Martin Compart


NOIR-FRAGEN AN DIETER PAUL RUDOLPH by Martin Compart
10. April 2013, 8:34 am
Filed under: Dieter Paul Rudolph, Fragebogen | Schlagwörter:

Er gehört zu den markantesten und vielseitigsten Typen in der deutschen Krimi-Szene. Als Theoretiker war er Mitherausgeber mehrerer Krimi-Jahrbücher, Herausgeber der Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und vor allem Blogger des inzwischen legendären Watching the detectives (2007-13). Außerdem schreibt er Kriminalromane, von denen DER BOTE (Conte, 2012) ein gelungener cross over zwischen Detektivroman und steam punk ist. Heute also der Bünnagelsche Fragebogen mit ihm.dpr

Name?
Dieter Paul Rudolph. Unter anderem.

Berufungen neben dem Schreiben?
Denken. Beobachten. Fehler machen. Also alles, was man tun sollte, wenn man schreibt.

Film in Deinem Geburtsjahr?
Wahlweise „Der Mann mit dem goldenen Arm“ und „Die Mädels vom Immenhof“. Immer wieder interessant ist dabei die Frage, welcher davon mehr noir ist.

Was steht im Bücherschrank?
Alles von: Arno Schmidt, Jean Paul, Vladimir Nabokov, Alfred Döblin und mir. Natürlich auch eine Tour de Force durch die Kriminalliteratur. Von J.D.H. Temme bis Guido Rohm, sprich: nur das Beste.

Was war Deine Noir-Initiation (welcher Film, welches Buch)?
Weder Film noch Buch, sondern eine Erkenntnis: Dass am Ende eines guten Buches immer die Resignation steht. Das Scheitern, die Einsicht. Das Schulterzucken.

Welches Noir-Klischee ist Dir das liebste?
Alkohol, Zigaretten, schöne Frauen, die wie Lauren Bacall aussehen.

Ein paar Film noir-Favoriten?
Geständnis: Ich mache mir nicht viel aus Filmen. Grund: Ich drehe pausenlos in meinem Kopf selber welche und bemühe mich anschließend mit mäßigem Erfolg, sie als Literatur auf die Menschheit loszulassen. Gehört „die Schwarze Serie“ zum Noir? Wenn ja: Ich mag diesen Film, in dem man das Gesicht des Protagonisten nicht sieht, weil es durch die Kamera ersetzt wird.

Und abgesehen von Noirs?
Natürlich „Manche mögen’s heiß“! Natürlich „The Big Sleep“! Und „Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird“ von Alain Tanner. Weil dort ein Männertraum erfüllt wird: der Dreier mit zwei schönen jungen Frauen.

Welche Film- oder Romanfigur würdest Du mit eigenen Händen umbringen?
Keine, das wäre nämlich ungerecht. Die können ja nichts für ihre Blödheit. Man sollte die verantwortlichen Schöpferinnen und Schöpfer – nicht umbringen, aber vielleicht mal tüchtig vermöbeln. All diese im Brei ihrer Klischees und Versatzstücke herumgrübelnden Tiefsinnmenschen, die Flachwichser.

Internet?
Ständig. Überall vorbeischauen. Aufsaugen, abgestoßen sein, angeregt werden. Selbermachen.

Noir-Fragen – Dein Leben als Film noir
1. Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich?
Ich würde eine Statistenrolle bevorzugen. Der kleine Angestellte in der U-Bahn beispielsweise, der den Protagonisten jeden Morgen zwischen Station A und Station C beobachtet, wie er immer desillusionierter wird.

2. Und der Spitzname dazu?
Karl-Heinz natürlich. So heißen die meisten kleinen Angestellten.

3. Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?
Ich wünsche mir einen Autor mit der nüchternen Sprache von J.D.H. Temme, an einigen Stellen das kalte Feuer von Jim Thompson.

4. Berühmtestes Zitat aus dem Streifen? (Beispiel: Scarface = The World
Is Yours, White Heat = Made It Ma, Top Of The World)
„Sie dürfen hier nicht rauchen. Das ist ein Krematorium.“

5. Schwarzweiß- oder Farbfilm?
Nur schwarzweiß. Gibt es überhaupt schon Farbfilme?

6. Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Joni Mitchell, weil sie schon immer ergreifender und intelligenter war als Dylan.

7. Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen?
Keine! Ich bestehe darauf, eine Femme Fatale in den Untergang zu führen. Egal welche.

8. In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
In einem von den Dingern, die James Bond immer fährt. Und bei denen der Knopf für die Mittelstreckenrakete klemmt.

9. Und mit welcher Bewaffnung?
Mittelstreckenrakete, Machete und Intelligenz.

10. Buch für den Knast?
Prousts „Recherche“. Weil es a) sehr umfangreich ist und damit genau richtig für den Knast und weil es b) eigentlich ein prototypischer Noir ist. Am Schluss hängt alles von einem Stück Gebäck ab.

11. Und am Ende: Welche Inschrift würde auf dem Grabstein stehen?
„Er kam, sah und ging wieder.“

Advertisements

Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: