Martin Compart


FRITZ DUSQUESNE 6: FRITZ IM GLÜCK by Martin Compart

„Col. Fritz du Quesne, a fugitive from justice, is wanted by His Majesty’s government for trial on the following charges: Murder on the high seas; the sinking and burning of British ships; the burning of military stores, warehouses, coaling stations, conspiracy, and the falsification of Admiralty documents.“ He carried on hostile operations against the British government in various parts of the world under the following names: Fred, Fredericks, Capt. Claude Staughton, Col. Bezan, von Richthofen, Piet Niacud, etc. His correct and full name is Fritz Joubert Marquis du Quesne. Prior to the war he was known as Capt. Fritz du Quesne, a big game hunter, author, explorer and lecturer.“

-London Daily Mail, May 27, 1919

Fritz lehnte natürlich für sich auch eine vergleichsweise milde Haftstrafe ab und ließ sich etwas einfallen: Er begann den Geisteskranken zu spielen, fing an wirres Zeugs vor sich hin zu plappern und ließ sich die Haare lang wachsen. Wieder bewies sich sein schauspielerisches Talent.

Im Mai 1918 kam es zu einer Anhörung über seine geistige Gesundheit. Anwesend waren zwei bekannte Psychiater, der Gefängnisarzt, ein Anwalt und andere Vertreter des Systems. Fritz riss sich von seinen Wachen los und raste schreiend durch den Raum: “Bring up the guns! Bring up the guns! I want you men to watch the enemy!”
Die drei Mediziner waren sich einig, dass Dusquesne unter medizinische Aufsicht gehörte und wiesen ihn ins Matteawan State Hospital ein. Dort sollte er die nächsten fünf Monate bleiben.

Alice ließ sich daraufhin scheiden.

Irgendwann hielt es Fritz nicht mehr aus; er ertrug die anderen Kranken, mit denen er nun zusammengesperrt war, nicht länger und war über Nacht geheilt. Er verlangte eine neue Anhörung und bekannte sich schuldig bezüglich des Betruges an der Stuyvesant Insurance Company. Die Vorwürfe, britische Schiffe in die Luft gejagt zu haben, bestritt er aus guten Gründen.

Dann wurde diese Anhörung unterbrochen, um am 23. Dezember über Dusquesnes Deportation zu verhandeln. Mitten in der Verhandlung brach er zusammen und behauptete, von der Hüfte an abwärts gelähmt zu sein. Er wurde auf einer Bahre ins Gefängnis getragen.

“I don’t see why I should stay here long. There’s nothing can keep me here.”

Mehrere Ärzte untersuchten ihn. Sie steckten ihm Nadeln in Füße und Zehen, ohne dass Fritz auch nur die geringste Regung zeigte. Absolute Reglosigkeit und Konzentration hatte er schon bei der Jagd auf vier- und zweibeiniges Wild im Veld gelernt. Schließlich waren die Ärzte davon überzeugt, dass er wirklich gelähmt war. Er wurde in den geschlossenen Trakt des Bellevue Hospitals überwiesen.

Dort schob ihm jemand ein paar Sägeblätter zu. Er verbrachte die nächsten Monate in einem Rollstuhl und tat, als würde er durch die vergitterten Fenster die Vögel beobachten, während er unbeobachtet an den Gitterstäben sägte.

Am 19.Mai 1919 bestätigte ein Gericht, dass Dusquene an England auszuliefern sei.
Eine Woche später durchsägte er den Rest von zwei Stäben, sprang aus dem zweiten Stock und verschwand in der Nacht. Am nächsten Morgen sollte er für seine Überstellung aus dem Hospital geholt werden. Einer Fassung zufolge beging er die Flucht als Frau verkleidet.

Police Commissioner Richard E. Enright sandte einen Fahndungsaufruf an alle Polizeistationen: „This man is partly paralysed in the right leg and always carries a cane. May apply for treatment at a hospital or private physician. He also has a skin disease which is a form of eczema. If located, arrest, hold and wire, Detective Division, Police Headquarters, New York City, and an officer will be sent for him with necessary papers.“

Diesmal blieb Fritz dreizehn Jahre in Freiheit!

Einem Bekannten schickte er folgende Nachricht, der diese dann an die Behörden weiterleitete: „Ich wurde aus dem Bellevue Krankenhaus von meinem Cousin, dem Grafen Francois de Rancogne, befreit, der mich dann nach Mexiko brachte.“

In Wirklichkeit tauchte er in Boston unter.

Die New Yorker Polizei suchte weiterhin landesweit mit Fahndungsplakaten nach ihm.
Angeblich landete er jetzt einen weiteren Coup: Während eines Streiks ließ er sich als Polizist anstellen. Das gab ihm die Möglichkeit, alle Fahndungsbulletins und Plakate im Bostoner Polizeihauptquartier zu vernichten. Außerdem wies er Freunde und Bekannte an, in den nächsten Jahren aus allen Teilen der Welt Postkarten an die New Yorker Polizei zu schicken mit den Worten: „Come an get me, Fritz“.

Unter dem Namen Frank de Trafford Craven eröffnete er in Boston eine Werbeagentur.

1926 begann Fritz, alias Frank de Trafford Craven, für Joseph P. Kennedy, Vater von John F., Robert und Edward, zu arbeiten.

Kennedy war mit seiner Firma Film Booking Offices of America ins Stummfilmgeschäft eingestiegen. Wegen des Jobs als PR-Agent für Kennedy, musste Dusquesne Boston verlassen und wieder ins für das Filmgeschäft wichtigere Manhattan ziehen! Fritz hatte wahrlich Nerven, ins Zentrum der Fahndung nach ihm zu wechseln.

1928 gründete Kennedy dann zusammen mit David Sarnoff RKO und Fritz blieb in der PR- Abteilung.
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1930 wechselte er zur Quigley Publishing Company, die eine Reihe mit Filmmagazinen herausgab. Hier nannte er sich Major Craven. Er lebte gut und luxuriös und unterhielt sein mögliches Publikum mit seinen Geschichten über seine Abenteuer in Südamerika während des Großen Krieges.

Wenig ist über diese zwölf Jahre bekannt. Aber damals hatte er wohl seinen ersten „Biographen“, den Schriftsteller Clement Wood (1888-1950) kennengelernt und häufiger Geschichten über sich und sein Leben erzählt. Angeblich hatten sie sich erstmals 1927 auf Haiti in Woods Hotel in Port-au-Prince bei einer kleinen Gesellschaft getroffen.

Dusquesne war als britischer Offizier Major Reginald Anson aufgetreten und habe die Gesellschaft mit seinen Kriegsgeschichten unterhalten. Wood habe ihn 1931 nochmals auf Martinique getroffen und da habe ihm Major Anson eine große Anzahl an Dokumenten und Photographien überlassen, die „ein Freund“ gesammelt habe, um ein Buch über Dusquesne zu schreiben. Über diese Dokumente gibt es keinerlei Beschreibungen.

Wood war ein höchst produktiver Schriftsteller, der vor allem Gedichte schrieb. Daneben aber auch Romane (u.a. das Sequel TOM SAWYER GROWS UP), Sachbücher und Geschichten für Pulp-Magazine. Wood war Sozialist und eine Zeitlang Sekretär von Upton Sinclair. Als scharfer Gegner des britischen Imperialismus hatte er natürlich vollste Sympathien für Dusqusnes Taten.

Dusquesne wird wohl auch seinem ausschweifenden Liebesleben nachgegangen sein; dafür bot ihm die Filmbranche ein breites Spektrum.

