc., d.h. auf der ganzen Welt.
Ungeheuerlich! Wußtest Du, daß in Deutschland bereits 40% der Wassers privatisiert
worden ist – nach dem liberalen Kriegsgeschrei „Weniger Staat!“? Und alle
finden’s gut vgl. Gauck und sein O mane padme hum „Freiheit, Freiheit“: sprich
freie Fahrt den Konzernen. Die Stadt Berlin versucht bereits, sich wieder zu
befreien und das inzwischen vergammelte Wassernetz zurückzukriegen….
Erschreckend ist, wie sich das entwickelt hat, ohne daß wir gebrüllt haben!
In Lateinamerika hat es ja inzwischen mächtig gebumst und dadurch den Rest
der Welt etwas wachgerüttelt.
Hoffentlich schaffst Du es trotzdem, heute nacht einzuschlafen!“

Was kommt als nächstes?
Wird die EU den Sauerstoff privatisieren?
Wie lange lassen wir uns das noch bieten?
Das Schöne an diesen dreckigen Profit-Schergen ist, dass sie sich den Ast absägen, auf dem sie sitzen.
Das Unangenehme daran ist, sie reissen uns alle mit in den Abgrund.
Mit unseren Politikern ist nur Staat für Privilegierte zu machen, kein Gemeinwesen.

Hier ein Vorschlag, wie wir Wasser für Banker, Politiker, Wirtschaftsbosse und ihre Steigbügelhalter verwenden sollten:

Und hier kann man versuchen, durch seine Unterschrift diesen menschenfeindlichen Mist zu verhindern:

http://www.right2water.eu/de/node/37

Nur gut, dass die Nazis so blöde sind und Exilanten und Obdachlose ermorden. Wenn sie Politiker, Mafiosi oder Wirtschaftsverbrecher töten würden, könnten sie aufs Fatalste mit einer großen Sympathiewelle der Bevölkerung rechnen. Aber sie sind eben auch nur Instrumente.

P.S.: Und da dies der Blog eines armen Worteschmiedes ist, muss ich auch etwas für mich trommeln und empfehle zur Entspannung meinen Anti-EU-Thriller:

Den schrieb ich nämlich, weil ich mich schon früher über die Machenschaften der sogen. Europäischen Union aufgeregt habe.



ERBAULICHE LEKTÜRE FÜR DIE HEILIGE ZEIT by Martin Compart

Der eine oder andere wird über die Feiertage vielleicht keinen Abenteuerurlaub machen und zwischen den obligatorischen Besuchen auch den Volksempfänger meiden. Wer die Tage lieber lesend verbringt, soll hier ein par höchst subjektive Empfehlungen erhalten (oder letzte Geschenkideen).

5656Seit Jahren pflegt der Heyne-Verlag vorzüglich das Gesamtwerk des großen Hunter S.Thompson, der den politischen Niedergang der USA seit den 1960ern aktiv als Kandidat und als beobachtender Autor begleitet hat, Er war und ist die nachhallende Stimme der Revolte und schrieb so, wie Keith Richard (mit dem er befreundet war) Gitarre spielt. Jetzt gibt es dank Heyne einen 770-Seiten-Schinken, der alle Reportagen Hunters für den ROLLING STONE enthält. Dazwischen eingestreut sein Briefwechsel mit STONE-Gründer und Herausgeber Jann Wenner. Nachrichten aus einer anderen Zeit, deren schlimmsten Weichenstellungen bis heute fortwirken. Hunter war wirklich ein sehr, sehr wütender Mensch. Er ist wohl nie darüber hinweg gekommen, dass er anfangs auf Bill Clinton (…er hat Oralsex während der Arbeitszeit gesellschaftsfähig gemacht.“) hereingefallen ist.

Hunter S,Thompson
DIE ROLLING STONE JAHRE
Heyne; 770 Seiten; 24,99 €.

920300
Nicht Jedes Buch, das aus dem viel geschmähten Kopp-Verlag kommt, taugt nicht. Der eitle Litauer Daniel Estulin hat für sein Buch SCHATTENMEISTER: „Wie Regierungen und deren Geheimdienste mit internationalen Drogendealern und Terroristen zusammenarbeiten“ ordentlich herum geschnüffelt und zum Teil Fakten ausgebuddelt, die man vielleicht noch nicht kannte (wie IWF und die USA etwa Russland unter Jelzin ausgeplündert haben). Vieles Behauptungen erscheinen mir strittig und oft genug vergaloppiert sich der Autor. Aber einiges ist neu und verdammt interessant. Ein Buch für den fortgeschrittenen und in sich gefestigten „Verschwörungstheoretiker“, der bereits über genügend Wissen verfügt um Estulins Erkenntnis richtig zu bewerten. Denen wird das Buch eine Menge bieten. Leider sind Übersetzung und Lektorat nicht optimal.

