Martin Compart


DUSQUESNE: 4. SCHIFFE VERSENKEN by Martin Compart
24. Mai 2017, 9:53 am
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Im Sommer 1913 brach Teddy Roosevelt zu einer neuen Expedition auf – diesmal nach Südamerika, Dusquene wollte unbedingt dabei sein und versuchte dafür Finanzierungsmodelle aufzustellen: Goodyear sollte ihn mit 5000 Dollar finanzieren und er würde im Gegenzug nach Kautschuk suchen. Einer kleinen Filmproduktion bot er an, eine Dokumentation über Roosevelts Dokumentation zu drehen. Alle lehnten ab. Also reiste er mit Alice auf eigene Kosten nach Brasilien; bei sich führten sie eine Filmausrüstung und Material im Wert von 80.000 Dollar.

In Manaus am Amazonas erreichte sie die Nachricht vom Ausbruch des 1.Weltkriegs. Umgehend schickte Fritz seine Frau in die Staaten zurück. Das die Briten ausgerechnet seinen Erzfeind Lord Kitchner zum Kriegsminister ernannt hatten, musste ihn erst recht erbost haben. Schließlich war Kitchners „Strategie der verbrannten Erde“ im Burenkrieg für den Tod von Dusquenes Schwester und Mutter verantwortlich. Deutschland war Britanniens größter Gegner und somit automatisch das Land, das in dieser Auseinandersetzung Dusquesnes größten Sympathien hatte.

Dusquesne wandte sich an das deutsche Konsulat und bot sich als Agent und Saboteur an. Die Deutschen nahmen das Angebot begeistert an.

Er nannte sich nun Ferderick Fredericks und seine Legende war die wissenschaftliche Erkundung von Kautschuk in ganz Lateinamerika, was ihm Mobilität erlaubte und seine Reisen durch den Kontinent plausibel machte. Seine Arbeit als Agent der „Naval Intelligence“ bestand vornehmlich darin, Fracht für die Feinde der Mittelmächte zu sabotieren. Er stand im regen Informationsaustausch mit den deutschen Konsulaten und der Botschaft in Brasilien und richtete seine Basis in Bahia ein. Von dort aus sandte er auf englischen Schiffen Kisten mit Mineralienproben an angebliche Auftraggeber. Die Kisten enthielten statt Mineralien Zeitbomben. Angeblich versenkte er auf diese Weise 22 britische Schiffe, darunter Riesenfrachter wie die „Salvador“ und die „Pembrokeshire“.

Gelegentlich wechselte er die Identitäten: aus Fredericks wurde der holländische Botaniker Fordham oder der Bure Piet Niacoud (phonetisch Dusquene rückwärts). Diese Burschen trieben sich in Brasilien, Guyana, Venezuela, Guatemala oder Nicaragua herum und ließen Kisten mit Mineralien oder Pflanzen auf britische Schiffe verladen. „Piet Niacoud“ war zudem ein beliebter Gast in britischen Klubs in Brasilien, da er dort feurige Reden gegen die Deutschen hielt oder aus literarischen Werken las. Als man später erfuhr, dass Piet ein deutscher Agent sei, reagierten die britischen Diplomaten und Geschäftsleute geschockt und wollten es erst gar nicht glauben. Dusquesne schauspielerischen Qualitäten müssen wohl Oscar reif gewesen sein.

Dusquesne war – wie so oft in seinem Leben – zu sorglos und draufgängerisch. Bereist im Juni 1915 kam ihm ein britischer Konsul in Panama auf die Schliche. Er stellte Fritz eine Falle in einem brasilianischen Hafen. Von britischen Agenten umzingelt, gelang ihm einmal mehr eine halsbrecherische Flucht über die Dächer der Hafengebäude.

Seine letzten Bomben platzierte er im Februar 1916 in Brasilien an Bord der britischen „Tennyson“. Sie waren in 16 Kisten versteckt mit angeblichen Mineralien und einer Kiste mit Filmmaterial, die nach New York gehen sollte. Die Explosionen erfolgten auf dem halben Weg nach Trinidad, aber dem Kapitän gelang es noch das marode Schiff auf Land zu setzen. Drei Seeleute wurden durch die Explosion getötet und eine weitere Bombenladung setzte die „Vauban“ in Brand.
Jetzt waren die Briten wirklich ärgerlich. Bedroht mit der Todesstrafe, wurde auf Dusquesne eine Hetzjagd eröffnet.
Dem britischen Geheimdienst gelang es einen Komplizen von Dusquesne zu fangen, einen Herrn Bauer. Der packte richtig aus und nannte Dusquesne als Chef des gesamten Sabotagerings. Außerdem identifizierte er zwei von Fritz´ Pseudonymen.

Nun aufgeflogen, setzte er sich nach Buenos Aires ab. Ein paar Wochen später gelang ihm ein weiterer Coup: In der „New York Times“ ließ er am 27.April 1916 verkünden, das Fritz Dusquene als Leiter einer Expedition in Bolivien von wilden Indianern umgebracht worden War. Die Zeitung brachte einen schönen, langen Nachruf. Zwei Wochen später kabelte er nach New York, dass er nach einem heldenhaften Kampf gegen die Indios schwer verwundet von bolivianischen Soldaten gerettet worden war. Da er einen amerikanische Pass hatte, konnte er unbehindert und zum Missfallen der Briten nach New York zurück reisen, wo er im Mai 1916 eintraf. Dort konnte er die Versicherungssummen für all seine „verloren gegangenen“ Mineralienverschiffungen einkassieren. Die USA waren bekanntlich noch neutral und die Briten hatten keine Chancen, ihn zu belangen. Allerdings verzögerten die Versicherungsfirmen die Auszahlungen und unternahmen ihre eigenen Untersuchungen, die zu Dusquesnes Verhaftung wegen Versicherungsbetruges führten.

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DUSQUESNE: 3.ZWISCHEN DEN KRIEGEN by Martin Compart
28. April 2017, 6:00 pm
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Nach seiner Ankunft in den USA schickte das Buren-Netzwerk Fritz Dusquene nach New York. Er arbeitete zuerst als U-Bahnkontrolleur, dann ergatterte er einen Job in der Buchhaltung des „New York Herald“. In den Pausen und bei einigen Gläsern nach der Arbeit unterhielt er die Kollegen mit abenteuerlichen Geschichten aus seinem Leben und bekam schließlich das Angebot, einige für die Zeitung zu Papier zu bringen. Daraus ergab sich 1904 ein Job als Journalist für die „New York Sun“. Zwei Jahre später wurde er Redakteur der Sonntagsausgabe. Bis 1909 arbeitete er für drei große New Yorker Zeitungen.

In diesen Jahren strickte er an seinem Mythos: Angeblich war er vor seiner Ankunft in New York als Kriegskorrespondent in Russland, Mazedonien und Marokko; in Paris angesiedelt als Mitarbeiter von „Le Petit Bleu“. Außerdem wollte er auf Wunsch von König Leopold II. den Kongo bereist haben und von 1904 bis 1906 in Australien an einer Expedition von Sir Arthur Jones teilgenommen haben. Und schließlich wollte er für den Vater seiner späteren Frau, S.S.Wortley, in Britisch Westindien eine Reihe von Theatern errichtet haben. Sein Biograph Art Ronnie fand für keine der Behauptungen einen Beleg. Aber er war sicherlich in der New Yorker Publizistikszene kein Unbekannter.
Er schrieb Abenteuergeschichten für verschiedene Magazine und veröffentlichte drei Romane: einen in der französischen Zeitschrift „Le Perit Bleu“ und zwei in südafrikanischen Verlagen. Er publizierte „True Adventure Stories“ in Pulp-Magazinen, neben Autoren wie Rider-Haggard, John Buchan oder Rafael Sabatini. Außerdem war er Mitbegründer des „Adventurers Club“, der aus etwa vierzig Mitgliedern bestand, alles “adventurers, explorers, soldiers, travelers, filibusters, soldiers of fortune and other kindred spirits”.