Das war auch mit Risiken verbunden:

1932 rächte sich eine Frau an ihm, in dem sie seine wahre Identität an das FBI verriet.
Am 23 Mai 1932 tauchten FBI und Ausländerpolizei im Quigley Building in New York auf und verhafteten ihn mit vorgehaltener Waffe.
Er wurde abgeführt und beim Verhör zusammengeschlagen. Dann wurde er mit dem Anklagepunkt „Mord auf hoher See“ konfrontiert. Fritz beharrte darauf, dass es sich um ein Missverständnis und eine Verwechslung handeln müsse, denn er sei niemand anderer als Major Craven.

Kurz zuvor war Woods Buch THE MAN WHO KILLED KITCHENER erschienen. Also ließ die Polizei Clement Wood kommen, um die Identität des Verhafteten zu klären. Sie zeigten ihm Fritz und Wood sagte, dies sei nicht Dusquesne, den er 1927 und 1931 persönlich getroffen habe. Nein, dies sei selbstverständlich Major Craven, den er seit 1927 kenne. Die Polizei glaubte Wood nicht und rief nun den Agenten Thomas J.Tunney, der Dusquesne 1917 verhaftet hat. Dieser bestätigte seine Identität zweifelsfrei.

Fritz wurde wegen Mordes und Gefängnisausbruchs angeklagt.

Dusquesnes Verteidiger war der Bürgerrechtler Arthur Garfield Hays, der später auch Sacco und Vanzetti vertrat; 1933 ging er nach Deutschland um angebliche Reichstagsbrandstifter wie den Bulgaren Georgi Dimitriov zu verteidigen.

Just in dieser Zeit wollte die britische Krone nichts mehr mit Kriegsverbrechern zu tun haben. Zunehmende innere Unruhen sollten nicht durch dieses extrem unpopuläre und so gut wie vergessene Thema angeheizt werden; also wurden alle Auslieferungsanträge und Anklagepunkte zurückgezogen. Die Staatsanwaltschaft wollte Fritz dann wenigstens wegen des Gefängnisausbruchs und der Flucht verurteilen. Das lehnte der Richter ab.

Fritz verließ das Gericht als freier Mann.

Wieviel Dusel kann ein Mann haben. Schaut man sich seine Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt an, dann muss man Fritz Frederick Dusquesne trotz aller tragischen Umstände gerade in jungen Jahren als einen Glückspilz ansehen, der es mit Gustav Gans aufnehmen konnte.

Nach seiner Entlassung blieb er weiterhin der Quigley-Familie verbunden. Er hielt Vorträge über seine Taten und Quigley brachte ihn mit Experten zusammen, die seine Geschichten und seine Kenntnisse restlos bestätigten.

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FRITZ DUSQUESNE 5: KILLING KITCHENER by Martin Compart
28. Februar 2018, 3:15 pm
Filed under: Afrika, Conspiracy, Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , ,

Auf Geheiß des deutschen Geheimdienstes setzte sich Dusquesne im Juni 1916 aus den USA ab. Als russischer Herzog Boris Zakrevsky tauchte er in Holland auf. Von da aus reiste er nach Schottland um an Bord der HMS Hampshire als Berater von Lord Kitchener, damals britischer Kriegsminister, mit diesem nach Russland auf eine „diplomatische“ Mission zu reisen. Damit kam Dusquene seinem Erzfeind so nahe wie nie. Jetzt konnte er sich persönlich und die Buren rächen. Kitchener musste für seine Grausamkeit und seine Kriegsverbrechen büßen.

Der Held von Omdurman, Sieger über den Mahdi und Rächer Gordons, war bei den Politikern in Whitehall alles andere als beliebt. Um ihn loszuwerden, schickte man ihn in vorgeschoben heikler Mission nach Russland, um zu verhindern, dass der Zar eventuell einen Separatfrieden mit den Mittelmächten schließen würde.