Daniel Estulin
SCHATTENMEISTER
Kopp Verlag; 420 Seiten; 9,95 €.

kopfjägerDie neue Crime-Reihe des Festa Verlages beginnt mit einem Knaller:
Der Name Michael Slade beinhaltet seit 1984 mit das Aufregendste, das die kanadische Kriminalliteratur zu bieten hat: Mountie Noir. Der 1947 geborene Jurist und Historiker Jay Clarke legte damals mit Der Kopfgeldjäger den ersten Band seiner „Special X“-Serie vor. Dabei handelt es sich um eine Abteilung der RCMP, die sich mit Serienkillern und okkulten Verbrechen beschäftigt. Das klingt mittlerweile zwar so ausgelutscht wie ein alter Kaugummi von Elvis, war es damals aber nicht und ist es heute immer noch nicht. Dem Historiker Clarke gelingt es nämlich ebenso spannend vergessene Ereignisse der Geschichte (besonders der kanadischen) als Hintergründe einzuarbeiten, wie unglaublich bizarre Figuren und erschreckende Szenen zu beschreiben. Inzwischen haben sich einige Koautoren zu Clarke gesellt, die sich aber bestens in das Slade-Konzept einfügen. Und das heißt ganz einfach: Bei der Lektüre sollte man Beruhigungsmittel bereitlegen. Eine komplette Würdigung muss an anderer Stelle erfolgen.

Michael Slade
KOPFJÄGER
Festa Verlag; 528 Seiten; 13, 95€.

Bradley_Cover_high Und ich werde nicht müde, auf Andreas Winterers Scott Bradley zu verweisen, den Mann aus dem Dirty-Tricks-Departmrnt von Perry Rhodan!
Die Galaxis steht vor dem Abgrund … doch Weltraum-Commander Scott Bradley ist längst einen Schritt weiter. Als dickfelliger Söldner und trinkfester Haudrauf ist er vor allem für tödliche Einsätze zu haben. Dabei operiert er stets jenseits von Gut und Böse und befreit das Universum von Aliens, Blobs, Mutanten und politisch korrekten Gutmenschen. Eine lustbetonte Ein-Mann-Armee, die Imperatoren, Partisanen und schönen Damen gleichermaßen unter die Arme beziehungsweise in die Gedärme greift, KULTURPLATZ brachte es auf den Punkt: „ Auch für Dumpfbacken tauglich und knallvoll mit Schwachsinn. Perfekte Trash-Literatur. Was willst du mehr, Leser?
Tief durchatmen und …. waaa-aaa-aaa!!! Der Untertitel ist Programm. Der totale Overkill an Blödheiten, Anspielungen und … Blödheiten. Auf jeder Seite des freundlich handlichen Büchleins finden sich mindestens ein halbes Dutzend … Blödheiten. Andreas Winterer hat in das Büchlein doppelt mehr Unfug hineingepackt als Mel Brooks in Spaceballs untergebracht hat. Und das will was heißen. Hut ab und Kratzfuß, lieber Andreas Winterer“
Wie könnte man auch ein Buch nicht bewundern, in dem so kunstvolle wie intelligente Sätze stehen (mein Lieblingssatz) wie: “Der Kobalt-Torpedo zischte vorbei, schrammte die Heckflosse und verlor sich dann in der Ferne des Alls (wo er dann Lichtjahre später aus Versehen eine hochstehende und gottesfürchtige Zivilisation auslöschen würde: die Supernova hatte jedoch auch ihr Gutes, da sie auf einer fernen Welt drei Typen aus dem Morgenland den Weg wies, was zahllose weitere Kriege, Folterungen und Steuern nach sich zog, aber das ist eine andere Geschichte).”

Andreas Winterer:
SCOTT BRADLEY
Evolver Books; 213 Seiten; 14 €.
Jetzt als eBook bei Kindle als kostenloser Download.
Besser ist aber ein „richtiges Buch“, dass man sich von Andreas signieren lassen kann (der Verlag macht da garantiert mit)!

Unbenannt-2 Zsolnay hat uns jetzt lang genug mit den Pastiches von Donald Westlake über den altersschwachen Parker gelangweilt. Jetzt bringt der Verlag den neuen schottischen Noir-Star Tony Black. Sein zweiter Gus Dury-Roman beginnt damit, dass Gus einen Hund rettet, der von einer jugendlichen Gang gequält wird. Und dann stolpert der härteste Alkoholiker Edinburghs auch bald über eine Leiche. Der zuständige Bulle, der Durys Ex heiraten will, verpasst ihm erstmal eine Abreibung und macht ihn zum Verdächtigen. Alles noch harmlos, denn dann geht es erst richtig los und der großartige Autor schleift den Leser am Schlafittchen durch die Hinterhöfe der Hölle. “At the start of Gutted, he’s caught up in another brutal city killing and he suspects it’s not going to be long before he’s put in the frame. Add to that the fact that he’s inherited a pub – which is like putting a pyromaniac in charge of a fireworks factory – and it’s clear to see things have gone from bad to worse for the poor bloke.” Dummerweise wird Black gerne als „neuer Ian Rankin“ bezeichnet. Quatsch. Er ist anders und viel besser. „ Inside the crime genre I like Jim Thompson and David Goodis, and contemporary writers like Ken Bruen and Martyn Waites. I’m a huge Irvine Welsh fan“

Tony Black
GELYNCHT
Zsolnay Verlag; 382 Sewiten; 19,90€.