Wegen seiner Kriegsverbrechen und der zu erwartenden Strafe, betrat er nie wieder südafrikanischen Boden.

Er wurde zu einer bekannten publizistischen Größe mit abenteuerlichem Flair. Im Januar 1908 lud man ihn sogar ins Weiße Haus ein: Am Ende seiner zweiten Amtszeit angelangt, plante Roosevelt eine zweijährige Jagdsafari in Afrika und er ließ sich zwei Stunden von Dusquene beraten.

1910 wurde er der persönliche Waffenexperte von Theodore Roosevelt, den er auf mehreren Safaris und Expeditionen begleitete.

Als Captain Claude Stoughton tauchte er dann in Australien auf und hielt Vorträge über „seine“ Kriege und Erlebnisse. Er hatte etwas verruchtes und geheimnisvolles, das viele Menschen in seinen Bann zog. Besonders die Damenwelt schien sich seiner Attraktivität nicht entziehen zu können,

Im Juni 1910 heiratete er die Amerikanerin Alice Wortley. Nachdem sie später ihrer Familie erzählte, das Dusquene von ihr mehrere Abtreibungen verlangt hatte, riet ihr diese zur Scheidung. Die Ehe wurde nach acht Jahren geschieden. In dieser Zeit war Dusquene mehr unterwegs, als bei seiner Frau

Während des Burenkrieges hatte Dusquesne den Auftrag, den legendären Amerikaner Frederick Russell Burnham zu töten – was nicht gelang. Burnham kämpfte auf britischer Seite als Kommandeur der Scouts und war für die Buren-Guerilleros ein Hauptfeind. Er war auch später noch für die britische Spionageabwehr tätig und wohl auch auf Dusquene angesetzt.
1910 gab es in den USA eine Fleischknappheit, die zur Gründung der „New Food Supply Society“ durch Burnham und dem Kongressabgeordneten Robert Broussard führte. Sie engagierten Dusquene als Experten. Die Idee war, afrikanische Nilpferde in den Bayous von Louisiane anzusiedeln. Broussard schlug die so genannte „Hippo Bill“ vor, die auch von dem immer noch sehr populären Ex-Präsidenten Roosevelt unterstützt wurde. Der Kongress sollte dafür 250.000 Dollar bewilligen und Dusquene sagte als Experte vor dem Landwirtschaftsministerium aus. Das Unternehmen scheiterte knapp. Mit Burnham sollte sich eine respektvolle Beziehung entwickeln. 1933 schrieb Dusquene in einem Brief:

„To my friendly enemy, Major Frederick Russell Burnham, the greatest scout of the world, whose eyes were that of an Empire. I once craved the honour of killing him, but failing that, I extend my heartiest admiration.
One warior to another“

Der Respekt war gegenseitig. Burnham hatte über ihn geschrieben: „He was one of the craftiest men I ever met. He had something of a genius of the Apache for avoiding a combat except in his own terms; yet he would be the last man I should choose to meet in a dark room for a finish fight armed only with knives. Next to Theron I believe Duquesne the greatest scout the Boers produced.“

Dusquene ging mit Roosevelt häufig auf Jagdausflüge und schrieb darüber schmeichelhafte Artikel, die den Ex-Präsidenten in ein heroisches Licht stellten. 1912 machte er vergeblich Wahlkampf für Roosevelt, der eine dritte Präsidentschaft anstrebte.
Das war sicherlich auch hilfreich für den Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft, die Dusquene 1913 erhielt.

1914 wurde Dusquene Spion für die Deutschen.

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