Laut Dusquesne ging er nach Holland, um sich dort mit einem revolutionärem Buren-Komitee zu treffen, das mit dem deutschen Geheimdienst zusammen arbeitete. Diese hatten erfahren, dass ein Herzog Zakrevsky Kitchener auf seiner Reise begleiten sollte und ihn kurzerhand entführt. Das Komitee ernannte Dusquesne zum Colonel und die Deutschen statteten ihn mit den nötigen Papieren aus, die ihn als russischen Herzog auswiesen. Sein Biograph Wood behauptete, Dusquesne hätte fließend Russisch gesprochen, was aber kaum den Tatsachen entsprochen haben könnte. Da Zakrevsky wegen seiner guten Englischkenntnisse als Begleiter ausgewählt worden war, spielte dies keine Rolle.

Am 5.Juni 1916 gingen beide an Bord der HMS Hampshire, die „den Hauptstützpunkt der britischen Flotte Scapa Flow durch den Hoy Sound in Richtung Archangelsk. Wenig später lief sie jedoch westlich der Orkney auf eine Mine, die vermutlich am 23. Mai vom deutschen U-Boot U 75 unter Kurt Beitzen gelegt worden war, und sank binnen 15 Minuten. Von der 655 Mann starken Besatzung überlebten lediglich 12 den Untergang des Schiffes. Unter den Getöteten befand sich neben dem 65-jährigen Kitchener auch ein großer Teil seines militärischen Stabs“ – so laut WIKIPEDIA.

Dusquesnes Version ist eine andere: Er will einem deutschen U-Boot Signale gegeben haben, dass dann das Schiff torpedierte und versenkte. Zuvor war Dusquesne mit einer Schwimmweste von Bord gegangen und später vom U-Boot aufgenommen worden. Für diese Tat wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, dass er auf Fotos von sich mit stolzer Brust trägt.

Über Kitchners Tod existieren eine Reihe von Verschwörungstheorien. Eine besagt, er wäre der Bombe eines irischen Freiheitskämpfers zum Opfer gefallen. Lord Alfred Douglas (ja, der von Oscar Wilde) behauptete, er sei ein Opfer des britischen Geheimdienstes auf Geheiß von Churchill und anderen Kabinettsmitgliedern geworden, da diese Kitchners arrogante Dominanz nicht mehr hinnehmen wollten. Churchill verklagte Lord Douglas erfolgreich deswegen.

Ausführlich berichtet die Seite https://www.deutsche-schutzgebiete.de/kitchener.htm über Theorien, Ablauf und Erkenntnisse dieses Vorfalls. Hier ein Auszug:

„Der Tod Lord Kitcheners löste in Großbritannien eine Schockwelle aus, das Gefühl einer nationaler Katastrophe, nur vergleichbar mit dem Tod Prinzessin Dianas und wie auch nach ihrem Tod gab es bald danach die wildesten Spekulationen über die Ursachen und den Hergang. Sie reichten von einen Anschlag irischer Nationalisten, über die Tat eines deutschen Meisterspions bis zu der deutschen Theorie der britische Geheimdienst habe Lord Kitchener geopfert, damit er nicht die vollkommen desorganisierte russische Armee reorganisieren konnte. Die britische Regierung hätte damals vielfältigere Ziele als die englische Heeresleitung besessen und Großbritanniens Absicht war nicht nur die Niederlage Deutschlands, sondern zugleich die Schwächung Frankreichs und eine möglichst dauerhafte Ausschaltung Russlands als Großmacht. Tatsächlich wurde nach Kitcheners Tod kein Versuch unternommen, eine auch nur annähernd gleichwerte Persönlichkeit seitens der Westmächte mit der Reorganisation des russischen Heeres zu betrauen. Das Ergebnis ist bekannt.



