Martin Compart


DIE USA ALS KANNIBALEN-NATION ENTTARNT! by Martin Compart
20. Oktober 2018, 3:18 pm
Filed under: Horror, TV, TV-Serien | Schlagwörter: , , , , , , ,

Für gute Weird Fiction bin ich immer zu haben!

Sei es literarisch, als Hörbuch oder audiovisuell.

„So war es George Washington möglich, eine Nation von Kannibalen zu schaffen“,

heißt es in Peter Medaks spannender Verfilmung von Bentley Littles Story THE WASHINGTONIANS, Bestandteil der ziemlich ungleichmäßigen TV-Horror-Anthologie MASTERS OF HORROR von 2007.

Diese einstündige Folge war bestes Grusel-Vergnügen, in dem Little eine der heiligsten Kühe des amerikanischen Mythos schlachtet, den verehrten Gründervater Washington. Wie gerne bei Little zeigt er auch hier, dass hinter allen Formen des Establishments das Böse lauert. Das sich hinter den verbreiteten Bildern und Wahrheiten ganz anderes verbirgt:

Die meisten Historiker sind nichts anderes als PR-Manager der Vergangenheit.“
THE WASHINGTONIANS ist in eine Story aus Littles THE COLLECTION.

Bentley Littles Bücher sind eine Weile auch bei uns bei Bastei-Lübbe veröffentlicht worden.

Die wenigen, die ich gelesen habe, gefielen mir ausgesprochen gut. Ich werde auf den Autor zurück kommen. Man muss sich allerdings häufig auf lange Intros einstellen, in denen der Autor seine Sets geradezu plastisch werden lässt, damit die anschließenden Schockwellen wie ein Tsunami über den Leser hinein brechen.

Mein Tipp ist FURCHT (THE ASSOCIATION). Das sollte man lesen, bevor man sich dazu entschließt, in eine abgeschottete Enklave der Wohlhabenden zu ziehen, obwohl die einem ein schwer zu widerstehendes Angebot gemacht haben. Lange (aber faszinierende) Anfahrt, und dann eine Explosion, die lange nachhallt. Eine Suburbia-Allegorie auf den Überwachungsstaat und seiner üblen Interessen vor dem Hintergrund scheinbar garantierter Sicherheit.

https://www.amazon.de/Furcht-Spannungs-Roman-Bentley-Little/dp/3404157982

In diesen Horror-Romanen schwingt als Subtext mit, dass man heutzutage kaum noch dazu in der Lage ist, sich und die Familie gegen die maßlose Gier des Establishments zu verteidigen. Wer nicht mitmacht und selbst zum Kannibalen wird, der wird von ihnen gnadenlos erledigt. Es gibt keinen Platz mehr für Rebellen und Outsider im neuen Jahrtausend.

Am Ende von THE WASHINGTONIANS steht die Botschaft: Die einzige Möglichkeit, mit diesen Ghoulen und ihrer unstillbaren Gier fertig zu werden, ist, sie niederzumetzeln.

Das ist allerdings Peter Medaks Botschaft (obwohl Little dem in anderen Werken zustimmt).

In der literarischen Vorlage erzählt der Autor einen anderen Gag.

Die zusätzliche Punchline von Medak im Epilog ist ebenso gruselig wie spaßig.

Advertisements