Eine der plausibelsten Verschwörungstheorien britischer Autoren besagt, dass Kitcheners Widersacher im britischen Kabinett ihn einfach loswerden wollten:
Als Kitchener 1914 zum Kriegsminister ernannt wurde, schrieb der britische Premierminister Lloyd George: „Das ganze Kabinett wurde von Kitcheners Gegenwart, wegen seines Rufs und seines enormen Prestiges, eingeschüchtert. Ein Wort von ihm war entscheidend und niemand wagte es, ihn in einer Kabinettsbesprechung herauszufordern“. Über die Jahre bis 1916 waren Lloyd George und Kitchener erbitterte Feinde geworden. Kitcheners Position im Kabinett war inzwischen sehr schwach geworden und nun wollten man sich auch von ihm befreiten. Dies war jedoch aufgrund seiner Beliebtheit als britischer Nationalheld nicht möglich. Der Premierminister versuchte, eine Lösung zu finden. Lloyd George schlug vor, die Bitte der Russen um eine britisch-russische Kooperation zu erörtern und wollte selbst nach Russland reisen, dabei sollte ihn Kitchener ursprünglich nur begleiten. Alles wurde arrangiert, da brach Lloyd George seine geplante Reise ab und fuhr plötzlich nach Irland, Kitchener musste die Reise nach Russland allein antreten.

Die Admiralität organisierte die Reise für den 5. Juni 1916.Die übliche Strecke für Schiffe nach Archangel (Russland) war über den minefreie Kanal ostwärts der Orkey-Inseln und so wurde es auch für dieses Mal geplant.

Jedoch erreichte Kapitän Saville von HMS „Hampshire“, etwa 15 Minuten vor Abreise eine Befehl von Admiral Jellicoe, dass er sein Schiff durch den westlichen Kanal umleitet solle, was dieser auch tat. Dies ist eine sehr bemerkenswerter Punkt, da der westliche Kanal nicht von Minen gesäubert war und diese Tatsache der britischen Admiralität, die Anwesenheit von „U 75“ und seine verrichtete Arbeit, bekannt waren. Die britische Admiralität war seit Ende 1914 in der Lage den deutschen Funkverkehr zu entschlüsseln und wusste so relativ genau über Position und Auftrag der deutschen Schiffe Bescheid. (siehe auch „Was geschah nach dem Verlust von SMS Magdeburg?“). Die anschließende Rettungsaktionen scheinen auf Grund von Kommunikationsschwierigkeit zwischen Admiralität und lokalen Seenotrettungsdiensten behindert worden zu sein. Auch wusste die britische Admiralität vom bevorstehenden Sturmtief und hatte es angeblich falsch interpretiert. Obwohl die beiden Begleitschiffe „Unity“ und „Victor“ hochseefähig waren, wurden sie zurückbeordert.

Das deutsche U-Boot „U 75″ lief am 13. oder 14.12.1917 auf eine englische Mine und versank.“

Dusquesne kehrte in die USA zurück. Er kontaktierte Senator Robert Broussard, mit dem er schon in seinem Vorhaben zusammen gearbeitet hatte, Flusspferde nach Louisiana einzuführen. Broussard führte ihn bei General George Washington Goethals ein, dem Quartiermeister der U.S.Army. Was Dusquesne von ihm wollte, ist unbekannt.
Zur selben Zeit arbeitete er an einer elektromagnetischen Unterwassermine, die er patentieren lassen und an die U.S.-Navy verkaufen wollte. Auch daraus wurde nichts. Kurz nachdem die USA Deutschland den Krieg erklärt hatte, verließ er Washington im Juli.

Am 17.November 1917 wurde Dusquesne in New York verhaftet wegen mehrerer Fälle von Versicherungsbetruges. Man fand bei ihm Zeitungsausschnitte über Schiffsexplosionen und einen Brief des deutschen Vizekonsuls von Nicaragua, indem ausgedrückt wurde, dass Captain Dusquesne in deutschen Diensten stand. Sofort signalisierten die Briten Interessen an dem Fang und baten um Überstellung wegen „murder on the high seas, arson, faking Admiralty documents and conspiring against the Crown“,

Die Amerikaner setzten Dusquesne erstmal fest und bereiteten ihre Vorwürfe prozessual vor. Sie sagten den Briten zu, Dusquesne auszuliefern, wenn sie ihn anschließend zurück schicken würden, damit er seine US-Straftaten abbüßen könne. Ein ziemlich durchsichtiges Verfahren: Die Briten hätten Dusquesne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Tode verurteilt, während die USA ihn nur für vergleichsweise geringe Straftaten belangen konnte.

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DUSQUESNE: 4. SCHIFFE VERSENKEN by Martin Compart
24. Mai 2017, 9:53 am
Filed under: Afrika, Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , , , ,

Im Sommer 1913 brach Teddy Roosevelt zu einer neuen Expedition auf – diesmal nach Südamerika, Dusquene wollte unbedingt dabei sein und versuchte dafür Finanzierungsmodelle aufzustellen: Goodyear sollte ihn mit 5000 Dollar finanzieren und er würde im Gegenzug nach Kautschuk suchen. Einer kleinen Filmproduktion bot er an, eine Dokumentation über Roosevelts Dokumentation zu drehen. Alle lehnten ab. Also reiste er mit Alice auf eigene Kosten nach Brasilien; bei sich führten sie eine Filmausrüstung und Material im Wert von 80.000 Dollar.

In Manaus am Amazonas erreichte sie die Nachricht vom Ausbruch des 1.Weltkriegs. Umgehend schickte Fritz seine Frau in die Staaten zurück. Das die Briten ausgerechnet seinen Erzfeind Lord Kitchner zum Kriegsminister ernannt hatten, musste ihn erst recht erbost haben. Schließlich war Kitchners „Strategie der verbrannten Erde“ im Burenkrieg für den Tod von Dusquenes Schwester und Mutter verantwortlich. Deutschland war Britanniens größter Gegner und somit automatisch das Land, das in dieser Auseinandersetzung Dusquesnes größten Sympathien hatte.

Dusquesne wandte sich an das deutsche Konsulat und bot sich als Agent und Saboteur an. Die Deutschen nahmen das Angebot begeistert an.

Er nannte sich nun Ferderick Fredericks und seine Legende war die wissenschaftliche Erkundung von Kautschuk in ganz Lateinamerika, was ihm Mobilität erlaubte und seine Reisen durch den Kontinent plausibel machte. Seine Arbeit als Agent der „Naval Intelligence“ bestand vornehmlich darin, Fracht für die Feinde der Mittelmächte zu sabotieren. Er stand im regen Informationsaustausch mit den deutschen Konsulaten und der Botschaft in Brasilien und richtete seine Basis in Bahia ein. Von dort aus sandte er auf englischen Schiffen Kisten mit Mineralienproben an angebliche Auftraggeber. Die Kisten enthielten statt Mineralien Zeitbomben. Angeblich versenkte er auf diese Weise 22 britische Schiffe, darunter Riesenfrachter wie die „Salvador“ und die „Pembrokeshire“.

Gelegentlich wechselte er die Identitäten: aus Fredericks wurde der holländische Botaniker Fordham oder der Bure Piet Niacoud (phonetisch Dusquene rückwärts). Diese Burschen trieben sich in Brasilien, Guyana, Venezuela, Guatemala oder Nicaragua herum und ließen Kisten mit Mineralien oder Pflanzen auf britische Schiffe verladen. „Piet Niacoud“ war zudem ein beliebter Gast in britischen Klubs in Brasilien, da er dort feurige Reden gegen die Deutschen hielt oder aus literarischen Werken las. Als man später erfuhr, dass Piet ein deutscher Agent sei, reagierten die britischen Diplomaten und Geschäftsleute geschockt und wollten es erst gar nicht glauben. Dusquesne schauspielerischen Qualitäten müssen wohl Oscar reif gewesen sein.

Dusquesne war – wie so oft in seinem Leben – zu sorglos und draufgängerisch. Bereist im Juni 1915 kam ihm ein britischer Konsul in Panama auf die Schliche. Er stellte Fritz eine Falle in einem brasilianischen Hafen. Von britischen Agenten umzingelt, gelang ihm einmal mehr eine halsbrecherische Flucht über die Dächer der Hafengebäude.

Seine letzten Bomben platzierte er im Februar 1916 in Brasilien an Bord der britischen „Tennyson“. Sie waren in 16 Kisten versteckt mit angeblichen Mineralien und einer Kiste mit Filmmaterial, die nach New York gehen sollte. Die Explosionen erfolgten auf dem halben Weg nach Trinidad, aber dem Kapitän gelang es noch das marode Schiff auf Land zu setzen. Drei Seeleute wurden durch die Explosion getötet und eine weitere Bombenladung setzte die „Vauban“ in Brand.

Jetzt waren die Briten wirklich ärgerlich. Bedroht mit der Todesstrafe, wurde auf Dusquesne eine Hetzjagd eröffnet.

Dem britischen Geheimdienst gelang es einen Komplizen von Dusquesne zu fangen, einen Herrn Bauer. Der packte richtig aus und nannte Dusquesne als Chef des gesamten Sabotagerings. Außerdem identifizierte er zwei von Fritz´ Pseudonymen.

Nun aufgeflogen, setzte er sich nach Buenos Aires ab. Ein paar Wochen später gelang ihm ein weiterer Coup: In der „New York Times“ ließ er am 27.April 1916 verkünden, das Fritz Dusquene als Leiter einer Expedition in Bolivien von wilden Indianern umgebracht worden War. Die Zeitung brachte einen schönen, langen Nachruf. Zwei Wochen später kabelte er nach New York, dass er nach einem heldenhaften Kampf gegen die Indios schwer verwundet von bolivianischen Soldaten gerettet worden war. Da er einen amerikanische Pass hatte, konnte er unbehindert und zum Missfallen der Briten nach New York zurück reisen, wo er im Mai 1916 eintraf. Dort konnte er die Versicherungssummen für all seine „verloren gegangenen“ Mineralienverschiffungen einkassieren. Die USA waren bekanntlich noch neutral und die Briten hatten keine Chancen, ihn zu belangen. Allerdings verzögerten die Versicherungsfirmen die Auszahlungen und unternahmen ihre eigenen Untersuchungen, die zu Dusquesnes Verhaftung wegen Versicherungsbetruges führten.

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DUSQUESNE: 3.ZWISCHEN DEN KRIEGEN by Martin Compart
28. April 2017, 6:00 pm
Filed under: Afrika, Dusquene, Politik & Geschichte, Porträt | Schlagwörter: , ,

Nach seiner Ankunft in den USA schickte das Buren-Netzwerk Fritz Dusquene nach New York. Er arbeitete zuerst als U-Bahnkontrolleur, dann ergatterte er einen Job in der Buchhaltung des „New York Herald“. In den Pausen und bei einigen Gläsern nach der Arbeit unterhielt er die Kollegen mit abenteuerlichen Geschichten aus seinem Leben und bekam schließlich das Angebot, einige für die Zeitung zu Papier zu bringen. Daraus ergab sich 1904 ein Job als Journalist für die „New York Sun“. Zwei Jahre später wurde er Redakteur der Sonntagsausgabe. Bis 1909 arbeitete er für drei große New Yorker Zeitungen.

In diesen Jahren strickte er an seinem Mythos: Angeblich war er vor seiner Ankunft in New York als Kriegskorrespondent in Russland, Mazedonien und Marokko; in Paris angesiedelt als Mitarbeiter von „Le Petit Bleu“. Außerdem wollte er auf Wunsch von König Leopold II. den Kongo bereist haben und von 1904 bis 1906 in Australien an einer Expedition von Sir Arthur Jones teilgenommen haben. Und schließlich wollte er für den Vater seiner späteren Frau, S.S.Wortley, in Britisch Westindien eine Reihe von Theatern errichtet haben. Sein Biograph Art Ronnie fand für keine der Behauptungen einen Beleg.

Aber er war sicherlich in der New Yorker Publizistikszene kein Unbekannter.

Er schrieb Abenteuergeschichten für verschiedene Magazine und veröffentlichte drei Romane: einen in der französischen Zeitschrift „Le Perit Bleu“ und zwei in südafrikanischen Verlagen. Er publizierte „True Adventure Stories“ in Pulp-Magazinen, neben Autoren wie Rider-Haggard, John Buchan oder Rafael Sabatini. Außerdem war er Mitbegründer des „Adventurers Club“, der aus etwa vierzig Mitgliedern bestand, alles “adventurers, explorers, soldiers, travelers, filibusters, soldiers of fortune and other kindred spirits”.

Wegen seiner Kriegsverbrechen und der zu erwartenden Strafe, betrat er nie wieder südafrikanischen Boden.

Er wurde zu einer bekannten publizistischen Größe mit abenteuerlichem Flair. Im Januar 1908 lud man ihn sogar ins Weiße Haus ein: Am Ende seiner zweiten Amtszeit angelangt, plante Roosevelt eine zweijährige Jagdsafari in Afrika und er ließ sich zwei Stunden von Dusquene beraten.

1910 wurde er der persönliche Waffenexperte von Theodore Roosevelt, den er auf mehreren Safaris und Expeditionen begleitete.

Als Captain Claude Stoughton tauchte er dann in Australien auf und hielt Vorträge über „seine“ Kriege und Erlebnisse. Er hatte etwas verruchtes und geheimnisvolles, das viele Menschen in seinen Bann zog. Besonders die Damenwelt schien sich seiner Attraktivität nicht entziehen zu können,

Im Juni 1910 heiratete er die Amerikanerin Alice Wortley. Nachdem sie später ihrer Familie erzählte, das Dusquene von ihr mehrere Abtreibungen verlangt hatte, riet ihr diese zur Scheidung. Die Ehe wurde nach acht Jahren geschieden. In dieser Zeit war Dusquene mehr unterwegs, als bei seiner Frau.

Während des Burenkrieges hatte Dusquesne den Auftrag, den legendären Amerikaner Frederick Russell Burnham zu töten – was nicht gelang. Burnham kämpfte auf britischer Seite als Kommandeur der Scouts und war für die Buren-Guerilleros ein Hauptfeind. Er war auch später noch für die britische Spionageabwehr tätig und wohl auch auf Dusquene angesetzt.

1910 gab es in den USA eine Fleischknappheit, die zur Gründung der „New Food Supply Society“ durch Burnham und dem Kongressabgeordneten Robert Broussard führte. Sie engagierten Dusquene als Experten. Die Idee war, afrikanische Nilpferde in den Bayous von Louisiana anzusiedeln. Broussard schlug die so genannte „Hippo Bill“ vor, die auch von dem immer noch sehr populären Ex-Präsidenten Roosevelt unterstützt wurde. Der Kongress sollte dafür 250.000 Dollar bewilligen und Dusquene sagte als Experte vor dem Landwirtschaftsministerium aus. Das Unternehmen scheiterte knapp. Mit Burnham sollte sich eine respektvolle Beziehung entwickeln. 1933 schrieb Dusquene in einem Brief:

„To my friendly enemy, Major Frederick Russell Burnham, the greatest scout of the world, whose eyes were that of an Empire. I once craved the honour of killing him, but failing that, I extend my heartiest admiration.
One warior to another“

Der Respekt war gegenseitig. Burnham hatte über ihn geschrieben: „He was one of the craftiest men I ever met. He had something of a genius of the Apache for avoiding a combat except in his own terms; yet he would be the last man I should choose to meet in a dark room for a finish fight armed only with knives. Next to Theron I believe Duquesne the greatest scout the Boers produced.“

Dusquene ging mit Roosevelt häufig auf Jagdausflüge und schrieb darüber schmeichelhafte Artikel, die den Ex-Präsidenten in ein heroisches Licht stellten. 1912 machte er vergeblich Wahlkampf für Roosevelt, der eine dritte Präsidentschaft anstrebte.

Das war sicherlich auch hilfreich für den Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft, die Dusquene 1913 erhielt.

1914 wurde Dusquene Spion für die Deutschen.


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